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YEAHBUTNOW!: "Mal zum Schwitzen, mal zum Schwelgen"




Foto: Jan P. Schreiber

Indierock im britischen Stil aus dem Herzen des Ruhrgebiets. Yeahbutnow! fabrizieren einen Sound, der ziemlich nach den Kollegen von der Insel klingt: Manchmal ein wenig nach The Kooks und manchmal ein wenig nach The Rifles, jedoch auch nach einer Band, die hörbar um eine individuelle Soundnote bemüht ist.

Im verregneten Sommer 2007 fanden sich Joachim Haupt (Gitarre, Gesang), Nils Frankenberg (Gitarre), Jens Mitscherling (Bass) und Florian Dickel (Schlagzeug) zum gemeinschaftlichen Musizieren zusammen und widmeten sich dem Schreiben der ersten eigenen Songs. Das Ergebnis war die selbstbetitelte Debüt-EP, die komplett in Eigenregie produziert wurde und im Januar 2008 erschienen ist. Hiermit schaffte die Band sogar die Aufnahme in die Förderung der VW Soundfoundation.

Erneut in Eigenregie produziert folgte ein Jahr später die zweite Veröffentlichung Notes. Auf der 5-Track-EP verbinden Yeahbutnow! energischen Indie-Rock und melancholisches Songwriting und schaffen so eingängige Melodien, die ins Ohr gehen. Textlich dreht sich alles um die kleinen Situationen des Alltags und die großen Gefühle.



POPCONNECTION: Wie habt Ihr zueinander gefunden und angefangen zusammen Musik zu machen?

Nils: Unser Sänger Joachim war noch als Bassist in einer anderen Band tätig, als er begann, an ersten eigenen Songentwürfen zu basteln. Es dauerte nicht lange, bis er beschloss, sein eigenes Projekt zu starten und eine Band zu gründen. In einem Internetportal traf er auf unseren Bassisten, Mitch. Flo, ein alter Schulfreund, besetzte die Drums. Und während eines wenig begeisternden Konzertbesuchs traf Joachim auf mich (Gitarrist). Uns beiden gefiel nicht besonders, was wir da hörten. Also unterhielten wir uns vor der Konzerthalle über die eigenen Musikvorlieben und trafen uns schließlich zu viert in einem Proberaum wieder. Richtig los ging es dann im Mai 2007.


POPCONNECTION: In Eurer Bandinfo steht, dass sich Eure Songs zwischen energischem Indie-Rock und melancholischem Songwriting mit Folk-Referenzen bewegen. Was genau kann man sich darunter vorstellen? Wer oder was sind eure Einflüsse?

Nils: Es stellte sich bei uns eigentlich schon früh heraus, dass der Einsatz von Stromgitarre und Vox-Verstärker nur eine Seite der Band sein konnte. Wir hatten von Beginn an einen Hang zu eingängigen Melodien, und so war der Griff zur Akustikgitarre nicht abwegig. Einmal stand unser Sänger Joachim plötzlich mit einer Mundharmonika im Proberaum, sie wurde gleich in einen Song eingebaut. Einen Song im 3/4 Takt zu spielen oder ein Glockenspiel zu benutzen trägt sicher auch dazu bei, dass Folk-Referenzen gezogen werden. So entstehen bei uns Songs mit zwei Seiten: Mal zum Schwitzen, mal zum Schwelgen. Insgesamt lässt sich aber wohl immer der Einfluss des britischen Indie-Rock ausmachen.


POPCONNECTION: Ihr habt mit "Yeahbutnow!" und "Notes" zwei EPs herausgebracht. Wie sind die Resonanzen bislang darauf gewesen?

Nils: Es gab für die EPs erfreulicherweise viel positives Feedback. So etwa von diversen Förderprogrammen, denen die EPs ja auch immer als Bewertungs- und Auswahlkriterium dienen. Das direkte Feedback der Zuhörer ist natürlich auch enorm wichtig. Es freut und motiviert uns ungemein, wenn uns jemand schreibt, dass wir ihn mit der neuen EP ein Stück mehr begeistern konnten.


POPCONNECTION: Ihr habt es in die Förderung der VW Soundfoundation geschafft. In wie weit hat Euch das als Band weitergebracht?

Nils: Als uns VW in ihre Soundfoundation-Familie aufgenommen hat, gab es uns erst seit knapp einem Jahr. Das hat uns natürlich zusätzlich motiviert. Außerdem hat man im Rahmen der Förderung mit hochqualifizierten Leuten der Branche zu tun. Die gaben tiefe, aufklärende Einblicke in wirtschaftliche und rechtliche Seiten des Business, von denen wir wirklich profitiert haben. Der gestellte Tourbulli und die Vermittlung von einzelnen Auftritten sind eine organisatorische Erleichterung. Und der Austausch mit den anderen Bands der Förderung brachte nicht nur viele neue Ideen, sondern fast auch eine leere Hotelbar.


POPCONNECTION: Habt Ihr das Gefühl, dass es heutzutage schwieriger geworden ist, als Newcomer-Band auf sich aufmerksam zu machen?

Nils: Das ist wirklich schwer zu beurteilen. Natürlich ist es auf der einen Seite heutzutage einfach, sich durch Internetseiten wie z.B. MySpace einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Mit relativ einfachen Mitteln kann man mittlerweile auch ohne großes Studio kostengünstig das eigene Songmaterial in akzeptabler Qualität aufnehmen. Aber genau darin liegt auch der Nachteil. Man ist nur eine Band unter Vielen, die diese Möglichkeiten hat. Alleinstellungsmerkmale und charakteristische Eigenschaften sind von daher vermutlich noch wie vor 20 Jahren die Grundvoraussetzungen um sich einen Namen zu machen.


POPCONNECTION: Ihr seid unter die fünf Finalisten des "Proberaum goes Rock am Ring 2009"-Wettbewerbs gewählt worden. Enttäuscht, dass Ihr das Finale nicht gewonnen habt oder einfach glücklich, so weit gekommen zu sein?

Nils: Natürlich ist es irgendwie schade, wenn man als Zweiter nur ganz knapp einen Auftritt auf der Alternastage bei Rock am Ring verpasst hat. Da das Konzert in Oberhausen an sich jedoch der absolute Wahnsinn war, sind wir nicht wirklich enttäuscht. Die Halle war komplett gefüllt und die Stimmung war gigantisch. Der Gig zählt mit Sicherheit zu den bisherigen Highlights unserer Bandgeschichte.


POPCONNECTION: Wie sehen Eure Pläne für die Zukunft aus?

Nils: In sehr naher Zukunft ist die Veröffentlichung einer neuen Single geplant. Die Aufnahmen dazu sind fast abgeschlossen. Zu dieser Single wird dann auch unser erstes Musikvideo erscheinen. Für den Herbst ist ein großer Unplugged-Gig angedacht und natürlich weiterhin viiiele Konzerte!


POPCONNECTION: Vielen Dank für das Interview!



Interview: Jenny Schnabel

20. Juli 2009 / E-Mail

Myspace: www.myspace.com/yeahbutnow

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SUNDAY CHOCOLATE CLUB: "Geprobt wird immer am Sonntag"




Foto: Pressefoto

Sunday Chocolate Club sind Kai Hülsmann (Gesang und Gitarre), Hannes Künsebeck (Bass) und Jan Strickmann (Schlagzeug). 2005 hat sich das Trio aus Bielefeld und Münster gegründet, das als Einflüsse Bands wie Maximo Park, Kaiser Chiefs und Franz Ferdinand nennt. Das lässt sich durchaus unterschreiben, denn hier hört man schrammelige Gitarren, ein treibendes Schlagzeug, hier und da leichte New Wave-Anleihen und darüber ein ausdrucksstarker Gesang im britischen Stil. Mit New Addiction haben Sunday Chocolate Club mittlerweile auch eine 5-Track-EP am Start.


Popconnection: Eure Band gibt es seit 2005. Wie habt ihr zusammen gefunden?

Kai: Alles begann schon viel früher – 2002 – mit der Gründung der Band The Purse. Hier fanden sich über Zeitungsannonce schon die zwei Gitarristen (Uwe Kadritzke und Kai Hülsmann) der späteren Band Sunday Chocolate Club. Nachdem sich die Band The Purse 2004 aufgelöst hatte gründeten die verblieben Gitarristen zusammen mit dem Bassisten (Hannes Künsebeck) und dem Schlagzeuger (Jan Strickmann) der Band Twist den Sunday Chocolate Club im Frühjahr 2005. Hier fand man sich über den Freundeskreis von Uwe.


Popconnection: Wieso eigentlich der Bandname Sunday Chocolate Club?

Kai: Ein großes Mysterium! Also, geprobt wird immer am Sonntag und dabei gibt's immer lecker Schokolade. Den Rest kann man sich wohl denken...


Popconnection: Auf eurer Myspace-Seite nennt ihr u. a. Bands wie Maximo Park, Kaiser Chiefs und Franz Ferdinand als Einflüsse. Wie würdet ihr eure Musik beschreiben und wie viel steckt von oben genannten Bands in Sunday Chocolate Club?

Kai: Wir wurden streckenweise sicherlich stark beeinflusst, da wir zum Teil die genannten Bands viel hören bzw. gehört haben. Aber immer versuchen wir auch unseren eigenen Sound zu entwickeln, der sich von diesen Vorbildern zumindest teilweise löst. Wir nennen unseren Stil gerne Indie-Rock'n'Roll – das trifft es aus unserer Sicht am besten.


Popconnection: Durch welche nicht-musikalischen Einflüsse von außen werden eure Songs geprägt?

Kai: Unsere Texte behandeln die klassischen Themen, wie Sehnsucht, Liebe und das Leben an sich – so fließen oft Erlebnisse aus eigenen Beziehungen und Erlebnisse in unsere Songs ein.


Popconnection: War es für euch jemals ein Thema, ob ihr in Deutsch oder lieber in Englisch singen solltet?

Kai: Wir haben wirklich eine Zeit lang versucht deutsche Lieder zu schreiben. Leider haben uns die Ergebnisse nicht zufrieden gestellt. Deutsche Lieder mit Themen wie Liebe wirken leider schnell kitschig. Darum haben wir wieder auf Englisch umgesattelt. Heute haben wir nur noch einen Song im Repertoire, in dem wir den Refrain auf Deutsch singen.


Popconnection: Ihr kommt aus Bielefeld und Münster. Wie stark seid ihr mit der Musikszene bzw. anderen Bands aus Münster vernetzt?

Kai: Leider ist durch die räumliche Trennung der Wohnorte der Bandmitglieder nie eine wirkliche Vernetzung zur Szene in Bielefeld oder Münster entstanden. Immerhin hatten wir in Münster immer wieder das Glück von den Veranstaltern wiederholt eingeladen zu werden. So waren wir ganze fünf Mal zu Gast bei Ellen im Picknick Park und Eavo vom Amp hat uns auch schon zweimal eingeladen.


Popconnection: Was macht ihr im Leben außerhalb der Musik?

Kai: Hannes (Bass) ist Programmierer. Jan (Drums) macht gerade sein Referendariat – ist dann bald Grundschullehrer und ich (Gitarre und Vocals) bin freiberuflicher Produktdesigner in Münster. Uwe (2. Solo-Gitarre) ist leider zu Beginn des Jahres ausgestiegen.


Popconnection: Welche Ziele habt ihr als Band? Was möchtet ihr noch erreichen?

Kai: Wir wollen alles mitnehmen was kommt. Im Herbst oder Winter wollen wir ein weiteres Mal ins Studio für eine neue EP. Das machen wir wahrscheinlich dann bei Tobias in der Notaufnahme in Münster. Nächstes Jahr werden wir dann versuchen noch mal etwas mehr zu touren und mehr Festivals zu spielen. Lassen wir uns überraschen.


Popconnection: Vielen Dank für das Interview!

Kai: Wir danken dir!



Interview: Jenny Schnabel

11. Juli 2009 / E-Mail

Website: www.sundaychocolateclub.de
Myspace: www.myspace.com/sundaychocolateclub

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THE FOG JOGGERS: "Nach einigen Zugaben sind die Leute einfach
komplett ausgerastet"




Foto: Pressefoto

The Fog Joggers sind eine 4-köpfige Band aus Krefeld, die bereits seit 2006 die Bühnen mit ihrem "60s-Indie Blues'n'Roll"-Sound bespielt. Obwohl sie allesamt erst Anfang 20 sind, klingt ihre Musik sehr erwachsen, und liefert den passenden Sound für Abende in verrauchten Clubs. Dass die Jungs alle Platten der Beatles und Stones im Schrank stehen haben, spiegelt sich unüberhörbar in ihrer Musik wider. Dennoch schaffen es Jan Büttner (Gitarre, Gesang), Christian Peitz (Klavier, Orgel, Gesang), Stephan Selbach (Bass, Akustikgitarre) und Ben Kronski (Schlagzeug) dem verstaubten Sound ihrer Vorbilder aus den 60ern neues Leben einzuhauchen.
Nach einem Demo-Album und einer Demo-EP, haben die Vier Ende November 2008 ihre erste Single mit dem Titel Autumn Girl herausgebracht, die man in renommierten Online-Plattenläden bekommen kann.


Popconnection: Wie habt ihr als Band zueinander gefunden?

Jan: Wir kommen alle vier aus der Gegend um Krefeld. Jeder spielte vor den Fog Joggers schon in den verschiedensten Bands. Dort hat man sich kennen gelernt, auf Festivals und diversen Konzerten.
Ende 2006 beschlossen Christian und ich dann eine neue Band zu gründen. Wir spielten vorher schon gemeinsam und wollten dann etwas neues starten. Schnell stand fest, dass mit Stephan, einem der begabtesten Bassisten der Region, der dritte Mann an Board war. Ca. anderthalb Jahre spielten wir dann Konzerte mit einem alten Schulfreund am Schlagzeug und seit ca. einem halben Jahr spielt nun Ben Kronski bei The Fog Joggers. Auch er war schon vorher mit einer Krefelder Band unterwegs.
Wir haben alle vier ähnliche musikalische Hintergründe und so entstand auch schnell der sog. "Indie-Blues'n'Roll"-Sound.


Popconnection: Wer ist bei euch fürs Songschreiben verantwortlich?

Jan: Hauptsächlich schreiben Stephan und ich die Songs. So schrieb z.B. ich die Single Autumn Girl und Stephan, Track No. 2 auf der Single, Saturday Night. Jedoch beschäftigen wir uns alle entweder gemeinsam oder jeder für sich mit Songwriting. So kann es auch oft passieren, dass Songs einfach in gemeinsamen Sessions im Proberaum entstehen.


Popconnection: Worüber handeln eure Lieder?

Jan: Ganz allgemein gesagt beschreiben unsere Song erst einmal alle denkbaren Lebenslagen- und Situationen. Natürlich spielen auch Frauen eine große Rolle in unseren Texten, ebenso wie eine oft recht ironische Beleuchtung des alltäglichen Chaos. Wir sind sicherlich keine Band mit großen politischen Statements oder revolutionären Lyrics, jedoch sind alle Songs sehr persönlich und genau so gemeint, wie sie gesungen werden.


Popconnection: Ihr bezeichnet eure Musik als "60s-Indie-Blues'n'Roll. Was genau kann man sich darunter vorstellen?

Jan: Dieser, unser Sound, der von vielen so bezeichnet wird und wurde, entstand eigentlich von ganz alleine. Wir alle vier haben sämtliche Platten der Beatles, Doors oder Stones im Schrank und fühlen uns allgemein in der Musik der 60s sehr zuhause. Einen großen Teil trägt natürlich Kikis knatternde Orgel und meine bluesige, kratzige Stimme dazu bei.
Allerdings wirkt dieser natürlich schon etwas in die Jahre gekommene, leicht verstaubte Sound bei uns immer doch frisch und leicht modern, durch unentwegte Tanzbarkeit.
So kann man sagen, wir schreiben Songs, die auch uns zu Partygästen unserer Konzerte machen, weil sie zum einen einfach Spaß machen zu spielen und zum anderen einfach eine unglaubliche Energie von den Zuhörern zurückkommt. Diese Mischung macht es wahrscheinlich.


Popconnection: Ihr habt Ende November die Single „Autumn Girl“ veröffentlicht. Welche Resonanz habt ihr bis jetzt darauf bekommen?

Jan: Das stimmt. Es ist jetzt ca. ein Monat seit dem Release vergangen und wir haben tatsächlich schon einige sehr positive Resonanzen bekommen.
Unglaublich ist natürlich, dass schon recht viele Radiostationen überall in Deutschland unsere Songs spielen wollten. Das ist schon ein ziemlich gutes Gefühl auf einmal die eigenen Songs im Radio zu hören. So was ist uns halt vorher noch nicht passiert. Ist ja schließlich auch die erste Single. ;-)
Wie wir letzte Woche erfahren haben, spielt sogar ein kleiner Radiosender in den USA unseren Song Autumn Girl, was natürlich auch ein wahnwitziges Gefühl hervorgerufen hat...
Die beste Resonanz war aber natürlich die, dass zu unserer Release-Party im Krefelder Magnapop weit über 100 Leute kamen, die einfach Bock hatten uns zuzuhören. Einfach schön zu wissen, dass sich einige Leute ebenso auf die Platte gefreut haben, wie wir selber.


Popconnection: Welchen eurer bisherigen Auftritte werdet ihr nie vergessen? Und warum?

Jan: Eigentlich gibt es wahrscheinlich zwei speziell zu nennen. Zum ersten war das Anfang 2007, unser zweiter Gig überhaupt, in Hamm. Wie gesagt, wir standen zum zweiten mal überhaupt gemeinsam auf der Bühne, als erste von drei Bands.
Und nach einigen Zugaben, die wir spielen durften, sind die Leute einfach komplett ausgerastet. Sie wollten Autogramme, Sticks, Plecs, alles was sie bekommen konnten. Wir waren anfänglich natürlich ein bisschen zwiegespalten, weil wir irgendwie nicht wussten, ob sie uns verarschen wollten oder es wirklich ernst meinten. Scheinbar meinten sie es ernst und so sind wir natürlich ziemlich euphorisch und mit einem etwas breiteren Kreuz nach Hause gefahren.
Dann war da noch ein Konzert, was uns wahrscheinlich noch länger in Erinnerung bleiben wird. Das war im Oktober diesen Jahres bei der Tönisvorster Rocknacht, einem Festival in der Nähe von Krefeld. Wir hatten wir Ehre dort als Headliner aufzutreten und als wir auf die Bühne kamen standen plötzlich ca. 800 erwartungsvolle Leute vor uns. Sie sangen die Songs mit, tanzten und kreischten und machten den Abend zu einem wirklich unvergesslichen!


Popconnection: Wie sieht's mit eurer Fanbase aus. Gibt's da bereits Leute, die regelmäßig auf eure Konzerte kommen?

Jan: Auf jeden Fall. Wir sehen schon, dass sehr oft immer die gleichen Leute in der ersten Reihe stehen, was natürlich wunderbar ist. Es gibt, wie gesagt, sogar tatsächlich den/die eine(n) oder andere(n), der/die teilweise textsicherer als ich selber mitsingt.


Popconnection: Welche aktuellen Bands findet ihr cool, und warum?

Jan: Da gibt es tatsächlich sehr viele, die wir richtig gut finden. Da wären vielleicht Kings Of Leon, The Coral, Oasis, um mal ein paar zu nennen. Das sind Bands, die wirklich über Jahre extrem gute Musik gemacht haben und immer noch machen!
Aber es gibt wirklich viele Alben, die wir ständig hören und uns immer begleiten.
Wenn es einen berührt und einfach anspringt, dann ist es ja auch irgendwie egal, aus welchem Genre die Musik kommt.


Popconnection: Was haltet ihr von der deutschen Musikszene?

Jan: Naja, also zu dem Thema kann man natürlich auch zweigeteilt sein. Zum einen fassen wir uns an den Kopf, wenn wir lesen, dass ein Mann mit Mundharmonika die deutschen Album-Charts umkrempelt oder die 23842346. "Juli-Kopie" auf EinsLive rauf und runter gespielt wird.
Allerdings muss man sagen, dass es in Deutschland unfassbar viele gute Musiker gibt. So viele unglaublich gute, junge Bands reisen durch die Republik.
Das sieht man auch in unserer Heimatstadt Krefeld und Umgebung, wo es einige Combos gibt, von denen man wahrscheinlich in Zukunft einiges auch außerhalb des Stadtgebiets hören wird.


Popconnection: Was sind eure Pläne für's neue Jahr?

Jan: Konzerte, Konzerte und Konzerte. Das ist natürlich oberstes Ziel. So viele Gigs wie möglich zu spielen, um unsere Musik so vielen Leuten wie möglich vorzuspielen.
Allerdings werden wir auch einige Zeit im Studio verbringen, um im Frühjahr 09 unser Debütalbum fertig zu stellen. Man darf gespannt sein; wir sind es auch! ;-)


Popconnection: Vielen Dank für das Interview!



Interview: Natalie Terstiege

19. Dezember 2008 / E-Mail

Myspace: www.myspace.com/thefogjoggers

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THE KOSMOS: "Meine größten Einflüsse kommen aus den 60ern"




Foto: Pressefoto

Wieder einmal beschert uns England eine großartige Rockband, ihr Name: The Kosmos. Die Band (Andrew Crayford, Dave Carmichael, Toryn Westcott und Chris Speechley) mit Sitz in London wurde im Jahr 2005 gegründet. Ihre Musik ist ein einzigartiger Stil aus 60er Jahre inspiriertem Indie-Pop.
Durch Myspace haben The Kosmos mittlerweile einen weltweiten Bekanntheitsgrad erreicht, und hoffen nun auch in Deutschland Fuß zu fassen. Sie haben bereits ein Album Here It Comes digital veröffentlicht, welches nur darauf wartet auch bald als CD von einem Plattenlabel herausgebracht zu werden.
Der Songschreiber von The Kosmos ist Andrew Crayford. Er begann Songs zu schreiben als er gerade mal 11 Jahre alt war. In seinen Liedern verbindet er verschiedene Musikstile, wie Indie, Folk, Pop und Psychedelic Rock, was den Hörer auf viel Abwechslung hoffen lassen kann.

Andrew Crayford stand uns für ein Interview zur Verfügung. Er erzählt von seinen Songs, Einflüssen und dem Leben als Musiker.


Popconnection: Wie habt ihr euch kennen gelernt?

Andrew: Wir trafen uns bei einem Musik Event, wo wir noch in anderen Bands auftraten. Wir verstanden uns auf Anhieb wirklich gut und beschlossen zusammen zu jammen...der Rest ist Geschichte.


Popconnection: Wovon handeln eure Songs?

Andrew: Meine Songs handeln von persönlichen oder emotionalen Erfahrungen. Songs wie Save Me sind über das Gefühl verloren, verwirrt und nebensächlich zu sein, und dem Hoffen, dass jemand dies merkt und mich davor rettet. Es ist ein Bitten um Hilfe. Viele unserer Fans haben uns erzählt, dass sie sich da sehr stark mit identifizieren. Jeder Song hat ein anderes Thema, aber ich finde, dass ich nur über Dinge schreiben kann, welche wirklich da sind. Also sind die Songs wie eine Art Selbst-Untersuchung meines Glaubens oder Beobachtungen von Ideen anderer Leute.


Popconnection: Wer oder was sind eure größten Einflüsse?

Andrew: Meine größten Einflüsse kommen aus den 60ern, mit Bands wie The Kinks, The Beatles, The Who, Small Faces, Young Rascals und den souligen Sounds von Motown, Stax and Atlantic. Einflüsse kommen auch von späten 70er New Wave/Punk/2-tone Bands wie The Jam, The Clash, The Special, The Beat...


Popconnection: Ihr habt gerade euer Album Here It Comes digital veröffentlicht. Wie oft wurde es schon von eurer Webseite und Itunes runtergeladen?

Andrew: Here It Comes bekommt großartiges Feedback von unseren Fans, die es runter geladen haben. Aber wir werden das Album nicht vor dem nächsten Jahr offiziell veröffentlichen. Wir bekommen viele Anfragen von großen Plattenfirmen. Wir werden also noch warten bis wir einen Plattenvertrag mit einem dieser Label unterschreiben und es dann mit all der Vermarktung und Öffentlichkeitsarbeit raus bringen, die uns so ein großes Label bieten kann.


Popconnection: Ihr wurdet kürzlich als "The Most Popular Unsigned Band On Myspace" bezeichnet. Hat euch das Türen geöffnet?

Andrew: Die Tatsache, dass wir als "The Most Popular Unsigned Band On Myspace" bezeichnet wurden, hat uns keine Türen geöffnet. Es ist die Qualität der Songs und unsere harte Arbeit sich mit Leuten aus der ganzen Welt zu verknüpfen, was uns all die Möglichkeiten gebracht hat. Wir machen immer noch alles unabhängig und haben kein Management oder eine Plattenfirma, die uns momentan helfen würde. Also sind all die Dinge, die wir erreicht haben, ziemlich bemerkenswert für eine Band, die nicht unter Vertrag steht.
Wir wurden von dem Promoter und Top-Musikvideo-Regisseur Peter Lippman, der uns auf Myspace fand, eingeladen 2009 in den größten Arenen der USA zu spielen. Seine Referenzen beinhalten Bruce Springsteen, Michael Jackson, Phil Collins.
Tom Waits hat uns ebenfalls auf Myspace gefunden, und war so beeindruckt, dass er uns angeboten hat, bei unserem Musikvideo zu So In Love Regie zu führen.
So in love wurde auch auf der amerikanischen CD Compilation Dig Music Vol 1 veröffentlicht, welche von "Harvest Music" produziert wurde, die uns ebenfalls auf Myspace gefunden haben.
Myspace ist nur ein Marketing-Werkzeug, das beweisen kann, ob eine Band wirklich bei den Hörern beliebt ist. Aber um wirklich erfolgreich zu sein, muss eine Band qualitative Songs haben und auch ein Management und eine Plattenfirma zur Unterstützung. Darum ist es zwingend notwendig, dass wir jetzt diese Unterstützung bekommen.


Popconnection: Wie schwer ist es für euch in Großbritannien Aufmerksamkeit zu bekommen, inmitten vieler talentierter Bands?

Andrew: Es ist sehr schwer in Großbritannien Aufmerksamkeit zu bekommen, weil es dort so viele Bands gibt. Dieses Problem haben wir woanders in der Welt nicht. Dort werden wir eingeladen auf großen Festivals zu spielen und kriegen all die großartigen Möglichkeiten, wovon die meisten anderen Bands nur träumen. Wir werden rund um die Welt hoch angesehen, aber in unserem eigenen Land bekommen wir nicht die Aufmerksamkeit, die wir glauben zu verdienen.


Popconnection: Ihr habt vor kurzem ein Video zu So In Love gedreht. Könnt ihr uns ein bisschen mehr darüber erzählen? Wie entstand das Video?

Andrew: Wir wollten ein Video für So In Love machen, aber da wir unabhängig sind hatten wir nicht die finanziellen Mittel, um ein professionelles Video zu produzieren. Ich dachte es sei eine gute Idee auf Myspace zu inserieren, um eine Video-Produktionsfirma zu finden, die gewillt wäre das Video kostenlos für uns zu drehen. "Keyhole Productions" aus Liverpool haben uns kontaktiert, um uns ihre Dienste für minimale Kosten anzubieten, was ich wirklich sehr großzügig von ihnen fand. Zwei Tage später kontaktierte mich Peter Lippman und bot sich als Regisseur für das Video an. Ich war wirklich erstaunt, dass jemand, der international so hoch angesehen ist, uns seine Dienste anbot. Peter sagte, er denkt, dass So In Love einer der besten Songs sei, die er jemals gehört habe und sehr gerne Teil des Projekts sein würde.


Popconnection: Ihr werdet nächstes Jahr als Vorband für Ian Brown in den USA touren. Worauf freut ihr euch am meisten wenn ihr dort spielt?

Andrew: Worüber ich mich am meisten freue in den USA zu touren ist es, all die Fans zu treffen, die wir über unsere Myspace-Seite als Freunde kennen gelernt haben. Viele von ihnen haben uns so sehr unterstützt und werden lebenslang unsere Freunde bleiben. Sie alle freuen sich wirklich, dass wir uns die Zeit nehmen mit ihnen ganz normal von Mensch zu Mensch zu reden. Sie sagten uns, dass die meisten Bands niemals mit ihnen reden würden. Für mich geht es bei Musik darum, die Menschen zu erreichen und zwar auf die Weise, die uns möglich ist, da es ein Privileg ist Musiker und Künstler zu sein.


Popconnection: Was war euer bester Auftritt bis jetzt?

Andrew: Unser größter Auftritt bisher war beim Festival in Dorset, England. Das Publikum war total verbunden mit den Emotionen unserer Songs. Wir konnten es in ihren Gesichtern sehen, was es noch großartiger für uns machte. Wenn du diese Synergie zwischen der Band und den Zuschauern erreichst, ist es das größte, was du jemals als Musiker erfahren wirst.


Popconnection: Was macht ihr Jungs außer Musik zu machen?

Andrew: Als Independent Band musst du dich um deine eigene Promotion und alle geschäftlichen Angelegenheiten selbst kümmern, also bleibt wenig Zeit, um etwas anderes außerhalb der Musik zu machen. Wir alle mögen Kunst, Filme und das "Fringe Independent Theater". Leute zu treffen aus verschiedenen Ländern und Kulturen rund um die Welt und Ideen zu teilen. Das ist was ich am meisten genieße, weil es das ist, was mich am meisten inspiriert hat ein Songschreiber und Musiker zu werden.

Popconnection: Vielen Dank für das Interview!

Andrew: Wir danken auch für das Interview und für eure Unterstützung! Warme Grüße von uns allen.



Interview: Natalie Terstiege

06. November 2008 / E-Mail

Website: www.the-kosmos.com
Myspace: www.myspace.com/kosmos7

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SIR TOBY: "Wichtig ist einfach: Spielen, spielen, spielen!"




Foto: Pressefoto

Sir Toby sind ein Trio aus Mainz, das sich anschickt, der Deutschen Musiklandschaft zu beweisen, dass guter Indie-Pop nicht zwangsläufig aus Großbritannien kommen muss. Philipp Hofsäß (Gesang/Gitarre), Florian Sibum (Gitarre) und Julius Zimmermann (Bass) können es durchaus mit Bands wie den Eight Legs oder den Pigeon Detectives aufnehmen. Ein energetischer und druckvoller Sound, der zwar an die Jungen Wilden des UK erinnert, ohne jedoch zu kopieren.
2007 als Quartett gegründet, machen Sir Toby nach dem Ausstieg ihres Drummers Jan Groß derzeit zu dritt weiter. Nach knapp einem Jahr Bandgeschichte veröffentlichen die mit Extended Player ihre erste EP, die über Motor Digital vertrieben wurde. Mit Bookshelf steht nun das brandaktuelle Five-Track-Werk der Band in den Startlöchern und wartet darauf, gehört zu werden.


Popconnection: Anfang des Monats habt ihr eure zweite EP Bookshelf veröffentlicht. Habt ihr darauf schon Resonanzen bekommen und wenn, wie sind diese ausgefallen?

Philipp: Wir haben vor der VÖ ein Pre-Listening gemacht. Dafür haben wir eine passwortgeschützte Seite kreiert und haben ausgewählten Leuten den Log-In geschickt und sie darum gebeten, eine Resonanz zu schreiben. Wir haben auch einige E-Mails gekriegt, die sehr positiv waren. Schlechte haben wir nicht bekommen. Es ist natürlich auch klar, dass nicht jeder etwas schreibt, aber viele haben sich wirklich die Zeit genommen und das fand ich sehr schön.


Popconnection: Eure erste EP habt ihr über Motor Digital veröffentlicht. Warum erscheint die aktuelle jetzt nicht dort oder plant ihr einen Release bei Motor Digital?

Philipp: Das weiß ich jetzt noch nicht. Bei Motor Digital ging es darum, dass man die EP bei I-Tunes und Musicload kaufen kann. Was jetzt mit der neuen EP passiert, ob man die erst mal nur bei uns direkt kaufen kann oder ob es auch bei Motor Digital veröffentlicht wird, das kann ich noch nicht genau sagen.


Popconnection: Physisch ist aber schon etwas geplant? Also ihr sucht auch ein Label? Oder ist für dich der digitale Vertrieb die beste Lösung?

Philipp: Wir suchen auf jeden Fall ein Label. Das soll jetzt erst mal eine Vorproduktion sein, ein kleiner Auszug, aus dem, was wir haben. Ich hoffe, dass wir damit jetzt vielleicht jemanden finden, der uns ein bisschen unter die Arme greift. Gerade was Beziehungen zu irgendwelchen Menschen betrifft, die ein wenig was zu sagen haben. Man muss halt erst mal in diesen Kreis der Indie-, Pop- und Rockmusik reinkommen und dazugehören. Ein bisschen wenigstens. Das wäre schon schön.


Popconnection: Ihr habt die EP Bookshelf im Super T.o.n. Studio in Taunusstein aufgenommen. Warum habt ihr euch dazu entschlossen, das dort zu machen?

Philipp: Wir haben im Februar den Thomas (Anm. d. Red.: Inhaber des Super T.o.n. Studios und Drummer bei Cloudberry) kennen gelernt, als Cloudberry im Jazzkeller in Hofheim gespielt haben. So ist der Funke übergesprungen, dass wir uns supergut verstehen. Aus einer Arbeitsgemeinschaft wurde dann irgendwann Freundschaft. Da war es dann irgendwie nahe liegend, das beim Thomas zu machen. Vor allem, weil wir auch während des Aufnahmenprozesses gemerkt haben, dass man mit Thomas, Marco (Anm. der Red.: Sänger bei Cloudberry) und Seb. (Anm. d. Red.: Bassist bei Cloudberry), der ja für uns das Artwork mit seiner AGENTURFUERKRANKEMEDIEN gemacht hat, sehr gut arbeiten kann.


Popconnection: Wie liefen die Aufnahmen mit Thomas als Produzent?

Philipp: Das lief gut! Es war ein sehr angenehmes Arbeiten mit Thomas. Marco hat mich beim Gesang ein bisschen gecoached und mir unter die Arme gegriffen. Einfach eine dritte Meinung bzw. eine fünfte und sechste durch Thomas und Marco zu bekommen, war schon sehr schön.


Popconnection: Marco singt auch auf einem eurer Tracks mit...

Philipp: Genau. Bei My Friends singt er im hinteren Teil eine dritte Stimme. Ist auch sehr sehr schön geworden. Ich ärgere mich nur, dass ich nicht auf die Idee gekommen bin. (lacht) Aber dafür sind ja dann solche Leute da.


Popconnection: Auf Live-Gigs unterstützt euch Thomas zur Zeit auch am Schlagzeug. Seid ihr denn auf der Suche nach einem festen Drummer?

Philipp: Also, bis jetzt wissen wir das noch nicht so genau. Mit dem Thomas läuft es im Moment halt sehr gut. Wir strecken natürlich unsere Fühler aus und wenn wir jemanden finden, der sagt, er ist zu 100 Prozent mit dabei, dann nehmen wir ihn gerne. Aber wenn jemand sagt, "ich hab da noch eine andere Band..." und auch proben gefällt ihm nicht so, aber er möchte mitreden, dann ist das nicht so mein Ding. Wir sind halt auch zu dritt, bzw. zu viert mit dem Thomas eine ziemlich eingeschworene Gemeinde und da muss dann jemand einfach dazu passen.


Popconnection: Waren die Gründe für den Split von euerem vorherigen Schlagzeuger denn ganz klassisch die "musikalischen Differenzen" oder woran hat es gelegen?

Philipp: Nein, er hat ein Stipendium bekommen in Lausanne, das man, wenn man seine universitäre Laufbahn weitergehen will, nicht unbedingt ablehnen kann. Und das hat natürlich jeder von uns verstanden. Bei uns kommt geldtechnisch nichts rum, es ist ein ganz hartes Business und ein schwieriges Geschäft und Jan war auch sehr traurig, dass er gehen musste oder wollte. Aber man hat sich im Guten getrennt.


Popconnection: Studiert ihr denn alle noch?

Philipp: Ja. Wir studieren alle noch. Manchmal mehr und mal weniger. Aber man muss sich immer noch ein zweites Standbein schaffen. Das ist eben auch ein bisschen schwierig.


Popconnection: Wäre Sir Toby denn etwas, was ihr euch auch hauptberuflich vorstellen könntet?

Philipp: Ja, eigentlich will ich gar nichts anderes mehr machen. Wenn ich für den Quatsch, den ich da eigentlich produziere auch noch Geld bekommen würde, wäre das ein Traum. (lacht) Irgendwann kommt man zu dem Punkt, wo man sich entscheiden muss.


Popconnection: Ihr seid das bestimmt schon oft gefragt worden, ich frage trotzdem noch mal: Sir Toby ist ja ein Charakter aus Dinner For One. Wie seid ihr auf die Idee gekommen, euch so zu nennen?

Philipp: Wir sind das bei jedem Interview schon gefragt worden, glaube ich, deswegen hab ich auch immer eine schöne Antwort parat: Ende 2007 hab ich Flo über einen Zettelaushang kennen gelernt und Jan haben wir dann auch getroffen. Wir hatten zwar noch nie mit ihm gespielt, aber wir haben gesagt, "ok, du bist ein cooler Typ, du bist dabei". Da hatten wir auch noch gar keinen Proberaum. Flo und ich haben dann überlegt, man braucht einen Bandnamen, auch wenn man als Band noch nie miteinander gespielt hat und haben uns Namen überlegt. Das ging dann so über zwei Monate bis ich an Silvester zu Hause saß und Dinner For One geschaut und Flo dann eine SMS geschrieben habe "Sir Toby, das ist ein guter Bandname." Die Jungs waren am Anfang eigentlich nicht so zufrieden damit, aber keiner hatte einen besseren Vorschlag. Mittlerweile haben wir uns damit arrangiert und ich finde immer noch, dass der Bandname richtig klasse ist! Der hat auf jeden Fall einen Wiedererkennungswert.


Popconnection: Wenn du jemandem, der euch nicht kennt, euren Sound beschreiben solltest, wie würdest du das tun? Wie klingt ihr?

Philipp: Ich werde oft gefragt, "was macht ihr für Musik?" und ich kann das gar nicht beschreiben. Generell sehe ich meine musikalischen Wurzeln auf keinen Fall in Amerikanischen Indie- oder Alternative-Produktionen, sondern eher Britisch.


Popconnection: Das ist auch das, was mir aufgefallen ist: Dass euer Sound sehr stark in Richtung UK geht. Eben das, was Bands wie die Pigeon Detectives oder die Eight Legs machen. Wie beurteilt ihr denn die Chancen, als Deutsche Band mit derartiger Musik Erfolg zu haben, eben weil so viele Bands aus Großbritannien diesen Sound vertreten im Moment?

Philipp: Wir haben nicht die Absicht, jemanden zu kopieren und wenn ich sage, "ich finde The Subways geil", möchte ich auf keinen Fall so klingen, obwohl ich sie super finde. Ich denke schon, dass die Chance da ist. Es ist nur wichtig, dass man es gut vermarktet. Ich bin auch gerne für weitere Einflüsse und Ideen offen, in welche Richtung unser Sound gehen soll, aber generell bin ich an keine Richtung gebunden. Und ich glaube, dass auf jeden Fall Potential da ist oder Potential da wäre, so etwas zu machen und damit ein bisschen erfolgreich zu sein.


Popconnection: Stören euch denn generell die Vergleiche, wenn es heißt, "Sir Toby, die klingen wie XY" oder ist es für euch ok?

Philipp: Ach, wenn ein schöner Name dabei fällt, ist es doch toll! (lacht) Wenn man im Kontext sagt, "ihr klingt wie eine Britische Band und die kennt jeder", dann ist es doch schön, dann kann sich jeder etwas darunter vorstellen. Wenn das in einem Pressetext steht und es ist in einer gewissen Weise gerechtfertigt - natürlich nicht zu 100 Prozent - und Leute kennen uns nicht und denken sich, "Oh, ja, ich mag diese Britische Band!", dann kommen die vielleicht eher zu einem Konzert, als wenn man den Vergleich komplett weg lässt. Und dann können wir sie überzeugen, auch Sir Toby zu mögen.


Popconnection: Im September habt ihr den Newcomer-Award auf dem Entega-Bandcontest gewonnen. Was haltet ihr generell von solchen Contesten?

Philipp: Solange da eine Jury sitzt und da noch ein bisschen Gage dabei rumkommt oder Kontakte, finde ich das super! Aber wenn ich einem Wirt den Laden damit vollmache, dass ich meine Fans in drei Bussen ankarre, finde ich das eher verwerflich. Also wenn da eine Jury sitzt, die auch wirklich eine Fachjury ist, dann ist das gut. Wenn da allerdings der Gastwirt sitzt und vielleicht noch sein guter Kumpel und die dann meine Musik bewerten und meinen, sie kennen sich aus, dann finde ich das nicht so toll.


Popconnection: Also seht ihr es quasi auch als Möglichkeit, irgendetwas voran zu treiben, wenn man so etwas gewinnt?

Philipp: Ich weiß nicht. Es ist einfach ein weiterer Grund, irgendwo aufzuspielen und sich auf eine Bühne zu stellen. Da sind ja auch Fans von anderen Bands dabei und vielleicht kann man noch den einen oder anderen überzeugen, die Platte zu kaufen und es ihren Freunden weitererzählen. Wichtig ist einfach: Spielen, spielen, spielen! Und wenn da ein fairer Bandwettbewerb dabei ist, warum nicht?!


Popconnection: Gespielt habt ihr dieses Jahr auch auf dem Trebur-Open-Air. Wie seid ihr an den Slot gekommen und wie war es, dort auf der Bühne zu stehen?

Philipp: Wir haben uns auf diesen Slot beworben. Auf dem Festival zu spielen war schon sehr schön. Es hat sehr viel Spaß gemacht, ein Festival mal backstage zu erleben. Wir haben dieses Jahr auch schon auf dem Schlossgraben-Festival in Darmstadt gespielt, aber das Trebur ist dann doch noch etwas anderes. Ein sehr gemütliches kleines Festival ohne Berührungsängste - auch bei namhaften Künstlern. Es ist schon schön gewesen. Man fühlt sich dann auf einmal so, als wenn die kleine Band aus Mainz doch etwas kann. (lacht) Wenn man dann seine eigenen Songs spielt und eine andere bekannte Band spielt ihre eigenen Songs, dann denkt man sich, "da würde ich auch gern mal hinkommen".


Popconnection: Wie sehen eure Ziele für die Zukunft aus? Kann man euch demnächst irgendwo live sehen?

Philipp: Wir werden jetzt erst mal die Platte veröffentlichen und weiter an Songs arbeiten. Ich werde mich demnächst auch weiter ums Booking kümmern. Vielleicht bookt uns ja auch so mal jemand. Im Frühjahr wird es uns häufiger zu sehen geben und dann steht es auch an, eine Platte zu machen. Wie die entsteht, wie die finanziert und wie die gemacht wird, ob wir einen neuen Schlagzeuger finden oder mit Thomas weitereinspielen… im Moment steht das alles noch ein bisschen in der Schwebe - aber es geht trotzdem voran.


Popconnection: Dann wünsch ich euch alles Gute für die Zukunft und sage Dankeschön für das Interview!

Philipp: Bitteschön!



Interview: Katja Embacher

10. Oktober 2008 / Phoner

Website: www.sirtoby.net
Myspace: www.myspace.com/sirtobyband

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CAMA MAYA: "Wir träumen von einer Zukunft als Musiker"




Foto: Pressefoto

Cama Maya, das sind Philipp (Bass), Timo (Schlagzeug), Jan (Orgel) und Simon (Gitarre). Das Quartett aus Dinslaken spielt seit 2006 modernen, enthusiastischen Indie-Rock gepaart mit Gitarren- und Orgelsounds. Ein Sound, der manchmal an die Musik der British Invasion aus den 60er Jahren erinnern.




Popconnection: Cama Maya gibt es in der jetzigen Besetzung seit 2006. Wie habt ihr denn zusammen gefunden?


Timo: Das war eigentlich ganz einfach und doch ziemlich kompliziert. Vor etwa drei Jahren haben wir uns von unserem alten Bassisten getrennt. Wir haben es dann erst mal mit ein paar anderen Bassisten versucht. Das war aber alles nicht das Wahre. Und dann kam uns die Idee: Philipp ist Jans und mein Cousin und wir wussten, dass er Bass spielen konnte und wir haben es dann einfach mal ausprobiert. Wir haben dann ein paar mal zusammen mit Philipp geprobt und gemerkt: Das ist es!! Und dabei ist es dann auch geblieben.


Popconnection: Woher kommt der Bandname Cama Maya?

Simon: Eigentlich ist Cama Maya ein Kunstwort. Ich habe mir damals einfach mal ein paar Gedanken gemacht und wollte weder einen englischen, noch deutschen Namen. Dann habe ich mir ein paar Bücher geschnappt und nach hübschen Begriffen gesucht und daraus wurde dann Cama Maya. Der Name sollte auf jeden Fall im Ohr bleiben und einzigartig sein.


Popconnection: Wie würdet Ihr Eure Musik beschreiben?

Jan: Ich glaube wir liegen da zwischen Rock, Indie und Powerpop. Manchmal ist auch noch eine Portion Punk dabei. Hauptsache es macht Spaß, ist geradeaus und geht in die Hüfte.

Timo: Wir haben aber auch die ein oder andere Ballade dabei. Insgesamt denke ich , fallen wir unter die Überschrift Indie.


Popconnection: Welche Bands haben Einflüsse auf Eure Musik, und was hört Ihr persönlich momentan?

Philipp: Unsere Einflüsse kommen aus der Rock Musik der 60er Jahre, aus dem Britpop der 90er und genauso auch von aktuellen Indie-Bands. Da sind also zum Beispiel die Kinks, The Doors, die Monks, Kula Shaker, Supergrass oder Travis. Und im Moment hören wir am liebsten Bands wie Kings Of Leon, Maximo Park oder auch MGMT und Digitalism.


Popconnection: Wer ist bei Cama Maya für das Songwriting verantwortlich und worum geht es in euren Songs?

Jan: Also meistens ist es so, dass Simon oder ich mit einer Idee in den Proberaum kommen und dann schauen wir alle zusammen, was wir daraus machen können. Bei Songs die uns Spaß machen ergibt sich dann der Rest von selbst. Für das Songwriting ist am Ende also jeder von uns verantwortlich. Was den Inhalt unserer Songs angeht, da machen wir gar keine große Sache draus. Es geht um Probleme, die eigentlich jeder so hat, also alltägliche Dinge. Zum Beispiel Geldsorgen, oder das man mal seinen Arsch hoch kriegt und sein Leben auf die Kette bekommt aber auch übers Feierngehen und Spaßhaben.


Popconnection: Was macht Ihr alle neben der Musik?

Timo: Also, Jan und Simon studieren beide, Philipp ist gerade mit seinem Abi fertig und überbrückt die Zeit bis zum Studium mit Jobben. Ich habe eine Ausbildung gemacht und bin damit der Einzige von uns der jeden Tag hart malochen muss ;-)

Simon: Wir träumen aber alle von einer Zukunft als Musiker... Rockstars Yeah Baby ;-)


Popconnection: Was haltet Ihr als Band von Internet-Plattformen wie Myspace?

Simon: Myspace oder vergleichbare Seiten sind eine super Sache. Fast jeder kennt es, viele haben ihr eigenes Profil und du hast so die Möglichkeit viele Kontakte zu knüpfen, auch mit anderen Bands. Die Leute können sich unsere Musik anhören und uns anschreiben. Als Band kannst du schnell das Neuste verbreiten. Also, Infos über anstehende Konzerte, oder wie es im Studio voran geht.


Popconnection: Ihr wart im Juli in Hamburg im Studio und habt 4 Songs aufgenommen. Ist ein Album geplant?

Philipp: Ja, es war jetzt schon unsere zweite Session in Hamburg. Insgesamt haben wir bis jetzt sieben Songs aufgenommen. Ende des Jahres gehen wir dann noch mal ins Studio um den Rest fertig zu machen. Und Anfang nächsten Jahres soll dann unser erstes Album fertig sein.


Popconnection: Wie sehen Eure Pläne für die Zukunft aus?

Timo: Viele neue Songs schreiben, Konzerte spielen und bald wieder ins Studio, damit das Album fertig wird. Das haben wir jetzt erst mal vor und was danach kommt, können wir im Moment einfach nicht planen und wird sich dann ergeben.


Popconnection: Vielen Dank für das Interview!



Interview: Jenny Schnabel

25. September 2008 / E-Mail

Website: www.cama-maya.de
Myspace: www.myspace.com/camamaya

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THE WATER SAFETY: "Wir sind ja alle drei heiße Beachboys"




Foto: Pressefoto

The Water Safety, das sind Philipp Lemhöfer (Vox, Gitarre), Boris Werth (Gitarre, Programming) und Dennis Herzog (Mac, Korg, Programming) aus Frankfurt am Main. Ohne großes Aufheben um die musikalische Vergangenheit von zwei Dritteln der Band zu machen, muss doch gesagt werden, dass es sich hier nicht wirklich um Newcomer handelt. Hinter The Water Safety stehen erfahrene Musiker. Jahrelange führte die Indie-Band Colourful Grey mit zahlreichen Konzerten und Releases die heimische Szene an, um Ende 2007 überraschend zu beschließen, dass es Zeit für Neues ist. Das Neue klingt nun nach abstraktem Post-Rock, atmosphärischen Gitarrenwänden und tanzbaren Elektrobeats. Neu auch die Vertriebswege der Band: Ohne einen Gedanken an den schnöden Mammon zu verschwenden, wird das Trio in den kommenden Monaten eine Reihe von Singles über die bandeigene Homepage zum kostenlosen Download anbieten.


Popconnection: Ich interviewe euch für unsere Newcomer-Rubrik, jedoch seid ihr alle keine unbeschriebenen Blätter im Musikbusiness. Fühlt ihr euch persönlich überhaupt als Newcomer-Band?

Philipp: Na klar! Da die Art und Weise unserer Musik auch für uns selbst neu ist, fühlen wir uns sogar sehr als Newcomer. Vielleicht nicht in Bezug auf überzogene infantile Rockstarillusionen, die man als junge Band manchmal hat, aber im Hinblick auf die Musik und die Veränderung der Livesituation schon.

Dennis: Ich persönlich ja, mal abgesehen von einzelnen Studioprojekten. Dennoch war ich ja als "fünftes" Bandmitglied bei Colourful Grey immer mit involviert in die ganzen Prozesse.

Boris: Geheimtipp passt vielleicht besser als Newcomer, das klingt immer so nach förderungsbedürftig.


Popconnection: Inwiefern wirkt sich euer Wissen um Produktionsweisen, Plattenverträge oder auch die Erfahrung monatelangen Tourens auf eure Arbeit aus?

Boris: Wir wissen, was wir wollen und was nicht. Momentan geht es uns vor allem darum, gute Songs zu produzieren, bei denen wir uns musikalisch austoben und neue Sachen ausprobieren können. Plattenvertrag und lange Touren stehen nicht ganz oben auf der Wunschliste, und darum können wir unsere Energie voll in die Musik stecken. Das klingt euphemistisch, aber es ist echt schwierig, kreativ zu bleiben, wenn man sich um so viel anderen Band-Kram kümmern muss.

Philipp: Nun, beim Aufnehmen unserer Sachen kommt uns die jahrelange technische Erfahrung auf dem Gebiet natürlich zugute und das perfektionieren wir zur Zeit auch, um möglichst vollkommen autark an unserem Sound schrauben zu können, bei hohem klanglichen Niveau. Bisher haben wir noch nicht geplant auf Tour zu gehen, aber wenn wir das wollen würden, kämen uns unsere Tourerfahrung und unsere Kontakte, die wir jahrelang geknüpft und gepflegt haben zugute.


Popconnection: Ihr kennt euch bereits seit etlichen Jahren, habt bis vor kurzen aber nicht in dieser Besetzung musiziert, wie schnell stand nach dem Ende von Colourful Grey der Entschluss fest mit bekannten Gesichtern etwas Neues zu wagen?

Philipp: Das war eigentlich relativ schnell klar, auch wenn der genaue Rahmen dafür noch nicht formuliert war. Durch die Vorliebe zu Bands wie Radiohead oder 65 Days of Static kristallisierte sich hingegen schnell heraus, dass der musikalische Weg ein Neuer sein sollte. Im Prinzip hab ich mich dann mit Dennis eines Abends im Probebunker eingeschlossen und die ersten Experimente mit Beats, Loops und Delaygitarren gemacht, und beim nächsten Mal kam Boris dazu, denn wir wollten unbedingt weiter zusammen Musik machen. Die Arbeit als Trio ist ziemlich relaxed und oft leichter zu realisieren als früher als Quintett.


Popconnection: Live holt ihr euch den ehemaligen Colourful Grey-Schlagzeuger Martin Loos mit ins Boot. Warum ist er kein fester Bestandteil der Band?

Boris: Martin ist sehr beschäftigt. Er schließt gerade sein Gitarren-Studium ab und spielt in zwei Soul-Pop Bands Gitarre und plant damit auf lange Sicht seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Es ist also einmal eine Zeitfrage und darüber hinaus haben wir drei eben dieses Band-Gefühl: Wir schreiben die Songs, nehmen sie auf, machen das Artwork, organisieren Gigs. Martin hat einfach Lust, hin und wieder mitzuspielen.

Philipp: Als festes Mitglied hätte er noch eine Verpflichtung mehr und auf Platz 3. oder 4. seiner Prioritätenliste würden wir uns nicht wohl fühlen. Und da unsere Songs sowieso sehr Elektrobeat-lastig sind, ist das Schlagzeug für das Songwriting nicht von allergrößter Bedeutung. Live hingegen arbeiten wir gerne mit ihm, das gibt dem Sound mehr Dynamik.


Popconnection: Dass die Plattenindustrie kränkelt, ist keine Neuigkeit. Immer mehr Künstler versuchen neue Vertriebswege zu finden. Seht ihr in eurem Weg Singles für lau über das Internet zu veröffentlichen eine Chance für die Zukunft?

Dennis: In erster Linie ist es wohl ein charmanter, netter Weg gute Musik und Momentaufnahmen an den Mann zu bekommen. Die Leute freuen sich bestimmt, wenn es umsonst gute Produktionen mit Herzblut zu hören gibt. Wenn man die Dinger schon auf MySpace hochstellt, um das Ganze als Selbstdarstellung zu nutzen, kann man diese auch gleich zum Download zur Verfügung stellen.

Philipp: Es ist jedenfalls unser Weg, den Leuten unsere Musik näher zu bringen und zwar in einwandfreier Qualität. Keine doofen 45-Sekunden-Snippets oder 128 Bit Mp3s, stattdessen bei Interesse sogar als Wave-Datei in CD-Qualität und immer mit wunderbaren Covern im pdf.-Format zum ausdrucken, ausschneiden und zusammenkleben.

Boris: Die Idee hinter diesen Veröffentlichungen ist, uns selbst die Möglichkeit zu geben, uns so unmittelbar wie möglich künstlerisch auszudrücken.


Popconnection: Wie sind die Resonanzen bisher auf die ersten veröffentlichen Song Chapeau! Chapeau! und 72 Storeys? Wisst ihr, wie viele Leute sie bereits heruntergeladen haben?

Philipp: Keine Ahnung. Die Reaktionen die wir bisher bekommen haben sind sehr positiv, obwohl manchen Chapeau! Chapeau! einen Tick zu lang ist. Viele fragen auch, wann wir denn eine Volle-Länge-Platte machen.

Boris: Es gibt keine offiziellen Zahlen und das ist auch eigentlich ganz gut für uns, weil wir sonst vielleicht in so ein Marketing-Denken verfallen könnten. Von wegen: "Hey, so viele Leute mochten diesen Song, lasst uns doch noch so einen machen". Oder: "Diesen hat keiner runtergeladen, vielleicht ist er nicht so doll".


Popconnection: Wenn jemand fragen würde: "The Water Safety? Nie gehört. Was machen die denn so?", wie würdet ihr euren musikalischen Stil dann beschreiben?

Philipp: Klicker-Klacker-Beat-Elektro-Fuzz-Delay-Gitarren-Melancholie mit Gesang! Irgendwo zwischen Wall-of-Sound und Filmmusik, zwischen Elektrobeats und Effektgerätelärm.


Popconnection: Und die nächste plakative Frage: Woher der Bandname The Water Safety? - Ich muss dabei ja immer unweigerlich an Baywatch denken...

Dennis: Guter Gedanke... wir sind ja alle drei heiße Beachboys, eh klar! keine Ahnung. Boris, kamst du darauf? Oder wer? Es wurde mal in den Raum geworfen und alle fanden's cool, oder?

Philipp: Ich liebe Baywatch! Erika Eleniak war meine erste Jugendliebe. Ich kenne ALLE Folgen der ersten vier Staffeln. Der Name kommt aber vom Boris...

Boris: Ja, die Doppeldeutigkeit macht den Reiz des Namens. Einmal die von dir schon genannte wörtliche Bedeutung, die Dennis zum Anlass nimmt, coole Flyer und Shirt-Motive zu basteln. Und dann "Wasser" und "Sicherheit" als Bilder für so gegensätzliche Gefühle wie Geborgenheit, Rausch, Bedrohung und Tod. Bei Colourful Grey gab's den Song Underwater, der ein ähnliches Motiv hatte.


Popconnection: Wer ist bei The Water Safety für das Songwriting verantwortlich und worum geht es in euren Songs?

Philipp: Eine sehr gute Frage, beim Songwriting experimentieren wir am meisten und wissen manchmal selber nicht genau, in welche Richtung wir steuern wollen. Die ersten Songs entstanden durch das Zusammenfügen von Loops und Gitarrenschnipseln, während wir dann doch wieder ein wenig in Richtung klassisches Songwriting mit fertigen Parts gerutscht sind. Mal schauen, wie sich das weiterentwickelt.
In den Texten versuche ich auch ein paar neue Blickrichtungen und schreibe nicht mehr ausschließlich autobiografisch. Es geht um Motive und Motivation, Konsequenz oder Frustration. Und doch immer wieder das Leben, Liebe und Glück. In 72 Storeys geht es um Raum und Bewegung und deren Interaktion.


Popconnection: Habt ihr irgendwelche starken musikalischen Einflüsse?

Philipp: 65 Days of Static. Radiohead. Notwist. Sonic Youth. Amusement Parks on Fire.
Das sind auf jeden Fall Bands, die mich bei TWS beeinflussen. Darüber hinaus gibt es natürlich noch unzählige andere Bands, die einen mehr oder weniger beeinflusst haben. Ich liebe The Cure und die Lemonheads, aber das hört man vermutlich nicht raus.

Boris: Unzählige. Die kann man hören, wenn man am dritten Mittwoch des Monats in den Clubkeller zu unserer DJ-Night geht. Philipp und ich machen jetzt seit 8 Jahren zusammen Musik, da sind die gemeinsamen Schnittmengen dann entscheidend. Dennis brachte eine neue Dimension, die unsere Herangehensweise ganz schön verändert hat.


Popconnection: Was sind eure momentanen Geheimtipps in Sachen Musik? Welche Band(s) sollten wir uns unbedingt mal anhören?

Philipp: Die FOALS!! Aber die sind kein Geheimtipp mehr. Tokyo Police Club und Wintersleep aus Kanada sind fantastisch, oder auch The Failures' Union und Spraydog. Findet ihr alle auf MySpace! Und dann schön die Platten kaufen...

Dennis: M83, Flin Flon, Voo und natürlich, wenn man Philipp glauben schenken darf, immer wieder die einzige Single von Eddie Murphy, oder?


Popconnection: Ich habe das Gefühl, dass die Frankfurter Alternative-Szene seit geraumer Zeit ins Abseits driftet. Viele Bands lösen sich auf, einige verschwinden ganz ohne Abschied, der Rest verliert sich ungehört in Proberaum-Bunkern. Gibt es noch Hoffnung für die Bankenmetropole?

Philipp: Ja, uns! Außerdem gibt es ja auch Daturah oder Trip Fontaine. Darüber hinaus gibt es schon noch einen Haufen Bands hier, aber mit dem Frankfurter Publikum ist das eine schwierige Sache. Da muss man schon sehr die Werbetrommel rühren, damit mal ein Konzert gut besucht wird. Es liegt vermutlich weniger an den Bands als an den Menschen, die auf die Konzerte kommen sollen. Die spielen lieber Playstation oder machen einen DVD-Abend und gehen dann besoffen nachts in irgendeinen Club.

Boris: Es ist schon so, dass sich einige gute Bands aufgelöst haben. Aber alles hat nunmal seine Zeit und was ist schlimmer als Bands, die lange nach ihrem Verfallsdatum noch ihre "Hits" vor Freunden und Bekannten runterspielen. Das wollten wir verhindern.
Vor ein paar Jahren gab es richtig viele Bands, die sich außerhalb Frankfurts einen Namen machen konnten, jetzt stagniert es vielleicht ein bisschen. Aber wir betrachten immer eine bestimmte Szene, außerhalb davon geht's vielleicht ab und man kriegt's nicht mit. Wir sehen uns selber auch nicht mehr so sehr als Teil der Alternative-Rock-Szene, musikalisch muss man schon etwas aufgeschlossener sein, um was mit TWS anfangen zu können. Aber das eröffnet uns auch neue Möglichkeiten.


Popconnection: Wie sehen eure Pläne für die Zukunft aus?

Philipp: Mehr Songs! Mehr Sounds! Mehr Konzerte! Und dann auf dem Gipfel veröffentlichen wir eine Doppel 10" mit beigelegter CD, denn nur das wäre ein angemessenes Format für unsere Songs. Nur CD ist öde und überholt – wir wollen was bieten!
Außerdem könnte ich mir vorstellen, mal einen Film zu vertonen.


Popconnection: Vielen Dank für das Interview!



Interview: Katrin Reichwein

26. August 2008 / E-Mail

Website: www.thewatersafety.de
Myspace: www.myspace.com/thewatersafety

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THE SHY LADS: "Die Ideen kommen alle aus dem wahren Leben"




Foto: Eva Erlandsson

The Shy Lads ist eine weitere großartige Band aus Schweden, die für handgemachten Rock 'n' Roll mit 60s Flair steht.
Die Geschichte der Band begann im Jahr 2003. Die Hollström-Brüder Dennis, Jonas und Michael, die ihr musikalisches Talent von ihrem alten Blues-Vater geerbt haben, begannen damit die Musik der Beatles, Stones und Oasis mit Freunden im Garten nachzuspielen. Bald fingen sie an selbst Songs zu schreiben und aufzunehmen. Im Sommer 2005 gründeten sie schließlich die Band, die durch Patrik und Casper zum Quintett komplettiert wurde. Unter dem Namen The Shy Lads haben die fünf jungen Schweden mittlerweile zwei EPs aufgenommen, in diversen Clubs in Süd-Schweden gespielt und sogar in Deutschland getourt.
Dennis, Michael und Patrik standen uns für ein kleines Interview zur Verfügung.


Popconnection: Seid Ihr wirklich so "shy" (schüchtern) wie Euer Bandname sagt?

Dennis: Es ist nur eine Art Verkleidung, so dass die Leute echt überrascht werden, wenn sie unsere Musik hören oder uns persönlich treffen!

Michael: Nein. Aber wir sind wirklich "Lads".


Popconnection: Wie habt Ihr Euch kennen gelernt?

Dennis: Ich, Jonas und Michael sind Brüder und ich traf Patrik in der Schule, und Jonas lernte Casper auch in der Schule kennen.


Popconnection: Was macht Ihr so außer Musik zu machen?

Dennis: Wir studieren und arbeiten ein bisschen um Essen auf dem Tisch zu haben. Der Traum wäre es von der Musik leben zu können.

Michael: Studieren, zeichnen und noch mehr Musik machen.


Popconnection: Wer sind Eure musikalischen Vorbilder?

Dennis: Stones, Springsteen, Oasis, Dylan, Beatles. Im Moment höre ich auch viel Fleet Foxes.

Michael: Radiohead, Midlake, Thelonious Monk, Blur und The Coral, um nur ein paar zu nennen.


Popconnection: Woher bekommt Ihr die Ideen für Eure Songs?

Dennis: Ich beschreibe besondere Erinnerungen in allen Songs, die wir spielen. Die Ideen kommen alle aus dem wahren Leben. Es geht z.B. darum, wie es ist jung und arm zu sein, übers Saufen am Wochenende und in einer Fabrik zu arbeiten. Aber als erstes muss ich Inspiration haben, und meistens kommt diese von Filmen, Musik oder Magazinen. Ich denke wir können uns alle mit den Songs identifizieren, weil wir alle den selben Hintergrund haben, da wir alle aus der selben Stadt kommen und so weiter. Das ist wichtig, weil wir eine Band sind, und wir alle gleichermaßen dran beteiligt sind.

Michael: Ich versuche hauptsächlich die Stimmung der Songs hervorzuheben, die Dennis zu den Proben mitbringt. Im Moment schreibe ich noch keine Songs selber.


Popconnection: Ihr habt einen Song namens Hamburg. Was findet Ihr so besonders an Hamburg?

Patrik: Die Menschen und die relaxte Atmosphäre.

Michael: Es ist eine großartige Stadt mit einer sehr coolen Architektur. Der Song Hamburg entstand auch als wir dort waren. Ich glaube, er hat eine besondere Bedeutung für die Band.


Popconnection: Es scheint in Schweden eine Menge gute Bands zu geben. Was ist Eure Meinung über die Bands aus Schweden?

Dennis: Ich mag The Hives und The Hellacopters.

Patrik: Es kommt auch eine Menge Müll daher.

Michael: Ich mag am meisten Brainpool und Mando Diao. Oh ja, und natürlich The Hives.


Popconnection: Ihr seid ja im Moment dabei ein Album zu planen. Gibt es bereits ein Datum für die Veröffentlichung?

Dennis: Nein, es ist immer noch im Planungsprozess, wir suchen noch den passenden Deal. Meiner Meinung nach muss es ein Top-Album werden, ansonsten gibt es keinen Grund es zu tun. Ich denke, wir haben bereits alle Songs für das Album, und das fühlt sich sehr gut an. Ich schreibe bereits an einem zweiten Album, und das finde ich ziemlich lustig.


Popconnection: Letztes Jahr habt Ihr einige Gigs in Deutschland gespielt. Plant Ihr bald wieder in Deutschland auf Tour zu gehen?

Dennis: Ich denke wir werden im nächsten Frühjahr wieder nach Deutschland kommen. Diesen Herbst konzentrieren wir uns erst mal auf Schweden.


Popconnection: Was ist das Beste am Musiker-Dasein?

Michael: Musik zu machen, wenn ein Song wirklich "Klick" macht und du weißt, du wirst diesen für eine lange Zeit spielen (und es lieben). Oh und natürlich durch die Gegend reisen und auftreten.


Popconnection: Vielen Dank für das Interview! Und alles Gute für die Zukunft!

Alle: Kein Problem. Wir wünschen das gleiche der Popconnection! Love, The Shy Lads.



Interview: Natalie Terstiege

23. Juli 2008 / E-Mail

Website: www.theshylads.com
Myspace: www.myspace.com/theshylads

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THE WEDGES: "Wir sind der Brit-Fels in der Pop-Brandung"




Foto: Pressefoto

The Wedges, das sind Paddy (Vox, Gitarre), Stephan (Gitarre), Manu (Bass) und Gregor (Drums). Die vier Jungs stehen für coolen Britrock aus Oberhausen und Umgebung. Eine klare Affinität zu den frühen Oasis lässt sich nicht leugnen, und der Gesang von Paddy erinnert bisweilen stark an Liam Gallagher.
Seit vier Jahren spielen sie zusammen und proben in einem schäbigen Bunker in Sterkrade, der als perfekte Kulisse für ihren aufrechten Britrock steht. The Wedges haben mit Hear! We Are The Wedges und Action bereits zwei EPs veröffentlicht und sich dank ihrer MySpace-Präsenz und diversen Live-Gigs mittlerweile eine treue Fangemeinde erspielt.


Popconnection: Ihr spielt mittlerweile seit 4 Jahren zusammen. Wie habt ihr euch alle kennen gelernt?

Paddy: Gregor, Stephan und ich kennen sich von der Schule. Wir haben dann mit noch einem anderen Typen am Bass die Band gegründet und hatten dann noch ein paar Auswechslungen am Bass, bevor wir Manu beim Haldern-Pop kennen gelernt haben. Er hat dann seine Band verlassen und ist bei uns eingestiegen. Komplett gibt es uns jetzt seit drei Jahren. Die Zeit davor kann man nicht wirklich zählen.


Popconnection: Wer ist bei euch für das Songwriting verantwortlich und worum geht es in euren Songs?

Paddy: Ich schreibe die Texte und die Gesangsmelodie. Den Rest machen wir zusammen. Meist spielt einer von uns irgendeine Akkordfolge oder ein Riff und die anderen steigen dann ein. Falls was Brauchbares bei rumkommt, machen wir ein Lied draus. So ist z.B. I Want Some Action in nur zehn Minuten entstanden.


Popconnection: Man hört klar eure Affinität zu Oasis raus. Was fasziniert euch am meisten an Oasis?

Manu: Die sind die beste Band der Welt. Aber wir versuchen jetzt nicht wirklich so zu klingen wie sie. Jede Band klingt ein wenig so wie irgendeine andere und jede Band wird mit anderen verglichen. Wenn man eine neue Band im Radio hört ,sagt man ja auch öfters "Hey, das klingt wie ...". Man kann Musik halt nicht neu erfinden. Meistens werden wir mit Bands verglichen, die wir gut finden. Also können wir zufrieden sein.


Popconnection: Welche Bands haben euch sonst noch stark beeinflusst?

Stephan: Da gibt es wohl einige. Man hat ja immer wieder ein neues Lieblingsalbum. Verve, Strokes, Arctic Monkeys, Kasabian, BRMC, Beatles oder die Stones sind sicherlich dabei, aber noch einige mehr. Man darf gespannt sein auf das neue Album von Coldplay.


Popconnection: Wie seht ihr die Zukunft des Britpop in Deutschland?

Manu: Hoffen wir mal, dass sich nicht mehr allzu viele Leute dem Electro-Hype hingeben und mal wieder anständige Musik hören. Wenn man jetzt in die Clubs geht, kann man ja davon ausgehen, dass etwa 70 % Electro-Zeugs gespielt wird. Das wird langsam zu viel. Aber ansonsten gibt es ja immer mehr Bands und immer mehr Möglichkeiten, seine Musik an den Mann zu bringen, z. B. durch Myspace und andere Internetplattformen. Man wird auch hier in Deutschland noch einige gute Britpop-Bands hören.


Popconnection: Wie gut sind eure beiden EPs Hear! We Are The Wedges und Action bisher angekommen?

Stephan: Unser Debüt Hear! We Are The Wedges recht verhalten, aber die Action-EP kommt ziemlich gut an. Die wird bei 1LIVE gespielt und hat auf den Campusradios teilweise eine Heavy Rotation, also heavyyy!
Die Songs kommen live aber am besten an, weil's da noch mehr scheppert und man auch mal was verändert und jammt.


Popconnection: Welches war bisher euer bester Auftritt?

Paddy: Wir hatten jetzt nicht den einen Auftritt, von dem wir gesagt haben, der war besser als alles, was wir vorher gemacht haben. Jedes Konzert ist anders und klar ist mal ein Konzert dabei, wo das Feeling mal mehr da ist als bei einem anderen. Es kommt immer auf die Atmosphäre an. Wenn die Leute mitgehen, dann motiviert uns das natürlich noch mehr und man fühlt sich besser auf der Bühne. Trotzdem geben wir bei jedem Gig erstmal alles. Das muss man auch. Ansonsten kann man es direkt lassen.
Um mal ein paar Leuten zu danken: Die Gigs in Fulda, vor kurzem im Düsseldorfer FFT und an Weihnachten im Pretty Vacant waren so Abende, wo alles stimmte.


Popconnection: Was sind eure momentanen Geheimtipps in Sachen Musik? Welche Band(s) sollten wir uns unbedingt mal anhören?

Gregor: Hört euch The Wedges an. Absoluter Geheimtipp. Ansonsten die gängigen NME Hypes. Und eine befreundete neue Band: The Devils In The Detail.


Popconnection: Ihr kommt ja aus dem Ruhrpott bzw. Rheinland. Wie sieht die Szene in Sachen Britpop dort aus?

Manu: Bei uns gibt es einige Britpop- oder Indiebands und auch die passenden Leute und Clubs. Viele legen aber mehr Wert darauf, so cool wie möglich rüberzukommen. Die Musik kommt oft zu kurz. Viele Kombos entstehen gerade während des Studiums, so dass die Einflüsse auch von außerhalb kommen, die Bands sich dann aber auch schneller wieder auflösen. Wir sind da der Brit-Fels in der Pop-Brandung.


Popconnection: Was sind eure Pläne für die Zukunft?

Stephan: Viele Konzerte spielen und unser erstes Album aufnehmen. Neue Songs schreiben und neue Sachen ausprobieren steht natürlich auch auf dem Plan. Wenn's klappt: im August mit nem 69er Mercedes Bus durch Deutschland und im September rüber nach BeNeLux. Man darf also noch viel von uns erwarten. Wir bleiben nicht stehen.


Popconnection: Vielen Dank für das Interview!



Interview: Natalie Terstiege

16. Juni 2008 / E-Mail

Website: www.thewedges.de
Myspace: www.myspace.com/thewedges

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EVENING GLORY: "Man kann nur gute Musik schreiben, wenn man auch
gute Musik hört"




Foto: Pressefoto

Evening Glory, das sind Martin Oettel (Vocals, Gitarre), Sebastian Halaczinsky (Gitarre, Vocals), Claudia Rudek (Bass) und Benjamin Schulte (Schlagzeug). Gegründet im Sommer 2004, fand sich das Quartett im Herbst 2007 in seiner jetzigen Besetzung zusammen. Die Musik der vier Berliner setzt sich aus den unterschiedlichsten Einflüssen zusammen, von Britpop über klassischen Rock 'n' Roll, Garage-Rock bis hin zu Jazz...


Popconnection: Euch gibt's seit 2004 und in der jetzigen Besetzung seit 2007. Wie habt ihr zusammen gefunden und was war eure Motivation "Evening Glory" zu gründen?

Martin: Als Letztübriggebliebener der Urbesetzung kann ich nur sagen, dass die Band wie eine Droge ist: man kann einfach nicht aufhören. Die Idee, eine Band zu gründen, kommt eigentlich jedem Musiker irgendwann einmal. Ich meine, wenn ich die Musik im Radio höre, denke ich oft, hey, das kannst du besser!

Claudia: Ich kam Ende 2006 hinzu, nachdem die Jungs schon einige Basser verschlissen hatten. Meine Bass-Karriere ist noch nicht so alt und so ist Evening Glory meine erste richtige Band. Ich blieb, weil mir die Musik sehr gefiel und weil ich die Basslinien gestalten konnte, wie ich wollte. Außerdem hat's einfach gepasst.

Sebastian: Nach zwei Jahren ohne Band konnte ich nicht mehr zugucken, wie meine Instrumente verstaubten. Weil Berliner Musiker aber meistens nur rumlabern, statt ernsthaft mal was zu starten, hab ich dann doch mal Kleinanzeigen durchgeschaut - auch wenn das dann nicht wirklich einen tollen Rock 'n' Roll-Gründungsmythos hergibt. Ich bin dann auf eine Anzeige von Evening Glory gestoßen. Meine allererste Band vor zehn Jahren war auch schon so Richtung Britpop orientiert, das fand ich dann lustig, mal wieder zu machen. Letztlich waren die Leute einfach nett und motiviert, da ging das dann alles klar.

Benne: Nachdem ich nach Berlin gezogen war, haben mich die Jungs und Mädels von Evening Glory über eine Anzeige gefunden und ihre Musik und ihre Ideen haben mir sofort zugesagt.


Popconnection: Wie würdet ihr eure Musik beschreiben?

Martin: Britrock, nach allgemeiner Abstimmung.


Popconnection: Welche Bands haben Einflüsse auf eure Musik und was hört ihr persönlich?

Claudia: Zu meinen persönlichen Top Ten gehören ganz klar Led Zeppelin, die Pixies, AC/DC, Nada Surf, Placebo und die Beatles. Die restlichen Vier wechseln regelmäßig.

Martin: Das sind so viele, dass eine Auswahl wirklich schwer ist, da ich auch sehr breit gefächert höre, wobei mein Schwerpunkt auf Rock und Britpop liegt. In meinen Top Ten würden definitiv Oasis, Incubus, Kula Shaker, Starsailor, Nada Surf, aber z.B. auch Jimi Hendrix vorkommen.

Sebastian: Schon immer die Rolling Stones, alte Bluesleute wie Muddy Waters oder Lightnin’ Hopkins, dann Chuck Berry, Velvet Underground, Can, Neu...

Benne: Sehr gemischt. Früher viel Metal à la Nevermore, Opeth, Pissing Razors, Sepultura, Black Label Society. Seit meinem Musikstudium immer mehr Jazz und Latin (Michel Pertrucciani, Michel Camilo, Horiacio Hernandez).


Popconnection: Woher nehmt ihr die Ideen und Inspirationen für eure Songs?

Martin: Einen Grundsatz sollte man immer beachten: man kann nur gute Musik schreiben, wenn man auch gute Musik hört!!! Ansonsten, woher nimmt man Ideen? Idealerweise hat man die Songs plötzlich im Kopf, meistens entstehen sie bei mir, wenn ich gerade unterwegs bin und Zeit habe nachzudenken oder komischerweise auch, wenn ich im größten Stress stecke. Die besten Songs sind auf jeden Fall die, bei denen Melodie und Text aus einem Guss entstehen.


Popconnection: Ihr habt mit "Don't Ever Take Off Our Blinds" eine 5-Track-EP am Start, die ihr auf eurer Homepage zum kostenlosen Download anbietet. Wieso habt ihr euch für eine digitale Veröffentlichung entschieden und nicht für einen herkömmlichen Silberling?

Martin: Wir haben dem Status als offizielle EP keine wirkliche Bedeutung beigemessen, da wir mit den Aufnahmen nicht wirklich zufrieden waren und sie soundtechnisch nicht das waren, was wir erwartet hatten. Daher kam auch keine Pressung in Frage. Mittlerweile haben wir sie durch unsere neue EP "Evening Glory" ersetzt, die wesentlich besser geworden ist, nicht zuletzt durch Sebastians Lead-Gitarre, die den Songs noch die Tiefe gegeben hat, die ihnen vorher fehlte.

Claudia: Abgesehen davon waren wir zu diesem Zeitpunkt völlig unbekannt. Durch die Variante des kostenlosen Downloads haben wir die Möglichkeit mehr Leute zu erreichen und die Musik zu verbreiten als über einen Silberling.


Popconnection: Wie sind die Resonanzen bisher auf die EP? Wisst ihr, wie viele Leute die EP bereits herunter geladen haben?

Martin: Wir haben durchweg positive Rückmeldungen bekommen, weshalb wir glauben, dass wir eine große Zahl an Leuten erreicht haben. Genaue Angaben haben wir leider nicht.


Popconnection: Könnt Ihr euch noch an euer erstes Konzert erinnern? Wie war das für euch?

Claudia: Oh ja, das erste Konzert (grinst) Wir spielten im Duncker Club in Berlin zusammen mit der australischen Emo-Core-Band "Baseball" zur Fête de la Musique. Für unseren ersten Auftritt war das Konzert gar nicht mal so übel, zumal der Club ziemlich bekannt war und die Nervosität dadurch nicht geringer wurde.

Martin: Der Gig im Duncker lief eigentlich ab, als wäre er unser 50. Für mich war unser zweites Konzert eigentlich das gefühlte "erste Konzert". Bei dieser Feuerprobe lief alles schief, was schief gehen konnte. Im Nachhinein aber brachte uns dieses schlechte Konzert weiter als die gelungenen, da wir bei diesem am meisten gelernt hatten.


Popconnection: Was war euer bislang bester Auftritt?

Martin: Das Knaack-Konzert war schon ein Highlight, vor allem durch die professionellen Bedingungen und das begeisterte Publikum. Allerdings war von meinem Spiel- und Stimmgefühl her das Konzert in der Junction Bar das Beste.

Claudia: Knaack war sehr cool! Aber in der Junction Bar hat mein Bassspiel eine Zuhörerin zum Bass lernen animiert und ein besseres Lob gibt's nicht. :-)


Popconnection: Mit wem würdet ihr unbedingt einmal zusammen auftreten wollen?

Martin: Oasis, Kula Shaker, Jet, Black Rebel Motorcycle Club, Incubus und Nada Surf. Diese Bands besitzen live eine Energie, die mich immer wieder beeindruckt hat.

Claudia: Nada Surf. Ein Konzert mit den Smashing Pumpkins oder AC/DC wäre auch ein echtes Highlight.

Sebastian: Stones! Die bei uns im Vorprogramm...


Popconnection: Ist euer Bandname "Evening Glory" eine Anlehnung an Oasis' "Morning Glory"?

Martin: Indirekt. Die Idee kam durch ein Bootleg von Oasis namens "Evening Glory"... was wahrscheinlich als Anlehnung an "Morning Glory" gedacht war?!


Popconnection: Was macht ihr im Leben außerhalb der Musik?

Martin: Das fast unmögliche Unterfangen zu versuchen, das Studium nicht abzubrechen und ganz auf die Band umzusteigen ;-)

Claudia: Arbeiten und versuchen, mein Leben drumrum zu organisieren.

Sebastian: Rauchen, Trinken, Kindererziehung.

Benne: Feuerjonglage!! Was gibt es besseres, insbesondere in der Kombination mit Musik?!


Popconnection: Wie sehen eure weiteren Pläne für die Zukunft aus?

Benne: Wir werden jetzt erstmal intensiv den Club-Raum Berlin bespielen, außerdem wollen wir beim Festival-Sommer 2008 dabei sein! Wahrscheinlich werden wir dann im Sommer weitere Demos aufnehmen und vielleicht im Herbst dann in Deutschland touren.

Martin: Es wird auf jeden Fall ein spannendes Jahr für uns werden!


Popconnection: Vielen lieben Dank für das Interview!

Alle: Gern geschehen! Jederzeit wieder!



Interview: Jenny Schnabel

18. Januar 2008 / E-Mail

Website: www.eveningglory.com
Myspace: www.myspace.com/eveningglory

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FRAME OF MIND: "Unsere Musik klingt wie unser jeweiliger seelischer
Gemütszustand"




Foto: Pressefoto

Frame of Mind das sind Marc Philipp Meyer (Vocals, Gitarre), Christian Philippi (Bass, Vocals), Olav Niebuhr (Violine, Vocals) und Jan Hofmann (Drums). Das Quartett aus dem ostwestfälischen Detmold besteht bereits seit dem Jahr 2000 und fabriziert seither guten Brit-Rock'n'Roll, der vom Sound der 60er und 90er geprägt ist. Frame Of Mind schafften es beim Deutschen Rock und Pop Preis 2003 von mehr als 700 Bands ins Halbfinale und mit ihrem Song Big Apple 2004 sogar auf den von MTV und Oasis unterstützen MAP-Sampler, der sich mit internationalen Künstlern im Brit-Pop bereich beschäftigt und weltweit vertrieben wird. Neben dem Longplayer Episodes (2005) haben Frame Of Mind nun ihre neue EP Celebration (2007) veröffentlicht und außerdem Support-Shows für Art Brut, Mr. Brown und Pale gespielt.


Popconnection: Frame Of Mind gibt es seit dem Jahr 2000. Wie habt ihr denn zusammen gefunden?

Philipp: Das ganze hat sich schon in der Schule angebahnt. Nachdem die Langhaarperücken- und Baggypant-Pubertierenden-Phase überstanden war, überkam uns immer mehr die Begeisterung für britische Musik und so manche Oase und wir gründeten frame of mind. Zunächst mit Olav an der Geige, seinem Zwillingsbruder Johannes an der Gitarre, Stephan an der zweiten Gitarre, Chris am Bass und mir am Schlagzeug und Gesang. Wonderwall und The Drugs don’t work wurden als Endlos-Schleife im Proberaum gespielt, bis 2000 die ersten eigenen Songs entstanden.
Johannes ging dann zum Studieren und war einfach zu weit weg und ich war es leid an den Drums zu singen. Denn an den Drums fehlte der Kontakt zum Publikum. Die aktuelle Besetzung ist allerdings ein Quartett, denn Stephan hatte schon immer Lust am Fliegen und ist jetzt Pilot und daher mehr in der Luft als auf der Bühne. Nach mehreren verschiedenen Experimenten an der Schießbude haben wir mit Jan Hofmann einen super Drummer gewonnen.


Popconnection: Wie würdet Ihr Euren eigenen Sound beschreiben?

Philipp: Man sagt uns meistens, wir würden eine Mischung aus Sixties Beat, Mod, Britpop, Indie und Rock'n'Roll machen. Wir selbst denken, unsere Musik klingt wie unser jeweiliger seelischer Gemütszustand. Das ist auch der Grund für den Bandnamen frame of mind, denn bei Musik geht es immer um die Übermittlung von Gefühl und Emotion. Auf Anrat haben wir dann mal ganz spontan und selbstbewusst das eigen kreierte Genre Britpop'n'Roll ins Leben gerufen.


Popconnection: Welche Bands haben Einflüsse auf Eure Musik?

Philipp: The Beatles, ganz besonders John Lennon, The Small Faces, The Who, Paul Weller, Oasis, Stereophonics, Jet und einige der neuen New Wave of Brit-Indie-Bands, wie The Rakes oder The Klaxons.


Popconnection: Ihr habt ein Album ("Episodes") und eine EP ("Celebration") veröffentlicht. Kannst Du kurz was darüber erzählen?

Philipp: Episodes ist unsere erste Langspielplatte. Wir haben dort unsere besten Songs aus vier Jahren Bandgeschichte drauf gepackt und hatten viel Spaß bei der Produktion auf die wir sehr stolz sind, da wir sie selbst mitproduziert haben.
Die Celebration EP haben wir mit dem Produzenten Eddie Tapp aufgenommen. Sie spiegelt eher unseren aktuellen Sound wieder, den wir als Britpop'n'Roll bezeichnen würden.


Popconnection: Ihr habt Art Brut supportet. Wie kam es dazu?

Philipp: Wir haben unsere Celebration EP ans Tourmanagement von Art Brut geschickt, nachdem wir gehört haben, dass Art Brut lokale Support Acts sucht. Wir selber wussten, dass sich Eddie Argos immer stark für den Nachwuchs einsetzt. Fünf Tage nach Verschicken habe ich einen Anruf bekommen und wir konnten es kaum fassen: Vor zwei Monaten noch als Fans die CD gekauft und dann mit Art Brut auf der Bühne.


Popconnection: Und, wie war's mit Art Brut?

Philipp: Es war einer der glücklichsten Momente: Eddie Argos steht tanzend am Bühnenrand, lobt uns nach dem Gig mit den Worten "Pretty Excellent" und singt vorm Publikum "frame of mind Top of the Pops". Art Brut sind wirklich eine unglaublich sympathische Band, die keineswegs arrogant, sondern einfach nur nett ist und das finden wir ebenso wichtig, neben guter Musik; dass man ehrlich ist und man selbst bleibt.


Popconnection: Ihr kommt aus Detmold. Wie sieht die Musikszene dort aus?

Philipp: Toll! In Detmold gibt es eine der besten Musikhochschulen der Welt! Kein Scherz, die sind im Listing ganz oben mit dabei. Von daher gibt es eine hervorragende Klassik, Jazz, als auch Blues- und Rockmusik-Szene mit wirklich vielen virtuosen Musikern. Allerdings könnte die Clubszene besser sein.


Popconnection: Was macht ihr alle neben der Musik?

Philipp: Chris studiert Zahnmedizin, Jan Sozialpädagogik, Olav ist Photograph und Graphiker und ich studiere Populäre Musik und Medien, arbeite als Musikjournalist und Songschreiber.


Popconnection: Ihr seid ja bisher noch ohne Plattenvertrag. Habt Ihr bereits irgendwelche Label bemustert?

Philipp: Da wir alle wirklich heftige Studien haben und viel arbeiten, kommen wir einfach nicht dazu. Wir haben unsere Zeit eher damit verbracht viele Gigs zu spielen oder immer mehr und mehr Songs zu schreiben. Momentan haben wir über 35 eigen komponierte Stücke. Damit macht es wirklich Spaß Konzertabende zu füllen. Vor einem Jahr hatten wir allerdings über kurze Zeit ein Label, das sich aber leider aufgelöst hat, da derjenige es nebenberuflich gemacht hat und keine Zeit mehr gefunden hat. Es ist schade, dass es bei vielen Indie-Labels so läuft und man diese nicht mehr unterstützt, aber die momentane Bewegung soll ja Besseres versprechen. Daher ist es auch wieder in Planung Labels zu bemustern und ich denke auch vielleicht derzeit ne gute Chance, denn die EP kommt überall gut an und man sieht ja an den Kilians, dass auch Deutsche guten britischen Sound machen können, der einschlägt und angenommen wird. Wow, die Kilians, das ist die absolute Erfolgsstory dieses Jahres, oder? Drei Gigs gespielt und schon Plattendeal... Wir gönnen's denen.


Popconnection: Was sind Eure Pläne für die Zukunft?

Philipp: Labels mit unserer EP bemustern und dann mal schauen. Wir haben viele neue Songs und wollen auf jeden Fall im nächsten Jahr unseren zweiten Longplayer veröffentlichen. Ob das dann immer noch über uns selbst läuft, werden wir dann sehen. Der gröbste Plan ist es auf jeden Fall weiterhin Spaß zu haben.


Popconnection: Vielen Dank für das Interview!



Interview: Jenny Schnabel

14. Dezember 2007 / E-Mail

Website: www.frameofmind-music.com
Myspace: www.myspace.com/frameofmindsongbook

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TELESCOPE: "Aus den Ruinen von Royal-500 und Rino-Casino..."




Foto: Pressefoto

Telescope sind die neueste Erscheinung an Münsters Indie-Pop-Himmel. Um herauszufinden, inwiefern sie nach den Sternen greifen oder ob sie doch eher beobachtend am Boden bleiben, traf ich mich mit der fünfköpfigen Band vor ihrem dritten Konzert. Ihre Bodenständigkeit unterstreichend traf ich mich mit ihnen in ihrem gemütlichen Band-Bulli, der zwar frisch erworben und restauriert wurde, aber dennoch unverkennbar aus einer Zeit stammt, in der die Raumfahrt noch in der Kinderschuhen steckte. Nachdem alle durch die Beifahrertür eingestiegen waren und es mir untersagt wurde im Bulli zu rauchen, ging es auch schon los und Telescope plauderten über ihre Erfahrungen, Ambitionen und das musikalische Können ihres Schlagzeugers.


popconnection: Ihr hatte vorgestern Euren zweiten Auftritt mit Telescope. Wie war das für Euch? Seid Ihr mit den Resonanzen zufrieden, also auch gerade im Hinblick auf einen Vergleich zum ersten Konzert?

Jörn: Mit den Resonanzen sind wir auf jeden Fall zufrieden. Die Stimmung war super, abgesehen von den ganzen Soundproblemen und technischen Problemen beim Auftritt. Die Resonanzen waren super.
Thorsten: Es hat vor allem tierisch Bock gemacht.
Jörn: Ja, während des Konzertes und auch nach dem Konzert waren die Resonanzen gut.
Habbo: Beim ersten Auftritt waren wir ganz froh, dass relativ viele Leute gekommen sind und das konnten wir beim zweiten auch einigermaßen halten.


popconnection: Euch gibt's noch nicht so lange und es existiert noch nicht mal eine Homepage. Seit wann gibt es Euch, wie habt ihr zusammen gefunden und was motivierte Euch Telescope zu gründen?

Jörn: Aus den Ruinen von Royal-500 und Rino-Casino wie Phönix aus der Asche entsprang Telescope. Also, angefangen haben im Grunde Thorsten und ich bei unserer Vorgängerband. Da haben wir noch mit drei anderen Jungs zusammengespielt. Das hat sich dann irgendwann aufgelöst. Dann haben wir Habbo getroffen und dann haben wir halt das Projekt Telescope, das damals noch nicht Telescope hieß, gestartet und nur grobe Visionen gehabt. Daraufhin haben wir nach und nach einen Schlagzeuger und einen Sänger gesucht, die wir jetzt im Laufe der... Wie lange hat das gedauert? Ein halbes Jahr?
Habbo: Vier Monate hat das gedauert. Ich glaub, du (Philipp) warst ab November dabei und wir haben im September bereits angefangen.
Ingmar: In der Sputnikhalle hab ich euch getroffen.
Habbo: Nee, im Tryptichon. Das lief über den alten Gitarristen meiner alten Band. Aber egal, das brauchst du auch alles gar nicht wissen. (lacht)

(Daraufhin startet eine Diskussion , weil Jörn im Bulli eine Zigarette rauchen will:
Jörn: Habbo, stört's dich, wenn ich hier ne Kippe rauche... Aber auch ihm wird es untersagt.)

Habbo: Ja, zurück zum Thema. Also, in circa einem halben Jahr haben wir zueinander gefunden und uns gibt's jetzt seit einem dreiviertel Jahr. Okay, sagen wir komplett gibt's uns seit nem halben Jahr. Dann is gut!


popconnection: Mit dieser umfangreichen Beschreibung gebe ich mich zufrieden. Aber was hat es mit Eurem Namen auf sich?

Jörn: Ich habe ein Büchlein, in dem stehen ungefähr zwanzig potentielle Bandnamen und Telescope war einer davon.
Habbo: Das hat keinen tieferen Hintergrund...
Thorsten: (ruft dazwischen) Ingmar hat mal in einer Sternwarte gearbeitet. (Gelächter)
Jörn: Das wollten wir doch verschweigen.
Ingmar: (grinst) Wir wollten uns erst Hubble (er spricht es hubbel) nennen oder Hubble-Telescope.


popconnection: Gut, haben wir auch das geklärt. Eure Referenzen klingen sehr vielseitig – von Post-Punk bis Indie-Pop. Teilweise auch in die Richtung von Incubus. Ist das Euer Konzept?

Habbo: Das ist Konzept und Absicht. Wir hatten die Absicht, auf jeden Fall mehrere Stile zusammenzumixen und erst mal zu gucken, was man überhaupt so zusammenbringen kann. Wir wollen aber auch schon versuchen ein bisschen mehr in eine Richtung zu gehen und das nicht noch weiter auszufächern, sondern eher abzuspecken.
Thorsten: Ich glaub das kommt auch einfach, weil wir alle aus so verschiedenen Sparten kommen und das alles irgendwie zusammengebracht werden muss.


popconnection: Was sind da genau Eure Einflüsse?

Thorsten: Ich habe früher Punk- und Hardrock-Musik gemacht. Und diese Post-Punk-Schiene finde ich faszinierend.
Jörn: Also, (zögernd) ich mag Indie-Rock und die 80er-Wave-Atmosphäre.
Thorsten: Das liegt auch vielfach daran, dass Jörn und ich aus der anderen Band gekommen sind und Habbo getroffen haben und das zunächst als Projekt gesehen haben und noch nicht gewusst haben, wo das Alles mal hin sollte. Wir haben erstmal gesammelt und geschaut und dann kamen durch Ingmar und Philipp noch mal andere Einflüsse rein.
Habbo: Ich würd auch sagen, dass der Incubus-Einfluss eher von Philipp kommt und das was Jörn sagte trifft auch auf mich zu, aber wir hören auch viele alte Sachen, also 60er, Pink Floyd und so weiter und so fort.
Philipp: Ich habe früher eigentlich nur in drei-Akkorde-für-ein-Halleluja-Punkbands gespielt (lacht) und sonst noch ein Singer/Songwriter-Projekt behabt. In der Form ist das jetzt auch das erste, was ich mache.
Ingmar: Ich weiß nicht, was ich großartig dazu sagen soll. Bei diesen ganzen Schienen hab ich gar nicht so ne Ahnung wie das alles heißt. Aber ich muss ja auch nur trommeln (lacht) und keine Akkorde spielen.


popconnection: Das heißt, Du hörst sonst keine Musik, Ingmar?

Ingmar: (lacht) Doch, doch! Ich höre sonst auch schon Rock und so. Ich höre vieles eigentlich. Meine absolute Lieblings-Band ist AC/DC. Das kommt glaub ich von meinen Brüdern.


popconnection: Wie entstehen Eure Songs, wenn man bedenkt, dass ihr eine relativ große Band seid? Tragen da alle Ihren Teil zu bei?

Habbo: Es ist meistens so, dass einer ne Idee mitbringt und wir die dann so ein bisschen spielen. Jörn arbeitet am Rechner oft noch Sachen aus, so das man sich das etwas objektiver anhören kann. Aber meistens hat einer ne Idee, die schnappt dann irgendwer auf, entwickelt was dazu und dann... ja...


popconnection: Ich habe erfahren, dass Ihr eigentlich gar keinen richtigen Bassisten in der Band habt. Ist das ein Problem für Euch? Immerhin spielt fast jeder von Euch mal den Bass. Bedeutet das, jeder will mal oder jeder muss mal und seid Ihr, froh wenn Ihr den Bass weiterreichen könnt und zurück an die Gitarre gehen dürft?

Thorsten: Wir haben eigentlich drei Gitaristen, das hast du schon richtig erkannt: Habbo, Jörn und ich. Für mich ist das mal ne neue Erfahrung und mir macht es auch Spaß am Bass zu stehen, weil ich das in anderen Bands noch nicht gemacht habe. Also, ich find's gut. Das liegt auch daran, wie die Songs entstehen, wer ne Idee mitbringt und ob das jetzt auf dem Bass ist oder auf der Gitarre. Dann wird sich geeinigt, wer was spielt und daran weiter gearbeitet.
Habbo: Ich habe auch schon Spaß am Bassspielen. Ich habe früher auch viel Bass gespielt, immer mal abwechselnd.
Jörn: Wenn da nicht das Chaos auf der Bühne wäre, dann wäre das auch gar nicht schlecht.
Habbo: Man muss die Songs auf der Bühne halt dahingehend arrangieren.
Jörn: Tja, das kommt wenn man mit drei Gitarristen anfängt. So haben wir nun sechs Gitarren, mit Bass, auf der Bühne stehen, die herum gereicht werden.


popconnection: Wie sehen Eure weiteren Ambitionen für die Zukunft aus?

Jörn: Wir werden nächsten Monat neue Songs aufnehmen, also zwei.


popconnection: Oder vielleicht erst mal eine Homepage?

Jörn: (lacht) Gut, kannst du das noch mal zurückspulen? Also, Homepage, neue Songs aufnehmen und dann mal schauen. Gerne noch Auftritte wenn's geht.
Habbo: Wir wollen schon zusehen, dass wir daraus was machen. Aber wir gucken erst mal, was sich daraus entwickelt und einer kann ja auch nicht über vier andere Köpfe hinweg entscheiden. Wir müssen das schon alle zusammen entwickeln und zusammen weiterentwickeln.


popconnection: Immerhin habt ihr schon einen Bulli!

Habbo: (lacht) Mehr oder weniger. Wir versuchen das grad in den Semesterferien zu koordinieren mit Auslandsaufenthalten und sonst welchen anderen Sachen.
Ingmar: (grinst) Wir ja sind alle ordentliche Studenten!
Philipp: Aber diese Band hat zur Zeit auf jeden Fall einen ziemlich hohen Status in meinem Leben. Das soll schon weitergehen!


popconnection: Okay, jetzt dürft Ihr noch kurz Werbung für Eure CD machen und erzählen, was einen da erwartet.

Jörn: Wir haben sieben Songs, die wir alle in Eigenregie aufgenommen haben. Das klingt erstmal nicht so besonders, aber das Ergebnis ist ziemlich gut. Es sind ausgeklügelte, ausgereifte Aufnahmen. Wir haben auf der EP sieben von elf Songs, die ein Bild von uns ergeben.


popconnection: Schön, jetzt noch die letzte Frage: Was erwartet einen, wenn man auf ein Konzert von Telescope geht?

Jörn: Abwechslung – in musikalischer Hinsicht. Bis jetzt eigentlich immer ne ziemlich gute Party. Hoffentlich heute mal nen guten Sound. Beim Soundcheck war der auch schon gut. Was erwartet die Leute sonst noch?
Thorsten: Ingmar mit nacktem Oberkörper. (lacht)
Ingmar: (nickt) Richtig! Wir sind schon musikalisch Anspruchsvolle.


popconnection: Und das sagt der Schlagzeuger.

Ingmar: (während ihn die Anderen durch ihr Gelächter kaum zu Wort kommen lassen) Irgendwer muss das ja sagen. Die Gitaristen sind viel zu bescheiden. (grinst)


popconnection: Gut, damit bedanke ich mich und wünsche Euch viel Erfolg für heute Abend.



Interview: Axel Schinkel

29. Juni 2007 / Münster

Myspace: www.myspace.com/abandcalledtelescope

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PERFECT BALLROOM CAST: "Wer uns live sieht, kriegt jedes Mal 100%"




Foto: Pressefoto

Perfect Ballroom Cast sind Sebastian Böltner (Vocals, Gitarre), Manuel Bieker (Bass) und Hanno Stecken (Drums). Die Musik der drei Düsseldorfer lässt sich irgendwo zwischen Brit-Rock und Indie einordnen. Seit jeher favorisieren Perfect Ball Cast Live-Auftritte und auch hier überzeugen die Songs des Trios durch ihre Vielfältigkeit. Im Januar 2006 hat die Band vier Songs aufgenommen und mit Beat Campaign ihre erste EP veröffentlicht.

Popconnection hat mit Sänger Sebastian ein Interview gemacht, um Euch die Band einmal vorzustellen.


popconnection: Was war Eure Motivation eine Band zu gründen und wie habt Ihr Euch alle kennen gelernt?

Sebastian: Im Grunde haben alle von uns vorher schon musikalisch in irgendeiner Form was gemacht und hatten auch immer als Ziel vor Augen, eigene Musik zu machen. Kennen gelernt haben Hanno und ich uns aber erst nach der Schule als wir in der gleichen Bundeswehreinheit waren. Das ist jetzt nicht gerade als Rockkaderschmiede verschrien, aber wir haben uns dort kennen gelernt und schnell beschlossen, eine Band zu gründen, weil wir musikalisch direkt auf einer Wellenlänge lagen. Perfect Ballroom Cast wurde dann durch Hannos Kumpel Mani komplett.

popconnection: Wie würdest Du Eure Musik selbst beschreiben?

Sebastian: Wir lassen es auf Flyern etc. immer gerne als Rock durchgehen und können auch mit dem Indie/Britrock Stempel leben, weil es im Kern unsere Musik trifft. Sicherlich geht das, was wir machen aber auch darüber hinaus. Wir lassen uns von dem beeinflussen, was bei uns um Plattenschrank steht und uns als sehr gut erscheint. Ebenso bauen wir neue Sachen ein, die uns von klassischen Gitarrenbands abhebt.

popconnection: Wie entstehen Eure Songs?

Sebastian: Alle Songs sind von mir geschrieben. In der Form, wie wir sie dann spielen gibt es sie aber nur, weil ich sie den anderen vorspiele und wir gemeinsam überlegen, wie man sie am besten umsetzt. Oft ist dann auch schon klar, welchen Sound wir haben wollen. Manchmal schmeißen wir einen Song aber auch total um, weil es dann passender scheint. Wir haben mit der 3-Mann-Besetzung weniger Spielraum als eine klassische 4er oder 5er Band, aber auf der anderen Seite macht das Reduzierte auch sehr unseren eigenen Sound aus. Es gibt eine Tradition von Bands, die mit einer kleinen Besetzung das maximale Ergebnis aus Songs rausgeholt haben wie z.B. The Jam und an diese Tradition knüpfen wir an.

popconnection: Was sind Eure Inspirationen und Einflüsse?

Sebastian: Unsere Einflüsse sind relativ vielfältig. Bei Hanno sind es sowohl die Klassiker als auch neue Gitarrenbands wie Kaiser Chiefs oder The Coral. Bei mir ist da sicherlich die Soul-Ecke mit einer Menge Paul Weller, Northern Soul, dann die Liverpool-Ecke mit Shack oder La's und die Klamotten wie Sinatra, Cpt. Beefheart, die die anderen eher obskur finden. Mani deckt sich größtenteils auch mit unseren Feldern, aber er ergänzt das Spektrum mit viel Soul und Blues. Die Frage hier darf auch eigentlich nicht beantwortet werden ohne Beatles und Oasis zu nennen. Keiner in unserem Alter, der heute in einer Band spielt hat seinen Antrieb nicht als 14jähriger daher bekommen.

popconnection: Ihr habt im vergangenen Jahr ein 4-Track Demo veröffentlicht. Wo habt Ihr die EP aufgenommen?

Sebastian: "Beat Campaign" haben wir im Bo55 Studio im Düsseldorfer Hafen aufgenommen. Die Jungs da haben im Vergleich zu anderen Studios sehr gutes Equipment und vor allem eine professionelle Einstellung, so dass wir mit denen sehr gut zusammen arbeiten konnten. Insgesamt haben wir vier Songs eingespielt und das an einem Wochenende mit jeweils 12 Stunden Tagen. Im Nachhinein wäre es gut gewesen, mehr Zeit zu haben, um die Aufnahmen näher an unsere perfekte Vorstellung zu bringen, aber wir sind mit dem Resultat sehr zufrieden.

popconnection: Der Song "Beat Campaign" bekam sogar ein Airplay auf Eins Live. Wie sind die auf Euch aufmerksam geworden?

Sebastian: Wir haben sie drauf gestoßen, indem wir die CD eingeschickt haben – so einfach war das. Bei EinsLive waren sie begeistert und wir haben auch sehr gutes Feedback bekommen. EinsLive leistet im Sinne der Musik hier in Deutschland als Massenmedium Radio die beste Arbeit und deshalb haben wir es als Kompliment aufgenommen und hoffen, dass es nicht das letzte Mal war.

popconnection: In Eurer Presse-Info steht, dass Ihr Live-Auftritte favorisiert. Wie wichtig ist es, als Newcomer-Band, live zu spielen?

Sebastian: Sehr wichtig. Vor allem, wenn man noch kein vernünftiges Demo in der Tasche hat, ist das sehr wichtig, um seine Musik öffentlich zu machen. Darum geht es ja letztendlich immer. Demos sind wichtig, aber realistisch gesehen kann man davon ausgehen, dass die natürlich nicht mit der Intensität gehört werden, mit der sie gemacht sind. Wer uns live sieht, kriegt jedes Mal 100%. Es gibt Kritiker, aber die lassen sich an einer Hand abzählen. Auf der anderen Seite stehen viele Anhänger und vor allem eine Menge Leute, die sich positiv überraschen und überzeugen lassen. Die kommen nach den Gigs und sagen "Geil und live auch noch besser als auf dem Demo".

popconnection: Ihr habt im vergangenen Jahr auch in England getourt. Wie kam es dazu?

Sebastian: Die Band gibt es so seit Ende 2005. Wir haben einige Freunde in England und es war immer so ein running gag, dass wir die UK Tour machen. Nachdem wir hier einige Gigs gespielt hatten haben wir gesagt "Ok wir machen das jetzt". Die Planung mussten wir halt über ein halbes Jahr vorher angehen, um das logistisch und organisatorisch richtig zu machen. September sind wir dann rüber und hatten einen reibungslosen Ablauf. Gefahren sind wir mit VW Bus, Equipment, Sound Tech und Tour Manager. Geschlafen haben wir bei Freunden und Bekannten, ansonsten ein Mal Bed & Breakfast und zwei Mal Campingplatz. Je länger man dann unterwegs ist, desto mehr Spaß macht das und je nördlicher wir fuhren, desto mehr Rock 'n' Roll kam auf, so dass wir am letzten Abend das ganze Programm mit Fetzereien etc. hatten. Ich kann es jeder Band empfehlen.

popconnection: Wie war die Resonanz in England?

Sebastian: Sehr gut. Natürlich hatten wir als 5 Typen aus Deutschland mit VW Bus den Gang- und Exotenbonus. Dazu kommt, dass die Begeisterung für Live-Musik in der Kultur tiefer verankert ist und das merkt man daran, dass nicht wie hier 1 mal die Woche sondern jeden Abend Bands spielen und auch an den Reaktionen der Besucher.

popconnection: Was war Euer bislang bestes Konzert?

Sebastian: Unser bestes Konzert war im Zanzibar Club in Liverpool. Als Headliner in einem vollen Haus auf der Bühne zu spielen, wo Noel Gallagher und andere Große schon ein paar Mal gestanden haben, war bis jetzt so das Highlight.

popconnection: Mit wem würdet Ihr gerne mal zusammen spielen?

Sebastian: Da gibt es so einige und dabei handelt es sich ja auch um unsere Helden, die wir wegen ihrer Live Auftritte schätzen wie The Who, Weller oder so. In England sind wir mit Barry Sutton aufgetreten, der bei The La's gespielt hat und unsere Musik auch sehr gut fand. Das war schon mal ein Anfang.

popconnection: Wo kann man in nächster Zukunft in den Genuss kommen, Eure Musik live zu erleben?

Sebastian: Wir werden noch den ein oder anderen Gig in NRW spielen und uns dann im Sommer auf neue Aufnahmen konzentrieren. Die neuen Tracks werden dann auch live im Herbst präsentiert, wenn wir wieder mehr Konzerte spielen. Es lohnt sich also unsere Website oder myspace abzuchecken.

popconnection: Vielen Dank für das Interview!

Sebastian: Ich danke auch!



Interview: Jenny Schnabel

08. Mai 2007 / E-Mail

Website: www.perfectballroomcast.com
Myspace: www.myspace.com/perfectballroomcast

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MIYAGI: "Wir klingen wie Bloc Party auf Drogen"




Foto: Malte Müller

Miyagi aus Münster - nein, das hat nichts mit Karate oder kleinen Bonsaibäumchen zu tun, sondern mit erstklassiger spannungsgeladener Musik! Miyagi besticht durch einen ganz eigenen Sound, der sich hören lassen kann. Die Tracks von Stefan Matysick (Vocals, Drums), Felix Prescher (Gitarre), Axel Schinkel (Bass) und Daniel Ortega (Drums, Vocals) bieten Eigenständigkeit und Abwechslungsreichtum gallore. Anfangs rein instrumental unterwegs, gehen Miyagi nun neue Wege hin zu ausgefeilten Songs mit Vocalparts.
Popconnection hat die Jungs in Axels Küche für ein Interview getroffen.


popconnection: Ihr habt Ende April im Amp (Münster) als Support von The Jakpot gespielt. An diesem Abend war auch Euer Demo-Release. Wie hat Euch der Gig gefallen?

Felix: Bei mir ist eigentlich alles schief gegangen. Bei meiner Gitarre ist eine Saite gerissen, der Verstärker ist ausgefallen, aber trotzdem war es ein cooles Konzert. The Jakpot waren aber auch eine erfrischende Band. Also nicht so der übliche Abklatsch, sondern wirklich coole Musik.

popconnection: War das Konzert für Euch denn im Hinblick auf die Demo-Release anders oder war es ein Gig wie jeder andere? Ward Ihr motivierter oder euphorischer?

Stefan: Wenn man in der Heimat spielt, ist das schon was anderes. Da will man sich schon ein bisschen anstrengen. Sonst haut man vielleicht noch mehr auf die Kacke, weil man sich denkt, "Ist ja alles egal", weil einen keiner kennt. Aber in Münster will man sich natürlich anstrengen und ich glaub, das haben wir auch gemacht und es war ein super Konzert!

popconnection: Das wievielte war das jetzt eigentlich in Münster? Zählt Ihr die überhaupt noch mit? Ihr spielt ja ziemlich oft hier...

Stefan: Wir sehen das ja immer nur besetzungstechnisch. (grinst) In der Besetzung war es gerade mal das zweite.

popconnection: Wie ist der Verkauf des Demos gelaufen? Hattet Ihr gute Absätze an dem Abend?

Stefan: Die waren alle weg. Wir sind mit 40 Stück oder so ins Amp gekommen und dachten uns, "Na ja, so 15, 20 werden wir wohl verkaufen". Dann war da direkt nach dem Konzert eine Fünf-Meter-Schlange und dann waren eben alle weg.

popconnection: Das ist natürlich klasse. Wo habt ihr die EP aufgenommen und wie lange habt ihr ungefähr gebraucht?

Felix: Bei Daniel zu Hause und im Proberaum. Das Aufnehmen an sich ging ziemlich schnell. Aber dann dauert's, den perfekten Klang rauszuholen. Das ist immer so eine Sache des Abmixens. Wenn man alles aufgenommen hat, dann dauert das Abmixen meistens so 10, 12 Stunden ungefähr, wenn man die Pausen abzieht.

popconnection: Habt Ihr denn schon erste Resonanzen bekommen, von Leuten, die das Demo gekauft haben?

Stefan: Bisher fanden's alle super! Kann natürlich sein, dass die uns anlügen, weil wir aus Münster sind! (lacht)

popconnection: Und wie haben die Medien darauf reagiert? Ihr habt ja auch schon ein paar Mags bemustert, hab ich gehört...

Stefan: Ja, so ein paar Musikblogs haben darüber geschrieben - alle durchweg positiv. Die vom Motor Music Magazin haben das Demo direkt weitergeleitet an die Labelabteilung, weil die so begeistert waren.

popconnection: Das wollte ich Euch auch fragen: Inwiefern habt Ihr bereits Kontakt zu Labeln aufgenommen? Habt Ihr da auch schon was rausgeschickt zum Bemustern?

Felix: Nein, zu Labeln bisher noch nicht. Eigentlich ist das ja nur eine EP und die Label wollen wir erst bemustern, wenn ein Album da ist.
Stefan: Wir wollen erst mal ein paar Referenzen einsammeln bei Musikblogs, Magazinen, etc. Es ist besser, wenn man ein paar Rezensionen und Referenzen in der Hand hat, an ein Label heranzutreten, als nur mit einem Demo oder so. Achtzig Prozent landen meistens eh im Müll. Aber wenn man sagen kann "Hey, die haben über uns berichtet", erzeugt das vielleicht ein wenig mehr Aufmerksamkeit.

popconnection: Was ist denn Euer persönlicher Fave auf dem Demo und warum?

Stefan: "Whatever" ist natürlich so der Knaller! Den finden auch alle anderen super, wenn man so die Resonanzen über myspace bekommt oder so.
Felix: Jeder Song hat natürlich irgendwas, aber mein Favoriten sind eher die melodiösen Songs. Dann gibt's ja auch noch so ein paar Punk-Kracher, die find ich auch gut, aber das sind nicht unbedingt meine Favoriten.

popconnection: Ihr hattet einige Umbesetzungen in der Band. Was waren die Gründe dafür?

Axel: Wir haben festgestellt, dass Stefan der perfekte Sänger für uns ist und deshalb haben wir uns halt von Sascha getrennt.
Daniel: Dass Stefan singen soll hat sich ja quasi schon bei den ersten Aufnahmen in Hamburg bei mir herauskristallisiert.
Stefan: Fakt ist ja auch, dass Sascha ein guter Sänger ist. Seine Stimme weiß er halt nur am besten einzusetzen, bei einer anderen Art von Musik. Wir haben ihn auch gefragt und er wollte sich schon auf eine feste Schiene einfahren, für die seine Stimme auch völlig geeignet ist. Aber da wir uns dafür entschieden haben, dass wir ein wenig abwechslungsreicher sein wollen und ab und an auch mal ein paar melodische Popsongs machen wollen, haben wir uns dann umentschieden.

popconnection: Also war das quasi eine Entscheidung aus rein musikalischer Sicht?

Daniel: Auf jeden Fall! Es war ja auch nur möglich, dass Stefan singt, wenn ich dabei bin. Bei mir stand dann die Entscheidung an, ob ich weiter Bundeswehr mache und Kohle kriege. (lacht) Oder ob ich arbeitslos werde und nach Münster gehe und bei Miyagi mitspiele - was ich dann gemacht habe.

popconnection: Würdet Ihr also sagen, dass das im Moment die Idealbesetzung für euch ist?

Felix: Doch, ich würde sagen, schon. Wir haben zwei Schlagzeuger, das ist super, das kann man schön ausnutzen. Manchmal denke ich, es fehlt vielleicht noch eine zweite Gitarre für die Livegigs.

popconnection: Und in wiefern haben sich die Umbesetzungen auf Euren Sound ausgewirkt? Hat sich da etwas verändert?

Stefan: Doch, es ist jetzt songorientierter und melodischer. Also nicht nur dieses stumpfe "Disco, nach vorne", sondern eher eine melodische Poppigkeit. Da passt ein Statement ganz schön, was wir übers Internet bekommen haben: Die Rote Raupe schrieb, unser Sound sei zu vergleichen mit den Kaiser Chiefs oder so und dieser Typ meinte eben, dass wir eher klingen, wie Bloc Party auf Drogen. Und das passt ganz gut irgendwie. Also Disco, schön nach vorne, tanzbar, aber trotzdem melodisch und poppig.

popconnection: Was mir aufgefallen ist, als ich euer Demo zum ersten Mal gehört habe, war, dass mir bei den Songs, die Stefan singt, wesentlich mehr Vergleiche zu anderen Bands einfallen, wie z.B. den Strokes, The Rapture oder passagenweise Art Brut. Vorher war es eher so, dass ich Miyagi nicht wirklich in eine Schublade packen konnte. Stört Euch das oder findet Ihr es ok, wenn Ihr mit anderen Bands verglichen werdet?

Stefan: Es kommt auch immer darauf an, mit wem die Band verglichen wird. Das finde ich überhaupt nicht problematisch, solange man immer noch seinen eigenen Stemple drauf hat. Klar wird man immer verglichen und es ist auch superschwer, da irgendwas ganz neues zu machen. Bisher sind wir immer mit Bands verglichen worden, bei denen wir uns ganz einverstanden erklären würden. Wir konnten diese Vergleiche zwar teilweise nicht so ganz nachvollziehen, was allerdings wieder für unsere Spielvielfalt spricht.

popconnection: Aber es sind schon Eure Einflüsse, die ihr in eure Musik mit einbringt...

Stefan: Ich glaube, wir gehen eher unbewusst mit unseren Einflüssen an unsere Musik ran. Wir gehen jetzt nicht hin und sagen "Das soll jetzt nach den Strokes klingen oder das jetzt nach The Rapture". Es ist eigentlich eher Zufall, dass es so und so klingt. Das macht dann vielleicht auch das Schlagzeug oder der Gesang oder der Bass.

popconnection: Also nicht wie bei den Kilians beispielsweise, bei denen man das Gefühl hat, sie würden intendiert versuchen, so zu klingen, wie die Strokes...

Stefan: Nein, da seh ich immer das Problem drin, dass man dann ein Lied gehört hat und quasi schon alles gehört hat. Wenn man den ersten Track hört und sich denkt, das klingt ja wie die Strokes, aber gar nicht schlecht, beim zweiten Lied ist es dann aber genauso, dann weiß man auf jeden Fall, was kommt. Irgendwie wird's dann ja ein bisschen monoton…
Felix: Bei uns ist es ja genau das Gegenteil. Jedes Lied klingt irgendwie total anders. Das ist vielleicht auch ein bisschen abschreckend. Das variiert schon stark. Mal ganz hart, mal ein eher poppiger Song, aber trotzdem zieht sich unterschwellig eine Linie durch. Wenn man das Demo dann fünf mal gehört hat, dann wird man das heraushören.
Stefan: Wenn man sich die Songs auf der EP anhört, der vierte Track, "Chimes", der von Daniel gesungen wird und dann "Rats & Backseat Drivers" kommt, da denkt man schon fast, dass sei eine andere Band oder so. Es gibt eben viele Leute, die mögen Homogenität in der Musik, dass sich alles immer schön ineinander fügt und das ganze Spiel ein Gebilde darstellt... Ich für meine Teil finde Alben interessanter, auf denen sich die Songs voneinander unterscheiden. Da macht das Hören viel mehr Spaß, als wenn die Erwartung schon nach dem zweiten Lied gedeckt ist.

popconnection: Es ist so, dass Stefan in erster Linie textlich für die Songs verantwortlich ist, oder?

Stefan: Textlich schon. Aber ansonsten machen wir das alle zusammen. Bei "Whatever" hab ich das Grundgerüst geschrieben. Ich kann allerdings nicht so gut Gitarre spielen, wie Felix. Ich hab das dann fertig gemacht und Felix hat das aufgearbeitet und verfeinert und ansonsten entsteht das alles so beim Herumexperimentieren.

popconnection: Kurz zu Eurem Namensproblem: Ihr hattet überlegt, euch umzubenennen. Ist da was dran?

Axel: Das sind nur Gerüchte. Also wenn irgendwo mal Plakate auftauchen, auf denen steht "Brutal Gay Parade", dann könnten das Miyagi sein. Wir waren auch vor Fujiya & Miyagi da und das würde ich nicht einsehen, dass wir uns wegen so was umbenennen sollen.

popconnection: Aber Ihr habt keine juristischen Probleme bekommen, dass an Euch herangetragen wurde, Ihr müsstet Euch umbenennen oder so...

Axel: Nein, es kam höchstens mal vor, dass Leute Fujiya & Miyagi im Radio gehört hatten und gefragt haben "Hey, seid ihr das?" und wir waren das halt nicht.

popconnection: Ihr denkt im Moment darüber nach, ein ganzes Album aufzunehmen. Arbeitet Ihr denn bereits an neuem Material?

Felix: Ja, wenn wir jetzt gleich proben, wird das auch schon wieder weitergehen. Aber wir haben prinzipiell auch schon mehr als genug Material für ein Album zusammen. Ein paar Texte müssen noch geschrieben werden. Manche Songs sind schon fertig, nur es fehlt noch der Gesang. Noch ein paar Monate und dann sollte das Album auch fertig sein.

popconnection: Wie sieht es bei Euch mit Live-Auftritten außerhalb Münsters aus? Ist es da schwierig, an Gigs zu kommen?

Stefan: Bisher war es eigentlich immer so, dass die Veranstalter auf uns zugekommen sind. Egal, ob bei dem Gig in Hamburg, Paderborn, Wiesbaden oder bei dem Festival auf Usedom. Bisher hatten wir da immer Glück. Wir mussten uns nie extrem bemühen, um irgendwo auftreten zu können.

popconnection: Das war's auch schon! Ich bedanke mich, dass ihr euch die Zeit genommen habt.

Axel: Wir danken!



Interview: Katja Embacher

07. Mai 2007 / Münster

Website: www.miyagi-music.de
Myspace: www.myspace.com/miyagimusik

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ORANGE: "Die besten Songs sind die, die schnell geschrieben sind"




Foto: Teja Weidlich

Everswinkel im tiefsten Westfalen, genau aus dieser ländlichen Idylle stammt die Brit-Rock-Spielvereinigung Orange. Gegründet hat sich die Band bestehend aus Helge Paul Traue (Gesang), David Patrick Zurstrassen (Gitarre), Christian Uebbing (Rhythmus-Gitarre), Sebastian Kuhlgert (Bass), Marcel Märtens (Schlagzeug), Julian Theiselmann (Trompete) und Lena Rutsch (Saxophon) 2004 und nach zwei Jahren harter Arbeit im Proberaum im November vergangenen Jahres ihr erstes selbstproduziertes Album (Right)Time Is Always Now veröffentlicht.

popconnection hat in einem Interview mit Sänger Helge-Paul Traue über ihre Motivation, ihre Einflüsse und ihr Erstlingswerk gesprochen.


popconnection: Was hat Dich bzw. Euch dazu gebracht, Musik zu machen und eine Band zu gründen?

Helge-Paul: Wir atmen Musik und zwar jeder einzelne von uns. Musik nimmt in unserem Leben wohl den größten Stellenwert ein und jedes Bandmitglied von Orange hat schon von klein auf an in irgendeiner Form etwas mit Musik zu tun gehabt...bis heute. Ein Jeder von uns spielt schon seit Jahren sein Instrument (zum Teil auch mehrere...), wirkte schon in verschiedensten Bands und anderen musikalischen Projekten mit. Das logische und beste Resultat daraus konnte nur die Gründung von Orange sein. Die Weichen waren von Anfang an für diese Band gestellt! Ich selber spielte schon vor über zehn Jahren mit David in einer Band zusammen, allerdings als Schlagzeuger, der ich eigentlich bin. Wir verkrachten uns und hatten lange Zeit nichts mehr miteinander zu tun. Trotzdem ahnten David und ich immer, dass wir irgendwann einmal wieder zusammen in einer sehr großartigen Band zusammenspielen würden!
Zwischenzeitlich jedoch trommelte ich in diversen anderen Bands und David hatte ebenso in diversen Bands als Gitarrist seine Jobs.
Marcel und Sebastian kenne ich ebenfalls schon seit Jahren...wir drei spielten jahrelang zusammen in einem Orchester. Anfangs probten wir nur zu viert und auch erst noch mit einem anderen Gitarristen namens Andreas. Uns wurde schnell klar, dass er der absolute Vollpfosten war...mehr so der Metallica-Poser mit LA-Gehabe. Pahhh! War schnell erledigt der Rauswurf. Und dann kam David zur Band und wir vier hatten uns gefunden! Da von Anfang an klar war, das Marcel den Job als Schlagzeuger bei Orange bekommt, kam ganz schnell meine Prophezeiung als Sänger. Wir spürten vom ersten Moment an die unglaubliche Energie der Band. Jede Probe und jeder Gig war und ist für uns der Orgasmus schlechthin. Uns wurde nach eineinhalb Jahren aber schnell klar, dass uns ein Rhythmus-Gitarrist fehlte. David kannte vom Job her Christian und der Anruf war schnell getan. Nun waren wir zu fünft. Die beiden Bläser Lena und Julian kommen ursprünglich auch aus diesem besagten Orchester. Da Julian aber z. Zt. für ein Jahr in Australien ist, ist die Bläser-Geschichte derzeit auf Eis gelegt. Da die Bläser eh nicht bei jedem Song mitspielen (...um es genau zu sagen nur in drei'en...) ist die Zukunft, was dieses Thema angeht noch offen. Wir müssen uns, sobald Julian zurück ist mit der ganzen Band an einem Tisch setzen. Die Namensgebung "Orange" stammt übrigens von David.

popconnection: Wie würdest Du Eure Musik selbst beschreiben?

Helge-Paul: Unsere Musik hat schon britischen Charakter. Und das ist auch bewusst so gewollt. Wir verzichten bewusst auf das Komplizierte und achten darauf, schnörkellose, eingängige Musik zu machen, die großen Wiedererkennungswert besitzt. Musikalische Kriterien reichen von "Brit-Pop" bis hin zu "puren Brit 'n' Roll mit einer Prise Glam-Rock". Letztlich legen wir uns da selber aber gar nicht so sehr fest. Bildet euch einfach euer eigenes Urteil.

popconnection: Wie entstehen Eure Songs?

Helge-Paul: Größtenteils schreiben David und ich die Songs für Orange. Die Lyrics liefere ich. Einen festen Plan oder Ablauf gibt es dafür aber nicht. Mal liefert David einen kompletten Song, mal tue ich das. Die Songs werden dann in den Proben der Band vorgestellt und eingeübt. Die meisten Songs schreiben David und ich jedoch zusammen und damit fahren wir auch am besten. Meistens liefert David dann die absolut geilsten Akkord-Folgen und ich verpasse denen dann die Gottes-Gesangs-Linien. Das kann überall geschehen. Mal im Proberaum, mal bei ihm zuhause, oder mal auf Graceland. Aber auch mal an einem Sonntag morgen um 16 Uhr im Bett, nachdem man kurz vorher die Bekanntschaft mit der Toilette gemacht hat. Auch Sebastian steuert das ein oder andere Mal einem Song eine gute Idee bei. Die Abläufe der Songs wurden früher meist mit der ganzen Band festgelegt, mittlerweile aber lege ich zumindest (...wenn ich selber einen eigenen Song schreibe) die Abläufe schon im Vorfeld selber und eigenhändig fest. Gut ist es immer, sich beim Songwriting nicht zu lange mit einem Song aufzuhalten. Dann besteht die Gefahr, dass der Song zu lange liegen bleibt, bis er zur Vollendung kommt. Die besten Songs sind die, die schnell geschrieben sind! Man hat eine Idee und setzt sie einfach schnell um.

popconnection: Was würdest Du als Inspirationen und Einflüsse bezeichnen?

Helge-Paul: Meine persönlichen musikalischen Einflüsse sind ziemlich breit gefächert, wobei ich schon meine Favoriten habe. Durch meine Eltern bin ich vorwiegend mit Musik der sechziger und siebziger Jahre aufgewachsen, wo sich Bands wie The Beatles oder The Who finden lassen. Einer meiner Lieblingsbands bis heute ist Led Zeppelin. Ein Rolling Stones Anhänger hingegen war ich nie. Kann mit denen überhaupt nichts anfangen. Gute Freunde von mir, die älter sind als ich haben mich später dann auf großartige amerikanische Jazz-Rock-Bands wie Chicago oder Blood, Sweat & Tears gebracht, aber auch auf britische Größen wie The Jam, The Style Council und nicht zuletzt dem Modfather Paul Weller. Zu meinen absolut persönlichen Favoriten gehören aber definitiv Bands wie Oasis, Stereophonics, Starsailor, Manic Street Preachers oder Suede. Es gibt aber auch "neuere" Bands, die gute Musik machen, wie z.B. Mando Diao. Wobei mir bei einer Band wie Mando Diao längst nicht jeder Song gut gefällt. Bands wie Coldplay oder Keane sind mir zu fluffig. Ist für mich voll die Weichspülermusik. Allerdings spreche ich hier nur für mich. Jeder bei Orange hört so seine eigene Musik und wir sind uns auch längst nicht bei jeder Band oder bei jedem Künstler einig und finden einen gemeinsamen Nenner. Was allerdings unsere eigene Musik bei Orange betrifft, treffen wir immer genau die Mitte.

popconnection: Ihr habt gestern im Gleis 22 als Support von Varsity Drag (Ex–Lemonheads) gespielt. Wie war die Resonanz?

Helge-Paul: Genau. Es war ein großartiger Abend. Unsere Performance war ziemlich gelungen und kam im Publikum spürbar gut an. Einer unserer besten Gigs bisher. Zudem war das Gleis für einen Dienstagabend echt gut gefüllt!! Ben, Will und Ian von Varsity Drag waren bei bester Laune und lieferten ebenso ein großartiges Konzert. Sie haben es sich zudem nicht nehmen lassen, nach dem Gig mit uns einen zu heben. Jägermeister! Coole Typen die drei. Ben lobte unser Songwriting und war sichtlich angetan von unserer Musik...das hat man schon im Sound-Check von uns gemerkt. Der ging voll mit! Auch verfolgten die drei unser ganzes Konzert aufmerksam, was wir nicht unbedingt als selbstverständlich ansahen, zumal sie im Rahmen ihrer derzeitigen Europa-Tournee jeden Abend einen Gig haben und schon ziemlich angeschlagen aussahen.

popconnection: Mit wem würdet Ihr gerne mal zusammen touren?

Helge-Paul: Habe mir darüber tatsächlich noch nie ernsthaft Gedanken gemacht und meines Wissens nach hat mir gegenüber auch noch nie ein Bandkollege in diesem Zusammenhang etwas geäußert. Kann ich an dieser Stelle nicht beantworten deine Frage.

popconnection: Seid Ihr bei irgendwelchen Internetplattformen (myspace etc.) vertreten?

Helge-Paul: Noch nicht. Wir basteln derzeit daran, bei myspace unterzukommen. Ich selber habe bis vor kurzem noch eine klassische, eher konservative Meinung zu diesem ganzen Thema vertreten. Im Sinne von, Demos auf dem klassischen Weg mit Bandbewerbung zu Plattenfirmen schicken. Das reicht aber wohl heut zutage einfach nicht mehr aus. Die Musiklandschaft und das Musikbusiness hat sich in den letzten Jahren einfach zu stark verändert. Meine Meinung hat sich diesbezüglich als schon geändert. Warum sollte man seine eigene Musik nicht also doch auf solchen Internet-Plattformen bekannt machen, wenn einem das geboten wird...? Dennoch ertappe ich mich manchmal noch dabei, dass ich wohl doch eher ein ambivalentes Verhältnis zu besagten Internetplattformen habe. Sei's drum.

popconnection: Ihr habt ja ein Demo produziert...

Helge-Paul: Ja, wir fühlten uns 2006 endlich reif für das Einspielen eines kleinen runden Silberlings. Unser Debüt Album "(Right)Time Is Always Now", nahmen wir im Dortmunder "Studio Gold" unter der Regie von Tontechniker Thomas Sorig auf. Ein sehr fähiger und erfahrender Mann, der einen gehörigen Anteil an der Qualität des Albums hat. Ohne ihn hätten wir das so nie hinbekommen. Die Basic-Tracks nahmen wir im Übungs-Saal und mit den mobilen Equipment des Studio Golds Dortmund (Thomas Sorig) des Orchesters (Studio Alcatraz) in Everswinkel auf. Wir haben uns genau für diesen Raum entschieden, da er klanglich und akustisch eine Menge zu bieten hat und wir dort ausreichend Platz hatten, uns dort auszutoben. Diese Basic-Tracks nahmen wir innerhalb von einer Woche zwischen Weihnachten und Neujahr mehrere Stunden täglich auf. In den Monaten darauf nahmen wir dann den Feinschliff in Dortmund auf. Unendlich viele Wochenenden verbrachten wir damit, weitere Gitarren, Percussion, Backings und Gesang auf Band zu bringen und Thomas verbrachte darüber hinaus sehr viel Zeit damit, das Album klanglich rund abzumischen. Sehr gelungen, wie wir finden.
Herausgekommen ist ein homogenes Album mit neun eigenen Songs und einer Coverversion, welches eine junge Band mit wirklich eigenen Ideen zeigt. Nicht nur die Bläsersätze, die einige Songs veredeln, zeigen deutlich, dass man unser Genre immer noch spannend gestalten kann.

popconnection: Auf dem Album befindet sich auch ein Cover von "Cigarettes and Alcohol". Wieso gerade dieser Song?

Helge-Paul: Einer der großartigsten Songs von Oasis, wie wir finden. Er versprüht nur so die Energie! Wir hatten schon immer Bock auf diesen Song, den wir ab und an auch mal live präsentieren. Die charakteristische zweite Gitarre dieses Songs ersetzten wir auf der Aufnahme durch den Bläsersatz, um ihm unsere eigene, spezielle Note zu verleihen.

popconnection: Was haltet Ihr generell von Cover-Nummern?

Helge-Paul: An sich nicht verkehrt. Wenn man als Band zusammenfindet, muss man ja erst mal irgendwie anfangen. Viele Bands starten dann erst mal mit Cover-Songs, wie auch wir das getan haben. Da wir aber unsere eigene Musik präsentieren wollen, steht natürlich auch unser eigenes Songwriting im Vordergrund. Wir haben schon lange keinen Song mehr gecovert und auch live bringen wir, wenn überhaupt nur noch einen. Das war mal anders. Unsere ersten Gigs bestanden zur Hälfte aus Coversongs. Aber wie gesagt, davon sind wir weit weg.

popconnection: Welche Zukunftspläne habt ihr?

Helge-Paul: Wir wollen sooft es geht, auftreten. Das ist wohl auch das A&O, um einen höheren Bekanntheitsgrad zu erlangen. Davon mal abgesehen ist es wohl auch das Geilste, seinem Publikum seine eigene, großartige Musik zu präsentieren. Deshalb heißt es zur Zeit für uns sooft es geht zu proben, viele neue Songs zu schreiben und uns um Gigs zu bemühen, was sich allerdings manchmal als schwierig erweist. Es nimmt einfach eine Menge Zeit in Anspruch, die wir viel lieber hätten, um zu proben oder um neue Songs zu schreiben. Es gibt zudem einen Überfluss an Bands. Was uns schon sehr ärgert ist, dass es auch einfach eine Menge Schrott-Bands gibt, die keiner sehen will und die in jeglicher Form überhaupt keine Daseinsberechtigung haben. Die sollen mal lieber bei Saturn an der Kasse weiterarbeiten.
Und wir planen ein weiteres, zweites Album. Neue Songs gibt es bereits genug.

popconnection: Na, dann mal weiterhin viel Erfolg und vielen Dank für das Interview!

Helge-Paul: Danke!



Interview: Jenny Schnabel

14. Februar 2007 / E-Mail

Website: www.orange-bornfield.de

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TRITE RADIO: "Gute Musik lebt meistens von Konflikten"




Foto: Jenny Schnabel

Vergleiche sind immer so eine Sache - insbesondere im Musikjournalismus, dessen ausgeprägtes Schubladendenken oftmals den Unmut der Kreativen auf sich zieht. Mal klingt es zu sehr nach, mal zuwenig wie aber selten eben genau so, wie eine Band selber ihren Sound definiert. Als Sänger mit Paul Banks von Interpol verglichen zu werden, ist jedoch sicherlich nicht das Schlechteste. So geschehen bei Trite Radio aus Münster.

Wer jetzt schon die Öhrchen spitzt und auf ein Interpol-Soundalike wartet, der irrt. Klanglich unterscheiden sich Trite Radio alias Philipp Krauss (Vocals, Gitarre), Marcus Heim (Leadgitarre), Mareike Lamping (Bass) und JMS (Drums) nämlich definitiv von den Herren aus New York. Vielleicht liegt es daran, dass bei Trite Radio vier Individualisten am Werk sind, deren musikalische Einflüsse aus den unterschiedlichsten Genres stammen. Das Ergebnis sind kraftvoll inszenierte Songs mit ohrwurmartigen Refrains, die ihre Energie nicht zuletzt durch Krauss’ charismatische Stimme entwickeln. Indierock at its best! Und Trite Radio sind umtriebig! So hat das Quartett mittlerweile zwei Videos gedreht und arbeitet zur Zeit an seinem ersten Studioalbum.

Wie es zu der Idee einer visuellen Umsetzung der Songs kam, was Trite Radio ausmacht und was man in Zukunft von den Münsteranern erwarten kann, haben uns Philipp und JM in einem Interview erzählt.


popconnection: Trite Radio gibt es seit 2004. 2005 gab es eine Umbesetzung in der Band...

Philipp: Mhm, wir hatten sogar zwei und in der Besetzung, in der wir jetzt spielen, gibt's uns seit einem Jahr.

popconection: Warum habt ihr euch damals umbesetzt?

Philipp: Wir haben sehr lange nach einem vernünftigen Schlagzeuger gesucht, es gab musikalische Differenzen mit unserem ehemaligen Schlagzeuger und mit unserem Gitarristen. Das ist mein Mitbewohner und ein guter Freund von mir und ich versteh mich immer noch super mit ihm, aber er hatte dann irgendwann keine Lust mehr auf uns. Und dann kam eben der Marcus dazu. Aus der Urbesetzung sind Mareike und ich übrig.

popconnection: Was würdet ihr sagen, welche musikalischen Einflüsse habt ihr? Also was hört ihr generell selber und was bringt ihr bewusst bei Trite Radio mit ein?

Philipp: Das ist ganz unterschiedlich. Jeder bringt so ein bisschen seinen Teil. Das Grundgerüst kommt von mir, da ich die größtenteils die Songs schreibe, das ist dann eher so klassisches Britisches Songwriting. Aber JM kommt zum Beispiel vom Hardcore und lernt jetzt erst mal, dass man auch leise spielen kann. (lacht) Aber genau so muss es bei Musik auch sein, dass jeder einzelne ein bisschen was von seinen Vorlieben reinbringt.
JM: Marcus ist eher der Latin-Salsa- und Funktyp...
Philipp: Er ist auch großer Paul Weller Fan und da komm ich natürlich auch super mit klar. Mareike liebt Oasis ohne Ende. Und meine wichtigsten Einflüsse sind The Smiths, die Stone Roses, eigentlich die Manchesteraner Musik generell.

popconnection: Du wurdest auch schon mal mit Paul Banks von Interpol verglichen...

Philipp: Oh ja! Ich war überrascht! (grinst)

popconnection: Also gefällt dir der Vergleich...

Philipp: Das ist natürlich schmeichelhaft, weil Interpol eine super Band ist, wobei ich niemals sagen würde, dass wir denen wirklich ähnlich sind, wir sind irgendwie anders. Aber wahrscheinlich denkt das jeder von seiner eigenen Band.
Aber Interpol sind auf jeden Fall klasse, ich hab die 2003 im Gleis 22 live gesehen. Das war großartig, ein extrem volles aber tolles Konzert. Wobei ich es ein wenig langweilig fand, dass die auf der Bühne nichts gemacht haben, also kein Wort gesagt, sich auch nicht wirklich bewegt und gespielt haben, als wären da drei Leute und nicht 350. (grinst) Soviel zu Interpol. Auf jeden Fall eine tolle Band.

popconnection: Wenn wir über eurer Songwriting sprechen: Die Texte schreibst du, Philipp. Was inspiriert dich zu einem Text?

Philipp: Die Songs sind im Prinzip mein persönliches Tagebuch. Emotionale Zustände in photographischer Form, als Schnappschuss umgesetzt. Ich finde, ein Song gibt einem die Möglichkeit, einen Moment, auch einen drastischen Moment, musikalisch darzustellen. Das muss nicht wie ein Essay sein, bei dem man etwas von zwei Seiten oder von allen möglichen Seiten betrachtet, sondern einfach ein Moment. Der kann auch total überhöht sein. Ich trau mich dann auch, etwas auszudrücken, was ich eigentlich so gar nicht sehe. Weil das halt ein Extrem darstellt. Für mich ist es einfach unheimlich wichtig, die Bewältigung meines eigenen Lebens, zu hinterfragen. Und das hauptsächlich emotional.
JM: Da gibt es im Moment nur ein Problem, Phillip ist glücklich... (grinst)
Philipp: Ja, klar, es ist halt so, dass gute Musik meistens von Konflikten lebt. Und wenn man glücklich ist, dann hat man diese Konflikte natürlich erst einmal nicht. Man kann natürlich dann versuchen, darüber zu schreiben, dass man Angst hat, nicht mehr glücklich zu sein. Aber das wäre paranoid. Aber ich werde Wege finden. (lacht)

popconnection: Und wie läuft bei euch der musikalische Teil des Songwritings ab? Bringt da jeder seinen Teil mit ein oder gibt es ein Gerüst, dass du quasi an der Gitarre fertig bastelst und mit dem die anderen dann arbeiten?

Philipp: Am Anfang war es so, dass wir eigentlich nur Songs umgesetzt haben, die ich komplett zu Hause fertig geschrieben habe. Zum Teil ist das immer noch so, aber mittlerweile entstehen Songs auch musikalisch im Proberaum. Marcus fängt dann mit einem Riff an und wir entwickeln den Song gemeinsam weiter. Aber die Texte mach immer noch ausschließlich ich, bisher zumindest. Ich tu mich leider sehr schwer damit, die Texte anderer Leute zu singen. Natürlich nicht, wenn wir ein Cover machen oder so, das ist dann wieder etwas anderes.

popconnection: Habt ihr denn schon mal ein Cover gemacht?

Philipp: Doch, wir haben das schon öfters irgendwelche bescheuerten Lieder gecovert. (lacht) Ich find es bei Covern nur sehr langweilig, wenn man den Song eins zu eins nachspielt. Das kann natürlich auch Spaß machen, das ist im Probraum ganz groß, aber eigentlich ist es lustiger, wenn man etwas ganz anderes macht. In der Besetzung jetzt haben Gold von Spandau Ballet gecovert. Neulich haben wir dann noch Wicked Game von Chris Isaak gespielt, also ein Lied, was man eigentlich nicht mehr covern darf (lacht), aber wir haben das so gespielt, wie London Calling von The Clash und ich hab versucht, die Stimme dementsprechend zu singen. Das war sozusagen "Wicked Calling" oder "London Game". (grinst) Früher haben wir auch mal Overload von den Sugababes gecovert. Das war super. Da steh ich immer noch zu. (grinst)

popconnection: Mir ist bei den Hörproben auf eurer Myspace-Seite aufgefallen, dass eure Songs sehr stark variieren, also dass zum Beispiel Delusion komplett anders klingt, als Right as Rain. Wie wichtig ist es euch, Abwechslung in die Songs rein zu bringen? Ist das beabsichtigt oder passiert das eher von selbst im Prozess des Songwritings?

Philipp: Also beabsichtigt ist das auf jeden Fall. Gut, wir setzen uns nicht hin und sagen, "Jetzt muss ein Lied anders sein", aber so, wie die Songs sich halt textlich unterscheiden, unterscheiden sie sich auch musikalisch. Es ist so, dass die Stücke, die wir bisher aufgenommen haben, eher ruhig sind und wir werden jetzt am Wochenende noch mal ins Studio gehen, und da wird es dann eher lauter. Wobei das auch wieder relativ ist. Wir werden vielleicht dadurch, dass der Marcus jetzt auch beim Songwriting dabei ist, auch ein bisschen funkiger, ein bisschen rhytmusbetonter.

popconnection: Ihr habt zwei Videos gemacht. Wir seid ihr überhaupt auf die Idee gekommen?

JM: Als ich zur Band gekommen bin, hat es mich angenervt, dass irgendwie nur selten Konzerte stattgefunden haben. Ich halte es für wichtig, sich so alle zwei Monate wo auch immer blicken zu lassen. Man lebt als Band ja von den Live-Auftritten und man bekommt nur richtig gute Gigs, wenn man ein bisschen bekannter ist, als irgendeine dieser 80.000 Myspace-Bands, die es gibt. Ich hab mir dann gedacht, es gibt ja so diverse Videos von Bands, die eben bei Myspace vertreten sind. Und mit Delusion kam dann die Idee auf: Nachdem wir lange überlegt haben, wie wir einen Clip zu diesem Song drehen wollen, stand dann dieses gammelige alte Sofa bei uns im Flur vorm Proberaum, das keiner haben wollte. Mir kam dann irgendwie spontan die Idee, dass wir daraus ein Video basteln. Witzigerweise gefällt die Idee nicht nur mir, sondern das Teil wird wahrscheinlich jetzt mit unserer Musik und basierend auf der Idee der Werbespot für myvideo.de., der im TV läuft.
Philipp: Wir wussten halt auch gar nicht, wie gut du bist, also, wie gut du schneiden kannst. Das war schon geil! Das erste, was du dann ja gemacht hast, war Szenen zusammen zu schneiden und das war eher Spaß. Und dann haben wir das echt mal angedacht, haben die Ideen so ungefähr 20 Mal überworfen und am Ende sind wir mit der spontanen zehn Sekunden Idee mit dem Sofa im Flur gelandet. Wir hatten vorher eine Stunde lang im Proberaum gedreht und das Material ist dann nicht verwendet worden. Das jetzt ist viel besser so!
Meiner Meinung nach ist das Video so gut gelungen, weil JM seine Fähigkeiten so gut nutzt, und weil wir lustig und authentisch rüberkommen und eben nicht versuchen, irgendwas zu imitieren, was wir nicht sind. Damit würden wir wahrscheinlich auch scheitern.

popconnection: Ihr habt in Haldern im Studio aufgenommen. Warum dort?

Philipp: Das hat sich über den Marcus, also unseren Gitarristen, ergeben. Der kommt ursprünglich aus Rees und kannte dort über ein paar Ecken den Klaus Dieter Keusgen, dem das Studio in Haldern gehört. Den haben wir dann angerufen. Ich fand die Idee natürlich geil, in Haldern aufzunehmen, weil dort das Festival stattfindet, auf dem ich schon sieben oder acht mal war in den letzten Jahren und das Studio ist dann auch noch direkt am Zeltplatz. Also dort, wo beim Festival der Zeltplatz ist.
Ja, wir sind dann dort hin gefahren und das Studio ist wirklich sehr schön. Ich hab vor langer Zeit mal in einer anderen Band gespielt und da haben wir auch mehrmals in verschiedenen Studios aufgenommen. Das waren auch gute Studios, aber das in Haldern ist noch eine Klasse besser. Richtig toll! Der Klaus Dieter Keusgen ist auch sehr nett. Und er hatte halt Lust, mit uns was zu machen und wegen der Kontakte haben wir einen Preis bekommen, der für uns akzeptabel war. Es ist eine gute Aufnahme und man hat gemerkt, dass der Klaus Dieter daran richtig Spaß dran hatte.

popconnection: Seid ihr denn zufrieden mit den Aufnahmen oder würdet ihr noch etwas ändern, wenn ihr die Möglichkeit dazu hättet?

Philipp: Aufnehmen ist eine schwierige Sache, die Band so festzuhalten, wie man sich das vorstellt. Und meistens findet man als kritischer Musiker hinterher immer noch irgendwas, was zu bekritteln wäre. Aber eigentlich ist es eine wirklich gute Aufnahme, und ich hoffe, die nächste wird auch gut, wird spannend. Nach dieser Aufnahme am Wochenende haben wir dann zwölf Lieder und dann wollen wir eine CD raus bringen.

popconnection: Wann habt ihr denn ungefähr angedacht, die Platte zu veröffentlichen?

Philipp: Das ganze muss erst noch gemischt werden, schauen, ob uns die Songs alle gefallen, dann müssen wir noch die Covergestaltung machen, pressen und so weiter...
JM: Wenn's gut klappt, könnt ihr die CD euren Lieben zu Weihnachten schenken.

popconnection: Wenn ihr mit den Aufnahmen fertig seid, wann und wo kann man euch dann demnächst mal live sehen?

Philipp: Wir spielen am 11.11. in Bocholt, auch wieder über den Marcus quasi, weil Bocholt ja die nächste größere Stadt ist, von Haldern aus gesehen.
JM: Da könnt ihr dann gerne alle kommen! (grinst)
Philipp: Ja, ihr könnt gerne kommen, auch eure Leser dürfen gerne kommen! (lacht) Ja, erstmal halt in Bocholt und dann wahrscheinlich auch noch mal hier in Münster. Wo, wann, in welcher Form, das ist noch nicht so raus.
JM: Darüber hinaus gibt es noch einige Annäherungen an Bands aus Berlin und Paderborn, mit denen wir einen Gig-Taus machen wollen.

popconnection: Ihr habt hier in Münster ja quasi schon in allen namhaften Locations gespielt, sprich, Gleis22, Cuba Nova, Amp. Würdet ihr euch im Hinblick darauf überhaupt noch als eine Newcomer-Band innerhalb der Münsteraner Musikszene sehen ?

Philipp: Ich weiß nicht, ob wir das so gut einschätzen können. Ich finde, da wir noch nicht wirklich was raus gebracht haben, sind wir schon noch Newcomer. Ich würde jetzt nicht sagen, dass wir hier eine treibende Kraft in der Musikszene sind. Es gibt Bands, die hier wesentlich etablierter sind. Ich bin in der Szene aber auch nicht wirklich drin, ich kenn Miyagi ziemlich gut, zu denen habe ich auch regelmäßig Kontakt. Aber ansonsten kenn ich hier nicht so viele Bands und da gibt's ja auch ganz viele verschiedene Ecken.

popconnection: Das war's auch schon. Ich danke euch ganz herzlich!

Phillip: Wunderbar, wir danken auch!



Interview: Katja Embacher

20. September 2006 / Münster

Website: www.triteradio.de
Myspace: www.myspace.com/triteradio

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ROCKET UPPERCUT: "Wir wollen unseren eigenen Platz im weiten Feld des
Independent-Rock finden"




Foto: Stephan Scherer

In der Indie-Szene sind Rocket Uppercut längst kein unbeschriebenes Blatt mehr. Nach ihrer ersten Demo-EP The First Takes hat die Band aus Regensburg bestehend aus Bianca Haslbeck (Vocals, Keyboard), Kevin Ippisch (Gitarre, Backing Vocals), Mäx Muehlbauer (Bass) und Melanie Westermeier (Drums) im März diesen Jahres gemeinsam mit The Spells aus Birmingham eine 7"-Split-Single auf Vinyl herausgebracht, die auf dem britischen Label "Leaving Home Records" erschienen ist. Nicht nur hierzulande weckte der Silberling das Interesse der Musikpresse und bescherte dem Quartett sogar einen Platz auf der Playliste von "Virgin Radio Extreme".
Der Sound von Rocket Uppercut lässt sich nur schwer in eine musikalische Schublade packen. Es dominieren krachige Gitarren und die ausdrucksstarke Stimme von Frontfrau Bianca Haslbeck. Die Band selbst bezeichnet ihren Sound als "Indie-Noise-Rock".
Momentan befinden sich Rocket Uppercut im Studio, um die Arbeiten an ihrem ersten Longplayer This Beautiful Tragedy abzuschließen, die sie bereits Anfang des Jahres unter der Leitung von Alaska Winter und Bastian Keller begonnen haben.
popconnection hat mit Bassist Mäx Muehlbauer ein Interview gemacht. Lest selbst, was dabei rausgekommen ist...


popconnection: Bevor wir mit journalistischem Schubladendenken und Floskeln wie "klingt wie" anfangen, würde ich euch gern die Chance geben, einmal selbst zu erzählen, wie ihr eure Musik selbst beschreiben würdet und welche Einflüsse in eurer Musik stecken.

Mäx: Wie die eigene Musik klingt, ist für einen Künstler selbst oft recht schwierig zu beschreiben. Nach langem Überlegen haben wir uns drauf geeinigt, unseren Stil "Indie-Noise-Rock" zu nennen. Das beinhaltet die wesentlichen Elemente, die uns wichtig sind. Indie – also Independent – steht für den Weg abseits des Mainstreams. Es bedeutet, dass wir uns Freiheiten nehmen dürfen, wie sie uns gefallen und in unsere Songs passen. Noise steht für den "Lärm" in unseren Liedern, für das Laute – die Screamo-Attacken, abgedrehte Instrumentalteile etc. Rock hat eine mehrfache Bedeutung: Zum einen Rock als Gegensatz zum Pop, als Gegensatz zu cleaner, transparenter Musik. Zum anderen beinhaltet der Begriff "Rock" auch immer eine "Retro"-Referenz, spiegelt also eine Art "Geschichtsbewusstsein" für die Herkunft und die Wurzeln der Musik in den 50er bis 70er Jahren wieder. Ganz generell würde ich sagen, dass der Sound der Band keinem bestimmten Masterplan folgt, sondern sich bei jedem Song neu formt. Da kann es auch mal stilistische "Ausreißer" geben. Das Grundgerüst bilden aber ganz klassisch und verlässlich die Elemente Gitarre, Bass, Schlagzeug, Orgel, Gesang. Dadurch und durch gewisse unveränderliche Präferenzen wird die ganze Sache relativ homogen. Wir wollen uns keiner bestimmten, abgegrenzten Szene zuordnen, die sich in ein paar Monaten, spätestens wohl zwei Jahren, sowieso auflöst und verläuft. Wir wollen unseren eigenen Platz im weiten Feld des Independent-Rock finden. In dieser großen Matrix bewegen wir uns munter hin und her zwischen Melodie und Geschrei, Pop-Anleihen und Psychedelik, sind aber gleichzeitig immer drauf bedacht "Rocket Uppercut" zu bleiben.

popconnection: Wie entstehen eure Songs?

Mäx: Alle unsere Songs sind bisher auf die gleiche Weise entstanden. Am Anfang steht ein Gitarrenriff. Meistens zieht Kevin immer mehrere Riffs daher, von denen wir dann die besten auswählen. Im Proberaum wird dann erstmal gemeinsam der Aufbau ausgetüftelt, das ist eigentlich der anstrengendste und aufreibendste Part am Songwriting. Schließlich sollen vier Menschen damit glücklich sein und der Song soll abwechslungsreich und eingängig aufgebaut sein. Der nächste Schritt besteht darin, dass sich Bass und Schlagzeug herausbilden. Das geschieht auch noch in der Probe, kann sich manchmal auch über mehrere Proben hinziehen, bis alles endgültig steht. Wenn das alles steht, schreibt Bianca meistens alleine zu Hause den Text und die Melodie dazu. Meistens weiß sie ja schon vorher ungefähr, was sie machen will, schließlich hat sie den Song vorher schon zigmal gehört. Tja, und irgendwann ist der Song fertig und wird geprobt, bis er auftrittstauglich sitzt!

popconnection: Ihr habt euch für die Aufnahmen zu This Beautiful Tragedy Alaska Winter und Bastian Keller ins Boot geholt. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Mäx: Alaska Winter und die Echolotstudios sind in der Indie-Szene ja bestens bekannt und seit einiger Zeit durch ihre Zusammenarbeit mit Anajo und anderen Szene-Bands auch in etlichen Verkaufsregalen deutschlandweit mit ihren Produktionen vertreten. Nachdem Mitte 2005 unsere erste Demo-EP The First Takes in einem ortsansässigen Studio fertig gestellt wurde, kamen wir auf die Idee, die Aufnahmen an die Echolotstudios zu schicken, um zu erfahren, was an den Songs und der Produktion noch verbesserungswürdig wäre, um auch für Labels und die Musikindustrie interessant zu sein. Alaska fand Gefallen an Rocket Uppercut und den vier Songs auf der EP und machte uns ein Angebot für die Aufnahmen zu unserem Debütalbum, welches wir zum Teil bereits im Frühjahr 2006 wahrgenommen haben. Die restlichen Songs für This Beautiful Tragedy werden Mitte August produziert.

popconnection: Seid ihr mit dem bisherigen Ergebnis zufrieden?

Mäx: Es ist eine Riesen-Freude und in gewisser Hinsicht beruhigend, mit Alaska und Basti arbeiten zu können. Es macht einfach einen gewaltigen Unterschied, wenn sich jemand mit unserer Musikrichtung auskennt. Man spart sich lange Erklärungen und Rechtfertigungen. Die Songs, die wir im Januar aufgenommen haben, entsprechen entweder zu 100% unseren Erwartungen oder übertrafen diese sogar noch. Dass man in den Echolotstudios mit äußerster Professionalität zu Werke schreitet, muss wohl nicht eigens erwähnt werden. Es ist schon ein tolles Gefühl, die eigenen Songs so lupenrein produziert in Händen halten zu können.

popconnection: Ihr habt im Frühjahr diesen Jahres zusammen mit The Spells aus Birmingham eine Split-Single veröffentlicht, die auf dem britischen Label "Leaving Home Records" erschienen ist. Wie kam es dazu?

Mäx: Eigentlich eine recht unspektakuläre Geschichte. Natürlich sind wir, wie viele andere Bands auch, auf der weltweit populärsten Social-Networking-Site im Internet, "Myspace.com", vertreten. Anfang 2006 erhielten wir eines Tages eine Nachricht von dem britischen Label "Leaving Home Records" mit Lobeshymnen für Rocket Uppercut und der Anfrage, ob wir nicht Interesse an einem Split-Single-Release in Großbritannien hätten. Im Prinzip haben wir nicht lange überlegt und nach einigen E-Mails und Gesprächen war das ganze bereits in trockenen Tüchern. Es freut uns natürlich sehr, aus der schier unendlichen Schar von Bands auf "Myspace" ausgewählt worden zu sein und stimmt uns zuversichtlich in Bezug auf den Release unseres Debütalbums.

popconnection: Welche Medienresonanz gab es bislang in England?

Mäx: Dafür, dass es eine wirklich äußerst kleine Produktion mit sehr geringer Auflagenstärke war, fand sie doch vergleichsweise großen Anklang in den Medien. Es wurden einige Reviews geschrieben und über Umwege gelangte unser Name sogar in den NME, wenn auch nur als Randnotiz. Auch einige Radios spielten unsere Songs, vornehmlich College Radio Stations, aber auch zum Beispiel der Independent-Internet-Sender von Virgin Music! Die hatten uns im März und April einige Wochen auf Heavy Rotation. Insofern sind wir mit der Resonanz sehr zufrieden.

popconnection: Hattet ihr schon mal die Möglichkeit, Gigs in England zu spielen?

Mäx: Nein, bislang noch nicht, es wurde aber von uns bisher auch nicht gezielt angestrebt. Es ist ja doch ein ganz schöner Aufwand und ein ziemliches Risiko, das sollte schon durchdacht stattfinden. Für 2007 steht diese Option allerdings durchaus zur Debatte und einige Fans haben wir ja bereits in England. Auch Kontakte zu diversen Clubs & Veranstaltern haben wir bereits geknüpft.

popconnection: Wie schwierig ist es, in England als ausländische Band erfolgreich zu sein?

Mäx: Ich denke, als ausländische Band hat man nicht wesentlich mehr Schwierigkeiten als eine britische. Zumindest nicht aus Prinzip, wobei in England momentan ein Überangebot an neuen Indie-Bands vorhanden ist, und jede Band mit einem "The" im Namen wird mal fix von der Presse gehypt, um dann ein Jahr später wieder in der Versenkung zu verschwinden. Wie gesagt, die Resonanz war ja schon auf unsere Mini-Veröffentlichung ziemlich gut und hatte eine relativ große Reichweite. Es ist allerdings immer schwierig, irgendwo größeren Erfolg zu haben, wenn man nicht vor Ort ist bzw. jemanden dort hat, der die Geschäfte für einen übernimmt. Präsenz sowohl in den Medien als auch auf den Bühnen ist sehr wichtig. Was die ganze Sache erschwert, ist natürlich auch die Tatsache, dass man sich mit den Bedürfnissen des Marktgeschehens und der ansässigen Szene schlechter auskennt als hier.

popconnection: Wann geht's wieder ins Studio, um die restlichen Songs fürs Album aufzunehmen?

Mäx: Sehr, sehr bald. Im Prinzip sind wir schon am Packen! In ein paar Tagen fahren wir los.

popconnection: Was geschieht dann als nächstes mit den aufgenommenen Songs?

Mäx: Die Songs müssen natürlich noch gemastert werden. Das Mastern geschieht außerhalb der Echolotstudios, wo steht bis jetzt noch nicht fest. Als nächstes natürlich die Pressung. Dann kommt der spannende Teil, das gute Stück wird an Labels und Veranstalter geschickt. Wenn da ein gutes Angebot kommt, muss man natürlich abwarten, wie's weitergehen soll.

popconnection: Strebt ihr auch ein Release in England an?

Mäx: Das ist gut möglich. Die Zusammenarbeit mit "Leaving Home Records" hat ja beim ersten Mal wunderbar funktioniert. Allerdings muss man mit der neuen CD zuerst mal überprüfen, ob ihre und unsere Interessen kompatibel sind. Vielleicht warten wir auch mit dem UK-Release und entscheiden uns für jemand anderen. Im Prinzip das gleiche Spielchen wie in Deutschland auch.

popconnection: Was geschieht mit dem Album, wenn nun kein Label drauf anspringen sollte?

Mäx: Dann bleibt immer noch die Variante Eigenvertrieb. Manche Bands haben auch damit erstaunliche Verkaufszahlen erreicht! Wenn der Label-Deal nicht im erhofften Tempo klappt, nehmen wir die Sache mit dem Verkauf selber in die Hand. Vielleicht kommt nach dem Grundsatz "unverhofft kommt oft" völlig spontan eine Gelegenheit, die wir ergreifen wollen.

popconnection: Ich drück euch auf jeden Fall die Daumen, dass sich schnell ein Label findet und bedanke mich ganz herzlich für das tolle Interview!

Mäx: Ich danke auch!



Interview: Jenny Schnabel

10. August 2006 / E-Mail

Website: www.rocket-uppercut.de
Myspace: www.myspace.com/rocketuppercutmusic

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THE BROBECKS: "Das Wichtigste ist, immer die beste Band zu sein, die du
sein kannst"




Foto: Brobecks

The Brobecks sind eine sympathische Indie-Band aus Salt Lake City, Utah. Auf ihrer Homepage stellen sie sich als Band aus einer kleinen Stadt vor, die Musik macht - Musik für Menschen. Einige der Menschen mögen die Musik, andere mögen eher die Musik, die The Brobecks nicht machen. Genau so ist das wohl mit dem Geschmack und der Musik.

Gut, wir wollen jetzt nicht darüber philosophieren und wir wollen auch nicht fragen, ob es nicht seltsam ist, dass eine Indie-Band, die tatsächlich so erfrischend ist wie The Brobecks, gerade aus dem mittleren Teil Amerikas stammt.
Dallon (Vocals, Bass), Mike (Vocals, Gitarre), Dave (Keyboards/Trompete) und Nate (Schlagzeug) haben sich auf jeden Fall vor einigen Jahren zusammen getan, um die Songs zu schreiben, die ihnen gefallen. Und dabei ist es enorm wichtig für die Band, dass die Betonung auf "guten Songs schreiben", statt auf "einen guten Sound entwickeln" liegt. Denn, The Brobecks zeichnen sich in ihrem Stil gerade durch Vielfältigkeit und Unberechenbarkeit aus, die jeden Song einzigartig macht. Ihr Können stellen die vier Jungs einem jeden Interessierten auf ihrem aktuellen Album vor.
Popconnection hat mit dem Keyboarder Dave ein Interview geführt, um mehr über diese interessante Band zu erfahren.
Das Resultat dieser netten Unterhaltung lest ihr hier unten. In diesem Sinne: "Good Night, and have a Pleasant Tomorrow"!


popconnection: Vielleicht kannst du anfangs erst einmal kurz die Band vorstellen...

Dave: Ich bin Dave, ich spiele Keyboards und ein bisschen Trompete. Dallon singt und spielt Bass, Mike singt und spielt Gitarre, Nate spielt Schlagzeug. Wir haben uns in einer Nacht im Mondschein getroffen, ungefähr so wie heute Nacht, und die Stimmung passte einfach, also haben wir beschlossen, ein paar Songs zusammen zu spielen.
Ok, also ehrlich gesagt, haben wir uns bei verschiedenen Shows in Salt Lake City getroffen, und die Chemie zwischen uns stimmte einfach.

popconnection: Wie würdest du die Musikszene in Salt Lake City beschreiben – gerade aus deiner Sicht als Musiker ?

Dave: Die Szene hier ist eigentlich ziemlich gut. Vor allem, wenn man in Betracht zieht, wie klein und wie homogen die Bevölkerung ist. Es ist echt ein wunderschöner Platz zum Leben, also bleibt Talent hier sozusagen stecken. Es gibt eine riesige Garagenrock-Szene hier, hauptsächlich bestehend aus Bar-Bands, und es gibt im Süden eine ansehbare Dance-Synthy-Rock-Szene. Unsere Musik liegt da irgendwo in der Mitte. Wir wollen gute Songs einfach nur gut spielen.

popconnection: Ihr habt ja schon eine ziemlich große Fangemeinde. Welche Faktoren haben dazu deiner Meinung nach beigetragen, dass The Brobecks so bekannt wurde?

Dave: Das Wichtigste ist, immer die beste Band zu sein, die du sein kannst – die besten Songs, das beste Singen, die besten Arrangements und die beste Energie. Außerdem ist es sehr wichtig, nett zu den Leuten zu sein, mit denen du es zu tun hast. Ich meine, wer will schon gemein sein? Ich nicht. Immer mehr Leute lernen uns mit der Zeit kennen, und gerade durch Myspace gewinnen wir jeden Tag neue Fans.

popconnection: Welche Live-Erfahrungen habt ihr bisher?

Dave: Wir haben einfach nur gute Shows vor einem begeisterten Publikum gespielt.

popconnection: Wie war die Medienresonanz bisher – gerade auch im Hinblick auf eure LP Goodnight, and Have a Pleasant Tomorrow?

Dave: Die war absolut positiv bisher. Wir haben bisher eigentlich noch gar nicht so viele CDs rausgeschickt, wie wir vorhatten, aber wir haben verdammt viel live gespielt und dafür Resonanzen bekommen.

popconnection: Sprechen wir mal konkret über eure Musik. Was sind eure musikalischen Einflüsse?

Dave: Wir lieben alle gute Songs! (lacht) Dallon liebt Elvis Costello. Mike liebt Wilco über alles. Ich mag Radiohead total gerne. Nate liebt Cursive. Ja, und wir alle mögen vor allem die Beatles, Phantom Planet, Rooney, ja, und jede Menge britische Rock Bands.

popconnection: Welche künstlerischen und musikalischen Ambitionen stecken hinter The Brobecks?

Dave: Künstlerisch und musikalisch – da ist es enorm wichtig, dass die Songs, die wir schreiben gut sind – gut arrangiert und gut performed. Außerdem wollen wir eine super Live-Show abliefern.

popconnection: Worauf liegt beim Songwriting euer Hauptaugenmerk?

Dave: Nun, da ich kein Sänger bin, liegt mein Fokus immer auf der Musik. Wenn ich einen Song schreibe, den Dallon im Endeffekt singt, gebe ich ihm bei den Lyrics gar nichts vor. Was auch immer er verändern will, kann er ändern – das ist nur fair, schließlich muss er das Ganze singen. Musikalisch ist es so, dass wir da immer alle die Köpfe zusammen stecken, um das Beste für die Präsentation des Songs herauszuholen.

popconnection: Was ist denn für dich das spezielle an The Brobecks, gerade auch im Vergleich zu anderen Bands?

Dave: Ich denke, wir grenzen uns hauptsächlich dadurch von anderen Bands ab, dass wir einfach nur gute Songs schreiben wollen, wobei es uns nicht um den Stil des Songs an sich geht. Der ist ganz egal, so lange jeder einzelne Song für sich gut ist. So wie The White Album oder Abbey Road. Viele Stile, viele gute Songs. Es scheint fast so, dass die meisten Bands und Label im Moment nach "dem Sound" im Gegensatz zu "dem Song" suchen, und ich finde, dass diese Priorität fehl am Platze ist. (lacht) Ok – was weiß ich eigentlich?

popconnection: Ihr habt in der nächsten Zeit jede Menge Live-Gigs vor euch. Habt ihr spezielle Erwartungen an die Tour?

Dave: Touren ist immer genau das, auf das wir uns total freuen – das war's eigentlich.

popconnection: Wann seid ihr denn für eine eventuelle Nachfolge-LP wieder im Studio?

Dave: Wir arbeiten gerade an einer EP, die wir unabhängig herausbringen wollen, als Tour-Support sozusagen.

popconnection: Können wir die Hoffnung haben, euch bald mal in Europa rocken zu sehen?

Dave: Nun ja, wenn du jemanden findest, der unsere Reise bezahlt, dann sind wir auf jeden Fall sofort da!

popconnection: Vielen Dank für das Interview!

Dave: Danke.



Interview: Jeannine Hoof

08. August 2006 / E-Mail

Website: www.brobecks.com
Myspace: www.myspace.com/brobecks

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THE CEDAR: "Man kann nichts erzwingen. Das ist die Sache mit der Musik."




Foto: Hendrik Wardenga

Hinter The Cedar aus Münster stecken Johannes Mayer (Vocals, Gitarre), Julius Reimer (Lead-Gitarre, Backing-Vocals), Tom Owen (Bass) und Christoph Heidbreder (Drums). Die Jungs haben sich im November 2005 zusammengeschlossen, um gemeinsam Musik zu machen. Bereits ein halbes Jahr später haben die vier Münsteraner ihr erstes Demo aufgenommen.

Musikalisch bewegen sich The Cedar irgendwo zwischen Coldplay und Keane, auf jeden Fall könnten sie glatt von der Insel stammen. Dass die Aa aber nun mal nicht die Themse und Münster nun mal nicht London ist, bringen die Vier auf ihrer myspace-Site auf den Punkt: Keine endlosen Aufzählungen irgendwelcher Einflüsse, einfach nur das Statement "sounds like a good band". Nicht mehr und nicht weniger. Schnörkellos und wahr, wenn man sich die Songs der Jungs anhört.
popconnection hat die Band am Münsteraner Hafen zum Interview gebeten. Drei Viertel kamen diesem Ruf nach und haben uns Rede und Antwort gestanden.

popconnection: Was war eure Motivation, zu sagen, "Wir gründen jetzt diese Band"? Woher kennt ihr euch alle und wieso habt ihr euch jetzt so zusammengeschlossen?

Johannes: Ich wollte schon ziemlich lange eine Band gründen. Ich hab früher unter dem Namen Seaside alleine Musik gemacht und das mach ich auch jetzt noch. Das ist so ein Akustik-Projekt. Und eigentlich wollte ich auch unter dem Namen eine Band starten. Ich hab den Julius im Sommer 2004 gefragt, ob er Lust hätte, da mitzumachen. Und er hatte Lust und dann bin ich aber ein Jahr in Schottland gewesen. Wir haben dann so ein bisschen korrespondiert und sind in Kontakt geblieben, um einen Proberaum zu organisieren, damit wir, wenn ich dann zurück komme, nicht 10 Monate warten müssen, bis es losgeht. So haben wir uns kennen gelernt, richtig?!
Julius: Ja, das stimmt schon so. Na, einverstanden war ich ja nicht. Ich stand ja unter Alkoholeinfluss, das war auf einer seiner Parties... (lacht)
Johannes: Ja, ich hab ihn da schon so ein bisschen reingezerrt - aber ich hab kein Geld gezahlt, also kein Bestechungsgeld. (lacht)
Tom hab ich auf einer Party im Cuba Nova kennengelernt. Ich nervte damals alle Leute damit, dass wir einen Bassisten suchen.
Tom: (lacht) Er schien ziemlich verzweifelt zu sein. Ich hatte den Sommer über nichts zu tun und hab mir gedacht, warum nicht.
Johannes: Wir haben in Münster auch noch Plakate ausgehangen, auf denen stand, dass wir einen Drummer und einen Bassisten suchen.
Julius: Christoph hat dann unser Plakat beim Pinkeln im Gleis gesehen und sich dann darauf gemeldet…

popconnection: Ernsthaft?

Julius: Ja, das war wirklich so!

popconnection: Kommen wir mal zu euren musikalische Einflüssen. Ihr klingt ja schon sehr nach dem, was so von der Insel kommt, nach Brit-Pop, Indie-Pop, würde ich sagen. Wie würdet ihr selbst eure musikalischen Einflüsse beschreiben?

Julius: Britpop...von dem Label haben wir uns notgedrungener Weise distanziert, weil irgendjemand plötzlich schrieb, es wären schon mal Vergleiche mit Oasis angestellt worden. Aber das seh ich in unserer Musik überhaupt nicht. Dann vielleicht eher alte Coldplay-Sachen, das wurde auch schon mal gesagt, das passt schon besser. Aber die Lieder, die auf unserem Demo sind oder die wir auf myspace gestellt haben, decken natürlich nicht die ganze Bandbreite unserer musikalischen Einflüsse bzw. der Musik, die wir machen, ab. Wir haben auch einige folkige Sachen dabei.
Johannes: Also, wir sind schon ernst bei der Sache, aber wir haben auch Lieder dabei, die mir mehr Spaß machen, sie zu spielen. Ich hab früher super viel Brit-Pop gehört. Ich mag auch Oasis, aber ich hör einfach kein Oasis mehr. Ich hör sehr viele andere Bands, bei denen ich denke, die sind irgendwie interessanter und versuche dann eher, solche Sachen beim Songwriting einzubauen.

(Es folgt eine Debatte über Oasis und deren mangelnde Weiterentwicklung, die dann letztendlich bei diversen deutschen Bands endet, die versuchen, den Oasis-Sound in die eigene Musik mit einzubinden. Über hundert Ecken landen wir schließlich bei Embrace und deren musikalischem Beitrag zur Fußball-WM, der von Tom als schrecklich empfunden wird. Schließlich kriegen wir die Kurve doch wieder und kommen auf The Cedar zurück...)

Johannes: Ich hab Embrace früher auch gut gefunden, aber die machen mittlerweile auch immer wieder die gleichen Sachen und ich finde es schade, wenn man immer nur in eine Richtung geht. Ich denk mir immer wieder, wenn man so unser ganzes Set anhört, dass es vielleicht so klingt, als ob wir nicht so ganz wissen, wo das alles hingehen soll. Unsere Stücke sind schon teilweise sehr unterschiedlich, aber das wird dann doch wieder durch die Melodie des Gesangs oder die einheitliche Stimme zusammengehalten.

popconnection: Also ist es dir beim Songwriting schon wichtig, dass die Stücke nicht alle gleich klingen, sondern dass man schon abwechslungsreichere Sachen schreibt?

Johannes: Ja, weil ich auf irgendeine Band immer total abfahre und dann versuch ich unbedingt, in diese Richtung einen Song zu schreiben. Letztes Jahr hab ich z.B. viel die Magic Numbers gehört und ich hatte total Lust, in die Richtung was zu schreiben und fand's dann toll, dass ich am Ende ein Stück hatte, wo ich einfach merkte, das klingt jetzt mal wieder ganz anders.

popconnection: Wie sieht das bei euch mit Live-Erfahrungen aus? Was habt ihr bisher für Konzerte gespielt? War das eher innerhalb Münsters oder auch schon mal außerhalb?

Julius: Wir hatten unseren ersten Auftritt im Cuba Nova hier in Münster, was eine ganz schöne Erfahrung war. Da war ich total nervös vorher. Dann waren wir beim Münster-Bandnetz-Festival im Gleis 22, auf dem Hafenfest haben wir hier gespielt und in der Bananenreiferei. Über Münsters Grenzen sind wir bisher noch nicht hinaus gekommen. Das wird aber am 18. September passieren. Da spielen wir im Bakuda Klub in Dortmund als Support von Seachange beim Radiokonzert der NRW Campus Radios.

popconnection: Am 28. August spielt ihr hier in der JVA. Wie kam das zustande, wie seid ihr darauf gekommen, das zu machen?

Julius: Christoph hat sein halbjähriges Praktikum dort gemacht. Der studiert Soziale Arbeit oder Sozialpädagogik oder so was. Wir hatten unseren ersten Auftritt und darüber wurde in der WN (Anm. d. Red.: Westfälische Nachrichten) berichtet. Die Gefängnisdirektorin hat das gesehen und Christoph auf dem Foto erkannt und ihn dann gefragt, ob wir nicht mal in der JVA spielen wollen.
Johannes: Wir haben schon überlegt, ob wir dann ein Lied von Johnny Cash spielen. (grinst)

popconnection: Oder Jailhouse Rock von Elvis oder so...

Johannes: Ja, das wär auch geil! (lacht)

popconnection: Wie waren denn die Resonanzen so bisher auf Live-Konzerten? Wie kam eure Musik beim Publikum an?

Johannes: So grundsätzlich trauen sich die meisten Leuten nicht, was zu sagen nach einem Konzert, außer, man kennt sie. Ein paar Rückmeldungen haben wir allerdings schon bekommen, also auch von Leuten, die wir nicht kennen. (grinst) Die beste Rückmeldung ist aber wohl indirekt, dass alle unsere Konzerte sehr gut besucht waren, bis auf das Amp. An dem Abend war im Gleis allerdings auch zeitgleich lustigerweise ein Seachange-Konzert und außerdem noch Eurocityfest. Da waren dann auf dem Konzert nur so 50 Leute da. Aber sonst hatten wir immer Glück, dass so 100 oder sogar noch mehr Leute gekommen sind. Das heißt ja auch, dass es sich vielleicht schon ein bisschen rum gesprochen hat, dass wir nicht ganz so scheiße sind. (lacht) Das ist so die Art von Rückmeldung, die wir bisher bekommen. Bei myspace ist es ja eher so, da klickt man halt drauf, aber...

popconnection: Das wäre jetzt auch meine nächste Frage gewesen; welche Resonanzen ihr darüber bekommen habt und ob es möglich ist, seine Fanbase dadurch zu erweitern. Ich hab es z.B. von anderen Bands gehört, dass die über myspace Support-Angebote von amerikanischen Bands bekommen haben oder solche Geschichten...

Johannes: Ja, das kenn ich auch. Aber wir sind ja auch erst seit knapp zwei Monaten dabei und das kostet natürlich auch wahnsinnig viel Zeit, Freunde zu adden und so und das ist mir zu blöd. Auf der anderen Seite ist es natürlich schon eine super Möglichkeit. Ich hab myspace in Schottland kennen gelernt, da ist das schon ein bisschen länger populär und mein Kumpel, mit dem ich dort zusammen Musik gemacht hab, der hat jetzt auch super viele Beziehungen zu Musikern aus Amerika, die ihn dann auch eingeladen haben, sie in Schottland zu supporten. Ich finde die Idee schon gut. Alle können sich das anhören und können sich darüber informieren, wann man spielt und so.
Julius: Haben wir eigentlich schon Kommentare zu unseren Fotos bekommen? Das find ich eigentlich immer am interessantesten. Manche Leute sagen auch, dass ihnen Catching a falling stone gut gefällt. Das ist natürlich auch nett, so was zu hören.
Johannes: Was ich z.B. super finde an myspace, ist, dass ich plötzlich auch Kontakt zu Bands aus Münster hatte. Z.B. zu Stefan von Miyagi hab ich einen ganz guten Kontakt. Das ist echt super. Der Kontakt ist definitiv über myspace entstanden.

popconnection: Es gibt ja Bands, die sagen, wir machen die Musik jetzt während des Studiums so nebenbei und andere knien sich da schon richtig rein, um einen Deal zu bekommen und das Ganze hauptberuflich machen zu können. Wie seht ihr das für euch?

Julius: Ob ein Deal ausreicht, um das hauptberuflich machen zu können, bezweifle ich ganz stark. Dazu gehört dann noch viel mehr Glück und eine ganze Menge Pusherei von einem reichen mächtigen Record-Label...
Johannes: Und Beziehungen. Also hauptberuflich... das ist für mich überhaupt keine Option. Ich mach super gerne Musik, aber um das hauptberuflich machen zu können, musst du schon so viele Platten verkaufen, da bleibt ja sonst am Ende kaum was für einen übrig. Aber wir haben die Band schon unter der Bedingung gestartet, dass wir in den zwei Jahren, in denen wir noch hier sind, versuchen, soviel es geht zu machen und soweit es geht zu kommen. Und wenn wir in der Zeit merken, dass die Leute darauf anspringen und dass es läuft, dann würde ich mir überlegen "Okay, was mach ich jetzt, wenn ich mit meinem Studium fertig bin".
Es ist eine schwierige Geschichte. Jeder hat sein eigenes Leben zu führen und selbst zu entscheiden, wie wichtig ihm die Band ist. Es ist aber noch zu früh, dass jetzt zu fragen. Wir hängen auf jeden Fall nicht rum und spielen ein paar Konzerte und wenn's nicht klappt, klappt's nicht. Für mich zumindest nicht, ich bin dafür viel zu ehrgeizig. Aber man kann halt auch nichts erzwingen. Das ist ja die Sache mit der Musik. Den anderen Leuten muss es gefallen, denn dass es dir selbst gefällt, ist klar. (lacht)

popconnection: Ihr habt jetzt ja ein Demo, das ihr selbst produziert habt. Wie habt ihr das aufgenommen?

Johannes: Reiner Wyen hat das produziert.
Julius: Das ist auch unser Proberaum-Vermieter. Der arbeitet beim JIB (Anm. d. Red.: Jugend-Informations-Büro) und der nimmt gerne Bands auf, für zehn Euro die Stunde. Der macht das ganz gut, wie man zumindest bei unserem Demo hören kann. Und, natürlich wichtig: Das Mastering hinterher von Manni Schulz.
Johannes: Kennst du den?

popconnection: Nee, den kenn ich nicht...

Johannes: Der macht wohl ziemlich viel. Also, ich kannte den vorher auch nicht. Das war der Tourmischer oder so was ähnliches von Samba. Der mastert fast jede Band aus Münster, die ein bisschen bekannter ist. Und der hat auf jeden Fall einen super Job gemacht.

popconnection: Also würdet ihr schon sagen, ihr seid auch voll und ganz mit dem Demo zufrieden. Oder würdet ihr an der Aufnahme noch mal was ändern, wenn ihr könntet?

Julius: (lacht) Ein Orchester...
Johannes: Der Schlagzeug-Sound ist nicht so ganz optimal.
Julius: Das liegt halt an dem Raum. Und natürlich auch daran, dass man nicht so die Super-Mikros hat.
Johannes: Aber auf der anderen Seite haben wir ja nur zwei Stücke in zwei Tagen aufgenommen, das ist genug Zeit. Andere Bands haben in fünf Tagen ein ganzes Album aufgenommen. Wir haben uns da schon reingekniet und das war’s auch wert. Ich persönlich höre aus den Stücken kaum irgendwelche Fehler raus. Die Hauptsache ist ja, dass es nicht so rüberkommt, als hätten sich vier Leute in die Garage gestellt und einen Kassettenrekorder dabei laufen lassen.
Julius: Was die Qualität angeht, hab ich bisher nur Positives gehört. Viele waren überrascht, dass es überhaupt so gut klingt.
Tom: Jeder hat gesagt, das wäre ein professioneller Sound. Leute, die sich mit der Musik nicht so auskennen... (lacht)
Johannes: Es wird seit einem Monat auf Radio Q (Anm. d. Red.: Uni-Radio Münster) gespielt und wir haben es an verschiedene Uni-Radios geschickt.

popconnection: Haben die das gespielt?

Johannes: In Köln waren sie interessiert, aber ich muss da noch mal nachhaken. Eavo hat's auch mal im Cuba Nova gespielt, hab ich gehört. Nur es ist dafür halt ein bisschen zu lahm, aber wir wollen Ende August noch mal ins Studio gehen und dann noch ein paar schnellere Sachen aufnehmen.

popconnection: Dann wäre auch meine abschließende Frage, was ihr so für die nächste Zukunft geplant habt. Du hast gesagt, ihr wollt noch mal ins Studio gehen. Was steht bei euch sonst noch so an?

Johannes: Konzerte...wir müssen überlegen, wie wir Julius ersetzen, weil der für ein halbes Jahr in die Schweiz geht.
Julius: Aber da laufen schon Suchaktionen nach einem Gitarristen auf Zeit.
Johannes: Ich weiß noch nicht. Vielleicht machen wir sogar zu dritt weiter und ich mach einfach meine Gitarre lauter. (lacht)

popconnection: Das wäre ja auch eine Möglichkeit. (lacht)

Johannes: Wir werden wahrscheinlich nicht so viele Konzerte spielen, vielleicht ein paar Akustik-Shows. Aber das ist auch nicht schlimm. Wir haben genug mit der Promo-Arbeit zu tun. Wir schauen halt, wohin können wir die Sachen verschicken. Das Interview hier ist natürlich auch Teil des Ganzen. Wir kommen wahrscheinlich nächsten Monat ins Heimspiel der Intro und solange das so läuft, bin ich auch zufrieden. Wir können halt nichts überstürzen.

popconnection: Das war's dann eigentlich auch schon. Dann bedanke ich mich ganz herzlich bei euch für diese nette Interview.

Johannes: Wir danken auch!



Interview: Jenny Schnabel

28. Juli 2006 / Münster

Website: www.the-cedar.de
Myspace: www.myspace.com/underthecedar

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SONIC DOWN: "Wir haben uns irgendwann gesagt, warum nicht einfach selbst
was aufnehmen?"




Foto: Sonic Down

Nein, das ist nicht der heißeste Scheiß von der Insel - das hier ist ein Geheimtipp aus good old Bavaria. Ladies and Gents: Sonic Down! Nur, dass der Sound der fünf jungen Herren einfach viel zu gut ist, um noch länger geheim zu bleiben.

Live it up heißt das in Eigenregie produzierte Album, das zum großen Stirnrunzeln einlädt. Die Herren Christian Bruckmair (Gitarre/Gesang), Oliver Kastenhuber (Gitarre), Christian Ganghofer (Bass), Axel Ginghuber (Orgel, Keys) und Max Halbinger (Drums) überzeugen mit Brit-Rock vom Feinsten. Ein Sound, der durchaus aus London, Manchester oder Liverpool stammen könnte. Um so verwunderter ist man da, wenn man hört, dass die Jungs aus dem Niederbayrischen Eggenfelden stammen. Warum Sonic Down so very british klingen, wie es zur Eigenproduktion einer Platte kam, die sich definitv hören lassen kann und warum der Weg aus der Provinz in die großen Städte oftmals steinig ist, hat uns Sonic Down-Gitarrero Olli Kastenhuber in einem Interview verraten.


popconnection: Ihr habt nun euer Debüt-Album Live it up veröffentlicht. Man hört hier deutlich, dass eure Musik von den großen britischen Helden der 60er und 70er Jahre beeinflusst ist. Wie kommt es gerade zu diesen Einflüssen? Welche Bedeutung hat für euch der gute alte Rock 'n' Roll?

Olli: Nun ja, wir lieben einfach alle die Musik von britischen Bands wie den Faces, Beatles, The Who, Stones, etc. Da war eigentlich die Richtung unserer Musik von Anfang an klar vorgegeben: erdiger, schnörkelloser und vor allem ehrlicher Rock 'n' Roll! Natürlich mögen wir auch aktuelle Sachen wie Mando Diao oder Jet, weil diese Bands ja auch Elemente der vorher genannten Gruppen aufgreifen und wir uns deshalb mit ihnen identifizieren können.
Mich persönlich hat auch mein Vater sehr geprägt, der hat mich schon früh zu Gigs von The Who, den Stones und Paul McCartney mitgenommen.

popconnection: Ihr habt das Album komplett in Eigenregie aufgenommen und produziert. Wie lief da die Produktion ab?

Olli: Der Chris (Gesang/Gitarre) ist ja Tontechniker und da haben wir uns irgendwann gesagt, warum nicht einfach selbst was aufnehmen? Das Geld hätte sowieso nie gereicht, um in ein gutes Studio zu gehen und außerdem ist es dann oft so, dass die Leute dort nicht verstehen, wie du klingen willst. Somit war das wohl die beste und obendrein günstigste Lösung für uns. Wir haben das Album dann über mehrere Wochen hinweg aufgenommen. Erst wurden die Basic-Tracks live eingespielt, danach noch Gesänge, Keyboard/Orgel und ein paar Gitarren per Overdub drauf gesetzt. Da wir alle studieren/arbeiten, haben wir das immer am Wochenende im Proberaum gemacht. Ich denke, dass der Chris da wirklich einen guten Job gemacht hat und wir auf das Ergebnis stolz sein können.

popconnection: Die Songs auf Live it up wurden komplett live eingespielt. Wieso habt ihr das so gemacht?

Olli: Um den Spirit der Songs optimal einzufangen. Wir haben früher des Öfteren Demos gemacht, die wir separat, sprich jedes Instrument nacheinander, aufgenommen haben. Das klang immer viel zu steril und brav. Bei unserem Sound ist es wichtig, dass der Vibe stimmt und da wir eine Rock 'n' Roll Band sind, die gerne live spielt, haben wir es auch so aufgenommen.

popconnection: Gemastert hat das Ganze dann Carsten Collenbusch alias Keule in der BlueMasterBox/Troisdorf, der ja auch schon u.a. mit Harmful oder Scumbucket zusammengearbeitet hat. Wie kam es zu dieser Kooperation?

Olli: Der Keule hatte zuvor schon ein Album der Punkband Cashless, bei der ich ebenfalls Gitarre spiele, gemastert und somit hab ich ihn gleich in Betracht gezogen. Bei ihm stimmt das Preis-Leistungsverhältnis einfach.

popconnection: Welche Resonanzen habt ihr bislang auf euer Debüt-Album Live it up von Seiten der Medien und Fans bekommen?

Olli: Wir haben bereits ein paar Reviews in diversen Stadt- und Onlinemagazinen bekommen, die größtenteils positiv ausfallen. Bei der Antenne Bayern Soundgarage stehen wir momentan auf Platz 2 der Redaktionscharts. Unsere CD Release-Party im Mai 2006 im Club Bogaloo/Pfarrkirchen war auch ein voller Erfolg für uns. Als wir da letztes Jahr spielten, waren vielleicht 100-150 Leute da, diesmal waren es doppelt so viele. Das war schön zu sehen, dass wir uns neue Fans erspielt haben.

popconnection: Seid ihr mit den Resonanzen zufrieden?

Olli: Im Großen und Ganzen ja. Bei der ein oder anderen Review hat man halt schon gemerkt, dass die das Album wahrscheinlich gar nicht richtig durchgehört haben, aber mit so was muss man leben.

popconnection: Ihr kommt ja aus dem Niederbayrischen Eggenfelden. Ist es in der Provinz schwieriger erfolgreich zu sein, als wenn man aus Hamburg, München oder Berlin kommt?

Olli: Gut das du das ansprichst. Ich würde nicht sagen, dass wir es IN der Provinz schwerer haben, sondern dass wir es in großen Städten schwerer haben, weil wir AUS der Provinz sind! Wir haben schon diverse Münchener Clubs angeschrieben und CDs hingeschickt, doch die ignorieren uns komplett. Da kommt nicht mal ne Email zurück. Das finde ich echt enttäuschend. Besonders deshalb, weil wir eigentlich auf Gigs in z.B. München angewiesen wären, da wir den Eindruck haben, dass bei uns in Niederbayern die meisten Leute eher an anderer Musik (z.B. Punkrock) interessiert sind und sich nicht um Indie/Pop/Rock kümmern. Die Clubs wo du dir als Band schnell einen Namen machen kannst, sind halt in München, Berlin, etc.

popconnection: Wie entstehen eure Songs? Wer ist für das Songwriting verantwortlich?

Olli: Im Prinzip schreibt der Chris alle Stücke. Er kommt mit den Riffs und dem Text in den Proberaum und wir arrangieren den Song dann gemeinsam.

popconnection: Glaubst du, dass es schwerer ist, als deutsche Band erfolgreich zu sein, wenn man englisch singt?

Olli: Ehrlich gesagt ja. Das Problem ist, glaube ich, die extrem starke Konkurrenz aus UK, Amerika, Schweden, etc. Da gibt es so verdammt viele gute Bands, dass dir schwindlig wird. Außerdem wollen auch viele Indie-Fans ihre Bands deutsch singen hören, weil dass dann angeblich "echter" klingt . Wir persönlich hören aber fast nur englischsprachige Musik und deshalb singen wir auch englisch.

popconnection: Seid ihr bereits auf Labelsuche gegangen und welche Resonanzen habt ihr erhalten?

Olli: Wir haben schon einige Alben an namhafte Labels geschickt, bisher aber leider noch kein lukratives Angebot bekommen.

popconnection: Was habt ihr für die Zukunft geplant? Kann man euch in der nächsten Zeit irgendwo live erleben?

Olli: Unser nächster Gig ist am 04.08. auf dem Open Air in Leonberg/Oberbayern. Außerdem haben wir uns als Support für die Deutschlandtour von JET im Herbst beworben. Man kann uns da übrigens ab August in einem Voting unterstützen. Checkt einfach mal www.jackdaniels.de

popconnection: Na, da drücken wir euch mal kräftig die Daumen, dass das mit dem Support hinhaut! Ganz lieben Dank für das Interview!

Olli: Ich danke auch!



Interview: Jenny Schnabel

24. Juli 2006 / E-Mail

Website: www.sonicdown.net
Myspace: www.myspace.com/sonicdown 
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TRUCKER CLEAVAGE: "Wir sind nicht in die ganze Stockholm-Indie-Mafia
verwickelt"




Foto: Beatrice Bruteskog

Trucker Cleavage, bestehend aus Jonas, Henrik, Tobias und Fredrik kommen aus Schweden, genauer gesagt von der schwedischen Insel Gotland, was vielleicht zunächst einmal ziemlich untypisch für eine schwedische Rock 'n' Roll Band ist. Weiterhin gehören die Wahl-Stockholmer nicht zur lokalen Indie-Mafia, das sollte auch gleich festgehalten werden.
Anfang 2005 haben sich die vier Freunde als Band zusammen getan, um sich auf die Pfade ihrer Vorbilder, den Pixies, der Lemonheads und Weezer zu begeben. Was dabei raus gekommen ist, ist eingängiger, leicht ironischer und mitreißender Indie-Rock. Nach Aussage der Band klingen die Songs wie Lemonheads, Flaming Lips, Mew und Weezer zusammen auf einer Tour aufs platte Land. Nun ja, ob und inwiefern dieser charmante Vergleich, der in jedem Falle etwas für sich hat, stimmt, hört ihr am Besten selbst, nachdem ihr das Interview mit den sympathischen Schweden gelesen habt.


popconnection: Wer steckt genau hinter Trucker Cleavage – und wie seit ihr alle zusammen gekommen?

Fredrik: Wir sind Jonas Jakobsson, (29), Vocals & Akkustikgitarre; Henrik Ryftenius (28), elektrische Gitarre; Tobias Grönberg (30), Bass, Fredrik Broberg (27), Drums. Wir sind Freunde, seitdem wir Kinder sind und kommen von der schwedischen Insel Gotland, im Baltischen Meer. Gotland ist musikalisch für Ausländer bekannt durch Tobias Fröberg und Big Mike – Nord-Europas größter Elvis-Darsteller (Unser Gittarist Erik ist übrigens an dem Tag geboren, an dem Elvis gestorben ist). Wir haben alle in verschiedenen Bands gespielt, aber sind am Ende doch wieder alle zusammen gekommen, weil wir realisiert haben, dass wir die besten Musiker für die jeweils anderen sind.

popconnection: Wie ist die Resonanz von Seiten der Fans auf eure Band bisher?

Jonas: Super! Wir ziehen immer mehr und mehr Leute bei jedem Gig an. Es gibt ein Interesse für unsere Musik, das wir selbst nie erwartet hätten.

popconnection: Was glaubt ihr, hat euch bisher am meisten geholfen?

Tobias: Unser ganz und gar entspannter Zugang zur Musik und zu uns selbst.

popconnection: Wie seht ihr eure Band in Kontrast zu anderen schwedischen Bands – speziell, zu denjenigen, die es hier in Deutschland in die Charts geschafft haben.

Jonas: Wir gleichen in keinem Falle anderem schwedische Bands. Wir stehen eigentlich ziemlich außen vor, wenn es um die schwedische Musikszene geht. Die Szene hier ist ziemlich groß, trendy und elitär und ändert sich kontinuierlich.

popconnection: Wie seht ihr eure Rolle in der Musikszene?

Fredrik: Wir spielen bisher noch überhaupt keine große Rolle, jedoch – auf der anderen Seite – gibt es keine andere schwedische Band, die klingt wie wir. Leute, die unsere Band und unsere Musik kennen lernen, sagen immer, dass wir sehr erfrischend sind.

popconnection: Welche primären Einflüsse habt ihr?

Tobias: Vor allem amerikanischen, alternativen 80iger und 90iger Rock und Pop. Wir hören alle sehr viel Musik aus den unterschiedlichsten Genres und werden von sehr vielen Dingen beeinflusst. Eines Tages hoffen wir, Frank Black zu treffen.

popconnection: Wie geht ihr beim Songwriting vor?

Tobias: Jonas, der Sänger, schreibt die Lyrics und bringt oft fragmentarische Ideen mit zur Probe, aus denen wir dann als Band den Song basteln. Einfach gesagt: Musik: Trucker Cleavage, Lyrics: Jonas.

popconnection: Welche Ansprüche stellt ihr an euer Songwriting?

Fredrik: Auch wenn unsere Musik relativ einfach gestaltet ist, möchten wir das nie offensichtlich fühlen. Die Songs sollen unterhaltend, überraschend und für sich allein stehend sein. In Bezug auf die Lyrics dreht sich jeder Song von uns um ein eher dunkles Thema, das jedoch durch eine humoristische Oberfläche verschleiert wird.

popconnection: Worauf liegt euer Hauptaugenmerk in eurem musikalischen Schaffen?

Jonas: Wir legen vor allem Wert darauf, Spaß zu haben, und wir möchten etwas kreieren, das anhaltend, also von Dauer ist. Wenn wir auftreten, ist es für uns wichtig, die Leute zu unterhalten, und sie am Ende glücklich und hoffentlich emotional berührt zu verlassen. Insgesamt sind wir sehr selbstkritisch und zielen immer auf eine konstante Weiterentwicklung der Band als Ganzes.

popconnection: Was grenzt Trucker Cleavage für euch von anderen Bands ab?

Fredrik: In Bezug auf Schweden, ist es definitiv unser Humor und unsere Offenheit gegenüber dem amerikanischen College-Rock, der uns abgrenzt. Außerdem sind wir nicht in die ganze Stockholm-Indie-Mafia verwickelt.

popconnection: Welche Resonanzen bekommt ihr von der Musikpresse?

Jonas: Wir haben auf einigen Internetseiten und in einigen Blogs ziemlich gute Reviews bekommen. Hier ein paar Zitate: "How can a band from Sweden produce such great American pop" und "an excellent track highlighting some real potential with the catchiness
of it's melody and chorus". Außerdem wurden wir in einem Artikel der größten schwedischen Zeitung "Metro" erwähnt, in dem sie schrieben: "Trucker Cleavage - bandname of the year!". Außerdem wurden ein paar unserer Tracks von lokalen Radiostationen gespielt. Weiterhin werden wir später in diesem Sommer auf dem amerikanischen Radionetzwerk "Sirius", "Nordic Rox", das von Per Gessle von Roxette und Pelle Almqvist von The Hives moderiert wird, vorgestellt werden.

popconnection: Welche Live Erfahrungen habt ihr bisher?

Henrik: Wir haben bisher in diversen Clubs, Bars, auf diversen Festivals und Booten gespielt. Wir haben eigentlich schon verdammt viel gespielt, dafür, dass wir so eine junge und kleine Band sind. Allerdings sind wir noch nie außerhalb von Schweden aufgetreten.

popconnection: Wie sieht es denn diesen Sommer mit Festivals aus?

Tobias: Wir werden den Sommer damit verbringen im Studio neue Songs aufzunehmen, außerdem machen wir noch einen Cover-Song für eine Lemonheads-Tribute-CD. Also werden wir keine Festivals spielen, aber ein oder zwei Gigs im Monat.

popconnection: Wie promotet ihr eure Band?

Fredrik: Vor allem durch das Internet und wir haben einen Low-fi Manager. Wir machen Poster, Flyer, Buttons und Unterwäsche. Alles im Low-Budget Bereich.

popconnection: Wie finanziert ihr eure Band? Arbeitet ihr alle noch nebenbei?

Henrik: Ja, wir arbeiten alle oder studieren hauptsächlich. Bisher war es noch kein Problem, die beiden Sachen zu verbinden. Wir sind Freunde und sehen uns oft, auch außerhalb von Banddingen. Das wenige Geld, das wir haben, stecken wir in Poster, Flyer, Buttons, Studio, Cds und so weiter.

popconnection: Ist die Band als Vollzeit-Projekt geplant?

Fredrik: Nein, das ganze hat als Hobby-Projekt angefangen, das verdammt noch mal riesig geworden ist. Keiner weiß wirklich, was auf uns zukommt.

popconnection: Erzählt uns ein wenig über die Aufnahmen eurer neuesten EP.

Jonas: Wir sehen die Studio-Aufnahmen als eine Gelegenheit Instrumente und Sounds zu verwenden, die wir live nicht einsetzen (können). Wir haben jede Menge Ideen, und es hat ganz schön lange gedauert, bis wir alle zufrieden waren. Aber wir haben uns darauf geeinigt, dass es um Qualität und nicht um Schnelligkeit geht.

popconnection: Wo habt ihr aufgenommen?

Henrik: Wir haben in dem Gotland Studio "Sandkvie" aufgenommen. The Cardigans haben da schon da aufgenommen und auch The Ark and Black Belt.

popconnection: Welche Erwartungen habt ihr an die Aufnahmen gestellt?

Tobias: Wir wollten, dass die Songs wirklich, wirklich gut klingen, und wir hoffen, dass einige Label Interesse an den Songs zeigen werden.

popconnection: Ist ein Album in Planung?

Fredrik: Ja, wir nehmen nach und nach immer mehr Tracks auf. Vielleicht wird sich die EP zu einer LP entwickeln. Das Ganze hängt natürlich ein wenig von dem Interesse der Plattenfirmen ab. Wir wollen eine Menge aufnehmen, denn wir haben eine Menge Songs, und wir schreiben konstant an neuen Sachen und haben dabei das Gefühl, dass wir besser und besser werden!

popconnection: Mal eine ganz andere Frage – warum habt ihr denn alle kollektiv eure Haare abgeschnitten?

Jonas: Nun, die Haare unseres Schlagzeugers Fredrik haben bei einem Gig Feuer gefangen, weil er zu nah an eine Kerze gekommen ist. Also "musste" er seine Haare abschneiden. Aus Mitleid, haben wir anderen dasselbe gemacht. (grinst)

popconnection: Was sind die nächsten Ziele von Trucker Cleavage – was können wir von euch erwarten?

Jonas: Unsere Karriere geht langsam, aber sicher voran. Wir sind bereit alles zu geben, Platten raus zu bringen und zu touren! Wir sind niemals zufrieden. Unser nächstes Ziel ist eine kleine Tour in Deutschland. Also, wenn ihr irgendwelche Promoter kennt – kontaktiert uns!

popconnection: Dann freuen wir uns jetzt schon mal auf die hoffentlich bald kommende Tour und bedanken uns an dieser Stelle für das nette Interview !



Interview: Jeannine Hoof

21. Juli 2006 / E-Mail

Website: www.truckercleavage.se
Myspace: www.myspace.com/truckercleavage

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GRID: "In der heutigen Zeit ist die Musik zu einer Art Modenschau verkommen"




Foto: Gerhard Mair

Wenn sich die bayrische Band Grid so anhört, könnte man meinen, die Jungs kämen aus England und sie spielen Brit-Pop. Tanzbarer atmosphärischer Gitarrensound, der sich englisch anhört, so ungefähr beschreibt Sänger Stefan die Musik der Band.

Dabei ist zu betonen, dass ihre Musik trotz der Gitarren tanzbar sei, so Stefan Rogg wortwörtlich zum Musikstil der Band. Wir denken jedoch, dass der Sound von Grid eine gekonnte Vermischung verschiedener Stile darstellt, die durch die großartige Stimme des Sängers noch interessanter wird. Eine Symbiose aus Neuem und Altem, aus Sixties und Indie, Alternative und Jazz; die Stimme ein bisschen Richard Ashcroft ein bisschen Julian Casablancas, vor allem aber Stefan Rogg.
Ob tanzbar trotz der Gitarren oder gerade wegen der Gitarren oder aber unkonventionell und dennoch tanzbar, das entscheidet jeder am besten für sich selbst. Sicher ist nur, dass der Sound der fünf aus Memmingen und München stammenden Musiker sich nicht in eine Schublade schieben lässt.


popconnection: Zunächst möchte ich euch an dieser Stelle die Chance geben, euch als Band vorzustellen. Wer und was verbirgt sich hinter Grid?

Stefan: Die Band besteht aus mir – Gesang/Gitarre, Jens Weingärtner – Piano/Roots, Andreas Heer – Bass, Simon Schunk – Gitarre und Christian Wahl – Drums. Es hat eine Weile gedauert, bis wir die passende Crew gefunden haben. Ich, Jens Weingärtner und Andreas Heer sind allerdings schon von Beginn (1998) an dabei.
Unsere Musik klingt sehr englisch, erinnert teilweise an die guten alten 60er, wenn die Roots durchklingen und ist insgesamt eher als Alternative/Indie Musik einzuordnen. In Verbindung mit allen Instrumenten fügen sich Blues- und Jazzeinflüsse so gut in das Gesamtbild ein, dass sie kaum mehr zu erkennen sind.

popconnection: Wie ist die Publikumsresonanz bis jetzt? Habt ihr durch den internen Wechsel von Mitgliedern und die damit verbundene musikalische Veränderung Fans verloren bzw. dazu gewonnen?

Stefan: Eigentlich haben wir bis jetzt immer sehr positive Reaktionen auf unsere Musik bekommen. Durch den musikalischen Wechsel konnten wir uns jedoch in unserer Musik freier bewegen - womit nicht alle Menschen etwas anfangen können. Auf der einen Seite haben wir es dadurch geschafft, unsere Musik nicht nach dem Publikum zu richten, sondern unsere eigenen Gefühle und Einstellungen auszudrücken. Auf der anderen Seite können wir seitdem täglich mehr Menschen für unsere Musik begeistern.

popconnection: Ihr kommt aus Bayern und seid schon relativ lange musikalisch aktiv. Wie sieht die musikalische Szene aus, in der ihr aufgewachsen seid?

Stefan: Ja, das stimmt. Wir sind beinahe schon alte Hasen im Musikbusiness. Eine "Szene" in unserem Heimatort Memmingen existiert überhaupt nicht. Es ist hier wirklich fast unmöglich, etwas aufzuziehen. Wir haben schon sehr viele Bands kommen und gehen sehen. Wer hier kein Durchhaltevermögen zeigt, hat gleich verloren. Man muss es schaffen, in Großstädten Fuß zu fassen. Diese Einsicht kam bei uns auch nicht von heute auf morgen, jedoch haben wir den Absprung noch rechtzeitig geschafft.

popconnection: Welche Live Erfahrungen habt ihr und mit wem seid ihr schon aufgetreten?
Habt ihr auch schon außerhalb von Bayern gespielt?

Stefan: Wir können schon auf eine Vielzahl von Gigs zurückblicken mit teilweise sehr lustigen Veranstaltungen. Wir hatten einmal das Vergnügen mit DJ Bobo auftreten zu dürfen. Zwar ist diese Musik ganz und gar nicht unsere Richtung, aber es war eine sehr angenehme Erfahrung vor so vielen Menschen zu spielen.
Bis auf einige wenige Leute kennt man uns außerhalb von Bayern nicht. Wir haben auch sehr lange Zeit in unserem Proberaum verbracht und wollen erst jetzt wieder live auftreten. Allerdings werden wir uns auch dabei primär erst einmal auf Bayern konzentrieren, da sich längere Anreisen aus Gagenmangel nicht rechnen würden.

popconnection: Wofür steht ihr als Band und mit eurer Musik?

Stefan: Wir sehen uns selbst nicht als Menschen, die eine neue Generation erschaffen oder ähnliches. Mit diesen Dingen wollen wir nichts zu tun haben. Wir haben sehr viel Spaß an der Musik und wollen gleichzeitig mit unseren Texten den Menschen ein Stück unserer Einstellung und unseren Gefühlen preisgeben. In der heutigen Zeit ist die Musik zu einer Art Modenschau oder "Style-Battle" verkommen. Bei uns steht die Musik ganz einfach im Vordergrund. Unser Ziel ist es, mit der neuen Richtung endlich auch mit bekannteren Künstlern aus unserem Genre zusammenzuspielen.

popconnection: Was unterscheidet euch euerer Meinung nach von anderen Bands, wie sieht also quasi euer Bandkonzept aus?

Stefan: Es ist sehr schwierig, über sich selbst zu urteilen, was wir anders machen als der Rest der Musikwelt. Es stecken einige Einflüsse aus den 60igern in unseren Stücken. Aber der größte Unterschied liegt wohl darin, dass wir nicht krampfhaft versuchen anders zu sein, sondern unser Ding, woran wir glauben, durchziehen.

popconnection: Wie seht ihr eure Band innerhalb der deutschen Musiklandschaft? Auch im Hinblick auf die derzeit sehr "gehypten" Bands und Musikgattungen, von denen ihr euch ja unterscheidet?

Stefan: Eine wirkliche Rolle in der Musiklandschaft spielen wir momentan absolut nicht. Wir sind nicht wirklich bekannt. Wir wollen allerdings, wie du es so schön genannt hast, non-mainstream eine gewisse Größe erreichen. Wir streben keinen Riesen- Bekanntheitsgrad an.
Generell finde ich es sehr schade, dass die deutschen Nachwuchsbands einfach nicht richtig gefördert werden. Ich habe schon einige wirklich gute Bands aus Deutschland gehört und gesehen, aber diese bekommen einfach nicht die Chance sich im größeren Stil zu präsentieren. Mir ist außerdem aufgefallen, dass eine Band aus den UK oder Schweden vom Publikum viel besser angenommen wird, als eine deutsche Band. Dies finde ich, ist eine sehr traurige Tatsache.

popconnection: Euer Sound ist ja schon irgendwo als Rarität zu bezeichnen, zumindest im Hinblick auf eure Einflüsse. Wer sind eure Vorbilder und wie kommt ihr gerade zu eben diesen?

Stefan: Unsere Vorbilder sind beispielsweise Billy Preston, Jimi Hendrix, Richard Ashcroft, The Doors. Es hat bei mir beispielsweise sehr früh angefangen, dass ich mich für gitarrenlastige Musik interessiert habe. Damals, in jungen Jahren, hat mich Gitarrist Slash von Guns 'n' Roses und auch Kurt Cobain fasziniert. Die Interessen verlagerten sich mit zunehmenden Alter eher in die Brit-Pop Richtung und schließlich auch auf ältere Musik aus dem Blues und Jazzbereich.

popconnection: Was sind eure eigenen Anforderungen an eure Musik?

Stefan: Wir versuchen, unsere Instrumente ständig gegeneinander spielen zu lassen. Wir mögen es, wenn ein Song nicht nach dem allgemeinen Hit-Schema verläuft. Es wird sehr viel experimentiert, um das gewünschte Ziel, welches nicht im Voraus programmiert ist. zu erlangen.

popconnection: Wer ist bei euch für das Songwriting zuständig und worauf legt ihr hierbei besonderen Wert?

Stefan: Die Songs werden von unserem Pianisten Jens, Bassisten Andreas und mir komponiert. Jeder von uns dreien hat die eine oder andere Idee. Und diese Ideen werden dann gemeinschaftlich zu einem Song geformt.
Wir legen auf das Gesamtbild unseren Fokus. Das Stück muss an allen Enden perfekt zusammenpassen. Aber ich denke, dass wohl jede Band danach strebt.
Hier mal ein Beispiel: Ich hatte am Freitag eine Idee für einen Song. Ich hatte die Gitarrenmelodie und Gesangsmelodie. Das habe ich meinen zwei Jungs (Jens und Andi) vorgespielt und gleich dazu noch eine Idee, wie wir das als Song in der Band umsetzen könnten. Das haben wir dann gleich probiert. Daraufhin hatten die anderen auch gleich noch Verbesserungsideen, welche auch getestet wurden. Und so schaukelten wir uns gegenseitig mit unseren Ideen nach oben, um zu einem Ergebnis zu kommen, was uns allen dann sehr gut gefallen hat.
Es ist mir wichtig, dass wir drei komponierenden Menschen alle ihren Stempel auf das Stück setzen. Somit wird das Lied erst richtig interessant.

popconnection: Ihr wollt - laut eurer Homepage - "unterhaltsam sein ohne die Welt zu verändern". Haltet ihr euch dementsprechend aus politischen oder sozialen Themen völlig raus? Was ist so das Hauptthema eurer Songs?

Stefan: Das war unser altes Ich. Wir sind insgesamt viel reifer und erwachsener geworden. Wir legen in der Zwischenzeit äußerst viel Wert auf soziale Themen. Unsere Texte sind direkt aus dem Leben gegriffen. Natürlich dürfen da auch die zwischenmenschlichen Beziehungen nicht fehlen. Politische Texte haben wir bisher noch nicht gemacht. Das bedeutet nicht, dass wir totales Desinteresse an dieser Thematik haben, aber mir fehlt die Gabe, zu diesem Thema einen richtigen überzeugend guten Text zu formulieren.

popconnection: Wie finanziert ihr euch selber, die Musik, eure Konzerte, eure Promotion etc.?

Stefan: Wir versuchen durch Auftritte unsere Umkosten und noch eine kleinen Anteil für uns selbst herauszuschlagen. Es ist sehr traurig, dass Covermusiker sehr viel Geld verdienen und Künstler, die ihre eigene Musik präsentieren, für einen Hungerlohn spielen.

popconnection: Wie ist Beruf mit Hobby zu vereinen – gibt es da Koordinationsprobleme, so dass das eine oder andere schon mal zu kurz kommt?

Stefan: In unserer Band kommt es ständig zu Konflikten mit dem Berufsleben. Hinzu kommen die Entfernungen der Bandmitglieder. Aber so lange die Band bei jedem einzelnen eine hohe Priorität hat, lässt es sich immer irgendwie vereinbaren.

popconnection: Ihr habt ja ein Demo produziert. Erzähl doch mal ein bisschen mehr über euer Erstlingswerk. Mit wem habt ihr bei der Produktion kooperiert?

Stefan: Das Demo heißt Like I say. Es wurde im März 2005 aufgenommen, und bis es dann auch die Außenwelt bewundern durfte dauerte es nochmals 2 Monate. Es sind fünf Songs darauf zu hören. 1. Like I say, 2. Beast of Man, 3. Those People, 4. Eternity, 5. Are you gonna be someone. Dieses Demo wird noch nicht auf unseren Gigs verteilt, weil wir noch kein Cover haben und es noch nicht fertig ist. Wir wollen insgesamt etwa zwölf Lieder für das Album aufnehmen. Es sind außer diesen fünf Songs bisher schon weiterere vier fertig komponiert, aber noch nicht aufgenommen
Unsere Songs werden ausschließlich von uns selbst produziert. Wir haben das Glück, dass unter uns zwei gelernte Tontechniker weilen, so dass wir uns die eminenten Kosten für ein teures Studio sparen. Unsere Homepage und die Publicity machen wir auch selber.

popconnection: Was sind eure Erwartungen bezüglich dieses Demos, wollt ihr es auch national verteilen bzw. promoten?

Stefan: Wir haben keine großen Erwartungen. Uns würde es freuen, wenn wir damit einige Menschen ansprechen. Man muss einfach sehr realistisch bleiben. Wir haben keine professionelle Agentur, kein Management, welche unsere Platte publik macht. Deshalb werden wir den Fokus auf Live-Gigs setzen.

popconnection: Was sind eure langfristigen Ziele für die Zukunft?

Stefan: Unser Hauptziel liegt darin, eine kleine Fangemeinde deutschlandweit zu schaffen. Dazu suchen wir dringend Kontakte zu Clubs und anderen Bands für Auftrittsmöglichkeiten.

popconnection: Vielen Dank für das nette Interview ! Und bis hoffentlich bald !



Interview: Annika Reinersmann

14. Juli 2006 / E-Mail

Website: www.grid-pop.com
Myspace: www.myspace.com/experiencegrid

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THE DAYS: "Es ist diese Verbindung mit den Gefühlen der Menschen und
danach streben wir"




Foto: The Days

Mit der Londoner Band The Days stellen wir euch eine Band vor, die euch begeistern wird, wenn ihr sie erst einmal gehört habt. Sam Owen (Lead Vocals/Gitarre), Tom Owen (Keys/Vocals), Pete Knight (Bass) und Guido Mandozzi (Drums/Percussion) begeben sich mit ihrer Musik auf die Pfade berühmter Vorbilder – angefangen mit Pink Floyd, über Paul Weller, The Kinks und Coldplay. Und die junge Band aus London ist auf diesem Weg mehr als erfolgreich, denn sie schaffen es mit ihrem unglaublichen Songwriting-Talent aus dem Schatten ihrer großen Vorbilder heraus zu treten.

popconnection hat sich mit den beiden Songwritern der Band unterhalten, den Brüdern Sam und Tom, die uns im folgenden Interview vieles über ihre künstlerischen Ambitionen, ihre Ideale, der Vergangenheit und der Zukunft von The Days erzählen.


popconnection: Da The Days hier im deutschen Raum noch nicht besonders bekannt sind, möchte ich euch zwei zunächst einmal bitten uns ein bisschen über die Bandbiographie zu erzählen!

Sam: Tom und ich haben uns kennen gelernt, als ich geboren bin – und seitdem versuchen wir ständig einander zu meiden!

Tom: Als ich mit 18 von zu Hause ausgezogen bin, ist Sam meistens zu mir gekommen und wir haben dann immer The Kinks gehört. Wir haben daraufhin angefangen zu schreiben, und haben dabei versucht den Stil der Band nachzuempfinden. Eigentlich sind wir da in den ganzen Musikprozess gekommen. Sam hat Peter (Bass) auf dem College kennen gelernt. Die beiden sind nach London gezogen und haben dort begonnen, zusammen Songs zu schreiben.

Sam: Pete und ich haben in unserem Haus in Nord London angefangen, zusammen Musik zu machen. Um ehrlich zu sein, haben wir ziemlich schreckliche Sachen produziert und aufgenommen. Aber diese frühen Soundexperimente haben uns perfekt darauf vorbereitet, in einer Band zu spielen.

Tom: Wir wollten auch gerne live spielen, nur, ohne Drummer ist das Ganze ein bisschen schwierig. Ich hab selbst ein wenig Schlagzeug gespielt, also hab ich anfangs den Schlagzeuger-Part übernommen, aber ich war – kurz gesagt – nicht wirklich dafür zu gebrauchen.

Sam: Unsere Band kam letztendlich durch Guido zusammen, der bei uns vorgespielt hat, er ersetzte Tom dann am Schlagzeug. Guido wusste, wie man Sticks halten musste, also war er drin. (grinst)

Tom: Als wir alle vier zum ersten Mal zusammen im Proberaum waren, und ich wieder Keyboards spielte, kam alles in den richtigen Rahmen. Sam und ich hatten endlich die Band, die wir über eine Dekade versucht haben, zusammen zu setzen.

popconnection: Ihr kommt ja aus London, wo die Musikszene ja sehr lebhaft ist. Wie würdet ihr die Szene – gerade im Hinblick aus eurer Sicht als Musiker – beschreiben?

Sam: Das ist ziemlich schwer zu sagen, weil ich das Gefühl habe, dass unsere Band nicht wirklich in ein bestimmtes Genre passt. Als wir angefangen haben aufzutreten, war ich absolut hin und weg in Bezug auf die Qualität der Bands, mit denen wir gespielt haben. Ich erinnere mich, dass ich oft ziemlich eingeschüchtert war, aber ich denke, dass es eine gute Sache in der Musik sein kann, bescheiden zu sein.

Tom: Ich denke, dass gerade in den letzten Jahren, mehr und mehr Bands Keyboards in ihrem instrumentellen Line-Up haben. Gerade, wenn man an den typischen Coldplay Sound denkt oder an Keane’s Piano-Arrangements sieht man, wie der aktuelle Britische Musiksound derzeit ist. Die Menschen greifen immer mehr zum Klavier und zum Keyboard und fangen an damit zu experimentieren. Das ist eine ziemlich gute Sache – alles wird vielfältiger. Und vor allem für mich ist das gut, schließlich spiele ich Keyboards!

popconnection: Ihr sammelt ja schon seit zwei Jahren kontinuierlich Live-Erfahrungen. Wo habt ihr denn immer gespielt und wie war die Resonanz?

Sam: Wir haben bisher mit wirklich großartigen Bands in wirklich tollen Venues gespielt. Meine persönlichen Favoriten waren Chihiro, The Twice und Feverking.

Tom: Es scheint so, als ob wir inzwischen überall in London aufgetreten sind. Unsere ersten Gigs waren wirklich nervenaufreibend, weil wir so lange zu Hause gespielt haben, so dass es schon wirklich beängstigend war, auf einmal die seltsame Welt des Publikums zu betreten. Wir waren echt nicht so sicher, wie wir uns live schlagen werden, aber es ist wirklich schon beeindruckend, wie einfach es wird, live zu spielen und wie schnell man sich daran gewöhnt.

popconnection: Was war der beste Auftritt für euch bisher?

Tom: Ich erinnere mich an den Auftritt im Bull and Gate in Kentish Town. Bei diesem Gig lief wirklich alles genau richtig, weißt du?! Die ganze Atmosphäre war perfekt. Wir waren auf der Bühne und das Publikum war großartig, und da war etwas Bestimmtes bei diesem Gig, das ihn einfach einzigartig gemacht hat. Ich kann nicht genau sagen, was es war. Wir waren einfach absolut in Form.

Sam: Ja, das stimmt. Das B+G ist sowieso eine großartige Location, aber an diesem Abend hatten wir ein großartiges Publikum. Vor allem waren auch sehr nahe Freunde da, die einen weiten Weg hinter sich gebracht hatten – sogar aus Frankreich sind einige gekommen. Wir haben mehrere neue Songs vorgestellt (nun, die sind jetzt eher "alte" Songs), und das lief auch super.

popconnection: Was hat euch – neben euren Auftritten - beim Aufbau einer Fanbase geholfen?

Tom: Nun, jeder spricht davon (inzwischen ist es ja schon wie so eine Art Clique geworden), aber das Internet ist das beste Instrument, um Menschen über das, was passiert zu informieren. Natürlich erwähnen wir die Homepage bei jedem Gig, aber wir haben auch Leute, die für uns mit einem Block im Publikum herumgehen, um E-mail-Adressen für unseren Newsletter zu notieren. Das ist wahrscheinlich der kosteneffizienteste Weg, in Kontakt zu bleiben! Außerdem werden wir inzwischen auch viel im Radio gespielt, und das hilft auch ziemlich viel, wenn die Website erwähnt wird.

popconnection: Auf eurer Homepage nennt ihr die vielfältigen Einflüsse eurer Band, angefangen mit The Kinks bis Coldplay, über Pink Floyd bis zu Snow Patrol. Dieser Facettenreichtum der Einflüsse ist sehr interessant. Wie kommt es zu dieser Vielfalt?

Tom: Jedes Mitglied der Band hat eine ganz und gar andere Persönlichkeit und als Resultat haben wir alle einen leicht unterschiedlichen Musikgeschmack. Ich bin ein großer Fan von Pink Floyd, wohingegen Sam mehr zu Paul Weller tendiert und Pete dahingegen Led Zeppelin präferiert. Es ist dieser Mix von persönlichen Favoriten, der The Days glaube ich nach „uns“ klingen lässt, statt nach irgendeiner Band. Bei Auftritten kommen die Leute oft zu uns, und erzählen uns, an welche Band wir sie erinnern. Was, glaube ich, ja vielen Bands passiert, aber wir hören selten den gleichen Vergleich zwei Mal.

Sam: Die erste Band, von der ich wirklich besessen war, waren The Kinks. Für mich repräsentierten sie eine englische, verwundbare Seite, die als nicht sonderlich "cool" im englischen Mainstream galt. In I'm not like everybody else singt Ray Davies zum Beispiel darüber, anders zu sein und sich anders zu fühlen, und das ist genau das Gefühl, das ich hatte, als ich jung war. Der Pink Floyd Einfluss kommt hauptsächlich von Tom, auch wenn es etwas ist, dass ich inzwischen viel mehr schätze. Ich denke, wenn man sich anguckt, wie Songs zu strukturieren sind, gerade im Hinblick darauf, dass die einzelnen Teile ineinander fließen, dann denke ich, kann man fast gar nicht besser sein, als Pink Floyd dies zu perfektionieren.

popconnection: Wie habt ihr euch als Band in den letzten Jahren musikalisch entwickelt?

Tom: Ich glaube, dass Ocean Colour Scene’s B-Sides, Seasides and Free Rides sehr einflussreich im Hinblick auf unsere ersten Songs war. Und wir haben eine ganze Zeit in diesem Stil geschrieben. Ich denke, dass das Ganze irgendwann an einen Punkt kam, an dem wir alles für eine sehr lange Zeit sehr ernst nahmen und irgendwann einfach mal was Verrückteres machen wollten. Sam kam dann mit einer Menge fantastischer Songs, die mehr nach Small Faces späteren Sachen klangen. Es war ziemlich verrückt und eine Menge Spaß, und wir spielten ziemlich lange in diesem Stil und haben auch eine Menge Auftritte mit diesem flotten Sound gespielt. Trotzdem haben wir immer noch reifere, ruhigere Sachen hinter den Szenen geschrieben, währen wir mit den leichteren Songs aufgetreten sind. Wir haben dann irgendwann einen Sony Mitarbeiter getroffen, der öfter zu unseren Proben kam, und meinte, dass der ruhigere Sound um einiges besser war. Das war ehrlich gesagt eine kleine Erleichterung – man kann nur für eine bestimmte Zeit immer ein Lächeln auf dem Gesicht haben – nach einer Zeit fangen die Wangen dann an weh zu tun!

Sam: Tom hat angefangen Songs wie Playground Affair und Stones zu schreiben, die uns auf eine erwachsenere, reflektiertere Ebene gebracht haben. Ich bin damals durch eine ziemlich emotionale Trennung gegangen, und da flossen Songs wie Nice to know und Fail again nur so aus mir heraus. Unser Sound entwickelt sich immer weiter. Trotzdem muss gesagt werden, dass wir uns nicht irgendwie hingesetzt haben und uns wirklich überlegt haben, wie wir unseren Sound konkret ändern können.

popconnection: Welche Anforderungen stellt ihr an Euer Songwriting?

Sam: Ich habe gar keine Ansprüche – außer Perfektion! Na ja, nicht wirklich. Ich denke, dass man einfach ehrlich zu sich selbst sein sollte, wenn man schreibt. Ich würde mich nicht wohl fühlen, wenn ich über Dinge schreiben und singen würde, die ich nicht erlebt habe, das ist ein bisschen, als würde ich was vorschwindeln. Ich denke, dass mein Songwriting am Besten ist, wenn ich meine persönlichen Erfahrungen in einer Art und Weise niederschreibe, so dass jeder sich prinzipiell mit diesen identifizieren kann – und das ist glaube ich der Schlüssel. Kennst du dieses Gefühl, wenn du dir einen Song anhörst und es so ist, als ob der Sänger deine Gedanken gelesen hätte? Es ist diese Verbindung mit den Gefühlen der Menschen und danach streben wir. Ich war in dieser Beziehung immer schon eifersüchtig auf Tom, denn er hat diese Fähigkeit über genau das zu schreiben, was er in einem bestimmten Moment fühlt.

Tom: Danke (lächelt). Ich denke, es ist wichtig einen Song über das, was du selbst erlebt hast, zu schreiben, anstatt einen Song über Liebe zu schreiben, nur weil es ein sicheres Thema zu sein scheint. Dann ist es wichtig, diese eine Erfahrung mit so viel Klarheit wie möglich zu versehen, während man gleichzeitig einen größtmöglichen Raum für Jeden lässt, sich damit zu identifizieren.

popconnection: Wie geht ihr beim Songwriting vor?

Tom: Das Einzige, dass ich ganz sicher weiß, ist dass man einen Song nicht erzwingen kann. Ich sitze normalerweise am Klavier und spiele herum, bis ich eine Akkord Folge finde, die mir gefällt – und das passiert meist durch Zufall. Dann baue ich das Ganze weiter aus. Ungefähr die Hälfte unserer Songs hat einen Schreiber und die andere Hälfte hat vielleicht einen Vers, der bei mir geschrieben ist, der Chorus ist dann von Sam, oder andersrum. Ich glaube, dass du, wenn du zum Beispiel einen Chorus hast, aber einfach keinen Vers finden kannst, alles einfach weg legen solltest und für eine Weile an etwas anderem arbeiten solltest. Wie gesagt, man kann nichts erzwingen. Und wenn ich irgendwann dann immer noch nicht weiter komme, dann bringe ich das ganze zu den anderen, und in den meisten Fällen, wissen sie genau, wohin der Song gehen soll und bevor man es merkt – ist der Song komplett.

popconnection: Worauf legt ihr beim Songwriting den Fokus?

Sam: Für mich sind die Worte und die Message des Songs ebenso wichtig wie der Tune an sich. Ich denke, dass wir ziemlich gut darin sind, Songs zu strukturieren und die Botschaft auszudrücken.

Tom: Ich denke, dass ich versuche den Fokus gleichmäßig zu verteilen. Ich habe früher Songs geschrieben, bei denen ich weiß, dass ich bei den Lyrics ein bisschen geschlampt habe, und jedes Mal, wenn wir den Song spielen, tut mir das verdammt weh – als Resultat spielen wir die Songs einfach nicht mehr. Dasselbe würde passieren, wenn es um das Arrangement des Songs ginge. Ich muss mit beidem glücklich sein oder ich würde mich einfach nicht wohl damit fühlen, den Song den anderen vorzuspielen und vorschlagen, den Song aufzunehmen oder live zu spielen.

popconnection: Und wie kommt ihr zwei als Brüder in einer Band miteinander aus? Gibt es da die typischen Geschwisterstreits? Ihr seit ja die beiden Songwriter in der Band, ist der Familienbund da gerade vielleicht auch ein Vorteil?

Sam: Ich denke, dass wir alles in allem eine wirklich gute Beziehung haben, es hängt alles davon ab, die Grenzen des anderen zu kennen. Ich weiß genau, wie weit ich bei Tom gehen kann – und umgekehrt. Klar gab es Zeiten, in denen es gekracht hat, aber diese Gelegenheiten sind eher selten, weil wir generell dieselben Ideale haben, darüber wohin unsere Musik gehen soll. Ich denke auch, dass Respekt eine sehr wichtige Sache ist, und ich habe keine Scheu, ihn um Rat zu fragen.

Tom: Ja, diese typischen Geschwisterstreits gab es sehr selten zwischen uns. Ich denke nicht. Auf der einen Seite sind wir sehr unterschiedliche Menschen, aber auf der anderen Seite sind wir uns extrem ähnlich. Das hilft uns musikalisch enorm, denn wir können oft den Vibe des anderen in einem Song aufgreifen, und den Song dann genau in die gewünschte Richtung führen.

popconnection: Es gibt ja ziemlich große Neuigkeiten bei euch! Euer Song Marooned soll ja in den Soundtrack eines Films aufgenommen werden. Um welchen Film genau geht es denn?

Tom: Der Film heißt Consequences und die Regie führt Dan Styles. Derzeit ist der Film in der Phase der Post-Produktion. Wir sind alle ziemlich begeistert!

popconnection: Gibt es schon Pläne wieder ins Studio zu gehen, um vielleicht mal eine LP aufzunehmen?

Tom: Wir haben so viele Songs, die wir live performen, aber noch nicht aufgenommen haben, also ist es so gut wie unvermeidbar eine CD aufzunehmen. Wir haben gerade eine EP mit sechs Tracks rausgebracht, und wir bekommen dafür absolut tolle Feedbacks bekommen. Wir haben so weitere Tracks, die wir auch unbedingt rausbringen möchten. Studiozeit ist ja, wie generell bekannt, verdammt teuer, also nehmen wir so viel wie möglich zu Hause aus, und fügen alles zusammen, wenn wir dann letztendlich ins Studio gehen.

Sam: Ja, wir haben so viele neue Sachen, die wir unbedingt aufnehmen wollen, vor allem Sit yourself down und Freefall, also ist unsere Intention, so bald wie es nur eben geht ins Studio zu gehen.

popconnection: Wie sieht es denn mit Auftritten außerhalb der UK aus? Können wir euch vielleicht demnächst auch mal hier in Deutschland live erleben?

Tom: Wir haben gerade einen neuen Manager bekommen, also hoffen wir, dass wir jetzt bald expandieren – aber da gibt es noch nichts Festes. Behaltet für die weiteren Entwicklungen die Website im Auge!

Sam: Wir lieben es auf jeden Fall zu reisen, und Deutschland würde natürlich die erste Anlaufstelle sein!

popconnection: Das wollen wir hören! Vielen lieben Dank für das wundervolle Interview und bis bald hoffentlich!



Interview: Jeannine Hoof

27. Juni 2006 / E-Mail

Website: www.the-days.co.uk
Myspace: www.myspace.com/thedaysuk

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KOLO: "Wir haben einen so starken Glauben an das, was wir machen"




Foto: Jemma Foxwell

Kolo ist nicht nur eine Stadt in Polen, sondern auch eine Band aus dem Südosten der UK, genauer aus Exeter.
Die noch sehr junge Band, die vor ca. neun Monaten gegründet wurde, hat mit dem Release ihrer ersten EP Normandy House für einen ziemlichen Trubel in der Musikszene gesorgt - und das nicht nur in der näheren Umgebung von Exeter.
Die drei jungen Briten Jon Burnell (Vocals, Guitar), Mark Lee (Bass, Keyboard) und Ryan Lock (Drums) scheinen auf dem richtigen Weg zu sein. Schon 2000 Leute rund um den Globus besitzen ein Exemplar des grandiosen Erstlingswerkes, und es wird mit Sicherheit dabei bleiben.

popconnection hat mit Jon ein Interview gemacht, um mehr über die sympathische Band zu erfahren. Im Folgenden erfahrt ihr alles – angefangen mit dem ersten Kennenlernen der Jungs auf der Grundschule bis zu den neuesten Tourplänen.


popconnection: Wir haben euch ja bereits unter den Newcomer-Reviews vorgestellt – jetzt interessiert unsere Leser natürlich, wer ihr seid und wie die Band zustande gekommen ist!

Jon: Ich singe und spiele Gitarre in der Band. Mark Lee spielt Bass und Keyboards und Ryan Lock ist der Drummer. Wir sind alle zwischen 21 und 23. Ryan und ich haben uns schon in der Grundschule kennengelernt, da waren wir also sieben oder acht Jahre alt. Mark haben wir dann getroffen, als wir elf waren, in der Junior-Fußballmannschaft. Das ist im Prinzip schon die Story von Kolo.

popconnection: Ich habe mal nach der Bedeutung eures Bandnamens recherchiert. Kolo ist von der Wortbedeutung her polnischen Ursprungs, oder?

Jon: Der Name Kolo hat seine Wurzeln in der Familiengeschichte von Ryan! Er ist halb polnisch und wurde in einer Stadt in Polen geboren, die Kolo heißt. Wir fanden den Namen alle schön, vor allem vom Klang her, tja, und schon war der Bandname da!

popconnection: Was sind die musikalischen Wurzeln von Kolo?

Jon: Ich glaube, dass es ziemlich schwer wird, all unsere Einflüsse hier auf zu listen, es sind nämlich einfach zu viele, und das Ganze würde dieses Interview jetzt sprengen. Ich denke aber, dass man unsere Wurzeln und Einflüsse dahingehend zusammen fassen kann, dass unser Style größtenteils die großen britischen Indie-Bands der letzten Jahre reflektiert. Vor allem Bands wie Razorlight und Coldplay. Jedoch variieren wir diese Stile und vor allem meine Lyrics haben ganz andere Einflüsse, hauptsächlich Nick Cave.

popconnection: Ihr seid noch eine sehr junge Band. Kolo existiert ja gerade mal seit ca. neun Monaten. Wie war denn die Resonanz bisher und was denkt ihr, hat euch geholfen, die Bandprojekte so schnell ins Rollen zu bringen?

Jon: Ich denke, dass unsere langjährige Freundschaft uns vor allem geholfen hat, in so kurzer Zeit so weit zu kommen. Gerade, dass wir schon Freunde waren, bevor wir die Band gegründet haben, hilft uns immer gut miteinander aus zu kommen, auch wenn alles stressig wird, was gerade wichtig ist, wenn man in einer Band ist.
Wenn man sich einige Tage im Studio einschließt, den ganzen Tag Songs schreibt und probt, dann muss man einfach gut miteinander auskommen.
Wir verbringen als Band fünf oder sechs lange Abende pro Woche miteinander, proben, treten auf oder promoten die Band, und die Tatsache, dass wir Freunde sind, macht die ganze Sache zu einem Riesenspaß, statt nur harter Arbeit.

popconnection: Eure Debüt-EP Normandy House habt ihr ja gerade bei myspace sehr stark promoted. Wie war denn die Resonanz auf das Erstlingswerk?

Jon: Unser starker Wille, uns einen Platz in der Musikszene zu verschaffen und all die harte Arbeit und die investierte Zeit haben sich wirklich mehr als bewährt. Unsere Fanbase steigt immerzu und das in einer Geschwindigkeit, die wir nicht erwartet hätten.
Wir investieren gerade sehr viel Zeit darin, uns über das Internet zu promoten und wir haben jeder sehr viel Geld in die Distribution unserer EP gesteckt. Und das hat für einen ziemlichen Wirbel um uns gesorgt: 2000 Leute haben jetzt schon eine Kopie unserer EP, was eine ziem-lich krasse Sache ist, angesichts der Tatsache, dass wir als Band noch nicht einmal ein Jahr existieren.

popconnection: Wie sieht die Musikszene in Exeter aus und wie seid ihr darin eingebunden?

Jon: Exeter's Musikszene ist ok, aber ziemlich begrenzt, im Bezug auf gute Venues und die Leute, die Lust haben sich neue Bands anzusehen. Na ja, wir haben trotzdem ohne Ende im Umkreis getourt und haben uns bemüht, uns eine Fanbase zu erspielen. Letztendlich haben wir es geschafft, uns einen Ruf als extrem spannenden Live-Act zu erspielen, und die Leute kommen immer wieder zu unseren Shows. Gerade in einem der besten Clubs, nämlich The Cavern, haben wir oft gespielt. Da haben auch schon Muse und Coldplay in der Vergangen-heit gespielt. Hier hatten wir auch einen unserer erfolgreichsten Gigs: Wir haben die Radio 1-Darlings unterstützt.

popconnection: Wie seht ihr eure Rolle in der lokalen Musikszene? Ihr scheint ja in der eher stillen Musikszene in Exeter eine Ausnahme darzustellen.

Jon: Wir möchten, dass Exeter auf der musikalischen Landkarte heraus sticht. Leute sollen wissen, dass Exeter die Stadt ist, die ihnen Kolo gegeben hat. Im Südwesten Englands gibt es eine Menge talentierter Bands, aber die Musikszene hier ist ziemlich schläfrig im Moment. Es passiert einfach nicht viel, das Musikfans begeistern könnte – und das wollen wir ändern!

popconnection: Werdet ihr auch auf einigen Festivals in der Umgebung spielen?

Jon: Wir hoffen, dass wir auf dem Reading und auf dem Leeds Festival spielen werden. Wie ihr vielleicht wisst, finden diese ja am letzen Wochenende im August statt. Das wäre schon eine super Erfahrung.

popconnection: Ihr habt ja insgesamt schon relative viel Medienresonanz bekommen. In welchen Medien kann man Kolo denn überall finden?

Jon: Ja das stimmt, bisher ist die Medienresonanz speziell auf unsere EP geradezu unglaub-lich! Unsere erste Plattenkritik wurde in einem amerikanischen Magazin veröffentlicht. Dieses Magazin hat Normandy House mit acht von zehn möglichen Punkten bewertet und einen großen Erfolg von Kolo in der Zukunft prophezeit!
Außerdem wurden wir auf zahlreichen Radiostationen in den UK gespielt. Wir haben auch schon einen Bandwettbewerb einer Radiostation gewonnen. Das Krasse ist, das uns eine andere Radiostation vor ein paar Tagen mitgeteilt hat, dass wir die Charts der Radiostation anfüh-ren, wobei wir dabei wirkliche Megabands wie die Arctic Monkeys und The Strokes geschlagen haben! All das großartige Feedback bisher ehrt uns sehr und wir freuen uns total. Vor allem ist es so enorm, da wir ja eine noch so junge Band sind und auch noch keinen Plattenvertrag haben.

popconnection: Wofür steht Kolo? Was sind eure konkreten Ziele bezüglich der Band?

Jon: Unser Hauptziel ist es, dass die Band so groß und erfolgreich wird, wie es möglich ist. Wir möchten einfach sehr viele Menschen erreichen, so viele wie wir können. Wir haben einen so starken Glauben an das, was wir machen, und gerade deswegen möchten wir unsere Leidenschaft mit jedem teilen.
Wenn es um unsere Songs im Konkreten geht, ist unsere Hauptintention, dass unsere Songs musikalisch interessant sind. Wir möchten nicht in eine Sackgasse kommen und immer wieder ähnliche Songs schreiben, so dass am Ende einer wie der andere klingt. Wir möchten die Frische unserer Musik erhalten und dafür gehen wir immer wieder an unsere Grenzen und darüber hinaus. Einfach nur rum sitzen werden wir bestimmt nicht!

popconnection: Du schreibst die Lyrics aller Tracks. Worauf legst du beim Schreiben besonderen Wert?

Jon: Ich möchte in meinen Songs vor allem Geschichten erzählen. Ich liebe es, Bob Dylan und die frühen Stereophonics zu hören, denn ihre Lyrics sind so anders. Sie haben die Fähigkeit, kurze, drei Minuten lange Geschichten zu erzählen, die dich unterhalten – und das ist einfach brillant. Ich möchte, dass die Menschen von meinen Lyrics mitgerissen werden und darin eintauchen können. Es ist absolut wichtig für mich, dass Menschen sagen können, hey – so was hab ich vorher noch nicht gehört!
Musikalisch ist es für uns absolut wichtig, dass wir frisch und jung bleiben. Es ist verdammt schwer, Songs zu schreiben, die absolut originell sind, denn Bands wie die Beatles haben Jahre vorher so vieles abgedeckt. Aber wir sind froh und zufrieden, so lange wir einen eigenen Stil beibehalten und uns weiter entwickeln. Und ich glaube, wir sind da auf einem ziemlich guten Weg.

popconnection: Was macht Kolo, deiner Meinung nach, speziell, gerade im Vergleich zu anderen Bands?

Jon: Ich glaube, es gibt zwei Dinge, die uns speziell machen. Zuerst ist da die Tatsache, dass wir so viele Bemühungen in unsere Songs gesteckt haben, und immer versucht haben unsere Songs so unterhaltsam wie möglich zu gestalten. Dabei legen wir besonderen Wert auf die musikalische und lyrische Dynamik. Es gibt so viele Newcomer, die eine Art Soundmauer kreieren. Demgegenüber genießen wir es, immer wieder die Lautstärke innerhalb des Songs zu verändern, Spannungsbögen und somit Abwechslung herzustellen. Wir konzentrieren uns darauf, jeden Song anders als die anderen zu gestalten, und das macht uns auch gerade live interessant. Auf jeden Fall klingen unsere Songs nicht gleich.
Die zweite Sache, die uns von anderen Bands abgrenzt, ist unsere Freundschaft. Wir sind eine totale Einheit und ich glaube das merkt man auch, wenn man unsere Songs hört.

popconnection: Kolo ist derzeit, so viel ich weiß, noch ein Nebenprojekt von euch. Wie schafft ihr es, so viel Zeit und Energie in die Band zu stecken, neben dem üblichen Arbeitsalltag?

Jon: Wir arbeiten alle in Vollzeitjobs, aber versuchen ebenso, soviel Zeit wie möglich in die Band zu stecken. Unsere Jobs helfen uns nicht nur die wesentlichen Dinge zu zahlen (Rechnungen, Miete etc.), sondern ermöglichen uns eben auch die Band zu finanzieren (Studioaufnahmen, die EP-Veröffentlichung, Giganfahrten, Proberaummiete). Wir proben insgesamt vier Abende in der Woche und spielen Gigs an einem oder zwei Tagen pro Woche, das heißt wir investieren unsere gesamte Freizeit für die Band. Das kann alles ziemlich anstrengend sein. Aber glücklicherweise lieben wir das, was wir tun, viel zu sehr! Wir glauben alle ganz fest daran, dass unsere Band eh bald unser Vollzeitjob sein wird, und dieses Ziel macht den ganzen Stress irrelevant.

popconnection: Wie sieht's denn aus mit Aufnahmen zu einem künftigen Album? Ihr habt doch sicherlich noch so einige Sachen in petto, auf die sich die Fans freuen können...

Jon: Obwohl wir ja gerade eine EP veröffentlicht haben, haben wir schon wieder ziemlich viel neues Material. Im Herbst wollen wir eine weitere EP aufnehmen, aber werden wir erst mal Normandy House weiter verbreiten, um eine größere Fanbase auf zu bauen und evtl. auch an einen Plattenvertrag zu kommen.

popconnection: Was sind denn eure langfristigen Pläne? Gerade auch im Hinblick auf eine ausgeweitete Tour?

Jon: Langfristig möchten wir natürlich eine eigene Fanbase aufbauen, die groß genug ist, so dass wir eine ausgeweitete Tour machen können. Wir haben bereits eine massive Basis in verschiedenen Städten, jedoch müssen wir das noch weiter ausbauen, um eine landesweite Tour spielen zu können. Ein Plattenvertrag würde das Ganze natürlich beschleunigen, aber wir sind erst einmal darauf angewiesen, das Ganze im Alleingang zu erreichen. Es macht ja auch keinen Sinn, rum zu sitzen und zu warten, vor allem, weil wir zu stark daran glauben, dass unsere Musik es wert ist, von so vielen Leuten wie möglich gehört zu werden.
Wir machen einfach so weiter wie bisher, wir spielen weiter Shows, nehmen auf und promoten unsere Band, bis zu dem Punkt, an dem die Plattenfirmen uns nicht mehr ignorieren können. Wir wissen genau, dass es verdammt viel harte Arbeit ist, aber du kannst dir sicher sein, dass uns niemand aufhalten wird.

popconnection: Vielen Dank für das Interview!



Interview: Jeannine Hoof

16. Juni 2006 / E-Mail

Website: www.kolo-music.com
Myspace: www.myspace.com/koloband

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PETE JONES: "So lange ich meine Gitarre um drei Uhr morgens habe und
dann noch eine Schachtel Zigaretten, kommen all die Gefühle aus mir heraus"




Foto: Pete Jones

Pete Jones ist ein Singer/Songwriter aus London – ein 26-jähriger Künstler, der nach mehreren Jahren in verschiedenen Bands seine eigenen Wege geht.
Auf den ersten Blick eine ziemlich ungewöhnliche Entwicklung für einen so jungen Künstler. Nur, Pete weiß was er will, er will seinen eigenen Weg gehen, seiner Intuition und seiner Kreativität folgen, fern ab von dem, was andere sagen oder von ihm verlangen. Das Resultat ist vergleichbar mit reiner Poesie.

Pete bewegt sich auf den Pfaden großer Virtuosen wie Paul Weller, Bob Dylan und John Lennon, und er muss sich nicht im Schatten seiner Vorbilder verstecken. Seine Songs reflektieren die Einfachheit und Kompliziertheit des Lebens in all seinen Facetten. Es geht um das große und kleine Gefühl in jeden alltäglichen Situationen, mit denen sich ein jeder identifizieren kann. Doch man muss zuhören – Pete Jones ist kein Künstler, den man mal so nebenbei hören kann und soll – das würde ihm, seiner Intention und seiner Musik nicht gerecht werden.
"Fade away, taking my life with you... I don't know what to do; you're breaking us into two..."
Lest selbst, was Pete über sich und seine Musik erzählt und macht euch ein eigenes Bild von ihm!


popconnection: Du warst ja schon in diversen Bands, bevor du dein Soloprojekt gestartet hast. Kannst du uns ein wenig über deinen musikalischen Werdegang erzählen?

Pete: Also, das hat so im Sommer 2001 angefangen, als ich mich mit einem alten Schulfreund getroffen habe und wir bei ein paar Bieren entschieden haben, eine Band zu gründen. Dann kamen noch ein paar Freunde dazu. Wir spielten ein paar Konzerte im Londoner Umkreis, in Camden und zurück nach West London mit eher poppigen, melodiösen Tunes. Seitdem war ich als Frontmann bei diversen Bands der Londoner Musikszene dabei (Lux, modelcitizens & als Bassist bei The Cornerstones), da ist der Schritt hin zum Solokünstler für einen 26-jährigen Singer/Songwriter nicht ganz so natürlich. Aber das ist wirklich der Weg, den ich einschlagen wollte.

popconnection: Was hat dich dazu gebracht, ein Soloprojekt zu starten?

Pete: Die Entscheidung, meine eigenen Wege als Solokünstler zu gehen, entstand aus Jahren der Frustration. In einer Band zu sein hat etwas von einer Beziehung mit einer Freundin haben. Und wenn man mit drei oder vier anderen Menschen in einer Band ist, dann wird es hart, jeden zufrieden zustellen und das Leben der einzelnen Leute zu organisieren. Ich kam dahin, dass ich ein einfacheres Leben haben wollte.

popconnection: Was ist für dich als Künstler der Vorteil, ein Soloprojekt zu haben?

Pete: Die Vorteile liegen für mich klar darin, in den letzten Monate nur alleine unterwegs gewesen zu sein. Ich habe irgendwie mehr Aufmerksamkeit für meine Anstrengungen bekommen, arbeite härter in meinem eigenen Tempo, anstatt nur so schnell oder langsam wie die schwächste Person in der Band sein zu können.
Außerdem habe ich jetzt die Chance, wirklich den Sound zu bekommen, den ich will und ich spiele genau die Songs, die ich spielen will.

popconnection: Du lebst ja in West London, kannst du uns etwas mehr über die Musikszene da erzählen?

Pete: Die Musikszene in London ist cool und wird es immer sein. In diesem Jahrzehnt ist London wie Liverpool in den Sechzigern oder Manchester in den Neunzigern. Es gibt so viele coole Band und Clubs, dass man von den Möglichkeiten schon verwöhnt wird.

popconnection: Wie bist du in diese Szene als Singer/Songwriter eingebunden?

Pete: Zurzeit spiele ich als Singer/Songwriter Solokünstler in verschiedenen Clubs überall in London.

popconnection: Was hast du denn schon für Konzerte gespielt und wie war die Resonanz?

Pete: Die Resonanz war dieses Jahr bisher sehr gut. Ich habe in ein paar kleinen Clubs gespielt, was ich bevorzuge, da dort eine intimere Atmosphäre herrscht und du bekommst wirkliches Gefühl des Wertes, wenn du das Schimmern in den Augen der Leute sehen kannst und merkst, dass deine Songs ankommen und etwas bedeuten.
Außerdem habe ich am 5. Mai 2006 beim "Teenage Cancer Trust Wohltätigkeitskonzert" gespielt. Das war eine Veranstaltung unter freiem Himmel an den Ufern der Themse, ein wirklich aufregender Tag: Die Sonne schien und das Zuschauerlächeln strahlte weit.
Ihr könnt euch die Videos von dieser Veranstaltung unter www.myspace.com/pjsolo ansehen.

popconnection: Wie würdest du deine Fan-Base beschreiben?

Pete: Nun, das ist nicht wirklich klar definierbar, denn meine Songs sprechen verschiedenste Leute an. Und genau das ist das Wunderschöne am akustischen Spielen, denn du kannst nicht so einfach in irgendeine Schublade gesteckt werden.

popconnection: Wie ist die Resonanz der Presse bis jetzt?

Pete: Nun, da uns das digitale Zeitalter inzwischen ganz und gar erreicht hat und das ganze Breitband nun mehr Mainstream orientiert ist, ist die Medien-Resonanz viel besser geworden. Inzwischen hat ja jeder ein eigenes Myspace Profil oder diverse andere Download-Foren.

popconnection: Wenn du einmal über dich als Künstler reflektierst; wie definierst du dich ganz persönlich als Künstler? Wie möchtest du als Musiker gesehen werden?

Pete: Die Erfahrung lehrt viele Musiker, dass es nur um die Qualität der Songs geht – und in dieser Hinsicht bin ich keine Ausnahme. Meine ganze Sichtweise basiert auf der Grundlage, dass Menschen einfach mehr erwarten als einen tollen Haarschnitt oder die aktuelle Mode. Sie möchten auch Songs hören, die zu ihnen sprechen, mit denen sie sich in irgendeiner Art identifizieren können.
Ich tendiere dazu Songs zu schreiben, mit denen sich jeder irgendwo identifizieren kann. Und diese Songs erreichen dieses Ziel in jedem Falle zu einem gewissen Grad: Auf das Wesentliche gebracht und akustisch simpel gehalten entwickeln die Songs ihre eigene Dynamik.

popconnection: Was bzw. wer beeinflusst und inspiriert dich in erster Linie?

Pete: Ich trage meine Helden und Einflüsse auf meiner Brust und ich trete das Erbe der klassischen Singer/Songwriter an. Hör genau hin und du wirst die Einflüsse von Dylan, Lennon, Hardin & Buckley über Ashcroft, Weller, Frame & Tilbrook hören.

popconnection: Welche Ansprüche stellst du an dich selbst, wenn es ums Songwriting geht?

Pete: Ich stelle gar keine Ansprüche an mich, denn ich denke, dass Ansprüche oder Erwartungen die Seele aus einem Song nehmen. Und das ist eben genau das, was meine Songs ausmacht – die Seele, die ich dort hinein stecke. So lange ich meine Gitarre um drei Uhr morgens habe und dann noch eine Schachtel Zigaretten, dann kommen all die Gefühle aus mir heraus.

popconnection: Wenn wir mal ein bisschen in die Zukunft schauen, was können wir von Pete Jones erwarten?

Pete: Nun, meine Pläne für den Rest des Jahres sind auftreten, auftreten, auftreten, auftreten und dann noch mehr live spielen. Ich nehme gegen Ende des Jahres außerdem eine meine Debüt-EP auf, also könnt ihr euch darauf vorbereiten innige, emotionale Songs um die Ohren gehauen zu bekommen.

popconnection: So – und als letzte Frage: Werden wir dich bald auch mal live in Deutschland erleben können?

Pete: Ich hoffe sehr, dass ich bald auch in Deutschland spielen werde, und hey, selbst wenn ich es dieses Jahr nicht schaffen werde – es gibt immer eine Chance, Live-Clips von mir im Netz zu sehen. So stay tuned kids!

popconnection: Vielen lieben Dank für das nette Interview – und hey, bis bald!

Pete: Cheers!



Interview: Jeannine Hoof

08. Juni 2006 / E-Mail

Myspace: www.myspace.com/pjsolo

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VERY: "Es ist unser Ziel, etwas zu schaffen, das tief geht, das berührt"




Foto: Mirko Schönenburg

"Very!" – "very ... was?" Nein, einfach nur Very – und mehr ist da auch nicht notwendig, ausser ein aufmerksames Hinhören. Very ist eine bis dato noch eher unbekannte Band aus unserer schönen Hauptstadt Berlin. Henry Kasulke (Vocals), Daniel Schmidt (Gitarre, Keyboard), Andrea Buß (Bass) und Andrees Dolega (Drums) formieren eine Band, die in der Indie-Rockszene hervorsticht, und gerade durch emotionale und melodiöse Songs mit Gehalt bestechen kann.
Ihre Musik ist beeinflusst von Radiohead, Placebo, Manic Street Preachers und Pink Floyd, eine Mischung die Musikliebhaber begeistern kann. popconnection hat sich mit Sänger und Songwriter Henry zusammengesetzt, um mehr über die Band, ihre Einflüsse und ihre Ziele zu erfahren.


popconnection: Erzählt mir doch einmal Eure Bandgeschichte mit eueren eigenen Worten. Eure Geschichte, die 2000 begann ist ja von diversen Umbesetzungen geprägt.

Henry: In besagtem Jahr riefen ich und Daniel das ganze ins Leben. Es dauerte etwa ein Jahr, bis es die Band Ende 2001 in ihrer ersten Inkarnation gab. Damals waren wir zu fünft. Neben mir, Daniel und Andrees waren noch Guillermo Morales (heute bei Sumo) und Fedja Schwember (heute Rotes Glas) dabei. In der Besetzung gaben wir die ersten Konzerte und nahmen unsere erste Demo-CD auf. Wir hießen damals noch Red Sky Landscape.
Guillermo stieg 2003 aus, um seine eigene Band zu gründen. Wir machten zu viert weiter, was sich musikalisch als wesentlich besser erwies. 2004 veröffentlichten wir unsere 2. Demo-CD, diesmal als Very.
Fedja stieg ein paar Monate später aus. Für ihn kam Andrea, was musikalisch und organisatorisch eine riesige Bereicherung für die Band war.
Seither spielen wir in der Besetzung. Wir sind kontinuierlich mit sehr viel Leidenschaft am werkeln, werden immer besser und bekommen immer mehr und größere Gigs, u.a. kürzlich beim bundesweiten Beck's Band Battle (einer der größten nationalen Bandcontests), wo wir unter 1000 Bands auserwählt wurden, als 1 von 9 Bands teilzunehmen.

popconnection: Habt ihr euch jetzt – in der aktuellen Besetzung - gefunden?

Henry: Kommt drauf an, wie die Frage gemeint ist. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es musikalisch sehr sehr gut funktioniert. Auch menschlich klappts sehr gut.

popconnection: Wie hat sich der Sound von Very in den sechs Bandjahren – aus eurer Sicht verändert?

Henry: Da wir seit Beginn der Band emsig dabei waren, sind wir natürlich um Lichtjahre besser geworden im Laufe der Zeit. Das ist sicherlich das Entscheidenste. Stilistisch ist zu sagen, dass Daniel anfangs zu 90 % der Zeit am Keyboard stand, nun hingegen fast ausschließlich Gitarre spielt. Das heißt, dass wir Keyboards momentan kaum verwenden. Doch ich denke, dass in Zukunft wieder häufiger Keyboard-Zeugs zum Einsatz kommt, würde ich auf jeden Fall sehr begrüßen.
Insgesamt sind wir vielfältiger geworden, spielen druckvoller und einfach besser zusammen.

popconnection: Wie haben sich denn eure Produktionsroutinen verändert?

Henry: Anfangs kam ich mit komplett ausarrangierten Songs in den Proberaum und wir haben die dann mehr oder minder exakt so umgesetzt. Das ist heute zum Teil auch noch so. Doch es kommt nun hin und wieder auch vor, dass ich mit noch nicht ganz ausgefeilten Songs antanze und wir die Arrangements zusammen erarbeiten.

popconnection: Welche Basis habt ihr euch bereits in Deutschland geschaffen?

Henry: Die Zahl der Leute, die von unserer Musik wirklich begeistert sind, nimmt deutlich zu. Durchaus auch in der Musikindustrie. Wir hatten bereits recht viel Radio-Airplay, u.a. bei Radio 1, einer der größten Sender Berlins. Wie uns zu Ohren kam, war das dafür zuständige "Gremium" von Radio 1 doch sehr begeistert von uns. Ebenso positiv reagierten viele Musikmagazine auf uns.
Ganz wichtig natürlich (wenn nicht sogar am wichtigsten) isses, dass wir uns inzwischen darauf verlassen können, dass nach jedem Konzert Leute auf uns zukommen, die uns vorher noch nicht kannten und uns sagen, dass sie absolut begeistert waren.

popconnection: Mit welchen Bands seid ihr bisher zusammen aufgetreten?

Henry: Sumo, Minor Majority, Zero, Pete Blume, Paulsrekorder etc. etc. Also eher unbekannte meist deutsche Bands. Obwohl... mit Hund am Strand sind wir auch schon 1-2 mal aufgetreten.

popconnection: Wie sind die Reaktionen der Musikpresse auf Very?

Henry: Wie gesagt: Sehr positiv. Selbst unsere erste CD (die ich persönlich nie für besonders toll hielt), wurde schon hochgelobt. Die 2. CD hat sogar noch deutlich positiveres Feedback bekommen. Eine Auswahl an Rezensionen gibt's auf unserer Seite.

popconnection: Von welchen Bands und Musikrichtungen wurdet ihr primär beeinflusst und inspiriert?

Henry: Vor allem aktuellere britische Bands mit Hang zu etwas Melancholie. Radiohead, Manic Street Preachers, The Verve, Coldplay, Pink Floyd…

popconnection: Wie steht ihr gerade zu den gängigen Vergleichen, die immer wieder in der Presse verwendet werden, um Eure Musik zu beschreiben?

Henry: Bisher lag die Presse mit ihren Vergleichen immer ganz gut. Vor allem mit den Manics werden wir oft verglichen, nicht nur von der Presse. Ich denke, dass bei dem Vergleich mit den Manics aber in erster Linie der Gesang und der Sound, nicht immer unbedingt der Stil, entscheidend sind.
Schön isses, dass anerkannt wird, dass wir eigenständig sind und niemanden kopieren.

popconnection: Wofür steht Very – betrachtet man den künstlerischen und sozialen Horizont?

Henry: Ich denke, dass Very für außergewöhnlich gute, oft etwas melancholische Songs steht, die schlichtweg von mir gesungen und von der Band gespielt werden.
Auch menschlich kommen wir gut miteinander aus und verbringen gern Zeit zusammen. Ich denke, dass das inziwschen für jeden in der Band recht wichtig geworden ist. Gäbe es die Band nicht, würde mir menschlich auf jeden Fall was fehlen.

popconnection: Was grenzt euch, aus subjektiver Sichtweise, von anderen nationalen Bands ab?

Henry: Was uns besonders macht, ist schlichtweg die Qualität unserer Songs und wie diese klingen, wenn ich sie singe und mit der Band spiele.
Des Weiteren ist unsere Musik im Vergleich zu den meisten anderen jüngeren nationalen Bands teilwiese recht ruhig und athmosphärisch. Einige recht krachige, treibende Songs haben wir allerdings auch.

popconnection: Was sind eure künstlerischen Intentionen? Welche stilistischen Ansprüche stellt ihr an Eurer Songwriting?

Henry: Wir stellen schon reichlich hohe Ansprüche ans Songwriting und die Umsetzung. Entsprechend geben wir da unser absolut Bestes. Es ist immer unser Ziel, etwas zu schaffen, das tief geht, das berührt...

popconnection: Wie sieht die bisherige musikalische Biographie der einzelnen Bandmitglieder aus?

Henry: Nachdem ich schon ein paar Jahre viel allein Musik gemacht hatte, stieg ich mit 16 oder 17 als Sänger in meine erste Band ein. Wir spielten hauptsächlich Coversongs, in erster Linie "Evergreens", beispielsweise von Metallica. Aber auch ein paar Songs von mir waren dabei. Ähnlich sah es aus bei den zwei Bands, in denen ich danach war. Alle Bands lösten sich allerdings nach einigen Monaten aus verschiedenen Gründen auf.
Außerdem war ich Sänger einer U2-Coverband. Doch auch diese Band gab es nur ein paar Monate. Schade, denn wir waren echt ganz gut. Die U2-Coverband bestand, als es Very bzw. Red Sky Landscape bereits 1-2 Jahre gab.
Andrea war acht Jahre lang (bis 2003) Bassistin einer Band namens Masquara. Zwischendurch war sie bei den Maybecakes in Rostock und einer Groove-Band in Anklam.
Daniel war vorher lediglich in der Jazzband seiner Schule, die allerdings echt gut war! Ich kann das bezeugen, da ich auf der gleichen Schule war. Er war der Gitarrist und hatte aufgrund seiner speziellen Vorliebe für "blue notes" den Spitznamen "Der Blues".
Andrees war zuvor bereits in einigen Formationen, die ganz unterschiedliche Sachen machten. Von Funk, über Brit Rock bis lateinamerikanischer Musik. Anfangs spielte er Keyboard, später fing er an mit Schlagzeug.

popconnection: Wie verbindet ihr Very mit euerem alltäglichen Berufsleben?

Henry: Manchmal ist es etwas schwierig, insbesondere weil Andrea recht unregelmäßige Arbeitszeiten hat, aber wir finden eigentlich immer einen Weg, genügend zu proben und natürlich auch live zu spielen. Bei mir, Daniel und Andrees ist das weniger problematisch. Wir 3 pendeln immer so zwischen Studium, Praktikum und kurzzeitigen Jobs und sind zeitlich flexibler.

popconnection: Was erwartet uns denn gerade LP-mäßig von euch? Ich habe gehört, Aufnahmen sind für Ende des Sommers geplant? Seid ihr schon fleissig am Schreiben?

Henry: Ja, wir werden wohl spätestens im Herbt die nächste CD aufnehmen, freuen uns da auch schon sehr drauf. Die letzte CD haben wir ja bereits vor zwei Jahren aufgenommen und seither haben sich recht viele neue Songs und Ideen angesammelt, die darauf warten, aufgenommen zu werden. Viele dieser Songs spielen wir auch schon seit geraumer Zeit live.
Möglicherweise werden wir auch bereits aufgenommene Songs neu aufnehmen.

popconnection: Was erwartet uns in naher Zukunft von Euch? Wie sehen Eure konkreten Pläne aus?

Henry: Wir werden halt weiterhin unser Ding machen. Wir möchten einfach so viel aus der Band machen, wie es geht, sowohl musiklaisch, als auch den Erfolg betreffend. Man wird sehen. Wir werden auf alle Fälle weiterhin unser Bestes tun.



Interview: Jeannine Hoof

01. Juni 2006 / E-Mail

Website: www.very-music.de
Myspace: www.myspace.com/verymusic

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THE GIANTS: "Wir machen Musik, die uns gefällt. Das ist es, was zählt."




Foto: The Giants

Wer den guten alten Zeiten des britischen Gitarrenrock nachtrauert, der sollte sich diese Band unbedingt merken: The Giants. Ihr Sound ist geprägt von den großen britischen Bands der 60er und der 90er Jahre Brit-Pop-Generation. Dennoch handelt es sich bei The Giants nicht um eine x-te Band, die einfach ihre Vorbilder kopieren, sondern vielmehr versuchen sie das weiterzuführen, was die Helden ihrer Jugend angefangen haben.

Gegründet hat sich die Band im November 2001. Seit 2004 spielen The Giants in der aktuellen Besetzung bestehend aus Lukas Retterath (Vocals), Markus Schäfer (Rhythm Guitar & Backing Vocals), Timo Retterath (Lead Guitar), Matthias Himmel (Bass) und Patrick Arenz (Drums & Percussion). Zusammen mit Marc Spitzlei haben die Jungs im April 2005 in den Sots-Studios in Mendig ihre neue Demo-EP Great Revolution aufgenommen, die im Oktober vergangenen Jahres erschienen ist. In einem Interview möchten wir euch die Band aus Mayen einmal vorstellen.


popconnection: Wenn ich mal zurückrechne, wart ihr ja bei der Bandgründung alle noch relativ jung. Was war für euch die Motivation zu sagen: "Wir gründen eine Band"?

Markus: Zu Beginn, das war so 1997, wollten Timo und ich einfach nur nach der Schule eine Runde jammen und haben hauptsächlich Beatles-Songs nachgespielt.

Timo: Nach einer Weile sind wir dann aber in eine Coverband eingestiegen, die brauchten nämlich noch einen Gitarristen und Bassisten. Das haben wir dann etwa zwei Jahre gemacht. In dieser Zeit haben wir auch angefangen, eigene Songs zu schreiben. Ziemlich bald fanden wir beide das wesentlich interessanter und motivierender, als uns dauernd auf's Covern zu beschränken. Da die anderen Bandmitglieder nicht mitziehen wollten, beschlossen wir die Band zu verlassen und eine neue Band zu gründen.

Markus: Tja, uns fehlte aber ein Drummer. Und ab dann kommt Paddy ins Spiel. Ich kannte ihn von der Schule, aber dort konnte ich ihn eigentlich nicht leiden. Aber na ja, ich hab´ ihn gefragt, er hat zugesagt, wir sind super Freunde geworden und seit dem gibt's THE GIANTS. Was ne Story, so richtig mit Happy End.

Patrick: Ich hatte sonst auch nichts besseres zu tun. Zudem wollte ich schnell unglaublich reich und berühmt werden! (grinst)


popconnection: Seit Ende 2004 spielt ihr in der aktuellen Besetzung. Welche internen Umbesetzungen gab es und wer ist noch aus der ursprünglichen Besetzung an Bord?

Markus: In Sachen Besetzung haben wir schon einiges hinter uns. 2001 kam Patrik S. als Sänger zur Band. Wir vier probten sehr intensiv und bis zu den Aufnahmen zum ersten selbstproduzierten 8-Track-Demo in 2004 schien der Weg eigentlich sehr geradlinig. Jedoch gab der Sänger nach den Studioaufnahmen im Sommer 2004 seinen Ausstieg aus der Band bekannt, um sich Soloprojekten zu widmen.

Timo: Weil er aber auch die Rhythmusgitarre spielte, mussten wir die Band direkt auf zwei Positionen neu besetzen. Ein neuer Sänger war mit meinem Bruder Lukas ziemlich schnell gefunden, aber die Bassistensuche gestaltete sich langwierig und etwas schwieriger. Nach langem Experimentieren fragte Markus schließlich Ende 2004 seinen Kumpel Matthias, ob er nicht in die Band einsteigen wolle, was er auch tat. Jedoch musste Himmel (so nennen wir ihn) das Instrument komplett neu erlernen und hat sich in den letzten anderthalb Jahren sehr gut entwickelt. Markus ist dann vom Bass auf die Rhythmusgitarre gewechselt, was uns soundtechnisch sehr gut getan hat. Von den Gründungsmitgliedern sind daher heute noch Patrick (Drums), Markus (Gitarre) und ich (Gitarre) dabei.


popconnection: Euer Sound ist ja vor allem von britischen Bands aus den 60ern und den 90ern geprägt. Wen würdet ihr als eure konkreten Vorbilder bezeichnen, die eure Musik beeinflussen?

Markus: Zu den Bands, die uns wohl maßgeblich geprägt haben, zählen aufgrund ihrer einmaligen und unsterblichen Melodien/Songs die Beatles und Oasis natürlich durch ihre relativ simple aber geniale Spielweise und Vocals.

Timo: Außerdem hätte ich ohne die Beatles wahrscheinlich nie mit dem Gitarre spielen angefangen und der Einfluss von Oasis ist bei uns wohl ziemlich deutlich zu hören.

Matthias: Das stimmt, dennoch möchten wir uns nicht ausschließlich darauf beschränken, denn es gibt viele andere Bands, die wir hören, z.B. The Rolling Stones, Blur, The Verve, U2, Black Rebel Motorcycle Club, Jet, Mando Diao, Coldplay, The Killers, Kaiser Chiefs, um nur einige wenige zu nennen.
Ich persönlich finde zudem das Wort "Vorbild" etwas unpassend, da wir nicht versuchen, so zu klingen wie eine "Band XY", sondern auf der Basis der Musik, mit der wir aufgewachsen sind und die wir aktuell hören, unseren Sound zu definieren und weiter zu entwickeln.


popconnection: Viele Bands müssen sich ständig mit den Vorwürfen "die klingen wie..." auseinandersetzen. Ist euch das auch schon passiert und wen ja, wie geht ihr damit um?

Timo: Das passiert uns andauernd und es nervt schon ein bisschen. Aber eigentlich ist so etwas doch ganz normal.

Patrick: Man kann den Menschen halt nichts vorschreiben. Wenn sie der Meinung sind das unsere Musik einer anderen ähnelt, macht es keinen Sinn etwas anderes zu behaupten. Wir sind THE GIANTS und machen Musik, die uns gefällt. Das ist es, was zählt...

Timo: Man kann halt den Rock 'n' Roll nicht mehr neu erfinden, aber ich denke schon, dass wir einen eigenständigen Stil haben und spätestens wenn man die Stimme von Lukas hört und seine Präsenz auf der Bühne sieht, weiß man, dass wir THE GIANTS sind und nicht bloß irgendein Abklatsch von bestimmten Britpopbands.


popconnection: Ihr habt im Oktober vergangenen Jahres eure Demo-EP Great Revolution veröffentlicht. Gibt es Pläne ein komplettes Album aufzunehmen?

Markus: Wir haben noch keine konkreten Pläne. Zudem konzentrieren wir uns derzeit lieber auf Live-Konzerte, da wir einen Spagat zwischen Studio und Gigs für kontraproduktiv halten. Vielleicht werden wir uns im Winter oder im nächsten Frühjahr darüber Gedanken machen. Potentielle Songs gibt´s auf jeden Fall genügend.

Matthias: Uns ist es auch sehr wichtig, dass die Qualität stimmig ist. Wir werden nicht irgendetwas zusammenkleistern nur um ein Album zu präsentieren, das vielleicht aus Zeit- oder Geldmangel nicht unseren Anforderungen entspricht.

Patrick: Wo wir auch schon beim Problem der Finanzierung wären. Wenn sich also etwas finden lassen sollte, was das ermöglicht, sei es ein Label oder eine unerwartete Erbschaft (grinst), dann könnt ihr mit einem kompletten Album von uns rechnen.


popconnection: Welche Resonanzen gab es bislang von Fans und Presse auf eure EP?

Timo: Die Resonanzen waren eigentlich durchweg positiv und die meisten Leute sagen uns, dass wir auf einem guten Weg sind und so weiter machen sollen.

Matthias: Man muss aber auch sagen, dass wir uns im letzten Jahr musikalisch und Lukas sich stimmlich enorm weiterentwickelt haben. Nach unseren Konzerten sagen die Leute oft zu uns: "Ihr wart live richtig geil, noch viel besser als auf der EP." – Welches größere Lob gibt es für eine Band?


popconnection: Kümmert ihr euch um so Sachen wie Booking und Promotion komplett selbst? Wie viel Zeit nimmt das in Anspruch?

Markus: Die Internetpräsenz übernimmt Patrick bei uns. Er hat die Seite selbständig entwickelt und hält sie auch ständig auf dem neuesten Stand. Muss er ja auch zwangsläufig, da der Rest der Band von solchen Sachen wirklich keine Ahnung hat. Das Booking und die Promotion übernehme ich. Das alles ist natürlich mit einem hohen Arbeitsaufwand verbunden, aber ohne das Ganze würde man keinen Auftritt bekommen. So läuft's nun einmal. Vor allem muss man diese Dinge auf ein Corporate Design stützen. Beziffern kann man die Arbeit gar nicht in Stunden. Wir haben auch nie versucht, dies zu registrieren. Ich glaub', Paddy und ich haben uns mit der Arbeit schon einige Nächte um die Ohren geschlagen, aber solange die Ergebnisse und die Resonanz stimmen, ist das für uns in Ordnung.
Ärgerlich ist es halt nur, wenn man CDs an Veranstalter schickt, ihnen E-Mails "noch und nöcher" schreibt, sie anruft und keiner meldet sich.

Matthias: Außerdem haben wir schon mehrfach schlechte Erfahrungen mit diversen und sogenannten "Managementagenturen" gemacht, sodass wir Promotion und Booking zur Zeit lieber selbst in die Hand nehmen.


popconnection: Wie schwierig ist es für eine unsigned Band an Auftrittsmöglichkeiten zu kommen?

Patrick: Es ist schon ein gutes Stück Arbeit und wirklich nicht immer easy. Man bekommt oft zu hören: "Euch kennt hier niemand". Aber wenn man erst mal einen Fuß in der Tür hat, tun sich oft auch weitere Möglichkeiten auf. Geholfen hat uns dabei mit Sicherheit auch unsere Demo-EP.

Matthias: Man muss halt viele Klinken putzen, um einen Auftritt zu bekommen. Aber fast überall, wo wir schon einmal gespielt haben, arbeiten die meisten Veranstalter gerne weiter mit uns zusammen.

popconnection: Mit welcher Band würdet ihr mal gerne zusammen spielen?

Matthias: Natürlich nur mit den ganz Großen.(grinst)

Patrick: Mit den Pussycat Dolls. Die sind scharf.

Timo: Ich würde mal gerne mit Paul McCartney und dessen Band gemeinsam auf einer Bühne stehen. Jeder träumt schließlich davon, einmal mit seinen großen Vorbildern aufzutreten.

Markus: Ich kann mich meinen Kollegen nur anschließen. Für's Auge auf jeden Fall die Pussycat Dolls und für's Ego Paul McCartney, immerhin einer der größten Musiker weltweit und eine wahre Ikone.


popconnection: Ihr habt bisher noch keinen Vertag bei einem Label und könnt euch somit im Moment noch nicht nur durchs Musikmachen finanzieren. Was macht ihr also alle neben der Band?

Matthias: Vier von uns schlagen sich als Studenten durchs Leben. Paddy studiert Wirtschaftsmathematik (Trier), Markus BWL (Mainz), Timo Englisch auf Lehramt (Köln) und meine Wenigkeit Medizin (Bonn). Unser Sänger hat es aber als Einziger richtig gemacht und schläft (grinst) - oder im Fachjargon "arbeitet" - beim Finanzamt. Sorry, aber ein kleiner Beamtenscherz musste sein.

Patrick: Wir finanzieren uns durch diverse Nebenjobs und durch die Einnahmen aus unseren Konzerten. Das sind zwar noch nicht die großen Summen, aber es klappt bislang ganz gut.


popconnection: Was erwartet uns von The Giants in der Zukunft? Hofft ihr, das ihr ein Label findet, damit ihr eure Leidenschaft zum Beruf machen und euch nur noch aufs Musikmachen konzentrieren könnt?

Timo: Ich glaube, jede Band, die eigene Musik schreibt, träumt davon, irgendwann einmal davon leben zu können. Auch wenn es nur ganz Wenige bis ganz nach oben schaffen. Wir werden alles daran setzen und mal sehen, ob's uns gelingt.

Patrick: Aus diesem Grund sind wir auf der Suche nach einem geeigneten Label, das uns auch dementsprechend unterstützt. Man darf also gespannt sein.

Markus: Bis dahin müssen wir aber noch hart arbeiten und mit Sicherheit noch einige Enttäuschungen wegstecken. Besonders wenn man sich die heutige Pop-Landschaft mit all den so genannten "Superstars" vergegenwärtigt. Für Bands, die aus dem Underground kommen und nicht diesen finanziellen Background von Labels und Marketingagenturen haben, wird´s immer schwerer, überhaupt aus dem Keller zu kommen.

Matthias: Es gehört auf jeden Fall ne gehörige Portion Glück dazu, sich nicht nur semiprofessionell auf die Musik zu konzentrieren, sondern hauptberuflich. Wir werden also sehen, was die Zeit bringt.



Interview: Jenny Schnabel

19. Mai 2006 / E-Mail

Website: www.giantsmusic.de
Myspace: www.myspace.com/giantsband

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THE IMPORTERS: "Wir sind und werden niemals Vorbilder sein. Dafür hat die
Welt schließlich schon U2."




Foto: Importers

The Importers ist ein Name, den ihr euch vielleicht mal merken solltet, auch wenn euch die Band bis dato nichts sagt. Nun – dafür ist ja jetzt auch das folgende Interview da, in dem Jay Sheridan, der Sänger der Band sich und The Importers vorstellt.
Als kleine Einleitung folgendes über die noch junge Band aus Northamptonshire: The Importers bestehen aus insgesamt vier Engländern, namentlich Jay Sheridan (Vocals, Keys und Programming), Marc Kerlin (Gitarre), Roman Krause (Drums, Percussion, vocals) und Greg da Floys (Bass, Keys). Musikalisch erinnern die Jungs an New Order und die Happy Mondays. Bisher ist die Band nur einem sehr kleinen Umfeld in der Electro-, Funk- und Indieszene bekannt, jedoch glauben wir an ihre viel versprechende Zukunft und drücken die Daumen.
Alles über die sympathische Band könnt ihr hier lesen, und so bald ihr damit fertig seid, solltet ihr schnellstens die Homepage und Myspace-Seite besuchen und hören, was euch die Band zu bieten hat! Es lohnt sich!


popconnection: Erzähl doch mal ein wenig über Eure Bandgeschichte, ihr wart ja nicht immer eine Vier-Mann-Band.

Jay: Ja, stimmt. Marc und ich haben anfangs zusammen Musik geschrieben, wobei wir dabei lediglich mit Samplern und Gitarre gearbeitet haben. Aber irgendwann haben wir gemerkt, dass wir gerade im Hinblick auf Live-Konzerte mehr Kraft hinter dem Ganzen brauchen – also kamen Roman und Greg dazu. Insgesamt hat uns das als Band mehr Raum gegeben. Für alles weitere verweise ich – faul wie ich bin – auf unsere Biographie.

popconnection: Welchen Bekanntheitsgrad habt ihr bereits in den UK?

Jay: Wir beginnen gerade verstärkt an die Öffentlichkeit zu treten, vor allem indem wir Gigs an verschiedensten Orten in England spielen. Es ist ziemlich schwer, Aufmerksamkeit zu bekommen, vor allem, weil wir alle der Meinung sind, dass gerade die Musik für sich und für uns sprechen sollte. Manchmal kommt es mir so vor, dass Bands an uns verkauft werden aufgrund ihres Images, anstelle des musikalischen Inhalts. Wir haben jedoch sehr große lokale Unterstützung und haben eine ziemlich gute Medienresonanz, gerade auch was Radioplays betrifft. Bis jetzt sind wir noch nicht wirklich auf nationaler Ebene bekannt, jedoch bemühen wir uns stark darum. Das funktioniert gerade gut durch Gigs und auch durch Myspace.

popconnection: Wie sieht die Musikszene in eurer Heimatstadt Northamptonshire aus – insbesondere bezogen auf Euer Genre? Wie seit ihr darin involviert und inwiefern begreift euch als Teil der Szene?

Jay: Ich finde, dass es eine recht gesunde Szene ist, die sich immer vielfältiger gestaltet. Damit meine ich, dass Northamptonshire traditionell ein rockiger, punkiger Platz, mit jeder Menge Gitarren-Musik war. Das hat sich gerade in den letzten Jahren gewandelt, im Sinne einer Ausdifferenzierung, obwohl Gitarrenmusik die Szene noch immer dominiert.
Wir sind neben Wilson und Slipstream, die mehr elektronischen und wählerischen Bands. Ich kenne die Jungs von Wilson und Slipstream sehr gut und liebe ihre Musik. Beide Bands treten ein ziemlich reiches Erbe an, denn Pat Fish (Wilson) war viele Jahre lang erfolgreich als The Jazz Butcher und Mark Refoy (Slipstream) war viele Jahre in der Band Spiritualised. Wir haben bereits mehrere Auftritte mit Wilson gehabt, und die sind ziemlich gut gelaufen, da wir zu einem gewissen Grad das gleiche Publikum ansprechen. Es ist hier im Umkreis schwer viel Aufmerksamkeit zu bekommen, da das ganze "Hauptgeschäft" in London situiert ist, aber wir haben mehrere Indie-Labels im Umkreis. Und außerdem sind wir eine Uni-Stadt, also gibt es viele Auftrittsmöglichkeiten.

popconnection: Mit welchen Bands tretet ihr bis jetzt hauptsächlich zusammen auf?

Jay: Kommt immer ganz drauf an. Wir haben mit einer Menge Gitarren-Bands gespielt, aber nicht so viel mit elektronischen Bands. Und genau das möchten wir gerne ändern, denn wie gesagt, wir müssen nach einem stärker Zielgruppen-orientiertem Publikum schauen.

popconnection: Habt ihr bereits auf irgendwelchen Festivals gespielt?

Jay: Nun, unser nächster Gig ist eine Art Festival-Gig, obwohl das ganze drinnen stattfindet – zählt das dann?! Wir haben bisher dieses Jahr noch keine Festivaltermine, aber wir denken im Moment drüber nach einige zu spielen.

popconnection: Wie ist denn die lokale Medienresonanz bis dato?

Jay: Die ist wirklich großartig und wir haben eine super Review unserer Tracks in einem neuen Magazin, das "Music For Squares" heißt, bekommen. Eine Indie-Wochenendshow (The Weekender) unterstützt uns auch immer.

popconnection: Wie sieht Eure bisherige musikalische Biographie aus? In welchen Bands habt ihr vor The Importers gespielt?

Jay: Ich habe in einer Band namens Philosophical Terrapins gespielt. Wir waren so eine Mischung aus den Pet Shop Boys (die ich liebe) und New Order. Wir waren auf lokaler Ebene ziemlich groß, und uns wurde sogar ein Vertrag von Warner Brothers angeboten – den haben wir aber dankend abgelehnt. So sollte es auch sein! Die wollten nämlich eine Boygroup aus uns machen (wir waren zu der Zeit 18). Tja, und wir haben uns gedacht, dass wir ziemlich cool sind, wenn wir denen sagen, dass sie sich verpissen sollen. Wir haben dann alle andere Dinge entdeckt, die wir machen wollten, und die Band löste sich auf. Aber ich habe Daz Brown gerade vor ein paar Tagen getroffen, und wir haben darüber gesprochen, die Band wieder aufzunehmen, weil ein Promoter aus alten Zeiten auf Daz zugetreten ist, um zu fragen, ob wir nicht Lust hätten, mal wieder was zu machen. Ich würde das echt gern machen – also mal gucken was wird.
Weder Marc noch Greg (er ist noch ein ganz junger Typ!) waren vorher in anderen Bands. Und Roman war in einer polnischen Tanzgruppe!

popconnection: Was ist für dich das Spezielle an eurer Band?

Jay: Ich finde, eine Review über uns hat das Ganze ziemlich gut zusammengefasst. Wir sind nicht wichtigtuerisch oder großspurig in unserer Musik, denn wir lieben den Prozess des Songwritings. Wir wollen nicht "cool" sein – was für ein Scheiß ist das überhaupt?! Wir haben auch keine Band um Frauen aufzureißen! Ich denke, eine Menge Leute sind einfach nur in die Idee verliebt in einer Band zu sein, anstelle wirklich leidenschaftlich bei der Sache zu sein, wenn es ums Musikschreiben geht. Also, ich glaube, dass Marc und ich großartige Songwriter sind, und gerade die Chemie zwischen uns beiden lässt das Ganze so gut werden. Marc ist ziemlich entspannt und ruhig, wohingegen ich vielleicht mehr manisch und impulsiv bin. Wir haben zwei weitere großartige Bandmitglieder in Roman und Greg (der übrigens ein klassisch ausgebildeter Gittarist und Pianist ist) gefunden. Die beiden helfen uns in neue Richtungen zu gehen, wenn das notwendig ist. Wir lieben es alle in einer Band zu sein und entwickeln eine gute "Gang"-Mentalität – und das ist denke ich das, was man als Band braucht.

popconnection: Was sind – in der künstlerischen Dimension – eure Intentionen?

Jay: Wir möchte gute, ehrliche Musik schreiben, die Emotionen erweckt. Das ist das Statement, das unsere Mission am besten ausdrückt. Wir haben eine ganz bestimmte Unversehrtheit und kümmern uns nicht um das neueste Dies und Das. In gewisser Weise sind wir an einer Schnittstelle der Musik, denn wir vermischen die neuesten Technologien, spielen jedoch auch selbst die einzelnen Instrumente. Insofern grenzen wir uns da stark von anderen elektronischen Bands ab. Wir möchten die Leute mit unserer Musik erreichen und berühren – nicht mit unserem Aussehen oder Haarschnitten! Wir sind und werden auch niemals Vorbilder sein. Dafür hat die Welt schließlich schon U2.

popconnection: Welche Ansprüche stellt ihr beim Songschreiben an euch selber? Wo liegt der Fokus bzgl. des musikalischen Arrangements und der Lyrics?

Jay: Wir investieren Ewigkeiten darin, unsere Songs so arrangieren, wie wir sie haben wollen, weil uns das "Produkt" fast schon krankhaft wichtig ist, vergleichbar mit einer Obsession. Wir haben da jetzt kein Grundrezept, aber wir verwenden traditionelle Songstrukturen. Unsere Songs erstrecken sich über das Hip Hop Genre, bis hin zu Drum and Bass und Bass und Elektro – also absolut gemischt und vielfältig. Mein Fokus, wenn ich schreibe, liegt vor allem auf dem, was gerade in meinem Leben passiert. Meine Lyrics reflektieren das alles, obwohl ich manchmal nicht mal so wirklich weiß, was sie wirklich bedeuten, bis ich sie fertig geschrieben habe! Ich mag die Idee, dass die Leute selbst entscheiden könne, was die Lyrics für sie persönlich bedeuten.

popconnection: Derzeit arbeitet ihr ja bestimmt noch nebenbei. Wie viel Zeit könnt ihr da in die Band investieren?

Jay: Wir arbeiten immer mindestens zwei Abende an neuen Songs und proben dann auch – immer dann öfter, wenn es nötig ist. Die Band ist so ziemlich die Hauptsache in unseren Leben. Zum Glück sind wir in unseren Jobs sehr flexibel und haben bisher noch keine Probleme bekommen.

popconnection: Habt ihr vor die Band zu eurem Hauptberuf zu machen?

Jay: Ja, mit dem richtigen Deal. Es ist immer gut sich dran zu erinnern, dass die Band eines Jeden eigentlich als Hauptberuf geplant ist!

popconnection: The Importers auf einem neuen New Order Tribute Album – das ist ja eines eurer aktuellen Projekte. Wie gestaltet sich das genau, das Ganze ist ja mit einem Wettbewerb verbunden, nicht wahr?

Jay: Ja, wir erfahren am 19. Mai, ob unsere Version von Joy Divisions’ Atmosphere auf dem Tribute Album sein wird oder nicht. Das wäre natürlich super für uns, und bereits jetzt haben wir jede Menge Resonanz darauf bekommen. Leute möchten unsere Musik kaufen (bzw. downloaden), und wir befinden uns gerade im Prozess, das Ganze in die Wege zu leiten. Wir hoffen, dass irgendwer unser Cover hören wird, dann unsere eigenen Tracks hören wird und uns einen Vertrag anbietet!

popconnection: Was sind eure Ziele für die Zukunft?

Jay: Weiter gute Songs zu schreiben, dies zu genießen, ein Label zu finden, das wirklich an uns glaubt. Und natürlich möchten wir auch gerne, dass unsere Songs international wahrgenommen werden. Gerade Touren wäre großartig, glaube ich. Aber, nun ja, da müssen wir realistisch sein – also für jetzt erhalten wir unsere Liebe zur Musik in erster Linie.

popconnection: Ganz lieben Dank für das nette Interview!

Jay: Sehr gerne!



Interview: Jeannine Hoof

11. Mai 2006 / E-Mail

Website: www.importerslive.net
Myspace: www.myspace.com/theimporters

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CARGO CITY: "Es liegt irgendwie in meiner Natur, Songs zu schreiben"




Foto: Cargo City

Cargo City alias Simon Konrad ist einer jener Singer/Songwriter, über die man durch Zufall aufmerksam wird und sich denkt, wie unglaublich gut kann eigentlich das Schlichte Zusammenspiel aus Gitarre und Gesang klingen? Ohne jegliche weiteren Instrumente. Reduziert auf den Kern, so dass sich der Hörer völlig im Zusammenwirken aus Text und Melodie verlieren kann. Ganz klar, Simon ist einer von den Guten, die sich der einzig wahren Sache verschrieben haben, für die es sich weiterzumachen lohnt: Musik!

Cargo City - der Name erinnert in erster Linie an Frankfurt/Main mit dem umtriebigen Herzstück der Stadt: Dem International Airport. Auch wenn der Projektname es dementsprechend vermuten lässt, so kommt der junge Mann, über den wir reden, nicht aus Mainhatten, sondern aus Darmstadt.
Ob und in wiefern sich die Örtlichkeit auf die Songs von Cargo City auswirkt, das ist letztendlich genauso irrelevant, wie die Frage, ob der Mond das Einschlafverhalten beeinträchtigt: Ja, nein, kann sein und ach, egal! Fakt ist, dass die Songs von Simon Konrad wunderschön sind! Bittersüße Tracks über das, was im Leben zählt: Die Liebe. People come and people go / but if you attend to love / it`s forever yours, Aussagen, die die Welt komprimiert erklären - und treffen. Mal melancholisch-desillusioniert, mal nachdenklich-versponnen, kurz, emotional eben.

Wer also steckt hinter diesen Tracks, die sich nicht über den Kopf einschleichen, sondern gleich sich gleich in der Magengrube platz nehmen? In einem Interview hat Simon uns einiges über Cargo City erzählt.


popconnection: Cargo City ist eines jener wunderbaren Solo-Projekte, auf die wir durch myspace aufmerksam geworden sind. Da du deine Songs dort auch als komplette Downloads anbietest: Wie groß schätzt du das Potential solcher Internet-Plattformen ein, insbesondere für Newcomer?

Cargo City: Webseiten wie Myspace oder auch Pure Volume bieten Künstlern und Bands meines Erachtens gute Möglichkeiten sich musikalisch im Internet vielen Menschen präsentieren zu können ohne gleich eine eigene Homepage gestalten und hochladen zu müssen. Besonders für Newcomer ist auch der Vernetzungs- und Kommunikationsaspekt wichtig. Man kann ohne großen Aufwand andere Bands oder eine Booking-Agentur und ähnliches kontaktieren.

popconnection: Seit wann gibt es das Soloprojekt Cargo City überhaupt?

Cargo City: Hmm...wie lange gibt es das Soloprojekt schon?? Schwierige Frage. Im Grunde seitdem ich Gitarre spiele und eigene Songs schreibe, also seit ca. 10 Jahren. Auf den Namen "Cargo City" hab ich das ganze dann aber erst vor kurzem getauft. Die Songs auf Myspace sind meine ersten Solo-Aufnahmen, etwa 6 Wochen alt und eher zufällig entstanden. Nachdem ich sie meiner Schwester vorgespielt hatte und sie von ihr als gut befunden wurden, kam ich auf die Idee sie bei Myspace reinzusetzen. Das war quasi der offizielle Startschuss Cargo City.

popconnection: Worin liegt für dich insbesondere der Reiz, als Singer/Songwriter musikalische Solopfade einzuschlagen?

Cargo City: Ich glaube, es liegt irgendwie in meiner Natur, Songs zu schreiben. Wenn ich Zeit habe klimper ich ständig auf meiner Gitarre rum (was für bestimmte Leute, z.B. Mitbewohner auch schnell mal nervig werden kann...) und dabei kommen relativ häufig neue Stücke, Passagen oder Melodien bei raus. Meine Songs auf Myspace sind vier von mittlerweile unzähligen Liedern, die für meine eigentliche Band zu soft sind oder die mit der Band einfach nicht funktionieren. Es ist also nicht so, dass ich mir irgendwann gesagt habe "OK, jetzt mach ich ein Soloprojekt!" Momentan überlege ich auch wie ich das Projekt erweitern kann, also mit wem, in welcher Form und in welchem Kontext ich die Songs in Zukunft spielen werde. Ein Soloprojekt wird es auf keinen Fall bleiben.

popconnection: Hast du vorher in irgendwelchen Bands gespielt oder stand für dich von Anfang an fest, dass du dein eigenes Ding durchziehen möchtest?

Cargo City: Wie schon ansatzweise erwähnt, spiele ich parallel in einer Band. Wir heißen Siamese, machen melodischen und grösstenteils punkrock-lastigen Indie-Rock. Die für Siamese zu ruhigen oder einfach nicht passenden Lieder habe ich allerdings schon in verschiedenen anderen Formationen gespielt, die sich aber aus diversen Gründen immer ziemlich schnell wieder aufgelöst haben. Wie gesagt wird aber auch Cargo City kein Soloprojekt bleiben.

popconnection: Welche Vorbilder hast du aus musikalischer Perspektive und inwiefern beeinflussen dich diese beim Songwriting?

Cargo City: Also Vorbilder im herkömmlichen Sinne habe ich eigentlich nicht. Momentan höre ich gern Musik von zum Beispiel Death Cab For Cutie, Dregd, Idlewild, Bloc Party, Tiger Lou aber auch härtere Sachen wie Glassjaw oder Thursday. Die neuste Weezer hör ich auch grade rauf und runter. Als Singer/Songwriter gefällt mir momentan vor allem Damien Rice. Wenn ich Musik höre, die mir gefällt, inspiriert mich das. Aber ich denke beim Songwriting nie "Das muss sich jetzt anhören wie dies und jenes."

popconnection: Was würdest du sagen, ist das Spezifische an Cargo City? Wie würdest du deinen Sound charakterisieren, wo liegen Vergleichspunkte oder Unterschiede zu anderen Künstlern?

Cargo City: Ich finde es immer sehr sehr schwierig objektiv über seine eigene Musik zu urteilen oder sie zu charakterisieren. Ich würde sie aber auf jeden Fall als poppige, melodiöse und zum Teil vielleicht melancholische Musik beschreiben. Um Unterschiede oder Vergleichspunkte zu anderen Künstlern benennen zu können, fehlt mir die nötige Objektivität. Ich denke das müssen andere beurteilen.

popconnection: Wie schätzt du den Musikmarkt im Bezug auf Singer/Songwriter in Deutschland ein? Die meisten Alben von Singer/Songwritern, die hierzulande veröffentlicht werden, stammen ja aus den USA. Denkst du, dass Deutschland in dieser Hinsicht eher entwicklungsbedürftig ist? Siehst du Schwierigkeiten, dich als Sänger und Komponist auf dem deutschen Musikmarkt durchzusetzen?

Cargo City: Wenn es so was wie eine Singer/Songwriter-Szene gibt, dann ist sie in den USA meiner Meinung nach wirklich sehr viel größer, wahrscheinlich wegen so massenkompatiblen Bands wie Dashboard Confessional oder aktuell auch grade Jack Johnson und ähnlichen.
Ich finde es allgemein sehr schwierig, sich auf dem deutschen Musikmarkt durchzusetzen. Wir haben mit Siamese mit sehr vielen sehr guten deutschen Bands zusammengespielt, die aber auch noch vergleichsweise unbekannt sind. Ich habe manchmal den Eindruck, dass Bands aus Deutschland bei vielen Musikkonsumenten als uncool oder so gelten und amerikanische oder englische Bands bevorzugt werden. Allerdings hab ich auch die Erfahrung gemacht, dass viele Bands aus Deutschland oftmals amerikanische und englische Bands fast schon peinlich genau kopieren. Ich meine damit vor allem die so genannte Emo- und Screamo-Szene. In dieser Hinsicht fehlt es vielen deutschen Bands an Eigenständigkeit.

popconnection: Wo und mit wem hast du bisher gespielt? Eher lokale/regionale Auftritte oder deutschlandweit, Support oder eigene Gigs?

Cargo City: Mit Cargo City habe ich noch gar keine Auftritte gespielt. Aber sobald feststeht in welcher Form Cargo City zukünftig existieren wird, habe ich fest vor die Musik auf die Bühne zu bringen.

popconnection: In welcher Umgebung "funktionieren" deine Songs live am besten? In kleinen Clubs oder in größeren Locations? Oder denkst du, dass dies letzten Endes irrelevant ist, solange man das Publikum für sich gewinnen kann?

Cargo City: Egal wie Cargo City sich mit anderen Musikern entwickeln wird, es ruhige Musik bleiben. Von daher denke ich, dass sie vor allem in kleinen Clubs funktionieren wird. Die Atmosphäre in kleinen Clubs, den direkten Kontakt zum Publikum, finde ich allerdings auch mit Siamese schöner als in unpersönlichen Turnhallen oder ähnlichen Locations.

popconnection: Deine Texte klingen stark emotional und authentisch. Wie stark ist der autobiographische Anteil in deinen Lyrics? Inwiefern beeinflussen dich persönliche Erfahrungen im Schreibprozess?

Cargo City: Ich muss ehrlich sagen, dass das Texte schreiben für mich ein notwendiges Übel ist, ich mag es ehrlich gesagt nicht besonders. Es kommt sehr oft vor, dass ich Gesangsmelodien und Akkorde finde und dann noch einen Text schreiben MUSS. Der autobiographische Anteil ist trotzdem hoch. Viele Texte haben einen Bezug zu bestimmten Personen oder zwischenmenschlichen Beziehungen. Manchmal verbinde ich mit Songs aber auch eher eine Art von Gefühl oder eine Erinnerung an eine bestimmte Situation oder an einen bestimmten Lebensabschnitt.

popconnection: Du hast vor kurzem dein Studium abgeschlossen, was machst du also jetzt, wenn du nicht an Kompositionen für Cargo City arbeitest?

Cargo City: Schlafen, rumhängen, auf Konzerte oder in Discos und so gehen und ab und zu arbeiten. (grinst)

popconnection: Welche Pläne hast du für die Zukunft? Hast du vor, ins Studio zu gehen, stehen Gespräche mit Labeln ins Haus und wo kann man dich und deine Songs mal live bewundern?

Cargo City: Zunächst muss feststehen, wie es mit Cargo City in der Art der Besetzung weitergeht. Ich habe schon einige Ideen und Vorstellungen. Zum Beispiel halte ich ein Piano für die optimale Ergänzung. Außerdem fände ich es sehr interessant die Songs mit elektronischen Elementen und Beats zu untermalen, etwa im Stil von The Notwist oder Postal Service. Danach haben gute Aufnahmen Priorität und dann geht's endlich los mit Konzerten.

popconnection: Vielen lieben Dank, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast. Wir hoffen mal, dass wir in naher Zukunft wir noch ne Menge von dir hören werden.

Cargo City: Auch danke. Hat mich gefreut die Fragen beantworten zu dürfen.



Interview: Katja Embacher

03. Mai 2006 / E-Mail

Myspace: www.myspace.com/cargocity

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DEAR HENRY BLISS: "Wir haben uns gesagt, jetzt bringen wir die Platte eben
ohne Label raus"




Foto: Dear Henry Bliss

Man nehme Pop, Blues, Folk, Country, eine Portion Rock und einen Schuss elektronischen Sound und heraus kommt: Dear Henry Bliss. Der Münchener Band ist es mit diesem musikalischen Cocktail gelungen, ein eigenständiges Klangbild zu kreieren, dass durch die ausdrucksstarke Stimme von Sängerin Hannah Stadler einen Wiedererkennungscharakter erhält.

In der Indie-Szene haben sich Hannah Stadler (Gesang, Gitarre, Tasten), Frank Porzky (Gitarre, Tasten), Daniel Permanenter (Bass) und Marc Boysen (Schlagzeug, Samples) durch ihr erfolgreiches DIY-Konzept bereits eine Fanbase erspielt. Ihre ersten drei Eigenproduktionen waren unglaublich schnell vergriffen. Neben zahlreichen eigenveranstalteten Konzerten, überzeugten Dear Henry Bliss auch als Support für Bands wie Gomez, The Posies und Venus in Flames.

Jetzt haben sie zusammen mit den beiden Produzenten Alaska Winter (u. a. Anajo) und Sebastian Keller in den Augsburger Echolotstudios innerhalb von nur wenigen Wochen ein Album mit 10 Songs aufgenommen. Long Way Round heißt das gute Stück und ist ab Anfang Mai erhältlich. Höchste Zeit also, die Band in einem Interview einmal vorzustellen.


popconnection: Am Anfang mal eine ganz banale Frage: Wie kam es zur Bandgründung von Dear Henry Bliss? Wie habt ihr euch kennen gelernt?

Hannah: So eine richtige Bandgründung gab's eigentlich nicht. Wir sind eher so aus mehreren Bands zusammengewachsen. Die Kurzversion wäre wohl so: Daniel und ich waren zusammen auf der Schule, Frank und ich hatten den gleichen Gitarrenlehrer, und Marc und Frank standen wohl irgendwie auf die selben Frauen. Wobei ich bis heute nicht weiß, welche das waren, oder gar wie das so abgelaufen ist. (grinst)

popconnection: Wie ich eurer Website entnehmen konnte, habt ihr euren Bandnamen von Bliss in Dear Henry Bliss umbenannt. Gab es dafür einen bestimmten Grund?

Hannah: Mehrere Gründe glaub ich. Die wichtigsten waren wohl, dass die Jungs alle nicht so glücklich mit dem Namen Bliss waren und dass man, wenn man mal ein bisschen recherchiert, Tausende von Bands mit diesem Namen findet. Und nachdem wir so gerne unser eigenes, individuelles Ding machen, kommt es natürlich nicht so gut mit einem eher nicht so individuellen Namen. Bei der Suche nach einem neuen Namen ging uns dann dieser Henry Bliss nicht mehr aus dem Kopf, über den wir schon vor längerer Zeit gestolpert waren.

popconnection: Wie würdet ihr den Musikstil von Dear Henry Bliss selbst beschreiben? Welche musikalischen Einflüsse stecken in eurer Musik und habt ihr spezielle musikalische Vorbilder?

Hannah: Spezielle Vorbilder gibt's glaub ich nicht. Individualismus und so... Einflüsse gibt's natürlich viele, wobei ich ja immer das Gefühl habe, dass einem seinem wirklichen Einflüsse gar nicht unbedingt immer bewusst sein müssen. Trotzdem haben wir natürlich immer ein paar Namen zur Hand falls wir mal welche brauchen: The Beatles, Paul Weller, Gomez, Bob Dylan, K's Choice, Beck...
Unsere eigene Musik beschreiben wir meistens irgendwie so: Indiepop im großen und ganzen. Etwas detaillierter dann in Kombination mit Blues, Rock, Folk, Soul und Country.

popconnection: Wie funktioniert bei euch das Songwriting?

Hannah: Die Songs entstehen bei mir zu Hause. Fast immer. Am Klavier oder auf der Gitarre. Manchmal erst der Text, das dann oft im Bett. Manchmal auch erst eine Akkordfolge beim Rumklimpern, manchmal auch einfach eine Melodie und die kann einen überall erwischen.
Dann wenn der Song fertig ist, bring ich ihn mit in den Proberaum und die Jungs dürfen drüber herfallen und ihren Senf dazugeben.

popconnection: War es für euch von Anfang an klar, eure Songs in englischer Sprache zu schreiben oder stand auch Mal die Überlegung im Raum, das in der Muttersprache zu machen?

Hannah: Ein einziges Mal hab ich versucht auf Deutsch zu singen und das klang so was von scheisse... Das ist auch schon Ewigkeiten her... Außerdem habe ich von meinem Gefühl her eine sehr enge Bindung zur englischen Sprache und vor allem auch zu englischsprachiger Musik. Ich bin damit aufgewachsen. Auch eines der Dinge, die meiner Meinung nach zu den eher unbewussten Einflüssen zählen.

popconnection: Ihr habt ja bisher noch keinen Deal. Sind denn schon irgendwelche Labelkooperationen in Aussicht?

Hannah: Wir haben jede Menge Bewerbungen rausgeschickt und dabei oft folgendes Feedback bekommen: "Echt ne super schöne Platte, die ihr da gemacht habt. Ihr findet hundert pro ein Label! Wir haben leider gerade nicht die Kapazitäten euer Album zu veröffentlichen. Sorry und viel Glück weiterhin." Tja, das Label mit den "Kapazitäten" kam dann aber nicht um die Ecke und deshalb haben wir uns gesagt, ok, jetzt bringen wir die Platte eben ohne Label raus, schließlich wollen wir, dass die Leute endlich unsere neuen Songs hören bzw. zu sich nach Hause nehmen können!

popconnection: Ihr habt ja bereits als Support für diverse Bands u. a. Gomez, The Posies, Venus in Flames gespielt. Gibt es eine Band oder einen Künstler, den ihr mal unheimlich gerne supporten würdet?

Hannah: Für mich ist dieser Traum schon wahr geworden. Gomez sind meine absoluten Helden. Und es war der totale Hammer mit ihnen zu spielen. Was jetzt nicht heißen soll, dass mir das gereicht hat. Natürlich würde ich gerne noch mal mit denen spielen. (grinst)

popconnection: Ihr habt drei Tonträger in Eigenproduktion gemacht, die unglaublich schnell vergriffen waren. Dies lässt daraufhin deuten, dass ihr euch schon eine gewisse Fanbase erspielt habt. Wie schätzt ihr das selber ein?

Hannah: Das mit der Fanbase ist so ne Sache. Ich kann das überhaupt nicht einschätzen. Oftmals habe ich vor einem Gig das Gefühl, dass keiner kommt. Außer unseren Freunden natürlich. Und dann sieht man plötzlich doch wieder komplett unbekannte Gesichter im Publikum. Also muss da wohl doch irgendwo noch jemand sein. Und das freut mich dann natürlich jedes Mal umso mehr.

popconnection: Ihr habt euch für euer Debüt-Album die beiden Produzenten Alaska Winter und Sebastian Keller ins Boot geholt. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Hannah: Wir haben uns ein paar Studios in und um München angesehen. In den Echolotstudios hat's irgendwie sofort geklickt. Uns war ziemlich schnell klar, dass das die Richtigen für uns sind. Und es war auch wirklich eine gute Entscheidung. Was die von den Echolotstudios in Sachen Nachwuchsförderung alles reinstecken, so was gibt es nicht oft. Und vor allem machen sie nur was ihnen auch gefällt und geben dann auch wirklich ihr Herzblut dafür. Das war schon echt ne schöne Zeit da. Wir arbeiten auch nach wie vor eng mit denen zusammen was Promotion und solche Dinge angeht.

popconnection: Was erwartet uns in nächster Zeit von Dear Henry Bliss?

Hannah: Eine Frage, auf die es eigentlich nur eine Antwort gibt: Wir wollen spielen, spielen, spielen! Am 6.5. wird im Orangehouse in München das Album präsentiert und wir hoffen natürlich, dass sich ein paar weitere Türen öffnen, wir ganz viel spielen dürfen und dann irgendwo am Horizont sehe ich auch schon ganz winzig klein ein paar neue Songs für's nächste Album entstehen.

popconnection: Vielen herzlichen Dank für das Interview!



Interview: Jenny Schnabel

26. April 2006 / E-Mail

Website: www.dearhenrybliss.com
Myspace: www.myspace.com/dearhenrybliss

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THE MIGHTY HIGH TIMES: "Wir stehen fürs Spaß haben"




Foto: Michael H. Tanner

The Mighty High Times ist der originelle Name einer noch sehr jungen Band aus den UK. Genauer gesagt kommen die vier Jungs aus Brighton, wo sie sich bereits mit ihren eigens organisierten Party- und Konzertnächten einen Namen erspielt haben.

Die Musik der Mighty High Times, mit Einflüssen namenhafter Band wie The Beatles, The Stone Roses, The Libertines und den Doves, klingt genau nach dem, was der Bandname verspricht: Nach guten, erfrischenden, energiegeladenen Zeiten.
The Mighty High Times haben ihren ganz eigenen Stil entwickelt, einen Stil, der das Herz eines jeden Musikliebhabers höher schlagen lassen muss. Mal träumerisch, mal verspielt, mal melancholisch oder einfach nur zum Tanzen und Mitsingen animierend, alles ist im Sound der jungen Briten zu finden.

Eine wunderschöne Ballade der Band heißt My Love for you won't die und zum Abschluss können wir sagen: Unsere Liebe zu The Mighty High Times auch nicht...sie fängt gerade erst an! Die bald erscheinende EP klingt nach Sommer, nur noch viel wärmer, wie die Jungs so schön sagen. Na, dann warten wir gespannt – bis dahin bleibt uns dieses nette Interview mit den Jungs.


popconnection: Was ist eure persönliche Version eurer Bandgeschichte, die ja 2005 offiziell begonnen hat?

Al: Wir bestehen jetzt seit neun Monaten als Band, wobei wir bereits verschiedene Gigs speziell in unserer Heimatstadt Brighton gespielt haben. Was ihr vielleicht nicht wisst, ist dass Brighton eine immens lebendige Musikszene hat – fast jeder scheint in einer Band zu spielen. Hauptsächlich konzentrieren wir uns derzeit jedoch aufs Aufnehmen und das Entwickeln eines eigenen, speziellen Sounds. Unser Sänger Steve und ich kennen uns insgesamt schon über sechs Jahre und haben schon kurz nach unserem ersten Treffen angefangen gemeinsam Songs zu schreiben. 2002 haben wir dann Sid getroffen, nachdem wir in einer lokalen Zeitung eine Anzeige für einen Drummer geschaltet haben. In unserer kurzen Bandgeschichte haben schon verschiedenste Leute den Sängerpart in unserer Band übernommen, so dass Steve die Rolle des Leadgitaristen übernehmen konnte, wobei das nie funktioniert hat. Die Chemie stimmte einfach nicht, bis Steve die Rolle des Frontman übernommen hat und wir den neuen Gitaristen Robbie Bowers getroffen haben. Jetzt nimmt alles endlich seine Form an.

popconnection: Ist Eure Musikgeschichte bisher nur in Brighton und Umgebung erzählt worden? Wie hat sich die Band bisher in der Öffentlichkeit etabliert?

Steve: Die Medienresonanz wächst, aber wir sind ja noch ziemlich weit am Anfang. Wenn es so weiter geht wie bisher werden Leute unseren Namen hoffentlich früher als später kennen. Da wir ja noch nicht so lange als Band bestehen, müssen wir uns natürlich noch weiter in Brighton etablieren – und natürlich auch generell in England. Das ist auch unser Ziel in diesem Jahr. Wir haben mit der Zeit bereits zu viel besseren Performer entwickelt, wir sind musikalisch viel besser im Zusammenspiel geworden, und unsere Songs werden immer besser und mit Sicherheit interessanter. Wir haben absolut keine Angst zu experimentieren und verschiedene Stile auszuprobieren. Wir werden niemals eine Band sein, bei der jeder Song ganz genauso wie der andere klingt.

popconnection: Was für eine Fanbasis habt ihr euch bereits erspielt?

Si: Wir haben eine wachsende Fanbasis in Brighton, und gerade die Errichtung eines Myspace-Accounts bedeutet für uns als Band, dass Leute in ganz England und in der ganzen Welt unsere Musik kennen lernen. Wir sind zum Beispiel schon auf Radiostationen in Mexiko City, in einigen Teilen Amerikas und nun auch in Europa gespielt worden. Es scheint eine Nachfrage für Auftritte unserer Band zu geben, also planen wir jetzt eine kleine Tour gegen Ende des Jahres: Einfach mal einen Van mieten, in den UK rumfahren und da spielen, wo Leute uns sehen wollen.

popconnection: Auf Eurer Myspace Seite habt ihr geschrieben, dass ihr eure eigenen kleinen Clubnacht ("The Stash") in Brighton organisiert. Was ist "The Stash" denn ganz genau?

Al: "The Stash" ist sozusagen unsere Party Nacht – wir legen die Songs auf, die wir mögen, und normalerweise spielen dann noch zwei Bands: Wir suchen uns eine Band, die uns gefällt und spielen selbst auch noch am selben Abend. Die Lokalität ist ziemlich klein, aber die Atmosphäre ist immer gut. Wir nehmen nicht viel an Eintritt – es geht immer nur darum eine gute Nacht zu haben, ohne dass man Bankrott geht.

popconnection: Mit welchen Bands spielt ihr denn so?

Robbie: Wir haben zum Beispiel mit The Great North Western Hoboes gespielt, die den ganzen weiten Weg aus Liverpool angereist sind. Wir haben den Sound der Band schon lange bewundert, insofern war es großartig, dass sie runter gekommen sind. Die ganze Band hat bei Al in der Wohnung geschlafen und wir haben ihre Spritkosten bezahlt. Außerdem haben wir unter anderem mit Manuka, Low Frequency Dive, The Dirty Social Disorder and My
Waiting Gold gespielt, Bands, die es auf jeden Fall zu sehen lohnt.

popconnection: Was sind die musikalischen Einflüsse der Band?

Steve: Alles, was in den letzten 50 Jahren gut war hat uns letztendlich beeinflusst: Chuck Berry, The Stones, Bob Marley, The Clash, Stone Roses, The La's, The Stairs, Oasis, The Libertines sind nur ein paar Namen von Künstlern, die wir wirklich lieben.

popconnection: Habt ihr vor The Mighty High Times in anderen Bandprojekten gespielt? – Und wenn ja, in welchen?

Al: Steve, Sid und ich waren in einer Band, die The Mighty Hight Times hervorgebracht hat. Sie hieß am Anfang The Common, später Oceans Apart – den Band Namen, den wir jetzt haben gefällt uns allerdings am Besten! Robbie hat in einer Band namens White Elephant gespielt, die uns wirklich gut gefällt, deswegen haben wir ihn letztendlich auch kennen gelernt. Im Moment pausiert diese Band, jedoch hat er unsererseits alle Türen offen auch in der Band zu spielen, wann immer er will. Wenn Damon Albarn mehrer Projekte nebeneinander haben kann, gibt es für keinen bei uns in der Band einen Grund nicht auch dasselbe zu machen.

popconnection: Was für euch heute das Spezielle an Eurer Band?

Si: Einfach nur die Tatsache, dass die Resonanz, die wir bisher bekommen haben wirklich positiv war uns motiviert mehr zu machen. Wir haben inzwischen eine super Kommunikationsbasis und Beziehung miteinander. Wir pinkeln zusammen, betrinken uns zusammen, gehen zusammen zu Shows und fühlen uns inzwischen schon wie eine Gang.

popconnection: Was sind eure künstlerischen und musikalischen Intentionen?

Robbie: Zusammen zu bleiben und weiterhin Spaß an dem zu haben was wir machen – egal ob wir jetzt erfolgreich sind oder nicht, entweder wir sind’s oder wir sind's halt nicht. Es wäre natürlich ein Bonus, wenn der Erfolg käme, aber dieser müsste auch nach unseren Bedingungen verlaufen - wir sind keine naiven kleinen Kinder. Wir würden sehr gerne die Chance haben ein wirklich, wirklich gutes Debütalbum zu machen. Es ist egal, ob es millionenfach verkauft wird – es ist nur wichtig, dass es ein wirklich gutes Album wird.

popconnection: Was sind die Erwartungen, die ihr stilistisch an euch stellt?

Steve: Wir stellen keine wirklichen Erwartungen an uns. Natürlich haben wir einen Fortschrittsanspruch, aber wir lassen die Dinge auf dem natürlichen Wege passieren. Wenn wir uns darüber einig sind, dass irgendwas es wert ist, verfolgt zu werden, dann machen wir das. Man kann einen guten Song nicht erzwingen, die wirklich guten Songs kommen einfach so.

popconnection: Was sind Eure Ziele für die nahe Zukunft?

Al: Wir wollen einfach nur, dass unsere Musik von so vielen Leuten wie möglich gehört wird. Wenn wir immer noch vor hundert Leuten am Abend spielen, aber eine gute Zeit haben und den Raum bewegen, dann ist das auch super.

popconnection: Also kurz gesagt, wofür stehen The Mighty High Times?

Si: The Mighty High Times können ziemlich einfach zusammengefasst werden: Wir stehen fürs Spaß haben, dafür Leute zusammen zu bringen und ihnen eine gute Zeit zu bereiten. Wir sind Entertainer. Machtgier und Ego sind kein Teil unserer Welt – und wir wollen es auch so halten. Jeder in unserer Band, der mal in einen Höhenflug geraten sollte, würde ziemlich schnell wieder von den anderen auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden.

popconnection: Ihr arbeitet ja alle noch hauptberuflich in regulären Jobs. Wie schafft ihr es Band und Berufsleben zu vereinbaren?

Al: Ja, genau, wir arbeiten alle in regulären Jobs und Steve arbeitet im Moment sogar in London. Das macht es natürlich schwieriger so oft zu proben, wie wir es gerne hätten, aber es hat auch einen positiven Effekt, denn wir machen immer das Beste aus der Zeit in der wir uns treffen. Das Internet ist auch immer eine große Stütze für uns – wir schicken uns immer Songideen zu, und dann, wenn wir letztendlich proben, haben wir alle schon direkt eine Idee von dem was wir machen wollen. Steve hofft darauf, in den nächsten Monaten vom Dienst freigestellt zu werden und plant dann nach Brighton zu ziehen. Dann hätten wir eine gute Basis für die Band, könnten proben, wann immer wir wollen. Nun, aber leider geht das nicht immer so, wie wir wollen, man muss halt seine Rechnungen bezahlen können – und das Leben ist heutzutage nicht billig.

popconnection: Strebt ihr an die Musik zu Eurem Beruf zu machen?

Robbie: Das liegt so ziemlich in der Hand des Schicksals, aber wir werden definitiv unseren Teil dazu beitragen. Man weiß nie wirklich, was als nächstes passiert, das ist ja das was alles interessant macht. Es wäre großartig, wenn wir einen Plattendeal bekämen und die Chance bekämen durch die Welt zu touren, die Band zum Beruf zu machen, aber das müsste zu unseren Bedingungen ablaufen. Wir sind, wer wir sind und niemand wird uns stylen können, uns schwächen oder unseren Sound verändern. Und nach all dem positiven Feedback, das wir über Myspace erhalten haben, glauben wir, dass es wirklich ein Publikum gibt, das uns für das schätzt, was wir versuchen zu tun.

popconnection: Uns habt ihr auf jeden Fall schon mal für euch gewonnen und wir bedanken uns recht herzlich für das schöne Interview!


Interview: Jeannine Hoof

19. April 2006 / E-Mail

Myspace: www.myspace.com/themightyhightimes

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JUNE: "Unser Wunsch ist, dass Menschen sich auch nach unserem Tod an
unsere Musik erinnern."




Foto: Zoe Depouridis

Neues aus Frankreich, aus der Metropole Paris. Leider bekommen wir ja oft nicht viel vom Musikgeschehen in Frankreich mit, da der Markt von unserem eher abgeschottet ist. Mit June könnte sich das ändern.

Die drei jungen Franzosen Hugo (21), Julien (20) und Rodrigue (20) haben sich im Jahre 2002 zusammen getan, um sich auf die Wege ihrer Vorbilder Muse, Placebo, Radiohead und Incubus zu begeben. Mit diesen Bands sind bereits einige der Einflüsse von Hugo (Vocals, Gitarre, Piano), Julien (Bass, Backing Vocals) und Rodrigue (Drums) genannt, jedoch liegen ihre Wurzeln genauso in der klassischen Musik, die sie auf dem College studieren.

Der ganz und gar eigene Sound der jungen Pariser lässt sich vielleicht am besten mit folgenden Charakteristika beschreiben: Stellt euch einen Mix von Sensibilität, Melidiosität, Charme und mitreißendem Beat vor und versinkt einfach darin. June zeichnen sich durch eine einzigartige Kompositionskunst aus, die den Hörer einfach mitreißen muss. Insbesondere die Stimme des Sängers Hugo macht die Originalität und den einzigartigen Charme der Band aus. June ist eine Band, die Musikfreunde lieben werden, denn ihre Musik zeichnet sich durch eine enorm hohe Professionalität und Stilvielfalt aus.

Wir drücken June die Daumen, dass ihr Weg aus dem Studio und dem Proberaum hinaus geht und der Name June bald in aller Ohren ist. Vielleicht kann dieses Interview ein wenig dazu beitragen…


popconnection: Wie habt ihr euch kennen gelernt?

Hugo: Wir haben uns auf der Uni kennen gelernt. Dann haben uns dann zusammen getan und angefangen, verschiedene Songs zu covern. Vor eineinhalb Jahren haben wir dann begonnen, eigene Songs zu komponieren und den speziellen June Sound zu entwickeln.

popconnection: Es ist ja erst einmal ziemlich untypisch für eine französische Band, englische Lyrics zu schreiben. Soviel ich weiß, ist es auf dem französischen Musikmarkt ja ziemlich schwierig, englischsprachige Musik zu etablieren. Wie kam es trotzdem zu der Entscheidung englische Texte zu schreiben?

Julien: Wir haben uns für die englische Sprache entschieden, weil wir die Sprache sehr mögen. Weiterhin klingen auf Englisch komponierte Texte einfach besser, die Sprache ist fließender als Französisch und lässt sich besser arrangieren.

popconnection: Gibt es viele englischsprachige Bands in Frankreich?

Julien: Ja, gerade in der alternativen Rockszene setzt sich Englisch immer mehr durch.

popconnection: Wie würdet ihr selbst Eure Musik beschreiben? Von welchen Bands und Musikrichtungen werdet ihr primär beeinflusst?

Hugo: Wie du sehen kannst, sind unsere Einflüsse in erster Linie im angloamerikanischen Raum zu finden. Dabei sind es primär Muse, Placebo und Incubus, die uns beeinflussen. Gerade unser Drummer ist ein großer Incubus Fan. Stilistisch würden wir uns als progressive, Alternative-Rock Band beschreiben.

popconnection: Welche musikalischen und stilistischen Ansprüche habt ihr an Euch und an die Band?

Hugo: In aller erster Linie wollen wir unsere Musik genießen, die Songs müssen uns stilistisch und musikalisch gefallen. Hugo sagt, dass er möchte, dass unsere Musik mit uns wächst, dass sie metaphysisch und spirituell in einem Zug ist. Unser Wunsch ist, dass Menschen sich auch nach unserem Tod an unserer Musik erinnern. Vor allem geht es aber darum, dass wir Entertainer sein wollen. Wir möchten unsere Gedanken und unsere Leidenschaft nach außen, in die Öffentlichkeit kommunizieren. Wir hoffen, dass sich Menschen mit unserer Musik identifizieren können, sich selbst in unseren Songs wieder finden. Und vor allem möchten wir unsere Energie mit den Fans teilen, gerade wenn es um Live-Auftritte geht.

popconnection: Impliziert eure Musik irgendeine politische oder soziale Dimension?

Julien: Nein – im Moment kann man nicht wirklich davon sprechen. Wir bezeichnen uns nicht als weise, wir haben für eine explizite politische oder soziale Dimension nicht genug Wissen. Das muss alles noch reifen.

popconnection: Ihr seit bisher nur in Frankreich aktiv, stimmt das? Welche Basis habt ihr euch dort bereits erspielt?

Rodrigue: Ja, wir sind eine junge Band und haben noch keine wirkliche Tour gehabt. Wir haben verschiedene Auftritte in Bars und auf diversen Festivals gehabt. Bisher haben wir uns dabei auf Paris beschränkt. Der größte Auftritt bisher war auf dem Emergenza, ein Festival in Paris auf dem diverse französische Bands auftreten.

popconnection: Gab es schon eine gewisse Medienresonanz auf eure Band?

Rodrigue: Ja, es gibt Artikel über uns auf der französischen Musikwebsite "La Grosse Radio" und auf der Seite des Emergenza-Festivals. Bisher gibt es noch keine Berichte in Musikmagazinen. Doch wir möchten erreichen, dass unsere Songs in den nationalen Radiostationen gespielt werden und dass wir einen Plattendeal bekommen, der uns erlaubt, uns ganz und gar auf unsere Musik zu konzentrieren. Wir möchte nichts anderes als spielen. Bisher gibt es ja nur ein selbstproduziertes Demo von uns, doch das soll sich bald ändern.

popconnection: Wie sieht es aus in Bezug auf Label-Kooperationen? Habt ihr da bereits bestimmte Kontakte geknüpft?

Julien: Ja, wir haben bereits Kontakt zu diversen Labels, wobei wir noch nicht mehr sagen können, als dass die Gespräche laufen und einige Labels sehr an einer Zusammenarbeit mit uns interessiert sind.

popconnection: Was macht ihr neben June?

Hugo: Wir studieren alle, bzw. wir haben alle studiert. Ich habe am Konservatorium für Musik Klavier studiert, Rodrigue hat dort Drums gelernt und Julien hat Privatstunden für Klavier genommen. In unserer Fakultät gibt es nicht sehr viele Unterrichtseinheiten pro Woche, und so haben wir immer Zeit zwischen den einzelnen Stunden zu spielen. Trotzdem haben wir das Studium abgebrochen, um uns total auf die Band und das Songschreiben zu konzentrieren.

popconnection: Was erwartet uns in naher Zukunft von June?

Rodrigue: Wir hoffen, in naher Zukunft einen produktiven Plattenvertrag zu bekommen, der uns erlaubt uns als Band zu verwirklich, ohne die Seele von June zu verändern bzw. einzuschränken. Wir möchten nicht verbogen werden. Vor allem möchten wir aber in nächster Zeit so viele Live-Auftritte wie möglich spielen, gerade auch international. Wir sind absolut interessiert an anderen Kulturen. Diesbezüglich gibt es aber noch keine konkreten Pläne. Der nächste Auftritt ist am 14. April auf dem Emergenza Festival in New Morning.

popconnection: Gibt es noch irgendwas, das ihr abschließend den deutschen Fans mitteilen möchtet?

Julien: (grinst) Wir hoffen sehr bald in Deutschland zu spielen, denn wir finden, dass Deutschland ein großartiges Land ist. Wir lieben die Fans sehr und deutsche Mädchen!

popconnection: Ich bedanke mich dann sehr für das nette Interview und sage dann einfach mal viel Erfolg und bis bald!

Hugo: Wir danken!



Interview: Jeannine Hoof

13. April 2006 / E-Mail

Website: www.june.new.fr
Myspace: www.myspace.com/junetheband

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SLOWTIDE: "Mein Amiga 500 ist mir heilig, da würde ich eher mein Bett
eintauschen, als ihn abzugeben"




Foto: slowtide.com

Ein Raunen geht durch die kleine Redaktion, als die Schreibende mit den Downloads eines uns allen bis dato unbekannten jungen Mannes reingerauscht kommt: Holla die Waldfee - ist das gut!

Wunderschöne Kompositionen, phantastisch ausgespielte Instrumente und eine charismatische Stimme verwandeln die sonst so geschwätzige Runde in respektvolles Schweigen. Mit seinem Soloprojekt Slowtide hat es der Bochumer Singer und Songwriter Kevin Werdelmann geschafft, die sonst eher kritisch dreinschauenden Gesichter der Bleistift-Rocker von popconnection in versonnenes Staunen zu versetzten.

Bereits 1997 veröffentlicht Kevin sein erstes selbst produziertes Konzeptalbum London - eine elektronisierte Vision der wohl lebendigsten Metropole Großbritanniens. Nicht ganz zufällig, wenn man bedenkt, dass der heute 25Jährige eine gewisse Vorliebe für britische Bands wie The Verve oder Travis hegt. Zwei weitere EPs folgen, auf denen sich Kevin erstmals als multiinstrumentaler Solokünstler mit Gitarrensound präsentiert. Und eines wird beim Hören dieser Minialben klar - dieser junge Mann gehört einfach ans Mikrophon! Mit seinen großartig ausgearbeiteten Kompositionen begeistert er 2002 erstmalig unter dem Künstlernamen Slowtide das Münsteraner Publikum des Gleis 22. Mit Erfolg. Mittlerweile hat Kevin mit Bands wie Astra Kid, Belasko oder British Sea Power gespielt.

Höchste Zeit also, den jungen Mann einmal persönlich zu Wort kommen zu lassen, dessen Musik uns sprachlos gemacht hat.


popconnection: Eine banale Frage erstmal vorneweg: Wie bist du auf einen Künstlernamen wie Slowtide gekommen? Steht dahinter irgendeine besondere Intention?

Slowtide: Nun ja, viele Songwriter haben das Glück mit einem Namen gesegnet zu sein, der sich recht schön liest und anhört. Ich dagegen habe halt einen Namen, der so sperrig ist, dass man zwei daraus machen könnte. Daher die Idee für einen Künstlernamen, der mich zugegebenermaßen immer wie eine Band wirken lässt. Ich wollte etwas, was ästhetisch klingt und die Stimmung meiner Musik in den Grundzügen wiedergibt. Also hab ich eine Liste mit den schönsten und grässlichsten Wortkombinationen zusammengestellt, der beste Name ist es dann geworden. Ich glaube Nightwish haben es andersherum gemacht.

popconnection: Welche musikalischen Einflüsse haben dich geprägt und wen würdest du als deine Vorbilder bezeichnen, sofern es welche gibt?

Slowtide: Ich liebe den alten analogen Synthesizer Klang. Bands wie Erasure, OMD und Kraftwerk faszinieren mich bis heute ungemein. Hier fühl ich mich zuhause, deshalb spielen elektronische Elemente auch eine recht große Rolle in meiner Musik. Zur Gitarre bin ich erst viel später gekommen. Klar, Gitarren fand ich schon immer gut.Richtig bewusst geworden ist mir das aber mit The Verve, Radiohead und Nick Drake.Das ist Musik die wächst und wächst und gar kein Ende findet. Auch Travis, Teenage Fanclub und Belle and Sebastian haben mich beeinflusst, aber die Liste der guten Musik ist einfach zu lang…
Außerdem habe ich eine Vorliebe für Filmmusik und Soundtracks im Allgemeinen. Da gibt es viele Namen, die jetzt wahrscheinlich nicht so vielsagend wären. Es wäre auch wahnsinnig spannend, mal wieder selbst etwas in dieser Richtung zu machen.
Musikalische Vorbilder hab ich allerdings nicht… aber Bud Spencer ist ein beeindruckender Mensch, den ich zweifellos als Vorbild sehen würde. Wer seinen Lebenslauf kennt weiß, dass er unfassbar viel in seinem Leben erreicht hat und das alles aus eigener Kraft. Von Letzterer hat er ja auch mehr als genug: und zack!

popconnection: Du hast bereits 1997 dein erstes Album selbst produziert. Wie bist du überhaupt zur Musik gekommen? Was war für dich das Ausschlaggebende, zu sagen:"Ich möchte Texte schreiben, Songs komponieren und mir als Musiker meine Brötchen buttern"?

Slowtide: Ich glaube, das war einfach die logische Konsequenz. Seit ich zum ersten Mal bewusst Musik gehört hab, hatte ich das Bedürfnis, da mitzumischen. Mein Amiga 500 war mir damals eine große Hilfe. Ich wollte Soundtracks für Filme und Computerspiele
machen und das will ich, wie gesagt, auch heute noch. Ein Schlüsselerlebnis mit einem mir damals sehr wichtigen Menschen war aber letztlich ausschlaggebend dafür, dass ich zum Texteschreiben und Singen gekommen bin. Ich brauchte ein Ventil für die angestauten Emotionen. Das Ergebnis gefiel mir allerdings gut genug, um es auch mal über die 4 Wände hinaus zu verbreiten. Das war auch der Startpunkt von Slowtide.
Ob ich mir damit die Brötchen buttern kann, bleibt abzuwarten. Zur Not schmier ich auch Nutella auf meine Schuhsohlen, solange ich nicht meine Instrumente in die Ecke stellen muß.

popconnection: Dein bereits angesprochenes Debüt London stellt ein elektronisches Konzeptalbum dar. Was hat dich dazu inspiriert? Galt es, eine Hommage über die größte Metropole Großbritanniens zu verfassen, zollst du damit der britischen Musikszene Tribut oder stehen Reise-Erfahrungen im Vordergrund?

Slowtide: Mit den Reise-Erfahrungen liegst du schon richtig. Ich war im selben Jahr zum ersten Mal zu Besuch in England, und ich schätze, jeder der schon mal in London war wird bestätigen können, dass der erste Besuch sehr intensive Bilder und Eindrücke hinterlässt. Bei mir war es jedenfalls so… Anstatt ein Reisetagebuch oder sowas zu schreiben, hab ich die Synthesizer angeworfen und meine Assoziationen in Musik formuliert. London ist sozusagen der Soundtrack zu den Bildern. Ich bin froh und stolz, dass es eine so gute Resonanz bekommen hat, und einige Menschen die Atmosphäre in den Stücken nachvollziehen konnten. Ich hoffe London irgendwann auch noch mal richtig veröffentlichen zu können, mir liegt viel an dem Album.

popconnection: 2001/02 hast du unter anderem als Bassist und Keyboarder in einer Indieband gespielt. Warum hast du dich für eine Karriere als Solokünstler entschieden, ohne eine feste Band an deiner Seite zu haben?

Slowtide: Es war eine schöne und wichtige Zeit damals in der Band, die ich nicht missen möchte. Immerhin habe ich zum ersten Mal auf der anderen Seite der Bühne gestanden, und hab dadurch auch zum ersten Mal die Alpen gesehen. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich Berge irgendwie scheiße finde, zumindest wenn sie wie in Innsbruck so selbstgefällig um einen herum in der Landschaft stehen. Aber vielleicht gewöhn ich mich noch mal dran…
Jedenfalls habe ich damals in der Band nur ausgeholfen, und mir war von Anfang an bewusst, dass ich irgendwann mein eigenes Ding durchziehen will und muss. Meine Songs funktionieren am besten im Solokünstler-Kontext, da brauch ich nicht ständig zu streiten ob irgendetwas gut oder schlecht ist.
Eine feste Band habe ich allerdings jetzt, die mich live unterstützen wird, zwei liebe und großartige Menschen: Kathi Werning aus dem Münsterland wird Bass spielen, und Ambros Eiletz aus Bayern spielt Schlagzeug. Das würd ich fast schon multikulturell nennen!

popconnection: Auf den nachfolgenden EPs Time Escape und Things That Fade hast du nicht nur alle Instrumente selbst eingespielt, sondern auch noch den Part des Sängers übernommen. Kann man hierbei von einer Art Stilwandel sprechen und was hat dich dazu bewogen, deinen Amiga 500 gegen eine Gitarre einzutauschen?

Slowtide: Mein Amiga 500 ist mir heilig, da würde ich eher mein Bett eintauschen und auf dem Boden schlafen, als ihn abzugeben. Das ist wie mit einem Auto, mit dem man soviel erlebt und gesehen hat, dass man es am liebsten ewig fahren und nie eintauschen möchte. Aber um auf die Frage zurückzukommen: Ich glaube, dass es weniger ein Stilwechsel als vielmehr eine Stilverschmelzung ist. Gitarren und Synthesizer kommen bei mir zusammen. Ich möchte mich da nicht auf etwas festlegen.

popconnection: Einige deiner Songs findet man auch auf Samplern wie Where to begin oder Biff! Bang! Pop! wieder. Kam es durch Auftritte zu diesen Veröffentlichungen oder hast du dich mit Hörproben bei den Verantwortlichen beworben?

Slowtide: Das Schöne ist, dass ich mich dafür gar nicht anbiedern musste. Die Musik und die Auftritte allein haben anscheinend schon für sich überzeugt. Das Gleis 22 ist ein fantastischer Club, und ich bin bis heute dankbar, dass ich dort meinen ersten Auftritt spielen konnte. Im Ruhrpott hat man mir damals keine Chance gegeben. Florian und André hatten mit Biff! Bang! Pop! die beste Clubreihe, die ich je erlebt hab. Ich bin also mehr als froh auf dem Sampler zu sein. (Anmerk. d. Red.: Der Biff! Bang! Pop!-Sampler wurde von den Gleis 22 Residents Florian "Crawdaddy" und André "John Semmel" zusammengebastelt.)

popconnection: Auf dem Soundtrack zu Wer braucht schon Frühstück bei Real Madrid hast du Tommy Finke, der wie du aus Bochum stammt, auf der Gitarre musikalisch unterstützt. Wie sieht es im Herzen des Ruhrgebiets mit einer musikalischen Szene aus? Kann man von einer Art Netzwerk sprechen, dass zwischen Bands besteht, einer Gemeinschaft, die Musiker aus diversen Städten dieses Ballungsraums verbindet?

Slowtide: Im Ruhrpott spielt Singer/Songwriter Musik eher eine untergeordnete Rolle.
Härtere Sachen kommen hier viel besser an, und es scheint da ein gut funktionierendes Netzwerk zu geben. Davon weiß ich allerdings nicht viel. Es gibt hier allerdings Musiker und Freunde mit denen ich gern zusammenarbeite, man findet sich musikalisch gut und
hilft sich auch mal aus. Für mich war es selbstverständlich, dass ich Tommy ein echtes Schweinerock-mit-auf-die-Knie-Fall Solo auf die Platte hau. Nicht nur um ihn zu ärgern, sondern auch damit ein echter VfL Bochum Fan auf der Platte mitspielt. (grinst)

popconnection: Bisher hast du keinen Vertrag bei einem Label, so dass du dich von deiner Musik nicht finanzieren kannst. Was treibst du also, wenn du gerade nicht an neuen Songs arbeitest?

Slowtide: Ich schlage mich vor allem durch ein unproduktives Studium in Germanistik und Pädagogik. Man möchte ja irgendwie das Gefühl haben, etwas klassisch-nützliches zu machen.
Ansonsten lass ich mich gern bei uns am See sehen oder in irgendwelchen interessanten Industriegebieten. Bochum bietet da herrliche Kontraste. Neben der Musik arbeite ich gern an Filmen, Hörspielen, Fotographie usw. Es gibt so viele spannende Medien.

popconnection: Was sind deine Pläne für die nächste Zukunft? Hast du vor, ins Studio zu gehen, um an einem neuen Album zu basteln, gibt es bereits Verhandlungen mit irgendwelchen Labeln und wo kann man dich in diesen Jahr live erleben?

Slowtide: Das Album ist so gut wie fertig. Es trägt den Titel Origins, da hier erstmals meine musikalischen "Wurzeln" aufeinandertreffen und weil es einen Anfang darstellen soll. Es ist schließlich das erste "richtige" Album in voller Länge, und demnach das eigentliche Debütalbum. Auf die Songs gab es jedenfalls bisher nur positive Reaktionen, der ein oder andere lief schon auf Sendern wie Einslive. Ich hoffe, bald auch ein Label zu finden, das das Album dann offiziell veröffentlicht. Die Band sollte jedenfalls bis Sommer fit sein und dann wird man uns allerorts in Deutschland sehen können.

popconnection: Wir drücken die Daumen für die Label-Kontakte und freuen uns wie die Schneeköniginnen auf die Gigs! Vielen lieben Dank.



Interview: Katja Embacher

30. März 2006 / E-Mail

Website: www.slowtide.com
Myspace: www.myspace.com/slowtidekw

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TOMMY FINKE: "Es kommt nicht darauf an, wieviel man spielt, sondern wie
man es spielt"




Foto: tommy-finke.de

Bei dem einen oder anderen mag es Klick machen, wenn er oder sie den Namen Tommy Finke hört: "Ist das nicht der Typ, der den Remix auf der neuen Helter Skelter EP gemacht hat, der mit den tollen Promo-Bildern bei myspace?" Ja, genau von diesem jungen Mann reden wir.
Aber Tommy Finke hat nicht nur tolle Pics, er hat auch wunderbare Songs im Gepäck. Songs, die eine besondere Atmosphäre kreieren, die dich beim Hören so faszinieren, als wärst du mittendrin statt nur dabei, kurz: Songs, die bewegen.

Tommy Finke ist ein freier Komponist aus der Ruhrpott-Metropole Bochum, der als Singer und Songwriter schon früh die heimischen Bühnen rockte. Angesiedelt irgendwo zwischen den frühen Tocotronic und dem wunderbaren Rio Reiser komponierte er bereits Musikstücke für diverse Filmprojekte. Mit seiner Begleitband Stromgitarre wird er demnächst unterwegs sein und es sei jedem an dieser Stelle empfohlen, sich ein Ticket für einen dieser Auftritte zu sichern. Wie er überhaupt auf die Idee kam, ein "Rock 'n' Roll-Leben zu führen", wer ihn auf diesem Weg beeinflusst hat und warum er vielleicht mal Lotto spielen sollte, hat uns Tommy Finke in einem Interview verraten.


popconnection: Die Bio deiner Website gibt ein wenig Aufschluss über dein bewegtes Musikerleben. So steht dort, dass du bereits 1997 die Bühnen im Ruhrpott unsicher gemacht hast. Stand für dich also von vorneherein fest, dass es ein "Rock ‘N’ Roll-Leben" sein sollte und nichts anderes?

Tommy Finke: Sagen wir mal: Jein. Denn vor den ersten Bühnenerfahrungen wollte ich unbedingt Zeichner bei Marvel Comics werden, weil ich unglaublicher Spider-Man Fan war und bin. Damals habe ich dann tatsächlich eine kleine gezeichnete Seite mit einem in schönsten Schulenglisch geschriebenen Brief an die Firma in New York geschickt. Die Antwort blieb aus. Als ich 17 war wurde dann mein Vater schwer krank und kurz vor seinem Tod hat er mir meine erste Stahlsaitengitarre geschenkt. Damit war die Sache für mich klar.

popconnection: Du hast eine Ausbildung zum Tontechniker abgeschlossen, studierst jetzt elektronische Komposition und arbeitest als Autor für den Musikverlag Verstärker. Wie wichtig ist dir Musik und wie groß ist die Rolle, die sie in deinem Leben einnimmt?

Tommy Finke: Ich war schon immer der Typ, der auf einer Party im Nebenzimmer sitzt und für sich Gitarre spielt. Aber mit der Zeit ging es mir darum, möglichst alle Facetten der Musiklandschaft auszuloten und das, im Idealfall, ohne Scheuklappen. Deswegen bin ich auch für so gut wie jedes Projekt zu haben. Mein Tag besteht zu achtzig Prozent aus Musik und dem drumherum. Der Rest muss sich dann dazwischenquetschen...

popconnection: Wie bist du zur Musik gekommen? Welche musikalischen Einflüsse haben dich persönlich und deinen Sound geprägt?

Tommy Finke: Ich habe ziemlich spät angefangen mit Instrumenten, erst autodidaktisch, dann im Unterricht. Zuerst hatte ich Klavierunterricht bei einem fantastischen Lehrer den ich immer Mr. Zed genannt habe, wie die Figur aus den Police-Academy Filmen, die beiden hatten nämlich einen ähnlichen Haarschnitt. Der hat mir ziemlich genau den unterschied zwischen Kompositionsmitteln bei "normalen" Bands und den Beatles erklärt und überhaupt viel Ahnung von guter Musik gehabt. Über den bin ich an Cure, von denen ich viele Synthesizerspielarten gelernt habe, Tocotronic, Sterne und all den Kram gekommen. Später kam noch Gitarrenunterricht bei Jürgen Rohlfing dazu, ein Gründungsmitglied der legendären Kassierer. Da habe ich dann gelernt, dass es nicht darauf ankommt, wieviel man spielt, sondern wie man es spielt. Sozusagen "Weniger ist mehr." Ich bin mir sicher, Bob Dylan und Neil Young würden jetzt himmelhochjauchzend aufspringen, wenn sie das lesen würden. Nein: Neil Young würde bestimmt springen, Bob Dylan würde aber eher sowas wie "Mhmhnanswermnmnblowingmnmninthenmnwind" nuscheln.
Wenn man meine breiten Arrangements bei den Studioaufnahmen hört, nimmt man mir diesen Aspekt vielleicht nicht ab, aber die Songs entstehen ja so, dass sie auch ohne Schlagzeug, Bass und Computernetzwerk funktionieren.
Meine Sternstunde kam dann mit Oasis und Definitely Maybe bzw. noch mehr mit der Morning Glory. Endlich eine Band, wo ich jedes Lied sofort nachspielen konnte...

popconnection: Wenn dich jemand fragen würde: "Hey, der Tommy Finke, was macht der eigentlich?", wie würdest du deinen musikalischen Stil dann charakterisieren?

Tommy Finke: Meine Liebe gehört, wie schon erwähnt, den britischen Gitarrentönen, ich versuche in meiner Arbeit allerdings ein großes Spektrum an Nuancen abzudecken, im Endeffekt entscheidend aber die Stimmung jedes Songs über den Stil. So war zum Beispiel bei 1000 Meilen klar, dass kein echtes Schlagzeug passt, obwohl es natürlich kein Problem gewesen wäre, das umzusetzen. Aber das Stück hätte so nicht funktioniert. Die Tatsache, dass ich deutsch singe mag viele dazu bewegen, mich in eine Ecke mit den Helden, Kettcar und Tomte stecken zu wollen, vielleicht sogar mit Tokio Hotel, was Gott verhüten möge. Aber diese Vergleiche sind ja ungefähr so, wie Guinness mit Fiege Pils (Bochumer Bier) zu verwechseln. Will damit sagen: Wenn die Sprache objektiv die einzige Verbindung zwischen Musikstilen ist, gäbe es logischerweise keinen Unterschied zwischen Nirvana und Genesis. Und da müsste der alte Kurdt sich doch im Grabe umdrehen, Loch im Kopf hin oder her.
Ich mache also Popmusik mit deutschen Texten und jeder kann sich jetzt sein Lieblingsmusikbuch schnappen und nachlesen, was das ist.

popconnection: Man kann dich als Solokünstler mit einer festen Band im Gepäck begreifen (á la Bernd Begemann und die Antwort oder Neil Young & Crazy Horse). Wie groß ist der Bezug zwischen le Tommy et le Stromgitarre? Austauschbare Mitstreiter oder fester Bestandteil deines künstlerischen Schaffens?

Tommy Finke: Es gab mal die Zeit, wo wir alle nur "Stromgitarre" waren, ich aber trotzdem alle Lieder geschrieben habe. Dann wollte ich eine Platte machen mit neuen Songs, so wie ich allein sie mir vorgestellt habe. Ich wollte aber trotzdem die gleichen Musiker bei den Aufnahmen für die Instrumente, die ich nicht kann, oder zu schlecht kann. Dabei hat sich dann herausgestellt, dass meine Musiker damit gar kein Problem hatten und der Arbeitsprozess gute Ergebnisse lieferte. Mit meinem Bassisten Sung-Eun Suh arbeite ich seit 1999 zusammen und weiss schon, wenn ich einen Song schreibe, wie seine Basslinie aussehen wird. In den seltensten Fällen, also wenn es eine feste Melodie geben soll, muss ich also was dazu sagen. Ebenso bei meinem Gitarristen Michael Andrzejewski, da sage ich nur: "Bitte hier an der Stelle immens tolles Gitarrensolo, zack zack." Und das kommt dann auch. Und seit ich Christian Meiners am Schlagzeug habe ist auch die Dynamik innerhalb der Live-Performance viel schöner geworden, weil die natürlich ganz anders funktioniert als auf Platte, wo es ja alles toll abgemischt werden kann. Meine Mucker sind also eher fester Bestandteil und wenn mal einer ausgetauscht wird, muss ein guter Ersatz ran.

popconnection: In deinen neuen Texten geht es sehr oft um zwischenmenschliche Beziehungen. Handelt es sich hierbei um autobiographische Erfahrungen, Beobachtungen deines Umfeldes oder bist du ein guter Geschichtenerzähler? Wie viel Tommy Finke steckt in deinen Texten?

Tommy Finke: Viele Geschichten sind autobiographisch. Andere sind weitergesponnene Episoden aus meinem Leben oder dem meiner Freunde. Ich würde nichts singen, was ich nicht meine, zumindest nicht ohne darauf hinzuweisen. (grinst)
Ausnahmen gibt es bei Songs, die für Filme geschrieben werden, wo ich mich dann mit dem Plot auseinandersetze. Da ist dann mehr Filmfigur drin.

popconnection: Du hast Songs und Begleitmusik für diverse Filme komponiert, darunter auch für Daniel Nipshagens Lemmingsfrühling und Ben Redelings' Wer braucht schon ein Sektfrühstück bei Real Madrid?. Wie kam es zu diesen Kooperationen?

Tommy Finke: Ben Redelings und Daniel Nipshagen habe ich über unsere Zeit bei (no-budget-arts) kennengelernt. Die Klammern in dem Namen (no-budget-arts) sind übrigens immens wichtig…

popconnection: Handelte es sich bei diesen Titeln um bereits bestehende Kompositionen oder um Konzeptarbeiten, die auf die Inhalte der Filme ausgerichtet waren?

Tommy Finke: In beiden Fällen wurde vorhandenes Material in die Filme eingebaut, übrigens total alte 8-Spur-Aufnahmen aus meinem miesen Heimstudio, im Fall von Ben Redelnigs' Film kamen noch ein paar Kompositionen exklusiv für den Film, z.B. Das Titellied, dazu.

popconnection: Stellt die Komposition von Filmmusik für dich als freien Komponisten eine besondere Herausforderung dar, die über das Schreiben von "Tommy Finke Songs" hinausgeht oder siehst du beide Arbeitsprozesse als gleichwertig an?

Tommy Finke: Endlich! Eine Fangfrage!
Schwer zu sagen. Ich denke, es kommt auf den Entstehungsprozess an. Wenn ich in das Projekt stark eingebunden bin, kann ich mich schnell damit anfreunden und halte es für gleichwertig. Wenn ich mit einem quasi fertigen Film konfrontiert werde und nur höre "Mach mal hier auf die Szene schön Liebesmusik..." dann wirds schwierig, dann fehlt das Feedback zwischen Bild und Musik. Aber zu dem Thema könnte man wohl Bücher verfassen und glücklicherweise treffe ich die meisten Leute schon vor Projektbeginn.

popconnection: Du bist unter anderem Gründungsmitglied von (no-budget-arts) und "Klangfarbe: Rot". Was genau hat es mit diesen Projekten auf sich?

Tommy Finke: (no-budget-arts) ist ein im Jahr 2000 gegründeter Verein, der sich mit der Vernetzung von Bild, Ton, Text und Theater beschäftigen wollte. Das hat mehr oder weniger geklappt, ich habe das Kollektiv, zusammen mit Ben Redelings und Martin Brand, mit denen ich seitdem gut zusammenarbeite, im Jahr 2003 verlassen. Es hat einfach nicht mehr gepasst, das Konzept ist nicht aufgegangen. Inzwischen betreibt (no-budget-arts) allerdings einen schönen Veranstaltungsort in Bochum.
"Klangfarbe: Rot" ist mein eigenes Projektstudio, dass ich im Laufe der Jahre zusammengebastelt habe. Der Name kommt von einem lustigen Phänomen, das ausnahmsweise nichts mit Drogen zu tun hat: Ich habe verschiedene Mixe von Bands mit geschlossenen Augen durchgehört und festgestellt, dass ich bei bestimmten Nummern einen "roten" Klangeindruck hatte. Und zwar bei den Stücken, die mir am besten gefallen haben, hauptsächlich bei Produktionen aus den 70ern. Da hab ich mir gedacht, das wäre wohl ein Zustand, den ich auch für meine Mischungen anstrebe. Und um mich dran zu erinnern habe ich mein Studio so genannt.

popconnection: Zu der aktuellen Helter Skelter EP hast du eine elektronisierte Version von O.S.T. 3000 beigesteuert und planst, demnächst auch Remixe für Atomic zu erstellen. Würdest du solche Aktivitäten als Erweiterung deines künstlerischen Horizonts betrachten und wie wichtig ist dir persönlich künstlerische Weiterentwicklung?

Tommy Finke: Die Remixe für Atomic sind sogar schon fertig und von der Band abgesegnet. Remixe sind einfach eine Sache, die mir Spaß macht und womit ich mir die Zeit vertreibe, in denen ich weder auftrete noch Songs schreibe. Aber die künstlerische Weiterentwicklung ist mir natürlich wichtig. Denkt mal an Picasso. Bevor der seinen Stier in ein paar Strichen gemalt hat, hat der erstmal geguckt, wie die Leute das vorher angepackt haben. Und durch meine Arbeiten an der Hochschule komme ich ja auch mit Stücken von Stockhausen oder Xenakis in Berührung. Da versuche ich immer für mich was davon mitzunehmen. Und das ist manchmal wirklich schwere Kost. Nette künstlerische Arbeiten habe ich mit Martin Brand realisiert und auch mit Klanginstallationen an der Hochschule. Mein künstlerisches Ideal wäre die Verbindung von sog. Pop- und sog. E-Musik. Leute wie Radiohead oder Elliott Smith haben da einiges geleistet.

popconnection: Du hast bereits neue Songs im Gepäck, die auf einem Album erscheinen sollen. Wie sehen diesbezüglich deine weiteren Pläne aus? Gibt es erste Anfragen von Labeln oder gar schon Kooperationen?

Tommy Finke: Und es werden immer mehr Songs. Durch die momentane Krise in den Plattenfirmen ist es für mich allerdings ziemlich schwierig, einen Vertrag zu bekommen. Die ersten, die sich wirklich um mich gekümmert haben, sind die Leute bei Verstärker, die eher als Printpromotionfirma für Franz Ferdinand und Tomte von sich reden machen. Die haben mich damals direkt auf einen Kaffee eingeladen und das war der Anfang einer schönen Zusammenarbeit. Und nebenbei habe ich so Lee Buddah kennengelernt, eines meiner großen Idole. Auch ein paar Bookingfirmen sind sehr kooperativ. Aber ein Label hat sich noch nicht gefunden. Wahrscheinlich muss ich im Lotto gewinnen und selber eins gründen. Schade nur, dass ich nie Lotto spiele...

popconnection: Und zum Abschluss: Wann und wo werden wir den großartigen Tommy Finke & Band demnächst live bewundern können?

Tommy Finke (grinst): Den großartigen weiß ich nicht.
Den auf-dem-Teppich-bleibenden aber bei (erstmal) zwei Terminen: Am 31.03.2006 im Schick&Schön in Mainz und am 27.05.2006 im Kultopia in Hagen zusammen mit Im Grunde Knut. Weitere Termine sind aber schon in Vorbereitung...

popconnection: Großartig oder nicht, wir bedanken uns auf jeden Fall für dieses grandiose Interview!



Interview: Katja Embacher

22. März 2006 / E-Mail

Website: www.tommy-finke.de
Myspace: www.myspace.com/tommyfinke

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THE DALLES: "Bei den Dalles geht's für mich um die musikalische
Herausforderung"




Foto: Martina Drignat

"Dalles" ist nicht nur eine Stadt im Staate Oregon der USA, sondern "Dalles" bedeutet laut deutschem Duden für Fremdwörter auch umgangssprachlich "vorübergehende Geldnot".

Vor gut zwei Jahren trafen fünf Freunde aufeinander, um gemeinsam Musik zu machen. Alles fing damit an, dass die beiden Ex-Readymades Chris (Bass) und Udo (Schlagzeug) beschlossen neue Wege zu gehen. Gemeinsam mit den Gitarristen Olli (Ex-Seesaw) und Tobi (Ex-Monochords) gründeten sie The Dalles. Was ihnen nun nur noch fehlte, war ein geeigneter Sänger für die Combo. Und dieser war mit Pese von Crash Tokio schnell gefunden. Nachdem Anfang 2005 Udo die Band wieder verließ, holten sich The Dalles Seppes (ebenfalls Crash Tokio) als adäquaten Ersatz ins Boot.

In einem Interview erzählt uns Sänger Pese, was sich hinter der Band The Dalles verbirgt.


Popconnection: Ihr werdet innerhalb unserer Newcomer-Rubrik vorgestellt. Kann man bei einer Band wie The Dalles überhaupt von Newcomern sprechen? Schließlich habt ihr alle zuvor bereits in mehr oder weniger populären Bands gespielt und seid dementsprechend ja schon alte Hasen im Musikbiz. Fühlt ihr euch persönlich als Newcomer-Band?

Pese: Na, was die Präsentation nach außen anbelangt, sind wir klar Newcomer. Vielleicht nicht die taufrischesten, schließlich hat jeder von uns schon seine musikalische Vergangenheit bzw. parallele Gegenwart. Uns ist das aber generell völlig egal, ob wir nun als Newcomer oder neue Band oder was auch immer katalogisiert werden. Nur ein Projekt ist es nicht, sondern in jedem Fall eine richtige Band. Und da geht's in erster Linie ja immer ums gemeinsame Musikmachen/Zeit verbringen. Manchmal neige ich dazu, uns als Alt-Herren Band zu sehen, leider trifft es das aber nicht ganz, weil der Sebastian erst 22 ist. Der drückt (un)glücklicherweise den Schnitt. Ich mag Alt-Herren Bands. Subterfuge z.B. bezeichnen sich selbst als solche, das find ich großartig.

Popconnection: Wie kam es zur Gründung von The Dalles?

Pese: Kurz: Erst waren da Chris und Udo von Readymade, die suchten nach der Auflösung bzw. Pause von Readymade nach einem neuen Projekt, Udo erinnerte sich an diesen Gitarristen aus Offenbach namens Olli. Sie nahmen Kontakt auf und trafen sich zum Musik machen. Olli wollte Tobi noch dabei haben, der hatte Zeit und Lust, aber Sänger gab‘s erstmal keinen. Dann kam der Kontakt zu mir und ich war dabei. Ein Jahr später entsprach das ganze aber nicht mehr Udo's musikalischer Vorstellung und Sebastian kam dazu. So war das.

Popconnection: Welche musikalischen Einflüsse machen The Dalles aus?

Pese: Eigentlich zu viele, würd ich sagen. Weil Chris liebt den ganz großen Pop von U2 und Depeche Mode, Tobi hört fast ausschließlich Soul-/Punk-/Beatplatten von 1960 – 1973 UND Oasis, Olli und ich würden am liebsten eine Trail of Dead-Coverband machen und Sebastian könnte jederzeit bei Interpol als neuer Schlagzeuger einsteigen. So ungefähr also.

Popconnection: Würdest du sagen, dass es durchaus von Vorteil für eine Newcomer-Band sein kann, wenn einzelne Mitglieder zuvor bereits in bekannten Bands (u.a. Readymade) gespielt haben?

Pese: Nein. Ich glaube, man kann nicht über seine erfolgreiche Ex-Band umgehend sein neues Projekt etablieren. Eine Band wie Readymade funktioniert nicht einfach nur über den Namen und die Musik, sondern ganz stark über die Typen in der Band, und davon gab‘s bei Readymade auch vier. Und mit denen identifizieren sich auch die Fans. Die lieben jetzt nicht automatisch die Dalles, nur weil Chris da Bass spielt. Natürlich interessieren sich erstmal mehr Leute dafür, das hat man auch schön anhand der Downloads auf unsere Webseite verfolgen können. Aber für viele Readymade Fans war das auch zu weit weg von ihrem Musikgeschmack und somit muss man eh von neuem anfangen und sich die Fanbasis erst verdienen. So wie jede andere Band.
Der einzige Vorteil ist, dass man in den vergangenen Jahren viele Kontakte geknüpft hat, und sich so manchen zeitraubenden Prozess ersparen kann. Man weiß, wo man wegen Konzerten anfragen muss, welchen Plattenlabels man ein Demo schicken kann und bei welchen das überhaupt keinen Sinn macht. Solche Sachen eben.

Popconnection: Du selbst spielst auch noch in der Band Crash Tokio. Würdest du The Dalles dementsprechend eher als Haupt- oder Nebenband sehen oder machst du diese Unterscheidungen nicht?

Pese: Ich mach keine grundlegende Unterscheidung, Crash Tokio ist aber das sozusagen ehrgeizigere Projekt. Da steck ich schon lange Zeit drin und da mussten wir auch durch alle Tiefen, deswegen werden da die Ziele irgendwie noch konsequenter verfolgt. Bei den Dalles geht's für mich um die musikalische Herausforderung. Ich bin ja jetzt Sänger in zwei verschiedenen Bands und da muss ich mich anstrengen, dass eine hörbare Differenzierung stattfindet. Wir wollen einfach nur eine für uns gute Platte aufnehmen und zusammen auf Tour gehen. Weil das ist in dieser Konstellation wie Klassenausflug ohne Lehrauftrag. Alles was geht ist super, aber es muss auch nichts. Das schöne ist: die Leute merken das sofort. Man stellt sich nicht verkrampft auf die Bühne, um ein überzeugendes Konzert abzuliefern oder so’n Quatsch, sondern weil es uns Spaß macht. Funktioniert gut.

Popconnection: Ihr habt das FIB in Spanien und das Melt! Festival gerockt, Hot Hot Heat supported und mittlerweile die ersten Headliner-Konzerte gespielt. Wie viele Leute kommen im Schnitt zu euren Konzerten? Habt ihr euch bereits eine gewisse Fangemeinschaft erspielt?

Pese: Headliner Konzerte ist ein ulkiges Wort. Man fährt halt in eine Stadt und spielt Konzerte, eine längere Tour haben wir noch nicht gespielt, also kann man auch keinen Zuschauerschnitt errechnen und schon gar nicht von einer Fangemeinschaft sprechen. Dafür haben wir auch viel zu wenig angeboten. Es gab lediglich fünf Songs zum Runterladen, mittlerweile eine 7", wobei da aber nur ein neues Lied drauf ist. Sozusagen zu wenig Material für eine Fangemeinschaft. Zumindest mussten wir aber noch nicht vor null Zuschauern spielen, es gibt schon immer welche, die es interessiert.

Popconnection: Du und Schlagzeuger Seppes wohnen in München, während der Rest von The Dalles im Raum Frankfurt/Wiesbaden angesiedelt ist. Ist es nicht schwierig, über diese Distanzen die Bandproben zu organisieren?

Pese: Na klar. Wir haben seit letztem Jahr so einen Online-Kalender, um die Termine alle gut zu planen und zu organisieren. Funktioniert aber auch nur bedingt. Ich glaub, ich bin der einzige, der da reinguckt und damit arbeitet. Dafür weiß ich aber immer Bescheid.

Popconnection: Bis vor kurzem habt ihr euren Fans noch Songs in voller Länge als MP3s zum Download angeboten. Siehst du das Internet als Möglichkeit gerade für junge Bands, einen gewissen Popularitätsgrad zu erreichen?

Pese: Eigentlich ja. Andererseits: ich hab mittlerweile den Überblick verloren. Ich finde, es gibt zu viele Internetportale / Magazine / Foren usw., es nimmt für mich einfach zu viel Zeit in Anspruch, mich darüber zu informieren. Die neueste (aber jetzt auch schon wieder ein alter Hut) Krankheit ist ja diese furchtbare myspace Diktatur. Meine beste Freundin nennt es "grässliche, narzisstische Nabelschau" oder so ähnlich. Ich seh es genauso. Es ekelt mich an, ich mag es nicht und ich kann nicht verstehen, warum ALLE Bands von der hinterletzten Funkfusionexperience Band bis Madonna einen myspace Spielplatz brauchen. Ich weiß es einfach nicht. Dummerweise sind wir mit Crash Tokio auch im DuziDuziMyspaceSchulterklopfVerein, weil ein Fan von uns da eine Heimat gebastelt hat. Und natürlich hat mich der Einsatz und die Begeisterung von einem Fan der Band mehr gefreut als die Abneigung gegen das Ding an sich.
Wir haben da mittlerweile wohl auch einige "Freunde", aber ich hab die Telefonnummern von meinen Freunden, insofern seh ich mir das nicht gerade häufig an.
Also, Fazit zum Thema Internet: Kann funktionieren (Clap your Hands say yeah), kann tierisch nerven.

Popconnection: Wie sieht die Zukunft von The Dalles aus? Ist ein Album in Planung oder habt ihr vielleicht schon einen Plattendeal in Aussicht?

Pese: Ja, wir werden ein Album aufnehmen, wohl im Sommer. Wann und wo das veröffentlicht wird, wissen wir nicht. Erstmal machen und sehen, wie es wird.

Popconnection: Vielen Dank für das Interview!



Interview: Jenny Schnabel

15. März 2006 / E-Mail

Website: www.thedalles.de
Myspace: www.myspace.com/thedallesrock

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