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"History has a place for us," tönte Richard Ashcroft im Jahr 1993, "it may take three albums, but we'll be there." Vier Jahre später veröffentlichen The Verve ihr drittes Album "Urban Hymns"
und katapultieren sich damit direkt in die Oberliga. Seine Prophezeiung
hat sich bestätigt. The Verve zählen zu den besten, einflussreichsten
und erfolgreichsten britischen Bands der 90er. Drei Alben und insgesamt
zwölf Singles hat die Band in ihrer bisherigen Karriere veröffentlicht.
Songs wie "On Your Own", "History" oder "The Drugs Don't Work" sind wahre Perlen und zeugen von einem enormen songwriterischen und musikalischen Talent.
Nach
zwei Band-Trennungen im Jahr 1995 und 1999, Ups & Downs in ihrer
Karriere und internen Unstimmigkeiten kehren The Verve nun ein drittes
Mal zurück. Und auch nach neun Jahren Abwesenheit hat diese Band kein
bisschen an Faszination verloren.
Die Geschichte der Band
beginnt 1989 in dem kleinen nordenglischen Städtchen Wigan. Richard
Ashcroft verlässt seine Abschlussprüfung, um spazieren zu gehen,
woraufhin er zum Schulpsychater zitiert wird. Seine Aktion rechtfertigt
er mit den Worten: "Ich werde später in einer Band spielen. In DER Band".
Und genauso soll es schließlich auch sein: Gemeinsam mit seinen
Schulfreunden Peter Salisbury (Schlagzeug) und Simon Jones (Bass)
gründet Richard Ashcroft (Gesang) die Band Verve (damals noch ohne
"The"), die durch Nick McCabe als Gitarrist komplettiert wird. Bereits
zwei Jahre später nimmt David Boyd, Chef des Virgin-Sublabels Hut, die
Band unter Vertrag und im März 1992 erscheint dann mit "All In The Mind"
die erste Single, die prompt die englischen Indie-Charts erobert und
herausragende Kritiken in der britischen Presse bekommt. Es folgen die
beiden Singles "She's A Superstar" und "Gravity Grave", die direkt an der Spitze dieser Charts landen.
Im Juni 1993 erscheint das Debütalbum "A Storm In Heaven",
das wie schon die ersten Singles große Beachtung in der Presse findet
und von Kritikern hellauf gelobt wird. Produziert von John Leckie, der
auch für das Debütalbum der Stone Roses verantwortlich war, ist das
Album geprägt von sphärischen Klangwelten und surreal-lyrischen Texten,
die von Ashcrofts zart gehauchter Stimme getragen werden. Trotz
guter Kritiken verkauft sich das Erstlingswerk jedoch nur zögerlich und
erreicht gerade mal Platz 27 der Charts. Der große Erfolg bleibt aus.
Die Loolapalooza-Tour durch die USA im Sommer 1994 ist gekennzeichnet
von ersten Skandalen und Katastrophen: Salisbury wird wegen der
Demolierung eines Hotelzimmers verhaftet und Ashcroft wegen akuter
Dehydrierung ins Krankenhaus eingeliefert. Gleichzeitig wird das
gleichnamige Jazzlabel auf die Band aufmerksam und besteht auf die
sofortige Namensänderung, was durch ein amerikanisches Gericht
bestätigt wird. Ursprünglich will die Band das zweite "E" im
Bandnamen streichen, doch schließlich entscheiden sie sich für die
Variante den bestimmten Artikel vor den Namen zu setzen und publizieren
die Umbenennung in "The" Verve mit der B-Seiten-Kollektion "No Come Down".
1995
erreicht die Britpop-Bewegung ihren Höhepunkt und The Verve's ehemalige
Supportband Oasis werden als neue britische Helden gefeiert und auf den
Olymp des Britpop erhoben. Das zu diesem Zeitpunkt erschienene Album "(What's The Story) Morning Glory?" zählt zu den bestverkauftesten Alben der 90er und enthält mit "Cast No Shadow" einen Song, der dem "genius of Richard Ashcroft" gewidmet ist. Die
damalige Entwicklung in der britischen Musikszene geht auch an The
Verve nicht einfach so vorbei und die Band vollzieht einen
Imagewechsel: Die Hippiemähnen werden auf eine stylische Länge
zurechtgestutzt und Oasis-Produzent Owen Morris für das zweite Album "A Northern Soul"
verpflichtet. Doch die Aufnahmen, die unter erheblichem Einfluss von
Ecstasy stattfinden, gestalten sich sehr schwierig. Die Chemie zwischen
McCabe und Ashcroft stimmt einfach nicht mehr. Es kommt zunehmend zu
Spannungen zwischen den beiden, die immer wieder aneinander geraten. Im
Juni 1995 erscheint schließlich "A Northern Soul", das von einer Kombination aus psychedelischen Gitarrensounds und bluesigem Soul zeugt und mit "History" und "On Your Own" zwei wunderbare balladeske Hymnen enthält.
Nur
drei Monate nach der Veröffentlichung löst Ashcroft die Band auf, die
jedoch einige Wochen nach der Trennung wieder zusammenfindet -
allerdings ohne Nick McCabe. Als vierten Mann holen sich Ashcroft,
Salisbury und Jones ihren ehemaligen Klassenkameraden Simon Tong in die
Band, der McCabe an der Gitarre ersetzen soll. Doch bei den Aufnahmen
zum dritten Album stellt Ashcroft fest: "Es ist dieser große Teil von The Verve, der nur entstehen kann, wenn Nick im Raum ist".
Er entschließt sich McCabe anzurufen, um ihn zu bitten, wieder in die
Band zurück zu kommen. Wieder in der alten Besetzung, setzt die Band
die Aufnahmen an ihrem dritten Album "Urban Hymns" fort, das im
September 1997 veröffentlicht wird und zum kommerziellen Durchbruch der
Band führt. Endlich stellt sich der Erfolg ein, auf den The Verve so
lange gewartet haben. "Urban Hymns" landet auf Platz 1 der Charts
und wird mit 6 Millionen verkauften Exemplaren zum erfolgreichsten
Album der Band. Der darauf enthaltene Song "Bittersweet Symphony"
wird ein internationaler Hit, doch obwohl der Song Platz 2 der Charts
erreicht, verdient die Band keinen Cent daran. Denn der Song enthält
eine Streichersequenz aus dem Rolling-Stones-Klassiker "The Last Time",
was schließlich zu einem Urheberrechtsstreit mit dem Stones-Management
führt, wobei die Rechte und die damit verbundenen Erlöse aus dem Song
den Stones zugesprochen werden.
Mit der zweiten Single "The Drugs Don't Work" gelingt The Verve dann schließlich der Sprung auf Platz 1 der UK-Charts. Doch der lang ersehnte Erfolg, den "Urban Hymns"
mit sich bringt, hält die Band dennoch nicht zusammen. Nach diversen
Unstimmigkeiten mit Ashcroft steigt McCabe während der US-Tour 1998
endgültig aus. Am 28. April 1999 verkünden The Verve offiziell und
endgültig das Ende der Band.
Nach der Auflösung von The Verve schlägt Richard Ashcroft Solopfade ein und veröffentlicht mit "Alone With Everybody", "Human Conditions" und "Keys To The World" drei gut verkaufte Alben. Peter
Salisbury spielt in der Zwischenzeit in diversen Bands und betreibt
einen eigenen Schlagzeugladen in Stockport. Nick McCabe arbeitet als
Produzent von englischen Newcomer-Bands und liefert 2004 einen Remix
zum The Music-Song "Freedom Fighters". Ansonsten zieht er sich
fast völlig aus der Öffentlichkeit zurück. Simon Jones und Simon Tong
gründen 2001 gemeinsam mit Ex-Stone Roses Gitarrist John Squire die
Band The Shining, die sich jedoch nach einem Album ("True Skies")
und einer einzigen Tour wieder auflöst. Tong ersetzt später bei Blur
auf Konzerten den ausgestiegenen Gitaristen Graham Coxon und spielt
außerdem bei den Gorillaz mit. Der einzige seiner Ex-Bandkollegen,
zu dem Ashcroft die ganze Zeit über Kontakt hat, ist Salisbury, der ihn
drumtechnisch bei seinen drei Solo-Alben unterstützt.
Als Ashcroft
erfährt, dass Salisbury an einem Projekt mit McCabe arbeitet,
entschließt er sich McCabe anzurufen und nach all den Jahren seinen
Frieden mit ihm zu machen. Dies ist der Stein des Anstoßes für die
dritte Reunion von The Verve. Jones ist schnell überredet und die
Originalbesetzung ist wieder zusammen. In einem BBC-Interview
erzählt Ashcroft, dass sie bei ihrem ersten Treffen keine 20 Minuten
miteinander geredet haben, sondern gleich zu ihren Instrumenten
gegriffen haben: "Ich denke, wir überlassen das Reden lieber der Musik!" (NME.com)
Im
Sommer 2007 verkünden Richard Ashcroft, Nick McCabe, Simon Jones und
Peter Salisbury dann offiziell ihre dritte Wiederauferstehung und
beginnen mit den Aufnahmen zu ihrem vierten Studioalbum Forth, das am 22. August 2008 erscheint. Richard Ashcroft sagt über die letzten beiden Band-Trennungen: "Wir
hatten einige Kämpfe auszutragen, aber so ist das nun einmal! [...]
Letztendlich sind aber der Heilungsprozess, das Vergeben, das einfach
Weitermachen, die Liebe und der Frieden wichtig!" (NME.com)
The
Verve sind zurück und auch wenn sie nun festgestellt haben, dass sie
nicht mehr die Freunde sein werden, die sie einst waren, haben sie
trotz alle dem ihre Kreativität wieder gefunden, um das nächste Kapitel
ihrer Geschichte zu schreiben.
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