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POPCONNECTION - Konzerte - Berlin Festival 2011 - 09. und 10. September 2011, Flughafen Tempelhof
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Berlin Festival 2011

BERLIN FESTIVAL 2011

09. und 10. September 2011, Flughafen Tempelhof
Autor: Jenny Schnabel
Foto: Geert Schäfer

Zum dritten Mal findet in diesem Jahr das Berlin Festival auf dem stillgelegten Flughafen Tempelhof statt. Nachdem im vergangenen Jahr das Festival am Freitagabend wegen eines zu großen Zuschaueransturm und daraus resultierten Sicherheitsbedenken vorzeitig abgebrochen werden musste, haben die Veranstalter in diesem Jahr ein neues Konzept entwickelt. Die drei Bühnen sind dabei geblieben, jedoch sind die beiden Hangar-Bühnen in diesem Jahr nicht längs, sondern quer angeordnet und die Hangertore im Gegensatz zum Vorjahr weit geöffnet. Zwar geht das neue Konzept im Punkto Zuschauerfreundlichkeit auf, jedoch hat sich soundtechnisch leider nichts verbessert. Der Sound klingt sehr dumpf und die Musik verwandelt sich teilweise in einen unschönen Soundbrei.

Der wettertechnisch graue Freitag bleibt erstaunlicherweise recht leer. Woran es liegen mag, ist unklar. Klar ist, dass es definitiv nicht am Line-Up liegen kann, denn das hat einiges zu bieten. Pünktlich um 14 Uhr eröffnet James Blake den ersten Festivaltag auf der Mainstage vor einem eher überschaubaren Publikum. Warum der Hype-Act des Jahres schon zu so früher Stunde spielt, bleibt ein Rätsel. Dennoch liefert der junge Brite einen ordentlichen Auftritt ab und wird von den wenigen Anwesenden begeistert gefeiert. Allerdings, warum um James Blake allerorts so ein großer Wirbel gemacht wird, kann ich persönlich immer noch nicht nachvollziehen. Nun ja, Geschmäcker sind nun mal verschieden. Mit den Tücken der Technik haben am späteren Nachmittag The Rapture zu kämpfen. Technische Probleme  und eine miese Soundqualität begleiten leider den Auftritt der vier New Yorker, die mit ihrem neuen Album im Gepäck angereist sind. Der anschließende Auftritt von The Drums fällt wohl eher in die Kategorie "belanglos und langweilig". Das Trio spielt sich sehr routiniert durch ein Set aus alten und neuen Songs und erweckt den Anschein, als würde es sich von Seiten der Band um eine Pflichtshow handeln.

Erstes Highlight des Abends sind Primal Scream, die zum 20. Jubiläum von "Screamadelica" ihr legendäres Album in voller Länge performen. Leicht haben es Bobby Gillespie und seine Mannen jedoch mit dem Publikum nicht. Obwohl Primal Scream einen grandiosen Auftritt  hinlegen, geht der Enthusiasmus der Anwesenden gegen Null. Dass dort oben gerade 20 Jahre Musikgeschichte dargeboten wird, interessiert die Anwesenden augenscheinlich genauso wenig, wie wenn in Hamburg ein Sack Mehl umfällt. Auch die Kommunikation zwischen Band und Publikum funktioniert nicht. Bei den kläglichen Versuchen von Bobby Gillespie das Publikum zu animieren, hat man das Gefühl, dass die Anwesenden nur Bahnhof verstehen. Sehr schade! Liebes Publikum, ich bin von euch leider enttäuscht! Von Primal Scream hingegen bin ich mehr als begeistert!

Zweites Highlight und Schlusslicht des Abends sind Suede, die brillant wie immer eine energetische Show mit einem bunten Potpourri aus alten Lieblingsliedern spielen. Aber auch hier hätte man sich von Seiten des Publikums etwas mehr Enthusiasmus gewünscht. Wer die Band bereits im Dezember auf ihrem großartigen Reunion-Konzert in der Hauptstadt gesehen hat, weiß was ich meine. Vielleicht sollte man sich aber auch als Fan seine Lieblingsband einfach nicht auf einem Festival anschauen. Nichtsdestotrotz sorgen Suede für einen krönenden Abschluss des ersten Festivaltages.
 
Nach einem gelungenen Auftakt am Freitag setzt sich der gute Eindruck des diesjährigen Berlin Festivals auch am Samstag weiter fort. Selbst Petrus hat ein Einsehen und schenkt dem Flughafen Tempelhof kuschelige Sonnenstrahlen und sommerliche Temperaturen. Das luftige Line-Up tut sein Übriges: Auf der Hangar 5 Stage lehren Kraftclub in einheitlichem Outfit aus engen Röhrenjeans nebst Hosenträgern mit ihrer Mischung aus zackigen Gitarrenriffs und Sprechgesangspassagen die Anwesenden das Tanzen. Weniger tanzbar, dafür aber intensiver gestaltet sich der Auftritt von The Black Angels. Die schweren psychedelischen Gitarrenriffs der Texaner wabern durch die schwül-warme Luft und laden zum entspannten Genuss eines kühlen Blonden ein. Wie auch im wahren Leben liegen Glück und Niederlage jedoch auch auf Festivals häufig nah beieinander. So sehr The Black Angels begeistern und überraschen, so enttäuschend gestaltet sich leider der Auftritt von The Naked And Famous. Trotz eines großartigen Debütalbums will der Funke der Begeisterung live nicht wirklich überspringen. Ähnlich unspektakulär verhält es sich auch mit dem Auftritt von Beirut, deren indiefolkige Songs von den letzten Sonnenstrahlen des Tages begleitet werden, bevor über dem Tempelhofer Flughafengelände die Nacht hereinbricht. Diese begrüßen Pantha du Prince mit hypnotisierenden Videoprojektionen, die an verwackelte Kameraaufnahmen eines Blair Witch Projekts erinnern. Für Furore in großen Dimensionen sorgt der Auftritt des Hamburger DJs Boys Noize. Zu den wuchtigen technoiden Sounds schießen Flammen über die Köpfe der Anwesenden, deren Hitze man auch in einiger Entfernung zur Bühne noch deutlich spüren kann. Alexander Ridha reißt das Publikum mit sich – in einem Lichtgewitter aus Strobo und donnernden Beats. Beschaulicher halten es derweil dEUS auf der Bühne des Hangar 4. Der Auftritt der Belgier gestaltet sich kuschelig, ja fast schon intim und macht Lust auf den neuen Longplayer nebst folgender Clubtour.

Den Abschluss des Abends liefert auf der Hauptbühne der langersehnte Auftritt der Beginner. Es ist unüberseh- und hörbar, dass Eizi Eiz, Denjo und DJ Mad schlichtweg Spaß am Spiel haben, der sich von der ersten Minute an auf das Publikum überträgt und man erlebt genau jenen Enthusiasmus bei den Zuschauern, den man sowohl Primal Scream als auch Suede von Seiten des Publikums am Vortag gewünscht hätte. Zeitgleich verzaubern Mogwai auf der Hangar 4 Stage die Anwesenden mit ihren verträumten Postrockklangwelten. Für die passende Atmosphäre sorgt der pralle Vollmond, der es sich über dem Gelände gemütlich gemacht hat. Ein perfekter Abschluss eines gelungenen Festivals. Man hat aus den Fehlern des vergangenen Jahres gelernt. Wenn nun noch am Sound gearbeitet wird, könnte sich das nächste Berlin Festival zu einem der Highlights des Hauptstädtischen Musiksommers mausern.



Website:
www.berlinfestival.de

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