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POPCONNECTION - Im Interview - Kaizers Orchestra: "Von der ersten Idee bis zu so einem großen Projekt ist es ein weiter Weg"
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Kaizers Orchestra

KAIZERS ORCHESTRA

"Von der ersten Idee bis zu so einem großen Projekt ist es ein weiter Weg"

Interview: Andreas Kussinger
Foto: Pressefoto

Kaizers Orchestra sind eine etwas andere Band. Ihre Texte sind allesamt in Norwegisch, und dennoch haben sie sich auch außerhalb ihres Heimatlandes einen beachtlichen Ruf erarbeitet. Das liegt vor allem an ihren energiegeladenen Live-Shows mit denen sie sie bald ein echter Geheimtipp auf den alljährlichen Sommerfestivals wurden. Aber nicht nur live machen die sechs Norweger einen guten Job. Es lohnt sich, einen Blick hinter die Kulissen der Jungs aus Starvanger zu werfen und sich etwas eingehender mit dem Kollektiv Namens Kaizers Orchestra zu befassen.

Wie man heutzutage auf die eigentlich wahnsinnige Idee kommt, ein dreiteiliges Konzeptalbum in einer überregional kaum gesprochenen Sprache zu veröffentlichen? Das haben uns Sänger Janove Ottesen und Gitarrist Geir Zahl bei einem Interview in Wien verraten.



POPCONNECTION: Die Verkaufszahlen von Tonträgern gehen nach wie vor in den Keller und gerade das klassische Album scheint nicht mehr besonders gefragt zu sein. Wie seid ihr angesichts dieser Umstände auf die Idee gekommen, eine Konzeptalbun-Trilogie aufzunehmen?

Geir: Wir sind einfach dreifach dumm...


POPCONNECTION: War das die Reaktion eurer Plattenfirma?

Janove: Nein, unsere Plattenfirma, naja das ist eigentlich nur ein Typ. Er ist cool, er fand das ok. In gewisser Weise ist es schon ein Statement, heutzutage ein dreiteiliges Konzeptalbum zu veröffentlichen. Aber das war nicht der Punkt. Wir waren schon immer eine Band, die nicht nur einen Hit hat, der sich gut verkaufen soll. Wir haben richtige Alben, die gehört werden sollen, und wir bieten eine tolle Live-Show. Mit den drei Alben treiben wir das eben auf die Spitze. Die Leute sollen sich nicht nur einzelne Songs anhören, sondern das Gesamtwerk auf sich wirken lassen. Ich glaube unseren Fans gefällt es, und vielleicht können sie das Ganze dann auch promoten, indem sie ihren Freunden davon erzählen. Wenn jemand sagt "hey, toller Song von Kaizers Orchestra" dann sollte ihnen jemand sagen, dass sie das ganze Album anhören sollen.

Geir: Ich glaube aber auch, dass es noch genug Leute gibt, die Musik mit Anspruch mögen und Gefallen an solchen Konzeptalben finden. Auch wenn das Musikgeschäft heutzutage eher Single-fixiert ist. Wir können sogar beides kombinieren. Die bisherigen Singles unserer "Violeta"-Trilogie waren kommerziell unsere bisher erfolgreichsten.


POPCONNECTION: Was hat euch musikalisch daran gereizt, diese Trilogie zu machen?

Geir: Das hat uns ein sehr breites Spektrum an Möglichkeiten eröffnet. Wir konnten in alle Richtungen ausprobieren, wie weit wir gehen können, welche musikalischen Einflüsse wir in unseren Sound einarbeiten können. Das ist großartig. Wir haben uns richtig ausgetobt.


POPCONNECTION: Wie würdet ihr denn die ersten zwei Alben musikalisch beschreiben, und wohin geht die Reise im dritten Teil?

Janove: Das erste Album wurde im Wesentlichen auf dem Piano komponiert, es gibt sehr viele Keyboard- oder Orgeltöne zu hören. Vom musikalischen Stil her ist es sehr gemischt, sowohl auf das gesamte Album gesehen als auch innerhalb einzelner Songs. Das zweite Album hingegen ist ein klassisches Rock 'n' Roll Album, viele Gitarren. Es klingt als wäre es live eingespielt worden, so wie "Exile On Maine Street" zum Beispiel oder viele andere Rock 'n' Roll-Klassiker. Der dritte Teil wird wieder ganz anders. Das wird definitiv das außergewöhnlichste Album unserer Karriere. Das große Finale.

Geir: Genau, das Grande Finale – Die Oper ist nicht zu Ende, bevor die dicke Frau nicht gesungen hat!


POPCONNECTION: Soviel zur musikalischen Konzeption der Trilogie. Die Songs erzählen aber auch eine Geschichte. Könnt ihr die Geschichte und ein paar Worten zusammenfassen?

Janove: Es geht zunächst um drei Personen – Kenneth - der Vater, Beatrice - die Mutter und die Tochter Violeta. Die Eltern stellen irgendwann fest, dass sie zu verschieden sind und nicht zusammen passen. Die Beziehung geht in die Brüche. Schließlich entführt Kenneth die Tochter, flüchtet mit ihr und versteckt sich irgendwo in der Welt, und das ganze sieben Jahre. Beatrice bleibt als gebrochene Frau zurück, sie gibt sich selbst auf und ertränkt den Kummer im Alkohol. Nach sieben Jahren beschließt sie aber, dass es so nicht weitergehen kann. Sie schwört Rache und schmiedet den Plan, den Vater zu verfolgen und zu finden, um ihre Tochter zurückzubekommen. Ja, das ist die Story.


POPCONNECTION: Bis jetzt, es geht ja noch weiter...

Janove: Es kommen noch weitere Charaktere dazu. Der Bruder des Vaters zum Beispiel, und natürlich der Teufel, der seine Finger auch im Spiel hat.

Geir: Ein sehr charmanter Teufel...

Janove: Genau, ein charmanter und sehr umgänglicher Teufel.


POPCONNECTION: Wie Mephisto in Goethe's Faust?

Janove: Exakt! Danke. Schön, wenn dich die Story daran erinnert. Der Gedanke daran, dass "Violeta" irgendwann einmal auch als Theaterstück aufgeführt werden könnte, gefällt mir sehr. Es ist im Grunde seine sehr klassische Geschichte, aber mit einem modernen Einschlag.


POPCONNECTION: Wie kam es denn eigentlich zur "Violeta"-Trilogie? War das von Anfang an so geplant oder hat sich das erst ergeben?

Janove: Am Anfang war nur ein einziger Song. Und daraus ist die Geschichte dann entstanden. Aber nicht über Nacht, darüber habe ich drei Jahre sehr viel nachgedacht. Von der ersten Idee bis zu so einem großen Projekt ist es ein weiter Weg.


POPCONNECTION: Ihr komponiert und singt eure Songs ausschließlich in eurer Muttersprache. Glaubt ihr denn, dass ihr außerhalb Norwegens überhaupt jemanden für die Geschichten in euren Songs interessieren könnt? Oder wollen hier alle nur eine gute Show und kümmern sich nicht viel um die Texte?

Janove: Ich glaube schon, dass sich unsere Fans dafür interessieren. Sie wissen, dass wir interessante Texte schreiben und informieren sich auch darüber. Aber die Musik steht sicher an erster Stelle. Du kannst tausend Stories über uns und unser Konzeptalbum und die Story dahinter veröffentlichen, letztendlich sind wir doch nur eine gewöhnliche Rock 'n' Roll Band.


POPCONNECTION: Mit einer großartigen Liveshow...

Geir: Genau, dafür sind wir bekannt und das finden wir auch gut. Es macht großen Spaß, auf der Bühne zu stehen und eine tolle Show abzuliefern. Wir hoffen, dass wir einen bleibenden Eindruck hinterlassen, auch wenn keiner unsere Texte versteht. Wer uns einmal live gesehen hat, soll sich daran erinnern, egal ob er danach unsere CDs kauft oder nicht...


POPCONNECTION: Ein englischsprachiges Album aufzunehmen, um mehr Platten zu verkaufen, stand also nie zur Debatte?

Janove: Nein. Als wir als Band angefangen haben, gab es in Norwegen nur ganz wenige Bands, die nicht Englisch gesungen haben. Alle dachten, dass Norwegisch als Sprache für Rocksongs ungeeignet ist. Und wie das immer so ist, wenn alle das gleiche machen und man sich abgrenzen will – man macht natürlich das Gegenteil. Also haben wir norwegische Texte geschrieben. Mit wenigen Ausnahmen lief das Englisch-Experiment bei allen Bands, die wir kennen, gleich ab. Englischsprachiges Album aufnehmen, nach London umziehen, dort versuchen den Durchbruch zu schaffen, scheitern, wieder nach Norwegen zurückkehren.

Geir: Wir dachten uns nur "klasse, wenn alle nach England gehen, haben wir Norwegen für uns alleine".

Janove: Ich glaube auch nicht, dass wir mehr Platten in Europa verkaufen würden, wenn wir englische Texte hätten.


POPCONNECTION: Ich habe gehört, dass eure ersten drei Alben  die Idee für ein Theaterstück gaben. Wie kam es dazu?

Geir: Janove hat mit diesem Autor, der das Ganze dann umgesetzt hat, in Starvanger zusammengearbeitet. Da ging es um ein Theaterstück für Kinder. Und nachdem diese Zusammenarbeit beendet war, wollten beide wieder etwas gemeinsam machen. Dieses Mal aber etwas für Erwachsene. Schließlich kam er auf die Idee, Kaizers Orchestra Material als Grundlage zu nehmen. Dann hat er uns gefragt, welche Geschichte wir mit unseren Songs erzählen wollen und daraus ein Theaterstück gemacht.


POPCONNECTION: Ihr seid also zufrieden mit dem Ergebnis?

Janove: Wir sind sehr zufrieden. Es ist großartig, und es wurde zudem auch sehr erfolgreich. Uns hat die Zusammenarbeit großen Spaß gemacht. Und für die Fans, die einen Bezug zu unserer Musik haben, ist es toll, die Songs in dieser Theaterinterpretation neu kennenzulernen.


POPCONNECTION: Und wann kommt "Violeta" auf die Theaterbühnen Norwegens?

Geir: Wir haben das natürlich vor. Aber es gibt noch nichts Konkretes. So weit sind wir aber auch noch nicht. Wir müssen jetzt erst einmal unseren Job als Band zu Ende bringen, sprich den dritten Teil als Platte veröffentlichen.


POPCONNECTION: Wie war es für euch als Band eigentlich, gleich mehrere Jahre und insgesamt drei Releases so detailgenau vorauszuplanen? Gefällt euch diese Arbeitsweise?

Geir: Wir haben es eigentlich noch nie anders gemacht. Wir haben immer einen großen Plan, an den wir uns strikt halten und das gemeinsam durchziehen.


POPCONNECTION: Sehr diszipliniert...

Janove: Es klingt vielleicht komisch, aber so macht es einfach mehr Spaß. Man schafft mehr, man kann sein Privatleben besser in Einklang mit der Band bringen, und man kann andere Projekte besser einplanen. Wir könnten anders nicht arbeiten. Es ist schließlich auch eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe für uns alle. Wir sind zu sechst, und alle leben ausschließlich von Kaizers Orchestra, wir haben keine anderen Jobs. Und deswegen wir die Band auch professionell organisiert.


POPCONNECTION: Der Erfolg gibt euch Recht…

Janove: Wir hatten in Norwegen schon genug Erfolg, um ein sicheres Auskommen zu haben. Wir könnten einfach immer und immer wieder ein Best-Of unserer Songs spielen, jeden Tag, und die Leute in Norwegen würden kommen. Aber das wollen wir gar nicht. Deswegen sind wir auch hier unterwegs und spielen uns die Finger wund, bringen drei Alben raus und setzen uns nicht auf unserem Erfolg in Norwegen zur Ruhe.


POPCONNECTION: Ein Wort zu heute Abend – Drei Grad und Schneeregen, habt ihr bei solchen Bedingungen schon einmal ein Open-Air gespielt?

Janove: Nicht oft... Aber gestern in Innsbruck, das war auch Open-Air und es hat sehr stark geschneit. Die Leute hatten trotzdem ihren Spaß. Und mir macht das nichts aus, ich laufe herum, springe und klatsche, da wird mir nicht kalt. Außerdem sind Heizstrahler auf der Bühne, wir werden also nicht erfrieren.


POPCONNECTION: Viel Spaß heute Abend!



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