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POPCONNECTION - Stories - THE KIDS ARE UNITED - Die Underage-Scene in London
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STORIES
The Kids Are United - Die Underage-Scene in London

THE KIDS ARE UNITED

Die Underage-Scene in London
Datum: 08. Februar 2008
Autor: Amy Zayed
Foto: Converse Music

In London gibt es seit Mitte 2007 Clubs und Konzertveranstaltungen, wo nur Leute unter 18 Jahren rein dürfen. Alles, was drüber ist, bleibt schlicht und ergreifend draußen. Losgetreten hat den Hype ein 15jähriger Junge namens Sam Kilcoyne.

Vor dem Jabbez Clagg in Manchester steht eine riesige Menschenschlange. Dabei gehen doch nur 500 Leute rein! Ob diese riesige Menschenmenge heute auf das Konzert von Al Policia kommt, wird sich zeigen. Nicht nur aus dem Grund, weil in den Club nur 500 Leute passen, sondern weil das Konzert ein so genannter "Underage Gig" ist. Das heißt, dass nur Leute unter 18 Jahren rein dürfen. El Policia ist eine Band aus Manchester, deren Bandmitglieder selbst alle unter 18 sind. Vor der Tür steht ein Ausweis-Checker, der ganz genau darauf achtet, wie alt die Konzertbesucher sind.

Seit einem guten halben Jahr sind Underage-Veranstaltungen in Großbritannien der neue Hype. Zum ersten Mal im Vereinigten Königreich können sich Leute, die noch nicht 18 sind, Konzerte ihrer Lieblingsband angucken. Toby ist Sänger der Vorband von El Policia Shakey Jakes. Er ist 16, und findet Underage-Gigs großartig: "Die Idee der Underage-Veranstaltungen hat uns sehr geholfen", erklärt er. "Nur, weil die verdammten Clubbesitzer zu faul sind, aufzupassen, wem sie Alkohol ausschenken, sollen Leute unter 18 nicht auf Konzerte gehen! So ein Schwachsinn!"

Bis vor kurzem kam man im vereinigten Königreich nämlich nur auf Konzerte, wenn man über 18 war. Der Grund ist ganz einfach. Die Clubs dürfen an Leute, die noch nicht volljährig sind, keinen Alkohol ausschenken. Und Filzer und Ausweis-Checker an den Bars sind nicht gerade billig. Also müssen Leute unter 18 Jahren in den meisten Fällen draußen bleiben. Die Underage-Veranstaltungen sind daher nicht nur sehr beliebt, sondern auch fördernd für junge Bands. Viele der Fans sind im gleichen Alter wie die Bands. Alle unter 18! Und zum ersten Mal dürfen sich die Fans ihre Lieblingsband live ansehen und nicht nur auf myspace oder anderen Internetportalen. Bands wie El Policia oder die Shaky Jakes aus Manchester wären ohne die Underage-Veranstaltungen nie so bekannt geworden. The Horrors oder Twisted Wheel, die vorher niemand kannte, haben mittlerweile einen Plattenvertrag. Nicht nur Musikmagazine wie der NME wurden auf die Underage-Veranstaltungen aufmerksam, sondern auch Zeitungen wie der Guardian oder der Observer berichteten darüber.

Sam Kilcoyne ist 15 Jahre alt, wohnt in London und macht nächstes Jahr seinen Schulabschluss. Und Nebenbei ist er Konzertveranstalter. Aber dass erst seit einigen Monaten. Sein Zimmer ist über und über besät mit CDs und Platten. Auf dem Schreibtisch, in den Regalen, auf der Fensterbank, auf dem Boden auf dem Sofa! Zwar alle hübsch geordnet, aber schon sehr platzeinnehmend. Sam ist ein echter Musikfan, und lässt sich ungern neue Bands, sowohl auf Platte, CD oder live entgehen, Und hätte man ihm vor einem guten halben Jahr gesagt, dass er in ganz Großbritannien einen Hype lostreten würde, hätte er wahrscheinlich nur gelacht.

Alles fing damit an, dass er im Frühjahr diesen Jahres seine Lieblingsband The Horrors sehen wollte, aber schlicht und ergreifend nicht aufs Konzert kam. "In England ist das echt schlimm. Vor allem in London", erklärt Sam. "Du kommst auf gar kein Konzert, wenn du unter 18 bist. Überall musst du deinen verdammten Ausweis zeigen, und wenn du noch keine 18 bist, dann musst du eben draußen bleiben! Das hat mich so angenervt, dass ich gesagt habe, ich will was machen, wo jeder hin kann! Und dann hab ich angefangen, Konzerte zu veranstalten. Zwei Wochen vor dem ersten Konzert, was ich veranstaltete kam mir allerdings der Gedanke: Verdammt! Die Über-18jährigen kommen doch eh überall rein. Warum soll ich die denn bitte auf meine Veranstaltung lassen? Und da hab ich einfach gedacht, ich dreh den Spieß um, und es kommen nur Leute unter 18 auf meine Veranstaltungen!"

Doch es kostet nun mal sehr viel mehr Zeit und Geld, Leute einzustellen, die an der Bar auch noch Ausweise checken. Also musste sich Sam was einfallen lassen. Und da war noch die Frage: Wie überzeugt man einen Club, ein Konzert zu beherbergen, auf dem kein Alkohol verkauft werden darf? Ganz ohne Hilfe funktionierte das Ganze allerdings nicht. Sams Vater, der auch sein Manager ist, ist im Musikbusiness nicht unerfahren. Er war früher bei einer Elektroband namens Add n To X und hatte so einige Kontakte zu größeren Plattenfirmen und Promoagenturen. Die haben Sams Veranstaltungen vor allem finanziell unterstützt. "Die Plattenfirmen haben natürlich einen Vorteil in der Idee gesehen. Die Käufer von Musik sind schon meistens unter 18, und wenn die ihre Lieblingsband dann auch endlich mal live sehen können, dann kaufen die auch mehr Platten und erzählen ihren Freunden davon. Daher haben die die Clubs gesponsert, um sie finanziell abzusichern, da sie ja bei Underage-Gigs keinen Alkohol verkaufen dürfen!"

Nach der ersten Veranstaltung folgte direkt ein Festival, wo nur Leute unter 18 rein durften. Und danach ging im ganzen vereinigten Königreich ein riesiger Medienwirbel los. Alle Zeitungen griffen das Thema auf und wollten mit Sam sprechen. Doch Sam lässt das alles ziemlich kalt. "Mittlerweile hab ich keinen Bock mehr! Ich will irgendwas anderes machen", stellt Sam nüchtern fest. "Ich wollte die Leute einfach nur aufmerksam machen, auf etwas, was schlicht und ergreifend falsch läuft bei uns, und für dass eine Regelung gefunden werden muss. Anstatt einen Riesenhype zu veranstalten, sollte man sich überlegen, was dagegen getan werden kann. Wie man dafür sorgen kann, dass jeder zu Konzerten kann, ohne Altersdiskriminierung."

Alex Mcann ist Konzertveranstalter in Manchester und managet eine Band, deren Mitglieder selbst alle unter 18 sind. "Ich denke, der beste Weg ist, Konzerte für alle Altersgruppen freizugeben. Dann müssen die Clubs eben mehr Geld raus hauen für Filzer und Ausweis-Checker. Aber ich halte weder Underage- noch Over-18-Gigs für sinnvoll. Underage-Gigs sind ein guter Denkanstoss gewesen. Und es muss wirklich irgendeine Lösung geben. Das beste Beispiel war, als ich meine Band nicht in einem Club spielen lassen konnte, weil die Bandmitglieder selbst nicht 18 waren. Das macht doch überhaupt keinen Sinn!" In Manchester geht man daher jetzt noch einen Schritt Weiter und Alex organisiert jetzt All Age-Gigs. Er rekrutiert Leute, die für wenig Geld Ausweise und Taschen filzen, damit auch ja keiner Alkohol kauft oder reinschmuggelt, der noch nicht alt genug ist, aber wenigstens können sich alle die wollen, die Musik anhören.

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