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POPCONNECTION - Im Interview - Kula Shaker: "Die vegetarische Mafia muss zusammenhalten!"
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Kula Shaker

KULA SHAKER

"Die vegetarische Mafia muss zusammenhalten!"
Datum: 17. Oktober 2007 (Köln)
Interview: Jenny Schnabel
Foto: Pressefoto

Kula Shaker sind wieder da. Acht Jahre nach ihrer Trennung melden sie sich nun mit ihrem neuen Album "Strangefolk" zurück. Ende der 90er veröffentlichte die Band mit "K" und "Peasants, Pigs And Astronauts" zwei grandiose Alben und feierte mit Hits wie "Tattva", "Govinda" und "Hey Dude" riesige Erfolge. Momentan sind Kula Shaker auf Europa-Tour, die sie erstmals seit vielen Jahren auch wieder nach Deutschland führt.

Wir haben Sänger Crispian Mills backstage vor dem Konzert im Kölner Prime Club getroffen.



POPCONNECTION: Wie war dein Tag bisher?

Crispian Mills: Gut. Wir haben gestern Abend einen großartigen Gig im Melkweg in Amsterdam gespielt. Es ist das erste Mal seit Jahren, dass wir wieder in Europa spielen, dementsprechend ist es sehr aufregend, wieder zurück zu sein.


POPCONNECTION: Du hast gesagt, Kula Shaker sei keine Reunion, sondern eine Reinkarnation. Kannst du das mal ein bisschen genauer erläutern?

Crispian Mills: Um wiedergeboren zu werden, musst du tot sein. Und du musst ein neues Leben bekommen. Ich denke, dass man bei einer Reunion eher versucht, die Vergangenheit zu wiederholen oder eine so genannte Ehrenrunde zu drehen. Für uns war es eher so, dass wir wieder angefangen haben. Wir hörten 1999 auf, zu arbeiten, weil wir uns im Business verloren fühlten. Wir sagten uns, dass die Musik, die Identität unserer Band und unsere Leidenschaft wichtiger seien, als unsere Karriere. Wir wollten kein schlechtes Album machen, nur des Geldes wegen oder wegen des Drucks, unsere Plattenfirma und unsere Manager glücklich zu machen und all diesen Scheiß. Wir wären uns wie Huren vorgekommen, also haben wir gesagt, lasst uns eine Pause einlegen. Das war kein guter Schachzug für die Karriere, aber es war gut für die Band. Und das Leben geht weiter. Es ist anders, aber es ist ein interessantes Experiment. Für die Musik war es gut, eine Pause einzulegen.


POPCONNECTION: Hast du es ab und an vermisst mit den Jungs zu spielen?

Crispian Mills: Ja, klar! Aber es war auch gut, eine Weile zu pausieren. Ich habe zwischendurch mit Johnny Marr von The Smiths gespielt und mit anderen Musikern zusammengearbeitet. Nebenbei hab ich auch noch Drehbücher geschrieben. Wir haben eine Menge anderer Erfahrungen gesammelt. Das ist Abwechslung.


POPCONNECTION: Hat sich in der Art und Weise wie ihr Musik macht, etwas geändert im Hinblick auf die Vergangenheit?

Crispian Mills: Mein Songwriting ist vielleicht ein bisschen simpler geworden. Das Schreiben der Lyrics ist anders. Ich meine, ich habe mich verändert, es ist eine andere Welt. Es hat sich viel verändert. Aber du änderst niemals dein Wesen. Dein Charakter bleibt gleich, aber die Art und Weise, wie du dich ausdrückst, verändert sich.


POPCONNECTION: Das neue Album "Strangefolk" klingt anders als die Vorgänger. Es gibt weniger indische Klänge, weniger Sitar-Sounds, dafür aber verstärkt 60er Jahre-Gitarren. Mehr Einflüsse der Doors oder der Beatles. Warum?

Crispian Mills: Der Sound ist stärker durch eine Hammond-Orgel geprägt. Ich denke, dass der Charakter von Kula Shaker immer noch da ist. Wir haben das Album geschrieben, als wir Anfang 2006 unterwegs waren. Wir haben sechs Monate live gespielt und haben die Leute nur über das Internet über die Gigs informiert. Es war eine gute Idee, weil wir so keine Presseresonanzen hatten, die uns unterbewusst hätten beeinflussen können. Wir konnten uns voll und ganz auf die Musik konzentrieren. Das war eine gute Herangehensweise an das Album. Eine Menge guter Platten entstehen während des Live-Spielens. Man hört die Indischen Einflüsse, aber sie sind nicht so offensichtlich. Eine Menge indischer Anklänge. Also nicht nur die Sitar, indische Einflüsse können alles mögliche sein. Nicht nur der Sound, sondern z.B. auch die Küche. Wir haben eine Menge indischer Gerichte auf dem Album. (lacht)


POPCONNECTION: Es gibt einen Song auf dem Album, der "Great Dictator" heißt und der ziemlich ironisch klingt. Was ist die Idee dahinter?

Crispian Mills: Das war der erste Song des Albums. Ein dummer Track für dumme Menschen. Für Kinder, insbesondere für Kids auf dem Spielplatz. Es ist, was es ist. Jeder weiß, was es bedeutet. Man muss das nicht erklären.


POPCONNECTION: Würdest du diesen Track als politischen Song bezeichnen? Siehst du Kula Shaker als politische Band?

Crispian Mills: Nein. Ich mein, Millionen von Menschen demonstrierten in den Straßen von London gegen die Invasion in den Irak. Niemand mag Saddam Hussein, aber man möchte auch keine Geschäfte mit George W. Bush machen. Und jeder demonstrierte für eine Million Leute. Das war nicht politisch, das war gesunder Menschenverstand. Es waren einige politische Fraktionen dabei, aber zu 80 Prozent waren es Familien, Leute die sagten, es sei nicht richtig, was dort passiert. Ich denke, es gibt da einen Unterschied. Man kann durch den natürlichen Ausdruck einer Idee oder eines Gefühls politisch sein. Dafür muss man nicht einer Partei oder diesem ganzen fahnenwehenden Mist angehören.


POPCONNECTION: Ihr habt ein eigenes Label gegründet...

Crispian Mills: Ja. Ein paar Leute aus dem Business, die ich wirklich respektiere, meinten, dass sei der Weg, den man gehen sollte. Das ist die Zukunft. Wenn du kannst, dann versuch es. Ich habe mich mit einigen großen Labeln und Plattenfirmen getroffen, aber dort herrschte keine gute Atmosphäre, weil niemand sagen konnte, wie es in Zukunft weitergeht. Nicht einmal die großen Bosse wussten, ob sie in sechs Monaten überhaupt noch einen Job haben. Und wenn du einen Deal bei einer großen Plattenfirma unterschreibst, dann wollen die alles. Sie wollen deinen Arsch bis zum Ende deines Lebens besitzen. Und wie kannst du jemandem deinen Arsch verkaufen, dem nicht mal sein eigener gehört und der nicht weiß, wie lange er einen Job hat?! Es ist schwierig. Unabhängigkeit bedeutet, dass du härter darum kämpfst, deine Platte publik zu machen. Du hast nicht die fetten Werbegelder aber du hast engere Beziehungen zu deinen Fans und mehr Kontrolle über die Musik. Du hast zwar weniger Geld, aber das ist es wert! Und wenn du so ein Label hochziehst, ist es wirklichkeitsnäher. Es ist dauerhafter, weil du eine viel engere Beziehung zu deinen Fans hast.


POPCONNECTION: Hat sich deiner Meinung nach das Musikbusiness in den letzten 10 Jahren verändert?

Crispian Mills: Ja, wir befinden uns nach 9/11. Das ist ein großer Unterschied. Und natürlich hat das Internet auch einiges verändert. In den letzten Monaten ist viel passiert. Das Internet ist wirklich eine gute Sache für neue Bands, die gerade erst am Anfang stehen. Es ist großartig, weil eine Menge Leute auf dich aufmerksam werden. Oder wenn du Madonna oder Radiohead bist, kannst du deine Musik direkt verkaufen. Großartig! Die große Frage dabei ist allerdings, wie man damit umgeht. Nicht mal Madonna kann es sich leisten, ihre Musik kostenlos anzubieten. Niemand weiß, was passieren wird, aber ich hoffe, dass es mehr zu den alten Zeiten zurück geht, in denen Bands und Musik schrittweise zu dem wurden, was sie den Menschen, die sie entdeckten, bedeuteten. Ein Song wurde dadurch erfolgreich, dass Leute ihn für sich entdeckt haben. Nicht durch Werbung. Heute die Nummer 1 sein und nächste Woche genauso schnell zu verschwinden. Ich hoffe, das alles wieder ein bisschen echter wird.


POPCONNECTION: Was hältst du von all den neuen Bands aus dem UK?

Crispian Mills: Ich bin schwer zufrieden zu stellen. Es gibt eine Menge Energie, eine Menge Style, aber keine Inhalte. Je besser der Haarschnitt, desto größer der Deal. Der Haarschnitt ist sehr wichtig. Mein Schnitt entwickelte sich mit meinem Gitarrenspiel. Aber es gibt gute Gründe, zu spielen und wir leben in einer post-9/11-prä-apokalyptischen Welt. Und niemand hat irgendetwas zu sagen, weil alle nur auf ihre Schuhe schauen und sich denken "Hey, diese Schuhe sind cool! Meine scheiß spitzen Schuhe und mein Haarschnitt" - aber wo ist die Wut?! Ich habe Beth Ditto von Gossip gehört. Sie war die einzige Person auf dem gesamten Reading-Festival, die gesagt hat. "Scheiß auf die Menschheit!" Sie hatte eine Attitüde! Sie hatte eine Stimme! Die anderen waren nur mit Posing beschäftigt. Aber ich denke, dass die nächste Generation derer, die jetzt so sieben oder acht Jahre alt sind, sehr wütend sein werden. Dass sie unserer Generation sagen werden, "Ihr habt eure Chance verpasst! Die Welt geht zum Teufel und ihr habt eure scheiß Chance verpasst!" Ich habe mich jahrelang so gefühlt. Sogar in den den späten 90ern, als unsere Alben anfingen, sich zu verkaufen, da hab ich auch gedacht "Hey, ihr habt nichts zu sagen!" Es war kurz vor dem Millennium und niemand hat gedacht "Wow! Was wird passieren? Was bedeutet das?" Ich glaube, Damon Albarn hat versucht, darüber Songs zu schreiben. Er ist da gewissenhafter. Er ist eine Seltenheit. Ich bin kein großer Fan von ihm, aber ich habe festgestellt, dass er hat eine Stimme. Vegetarier. Die vegetarische Mafia muss zusammenhalten! (lacht)


POPCONNECTION: Was erwartet ihr von eurem Neuanfang?

Crispian Mills: Harte Arbeit. Die Erwartung ist, dass die Band wieder lebendig wird. Und dass wir wieder etwas Magisches machen werden. Aber es ist diesmal völlig anders. Ich denke, dass die Band ihr Publikum wieder finden kann. Das alte und ein neues. Diesmal allerdings langsamer und organischer. Und das ist im Moment unser Karma. Und wir arbeiten daran. Wir freuen uns darüber, in diesem Club hier spielen zu dürfen. Wir haben in London in einem großen Club gespielt, in Amsterdam genauso. Wir spielen kreuz und quer in Hallen unterschiedlicher Größe. Das ist super, weil wir so beides mitnehmen können - die kleinen Clubs und die großen Locations. Ich hoffe, dass es heute Abend toll wird!


POPCONNECTION: Davon bin ich überzeugt! Heute Abend wird großartig werden! Vielen Dank, dass du dir die Zeit für das Interview genommen hast!

Crispian Mills: Ich danke fürs Kommen!


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