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The Boxer Rebellion

The Boxer Rebellion

"Die Songs haben eine neue Wendung genommen"
Interview: Jenny Schnabel
Foto: Pressefoto

Mit "Ghost Alive" bringen The Boxer Rebellion nun ihr sechstes Album heraus, welches wieder auf ihrem eigenen Label Absentee Recordings erscheint. Es ist die bislang intimste und persönlichste Platte der Band. Das Album ist in einer schwierigen Zeit von Frontmann Nathan Nicholson entstanden ist. Als er sich gerade in London mitten in der Vorproduktion der Platte befand, verstarb sein Vater in seiner Heimat Maryville, Tennessee.

Ich habe mich mit Adam Harrison und Andrew Smith getroffen und mit den beiden über das neue Album "Ghost Alive" gesprochen.



Während ihr an "Ghost Alive" gearbeitet habt, ist Nathan's Vater verstorben. Hat dieser Verlust das Album beeinflusst?

Andrew: Das Album wurde ziemlich stark davon beeinflusst. Die Songs haben ohnehin einen ziemlich melancholischen Charakter und drehen sich um Verlust und auch um persönliche Entwicklungen. Aber dieses Ereignis erzeugte definitiv eine ganz neue Stimmung. Es ist viel menschlicher geworden. Die Strukturen und Instrumente ließen sich leicht mit diesen tiefen Gefühlen verbinden, mehr als bei unserem letzten Album, das mit all den elektronischen Sounds ein bisschen aufwendiger produziert war. Die Produktionsweise und Instrumentierung dieses Albums entsprechen ein bisschen besser der Stimmung.


Waren denn alle Songs schon vor dem Tod seines Vaters fertig geschrieben?

Adam: Ja, die Songs waren alle schon geschrieben. Als es passierte, waren wir schon größtenteils damit fertig, die Songs zu entwickeln. Dann ereignete sich die Sache mit Nathan's Vater. Kurz nachdem er dann aus Tennessee zurückkam, nahmen wir die Arbeit an dem Album wieder auf. Wir fingen mit den Aufnahmen an und haben dabei ziemlich viel zusammen eingespielt. Seine Gesangsperformance und unsere Performance waren während der gesamten Aufnahmesession von der Atmosphäre beeinflusst, was geschehen war. Aber die Songs existierten bereits vorher. Die Songs haben nur eine neue Wendung genommen.


"Ghost Alive" ist akustischer und weniger Synthesizer geprägt als euer vorheriges Album "Ocean By Ocean". Überhaupt macht es den Anschein, als ob ihr musikalisch niemals still steht und jedes Album anders klingt. Ist das eine bewusste Entscheidung, wenn ihr ein neues Album aufnehmt oder ist das einfach ein automatischer Prozess?

Adam: Ich denke die letzten beiden Alben, "Promises" und "Ocean By Ocean" waren schon sehr nah beieinander. Wir denken jetzt nicht nach jedem Album, lass uns genau das Gegenteil machen, aber es stimmt schon, dass wir uns die Freiheit nehmen. Wir sind keine Band mit einem speziellen Sound. Wir nehmen uns die Freiheit zu experimentieren und auch mal Dinge wie Streicher und Hörner auszuprobieren. Es bleibt so für uns interessant und bringt frischen Wind in die Sache. Es ist wichtig, es auch für sich selbst interessant zu halten, um die Motivation aufrecht zu erhalten. Ja, aus diesem Grund verändern wir uns von Zeit zu Zeit.

Andrew: Das hängt auch mit all der Musik zusammen, die um einen herum passiert und mit der man zu tun hat. Du kannst nicht verhindern, dass neue Dinge dich beeinflussen. Es kann auch einfach sein, dass man sich ein neues Equipment oder eine neue Gitarre oder ein anderes neues Instrument kauft. Man will dann natürlich ausprobieren, was damit alles möglich ist und plötzlich bewegt man sich in einem neuen Sound. Manchmal optimiert man auch einfach die Instrumentierung eines Songs oder verändert einen Effekt auf dem Pedal und bekommt einen neuen Sound. Das kann ganz einfach so passieren.  Daher ist es nicht überraschend, dass sich von einem Album zum anderen ziemlich viel verändern kann. Aber innerhalb eines Album mit dem gleichen Equipment, den gleichen Instrumenten, Denkweisen und Einflüssen ist alles wohl etwas einheitlicher.


Für die Single "Love Yourself" habt ihr mit der Organisation CALM zusammengearbeitet. Was steckt dahinter?

Adam: CALM steht für "Campaign Against Living Miserably" und ist eine kleine, aber wichtige Organisation. Sie zeigt die Tatsache auf, dass im UK die häufigste Todesursache bei Männern unter 45 Selbstmord ist. Der Grund dafür ist oftmals, dass viele Männer nicht in der Lage sind sich mitzuteilen und das Gefühl haben, keine Emotionen zeigen zu dürfen, stattdessen leiden sie im Stillen für sich alleine. Es gibt Klischees wie "Jungs weinen nicht" und "Benimm dich wie ein Mann", die Männer davon abhalten ihre Gefühle auszudrücken. Wir können uns glücklich schätzen, dass wir in dieser Band sind und unsere Gefühle durch Musik ausdrücken können. Aber die meisten Männer haben diese Möglichkeit nicht. Sie könnten es, wenn man ihnen nur sagen würde, dass es völlig in Ordnung ist. Und das ist es was CALM macht. Für uns war es irgendwie eine selbstverständliche Sache. Es für uns auch sinnvoll auf solche Dinge hinzuweisen, da wir eine Plattform haben. Außerdem spricht dieses Album auch insbesondere solche Themen an. Dieses Problem existiert ja nicht nur im UK, sondern überall auf der Welt. Diese Art von Maskulinität, die schlimme Auswirkungen hat.


Es gibt auf dem Album einen Song mit dem Titel "What The Fuck". Wer oder was hat euch bzw. Nathan so wütend gemacht?

Adam: Der Song richtet sich nicht unbedingt so sehr gegen eine bestimmte Person oder eine bestimmte Sache. Er reflektiert eher die Welt, in der wir momentan leben. Wir haben über viele Jahre hinweg erlebt, dass sich die Politik im UK in eine liberale und globale Richtung bewegt hat. Dann passierte plötzlich der Brexit und dir wurde klar, dass du in einer Art Blase gelebt hast. Du kennst zwar keine Leute, die dafür gestimmt haben, die EU zu verlassen, aber es waren mehr als man geglaubt hat. Man hat dieselbe Sache mit Trump in Amerika erlebt. Und wir und wahrscheinlich auch die meisten Leute, die unsere Musik hören, denken nur: "What the fuck!".

Andrew: Der Ursprung dieser Phrase "What The Fuck" stammt von einem Podcast. Es gibt nämlich auch einen Podcast namens "What The Fuck" mit Marc Maron. Nathan hat sich davon inspirieren lassen und nahm die Idee daher.


Der Song "Here I Am" wurde ursprünglich für eine Szene in einem Hollywood-Film geschrieben, aber schließlich doch nicht verwendet.

Andrew: Ja, das war seltsam. In der Szene geht es um einen Vater, der seine Tochter verloren hat. Sie ist gestorben und er trägt ihren Leichnam durch einen Wald. Wir haben  diesen Song dafür geschrieben und er passte zu dieser Szene. Doch aus welchem Grund auch immer funktionierte es dann später für den Film doch nicht mehr. Aber wir mochten diesen Song dennoch sehr gerne und haben uns gedacht, auch wenn er in diesem Film nicht verwendet wird, so sollte er dennoch einen Platz erhalten. Wir dachten uns dann, gut, wenn es Raum für Streicher, Klavier und Gitarren gibt, können wir ihn den restlichen Songs des Albums anpassen.


"Ghost Alive" wird wieder auf eurem eigenen Label Absentee Recordings veröffentlicht. Was sind die Vor- und Nachteile, wenn man ein Album selbst veröffentlicht?

Adam: Wenn man eine Platte selbst veröffentlicht hat man Kontrolle, aber man muss auch sehr vorsichtig dabei sein wie man sein Geld investiert. Bands, die ein Team haben, das sich um die Veröffentlichung und eine Tour durch Amerika kümmert, brauchen sich nicht den Kopf darüber zu zerbrechen, wie teuer das alles ist. Und es ist sehr teuer. Wir müssen uns genau überlegen für was wir unser Geld sinnvoll verwenden. Neben der kompletten kreativen Freiheit, bekommt man allerdings auch den größten Anteil am Erfolg, wenn der Erfolg kommt. Außerdem muss man sich nicht mit den ganzen Lügnern der Musikindustrie herumschlagen. Wir haben es viele Jahre lang erlebt und es ändert sich nicht unbedingt etwas.


Ihr habt alleine ohne Plattenvertrag so viel erreicht. Könnt ihr euch denn trotzdem vorstellen noch mal zu einem Label zurückzukehren oder ist Selbstveröffentlichung für euch der beste Weg?

Adam: Label haben ihren Platz und es gibt auch gute Label. Aber viele Künstler sehen sich einfach nicht mehr in diesem System. Ich würde nichts ausschließen, aber an diesem Punkt und aufgrund dessen was wir erlebt haben, ist das das Modell, das im Moment am besten zu uns passt.



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