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POPCONNECTION - Reingehört - Zola Jesus - Stridulum II
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Zola Jesus - Stridulum II

ZOLA JESUS

Stridulum II
VÖ: 20. August 2010
Label:
Souterrain Transmissions
Autor: Simon Blümer

Wir schreiben das Jahr 2010. Zehn Jahre ist es her, als völlig überraschend ein bis dato gänzlich unbekanntes Jahrtausend auf die Menschen plötzlich und unerwartet hereinbrach und die Welt in Angst und Schrecken versetzte. Die Angst vor dem Neuen führte zur Verklärung des Alten. Man feierte ein 60s-Revival mit Africola-Revival, ein 70s-Revival mit Lavalampen-Revival, ein 80s-Revival samt Fönfrisuren-Revival, und extra für die 90er ein Präsident-Bush-Revival samt obligatorischem Ölkrieg-Revival. Doch das unbekannte Jahrtausend hörte irgendwann auf, unbekannt zu sein und die Vergangenheit fing irgendwann an, einfach wieder Vergangenheit zu sein. Heute, 10 Jahre nach "Ground ZeroZeroZero", scheint die ganze Welt nun bereit, den Weg ins 21. Jahrhundert zu bahnen...

Die ganze Welt? Nein. Ein unbeugsames Mädchen von der US-amerikanischen Westküste hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten. Dieses Mädchen hört auf den klangvollen Namen Nika Roza Danilova, ist 21 Jahre alt und Bandleaderin von Zola Jesus. In England und den USA ist "Stridulum II", die aktuelle Platte, unter Kritikern bereits eingeschlagen wie eine Bombe. Vergleiche mit den großen Alternative-Popstars der 80er Jahre, von The Cure bis Sisters of Mercy, stehen an der musikkritischen Tagesordnung. Nicht, weil Nika Danilova klingen würde wie David Gahan, aussehen würde wie Robert Smith oder Drogen nehmen würde wie Adam Ant, sondern weil diese unscheinbare Platte dieser unscheinbaren Band eine Dramatik und einen Pathos besitzt, dass selbst eine gigantische Aufführung von Verdis "Aida" in der Gelsenkirchener Veltins-Arena mitsamt 50 Elefanten aussieht wie eine Schulaufführung.

Mit stoischer Kraft singt die Musikstudentin von alldem, wovon man halt mit stoischer Kraft so singt: Sehnsucht, Mut, Liebe, Abendgrauen, Morgengrauen... der ganzen Palette eines gelungenen Rollenspielabends eben. Militärrhythmen und Streicher bilden einen gewittrigen Klangkosmos in Moll, während die Sängerin in puncto großer Geste selbst Barry Manilow an die Wand spielt. Zugegeben, Understatement sieht anders aus und Coolness hört sich anders an. Aber Zola Jesus sind nicht nur gigantisch, sondern auch einfach gut und interessant. Selbst, wenn die kleine Songauswahl von "Stridulum II" sich kreativ ein wenig im Kreis dreht und der Kritiker-Hype übertrieben ist, scheint es, als sei der Schritt zurück hin und wieder eben doch der klügste Schritt nach vorn. Auch im Jahre 2010.



Website:
www.zolajesus.com
Myspace:
www.myspace.com/zolajesus


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