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Australien, aus europäischer Sicht ziemlich genau das andere Ende der Welt und deshalb nicht unbedingt der erste Ort, wo man nach neuen, vielversprechenden Bands sucht. Zum Glück hat doch jemand genauer hingesehen und Cloud Control, das blutjunge Quartett aus den Blue Mountains bei Sydney, entdeckt. Was heißt entdeckt, in Australien haben die vier schon einiges erreicht und unter anderem den Australien Music Award gewonnen. Seit einem halben Jahr sind sie in Europa unterwegs, um auch hier den Durchbruch zu schaffen. Wir haben die Australier vor ihrem Support-Gig für The Drums in München getroffen.
POPCONNECTION: Wie geht es euch? Ihr seid seit Monaten auf Tour, genießt ihr das Reisen immer noch oder reicht es langsam?
Alister Wright: Sehr gut, danke! Auf Tour sein ist eigentlich immer ein Spaß. Wir genießen es sehr, auch wenn wir unser Zuhause ein bisschen vermissen.
POPCONNECTION: Wenn ihr von Zuhause sprecht, meint ihr dann London oder die Blue Mountains in Australien? Ihr seid ja erst vor einem halben Jahr nach London gezogen...
Alister Wright: Beides, denke ich. Natürlich vermissen wir unsere Heimat Australien, aber auch London...
Ulrich Lenffer: Ich vermisse London im Moment sehr. Tolle Stadt!
POPCONNECTION: Ein großer Schritt, auf die andere Seite der Welt zu ziehen. Habt ihr es schon bereut? Was hat euch dazu bewogen, den Schritt zu wagen?
Alister Wright: Nein, wir haben es definitiv nicht bereut. London ist eine tolle Stadt, wir wurden hier sehr herzlich aufgenommen, was vor allem unserem Label (Anm. d. Red.: Infectious Music) zu verdanken ist. Wir fühlen uns wirklich Zuhause in London.
Ulrich Lenffer: Natürlich ist es hart, Australien für so eine lange Zeit hinter sich zu lassen. Es ist unsere Heimat, dort sind wir aufgewachsen. In einer sehr behüteten Umgebung, wir hatten als Heranwachsende keine Sorgen, kann man so sagen. Auch als wir dann nach Sydney gegangen sind, war das schon ein großer Schritt. Als uns dann die Möglichkeit geboten wurde, nach Europa zu kommen, konnten wir diese Gelegenheit nicht ausschlagen. Man kommt dann als Band an einen Punkt, wo man entweder mit dem zufrieden ist, was man bereits erreicht hat - in unserem Fall also recht erfolgreich sein in Australien - oder man ergreift die Chance, es auch in Europa zu versuchen. Wir sind jung, also natürlich mussten die diese Chance nutzen!
POPCONNECTION: Was ist der größte Unterschied zwischen Australien und Europa, bezogen auf euer Dasein als Band? Gibt es gravierende Unterschiede?
Alister Wright: Der größte Unterschied und zugleich der größte Vorteil ist, dass in Europa alles so nahe beieinander liegt. Wir waren gestern in Zürich, fahren ein paar Stunden mit dem Bus und sind in München. Das ist praktisch und vor allem auch billig. In Australien ist es eigentlich undenkbar, einfach mit dem Bus auf Tour zu fahren. Die großen, wichtigen Städte sind einfach viel zu weit auseinander. Man muss immer fliegen, und das kann man sich als kleinere Band auf Dauer nicht leisten.
Ulrich Lenffer: Davon abgesehen unterscheidet Europa und Australien eigentlich recht wenig. Gerade was das Publikum angeht. Ich glaube, wir sprechen einen ganz bestimmten Typ Menschen an mit unserer Musik. Und die sind alle vom gleichen Schlag, egal, ob in Europa oder Australien.
POPCONNECTION: Die Blue Mountains, eure Australische Heimat, ist ja ein riesiges Naturschutzgebiet. Eure Musik ist ohne Zweifel auch von Folk beeinflusst. Eine wunderbare Geschichte also, junge, naturverliebte Menschen, die Folkmusik machen. Ist da was dran, oder wollt ihr ein bisschen mit der Legende aufräumen?
Alister Wright: Ja und nein. Die Blue Mountains sind phantastisch und wir lieben es, dort zu sein. Die Natur ist sehr beeindruckend. Andererseits sind wir aber nicht wirklich in der Wildnis aufgewachsen. Die Blue Mountains sind ja im Süden von Sydney, sie beginnen schon ein paar Kilometer südlich von der Millionenmetropole Sydney. Und dann musst du wissen, dass die Blue Mountains entlang einer Bahnstrecke, die im 19. Jahrhundert dort gebaut wurde und immer weiter in die Berge hinauffährt, sehr gut besiedelt sind. Das schöne ist, dass man die große Wildnis quasi direkt vor der Haustüre hat.
Ulrich Lenffer: Außerdem machen wir ja nicht wirklich Folkmusik...
POPCONNECTION: In eurer Referenzliste stehen regelmäßig Bands wie die Fleet Foxes oder Mumford & Sons. Wie denkt ihr darüber, wenn ihr in diese "Neo-Folk"-Schublade gesteckt werdet?
Alister Wright: Ich finde es ein bisschen armselig, wenn wir mit diesen Bands verglichen werden. Eine gewisse Ähnlichkeit ist schon da, aber wir machen doch eher Rockmusik. Nicht im Sinne von Hard Rock, aber unsere Musik ist schon deutlich intensiver, tempogeladener. Gerade live sind wir mitunter auch ziemlich laut.
POPCONNECTION: Euer Debutalbum "Bliss Release" ist knapp zwei Jahre alt, in Australien wurde es ja bereits 2010 veröffentlicht. Arbeitet ihr denn schon an neuen Sachen?
Ulrich Lenffer: Ja auf jeden Fall. Wir schreiben Songs wann immer und wo immer wir dazu kommen. Also natürlich vor allem unterwegs. Wirklich zuhause sind wir im Moment ja auf der Straße.
Alister Wright: Wenn wir diese Tour beendet haben, reisen wir erstmal wieder nach Australien. Dort bleiben wir über Weihnachten, kehren aber danach schon sehr bald nach Großbritannien zurück. Und dann haben wir sechs Wochen Zeit, um unser neues Album aufzunehmen. Es wird also spannend in nächster Zeit!
POPCONNECTION: Das neue Album wird also geprägt sein von eurem Europa-Aufenthalt. Glaubt ihr, dass das Einfluss auf euren Sound haben wird?
Alister Wright: Das wird ganz sicher Einfluss haben auf unsere neue Platte. Aber nicht in der Form, dass wir uns total neu erfinden. Ich glaube eher, dass für uns als Band eine große Veränderung feststellbar sein wird. Ob das auch den Hörern auffallen wird? Glaube ich eher nicht. Wir werden ganz bestimmt nicht etwas ganz anderes machen, zum Beispiel "Hey, jetzt toben wir uns mal aus und experimentieren mit elektronischen Einflüssen." Das ganz sicher nicht. Wir werden uns treu bleiben. Das Album wird wieder nach Cloud Control klingen.
POPCONNECTION: Im Moment seid ihr mit The Drums unterwegs. Wie ist die Tour bisher gelaufen? Glaubt ihr, dass ihr die Drums-Fans mit eurer Musik begeistern könnt?
Ulrich Lenffer: Es läuft sehr gut! Eine tolle Chance für uns. Es ist schön zu sehen, dass uns die Leute sehr gut aufnehmen. Die Resonanz ist wirklich toll!
Alister Wright: Gestern in Zürich war es besonders toll. Viele Leute, die unsere Texte mitsingen konnten!
POPCONNECTION: Dann viel Spaß heute Abend und vielen Dank für das Interview!
Alister Wright: Vielen Dank! Gerne.
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