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Owen Pallett Heartland
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WE DANCED TOGETHER: THE NEW RAVE REVOLUTION |
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Foto: Pressefoto |
Während Franz Ferdinand, Maxïmo Park, Bloc Party, Kaiser Chiefs, Editors und Co. noch fleißig dabei sind den Indie-Rock neu zu erfinden, werkeln Mitte der Nuller ein paar Jungs um die 20, die mit allen Mitteln richtig Krach machen wollen, bereits daran ein Bindeglied zwischen Dance und Garagerock zu schaffen. Bereits 2006 ruft der britische NME die "New Rave Revolution" aus. Indie-Bands füllen schnell die Clubs und elektronische Acts, vornehmlich aus London und Paris, geben inzwischen immer häufiger Live-Konzerte.
Der Hype auf Laufsteg und Plattenteller wird schnell global: Goose kommen aus Belgien, The Presets aus Australien, CSS aus Brasilien. Das Buben-Duo Justice erscheint auf Ed Banger – den Pionieren des Indie-Dance-Punks schlechthin. Und auch ein anderes Pariser Label macht immer lauter von sich reden: Kitsuné Music. Hier haben zum Beispiel die Hamburger Digitalism ein Zuhause gefunden.
Dabei war "New Rave“ zuallererst nur als Witz auf einem Konzert-Flyer der Londoner Klaxons gedacht, die 2005 das Licht des Dancefloors erblickten. Während die vier Jungs an einem neuen Sound bastelten, schneiderte ihre Stylistin Carri Mundane den passenden Look zum Hype: bunt, schrill, retro. Fluoreszierende Neon-Aufdrucke treffen auf giftgelbe Smileys treffen auf Tetris- und Pacman-Prints. Und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass plötzlich auch der gute alte Leuchtstab seine Rückkehr in den Club feiert.
"New Rave“ geht es um Euphorie. Nachdem Indie-Rock in übercoolen Posen zu erstarrten drohte, ist Ekstase wieder erlaubt. Eine Extradosis Schweiß, ein Hauch Hysterie. Wodka-Redbull statt Becks, Ecstasy statt Joint. Dancefloor statt Barhocker. Es darf wieder gelacht werden und vor allem muss man sich nicht mehr schämen, wenn der DJ einen simplen Rave- oder gar Eurodance-Knaller aus den frühen 90ies auflegt.
Hört man jedoch genau hin, klingt das, was "Indie-Musik für immer verändern wird“ (NME), nicht wirklich "new". Mit einer Wiederbelebung der alten Manchester Rave-Szene haben diese Bands schon gar nichts am Hut. Das einzige, was Gruppen wie Simian Mobile Disco, Hadouken!, Late of the Pier, Test Icicles, Bono Must Die oder auch Shitdisco wirklich miteinander verbindet, ist ihre Mischung aus Gitarrenmusik und Elektronik. Das Rezept ist sichtlich einfach: Man nehme ein bisschen New Wave aus den 80ies, eine gehörige Portion Post-Punk und beschleunige dies um mindestens 130 bpm. Vorausgedacht wird höchstens bis zum nächsten Break aus atmosphärischen Flächen – und der kommt immer verlässlich nach vier Takten. Das ist jedoch nichts Neues und eigentlich seit Jahren unter dem Sammelbegriff "Electroclash“ bekannt.
Das heißt: New Rave gibt es eigentlich gar nicht. Kleinkariert könnte man gar sagen: Digitalism machen Electro-House, Justice sind ein Electronica-Duo, die Klaxons nahezu eine Pop-Rock-Band. Goose frönen dem Dance Punk und der New Young Pony Club bewegt sich im schlichten Gefilde des Indie-Rocks, gewürzt mit tanzbaren Electropop-Elementen.
Die Hype-Konstrukteure des NME sind sich dennoch einig: "New Rave“ ist das Aufregendste, das in der britischen Musik passiert. So steht es zumindest im Jahresrückblick 2007. Damit beweihräuchert sich das einflussreichste Musikblatt Englands wohl vor allem selbst, denn mehr als eine inhaltsleere Hype-Hülse ist am Anfang des neuen Jahrzehnts von "New Rave“ nicht geblieben. Ganz nach dem Motto "You build ’em up – You knock ’em down“ interessiert sich auch der NME schon lange nicht mehr für "New Rave“. Aber wer will es der Gazette auch verübeln, mit immer neuen Genres macht sich eben bessere Auflage. Da das (musikalische) Recycling der 90er gerade jedoch ohnehin erst am Beginn steht, warten wir gespannt, welcher Witz als nächstes völlig außer Kontrolle gerät.
Text: Katrin Reichwein
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Aktualisierung: 25.02.2010
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