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Die Dead Guitars sind ein
internationales Trio bestehend aus Carlo van Putten (Gesang), Peter
Brough (Gitarre, Backings) und Ralf Aussem (Gitarre, Loops, Mellotron),
das gerade mit "Airplanes" sein Debüt veröffentlicht hat. Eine weitere Newcomer-Band? Ja und nein. Zwar ist "Airplanes"
das erste Album der Dead Guitars, dennoch sind die drei schon seit
Jahren im Musikzirkus zuhause. Jedes der Bandmitglieder kann bereits
auf diverse Kooperationen mit Bands wie 12 Drummers Drumming, The
Convent, The Church oder den Chameleons zurückblicken.
Wir haben ein Interview mit Carlo van Putten gemacht, um mehr über die Dead Guitars zu erfahren.
POPCONNECTION: Ihr habt bereits in Bands wie "The Convent" oder "12 Drummers Drumming"
gespielt. Wie seid ihr drei überhaupt aufeinandergetroffen?
Carlo:
Peter Brough und ich trafen uns, nachdem uns ein Freund von Peter von
unserer gegenseitigen Sympathie erzählt hatte. Peter mochte The
Convent, aber vor allem White Rose Transmission, zwei Bands, in denen
ich für den Gesang zuständig war. Und ich mochte 12 Drummers Drumming,
wo Peter Gitarre spielte. Da lag es ziemlich nah, mal etwas zusammen zu
machen. Vier Wochen später hatten wir 12 neue Songstrukturen auf Tape
und 4 Songs im Studio aufgenommen. Als später Ralf Aussem dazukam,
waren wir das perfekte Trio. Wir hatten anfangs Startschwierigkeiten
mit der Schlagzeug- und Bassbesetzung und haben dann entschieden, dass
wir die Songs zur Dritt schreiben und für Live Touren unsere
Rhythmusgruppe dazu holen.
POPCONNECTION: Du hast unter
anderem mit Mark Burgess (The Chameleons) und Marty Wilson-Piper (The
Church) zusammengearbeitet. Wie kam es zu diesen Kooperationen?
Carlo:
Es gibt oder gab nicht viele Bands in den späten Achtzigern, die den
Post Punk bzw. New Wave überlebt hatten und etwas zu sagen hatten. Ein
paar schafften es, wie damals die Simple Minds, U2 und The Cure, die
anderen blieben im Untergrund, ohne die Aufmerksamkeit der Medien. Bis
letztendlich ihre Fangemeinde so geschrumpft war, dass diese Bands
nicht überleben konnten, weil die Säle immer kleiner wurden in denen
sie spielten. Wir hatten großes Glück mit The Convent und spielten in
1990 immer noch in ausverkauften Läden in Deutschland. Ich selbst
behielt immer die englische Szene im Auge, weil ich die sehr mochte. So
lernte ich Adrian Borland von The Sound, Mark Burgess von The
Chameleons, Chris Reed von den Lorry's, Marty Willson Piper und Steve
Kilbey von The Church kennen. Wir mochten uns, respektierten uns,
gingen zusammen auf Tournee oder arbeiteten zusammen im Studio. Es ist
die Liebe für die gleiche Musik, die uns zusammengebracht hat denke
ich. Aber daraus entstand mehr als eine Kollegialität. Wir sind jetzt
einfach gut befreundet.
POPCONNECTION: Würdest du sagen, dass der Sound der Dead Guitars viel von euren eigenen Einflüssen oder musikalischen Vorlieben widerspiegelt?
Carlo:
Ich würde lügen, wenn ich nein sagen würde. Klar spiegeln sich
Einflüsse von anderen in unserer Musik wieder. Ansonsten müsste man
taub geboren werden, ein Instrument lernen und auf einmal das Gehör
wiederbekommen, um anschließend seine ganz "eigene" Musik zu
komponieren. Morrissey liebt die Musik von Bowie, Bowie ist Fan von
Scott Walker, Scott Walker von Sandie Shaw und soweiter. Irgendwie sind
wir alle beeinflusst von jemandem. Manche schreiben, dass "Airplanes"
nach der "Disintegration" von The Cure klingt, ein anderer schrieb das
es an die "Ok Computer" von Radiohead erinnert und Talk Talk kam auch
schon ein paar Mal vor. Wir können gut damit leben. ;-)
POPCONNECTION: Dadurch, dass ihr drei alle schon lange im Musikbuisiness unterwegs
seid und in diversen größeren Bands gespielt habt, bringt ihr alle
einen gewissen Erfahrungsschatz mit in die Dead Guitars ein. Fühlt ihr
euch trotz allem als Newcomer?
Carlo: Es ist jedes Mal
schön, mit einem neuen Album an den Start zu gehen, wo man alle
Erfahrungen in einer anderen Form unterbringen kann. Veröffentlicht man
mit einer unserer früheren Bands oder einem unserer Projekte ein Album,
ist die Erwartungshaltung der Fans und auch der Presse immer ein wenig
vorbelastet. So fängt man wieder mit einem neuen Werk an und wird auch
so gesehen. Ralf und Peter verstehen, worüber ich singe. Sie verkörpern
dieses in und mit ihrer Musik. Es kommt ganz einfach zusammen, wir
können uns gegenseitig dermaßen begeistern, so als ob wir eine völlig
neue Band wären und zum ersten Mal anfangen, zu musizieren. Jedoch mit
einem kleinen Unterschied: Die Erfahrung. Es klingt gleich frisch und
neu, obgleich es nicht immer neu ist. Es entstehen unterschiedliche
Färbungen und Prägungen, das führt zu einer Wechselwirkung der
Emotionen in der Musik.
POPCONNECTION: Ihr habt euer
Album "Airplanes" zusammen mit Guido Lucas aufgenommen. Warum habt ihr
euch für ihn als Produzenten entschieden, er ist ja sonst eher für
unkonventionellere, härtere Sachen berühmt und berüchtigt?
Carlo:
Guido Lucas versteht einfach sein Handwerk. Ich habe viel in Studios
gearbeitet, in denen wir auch klasse Produzenten hatten, aber mit den
Dead Guitars wollten wir in ein Studio gehen welches weniger
"Achtziger" orientiert war. Was Guido kann und macht ist einzigartig.
Er produziert vielleicht viele härtere Sachen wie z.B. Blackmail, aber
im Grunde spielt das keine Rolle, um auch andere Musik zu verstehen.
Guido liebt auch Nick Drake und solche Sachen. Ich würde ihn
umschreiben als einen Puristen, der es versteht, dass weniger oft mehr
ist und wir sind damit um eine schöne Erfahrung reicher. Das Album hat
damit gewonnen. Vor allem, dass die Musik darauf nicht "dated" klingt
und den "Guido Lucas-Zeitgeist" trägt. Zwei, drei Songs wurden von
Rainer Assmann gemixt, er war auch verantwortlich für die erste 12DD LP
damals.
POPCONNECTION: Seid ihr mit dem Endresultat des Albums zufrieden? Für was steht für dich "Airplanes"?
Carlo:
"Airplanes" ist ein schönes Bild, ein Bild vom Fliegen, von Mut,
Stärke, Unbefangenheit und Vertrauen für mich. "Airplanes" ist ein
atmosphärisches Album, es schwebt über den dunklen Wolken seiner
selbst. Es will höher sein und frei von Zeit und Raum. Frei von
schweren Gedanken, der Sonne und dem Licht entgegen. Es ist ein Album,
das aus dieser Kraft entstanden ist. Melancholisch zu sein hat wenig
mit depressiv sein zu tun. Es ist ein Emotionsüberfluss. Etwas
Wunderschönes kann so überwältigende Kraft haben, das es einen zu
Tränen rührt, da ist von Depressivität nicht die Rede. Für mich ist als
Texter wichtig, dass ich ich selbst sein kann, Peter Brough und Ralf
Aussem verstehen diese Worte und setzen sie prächtig um in wunderschöne
Gitarrensounds.
POPCONNECTION: Wenn man sich euer Album
"Airplanes" so anhört, dann fallen vor allem die breit angelegten
Gitarren-Wände auf, in die der Gesang eingebettet ist. Würdest du
sagen, dass das charakteristisch für euren Sound ist oder wie würdet
ihr euren Sound definieren?
Carlo: Die Gitarrenwände sind
das Werk von Ralf, er ist in meinen Augen ein Phänomen. He's a guitar
and sound wizard! Ein Zauberer, wirklich! The guitars are dead??? Long
live the guitars!! ;-) Ja, absolut charakteristisch für die toten Gitarren, danke Ralf!
POPCONNECTION: Es gibt bereits einige Rezensionen zu "Airplanes", in denen fehlende
Abwechslung bemängelt wurde. Wie seht ihr das? Muss sich ein Album eurer Meinung nach von Track zu Track neu erfinden, um interessant zu
bleiben?
Carlo: Zum Glück hat ein jeder Mensch eine
unterschiedliche Empfindung. Ich glaube nicht, dass es an Abwechslung
mangelt, sondern dass dieses Album eine unheimliche Dichtheit besitzt,
fast wie ein Konzept. Natürlich klingt es dabei nach uns. Ich war
damals begeistert vom ersten Talk Talk Album, weil für jeden ein Song
dabei war. Ich liebe aber auch The Colour of Spring, da hat man wieder
das Gefühl, jeder Song sei unterschiedlich, aber aus dem gleichen Holz
geschnitzt. Wir werden die Musik nicht analysieren, wir fühlen sie und
nehmen sie auf.
POPCONNECTION: Die Dead Guitars sind
quasi ein internationales Trio. Wie beurteilt ihr euren Sound im
Hinblick auf die unterschiedlichen Musikmärkte England, die Niederlande
und Deutschland? Glaubt ihr, dass euer Stil in diesen drei Ländern
unterschiedlich wahrgenommen wird?
Carlo: Wir sind eine
internationale Band. Ralf kommt aus Deutschland, Peter Brough aus
Schottland und ich komme aus den Niederlanden. Wir sprechen aber alle
die gleiche Sprache der Musik. Diese Sprache verbindet uns. Wir fühlen
uns allerdings in Deutschland sehr wohl, die Deutschen sind meiner
Meinung nach ein vielseitig orientiertes Publikum. Wir sind alle immer
sehr erfolgreich gewesen. Ich wohne in der Nähe von Amsterdam und
vermisse Deutschland manchmal sehr. Ich fühle mich wie ein heimatloser
Europäer. ;-)
Wir haben aber eine gute Presse im Ausland. Die
Engländer lieben die Musik, die Holländer sitzen nur an den Grachten,
schauen auf die Windmühlen und tragen Holzschuhe, links das
Käsehäppchen, rechts den Joint. :-) Nein, auch hier mag man uns!
POPCONNECTION: Plant ihr, "Airplanes" auch international zu veröffentlichen?
Carlo: Wir sind dabei, wir werden sehen, ihr werdet hören, oder auch nicht, who knows? Not me... we'll see! ;-)
POPCONNECTION: Ganz lieben Dank, dass du dir Zeit für dieses Interview genommen hast!
Carlo: Aber immer gerne!
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