Frische Klänge passend zum Frühjahrserwachen: Die Debüt-EP von Polo schlägt verträumt bis abgeklärte Indie-Pop-Töne an, der Erstling der Dänen Striving Vines verliert sich in den Weiten musikalischer Dramaturgie und Deckchair Orange aus Wien frönen dem Zeitalter des Pfaus mit retrospektiven 80-Jahre-Synthesizern.
"Are You Ready To Come Home?" ist das EP-Debüt von Polo - der Band, die der Stern nach ihrem Auftritt auf der letztjährigen Popkomm als "vielversprechendste deutsche Musiker des Herbstes" betitelte. Und sieh an: Die erste Veröffentlichung des Vierergespanns kann sich durchaus hören lassen! Polo punkten mit fünf klaviergetragenen Indie-Pop-Songs, die sich durch einen unprätentiösen Hang zur Epik und atmosphärische Dichte auszeichnen. Das Ergebnis ist eine gelungene Symbiose aus Harmonien und Vokalparts. Die Stimme Michael Rückerts scheint mit den Harmonien zu tanzen: Mal tonangebend und führend, mal leichtfüßig dahin gleitend. "Are You Ready To Come Home?" ist ein leckerer Appetithappen, der Lust auf ein ganzes Album von Polo macht.
Anspieltipps: Let The Sun Shine, Come Home, Hundred
Striving Vines aus Dänemark veröffentlichen ihr Debütalbum "Can’t Win Them All" - und scheinen mit ihrem Opener "Too Much Wine" mit aller Gewalt die Frühjahrsmüdigkeit aus den Knochen der Hörer schütteln zu wollen. Was vielversprechend beginnt, schwächelt im weiteren Verlauf zunehmend. Schuld daran ist ein latenter Hang zur (Über)Dramatik. Auf Songs wie "Hard Drive On Standby" oder "Feed On Gasoline" weicht die zuvor genossene Energetik einer fast anstrengenden Angespanntheit, wenn sich die Stimme von Jonas Møller wie ein vokalistischer Mähdrescher durchs Soundgeflecht pflügt. Auf "Can’t Win Them All" überspannen Striving Vines leider des Öfteren den (Spannungs)Bogen und verirren sich im musikalischen Nirvana irgendwo zwischen Keane, Muse und den Scissor Sisters. Das Ergebnis ist ein mittelprächtiger Longplayer, mit dem die Striving Vines sicherlich nicht jeden für sich gewinnen können.
Anspieltipps: Too Much Wine, Colder Than Ice Cream, The Ship
"The Age Of The Peacock" ist das zweite Album von Deckchair Orange. Die größte Novation des Zweitlings: Das Quintett aus Wien hat die Synthesizern für sich entdeckt. Die Idee als solche ist nicht neu, nichtsdestotrotz stehen die wohltemperierten synthetischen Anleihen den zehn Songs von "The Age Of The Peacock" gut zu Gesicht und verleihen den zackigen Beats von Deckchair Orange noch einen schlagkräftigeren Wumms. Herausgekommen ist dabei ein energiegeladenes Album, das ohne Umschweife zum Tanzen auffordert. Hinzu kommt eine gute Portion Ohrwurmcharakter, der dafür sorgt, dass man den Opener "Dance With The Geeks" auch zwei Stunden nach dem ersten Durchlauf nicht mehr aus dem Gehörgang bekommt.