Zwei Debütanten und ein alter Hase: This Is The Arrival setzen mit ihrem Erstlingswerk auf energiegeladene Tanzflächenfüller, September Leaves läutet mit melancholisch-verträumten Klängen den Herbst ein und Luke beweisen einmal mehr, wie zeitlos frisch guter alter Independent klingen kann.
Mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum setzen This Is The Arrival aus München auf den Sound, dem die Indiejünger vertrauen. The Killers meets Bloc Party meets Two Door Cinema Club meets the falsetto of Jake Shears. Das Resultat ist ein Album, das nach dem Versuch klingt, 10 Hits ins Rennen zu schicken, von denen jeder einzelne ohne weiteres ins Airplay gejagt werden könnte. Leider hat man all das anderswo schon besser gehört. Hinzu gesellen sich Wiederholungen in Arrangements, die die Frage aufwerfen, ob den Jungs auf der Suche nach dem perfekten Ohrwurm passagenweise schlichtweg die Ideen oder die Puste ausgegangen sind. Bleibt zu hoffen, dass es sich hierbei um Kinderkrankheiten eines Debüts handelt und This Is The Arrival im nächsten Anlauf auf mehr Eigenständigkeit und Variation setzen.
Anspieltipps: Mexico, Wish We Were Lovers, Sirens
SEPTEMBER LEAVES
Friendship Manifesto
VÖ: 17. September 2010 Label: Petite:Unique Records
Gerd Böttler aka September Leaves ist bekannt für seinen Hang zu extraordinären Verpackungen: Fand sich das Demo des Solisten noch in einem flauschigen Ahornblattumschlag wieder, so ist es nun ein Pappmännchen an einem Gummiband, das sich dem Hörer beim Aufklappen des Debütalbums "Friendship Manifesto" aus einem brennenden Fenster entgegen hangelt. So kreativ wie die äußere Erscheinung ist auch der Inhalt. "Friendship Manifesto" überzeugt durch schöne Arrangements und Spielfreude. Glockenspiele und diverse Bläser erweitern die Kompositionen aus Gitarre, Schlagzeug und Bass. Songs wie "Like A Monarch" oder "Distance Is A Monster" erinnern in ihrer bittersüßen Grundstimmung an bunte Ahornblätter und Rotwein in der Oktobersonne. Ein Manifest der Freundschaft, eine Ode an den Herbst. Schön!
Dass ich das noch erleben darf: eine E.P. in Form eines physischen Tonträgers. Wer traut sich so was heutzutage noch? Tumbleweed Records und Luke aus Köln eben! Letztere machen ja eh was sie wollen. Werfen dem Hörer in unregelmäßigen Abständen ihre herrlich altmodischen Indierockhymnen vor die Füße (ein bisschen Pre vor dem Post ist auch dabei) und verschwinden dann wieder in der Versenkung. Schade eigentlich, denn der von Guido Lucas in Noisedorf Troisdorf veredelte Sound hat durchaus das Potenzial zu mehr. Das spätsommerlich perlende "Starship" und das schön kratzbürstige "Creek" brauchen die großen Bühnen definitiv nicht zu scheuen! Also die Herren, bitte zurück in die blubox und ein Album aufnehmen! Da geht noch einiges!
Anspieltipps: Alle Vier!
Autoren:
Katja Embacher ["This Is The Arrival (s/t)", "Friendship Manifesto"]