Ich glaube das ist das
erste Mal, dass ich einen Promowaschzettel nach dem ersten Lesen nicht
gleich angewidert von Phrasengedresche in die Ecke gefeuert habe. Aber
schließlich sind wir hier auch nicht in der Marketing-Abteilung
irgendeines Medienimperiums, sondern beim Liebhaberlabel Glitterhouse
Records, welches mit Seachange u.a. auf sich aufmerksam machte, signt
es doch recht selten neue Künstler. Umso trauriger zu erfahren, dass
das dritte aktuelle Album von Seachange, der Titel "Disband in Bonn 2007"
suggeriert es ja schon, auch deren letztes ist. "Berufliche" und
"familiäre" Gründe haben die Urmitglieder James Vyner und Adam Cormack
dazu veranlasst, nach zwei Alben (das noch etwas ungestüme biestige Debüt "Lay Of The Land" und der eigensinnige Popentwurf "On Fire, With Love") die Band aufzulösen. Dass sie ihr letztes
Konzert unbedingt in der "Harmonie" in Bonn, welche man sich ja nun
nicht unbedingt als DIE Location für ein solches Event aussuchen würde,
bestreiten (und auf dem diese Aufnahme basiert) spricht für ihre
Außergewöhnlichkeit.
Der Live-Sound vom WDR-Rockpalast ist
stimmig, wenn auch für meinen Geschmack etwas zu spitz. Die Setliste
setzt sich natürlich aus den beiden Alben zusammen und mit "Half A Love" und "Personal Assistant" gibt es sogar zwei neue Stücke zu hören. Schade nur, dass es das majestätische "In"
nicht ins Programm gepackt hat und ein bisschen ärgerlich, dass man
(aus Zeit-/Platzspargründen?) einen Großteil des Publikums und den
Applaus ausgeblendet hat. So vergisst man manchmal wirklich fast, dass
man es hier mit einem Livemitschnitt zu tun hat.
Alles in allem ist "Disband in Bonn 2007"
aber ein wirklich schönes Abschiedsgeschenk einer interessanten Band,
von der man in Zukunft noch einiges hätte erwarten können! Aber wer
weiß, heutzutage heißt Auflösen ja nicht gleich Auflösen...