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POPCONNECTION - Interviews - The Coral: "Das Kino des Unterbewusstseins"
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The Coral

THE CORAL

"Das Kino des Unterbewusstseins"
Datum: 27. Oktober 2010 (Köln)
Interview: Jenny Schnabel
Foto: Pressefoto

The Coral zählen zu den wenigen Bands, die es geschafft haben in der heutzutage schnelllebigen Hypemaschinerie des UK über so viele Jahre zu bestehen und dabei auch immer noch gute Platten zu machen, ohne sich jemals irgendwelchen Trends anzubiedern. Mit "Butterfly House" haben die Liverpooler im vergangenen Sommer ihr mittlerweile sechstes Studioalbum veröffentlicht, dass kürzlich auch als Akustik-Version erschienen ist. "Butterfly House" ist das erste Album, das The Coral ohne Gitarrist Bill Ryder Jones aufgenommen haben, der die Band 2008 verlassen hat.

Wir haben Sänger James Skelly in Köln zum Interview getroffen und mit ihm über das neue Album geplaudert.



POPCONNECTION: Zunächst einmal: Herzlichen Glückwunsch zu diesem großartigen Album! Mir gefällt es sehr gut.

James: Oh, Dankeschön!


POPCONNECTION: Das ist bereits euer sechstes Album. Während der gesamten Zeit habt ihr immer euer eigenes musikalisches Ding durchgezogen. Ihr seid nie irgendwelchen Trends hinterher gelaufen. Wie macht ihr das?

James: Ich weiß auch nicht genau… Wir machen einfach das, was wir tun. Ich glaube, wir könnten auch nichts anderes machen. Ich für meinen Teil kann auch nur das machen, wofür ich mich interessiere. Und das ist eben unser Sound.


POPCONNECTION: "Butterfly House" ist das erste Album, das ihr ohne Bill gemacht habt, der die Band verlassen hat. Wie war das für euch?

James: Das war schon okay. Als wir das letzte Album aufgenommen haben, hat Bill sich bereits häufig abgeschottet, was im Endeffekt auch nicht gerade einfach gewesen ist. Mit "Butterfly House" wurde alles einfacher. Irgendwie war es das Album, was uns am leichtesten von der Hand gegangen ist, seit unserem Debüt damals. Zumindest, als sich alles eingependelt hatte und seinen Weg ging.


POPCONNECTION: Gab es jemals die Überlegung, die The Coral aufzulösen, nachdem Bill die Band verlassen hat?

James: Nein, nicht wirklich. Ich weiß nicht, ob einer von uns darüber nachgedacht hat, bevor er die Band verlassen hat. Als er es dann getan hat, kam irgendwie alles zusammen. Es ist das Gefühl, dass man das Schicksal nicht in der Hand hat. Das war schon frustrierend. Und man versucht natürlich, jemandem die Schuld zu geben. Aber es war nicht Bills Schuld. Er wollte ja auch nicht kampflos aufgeben, aber am Ende musste er es. Wie gesagt, es hat mich schon frustriert. Aber als er dann weg war und wir wussten, wo wir stehen und was wir machen wollen, war es egal.


POPCONNECTION: Es ist auch euer erstes Album nach der Veröffentlichung eurer Singles-Collection. Ging es auch darum, einen Schlussstrich zu ziehen und neu anzufangen?

James: Ja, auf jeden Fall! Das war auch so der erste Gedanke, der dahinter stand, einen Schlussstrich, den wir ziehen wollten. Hoffentlich verhilft es uns zu neuer Stärke, ein weiteres Album zu machen, das eventuell im nächsten Jahr veröffentlich wird.


POPCONNECTION: Ihr seid raus aufs Land gefahren, um das Album aufzunehmen. In wie fern hat die Umgebung eure neuen Songs beeinflusst?

James: Wir hatten vorher bereits ein paar Songs geschrieben, die wir an verschiedenen Orten aufgenommen haben. Aber ich glaube, dass es einfach gut gewesen ist, gemeinsam Zeit zu verbringen, an ein und demselben Ort. Niemand konnte nach Hause gehen und sein eigenes Ding durchziehen.


POPCONNECTION: Ist denn der Fakt, dass ihr mitten im Nirgendwo gewesen seid, auch etwas, dass das Album beeinflusst hat?

James: Mh, ja, ich weiß, was du meinst. Vergessene Menschen an vergessenen Orten. Ich hatte das Gefühl, dass ich die Leute da draußen an solche Orte erinnern musste. (grinst)


POPCONNECTION: Wofür genau steht der Albumtitel "Butterfly House"? Was meint ihr damit?

James: Für mich ist es der Ort, an dem man all die Ideen sammelt, wenn man träumt. Das Kino des Unterbewusstseins, mit dem man sich vielleicht gar nicht genug auseinandersetzt und in das viel über Menschen und ihr Leben aussagt. 


POPCONNECTION: Ist "Butterfly House" in gewisser Art und Weise auch ein Konzeptalbum?

James: Wenn, dann eher im weiteren Sinne. Es geht um Mystik, um Magie. Das Unbewusste und die Dinge, die man beiseite schiebt.


POPCONNECTION: Ich habe irgendwo gelesen, dass viele Songs auf dem Album mit dem Gedanken der verlorenen Unschuld spielen…

James: Ja, das hat jemand anders geschrieben, ich habe das nie gesagt. (grinst) Aber ich kann den Gedanken dahinter nachvollziehen. Wie auch immer jemand einen Song von uns deutet - ich würde nicht sagen, "Hey, das ist falsch". Mir gefällt es, dass die Songs so offen sind, dass sie viel Spielraum für Interpretationen lassen. Das ist ja die Magie und das Mysterium. Orte ist wie Coney Island, unbewohnte Wälder und verschiedene Dörfer. Eine Kiste, von der niemand weiß, was darin versteckt ist.


POPCONNECTION: Ihr habt das Album mit John Leckie aufgenommen. Warum habt ihr euch für ihn als Produzenten entschieden?

James: Wir haben ihm ein paar Songs vorgespielt. Er begann, damit zu arbeiten und erfüllte unsere Erwartungen, in Bezug darauf, wie der Sound klingen sollte.


POPCONNECTION: Wie groß war denn der Einfluss, den er auf das Album bzw. die Songs hatte?

James: Schon ziemlich groß. Er half uns dabei, die Songs auszuwählen, ohne viel zu verändern, weil er einfach nicht das Gefühl hatte, dass man irgendetwas verändern musste. Wenn er den Bedarf gesehen hätte, dann hätte er Dinge umstrukturiert.


POPCONNECTION: Wenn du das Album in der Retrospektive betrachtest, was hältst du davon? Du hast kürzlich gesagt, es sei das beste Album, das ihr bisher gemacht habt…

James: Ja, es ist mein Lieblingsalbum. Für mich ist es das beständigste. Unser Debütalbum war schon großartig. Aber wenn ich mir das Ganze so Song für Song anschaue, dann gibt es bei "Butterfly House" keine schwachen Tracks - im Gegensatz zu unserem Erstlingswerk. Und wir haben es geschafft, uns seit unserem Debütalbum ständig weiterzuentwickeln. Das ist eine Energie, die wir vielleicht nie wieder haben werden.


POPCONNECTION: Ich danke dir ganz herzlich für das Interview!

James: Ich danke dir!



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