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POPCONNECTION - Im Interview - Malcolm Middleton: "Es wird für ein paar Jahre das letzte Album sein"
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Malcolm Middleton

MALCOLM MIDDLETON

"Es wird für ein paar Jahre das letzte Album sein"
Datum: 19. September 2009 (Münster)
Interview: Jenny Schnabel
Foto: Pressefoto

Im Juni hat Malcolm Middleton (Ex-Arab Strap) sein aktuelles Album "Waxing Gibbous" veröffentlicht. Es ist sein mittlerweile fünftes Soloalbum und seine dritte Platte nach dem Split von Arab Strap. Momentan befindet sich der in Glasgow lebende Musiker auf Deutschland-Tour, um seine neuen Songs live zu präsentieren. Wir haben den Schotten vor dem Konzert im Gleis 22 in Münster zum Interview getroffen und mit ihm über sein neues Album, den Einfluss von Mondphasen, digitale Downloads und seine Pläne für die Zukunft gesprochen.



POPCONNECTION: Du hast deine letzten drei Alben innerhalb von drei Jahren aufgenommen. Du musst ein musikalischer Workaholic sein...

Malcolm Middleton: Nein, das würde ich nicht sagen. Drei Jahre sind ungefähr 1000 Tage, in denen ich um die 30 Songs geschrieben habe. Das ist nicht besonders viel. Aber ich habe darüber nachgedacht, eine Pause zu machen. Ich bin es leid, immer über dasselbe Thema zu schreiben. Ich brauche ein wenig Zeit, in mich zu gehen und zurück zu kommen...


POPCONNECTION: "Waxing Gibbous" ist dein fünftes Soloalbum und deine dritte Platte nach dem Split von Arab Strap. Würdest du sagen, dass du genau genommen mit "Into The Woods" als Singer/Songwriter begonnen hast, zu arbeiten?

Malcolm Middleton: Ja, vielleicht. Das erste Album war mehr ein Seitenprojekt, dem weniger Aufmerksamkeit zu teil wurde. Für mich war das Ganze allerdings sehr spannend. Dadurch wurde mir bewusst, dass ich Spaß daran hatte, noch mehr zu machen, als nur in der Band Arab Strap zu spielen.


POPCONNECTION: Worin liegt denn für dich der größte Unterschied zwischen der Arbeit innerhalb einer Band und der eines Solokünstlers?

Malcolm Middleton: Der größte Unterschied liegt in der Chemie und den Kompromissen. Arab Strap funktionierte, obwohl Aidan (Anm. d. Red.: Aidan Moffat, Sänger von Arab Strap) und ich unterschiedliche musikalische Ideen hatten und aus unterschiedlichen Verhältnissen kamen. Anfangs hatten wir einfach das richtige Gespür dafür, einander zu vertrauen und sich die Meinung des anderen anzuhören. Als Solokünstler braucht man das nicht, man hat die komplette kreative Freiheit, was gut ist. Als Arab Strap sich getrennt hatten, war das genau das, was ich gebraucht habe. Aber jetzt, nach drei Jahren ohne eine Band, vermisse ich die Zusammenarbeit mit anderen Personen und den Austausch darüber, was sie denken.


POPCONNECTION: Viele Kritiker beschreiben "Waxing Gibbous" im Gegensatz zu deinen vorherigen Alben als weniger schwer und depressiv. Siehst du das auch so?

Malcolm Middleton: Ja, ich glaube schon. Es gibt darauf immer noch einige düstere Songs, aber generell war ich mehr Ich-bewusst. Das lag daran, dass ich, nachdem ich so viele Alben gemacht hatte, nicht der Charakterisierung folgen wollte, dass ich eine bestimme Art von Song schreiben muss. Also habe ich die Art und Weise, etwas auszudrücken weiterentwickelt und verändert. Vielleicht ist es auch ein leichteres Album, weil nichts schlimmes passiert ist. Es gibt nichts, worüber man sich beklagen könnte. (lacht) Außer die kleinen Dinge eben.


POPCONNECTION: In dem Song "Zero" gibt es eine Passage, in der du singst "I just can't seem to get on with the man I have become". Das klingt ein wenig nach einem Wendepunkt in deinem Leben...

Malcolm Middleton: Definitiv. Einige Songs behandeln dieselbe Thematik, etwas an meiner Persönlichkeit oder meinem Charakter ändern zu wollen. Wenn ich einen Song schreibe, der etwas bestimmtes ausdrückt, hat das meistens den Effekt, dass sich irgendetwas in mir verändert. Es funktioniert. Fast wie ein kleiner Zauber oder ein Mantra oder so etwas in der Art. Wenn ich mich darüber ausdrücke und feststelle, was schief läuft, dann hilft mir das, etwas zu verändern.


POPCONNECTION: Du hast den Track "Red Travelling Sox" als dein persönliches "Bohemian Rapsody" und "Don't Fear The Reaper" beschrieben. Was hast du damit gemeint?

Malcolm Middleton: Ich liebe diese beiden Songs und ich meine nicht, dass "Red Travelling Sox" so gut ist, wie sie. Aber es sind beides lange Popsongs mit unterschiedlichen Passagen darin und das war es, was ich gemeint habe.


POPCONNECTION: Es gibt generell wenige Stücke auf "Waxing Gibbous", die kürzer als fünf Minuten sind. Die meisten Songs sind doch um einiges länger. War das etwas, das während des Schreibprozesses passiert ist oder war das beabsichtigt?

Malcolm Middelton: Es war nicht beabsichtigt. Ich denke, über die Hälfte des Albums sind die Songs ein wenig zu lang. Aber ich habe die Musik genossen. Es hat mich in der Vergangenheit manchmal gestört, dass es bei Arab Strap-Songs zu viel Musik gab und zu viel Text. Die Lyrics begannen genau in dem Moment, in dem die Musik einsetzte und endeten auch mit ihr. Ich mag musikalische Räume. Aber ich bin mir durchaus bewusst, dass ich einige Dinge hätte kürzen können.


POPCONNECTION: Der Albumtitel "Waxing Gibbous" beschreibt die Mondphase vor dem Vollmond. Glaubst du, dass Mondphasen die Menschen beeinflussen können?

Malcolm Middleton: Ich bin mir nicht sicher. Möglicherweise ja. Das ist eine gute Frage. Ich glaube, alles beeinflusst die Menschen, also warum nicht auch der Mond?


POPCONNECTION: Hat dich der Mond bei der Arbeit zu deinem Album beeinflusst?

Malcolm Middleton: Ja. Ich habe es "Waxing Gibbous" genannt, weil ich einen Mondphasenkalender auf dem Desktop meines Rechners hatte. Im Laufe des Jahres sind einige Dinge passiert - die meisten von ihnen während des zunehmenden Mondes. Also wurde ich abergläubisch. Ich habe "Waxing Gibbous" dann als Albumtitel gewählt und einen Mond aufs Cover gesetzt. In der Zeit ist nichts schlimmes passiert. Also kann ich den Aberglauben wieder über Bord werfen, hoffe ich. (grinst)


POPCONNECTION: Du hast gesagt, dieses Album wäre vorerst das letzte. Aus welchem Grund?

Malcolm Middleton: Es wird für ein paar Jahre das letzte Album sein, weil ich bereits Musik in anderen Projekten aufnehme. Ich hab auch schon wieder ein paar Songs geschrieben. Aber ich brauche etwas Abstand von diesen Alben. Ich weiß nicht genau, warum, aber ich mag die Art und Weise nicht, wie diese Platten beurteilt worden sind. Die Kritiken waren okay, aber ich wurde immer als depressive und melancholische Person gesehen. Dem versuche ich zu entfliehen. Also widme ich mich anderen Kollaborationen und Projekten. Und in zwei oder drei Jahren werde ich zurückkommen und ein neues Album aufnehmen.


POPCONNECTION: Deine neue Single "Zero" ist auf weißem Vinyl erhältlich, genauso, wie man auch das Album als Vinylausgabe bekommt. War das insbesondere im Zeitalter der Downloads deine eigene Entscheidung oder die deines Labels?

Malcolm Middelton: Es war meine Entscheidung. Ich mag Vinyl immer noch. Ich glaube, eine Menge Leute mögen es noch. Aidan von Arab Strap hat noch mehr Ahnung von weißem Vinyl und Covern und dergleichen. Er ist ein noch größerer Plattensammler als ich. Es ist schön, so etwas zu besitzen.


POPCONNECTION: Ja, da stimme ich dir auf jeden Fall zu! Wie denkst du über die Art und Weise, wie heute Musik konsumiert wird, mit den Möglichkeiten des digitalen Downloads?

Malcolm Middleton: Es hat seine guten und seine schlechten Seiten. Aber man hat so wenig davon. Ich hatte einige Jahre lang einen I-Pod., den ich in diesem Jahr wieder gegen meinen Plattenspieler eingetauscht habe. Ich war es leid, nicht immer die ganzen Alben zu hören, ständig alles auf "Shuffle" zu hören und kein Booklet zu haben. Aber es gibt auch Teenager, die damit aufgewachsen sind und gar nichts anderes kennen. Es ist seltsam. Vielleicht ist es denen egal oder sie haben den Vergleich einfach nicht. Ich mag das Produkt in meiner Hand.


POPCONNECTION: In deinem Myspace-Blog hast du folgendes gepostet: "illegal downloading of my music will further cripple my income, leading to an impaired lifestyle, resulting in fewer situations to be gotten into which encourage the writing of downbeat/miserablist songs. Meaning you'll have to do without me. Good luck!" Hat die Tatsache der stetig wachsenden illegalen Downloads deine Entscheidung, eine Pause einzulegen, vielleicht ein wenig mit beeinflusst?

Malcolm Middleton: Nein, das nicht. Ich habe ja auch Gewinn gemacht. Aber wenn du ein kleiner Künstler bist oder ein kleines Label hast, dann tangiert dich das Ganze schon mehr. Viele Leute sagen ja, dass dich mehr Menschen kennen würden, wenn deine Musik kostenlos wäre. Aber du musst ja auch das Studio irgendwie bezahlen… Es ist schwierig. Ich hab keine Ahnung, was die Antwort oder die Lösung dafür wäre. Warten wir ab, wie es in ein paar Jahren ausschaut. Vielleicht würden einige Leute den Wert von Musik eher zu schätzen wissen, wenn sie dafür bezahlen würden. Ich wertschätze CDs mehr, wenn ich sie mir von meinem eigenen Geld gekauft habe, als wenn ich sie von jemandem geschenkt bekommen habe.


POPCONNECTION: Einige Menschen haben die Ansicht, dass Musik ein Allgemeingut sein sollte, dass jeder die Möglichkeit haben sollte, sie kostenlos zu konsumieren. Was hältst du als Musiker davon?

Malcolm Middleton: Das hat definitiv etwas für sich. Diese ganzen Geschichten mit Anwälten und Rechten machen mich wahnsinnig. All diese Verträge, die du unterschreiben musst. Aber auf der anderen Seite denke ich, dass es nun mal auch ein Urheberrecht geben muss, wenn du etwas aus deiner Kreativität heraus schreibst. Ich bin mir nicht sicher. Das ist eine gute Frage...


POPCONNECTION: Ich glaube, niemand arbeitet gerne umsonst und als Musiker ist es ein Job, den man macht und für den man bezahlt werden sollte. Wenn alles kostenlos ist, wer zahlt dann deine Rechnungen?

Malcolm Middleton: Das ist richtig. Das ist so, als wenn du dir einen Installateur bestellst, der dir das Waschbecken reparieren soll und du bezahlst ihn anschließend nicht. Ich vergleiche mich nicht mit einem Installateur, aber als Musiker ist es so ähnlich... (grinst)


POPCONNECTION: Wie schauen deine konkreten Pläne nach diesem Album aus? Du hast ja gerade schon ein angedeutet...

Malcolm Middleton: Ich werde für drei Wochen im November/Dezember eine weitere Akustik-Tour im UK machen. Kürzlich habe ich mit Mira Callix zusammengearbeitet, einer Künstlerin, die mehr in Richtung Experimental und Elektronik geht. Wir werden im nächsten Jahr an einem gemeinsamen Album arbeiten. Außerdem werde ich noch einen Soundtrack für einen kurzen schottischen Film machen. Und natürlich werde ich weiterhin so viele Gigs wie möglich spielen.


POPCONNECTION: Vielen Dank, dass du dir die Zeit für das Interview genommen hast!

Malcolm Middleton: Ich danke dir für's Kommen!


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