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Apparat - Krieg und Frieden (Music For Theatre)

APPARAT

Krieg und Frieden (Music For Theatre)
VÖ: 15. Februar 2013
Label: Mute
Autor: Katja Embacher

Der Genuss von Soundtracks oder Scores erweist sich häufig als Herausforderung: Kennt man den Film, so kann es passieren, dass die alleinige musikalische Untermalung ohne Bilder nicht wirkt. Hat man den Streifen nicht gesehen, muss man sich mithilfe der Klangwelten eigene Bilder im Kopf kreieren. Genauso verhält es sich mit Musik, die für Bühnenstücke komponiert wurde – wie beispielsweise "Krieg und Frieden". Das neue Werk von Sascha Ring aka Apparat ist die Vertonung der Theater-Inszenierung des Tolstoi-Klassikers von Sebastian Hartmann.

Somit differenziert sich "Krieg und Frieden" zwangsläufig von einem typischen Apparat-Album. Das überwiegend instrumental gestaltete Werk kehrt Beats und Samples den Rücken und besinnt sich stattdessen auf ein Wechselspiel aus klassischer Instrumentierung und verzerrten Synthesizern. Damit bewegt sich "Krieg und Frieden" irgendwo zwischen dem Kammerpop eines Ólafur Arnalds und Postrock á la Mogwai.

"44" eröffnet mit einem Streicherarrangement, das in der folgenden Noise-Version von düsteren Synthie-Drones erschlagen wird. Damit lässt sich erahnen, was den Hörer in der nächsten halben Stunde erwartet: Eine musikalische Schlacht voller Widersprüche. In der einen Seite des Rings ein streicherbasierter Song wie "K&F Thema – Pizzicato", auf der anderen der dunkle Brecher "Tod", der die Welt dröhnend in Schutt und Asche legt. Brüche finden sich nicht nur zwischen den Stücken, sondern auch darin. Wie in dem zerrissenen "Lighton" beispielsweise, dessen Synthesizerfetzen und Percussionssplitter notdürftig von Sascha Rings Stimme zusammengehalten werden. Oder in dem unbehaglichen Kratzen unter den Streichern von "Blank Page", das Bilder von Kakerlakenfüßen auf einem schneeweißen Tischtuch im Kopf wach ruft. Nicht zu vergessen die einsame Zusammenhangslosigkeit einzelner Klangfragmente auf "Pv", die erst nach gut der Hälfte des Tracks mit dem einsetzenden Schlagzeug aus ihrer Isolation gerissen und verbunden werden. Kurz: Man wandelt durch desolate Welten, immer einen Fuß am Abgrund. Bis "Austerlitz" und "A Violent Sky" den Blick nach oben lenken. Und siehe da: Über dieser schwarz verbrannten Erde ist der Himmel plötzlich blau.

"Krieg und Frieden" ist literarisch wie musikalisch keine leichte Kost. Die Dissonanzen innerhalb der Songs fordern volle Aufmerksamkeit, die Kluften dazwischen erzeugen eine Fragmentierung, in der man teilweise vergeblich nach einem Zusammenhang sucht. Dennoch gelingt es Apparat, den Stoff für den Hörer zugänglich zu machen. Dafür muss man weder den Klassiker der Weltliteratur gelesen, noch Hartmanns Interpretation auf den Ruhrfestspielen gesehen haben. Die Bilder im Kopf sind da. Irgendwo im kreativen Hinterzimmer zwischen Groß- und Kleinhirn entsteht ein kleiner individueller Film mit seiner eigenen Geschichte. Vielleicht hat diese mit Tolstois Roman nicht viel gemein. Aber immerhin zeugt sie davon, dass das neue Album von Apparat funktioniert.


Website:
www.apparat.net
Facebook: www.facebook.com/apparat.official

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