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POPCONNECTION - Konzerte - William Fitzsimmons - 03. Dezember 2009, Effata! Jugendkirche, Münster
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KONZERTE
William Fitzsimmons - 03.12.2009, Effata! Jugendkirche, Muenster

WILLIAM FITZSIMMONS

03. Dezember 2009, Effata! Jugendkirche, Münster
Autor: Katja Embacher
Foto: Pressefoto

Weihnachten naht mit großen Schritten. Lichterketten zieren Münsters Innenstadt, in der sich das Odeur von gebrannten Mandeln und Glühwein ausbreitet seit der Weihnachtsmarkt seine Pforten geöffnet hat. Weniger besinnliche als trinkfreudige Massen bevölkern lulumbabeseelt den Vorplatz der Lambertiikirche. Einige hundert Meter Luftlinie entfernt strömen Massen der anderen Art in die Effata! Jugendkirche. Objekte der Begierde sind hier nicht Reibekuchen mit Apfelmus und kräftiger Grog, sondern William Fitzsimmons nebst Band, der heute zu einem Konzert in der Domstadt einlädt. Organisator der Festivität ist das Gleis 22, das im Rahmen einer neuen Veranstaltungsreihe die heimische Clubörtlichkeit gegen eine Kirche eintauscht.

Ein leichtes Schmunzeln macht sich breit als man sich in der Schlange vor der Kirche einreiht, die wohl selbst an Heilig Abend im erzkatholischen Münster nicht einen solchen Ansturm erlebt. Endlich im Innern angekommen zeigt sich, dass sich die Wahl der Location mehr als bezahlt macht: Zwar ist die Bestuhlung, die größtenteils aus Holzbänken besteht, ein wenig unbequem, die beeindruckende Beleuchtung des Kirchenschiffs, das in einer Kombination aus sanften Grün- und Violetttönen erstrahlt, erweist sich allerdings als wahrer Eyecatcher.

Opener des Abends ist Kate York, die allein mit ihrer Akustikgitarre die die rund 600 Anwesenden auf das Programm des Abends einstimmt. Und es funktioniert: Das Publikum ist mucksmäuschenstill. Ein leichter Schauer läuft über den Rücken, als sich die Songs bis unter die hohe gotische Decke des Kirchenschiffs emporschwingen und dort wie sanfte Tautropfen abzuperlen scheinen. Fast macht sich eine leichte Besinnlichkeit breit, die weniger mit Glauben als mit purer Schönheit zu tun hat.

Die heimelige Atmosphäre bleibt auch bestehen, als William Fitzimmons nach einer kurzen Umbaupause mit einer Akustikgitarre bewaffnet die Bühne betritt. Nach einem Tripplet im Alleingang gesellt sich der Rest der Live-Band zur musikalischen Unterstützung des bärtigen Barden hinzu. Das Set fokussiert sich überwiegend auf Tracks des neuen Albums "The Sparrow And The Crow", auf dem sich Fitzsimmons ausführlich mit der Scheidung von seiner Ex-Frau beschäftigt. So traurig Songs wie "Even Now", "If You Would Come Back Home" oder das an diesem Abend im Duett mit Kate York vorgetragene "After Afterall" auch sein mögen, so sympathisch und aufgeweckt präsentiert sich der Singer/Songwriter auf der Bühne. Anstatt in stummen Selbstmitleid zu versinken erheitert Fitzsimmons die Anwesenden mit seinen Ansagen zwischen den Songs und präsentiert stolz seinen langsam wachsenden Wortschatz deutscher Vokabeln. Bei "You Still Hurt Me" wird das Publikum gebeten, sich während des Refrains zu beteiligen. Ja, wir sind schließlich in einer Kirche, es darf also gesungen werden auf den Bänken. Und die Anhängerschaft des Mannes mit dem laut eigener Aussagen "besten Bart des Universums" ist natürlich dabei. Auch, wenn sich einige als nicht so wirklich textsicher erweisen, so zählt doch der gute Wille an dieser Stelle und das schelmische Grinsen von William Fitzsimmons rechtfertigt den Einsatz allemal. Neben neuen Songs hat der Sänger auch Klassiker sowie zwei Cover im Gepäck: "Heartless", das in seiner Interpretation gar deutlich besser gefällt, als das Original von Kanye West und "Naked As We Came" von Iron & Wine. Den Abschluss des Sets bildet "Find My Way Home", bei dem Fitzsimmons und Band mit ihren Akustikinstrumenten sich im Gang zwischen den Bankreihen platzieren und den Anwesenden einen hautnahen Ausklang des Abends bescheren. Fast möchte man aufseufzen, diesen Mann mit seinem Bart und dem Karo-Flanellhemd umarmen und ihm danken, heute Teil des Erlebten sein zu dürfen. Bei 600 Menschen dürfte ein derartiger Akt allerdings nicht nur beängstigend wirken, sondern auch viel Zeit in Anspruch nehmen. Die Dankbarkeit beschränkt sich auf Standing Ovations und ein Meer aus Applaus, das von den Wänden des Kirchenschiffs widerhallt. So kommt es, dass sich William Fitzimmons noch für zwei weitere Zugaben auf der Bühne einfindet und das Publikum mit "Covered In Snow" und "You Broke My Heart" endgültig verabschiedet hinaus in die vorweihnachtliche Nacht. Wer mag, könne sich anschließend noch am Merch-Stand einfinden und dürfe gern auch einmal an seinen Bart fassen - solange nicht daran gezogen wird.

Diejenigen, denen es nicht nach Bartgruschelei drängt, treten langsam den Heimweg an. Zufrieden, glücklich und mit den Eindrücken des Abends im Gepäck, die sich langsam ihren Weg durch den Kopf in das Herz bahnen. Um es an dieser Stelle mit den Worten Richard Dehmels auszudrücken: "...plötzlich stehst du überwältigt." Bow down to the power of the best beard in the universe!


Website:
www.williamfitzsimmons.com
Myspace:
www.myspace.com/williamfitzsimmons


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