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POPCONNECTION - Im Interview - Reverend And The Makers: "Nicht alles, was ich mache ist politisch"
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INTERVIEWS
Reverend And The Makers

REVEREND AND THE MAKERS

"Nicht alles, was ich mache ist politisch"
Datum: 20. Oktober 2007 (Köln)
Interview: Amy Zayed
Foto: Chris M. Saunders

Seit gestern steht das Debütalbum "State Of Things" der Sheffielder Band Reverend And The Makers in den Läden. Dahinter verbirgt sich Jon McClure, seines Zeichens Dichter und Musiker. Angeblich soll er einige Texte des Debütalbums der Arctic Monkeys mitgeschrieben haben, was er selbst vehement verneint. Doch er wird von sehr vielen britischen Magazinen als der "Don" der Sheffielder Musikszene gefeiert. Nicht nur, weil seine erste Single "Heavy Weight Champion Of The World" direkt auf Platz 8 einstieg, sondern vor allem, weil er die Begabung hat, mit seinen Texten die Leute komplett in seinen Bann zu ziehen. Es geht um ganz normale Alltäglichkeiten, aber auch um eine politische Botschaft.

Wir haben Jon zu einem Interview in einem Café in Köln getroffen.


 

POPCONNECTION: Das Lied "He Said He Loved Me", was hat das für eine Botschaft?

Jon: Dieses Lied handelt von was ganz alltäglichem. Nicht alles, was ich mache ist politisch. Einige der Songs sind einfach nur Popsongs. Aber ich versuche immer, eine Botschaft in meinen Texten rüberzubringen. In diesem Song geht es um ein Mädchen, dass sich auf einen dummen Typen eingelassen hat, als sie 15 war, und der hat sie geschwängert. Danach hat er sie einfach verlassen! Allein mit dem Kind! Es geht um die Ex-Freundin meines Bruders. Der ist das nämlich passiert. Es ist textlich so ein bisschen wie bei "Much Too Young" von den Specials. Ich rede gern über solche Songs, weil wenn irgend eine Leserin von irgendeiner Mädchenzeitschrift erfährt, was dieser Text bedeutet, und sich denkt: Neee, so will ich nicht enden! Dann ist das großartig, und bedeutet mir sehr viel mehr, als eine Millionen Platten zu verkaufen!


POPCONNECTION: Was ich an deiner Musik so mag, ist, dass sie für jeden zugänglich ist. Es geht um den Nachbarn von nebenan. Die Texte hätte jeder x-beliebige Typ aus Sheffield schreiben können, weil die Geschichten jedem passieren können.

Jon: Genau das ist es! Es sind Geschichten, die jedem passieren können. Deswegen tut's mir auch leid, dass ich nicht alle Sprachen sprechen kann! Deshalb will ich auch unbedingt deutsch lernen! Weil es mir genauso wichtig ist, meine Botschaft für Deutsche rüberzubringen, wie für Leute in England. In der britischen Presse wurde ich neulich kritisiert. Die meinten, meine Texte seien zu einfach. Sie seien nicht kompliziert genug. Und ich dachte nur: Klar! Sie sollen auch einfach sein! Schließlich sind die für normale Menschen gedacht, und nicht für irgendwelche Intellektuellen! Ich hab nicht vor, über Demographie oder  soziale Konditionierung oder so einen Blödsinn zu reden! Ich kann darüber reden, wenn ich das will, aber warum? Ja, meine Botschaft ist ganz einfach. Sie ist für ganz normale Leute. Wenn ich über soziale Konditionierung und Nietzsche rede, bringt das niemandem was! Meine Helden sind Leute wie Marley und Lennon und Joe Stummer. Die haben nämlich auch Musik für ganz einfache Leute gemacht. Aber Hey, man sagt mir ja auch nach, dass ich ein Friedensapostel sei! Und zwar ein Heuchelapostel! So nach dem Motto: Der macht das doch nur, weil's cool ist! Aber so ist es nicht! Ich hatte fünf Jahre lang eine irakische Freundin. Mein Cousin ist in der Armee. Ich hatte echt ne beschissene Zeit. Er war im Irak, als die Familie meiner Freundin mit Bomben zugeschüttet wurde. Das war eine echt verwirrende Zeit für mich. Ich bin echt kein Friedensapostel, weil's so cool ist für den Frieden zu stehen! Ich mache dass, weil ich denke, dass es wichtig ist. Ich bin glaub ich, kein schlechter Mensch. Und die Botschaft, die ich rüberbringen möchte ist positiv.


POPCONNECTION: Wie ist es denn mit dir und deiner Freundin weitergegangen?

Jon: Wir haben uns getrennt. Sie wurde irgendwann richtig bitter. Die ganze Situation hat ihre Persönlichkeit total verändert. Sie ist dadurch sehr viel härter geworden. Mein Cousin, der drüben war, hatte das gleiche Problem. Er ist auch härter geworden. Ich glaube, viele Leute die in der Armee sind, haben dieses Problem. Man wird dann glaub ich immun gegenüber all dem Leid. Für meine Freundin war das alles ganz schlimm. Sie ist eine sehr sensible Person. Es hat sie so bitter gemacht, dass wir uns irgendwann voneinander entfernt haben. Für mich war das echt schwer! Wir waren zusammen auf sehr vielen Antikriegsdemonstrationen, und haben sehr viele Antikriegsorganisationen unterstützt. Aber es war alles irgendwann so ermüdend, und ich glaube, es hat uns unsere Beziehung gekostet! Aber danach war mein Ziel immer eine positive Botschaft rüberzubringen. Das hab ich aus dieser Beziehung gelernt, und deshalb nervt mich das ganz extrem, wenn Leute behaupten, ich würde das alles nur machen, um cool zu sein! Oder...ach der benutzt doch nur eine Art revolutionäre Rhetorik. Das ist es gar nicht! Ich denke nur, dass die Menschen es verdienen, in Frieden zu leben! Und, dass es eine Einheit oder eine Harmonie geben sollte! Und es wurmt mich dermaßen, wenn Leute dann so was von mir behaupten. Aber das ist einfach so symptomatisch für unsere Gesellschaft heutzutage. Wir sind mittlerweile so zynisch geworden, dass wir gar nicht mehr glauben, dass es Menschen gibt, die enthusiastisch sind, und denen wirklich was an einer Sache liegt. Die können sich das einfach nicht vorstellen, und denken, ich wolle nur meine Songs vermarkten, und das ist so schlimm!


POPCONNECTION: "Heavy Weight Champion Of The World" war die erste Single. War auch ein bisschen der Song, der dich in England berühmt gemacht hat. Ist direkt auf Platz 8 in die Charts eingestiegen. Der Song klingt so ein bisschen, als ob du sarkastisch über den Ruhm ablästern würdest?

Jon: Was ich da sagen will, ist, dass es fast schon ein System in England gibt, und nicht nur da, sondern überall auf der Welt. Nach diesem System musst du einen Schulabschluss machen, danach musst du einen Job lernen oder in die Armee gehen oder studieren. Aber was passiert, wenn du das alles nicht machen willst, sondern was ganz anderes? Du musst eine Frau haben und Kinder und sonst was. Ich meine, ich will nicht sagen, dass es toll ist, nicht arbeiten zu gehen. Ich will auch nicht sagen, dass Leute nicht heiraten und Kinder bekommen sollen. Ich sage nur, es geht hier um Individualität! Was ist, wenn du zum Beispiel Astronaut werden willst? Ich finde, dass man den Traum verfolgen sollte, und alles dransetzen muss, ihn zu verwirklichen!


POPCONNECTION: Ich habe gerade so ein bisschen in deinem letzten Interview mitgehört, dass du von Damon Albarn eingeladen worden bist, an seinem neuen Projekt mitzuarbeiten?

Jon: Ja, ich kann's echt immer noch nicht glauben! Muss mich manchmal sogar kneifen! Damon hat uns auf dem Glastonbury eingeladen, auf der "Africa Express" Stage zu spielen! Da jammen ganz viele westliche Musiker, zusammen mit afrikanischen Musikern. Naja, und jetzt will er eine Platte im Kongo aufnehmen. Mit mir und den Jungs von Arcade Fire. Und natürlich ganz vielen Musikern aus dem Kongo. Ich glaub, ich mach das! Klingt nach einem sehr spannenden Projekt! Ich hab ne Menge Respekt vor Albarn! Er vertritt in vieler Hinsicht die gleiche Meinung wie ich. Er hat auch viele Antikriegsorganisationen unterstützt und so. Er ist wirklich sehr enthusiastisch. Ich mag Damon Albarn und werde die Einladung annehmen!


POPCONNECTION: Was hast du denn jetzt vor, Mr. McClure, gibst du mir jetzt die Ehre einer Jam Session, oder was?

Jon: Genau! Den Song hier...

(Das Interview endet mit einem Potpourie aus The Good, The Bad And The Queen und Bob Marley)


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