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Missent To Denmark I Am Your Son
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Foto: Pressefoto |
Er gilt als exzentrischer Zeitgenosse, der für seine kontroversen Texte und oftmals bewusst provokanten Äußerungen in der Öffentlichkeit bekannt ist. So wurde Morrissey nicht zuletzt durch sein radikales Vegetariertum, sein selbstverordnetes Zölibat sowie seinen aufrichtigen Zynismus zu einem vielbewunderten Außenseiter der Szene.
Nach der Auflösung der legendären The Smiths 1987, startete Morrissey eine wechselhafte, aber durchaus erfolgreiche Solokarriere. Seine zynischen Texte mit einer Portion Selbstironie und brutaler Ehrlichkeit handeln meist von Themen wie soziales Außenseitertum, mehrdeutige Sexualität und unerwiderte Liebe.
Am 22. Mai 2009 feiert der vermutlich beste und bedeutendste Poplyriker der Gegenwart seinen 50. Geburtstag.
Steven Patrick Morrissey wird am 22. Mai 1959 in Davyhulme, einem Vorort von Manchester, England als Sohn irischer Einwanderer geboren. Ein besonders enges Verhältnis hat er zu seiner Mutter, einer Bibliothekarin, der er viele seiner Leidenschaften zu verdanken hat. Schon in seiner Kindheit begeistern ihn die Werke von Oscar Wilde, die später seine Musik stark beeinflussen. Seine Schulzeit verbringt Morrissey auf der St. Mary's Secondary Modern School in Stratford, da er bei seinem Schuleinstufungstests nicht gut abschnitt. Diese Schule war damals für ein niedriges Bildungsniveau und rückständige Erziehungsmethoden bekannt. Morrissey hat nur wenig Kontakt zu seinen Mitschülern und zieht sich immer mehr in sich zurück. Später verarbeitet er diese Erfahrungen in dem Smiths-Song The Headmaster Ritual.
Seine Jugend ist geprägt von Depressionen. Der film- und musikbegeisterte Teenager zieht sich immer mehr zurück, hat kaum Freunde und verbringt die meiste Zeit auf seinem abgedunkelten Zimmer. Einige kleinere Jobs gibt er jedes Mal nach kurzer Zeit wieder auf. In der Szene Manchesters macht Morrissey durch seine musikjournalistischen Tätigkeiten auf sich aufmerksam, indem er Leserbriefe für den Melody Maker und den NME, sowie Artikel für ein lokales Musikmagazin schreibt. Er gründet ein Fanzine für die US-Punkband New York Dolls und wird Präsident deren UK-Fanclubs. Erste musikalische Erfahrungen sammelt Morrissey in der Band The Nosebleeds, wo er 1978 für kurze Zeit den Sänger ersetzt.
1982 trifft Morrissey den Gitarristen Johnny Marr, der zu diesem Zeitpunkt versuchte, eine Band zu gründen. Nach Morrisseys eigenen Worten hat Johnny Marr eines Tages einfach vor seiner Tür gestanden und er hat sofort gewusst, dass es die Begegnung war, auf die er immer gewartet hatte. Die beiden beginnen sofort, zusammen zu arbeiten: Morrissey schreibt die Texte und Marr komponiert die Musik. Mit dem Bassisten Andy Rourke und dem Schlagzeuger Mike Joyce gründen sie noch im selben Jahr The Smiths, die zu einer der einflussreichsten Bands wird. In ihrer Musik verknüpft die Band traditionelle Rockelemente mit eingängigem Pop. Die eleganten Melodien mit den melodisch-kraftvollen Gitarrenriffs von Marr und das sensible Auftreten und die kontroversen und ironischen Texte von Morrissey verleihen der Musik eine Melancholie mit zynischem Humor. Die englische Musikpresse hat jedoch ein ambivalentes Verhältnis zu Morrissey: Auf der einen Seite feiern sie ihn als den neuen Musikgott und auf der anderen Seite kritisieren sie aber immer wieder seine zynischen, mehrdeutigen Texte. The Smiths veröffentlichen insgesamt vier Studioalben bevor sich die Band 1987 auflöst. Grund dafür sind Differenzen innerhalb der Band. Nach dem Ausstieg von Johnny Marr versuchen Joyce, Rourke und Morrissey zwar ohne ihn weiter zu machen, scheitern aber kurze Zeit später damit und gehen ihre eigenen Wege.
Bereits 1988 erscheint Morrisseys erste Solosingle Suedehead, ein bitter-sarkastischer Song über eine zurückkehrende Geliebte, die vom Erzähler abgewiesen wird, weil sie in seinen Tagebüchern geschnüffelt hat. Die Single erreicht die britischen Top 5. Es folgt die zweite Single Everyday Is Like Sunday, eine schwermütige Ballade über das trostlose Leben in Englands Provinzstädten. Mit dem darauf folgenden Soloalbum Viva Hate gelingt es Morrissey mühelos, die Spitze der UK-Charts zu erobern. Wie schon in den Smiths-Zeiten ist Morrissey weiterhin nur für die Texte verantwortlich, die Musik wird im Verlauf seiner Solokarriere von verschiedenen Musikern wie Stephan Street, Alain Whyte und Boz Boorer komponiert.
In den folgenden Jahren veröffentlicht Morrissey weiterhin regelmäßig Singles und Alben, doch die meisten sind nur mäßig erfolgreich. Die Single Ouija Board, Ouija Board wird von den Kritikern verrissen, woraufhin er seine Arbeit an seinem zweiten Soloalbum Bona Drag unterbricht und die Platte 1990 nur als B-Seiten-Compilation erscheint. Auch das darauf folgende Album Kill Uncle (1991) floppt. Die englische Musikpresse und auch die Fans sind nicht beeindruckt und besonders vom NME hagelt es immer wieder unsanfte Kritiken. Doch trotz aller Kritiken und der kommerziell ausbleibenden Erfolge hat Morrissey eine fanatische Anhängerschaft.
1991 erfolgt die erste Welttour des Briten. Es ist auch die erste Tour seit der Trennung der Smiths. Für sein Konzert im Hollywood Bowl in Los Angeles sind alle 17.000 Tickets innerhalb von nur 22 Minuten ausverkauft, was nicht mal die Beatles geschafft haben.
Im August 1992 erreicht die Negativ-Publicity um Morrissey ihren Höhepunkt. Bei einem Reunion-Gig der Band Madness im Finsbury Park tritt er als Support auf. Ein beträchtlicher Teil des Publikums besteht allerdings aus Ska-Veteranen, rechtsgerichteten Skinheads und National Party-Anhängern. Morrissey provoziert, indem er sich in einen Union Jack hüllt und seinen umstrittenen Anti-Nazi-Song The National Front Disco spielt. Dies mag aus heutiger Sicht harmlos erscheinen, war jedoch zum damaligen Zeitpunkt der Pre-Britpop-Ära eine gänzlich undenkbare Aktion. Die englische Musikpresse, vor allem der NME, wirft Morrissey Rassismus vor. Dieser ist jedoch zu stolz, um zu den Verleumdungen Stellung zu nehmen, so dass er in der Folgezeit als National Front Sympathisant gilt und von den britischen Medien weitgehend boykottiert wird.
1994 veröffentlicht Morrissey das melancholisch geprägte Album Vauxhall and I, mit dem es ihm seit langer Zeit wieder gelingt Platz 1 der UK-Charts zu erreichen.
Nachdem sich seine langjährige Plattenfirma EMI von ihm getrennt hatte, betätigt sich Morrissey in den folgenden Jahren ausschließlich als Live-Act. Erst sieben Jahre später unterschreibt er wieder einen Vertrag bei dem Label Sanctuary Records, auf dem im Mai 2004 das Comeback-Album You are the Quarry erscheint. In Deutschland erreicht das Album mit Platz 7 die beste deutsche Charts-Position in Morrisseys bisheriger musikalischer Karriere. Mit dem NME begräbt er das Kriegsbeil und gibt dort sein erstes Interview seit 12 Jahren.
Von seiner Heimat hat sich Morrissey mehr und mehr abgewandt. Zwischen 1998 und 2005 verlegt der Brite seinen Lebensmittelpunkt nach L.A., wo er ein Haus bewohnt, das Clark Gable 1931 bauen ließ. Anschließend verbringt er einige Zeit in Rom, wo auch viel Songmaterial für Ringleader Of The Tormentors (2006) entstanden ist ("I am walking through Rome, with my heart on a string").
Insgesamt acht Studioalben hat Morrissey über die Jahre veröffentlicht, wovon vor allem You Are The Quarry (2004) und Ringleader Of The Tormentors (2006) als Meisterwerke gefeiert wurden. Seinen größten kommerziellen Erfolg als Solokünstler erzielte er jedoch hierzulande mit seinem neuesten Werk Years Of Refusal, das in diesem Jahr erschienen ist und es auf Platz 4 der deutschen Charts geschafft hat. Trotz alle dem spielt Morrissey mit dem Gedanken, dem Popzirkus gänzlich den Rücken zu kehren und sich in Würde zurückzuziehen. In einem Interview mit dem US-Magazin "Filter" teilte er kürzlich mit: "Ich will nicht wirklich viel länger weitermachen. Ich denke, das würde von einem Mangel an Fantasie zeugen. Und auch von einem gewissen Mangel an Würde. Man muss einen Punkt erreichen, an dem man sagt, genug ist genug."
Doch auch wenn Morrissey seine musikalische Pensionierung plant, will er bis dahin auf jeden Fall noch ein Projekt beenden: Momentan schreibt er an seiner Autobiographie, "um endlich mit dem ganzen Mist aufzuräumen".
Text: Jenny Schnabel
[20.05.2009]
www.itsmorrisseysworld.com www.myspace.com/morrissey
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Foto: Pressefoto |
"History has a place for us," tönte Richard Ashcroft im Jahr 1993, "it may take three albums, but we'll be there." Vier Jahre später veröffentlichen The Verve ihr drittes Album Urban Hymns und katapultieren sich damit direkt in die Oberliga. Seine Prophezeiung hat sich bestätigt. The Verve zählen zu den besten, einflussreichsten und erfolgreichsten britischen Bands der 90er. Drei Alben und insgesamt zwölf Singles hat die Band in ihrer bisherigen Karriere veröffentlicht. Songs wie On Your Own, History oder The Drugs Don't Work sind wahre Perlen und zeugen von einem enormen songwriterischen und musikalischen Talent.
Nach zwei Band-Trennungen im Jahr 1995 und 1999, Ups & Downs in ihrer Karriere und internen Unstimmigkeiten kehren The Verve nun ein drittes Mal zurück. Und auch nach neun Jahren Abwesenheit hat diese Band kein bisschen an Faszination verloren.
Die Geschichte der Band beginnt 1989 in dem kleinen nordenglischen Städtchen Wigan. Richard Ashcroft verlässt seine Abschlussprüfung, um spazieren zu gehen, woraufhin er zum Schulpsychater zitiert wird. Seine Aktion rechtfertigt er mit den Worten: "Ich werde später in einer Band spielen. In DER Band". Und genauso soll es schließlich auch sein: Gemeinsam mit seinen Schulfreunden Peter Salisbury (Schlagzeug) und Simon Jones (Bass) gründet Richard Ashcroft (Gesang) die Band Verve (damals noch ohne "The"), die durch Nick McCabe als Gitarrist komplettiert wird. Bereits zwei Jahre später nimmt David Boyd, Chef des Virgin-Sublabels Hut, die Band unter Vertrag und im März 1992 erscheint dann mit All In The Mind die erste Single, die prompt die englischen Indie-Charts erobert und herausragende Kritiken in der britischen Presse bekommt. Es folgen die beiden Singles She's A Superstar und Gravity Grave, die direkt an der Spitze dieser Charts landen.
Im Juni 1993 erscheint das Debütalbum A Storm In Heaven, das wie schon die ersten Singles große Beachtung in der Presse findet und von Kritikern hellauf gelobt wird. Produziert von John Leckie, der auch für das Debütalbum der Stone Roses verantwortlich war, ist das Album geprägt von sphärischen Klangwelten und surreal-lyrischen Texten, die von Ashcrofts zart gehauchter Stimme getragen werden. Trotz guter Kritiken verkauft sich das Erstlingswerk jedoch nur zögerlich und erreicht gerade mal Platz 27 der Charts. Der große Erfolg bleibt aus. Die Loolapalooza-Tour durch die USA im Sommer 1994 ist gekennzeichnet von ersten Skandalen und Katastrophen: Salisbury wird wegen der Demolierung eines Hotelzimmers verhaftet und Ashcroft wegen akuter Dehydrierung ins Krankenhaus eingeliefert. Gleichzeitig wird das gleichnamige Jazzlabel auf die Band aufmerksam und besteht auf die sofortige Namensänderung, was durch ein amerikanisches Gericht bestätigt wird. Ursprünglich will die Band das zweite "E" im Bandnamen streichen, doch schließlich entscheiden sie sich für die Variante den bestimmten Artikel vor den Namen zu setzen und publizieren die Umbenennung in "The" Verve mit der B-Seiten-Kollektion No Come Down.
1995 erreicht die Britpop-Bewegung ihren Höhepunkt und The Verve's ehemalige Supportband Oasis werden als neue britische Helden gefeiert und auf den Olymp des Britpop erhoben. Das zu diesem Zeitpunkt erschienene Album (What's The Story) Morning Glory? zählt zu den bestverkauftesten Alben der 90er und enthält mit Cast No Shadow einen Song, der dem "genius of Richard Ashcroft" gewidmet ist. Die damalige Entwicklung in der britischen Musikszene geht auch an The Verve nicht einfach so vorbei und die Band vollzieht einen Imagewechsel: Die Hippiemähnen werden auf eine stylische Länge zurechtgestutzt und Oasis-Produzent Owen Morris für das zweite Album A Northern Soul verpflichtet. Doch die Aufnahmen, die unter erheblichem Einfluss von Ecstasy stattfinden, gestalten sich sehr schwierig. Die Chemie zwischen McCabe und Ashcroft stimmt einfach nicht mehr. Es kommt zunehmend zu Spannungen zwischen den beiden, die immer wieder aneinander geraten. Im Juni 1995 erscheint schließlich A Northern Soul, das von einer Kombination aus psychedelischen Gitarrensounds und bluesigem Soul zeugt und mit History und On Your Own zwei wunderbare balladeske Hymnen enthält. Nur drei Monate nach der Veröffentlichung löst Ashcroft die Band auf, die jedoch einige Wochen nach der Trennung wieder zusammenfindet - allerdings ohne Nick McCabe. Als vierten Mann holen sich Ashcroft, Salisbury und Jones ihren ehemaligen Klassenkameraden Simon Tong in die Band, der McCabe an der Gitarre ersetzen soll. Doch bei den Aufnahmen zum dritten Album stellt Ashcroft fest: "Es ist dieser große Teil von The Verve, der nur entstehen kann, wenn Nick im Raum ist". Er entschließt sich McCabe anzurufen, um ihn zu bitten, wieder in die Band zurück zu kommen. Wieder in der alten Besetzung, setzt die Band die Aufnahmen an ihrem dritten Album Urban Hymns fort, das im September 1997 veröffentlicht wird und zum kommerziellen Durchbruch der Band führt. Endlich stellt sich der Erfolg ein, auf den The Verve so lange gewartet haben. Urban Hymns landet auf Platz 1 der Charts und wird mit 6 Millionen verkauften Exemplaren zum erfolgreichsten Album der Band. Der darauf enthaltene Song Bittersweet Symphony wird ein internationaler Hit, doch obwohl der Song Platz 2 der Charts erreicht, verdient die Band keinen Cent daran. Denn der Song enthält eine Streichersequenz aus dem Rolling-Stones-Klassiker The Last Time, was schließlich zu einem Urheberrechtsstreit mit dem Stones-Management führt, wobei die Rechte und die damit verbundenen Erlöse aus dem Song den Stones zugesprochen werden. Mit der zweiten Single The Drugs Don't Work gelingt The Verve dann schließlich der Sprung auf Platz 1 der UK-Charts. Doch der lang ersehnte Erfolg, den Urban Hymns mit sich bringt, hält die Band dennoch nicht zusammen. Nach diversen Unstimmigkeiten mit Ashcroft steigt McCabe während der US-Tour 1998 endgültig aus. Am 28. April 1999 verkünden The Verve offiziell und endgültig das Ende der Band.
Nach der Auflösung von The Verve schlägt Richard Ashcroft Solopfade ein und veröffentlicht mit Alone With Everybody, Human Conditions und Keys To The World drei gut verkaufte Alben. Peter Salisbury spielt in der Zwischenzeit in diversen Bands und betreibt einen eigenen Schlagzeugladen in Stockport. Nick McCabe arbeitet als Produzent von englischen Newcomer-Bands und liefert 2004 einen Remix zum The Music-Song Freedom Fighters. Ansonsten zieht er sich fast völlig aus der Öffentlichkeit zurück. Simon Jones und Simon Tong gründen 2001 gemeinsam mit Ex-Stone Roses Gitarrist John Squire die Band The Shining, die sich jedoch nach einem Album (True Skies) und einer einzigen Tour wieder auflöst. Tong ersetzt später bei Blur auf Konzerten den ausgestiegenen Gitaristen Graham Coxon und spielt außerdem bei den Gorillaz mit. Der einzige seiner Ex-Bandkollegen, zu dem Ashcroft die ganze Zeit über Kontakt hat, ist Salisbury, der ihn drumtechnisch bei seinen drei Solo-Alben unterstützt. Als Ashcroft erfährt, dass Salisbury an einem Projekt mit McCabe arbeitet, entschließt er sich McCabe anzurufen und nach all den Jahren seinen Frieden mit ihm zu machen. Dies ist der Stein des Anstoßes für die dritte Reunion von The Verve. Jones ist schnell überredet und die Originalbesetzung ist wieder zusammen. In einem BBC-Interview erzählt Ashcroft, dass sie bei ihrem ersten Treffen keine 20 Minuten miteinander geredet haben, sondern gleich zu ihren Instrumenten gegriffen haben: "Ich denke, wir überlassen das Reden lieber der Musik!" (NME.com) Im Sommer 2007 verkünden Richard Ashcroft, Nick McCabe, Simon Jones und Peter Salisbury dann offiziell ihre dritte Wiederauferstehung und beginnen mit den Aufnahmen zu ihrem vierten Studioalbum Forth, das am 22. August 2008 erscheint. Richard Ashcroft sagt über die letzten beiden Band-Trennungen: "Wir hatten einige Kämpfe auszutragen, aber so ist das nun einmal! [...] Letztendlich sind aber der Heilungsprozess, das Vergeben, das einfach Weitermachen, die Liebe und der Frieden wichtig!" (NME.com)
The Verve sind zurück und auch wenn sie nun festgestellt haben, dass sie nicht mehr die Freunde sein werden, die sie einst waren, haben sie trotz alle dem ihre Kreativität wieder gefunden, um das nächste Kapitel ihrer Geschichte zu schreiben.
Text: Jenny Schnabel
[17.08.2008]
www.theverve.tv www.myspace.com/theverve
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Foto: Converse Music |
In London gibt es seit Mitte 2007 Clubs und Konzertveranstaltungen, wo nur Leute unter 18 Jahren rein dürfen. Alles, was drüber ist, bleibt schlicht und ergreifend draußen. Losgetreten hat den Hype ein 15jähriger Junge namens Sam Kilcoyne.
Vor dem Jabbez Clagg in Manchester steht eine riesige Menschenschlange. Dabei gehen doch nur 500 Leute rein! Ob diese riesige Menschenmenge heute auf das Konzert von Al Policia kommt, wird sich zeigen. Nicht nur aus dem Grund, weil in den Club nur 500 Leute passen, sondern weil das Konzert ein so genannter "Underage Gig" ist. Das heißt, dass nur Leute unter 18 Jahren rein dürfen. El Policia ist eine Band aus Manchester, deren Bandmitglieder selbst alle unter 18 sind. Vor der Tür steht ein Ausweis-Checker, der ganz genau darauf achtet, wie alt die Konzertbesucher sind.
Seit einem guten halben Jahr sind Underage-Veranstaltungen in Großbritannien der neue Hype. Zum ersten Mal im Vereinigten Königreich können sich Leute, die noch nicht 18 sind, Konzerte ihrer Lieblingsband angucken. Toby ist Sänger der Vorband von El Policia Shakey Jakes. Er ist 16, und findet Underage-Gigs großartig: "Die Idee der Underage-Veranstaltungen hat uns sehr geholfen", erklärt er. "Nur, weil die verdammten Clubbesitzer zu faul sind, aufzupassen, wem sie Alkohol ausschenken, sollen Leute unter 18 nicht auf Konzerte gehen! So ein Schwachsinn!" Bis vor kurzem kam man im vereinigten Königreich nämlich nur auf Konzerte, wenn man über 18 war. Der Grund ist ganz einfach. Die Clubs dürfen an Leute, die noch nicht volljährig sind, keinen Alkohol ausschenken. Und Filzer und Ausweis-Checker an den Bars sind nicht gerade billig. Also müssen Leute unter 18 Jahren in den meisten Fällen draußen bleiben. Die Underage-Veranstaltungen sind daher nicht nur sehr beliebt, sondern auch fördernd für junge Bands. Viele der Fans sind im gleichen Alter wie die Bands. Alle unter 18! Und zum ersten Mal dürfen sich die Fans ihre Lieblingsband live ansehen und nicht nur auf myspace oder anderen Internetportalen. Bands wie El Policia oder die Shaky Jakes aus Manchester wären ohne die Underage-Veranstaltungen nie so bekannt geworden. The Horrors oder Twisted Wheel, die vorher niemand kannte, haben mittlerweile einen Plattenvertrag. Nicht nur Musikmagazine wie der NME wurden auf die Underage-Veranstaltungen aufmerksam, sondern auch Zeitungen wie der Guardian oder der Observer berichteten darüber.
Sam Kilcoyne ist 15 Jahre alt, wohnt in London und macht nächstes Jahr seinen Schulabschluss. Und Nebenbei ist er Konzertveranstalter. Aber dass erst seit einigen Monaten. Sein Zimmer ist über und über besät mit CDs und Platten. Auf dem Schreibtisch, in den Regalen, auf der Fensterbank, auf dem Boden auf dem Sofa! Zwar alle hübsch geordnet, aber schon sehr platzeinnehmend. Sam ist ein echter Musikfan, und lässt sich ungern neue Bands, sowohl auf Platte, CD oder live entgehen, Und hätte man ihm vor einem guten halben Jahr gesagt, dass er in ganz Großbritannien einen Hype lostreten würde, hätte er wahrscheinlich nur gelacht. Alles fing damit an, dass er im Frühjahr diesen Jahres seine Lieblingsband The Horrors sehen wollte, aber schlicht und ergreifend nicht aufs Konzert kam. "In England ist das echt schlimm. Vor allem in London", erklärt Sam. "Du kommst auf gar kein Konzert, wenn du unter 18 bist. Überall musst du deinen verdammten Ausweis zeigen, und wenn du noch keine 18 bist, dann musst du eben draußen bleiben! Das hat mich so angenervt, dass ich gesagt habe, ich will was machen, wo jeder hin kann! Und dann hab ich angefangen, Konzerte zu veranstalten. Zwei Wochen vor dem ersten Konzert, was ich veranstaltete kam mir allerdings der Gedanke: Verdammt! Die Über-18jährigen kommen doch eh überall rein. Warum soll ich die denn bitte auf meine Veranstaltung lassen? Und da hab ich einfach gedacht, ich dreh den Spieß um, und es kommen nur Leute unter 18 auf meine Veranstaltungen!"
Doch es kostet nun mal sehr viel mehr Zeit und Geld, Leute einzustellen, die an der Bar auch noch Ausweise checken. Also musste sich Sam was einfallen lassen. Und da war noch die Frage: Wie überzeugt man einen Club, ein Konzert zu beherbergen, auf dem kein Alkohol verkauft werden darf? Ganz ohne Hilfe funktionierte das Ganze allerdings nicht. Sams Vater, der auch sein Manager ist, ist im Musikbusiness nicht unerfahren. Er war früher bei einer Elektroband namens Add n To X und hatte so einige Kontakte zu größeren Plattenfirmen und Promoagenturen. Die haben Sams Veranstaltungen vor allem finanziell unterstützt. "Die Plattenfirmen haben natürlich einen Vorteil in der Idee gesehen. Die Käufer von Musik sind schon meistens unter 18, und wenn die ihre Lieblingsband dann auch endlich mal live sehen können, dann kaufen die auch mehr Platten und erzählen ihren Freunden davon. Daher haben die die Clubs gesponsert, um sie finanziell abzusichern, da sie ja bei Underage-Gigs keinen Alkohol verkaufen dürfen!"
Nach der ersten Veranstaltung folgte direkt ein Festival, wo nur Leute unter 18 rein durften. Und danach ging im ganzen vereinigten Königreich ein riesiger Medienwirbel los. Alle Zeitungen griffen das Thema auf und wollten mit Sam sprechen. Doch Sam lässt das alles ziemlich kalt. "Mittlerweile hab ich keinen Bock mehr! Ich will irgendwas anderes machen", stellt Sam nüchtern fest. "Ich wollte die Leute einfach nur aufmerksam machen, auf etwas, was schlicht und ergreifend falsch läuft bei uns, und für dass eine Regelung gefunden werden muss. Anstatt einen Riesenhype zu veranstalten, sollte man sich überlegen, was dagegen getan werden kann. Wie man dafür sorgen kann, dass jeder zu Konzerten kann, ohne Altersdiskriminierung."
Alex Mcann ist Konzertveranstalter in Manchester und managet eine Band, deren Mitglieder selbst alle unter 18 sind. "Ich denke, der beste Weg ist, Konzerte für alle Altersgruppen freizugeben. Dann müssen die Clubs eben mehr Geld raus hauen für Filzer und Ausweis-Checker. Aber ich halte weder Underage- noch Over-18-Gigs für sinnvoll. Underage-Gigs sind ein guter Denkanstoss gewesen. Und es muss wirklich irgendeine Lösung geben. Das beste Beispiel war, als ich meine Band nicht in einem Club spielen lassen konnte, weil die Bandmitglieder selbst nicht 18 waren. Das macht doch überhaupt keinen Sinn!" In Manchester geht man daher jetzt noch einen Schritt Weiter und Alex organisiert jetzt All Age-Gigs. Er rekrutiert Leute, die für wenig Geld Ausweise und Taschen filzen, damit auch ja keiner Alkohol kauft oder reinschmuggelt, der noch nicht alt genug ist, aber wenigstens können sich alle die wollen, die Musik anhören.
Text: Amy Zayed
[08.02.08]
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 Am 10. Januar startet der Film "Control", ein Film über Joy Division-Sänger Ian Curtis. Die Karriere der Band aus Manchester dauerte nur etwa 2 Jahre, nichtsdestotrotz gilt Joy Division als eine Band, die die Grundsteine für die heutige Rock und Independent Musik gelegt hat. Im Mai 1980 beging Sänger Ian Curtis Selbstmord. Die übrig gebliebenen Bandmitglieder machten als New Order weiter, und erreichten etliche Charterfolge auf der ganzen Welt. 1982 eröffneten sie den legendären Hacienda Club, der einer der bekanntesten Clubs Europas war. Amy hat sich in Manchester, der Heimatstadt der Band auf die Suche nach Spuren von Joy Division gemacht.
Eine ganz normale Neubausiedlung Mitten in Manchester. Eine stark befahrene Hauptstraße, eine große Baustelle, und links und rechts Reihen von Apartmentblocks. "Luxury Appartments" steht auf einem Schild neben einem der vielen viereckigen Häuserblocks. Daran, dass in diesem Haus vor 30 Jahren mal der Proberaum von Joy Division gewesen sein soll, erinnert gar nichts. Ein enger Hausflur mit Treppenaufgang, weißgetünchte Wände und ein fleckiger Teppichboden. Dave Haslam, ein guter Freund der Band, erinnert sich, wie es vor 30 Jahren dort ausgesehen hat. "Diese ganze Gegend hier war total verwahrlost", erklärt er. "Als in Manchester all die Fabriken Mitte der 70er Jahre schlossen, war die Arbeitslosigkeit extrem hoch. Überall standen alte Lagerhallen und Fabriken leer. Die nutzten damals sehr viele Musiker. Die Miete war eben spottbillig. Der Proberaum war auch so eine alte Lagerhalle. Es gibt ganz viele Photos, wo man Joy Division vor diesem Haus ihren Tourbus laden sieht. Hier wurde auch das Video zu ihrem wohl erfolgreichsten Lied "Love Will Tear Us Apart" gedreht. Es war auch das einzige Video, was die Band je gemacht hat. Man sieht das Haus, genau wie es früher ausgesehen hat. Als alte Lagerhalle. Die Fenster sind dunkel und voller Staub, überall staub, Graffiti an den wänden! Es sah wirklich total düster aus! Aber es passt zu dem Lied, es passt zur Situation!" 1976 gründen vier Jungs aus Salford, einem ziemlich heruntergekommenen Stadtteil von Manchester, die Band Warsaw, benennen sich aber später in Joy Division um. Gitarrist Bernard Sumner, Sänger Ian Curtis, Bassist Peter Hook und Drummer Steven Morris nehmen ein paar Demos auf, und erwecken die Aufmerksamkeit des lokalen Fernsehmoderators Tony Wilson. Der gründet ein kleines Label namens Factory Records, nimmt sie unter Vertrag, und sie veröffentlichen ihr Debutalbum "Unknown Pleasures". Die ersten Konzerte sind zwar spärlich besucht, aber es werden immer mehr Musikkritiker auf Joy Division aufmerksam, und ihre Anhänger werden immer mehr. Doch dann wird bei Sänger Ian Curtis Epilepsie festgestellt. Der wachsende Erfolg macht es Curtis nicht einfacher. Der Tourstress, die Aufnahmen zum zweiten Album, und seine instabile Beziehung mit Ehefrau Deborah verursachen zusätzlich zu seiner Krankheit noch Depressionen. Die Epilepsieanfälle werden immer schlimmer, und er kann sich selbst auf der Bühne nicht mehr kontrollieren. Im Mai 1980 erhängt er sich in seinem Haus in Manchester. Das Album "Closer" und die Single "Love Will Tear Us Apart" erscheinen nach seinem Tod. "Love Will Tear Us Apart" ist wohl der bekannteste Song von Joy Division, und wurde vor einigen Jahren sogar zur besten Single aller Zeiten gewählt. Dave Haslam erklärt, warum die Band in gerade mal zwei Jahren so einen Kultstatus erreicht hat: "Als hier in Manchester die Arbeitslosigkeit Ende der 70er so hoch war, hatten die Leute keine Inspiration. Es war die Musik, die der Stadt ihre Kraft wiedergegeben hat. Eben Bands wie die Buzzcocks oder Joy Division. Und die inspirierten wiederum Bands wie New Order, und später die Smiths, und so weiter. Es ist so, als wäre der Grundstein hier bei diesem Proberaum mit Joy Division gelegt worden."  Nach Curtis' Tod machten die übrigen Bandmitglieder als New Order weiter. Gitarrist Bernard Sumner übernahm die Rolle des Sängers. Doch die Band erntete sehr viel Kritik in der Musikpresse. Als New Order dann auch noch 1981 den Hacienda Club eröffneten, lästerten die Musikmagazine nur noch. Vor allem, weil der Club anfangs kaum besucht wurde. Es war eine Mischung aus Club und Konzertvenue, und nach und nach galt er als Konzertvenue für neue aufstrebende Künstler. Also ein Club für so genannte "Geheimtipps". Madonna spielte dort zum Beispiel einen ihrer ersten Europaauftritte. Der Club stand nur eine Straße weit weg von dem ehemaligen Proberaum von Joy Division. Auch dort steht mittlerweile ein einfacher Apartmentblock. Doch er heißt immer noch the "Hacienda Block", und es gibt wenigstens noch ein paar alte Erinnerungsstücke. Im kleinen Foyer sitzt an einem kleinen Tisch ein Hausmeister. Ein paar Sessel stehen um den Tisch herum. Doch beim Treppenaufgang hängt noch das alte Logo der Hacienda und daneben eine Metallplatte.
Dave Haslam wurde damals als einer der Haupt-DJs des Clubs verpflichtet. "Die Metallplatte hat man hier extra angebracht! Guck, dahinter ist auch ein Stück Holz von der Tanzfläche der Hacienda. Und auf der Platte stehen die wichtigsten Daten in der Geschichte des Clubs. Auch mein Name ist dabei", erklärt er stolz. "Die Hacienda war ein Platz für Leute, die sonst nirgends hin konnten. Für Musiker, Künstler und andere interessante Persönlichkeiten. Man hat dort Leute getroffen, die man sonst nirgendwo getroffen hat. Man hätte sie sonst nirgendwo rein gelassen. Aber hier war alles erlaubt!" Und so entstand eine Musikszene in Manchester, die Bands wie die Stone Roses, die Happy Mondays oder die Charlatans hervorbrachte. Bands, die Ende der 80er die wohl bekanntesten der Indieszene waren.
Anlässlich zum Filmstart des Joy Division Films "Control" findet bis Mitte Februar eine Ausstellung statt, die all die alten Erinnerungsstücke aus der Zeit von Joy Division, New Order und der Hacienda zeigt. Die Hacienda-Ausstellung findet in einer Kunsthalle am Rande von Manchester statt. Eine riesige Halle mit alten Fotos, Flyern aus der Hacienda und Videos von Konzerten. Daneben eine weitere mit Entwürfen von Albumcover für Joy Division, Textbüchern und sogar ein Stand, wo man sich rare Demos von Joy Division anhören kann. Joy Division und New Order Bassist Peter Hook findet, dass Joy Division nicht einfach mit dem Tod von Ian Curtis aufhört. "Wenn Ian nicht gestorben wäre, hätten wir nicht anders gehandelt, als wie wir im Endeffekt gehandelt haben", stellt Peter Hook fest. "Ohne Joy Division hätte es New Order nicht gegeben. Und obwohl Ian tot war, war er Teil von uns. Er war auch bei der Hacienda mit dabei, auf eine einzigartige Weise! Wir werden nie erfahren, ob er wirklich glücklich darüber ist, dass aus Joy Division New Order geworden ist, und dass die Hacienda im Endeffekt Pleite gegangen ist, aber irgendwie ist das doch auch das schöne daran." Während Peter Hook durch die Ausstellung geht, wird der sonst so wortwitzige Bassist immer stiller. Vor einem Bild von einem Livekonzert von Joy Division bleibt er stehen. "Ian hätte wahrscheinlich eine Menge zu sagen zu allem, was passiert ist. Und auch zu dem was hätte passieren können! Wir werden wohl nie erfahren, was er denkt. Ob er sauer ist, dass aus Joy Division New Order wurde, dass die Hacienda Pleite gegangen ist oder dass sich New Order nun auch aufgelöst haben! Irgendwie finde ich es komisch, wie sehr mir das gerade nahe geht, hier in der Ausstellung zu sein. Die Erinnerungen sind zu überwältigend!" Wir gehen weiter durch die Ausstellung, und Peter Hook ist still und muss ein paar Tränen herunterschlucken.  Manchester ist geprägt von der Musik von Joy Division und New Order. Jeder in der Stadt, weiß, wer sie sind. Sie gaben der Stadt nach der hohen Arbeitslosigkeit Ende der 70er mit ihrer Musik nicht nur Mut und Inspiration, sondern gaben ihr auch eine Zukunft und brachten ihr Geld ein. Allein in den letzten zehn Jahren ist der Tourismus in Manchester, einer einst so verwahrlosten Industriestadt, ein Thema. Regina Zibell von "Visit Britain", dem Britischen Fremdenverkehrsamt, führt das vor allem auf die Musik zurück. "Bands wie Joy Division, New Order oder die Smiths inspirieren gerade junge Leute in die Heimat dieser Bands zu fahren und sich die Geburtsstätte der Musik anzusehen", erklärt sie. Manchester steht mittlerweile für Musik. Und auch wenn Ian Curtis nun schon fast 28 Jahre tot ist, lebt sein Erbe weiter.
Text: Amy Zayed
[09.01.2008]
Trailer zum Film "Control"
www.joydiv.org
www.joydivision.homestead.com
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Logo: Haldern Pop |
Vom 02. bis zum 04. August findet es nunmehr zum 24. Mal statt: Das Haldern Pop Festival. Eines der wohl gemütlichsten und intimsten Open Airs in Deutschland. Legendäre Geschichten ranken sich um dieses grüne Fleckchen Erde am Niederrhein, in dessen See sogar schon Heather Nova gebadet haben soll. Irgendwo zwischen Gehöften, satten Weiden und glücklichen Kühen geht es drei Tage lang nur um eins: Musik. Abseits des Mainstreams, überteuerter Ticketpreise und überflüssigem Brimborium wie Bungee-Jumping oder Scat-Diving hat sich das Haldern Pop mit seiner familiären Atmosphäre eine Nische geschaffen, die immer wieder aufs Neue fasziniert und begeistert. Qualität geht hier über Quantität: Mit 5000 Besuchern gehört das Haldern Pop zu den eher kleinen Festivals des Sommers. Und wer die Rolling Stones gern mal als Headliner erleben würde, der ist in Haldern sicherlich fehl am Platze. Dennoch bekommt der Musikfreund hier hochwertige Acts geboten und es gibt in jedem Jahr Neues zu entdecken, da das Haldern Pop verstärkt kleinere Künstler auf die Bühne holt. Dass ein gelungenes Festival allerdings nicht nur aus hartem Cash und großen Gagen besteht, sollte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Das Haldern Pop ist ein Open Air von Musikliebhabern für eben diese. Punkt! Und genau das macht dieses Festival neben seiner idyllischen Kulisse so charmant!
Naked Lunch Anfang des Jahres bewiesen Naked Lunch aus Österreich mit ihrem Album "The Atom Heart Of Us" einmal mehr, was für eine großartige Indie-Pop Band sie sind. Bittersüße Songs zwischen Hoffnung und Desillusionierung. Melancholische Popperlen, die unter die Haut gehen und im Spiegelzelt für Gänsehaut-Feeling sorgen dürften.
Jan Delay & Disko No. 1 Jan Delay aka Eißfeldt dürfte so ziemlich jedem durch die Beginner ein Begriff sein - ob man nun eingefleischter Hip Hop-Fan ist oder nicht. In Haldern ist der Hamburger Solo unterwegs. Wer die Singleauskopplung "Klar" kennt, der weiß, da geht einiges! Und es darf gefeiert werden!
Shout Out Louds Für die Shout Out Louds dürfte es in Haldern besonders heimlig werden, immerhin haben die Schweden in diesem Jahr ihr aktuelles Album "Our Ill Wills" auf dem Haldern Recordings Label veröffentlicht. Mit nachdenklichen Lyrics und ungestümen entwickelt das Indie-Pop-Qunintett eine besondere Eigendynamik, die den Zuschauer schnell in ihren Bann zieht.
Architecture In Helsinki Das schrullige Sextett aus Melbourne, das für seinen Sound- und Instrumentewechsel bekannt ist, überrascht auf dem aktuellen Album mit funkigen Disco-Einlagen. Der einzige lebende Beweis, dass man zu Architektur tanzen kann.
Spiritualized - Acoustic Mainlines Gegründet aus den Spacemen 3 ist von der ursprünglichen Spiritualized-Besetzung nur noch Sänger Jason Pierce aka J Spaceman mit an Bord. Indie-Pop mit Psychedelic Sounds. The Shoegaze is dead - long live the Shoegaze!
The View The Next Big Thing aus UK! The View sind vier blutjunge Musiker (Durchschnittsalter: 19), die aus dem kleinen schottischen Städtchen Dundee stammen. Im Frühjahr diesen Jahres haben die Lads ihr Debüt-Album "Hats Off To The Buskers" veröffentlicht und sogar Bobby Gillespie erklärte The View offiziell zu seiner neuen Lieblingsband, nachdem sie einige Support-Gigs für Primal Scream gespielt haben.
Jamie T Man nehme Folk, Ska, HipHop und elektronische Elemente und arrangiert daraus eingängige Pop-Songs. Jamie T. schafft es, aus den verschiedensten Stilrichtungen neuartige Musikstücke entstehen zu lassen. Aufgrund seines prägnanten britischen Dialekts wird der Musiker aus Wimbledon häufig mit Mike Skinner von The Streets verglichen.
The Electric Soft Parade Alex und Thomas White sind Brüder und haben bereits in jungen Jahren angefangen, zusammen zu jammen. Im zarten Alter von gerade mal 15 Lenzen nahmen die Jungs aus Brighton ihr erstes Demo in Albumlänge auf und spielten erste Gigs. 2002 galt ihr Debüt-Album "Holes In the Wall" als die Rettung der englischen Rockmusik. Mit "No Need to Be Downhearted" haben The Electric Soft Parade gerade ihr viertes Album veröffentlicht und schaffen es trotzdem, sich immer wieder neu zu erfinden.
Kate Nash Kate Nash ist eine der wohl charmantesten Singer/Songwriter-Überraschungen des Jahres. Nach einigen Veröffentlichungen über MySpace hat die Londonerin nun bei Polydor mit "Foundations" eine Two-Track-Single herausgebracht. Zuckersüße Tracks, die nur durch Klavier untermalt ihre Faszination entwickeln. Eine Sängerin, mit einer charismatischen Stimme, von der man sicherlich noch einiges hören wird. Man darf auf den Live-Auftritt von Kate Nash also gespannt sein!
Weitere Acts beim Haldern Pop Festival 2007:
Grand Island ++ Get Well Soon ++ Tuning ++ Two Gallants ++ An Pierlé & White Velvet ++ Brakes ++ Ripchord ++ Gabriel Rios ++ Polarkreis 18 ++ Paul Steel ++ The Magic Numbers ++ Waterboys ++ Maccabees ++ The Dornes ++ Under Böen ++ Patrick Watson ++ Navel ++ Serena Maneesh ++ Voxtrot ++ Johnossi ++ Malajube ++ Architecture In Helsinki ++ Loney ++ Dear ++ Friska Viljor ++ Ghosts ++ Duke Special ++ The Earlies
Text: Katja Embacher
Weitere Infos unter: www.haldern-pop.de nach oben
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Foto: the rapture |
Darf man New York als den Schmelztiegel des guten Tons bezeichnen? Wenn man die Geschichten einiger Bands, wie auch zum Beispiel We Are Scientists verfolgt, scheint diese Vermutung mehr als nahe liegend. Auch für The Rapture hat der Umzug dorthin eminente klangqualitative Veränderungen mit sich gebracht.
Der Drang nach Veränderungen äußert sich bei Rapture-Frontmann Luke Jenner (Gesang/Gitarre) jedoch schon weit vor dem Umzug nach New York. Klar, Sozialisation prägt – so entdeckt der jugendliche Luke sein Interesse für Musik zunächst durch die örtlichen Punk- und Indie-Bands seiner Heimatstadt San Diego und realisiert seine eigenen Kompetenzen, die sich dann in der Gründung von The Rapture herauskristallisieren. Zu jenem Zeitpunkt dreht sich musiktechnisch alles noch mehr oder weniger um den Punk. Bandmitglieder sind Lukes Schulfreund Vito Roccoforte (Schlagzeug) und ein gewisser Christopher Relyea, der jedoch die Band später verlassen wird.
Wie jeder weiß, bringen neue Erfahrungswelten den Menschen, und wohl insbesondere Künstlern, neue Inspirationen. So geschieht es auch bei The Rapture, die 1998 nach San Francisco ziehen, dort ihr erstes Konzert geben und über Eigenfinanzierung die Single The Chair That Squeaks/Dumb Waiters auf dem Hymnal Label veröffentlichen. Lange hält es sie nicht in San Francisco, denn bereits im selben Jahr geht die Band, die mittlerweile um das vierte Mitglied, Brooks Bonstin, erweitert ist, nach Seattle. Horizonterweiterung ist eine Begründung, ein weiterer Beweggrund zum Weiterzug liefert aber auch das Abbrennen von Bonstins Haus, das die Band obdachlos werden lässt.
Auch Seattle stellt sich nicht als DIE STADT für The Rapture heraus. Nach nicht einmal einem Jahr fällt die Entscheidung auf New York. Die Metropole muss es der Band dann auch angetan haben, da sie bis zum heutigen Tag, wenn auch ohne Bonstin, dort verblieben ist. Und das, obgleich der Anfang nicht der leichteste ist: 1999 halten sich die Jungs finanziell mit einer Tour über Wasser und fragen im Anschluss an die Konzerte nach Schlafplätzen. Doch die Mühen der Tour stellen sich als lohnenswert heraus. Auch wenn das Gespräch mit Mattie Safer nach einem Konzert in Washington DC zunächst von Seiten der Band nicht darauf schließen lässt. Dieser will zu dem Zeitpunkt nach New York ziehen, um dort sein Jazzstudium aufzunehmen. Er ist von dem Auftritt begeistert und bietet sich als Basser an, was im ersten Moment nicht gerade mit Jubelschreien begrüßt wird. Zurück in New York besteht die Band nur noch aus den zwei Gründungsmitgliedern Luke und Vito. Tja, wie gut das Mattie (2. Gesangsstimme/Bass/Keyboards) die Band ausfindig macht und von seinen und die seines Cousins Gabe Andruzzi (Saxophon/Keyboards/Percussion) zu überzeugen vermag.
Die Umzüge, die personell-kreative Erweiterung um Mattie und Gabe sowie die Zusammenarbeit mit dem DFA-Label-Produzenten James Murphy (LCD Soundsystem) und Tim Goldsworthy führen schließlich zu dem , was mittlerweile The Rapture ausmachen: musikalische Diversität vom Feinsten. Ist das Debüt-Album Echoes noch rauer, heftiger, da wesentlich extremer von Punk-Elektro-Einflüssen geprägt, so präsentiert sich die Band 2006 von einer anderen Seite. Das Nachfolgewerk Pieces Of The People We Love wirkt reicher - reicher an Erfahrung, mit dem Mut zu Ausflügen in die Welt des Funk, und das poppig, ohne banal zu wirken. Da darf man schon darauf gespannt sein, welche musikalische Richtung The Rapture bei ihrem nächsten Album einschlagen werden.
Text: Michaela Wicher
www.therapturemusic.com
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Foto: Pressefoto |
Wir schreiben das Jahr 2006 und das Jahr der Reinkarnation der legendären Lemonheads. Genau 20 Jahre nach der Bandgründung und 10 Jahre nach der Trennung der Lemonheads verkündet Evan Dando die Reunion der Band. Mit neuem Album und neuer Besetzung melden sich die Zitronenköpfe zurück. Seit Bestehen der Band, haben die Jungs in mehr als zehn verschiedenen Besetzungen gespielt. Das einzige konstante Mitglied des ständigen Kommen und Gehens ist Evan Dando, der Anfang der Neunziger als Mädchen-Schwarm und Herzensbrecher gefeiert wurde. Sogar das People-Magazine erklärte den Indie-Schönling 1993 zu den "Fünfzig schönsten Menschen der Welt". Die Lemonheads zählten damals zu den beliebtesten Ikonen der Indie-Kultur.
Wir erinnern uns zurück: Im Jahr 1986 gründet Evan Dando gemeinsam mit seinen beiden Highschool-Freunden Ben Deily und Jesse Peretz an der Commonwealth School in Boston die Lemonheads. Noch im selben Jahr veröffentlicht die Band auf ihrem eigenen Label Huh-Bag die Indie-EP Laughing All the Way to the Cleaners. Das Bostoner Label Taang! Records wird auf die Jungs aufmerksam und bringt gleich drei Alben in Folge heraus: Hate Your Friends (1987), Creator (1988) und Lick (1989). Die Lemonheads werden zu den Lieblingen des College-Radios, wo ihre Songs auf Heavy-Rotation laufen. Die Fangemeinde in den Staaten wächst unglaublich schnell.
Nach einer ausgedehnten Europa-Tour im Jahr 1989, wird im darauf folgenden Jahr der Major Atlantic Records auf die Band aufmerksam und macht ihnen ein viel versprechendes Angebot, das Dando annimmt. So erscheint 1992 dann auf Atlantic das Album It's a shame about Ray und liefert mit einer Spielzeit von einer knappen halben Stunde den Beweis für den Klang von perfekt konzentriertem Pop. Das darauf enthaltene Cover des Simon and Garfunkle-Klassikers Mrs. Robinson wird zum Hit des Jahres bei den amerikanischen College-Radios. Evan Dando und Co. werden zu den neuen Stars der Alternative-Szene erkoren. Der Erfolg auf dem Mainstream-Markt lässt allerdings noch etwas auf sich warten. Der Durchbruch kommt schließlich, als Atlantic im Oktober 1993 den erfolgreichen Nachfolger Come on feel the Lemonheads auf den Markt bringt und die Singleauskopplung Into your arms die Charts stürmt. Dies bringt einen großen Medienrummel um die Band mit sich und Evan Dando wird sogar in die Late-Night-Shows von Letterman und Leno eingeladen. Doch der Erfolg bringt auch seine Schattenseiten mit sich: Dando stürzt sich in ein selbststerstörerisches Drug-Lifestyle-Leben und füllt damit die Titelblätter der Boulevardzeitschriften. Es kommt so weit, dass er durch seinen extremen Drogenkonsum seine Stimme für mehrere Wochen komplett ruiniert hat, so dass er Interviews nur noch per Zettel geben kann.
Nach einem zweijährigen Drogenentzug folgt 1996 das Album Car Button Cloth. Der Erfolg bleibt jedoch aus. Ein Jahr später verkündet Dando beim Reading-Festival die Auflösung der Band. Dando erklärt im Nachhinein, dass er an dem Punkt einfach nicht mehr weitermachen konnte und sich dazu entschlossen hatte, eine Weile unterzutauchen. Erst als er ein Jahr später seine jetzige Frau Musikerin und Supermodel Elizabeth Moses kennen lernt, verspürt er wieder dieses alte Gefühl und hat wieder Lust auf Musik. 2003 veröffentlicht er das Solo-Album Baby I'm Bored, das überall auf positive Resonanz stößt.
Dieser Tage ist nun auf dem Indie Vagrant Records das erste Lemonheads-Album nach der zehnjährigen Pause mit dem schlichten Titel The Lemonheads erschienen. Gemeinsam mit zwei seiner großen Idole Schlagzeuger Bill Stevenson (Descendents, Black Flag) und dem Bassisten Karl Alvarez (Descendents) hat Evan Dando anderthalb Jahre im musikalischen Niemandsland der Rocky Mountains an den 11 Songs gearbeitet. Das Resultat: Ein Album, das wie ein zweites Best-of der Lemonheads daher kommt. "Wir haben uns gesagt, dass, wenn wir ein Lemonheads-Album machen würden, es wie die Lemonheads von damals sein müsste – nur besser", teilt Dando in einem Interview der Intro mit. Co-produziert hat Dando das Album gemeinsam mit Stevenson, der auch bei drei Songs am Songwriting beteiligt war. Außerdem gibt es auf dem Album Instrumentalgastspiele von den Herren Garth Hudson (The Band) und J. Mascis (Dinosaur Jr.) zu hören. Ob Evan Dando mit dem Comeback der Lemonheads an die Erfolge in den Neunzigern anknüpfen kann, wird sich zeigen. Man darf gespannt sein. Aber zumindest lässt es die Erinnerungen an die guten alten Zeiten wieder aufleben.
Text: Jenny Schnabel
www.thelemonheads.net
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Foto: Soren Solker |
"The Next Big Thing" - welcher Band aus Großbritannien wurde dieses Etikett noch nicht angeheftet? Schließlich wartet man doch seit den Beatles auf eben jene Wiederholung der Musikgeschichte. In aller Munde ist derzeit ist die Londoner Band The Rifles, die spätestens nach der VÖ ihres Debüt-Albums auch in aller Ohren sein dürfte.
"The first band with a London postcode worth tattooing on your heart in ages" - titelte der NME. Eine Etikettierung, die im Hinblick auf die britische Musikpresse schon den großen Hype wittern lässt, der oftmals zu einer Verheizung der Bands führt. Eben gegen diesen wehren sich Joel Stoker (Gesang/Gitarre), Luke Crowther (Gitarre), Robb Pyne (Bass) and Grant Marsh (Drums) - oder versuchen es zumindest. The Rifles betonen immer wieder ihren graduellen und nicht, wie bei den Arctic Monkeys oftmals proklamiert, medienevozierten Aufstieg. Ein Vergleich, der gerne gezogen wird, da beide Bands ihre Musik europaweit über das Internet-Portal MySpace populär gemacht haben, von dem sich The Rifles jedoch klar distanzieren. So betonen die Londoner, dass sie den klassischen Weg gegangen seien, indem sie sich ihre Fanbase in erster Linie über Gigs in irgendwelchen kleinen abgehalfterten Clubs erspielt haben - im Gegensatz zu den Arctic Monkeys, die in der Größe ihrer Konzerte von Null auf 100 gegangen seien. Ein berechtigter Einwand, wenn man sich Historie der Rifles einmal genauer anschaut und diese nicht nur auf MySpace reduziert.
Die Idee zur Bandgründung ist weit in der Vergangenheit der vier Londoner zu suchen. Ausschlaggebend ist 1996 das legendäre Oasis-Konzert in Knebworth, das bei Gitarrist Luke Crowther nicht nur einen bleibenden Eindruck hinterlässt, sondern auch einschneidenden Punkt im Leben markiert. Ebenfalls wie die Gallagher-Brüder aus der Arbeiterklasse stammend, ist Crowther beeindruckt von der emotional involvierenden Kraft, die von den Mancunians ausgeht; überwältigt von eben jenem Lebensgefühl, das Oasis transportieren und in dem er sich wieder finden kann. Das Ziel einer eigenen Bandgründung liegt plötzlich klar auf der Hand.
2003 setzen die drei aus Nordlondon stammenden Joel Stoker, Rob Pyne und Luke Crowther das geplante Bandprojekt in die Tat um und finden in Ostlondon mit Grant Marsh einen geeigneten Schlagzeuger. The Rifles are born. Musikalisch beeinflusst von Bands wie The Cure, The Clash oder The Smiths spielen sich die vier Jungs durch diverse Clubs und erzielen so eine immer stärker wachsende Fangemeinschaft. Auf die Debüt-Single Peace and Qiet wird nicht nur Zane Lowe von BBC Radio One aufmerksam, sondern auch der NME. Es zeigt sich, dass The Rifles eigentlich nicht anders agieren, als andere Bands auch. Ein weiterer Beweis dafür, dass Vergleiche oftmals hinken.
2005, zwei Jahre nach der Bandgründung, eröffnen The Rifles ihr MySpace-Profil, auf dem sie von nun an ständig wechselnde Song veröffentlichen und somit ihren Popularitätsgrad auch außerhalb Englands steigern. Darüber hinaus wird auch Ian Brouwdie von den Lightning Seeds auf die Band aufmerksam. Browdie, der unter anderem bereits mit The Zutons oder The Coral zusammengearbeitet, erklärt sich bereit, mit The Rifles ins Studio zu gehen und ein Album zu produzieren. Local Boy, die erste Single-Auskopplung, schafft den Sprung in die Top 40 der UK-Charts. Repeated Offender wird in der Halbzeitpause eines West Ham United-Spiels im Stadion gespielt und nicht nur die Kritiker, sondern auch Kollegen zeigen sich begeistert. So erklärte Graham Coxon, seines Zeichens Ex-Gitarrist von Blur, The Rifles dieser Tage zu seiner neuen Lieblingsband. Am 14. Juli 2006 soll mit No Love Lost das Debüt-Album der vier Londoner erscheinen.
The Rifles mögen die Karriereleiter zwar schnell hochgeklettert sein, jedoch ohne durch den Düsenantrieb des Hype-Knopfs gepusht zu werden. Es scheint also, dass wir auf "The Next Big Thing” noch eine Weile warten werden... ohne dabei jedoch auf gute Musik verzichten zu müssen.
Text: Katja Embacher
www.therifles.co.uk
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Foto: thezutons.com |
Die Vereinigung verschiedenster musikalischer Elemente stellt längst kein Novum mehr dar, doch seit gut fünf Jahren strömt aus Liverpool ein zumindest für diese Gegend recht ungewöhnlicher Sound, der sich in aller Kürze als Liaison von Rock und Funk mit Soul-Anleihen umschreiben lässt. Unbeirrt von eben dem Liverpooler Umfeld feilen die Zutons, deren Name in Anlehnung an den Gitarristen Bill Harkleroad der Magic Band – besser bekannt als Zoot Horn oder Zuton – seit 2001 an dieser facettenreichen Mischung...
Und sie sind damit im Vereinigten Königreich sowohl mit dem 2004er Erstlingswerk Who killed the Zutons, als auch mit ihrem aktuellen Album Tired of hanging around, das mit Platz 2 der UK-Album-Charts knapp die Poleposition verpasst hat, für ihre Mühen belohnt worden. Und bei dieser Band kann man wahrlich von Mühen sprechen, da einige Hürden auf dem Weg in die Öffentlichkeit für David McCabe (Gesang/Gitarre), Abi Harding (Saxophon), Boyan Chowdhury (Gitarre), Russel Pritchard (Bass) und Sean Panne (Drums) genommen werden mussten: Da wären zunächst einmal die hartnäckig anhaltenden Vergleiche mit The Coral zu nennen. Doch damit nicht genug, nein, dann musste man auch noch gegen Franz Ferdinand und die Libertines anzukommen wissen.
Teile des letzten "Album-Materials" haben die Zutons aus Eindrücken ihrer USA-Tour gewonnen, wie es beispielsweise bei den Songs Valerie und Oh Stacey look what you've done der Fall ist, in denen die Perspektive wiedergegeben wird, in jemanden aus weiter Distanz verliebt zu sein. Pressure Point vom 2004er Album handelt dagegen von den ersten zehn Minuten, wenn man von der Arbeit zurück ist und das unbändige Verlangen verspürt, gerade jeden töten zu wollen. Wer gehaltlose Poptextchen präferiert, für den kommen die Zutons nicht in Frage: Für David McCabe fühlt es sich gut an, wenn er sich schlecht fühlt, womit konstatiert werden kann, dass die Antriebsfeder, die hinter der Produktion beider Alben steht, "ohne Leid keine Kunst" lautet. Hierzulande lassen selbst kleinere Erfolge auf sich warten – zumindest noch... Sollten diese sich ganz und gar nicht einstellen, so hätte selbst dieser Umstand in Anbetracht des zur Schöpfung von Kunst erforderlichen Leids dennoch irgendwie was Gutes. Aber eigentlich gibt's doch schon genügend Leid auf der Welt, also vielleicht doch mal reinhören!?
Text: Michaela Wicher
www.thezutons.com
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Foto: wearescientists.com |
Häh, wie jetzt? O.K., die Überschrift scheint zugegebenermaßen verworren, macht aber nach der Lektüre des Textes wirklich Sinn. Des Rätsels dreiteilige Lösung folgt sogleich...
Zuvor jedoch die Beantwortung einiger W-Fragen: Wer sind We are Scientists? – Die Band setzt sich aus dem Sänger und Gitarristen Keith Murray, dem Schlagzeuger Michael Tapper und dem Bassisten Chris Cain zusammen. Wie und wann kam es zur Bandgründung? – Die drei 27-jährigen lernten sich an der Universität kennen, zogen nach dem Abschluss nach Berkeley, Kalifornien und listeten während eines Kneipenabends (der perfekte Ort für geniale Eingebungen) Ideen für Songtitel, selbstverständlich stilgerecht auf einer Serviette, auf. Darunter befanden sich recht amüsante, woraufhin die Jungs befanden, dass es eine Schande wäre, diese Titel der Welt vorzuenthalten.
Im Jahr 2000 ging's dann los. Doch vor der Welteroberung mussten noch einige Hürden genommen werden... Mit Leichtigkeit konnten die Jungs die Hürde des Bandnamen-Findens nehmen, wo wir dann auch schon bei der Auflösung Teil 1 angelangt wären: Es gibt Bands, die sich wochenlang das Hirn über einen potentiellen Namen zermartern oder sich in deliriumartigen Zuständen auf einen einigen können. Bei We are Scientists kam der Name zur Band und zwar als die Jungs sich einen Umzugswagen mieten wollten. Nachdem ein Mitarbeiter erst dachte, es handelte sich bei der Formation um Brüder, vermutete er im Weiteren, dass Keith, Michael und Chris Wissenschaftler sein müssten. Sie gestanden, diesen Titel leider nicht inne zu haben. Aber da gibt’s doch so was wie Künstlernamen... Ein paar Minuten später war der Groschen gefallen und der Bandname ins Leben gerufen!
Jetzt ging es daran, die Musik einer Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dies geschah dann auch 2001, nachdem die Band nach New York gezogen war. Der erste Gig sollte sich aber leider als wenig ermutigend erweisen... Und an dieser Stelle sind wir bei dem Metal-Club und somit bei Teil 2 der Überschrift-Entwirrung angelangt: Na klar, es gelang We are Scientists nicht, die Herzen der Besucher zu erweichen, und schon mal gar nicht, indem sie mit einer Ballade den Anfang machten. So blieb es an diesem Abend bei der Anwesenheit von sage und schreibe eines Fans – Michaels Freundin!
Aber alles halb so wild: Wissenschaftlern werden unter anderem Beharrlichkeit und Experimentierfreude nachgesagt. Und an beiden Eigenschaften fehlt es dieser Band ganz und gar nicht, wie der lange Weg zur Welteroberung, oder um nicht allzu übermütig zu sein, zur Eroberung größerer Publika sowie das Album With Love And Squalor belegen. Mh, da fehlt jetzt doch aber noch etwas. Genau, Teil 3 des Rätsels Lösung: Hierfür lautet das Schlüsselwort EIGENINITIATIVE! Um auf den richtigen Pfad zu gelangen, gehe man bitte auf www.wearescientists.com.
Text: Michaela Wicher
www.wearescientists.com
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Foto: thehorrorthehorror.se |
"The Horror the Horror", das sind die letzten Worte Marlon Brandos alias Colonel Walter E. Kurtz in Francis Ford Coppolas Film Apocalypse Now. Diese vier Worte wählten die fünf Jungs aus Stockholm, um ihrem musikalischen Kollektiv einen Namen zu geben. Die Geschichte der Band ist eigentlich keine besondere: Fünf Musikfreunde treffen aufeinander und gründen eine Band. Unspektakulär? Mitnichten. Die Kritik in Schweden überschlug sich und selbst in England titelte man bezüglich ihres selbstbetitelten Debüt-Albums "This band has a massive future and this record has massive potential as future ebay gold". Wieder eine neue Gitarrenrock-Band aus Schweden, die ihren Weg in den großen Hype-Kosmos beschreitet?
Bereits 2002 rockten Joel Lindström (Gesang), Mattias Axelsson (Gitarre), Johan Janssen (Gitarre), Patric Thorngren (Bass) und Jakob Frodell (Schlagzeug) die Clubs in Stockholm. Ihre Musik bewegt sich irgendwo zwischen Velvet Underground, The Strokes, The Beatles und The Sex Pistols. Ihre Songs haben allesamt Ohrwurm-Charakter: Schrammelige Gitarren, Retro-Sounds, solide eingängige Melodien und Refrains zum Mitgrölen. Textlich dreht es sich nicht selten um Geschichten aus dem Leben. So singt Joel Lindström über Lebenskrisen und Existenzfragen, also all das, was einen mit Ende 20 so beschäftigt.
In der Musikpresse werden The Horror the Horror bereits als die neuen The Strokes aus Schweden gehandelt. Doch werden ihnen auch immer wieder die Affinitäten zu ihren zahlreichen musikalischen Artgenossen vorgeworfen. Eine weitere Band, die auf "Sounds like…" reduziert wird. Doch damit hat die Band kein Problem: "All good music has always been accused of being copies of something. The important thing is you have to trust in your own sound and that the music will have like your identity", so Sänger Joel Lindström in einem Interview. Die Band beobachtet außerdem mit wachsendem Interesse die schwedische Musikszene und stellt immer wieder fest, dass viele der heimischen Gitarrenbands nach ihrer eigenen Identität suchen, aber oftmals nur als Abziehbilder ihrer Vorbilder angesehen werden. Sänger Joel Lindström führt dies darauf zurück, dass so etwas wie eine "heimische Musikszene" in Schweden gar nicht existiert. "A band like The Hives! They have to get their influences from certain parts of Punk Rock and Garage Rock and stuff like that. I think that might be the strength that we have. Sweden is a small country - as Austria I guess as well - you have to look further. You have to look at what's happening in London, New York or Toronto", so Lindström in einem Interview.
Eins ist auf jeden Fall klar: Die Band weiß, wo sie hin will und der Erfolg wird auch nicht mehr lange auf sich warten lassen. Den Weg nach Deutschland haben The Horror the Horror bereits gefunden. Nach der Single Sound of Sirens tourte die Band bereits im November 2005 erstmals durch die Republik. Seit einigen Wochen steht nun auch ihr selbstbetiteltes Debüt-Album in den deutschen Plattenläden und auch live sind die Schweden momentan wieder hierzulande unterwegs. Wer Zeit und Lust hat, sollte die Möglichkeit nutzen, sich die Jungs einmal anzuschauen und sich selbst davon zu überzeugen, ob The Horror the Horror ihre eigene Identität gefunden haben.
Text: Jenny Schnabel
www.thehorrorthehorror.se
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Foto: Pressefoto |
Band findet zueinander, Band probt und spielt Gigs, Band hofft auf den großen Deal, Band verkauft Myriaden von Platten und erlangt neben prall gefüllten Konten weltweite Popularität. So stellen sich viele die Träume musikalischer Newcomer vor. Da kann man es kaum glauben, dass es Combos gibt, die sich bewusst dagegen entscheiden, Produktion und Distribution aus der eigenen Hand zu geben, um sich unter den Fittichen eines Major-Labels zu wärmen. Unvorstellbar? So geschehen bei Clap Your Hands Say Yeah.
DIY ist der neue alte Schlachtruf aufstrebender junger Bands. Spätestens seit den Arctic Monkeys weiß man, dass die Idee der Eigenverantwortlichkeit funktioniert. Die New Yorker Band Clap Your Hands Say Yeah reihen sich nicht nur nahtlos in die Fraktion do it yourself geprägter Bands ein, sie gehen sogar noch einen Schritt weiter: Während andere Musiker ihre Songs solange in Eigenregie produzieren, bis sie einen Vertrag mit einem adäquaten Vertriebspartner in den Händen halten, weigern sich CYHSY bisher beharrlich, einen derartigen Deal auch nur in Erwägung zu ziehen. Autonomie bis zum Exzess.
Dabei lesen sich die Anfänge von Clap Your Hands Say Yeah nicht anders, als die anderer DIY-Bands auch. Alec Ounsworth (Gesang, Gitarre), Tyler Sargent (Bass), Robbie Geurtin (Gitarre, Keyboard), Lee Sargent (Gitarre, Keyboard) und Sean Greenhalgh (Drums), die um einige Ecken miteinander befreundet sind, treffen sich, um gemeinsam Musik zu machen. Dass Sänger Ounsworh dabei in Philadelphia lebt, während der Rest der Band in Brooklyn angesiedelt ist, tut der Sache keinen Abbruch. Nach einem erfolgreichen Debüt-Konzert im New Yorker Club Siberia, entschließen sich die fünf Jungs dazu, ein Demo aufzunehmen. Das gute Stück wird im Internet veröffentlicht und begeistert Kritiker und Fans gleichermaßen. Die Folge: Mehr Auftritte, mehr Sympathisanten, mehr Anfragen nach Tapes. Die Band beschließt, in Eigenregie ein selbstbetiteltes Album aufzunehmen, das auf Konzerten und via Mailorder vertrieben wird. Auch die ersten Label erkennen das Potential der Newcomer. Diverse vertragliche Angebote gehen bei CYHSY ein, die die fünf Jungs jedoch kategorisch ablehnen. Man will sich das Heft partout nicht aus der Hand nehmen lassen.
Ein Problem stellt sich der Band letztendlich doch: Die immer größer werdenden Anfragen lassen sich auf Dauer nicht mehr in Eigenregie verwalten. Um die Alben dennoch an den Mann oder die Frau bringen zu können, wird schließlich ein professioneller Vertrieb beauftragt, den Versand der Tonträger zu übernehmen. Ein Unterfangen, das sich als zwingend notwendig herausstellt, wenn man bedenkt, dass Clap Your Hands Say Yeah in den USA mittlerweile 25.000 Alben in Umlauf bringen. Eine weitere Herausforderung stellt der europäische Markt dar. Da die Amerikaner ihre Alben in der alten Welt nur mittels einer Vertriebsfirma über die Ladentheken bringen können, beschließt man, eine Kooperation mit dem britischen Indielabel Wichita einzugehen, das unter anderem auch Bloc Party vertritt.
Zu Hause möchte man sich dennoch nicht vertraglich binden. Zu sehr schätzen Sänger Alec und seine Mannen die Unabhängigkeit, die der gute alte DIY-Gedanke der Band beschert. Der musikalische Workaholic, der sich neben Clap Your Hands Say Yeah auch noch innerhalb seines Projekts Pelican Picnic kreativ betätigt, will sich einfach nicht vertraglich festlegen lassen. Selten war der DIY-Gedanke lebendiger und erfolgreicher als bei Clap Your Hands Say Yeah. Das honorieren natürlich auch die Fans. Ladies and Gentlemen, Standing Ovations please.
Text: Katja Embacher
www.clapyourhandssayyeah.com
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Foto: www.pertramer.at |
Am Anfang stand der Vergleich: Egal, ob Popintellektuelle oder Kritiker, fiel der Name Tomte, so waren sich doch alle einig, dass es sich bei dieser Band um einen schlappen Ersatz für Tocotronic handelte. Schickt die Jungs also noch mal in die Hamburger Schule, damit aus ihnen eines Tages mal was Anständiges wird. Tomte haben ihren Abschluss gemacht und sind erwachsen geworden. Und nun gehören sie zu denjenigen, von denen die anderen etwas lernen können.
"The Times they are a changin'" hat uns ein weiser Mann mit seiner Gitarre einst gelehrt. Wenn man sich die musikalische Entwicklung der Band Tomte einmal genauer anschaut, merkt man, wie recht Bob Dylan damit doch gehabt hat. Spätestens seit ihrem nunmehr vierten Album wird deutlich, wie stark sich die Musik der Band weiterentwickelt hat, wie sehr Tomte gewachsen sind. Gewachsen an sich selbst, an den großen und kleinen Dingen, die passieren. Gealtert in Würde - wenn man pathetisch werden möchte. Und beinah scheint sich in ihre Texte eine Art Altersweisheit einzuschleichen, wenn Thees Uhlmann in Geigen bei Wonderful World singt: "Ich lebe mich durch eines der schönsten Leben mit den schönsten Songs der Welt". Wie aber wurde aus dem raubeinigen Haufen mit Punkattitüde eine der wohl vielversprechendsten zukunftsorientierten Bands dieser Tage? Ladies and Gents: The curriculum vitae of Tomte!
1987 treffen sich vier junge Menschen aus und in Hemmoor, um gemeinschaftlich ihrer Leidenschaft zu frönen: Musik. Einige Umbesetzungen und Demo-Tapes später bleiben drei von ihnen übrig, die sich als Urväter der heutigen Band Tomte in Hamburg ansiedeln: Thees Uhlmann (Gesang, Gitarre, Bass), Christian Stemmann alias Stemmi (Bass, Gitarre, Gesang) und Timo Bodenstein (Drums). 1996 veröffentlicht die Band ihre erste in Achtspurtechnik eingespielte 7" Blinkmuffel; zwei Jahre später folgt das Debüt Du weißt, was ich meine, produziert von Marcus Wiebusch (But Alive/Kettcar) und aufgenommen von Christian Mevs (Slime). Du weißt, was ich meine ist ein Erstlingswerk, wie es klassischer nicht sein könnte. Schnoddrig charmante Texte gepaart mit der Schrammelromantik eines bierseligen Guitarreros, die an die glorreichen Zeiten der guten alten Hamburger Schule erinnert. Eine Hommage, die Tomte einen polarisierenden Ruf verschafft: Auf der einen Seite Belobhudelungen durch Presse und Musikfreunde, in der Hoffnung, dass sich "interessanter deutscher Punk noch ins Jahr 2000 retten können" (Intro) wird; auf der anderen Seite bescheren Buhrufe und Verunglimpfungen als Tocotronic-Epigonen Tomte bei Live-Auftritten einen schweren Stand. Die Band selbst bleibt davon unbeeindruckt. Sich Doof vorkommen in einem Kölner Zimmer ist genauso legitim wie zu Schwitzen und Träume zu haben und trotzdem oder gerade deshalb Fans und Kritikern zu zeigen: Ich lerne schwimmen in den kalten Wassern der Musikwelt. Tomte machen nicht nur weiter, sie legen jetzt so richtig los. Kilometer für Kilometer messen sie im Tourbus die Autobahnen Deutschlands ab, um sich bei Live-Auftritten eine Fangemeinde zu erspielen. Dabei spielt es keine Rolle, wie klein die Location oder wie wenig besucht der Club ist. Mit einer Leidenschaft, die ihres gleichen sucht, hält man an der einzig wahren Sache fest, für die es sich lohnt, aufzustehen: Musik.
Im Jahr 2000 veröffentlichen Tomte ihr zweites Album Eine sonnige Nacht und begeben sich damit auf die Pfade der Autonomie und Adoleszenz. Die Band strampelt sich textlich wie musikalisch frei von den ewigen Vergleichen mit Tocotronic. In Anlehnung an Vorbilder wie Oasis oder The Smiths entstehen Titel, die da heißen Korn und Sprite oder Wilhelm das war nichts. Traurig schöne Melodien wechseln sich mit trotzig rockigen Krachern ab und offenbaren die Wandelbarkeit und das zukunftsträchtige Potential der Band. Feinsinnig beobachtet Singer und Songwriter Uhlmann seine Umwelt und kommentiert die Dinge manchmal auf zynische, manchmal auf komische Art und Weise.
2001 kommt es erneut zu einer Umbesetzung innerhalb der Band. Gründungsmitglied Stemmann steigt aus und gründet sein Hamburger Indiepunklabel Tummetott Tonträger. Von nun an ist Oliver Koch für die Licks und Läufe am Bass verantwortlich. Zwei Jahre später erweitert Dennis Becker die Band als zusätzliche Verstärkung an der Gitarre.
Die 2003 veröffentlichte Platte Hinter all diesen Fenstern stellt für Tomte den persönlichen Durchbruch und musikalischen Meilenstein der Bandgeschichte dar. Zum einen wird das Album auf dem hauseigenen Label Grand Hotel van Cleef veröffentlicht, das aus der Fusion des Tomte-Labels Hotel van Cleef und But Alives B.A. Records hervorgegangen ist. Zum anderen präsentiert sich Hinter all diesen Fenstern als das beste und ausgefeilteste Album, das Tomte in ihrer nunmehr 15jährigen Bandgeschichte produziert haben. Hinter all diesen Fenstern ist ein Album, das realisiert, wie filigran die guten Momente des Lebens sind, wie fragil die bedeutungsschwersten Dinge oftmals erscheinen und wie wichtig es ist, sie zu beschützen. Eine Ode an jene Schwäche, die zu den größten Stärken des Lebens gehört: Die Liebe. In den Trümmern einen Grashalm entdecken und wissen, dass es Hoffnung gibt. "Hinter all diesen Fenstern sitzen Menschen. Du hast es immer geahnt, dass sie es wert sind zu bleiben, du bist den ganzen Weg gerannt" oder "Ich hab keine Angst zu fallen während ich versuche zu stehen" sind nur einige Textpassagen, die eben jenes konträre Verhältnis zwischen Depression und Hoffnung, zwischen Liebe und Angst verdeutlichen. Tomte sind Tomte, sie haben ihren Rhythmus gefunden, ihren Weg der Expression. Willkommen zu Hause.
2006: Ein Raunen ging durch die Massen, als die ersten Berichte über ein neues Tomte-Album durch die Medien waberten. Unkenrufe wurden laut, dass Hinter all diesen Fenstern mit Sicherheit nicht zu toppen sei. Und was machen die Herren Uhlmann, Bodenstein, Becker und Koch? Sie setzen locker noch eins drauf. Frischer Wind weht in der Tummetottschen Stube. Das Quartett hat noch einmal Zuwachs bekommen und begrüßt mit Max Schröder alias Der Hund Marie an den Keyboards einen fünften Mitstreiter in der lauschigen Runde. Das Werk der Stunde heißt Buchstaben über der Stadt und ist musikalisch wohl das beste Tomte-Album, das je das Licht der Plattenwelt erblickte. Die Band ist gereift. Mit einer Sicherheit, die ihresgleichen sucht, steht Thees Uhlmann in seinen Texten für die Schönheit der Chance ein. Privat hat sich für den mittlerweile nach Berlin abgewanderten Ex-Hanseaten einiges verändert. Thees ist verliebt. Und das schon seit zwei Jahren. Ein Umstand, der sich auch in den Texten des neuen Albums niederschlägt. War Uhlmann einst hauptberuflich Skeptiker, so scheint er nun Verfechter der Theorie zu sein, dass alles möglich ist, solange man darum kämpft. Tomte sind erwachsen geworden. Sie wissen, dass sicherlich nicht alles gut ist auf der Welt, dass es jedoch gilt, in Relationen zu denken und dass sie eigentlich all das erreicht haben, wovon andere jede Nacht, den Gitarrenhals fest umklammert, nur zu träumen wagen. Es hat sich gelohnt, alles auf eine Karte zu setzen und sich bedingungslos der Liebe zur Musik zu ergeben. Es gibt nichts zu bereuen. "Ich entschuldige mich für alles, was ich in Trümmern hinterließ. Aber nicht für meine Bildung und nicht für dieses Lied, wenn der Beat losgeht." Eine ganz klare Ansage.
Text: Katja Embacher
www.tomte.de
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Foto: Domino Records |
Wir kennen die Geschichte: Internet killed the recordstar, Plattenfirmen laufen Amok und droppen alles, was sich unter drei Millionen verkauften Tonträgern bewegt. Dass es aber auch umgekehrt funktionieren kann und das World Wide Web kleinen Bands als Plattform zur Verbreitung und somit als Sprungbrett zum Major-Deal dienen kann, beweißt die Erfolgsstory der Arctic Monkeys.
Noch kein Album veröffentlicht, trotzdem rappelvolle Konzertsäle plus einer Number-One-Single in den UK-Charts und das alles dank vier im Internet veröffentlichter Songs, die bei den Fans gepflegter Rockmusik wie Granaten eingeschlagen sind. Da fragt man sich doch, was sind das eigentlich für Typen, die den Nutzen digitaler Up- and Downstreams ebenso perfide zu beherrschen scheinen, wie das Zusammenspiel ihrer Instrumente?
Angefangen hat die Erfolgsgeschichte der Arctic Monkeys eher unspektakulär: Im Jahr 2001 finden Alex Turner und Jamie Cook Gitarren unter den heimischen Weihnachtsbäumen. Eineinhalb Jahre ziehen ins Land, die neben unzähligen Proberaumsessions auch noch die Komplettierung der Band durch Drummer Matt Helders und Bassist Andy Nicholson mit sich bringen. Der erste Gig der eisigen Affen findet 2003 im heimischen Sheffield statt. Weitere Konzerte folgen, die der Band eine treue Anhängerschaft bescheren. Als vier Demoversionen der Briten im Internet veröffentlicht werden, beginnt der kometenhafte Aufstieg der Arctic Monkeys. Die Single I bet you look good on the dancefloor begeistert nicht nur die sich in Musiktauschbörsen tummelnden Massen, sondern erregt auch die Aufmerksamkeit der Plattenfirma Domino Records, unter deren Fittichen auch Größen wie Franz Ferdinand musizieren. Der Plattendeal verschafft der Band mit ihrer ersten EP im Oktober eine Nummer-Eins-Platzierung in den Britischen Charts vor etablierten Stars wie Robbie Williams oder den Sugarbabes.
Mittlerweile hat das arktische Insulanerfieber auch das europäische Festland gepackt. Im November spielen die Arctic Monkeys unter anderem in prall gefüllten Konzertsälen Deutschlands. Und, wohl gemerkt, immer noch, ohne dass die Konzertbesucher ein Album ihr Eigen nennen könnten. Das Erstlingswerk der vier Überflieger ist nämlich erst Ende Januar beim Plattenhändler eures Vertrauens erhältlich.
An den Gerüchten eines typisch britischen Battle of the Bands à la Blur und Oasis zwischen den Arctic Monkeys und den Kaiser Chiefs soll laut einem Interview des Radiosenders Eins Live übrigens nichts dran sein. Dort erklärte Alex, der Sänger mit dem charmanten York-Akzent, dass folgende Äußerung der Band gegenüber einem britischen Musikmagazin aus dem Kontext heraus genommen wurde: "Wenn wir 'the next year's Kaiser Chiefs' werden, dann hören wir sofort auf." Auf die Frage "Wie wäre es, im nächsten Jahr die neuen Kaiser Chiefs zu sein?" hatte Alex nämlich eigentlich geantwortet: "Wenn wir 'the next year's Kaiser Chiefs' werden, dann hören wir sofort auf. Wir wollen nämlich 'the next year's Arctic Monkeys' sein." Klarer Fall von gesundem Selbstvertrauen und eigendefinitionstechnischer Abgrenzung, die als musikalischer Überflieger des letzten Jahres durchaus vertretbar erscheint. Na dann: "Beam me up, Scottie...!"
Text: Katja Embacher
www.arcticmonkeys.com
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Foto: sonybmg.de |
Hinter Nova International stecken vier Jungs aus Augsburg - Michael Kamm (Vocals/Gitarre), Michael Dannhauer (Gitarre), Markus Galli (Bass) und Kris Steininger (Schlagzeug), die schon seit 1998 melodischen Gitarrenpop komponieren. Ursprünglich tingelten sie unter dem Namen Nova durch die lokale Musikszene, bis 2002 plötzlich eine andere Band den Namen für sich beansprucht. Schließlich muss man das "International" dranhängen.
Den Sprung in die überregionale Liga gelingt ihnen im Mai 1998. Sie gewinnen den Augsburger Newcomer-Wettbewerb "Band des Jahres" und damit ihre erste CD-Produktion. In Zusammenarbeit mit Alaska Winter (Bananafishbones) wird die EP Star mit fünf Songs produziert. Die Auflage von 500 Exemplaren, die auf Konzerten verkauft werden, ist schnell vergriffen. 1999 dürfen Nova erstmals bei Rock am Ring und Rock im Park auftreten, wodurch die nationale Musikszene auf sie aufmerksam wird. Es folgen Konzerte auf der Kölner Popkomm und Tourneen mit Miles und Liquido, die ihren Bekanntheitsgrad erhöhen. Im Dezember 2000 startet die "X-Mas Cracker Tour", die erste richtige Headliner-Tour des Quartetts. Das Ergebnis: viele neue Fans und die erste Fanpage.
Zurück in ihrem Proberaum erarbeiten die Vier neues Songmaterial. Sie verabschieden sich von alten Mustern und bauen erstmals elektronische, tanzbare Elemente ein. Sie schaffen es mit ihren Kompositionen bis ins Vorprogramm von Stephen Malkmus (Pavement) in München. Schon bald melden sich mehrere Plattenfirmen, die die Band unter Vertrag nehmen wollen. Die Jungs entscheiden sich schließlich im Oktober 2001 für BMG.
Im Dezember 2002 veröffentlichen Nova International die EP Kill Your Stereo, die vier Songs umfasst. In Kooperation mit Phil Vinall, der schon für Placebo und Elastica produziert hat, erscheint im April 2003 ihr Debüt-Album mit dem schlichten Namen Nova International.
Alles scheint vorwärts zu gehen, doch dann verschiebt BMG das zweite Album auf unbestimmte Zeit. Die Band sitzt in einer Sackgasse. Die Konsequenz: Nova International steigt aus dem Vertag aus.
Doch das ist nicht das Ende der Geschichte, denn Nova International sind zurück. Mit eigener Plattenfirma und neuem Album one and one is one, das am 28.10.05 erscheint. Ihr zweites Werk haben die Augsburger diesmal im Alleingang aufgenommen: ohne Major Label, aber dafür mit guten alten Freunden wie dem Produzenten Phil Vinall.
Text: Jenny Schnabel
www.nova-music.com
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Foto: sonybmg.de |
Sie sind jung. Sie sind aus Liverpool und sie nennen sich The Dead 60s. Von Anfang an haben sie sich bewusst von der lokalen Musikszene abgegrenzt. Was soweit ging, dass sie nicht mal in Liverpool aufgetreten sind. "Es geht gerade eine Menge ab in Liverpool, aber damit haben wir nichts zu tun", so Bassist Charlie Turner in einem Interview. "Ich weiß kaum etwas über die anderen Bands aus der Stadt. Wir waren nie Teil dieser Szene."
Ihre Vorbilder sind The Clash und daran erinnert auch der Sound auf ihrem selbst betitelten Debüt-Album. Dennoch haben The Dead 60s mit ihrer Mischung aus Punk und Dub-Sounds ihren eigenen Stil. Sie versuchen nämlich nicht, wie viele ihrer Artgenossen, die Musik der Vergangenheit in die Gegenwart zu transportieren. Ihr Anliegen ist es vielmehr, das Fortzuführen, was ihre Vorbilder in den späten 70ern und frühen 80ern begonnen haben.
Auch textlich orientieren sich die Liverpooler an The Clash. Sie erzählen in ihren Songs, die sie meistens gemeinsam schreiben, vom tristen, grauen Leben in Englands Städten. Doch geht es ihnen dabei nicht um herkömmliches Songwriting, sondern vielmehr um das Kreieren von Slogans. "Unsere Songtitel sollen auf jede Wand gesprüht werden. You're Not The Law, Too Much TV, Riot Radio - das würde doch großartig aussehen", so die Band in einem Interview.
Seit 2003 feilen Matt McManamon (Gesang/Gitarre), Charlie Turner (Bass), Ben Gordon (Gitarre/Orgel) und Bryan Johnson (Schlagzeug) an ihren Tunes. Der Öffentlichkeit präsentierten sie jedoch erst ihre Songs, als sie sich für gut genug hielten, vor einem Publikum aufzutreten. Von halben Sachen halten sie nämlich nichts. "Wir hängen lieber in der Garage rum und tüfteln an unseren Grooves", so Charlie Turner in einem Interview.
Deltasonic nimmt die Band schließlich unter Vertrag. Die erste Single You're Not The Law verkauft sich nur schleppend. Dies ändert sich jedoch mit der zweiten Auskopplung Riot Radio. Der Song schafft es in die Top 20 der britischen Charts und wird zur "Single Of The Week" beim NME.
Daraufhin erhalten sie das Angebot von Morrissey, für ihn im Vorprogramm zu spielen, was ihnen große Aufmerksamkeit einbringt. Ein Album existiert zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Dieses wird schließlich in nur sechs Wochen aufgenommen. Und herausgekommen ist ein schönes Stück Musik, das durchaus mit den anderen Kollegen der Insel mithalten kann.
Text: Jenny Schnabel
www.dead60s.com
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Foto: thebravery.com |
Die Musikwelt ist geteilter Meinung was die New Yorker New-Wave-Rock-Band The Bravery angeht. Während die einen sie als "New York's next big thing" bezeichnen, wettern andere Musikmagazine sie seien lediglich eine Kopie der Killers, allerdings mit vorzeigbarerem Gitarristen. Dieses Statement regt Killers-Sänger Brandon Flowers dermaßen auf, dass er den gestreckten Mittelfinger gegen das Plagiat erhebt und behauptet, dass The Bravery nur wegen ihnen gesignt wurden. Außerdem betont er, dass Sam Endicott, der Sänger von The Bravery, vorher in einer Ska-Band mit dem albernen Namen Skabba the Hut gespielt habe. Pfui Teufel!
Die BBC startet daraufhin auf ihrer Website eine Umfrage, wer den besten amerikanischen Elektro-Pop mache. Ergebnis: 17,1 % für The Bravery und 82,9 % für The Killers. Man muss allerdings fairerweise sagen, dass das Album von The Bravery zu dem Zeitpunkt erst seit zwei Wochen draußen war während Somebody told me bereits seit Monaten in jedem Club rauf und runter gespielt wurde.
Der NME brachte The Bravery prompt aufs Cover und nutzte den gegebenen Anlass, um eine Bandbattle zu den Killers anzuzetteln. Dies geschah bereits 1995 mit Oasis und Blur. Ja, Ja der gute alte Hype! Möge der bessere gewinnen!
Die Geschichte um The Bravery beginnt im Jahr 2003. Sam Endicott (Gesang, Gitarre) und John Conway (Keyboards) beginnen Songs zu schreiben, die sie an einem alten iMac zusammenfrickeln. Die beiden ehemaligen Kommilitonen wollen für 7.000 Dollar ein Album produzieren. Nachdem sie ihre ersten Aufnahmen fertig haben, suchen sie sich weitere Mitglieder um die Band zu komplettieren: Anthony Burulcich (Drums), Michael Zakarin (Gitarre) und Mike Hinder (Bass).
Im Oktober 2003 kommt ein gewisser Pete Galli am Proberaum der Band vorbei. Er ist fasziniert von der Musik, die durch die Türen dringt. Er bietet der Band an sie zu managen. Sein Schlachtplan: Konzerte spielen, denn Live-Erfahrung sei das wichtigste, worüber eine Band verfügen sollte. The Bravery hatten bis zu diesem Zeitpunkt noch nie vor einem Publikum gespielt.
Bereits am 25. November 2003 haben sie ihren ersten Auftritt im November 2003 im Brooklyner Stinger Club (zu dieser Zeit war von den Killers noch nichts zu hören). Im Frühjahr 2004 spielten The Bravery dann einen Gig in Arlene's Grocery/New York, der alles entscheiden sollte. Der Laden war voll von Leuten aus der Musikindustrie, die sich darum schlugen, die Band zu signen. Ende April 2004 unterschreibt The Bravery dann schließlich einen Deal bei Island/Universal.
Zwölf Monate später versuchte die Plattenfirma die Band in Europa zu testen. Mit Erfolg. In England rockten sie bereits vor Veröffentlichung ihres selbstbetitelten Debüt-Albums ausverkaufte Clubs. In Deutschland hatte man bisher nur zweimal das Vergnügen The Bravery live zu erleben. Das wird sich hoffentlich bald ändern.
Text: Jenny Schnabel
www.thebravery.com
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Foto: editorsofficial.com |
Von den britischen Musikmagazinen als The next big thing angepriesen, reiht sich eine weitere Band in die lange Kette der Hypemachinerie des UK ein. Editors heißt der neueste Post-Punk-Import von der Insel und auch wenn der Bandname geradezu nach einem "The" davor schreit, bestehen sie doch auf Editors, ohne "The"!
Seit zwei Jahren existiert die Band in der aktuellen Besetzung: Tom Smith (Gesang, Gitarre), Chris Urbanowicz (Gitarre), Russell Leetch (Bass) und Ed Lay (Schlagzeug). Der Kern der Gruppe musizierte allerdings bereits seit dem Jahr 2000 unter anderem Namen. Die Editors sind bescheiden und charmant und dies spiegelt sich auch in ihrer Biographie wieder.
So entschied sich die Band bewusst für die Zusammenarbeit mit einem Indie-Label. Die Wahl fiel dabei auf Kitchenware Records, ein vor etwa 20 Jahren bedeutendes Label für britische Popmusik, Es entstand aus dem Club The Soul Kitchen, in dessen Umfeld sich auch Bands wie New Order bewegten. 1995 schien das Label am Ende, bis es 2004 von Keith Armstrong wiederbelebt wurde. Ihm ist in erster Linie die Musik wichtig und nicht das Geld, das er mit seinen Künstlern verdient. Außerdem seien die Leute dort einfach diejenigen gewesen, die der Band am glaubhaftesten eine langfristige Zusammenarbeit zusicherten. "Wir haben jetzt die Sicherheit, dass unser Label unsere Vorstellungen teilt, wir haben völlige Kontrolle über unseren Output, und alle Leute, mit denen wir arbeiten, sind unsere Fans", teilte die Band der Intro mit.
Als Heimat geben die Editors Birmingham an, weil ihr Management dorther kommt. Obwohl dies die zweitgrößte Stadt nach London in England ist, ist es nicht gerade der spektakulärste Ort, um berühmt zu werden. Doch der Entschluss nach dem Studienabschluss nach Birmingham zu ziehen und nicht nach London, wie viele andere Musiker, hat ähnliche Gründe wie sich für die Zusammenarbeit mit einem Indie- und keinem Major-Label zu entscheiden. Die Editors wollen langsam wachsen und sich voll und ganz auf das Songschreiben konzentrieren. Und dafür ist Birmingham der perfekte Ort. "Es geht uns um ein organisches Wachstum der Band. Ich finde es nicht gut, wenn eine Gruppe auf dem NME-Cover prangt, die höchstens ein Demo und eine Single draußen hat. Eine Titelstory sollte man meiner Meinung erst dann bekommen, wenn die Platte veröffentlicht wurde. So kannst du dir doch erst sicher sein, dass du es wirklich verdienst", so Sänger Tom Smith in einem Interview.
Mittlerweile ist auch ihr Debüt-Album The Back Room erschienen, das die Band in einem kleinen Studio an der Ostküste Englands in nur drei Wochen aufnahm. "Die Idee, in das Studio zu gehen, kam von unserem A&R. Es befindet sich in einem winzigen Dorf, in dem es nur einen fürchterlichen Pub gibt. Du musst eine Stunde Autofahrt in kauf nehmen, um in die nächste Stadt zu gelangen. Diese Stadt heißt Lincoln und ist ein wirklich trostloser Ort", erzählt Gitarrist Chris Urbanowicz in einem Interview. Produziert hat das Album Jim Abriss. Die Wahl fiel auf ihn, da er bislang nur tolle Arbeiten mit guten Bands abgeliefert habe.
Die Texte auf The Back Room sind dunkel und sollen, laut Songwriter Tom Smith, gewisse Ängste beschreiben und trotzdem steckt in ihnen auch Optimismus. "Es geht hier aber mit Sicherheit nicht um die Verarbeitung irgendwelcher Kindheitsprobleme. Ich versuche einfach, die Leute mit diesen fiktiven Inhalten zu erreichen und bin mir sicher, dass eine Art Tagebuch meines Lebens niemanden interessieren würde", so Smith in einem Interview. Den Titel seines Albums erklärt der Sänger in einem Interview der Intro folgendermaßen: "Der Back Room ist ein Raum, in dem man am liebsten niemanden treffen würde. In dem man gerne für sich wäre und Zeit hätte, um zur Ruhe zu kommen. Es ist dabei egal, ob er physisch existent ist oder nur imaginär."
Vergleiche mit anderen Bands gibt es auch schon und der Name, der dabei wohl am Häufigsten fällt ist "Interpol". Doch die Editors nehmen das ganz gelassen. "Das ist eine Band, die wir alle mögen. Aber wir finden nicht, dass wir ähnlich klingen. Unser Songwriting ist direkter, unser Gesang ist anders. Während es ihnen eher darum geht, dynamische Platten zu machen, achten wir eher auf den Popsong. Aber so ist es ja immer mit den Vergleichen. Als sie aufkamen, hieß es doch überall, sie wären wie Joy Division oder die Smiths", äußerte sich Gitarrist Chris Urbanowicz in der Intro. Der Beweis also, dass Vergleiche hinken können und Namen oft nur Schall und Rauch sind.
Text: Jenny Schnabel www.editorsofficial.com
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Foto: Andrew Kendall |
Eine Story über eine Band, die nach langer Zeit mal wieder einen "Aha-Effekt" auslösen kann. Kurz überlegen, ja, The Others sind so eine Combo, Platte reinschmeißen, Recherchemaschine Rechner hochfahren, I-Net an und los geht´s. Und genau da wird klar, warum The Others wirklich anders sind: Anstelle tausender Biographien, exklusiver Interviews, Hochglanz-Pics und all jenem Brimborium, das Newcomer-Bands dieser Tage einen Platz im Popikonen-Himmel beschert, spucken Lycos, Google & Co. nur ein paar spärliche Informationen aus. Diese reichen aber aus, um festzustellen, dass die vier Londoner Lads alles andere als ein britischer 0815-Import sind.
Anstelle einer weit reichenden Band-Biographie findet sich auf der Official-Website das Pamphlet einer Generation. Warum The Others anders sind? Nun, weil sie es eigentlich gar nicht sind! Absurd? Ja und nein. Die vier gehören zur britischen Arbeiterklassenjugend. Triste Lebensverhältnisse, keine großen Zukunftsperspektiven. Ruhm erscheint irrelevant, Geld ist eine Notwendigkeit, um sich eine Woche lang über Wasser zu halten und gesellschaftliches Leben spielt sich an anderen Orten ab. Berüchtigt sein ist mehr wert als Ruhm, Aussagekraft die Essenz der Musik, Auftritte bedeuten, Konfrontation zu zelebrieren. Damit unterscheiden sie sich zunächst einmal nicht von tausenden anderer Kids aus den Suburbs.
The Others sind Helden des Proletariats, die jegliche musikalischen Einflüsse von sich weisen. Zu unterschiedlich sind die melodiösen Vorlieben der Bandmitglieder, zu vielfältig ihre Roots. Sänger Dominic Masters, Bassist Johnny, Gitarrist Jimmy Lager und Drummer Oldham schreiben über das, was sie emotional bewegt, jene Erfahrungen, die ihr Leben bestimmen. Desillusioniert, rauflustig, und dem Konsum illegaler Substanzen sicherlich nicht abgeneigt, vertreten sie ihre Einstellung zum Leben mit Leidenschaft und Stolz. Menschen, die für etwas brennen. Eine Attitüde, die nicht nur für Zustimmung sorgt, sondern auf Polarisierung abzielt.
Derartiges Gebaren ist mit Sicherheit nicht neu. Bands wie Oasis machten es seinerzeit salonfähig, Combos wie die Libertines trieben es zum Exzess. The Others grenzen sich dennoch von ihnen ab. Angefangen bei der Geschichte, die hinter der Bandgründung steht, über diverse Guerilla-Gigs bis hin zu der freundschaftlichen Beziehung zwischen Musikern und Fans weisen The Others mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten zu anderen britischen Lad-Bands auf.
So gründeten sich The Others nicht allein aus Musikbegeisterung. Vielmehr steckte Sänger Dominik in der Klemme und musste kurzfristig eine Band auf die Beine stellen. 1996 hing er in Londoner Clubs mit Musikern ab. Um nicht sein Gesicht zu wahren, behauptete er, in einer Band zu spielen. Irgendwann fragte ihn der Sänger der Parkinsons auf einem Gig nach dem Namen seiner Combo. Dominik fiel in diesem Moment nur The Others ein. So weit, so gut. Ernst wurde die ganze Sache, als die fiktiven The Others als Headliner in diversen Kneipen auftreten sollten. Schleunigst trommelte der 27jährige Sänger musikalische und trinkfeste Freunde zusammen, die nach einigen Wochen des Probens ihren ersten Auftritt bestritten: The Others waren geboren.
Der Gig vor 150 Leuten war ein durchschlagender Erfolg. Nach weiteren Auftritten folgte die erste Single For the Poor, die auf dem Label Poptones erschien und der Band den Platz 42 der britischen Charts bescherte und den Grundstein eines Albumvertrages bedeutete. Es gelang The Others sogar, 20.000 der gleichnamigen Tonträger innerhalb von 10 Wochen absetzen. Für The Others kein Grund, sich optimistisch zu zeigen. "Bis Weihnachten müssen wir weitere 20.000 verkaufen, ansonsten kann es passieren, dass wir vor dem Erscheinen des zweiten Albums durch die Plattenfirma gedropped werden. Ist alles nur noch aufs Business ausgerichtet. Anderen guten Bands, wie Ride ist es passiert, dass ihnen nach vier Alben der Vertrag aufgekündigt wurde", so Sänger Dominik Masters in einem Interview mit einem Fanzine.
Vielleicht ein Grund dafür, warum die vier Musiker ihren Job durchaus ernst nehmen und sich für innovative Auftritte entscheiden. Berühmt-berüchtigt sind mittlerweile die Guerilla-Gigs, die The Others an diversen Orten gespielt haben. Egal, ob in der Underground oder in Parks, ganz in DIY-Marnier wird auf die Schnelle ein Konzert inmitten der Londoner Innenstadt auf die Beine gestellt. Ein intensives Musikerlebnis der Extraklasse, insbesondere für Fans.
Diese werden bei The Others ohnehin großgeschrieben. Beinah genauso berüchtigt wie die Band selbst ist ihr Hardcore-Fanclub 853 Kamikaze Stage Diving Division, der seinen Namen einer Eingebung des Sängers verdankt. "Der Name ist mir gekommen, als sich Stagediver wie Kamikaze-Piloten in die Menge geschmissen haben…", bestätigte Dominik in einem Interview. Die Nähe zum Publikum wird bei The Others groß geschrieben. So ist es keine Seltenheit, dass Sänger Dominik seine Handynummer auf Partys verteilt. Der Kontakt zu den Fans ist wichtig. Insbesondere, wenn die vier Jungs dadurch etwas bewegen können. In einem Interview erklärte der 27jährige, durch persönliche Gespräche sogar einen Typen dazu bewegt zu haben, wieder die Schulbank zu drücken oder ein Mädchen zu unterstützen, das vor dem Problem einer Abtreibung stand.
Die Rock-n-Roll-Raufbolde The Others als Messias einer Generation, als Heilige der Arbeiterklasse? Nicht ganz, aber Menschen durch Musik oder die ein oder andere gute Tat unterstützen zu können, ist für Dominik eine großartige Sache. Vor allem, wenn es dabei um Alltagsprobleme geht, die er und seine Mitstreiter nur allzu gut kennen, die ihn dazu bewegen, über das zu schreiben, worüber er schreibt: Liebe, Hass, Enttäuschung, Angst, Drogen, Verlust und Tod, politische Ungerechtigkeit und den Kampf für das eine gute Leben. Worte und Melodien, die die Gefühle einer ganzen verloren Generation auszudrücken vermögen, eben weil The Others ein Teil davon sind. Keine Hochglanz-Pop-Ikonen, keine "Mister Saubermänner", sondern die verlotterten Jungs aus der Arbeiterklasse, die der Welt die Wahrheit ins Gesicht schreien. Mit einer Inbrunst und einer Leidenschaft, die nur Außenseiter verstehen. The Ohters zeigen, wie dicht Abgrenzung und Partizipation manchmal beieinander liegen.
Text: Katja Embacher
www.theothers.com www.letskilltheothers.com
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Foto: universal-rock.de |
Borlänge in Mittelschweden im Sommer 1998: Der zwölfjährige Victor Norén und sein zwei Jahre älterer Bruder Carl treffen sich jeden Nachmittag mit ihrem Freund Kristian Gidlund, der gerade ein Schlagzeug bekommen hatte und spielen Live forever von Oasis nach. "Es klang genau wie das Original und wir dachten: 'Mein Gott sind wir gut, wir müssen unbedingt eine eigene Band gründen!'" so Victor in einem Interview. Und das taten sie dann auch zusammen mit Jonas Karlsson (Lead Gitarre) und David Hebert (Bass, Orgel) aus der Nachbarschaft. Victor und Carl fingen nun an selbst Songs zu schreiben und nach kurzer Zeit waren Sugarplum Fairy in ihrer Heimatstadt die lokalen Helden. In Interviews behauptet das Quintett, wie ihre großen Vorbilder, besser zu sein als die Beatles.
Sie hatten sich in den Kopf gesetzt, solange live zu spielen, bis sie jemand entdeckt. Und schließlich nahm Sony die Band für Schweden und Japan unter Vertrag und Universal tat das gleiche für Deutschland, ohne dass sie jemals ein Demotape von Sugarplum Fairy in den Händen gehabt haben. Nun ließ der Erfolg auch nicht mehr lange auf sich warten. Bereits die Debüt-EP Stay Young schaffte es in die schwedischen Top 20 und auch die darauf folgende Single Sweet Jackie gelang der Sprung bis in die Top 30. Der Videoclip dazu blockierte wochenlang die Top 5 der MTV Nordic Charts. "Klar klingt unser Song 'Sweet Jackie' nach Oasis. Aber er ist keine Kopie, sondern ein Tribut. Ein Tribut nicht nur an Oasis, denn die bedienen sich schließlich wieder selbst bei den Beatles. Das ist eine lange Kette, in der wir ein weiteres Glied sein möchten." so der Sänger in einem Interview.
Neben Oasis orientieren sich Sugarplum Fairy auch an den großen Bands Englands der 60er wie beispielsweise den Beatles. Victor: "Ich bin mit den Beatlesplatten meiner Eltern groß geworden. Als ich die mit sechs oder acht Jahren hörte, wusste ich nicht mal, dass die sich längst getrennt hatten. Ich dachte, das wäre eine aktuelle Band." Ihren Namen verdanken Sugarplum Fairy ebenfalls den Fab Four. In einer Demoversion von A Day In The Life sang John Lennon nämlich die Worte sugarplum fairy. Die fünf Jungs hörten das und schon hatten sie einen Namen für ihre Band.
Im Mai erschien ihr Debüt-Album Young & Armed. Zur Zeit spielen Sugarplum Fairy ihre erste eigene Headliner-Tour durch Skandinavien und kommen im Dezember auch für zwei Termine nach Deutschland. Vorher supporten sie aber noch Mando Diao, die Band von Victors und Carls großem Bruder Gustaf Norèn auf ihrer Japan-Tour.
Text: Jenny Schnabel
www.sugarplum.de
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Aktualisierung: 23.05.2010
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"The snow might fall and write the lines on the silent page"
Suede
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Paul Weller
18.05.10 Köln
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