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In London gibt es seit
Mitte 2007 Clubs und Konzertveranstaltungen, wo nur Leute unter 18
Jahren rein dürfen. Alles, was drüber ist, bleibt schlicht und
ergreifend draußen. Losgetreten hat den Hype ein 15jähriger Junge
namens Sam Kilcoyne.
Vor dem Jabbez Clagg in Manchester steht
eine riesige Menschenschlange. Dabei gehen doch nur 500 Leute rein! Ob
diese riesige Menschenmenge heute auf das Konzert von Al Policia kommt,
wird sich zeigen. Nicht nur aus dem Grund, weil in den Club nur 500
Leute passen, sondern weil das Konzert ein so genannter "Underage Gig"
ist. Das heißt, dass nur Leute unter 18 Jahren rein dürfen. El Policia
ist eine Band aus Manchester, deren Bandmitglieder selbst alle unter 18
sind. Vor der Tür steht ein Ausweis-Checker, der ganz genau darauf
achtet, wie alt die Konzertbesucher sind.
Seit einem guten
halben Jahr sind Underage-Veranstaltungen in Großbritannien der neue
Hype. Zum ersten Mal im Vereinigten Königreich können sich Leute, die
noch nicht 18 sind, Konzerte ihrer Lieblingsband angucken. Toby ist Sänger der Vorband von El Policia Shakey Jakes. Er ist 16, und findet Underage-Gigs großartig: "Die Idee der Underage-Veranstaltungen hat uns sehr geholfen", erklärt er. "Nur,
weil die verdammten Clubbesitzer zu faul sind, aufzupassen, wem sie
Alkohol ausschenken, sollen Leute unter 18 nicht auf Konzerte gehen! So
ein Schwachsinn!"
Bis vor kurzem kam man im vereinigten
Königreich nämlich nur auf Konzerte, wenn man über 18 war. Der Grund
ist ganz einfach. Die Clubs dürfen an Leute, die noch nicht volljährig
sind, keinen Alkohol ausschenken. Und Filzer und Ausweis-Checker an den
Bars sind nicht gerade billig. Also müssen Leute unter 18 Jahren in den
meisten Fällen draußen bleiben. Die Underage-Veranstaltungen sind daher
nicht nur sehr beliebt, sondern auch fördernd für junge Bands. Viele
der Fans sind im gleichen Alter wie die Bands. Alle unter 18! Und zum
ersten Mal dürfen sich die Fans ihre Lieblingsband live ansehen und
nicht nur auf myspace oder anderen Internetportalen. Bands wie El
Policia oder die Shaky Jakes aus Manchester wären ohne die
Underage-Veranstaltungen nie so bekannt geworden. The Horrors oder
Twisted Wheel, die vorher niemand kannte, haben mittlerweile einen
Plattenvertrag. Nicht nur Musikmagazine wie der NME wurden auf die
Underage-Veranstaltungen aufmerksam, sondern auch Zeitungen wie der
Guardian oder der Observer berichteten darüber.
Sam Kilcoyne
ist 15 Jahre alt, wohnt in London und macht nächstes Jahr seinen
Schulabschluss. Und Nebenbei ist er Konzertveranstalter. Aber dass erst
seit einigen Monaten. Sein Zimmer ist über und über besät mit CDs
und Platten. Auf dem Schreibtisch, in den Regalen, auf der Fensterbank,
auf dem Boden auf dem Sofa! Zwar alle hübsch geordnet, aber schon sehr
platzeinnehmend. Sam ist ein echter Musikfan, und lässt sich ungern
neue Bands, sowohl auf Platte, CD oder live entgehen, Und hätte man ihm
vor einem guten halben Jahr gesagt, dass er in ganz Großbritannien
einen Hype lostreten würde, hätte er wahrscheinlich nur gelacht.
Alles
fing damit an, dass er im Frühjahr diesen Jahres seine Lieblingsband
The Horrors sehen wollte, aber schlicht und ergreifend nicht aufs
Konzert kam. "In England ist das echt schlimm. Vor allem in London", erklärt Sam. "Du
kommst auf gar kein Konzert, wenn du unter 18 bist. Überall musst du
deinen verdammten Ausweis zeigen, und wenn du noch keine 18 bist, dann
musst du eben draußen bleiben! Das hat mich so angenervt, dass ich
gesagt habe, ich will was machen, wo jeder hin kann! Und dann hab ich
angefangen, Konzerte zu veranstalten. Zwei Wochen vor dem ersten
Konzert, was ich veranstaltete kam mir allerdings der Gedanke:
Verdammt! Die Über-18jährigen kommen doch eh überall rein. Warum soll
ich die denn bitte auf meine Veranstaltung lassen? Und da hab ich
einfach gedacht, ich dreh den Spieß um, und es kommen nur Leute unter
18 auf meine Veranstaltungen!"
Doch es kostet nun mal sehr
viel mehr Zeit und Geld, Leute einzustellen, die an der Bar auch noch
Ausweise checken. Also musste sich Sam was einfallen lassen. Und da war
noch die Frage: Wie überzeugt man einen Club, ein Konzert zu
beherbergen, auf dem kein Alkohol verkauft werden darf? Ganz ohne
Hilfe funktionierte das Ganze allerdings nicht. Sams Vater, der auch
sein Manager ist, ist im Musikbusiness nicht unerfahren. Er war früher
bei einer Elektroband namens Add n To X und hatte so einige Kontakte zu
größeren Plattenfirmen und Promoagenturen. Die haben Sams
Veranstaltungen vor allem finanziell unterstützt. "Die
Plattenfirmen haben natürlich einen Vorteil in der Idee gesehen. Die
Käufer von Musik sind schon meistens unter 18, und wenn die ihre
Lieblingsband dann auch endlich mal live sehen können, dann kaufen die
auch mehr Platten und erzählen ihren Freunden davon. Daher haben die
die Clubs gesponsert, um sie finanziell abzusichern, da sie ja bei
Underage-Gigs keinen Alkohol verkaufen dürfen!"
Nach der
ersten Veranstaltung folgte direkt ein Festival, wo nur Leute unter 18
rein durften. Und danach ging im ganzen vereinigten Königreich ein
riesiger Medienwirbel los. Alle Zeitungen griffen das Thema auf und
wollten mit Sam sprechen. Doch Sam lässt das alles ziemlich kalt. "Mittlerweile hab ich keinen Bock mehr! Ich will irgendwas anderes machen", stellt Sam nüchtern fest. "Ich
wollte die Leute einfach nur aufmerksam machen, auf etwas, was schlicht
und ergreifend falsch läuft bei uns, und für dass eine Regelung
gefunden werden muss. Anstatt einen Riesenhype zu veranstalten, sollte
man sich überlegen, was dagegen getan werden kann. Wie man dafür sorgen
kann, dass jeder zu Konzerten kann, ohne Altersdiskriminierung."
Alex Mcann ist Konzertveranstalter in Manchester und managet eine Band, deren Mitglieder selbst alle unter 18 sind. "Ich
denke, der beste Weg ist, Konzerte für alle Altersgruppen freizugeben.
Dann müssen die Clubs eben mehr Geld raus hauen für Filzer und
Ausweis-Checker. Aber ich halte weder Underage- noch Over-18-Gigs für
sinnvoll. Underage-Gigs sind ein guter Denkanstoss gewesen. Und es muss
wirklich irgendeine Lösung geben. Das beste Beispiel war, als ich meine
Band nicht in einem Club spielen lassen konnte, weil die Bandmitglieder
selbst nicht 18 waren. Das macht doch überhaupt keinen Sinn!" In
Manchester geht man daher jetzt noch einen Schritt Weiter und Alex
organisiert jetzt All Age-Gigs. Er rekrutiert Leute, die für wenig Geld
Ausweise und Taschen filzen, damit auch ja keiner Alkohol kauft oder
reinschmuggelt, der noch nicht alt genug ist, aber wenigstens können
sich alle die wollen, die Musik anhören.
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