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POPCONNECTION - Im Interview - Dead Guitars: "The guitars are dead??? Long live the guitars!!"
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IM INTERVIEW
Dead Guitars

DEAD GUITARS

"The guitars are dead??? Long live the guitars!!"
Datum: 30. Mai 2007 (E-Mail)
Interview: Katja Embacher
Foto: Ralf Maier

Die Dead Guitars sind ein internationales Trio bestehend aus Carlo van Putten (Gesang), Peter Brough (Gitarre, Backings) und Ralf Aussem (Gitarre, Loops, Mellotron), das gerade mit "Airplanes" sein Debüt veröffentlicht hat. Eine weitere Newcomer-Band? Ja und nein. Zwar ist "Airplanes" das erste Album der Dead Guitars, dennoch sind die drei schon seit Jahren im Musikzirkus zuhause. Jedes der Bandmitglieder kann bereits auf diverse Kooperationen mit Bands wie 12 Drummers Drumming, The Convent, The Church oder den Chameleons zurückblicken.

Wir haben ein Interview mit Carlo van Putten gemacht, um mehr über die Dead Guitars zu erfahren.



POPCONNECTION: Ihr habt bereits in Bands wie "The Convent" oder "12 Drummers Drumming" gespielt. Wie seid ihr drei überhaupt aufeinandergetroffen?

Carlo: Peter Brough und ich trafen uns, nachdem uns ein Freund von Peter von unserer gegenseitigen Sympathie erzählt hatte. Peter mochte The Convent, aber vor allem White Rose Transmission, zwei Bands, in denen ich für den Gesang zuständig war. Und ich mochte 12 Drummers Drumming, wo Peter Gitarre spielte. Da lag es ziemlich nah, mal etwas zusammen zu machen. Vier Wochen später hatten wir 12 neue Songstrukturen auf Tape und 4 Songs im Studio aufgenommen. Als später Ralf Aussem dazukam, waren wir das perfekte Trio. Wir hatten anfangs Startschwierigkeiten mit der Schlagzeug- und Bassbesetzung und haben dann entschieden, dass wir die Songs zur Dritt schreiben und für Live Touren unsere Rhythmusgruppe dazu holen.


POPCONNECTION: Du hast unter anderem mit Mark Burgess (The Chameleons) und Marty Wilson-Piper (The Church) zusammengearbeitet. Wie kam es zu diesen Kooperationen?

Carlo: Es gibt oder gab nicht viele Bands in den späten Achtzigern, die den Post Punk bzw. New Wave überlebt hatten und etwas zu sagen hatten. Ein paar schafften es, wie damals die Simple Minds, U2 und The Cure, die anderen blieben im Untergrund, ohne die Aufmerksamkeit der Medien. Bis letztendlich ihre Fangemeinde so geschrumpft war, dass diese Bands nicht überleben konnten, weil die Säle immer kleiner wurden in denen sie spielten. Wir hatten großes Glück mit The Convent und spielten in 1990 immer noch in ausverkauften Läden in Deutschland. Ich selbst behielt immer die englische Szene im Auge, weil ich die sehr mochte. So lernte ich Adrian Borland von The Sound, Mark Burgess von The Chameleons, Chris Reed von den Lorry's, Marty Willson Piper und Steve Kilbey von The Church kennen. Wir mochten uns, respektierten uns, gingen zusammen auf Tournee oder arbeiteten zusammen im Studio. Es ist die Liebe für die gleiche Musik, die uns zusammengebracht hat denke ich. Aber daraus entstand mehr als eine Kollegialität. Wir sind jetzt einfach gut befreundet.


POPCONNECTION: Würdest du sagen, dass der Sound der Dead Guitars viel von euren eigenen Einflüssen oder musikalischen Vorlieben widerspiegelt?

Carlo: Ich würde lügen, wenn ich nein sagen würde. Klar spiegeln sich Einflüsse von anderen in unserer Musik wieder. Ansonsten müsste man taub geboren werden, ein Instrument lernen und auf einmal das Gehör wiederbekommen, um anschließend seine ganz "eigene" Musik zu komponieren. Morrissey liebt die Musik von Bowie, Bowie ist Fan von Scott Walker, Scott Walker von Sandie Shaw und soweiter. Irgendwie sind wir alle beeinflusst von jemandem. Manche schreiben, dass "Airplanes" nach der "Disintegration" von The Cure klingt, ein anderer schrieb das es an die "Ok Computer" von Radiohead erinnert und Talk Talk kam auch schon ein paar Mal vor. Wir können gut damit leben. ;-)


POPCONNECTION: Dadurch, dass ihr drei alle schon lange im Musikbuisiness unterwegs seid und in diversen größeren Bands gespielt habt, bringt ihr alle einen gewissen Erfahrungsschatz mit in die Dead Guitars ein. Fühlt ihr euch trotz allem als Newcomer?

Carlo: Es ist jedes Mal schön, mit einem neuen Album an den Start zu gehen, wo man alle Erfahrungen in einer anderen Form unterbringen kann. Veröffentlicht man mit einer unserer früheren Bands oder einem unserer Projekte ein Album, ist die Erwartungshaltung der Fans und auch der Presse immer ein wenig vorbelastet. So fängt man wieder mit einem neuen Werk an und wird auch so gesehen. Ralf und Peter verstehen, worüber ich singe. Sie verkörpern dieses in und mit ihrer Musik. Es kommt ganz einfach zusammen, wir können uns gegenseitig dermaßen begeistern, so als ob wir eine völlig neue Band wären und zum ersten Mal anfangen, zu musizieren. Jedoch mit einem kleinen Unterschied: Die Erfahrung. Es klingt gleich frisch und neu, obgleich es nicht immer neu ist. Es entstehen unterschiedliche Färbungen und Prägungen, das führt zu einer Wechselwirkung der Emotionen in der Musik.


POPCONNECTION: Ihr habt euer Album "Airplanes" zusammen mit Guido Lucas aufgenommen. Warum habt ihr euch für ihn als Produzenten entschieden, er ist ja sonst eher für unkonventionellere, härtere Sachen berühmt und berüchtigt?

Carlo: Guido Lucas versteht einfach sein Handwerk. Ich habe viel in Studios gearbeitet, in denen wir auch klasse Produzenten hatten, aber mit den Dead Guitars wollten wir in ein Studio gehen welches weniger "Achtziger" orientiert war. Was Guido kann und macht ist einzigartig. Er produziert vielleicht viele härtere Sachen wie z.B. Blackmail, aber im Grunde spielt das keine Rolle, um auch andere Musik zu verstehen. Guido liebt auch Nick Drake und solche Sachen. Ich würde ihn umschreiben als einen Puristen, der es versteht, dass weniger oft mehr ist und wir sind damit um eine schöne Erfahrung reicher. Das Album hat damit gewonnen. Vor allem, dass die Musik darauf nicht "dated" klingt und den "Guido Lucas-Zeitgeist" trägt. Zwei, drei Songs wurden von Rainer Assmann gemixt, er war auch verantwortlich für die erste 12DD LP damals.


POPCONNECTION: Seid ihr mit dem Endresultat des Albums zufrieden? Für was steht für dich "Airplanes"?

Carlo: "Airplanes" ist ein schönes Bild, ein Bild vom Fliegen, von Mut, Stärke, Unbefangenheit und Vertrauen für mich. "Airplanes" ist ein atmosphärisches Album, es schwebt über den dunklen Wolken seiner selbst. Es will höher sein und frei von Zeit und Raum. Frei von schweren Gedanken, der Sonne und dem Licht entgegen. Es ist ein Album, das aus dieser Kraft entstanden ist. Melancholisch zu sein hat wenig mit depressiv sein zu tun. Es ist ein Emotionsüberfluss. Etwas Wunderschönes kann so überwältigende Kraft haben, das es einen zu Tränen rührt, da ist von Depressivität nicht die Rede. Für mich ist als Texter wichtig, dass ich ich selbst sein kann, Peter Brough und Ralf Aussem verstehen diese Worte und setzen sie prächtig um in wunderschöne Gitarrensounds.


POPCONNECTION: Wenn man sich euer Album "Airplanes" so anhört, dann fallen vor allem die breit angelegten Gitarren-Wände auf, in die der Gesang eingebettet ist. Würdest du sagen, dass das charakteristisch für euren Sound ist oder wie würdet ihr euren Sound definieren?

Carlo: Die Gitarrenwände sind das Werk von Ralf, er ist in meinen Augen ein Phänomen. He's a guitar and sound wizard! Ein Zauberer, wirklich! The guitars are dead??? Long live the guitars!! ;-) Ja, absolut charakteristisch für die toten Gitarren, danke Ralf!


POPCONNECTION: Es gibt bereits einige Rezensionen zu "Airplanes", in denen fehlende Abwechslung bemängelt wurde. Wie seht ihr das? Muss sich ein Album eurer Meinung nach von Track zu Track neu erfinden, um interessant zu bleiben?

Carlo: Zum Glück hat ein jeder Mensch eine unterschiedliche Empfindung. Ich glaube nicht, dass es an Abwechslung mangelt, sondern dass dieses Album eine unheimliche Dichtheit besitzt, fast wie ein Konzept. Natürlich klingt es dabei nach uns. Ich war damals begeistert vom ersten Talk Talk Album, weil für jeden ein Song dabei war. Ich liebe aber auch The Colour of Spring, da hat man wieder das Gefühl, jeder Song sei unterschiedlich, aber aus dem gleichen Holz geschnitzt. Wir werden die Musik nicht analysieren, wir fühlen sie und nehmen sie auf.


POPCONNECTION: Die Dead Guitars sind quasi ein internationales Trio. Wie beurteilt ihr euren Sound im Hinblick auf die unterschiedlichen Musikmärkte England, die Niederlande und Deutschland? Glaubt ihr, dass euer Stil in diesen drei Ländern unterschiedlich wahrgenommen wird?

Carlo: Wir sind eine internationale Band. Ralf kommt aus Deutschland, Peter Brough aus Schottland und ich komme aus den Niederlanden. Wir sprechen aber alle die gleiche Sprache der Musik. Diese Sprache verbindet uns. Wir fühlen uns allerdings in Deutschland sehr wohl, die Deutschen sind meiner Meinung nach ein vielseitig orientiertes Publikum. Wir sind alle immer sehr erfolgreich gewesen. Ich wohne in der Nähe von Amsterdam und vermisse Deutschland manchmal sehr. Ich fühle mich wie ein heimatloser Europäer. ;-)
Wir haben aber eine gute Presse im Ausland. Die Engländer lieben die Musik, die Holländer sitzen nur an den Grachten, schauen auf die Windmühlen und tragen Holzschuhe, links das Käsehäppchen, rechts den Joint. :-) Nein, auch hier mag man uns!


POPCONNECTION: Plant ihr, "Airplanes" auch international zu veröffentlichen?

Carlo: Wir sind dabei, wir werden sehen, ihr werdet hören, oder auch nicht, who knows? Not me... we'll see! ;-)


POPCONNECTION: Ganz lieben Dank, dass du dir Zeit für dieses Interview genommen hast!

Carlo: Aber immer gerne!


Website:
www.deadguitars.com
Myspace:
www.myspace.com/deadguitars


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