"Graceful & Light"
ist das erste Studioalbum, das Cloudberry als Kollektiv präsentiert.
Mit Bassistin Moni Grysa und Drummer Thomas Wolf ist das ursprüngliche
Soloprojekt Marco Pleils zu einer richtigen Band zusammengewachsen.
Unter der Regie von Kurt Ebelhäuser (Blackmail, Scumbucket) ist hier
ein Album entstanden, das bereits beim ersten Durchlauf eine Welle von
Erinnerungen lostritt. Eine Reminiszenz an Zeiten, in denen gutes
Songwriting noch wichtiger war, als die adrett frisierte Haarpracht
oder der geilo-stylo Anzug auf der Bühne. Ein Sound, der an Größen wie
Dinosaur Jr., Teenage Fanclub oder Ash erinnert und den man hierzulande
das letzte Mal von Bands wie Miles oder Slut auf dem Plattenteller
serviert bekam. Kurz: Guter hausgemachter Indie-Pop der 90er.
Nicht nur die Besetzung, auch der Sound hat sich verändert im Hause Cloudberry: "Graceful & Light" klingt weniger kantig als der Vorgänger "Destroyer".
Einen Tick sonniger, ein Quäntchen poppiger. Allerdings nur auf den
ersten Blick. Bei genauerem Hinhören wird klar, dass sich das
Frankfurter Trio nach wie vor auf dem schmalen Grad irgendwo zwischen
Melancholie und Euphorie bewegt. Eine manisch-depressive Kombination
aus energetischen Melodien, mitreißenden Riffs und nachdenklichen bis
tot-traurigen Texten. Wut, Verzweiflung, Leidenschaft, Idealismus.
Alles auf einmal, komprimiert in Zwei-Minuten-Stücke. Zeitlich
minimalistisch konstruierte Songs, die durch das Tracklisting nie
fragmentarisch wirken. Die Stücke auf "Graceful & Light"
greifen ineinander, wie die Kapitel eines Buches. Wer hier das Ende
zuerst liest oder zwischendurch weiterblättert, ist selber schuld, wenn
er den Plot hinterher nicht versteht.
Für alle, die es sich dennoch nicht verkneifen können, die Skip-Taste zu bedienen: Die großartigen Harmonien auf "I Saw Happiness" genießen, sich in den Streichersequenzen von "The Paingarden" verlieren, in die Kissen weinen zu "Zest", nachdenklich verharren bei "Innuendo" und den Lieblings-DJ höflich dazu zwingen, endlich "Given Treatment" oder "HRDFLR" zu spielen, weil man die Füße nicht still halten kann.
"Graceful & Light"
erinnert an eine nächtliche Autofahrt. Das Gaspedal durchtreten,
während es langsam hell wird. Es geht gar nicht um das Ankommen,
sondern einfach nur um die Bewegung. Um dann hinter der letzten Kurve
in die Morgensonne zu blinzeln. Großartig!