Ursprünglich tourte
Singer/Songwriter Meric Long als Ein-Mann-Akustik-Band durch San
Francisco. Immerzu einsam die Folk-Gitarre zu zupfen, konnte es auf
Dauer nicht sein. So wurde kurzerhand Logan Kroeber, im übrigen genau
wie Long professioneller Schlagzeuger, ins Boot geholt. Gemeinsam als
The Dodos folgten sie ab da an dem Ziel ihren percussionlastigen
Folkrock und insbesondere ihren Live-Sound in all seiner energischen
Intensität auch auf Platte zu bannen. Das Ergebnis steht unter dem
Namen "Visiter" jetzt im gut sortierten Plattenladen.
In
der Welt der Dodos steht das Schlagzeug an erster Stelle. Longs
leichtes Country-Fingerpicking-Spiel, gepaart mit bisweilen
halsbrecherischem Strumming, auf der akustischen Gitarre ist schnell,
warm und konzentriert, der Resonanzkörper vibriert nur so unter seinen
raffinierten Lyrics. Und doch, ohne Kroebers stampfendem Backbeat aus
Tom Tom und Tamburin (welches sich auch an seinen Schuhen befestigt
wieder findet!) würden die synkopen Rhythmen der A-Gitarre kaum die
freigeistige Spannung erzeugen, die "Visiter" sein eigenen nennt. Long und Kroeber verstehen es aus wenig viel zu machen.
Der Opener "Walking"
gibt direkt einen guten Einblick in die Klangcollage, die das Duo
entwirft. Drums und Gitarre harmonieren gleichberechtigt miteinander.
Kein Wunder also, dass The Dodos oft mit dem experimentellen Animal
Collective verglichen werden. Banjo und weibliche Harmonien schreien
jedoch nur so nach Inspiration von Sufjan Stevens zu "Michigan"-Zeiten. Dieser Eindruck verflüchtigt sich als das Lied sofort in den manischen, verwirrend formulierten, Lovesong "Red & Purple" übergeht. Hier fügen sich Klavier und ein Fuzzy-Bass zu vertrackten Percussion-Klängen. "Fools",
die erste Single, changiert dann schon wieder irgendwo zwischen
herzzerreißender Melancholie und poppigem "Oh-Oh-Oh"-Refrain.
Himmelhoch jauchzend oder zu Tode betrübt, man weiß nicht so genau, was
einem das scheinbar komplett unstrukturierte Soundgerüst sagen möchte.
Polternd erhebt sich eine fast schon nervige FX-Gitarre, um am Ende
aber doch wieder nach MGMT-Lagerfeuer-Hippie-Rock zu klingen. Und auch
die sieben Minuten "Joe's Waltz" entpuppen sich als Überraschung.
Unheimlich düster beginnend, fast nur durch Kroebers hypnotische Tom
Toms gestützt, mutiert es erst zur 70ies-Psychedelik-Drogen-Party, dann
zum Seemanns-Shanty, um schließlich doch als Bluesrock-Jam zu enden.
Bei den Dodos weiß man eben nie, was als nächstes kommt.
Vorhersehbarkeit wird anderen überlassen.