POPCONNECTION
DATENSCHUTZERKLÄRUNG   IMPRESSUM
NEWS
REVIEWS INTERVIEWS KONZERTE FEATURES KÜNSTLER A-Z
POPCONNECTION - Im Interview - Tommy Finke: "Ich schreibe Lieder nach Titeln"
Home » Interviews » Tommy Finke: "Ich schreibe Lieder nach Titeln"
INTERVIEWS
Tommy Finke

TOMMY FINKE

"Ich schreibe Lieder nach Titeln"
Datum: 06. Februar 2010
Interview: Jenny Schnabel
Foto: Pressefoto

Mit seinem zweiten Album "Poet der Affen / Poet Of The Apes" hat der Bochumer Musiker Tommy Finke gleich zum doppelten Schlag ausgeholt und sein Zweitlingswerk in zweifacher Ausführung als Doppel-Album in deutscher und englischer Sprache veröffentlicht. Dies stellt gewissermaßen ein Novum dar, denn bisher hat noch kein deutschsprachiger Musiker einen derartigen Versuch unternommen. Welche Idee dahinter steckt, hat uns Tommy Finke im Interview verraten.



POPCONNECTION: Du hast das Album als Doppelalbum mit einer deutschen und englischen Version veröffentlicht. Welche Idee steckt dahinter?

Tommy Finke: Seit ein paar Jahren hat das Internet dazu geführt, dass unheimlich viele Leute von wo-auch-immer meine Musik gehört haben und ich immer wieder Mails bekam mit Fragen zu meinen Texten. Anfangs habe ich hier und da auf die Textfragen geantwortet, dann habe ich die Texte übersetzt und rumgeschickt, manchmal habe ich sogar Übersetzungsvorschläge zugeschickt bekommen. Nach "Repariert, was Euch kaputt macht!" war klar, dass ich eine bilinguale Platte machen musste.


POPCONNECTION: Kannst du kurz etwas zum Entstehungsprozess der Platte erzählen? Wie war deine Herangehensweise insbesondere an die englischen Versionen?

Tommy Finke: Erstmal muss ich mit einem weit verbreiteten Missverständnis aufräumen: Ich habe die Songs nicht auf deutsch geschrieben und dann übersetzt, das wäre mir viel zu plump gewesen. Vielmehr habe ich die Songs parallel auf deutsch und englisch geschrieben. Ich habe mich in dieselbe Stimmung versetzt, die Strophen nebeneinander aufgebaut. Manche Lieder sind daher näher aneinander als andere. Man sollte die beiden Versionen der Songs also eher als eine lange Version eines Liedes betrachten, die geteilt wurde. Um meinen Kopf wieder komplett in "english mode" zu bekommen, habe ich mich außerdem wochenlang mit englischsprachigem Radio, Filmen und Menschen umgeben.


POPCONNECTION: Abgesehen von der zwei-sprachigen Version, was unterscheidet "Poet der Affen / Poet Of The Apes" vom Vorgänger "Repariert, was Euch kaputt macht"?

Tommy Finke: Während "Repariert..." noch die Wunden der zuvor geschehenen Bandauflösung meiner damaligen Gruppe "Stromgitarre" mit sich rumträgt - d.h. ich musste lernen, das Studio komplett für mich allein zu nutzen, um dann wieder Musiker dazuzuholen - ist "Poet der Affen / Poet Of The Apes" gezeichnet von einem vertrauteren Studioprozess und inzwischen wieder festen Musikern, mit denen ich die Songs auch vorher intensiv durchproben konnte. Gerade durch den Proberaumprozess konnte ich diesmal einen großen Teil der Spontanität festhalten, der einigen Nummern auf "Repariert..." zu fehlen scheint. Hört man sich Nummern wie "Die B-Seite der Single" an, dann merkt man das sofort. Das Arrangement war vor der Aufnahme ziemlich neu entstanden.


POPCONNECTION: Du hast eine Förderung durch die "Initiative Musik gGmbH" erhalten. Wie kam es dazu und was hältst du generell von dieser Fördereinrichtung der Bundesregierung?

Tommy Finke: Förderungen von Seiten der Politik sind natürlich ein zweischneidiges Schwert, gerade, wenn man wie ich so einen leichten Punkeinschlag mitbringt. Aber ganz ehrlich: ohne die Förderung hätten wir es sehr viel schwerer mit der Platte gehabt und in Schweden etc. ist das ja auch an der Tagesordnung, dass der Staat fördert. Wie sonst kommen die ganzen guten Schwedenbands hier rüber? Da die Initiative als Geldgeber fungiert und in den Aufnahmeprozess nicht reinredet ist das doch eine ziemlich gute Art der Förderung, weil man sich nicht verbiegen muss.


POPCONNECTION: Du hast ein eigenes Label ("Retter des Rock") auf dem auch dein vorheriges Album "Repariert, was Euch kaputt macht" erschienen ist. Wie bist du auf die Idee gekommen ein eigenes Label zu gründen und was genau kann man sich unter dem Label vorstellen?

Tommy Finke: Die Idee hatte ich mehr oder weniger aus der Not heraus. Immer, wenn eine Plattenfirma zugesagt hatte, mein Album zu machen, war sie auch schon wieder Pleite oder der Verantwortliche gefeuert. Also habe ich das dann selbst in die Hand genommen. Im Prinzip ist mein Label aber gar nicht so spektakulär. Letzten Endes geht es darum, eine Plattform für Freunde von mir zu schaffen, die Ihre Platten so in die Läden kriegen. Ich gebe 100% der Gewinne dann an die Künstler ab.


POPCONNECTION: "Poet der Affen / Poet Of The Apes" ist auf dem Label ROOF Music erschienen. Wie kam der Kontakt zustande?

Tommy Finke: ROOF Music sitzt ja in Bochum und über die Jahre gab es immer mal wieder Kontakte. Irgendwann jetzt mit den Demos und dem Konzept von der neuen Platte hat man sich dann glücklicherweise mal konkreter zusammengesetzt und das Ding dann einfach in Angriff genommen. ROOF hat da auch ein bisschen Mut zum Risiko bewiesen, denn von den 13 Stücken haben die gerade mal 4 im Rohmix gehört und zugesagt. Es hätte also auch ein völliger Griff ins Klo werden können. Aber sowohl Künstler als auch Label sind in diesem Fall sehr zufrieden mit dem Ergebnis.


POPCONNECTION: Es sind mit "Stop The Clocks" und "Die Arroganz der Gosse" zwei Songs auf dem Album, deren Titel mit Oasis in Verbindung stehen. Welchen Bezug hast du zu Oasis und inwiefern hat dich die Band in deinem musikalischen Schaffen beeinflusst?

Tommy Finke: Oasis, speziell Noel Gallagher, liebe ich für die Klarheit und den Dilettantismus in den Liedern. Eine Sache, die man sonst vielleicht im Punk findet. Der Wille, einen Song zu schreiben, auch wenn man nur ein mäßiger Gitarrist ist. Diese Art von Attitüde, die in den Songs liegt, diese Art von - wenn man so will - essentieller Simplizität, die ist auch bei mir zu finden. Der Glücksgriff ist eben daraus die epische Breite zu schaffen, die den Song im Herzen aufgehen lässt.


POPCONNECTION: Was ist zuerst da - der Songtitel oder der Text? Wie ist diesbezüglich deine Herangehensweise beim Songwriting?

Tommy Finke: Ich schreibe Lieder nach Titeln, es ist ein sehr sloganhafter Arbeitsprozess bei mir. Sobald der Titel steht schreibt der Rest sich nahezu automatisch im Fluss. Die besten Lieder brauchen dabei selten mehr als 10 Minuten, um sich fertigzuschreiben.


POPCONNECTION: Du hast Remixe für u.a. Atomic und Tele gemacht. Was ist für dich als Künstler eine größere Herausforderung - einen Remix zu machen oder einen eigenen Song zu schreiben?

Tommy Finke: Ein Remix nimmt im Entstehungsprozess scheinbar mehr Zeit ein, weil ich da tagelang dransitze. Vermeintlich also viel Arbeit im Vergleich zu einem meiner Songs. Aber wenn man sich das mal richtig anschaut wird man feststellen, dass auch der schnellgeschriebene Song einen Arbeitsprozess nach sich zieht. Arrangieren, Proberaum, Studio... All das erfordert dann natürlich noch einmal mehr Arbeit im Detail. Vor allen Dingen kann man da noch unendlich viel falsch machen. Das würde ich mir dann aber nie verzeihen. Bei den Remixen ist es ja häufig so, dass die Bands was bestimmtes an Sound haben wollen und da bin ich dann auch mehr Dienstleister und schiebe meinen persönlichen Geschmack etwas nach Hinten. Das würde ich bei meinen Songs nie machen.


POPCONNECTION: Was können wir in Zukunft von dir erwarten? Ich hab bei Wikipedia gelesen, dass du ein Coveralbum planst. Ist da was dran? Und wenn ja, hast du schon Pläne, welche Songs du covern wirst?

Tommy Finke: Ich sitze da in der Tat dran. Wird aber noch eine Weile dauern, denn Coveralben veröffentlicht man erst, wenn einem nichts Eigenes mehr einfällt. Aber Ihr könnt Euch sicher sein, dass genau die Songs drauf sein werden, mit denen Ihr jetzt nicht rechnet. Und ja: Auch was von Scooter wird dabei sein.


POPCONNECTION: Vielen Dank für das Interview!


Mehr zu Tommy Finke auf POPCONNECTION

SUCHE
A B C D E F G
H I J K L M N
O P Q R S T U
V W X Y Z 0-9 #
AKTUELLE INTERVIEWS

we_path

The Boxer Rebellion

we_path

William McCarthy

we_path

Nada Surf

we_path

Waxahatchee

we_path

JAPANDROIDS

we_path

DIAGRAMS
ZUFÄLLIG SCHON GELESEN?

we_path

THE VIEW

we_path

KILIANS

we_path

YOUNG REBEL SET
INTERN EXTERN
Kontakt Facebook
Impressum
Datenschutzerklärung
   © 2018 Popconnection.de | Das Online-Magazin für alternative Popmusik | CMS by webEdition