Die Facetten des Singer/Songwritertums sind breit gefächert. Die Palette reicht von melancholischer Schönheit bis hin zu skurriler Kauzigkeit. Amit Erez überzeugt und überwältigt mit fragiler Energetik, Florian Horwarth überrascht und verstört mit folkiger Verschrobenheit, wohingegen Lowood mit synthiegeträgenen Songs für und über gebrochene Herzen berührt und umarmt.
Der Sound des
Singer/Songwriters Amit Erez lässt sich wohl am besten mit "fragiler
Energetik" umschreiben. Was sich wie ein Oxymoron liest, macht beim
Hören seines aktuellen Albums "Last Night When I Tried To Sleep I Felt The Ocean With My Fingertipps"
musikalisch Sinn. Der junge Israeli mit der zerbrechlichen Stimme
bettet seine Songs zwischen bluesigen Slide-Guitars und sanften
Streicherarrangements. Bei aller Melancholie und Nachdenklichkeit
schreckt Erez allerdings nicht davor zurück, ab und an die
Stromgitarren auszupacken, um den Stücken mehr (Nach)Druck zu
verleihen. Im großen Ozean des Songwriter-Folks ist "Last Night When I Tried To Sleep I Felt The Ocean With My Fingertipps" eine Perle, nach der es sich definitiv zu tauchen lohnt!
Anspieltipps: Animal Heart, The Water Received, Paper Cuts
Laut Promowaschzettel ist
Florian Horwath "der erste österreichische New-Folk-Star". Entgegen
dieser Titulierung klingt sein drittes Album "Speak To Me Now"
alles andere als astral. Was mit dylaneskem Charme beginnt, entwickelt
sich im weiteren Verlauf zu einer musikalischen Odyssee. Mehrfach
drängt sich die Frage auf, ob Töne für Horwath rote Markierungspunkte
darstellen, die es tunlichst zu verfehlen gilt. Ein krampfhaft
erzeugter Dilettantismus, der zur Kunst erhoben und als Innovation
verkauft wird. Spätestens das schräge Pfeifkonzert auf "My Country Soul"
lässt das angespannte Nervenkostüm des Hörers vollends reißen. Bei
allem Respekt vor künstlerischer Freiheit: Für einen "New-Folk-Star"
ist das hier einfach nur (unter)irdisch!
Anspieltipps: Speak To Me Now, Like A Hurricane, In The Sunshine
Musik als eine Art von
Selbsttherapie zu nutzen, ist für die meisten Künstler der kreative
Motor ihres Schaffens. So auch bei Lowood. Therese Johansson arbeitet
in ihrem Debütalbum "Close To Violence" zerbrochene Beziehungen
auf. Allerdings ohne Herzschmerz-Partituren oder klebrig-süße
Selbstmitleidstiraden. Stattdessen setzt Johansson auf wavige
Synthieklänge und große Vocalparts, die unverhohlen Reminiszenzen an
die 80er erkennen lassen. Unterstützung erhält die Schwedin dabei von
ihrer musikalischen Mitstreiterin Kiki Halmos. Für das Duett "It's A Mess"
konnte Johansson gar Landsmann Kristofer Åström als männlichen
Gesangspartner für sich gewinnen. Das Ergebnis kann sich hören lassen!
Ein berührendes wie energetisches Popalbum, das bei aller Melancholie
nie den Silberstreif am Horizont aus den Augen verliert.
Anspieltipps: Crash, Close To Violence, In The End