Wie viele Best-of-Alben hat
dieser Mann eigentlich mittlerweile veröffentlicht? Die Rede ist von
Bob Dylan. Seit über 40 Jahren im Musikgeschäft unterwegs, bringt es
Robert Allan Zimmermann über den Daumen gepeilt auf acht Greatest
Hits-Compilations - die Bootleg-Series nicht mit eingerechnet. Mehr
Sammelwerke, als andere Bands Studioalben veröffentlichen. Mit "Dylan"
steht nun das neueste Best Of der Singer/Songwriter-Legende in den
Läden und die große Frage im Raum, inwiefern der Fan eine neunte
Ausgabe der größten Hits gebrauchen kann.
Die "Dylan"-Edition
erscheint in doppelter Ausführung, wahlweise mit einem oder drei
Silberlingen. Dazu zwei limitierte Auflagen mit Bonus-CD bzw. dickem
51er-Tracklisting. Erstmalig handelt es sich hier um eine komplett
remasterte Sammlung der besten Stücke von 1962 bis 2006. Wer allerdings
nun auf Klangperfektion par excellence wartet, der wird enttäuscht.
Trotz digitaler Überarbeitung hat man es hier verschwitzt, die
Tonqualität der einzelnen Songs aufeinander abzustimmen. Immer wieder
machen sich soundqualitative Schwankungen bemerkbar. Bei "Lay Lady Lay"
glaubt man gar, die Nadel über das Vinyl streichen zu hören. Charmant
mit Sicherheit, allerdings nicht das, was man von einer remasterten
Auflage erwartet.
Die Auswahl der Songs dagegen erweist sich als solide. Zumindest für Dylan-Novizen. Von "Subterreanean Homesick Blues" über "Like A Rolling Stone" bis hin zu "The Times They Are A-Changin'"
finden sich hier alle Klassiker, die man im Gehörgang tragen sollte.
Darüber hinaus gibt es eine kleine Lehrstunde in Sachen Coverstückchen.
Auf "Dylan" wird einmal mehr deutlich, wie viele Stücke des Altmeisters Interpretationsvorlage für andere Künstler waren: "All Along The Watchtower" - untrennbar mit Jimi Hendrix verbunden, "Mr. Tambourine Man" - radioeditiert durch die Byrds und wer kennt das - zugegeben schlechte - Guns 'n' Roses-Cover von "Knockin' On Heaven's Door" nicht?! Fehlt eigentlich nur noch "It's All Over Now (Baby Blue)"
dessen sich seinerzeit die ehrenwerten Stones angenommen haben. Das
bekommt der Hörer allerdings nur in der Dreifach-Disk-Edition geboten.
"Dylan"
richtet sich in erster Linie an diejenigen, die sich einen Überblick
über das musikalische Werk des altehrwürdigen Singer/Songwriters
verschaffen wollen. Für Insider dagegen gibt es hier rein gar nichts
neues zu entdecken. Und auch bei der erweiterten 3-CD-Editon stellt
sich die klassische Best-of-Gretchenfrage, inwiefern die Auswahl der
Tracks den Kanon des Künstlers widerspiegelt oder was man ansonsten
hätte verwenden sollen/können/müssen. Für Fans eindeutig redundant, für
Sammler krönendes Fetisch-Objekt zur Kollektions-Komplettierung, für
Dylan-Debütanten aber immerhin ein guter Einstieg in 44 Jahre feinster
Musikgeschichte.