"Keine Lieder über Liebe" - wer dieser Attitüde frönt, der sollte sich "The Letting Go"
vielleicht besser nicht zu Gemüte führen. Oder vielleicht doch -
einfach, um sich eines besseren belehren zu lassen. Denn wohl kaum ein
anderer Singer/Songwriter schreibt so traurig-schöne Songs über das
Suchen und Finden und wieder Verlieren, wie Bonnie "Prince" Billy.
Kein
Wunder, denn schließlich ist Will Oldham, so der bürgerliche Name
Bonnie "Prince" Billys, kein Neuling mehr im großen Musikzirkus. Dem
einen oder anderen dürfte der Amerikaner auch unter dem Namen Palace
Brothers unter die Ohren gekommen sein. Darüber hinaus hat Odham
bereits mit Größen wie Johnny Cash, P.J. Harvey oder Björk
zusammengearbeitet. Sein aktuelles Album "The Letting Go" ist
eine jener Platten, bei denen der Titel Programm zu sein scheint:
Herzzerreißende Songs über Liebe und Verlust, über das nicht festhalten
können und nicht loslassen wollen. Geschichten über das Leben und all
die kleinen bittersüßen Momente, die darin eingebettet sind.
Musikalisch bewegt sich "The Letting Go" irgendwo zwischen Country und Blues. Eine Melange, die insbesondere bei Songs wie "Cursed Love" oder "Cold & Wet"
ihre ganz persönliche Note entfaltet. Untermalt wird der fast
ausschließlich akustisch konzipierte Sound des Albums durch
wunderschöne Streicherarrangements, über denen der Gesang Bonnie
"Prince" Billys kreist. Stets begleitet von der eindringlichen Stimme
Dawn McCarthys der Faun Fables. Eine durchgängig ruhige
Gesamtkonzeption, die eben erst durch ihre Stille ihre Intensität
entwickelt. Und genau darin liegt auch der Schwachpunkt des Albums:
Durch die durchweg langsame Gangart wirken die Tracks nach einiger Zeit
ein wenig behäbig und monoton. Ein gelegentlicher Tempowechsel hätte
hier definitiv für mehr Abwechslung gesorgt.
Tom Petty hat einmal gesungen "The Waiting is the Hardest Part", vielleicht ist es eher "The Letting Go"
- zumindest im Hinblick auf die großen und kleinen zwischenmenschlichen
Tragödien im Leben. Möglicherweise nicht ganz die richtige Platte, wenn
man "keine Lieder über Liebe" hören möchte - oder eben genau die
richtige...wer weiß das schon? Sicher dagegen ist, dass "The Letting Go" trotz einiger Längen ein beeindruckendes Stück Musik ist.