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POPCONNECTION - Konzerte - The Lemonheads - 12. Mai 2012, Luxor, Köln
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The Lemonheads - 12. Mai 2012, Luxor, Koeln

THE LEMONHEADS

12. Mai 2012, Luxor, Köln
Autor: Katja Embacher
Foto: Pressefoto

1992 erscheint mit "It's A Shame About Ray" das Debütalbum der Lemonheads. LoFi-Independent aus Boston, der einen Meilenstein in der Geschichte meiner musikalischen Sozialisation markiert. 20 Jahre später stehen die Lemonheads erneut auf der Bühne. Eigentlich ist es nur Ewan Dando, Frontman und seinerzeit Role-Model einer Generation, der sich zwei weitere musikalische Mitstreiter ins Boot geholt hat, um "It's A Shame About Ray" zum erneuten Mal aufleben zu lassen. Während Dando und Co. den DeLorean anschmeißen, setze ich mich in den Zug. Unsere Wege kreuzen sich im Kölner Luxor.

Der Club in der Luxemburger Straße ist prall gefüllt mit Menschen und Erwartungshaltung. Nach einem kurzen Zwischenstopp an der Theke arbeite mich durch das dicht gedrängte Publikum in Richtung Bühne vor. Minuten später betritt Ewan Dando nebst Drummer und Bassist den Saal und legt ohne große Worte los.

Der jüngere Teil des Publikums hat sich vor der Bühne eingefunden, die ältere Generation begnügt sich mit den hinteren Rängen. Es ist seltsam: Während die Stimmung in der Mitte des Raums immer ausgelassener wird, mischt sich in meine nostalgische Seufzerhaltung ein leises Bedauern. Es gilt dem Mann hinter dem Mikrophon, der die Songs des Albums ohne Atempause durch den Raum in die Nacht hinaus prügelt. Als wolle er die Zeiger der Uhr beschleunigen, anstatt sie zurück zu drehen. Wortkarg und emotionslos. Weg von der Vergangenheit, zurück in die Gegenwart, die aus Dandos Solowerken besteht. Wirr fallen die Strähnen seiner Haare in sein Gesicht. Wie ein Vorhang, der ihn von dem Publikum trennt. Dando und seine Zitronenköpfe schrammeln sich lieb- und lustlos durch "Rockin Stroll", "Confetti", "It's A Shame About Ray" über "Rudderless" bis hin zu "Bit Part". Die Jungerwachsenen vor der Bühne erweisen sich als textsicherer Gegner. Schleudern die Lyrics in den Raum, reißen die Arme hoch, hüpfen euphorisch. Dando zeigt sich unbeeindruckt. Bis auf einige wenige Momente, in denen ihn die Anwesenden für Sekundenbruchteile zu erreichen oder zu berühren scheinen. Dann blitzen seine Augen spitzbübisch zwischen den Haarsträhnen hindurch und ein Lächeln zeichnet sich auf seinem Gesicht ab. Irgendwie tut er mir leid. Erinnert mich an an Mommy Fortunas zahnlosen Löwen, der von den Umherstehenden mit ungläubig bestaunt wird, weil sie in ihm den mächtigen Mantikor sehen. Was die hüpfende Meute sieht, weiß ich nicht. Was Ewan Dando sein möchte - Löwe, Mantikor oder nichts von alledem - weiß ich ebenso wenig. Was ich weiß, ist, dass ich den Weg ins Luxor vor 20 Jahren hätte antreten sollen.

Immerhin, als Dando in seiner Gegenwart ankommt, scheint er sogar Gefallen an dem Geschehen zu finden. Die Haarsträhnen werden aus dem Gesicht geschoben, der distanzwahrende Vorhang fällt. Eine halbe Stunde lang erfreut er das Publikum im Alleingang mit seiner Gitarre. Die Solointerpretationen von Songs wie "Into Your Arms", "It's About Time" oder dem Lucinda Williams Cover "Big Red Sun Blues" scheinen ihm deutlich mehr Freude zu bereiten, als der vorherige Teil des Abendprogramms in Bandbesetzung. Als das Publikum bei "Frank Mills" lautstark die Initiative ergreift, überlässt Dando ihnen den Gesangsstab und wirkt in diesem Moment gar fast gerührt.

Nach eineinhalb Stunden ist der Ausflug in die Vergangenheit vorbei. Dando und Co. verlassen die Bühne und parken den
DeLorean in der Tiefgarage. Ich verlasse den Raum und mache mich auf den Heimweg. "It's A Shame About Ray" im Ohr, Gedankenfetzen im Kopf, ein leeres Gefühl im Bauch. Als die Uhr im Zug auf Null springt, entfernt sie mich ein weiteres Jahr von jener Zeit, in der ich mir Gesichter besser merken konnte als Namen. Plötzlich fühle ich mich alt.


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