POPCONNECTION
   NEWS    PLATTEN    KÜNSTLER    LIVE    POPKULTUR    TELEVISION    INTERN
AKTUELL
ARCHIV
NEWSLETTER
REINGEHÖRT
KURZ & BÜNDIG
IM INTERVIEW
IM PORTRAIT
VORGESTELLT
KÜNSTLER A-Z
KONZERTE
KONZERTFOTOS
PRÄSENTATIONEN
STORIES
SOFAKONZERTE
VIDEOINTERVIEWS KONTAKT
TEAM
IMPRESSUM
POPCONNECTION - Stories - We Call This Dancing - Die Musikszene Südafrikas
Home » Stories » We Call This Dancing - Die Musikszene Südafrikas
STORIES
We Call This Dancing: Die Musikszene Südafrikas

WE CALL THIS DANCING

Die Musikszene Südafrikas
Datum: 27. Juni 2010
Autoren: Katja Embacher / Jenny Schnabel
Foto: Pressefreigabe

Die Welt blickt auf Südafrika. Im Rahmen der Fußball WM 2010 ist der Staat an der Südspitze des afrikanischen Kontinents in den Interessensfokus gerückt. Das Surren von Vuvuzelas hat Einzug in die heimischen Wohnzimmer gehalten.

Aber auch andere südafrikanische Klänge haben ihren Weg nach Europa gefunden. "Come Back As Heroes", der offizielle ARD WM Song 2010, stammt von The Parlotones aus Johannesburg. Ganz gereicht hat es für die südafrikanische Mannschaft nicht, die bereits innerhalb der Gruppenspielen ausgeschieden ist. Dafür haben The Parlotones das Interesse an der südafrikanischen Musikszene geweckt. Neben den Parlotones, die in ihrem Heimatland bereits zu den festen musikalischen Größen gehören, ist es auch mittlerweile weiteren Bands wie Dear Reader, Die Antwoord oder Blk Jks gelungen, international auf sich aufmerksam zu machen. Weitere Künstler wie beispielsweise Thomas Krane, Lark oder Carlo Mombelli gehören derzeit noch zu den Geheimtipps. 

Die alternative Musikszene in Südafrika ist klein, bunt gemischt und äußerst lebhaft. "Jeder kennt jeden. Es fühlt sich an, als würdest du auf jedem Konzert oder jeder Party immer nur dieselben 200 Leute treffen", beschreibt es Sängerin Cherilyn MacNeil von Dear Reader. Im Hinblick auf den Zusammenhalt der Künstler untereinander innerhalb dieser kleinen aber feinen Musiklandschaft scheiden sich die Geister. MacNeil lobt die Verbundenheit innerhalb der Szene. Demgegenüber kritisiert Parlotones-Sänger Kahn Morbee den Konkurrenzkampf: "Die Bands ziehen sich gegenseitig eher herunter, anstatt sich zu unterstützen", so Morbee, "wir sollten viel stärker zusammen arbeiten, um die Musikszene auszubauen. Es sollte kein Wettkampf sein, da es für alle Bands schwierig genug ist, mit der Musik Karriere zu machen."

Tatsächlich gestalten sich Arbeitsbedingungen der Bands innerhalb der afrikanischen Musikszene schwierig. Eigeninitiative und Kreativität sind gefragt. Der generelle Aufbau von Kontakten zu Labeln, Festivals oder Journalisten ist durch die überschaubare Independent-Szene recht einfach. Was jedoch fehlt, ist eine Infrastruktur, die die alternative Musikszene unterstützt. "Die Songs werden oftmals nur bei einer Handvoll Campusradiostationen mit einer sehr geringen Hörerschaft gespielt", erklärt Cherilyn MacNeil, "außerdem es gibt nur wenige Live-Clubs, in denen man auftreten kann." Ähnlich sieht es auch Kahn Morbee. Insbesondere Konzerte erfordern einen enormen Arbeits- und Energieaufwand: "In den meisten Fällen muss man seine Touren selbst planen und booken. Viele Bands sind gezwungen, auf Tour eine PA mitzunehmen, diese ständig auf- und abzubauen und dann stundenlang unterwegs zu sein, um zur nächsten Location zu fahren und dort das Prozedere zu wiederholen."

Damit spielt der Sänger der Parlotones auf eine der größten Schwierigkeiten innerhalb der südafrikanischen Musikszene an: Die Clublandschaft. Die meisten Venues des Staates sind nicht auf Konzerte ausgerichtet. Cherilyn MacNeil bringt es auf den Punkt: "An einen Gig zu gelangen ist kinderleicht. Einen guten Gig in einem guten Club mit guten Sound und einem guten Publikum ist dagegen beinah unmöglich, es sei denn, man ist gewillt, alles selbst in die Hand zu nehmen." Wegen des Mangels an renommierten Live-Clubs haben Dear Reader viele Konzerte in Theatern selbst organisiert.

Ähnlich verhält es sich mit der Repräsentation der Bands durch die Medienanstalten. Die Anzahl an Medien ist begrenzt. Darüber hinaus lenken viele der Medienanstalten ihr Hauptaugenmerk auf die Pop-Charts der USA oder des UK. Es mangelt an musikalischem Spartenjournalismus. "Es gibt bei uns keine Magazine und auch keine Radio- oder TV-Stationen, die sich ausschließlich auf alternative Musik fokussieren" bemängelt Kahne Morbee.

Wie verhält es sich unter diesen Umständen also mit der Rezeption alternativer Musik in Südafrika? Wie werden Bands wie The Parlotones oder Dear Reader trotz eingeschränkter Möglichkeiten zur Promotion wahrgenommen? Bei der Verbreitung der alternativen Musikszene im südlichsten Staat Afrikas spielt das Internet eine sehr große Rolle. Laut Dear Reader-Sängerin MacNeil lebte die Musikszene Südafrikas lange Zeit hinter dem Mond. "Dank des Internets ist die alternative Szene nun wesentlich stärker up-to-date. Indie wird mehr und mehr mainstreamlastig. Eine Menge der Jugendlichen aus der Mittel- und der Oberschicht werden auf die Szene aufmerksam, indem sie ständig neue Sachen online downloaden. Aber diese Kids sind eine Minderheit in Südafrika." Nicht die Medienpräsenz ist ausschlaggebend für die Popularität alternativer Musik, sondern die Klasse: "Die meisten Südafrikaner sind arm und die meisten der Armen sind Farbige, die überwiegend andere Musikstile bevorzugen: Kwaito, Gospel, HipHop, usw.. Somit ist die Trennung der Stile innerhalb der Musikszene stark mit sozialen Unterschieden verbunden." Die Apartheid hat ihre Spuren hinterlassen. Obwohl mittlerweile eine Form der Integration stattgefunden hat, ist Südafrika nach wie vor ein multikultureller Staat, in dem es 11 offizielle Sprachen gibt. Innerhalb dieses Schmelztiegels der Kulturen nimmt alternative Musik einen Nischenplatz ein. Die Fangemeinde ist klein. Diejenigen allerdings, die diese Musik mögen, unterstützen sie mit Leidenschaft.

Noch schwieriger, als die nationale Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, ist es für südafrikanische Indie-/Alternative-Bands in Europa populär zu werden. Die Produktion und Vermarktung eines Albums sind kostenaufwendig, das Touren kommt erschwerend hinzu. Morbee bringt die Problematik auf den Punkt: "Wenn du in deinem eigenen Land nicht erfolgreich bist, dann verdienst du nichts - und du brauchst nun mal Geld, um in Europa zu touren." Auf eigene Faust scheint dies ein utopisches Unterfangen zu sein, es sei denn, es findet sich ein Label, das die Kostenfaktoren übernimmt. Nichtsdestotrotz bleibt er optimistisch: "Die Szene wächst und gedeiht. Das inspiriert eine ganze Generation von Jugendlichen, ein Instrument in die Hand zu nehmen und die Musik zu unterstützen." Ähnlich sieht es auch Cherylin MacNeil: "Ich würde mich sehr freuen, in der südafrikanischen Zukunft ein stärker vereintes Volk zu sehen, aufgeschlossenere Menschen, die sich die alternative Musik anhören. Ich glaube, dass sich die Türen für Südafrika öffnen. Vielleicht liegt es zum Teil an dem gesteigerten Interesse an Südafrika durch die WM, die hier stattfindet. Ich kenne einige Bands, die in Europa Konzerte gespielt haben und die ihre Alben dort veröffentlicht haben."

"Come back as heroes / And make us heroes, too" bitten die Parlotones in ihrem WM-Song. Es bleibt zu hoffen, dass die Welt auch nach dem großen Finale am 11. Juli ihr Augen- und Ohrenmerk weiterhin auf Südafrika richtet, damit die gerade erst geöffneten Türen nicht wieder verschlossen werden.

SUCHE
A B C D E F G
H I J K L M N
O P Q R S T U
V W X Y Z 0-9 #
myspace_de twitter_de facebook

© 2005-2011 Popconnection.de | Das Online-Magazin für Musik und Popkultur | CMS by webEdition