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POPCONNECTION - Konzerte - Haldern Pop Festival 2010 - 12. August - 14. August 2010, Rees-Haldern
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KONZERTE
Haldern Pop Festival 2010

HALDERN POP FESTIVAL 2010

12. - 14. August 2010, Rees-Haldern
Autoren: Katja Embacher / Jenny Schnabel
Foto: Logo Haldern Pop Festival

"Klima im Wandel der Zeit" ist das Motto des diesjährigen Haldern Pop Festivals. Im Wandel scheint auch die Musiklandschaft zu sein: Weg von den großen Gitarrenbrettern hin zu warmen Banjoklängen handgeklöppelten Folks. Die Palette der Acts reicht von Fanfarlo über Frightened Rabbit bis hin zu Mumford and Sons und endet am Samstag Abend mit The National. Selbstredend finden sich zwischen diesen Namen auch wieder unbekanntere Perlen im Programm, die es zu entdecken gilt.


Donnerstag

Die Entdeckungsreise beginnt bereits am ersten Tag des Festivals. Es gibt nur noch einen Einlass zum Gelände, der vorbeiführt am Spiegeltent und seinem dazugehörigen Biergarten. Der Weg zur Hauptbühne und der ehemaligen Reitbahn führt durch eine zweite Schleuse. Was der Sicherheit zugute kommt, tut der Gemütlichkeit keinen Abbruch. Im Gegenteil. Das somit stärker in das Gelände integrierte Zelt und der Biergarten wirken kuscheliger und deutlich charmanter.

Charmant ist auch das, was am ersten Tag des Festivals im Spiegeltent geboten wird. Zu den eindeutigen Gewinnern des Eröffnungstages gehören zweifelsohne die isländischen Seabear, die die Anwesenden mit herrlichem Indie-Folk begeistern. Zumindest jene Anwesenden, die das große Glück haben, einen Platz im rappelvollen Spiegeltent ergattern zu können. Diejenigen, die von Fortuna weniger begünstigt oder einfach nur ein wenig spät dran sind, müssen mit einem Plätzchen im Biergarten vorlieb nehmen, um sich die Darbietung über die Leinwand anzuschauen, sofern sie keine Lust auf das Einreihen in der Menschenschlange vorm Zelt verspüren. Wer es ins Innere geschafft hat, darf sich von den Performances von Beach House, Sting-Tochter I Blame Coco und Stornoway begeistern lassen.

Wer es ein wenig beschaulicher mag, den erwarten in der Haldern Pop-Bar im Dorfinneren The Black Atlantic und Isbells. Letztere müssen aufgrund technischer Probleme in Form von herausspringenden Sicherungen ihren Gig kurzerhand ins Freie verlegen. Jene, die das belgische Quartett zum Brunnen auf dem Marktplatz des Dorfes begleiten, erleben ein außergewöhnliches und stimmungsvolles Akustikset, das einmal mehr die familiäre Gemütlichkeit des Haldern Pop-Festivals untermauert.  


Freitag

Am Freitag öffnen sich die Pforten zur alten Reitbahn und der Hauptbühne. Nach Triggerfinger und Detroit Social Club steht ein großes Fragezeichen auf dem Programm, das wohl auch in den Köpfen vieler Festivalbesucher bestehen bleibt, als Philipp Poisel als Überraschungsact die Bühne betritt. An dessen Deutsch-Pop scheiden sich die Geister. Was einen Teil der Besucher im lauschigen Sonnenschein erfreut, verleitet die anderen dazu, sich ins Zelt zu begeben, um dort der Performance von Guillemots-Sänger Fyfe Dangerfield beizuwohnen.
Die Alternative zum samtigen Soul von Rox bietet Laura Marling im Spiegeltent, die mit ihren Folksongs und ihrem mädchenhaften Charme so manchen Konzertbesucher zu umgarnen weiß.

Wirkliche Spannung macht sich um kurz nach acht breit, als Delphic die Hauptbühne betreten. Beats und Samples lassen die Reitbahn erzittern, als sich der Elektrosound des britischen Trios in den langsam dunkel werdenden Abendhimmel schraubt. Hier am lauschigen Niederrhein stellen Delphic einmal mehr unter Beweis, dass sie zu einer der besten Live-Bands dieser Tage gehören – und wieder ist man überrascht von der Diskrepanz zwischen Bühnenpräsenz und Konserve.

Im Anschluss präsentieren sich Mumford & Sons ohne Frage als eines der Highlights des diesjährigen Haldern Pop-Festivals. Hatte das folkige Quintett im letzten Jahr noch das Spiegeltent bespielt, so zeigen sie sich des Slots auf der Hauptbühne mehr als würdig. Für einen Großteil des Publikums scheinen Mumford & Sons der offensichtliche Favorit des Festivals zu sein. Chöre der Anwesenden reihen sich an  "White Blank Page" an und bekunden die Sympathie zu Marcus Mumford und Co., "Winter Winds" lädt inmitten der Augustnacht zum gemütlichen Schunkeln ein und bei "Lion Cave" recken sich die Arme in den Himmel, um der Passage "I really fucked it up this time, didn't I my dear?" Ausdruck zu verleihen. Nach einem derartigen Auftritt ist die Messlatte für die nachfolgenden Bands hoch. Vielleicht liegt es daran, dass Beirut die Schreibende im Anschluss nicht wirklich überzeugen wollen. Viel zu sehr wirkt die Begeisterung von Mumford und seinen Söhnen im Geiste im Kopf nach. Oder die Bläser von Beirut sind im Abendprogramm schlichtweg ein wenig zu anstrengend.

Wirklich einfacher wird auch der Auftritt des heutigen Headliners Serena Maneesh nicht. Der in sich verschraubte psychedelische Sound der Schweden sorgt für offene Münder und verstörte Ohren. Eine interessante wie gewöhnungsbedürftige Melange, zu der der Zugang nicht leicht ist. So macht man sich, nachdem die letzten Poptaler des Tages aufgebraucht und das Pressezelt schon längst geschlossen hat, auf den Heimweg, um für das Programm des nächsten Tages Schlaf und Kraft zu tanken.


Samstag

Kraft braucht man, wenn man den Favoriten-gespickten Samstag zelebrieren möchte. Das große Plus: Petrus muss ein Musikfreund sein  - und einer mit einem exzellenten Geschmack dazu! Passend zum letzten Tag des Haldern Pop-Festivals lässt er die Sonnenpferdchen los und verwandelt die alte Reitbahn in eine mollig warme Arena. Auf der Hauptbühne machen Portugal. The Man den Einstieg, dicht gefolgt von Fanfarlo. Die frühe Spielzeit und das Kaiserwetter fordern ihren Tribut: Viele der Besucher scheinen eine Abkühlung im angrenzenden See einem Bad in der Menge vorzuziehen. Schade! Denn der vom Spiegeltent auf die Hauptbühen verlegte Auftritt der Indie-Folkloristen hätte mit Sicherheit noch ein paar Anwesende mehr vertragen können.

Pünktlich um zwanzig vor fünf betreten Frightened Rabbit die Bühne. Es ist das erste Mal, dass die Schotten auf dem niederrheinischen Festival zu Gast sind und der Charme des Haldern Pop hat sie verzaubert. Von der ersten Sekunde an punkten die Hasen mit ihren großartigen Songs, deren Schwerpunkt auf "The Midnight Organ Fight" liegt. Darüber hinaus überzeugen Frightened Rabbit mit unglaublicher Sympathie. Mehrmalig bedankt sich Sänger Scott Hutchinson bei Publikum und Veranstaltern, Teil des Festivals sein zu dürfen. Vor der Bühne staut sich die Hitze, die langsam aber sicher auch Sänger Scott Hutchinson zu schaffen macht. Durchgeschwitzt und leicht errötet erklärt er noch einmal, wie sehr er das Haldern Pop mitsamt seinem Publikum mag – obwohl er derartige Temperaturen in Schottland nicht gewohnt ist.

Heiß bleibt es auch weiterhin, als Blood Red Shoes im Anschluss die Bühne erklimmen. Das Duo sorgt für ein amtliches Rocken auf dem Platz und Crowdsurfer über den Köpfen der Menge. Zum Ende hin lässt es sich Drummer Steven Ansell nicht nehmen, sich nebst Trommel in den Graben zum Publikum zu begeben, um die Anwesenden zum Endspurt anzuspornen. Die Bühne verlässt man(n) mit der obligatorischen Komplettzerschrotung des Drumsets. Ein wenig störts. Diese aufgesetzte Rock 'n' Roller-Pose hätten Blood Red Shoes nämlich nicht nötig gehabt.

Im straff gestrickten Line-Up bleibt kaum Zeit für Erholungspausen. Im Spiegeltent hat man mit Helgi Johnsson, The Low Anthem und den Villagers die Qual der Wahl als Alternativprogramm zur Hauptbühne. Insbesondere letztere zaubern mit ihren melancholischen wie vereinnahmenden Indie-Songs ein Lächeln in die Gesichter der Anwesenden. The Villagers sichern sich gemeinsam mit  dem Elektronik-Solisten Dan Deacon einen Platz auf dem Treppchen der wohl interessantesten und erfolgversprechendsten Neuentdeckungen des diesjährigen Haldern Pop-Festivals. Auf der Hauptbühne machen sich derweil Efterklang bereit. Das Bühnenbild ist ansprechend: Leinwände, die wie ein Straßeneinblick wirken bieten die Hintergrunduntermalung zu den ausgefeilten Songs des dänischen Quintetts. Ausgefeilt ist auch das, was Sophie Hunger im Anschluss präsentiert: Eine großartige Stimme und vereinnahmende Songs, vorgetragen mit Leidenschaft und Inbrunst, die ihresgleichen suchen. Nichtsdestotrotz wird es im Verlauf des Sets anstrengend, der jungen Schweizerin Gehör zu leihen, so dass man die Gelegenheit nutzt, über das Festivalgelände zu flanieren, bis The Tallest Man On Earth zu einer dylanesken Gitarren-Alleinunterhaltung einlädt.

Den Gegenpol bilden Yeasayer aus Brooklyn, die die Anwesenden mit ihrem energiegeladenen Genremix auf den Headliner und Abschlussact der Hauptbühne einstimmen: The National. Mit leichter Verzögerung betreten diese um 0:45 Uhr die Bühne. Der Platz davor ist amtlich gefüllt, die Menschenmenge sorgt dafür, dass die Kälte nicht zu stark durch die Beine in den Körper kriecht. Auf das Warten und die Vorfreude folgt eine Enttäuschung: Trotz eines schön zusammengestellten Sets hinterlässt der Auftritt von The National bei der Schreibenden einen leicht schalen Nachgeschmack. Es mag zum Teil an den technischen Problemen liegen, mit denen die Band zu kämpfen hat und die immer wieder für Unterbrechungen und eine wachsende Unruhe innerhalb des Publikums sorgen, der auch gänsehauterzeugende Songs wie "Sorrow" oder "Terrible Love" ihres aktuellen Longplayers "High Violet" keinen Einhalt zu gebieten vermögen. Vielleicht liegt es auch an dem Pulk Damen, die im stetigen Wechsel einen bunt illuminierten Sitzwürfel des Benson & Hedges-Stands erklimmen und das Kubusklettern dem Geschehen auf der Bühne vorziehen. Als ein Robert Stadlober zwischen den Reihen auftaucht, um einen Blick auf The National zu riskieren, ist es um die Würfelmädchen vollends geschehen. All dies ließe sich letztendlich summieren und in dem Ordner "Festival-Annekdoten" abheften. Letztendlich bestehen bleibt der Fakt, dass es The National nicht wirklich gelingen will, die Intensität und vereinnahmende Atmosphäre ihrer Songs an diesem Abend auch live umzusetzen. Schade!

Mit den letzten Klängen von The National im Ohr tritt man nach drei Tagen des musikalischen Klimawandels den endgültigen Heimweg an. Seltsamerweise fällt es jedes mal etwas schwer, das pittoreske Dörfchen am Niederrhein zu verlassen.  Haldern hat immer etwas von Nachhausekommen. Man kann sich sicher sein, dass man hier auf Freunde trifft und auf Unbekannte, die Freunde werden könnten, weil sie dieselbe Leidenschaft teilen. Auf das Zurückkommen im nächsten Jahr freut man sich bereits nach den ersten Kilometern auf der B67. Mit den Impressionen des niederrheinischen Dörfchens im Kopf und einem selbstgebastelten Mixtape im Herzen.


Website:
www.haldern-pop.de


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