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Oh Fortune! Von Fortuna begünstigt sind an diesem Dezemberabend jene, die im Gleis 22 ein Plätzchen ergattern konnten, um sich von Dan Mangan be- und verzaubern zu lassen: Der Club ist restlos ausverkauft. Das Reise-nach-Jerusalem-Spielchen, das für gewöhnlich in Umbaupausen zwischen Rauchern und Thekenbesuchern stattfindet, fällt heute sparsam aus. Zu groß ist wohl die Angst, dass sich der Kinderreim "Weggegangen, Platz vergangen" bewahrheiten könnte. So bleibt man, wo man ist und wartet darauf, dass der schwarze Vorhang vor der Bühne beiseite geschoben wird und einen Blick auf Dan Mangan preis gibt.
Der Kanadier, der durch eine weitere Gitarre, Kontrabass und Schlagzeug unterstützt wird, findet sich um kurz nach zehn am Ort des Geschehens ein. Und erspielt sich bereits mit den ersten Akkorden einen Platz in den Herzen des Publikums. Dan Mangan freut's. Insbesondere, da sich die Zuschauerzahl im Hinblick auf seinen letzten Besuch vor drei Jahren im Gleis 22 deutlich gesteigert hat. Man gönnt ihm die gewachsene Popularität nur allzu gern. Zum einen ob seiner wunderbaren Songs, zum anderen aufgrund seiner überaus sympathischen Art, in der er den Anwesenden gegenüber seine Zuneigung in Form kleiner Anekdoten bekundet. Die Zuschauer danken es ihm mit einem perfekten Wechselspiel aus textsicheren Chören und mucksmäuschenhafter Stille. Wo man sich für gewöhnlich in ruhigeren Konzertmomenten entnervt durch Wortfetzen allgemeinen Gemurmels kämpft, herrscht bei "Basket" angemessenes Schweigen. So oder so: Großer Applaus ist dem kanadischen Barden nach jedem Song sicher.
Das Tüpfelchen auf dem "i" verpasst dem Abend die Wahl des Sets: Ein bunt gemischtes und liebevoll verpacktes Programm, aus dem sich jede/r Einzelne ihren/seinen Favoriten herauspicken kann. "The Indie Queens Are Waiting" findet insbesondere beim weiblichen Publikum chorale Unterstützung, "Road Regrets" wird von den Herren der Schöpfung präferiert, Cineasten werden durch "Rows Of Houses" bedient, das durch den Film "Stand By Me" inspiriert wurde, während man sich bei "Post-War Blues" auf den allumfassenden gemeinsamen Nenner kollektiven Mitrockens einigt. Kein Wunder also, dass die Anwesenden nach einer guten Stunde Spielzeit mehr verlangen. Dan Mangan erfüllt ihnen diesen Wunsch umgehend. Nachdem das Publikum bei "Robots" bereits zur stimmlichen Unterstützung herangezogen wurde, begibt sich der Sänger zu "So Much For Everyone" kurzerhand ins Getümmel, um den Track auf einem Hocker stehend darzubieten. Mit einer bezaubernden Interpretation von Elliot Smiths "Waltz #2" entlässt Dan Mangan die Anwesenden hinaus in die Nacht. Mit einem verschmitzten Lächeln, das sich in den Gesichtern des Publikums widerzuspiegeln scheint. Es bleibt nicht mehr zu sagen, als "nice, nice, very nice" und Fortuna ein weiteres Mal zu danken, heute dabei gewesen zu sein.
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