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Sophia - As We Make Our Way (Unknown Harbours)

SOPHIA

As We Make Our Way (Unknown Harbours)
VÖ: 15. April 2016
Label:
The Flower Shop Recordings
Autor: Katja Embacher

Sinken oder Schwimmen? Ein Großteil der Songs von Robin Proper-Sheppard bewegen sich zwischen diesen beiden Möglichkeiten. Sophia-Alben verdeutlichen immer wieder aufs Neue, wie wunderschön Traurigkeit klingen kann. Wie großartig sich Schwermut anhört. "As We Make Our Way (Unknown Harbours)" reiht sich zwar in den Kanon der Elegien ein, dennoch ist es anders als erwartet.
 
Als äußerst positive Überraschung erwies sich bereits Appetizer "Resisting", den Sophia der Hörerschaft schon vor der Album-Veröffentlichung zur Verfügung stellte. Ungestüme Gitarrenriffs treiben den Song wie Ambosswolken vor sich her, während sich die Stimmung des Songs wie ein Blitz entlädt. Ein Stück, das in seiner Gitarrenarbeit fast an alte Tage mit The God Machine erinnert. Fesselnd, lebendig – und in seiner Art einzigartig auf "As We Make Our Way (Unknown Harbours)". Konsequent drosselt Sophia das Tempo runter, dimmt das Licht und zieht sich zurück in die bekannten Gefilde nachdenklicher Melancholie. Die Texte bewegen sich ebenfalls auf bekanntem Terrain: Das Los- und das Gehenlassen, Schuld und Sühne, Teilnahmslosigkeit und Desinteresse innerhalb der Gesellschaft. Formen der Vereinsamung. Eins ist jedoch neu: Robin Proper-Sheppard zirkuliert nicht um die eigene Befindlichkeit, sondern reflektiert Situationen aus der Warte des Beobachters. So sind die Geschichten in diesem Fall keine emotionalen Katastrophen, sondern Momentaufnahmen unterschiedlichster Situationen. In dieser Herangehensweise liegt eine größere künstlerische Freiheit, die es Proper-Sheppard sogar erlaubt, soundtechnisch optimistischere Klänge anzuschlagen, niedliche Poesie zu verfassen ("Blame") oder Gesellschaftskritik zu äußern ("California", "St. Tropez/The Hustle"). Damit erscheint der auf dem schwarzen Cover prangende Leuchtanker bezeichnend für "As We Make Our Way (Unknown Harbours)": Als Symbol für die Hoffnung, als ein Licht in der Nacht. Auch dies ist eine erfrischend neue Seite eines Sophia-Albums und eine Entscheidung, die Robin Proper-Sheppard bewusst getroffen hat. Der derzeit in Belgien beheimatete Kalifornier wollte kein Material mehr veröffentlichen, das sich mit eigens erlebten Trennungen beschäftigt. Nach Zeiten, in denen er auf Konzerten mit seinem letzten Longplayer "There Are No Goodbyes" seine zerbrochene Beziehung Abend für Abend in seinen Songs aufs Neue aufleben und sterben ließ, wird ihm diese Entscheidung wohl niemand verübeln. Schließlich hätte er ebenso gut sein Herz auf der Bühne sezieren können. Bewaffnet mit mehr als 50 Songs machte sich Robin Proper-Sheppard auf den Weg ins Studio, um zehn seiner neuen Stücke für die Ewigkeit festzuhalten und mit der Welt zu teilen.

Genau hier liegt jedoch auch die Schwachstelle von "As We Make Our Way (Unknown Harbours)": die Stringenz des Longplayers ist nicht jene, die man für gewöhnlich von Sophia kennt. Zwischen den Songs fehlt der Zusammenhalt, der für Stabilität sorgt. Das Tracklisting erinnert mit seinen aneinandergelegten Songs an die Balken eines schaukelnden Floßes. Es gibt kein Kernthema. Keinen Grundgedanken. Kein Basisgefühl. "As We Make Our Way (Unknown Harbours)" klingt zwar wie Sophia, fühlt sich jedoch nicht so an. Es fehlt die Intensität, für die man die Werke von Proper-Sheppard liebt. Das Gefühl, einen Schlag in die Magengrube erhalten zu haben, für den man sich sogar noch auf Knien bedankt. Bei aller Solidität, allen guten Ansätzen und interessanten Ideen gelingt es "As We Make Our Way (Unknown Harbours)" leider nicht, auf ganzer Länge zu berühren. Ein Umstand, der "As We Make Our Way (Unknown Harbours)" dem Sinken näher bringt, als dem Schwimmen. Am Ende fragt man sich, ist es wirklich die Hoffnung, die der Anker in sich birgt, oder die nüchterne Gewissheit, dass es in einem Sturm jeder Hafen tut?


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