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Samba sorgen beinah für einen nostalgischen Seufzer. Zumindest bei denjenigen, die aus Münster oder dessen Umgebung stammen und es sich in der Schublade populärer Gitarrenmusik mit Herz und Hirn gemütlich gemacht haben. Damals, noch nicht in der Westfalenmetropole lebend, mit dem Auto 70 km Anfahrt in Kauf nehmend, um Knut Stenert (seinerzeit noch mit Götz Grommek und Mathias Hirzel im Gepäck) im vollgepackten Gleis 22 live zu sehen. Seitdem sind einige Jahre ins Land gezogen. Sowohl die eigenen als auch die Umstände Sambas haben sich verändert. Knut Stenert hat Münster verlassen und ist in Hamburg ansässig geworden. Samba entwickelte sich mehr und mehr zu einem Soloprojekt, das in der Veröffentlichung des neuen Longplayers "Die Ekstase der Möwen" einen elektronisierten Höhepunkt fand. Und auch die Konzertumstände haben sich gewandelt. Vielleicht ist es somit der Zeitenwende geschuldet, dass sich an diesem Abend eine äußerst überschaubare Zuschauerzahl im Amp eingefunden hat, um Samba die Ehre zu erweisen. Oder der Musikgeschmack der Münsteraner hat sich auf beängstigende Weise verändert. Der Großteil der Anwesenden bewegt sich in einer Altersklasse, die auf den früheren Gigs wohl bereits zugegen gewesen ist. Die alte Anhängerschaft, die P.O.P. noch in Großbuchstaben schreibt. Knut Stenert und seine Mannen zeigen sich dennoch motiviert. In diesem intimen Rahmen bleibt Zeit für kleine Schäkereien mit dem Publikum und für das Anbieten selbstgebackenen Kuchens aus dem Hause Stenert.
Das neu entdeckte Faible für Elektronik leben Samba live mithilfe von Keyboards aus. Songs wie "Im Stau", "Hinter der Kurve" oder "Lieder zum Widerstand" funktionieren gut und präsentieren sich in einem angenehm tanzbaren Gewand, dessen glitzernde Fäden aus den Gitarrensaiten von Stenerts Fender zu bestehen scheinen. Samba haben immer noch den Charme, mit dem sie seinerzeit bereits das Publikum zu packen wussten. Keine Gassenhauerband, sondern ein illustres Ensemble für feingetunte Ohren. Dies beweisen insbesondere die Klassiker, die das Quartett aus der Setlistenschatulle zaubert. Sehr zur Freude der Anwesenden, die Songs wie "Aus den Kolonien", "FCKW" oder "Kummer" mit glücklich-nostalgischen Gesichtern aufnehmen. Kummer hatten Samba auch beim Tourauftakt, als sowohl Bus als auch Verstärker den Geist aufgaben. Eine Anekdote, mit der das Münsteraner Publikum aus der Reserve gelockt werden kann und sich Amüsiertheit breit macht. Am Kuchen möchte sich dennoch niemand vergreifen.
Nachdem ein Zugabenblock den Schlusspfiff des intimen Heimspiels von Samba markiert, verlässt man das Amp mit gemischten Gefühlen. Auf der einen Seite betrübt der Mangel an Gästen, auf der anderen Seite bestätigt sich einmal mehr die Vermutung, dass Samba musikalisch zwar einen Himmel für alle kreieren, aber nun mal nicht für jedermann. In jedem Fall ist es ein gutes Gefühl, zu den wenigen zu gehören, die die güldene Pforte durchschritten und der Ekstase der Möwen beigewohnt haben.
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