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Missent To Denmark I Am Your Son
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"Wer bin ich, und wenn ja wie viele?" Der prominente Titel des Bestsellers von Richard David Precht wirkt beschreibend für das aktuelle Album Doppelleben von Nicolas Sturm. Scheinbar unbemerkt und ganz ohne großkotzige Attitüde schafft der junge Liedermacher einen Frontalangriff auf das Wesen der heutigen Pop-Landschaft: Die Authentizität.
Während neben Popstars und -Sternchen mittlerweile auch Politiker unterschiedlichster Färbung keine Situation ungenutzt verstreichen lassen, ihre "Echtheit" spazieren zu tragen, macht es Nicolas Sturm irgendwie anders, irgendwie humorvoller - und vor allem - intelligenter. Zwischen Melancholie, Ironie und Surrealismus schwimmen die Wortbilder und machen es dem Zuhörer alles andere als einfach, den "authentischen" Nicolas Sturm zu erkennen. Im seltsamen Niemandsland zwischen Alltag und Surrealismus treiben seine Lieder, mal im Dickicht der Großstadt, mal im Labyrinth seiner Synapsen, und schaffen mehr Frage- als Ausrufezeichen, oder "Kopfkratzen", wie Sturm selbst es nennt.
Auch musikalisch ist Doppelleben eine durchaus erwähnenswerte Platte. Live ausschließlich mit Gitarre und Gesang unterwegs, wurde das Album mit Bassist und (grrrroooßartigem!) Schlagzeuger erweitert. Die schön schnoddrige Lo-Fi-Aufnahme ist ohnehin ein erfrischender Genuss in Zeiten der Homerecording-Hochglanzpolitur. Und auch in den Kompositionen schafft Sturm den Drahtseilakt zwischen Einfachheit und Spielerei. (Hinweis für Gitarristen: Viel Spaß beim Raushören der Akkorde von Regenhunde No 53!)
Doch zum Abschluss sei Nicolas Sturm noch die Ehre zu Teil, Preisträger für die verdammt coolste Textpassage des Jahres 2010 zu werden: "Sie bauen ein Hochhaus in mein Gehirn..." Natürlich, wohin auch sonst?
Review: Simon Blümer
Erscheinungsdatum: 23. April 2010 Label: Omaha Records
Myspace: www.myspace.com/sturmmusik
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Gestatten, The Fall: "Die letzte wahre Punk-Gruppe und gleichzeitig die einzige, für die Nietzsche je gesungen hätte." Bandleader und Sänger ist Mark E. Smith, "der wichtigste und klügste Verrückte, den die Pop-Welt hat, der Anwalt des nordbritischen Proletariats." Außerdem die Musik, die "klingt wie ich mich von innen anfühle." (D.D., damals). Das Schaffen dieser Ausnahmeband zu überblicken ist eine Wissenschaft für sich. Beinahe 100 Veröffentlichungen – Singles ausgenommen –, davon mit dem neuen Werk nun schon 28 Studioalben gehen auf das Fall'sche Konto. And the story goes on.
Unnötig zu erwähnen, dass der Autor dieser Zeilen von der frühen Phase der Band von der Gründung im Jahr 1976 an nicht sehr viel mitbekommen hat. Dennoch sind die Aufnahmen der frühen bis mittleren 80er Jahre der Sound, an dem man Mark E. Smith und seine regelmäßig wechselnden Begleitmusiker – aus seiner absolutistischen Führungsrolle macht Mr. Smith keinen Hehl – messen muss. Die letzten beiden Alben konnten in dieser Hinsicht mehr als überzeugen, und auch Your Future Our Clutter reiht sich ein in die großen Momente der späten Jahre.
Erster Track, O.F.Y.C Showcase, ein klassischer Fall-Song: Monotoner, hypnotisierender Rhythmus, Keyboard-Loop, schräge Gitarren und halb genuschelt, halb genölte Satzfetzen vom Boss. Ganz groß. Die nächste Nummer ist ähnlich. Bury Pts. 1+3 dauert 6:36 Minuten, die erste Hälfte klingt allerdings, als würde die Anlage im Nebenraum stehen. Dann wird die Wand eingerissen, von sägenden Gitarren. Es folgt ein The Fall Album wie es im Buche steht: magische Monotonie trifft auf krachige Elektronikexperimente, hübsche Kurzmelodien werden endlos vorangetrieben, bis sie irgendwann im Noise baden gehen. Und Mark E. Smith kommentiert das Geschehen, zwar meist unverständlich, es klingt aber verdammt wichtig.
Ein Phänomen ist er, dieser alte kaputte Alkoholiker, der wohl noch im Altersheim Songs schreiben und Musiker rekrutieren wird. Wegen einer Hüftoperation musste er den Großteil dieses Albums eh schon im Rollstuhl einsingen, um am Ende doch wie ein wütender, in vollem Saft stehender Mittzwanziger zu klingen. Gute Aussichten für die nächsten 20 Platten.
Review: Michael Döringer
Erscheinungsdatum: 23. April 2010 Label: Domino Records
Website: www.visi.com/fall Myspace: www.myspace.com/fallthe
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Künstlername und Albumtitel sprengen schon mal die Titelzeile. Das dürfte einige Typografen und den gemeinen Musikredakteur, der auf Zeichenanzahl und Textlänge achten muss, vor eine Herausforderung stellen. Daher unterlassen wir es an dieser Stelle, auch nur auszugsweise noch mal etwas aus der Titelzeile zu wiederholen und kürzen das Ganze auf die wesentlichen Bestandteile runter: Es handelt sich bei dem vorliegenden Album um das neue Werk von Will Oldham, dessen letztes Studioalbum Beware noch schlicht und einfach mit einem Wort auskam. Auf dem jetzigen Album hat er sich an der Gitarre zum wiederholten Mal Unterstützung bei Emmett Kelly geholt und – Achtung, das ist neu – ihn zum ersten Mal als gleichwertigen Musiker mit aufgeführt, bzw. ihn und seine zwei Mitstreiter, die sehr sporadisch am Bass, an den Drums und stimmlich aushelfen.
Ganz im Gegensatz zu ihrem Namen und dem Albumtitel bieten Oldham und Kelly auf musikalischer Ebene etwas total Anderes. Minimalistisch wird hier der Gesang von Gitarrenklängen untermalt und das Einzige, was ansatzweise für gewisse Aufs und Abs sorgt, ist der Einsatz von mehrstimmigem Gesang. Das Album wirkt insgesamt so ruhig, dass nach dem ersten und mehrmaligen Hören keine Melodie, kein Vers und nahezu rein gar nichts hängen bleibt. Nur die Tatsache, dass man hier gerade ein sehr ruhiges Album gehört hat und dass es aus der Feder von Will Oldham stammt, verankert sich. Mehr nicht.
Was hier beim Lesen vielleicht eher negativ ausgelegt werden könnte, ist aber gerade der Punkt, der für dieses Album spricht. Wenn man so will, haben wir hier nämlich einen Meilenstein des Minimal-Country vor uns – wenn es dieses Genre denn geben würde. Bonnie Prince Billy & The Cairo Gang (jetzt hab ich's doch geschrieben) ist es gelungen, etwas zu schaffen, was bei jedem Hören neu klingt, aber trotzdem vertraut wirkt, was sich nicht penetrant in den Vordergrund schiebt, aber gerade dadurch unglaublich viel Präsenz besitzt.
Review: Axel Schinkel
Erscheinungsdatum: 26. März 2010 Label: Domino Records
Website: www.bonnieprincebilly.com Myspace: www.myspace.com/princebonniebilly
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"Man muss immer wieder neue Wege gehen." So lautet Paul Wellers musikalische Maxime. Der Modfather und seine unerbittliche Freude zur Experimentierfreudigkeit spiegeln sich wohl am allerbesten in seinem neuesten Werk Wake Up The Nation. Mit 16 Songs hat Paul Weller wohl kein Musikgenre ausgelassen, das er nicht bedienen kann. Ins Studio ging er diesmal ohne große Songideen und Liedtexte und lies sich bei der Studioarbeit stark von seinem Produzenten Simon Dine, mit dem er schon sein letztes Konzeptalbum produzierte, inspirieren. Das Ergebnis ist ein facettenreiches Album mit kurz angebundenen Stücken, die selten die Dreiminutengrenze erreichen.
Noch nie hat man Weller so wütend erlebt, wie auf diesem Album. Wake Up The Nation ist ein Weckruf an eine Generation und Zeit, die ihm farblos erscheint, so der Modfather im Interview. "Wir müssen uns gegen diese ganze Mittelmäßigkeit aufbäumen und dafür sorgen, dass in England ausnahmsweise wieder Großartiges passiert", so Weller. In einer Zeit, in der Superstars aus Superstarsendungen die Charts bestimmen, klingen die Worte von dem grandiosen Ausnahmemusiker Weller, der Generationen inspiriert hat, wie ein nötiger Weckruf. Seine musikalische Großtat Aim High belegt dies nur allzu deutlich. In diesem Stück, so wie in vielen anderen seiner neuen Platte, steckt so viel Raffinesse, dass man mehrere Anläufe benötigt, um alles, was in diesen neuen Songs steckt, zu fassen. Doch diese musikalische Raffinesse hat auch Schattenseiten. Denn besonders zugänglich ist Wellers Weckruf dadurch nicht. Denn was hier am Anfang losprescht, wie in guten alten The-Jam-Zeiten, verliert sich in einer zu exzessiv ausgelebten Experimentierfreudigkeit, die Wellers so geliebten Folk völlig vermissen lässt und von The Jam über The Style-Council bis zu Ragtime-, Polka-, Punk- und Psychedelic-Pop-Reminiszenzen reicht. Das ist zu viel und man wünscht sich Weller hätte doch mehr fertige Songskripte mit ins Studio genommen.
Doch letztlich ist dieses Album neben dem ganzen Protest ein ganz großes Stück Soul. Denn Songs wie No Tears To Cry könnten glatt als Northern-Soul-Rarität durchgehen. Hier spürt man Wellers Liebe für die handgemachte Musik der 60er/70er. Ebenso authentisch ist Fast Car Slow Traffic, auf dem das damalige The-Jam-Mitglied Bruce Foxton Bass spielt. So klingt Wellers "Weckruf" an die Nation, wie eine musikalische Zeitreise, die viel Geduld benötigt, um sich erschließen zu lassen. Die Experimentierfreudigkeit Wellers ist bewundernswert und musikalisch höchst virtuos, doch besonders eingängig ist das alles leider nicht. Aber das war ja auch nicht des Modfathers Intention.
Review: Marc Philipp Meyer
Erscheinungsdatum: 16. April 2010 Label: Island (Universal)
Website: www.paulweller.com Myspace: www.myspace.com/paulweller
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Zufall oder Kalkül? Die beiden größten Indiesupergroups Kanadas bringen am selben Tag ihre Frischlinge auf den Markt. Broken Social Scene und The New Pornographers. Um letztere soll sich diese Abhandlung nun drehen, genauso vielfältig wie sich die Bandmitglieder um Neko Case und A. C. Newman drehen.
Die Pornographers zelebrieren immer noch imposante Poprockmonster, doch das Brüllen dieser Monster, das einem vom Hocker reist, ist verhallt. Haben sie auch hörbar großen Anteil am Aufstieg der kanadischen Indieszene und sind sie vielleicht die Wegbereiter für Bands wie eben Broken Social Scene, wirkt das neue Album leider wie eine Art "Blass-Blaupause" vergangener Zeiten. In denen die großen Pophymnen und der pompöse Indiepop eines A. C. Newman noch gefragter waren. Ähnliche Erfahrungen musste schon M. Ward mit She & Him machen. Beide Projekte schlagen in die gleiche Kerbe, beide tun sich schwer, beiden fehlt es oft am subtilen Feingefühl, mit welchem sie die Pom Poms und Glitzerattitüden ihrer Musik aus der Schusslinie der Kritiker ziehen könnten. Erst ab dem späten Mittelfeld von Together, bei If You Can't See My Mirrors und Up In The Dark finden die Arrangements ihren Weg zurück zur Stärke.
Es wäre falsch einer achtköpfigen Supergroup, wie den New Pornographers, die komplexen Arrangements vorzuwerfen, aber manchmal wird aus dem Weniger doch ein Mehr. Das Album nimmt eben erst da an Qualität und Fahrt auf, wo die New Pornographers das Tempo rausnehmen. Dann kommen die Bläsereinsätze der Dap Kings und die Trompete eines Zach Condon (Beirut) besser zur Geltung und die beeindruckenden Harmonien werden erst wahrnehm- und empfindbar. Nur leider gehen die beiden anderen großen Kollaborateure Annie Clarke (St. Vincent) und Will Sheff (Okkervil River) im anfänglichen Popgemetzel der Pornographers unter. Im Stechen mit Broken Social Scene und der neuen Platte, haben die Pronographers mit Together das Nachsehen. Vor allem liegt das an der weniger gelungenen Dramaturgie des Albums und der sehr schwachen ersten Hälfte. Wer sich aber die zweite Hälfte – die Schokoladenseite des Albums - zu Gemüte führt, darf sich auf große Popmusik freuen.
Review: Matthias Hacker
Erscheinungsdatum: 30. April 2010 Label: Matador
Website: www.thenewpornographers.com Myspace: www.myspace.com/thenewpornographers
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Nach einem wunderbaren Debüt und einem der hervorragendsten Zweitwerke einer englischen Band seit Jahren, kommen die Eight Legs jetzt mit einer EP um die Ecke, die wieder mal beweist, warum die Spinnenbeine zu einer der derzeit besten britischen Indie-Rock-Bands gehören.
Denn allein die Single Best Of Me überzeugt auf ganzer Linie mit drahtig-verspielten Gitarren, Rock'n'Roll-Attitüde, intelligenten Lyrics und zwingend psychedelischen Kniffen. Genau diese Kniffe machten das literarisch konnotierte The Electric Kool-Aid Cuckoo Nest zu einer Kracherplatte, die sogar nach einem Jahr noch immer mit jedem Hören wächst. Die Best Of Me EP knüpft genau daran an. So klingt Cloak And Dagger wie Oasis meets Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band! Die flockigen Sixties-Anspielungen und ihr Gespür für Ohrwurm-Hooklines machen die Eight Legs zu einer faszinierenden Band, dessen Qualitäten man auch immer wieder live bewundern kann.
Kurz gesagt: Die Eight Legs haben die Coolness, den Drive, die zwingenden Riffs, den Rock'n'Roll und das musikalische Gespür für Songs, die man nicht mehr aus dem Ohr bekommt. Was will man mehr!? Dies ist schöner Vorgeschmack auf die neue Platte, die ebenfalls auf dem neuen selbstgegründeten Label Bootlegs Records erscheinen wird.
Review: Marc Philipp Meyer
Erscheinungsdatum: 02. April 2010 Label: Bootlegs Records
Website: www.eightlegs.co.uk Myspace: www.myspace.com/eightlegs
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"Wie man's macht, isses verkehrt". Ein Satz aus Sebastian Madsen's Mund Anfang des Jahres in einem Berliner Tonstudio, unterlegt mit einem schelmischen Grinsen als ich ihm dabei die Hand drücke. Ein Satz den man auch gezielt auf das neue Madsen-Album Labyrinth übertragen kann.
Seien wir mal ehrlich, wir alle wissen genau, dass die Band nie ein Freund der Kritiker und Musikerpolizei in Internet-Foren werden wird. Aber gerade das, so scheint es mir, versorgt die Gebrüder Madsen +1 mit einer ordentlichen Portion Narrenfreiheit, anything goes! Seien es die offensichtlichen Queen-Anleihen im Opener und Titel-Track Labyrinth oder die The Cure-Hommage Schön, dass Du wieder da bist (mein Anspieltipp!). Zugegeben, es mag nicht sonderlich originell klingen wenn in der Single-Auskopplung Lass die Liebe regieren arg zu Modest Mouse geschielt wird. Aber am Ende zählt der Song und hier punkten Madsen mit sicherer Hand im Songwriting. Wie übrigens auch in der Produktion, wo Haus- und Hofproduzent O.l.a.f. Opal erst gar nicht mehr versucht eine teure Produktion erzwungen billig und dirty klingen zu lassen. Hier werden Räume geöffnet und Platz geschaffen, auch wenn Johannes Madsen's Gitarre desöfteren Mal Streichern und Chören weichen muss.
Labyrinth ist ein mutiges viertes Album, allerdings sollte der geneigte Hörer ein offenes Ohr für klassische Popmusik haben. Allen Pre-/Post-odersonstwie-Rockern sei empfohlen zum Lachen wieder in den Keller zu gehen. Gutes Album & Gute Besserung Sebastian!
Review: Marco Pleil
Erscheinungsdatum: 23. April 2010 Label: Vertigo (Universal)
Website: www.madsenmusik.de Myspace: www.myspace.com/madsenband
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The Optimist ist Abgesang und Neubeginn und New Young Pony Club ist nicht mehr New Young Pony Club. Stand ihr Debüt Fantastic Playroom selbstredend noch ganz im Zeichen des NuRaves, ein in Scheiben gepresster Tanzschrittmacher, purer, überzuckerter Hedonismus, verdammt noch mal ein Partyalbum eben, so hat jetzt der berühmte Reifeprozess eingesetzt.
Ihr Heil suchen die NuReifen dabei in dezidierter Abgrenzung und Umkehrung ihrer eigenen musikalischen Identität. So überrascht es nicht, dass mit The Optimist eine dunkel geratene Platte entstanden ist. Kein uffiesker "sexy talk" à la Ice Cream oder The Bomb, keine Kuhgluckenpenetranz, dafür ein ungeahnter Sinn für Atmosphäre und Melodie. Die Songs fußen nun vornehmlich auf Bass und Gesang, daneben sind Gitarre, Synthies und Drums eher ergänzend trapiert. Inhaltlich haben NYPC ihr bisheriges Haupttopos "echt geile Party" mindestens um die Erfahrung des schmerzend zur Reflektion zwingenden Katers erweitert. Man muss ja nicht immer gleich von Tiefe sprechen. Und auch wenn Ty Bulmers Gesang vor allem dem Anspruch der tragenden Melodie nicht immer ganz gerecht wird, da sie permanent eine halbe Oktave zu tief singt, bleibt The Optimist eine wirklich geglückte und hörenswerte Weiterentwicklung, die, ganz nebenbei gesagt, freilich tanzbar ist.
Fazit: Gut.
Review: Maximilian Sippenauer
Erscheinungsdatum: 16. April 2010 Label: PIAS
Website: www.newyoungponyclub.com Myspace: www.myspace.com/newyoungponyclub
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Irgendwie waren Missent to Denmark schon immer da. Vor Jahren machten sie das erste Mal auf sich aufmerksam, als sie ein paar Songs in Form von Gratis-EPs im Internet verbreiteten. 2007 folgte mit A Clue, A Hint, A Love das erste Album, in höchsten Tönen gelobt von denen, die es zu hören bekamen. Danach wurde es wieder ruhig, zumindest in der Außenwirkung. Im Proberaum ging es in den vergangenen Jahren aber hoch her, das Ergebnis der jahrelangen Bastelarbeit kann nun bewundert werden. I Am Your Son heißt das zweite Album von Missent to Denmark. Und es ist über alle Maßen gelungen.
Kommen Missent to Denmark nun aus Deggendorf, oder handelt es sich um eine Regensburger Band? Nein, München geben sie nun als Heimatstadt an. Oder doch Weilheim? Rein musikalisch würden sie ganz gut reinpassen, in die Weilheimer Szene. Ohne krampfhaft nach Ähnlichkeiten suchten zu wollen kann man dem Quartett durchaus eine gewisse Ähnlichkeit zu The Notwist attestieren. Vorliebe für große Melodien und komplexe Arrangements sind hier wie da zu finden, ein hohes Maß an Experimentierfreudigkeit Perfektionismus gleichermaßen gehört ebenso zum guten Ton. Mit Lali Puna Produzent Taison Heiß haben sie dann noch genau den richtigen für den Feinschliff ins Boot geholt. Auch das passt ins Bild.
I Am Your Son strotzt geradezu vor guten Ideen, schönen Melodien, interessanten Strukturen und allem, was man für ein richtig gutes Album braucht. Einziges Problem: Das erste Stück, A Piece Of Gold, könnte man vielleicht noch mit dem schönen Attribut "catchy" versehen. Den Rest des Albums muss man sich zwar nicht erarbeiten, aber nach und nach erschließen. Während man beim ersten durchhören vor allem beeindruckt ist von der konsequent durchgezogenen Melancholie, die allen Songs zugrunde liegt (We Lower Our Heads Pt 2 sticht hier vielleicht etwas heraus), braucht es zwei oder auch drei Durchläufe, bis man in den einzelnen Songs die vielen genialen Momente erkennt, an denen das Quartett jahrelang akribisch gearbeitet hat. Dann erst hört man sich Stücke wie Panic In Town (nicht nur bei diesem Song werden auch Konstantin Gropper Fans innerlich Lustsprünge machen) oder Once In A Year immer wieder an und ist einfach nur beeindruckt.
Also, kaufen, anhören, anhören, anhören und begeistert den Hut ziehen, vor dieser großartigen Band!
Review: Andreas Kussinger
Erscheinungsdatum: 16. April 2010 Label: Biegen & Brechen
Website: www.missenttodenmark.de Myspace: www.myspace.com/missenttodenmark
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Süß. Putzig. Das zweite Album von She & Him ist die musikgewordene Unschuld vom Lande. Teenie-Pop im Stile der Sixties-Girlgroups für den Start in einen unbeschwerten Liebessommer.
Künstlichkeit und Maskerade scheinen bei ihr (Zooey Deschanel, Sängerin und hauptberuflich Schauspielerin) und ihm (Matt Ward, verantwortlich für Gitarre und Produktion) keine große Rolle zu spielen. Das zeigen nicht nur der Bandname und der aussagekräftige Albumtitel, sondern auch die Musik. Ehrlicher und entwaffnender kann man banal-jugendlichen Herz-Schmerz und Turtelterror nicht auf Band festhalten. "Feel-good"- Musik zu machen, ist ja die eine Sache. Aber diese ganze Nichtigkeit in ein so wunderschönes Gewand zu kleiden und einen Sound zu kreieren, der noch den weltgrößten Misanthropen dazu bewegen würde, sich ein Eis zu kaufen und mit einem hübschen Mädel im Park Enten zu füttern, das ist wirklich bemerkenswert. Die Songtitel verraten es gleich: Das hier ist eine riesengroße Teenager-Romanze, irgendwo zwischen Teen Angel und Eis am Stiel, Claudine Clark und The Crystals. In The Sun, Gonna Get Along Without You Now, Ridin' In My Car, etc. Alles klar? Bis auf zwei Coverversionen stammen die Songs aus Zooey Deschanels Feder, hübsch und leichtfüßig präsentiert mit Klavier, Banjo und Mandoline.
Diese Platte will wirklich nicht mehr als einfach nur schön sein, schwere Gedanken vertreiben und mit dem Leben versöhnen. Einfach darauf einlassen und in eine Welt voller Zuckerstangen und Hula Hoop Reifen eintauchen. Anspieltipps sind Over It Over Again und Me And You, der Pedal-Steel-Gitarre sei Dank. Prädikat: besonders schnuckelig.
Review: Michael Döringer
Erscheinungsdatum: 02. April 2010 Label: Domino Records
Website: www.sheandhim.com Myspace: www.myspace.com/sheandhim
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Zuerst die gute Nachricht: Daniel Snaith ist zurück! Der Mann hinter dem Ein-Mann-Homerecording-Projekt Caribou hat sich nach drei Jahren aus der kanadischen Einöde seines Homestudios begeben und mit Swim seinen mittlerweile dritten Longplayer fertig gestellt. Nun die schlechte Nachricht: Jetzt ist er endgültig durchgeknallt!
Eigentlich beginnt alles recht harmlos. Opener ist die erste Singleauskopplung Odessa, die wohl schwächste Nummer des Albums. Doch ist dieser erste Eindruck einer uninspirierten Aneinanderreihung von Elektro-Bausteinen verflogen, zeigt sich die Qualität von Swim. Von Song zu Song steigert sich die Platte vom belanglosen "Justice"-Abklatsch zum avantgardistischen Meisterstück. Zu Beginn des Albums offenbart sich noch die Pop-Verliebtheit, die Daniel Snaith 2008 den prestigeträchtigen "Polaris Music Prize" einbrachte. Doch bereits hier verschwimmt mehr und mehr der charakteristische schwebend leichte Gesang mit brachialem Soundkollagen zu einem undurchsichtigen Meer an musikalischen Eindrücken und Fetzen, das ebenso schön wie verschroben ist.
Das Epizentrum des Albums bildet Bowls. Verschiedene Minimal-Passagen werden ineinander verzahnt, Snaith lässt die Rhythmen gegeneinander antreten und am Ende muss selbst ein gestandener Fan des 7/8-Rhythmus sich kapitulierend die Frage stellen: Wie zur Hölle kann man so was eigentlich programmieren?
Und der Wahnsinn geht weiter. In Songs wie Hannibal und Leave House zeigt sich der eigenwillige Schreibstil (oder ist es Humor?) von Caribou. Wird zunächst der Eindruck vermittelt, Daniel Snaith habe seine Liebe zu Clubhits reaktiviert, wird dieser Eindruck im Laufe des Songs bis auf die Grundmauern eingerissen. Jede Form von Groove und Hookline verkommt zur Illusion, Sound und Song sind stets durchbrochen von abrupten Wechseln, großartigen musikalischen Einwürfen und ganz vielen anderen Verrücktheiten.
Fazit: Wenn die man Grinsekatze aus Alice im Wunderland nach ihrer Lieblingsplatte fragen würde, dann wäre Swim sicherlich unter den Top 5. Und auch ansonsten ein absolut heißer Tipp für Menschen mit einer geschmacklichen Vorliebe für wirklich verdammt seltsame Dinge.
Review: Simon Blümer
Erscheinungsdatum: 16. April 2010 Label: Cooperative Music
Website: www.caribou.fm Myspace: www.myspace.com/cariboumanitoba
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Als The Strokes im Jahr 2001 den ersten großen Hype des neuen Jahrtausends lostraten, veröffentlichten auch Black Rebel Motorycle Club ihr großartiges selbstbetiteltes Debütalbum und spielten sich damit schnell in die erste Liga. Auch mit ihrem Nachfolger Take Them On, On Your Own gelang es ihnen zwei Jahre später Kritiker und Fans abermals zu begeistern. Dann geschah etwas, womit niemand gerechnet hätte: BRMC schlugen mit ihrem country- und folklastigen dritten Album Howl unerwartet völlig neue Wege ein und hinterließen bei vielen ratlose Gesichter, so dass man sich die Frage stellte "Whatever Happened To My Rock 'n' Roll"? Zwar führte der musikalische Weg mit dem vierten Longplayer Baby 81 wieder zurück zum Indie-Rock, jedoch mangelte es dem Album zu sehr an Ideenreichtum und es wirkte längst nicht so spektakulär wie der rebellische Rock 'n' Roll der beiden Frühwerke.
Jetzt melden sich BRMC mit ihrem neuen Album Beat The Devil's Tattoo inklusive neuer Drummerin Leah Shapiro zurück. Nach all den Irrwegen haben sie endlich wieder auf den richtigen Pfad zurückgefunden und knüpfen mit ihrem neuen Werk wieder an ihre beiden ersten Werke an, ohne sich jedoch dabei selbst zu kopieren. Vielmehr vereinen sie die musikalischen Erfahrungen der letzten Alben miteinander und das machen sie verdammt gut! So kombinieren BRMC den rebellischen Garagenrock ihrer beiden Frühwerke mit den Folk-Ausflügen von Howl und mischen dem Ganzen noch einige Blues-Elemente bei. Dabei klingen die 13 Songs auf Beat The Devil's Tattoo herrlich erfrischend und zeugen zugleich von einer enormen musikalischen Reife. Vielleicht hat die personelle Veränderung durch Schlagzeugerin Leah Shapiro der Band wieder zu neuer Kreativität verholfen oder aber BRMC besinnen nach all den Experimenten der vergangenen Jahre einfach wieder auf das, was sie am Besten können. Fakt ist jedenfalls, dass BRMC mit ihrem fünften Longplayer das geschafft haben, was viele nicht mehr für möglich hielten und beweisen somit all denjenigen, die diese Band bereits aufgegeben hatten, dass in ihnen immer noch eine rebellische Rock 'n' Roll-Band steckt, mit der immer noch zu rechnen ist.
Ihr Debütalbum bleibt zwar weiterhin unerreicht, aber Beat The Devil's Tattoo ist genau das Album, das man sich als Fans nach Take Them On, On Your Own gewünscht hätte. Besser spät als nie.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 12. März 2010 Label: Cooperative Music
Website: www.blackrebelmotorcycleclub.com Myspace: www.myspace.com/blackrebelmotorcycleclub
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Ungefähr ein Jahr ist es her, dass Maximilian Hecker sein letztes Album One Day veröffentlichte, das an dieser Stelle mit einiger Begeisterung besprochen wurde. Als andere schon gelangweilt abgewunken haben, wurde hier die Fahne dieses talentierten deutschen Songwriters noch hochgehalten. In der Zwischenzeit scheint viel passiert zu sein in Heckers Leben. Und so schickt sich die neue Platte an, einen Wendepunkt, Neuanfang oder ähnliches zu markieren. Auf jeden Fall will sie anders sein.
Angeblich hat sich über die letzten zwei Jahre vieles in seinem Innenleben verändert - mit Auswirkungen auf die Art seiner Lebensführung und vor allem seine Musik und die Art, diese zu machen. Man liest von einer japanischen Prostituierten, die ihm die Augen geöffnet habe (und der er mit Nana auch einen Song widmet), von einem Leben als vollbärtiger Straßenmusikant in Jogginghosen, von einer neuen, freieren Art Songs zu schreiben und aufzunehmen, und so weiter. Klingt nach Katharsis, soll ihm gegönnt sein. Allerdings kann man es leicht übertrieben nennen, wenn dieser Reigen an veränderten Tatsachen auf Maximilian Heckers Musik übertragen wird. Sagt zumindest das in seinem Werk geübte Ohr. Nicht leugnen lässt sich die spärliche Instrumentierung und die fehlende Glanzproduktion des letzten Albums, was seinen Songs eigentlich zugute kommt. Die Essenz hat sich dabei aber nicht merkbar gewandelt: Auf den ersten Lauscher die gewohnten Balladen, die von Liebe und Schmerz erzählen. Die (vielleicht) feinen textlichen Unterschiede zu seinen bisherigen Alben mögen da sein, konnten jedoch nicht genauer verfolgt werden. Denn nach bereits kurzem Hören macht sich eine Ungeduldigkeit breit, die alles zu einem einzigen Großgeschmachte werden lässt. Entweder diese Platte erwischt einen genau in der richtigen Stimmung - oder lässt einen komplett kalt.
Seine Qualitäten besitzt Maximilian Hecker immer noch. Wer seine Musik mag, wird I'm Nothing But Emotion, No Human Being, No Son, Never Again Son gutmütig aufnehmen - oder sich seinen besseren, alten Zeiten zuwenden. Auf jeden Fall kein Highlight, was einem hier als Quasi-Novität angepriesen wird.
Review: Michael Döringer
Erscheinungsdatum: 23. März 2010 Label: Blue Soldier Records
Website: www.maximilian-hecker.com Myspace: www.myspace.com/maximilianhecker
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Eigentlich müsste hier ein Album von "The Muslims" besprochen werden. Noch vor nicht allzu langer Zeit waren "The Soft Pack" nämlich noch unter dem, nunja, gespielt politisch unkorrekten Namen kreuz und quer durch die USA unterwegs. Klar, dass man sich als Indie-Band nicht "The Muslims" nennen kann, ohne fortan ununterbrochen von Journalisten zu den Motiven hinter der Namensfindung befragt zu werden. Das wussten sie sicherlich auch schon, als sie sich gründeten, aber sei's drum, dafür konnten "The Muslims" ein paar Jahre später umso empörter ihre Umbenennung bekanntgeben. Die andauernden politischen Fragen sei man schließlich leid. Gut gebrüllt, (Marketing-)Löwe.
Zur Musik. Mehr Rock 'n' Roll denn Indie-Pop, sehr angenehm, das zu hören. Klingt nach 70s Garagenrock, nur sauberer aufgenommen und vielleicht etwas zu glatt produziert. Klar, denn das Ganze soll ja nicht in der Liebhaber-Ecke des Plattenladens verstauben, sondern auch vom Konsumenten des 21. Jahrhunderts gekauft werden. Manchmal klingen The Soft Pack sehr nach den Stooges, dann wieder nach den Strokes. Natürlich erfinden sie das Rad nicht neu, aber abgekupfert klingt das Ganze irgendwie nie.
Sehr sympathisch, da möchte man die ganze Aufregung um den Namen gleich wieder vergessen. Was zählt, ist schließlich die Musik. Und ehe man sich versieht hört man das mit 32 Minuten recht kurz geratene Album schon wieder von vorne. Zehn Songs à drei Minuten. Kein Füllmaterial. Alles richtig gemacht!
Review: Andreas Kussinger
Erscheinungsdatum: 19. Februar 2010 Label: Heavenly/Cooperative Music
Website: www.thesoftpackofficial.com Myspace: www.myspace.com/thesoftpack
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Nicht nur die Arctic Monkeys wurden via Myspace berühmt. Auch Adam Young alias Owl City hat dem Sozialen Netzwerk viel zu verdanken. Noch bevor es einen einzigen physischen Tonträger gab, war der Junge aus dem verschlafenen Städtchen Owatonna in Minnesota in den USA ein berühmter Mann. Zwei Jahre später soll nun also auch diesseits des Atlantiks der Knoten platzen. Eine Hit-Single hat der 23-jährige schon mal vorgelegt.
Fireflies heißt sie, und sie strotzt geradezu vor guter Laune und Mitsingqualität. Ein echter Ohrwurm, ein Frühstücksradiosong par exellence. Befeuert vom massiven Airplay der großen Radiostationen konnte Owl City damit auch tatsächlich die Top 10 der deutschen Singlecharts erklimmen. Jetzt legt der Amerikaner sein Album Ocean Eyes nach und möchte beweisen, dass er eben nicht nur ein Glühwürmchen am Pop-Himmel ist, sondern das Zeug zum großen Superstar hat. Leider ist er auf dem besten Weg, zumindest hierzulande ein klassisches One-Hit Wonder zu werden.
Denn eine ordentliche Single auf die Länge eines ganzen Albums auszudehnen klappt leider nicht. Egal, welchen der elf übrigen Songs man sich auch anhört, auf Ocean Eyes klingt jedes Stück wie das andere. Synthesizer, eingängige Refrains, dazu die wirklich sehr markante Stimme Adam Youngs, das alles hört sich ganz gut an, wiederholt sich aber schon während des ersten Durchlaufs so oft, dass sich ein bisschen Langeweile einstellt. Das ein oder andere Lied kann sich aber dann doch ein bisschen vom Einerlei abheben, zum Beispiel das schöne The Bird And The Worm.
Andererseits: Wer Fireflies mag und es nach Monaten der Dauer-Radiobeschallung immer noch gerne hört, wird ganz bestimmt auch an Ocean Eyes große Freude haben.
Review: Andreas Kussinger
Erscheinungsdatum: 19. Februar 2010 Label: Motown (Universal)
Website: www.owlcitymusic.com Myspace: www.myspace.com/owlcity
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"... we just came to dance!" und direkt danach wird gewalzert. Ja, in Eagle Seagulls Zweitlingswerk The Year Of The How To Book findet man jede Menge von jeder Menge. Eklektisch, könnte man raffinierter sagen. Opulenter Pop, was meint: Gitarre, Gegeige, Geklimper, Gefrickel und Glockenspiel. Daneben darf natürlich nicht das zyklisch auftretende, zum rhythmischen Auftreten ladende, Indiestaccato fehlen.
The Year Of The How To Book beginnt wuchtig und tanzbar und kraftvoll. Der Opener You're The Reason Why I'm Afraid To Die lässt sich dazu durchaus noch als Restauration des Paarreims hören. Der zweite Song I'm Sorry But I'm Beginning To Hate Your Face übertrifft Ersteren noch in der Perfektion oben genannter Attribute. Danach wandelt die Platte beständig ihr Gesicht und zeigt weitere Facetten. Episch, tortenhaft, ja auch kitschig könnte man hierbei resümieren, wäre da nicht noch der, die Klangflächen entsättigende, klagenschwangere Gesang von Eli Mardock, der den bisweilen etwas überladenen Sound genießbar hält. Bis hierhin ein wirklich gelungenes Sequel der Nebraskaianer. Danach verliert sich das Album allerdings mehr und mehr im Bedienen diverser Popklischees, verliert dadurch etwas an Stringenz, etwas an Geschick und auch das zage Heulen wird mit der Zeit anstrengend.
So bleibt zu konstatieren: Was am Anfang nach einem glatten Drei-Satz-Sieg für Eagle Seagull aussieht, fühlt sich am Ende doch eher wie ein zähes Fünf-Satz-Match an. So nimmt man die CD aus der Rotationsmaschine und seufzt leicht erschöpft: "Ich wünschte, ich würde mich für Tennis interessieren."
Review: Maximilian Sippenauer
Erscheinungsdatum: 26. März 2010 Label: Pias
Website: www.eagleseagull.com Myspace: www.myspace.com/eagleseagull
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Was tun, wenn man in Bangor aufwächst? Einer Stadt, die zwar zu den größten Nordirlands gehört, jedoch nicht mit einer Metropole wie Belfast gleichzusetzen ist? In zwielichtigen Ecken herumschleichen? Bier trinken? Alte Damen anpöbeln, die ihren frisch frisierten Pudel gassi führen? Die Jungs von Two Door Cinema Club entscheiden sich für einen komplett anderen Weg. Sie gründen eine Band, machen es sich beim gleichen Label wie Delphic gemütlich, nehmen ein Debüt namens Tourist History auf und entwickeln einen Sound, der es ohne weiteres mit den Tanzflächen sämtlicher europäischer Metropolen aufnehmen kann.
Anfänglich noch als Quartett unterwegs, beschließen Alex Trimble (Gesang/Gitarre), Kevin Baird (Bass) und Sam Halliday (Gitarre) nach dem Ausscheiden ihres Drummers zu dritt weiterzumachen. Da man keinen weiteren Schlagzeuger kennt, wird der Schießbudenspieler kurzerhand durch eine Drummachine ersetzt. Was als Not beginnt, entwickelt sich für Two Door Cinema Club rasch zur Tugend. Die Jungs entdecken ihr Faible für die Kombination aus Elektro-Samples und Stromgitarren und bannen diese auf ihr Erstlingswerk Tourist History. Auf ihrem Streifzug durch musikalische Genres öffnen Two Door Cinema Club diverse Schubladen, um sich das beste herauszupicken und diese dann schnell wieder zu schließen, bevor sie selbst Opfer einer Etikettierung werden könnten.
Nichtsdestotrotz können sich auch die jungen stürmischen Iren Einflüssen nicht entziehen: Pate für Tourist History stand eindeutig der schneidende Gitarren-Synthie-Soundmix von Bloc Party. Immerhin gelingt es Two Door Cinema Club trotz dieser unüberhörbaren Anleihen ihren Tracks einen eigenen Stempel aufzudrücken. Man beschränkt sich nicht auf die Symbiose aus kantigen Riffs und Samples, sondern erweitert das Soundgeflecht um Trompeten oder brasilianische Rhythmen nebst Chören, die auf die WM im Sommer einstimmen.
Das Ergebnis kann sich hören lassen. Tourist History ist ein Debütalbum par excellence. Energetisch, schweißtreibend, tanzbar. Ein kurzes wie bündiges Statement aus 10 Songs komprimiert auf 32 Minuten Laufzeit. Eines scheinen Two Door Cinema Club trotz ihres jugendlichen Alters bereits begriffen zu haben: Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance. Mit Tourist History hat die ehemalige Schülerband ihre Reifeprüfung bestanden.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 05. März 2010 Label: Kitsuné / Cooperative Music
Website: www.twodoorcinemaclub.com Myspace: www.myspace.com/twodoorcinemaclub
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Das Hamburger Joint Venture aus Der Tante Renate und ClickClickDecker geht in seine zweite Runde. Auch wenn der Titel unscheinbar und harmlos anmutet - der Elektro-Pogo geht weiter. Volle Kraft voraus!
Das eine sollte man schon noch mal festhalten: Kraft, das 2007 erschienene Bratze-Debüt, "ist so aufregend. Das ist so mitreißend. Das ist streng genommen die Platte des Jahres." (Intro 01/08) Und was besseres, als an der gleichen Baustelle weiterzuarbeiten, hätten die zwei Herren gar nicht machen können. Geballte Power und an- bis aufrührende Wortsalven komprimiert auf knapp 40 Minuten. Die musikalischen Korrekturen im Vergleich zum bisherigen Werk sind nicht sonderlich groß. Die Beats sind etwas weniger fragil, die poppigen Melodien zugunsten verstärkter Synthie-Knarzerei etwas zurückgeschraubt. Mehr muss dazu auch nicht gesagt werden. Wie auf Kraft erscheint dieses Projekt so zwingend vorherbestimmt. Von der ersten Minute an beweisen Tante Norman Kolodziej und Kevin Hamann alias ClickClickDecker, wie gut sie sich ergänzen.
Natürlich muss Bratze laut sein. Selbstverständlich muss auch dazu getanzt werden, geht gar nicht anders. Den entscheidenden Pluspunkt verschafft ihnen allerdings die Tatsache, dass man auch einfach nur ganz beruhigt zuhören kann. Kevin Hamann besitzt die große Gabe, aus alltäglichem Gefasel und sonst ziemlich nervigen Floskeln ein ziemlich faszinierendes Textgebäude anzulegen. Deuten darf jeder wie er will, politischen Spielraum gibt es genug. Diese Umstände nehmen dennoch nie Überhand, so dass einem klotzige Parolen und öde Eindeutigkeiten erspart bleiben. Das sind Qualitäten, die Bratze vom Rest der Audiolith-Posse ganz gehörig abheben. Den zwei Hamburgern scheint das auch selbst irgendwie bewusst zu sein, anders kann man den Refrain des Eröffnungsstücks Die auswendigen Muster gar nicht deuten: "Das ist keine Bewegung / wir passen hier nicht rein." Das kann man so stehenlassen, viva la Verweigerung, sogar vor der eigenen Family.
Review: Michael Döringer
Erscheinungsdatum: 19. März 2010 Label: Audiolith
Website: www.bratze.eu Myspace: www.myspace.com/bratzebratze
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Sechs Jahre hat sich Jona Steinbach für sein aktuelles Album Alles negieren Zeit gelassen. Während dieser musikalischen Atempause scheint der Kölner die Kraft, die in der Ruhe liegt, für sich entdeckt zu haben. Nach einer Zeit der inneren Kämpfe und Zweifel hat Jona zu sich gefunden. Seine Definition des Begriffs Negation ist keine Ablehnung von allem sondern das Wissen um das, was man will und die damit verbundene Erkenntnis, was man nicht braucht. Reflektierte Selektion anstelle von blindem Anti-Aktionismus.
Dabei gelingt es Steinbach wunderbar, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Trotz detailverliebter Kompositionen wirken die Songs niemals überladen. Streicher, Waldhörner oder Electro-Samples werden so geschickt in das Soundgeflecht eingewoben, dass sich ein stimmiges Gesamtbild ergibt, bei dem weder die Instrumentierung und noch die Vocals das Zepter an sich reißen. Bei aller Unaufdringlichkeit und nachdenklicher Zurückhaltung lässt Jona es sich nicht nehmen, an einigen Stellen kleine Hits zu positionieren. Der Titeltrack Alles negieren ist so ein kleiner Höhepunkt, ein Song, der sich im Gehörgang festsetzt und durch nachdenkliche Einsichten besticht: "Alles liegt in Scherben nur glitzern die so schön / Und es ist so gefährlich sich daran zu gewöhnen".
Wo andere in einem Meer aus Phrasen untergehen würden, bedient sich Jona Steinbach simpler wie wahrer Trivialphilosophie. In zehn Episoden lässt der Solist den Hörer an seinen kleinen Alltagsanekdoten teil haben. Beobachtungen des Umfelds und des eigenen Ichs. Geschichten vom ewigen Warten auf eine Person, von der man nicht einmal weiß, wo sie denn überhaupt wohnt, vom abendlichen Zeitvertreib mit (Super)Mario oder von betrunkenen Liebeserklärungen neben einer Kölner Vodka-Bar.
Bei aller Nachdenklichkeit bewahrt Alles negieren einen Optimismus, der hinter und zwischen den Textzeilen lauert und just in dem Moment hervorspringt, wenn man ihn am wenigsten erwartet und am meisten braucht. Die Zeit des Wartens hat sich gelohnt. Nach sechs Jahren musikalischer Wanderschaft ist Jona Steinbach angekommen - und legt mit “Alles negieren” sein bis dato bestes Album vor.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 19. März 2010 Label: Cobretti Records
Website: www.sonnenstudio-oder-knast.de Myspace: www.myspace.com/jonamusik
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Amy Macdonald zählt zu den erfolgreichsten Sängerinnen der letzten Jahre und ist neben dem ganzen nervigen "Gagaismus" ein wahrer Ohrenschmaus. Ihr Debüt This Is The Life erreichte vierfach Platin und ist in Deutschland bis jetzt das erfolgreichste Debütalbum einer Engländerin der letzten zehn Jahre. Da sind die Erwartungen groß. Ob sie erfüllt werden?
Auf jeden Fall, denn A Curious Thing ist noch besser als das Debüt. Paul Weller sei Dank. Der von Macdonald verehrte Modfather nahm sie nicht nur mit auf Tour, sondern packte auch höchstpersönlich seine Gitarre aus, um Macdonalds Zweitwerk aufzupeppen. Doch damit nicht genug. A Curious Thing wurde sogar in Wellers Tonstudio Black Barn aufgenommen. Ähnlich wie Wellers Platte As Is Now besitzt A Curious Thing einen ähnlichen Drive, den man nur bekommen kann, wenn man die Platte live einspielt. Und so sind neben allen Gitarren, Bässen, Drums und einem neuen hämmernden Klavierspiel, das Macdonald häufiger eingebaut hat, auch die Streicher live eingespielt. Das überzeugt. Love Love auf dem Weller Gitarre spielt, ist das beste Stück der Platte, die insgesamt wesentlich druckvoller und rockiger ausgefallen ist. Kurz gesagt: Der Rock steht der hübschen Schottin besonders gut! Man merkt welche Vorbilder Macdonald hat. So findet sich mit Give It All Up neben dem welleresk souligem Rock auch ein Song, der sehr stark an das harmonische Melodiegespür von Travis erinnert. Das gefällt und entfernt sich sogar gleichzeitig auch vor jeglichem Eklektizismus, denn Macdonald hat ihre ganz eigene Note gefunden.
Es ist schön eine so wunderbare Songwriterin an der Spitze der Charts zu sehen, weil man weiß, diese Frau schreibt und spielt all ihre Stücke selbst und sie hat mit Paul Weller und Pete Wilkinson, ihrem Entdecker, der ebenfalls mit Travis zusammengearbeitet hat, die besten Vorbilder und Förderer, die man haben kann. So kann es weitergehen. Dies sind zwölf fantastische Songs, die mit jedem Hören wachsen. A Curious Thing ist ein herausragendes und einfach wunderbares Album!
Review: Marc Philipp Meyer
Erscheinungsdatum: 12. März 2010 Label: Mercury (Universal)
Website: www.amymacdonald.co.uk Myspace: www.myspace.com/amymacdonald
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Manchester ist eine Stadt, deren Mauern Legenden erzählen könnten. Vom Aufstieg und Zerfall einer der größten Industriemetropolen der Welt, von zwei international erfolgreichen Fußballvereinen, deren Stadien für viele der Mancunians das Äquivalent zur Kirche darstellen und von einer Musikszene, die wiederum selbst Legenden gebar.
Ebenso kann man Geschichten über Manchesters Mauern erzählen - wenn man sie nur gut genug kennt. Julie Campbell aka LoneLady kennt die Stadt, in der sie aufgewachsen ist, in- und auswendig. Die Geschichten, die sie zu ihrem Debüt Nerve Up inspirierten, finden sich in keinem Reiseführer und in keinem Artikel über die schönsten Städte der Welt. Es sind Anekdoten über heruntergekommene Arbeiterviertel, schmutzige Straßen, Bordelle und Bars. Eine Seite der Metropole, die düster und faszinierend zugleich ist und die sich auch in der Musik von LoneLady widerspiegelt.
Dabei macht LoneLady weder einen Hehl um ihre Heimatstadt, noch um die musikalischen Mentoren, die sie beeinflusst haben: PiL, Gang Of Four oder Joy Division. Insbesondere letztere haben im Sound von Lonelady ihre Fußspuren hinterlassen. Der Fokus liegt auf minimalistischen Instrumentierungen: Stoischen Gitarrenarrangements, monotonen Basslines oder moll-lastigen Synthesizern. Hie und da blitzt eine fast trotzig aufbegehrende Punk-Attitüde durch, die im nächsten Augenblick von desolater Verzweiflung davon gespült wird. Die Musik pendelt stetig zwischen Tristesse und Enthusiasmus, Melancholie und Euphorie, Apathie und Agilität. Bei aller Fragilität und Verletzlichkeit, die in der Stimme Julie Campbells mitschwingt, darf man eines nicht vergessen: Die Lady ist eine Kämpferin. Mit einem geringen Budget richtete sich die Sängerin in einer alten Fabrikhalle ihr eigenes Studio ein, um innerhalb von nur vier Wochen ihr Debütalbum aufzunehmen. Das Ergebnis macht deutlich, dass ein Wille Berge versetzen kann.
Nerve Up ist Ode und Kriegserklärung an Manchester zugleich. Eine Hass-Liebe als Motor, der Sound als Vehikel. Ein Wegweiser für eine neue Generation von Musik, die die übermächtigen Geister aus der Vergangenheit nicht fürchtet, sondern ehrt.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 26. Februar 2010 Label: Warp
Website: www.lonelady.co.uk Myspace: www.myspace.com/hiholonelady
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Potsdam und Berlin trennen gerade mal 35 km. Für Erik Penny liegt zwischen den beiden Orten eine halbe Weltreise. Der Wahlberliner wurde in Potsdam, New York geboren und fand seinen Weg in die Hauptstadt über El Paso, Texas und Los Angeles. Es war die Faszination des Neuen, sprachliche und kulturelle Herausforderungen, die Erik Penny vor einem Jahr nach Berlin verschlugen.
Auf seinem dritten Longplayer Bend verarbeitet der reisefreudige Solokünstler mit der leicht angerauten Stimme seine Impressionen der neuen Heimat. Es sind die Alltagsbeobachtungen, aus denen er seine Inspiration schöpft. Das streitenden Pärchen unter seinem Schlafzimmerfenster (Honey, Please) oder das Mädchen, das aus dem Fenster einer Nobelboutique hinaus in den Regen starrt (Hannover). Momentaufnahmen einer Situation oder eines Gefühls. Mal unterstützt von Schlagzeug und Percussions, mal begleitet von melancholischen Streicherarrangements (Bend).
Wer nach Innovationen sucht, wird auf Bend sicherlich nicht fündig. Erik Penny versucht gar nicht erst, das musikalische Rad neu zu erfinden. Hier gibt es keinen hochglanzpolierten Pomp und keinen pathosgeschwängerten Prunk. Stattdessen setzt man auf Altbewährtes: Vocals und Gitarre. Die klassischen Basics des Singer/Songwriter-Genre, die sich wie rote Fäden durch das homogen konzipierte Album ziehen. Was auf den ersten Blick nicht sonderlich spannend oder spektakulär erscheint, macht auf den zweiten die Stärke von Bend aus. Es ist die Vertrautheit, in der man sich aufgehoben fühlt, das Altbekannte, das Geborgenheit vermittelt. Sowohl musikalisch als auch textlich.
Bend ist kein Album, auf dem ein Highlight das nächste jagt, bis man vor lauter Klimax-Hopping Seitenstechen bekommt. Vielmehr ist es ein Moment des Durchatmens, in dem man sich entspannt zurück lehnen und die Schönheit der Stille genießen kann.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 05. März 2010 Label: R.D.S.
Myspace: www.myspace.com/erikpenny
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Hinter der Band mit dem grammatikalisch inkorrekten Namen An Horse verbergen sich Kate Cooper und Damon Cox aus Brisbane, Australien. Kennen gelernt haben sich Kate und Damon vor drei Jahren in einem Plattenladen, in dem sie gemeinsam gearbeitet haben und der schließlich zum Proberaum umfunktioniert wurde. Nach nur einem ersten Auftritt wurde ihnen prompt ein Toursupport für Tegan and Sara in den USA angeboten, die sich so begeistert von ihrer Support-Band zeigten, dass sie An Horse zu einer ihrer Lieblingsbands ernannten. Nun hat das Duo seinen ersten Longplayer eingespielt, mit dem es sich auch hierzulande Gehör verschaffen möchte.
Auf Rearrange Beds präsentieren An Horse schnörkellosen Indie-Rock auf das Wesentliche reduziert: Gesang, Gitarre und Schlagzeug. Hier werden keine aufwendigen Streicher-Arrangements oder elektronischen Samples aufgefahren, hier wird ohne viel Schnick Schnack und unnötiges schmückendes Beiwerk musiziert. Langweilig? Mitnichten! Gerade durch diese einfache Schlichtheit wissen die Songs zu bestechen und genau das macht Rearrange Beds so unwiderstehlich. Textlich verarbeitet Kate Cooper in ihren Songs das Gefühlschaos einer gescheiterten Beziehung, jedoch ohne dabei verbittert zu klingen, sondern hier geht es um ehrliche Emotionen und um direkte Aussprachen von Dingen, die einem auf der Seele liegen. Diese ehrlichen Worte kleiden sich dabei perfekt in das überwiegend energetische und druckvolle Melodiegewand ein.
An Horse ist mit Rearrange Beds ein sehr starkes Debütalbum gelungen, mit dem ihnen auf jeden Fall ein Platz ganz oben auf der Liste für den Newcomer des Jahres garantiert ist. Nicht nur Tegan and Sara haben eine neue Lieblingsband...auch die hier Schreibende ist begeistert.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 19. März 2010 Label: Grand Hotel van Cleef
Myspace: www.myspace.com/anhorse
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Vier Jahre haben sich die fünf Schweden für den Nachfolger zu Dying To Say This To You Zeit gelassen. Nachdem Crossing The Rubicon in ihrem Heimatland bereits seit letztem Sommer erhältlich ist, können nun auch die deutschen Fans den dritten The Sounds-Longplayer hierzulande offiziell käuflich erwerben.
Vom musikalischen Grundkonzept hat sich auf Crossing The Rubicon nicht viel verändert. So setzt die Band um Frontfrau Maja Ivarsson erneut auf eine tanzbare Mischung aus Gitarren- und Synthesizerklängen mit 80er-Reminiszenzen. Dennoch will das neueste Werk auch nach mehreren Hördurchgängen nicht wirklich überzeugen. Zwar legen The Sounds mit dem Opener und zugleich der ersten Singleauskopplung No One Sleeps When I'm Awake einen durchaus starken Einstieg hin, doch was recht viel versprechend beginnt, verliert sich im weiteren Verlauf des Albums größtenteils in Belanglosigkeit. Auch wenn hier und da mit Songs wie Dorchester Hotel, Lost In Love und Midnight Sun einige Highlights durchblitzen, sind diese doch eher rar vertreten und reichen nicht aus, um auf ganzer Albumlänge zu überzeugen. Dazwischen gibt es zu viele Songs, die lediglich in der Mittelmäßigkeit rumdümpeln und wie Füllmaterial wirken. Von der Energie und Euphorie der beiden starken Vorgängeralben ist hier nur noch spärlich etwas zu hören.
Was Crossing The Rubicon leider fehlt, sind Innovationen. Vielleicht hätten The Sounds bei ihrem dritten Longplayer doch nicht zu sehr auf Nummer sicher gehen, sondern etwas experimentierfreudiger sein sollen. Vielleicht wäre Crossing The Rubicon dann das Album geworden, das man sich gewünscht hätte. Genug Zeit für Experimente hatten sie ja schließlich.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 05. März 2010 Label: Snowhite
Website: www.the-sounds.com Myspace: www.myspace.com/thesounds
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Inspiriert sei der Albumtitel Fire Like This durch den David Lynch Film Fire Walk With Me. Kraft und Ambivalenz des Feuerbegriffs hätten Laura-Mary Carter und Steven Ansell zu dieser Taufe bewogen. Hiermit, und das verspreche ich hoch und heilig, ist alles Interessante und Wesentliche zu dem zweiten Blood Red Shoes Album gesagt. Denn leider hat dieses weder mit der Vielschichtigkeit, Deutungstiefe und Widersprüchlichkeit eines David Lynch Films, noch mit irgendeiner nur denkbaren Feuerallegorie (Glimmen vielleicht ausgenommen) etwas gemein.
Fire Like This ist ein Anachronismus. Eine Platte, die zehn, wenn nicht gar zwanzig Jahre zu spät kommt. Positiv formuliert: Eine Reminiszenz an eine Zeit, als die bloße Reduktion auf Gitarre und Schlagzeug noch raffiniert klang. Das Zweitlingswerk soll dementsprechend als ein Rückbesinnen auf die Wurzeln verstanden werden. Eine Ode an den Punkrock. Es wird bewusst auf Elektronisches wie Symphonisches verzichtet, zugleich aber fataler Weise auch auf jede Form von Kreativität. Übrig bleibt eine solide Melange aus traditionellem Bumm-Zack und einer, auf profanste Harmoniewechsel beschnittene Gitarre. Mitunter tanzbar, wie etwa im Opener Don't Ask, ansonsten ödes Geplänkel. Die Referenzen sind so mannigfaltig wie offensichtlich.
Fire Like This ist ein äußerst eintöniges, langweiliges und beliebiges Sammelsurium von Gewöhnlichkeiten. "Fire like this?...There is no fire at all!"
Review: Maximilian Sippenauer
Erscheinungsdatum: 26. Februar 2010 Label: V2/Cooperative Music
Website: www.bloodredshoes.co.uk Myspace: www.myspace.com/bloodredshoes
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Der Titel des neuen Stereophonics-Albums ist Trumpf. Denn leise ist es geraten und sie sollten besser so weitermachen, wie man es von den früheren Alben kennt. Schwer fällt es dem Autor diese Zeilen zu schreiben, denn er liebt die Stereophonics und besonders das, was diese Band so besonders macht. Fette Gitarrensounds und eine kräftige Stimme, die harmonische Melodien mit einer ordentlichen Portion Rock'n'Roll verbinden. Doch leider ist von all dem zu wenig auf diesem neuen Album.
Kelly Jones wollte die ganze Wand von Gitarrensounds entfernen, um dem Gesang mehr Spielraum zu geben und die Songs mehr atmen zu lassen. Doch schon beim Opener She's Alright stockt einem der Atem, weil nichts "alright" ist. Denn der ganze Song beruht auf einem einzigen Riff, das ständig wiederholt wird. Da wurde also zu viel Raum zum Atmen gelassen. Wo ist hier der Drive, für den man die Phonics so liebt und wo sind die harmonischen Kniffe? Die Single Innocent kann da schon eher überzeugen. Der Song erinnert mit seinen Harmonien an die Beatles. Für die Stereophonics ist es einer ihrer poppigsten Songs und weckt Reminiszenzen an Have A Nice Day. Allgemein ist das Album sehr ähnlich zum Just Enough Education To Perform-Album, mit dem prägnanten Unterschied, dass die Songs auf diesem Neuling leider zu schwach ausfallen. Denn zu simpel sind die Stücke komponiert und arrangiert. Der minimalistische Beat von Beerbottle ist da schon die einzige Innovation. An dieser Stelle fragt man sich, warum sie nach dem Kracher-Album Language, Sex, Violence, Other Schritte zurück gegangen sind und warum der talentierte Gitarrenspieler Kelly Jones auf seine individuellen Gitarrensounds verzichtet. So verlieren die Stücke besonders an Druck und Could You Be The One kommt sogar ganz ohne Bass aus. Ein absolutes "No-Go" im Rock. Aber dennoch: Could You Be The One zählt mit seinen schönen Harmonien zu einem der besten Songs. Der Gesang und die positive Melancholie, die so bezeichnend für die Phonics ist, lässt das Herz höher schlagen und erinnert an die guten alten Zeiten. So auch Uppercut, das Beste Stück der neuen Platte, das wieder deutlich macht, warum die Phonics immer noch zu den besten Brit-Rock-Bands gehören.
Also bitte Kelly: Dreh den Amp mal wieder auf und steig aufs Fußpedal! Leider ist dieses Album eher sparsam geraten. Doch was bleibt ist die Hoffnung, denn Kelly und seine Freunde können es wesentlich besser. Das Stück Live'n'Love beschreibt das nochmal deutlich. Letztlich bleibt es ein Phonics-Album, das mit jedem Hören wächst und sicher besser ist, als vieles Andere da draußen.
Review: Marc Philipp Meyer
Erscheinungsdatum: 26. Februar 2010 Label: Mercury (Universal)
Website: www.stereophonics.com Myspace: www.myspace.com/stereophonics
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Pünktlich zum Frühlingsbeginn machen uns Midlake Lust auf Natur. Auf The Courage Of Others greifen die fünf Texaner sowohl thematisch als auch musikalisch in einen Farbtopf voller Grün- und Brauntöne; und übermalen die noch heiter wirkende Wand, die sie mit ihrem Vorgänger The Trials Of Van Occupanther hinterlassen haben. Die deutliche Referenz zu Neil Young, welche auf dem 2006er Album noch zu hören war, dient nunmehr nur noch als musikalischer Grundton auf dem naturalistischen Gemälde, welches Tim Smith und Kollegen gezeichnet haben.
Gesanglicher Minimalismus, barocke Mystik und die existenzialistischer Demut eines mittelalterlichen Mönches. Der Bezug zur asketischen Lebensauffassung ist beim neuen Credo von Midlake nicht weit hergeholt, beziehen sie sich mit ihrem Albumcover von The Courage Of Others auf Andrej Tarkovsky#s Filmklassiker Andrei Rublev, einen mittelalterlichen Ikonenzeichner und Mönch. Und das Quintett drängt uns weitere Referenzen auf. Neben Young und Tarkovsky reiht sich auch Johann Wolfgang von Goethe mit einem Zitat im Song Core Of Nature in die Inspirationskiste mit ein.
Den behaglichen Indiepop haben Midlake genauso verbannt wie Tim Smith die höheren Tonlagen seiner Stimme. Vielmehr zieht er seinen Kopf unter die Mönchskapuzze und betet. Zwei Jahre Exerzitien waren nötig bis Midlake die sentimentale Rückbesinnung auf das wirklich "Wichtige" gewagt haben. Mit The Courage Of Others haben sie einen Weg eingeschlagen, der Tim Smith auch textlich beschäftig hat. I Only Want To Be Left To My Own Ways oder With One More Year For A Man To Change His Ways macht Smith klar, dass es Zeit und Mut gebraucht hat, den neuen Weg zu gehen.
In einer Welt, die immer schneller nach vorne in Richtung Zukunft eilt, nehmen Midlake das Tempo komplett heraus. The Courage Of Others ist ein klangliches Biotop, dass sich mit dem popkulturellem Terminus "Retro" nicht bändigen lässt und auf dem sich Waldhexen, Feuerschamane und die Pioniere Gitarrenfolk der 60er die Hand reichen. Midlake haben eine großartige Zeitmaschine geschaffen, die in ihrer sakralen Verschlossenheit zahllose atemberaubende Momente für jeden Hörer bereithält.
Review: Matthias Hacker
Erscheinungsdatum: 29. Januar 2010 Label: Bella Union/Cooperative Music
Website: www.midlake.net Myspace: www.myspace.com/midlake
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Nachdem Frau Holle in diesem Jahr anscheinend eine Bettenschüttelneurose entwickelt hat, ist "Winter" wohl ein (Un)Wort, das die meisten Menschen am liebsten zusammen mit den dicken Wollsocken in der untersten Schublade des Kleiderschranks verstauen würden. Nicht so Nils Frahm. Der junge Komponist nutzt die kalte Jahreszeit als Inspirationsquelle für sein Solo Piano-Debüt Wintermusik.
In seinen drei Stücken verleiht der Wahlberliner, der bereits auf Kollaborationen mit Künstlern wie Peter Broderick und Dustin O'Halloran zurückblicken kann, Väterchen Frost ein völlig neues Gesicht. Ambre hüllt sich in melancholische Pianoklänge, die an Pfützen auf dem Asphalt und Regentropfen vorm Fenster erinnern. Demgegenüber steht das verspielte Nue, in dem neben dem Klavier auch Harmonika und Percussions zum Einsatz kommen. Abgerundet wird die winterliche Musiklandschaft durch Tristana, das mit seinen siebzehn Minuten beinah alles zuvor gehörte verschlingt. Die Instrumentierung wird um eine Celesta erweitert, die Stimmung des Stückes schwankt zwischen der Leichtigkeit tanzender Schneeflocken und der leisen Schwermut eines ausklingenden Jahres.
Ursprünglich war Wintermusik als Geschenk für Verwandte und Freunde angedacht. Eine hübsche Idee, ein talentierter Komponist - und dennoch: Bei aller Schönheit und Fragilität vermisst man bei Wintermusik doch ein wenig die Abwechslung. Nach einer halben Stunde hat man die feinen Nuancen zwischen den Songs beinah vergessen. Vielleicht hätten ein oder zwei Stücke mehr hier für Abhilfe gesorgt. Vielleicht ist der Winter aber nun mal auch eine leicht monotone Jahreszeit, deren Stimmung Nils Frahm perfekt einzufangen wusste. In jedem Fall verleitet Wintermusik den Hörer dazu, sich eine halbe Stunde lang in seinen eigenen Gedanken zu verlieren. Aus dem Fenster heraus zu beobachten, wie Frau Holle weiterhin wie im Akkord Daunen aufschüttelt - und dabei auf den Frühling zu warten.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 12. Februar 2010 Label: Erased Tapes
Website: www.nilsfrahm.de Myspace: www.myspace.com/nilsfrahm
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Wir erinnern uns alle noch an jene "Glory Days" des Brit-Pop irgendwann Mitte der 90er, als Oasis die neuen Retter des Rock 'n' Roll waren und mit ihren Kontrahenten Blur im Streit um den Platz als "Beste Band des UK" lagen. Jene Tage, als Bands wie The Bluetones, Pulp, Supergrass oder Elastica uns den Soundtrack unserer Jugend bescherten. Zu dieser Zeit machte auch eine Band aus Birmingham namens Ocean Colour Scene von sich Reden, die damals mit Moseley Shoals eines der besten Brit-Pop-Alben abgeliefert hat.
Heute, anderthalb Jahrzehnte später, ist Ocean Colour Scene eine der letzten Bands aus der 90er-Brit-Pop-Ära, die immer noch da ist und hartnäckig an den guten alten Zeiten festhält. Auch nach 20 Jahren ihres Bestehens haben die Mittvierziger ihren Ehrgeiz und ihre Leidenschaft nicht verloren und präsentieren mit Saturday ihr mittlerweile neuntes Studioalbum.
Auch auf ihrem neuesten Werk setzen Ocean Colour Scene weiterhin auf Altbewährtes und bleiben wie immer ihrem gewohnten Stil treu. Man hat bei Ocean Colour Scene immer ein wenig das Gefühl, als wäre die Zeit stehen geblieben, als würden wir immer noch das Jahr 1996 schreiben. Einige mögen dies als langweilig bezeichnen, andere schätzen aber eben genau das an dieser Band. So ist Saturday wieder ein typisches Ocean Colour Scene-Album mit schönen Melodien und eingängigen Refrains. Alles was das Brit-Pop-Herz begehrt und spätestens bei Just A Little Bit Of Love ist der Hörer wieder mittendrin in den 90ern. Zwar birgt das Album keinerlei Hits in sich - aber ich glaube diesen Anspruch ein Hitalbum zu schreiben, haben Ocean Colour Scene auch gar nicht mehr - dennoch gibt es durchaus einige Highlights wie der Titeltrack Saturday, Magic Carpet Days, Rockfield oder das bereits erwähnte Just A Little Bit Of Love.
Sicherlich ist Saturday kein herausragendes Album, aber dennoch ein Album, mit dem sie alle diejenigen alten Fans wieder begeistern werden, die in den 90ern mit ihnen aufgewachsen sind. Allen anderen wird dieses Album wahrscheinlich völlig egal sein.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 05. Februar 2010 Label: Cooking Vinyl
Website: www.oceancolourscene.com Myspace: www.myspace.com/ocsmusic
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Dyad 1909 ist ein modernes Ballet Wayne McGregors, das durch Shackletons Expedition zum Südpol inspiriert wurde und im Oktober 2009 in London Premiere feierte. Ólafur Arnalds übernahm die Aufgabe der musikalischen Umsetzung und schuf somit die Grundlage für die Tänzer.
Nicht alles, was Ólafur Arnalds auf dem Soundtrack zu Dyad 1909 präsentiert, ist neu. Við vorum smá..., Lokaðu augunum und 3326 seiner Studioalben Variations Of Static und Eulogy For Evolution interpretierte der Isländer auf Wunsch McGregors neu. Resultat ist eine EP, die den 23jährigen von einer überraschend dunklen Seite zeigt.
Arnalds lässt sich Zeit für den Aufbau einer Atmosphäre, die den Hörer durch ein Wechselbad der Gefühle schickt. Die Südpol-Expedition beginnt ruhig. Fast verträumt öffnet Frá upphafi die Tür zu sanften Piano- und Geigenarrangements, die den Hörer bei Lokaðu augunum umschmeicheln. Man fühlt sich sicher, geborgen. Der Schein trügt jedoch. Mit Brotsjór ändert sich die Grundstimmung schlagartig. Völlig unerwartet zerbrechen Drumcomputerschläge und Störgeräusche das Idyll. Anspannung macht sich breit. Ein Unbehagen, als stünde man im Dunkeln und wisse genau, dass dort draußen irgendetwas lauert. Nicht zwangsläufig personifiziert. Vielmehr könnte es sich auch um ein vergessenes Gefühl handeln oder um eine verdrängte Erinnerung. In dieser verliert sich Dyad 1909 auch im weiteren Verlauf, wenn Arnalds mit dem pianobasierten Við vorum smá... deutlich melancholischere Töne anschlägt. Das Pedant dazu liefert das verworrene Geflecht aus Geigen, das sich bei 3326 zu Verzweiflung und Schmerz aufzutürmen scheint, um mit Til enda wieder in Störgeräusche und Desolation zu verfallen. Mit ...og lengra endet die Expedition beinah versöhnlich. In nachdenklicher Wehmut.
Dyad 1909 ist eine Reise in obskure Klangwelten, die den Hörer packt und nicht loslässt. Eine Gratwanderung zwischen Unbehagen und Faszination. Die gekonnte Vertonung ambivalenter Emotionen. Einmal mehr beweist Ólafur Arnalds, dass er zu den Großmeistern instrumentalisierter Gefühle gehört.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 05. Februar 2010 Label: Erased Tapes
Myspace: www.myspace.com/olafurarnalds
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Welche Band wurde für ihre Videos derart geliebt, gelobt, gehyped, dass ihre Musik in die nebensächliche Belanglosigkeit abdriftete. Klar, sie hatten es schon nicht leicht die Laufband-Akrobaten von OK Go. Doch die Spaßband der Nullerjahre ist Anfang der 10er nicht mehr wieder zu erkennen. OK Go witzeln und kokettieren nicht mehr mit ihren Hitparolen, welche die verlockende Möglichkeit aufboten als Schlachtrufe in Videogames und Teenyserien verkannt zu werden. OK Go wollten ihren Indie-Chamäleon-Panzer abstreifen und sich mehr durch diffizilere Musikalität im popkulturellen Diskurs positionieren. Dort beherbergt sie zwar schon der YouTube-Olymp, doch für die besseren Gemächer der Musikblogs hat es nicht gereicht. Und die erhaschten Lowbudget-Sympathien und Guitar Hero-Anhänger, welchen sie sich zu ergeben hatten, reichten ihnen nicht mehr aus.
Mit ihrem dritten Album Of The Blue Colour Of The Sky heben die vier Chicagoer Jungs wahrlich in buntere Sphären ab. Sie spielen sich an und in den verschiedensten Genres, vom Prince-Funk über Janes Addiction-Kracher zu Folkschnulzen und 80er beatigen Vokodernhymnen, deren Renaissance leider mit Air schon endete. Doch der dabei entstandenen "sound salad bowl" ist die Ernsthaftigkeit, in der OK Go ihre Songs nun wissen wollen, dermaßen anzuhören, dass nahezu jeder der dreizehn Songs in seiner steifen Verbissenheit zu Grunde geht.
Mit der gefährlichen Prämisse ein Prince-eskes Album zu schaffen, scheitern Damien, Tim, Dan und Nick eben an dessen perfekter Harmonie zwischen oversexeder Popattitüde und musikalischer Finesse. Und doch. OK Go, die in Vergangenheit durch verschiedenste - teils mehr teils weniger - gewitzte Marketingaktionen im Gespräch blieben, liefern trotzdem nach vier Jahren ein gutes Album ab. Denn sie zitieren einige Bands und Genres der jüngeren Musikgeschichte und scheitern daran – tun das aber gut. Denn wie singen sie schön selbsteinssichtig auf einer der Perlen des Albums: "All is not lost at all".
Stand ihr Bandname früher noch für die musikalische Leichtfüßigkeit und ihre künstlerische Spontaneität, ist OK Go heute vielmehr ein Versprechen auf lange Sicht – vielmehr ein Credo eben weiter zu gehen.
OK, dann auf geht's...
Review: Matthias Hacker
Erscheinungsdatum: 19. Februar 2010 Label: EMI
Website: www.okgo.net Myspace: www.myspace.com/okgo
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Die Fehlfarben aus Düsseldorf als legendär zu bezeichnen ist sicher nicht übertrieben. Gegründet 1979 waren sie eine der wichtigsten Bands der ersten (und wahren) NDW. Ihr erstes Album Monarchie und Alltag (1980) gilt als Meilenstein und ist definitiv eine der besten und einflussreichsten deutschsprachigen Platten aller Zeiten. Ihren von Funk und Ska beeinflussten Post-Punk-Sound haben sie über die Jahre und auf vielen weiteren Alben weitgehend beibehalten, konstant (gut) könnte man ihn nennen. Die Klasse von Monarchie und Alltag wurde allerdings nie wieder erreicht. Glücksmaschinen ist der nächste Versuch. It was acceptable in the 80s?!
Zum bombastischen Gelingen von Monarchie und Alltag hat der politisch hochaufgeladene Zeitgeist der frühen Achtziger nicht gerade wenig beigetragen. Der aggressive Sound und Peter Heins Textmanifeste waren der Soundtrack einer ganzen Bewegung. Von den weiteren Fehlfarben-Alben bis heute - und damit sind wir bei der aktuellen Platte - fehlte diese "Bewegung" allerdings irgendwie, das Setting war ein anderes. Die Guten (wir) und die Bösen (die anderen) sind heute sicherlich nicht mehr die gleichen wie noch 1980. Es gäbe viel zu debattieren und zu kritisieren, nicht wenige tun dies auch. Aber lassen wir das alles einfach mal beiseite und geben uns den alten Helden hin. Mit ein bisschen Optimismus und Beigeisterung lässt sich dann durchaus sagen: Das klingt doch fast so gut wie damals!
Der äußerst 80er-reminiszente Sound wirkt dabei so frisch und kein Stück retro, dass sich so manche New New Wave Band ein gehöriges Stückchen abschneiden könnte. Mehr muss man da gar nicht sagen, völlig legitim. Höhepunkte sind Neues Leben und Im Sommer, wobei kein Track wirklich negativ aus der Reihe fällt. Auch textlich zeigt Peter Hein wieder mal seine große Klasse. Wenn natürlich auch nicht mehr so schnittig und...ok, Schluss mit den Vergleichen. Politdisko, die niemand kopieren kann. So leidenschaftlich und mitreißend hat sich in letzter Zeit niemand mit aktuellen Politika wie Bankenkrise (Aufgeraucht), Social Networks (Vielleicht Leute 5) und anderem Blödsinn (Respekt?) auseinandergesetzt. Ja, das alles kommt von 50-jährigen. Die übliche Kritik von jüngeren, jedoch spießigeren Typen kann man anderswo nachlesen. Rock-Opis hört man auf dieser Platte nicht, die sieht man nur auf den Fotos. Glücksmaschinen könnte auch von jüngeren Semestern kommen, schade eigentlich, dass dem nicht so ist. Die Fehlfarben sind immer noch da, besser denn je. "Oh wie erhebend, dass wir das noch erleben."
Review: Michael Döringer
Erscheinungsdatum: 12. Februar 2010 Label: Tapete Records
Website: www.fehlfarben.com Myspace: www.myspace.com/fehlfarben
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"You really got me!" Ja, denn ähnlich wie bei den Anfängen der Kinks ist auch diese Platte ist echt gut und sie strotzt vor authentischem Rock'n'Roll. Und das ganz ohne Bass. Also wieder so ein Rock-Duo mit Drums und singendem Gitarreo? Ja, aber diesmal ist es wieder eine Gute. Doch warum genau und was haben The Black Box Revelation mit den Kinks zu tun?
Erst einmal ist es die Tatsache, dass die zwei Belgier ihre zweite Platte in dem von Ray Davies eröffneten Londoner Konk Studio aufgenommen haben. Und sicher ist es auch die Energie dieser beiden Musiker und die Gitarren, die an die alten Kinks erinnern, als diese sich noch Stecknadeln in die Amps gesteckt haben, um einen raueren Sound zu bekommen. Bei Sänger und Gitarristen Jan Paternosten sind es zwar keine Stecknadeln mehr, aber eine Fülle von Effekten, die seinem Gitarrenspiel einen ähnlich klirrenden Sound verleihen. Sein Gitarrenspiel ist schon bewundernswert, wenn man ihn live und auf Platte spielen hört. Where Has All This Mess Begun verblüfft mit catchigen Hooks und einer Gitarre, die gleichzeitig Solo und Rhythmus spielt. Das ist schon faszinierend, denn Jan bedient sich keiner Overdubs. Sein Spiel ist auf dem Blues aufgebaut und erinnert an einen Mix aus Muddy Waters, Jimmy Page, Keith Richards und Dave Davies. Gewagte Assoziation? Hört es Euch an. Die Stimme erinnert auch noch stellenweise an Liam Gallagher. Also mal gleich die Platte kaufen? Warum nicht! Sicher ist das alles schon mal gewesen und sicher klingen auch viele Duos gleich, da die Möglichkeiten zu Zweit zu musizieren eingeschränkt sind, aber was hier überzeugt ist die Energie! Songs wie High On Wire und Run Wild entfachen ein echtes Rock'n'Roll Feuer. Und das zu zweit zum Brennen zu bringen, ist schon eine Kunst!
Dazu kommt, dass dieses Duo noch Platz für schöne Melodien hat. So ist Sleep While Moving ein echter Ohrwurm, der sich neben dem ganzen rotzigen Rock'n'Roll gut macht! Doch was bleibt ist der letzte überzeugende Eindruck von Here Comes The Kick, einem neunminütigem epischen Finale, das wieder deutlich macht: "You really got me".
Review: Marc Philipp Meyer
Erscheinungsdatum: 05. Februar 2010 Label: T For Tunes (PIAS)
Website: www.blackboxrevelation.com Myspace: www.myspace.com/theblackrevelation
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Als Los Campesinos! 2008 ihr Debütalbum Hold On Now, Youngster... veröffentlichten, wurden sie mit musikalischen Lorbeeren nur so überhäuft. Die Kritiker lobten den frischen und experimentellen Sound der Band, die den Einsatz von Bläsern und Glockenspiel für sich zur Kunst erhoben hatte. Noch im selben Jahr veröffentlichten die sieben walisischen "Bauern" den Nachfolger We Are Beautiful, We Are Doomed. Für ihr drittes Album Romance Is Boring haben sich Los Campesinos! mit zweijähriger Entwicklungsphase etwas mehr Zeit gelassen.
Ihre Experimentierfreude und Energetik hat das Septett auch auf ihrem aktuellen Longplayer nicht verloren. Im Gegenteil. Es wird geschraubt, geschraddelt und gefrickelt, dass dem Hörer spätestens zur Halbzeit des Albums der Schädel brummt. Der Grat zwischen Kreativität und Chaos war selten schmaler als hier. Es kommt, wie es kommen muss: An einigen Stellen treten Los Campesinos! gehörig daneben. Man fragt sich, ob die Band inmitten ihres enthusiastischen Spieltriebs überhaupt noch den Wald vor lauter Bäumen erkennt. Zumindest der Hörer geht streckenweise im Instrumentendickicht verloren. Höhepunkt dieser musikalischen Irrfahrt ist Plan A, das jeglicher Melodik und Harmonie entbehrt. Glücklicherweise finden Los Campesinos! eben diese in Songs wie We've Got Your Back (Documented Minor Emotional Breakdown #2) oder A Heat Rash In The Shape Of The Show Me State Or Letters From Me To Charlotte wieder. Und auch melancholisch streicherumwobene Tracks wie Who Fell Asleep In oder The Sea Is A Good Place To Think Of The Future funktionieren ausgesprochen gut. Dies sind kleine Perlen des Albums. Wegweisende Laternchen im düsteren Unterholz einer Platte, die sich laut Band textlich mit "Tod und Zerfall des menschlichen Körpers, Sex, verlorene Liebe, Nervenzusammenbruch und Fußball" auseinandersetzt.
Wenn Coda: A Burn Scar In The Shape Of The Sooner State als letzter Song mit einem allumfassenden Synthie-Rauschen ausklingt, beschleicht den leicht desorientierten Hörer die Frage, wie viele unterschiedliche musikalische Reize das menschliche Hirn aufnehmen kann, bevor die grauen Zellen schwarz werden. Los Campesinos! muten den Synapsen mit Romance Is Boring doch einiges zu. Um die gesamte Bandbreite des Albums aufnehmen zu können, seien an dieser Stelle dringlichst weitere Hördurchläufe empfohlen! Dann nämlich beginnt Romance Is Boring trotz aller Brüche und Unstimmigkeiten Spaß zu machen.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 29. Januar 2010 Label: Cooperative Music
Website: www.loscampesinos.com Myspace: www.myspace.com/loscampesinos
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Mit seiner neuesten Veröffentlichung Heartland legt Owen Pallett zu Gunsten seines eigenen Namens das Alterego Final Fantasy ad acta. Ganz entsprechend der Wende hin zu persönlicheren Texten und dem allgemeinen Gefühl, dass der kanadische Ausnahme-Violinist und Songwriter mit Heartland endlich sein Projekt, sein geistiges Kind gefunden hat, das all seine künstlerischen Leistungen der Vergangenheit um Welten überflügelt. Und was für eine Leistung Heartland ist: Die eigenen Ansprüche Palletts scheinen von Album zu Album zu steigen. Glänzten seine beiden Final-Fantasy-Platten zwar schon durch ausgefeilte Folk-Pop-Songs mit einem Hang zu elektronischen Strukturen und klassischen Kompositionstechniken, liegt mit Heartland nun ein klassisch-orchestriertes Konzeptalbum eines Electro-Tüftlers vor, der hiermit alles vorangegangene wie ambitionierte Fingerübungen erscheinen lässt.
Pallett ist es gelungen durch Melodien zwischen Empathie und Dramatik eine völlig neue Welt zu erschaffen und (paradoxerweise) ermöglicht eben jene opulente, aber in keinem Fall schwülstige Welt seinen Sounds überhaupt erst, warme und zugleich doch auch ungemütliche Gefühle zu transportieren. Wie von Pallett gewohnt, schichten sich die einzelnen Klänge seiner Violine übereinander, die echten Instrumente der tschechischen Philharmoniker brummen wie alte Analog-Synthies. Die Luft knistert, die Spannung steigt, ohne sich jemals wirklich zu lösen. Disharmonien verwandeln sich immer wieder in Wohlklang. Wir durchleben Höhen und Tiefen, die von innerer Zerrissenheit zeugen. Und über allem liegt diese unterschwellige Unruhe, aus der uns nur Palletts einschmeichelnde Stimme holen kann.
Textlich machen es uns die Themen Palletts etwas einfacher. Es geht um die großen Themen der Menschheit: Begierde, Liebe und Selbstfindung. Es gibt Momente der innigen Erkenntnis, tiefe Krisen des Glaubens, den völlige Verlust der Hoffnung und den Glauben an große Mächte, die das Leben lenken. Pallett zerstört sich mit jeder Note ein wenig selbst, um sich neu zu erfinden, und taucht diese Seelenreise in eine herrliche Soundkulisse. Heartland wird nicht umsonst als Zyklus bezeichnet, denn das verbindende Glied der zwölf Songs ist nicht nur das harmonische Klangbild, sondern auch die Geschichte dahinter, deren kleine, versteckte Anspielungen eigens ein Buch füllen könnten. Aus der Perspektive des jungen Farmers Lewis durchstreifen wir das fiktive Land Spectrum, erleben in einem filmreifen Spannungsbogen wie er sich seinem Schöpfer Owen(!) bewusst wird, darauf seine Frau tötet und die Kinder verlässt, um sich auf eine Reise durch eine imaginäre Welt zu begeben, um seinem Schöpfer gegenüber zu treten.
Das klingt alles nach schwerer Kost. Auf Heartland entwickelt Pallett klassische Vorbilder geistvoll weiter und geht dabei überhaupt nicht verkopft, sondern sehr klangsinnlich zu Werke. Pallett bietet großes Theater der aufwallenden Gefühle. Auf der einen Seite zuckersüß-gekünstelt, auf der anderen mit scharfen Kanten. Man kann Heartland hassen oder lieben (lernen), doch gleichgültig lassen wird es niemanden. Wer in Palletts Welt eintaucht, könnte von Heartland ebenso zerrissen werden wie Lewis - und so am Ende doch zu sich selbst finden. Palletts Drittwerk mag sich dem üblichen Popgenuss verschließen, doch es ist großes Kino für die Sinne. Ein Songzyklus, bei dem Pallett stolz sein kann, seinen eigenen Namen auf dem Cover zu lesen.
Review: Katrin Reichwein
Erscheinungsdatum: 22. Januar 2010 Label: Domino Records
Website: www.owenpalletteternal.com Myspace: www.myspace.com/owenpallettmusic
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Damit wäre die sogenannte Berlin Trilogie komplett. Nach Pure Vernunft... und Kapitulation folgt jetzt der dritte Teil der mit Moses Schneider in Berlin aufgenommenen Reihe. Dass es sich bei dieser Folge lediglich um eine Entwicklung handelt, die erst bei ihrem Abschluss offensichtlich geworden ist und letztendlich nur ein Spaß in Anlehnung an David Bowie ist, scheint dabei ganz gut ins Konzept zu passen, wie die Band selbst verlauten lässt. Schließlich handelt es sich bei Schall & Wahn tatsächlich um ein Album, das sich bei den Vorgängern einreiht, aber dennoch eigenständiger kaum sein kann, so wie man es von einer Band wie Tocotronic gewohnt ist.
Klang und Stimmung des Albums passen durchaus zu den beiden zuerst genannten Alben, aber trotzdem schlagen Tocotronic allen Erwartungen zum Trotz und unterstützt durch orchestrale Instrumente inhaltlich erneut in eine neue Kerbe, was jedoch so in der Form auch schon wieder aus einer gewissen Erwartungshaltung heraus vorherzusehen war. Auch wenn es sich um eine Trilogie handeln mag, wiederholen sie sich in keinster Weise. So bieten sie auf Schall & Wahn den Kritikern, die sie jedes Mal lobend als ernstgenommenste Band Deutschlands darstellen und gleichzeitig kritisch zu interpretieren versuchen, wie immer jede Menge Diskussionsstoff. Es läuft ab wie immer: Das Album erscheint, die Kritiker aller großen Zeitungen versuchen die Band und ihre Texte zu deuten und dann kommen Tocotronic daher und negieren alles.
Daher bleibt festzuhalten, wie sich Tocotronic selbst zu ihrem neuen Werk äußern, bzw. was der Pressetext tatsächlich hergibt: "In zwölf hell und finster leuchtenden Liedern entwerfen Tocotronic eine wahrhaft infernalische Welt, die von Liebe und Verbrechen beherrscht wird, vom Guten wie dem Bösen. Sie erzählen von der Ambivalenz des Schmerzes und von wohlbekannten Lastern wie Neid, Feigheit und Gier." Was Tocotronic dabei auszeichnet, ist wieder einmal ihre ganz eigene Wortwahl und die damit verbundene Umsetzung dieser angesprochenen Themen, die keineswegs platt, sondern auf eine für Tocotronic typische Art und Weise lyrisch – mitunter sogar recht humorvoll – dargeboten werden. Bei weiterer Lektüre des Pressetextes erfährt man, wie der Albumtitel bereits vermuten lässt, dass es sich vor allem um "ein Album über Musik" handelt. "Über die Kraft des Schalls...zu erklingen, sich auszubreiten und uns fort zu tragen, dem Flug der Töne zu folgen, wohin auch immer."
Letzten Endes kam man nur empfehlen, sich darauf einzulassen und zu versuchen dem Flug der Töne zu folgen, andernfalls wird man wohl nie erfahren, wohin er einen führen wird. – Wo er Tocotronic hinführt hat sich jedenfalls schon gezeigt, als sie von Null auf Eins in die Album-Charts gestiegen sind. So kann es weitergehen.
Review: Axel Schinkel
Erscheinungsdatum: 22. Januar 2010 Label: Rock-O-Tronic/Vertigo (Universal)
Werbsite: www.tocotronic.de Myspace: www.myspace.com/tocotronic
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Mit ihrem Debütalbum Beat Pyramid, das sich Genrezuschreibungen im allgemeinen und der Neo-Post-Punk Schublade im besonderen mehr als nur entgegenstellte, haben These New Puritans schon 2008 eine beachtliche Ansage gemacht. Unbeirrt führen sie mit Hidden ihre Mission nun fort, einem waschechten Bastard. Gitarren sind von gestern!
In erster Linie dreht sich hier alles um Beats, Beats und nochmal Beats. Von Rock keine Spur, dafür ein düsterer Mix aus Dancehall, Dubstep, HipHop und wilder Schlagzeug-Action. Das ganze wird umhüllt und durchdrungen von einer gewaltigen Menge an Holz-, Blechblas- und Streicherarrangements und Chorgesängen, die in den einzelnen Tracks auftauchen und an anderer Stelle wieder gesamplet werden. Schon der Opener Time Xone und ein paar Interludes lassen einen mehr an ein Orchester der Romantik als an eine englische Rockband denken. Da gibt es keine Strophen und Refrains, höchstens sich monoton wiederholende Phrasen, keine Riffs und keine wiederkehrenden Melodien. Hinzu kommt noch der eigenwillige (Sprech-)Gesang von Mastermind Jack Barnett, und damit dürfte klar sein: Vom Format "Popsong" und einem Album voller Hits wollen These New Puritans nichts wissen.
Stattdessen werden nach Beat Pyramid ein weiteres Mal die Belastbarkeitsgrenzen des Zuhörers ausgelotet. Natürlich ist diese Platte von unhörbarem, avantgardistischem Industrial-Geräusch-Krach weit entfernt, jedoch verlangt Hidden ein vergleichbar erhöhtes Maß an Aufmerksamkeit, sonst rollt diese ambitionierte und ausgeklügelte Musik wie eine Panzerkolonne an einem vorbei. Aufspringen, roll with it! Musikhören muss manchmal auch etwas anstrengend sein, sonst würde einem zuviel große Kunst komplett entgehen. Ebenfalls bewundernswert, wie diese junge Band auf Trends pfeift und ihre eigenen Bahnen zieht. Man darf gespannt sein, wohin das noch führen kann.
Review: Michael Döringer
Erscheinungsdatum: 15. Januar 2010 Label: Domino Records
Website: www.thesenewpuritans.com Myspace: www.myspace.com/thesenewpuritans
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Als Delphic im letzten Jahr Bloc Party supporteten, sorgte das aus Quartett aus Manchester für große Augen und offene Ohren. EP Counterpoint machte den neu gewonnnen Fans den Mund wässrig. Nun erscheint mit Acolyte endlich der lang ersehnte Longplayer der Band.
Das Rezept von Acolyte ist raffiniert einfach: Man nehme wavige Synthesziser, würzt diese mit zackigen Beats und heraus kommt ein schmackhaftes Süppchen tanzbarer Popsongs. Weder die Idee, noch die Töne dahinter sind wirklich. Schnell erinnert der Sound an eine Melange aus New Order, den Pet Shop Boys und einer Prise Bloc Party. Dies ist in kleinster Weise verwerflich. Niemand erfindet das Rad neu und warum sollte man ein Konzept verändern, das schon seit Jahren für eine begeisterte Hörerschaft sorgt? Viel enttäuschender ist der Fakt, dass es Delphic nicht ganz gelingen will, jene Energetik, die sie auf der Bühne versprühen, auch auf Polycarbonat zu bannen bzw. die Aufmerksamkeit des Hörers über 10 Stücke hinweg zu halten.
So rasant die EP Counterpoint voraus preschte, so schnell geht Acolyte die Puste aus. Schuld daran ist nicht die mangelnde Geschwindigkeit. Delphic jagen ihre Songs mit 200 Umdrehungen durch die Lautsprecherboxen, stets auf der Suche nach dem perfekten Popsong wie es scheint. Es piept und surrt, es brennt die Luft. Mit Tracks wie This Momentary oder Halycon setzt das Quartett auch durchaus Akzente, die für ein angenehmes Nachtfieber-Feeling sorgen. Was Acolyte jedoch fehlt, ist das Gespür für Variation und Flexibilität. Die Tracks wirken wie in ein zu enges Korsett verkopfter Perfektion geschnürt, das dem Album mehr Starre als Rückhalt verleiht. Vom anfänglichen Funkenflug bleibt nach einer knappen Stunde mehr Rauch als Schall zurück.
Den perfekten Popsong finden weder Delphic noch der Hörer auf Acolyte. Vielmehr sind es Skizzierungen und Anrisse dessen, was irgendwo unter der Oberfläche aus wummernden Beats und flirrenden Synthies brodelt. Leider tauchen Delphic nicht tief genug ab, um eben diese Schätze zu bergen. Was unterm Strich auf dem Plattenteller übrig bleibt, ist ein Album, das weder Fisch noch Fleisch ist. Es wird eben doch nichts so heiß gegessen, wie's gekocht wird.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 29. Januar 2010 Label: Cooperative Music
Website: www.delphic.cc Myspace: www.myspace.com/delphic
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Darf's auch ein bisschen mehr sein? Bei Tommy Finke ist "ein bisschen mehr" nicht weniger, als das Zweifache. Sein neues Album Poet der Affen / Poet Of The Apes erscheint als musikalisch doppeltes Lottchen in einer deutschen und einer englischen Ausgabe.
Die Grundidee, als deutschsprachiger Künstler einen Longplayer in einer englischen Version zu veröffentlichen, ist gewiss spannend - wenn auch nicht unbedingt neu. Tommy Finke hat den Versuch gewagt und einen Schritt weiter geführt. Novum ist die zeitgleiche Veröffentlichung beider Platten in Form eines Doppelalbums. Von der Idee an sich mag man halten, was man will. Was für die meisten eine Form der Vermarktung darstellt, hat für den Bochumer schlichtweg den praktikablen Hintergrund, nichtdeutschsprachigen Fans eine verständliche Alternative seiner Texte anzubieten. Das Experiment ist geglückt. Die Songs von Tommy Finke finden auch in Englisch mühelos ihren Weg in den Gehörgang. Keine brüchigen oder gar peinlichen Formulierungen, keine hackeligen Übersetzungen. Vielmehr entwickeln die Tracks trotz kongruenter Instrumentalspuren ihren eigenen Charme und ihre eigene Identität.
Textlich zeigt sich Tommy Finke nach wie vor als reflektierter Jungerwachsener, der seine Welt mal nachdenklich melancholisch, mal ironisch augenzwinkernd beobachtet. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse teilt er mit seinen Hörern. Im kleinen gemütlichen Rahmen eines liebevoll aufbereiteten Digipaks. Besonders gelungen sind dabei Songs wie Die Tiere suchen, Es kommt kein Schiff oder Die Arroganz der Gosse. Der Sound ist reduzierter, vieles dreht sich um das simple wie schöne Zusammenspiel aus Gitarre und Gesang. Unüberhörbar sind dabei die Einflüsse von Oasis, derer sich Tommy Finke bedient. Warum auch nicht? Das Talent borgt, das Genie stiehlt und sowieso und überhaupt hat der Bochumer nie einen Hehl aus seiner Vorliebe für die Parade-Mancunians gemacht.
Laut Finke selbst sollte "die Platte den Charme des Unperfekten haben". Oasis zogen vor einiger Zeit den Umkehrschluss: "True perfection has to be imperfect." Alles richtig gemacht, Herr Finke!
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 29. Januar 2010 Label: Roof Music
Website: www.tommy-finke.de Myspace: www.myspace.com/tommyfinke
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Gerade mal sechs Monate ist es her, dass die Eels Hombre Lobo veröffentlicht haben und nun blicken uns die traurigen Augen einer in dunklen Blau-, Schwarz- und Grautönen gezeichneten älteren männlichen Person vom Cover des neuen Eels-Albums entgegen. Diese ohnehin schon besonders kurz wirkenden sechs Monate zwischen den Alben werden noch kürzer, wenn man bedenkt, dass das Album vor Hombre Lobo auf das Jahr 2005 zurückgeht. – Von den Veröffentlichungen der beiden Live-Alben, der beiden B-Seiten- und Raritäten-Sammlungen und des Best-Of-Albums mal abgesehen. – Nun ein halbes Jahr später scheint Mark Oliver Everett aka E also wieder genug Output zu haben und macht – nachdem er zwischenzeitlich ein Buch geschrieben und einen Dokumentarfilm über seinen Vater gedreht hat – wieder mit vollem Tatendrang das, was er als seinen Job bezeichnet.
Sein neues Werk nennt sich schlicht und einfach End Times. Und der Name ist Programm. Wo Hombre Lobo uns Geschichten aus der Sicht einer fiktiven Person erzählte, werden bei End Times Geschichten aus dem wahren Leben zum Ausdruck gebracht und dass Everett erst kürzlich eine Scheidung hinter sich hat, trägt unabwendbar einen großen Teil dazu bei. So handeln ausnahmslos alle Songs vom Ende einer Beziehung und/oder vom Alleinsein. Mal ist es eine simple Situationsbeschreibung wie in The Beginning oder A Line In The Dirt, mal eine schlichte Hinwendung zur Trauer wie in In My Younger Days, mal eine Expression purer Wut wie in Unhinged und mal fehlerlos vertonte Einsamkeit wie in Little Bird. Abgerundet wird das Thema letztlich mit dem Song On My Feet, in dem der Protagonist erkennt: "I just gotta get back on my feet".
Trotz dieses auf den ersten Blick relativ eng abgesteckten Themas gelingt es Everett wie beispielsweise in Nowadays dennoch das Ganze durch weitere Inhalte, wie dem Werteverfall der Gesellschaft, zu erweitern, indem er sein eigenes Scheitern und seine Situation in einer allumfassenden Weise zum Ausdruck bringt, der man sich nur schwer entziehen kann.
Aber nicht nur den Texten kann man sich schwer entziehen. So ist dieses Album, wie es passender nicht sein kann, recht spärlich instrumentiert und kommt über weite Strecken nur mit Gitarren- und Pianobegleitung aus, was kein Wunder ist, wenn man bedenkt, dass Everett einen großen Teil der Lieder zuhause mit einem Vierspurgerät selbst aufgenommen hat. Das Ergebnis kann sich auf jeden Fall mehr als nur hören lassen und ist aus meiner Sicht bereits jetzt definitiv eines der besten Alben des Jahres 2010!
Review: Axel Schinkel
Erscheinungsdatum: 22. Januar 2010 Label: Cooperative Music
Website: www.eelstheband.com Myspace: www.myspace.com/eels
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"It was a bright and beautiful morning in spring...". Das Präludium von Vexations lässt einen bereits ahnen, dass derartiges Kleinod nicht ewig währen kann. Das zweite Get Well Soon-Album Vexations (deutsch: Ärgernisse) ist eine Auseinandersetzung mit der Auseinandersetzung. Ein musikalisches Traktat über die Angst vor dem Vergehen und der Versuch, sich mit den Urzweifeln zu arrangieren. Es hat an sich selbst den Anspruch ein philosophisches Album zu sein. Es ist ein Opus über den Stoizismus, ein Werk wider den Fixsternen.
Get Well Soon, sprich Konstantin Gropper, reflektiert dabei offensichtlich selbst über seinen kometenhaften Aufstieg nach seinem Sensationsdebüt Rest Now Weary Head.... Das Misstrauen gegen den Hype um die eigene Person als Ausgangspunkt nehmend, ersingt sich Gropper mit sonorer Stimme den Raum der großen Fragen. Das klingt verkopft und ist es auch. Vexations ist ohne Frage sperrig. Die epischen Arrangements mit Streichern, Bläsersätzen, Xylophonen, Chor erscheinen anfänglich arrogant, die Melancholie narzisstisch und anmaßend. Die Platte zu erschließen, bedarf einiger Geduld. Doch lohnt der Moment, in dem man, gepackt von einem Strudel aus schonungsloser Harmonie und herrlicher Düsterkeit, sich diesem ergreifenden, zynischen Fatalismus vollkommen ergibt.
Das "German Wunderkind" (NME) überrascht mit diesem mutigen Zweitlingswerk. Vexations ist ein Konzeptalbum, das verstören und spalten wird. Pathos, Freunde!
Review: Maximilian Sippenauer
Erscheinungsdatum: 22. Januar 2010 Label: City Slang
Website: www.youwillgetwellsoon.com Myspace: www.myspace.com/youwillgetwellsoon
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Aus zwei mach vier. Das ehemalige deutsch-französische Duo bestehend aus Sängerin Isabelle Frommer und Gitarrist André Tebbe hat musikalischen Zuwachs bekommen. Ab sofort gehören Bassist Daniel Decker und Schlagzeuger Janosch Brenneisen zum festen Kader der Band. In dieser Konstellation präsentieren Er France dieser Tage ihren aktuellen Longplayer Pardon My French, Chéri!.
Bereits die ersten Minuten machen klar, dass sich die personenspezifischen Neuerungen bei Er France mehr als bezahlt machen: Pardon My French, Chéri! strotzt nur so Frische. Der Grund dafür liegt nicht zuletzt in dem leichten Punk-Odeur, das die Songs umweht. Trotz der Energetik bleiben Er France dem Konzept tanzbarer Indie-Pop-Songs treu. I Hate That Part bedient sich passagenweise bei Teenage Kicks der Ramones und stülpt dem knarzigen Punkgrundgerüst ein swingendes Gewand über, das an beatleeske 60s-Zeiten erinnert.
Überhaupt präsentiert sich Pardon My French, Chéri! sehr heterogen und ausgewogen. So sind Er France nach wie vor der Mischung aus französischen und englischen Textpassagen sind Er France treu geblieben - auch, wenn diesmal der englische Sprachanteil innerhalb der Texte größer ist. Der geschickt platzierte Einsatz additionaler Instrumente wie Bläser, Synthies oder Glockenspiel sorgt für Abwechslung. Nicht zu vergessen Isabelle Frommers Stimme, der mühelos der Spagat zwischen juveniler Rotzigkeit und mädchenhaftem Charme gelingt.
Pardon My French, Cheri! bedeutet übersetzt so viel wie Entschuldige, dass ich dich so übel beschimpft habe, Schatz!. Wenn die musikalischen Beschimpfungen von Er France grundsätzlich so tanzbar ausfallen, wie ihr drittes Album, dann gilt es zu hoffen, dass sie noch einige davon in petto haben. Und entschuldigen muss sich das frischgebackene Quartett dafür mit Sicherheit auch nicht.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 22. Januar 2010 Label: Lolila
Website: www.erfrance.de Myspace: www.myspace.com/erfrance
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OK, wer an diesen queren Bandnamen denkt, assoziiert Schwermetaller und schwarze Bandshirts mit Totenköpfen unter der Kutte. Aber falsch, Band Of Skulls sind die englischen White Stripes, mit einer genau so queren Erfolgsgeschichte. Ihre Debüt-Single I Know What I Am verkaufte sich satte 400.000 Mal auf I-Tunes und das waren sicher nicht nur Kuttenträger. Dahinter versteckt sich also auch irgendwie die Popmaschinerie. Und so ist es auch, denn die Band aus Southamptom, dessen Sänger und seine Gitarre klingt wie Jack White, findet sich auch auf dem Soundtrack des neuen Vampire-Hype-Films Twilight wieder. Bereits vor Release ging ihr Stück Friends sogar in die Deutschland auf Platz 3 der Charts. (Man fragt sich nur, warum Friends nicht auf dem Debüt enthalten ist.) Blitzstart und Erfolgsgeschichte? Scheint so, klingt aber eher nach Achterbahn und wird sich nicht lange halten. Denn dafür sind die Band of Skulls nicht individuell genug. Sicher gibt es hier mit Fires einen exzellenten Song, der mit fantastischen Harmonien, zwingender Dynamik und einem herzzerreißenden Duett-Gesang brilliert, doch irgendwie scheint alles ein wenig eklektisch.
Am besten klingen Band of Skulls noch, wenn sie ihre ruhigen Stücke wie Blood (zusammen mit Fires das beste Stück des Albums) und Honest spielen, bei denen die wunderbar einfühlsame Stimme von Bassistin Emma Richardson zur Geltung kommt. Dies klingt unglaublich authentisch, aber dieser gewollte Stripes-Rock'n'Roll rollt nicht und klingt irgendwie gezwungen. Diese Engländer bedienen sich einmal bei den White Stripes (Light Of The Morning), dann bei Isaac Hayes (I Know What I Am), um dann noch als Schmankerl es (mit Patterns) auch den aktuellen Elektro-Freunden recht zu machen. Sorry, aber für mich sollte die Band der Knochen lieber ruhiger agieren und sich umbenennen.
Was allerdings neben all diesen Dingen überzeugt, ist, dass Erfolg der Band of Skulls gar nicht wichtig zu sein scheint, da sie einen Auftritt der Band Sea Wolf einer Filmpremiere und eventuellen Auszeichnung vorzogen. Und das klingt schon eher nach Rock'n'Roll...
Review: Marc Philipp Meyer
Erscheinungsdatum: 22. Januar 2010 Label: Warner
Website: www.bandofskulls.com Myspace: www.myspace.com/bandofskulls
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Großartigen Schaden will das Dreiergespann aus Berlin eher nicht anrichten wenn es mit ihrer neuesten EP die Tanzflächen befeuert. Die ein oder anderen blauen Flecken und zerbrochene Bierflaschen könnte es aber dennoch geben in den Clubs, wo sich die Kids "Indie" und "Electro" in die Fresse tätowiert haben. Dort wird nämlich nicht nachgefragt, sondern man lässt sich rocken. Und das funktioniert ganz gut.
Entstanden sind Popular Damage 2007 aus zwei Berliner Bands, Last Call For Disco und LUX, und setzen sich zusammen aus Fabian (Drums), Stephan (Bass) und Sängerin Nadine (außerdem Gitarre und Sampler). Nach einigen EPs und gar nicht mal so schlechten Remixes für Zoot Woman, Digitalism und Miss Platnum kommt diese EP nun allerdings ziemlich unaufregend daher, wenn man sich das Ganze im gemütlichen Wohnzimmersessel anhört – im Club ändert sich bestimmt viel, man kennt das ja. Um den Sound grob zu verorten: Von Homework von Daft Punk bis zum Digitalism Album und einigem, was dazwischen so passiert ist; kommt einem schon ganz schön vertraut vor das alles. Der Gesang holt dann auch noch Uffie und La Roux mit ins Boot. Besonders originell klingt The Royal Fly also nicht. Tracks wie Exclusive und Savvy In Newby lassen einen mit Piepmelodien und 8-Bit-Sounds dann auch noch an MGMT oder The Postal Service denken, und dann schmeisst man das Ding entweder weg oder lässt es noch ein paar Mal laufen. Vor allem letztgenannte Songs machen am Ende schon ganz gut Spass.
Everybody Got Young gibt's in drei Ausführungen: Der Double Dragon Remix kommt ziemlich billig und geht im Hall baden, der Original-Mix ist schön laid-back und der Fukkk Offf Remix knarzt ordentlich im Tech House-Gewandt. Auch die zwei Versionen von Easy Money können was, und eifern fleißig den großen Brüdern und Schwestern von Ed Banger und Kitsuné nach. Manche wollen den New Rave einfach bis in alle Ewigkeit feiern. Die mit den Neonstäben im Maul entscheiden letztlich, ob das hier jetzt wirklich genug taugt.
Review: Michael Döringer
Erscheinungsdatum: 11. Dezember 2009 Label: AWAL
Myspace: www.myspace.com/populardamage
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Anajo und das Poporchester heißt das neue Album des Trios aus Augsburg. Die Tapete Band, die auch schon ihr Bundesland Bayern bei Stefan Raabs Bundesvision Song Contest vertrat, feiert ihr zehnjähriges Bandbestehen mit einem "Best of Album". Die Augsburger Indiepopper haben sich 26 klassische Orchestermusiker ins Studio eingeladen und gemeinsam ihre "Anajoklassiker" in frische und poppige Orchestergewänder gepackt. Dabei haben es die drei Musiker geschafft, die Jugendlichkeit ihrer Songs beizubehalten und eine durchweg sehr interessante und neue musikalische Atmosphäre zu gestalten.
Was vielleicht als Belohnung für die Fans und eigenes Bandgeburtstagsgeschenk gedacht war, entpuppt sich als ein gutes musikalisches Werk. Alaska Winter hat gut daran getan, alles sorgfältig von der Pieke auf von Orchester und Band neu einspielen zu lassen. Die 12 Songs der Platte können sich mehr als hören lassen. Eröffnet wird das Album mit dem bisher nur auf der Bühne aufgeführten The Cure-Cover Boys Don`t Cry. Sorgfältig übersetzt wird dieser Song Jungs weinen nicht. Als Fan der englischen Sprache und Cure-Verehrer wird man durchaus Probleme haben, diesen Song hinzunehmen und ihm musikalische Liebe entgegenzubringen. Die durchaus charmant klingenden Übersetzungen können einem ein bisschen aufstoßen und die eingepassten Intonationen sind gut gemeint, aber treffen dann doch nicht das Cure-Herz.
Die Ärzte haben es vorgemacht und Anajo zeigt, dass auch sie mit Orchester arbeiten können, um ihren besten Punksongs etwas mehr Etikette zu geben. Sie können einfach mehr als nur auf der Gitarre rumschrammeln. Sie besitzen musikalisches Feingespür. Fest steht, für alle Anajo-Fans wird dieses Album ein musikalisches Fest.
Review: Tobias Basse
Erscheinungsdatum: 27. November 2009 Label: Tapete Records
Website: www.anajo.de Myspace: www.myspace.com/anajomusic
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Die von vielen Fans lang ersehnte Wiedervereinigung der Stone Roses wird es wohl auch in der nächsten Zeit nicht geben, dafür präsentiert Ex-Stone Roses Sänger Ian Brown sein mittlerweile sechstes Solowerk. My Way ist ein autobiographisches Album, dessen Songs von mehreren Jahrzehnten geprägt sind. Sie behandeln sowohl musikalisch als auch inhaltlich entscheidende Momente aus seinem Leben.
Die autobiographische Reise des Ian Brown in 12 Akten beginnt mit dem Eröffnungstrack Stellify, der mit einem Klavier loslegt und in dessen weiteren Verlauf immer wieder durch einige Bläser Akzente gesetzt werden. Hier beschert Ian Brown dem Hörer direkt zu Beginn einen unwiderstehlichen Popsong mit Ohrwurmcharakter. Das darauf folgende The Crowning Of The Poor verbindet elektronische Elemente mit HipHop-Beats und erhält durch seine düsteren Lyrics einen leicht melancholischen Beigeschmack. Es folgen die wehmütige Ballade Always Remember Me, das atmosphärische Vanity Kills, das trotzige For The Glory und das groovige Marathon Man. Neben 11 Eigenkompositionen befindet sich auf My Way auch eine mit Trompeten aufgepeppte Coverversion des Zager & Evans-Klassikers In The Year 2525, die sich wunderbar in das Klangbild des Albums einfügt.
Stilistisch bewegt sich Ian Brown auf My Way nicht nur in einem abgesteckten Rahmen, sondern wandelt auf verschiedensten musikalischen Pfaden und experimentiert viel - völlig kompromisslos. Doch Kompromisse ist Ian Brown musikalisch noch nie eingegangen, sondern hat immer nach seinen eigenen Regeln Songs kreiert, ohne dabei auf irgendwelche Vorgaben zu achten. Und genau darin liegt nach wie vor seine Stärke. So ist am Ende ein geschlossenes Gesamtwerk entstanden, das unkonventionell und gewohnt selbstsicher daher kommt. Unverkennbar Ian Brown eben.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 13. November 2009 Label: Fiction
Website: www.ianbrown.co.uk Myspace: www.myspace.com/ianbrown
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Referenzen von den Eagles zu Elliot Smith und wieder zurück. Kevin Devine und die Suche nach Klangbewusstsein. Brother's Blood ist das fünfte Studioalbum des New Yorkers und bei weitem nicht sein schlechtestes. Devine operiert diesmal mit Band (Goddamn Band) und erweitert somit sein Singer-Songwriting um die Dimension des Rocks. Ein Album wie eine Collage aus akustischen Stillleben, Countrieskem und Indierockballaden. Devine liefert erneut ein grundsolides Album ab mit Höhepunkten wie Carnival oder Tomorrow's Just Too Late, stellt wieder sein musikalisches Gefühl für Arrangement und Dynamik unter Beweis und dennoch wird auf Brother's Blood das große Dilemma des Kevin Devines deutlicher denn je.
Jeder Ton wirkt bekannt, jede Harmoniefolge zitiert. Man denkt sich die ganze Zeit, "das klingt doch wie...?" und nie "so also klingt Devine". Am Ende ist es gerade der Versuch, durch eine Genreerweiterung, seine eigene Position innerhalb des Musikkosmos klar zu definieren, der das Album Brother's Blood scheitern lässt. Das, was hier als musikalische Bandbreite beeindrucken soll, erweist sich vielmehr als reiner Mangel an Ideen. Die Mannigfaltigkeit von Brother's Blood am Ende nicht mehr als Ausdruck von elender Mittelmäßigkeit. Um sich von dieser Mittelmäßigkeit zu befreien, muss sich der zweifelsohne talentierte Kevin Devine endlich vom profanen Prozess der Reproduktion des Vorhandenem emanzipieren und nicht hundert verschiedene Klänge, sondern einen ganz eigenen finden. Die Suche nach dem eigenen Klangbewusstsein dürfte für Kevin Devine also gerade erst begonnen haben. Andernfalls wird über seine zukünftigen Werke genauso zu urteilen sein wie über Brother's Blood und sein gesamtes bisheriges Oeuvre: Prädikat: Durchschnitt.
Review: Maximilian Sippenauer
Erscheinungsdatum: 06. November 2009 Label: Arctic Rodeo Recordings
Myspace: www.myspace.com/kevindevine
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Vielleicht hätte ich mich auf diese Platte besser einstimmen können als mit einem Film über Westberliner Underground-Kunst der Zeit nach Punk. Etwa mit einem Warhol Bildband, könnte man bei Covergestaltung und Namenswahl von Das Pop meinen. Auch nicht. Eher mit Radiohören oder so was Dämlichem. Dämlich ist das dritte Album der vier Belgier ja wirklich nicht. Eine volle Ladung Pop-Rock, mit allem was dazugehört (fürchterliche Streicher, tödliche Balladen usw.), produziert von den Fanboys und Kumpels Soulwax.
Das mit Soulwax findet sich in der beiliegenden Info. Und die treibt es nun wirklich auf die Spitze, diese blöde Angewohnheit, neben einer ellenlangen, hochdramatischen Bandgeschichte obendrein noch eine ausführliche Plattenbesprechung abzuliefern, die eigentlich nur aus völlig übertriebenen Lobhudeleien besteht. Und den Mist liest man dann eins zu eins in zig anderen "Kritiken". Da wird man echt wütend, und die arme Band kann meistens nicht mal was dafür. Shame on you, Promo-Maschinerie! Auf eine Anmerkung will ich trotzdem verweisen, nämlich dass wohl die beiden vorherigen Das Pop-Alben ordentlich mit Synthis und Sequencern ausgestattet waren. Dem ist nun nicht mehr so und geht ausgerechnet auf die Soulwax'sche Rechnung.
Was die Musik betrifft, so erwische ich mich recht bald dabei, immer wieder auf zwei, drei bestimmte Tracks zurückzukommen, die sich eigentlich recht gut hören lassen: Saturday Night Teil 1 und 2 und Fool For Love, obwohl ich bei dessen Gitarrenriff ständig an Kiss denken muss. Aber so gut ist das alles auch nicht, weil den Nummern ein bisschen von dem fehlt, was alle anderen auf der Platte ganz vermissen lassen – Coolness. Sowas rettet nämlich oft den dümmsten Popsong, wenn man der Musik anhört, was der Sänger/Gitarrist/etc. für eine coole Sau sein muss. Dann wäre ein Chorus wie "I can't get enough of your love" nicht so peinlich und man müsste nicht ständig an vier perfekte Schwiegersöhne denken. Nach dem ersten Titel Underground, schon bekannt von einem Justice-Mix (und deshalb wohl erträglich), eröffnet sich ein wirklich abwechslungsreiches Songwriting, ab und an blitzen nette Gitarrenfetzen und Melodien auf. Aber insgesamt: Zu viel Radiopop-Appeal, zu viele happy-handclap-singalong Refrains und zu viele nichtige Texte. Das klingt einfach alles ziemlich uncool, könnte beim nächsten Mal aber locker besser umgesetzt werden.
Review: Michael Döringer
Erscheinungsdatum: 30. Oktober 2009 Label: 541
Website: www.daspop.com Myspace: www.myspace.com/daspop
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Der Name der Scheibe ist Programm. Die jungen Schweden von The Flare-Up liefern mit ihrem neuen Album Whip' Em Hard, Whip' Em Good ein echtes Rock'n'Roll-Monster ab, dass gute Laune macht und dich auf den Tanzflur zieht. Hier trifft die Garage aus den Sechszigern auf den eher mal unaufdringlichen Glam der 70er. Dass passt und klingt rotzig, verspielt, direkt, melodisch und catchy.
Kid Avenger ist so ein Song. Sicher können sich auch The Flare-Up dem Eklektizismus nicht entziehen, aber dafür klingen sie besonders in diesem Song wie ein individueller authentischer Mix aus dem besten der berühmtesten Schweden (nach Abba) Mando Diao und den berüchtigten (nicht alle guten Dinge sind drei) Scheffieldern Arctic Monkeys! Und das macht denen erstmal nach, einen so guten Vergleich zu bekommen. Allein das Gitarren-Lick im Intro ist eine Rocksünde wert und geht direkt IN-DIE-Gehörgänge. Kein Wunder dass die Stockholmer jetzt die angesagtesten Indie-Clubs Deutschland bespielen. Doch was auch besonders überzeugt sind die souligen Garagenanteile in ihren Stücken. Das Titelstück beweist allzu gut, wie es klingt, wenn das Beste aus amerikanischem, englischem und schwedischem Songwriting zusammenkommt. Wie schon Mando Diao, gelingt es auch diesen Schweden besonders gut, auf ihrer neuen Platte so zu klingen, als hätten sie damals die Motown- oder Stax-Studios besucht und gemeinsam an Arrangements gefeilt. Und zum Schluss gibt es mit Sure You're Big Enough neben dem gut gerollten Rock auch noch viel Witz, Charme und eine ordentliche Portion Spielfreude aufs Gemüt.
Was will man da noch mehr sagen: Gefällt!
Review: Marc Philipp Meyer
Erscheinungsdatum: 09. Oktober 2009 Label: TV EYE Records
Website: www.theflareup.com Myspace: www.myspace.com/theflareup
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Mit ...And It's Looking A Lot Like Nothing At All lieferten Stompin' Souls 2008 ein großartiges Debütalbum ab und reihten sich direkt in eine Reihe mit ihren Landsmännern wie Mando Diao oder The Hives. Nun legen die Stockholmer mit Silhouettes ihr zweites Album vor, das sich deutlich von seinem Vorgänger unterscheidet.
Anstatt an den Sound des Erstlingswerkes anzuknüpfen, haben Stompin‘ Souls sich auf ihrem neuen Werk deutlich weiterentwickelt. Die fünf Schweden klingen auf Silhouettes wesentlich ruhiger und gereifter und geben längst nicht mehr so viel Gas wie noch auf ihrem Debüt. Neben einigen schnelleren Nummern wie dem treibenden I Wish I Were You oder dem tanzbaren Morning Bell, die auch durchaus auf dem Vorgängeralbum einen Platz hätten finden können, treten hier verstärkt die ruhigen und sanften Momente in den Vordergrund wie beispielsweise Don't Rewind oder A Part Of Everything. Stompin' Souls emanzipieren sich mit Silhouettes deutlich von den ewigen Vergleichen mit bereits erwähnten Landsleuten und machen einen gewaltigen Schritt zur Eigenständigkeit. Gemeinsam mit Produzent "Konie" Ehrenkrona (u. a. The Horror The Horror) haben sie einen bandeigenen Sound entwickelt, bei dem auch gerne mal neue Instrumente wie Mellotron, Fender Rhodes und Vibraphon zum Einsatz kommen. Doch steht ihnen dieser veränderte Sound gar nicht schlecht zu Gesicht und mindert glücklicherweise auch nicht die Qualität. Stompin' Souls beweisen stets Stilsicherheit und weiterhin ein Gespür für gute Songs wie sich deutlich bei Only A Song, dem zweifelsohne stärksten Track des Albums, zeigt.
Auch wenn hier die geballte Ladung Rock 'n' Roll ausbleibt, so haben Stompin' Souls mit Silhouettes ein durchaus starkes zweites Album hingelegt, das auch ohne Sturm und Drang zu überzeugen weiß. Schließlich werden wir ja alle irgendwann älter.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 23. Oktober 2009 Label: Strange Ways
Website: www.stompinsouls.se Myspace: www.myspace.com/stompinsouls
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Die dunkle Jahreszeit macht sich bemerkbar. Es ist nass, kalt, nebelig und seltsamerweise hat man plötzlich genug Zeit, sich in Gedankenschleifen über das Kommen und Gehen und dem kurzen Bleiben dazwischen zu verlieren. Just zu dieser Zeit schickt uns William Fitzsimmons, der bärtige Barde aus Pennsylvania seinen aktuellen Longplayer The Sparrow And The Crow ins Haus.
Auf seinem dritten Album beschäftigt sich Fitzsimmons in allen Facetten mit dem Scheitern zwischenmenschlicher Beziehungen. Der Sperling als Bote für die neugeborenen Seelen, die Krähe als Begleiter der gehenden. Der Anfang und das Ende. Bereits der Opener After Afterall zieht den Hörer tief hinein in das Niemandsland, in dem gebrochene Herzen vegetieren: Irgendwo in der Ambivalenz aus Einsicht und Illusion, Loslassen und Festhalten, Verlieren und Gewinnen. Über den zwölf Tracks schwebt dabei konstant die Frage, wie es dieser Mann schafft seine tieftraurigen Texte in derart heimelige und warme Melodien zu packen, dass man trotz aller Melancholie und Nachdenklichkeit Hoffnung schöpft. Das Geheimnis liegt wohl in dem perfekten Zusammenspiel aus weichen Pianoklängen, wohltemperierten Akustikgitarren, gemäßigten Banjoarrangements und William Fitzsimmons' ruhiger Stimme, die den Hörer so sanft über die Klippen bösen Realität hinweg trägt wie eine Daunenfeder. Der Windhauch darunter ist die bezaubernde Stimme Laura Jansens, die sich der Singer/Songwriter bei Duetten wie I Don't Feel It Anymore (Song Of The Sparrow) oder After Afterall zur Unterstützung mit ins Boot holt.
Nach 40 Minuten, in denen man um Vergebung gebeten und auf eine zweite Chance gehofft hat, um am Ende zu der schmerzlichen Erkenntnis zu gelangen, dass Liebe manchmal nicht genug ist, läutet Goodmorning mit seiner Zeile "you will find love" plötzlich den Silberstreif am Horizont ein - das Wissen um ein Ende der Nacht. Das Ende und der Anfang - der Kreis schließt sich. The Sparrow And The Crow erinnert an einen Spätlesewein, in dessen schwerer Süße die Wahrheit liegt. Das Schönste daran: Egal, wie viel man davon trinkt, das Glas bleibt am Ende halbvoll.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 23. Oktober 2009 Label: Grönland (Cargo Records)
Website: www.williamfitzsimmons.com Myspace: www.myspace.com/williamfitzsimmons
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Wie Sand am Meer. Mehr und mehr Supergroups mischen sich ins akustische Sammelsurium. Ob Chickenfoot, The Dead Weather oder der neueste Schrei aus dem Mund von Them Crooked Vultures. Aber sind es immer noch durchzechte Nächte backstage hinterm Festivalgelände, auf die so manche Supergroup zurückzuführen ist oder ist es alles nur PR-Kalkül.
Sei es drum wie, auf jeden Fall macht allein der Name Bernard Sumner die Band Bad Lieutenant allein zu einer Supergroup. Und dabei sind die Namen Phil Cunningham, Stephen Morris und Alex James noch gar nicht gefallen. Also noch mal von Anfang an. Bernard Sumner stand neben Ian Curtis bei Joy Division an der Gitarre und am Keyboard. Nach dem Selbstmord von Curtis lebte er sich musikalisch bei New Order aus. Da ist auch Phil Cunningham mit dabei, Stephen Morris kennt er noch als Schlagzeuger von Joy Division und Alex James von Blur kennt man einfach. Die Supergroup wäre also komplett. Doch leider dient der Begriff Supergroup nicht per Definition als Qualitätsmerkmal, nur für den Erfolg der früheren Projekte der Mitglieder. Bad Lieutenant ist es auch leider nicht gelungen an die Qualität früherer Projekte anzuknüpfen. Es fehlt die emotionale Angriffsfläche wie bei Joy Division, es mangelt an der Experimentierfreude von New Order, es fehlt der progressive Gedanke von Blur. Obwohl dieses Debüt sehnlicher erwartet wurde als vielleicht mancher Nachfolger großer anderer Bands, schafft es Never Cry Another Tear diesem Anspruch nicht gerecht zu werden. Es ist wie mit dem 90er Jahre-Film Bad Lieutenant. Das große Potential ist vorhanden, was das lupenreine Songwriting zeigt, doch die Lieder kratzen stets nur an der Oberfläche. Bernard Sumner und Kollegen nicht gelungen, was sie mit ihrem Albumtitel kolportieren. Bei mir tropfen nämlich immer noch Tränen aufs Keyboard, wenn ich an Joy Division und New Order denke. Bad Lieutenant würden schon den Nerv der Zeit treffen, hätten sie ihr Album vor 10 Jahren veröffentlicht. Bei Pulp hat dieser Sound damals auch wunderbar funktioniert.
Trotz der so beschwingten leichten, seichten Gitarrenmusik, wirkt Bernard Sumner umso mehr altbacken und belanglos. Schade.
Review: Matthias Hacker
Erscheinungsdatum: 09. Oktober 2009 Label: Cooperative Music
Website: www.badlieutenant.net Myspace: www.myspace.com/badlieutenantmusic
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Friska Viljor sind zurück und das Erste, was auffällt, ist, dass die sympathischen Schweden von Devil Duck zu Haldern Pop Recordings gewechselt sind. Warum, erfährt man nicht und auch ansonsten gibt der Promozettel nicht viel Neues her. Erneut wird auf die Geschichte von Joakim und Daniel verwiesen, die ihre gerade zerschellten Beziehungen begossen und daraufhin begannen unter dem Einfluss des Alkohols Songs zu schreiben. Das scheint wohl nahezu alles zu sein, was man über Friska Viljor wissen muss. Dass sie live noch schiefer, aber mit viel mehr Seele singen, dafür gerne mit verstimmten Instrumenten auftreten und letztendlich bezeichnenderweise die Jägermeister-Rockliga gewannen, sollte bekannt sein.
Aber dann kommen die Schweden daher und nennen ihr Album For New Beginnings. Was hat das zu bedeuten? Wieso ein Neuanfang? Hast sich doch mehr getan als nur der Labelwechsel? Nein, ich kann euch beruhigen, bzw. muss ich diejenigen, die sich Veränderung gewünscht hätten, enttäuschen. Friska Viljor klingen noch immer wie eine betrunkene Ausgabe der Shout Out Louds mit Falsettgesang und werden es wohl immer bleiben. Naja, aber schlecht erging es ihnen mit ihren Shanty-haften Lalala-Gesängen ja nie. Warum sollte man auch etwas ändern, wenn die Leute immer noch in Scharen zu den Konzerten kommen.
For New Beginnings bietet letztendlich nichts Neues, ist im Vergleich zu den beiden ersten Album vielleicht auf den ersten Blick etwas ruhiger ausgefallen, was vor allem gegen Ende des Albums auffällt. Aber auch die zwei, drei Tanzflächenfüller, wie If I Die Now und People Are Getting Old, sind wieder mit dabei, die das Album dann doch irgendwie abwechslungsreich erscheinen lassen, allerdings nicht an die Hits aus den Anfangszeiten der Band herankommen. Bei den ersten beiden Album trat dieser Eindruck von Abwechslungsreichtum noch verstärkter auf, was auch daran liegen kann, dass die Melodien dieses Mal nicht ganz so eingängig sind wie zuvor. Auch an der Instrumentierung hat sich im Grunde nichts verändert, was ja auch nicht zu erwarten war. So werden ein weiteres Mal Mandoline, Akkordeon und Glockenspiel ausgepackt, um den countryesken Einschlag der Musik zu untermalen.
Schlecht ist For New Beginnings sicher nicht und funktioniert live auf jeden Fall, aber wenn ich mich entscheiden müsste, dann würde ich doch lieber die ersten beiden Alben oder besser noch die nüchternen Shout Out Louds bevorzugen.
Review: Axel Schinkel
Erscheinungsdatum: 16. Oktober 2009 Label: Haldern Pop Recordings
Website: www.friskaviljor.com Myspace: www.myspace.com/friskaviljor
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Nachdem sich fast alle seine Bandkollegen mal mehr mal weniger spektakulären Soloprojekten gewidmet haben - Drummer Fabrizio Moretti mit Little Joy, Nikolai Fraitures mit Nickel Eye und Albert Hammond Jr. mit zwei Soloalben - legt nun auch The Strokes-Frontmann Julian Casablancas sein erstes Soloalbum vor. Phrazes For The Young heißt der mit acht Songs bestückte Longplayer, der in den letzten zwölf Monaten unter der Regie der Produzenten Jason Lader (System Of A Down, Coldplay, Jay-Z u.a.) und Mike Mogis (Bright Eyes, The Faint, Lightspeed Champion etc.) in Los Angeles, New York und Nebraska entstanden ist. Alle Songs des Albums stammen aus der Feder von Casablancas selbst.
Strokes-Fans könnten beim ersten Hördurchgang allerdings ein wenig irritiert sein, denn ein viertes Strokes-Album ist Phrazes For The Young nicht. Julian Casablancas löst sich auf seinem Solodebüt fast völlig vom typischen Sound seiner Hauptband und beschreitet einen neuen unabhängigen Weg. Bereits der Opener Out Of The Blue zeigt deutlich, wohin die musikalische Reise in den nächsten 40 Minuten gehen wird. Dominierten bei den Strokes die Gitarren, so geben auf "Phrazes For The Young" überwiegend Synthesizer- und Keyboard-Sounds den Takt an mit einigen Ausfügen in Folk- und Country-Gefilde (Lodlow St., 4 Chords Of The Apocalypse). Zwei Verbindungspunkte zu den Strokes gibt es dennoch auf dem Album; und zwar Casablancas unverwechselbarer Gesang und sein songschreiberisches Talent, das er auch bei seinem Soloausflug nicht verlernt hat.
Phrazes For The Young wirkt wie eine Art musikalische Selbstverwirklichung Casablancas, bei der er seinem Ideenreichtum und seiner Experimentierfreude freien Lauf lassen kann. Hier wird vieles ausprobiert, ohne sich dabei aber in einem kreativen Wald zu verlieren. Vielmehr ist dadurch ein sehr abwechslungsreiches Album entstanden, das genau so klingt, wie ein Soloalbum klingen sollte: Nämlich emanzipiert vom Sound der Hauptband, jedoch ohne dabei die musikalischen Wurzeln zu verleugnen.
Phrazes For The Young ist ein Album, das vielleicht nicht jedem auf Anhieb gefallen wird. Aber es ist auch ein Album auf dem es immer wieder etwas Neues zu entdecken gibt und das am Ende dann doch durch seine Vielseitigkeit und das songschreiberische Talent von Julian Casablancas besticht.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 30. Oktober 2009 Label: Sony Music
Website (deutsch): www.juliancasablancas.de Website (englisch): www.juliancasablancas.com Myspace: www.myspace.com/juliancasablancas
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Sie ist die damalige Gitarristin von den wunderbaren Ash und dies ist ihr schon drittes Soloalbum. Fakt ist, dass Charlotte Hatherley eine fantastische Gitarristin ist, die auf New Worlds viele neue innovative Ideen miteinander verbindet. Was man allerdings vermisst, ist das besondere Händchen zum Songwriting mit dem gewissen Ohrwurmcharakter, den man bei Ash so liebt. Klar, so ein Vergleich ist immer doof, da Charlotte jetzt etwas anderes macht und auch machen möchte, aber dennoch wird sie diesen Schatten so schnell nicht loswerden. Dafür war ihre damalige Band mit über 10 Millionen verkauften Alben zu berühmt und ihre Rolle zu dominant. Aber zurück zur Platte:
Jeder Song beginnt stark und spielt mit tollen Gitarrenlicks. Dazu die einfühlsame Stimme von Charlotte Hatherley, die besonders im Chorus des Openers White zur Geltung kommt. Eine ganz neue Seite zeigt das beste Stück der Platte Alexander. Sehr melancholisch und einfühlsam ist dieser Song, der Gänsehaut vermittelt und dir an kalten Wintertagen eine warme Umarmung schenkt. Ich frage mich nur, ob dieser Song nicht noch besser wäre, wenn man das angerockte Ende weggelassen hätte. Denn dies passt nicht zum Song und genau dies ist das häufigste Problem am aktuellen Songwriting. Man hat manchmal das Gefühl, es seien mehrere Songs in Einen zusammengepackt worden. Und dies zeigt mal wieder das Pop Minimalismus braucht. Aber vielleicht will Charlotte so wenig Pop sein wie die andere deutsche Charlotte im Medienbusiness, die aber trotzdem Popkulturromane schreibt, die über die Popgrenze "rochen".
Zurück zum Thema: Was überzeugt sind die tollen Ideen. So mischen sich in Straight Lines 70 Jahre Hardrock-Gitarren mit dem Indierock der Neuzeit. Vielleicht sind dies die musikalischen neuen Welten. Interressant ist es allemal, wenn Chralotte bei New Worlds die Indie-Disco tanzen lässt und sich bei Firebird avantgardistisch auslässt, bevor sie bei Little Sahara mal eben 30 Jahre in Sachen Sound und Ausdruck zurückgeht. Neben dem schrecklich 80s beeinflussten Full Circle legt Charlotte Hatherley mit Wrong Notes aber noch ein wunderbar finales Stück hin, was wieder für die farbenfrohe Abwechslung dieser Platte spricht. Wer also Abwechslung braucht...
Review: Marc Philipp Meyer
Erscheinungsdatum: 16. Oktober 2009 Label: Little Sister Records
Website: www.charlottehatherley.com Myspace: www.myspace.com/charlottehatherleyoffical
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Vielleicht waren die Fleet Foxes doch ein bisschen voreilig, als sie Veckatimest von Grizzly Bear schon vor Abgabefrist zum besten (Folk)-Album der 00er Jahre ernannten. Doch Marcus Mumford und seine Mitstreiter Ben, Winston und Ted wollen da auf der Schlussgeraden der Dekade noch mitreden.
Auf Sigh No More hört man keine vier Londoner Jungs, die in einem Studio sitzen und im Kreis gemeinsam musizieren. Nein, die Platte fühlt sich anders an. Marcus, Winston, Ted und Ben liegen nebeneinander in einem golden glänzenden Getreidefeld und schauen in die golden-glänzende Sonne, welche sie zum Schwitzen bringt. Diese Assoziation klingt vielleicht ein wenig malerisch, idyllisch und provinziell. Doch genau das ist es ja, was Sigh No More auszeichnet, die Jungs so sympathisch macht und den Hörer einfach verzaubert. Niemand würde hier an die versmogte Großstadtluft, hupenden Autos und grell flackernden Leuchtreklamen Londons denken
Die Karohemdsärmeligkeit mit der Markus Mumford sein Innerstes bei jedem der zwölf Songs nach Außen kehrt, macht die Ehrlichkeit und Authentizität der Lieder erst erträglich. So wirken Songs wie The Cave, Timshel oder auch Sigh No More trotz ihrer Berührungskraft nie zu intim oder anbiedernd. Letzteres darf ich hierbei ohne weiteres auf Shakespeare-Zitate beziehen, ohne den bodenständigen Charakter Mumford And Sons in Frage zu stellen.
12 Werke voll mit emotionalen Melodien wie bei I Gave You All, 12 Lieder voll mit anrührenden Texten wie bei Awake My Soul und 12 Songs mit fein ausgewählter Instrumentalisierung und Mitsingcharakter wie bei der Single Little Lion Man.
Das Album allein lässt keine genaue Ortsbestimmung der Musik zu. Vom Country des Mittleren Westens, über den Indierock Londons hin zur mitreißenden Kraft einer irischen Pub-Band. Die so traditionell wirkende Musik scheint also wenig auf ihre Heimat zu geben. Auch die Dramaturgie von Sigh No More ist zu erwähnen. Zwielichtig scheint sie, denn alle Songs sind bestechlich gut, stellen sich aber auch deshalb gegenseitig in den Schatten. Doch nicht jeder Wunsch muss in Erfüllung gehen. Gott sei Dank - For Folk's Sake.
Review: Matthias Hacker
Erscheinungsdatum: 23. Oktober 2009 Label: Cooperative Music
Website: www.mumfordandsons.com Myspace: www.myspace.com/mumfordandsons
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Auch zwei Jahre nach Beginn der globalen Finanzkrise vergeht kein Abend, an dem nicht in diversen Talkshows Politiker und Ökonomen über die Auswirkungen des Bankenkollaps diskutieren. Die Wirtschaft am Boden, der Staat verschuldet, die Bevölkerung arbeitslos, und alles soll noch viel, viel schlimmer werden. Keine Rettung in Sicht? Doch, denn Bernd Begemann fasst sich ein Herz und verkündet: Ich erkläre diese Krise für beendet! Wer mag da schon widersprechen?
Um zu dieser Erkenntnis zu gelangen, hat Bernd Begemann aber nicht Konjunkturprognosen und Konsumklimaindizes studiert. Er hat einfach das gemacht, was er am besten kann, nämlich zu Stift und Gitarre gegriffen und ein paar wundervolle Songs geschrieben, die uns vor allem eines lehren: Krise hin oder her, das Problem ist doch immer das Selbe!
Gemeint ist natürlich die Liebe, und der Mittvierziger erzählt davon, als wäre er gerade 20 geworden. Mit viel Ironie beschäftigt er sich mit den Verflossenen, die einem zunächst das Herz brechen und sich anschließend im weit entfernten Berlin mit Caipirinha betrinken (Danke für den Schmerz, Exfreundin in Berlin), den Schwierigkeiten bei der Suche nach der Richtigen (Die neuen Mädchen sind hier, Sie redet Revolution) und nicht zuletzt mit den Tücken einer Beziehung (Du bist mein Niveau). Alles Themen, die man eigentlich nicht behandeln kann, ohne dabei in die Kitsch-Falle zu tappen. Nicht so Bernd Begemann, der erzählt in seinen Songs einfach kleine Geschichten, die meistens recht absurd sind, aber beinahe immer den Nagel auf den Kopf treffen. Am Ende kommen aber auch die Romantiker nicht zu kurz, denn richtig schöne Liebeslieder schreiben kann er auch, wie er mit Weil deine Liebe mich führt beweist.
Die Texte stehen natürlich nicht für sich alleine, musikalisch umrahmt werden sie wieder gemeinsam mit seiner Begleitband Die Befreiung. Auf eine Musikrichtung festnageln lassen sich die Herren aber ganz sicher nicht. Ein bisschen Beat, eine Prise Punk und vor allem eine große Portion Schlager bekommt man zu hören, immer das, was gerade zum Erzählton Bernd Begemanns passt. Und gerade der Schlager-Touch, der vielen Songs des Albums anhaftet, führt bei vielen potentiellen Käufern vielleicht zu einer natürlichen Abwehrreaktion. Nicht gleich wieder weglegen, denn Bernd Begemanns Texte haben es verdient, gehört zu werden. Und nach zwei oder drei Durchläufen findet man schließlich sogar Gefallen an dem Schlagersound.
Eine schöne Platte, die einem dabei Hilft, mit den Tücken des Alltags fertig zu werden. Und die Krisensuppe sollen mal schön die Leute auslöffeln, die sie uns eingebrockt haben.
Review: Andreas Kussinger
Erscheinungsdatum: 16. Oktober 2009 Label: Tapete Records
Website: www.bernd-begemann.de Myspace: www.myspace.com/berndbegemann
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Wer oder was sind Miike Snow? Diese Frage beschäftigte über Monate hinweg die sogenannte Blogospäre, nachdem irgendwann im Frühjahr eine Tanzflächen-Sau namens Animal auftauchte und fortan durchs Indie-Dorf getrieben wurde. Kluge Sache, so ein Versteckspiel. Die Schnitzeljagd nach den Köpfen hinter dem Bandnamen beschert einem zunächst die Aufmerksamkeit der Webgemeinde. Später, wenn die Veröffentlichung des Albums ansteht, kann man die Identität der Kreativen mit großem Pomp heraus posaunen.
Christian Carlsson und Pontus Winnberg heißen die beiden Schweden, denen wir dieses Album zu verdanken haben. Newcomer? Mitnichten, schließlich handelt es sich um das Produzenten-Duo Bloodshy & Avant, dem unter anderem Madonna und Britney Spears den ein- oder anderen Hit zu verdanken haben. Zusammen mit dem amerikanischen Sänger Andrew Wyatt gründeten die beiden Schweden schließlich das Projekt Miike Snow.
Auf ihrem Debüt zeigen sie nun, dass sie nicht nur die Songs diverser Popstars am Mischpult veredeln können, auch mit ihrem eigenen Material klappt das hervorragend. Mit ihrem Sound treffen sie zweifelsohne den Zeitgeist und wandern auf den Pfaden, die MGMT und Co. getreten haben. Überraschend ist aber, dass es sich keineswegs um ein tanzbares Party-Album handelt, sondern um ein eher düsteres Werk, das von einer gewissen Grundmelancholie, getragen wird. Alle Songs, vom bereits erwähnten Animal vielleicht abgesehen, kommen eher schwermütig daher, ohne dabei aber auf elektronische Spielereien und druckvolle Beats zu verzichten. Highlights aufzulisten fällt schwer, da sich alles, was man zu hören bekommt, auf sehr hohem Niveau abspielt. Carlsson und Winnberg verstehen ihr Handwerk, Ecken und Kanten sucht man vergeblich. Das ist eigentlich fast wieder ein bisschen schade. Aber die beiden können wohl nicht anders, als immer und jederzeit Perfektion anzustreben. Da überrascht es auch nicht, dass sie mit Andrew Wyatt obendrein einen hervorragenden Sänger ins Boot geholt haben, der den perfekt produzierten Songs schließlich noch die Seele einhaucht.
Miike Snow haben konsequent aktuelle musikalische Strömungen aufgegriffen, miteinander verstrickt und daraus ein perfektes Pop-Album erschaffen, das einfach nicht langweilig wird. Das größte Kompliment, das man einer Platte machen kann. Echte Profis eben.
Review: Andreas Kussinger
Erscheinungsdatum: 23. Oktober 2009 Label: Columbia (Sony Music)
Website: www.miikesnow.de Myspace: www.myspace.com/miikesnow
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Ganz ehrlich: Da ich diese Platte nun schon geschätzte 500 Mal gehört habe, kann diese Rezension nicht mehr kritisch und mit dem nötigen Abstand beurteilt ausfallen. Ich liebe sie, mindestens so sehr wie All We Could Do Was Sing, das erste Album von Port O'Brien. Wie soll man nun dieses wundervolle Stück Musik, das einem so nahe geht, jedoch eigentlich so klein und unbeachtet ist und im weiten Ozean der schnelllebigen Popwelt wohl ganz schnell wieder untergehen wird, entsprechend hochjubeln? Es grenzt an Fetisch.
Wieder mal: Musikalische Beschreibungen bringen das, was auf dieser Platte passiert, so was von nicht auf den Punkt. Melancholischer Folkpop, hmm, da gibt's vieles. Aber für Threadbare reicht eine so abgewichste Beschreibung einfach nicht, weil es in diesem Bereich schlichtweg das Intensivste und Rührendste ist, was es in jüngster Zeit gegeben hat. Das Cover des Albums suggeriert genau richtig: Man fühlt sich auf dieser weiten Wiese am Meer sitzen, umringt von Port O'Brien, die für einen singen. Man liegt da und weint, und fühlt sich todtraurig. Und gleichzeitig von allem Elend der Welt geheilt. Was Van Pierszalowski, Cambria Goodwin und ihre Begleiter hier liefern, ist magisch.
So "lighthearted", wie oft geschrieben wird, war ihr Debütalbum schon nicht, Threadbare klingt bis auf wenige Ausnahmen nach dem genauen Gegenteil: "Tragedy, remorse, and bitterness". Als die Band begann, an der neuen Platte zu arbeiten, kam Cambrias Bruder bei einem Unfall ums Leben. Zur wehmütigen Stimmung der Platte hat dieser Umstand sicher viel beigetragen, da sich in jedem Song Themen wie Verarbeitung, Trauer und Einsamkeit ausmachen lassen; Van Pierszalowskis und Cambrias tränengeschwängerter, träumerischer Gesang trägt einen großen Teil dazu bei. Große Schwachpunkte unter den Tracks kann man so nicht nennen, höchstens die wenigen, die etwas fröhlichere Töne anschlagen. Weniger gute Songs sind sie deshalb keinstenfalls (wie z. B. Sour Milk / Salt Water oder Leap Year), lockern die allgemeine Klagestimmung aber unnötig auf. Diese hat ihre überirdischen Sternstunden unter anderem in Calm Me Down, dem Titeltrack und dem meisterhaften Treebones. Unterm Strich heißt das: Die schönste "Folk"-Platte seit Fleet Foxes!
Review: Michael Döringer
Erscheinungsdatum: 02. Oktober 2009 Label: Cooperative Music
Website: www.portobrien.com Myspace: www.myspace.com/portobrien
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Eines steht fest: Circle The Yes, das zweite Album der Berliner Band I Might Be Wrong ist ein durchdachtes, kohärentes und hochmusikalisches Werk. Doch leider bewegt sich die Aufmerksamkeit des Rezensenten beim (wirklich oftmaligen) Hören der Platte kontinuierlich gegen Null. Immer noch der erste Track?! Ach, schon Nummer Sieben...Hier läuft was grundlegend schief, bloß was? Radiohead, die von I Might Be Wrong nicht nur namentlich adaptiert wurden, kann man doch auch stundenlang gefesselt hören.
Es muss einfach gesagt werden, so plump es sein mag: Jeder Track klingt wie der vorherige; eine anstrengende Beliebigkeit zieht sich über die gesamte Länge des Albums. Es scheint, als mündeten die Songs immer wieder in die selben Rhythmen, Elektronikfetzen und Gitarrenstrukturen. Lisa von Billerbecks zwar hübscher doch einlullender Gesang bringt das Ganze dann vollends in Richtung melodiöser Monotonie. Dass der Sound sehr radioheadesk rüberkommt, muss nicht unbedingt bemängelt werden. Ganz im Gegenteil, und das ist das Dilemma dieser Platte: Würde man nur einen Song kennen (ganz egal welchen, ein Favorit lässt sich schwerlich ausmachen), wäre das Urteil klar "thumbs up"; verspielt und komplex arrangiert, verzaubernd dargeboten. Aber zehn Nummern, die einander so sehr ähneln, fördern eher Ermüdung denn genauere Analyse der Feinheiten. Deshalb auch ein klassisches Fazit: Es fehlen die Höhen und Tiefen, mehr Energie und Eindringlichkeit an bestimmten Stellen könnten die notwendige Struktur schaffen. Nur so kann eine eigentlich ausgezeichnete Musik auf Albumlänge überzeugen. Siehe Radiohead.
Der Rezensent entschuldigt sich hiermit. Entgegen zauberhafter Stimme, durchdachter Lyrik und bemerkenswertem Sound, langweilt ihn die Platte. Obwohl er Radiohead mag.
Review: Michael Döringer
Erscheinungsdatum: 25. September 2009 Label: Sinnbus Records
Website: www.imightbewrong.de Myspace: www.myspace.com/youmightbewrong
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Mit ihrem von Simon Barnicott (u.a. Arctic Monkeys, Kasabian) produzierten Debütalbum A Strange Education konnten sich The Cinematics vor zwei Jahren bereits Gehör verschaffen. Nun legen die vier Schotten mit ihrem Zweitlingswerk Love And Terror nach, bei dem sie diesmal die Produktion selbst in die Hand genommen haben.
Herausgekommen ist ein Album, das im Vergleich zum Vorgänger wesentlich rauer und ungeschliffener und weniger glatt gebügelt wirkt. The Cinematics schaffen eine schöne Symbiose aus zackigen Gitarrenriffs und wummernden Basslinien. Angetrieben von kräftigen Grooves und der charismatischen Stimme von Sänger Scott Rinning, reflektiert der Sound des Quartetts aus Glasgow die düsteren und kahlen Seiten des Lebens im britischen Norden. Das ist zwar alles nicht neu und deshalb wurden sie zu Beginn ihrer Karriere immer wieder von Kritikern mit Vorwürfen von zu wenig Eigenständigkeit und Kreativität und zu viel Editors-Kopie konfrontiert. Sicher hört man auf Love And Terror immer noch deutlich die musikalischen Einflüsse heraus, was logischerweise auf die gleichen Inspirationsquellen zurückzuführen ist. Aber dennoch wäre es etwas zu simplifiziert von einer dreisten Kopie zu sprechen. Eine Parallele zu den Editors ist sicherlich die düstere Note in den Songs, aber trotzdem haben sie längst nicht die Schwere wie es bei den Editors der Fall ist. Die zehn Tracks auf Love And Terror kommen mit einer gewissen Leichtigkeit und Tanzbodentauglichkeit daher und gehen schnell in Ohr und Bein, wie beispielsweise der Opener All These Things oder die beiden Singles Love And Terror und New Mexico. Auch live funktionieren die neuen Songs sehr gut, wie die Band kürzlich auf ihrer Deutschlandtour bewiesen hat.
Entgegen aller Vorwürfe ist The Cinematics mit Love And Terror ein überzeugendes zweites Album gelungen, das sehr deutlich das eigene Potential der Band zeigt. Eine Band, der man trotz aller anfänglicher Kritik auf jeden Fall eine Chance geben sollte!
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 02. Oktober 2009 Label: The Orchard
Website: www.thecinematics.com Myspace: www.myspace.com/thecinematics
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...wie ein alter Freund...
Ein Relikt deutscher Popkultur? – Auf jeden Fall ein Mann der polarisiert. Diese klare Stimme – diese Ehrlichkeit in seinen Worten, mag nicht jeder. Doch für die, die es mögen ist Distelmeyer ein alter Freund.
...laufen und fühlen nach Vorschrift...
Große Themen des Lebens bearbeitet. Heavy!. Schwerere Songs und heavigere Themen. Existenziell wie Glück, Trauer, Freude oder Verlust. So bricht Wohin mit dem Hass gleich mit der Gefühlsduselei. So boxt Distelmeyer von Emotion zu Emotion. So klimpert Distelmeyer auf seiner Klaviatur der Emotionen.
...das ist Er, da kommt Er, so ist Er...
Zwei Jahre nach der blumfeldschen Apokalypse tritt Jochen Distelmeyer nun wieder ins musikalische Sternensystem ein. Mit vielen tollen Popsongs, aber auch eckigen ruppigen Melodien. Und natürlich mit seiner tollen Stimme, die in ihrer Klarheit die Themen noch mal von einer ganz anderen Seite zeigt.
...ich weiß jetzt, warum ich hier bin...
...singt der Ex-Blumfeld-Chef im Song Lass Uns Liebe Sein. Immer wieder ist der Platte das Private anzuhören und es ist immer dieser Herr Distelmeyer, der zwei Jahre nach seiner Trennung von Blumfeld kräftiger und vitaler klingt als früher. Die Trennung eine konsequente Folge und das Soloalbum eine neue Perspektive.
...wurde ein goldener Käfig, was einmal Liebe war...
Singt Distelmeyer über die Zeit mit seiner Band oder schreibt er konkret über die Gratwanderung zwischen Selbstfindung und Selbstzweifel. Bleiben oder gehen – überhaupt eine Frage?
...weiß nicht wohin mit mir...
Distelmeyer ist ein gefährlicher Sparringspartner, sagt er nicht drei Songs vorher noch, er wisse warum er hier sei. Aber wenn man sich auf ihn einlässt und sich traut, wird einem der Unterschied zwischen Sein und Werden bewusst. Distelmeyer ist erstmal da – er ist zufrieden und wo es hingeht – das wird sich noch zeigen. ...ich leb dafür, und leb davon...
Aus Selbstzweifel wächst Selbstsicherheit und daraus gedeiht Selbstbewusstsein. Heavy! ist ein Album, dass mit seinen positiven Gedanken und seinem Respekt vor Problemen Lust macht auf Leben.
...und ich, ich bin am Ziel...
Review: Matthias Hacker
Erscheinungsdatum: 25. September 2009 Label: Columbia
Website: www.jochendistelmeyer.de Myspace: www.myspace.com/jochendistelmeyer
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Was sollte man von den Editors nach The Back Room (2005) und An End Has A Start (2008) erwarten? Sie hätten natürlich ein drittes Album im gewohnten Stil aufnehmen können und somit Gefahr laufen, in Stagnation und Langeweile abzudriften. Doch Tom Smith und seine drei Kollegen entschieden sich anders und haben den Mut, neue musikalische Wege zu gehen. Sie tauschen ihre Gitarren gegen Synthesizer und Drum-Machines ein und holen sich mit Mark Ellis alias Flood (Depeche Mode, Nine Inch Nails) einen neuen Produzenten ins Boot.
Was sich schon vorab mit der ersten Singleauskopplung Papillon angekündigt hat, führen die Editors auch auf dem Rest des Albums konsequent fort. So ist ein Drittlingswerk entstanden, das noch düsterer als seine beiden Vorgänger daher kommt und einen überaus dichten atmosphärischen Sound aufweist. Die Editors bauen meterhöhe Synthiewände und komplexe Kompositionen und schaffen so eine gewaltige Soundfläche. Sie erschaffen ein düsteres Monster mit deutlichen 80s-Reminiszenzen: 80er-Jahre New Wave-Sounds paaren sich mit kalten Industrial-Klängen und kreieren eine bedrohliche und unheimliche Atmosphäre. Die obskuren Verse über Gottlosigkeit, Desorientierung und Desillusionierung vorgetragen von Tom Smiths tiefer Baritonstimme erzeugen eine unheilvolle düstere Grundstimmung.
In This Light And On This Evening ist das wohl ungewöhnlichste Album, das Tom Smith und seine Mannen ihren Fans je beschert haben. Doch wer dem Album mehrere Hördurchläufe gibt, der wird die Tiefe, die dieses Album in sich birgt, erkennen. In This Light And On This Evening ist ein Album, das etwas Zeit braucht, um sich vollständig zu offenbaren. Aber wer durchhält, wird am Ende belohnt!
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 09. Oktober 2009 Label: Pias
Website: www.editorsofficial.com Myspace: www.myspace.com/editorsmusic
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Mika ist zurück. Der junge Mann, der vor nicht allzu langer Zeit mit seiner musikalischen Symbiose aus Gracia Patricia und Freddie Mercury die Musiknation in zwei Lager spaltete, präsentiert sein zweites Album The Boy Who Knew Too Much.
Der königliche Hauch eines Freddie Mercury umwebt die Songs des gebürtigen Libanesen nach wie vor. Ebenso greift Mika wieder beherzt hinein in die musikalische Wundertüte, um dem Hörer ein kaleidoskopisches Sammelsurium an Melodien zu präsentieren. Ein kunterbuntes Potpourri aus schrillen wie tanzbaren Songs.
Diesmal vermischt Mika nicht nur seinen Falsett-Gesang mit krähenden Kinderchören, sondern huscht auch kreuz und quer durch unterschiedliche musikalische Dekaden. Der Opener We Are Golden erinnert an hautenge Satinschlaghosen und Plateaus der Glam-Rock-Nation, während sich Dr. John unüberhörbar an dem Charme eines Musicals aus den 70ern orientiert. Rain zaubert das pulsierende Flair eines 80er-Jahre-Dance-Floor-Hits ins Zimmer. Dieses Odeur bleibt auch beim Folgetrack I See You noch haften. Eine Ballade, die an jene verträumte Zahnspangenromanik erinnert, die man als Teenager verspürte, als man zum ersten Mal Cinderella '87 im Fernsehen sah. Bei Boy Toy greift Mika dann ganz tief hinein in die zeitliche Klamottenkiste und zaubert Klänge hervor, die an einen alten Disney-Streifen aus den 40ern erinnern.
Mika - l'enfant de popmusique: In seiner Unbeschwertheit und Verspieltheit wirkt The Boy Who Knew Too Much wie eine Schneekugel in der Hand eines Kindes, das fasziniert in eine schillernde fremde Welt hineinblickt und diese schüttelt, bis es Konfetti regnet. Bei all der Leichtigkeit und Wandelbarkeit der Songs wäre es allerdings schön gewesen, wenn sich Mika die Zeit genommen hätte, kurz in der einen oder anderen Epoche zu verweilen, um ein wenig tiefer unter die Oberfläche der Songs abzutauchen. So schleicht sich im Verlauf von The Boy Who Knew Too Much das Gefühl einer Schnelllebigkeit und Rasanz ein, die an die popmusikalische Ausgabe des kleinen Häwelmanns erinnert. Allerdings tauscht Mika dabei das Bett gegen ein quietschbuntes Überschallflugzeug mit plüschigem Schleudersitz ein. Nichtsdestotrotz: Das Potential, das in Mika schlummert, bleibt auch dem letzten Skeptiker nicht verborgen. Bleibt nur zu hoffen, dass er dieses irgendwann einmal voll und ganz ausschöpft.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 18. September 2009 Label: Casablanca/Island (Universal)
Website: www.mikasounds.de Myspace: www.myspace.com/mikamyspace
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Post Electric Blues – dieser Name pflanzt dem Hörer schon mal drei Samen ins musikalische Blumenbeet. Die innovativste Züchtung erwartet man nicht, da alle Linien bereits bekannt sind und hinreichend gekreuzt wurden. Und doch verspricht man sich hinter Post Electric Blues ein besonders exemplarisches Prachtstück seiner Art. Doch leider ist mit Post Electric Blues Idlewild das nicht gelungen. Ist es vielleicht der Fluch eines Best Of-Albums, der schon viele Bands Inspiration und Glaubwürdigkeit gekostet hat? Ist es der ständige Wechsel von Label zu Label (sechs Alben auf fünf Labels)? Schwer zu sagen. Aber Idlewild haben es immer noch verdient ernst genommen zu werden. Denn Sänger Roddy Woomble war der Feingeist, der Literat, der Philosoph des schottischen Rock. Woomble war es, der seine Eloquenz durch ekstatische und chaotische Liveauftritte weder arrogant noch prätentiös wirken ließ. Wie sympathisch war sein unbedarftes "Seele-Auskotzen" auf ihrem Debüt Hope Is Important und wie feingeistig wirkten seine Zitate auf The Remote Part. Dagegen scheint der Neuling eher "post-eclectic". Und für diese Herangehensweise sind die Strukturen zu durchsichtig.
Das Album verlangt wenig vom Hörer und büßt bei jedem Male mehr an Tiefe ein. Die Ansätze der Rockhymnen früherer Tage sind wie beim Opener Younger Than America oder bei To Be Forgotten noch zu hören. Wenn auch textlich nicht gerade erhaben wie früher, zeigt sich in (The Night Will) Bring You Back To Life noch immer die anspruchsvolle Seite von Woomble und Idlewild. Die schönsten Blüten sprießen an den Extremen wie beim stonerrockigen Finale von Post-Electric oder auch am schließenden Take Me Back In Time.
Für eine Band, bei deren Gründung niemand ein Instrument beherrschte – für eine Band, die sich unter den vielen guten Hausnummern der schottischen Musiklandschaft niemals verstecken musste – für eine Band, die es trotzdem nie in die erste Reihe geschafft hat, darf dieses Album nicht der Abgesang sein.
Review: Matthias Hacker
Erscheinungsdatum: 02. Oktober 2009 Label: Cooking Vinyl
Website: www.idlewild.co.uk Myspace: www.myspace.com/idlewild
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In ihrem Heimatland sind Marie HØjlund und Emil Thomsen längst keine Unbekannten mehr. Seit der Veröffentlichung ihres Debüts The More gehören sie zu den meist gehypten Bands der dänischen Musiklandschaft. Bei der Sichtung des Longplayers sticht als erstes das Artwork des Covers ins Auge: Bunt übereinander gelegte Bildebenen, auf denen drei unterschiedliche Schrifttypen thronen, die so gar nicht zueinander passen wollen. Die unweigerliche Frage, ob der Grafiker sich als Inspiration einen kleinen Muntermacher gegönnt hat, erübrigt sich bereits mit den ersten Klängen des Openers Knight Song: Nein, kein Schnäpschen ist Ursache des bunten Eyecatchers, vielmehr ist das Cover die visuelle Antwort auf die Frage nach dem Sound, den Marybell Katastrophy produzieren.
Die Kost, die das Duo hier serviert, ist sicherlich nicht die leichteste und lässt sich nur schwer in einen einzigen Topf packen. Electro-Pop mit indietronischem Einschlag, BjØrk trifft auf Portishead und tanzt zu David Bowie auf Speed. So ungefähr und doch anders. Fakt ist, es wird geschraubt und gebastelt, dass es nur so kracht im Synthiegebälk. Mal schnarrt und knarzt es wie eine alte Schranktür, mal fiept und surrt es wie eine Fliege im Rückwertsgang und manchmal flimmern und flackern die Songs wie ein alter 15"-Röhrenmonitor. Musikalischer Fixpunkt ist dabei die Stimme von Marie HØjlund, die bei aller Experimentierfreude Marybell Katastrophys durch ihren melodischen Einsatz für eine kontinuierliche Harmonie innerhalb der Tracks sorgt. Im gros kommt dabei ein Album heraus, das den Hörer von der ersten bis zur letzten Sekunde fesselt, weil es absolut unberechenbar bleibt. Wenn beispielsweise das verträumte Whiteboard durch Froschgesänge eingeläutet wird, dann würde es auch niemanden wundern, wenn plötzlich ein Elefant das Zimmer betritt und auf einer Violine den Schneewalzer anstimmt. Diesen beschwören Marybell Katastrophy tatsächlich sechs Stücke weiter in Red Red: "I just wish you were an elephant, so you could hear the unhearable things I'm trying to say with my red red lips."
An eben diesen hängt der Hörer auch bis zum bitteren Ende von The More - nur um dann erneut die Play-Taste zu bedienen. Ein Album, wie ein Feuerwerk: Bunt, laut, glühend und unglaublich faszinierend!
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 25. September 2009 Label: PonyRec
Website: www.marybell.dk Myspace: www.myspace.com/marybellkatastrophy
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Keine Atempause gönnen sich The Ettes und schmeißen gerade mal fünf Monate nach der Veröffentlichung ihres viel umjubelten zweiten Albums Look At Life Again Soon mit Do You Want Power jetzt schon ihren dritten Longplayer auf den Markt. Das Trio, das mittlerweile von Los Angeles nach Nashville umgezogen ist, hat in nur fünf Tagen unter der Regie von Produzenten-Legende Greg Cartwright aka Greg Oblivion (The Oblivions, The Detroit Cobras, Jay Reatard) 13 neue Songs eingespielt.
Do You Want Power knüpft zwar an Look At Life Again Soon an, aber dennoch gibt es einige Neuerungen: Dominierte auf dem Vorgängeralbum fast ausschließlich Garage-Rock und Beatpunk, so legen die zwei Damen und der Herr auf ihrem neuen Longplayer etwas mehr Abwechslung an den Tag und erweitern das musikalische Spektrum um einige Sixties Girl-Pop-Nummern wie I Can Be Your Lover (But I Can't Be Your Baby) oder Seasons und auch mal countyeske, folkige Songs á la Nancy Sinatra (Keep Me In Flowers). Geschadet hat es dem Album aber in keiner Weise - im Gegenteil, diese neuen Facetten schaffen schöne Kontraste und sorgen so für ein variationsreiches Album. Natürlich ist der ungeschliffene und schmutzige Garagensound auch nicht ganz verloren gegangen. Songs wie der treibende Opener Red In Tooth And Claw oder das rockige Blood Red Blood versprühen immer noch die gewohnte Energie des Vorgängers - das Schlagzeug scheppert unbändig vor sich hin und der Bass knurrt draufgängerisch los.
Mit einer Gesamtspielzeit von gerade mal knapp 35 Minuten stellen The Ettes erneut ihr Können unter Beweis und zeigen, dass sie auch mehr drauf haben als nur einen garagenrockigen Sound. Auch Drew Barrymore hat das Potential der Band bereits erkannt und sie für den Soundtrack ihres Regiedebüts Whip It! mit ins Boot geholt. Diese Band sollte man auf jeden Fall im Auge behalten.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 02. Oktober 2009 Label: KNTRST Records
Website: www.theettes.com Myspace: www.myspace.com/theettes
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"Unhörbar" dient paradoxerweise als positives Prädikat für Avantgardemusik. Auch bei den vier Kaliforniern von Health findet sich diese Schublade. Mag der erste Höreindruck des selbst-betitelten Debüts verstörend und anstrengend gewesen sein, ist Get color wesentlicher, sortierter und arrangierter. Health sind immer noch verliebt ins Demontieren von Soundstrukturen und experimentieren weiterhin gerne mit korrodierenden Melodieclustern. Doch der Derwisch der ersten Scheibe, scheint deutlich gezähmt. Und dennoch wohnt auch Get Color - wie dem Debüt - der elaborierte, ambitionierte Zauber Lightning Bolt's und Animal Collective's inne. Denn John, Jake, Jupiter und Benjamin schaffen eine Kontrapunktik zwischen musikalischer Ästhetik und technischer Destruktion. Doch ein bisschen mehr Zeit hätte man Health schon gewünscht ihre innovativen Tentakel noch ein bisschen länger und weiter auszustrecken. Haben nicht etwa Animal Collective ganze zehn Alben dafür beansprucht?
Aber bei allem Zweifel scheinen Health zu wissen was sie tun oder zumindest glauben sie fest daran. Denn dieser Schwall aus kleinen akustischen Feuerwerkskörpern ist in einer kompromisslosen Art beeindruckend, wie sie nur schwer vermittelt werden kann. So verzeiht man den Jungs auch, wenn sich noch ganze zwei Minuten nach ihrem Konzert, der Pegel am Mischpult immer noch nicht im grünen LED-Bereich erholen darf.
Auf Get Color ist auch mit weniger selbstzerstörerischer Gewalt die Schizophrenie von Health zu hören. Es ist nach wie vor eine raue Mischung aus maschinellen Robotersounds, gepaart mit treibenden Drumparts und monotonen Gesangspassagen, die eher an Mantren erinnern als an gewöhnliche Textstrukturen. So platzt Get Color mit In Heat gleich mal brachial zur Tür herein und man möchte erst einmal Luft holen und sich orientieren in welcher Beta-Version "Alptraum" man sich gerade befindet. Danach baut sich das Album gemächlich auf. Vom klassischen Hit auf der Zwei Die Slow über die nerdigeren Songs wie Nice Girls und Before Tigers, bei denen sich durch die Beatbetten immer wieder nervenaufreibende Gitarrensounds sägen. Letztendlich findet sich das Finale von Get Color beim Song in einer rosaroten Albtraumblase wieder.
Review: Matthias Hacker
Erscheinungsdatum: 18. September 2009 Label: City Slang
Website: www.healthnoise.com Myspace: www.myspace.com/healthmusic
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Eins vorweg: Nicht umsonst haben Muse über acht Millionen Alben abgesetzt, zwei Abende hintereinander das Wembley Stadium ausverkauft und wurden mit zahlreichen Awards ausgezeichnet. Fakt ist: Muse ist eine der innovativsten Bands der Stunde und wie wunderbar es ihnen gelingt Innovation mit traditioneller Musikgeschichte zu verbinden, zeigt mehr als deutlich ihr neuestes, fünftes Werk The Resistance.
Matthew Bellamy hat nicht zu viel versprochen, als er von einem elektrischen neuen Album sprach. Aber es ist viel mehr: Diese Platte ist eine elektrisierende Glamrock-Symphonie! Klingt nach einem Konzept? Das gibt es auch, denn The Resistance darf man getrost als sound- und auch sujet-orientiertes Konzeptalbum beschreiben. Wie schon auf Black Holes And Revelations thematisiert die Band verstärkt die Grausamkeit der modernen Zeit in ihren Texten. Dieses Konzept zieht sich durch das gesamte Werk, ebenso wie ein konzeptorientierter Sound, der die elf Songs verbindet und in einer klassischen dreiteiligen Symphonie endet, für die Muse mal eben ein vierzigköpfiges Orchester aus Mailand an Land gezogen haben. Es ist erstaunlich, dass Matt Bellamy den Score für das Orchester fast im Alleingang komponiert hat. Dieser Mann ist einer der wenigen, der klassische und populäre Musik so fließend miteinander verbindet. United States Of Eurasia ist das beste Beispiel für die neue Kompositionsweise von Muse. Hier bedient sich die Band Led Zeppelin- und Queen-Zitaten, verarbeitet Motive aus Maurice Jarre's Musical Lawrence Of Arabia und schließt das Stück mit einer Chopin-esken Klaviersonate. Das mag eklektisch klingen, überzeugt allerdings in seiner Umsetzung. Es mag wohl keine andere Band geben, der es gelingen wird, diese verschiedenen Stile in einem Song zu verarbeiten. United States Of Eurasia ist damit bezeichnend für die neue Platte.
Dem Muse-Fan der ersten Stunde dürfte vielleicht der traditionelle Hit auf dieser Platte fehlen. Wobei nach mehrmaligem Hören Uprising, The Resistance und Unnatural Selection Black Holes kaum nachstehen. Aber was vielmehr begeistert, ist die neue Art, wie Muse ihre Stücke arrangieren und sie es geschafft haben, mit ihrem neuen Werk eine bombastische Rock-Symphonie zu schreiben, die unter die Haut geht, ohne vor Pathos zu triefen und von musikalischer Virtuosität nur so strotzt. Respekt!
Review: Marc Philipp Meyer
Erscheinungsdatum: 11. September 2009 Label: Warner Music
Website: www.muse.mu Myspace: www.myspace.com/muse
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Time To Die - so lautet der so gar nicht optimistische Titel des nunmehr dritten Albums von The Dodos. Werkelte Sänger und Gitarrist Meric Long 2005 noch allein an dem nach seinem Künstlernamen benannten Erstling Dodo Bird, so waren die folgenden Alben das Resultat der Zusammenarbeit mit dem fortan am Schlagzeug tätigen Logan Kroeber. Zur aktuellen Platte gesellte sich nun auch Keaton Snyder, der sich dem Spielen des Vibrafons, worunter die Weiterentwicklung der Marimba (die wiederum der Xylofonfamilie angehört) zu verstehen ist, widmet. Und wer weiß, vielleicht nähern sich die The Dodos beim nächsten Album der klassischen Bandbesetzung und holen noch einen Bassisten an Bord...
Aber jetzt endlich mal zum neuen Album, das auch ohne Bass und mit Vibrafon, das den Klang eindeutig bereichert, funktioniert. Produziert wurde Time To Die von Phil Eks, der sich auch schon den Fleet Foxes, Bulit To Spill und The Shins angenommen hatte. Und irgendwie ist Time To Die auch in der Nähe von The Shins anzusiedeln. Und irgendwie kommt einem beim Hören auch Somebody Still Loves You, Boris Jelzin in den Sinn. Irgendwie ist die Musik des San Fransisco-Trios zwischen diesen beiden Referenzangaben einzuordnen. Aber das nur nebenbei zur groben Orientierung. Denn Time To Die nimmt schon einen eigenen Platz ein: als Indierock mit Folk-Reminiszenzen, dessen sphärisch-strömend anmutende Passagen sich durch Rhythmuswechsel nicht nur in seichten Gewässern verlieren, sondern auch mal Strudel verursachen. Was es nun mit dem Titel Time To Die auf sich hat, bleibt im Infozettel unbeantwortet.
Aber soviel steht (für mich) fest: Time To Die klingt nach Herbst. Diese Stimmung wird mit Small Deaths eingeläutet und mit dem letzten Track Time To Die besiegelt – zwischendrin wird das Laub allerdings noch mal bei This Is A Business und Two Medicines aufgewirbelt. Und da man im Herbst eher weniger Aktivitäten im Freien nachgeht, ist nun auch die richtige Zeit, sich dem Album von The Dodos eingehend zu widmen.
Review: Michaela Wicher
Erscheinungsdatum: 04. September 2009 Label: Wichita/Cooperative Music
Website: www.dodosmusic.net Myspace: www.myspace.com/thedodos
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Scarlett Johansson ist spätestens seit Lost In Translation jedem Cineasten ein Begriff. Im letzen Jahr wagte die New Yorkerin mit ihrem Tom Waits-Coveralbum Anywhere I Lay My Head den Schritt von der Schauspielkunst ins Musikbusiness. Auf Break Up übernimmt sie nun neben Singer/Songwriter Pete Yorn den Part der weiblichen Hauptrolle.
Die Idee zu Break Up kam Yorn 2006, als er nach dem Ende einer Beziehung unter Schlafproblemen litt. Nach einer schlaflosen Woche wachte er aus einem Nickerchen mit dem Gedanken auf, ein Duett-Album aufzunehmen wie seinerzeit Serge Gainsbourg und Brigitte Bardot. Was für andere eine fixe Eingebung Frau Mabs ist, war für Pete Yorn eine Mission. Nach kurzer Überlegung stand für ihn fest, dass seine Brigitte niemand anders als Scarlett Johansson sein sollte. Eine mehr als glückliche Entscheidung, wie Break Up zeigt.
Man mag sich darüber streiten, ob Scarlett Johansson das Zeug zur Sängerin hat oder nicht. Letztendlich kommt es nicht darauf an, über eine 10 Oktaven-Stimme zu verfügen, sondern mit Hilfe von Arrangements seine Skills so einzusetzen, dass dabei Schönheit entsteht. Für eben diese Arrangements hat Pete Yorn auf Break Up gesorgt. Die Stimme der Johansson fügt sich perfekt in das Gesamtkonstrukt ein. Dezent, unaufdringlich und trotzdem omnipräsent. Wie ein Windhauch oder ein Geist aus der Vergangenheit, der Hauptakteur Yorn nicht loslässt. Nicht ganz unpassend, wenn man bedenkt, dass Break Up den Beginn einer leidenschaftlichen Beziehung und ihr Scheitern beschreibt.
An dieser Stelle wird klar, warum Scarlett Johansson die perfekte Wahl für Break Up gewesen ist: Es ist die Fragilität ihrer Stimme, der Mangel an Kraft, der Yorn genug Raum lässt, seine Erfahrungen und emotionalen Zerwürfnisse musikalisch aufzuarbeiten. Was viele als Schwäche bekritteln, erweist sich hier als ideale Ergänzung und Komplettierung.
Das Ergebnis dieser Kooperation ist ein wunderbares Folk-Album, das zeigt, was für ein Potential in einem Pete Yorn schlummert – auch, wenn er dieses in seinen letzten Alben anscheinend gut versteckt hielt. Vielleicht bedarf es manchmal eben einer vermeintlich schwachen Frau, ein solches zu wecken und ans Licht zu bringen. Eine unterkühlte Schönheit wie Scarlett Johansson ist wohl prädestiniert dazu.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 04. September 2009 Label: Warner
Website: www.peteyorn.com Myspace: www.myspace.com/peteyorn
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Den meisten Leuten ist der Name Brendan Benson wohl eher im Zusammenhang mit der Band The Raconteurs ein Begriff. Dabei ist die Band um White Stripes Frontmann Jack White längst nicht sein einziges musikalisches Engagement. So ist der in Nashville lebende Brendan Benson, neben seiner Tätigkeit als Produzent, auch und vor allem vorrangig als Solokünstler aktiv. Allerdings lässt er seine Fans mit unter sehr lange warten bis er neue Alben veröffentlicht. Sein erstes Album veröffentlichte er bereits 1996 und präsentiert uns nun, vier Jahre nach seinem dritten Album The Alternative To Love, sein viertes Album mit dem Titel My Old, Familiar Friend.
Das Album ist beim ersten Reinhören vielleicht nicht ganz so eingängig wie sein Vorgänger, beweist nach einiger Zeit aber durchaus seine Stärken. Das soll jetzt in keiner Weise abwertend gemeint sein, sondern spricht ganz im Gegenteil für seine Songs, die bei weitem zeitloser und vor allem abwechslungsreicher daherkommen als dies noch beim Vorgänger der Fall war.
Das Album steht weitestgehend für hochkarätige Popsongs, denen es gelingt sich irgendwo zwischen den Größen der Vergangenheit, wie den Beatles oder den Beach Boys, und den späteren Indie-Helden, wie Weezer oder Pavement, einen Platz zu sichern. Wie das genau geht weiß wohl nur Benson selbst. Er war es schließlich auch, der The Raconteuers bereits als eine Mischung aus Cat Stevens und Deep Purple bezeichnete. Benson scheint somit ein Experte zu sein, wenn es darum geht, musikalische Versatzstücke neu zusammen zu setzen. Und das gelingt ihm während seiner 11 neuen Songs vorzüglich.
Diese Fähigkeit zeigt er bereits beim Opener A Whole Lot Better, in dem er verspielte Gitarrenläufe und eingängigen Gesang so zusammensetzt, dass der Song quasi zeitlos und poppig definitiv ins Radio gehört. Im Grunde verhält es sich bei jedem Songs so. Mal geht es etwas ruhiger mit Klavier und/oder Streichern und fast schon bluesig anmutend zur Sache und mal präsentiert er uns reine Popperlen, die durch ihre Kurzweiligkeit und Eingängigkeit nur so vor guter Laune strotzen. Wer also auf unterhaltsamen 60s Pop, tanzbaren 70s Soul und auf rockige Gitarrenklänge steht, der sollte auf jeden Fall in das Album reinhören und zugleich hoffen, dass Benson sich bis zum nächsten Album nicht wieder so lange Zeit lässt.
Review: Axel Schinkel
Erscheinungsdatum: 04. September 2009 Label: Cooperative Music
Website: www.brendanbenson.com Myspace: www.myspace.com/brendanbenson
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Die wilden Jahre der Arctic Monkeys sind vorbei. So scheint es zumindest, wenn man den neuen Longplayer Humbug der Sheffielder hört. Haben uns die arktischen Affen in der Vergangenheit zwei Alben lang mit frenetischen und euphorischen Pop-Punk-Hymnen erfreut, so bricht Humbug grundlegend mit dem Erfolgs-Konzept der beiden Vorgängeralben. Ein Grund dafür könnte der neue Produzent Josh Homme (Kyuss, Queens Of The Stone Age) sein, in dessen Joshua Tree-Studio in Kalifornien der größte Teil des Albums entstanden ist. Vielleicht ist es aber auch der Einfluss der kalifornischen Wüste, der das Album geprägt hat. Jedenfalls legen die Arctic Monkeys auf ihrem neuesten Werk ein arg gedrosseltes Tempo vor und wirken wesentlich ruhiger und gesetzter. Fort ist das jugendliche Ungestüm und der Sturm und Drang, stattdessen setzen die Jungs auf schwere, düstere Songs mit dunklen Klangfarben und bizarren Sounds, bei denen einem schnell der Gedanke an einen Tarantino- oder Lynch-Soundtrack durch die Hirnwindungen geistert.
Gut, was hätte man von einem dritten Arctic Monkeys Album erwarten sollen? Es gab nur zwei Möglichkeiten: Entweder völlig neue Wege einschlagen oder der alten Linie treu bleiben und dabei Gefahr laufen, als Band zu stagnieren. Turner und seine Jungs haben sich für ersteres entschieden und einen neuen Sound für sich gefunden. Und so bescheren sie uns auf Humbug nun zehn Songs mit atmosphärischer Dichte und kompositorischer Reife. Die hypnotisierenden Rhythmen und Alex Turners beschwörende Stimme, die über allem schwebt, erzeugen eine fast düstere Grundstimmung, die sich über das gesamte Album zieht. Bei Dangerous Animals oder Pretty Visitors scheint es zwar, als hole sie dann doch für einen kurzen Moment die Vergangenheit wieder ein, jedoch wirken die Jungs auch hier letztendlich eher zurückhaltend und gebremst.
Eins ist sicher - Humbug wird die Musiknation in zwei Lager spalten: Diejenigen, die die ersten beiden Alben der Arctic Monkeys und ihre Working Class-Attitüde geliebt haben, werden beim Hören des neuen Werkes verstört sein und sich die Frage stellen: Was haben sich die Arctic Monkeys bei diesem Humbug nur gedacht? Diejenigen, die einen dritten Aufguss der beiden ersten Alben als langweilig erachtet hätten, wird dieses Album begeistern. Die hier Schreibende gehört zu Ersteren.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 28. August 2009 Label: Domino Records
Website: www.arcticmonkeys.com Myspace: www.myspace.com/arcticmonkeys
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Diejenigen, deren Helden der Kindheit noch lustige Namen wie Pippi Langstrumpf trugen, die Ferien auf Saltkrokan machten oder mit Ronja Räubertochter durch die Wälder streiften, können sich bestimmt auch noch an die Geschichte des kleinen Bosse erinnern, der als Prinz Mio das Land seines Vaters vom bösen Ritter Kato befreit. Eben dieser Figur Astrid Lindgrens entliehen Mein Mio aus Berlin ihren Bandnamen - und ihre leicht märchenhafte Erzählweise der Songs auf ihrem Debütalbum Irgendwo in dieser großen Stadt.
Mit verträumter Entrücktheit erzählen Mein Mio Geschichten aus dem Leben junger Menschen, in denen man sich nur all zu gut wieder finden kann: Das suchende Ich, das fragende Du und irgendwo dazwischen der Nachbarn vom Balkon gegenüber, der sich im Dschungel der Großstadt wahrscheinlich genauso oft verläuft, wie man selbst. Dabei zieht sich eine leichte Melancholie wie ein roter Faden durch die Songs, die durch die abwechslungsreiche Instrumentierung und die gelungenen Arrangements stets eine gewisse Leichtigkeit behalten. Alles sehr hübsch gemacht, sehr stimmig, sehr rund. Genau das ist auch der größte Schwachpunkt von Irgendwo in dieser großen Stadt: Das Album verliert sich mit zunehmender Länge in seiner Glätte. Man beginnt nach Löchern oder Vorsprüngen zu suchen, in die man fallen oder an denen man sich festhalten könnte. Stattdessen rutscht man auf der spiegelglatten Oberfläche immer weiter hinunter in die Belanglosigkeit. Etwas weniger Politur und dafür einige Kratzer hätten Irgendwo in dieser großen Stadt sicherlich gut zu Gesicht gestanden.
Triviallyrik mit einer Prise Befindlichkeitsfixierung ist eine durchaus solide Basis, wenn man die jungerwachsene 2000er Generation für sich gewinnen möchte. Baut man darauf dann noch eingängige Melodiegebilde, hat man sich schon fast in die Herzen der Radiofangemeinschaft gespielt. Mein Mio haben es zumindest ins Airplay von Radio Fritz geschafft und erreichten sogar das Finale des RadioawARD in Berlin. Nichts daran ist verwerflich. Im Gegenteil: Musik ist dazu da, um auf offenen Ohren zu stoßen und gehört zu werden. Nur stellt sich die Frage, wie viel von diesem Album oder Mein Mio zurück bleibt, wenn man sich nach dem letzten Track Am Ende kaum noch an den Anfang von Irgendwo in dieser großen Stadt erinnern kann. Hoffen wir an dieser Stelle, dass der Slogan jener Bekleidungskette, die Mein Mio präsentiert, nicht ihr eigener wird: "Dress for the moment".
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 28. August 2009 Label: Sound Guerilla
Website: www.meinmio.de Myspace: www.myspace.com/meinmio
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Sie hätten es auch anders haben können: Nachdem ihr Label geschlossen wurde, wäre es für die Mitglieder von Karpatenhund ein leichtes gewesen, sich auf andere Dinge zu konzentrieren. Sängerin Claire Oelkers hätte weiterhin ihre MTV- und Schauspielkarriere vorantreiben können, während Locas In Love für Björn Sonnenberg, Niklas Jansen und Stefanie Schrank ein warmes Zuhause gewesen wäre. Karpatenhund haben sich anders entschieden. Und zwar für die Produktion ihres zweiten Longplayer Der Name dieser Band ist Karpatenhund.
Eine Entscheidung, zu der man die Kölner Band nur beglückwünschen kann. Was mit zuckersüßem Fräuleinwunderpop zwischen Klee und den anfänglichen Wir Sind Helden klingt, entwickelt sich im Laufe des Albums zu einem Abgrund desillusionierter Realitätsbekundungen. Sängerin Claire Oelkers nimmt einen Spiegel und hält ihm dem Hörer vors Gesicht. Ob man das nun mag, was man darin sieht oder nicht, kommt ganz darauf an, wie weit man sich traut, hinter die Silberlegierung des Glases zu schauen. Fakt ist, dass Der Name dieser Band ist Karpatenhund durch melancholische Texte brilliert, in denen sich wohl jeder wieder finden kann, dem einen Tag lang mal nicht die Sonne aus dem Allerwertesten geschienen hat.
Kasus Knacktus sind dabei die Kontraste, die das Album setzt. Weiche Waldhörner (ja, die hat der gute Peter Deimel schon gekonnt auf K.O.O.K. des tocotronischen Dreiers einzubinden gewusst) treffen auf kühle Basslinien und synthetische Drums. Und trotz der Tiefgründigkeit der Texte schaffen es Karpatenhund, ein Album zu kreieren, dass einen Tanzflächentest ohne weiteres überstehen kann. Ein Zirkeltanz aus dunklen Moll-Akkorden und leuchtenden Popharmonien.
Simpel wie schön schließt sich der Kreis, der mit Anfang beginnt, mit dem elften Track Ende, der den Hörer durch das Riff des Plainsong von The Cure hinaus geleitet in ein weißes Rauschen. Ob darin ein Anfang oder ein Ende liegt oder irgendetwas dazwischen, das weiß nur die Band, deren Name Karpatenhund ist.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 28. August 2009 Label: Wanderlust Musik
Website: www.karpatenhund.com Myspace: www.myspace.com/karpatenhund
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Virginia Jetzt! öffnen einmal mehr ihre Arme und laden zum Liebhaben ein. Der vierte Longplayer der Band trägt den idyllischen Titel Blühende Landschaften und macht seinem Namen alle Ehre. Zuckersüße Liebesschwüre gallore, die Träume von ewiger Zweisamkeit und Küssen im Sonnenuntergang wecken.
Ein wenig erinnert Blühende Landschaften an die Münchener Freiheit – und das nicht ohne Grund. Schließlich fungierte Ex-Münchener Freiheit-Sänger Stefan Zauner bei einigen Songs als Tutor, der Neuarrangements vornahm oder auch im Background von Hollywood zu hören ist. Alles in allem machen Virginia Jetzt! allerdings damit weiter, womit sie aufgehört haben: Mit lieblichen Schmonzetten, die pubertierende Teenies von der großen Liebe träumen lassen und mit denen sie sich in den Schlaf weinen können, wenn sie die Bedeutung des Wortes Utopie begriffen haben. Romantik-Pop trifft auf modernen Schlager und eröffnet völlig neue Zielgruppen-Horizonte. Mit ihren Texten über schlagende oder nicht mehr schlagende Herzen dürfte das Berliner Quartett nämlich auch das Klientel 50jähriger Hausfrauen erreichen, die bei Meg Ryan-Filmen ins Taschentuch schnäuzen und die gesamte Rosamunde Pilcher-Kollektion ihr eigen nennen.
Dabei sind es nicht mal die Texte auf Blühende Landschaften, die dieses Album so anstrengend machen. Es sind auch nicht die sanften Vocals Nino Skrotzkis oder die warmen Arrangements aus Streichern, Piano und Synthesizern – vielmehr ist es die Kombination aus alle dem. Ein musikalisches Dessert aus Vanilleeis mit Schokosauce, Schlagsahne, Amarenakirschen und Zuckerstreuseln, dessen Anblick allein bereits ausreicht, um ein böses Rumoren im Magen zu verursachen.
Dabei wollen Virginia Jetzt! genau das Gegenteil. Sie wollen, dass man sich nach dem Hören von Blühende Landschaften wohl fühlt, behaglich, aufgehoben in der Hoffnung, dass alles gut ist oder zumindest irgendwann wird. Vielleicht wäre das Ganze sogar annehmbar, wenn es nicht diesen "Everbody's Darling"-Touch hätte, diesen Schwiegersohn des Jahres-Sound. Denn genau dieser liegt dem gepflegten Musikfreund nach dem Genuss von Blühende Landschaften so schwer im Magen, als hätten Strotzki & Co. völlig unvermittelt einen hinterlistigen Punch hinein bugsiert. Wenn die letzten Akkorde von Leisegehen verklungen sind, ertappt man sich bei dem Gedanken, dass es eigentlich völlig egal ist, ob Virginia Jetzt! leise oder laut gehen – Hauptsache sie gehen überhaupt und nehmen dieses Album mit.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 28. August 2009 Label: BMG Rights Management
Website: www.virginiajetzt.de Myspace: www.myspace.com/virginiajetzt
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Hinter Alex Face verbergen sich die vier Schweden David Kihlberg (Gesang/Gitarre), Frederik Kihlberg (Gesang/Bass), Sebastian Bergman (Gitarre) und Björn Westerlund (Schlagzeug). Benannt hat sich das Quartett nach einem durchgeknallten Zahnarzt aus dem schwedischen Örebrö, der 1995 seine ärztliche Zulassung verloren hat, weil er bei der Behandlung seiner Patienten eine Vogelmaske und einen Umhang getragen haben soll.
Nachdem 2008 ihr Debütalbum Smell Like A Woman erschienen ist, veröffentlichen Alex Face nun gerade mal ein Jahr später mit Never Been Alright ihr zweites Album. Neues gibt es hier allerdings nicht zu berichten. Alex Face machen mit Album Nummer 2 genau da weiter, wo sie damals mit Album Nummer 1 aufgehört haben. So spielen die Schweden sich weiterhin unter der Regie von Produzent Henrik Lipp durch eine Mischung aus Rock n Roll, Blues, Country, Garage und Punk, was klingt als hätte sich Tom Waits mit den White Stripes und den frühen Rolling Stones zu einer Jam-Session getroffen. Diese Kombination mag sich jetzt vielleicht zunächst viel versprechend anhören und bei so manchem Musikhörer Interesse wecken, doch leider ist es alles andere als das. Denn auf gesamter Albumlänge wird der Sound der vier Schweden äußerst anstrengend, so dass man den Finger so manches Mal in Richtung Skip-Taste bewegen möchte. Es bedarf wirklich starker Nerven, um die gesamten 36 Minuten Laufzeit dieser Platte komplett durchzuhalten. Der gewollt primitive und rohe Sound aus stets leicht verstimmten Gitarren und schrägen Gesangslinien mag sich zwar von den vorherrschenden musikalischen Standards abheben, dennoch bekommt man allzu oft das Gefühl, die Band habe bei einer ihrer Jam-Sessions im Proberaum ein Demotape mitlaufen lassen.
Nichts für ungut, aber der schmale Grad zwischen 60er Jahre Retro-Charme und nervenstrapatierendem Geschrammel wird hier einfach zu oft überschritten, so dass Never Been Alright leider keinen bleibenden Eindruck hinterlässt. Zumindest nicht im positiven Sinne.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 28. August 2009 Label: Alleycat Records
Website: www.alexface.com Myspace: www.myspace.com/alexfaceband
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MSTRKRFT (Masterkraft) ist das kanadische Elektro-Duo Al-P alias Al Puoudziukas und JFK alias Jesse Frederick Keeler, das drei Jahre nach ihrem Debüt The Looks nun mit Fist Of God nachlegt. Ob man an der aus Körpern (vornehmlich Oberschenkeln und Ä...schen) geformten Faust auf dem Cover des Albums Geschmack findet, sei dahingestellt. Wichtig ist die Musik.
Auf Fist Of God werden auf der Grundlage von den Wurzeln des Punk Elektro mit HipHop vereint. Die Gemeinsamkeit aller Tracks liegt in der Schlagkraft, insofern haben Al-P und JFK sich für das richtige Symbol entschieden. Bei der Produktion des treibenden Sounds dürften den beiden sicherlich die Erfahrung aus DJ- und Remix-Aktivitäten für Bloc Party, Justice oder The Kills hilfreich gewesen sein.
Fist Of God entspricht genau ihren Vorstellungen eines gelungenen Sets, das die Leute zum Tanzen bringt. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf ist genau solch ein Album entstanden. Dabei legten Al-P und JFK aber nicht nur Wert auf tanzbaren Sound, bei dem fette Bässe und schrille Synthie-Klänge auch mal dem Piano Platz einräumen, sondern auch auf eine entsprechende Auswahl an Gastmusikern wie Lil'Mo, Ghostface Killah, N.O.R.E und ISIS, E-40 oder dem R&B-Talent John Legend, die der instrumentellen Schlagkraft von Fist Of God die stimmliche Schlagkraft hinzufügen, und somit den Abwechslungsreichtum des Albums verstärken.
Review: Michaela Wicher
Erscheinungsdatum: 11. September 2009 Label: Cooperative Music
Website: www.mstrkrft.com Myspace: www.myspace.com/mstrkrft
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Frank Popp, der seinerzeit in einem Coca-Cola-Spot-Jingle die Behauptung in den Raum stellte, hippe Teens würden keine Blue Jeans tragen, meldet sich mit seinem aktuellen Album Receiver zurück. Zwar ist das Ensemble dieses Mal nicht im Namen vertreten, im Hintergrund des Longplayers ist es jedoch deutlich zu hören.
Auch auf Receiver scheinen sich die jungen Wilden nicht im Levi's Outlet-Store zu bedienen – vielmehr klingt das Ganze nach knackigen Lederhosen und Suzie Quatro-Bikerboots. Neben beatleesken 60s Tracks wie Nothing To Gain oder Dead End Street lädt Frank Popp den Hörer zu einem Ausflug in die rockenden 70er ein. Gitarrenbretter stapeln sich über orchestralen Arrangements und geben dem Hörer das Gefühl, den guten alten Opel Corsa vor der Haustür mit Doc Browns Delorean verwechselt zu haben. Startet das Ganze noch als abenteuerliche Spritztour in die Vergangenheit, so geht dem plutoniumbetriebenen Boliden leider schnell die Puste aus. Receiver entwickelt sich zu einer langatmigen Überlandfahrt. Selbst der soulige Charme Sam Leigh-Browns, die Frank Popp wie bereits auf vorherigen Alben auch für Receiver als Sängerin verpflichtet hat, reicht nicht aus, um der unvermeidlichen Frage zu entgehen: "Wann sind wir denn endlich da?!?" Einziges Highlight der Tour ist das melancholisch-verträumte Countdown To The Sun, mit dem sich Ex-Blackmailer Aydo Abay nach seinem Austritt aus der Band stimmlich wieder zurück meldet.
Dabei ist es erstaunlich, dass die Songs in sich durchaus funktionieren: Bricht man Tracks wie Hey Mr Innocent oder I Don't Mind aus ihrem Zusammenhang, so wird man mit durch und durch tanzbaren Unikaten konfrontiert, bei denen man nicht anders kann, als mit dem Fuß zu wippen. Im Kontext des Albums jedoch verlieren die Stücke ihre Wirkung: Zu ähnlich sind die Arrangements, zu konstruiert erscheint der Sound. Nach einer 50minütigen Fahrt findet man sich in seinem soliden Rüsselsheimer Kleinwagen wieder.
Frank Popps Bestreben, dem Schicksal eines One-Hit-Wonders zu entgehen, scheint ein Hangeln von Album zu Album zu sein. Ein Wettlauf gegen die Vergessenheit. Von seinem neuesten Werk Receiver bleibt am Ende leider auch nicht allzu viel hängen. Vielleicht liegt es daran, dass die hippen Teens doch Blue Jeans tragen...
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 10. Juli 2009 Label: TV Eye Records (Indigo)
Website: www.frankpopp.com Myspace: www.myspace.com/frankpoppmusic
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2007 setzte die dänische Formation The Elephants mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum ein erstes Ausrufungszeichen. Ihr fröhlicher Indie-Surf-Pop wurde durch die Bank gefeiert, mit den Beach Boys und I'm From Barcelona verglichen, und große Hoffnung auf weiteres Material wurden gehegt. Mit dem zweiten Langspieler Take It! ist es nun soweit.
Allerdings hat es in der Zwischenzeit eine kleine Veränderung gegeben, mit mehr oder weniger starken Folgen. 2008 verstarb der Bassist des ersten Albums und langjähriger Freund der Band, Rasmus Nybo. Inwiefern sich dieser Schicksalsschlag auf die Band und den Songwriting- und Aufnahmeprozess ausgewirkt hat, ist nicht wirklich klar. Tatsache aber ist: Take It! ist im Vergleich zum Vorgänger um einiges ruhiger und melancholischer ausgefallen. Ob das jetzt eine geplante Weiterentwicklung ist, oder ob der Todesfall so deutlich seine Spuren hinterlassen hat, sei dahingestellt. Ihren ansteckenden Dance-Appeal haben The Elephants leider etwas eingebüßt.
Und dennoch: Ihren ganz besonderen Sound haben die Dänen beibehalten. Überlegte Arrangements, ein buntes Instrumentarium mit Banjo, Ukulele, Trompete und heulenden Tremolo-Gitarren und himmlische Background-Chöre sorgen für ein hohes Qualitätsniveau vom ersten bis zum letzten Track. Bis auf den Opener The Organ Grinder, der noch die hibbelige Energie des ersten Albums andeutet, verbreitet das Album eine schwelgerisch-verträumte Stimmung, die zwar nachdenklich, aber auf keinen Fall zu schwermütig ist. Diese entspannte Spätsommeratmosphäre macht natürlich auf Dauer ebenso träge, wie die ganze Platte anfangs klingen mag, aber aus der Ruhe kommt ja bekanntlich die Kraft. Die Kraft, die einem in Songs wie Eva oder Nothing But Clues nach und nach entgegenstrahlt. Bleibt zu hoffen, dass The Elephants auf diesem bemerkenswerten Fundament weiter aufbauen können.
Review: Michael Döringer
Erscheinungsdatum: 28. August 2009 Label: Tapete Records
Website: www.elephants.dk Myspace: www.myspace.com/theelephantsdk
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Neues aus Australien. Keine Waldbrände oder neue blutige Hai-Attacken, sondern ein wuchtiges Rock'n'Roll-Album kommt von dem kleinen Kontinent zu uns herüber. Es trägt den Namen Shaka Rock und ist mit 12 Songs der dritte Silberling von Jet. Musikalisch knüpft Shaka Rock an das Debütalbum Get Born an. Das rauhe und rockige Hitverdächtige Songwriting, das bereits durch die zwei Singleauskopplungen K.I.A. und She's A Genius angedeutet wurde, wird in den anderen 10 Songs aufgegriffen und überzeugend zu Ende gebracht, so dass ein gutes neues Album von Jet entstanden ist.
Schon das Cover mit einem brennenden Lieferwagen deutet an, dass Jet wieder wild sein wollen und die Welt einfach wieder rocken möchten. So findet sich auf Shaka Rock nur eine Ballade. Alles andere ist durchgängiger, mitreißender und wuchtiger Rock. Hervorragend sind die zum Teil im Ohr bleibenden Gitarrenriffs, die oft das gewisse Etwas bei den Songs ausmachen. Sie geben Tempo ohne überdreht zu klingen und auch das Schlagzeug weiß sich an entsprechenden Stellen dezent zurückzuhalten, aber treibt die Songs stets an, damit sie doch wild und verspielt klingen. Besonders das "Yeah, yeah, yeah" im Song Walk zaubert einem das Lächeln ins Gesicht und man hat für mindestens 3 Minuten gute Laune. Manches auf dem Album erinnert stark an die Beatles (La Di Da) und auch ein AC/DC-Tribute (Black Hearts) findet der interessierte Musikhörer.
Alles in allem eine gute dritte Platte der australischen Band, die allerdings nicht unbedingt das Indierock-Herz stetig höher schlagen lässt. Ich würde es als ein solides Werk bezeichnen. Große brillante Momente bleiben beim Hören leider bisher aus. Trotzdem ist es ein Reinhören wert, denn eine deutliche Steigerung zum Vorgängeralbum ist ohne Zweifel zu erkennen. Liebe Australier macht weiter so!
Review: Tobias Basse
Erscheinungsdatum: 28. August 2009 Label: Virgin (EMI)
Website: www.jettheband.com Myspace: www.myspace.com/jet
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Zwei Jahre ist es in etwa her, dass Jas Shaw und James Ford von Simian Mobile Disco ihr Debütalbum Attack Decay Sustain Release unter die Leute gebracht haben. Das Folgewerk Temporary Pleasure ist nun sicherlich nicht als kurzfristiges Vergnügen zu verstehen, da die Vielfalt, durch die sich das Album auszeichnet, auf jeden Fall zu wiederholtem Hören initiiert. Diese Vielfalt verdankt Temporary Pleasure zum einen der Zusammenarbeit mit Gastsängern wie Chris Keating von Yeasayer, Jamie Lidell, Young Fathers, Alexis Taylor von Hot Chip und nicht zuletzt mit Gossip-Frontfrau und Karl Lagerfeld-Muse Beth Ditto.
Dem noch seicht daherkommenden Opener Cream Dream steuert Gruff Rhys von den Super Furry Animals seine Stimme bei, bevor mit Audacity Of The Huge Chris Keating eine Schippe zulegt und es in Richtung Tanzfläche gehen kann. Eine weitere Steigerung stellt 10000 Horses Can't Be Wrong dar, das gänzlich ohne Gesang auskommt und stattdessen – wie auch die beiden weiteren Simian Mobile Disco-Alleingänger Synthesise und Ambulance, auf instrumentelle Schubkraft für die Elektro-Disko setzt. Bei Synthesise verstärkt der Gebrauch der Stimme mit der Aussage "I was born to synthesise" den klanglichen ihr dementsprechenden Überbau, wohingegen Jas Shaw und James Ford bei Ambulance voll auf das klangliche Wechselspiel von synthetischer Imitation der Ambulanzsirene und von Basswucht setzen.
Doch zurück zu den Gastsängern: Teilweise sind diese Kollaborationen Ausflüge in unterschiedliche elektronische Gefilde. Mit Beth Ditto reisen Simian Mobile Disco zunächst in die 90er und lassen den Eurodance leicht aufflackern. Bei Off The Map mit Jamie Lidell geht es noch weiter zurück; hier dominiert schnelles Tempo, das deutlich Spuren der 80er Jahre aufzeigt, die sich durch den basslastig-treibenden Song ziehen. Die Mixtur von Raumschiff-Orion-anmutenden Klängen und ein Jungle-ähnlicher Beat treiben Alexis Taylor bei Bad Blood an. Mit Pinball feat. Telepathe schließt sich Temporary Pleasure wie es eröffnet worden ist und lässt den Hörer ein wenig für den nächsten Durchlauf runterkommen.
Review: Michaela Wicher
Erscheinungsdatum: 14. August 2009 Label: Wichita/Cooperative Music (Universal)
Website: www.simianmobiledisco.co.uk Myspace: www.myspace.com/simianmobiledisco
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Manche Songs scheinen sich irreversibel im Großhirn einzunisten. Man könnte sie selbst mit der gründlichsten Gehirnwäsche nicht aus dem Erinnerungszentrum schrubben. Einer davon ist Zoot Womans Living In A Magazine, der seinerzeit bei ausdauernden Night-Outs zu einer der Hymnen auf der Tanzfläche gehörte. Schneidiger Elektropop eines Trios aus Reading, deren Anzüge genauso weiß waren wie das Koks auf den Toiletten der Stylo-Clubs, in denen jeder für eine Nacht in seinem eigenen Magazin leben konnte. Mit ihrem unterkühlten Charme aus dandyesken Vocals und pulsierenden Beats brachten Zoot Woman die Club- wie die Indieszene gleichermaßen zum kochen.
Sechs Jahre ist es her, dass die Herren zum letzten Mal in Form ihres zweiten Albums Zoot Woman von sich hören ließen. In der Zwischenzeit betätigte sich Basser Stuart Price als Produzent, Komponist und Musiker für Madonna, die Killers oder Seal. Bei all der Stille um Zoot Woman war man sich nicht wirklich sicher, ob man von dem Trio überhaupt noch etwas hören würde. Und dann meldet es sich auf einmal wieder zurück, als sei nichts gewesen und als wären sechs Jahre im bandeigenen Mikrokosmos nur ein stroboskopartiger Wimpernschlag.
Das Ergebnis der sechsjährigen Schaffensphase ist ein Album, das nur so strotzt vor Energie und Kreativität: Zoot Woman durchqueren Eurodance-geschwängerte 80's-Hemisphären, driften ab in psychedelisch-transzendente Harmonien, feilen die Synthesizer so lange aus, bis aus diesen sirenenartige Speerspitzen entstehen, die sich ins Trommelfell bohren, um dann plötzlich in einen See aus Nachdenklichkeit und Melancholie abzutauchen.
Mit ihren dritten Album melden sich Zoot Woman nicht nur zurück, sie behaupten auch klar den Standpunkt ihres ganz eigenen Sounds, der – ohne Frage – zeitlos ist. Jeder der 12 Tracks hat das Potential zum Hit. Jeder Song ist ein Tanzflächenfüller. Es ist gut, dass sich manche Dinge nie ändern. Einen treffenderen Albumtitel als Things Are What They Used To Be hätten Zoot Woman wohl nicht wählen können.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 21. August 2009 Label: Snowhite
Website: www.zootwoman.com Myspace: www.myspace.com/zootwoman
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Was wurde nicht schon alles geschrieben über Amanda Blank. Zu vulgär, sagen die Einen, frech und unbedarft, meinen die Andreren. Mal wird sie mit Lady Gaga verglichen, dann wieder mit Santigold."Wie Peaches, bloß ohne Achselhaare" war bisher das einprägsamste Zitat. Und wie sich das dann anhört, kann man sich auf I Love You zu Gemüte führen. In Ihren Songtexten bemüht sie sich gar nicht erst um Zweideutigkeit, sondern rappt munter und ziemlich vulgär darauf los. Jaja, auch Frauen können richtig böse und versaut sein, soll das dem potentiellen Käufer vermitteln. Amanda Blank nur deshalb zur Frauenrechtlerin zu erheben, weil sie in Ihren Texten Männer zu Objekten degradiert (wie es die männliche Rapperzunft seit 30 Jahren erfolgreich mit vertauschten Geschlechterrollen praktiziert), ist doch etwas weit hergeholt. "Sex sells" ist schließlich immer noch Paragraph eins der ungeschriebenen Marketinggesetze der Musikindustrie.
Was hat Amanda Blank also außer Sex noch zu bieten? Wenn man das Album zum ersten mal durchhört, ist man zunächst einmal verwirrt. Wie kann man in eine halben Stunde Musik so viele verschiedene Einflüsse und Stilrichtungen stecken? I Love You enthält perfekte Popsongs wie etwa Make It Take It, DJ oder auch Shame On Me, die nicht mit elektronischen Stilmitteln geizen und in denen Amanda Blank nicht rappt, sondern richtig gut singt. Dass sie auch rappen kann, stellt sie dann bei Gimme What You Got und Let me Get Some unter Beweis. Die Höhepunkte des Albums sind zweifelsohne die Single I Might Like You Better sowie das Prince-Cover Make Up, das Amanda Blank in eine Hommage an Chicks On Speed verwandelt hat.
Alles in allem vermisst man als Hörer aber einen roten Faden, der das Gesamtwerk zusammenhalten würde. Und man wird das Gefühl nicht los, dass bei einigen Songs das geniale Produzentenduo Diplo und Switch nicht nur seinen Anteil hatte, sondern aus der mittelmäßigen Vorlage mit vielen Effekten einen richtig guten Song gemacht hat.
Ihrem großen Vorbild Peaches kann Amanda Blank noch nicht ganz das Wasser reichen, was nicht nur an der fehlenden Achselbehaarung liegen wird. Ein sehr ambitioniertes und sehr abwechslungsreiches Album, das sich erfrischend anders anhört, ist ihr aber allemal gelungen.
Review: Andreas Kussinger
Erscheinungsdatum: 07. August 2009 Label: Cooperative Music
Myspace: www.myspace.com/amandablank
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Sie sind die Reinkarnation des Sounds aus Großbritannien der späten 80er/frühen 90er. Dabei stammen Darker My Love gar nicht von der Insel, sondern aus dem sonnigen L.A. Nachdem ihr selbstbetiteltes Debütalbum 2006 nur in den USA veröffentlicht wurde, versuchen die fünf Kalifornier - Tim Presley (Ex-The Nerve Agents), Andy Granelli (Ex-The Distillers), Rob Barbato, Jared Everett und Will Canzoneri - nun mit ihrem zweiten Longplayer 2 den Sprung über den großen Teich.
Entgegen jeglicher musikalischer Trends, die momentan die Musiklandschaft beherrschen, lassen Darker My Love einen längst vom aussterben bedrohten Sound der Vergangenheit wieder auferstehen und transportieren diesen in die Gegenwart. Und das Ergebnis ist überaus hörenswert. Darker My Love bauen meterhohe Soundwände auf hohem instrumentellen Niveau mit Intros, die nicht selten bis an die 1-Minute-Grenze gehen und ausufernden Instrumentalparts innerhalb der Songs. Dabei beherrschen Darker My Love ihr Handwerk außerordentlich gut und schaffen es präzise eine gute Soundstruktur aufzubauen. Ihr Gemisch aus verzerrten Gitarren und einem leicht introvertierten Gesang erinnert einen unweigerlich an Bands wie The Jesus And Mary Chain, My Bloody Valentine oder Ride. Aber auch eine nahe Verwandtschaft zu den frühen Black Rebel Motorcycle Club (Northern Soul) lässt sich hier nicht leugnen. Doch verarbeiten Darker My Love die genannten Referenzen stets auf ihre eigene Art und Weise.
Aus alt mach neu lautet hier die Devise und das gelingt Darker My Love prächtig. Und auch wenn man das alles schon mal gehört hat, so ist 2 trotzdem ein sehr gutes und überzeugendes Album, das hoffentlich auch in Europa eine große Zuhörerschaft finden wird.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 07. August 2009 Label: Pias/Dangerbird Records (Rough Trade)
Website: www.darkermylovemusic.com Myspace: www.myspace.com/darkermylove
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Schon wieder ein neues Solo-Projekt von Paul Banks? Könnte man meinen, denn beim ersten hören klingen Dial M for Murder! nach einer tanzbaren Lo-Fi-Version von Interpol. Die zwei jungen Schweden darauf zu reduzieren wäre aber zu kurz gegriffen und ist auch nicht negativ gemeint. Nachdem sie Ende 2008 mit einer Single in Kennerkreisen bereits für Furore gesorgt haben, liefern sie nun mit ihrem Debüt Fiction Of Her Dreams ein sattes Stück Retro ab. Die Referenzen hört und sieht man, Inspiration wird aus der Post-Punk- und Dreampop-Ästhetik von Joy Division und den Chameleons bis heute geschöpft. An Begriffe wie "ausgelutscht" denkt man da gar nicht, wenn das Ganze so überzeugend gemacht ist wie hier.
Um noch mal den Vergleich zu Interpol zu ziehen: Wie jenen gelingt es Dial M For Murder!, innerhalb eines ziemlich düsteren Rahmens eine wohltuende Vielfalt einzubringen und den Bogen zu spannen zwischen schwermütigen und in gewisser Weise upliftenden Songs. Mit einem typisch reduzierten Setup, bestehend aus Gitarre, Bass, altem Synthesizer und einem wohl noch älteren Drumcomputer erschaffen sie ihre eigene Interpretation der 80er: Analog, dreckig, monoton und zugleich ansteckend melodiös. Abgerundet wird dieser – Verzeihung – geile Sound von einer verhaltenen und doch kraftvollen Stimme, die nicht gerade von der Sonnenseite des Lebens erzählt. Wie erwähnt bietet die Platte beides: Nummern, bei denen man sich nur noch unter der Bettdecke vergraben möchte (NYC, You Said) und solchen, die auch im Club vorstellbar wären (Hell No, Do You Think So? I don't, The Mourning Comes The Morning After). Letztere sind definitiv die Highlights des Albums.
Sicherlich ist auch Fiction Of Her Dreams alles andere als progressive, moderne Rockmusik. Sei's drum, es klingt verdammt gut und hat nicht nur einen eigenen Stil, sondern auch Stil im allgemeinen. Deswegen: Daumen hoch!
Review: Michael Döringer
Erscheinungsdatum: 14. August 2009 Label: Tapete Records
Myspace: www.myspace.com/mformurderband
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Learn & Wait ist das EP-Debüt von Timo Breker. Ein Erstlingswerk, das dem Hamburger mit indonesischen Wurzeln sehr am Herzen liegen dürfte. Immerhin hat der junge Singer/Songwriter mittels Musik vor einigen Jahren sein Asthma in den Griff bekommen. Entsprechend nachdenklich, tiefgründig und vor allem ruhig präsentiert sich Breker auf Learn & Wait.
Auch wenn sich Timo Breker für ausgewählte Songs musikalische Unterstützung in Form von Pianist Philipp Steinke, Bassist Jan Bela und Schlagzeuger Marco Möller ins Boot holt, so liegt der Fokus von Learn & Wait doch eindeutig auf dem Zusammenspiel aus Gesang und Gitarre. Wo auf der einen Seite die große Stärke der Songs liegt – nämlich in der sparsamen Instrumentalisierung, die Raum lässt für Brekers Stimme - findet sich auf der anderen die größte Schwäche: Mangelnde Variation. Bei aller Schönheit und Melancholie vermisst man doch die Abwechslung in den einzelnen Tracks. Kaum sind Akkorde des Openers Julia verklungen erliegt man dem Trugschluss, ein einziges langes Musikstück zu hören, in dem jegliches Zeitgefühl verloren geht. Dieses setzt erst wieder ein, wenn der Abschluss- und Titeltrack Learn & Wait mit vitalen countryesken Klängen die Stille und sich langsam einschleichende Monotonie durchbricht und man realisiert, dass zwischenzeitig drei Songs und knappe 14 Minuten vergangen sind.
Nichtsdestotrotz ist Learn & Wait ein Debüt, das nicht nur das Herzblut, sondern vor allem auch das Potential von Timo Breker erkennen lässt und Möglichkeiten zur Weiterentwicklung bietet. Warten wir also gespannt auf das Album des jungen Mannes aus der Hansestadt, das 2010 erscheinen soll.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 10. Juli 2009 Label: Lamm Records (Universal)
Website: www.timobreker.de Myspace: www.myspace.com/timobreker
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Tortuga Bar ist das aktuelle Band-Projekt von Mark Kowarsch und Alexandra Gschossmann. In der hiesigen Indie-Szene ist Kowarsch allerdings längst kein Unbekannter mehr und hat schon in vielen Bands musiziert: Speed Niggs, Sharon Stoned, Elektrosushi. Drei Jahre hat der Mann aus Ostwestfalen gemeinsam mit seiner Freundin an dem Debütalbum Narcotic Junkfood Revolution gewerkelt, das hauptsächlich im Nürnberger Night Club Studio aufgenommen wurde. Herausgekommen ist ein buntes und vielseitiges Werk mit unterschiedlichen musikalischen Stilen und Soundfarben.
Diese bunte Mischung ist wohl auf die verschiedenen Mitwirkenden, die sich auf dem Album tummeln, zurückzuführen. Denn wie es schon bei den früheren Bands von Kowarsch zur Tradition geworden war, vereint er auch diesmal wieder jede Menge Gastmusiker auf seinem Album - darunter Evan Dando von The Lemonheads Phillip Boa, Nagel von Muff Potter, Peter Brugger von Sportfreunde Stiller, Jari von Navel, Gitbox!, Nino Skrotzki von Virginia Jetzt!, Gisbert zu Knyphausen, Bernadette La Hengst - um nur einige zu nennen. So taucht bei jedem der zwölf Songs mindestens ein neuer Gast auf, der dem jeweiligen Song seine eigene Note beisteuert. Und so abwechslungsreich wie sich die Gästeliste liest, genauso abwechslungsreich präsentiert sich auch der Sound auf Narcotic Junkfood Revolution: Von energischem Indie-Rock (Likely To Be Dropped) über Singer/Songwriter-Kompositionen (Storm) bis hin zu verschrobenen Elektronummern (Foolish Me).
Durch die vielen Stilwechsel erscheint das komplette Album allerdings eher wie eine Compilation als ein homogenes Gesamtwerk - jeder Song steht für sich und funktioniert auf seine ganz eigene Art und Weise. Jedoch wirkt das Ganze auf Albumlänge gesehen ein wenig wirr und ohne jegliches Konzept, wodurch der ansonsten positive Gesamteindruck leider ein wenig getrübt wird.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 26. Juni 2009 Label: VierSieben Records
Website: www.tortugabar.net Myspace: www.myspace.com/tortugabar1
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Immer dieser Zwiespalt: Unvoreingenommen und objektiv sollte man Musik beurteilen und vor allem bei jungen (deutschen) Bands eher wohlwollend reagieren, anstatt sofort mit der Kritikerkeule alles kurz und klein zu schlagen. Aber was soll man gegen dieses innere Gähnen machen, wie diese Hat's-doch-alles-schon-gegeben-Stimmen abschalten? Everlaunch – 4 junge Männer aus Niedersachen – sind mit ihrem Debütalbum Suburban Grace nun die nächste Band zwischen jenen Fronten.
Suburban Grace bietet elf Stücke groß angelegten Alternative-Rock im Stil von Bands wie Polarkreis 18 und Hard-Fi (wohl auch Vorbild für das Artwork), ist radiotauglich und glanzproduziert von der ersten bis zur letzten Minute und für ein Debüt unglaublich routiniert und professionell gemacht. Verantwortlich dafür sind zum Teil ein namhaftes Produzentenduo (u. a. Kettcar und Jan Delay) und Aufnahmen in "feinen Hamburger Studios". Das große Geld steckt jedoch nicht dahinter: Ganz ohne fremde Hilfe und mit äußerster Liebe zur eigenen Arbeit haben Everlaunch es bis hierher geschafft, darauf wird energisch gepocht und verdient auch Respekt. Wie erwähnt ist es ebenso respektabel, mit einem solchen Album an den Start zu gehen, das mit der Single Run Run Run, Seesaw, Picturefreak und eigentlich auch allen anderen Songs potentielle Hitparaden-Nummern liefert.
Und genau hier fällt das große Aber: Für feine Lauscher bedeutet Suburban Grace weichgespülten Radiorock und wenig Innovation. Leider sind auch die Texte relativ austauschbar, sodass die "großen Gefühle", welche ihren prominenten Fürsprecher Markus Kavka bei der Platte überkommen, fast ganz ausbleiben. Ein bisschen weniger Allgemeinplatz-Lyrik hätte hier ganz gut getan. "Elf Songs, die - gleich ob alleine oder im Gesamtwerk betrachtet - genau so aussagekräftig sind, wie man es sich wünscht und besonders hierzulande lange genug vermisst hat", sagt der Beipackzettel. Aussagekräftig – naja. Vermisst? Geht so. Aber sicherlich nicht so überflüssig, wie manches andere. Mehr Profil und Charakter würde das ganze attraktiver machen, dann allerdings nicht mehr in der Weise den Massengeschmack treffen wie dieses Album.
Review: Michael Döringer
Erscheinungsdatum: 24. Juli 2009 Label: Mightytainment
Website: www.everlaunch.de Myspace: www.myspace.com/everlaunch
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"Dieses Album ist unser Born To Run. Die Vision war eine Platte zu kreieren, die klingt, als hätte Phil Spector die E Street Band produziert - auf Speed". Anton Annersand, Frontmann des Schweden-Vierers Molotov Jive, zeigt sich extrem euphorisch, was das zweite Album Songs For The Fallen Apart seiner Band angeht. Ob diese Aussage eher von schwedischer Rock n Roller-Großtuerei als von realistischer Selbsteinschätzung zeugt, sei an dieser Stelle mal dahingestellt. Fakt ist jedenfalls, dass das Quartett aus Karlstad mit ihrem Zweitlingswerk Songs For The Fallen Apart ein sehr gutes Album hingelegt hat, das eine deutliche Weiterentwicklung der Band zeigt. Denn war das 2006er Debüt When It's Over I'll Come Back Again noch eine Ansammlung von Songs in bester Pop/Punk/Beat-Manier mit durch Teenagerängste geprägten Texten, kommt der Nachfolger Songs For The Fallen Apart musikalisch als auch textlich wesentlich erwachsener und gereifter daher.
Als Produzent hat ihnen dabei Tom Hakava unter die Arme gegriffen, der auch schon für Bands wie Shout Out Louds oder Of Montreal die Regler bediente. Doch anstatt zuviel mit der Studiotechnik zu spielen, vertrauen die Schweden bei ihrem neuen Longplayer lieber auf ihren Livesound und so wurde das Album in einem analogen Studio komplett live eingespielt, um die mitreißende Energie, die Molotov Jive gerade bei ihren Konzerten versprühen, einzufangen. Und dies ist ihnen hervorragend gelungen, denn auf Songs For The Fallen Apart ist vom ersten Ton an genau diese Energie zu spüren.
Eingeleitet wird das Album durch einen Prologue und endet mit einem Epilogue. Dazwischen geben die Schweden ordentlich Vollgas und schmeißen mit Hits nur so um sich: Monday, Tuesday, Bridges Burn oder Paint The City Black - um nur einige Highlights des Albums zu nennen. Zeit zum Verschnaufen bleibt nur bei der einzigen Ballade Cecilia And The Love, die den schnellen und energetischen Fluss für kurze Zeit unterbricht, bevor es mit Nicotine dann direkt in der vorherigen Geschwindigkeit weitergeht.
Mit Songs For The Fallen Apart könnten die vier Schweden von Molotov Jive es endlich schaffen ernst genommen zu werden. Das Album hat zumindest das Potential den Jungs einen ordentlichen Schubs nach vorn zu geben.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 26. Juni 2009 Label: Strange Ways
Website: www.molotovjive.se Myspace: www.myspace.com/molotovjive
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Vorhang auf für die nächste britische Newcomerin im Popzirkus: Florence Welch und ihre siebenköpfige Begleitband The Machine liefern auf ihrem Debütalbum Lungs eingängige und pompös arrangierte Popmusik, die Spaß macht, und von der Bush bis zur Nash an viele andere stimmgewaltige Damen denken lässt. Jedoch steckt mehr hinter der fröhlich-schwelgerischen Atmosphäre als bloßer Radio-Pop zum Mitwippen, so erzählt man sich.
"Meine Musik soll sich anfühlen, als ob man sich von einem Baum stürzt, oder von einem Hochhaus; oder als ob man in die Tiefen des Ozeans gerissen wird und keine Luft mehr bekommt." Um die großen Gefühle geht es der ehemaligen Kunststudentin also, und die werden von den mitreißenden Songs allemal angesprochen. Auch Frau Welchs großartige Stimme, irgendwo zwischen Feist und Kate Nash angesiedelt, trägt ihren Teil zum allgemeinen Wohlgefallen bei. Textlich fühlt man sich in neue Welten entführt, ziemlich düster und verworren scheint es im Kopf von Florence zuzugehen: "My boy builds coffins ,he makes them all day, but it's not just for work and it isn't for play. He's made one for himself, one for me too, one of these days he'll make one for you" (My Boy Builds Coffins). Aber bevor man sich in übertriebener Interpretation verlieren könnte, gibt Florence selbst "Entwarnung": "Alles dreht sich um Jungs! Das gesamte Album handelt von der Liebe". Na dann, mehr will man von so einer ohrwurmigen Platte auch gar nicht. Anspieltipps gibt es genug, zum einen treibende Stücke wie Dog Days Are Over und Howl oder die prädestinierte Tanznummer Kiss With A Fist.
Zu meckern gibt es bei Lungs wirklich nichts. Eine schöne Platte mit bezaubernden Pop-Perlen, nicht mehr und nicht weniger.
Review: Michael Döringer
Erscheinungsdatum: 10. Juli 2009 Label: Island (Universal)
Website: www.florenceandthemachine.net Myspace: www.myspace.com/florenceandthemachine
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In Südafrika würde diese Plattenkritik niemanden mehr interessieren, schließlich liegt A World Next Door To Yours dort schon seit 2007 im den Plattenläden. Zwei Jahre später findet das dritte Album der Parlotones nun auch den Weg nach Mitteleuropa.
Verkehrte Welt für Sänger Kahn Morbee und seine Bandkollegen, denn während sie in Südafrika schon alles erreicht haben, stehen sie hierzulande noch weitgehend am Anfang ihrer Karriere. Der Vorgänger Radiocontrolledrobot hat zwar auch hierzulande ein paar Abnehmer gefunden und die Plattenkritiken waren durch die Band recht wohlwollend, nach kurzer Zeit wandte sich die Zielgruppe aber wieder Großbritannien zu, wo neue Bands ja wie Pilze aus dem Boden schossen.
Vielleicht aber wurden The Parlotones dem Publikum hier auch falsch verkauft. "Die südafrikanischen Coldplay", das legt die Messlatte schon recht hoch und weckt Erwartungen, die kaum erfüllt werden können. Doch wie klingen sie denn tatsächlich? Snow Patrol, Keane oder auch Starsailor, mit denen die Südafrikaner jüngst auf Tour waren, können als europäische Referenzen genannt werden. "Melodic Indie-Rock" nennen sie es selbst und liegen damit ziemlich richtig. Viel Pomp und Pathos, ein bisschen Emo, eine gute und vor allem stadiontaugliche Mischung.
Was leider fehlt, ist irgend etwas unverkennbares, und so wird es wohl schwierig bleiben, hier Fuß zu fassen. Wobei man an dieser Stelle noch die wunderbare Stimme von Sänger Kahn Morbee erwähnen sollte, die den Songs erst so richtig Qualität verleiht. Dennoch könnte man sich durchaus vorstellen, den ein-oder anderen Song von A World Next Door To Yours im Radio zu hören, sollten die Sender Kings Of Leon vielleicht irgendwann endlich tot gespielt haben und sich auf die Suche nach Ersatz machen.
Review: Andreas Kussinger
Erscheinungsdatum: 26. Juni 2009 Label: Eastzone
Website: www.parlotones.co.za Myspace: www.myspace.com/theparlotones
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Mit The Dilettante haben wir das Debüt-Album eines bislang noch relativ unbekannten Singer/Songwriters aus Münster vorliegen. Sein Name: Robin Tom Rink. Und alles, was man über ihn als Person wissen muss, verrät uns wie immer der Promowaschzettel. Kurz zusammen gefasst, handelt es sich bei dem jungen Mann, wie bereits geschrieben, um einen gebürtigen Münsteraner, den es über die Umwege Berlin und Paris mittlerweile nach Konstanz verschlagen hat. Weiter wird über seine schlimme Drogenvergangenheit, Jobs als Postbote und eine mysteriöse Krankheit geschrieben. Insgesamt wird dort das Bild eines Künstlers aufgebaut, der erst in der Fremde scheitern und so tief sinken musste, um aus dem Leid heraus seine Kreativität schöpfen zu können.
Authentizität ist das Stichwort mit dem hier unausgesprochen gearbeitet wird, denn die Gitarre, so heißt es, sei sein Mittel gewesen, um das tiefe Tal zu durchschreiten. Untermalt wird das alles von Promofotos, auf denen er vor den vier Buchstaben E-X-I-L oder nachdenklich in einem leeren Café posiert und einem vom Künstler selbst gemalten Cover. Im Großen und Ganzen wirkt das gesamte Paket sehr komplett und schlüssig, womit wir nun endlich zur Musik übergehen, denn die Musik und ihr Texte fügen sich lückenlos in seine Charakterstudie ein.
Die Musik, Robins Selbsttherapie, wird überwiegend von traurig minimalistischen Gitarren- und Pianoklängen getragen, zu denen er mit bildlicher Sprache von Situationen und Momenten berichtet, die wohl nur jemand mit seiner Vergangenheit komplett zu interpretieren weiß. Seine Texte, die beim bloßen Lesen zunächst kitschig wirken, fügen sich letztlich zu einer runden Sache in die Musik ein und erscheinen als intime und emotionale Zustandsbeschreibungen. Alles wirkt irgendwie vertraut und vor allem echt – und wenn man dem Promowaschzettel Glauben schenkt, dann ist es das ja auch.
Das Schöne an der ganzen Sache ist jedoch, dass Robin bei seinem Album nicht auf die Mitleidsschiene setzt, sondern sich auch ab der Hälfte es Albums traut, hereinbrechende E-Gitarren und ein positiv lärmendes Schlagzeug mit ein zu binden. Auch wenn der Promoter in diesem Falle mit Sicherheit sehr dankbar über die Lebensgeschichte des Mannes ist, nötig ist diese Aufmerksamkeitshascherei nicht, weil die Musik für sich schon spannend genug ist und so vielleicht wie in dieser Rezension zu unrecht neben dem Schicksal des Künstlers zu kurz kommt.
Review: Axel Schinkel
Erscheinungsdatum: 12. Juni 2009 Label: Viva Hate Records
Website: www.robintomrink.de Myspace: www.myspace.com/robintomrink
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Crossed Lines ist das Debütalbum der Singer/Songwriterin und Komponistin Twila.Too. Ein Debüt, das mit landläufigen Assoziationen wie Newcomer oder musikalischem Erstversuch wenig zu tun hat. Twila.Too ist kein Neuling im Business. Die Belgierin kann bereits auf diverse Kooperationen mit Air Liquide, Decomposed Subsonic oder Bob Humid zurückblicken, der bei Crossed Lines die Regie an den Reglern übernahm. Crossed Lines ist ebenso wenig eine frühe musikalische Skizzierung. Twila.Too hat sich satte sechs Jahre Zeit gelassen, um ihr Erstlingswerk auf Vinyl zu bannen. Erfahrung trifft auf Ausgereiftheit. Das Ergebnis ist ein atmosphärisch dichtes Gebilde, das sich irgendwo zwischen TripHop, Downbeat und Drum and Bass bewegt. Ein Album, das geradezu prädestiniert wäre für einen Soundtrack, weil es in seiner Intensität unweigerlich Sequenzen eines Lynch-Streifens im Kopf wachruft.
Zusammengehalten wird das Geflecht aus Synthesizern und Drumcomputern durch die charismatische Stimme der Belgierin, die sich beinah hypnotisierend ihren Weg durch die Beats und Samples bahnt. Mal herausfordernd und sexy wie auf Desiring The World?, mal umgarnend und verzaubernd wie auf So Sweet oder Recycle. In genau diesem Facettenreichtum liegt auch die große Stärke von Crossed Lines, in der fragilen Schönheit, die aus der oftmals düsteren Grundstimmung des Albums resultiert. Ähnlich wie Portishead oder Massive Attack bewegt sich Twila.Too mit ihrem Debüt stets zwischen Beklemmung und Befreiung.
Crossed Lines ist ein Album, das ein wenig Zeit braucht, dessen Mysterium sich erst nach einigen Hördurchgängen erschließt, ohne jedoch gänzlich ergründet zu werden. Ein faszinierendes Erstlingswerk einer überaus talentierten jungen Frau.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 19. Juni 2009 Label: Serve & Destroy (Groove Attack/goodtogo)
Website: www.twilatoo.com Myspace: www.myspace.com/twilatoo
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Waxing Gibbous ist das fünfte Album in nur sieben Jahren des schottischen Sängers Malcolm Middleton, bekannt und geliebt für unterschwelligen Zynismus und schwermütige Musik. Und außerdem für elendige Tiefstapelei, wie sein Kommentar zur neuen Platte zeigt: "The usual shite. I enjoy writing music. I write about what I know. I don't know much." Jeder, der seine bisherigen Platten kennt, wird dies – auch in Anbetracht des neuen Werks – mit einem wohlwollenden Schmunzeln abtun. Waxing Gibbous ist erneut ein famoses Stück Musik, aber leider wohl erst mal das letzte für längere Zeit.
Der Beipackzettel zur CD hat etwas von einer Entschuldigung, klingt nach ratloser Rechtfertigung. Wenn auch die ein oder andere Übertreibung enthalten ist, so darf man Malcolm Middletons Worte dennoch ernst nehmen: "I just can't seem to get on with the man that I've become" heißt es im Song Zero. Er fühlt sich nicht mehr wohl, zweifelt an so Manchem und will neue Wege beschreiten. Und die Platte vermittelt insgesamt eine ähnliche Abschiedsbriefstimmung. Middletons gebrochene Stimme brummelt in gewohnt rührender Weise über todmelancholische Indie-Pop-Perlen. Malcolm Middleton vertont Traurigkeit und fügt dem Ganzen das gewisse Etwas hinzu, welches seine Musik zu einem Heilmittel gegen jene werden lässt. Und das konstant schon fünf Alben lang, wobei das aktuelle den anderen in keinster Weise unterlegen ist. Zwischen den ganzen ruhigen Tracks findet sich sogar Platz für ein paar fröhlich-flotte Nummern (Red Travellin' Socks, Subset Of The World); zu den besten Songs der Platte zählen aber definitiv Box & Knife und Zero.
"I'm not quitting, I just think that Malcolm Middleton has said enough for the time being". Diese Entscheidung liegt leider nicht in unserer Gewalt. Sicherlich sollte sich jeder Künstler weiterentwickeln und nicht ewig am gleichen Sound hängen, eine gewisse Portion Frustration scheint ihn jedoch ebenfalls zu diesem Entschluss gebracht haben ("Could I maybe try to sound more like James Blunt oder James Morrison?"). Ob Waxing Gibbous die verdiente Aufmerksamkeit erhält ist eher unsicher, für jeden Liebhaber von ehrlicher, betrübter Musik wird es zum Hitalbum. O, schnöde Welt!
Review: Michael Döringer
Erscheinungsdatum: 12. Juni 2009 Label: Fulltime Hobby / Pias
Website: www.malcolmmiddleton.co.uk Myspace: www.myspace.com/malcolmmiddleton
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Ein Faible für eigenartige Cover hatten Barlow, Mascis und Co. immer schon. Diesmal zieren zwei Baumhirten die Front des aktuellen Albums Farm. Was anfangs putzig und leicht verschroben erscheint, entpuppt sich beim ersten Durchhören als Indie-Granate par excellance. Mit ihrem fünften Longplayer in Originalbesetzung legen Dinosaur Jr. zweifelsohne das Album des Jahres auf den Gabentisch der Indie-Fangemeinde.
Farm tritt unverhohlen den Beweis an, dass Zeitreisen möglich sind. Die Platte des Trios aus Massachusetts ruft unweigerlich Erinnerungen an Tage wach, in denen alles was man brauchte, ein Paar Converse, eine Hifi-Anlage mit leistungsstarken Boxen und ein Haargummi waren, um die vom Tanzen zerzauste Mähne wieder zu bändigen. Das traurig-schöne See You erinnert doch schwer an Get Out Of This der großartigen Without A Sound, das anfängliche Riff von Plans weist gar Parallelen zu Neil Youngs Cortez, The Killer auf. Überhaupt finden sich immer wieder Reminiszenzen an den Altmeister im Sound von Farm wieder - ohne jedoch altbacken zu klingen.
Mascis, Barlow und Murph werden im Alter nicht ruhiger - im Gegenteil: Sie drehen die Verstärker bis zum Anschlag auf. Bereits der Opener Pieces startet derart energetisch, dass man Angst hat, von der Dynamik des Albums weggeblasen zu werden. Auch im weiteren Verlauf vermag Farm sowohl vom Tempo als auch von der Lautstärke her zu halten, was der Einstiegstrack verspricht. Auf I Don't Wanna Go There schwingt J. Mascis die gniedelnde Gitarrenaxt durch den Soundwald, dass dort nach acht Minuten kein Gras mehr wächst. Auch wenn die Herren es in ihrem energetischen Getöse ein wenig übertreiben und die Platte hier und da übersteuert, so ist es doch eine unendliche Freude, endlich wieder einmal den Dinosaur Jr. urtypischen Sound durch die Boxen erschallen zu hören.
Wenn man nach der einstündigen Reise in die Vergangenheit zurück in der Zukunft angekommen ist, erzeugt die plötzliche Stille ein leichtes Piepen im Ohr und ein glückliches Grinsen im Gesicht über die Freude, das Album des Jahres noch einmal auf Repeat stellen zu dürfen - laut versteht sich.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 19. Juni 2009 Label: Pias
Website: www.dinosaurjr.com Myspace: www.myspace.com/dinosaurjr
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Dass die Lemonheads schon immer große Freunde von Coversongs gewesen sind, ist kein Geheimnis. Immerhin feierten Evan Dando und seine Band ihre größten Erfolge mit Songs von Suzanne Vega (Luka), Simon & Garfunkel (Mrs. Robinson) und Robyn St. Clare (Into Your Arms). Was liegt da näher, als ein ganzes Cover-Album zu veröffentlichen?! Und genau das machen die Lemonheads nun mit ihrem neuesten Werk Varshons.
Die Idee zu diesem Album kam Evan Dando durch seinen alten Freund Gibby Haynes von den Butthole Surfers, der hier auch als Produzent fungierte. Er hatte ihm regelmäßig Mixtapes aufgenommen, die ihn schließlich zu dieser abwechslungsreichen Sammlung von Neuinterpretationen inspiriert haben. So covern sich Dando und seine Mannen auf Varshons quer durch bekanntes und weniger bekanntes Liedgut. Darunter Songs von Gram Parsons (I Just Can't Take It Anymore), Leonard Cohen (Hey, That's No Way To Say Goodbye), Townes Van Zandt (Waiting Around To Die), GG Allin (Layin' Up With Linda) und Christina Aguilera (Beautiful). Bei zwei Stücken holt sich Evan Dando gesangliche Unterstützung ins Boot und zwar von Schauspielerin Liv Tyler, die mit ihm Leonard Cohens Hey That's No Way To Say Goodbye im Duett singt und Top-Model Kate Moss, die in Dirty Robot vom schottischen Elektroduo Arling & Cameron zu hören ist.
So ist Varshons ein buntes Sammelsurium fremder Songs im Lemonheads-Gewand, ohne dabei die Songs zu ruinieren, sondern vielmehr verleihen Evan Dando und Co. den Songs eine ganz spezielle Note. Bestes Beispiel dafür ist das von Linda Perry (Ex-4 Non Blondes) geschriebene und von Christina Aguilera gesungene Beautiful, denn hier bemerkt man erst in der Neuinterpretation wie großartig dieser Song eigentlich ist. Und so machen die Lemonheads auf Varshons jeden Song zu ihrem Eigenen und das, abgesehen von dem nervigen Electrogedöns Dirty Robot, mit Wohlgeschmack.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 12. Juni 2009 Label: Cooking Vinyl (Indigo)
Website: www.thelemonheads.net Myspace: www.myspace.com/thelemonheads
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Nach 2 Jahren ist endlich ein neues Album von Kasabian auf dem Markt. Das verflixte dritte Album werden Kasabian gerne zitiert. Das Ablum an dem eine Band schließlich gemessen wird, wo sie steht und wie sie sich entwickelt hat. The West Ryder Pauper Lunatic Asylum ist für viele eine positive Überraschung. Kasabian selbst wollen ihr neues Album als Konzeptalbum verstanden wissen, als eine Art Soundtrack zu einem noch nicht gedrehten Film. Der Name stammt von einer ehemaligen Psychiatrie für sozial schwächer gestellte Menschen, die heutzutage Filmschauplatz für verschiedene Dreharbeiten ist. Die Psychothematik fällt einem schon bei der Betrachtung des Albumcoverfotos auf.
Abgesehen von dieser durchdachten Konzeptidee haben Kasabian mit ihrem dritten Album ein echtes "Entdecker"-Album geschaffen. Bei jedem erneuten Hören entdeckt man neue dahin fliegende atmosphärische Chöre, treibende elektroanmutende Beats, die durch ruhige Shuffle Parts unterbrochen und mit verschiedenartigsten Gesangsexperimenten untermalt werden. Ich hab in der letzten Zeit keine Platte gehört, die eine solche Vielfalt von Songstrukturen und Sounds dem Hörer bietet. Einfach gestrickte Mitgröllhits wie zuletzt von den Kaiser Chiefs zum Erbrechen ausgereizt oder in der Hitsingle Dance With Somebody Mando Diaos in Perfektion präsentiert, findet man unter den 12 Songs von The West Ryder Pauper Lunativ Asylum einfach nicht. Meine ersten Vergleichsgedanken waren zum Beispiel Charlatans, Radiohead, Beastie Boys, Gorillaz und Blur. Aber mit einer simplen Aufreihung von Vergleichen zu anderen Bands wird man dieser Platte nicht gerecht. Es ist ein eigenständiges Werk, in dem viel Liebe, Fleiß, großes musikalisches Arrangement und experimentierfreudige Kreativität steckt. So startet das Album mit einer vor Kraft strotzenden Nummer (Underdog), die zusammen mit der Sixties-Rocknummer Fast Fuse wohl demnächst öfter mal in Clubs zum Tanzen einladen wird. Fast Fuse zeigt, dass man manchmal nicht mehr braucht, als ein nach vorne gehendes Gitarrenthema im Sechziger-Jahre-Gewand, vereinzelte "Psychochöre" und einen sich durch rhythmische Vielfalt und ausgeklügelter Intonation auszeichnenden Gesang, um ein begeisterndes Musikstück zu schreiben.
Kasabian scheinen ihren Job als Musiker ernst zu nehmen und sind in der Lage ihrem Zuhörer gute Musik zu bieten.
Review: Tobias Basse
Erscheinungsdatum: 05. Juni 2009 Label: Columbia (Sony BMG)
Website: www.kasabian.co.uk Myspace: www.myspace.com/kasabian
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Neues Label, neuer Drummer, neues Album, neuer Sound. Placebo legen mit Battle For The Sun ihr sechstes Studiowerk vor, dessen dreizehn Songs dem "ziemlich dunkeln" Meds ein Konglomerat bunter, "farbenfroher" Stücke diametral entgegensetzen. Auf der Suche nach der positiven Energie der Sonne frönen Placebo einem bis dato nie da gewesenen Optimismus, der sich in der Intonierung einer neuen Fröhlichkeit niederschlägt. Das Trio hat zwar keine 180°-Wende beschritten, doch es scheint als hätten Placebo eine Verjüngungskur durchlaufen.
Vor allem die personelle Veränderung am Schlagzeug ist deutlich zu hören: Steve Forrests Punkrock-Wurzeln verleihen Battle For The Sun eine Frische und Kraft, die im Kosmos Placebo bisher unter den Teppich gekehrt wurde. Dort, wo der ehemalige Mann am Schlagzeug, Steve Hewitt, den Songs jedoch Platz zur Entfaltung ließ, sein Spiel in den Hintergrund stellte, drischt der Neue ungestüm auf die Bassdrum. Dem neuen Druck fällt dabei die düstere Melancholie zum Opfer, die einst im Mittelpunkt des Schaffens von Placebo stand. Die fragilen Balladen sucht man auf Battle For The Sun vergebens. Einzig das zurückgenommene, aber leider zum Bonus-Track degradierte Piano-Stück The Movie On Your Eyelids vermag an die alten Glanzzeiten anzuknüpfen.
Die Briten widmen sich stattdessen vornehmlich dichten Uptempo-Nummern. Es regieren harte Gitarrenwände und aggressive Vocals. Repetetiv legen sich die Lyrics über den namensgebenden Track Battle For The Sun, dessen scheppernde Gitarren sich Schicht für Schicht auftürmen, um durch den Aufbau eines immensen Spannungsbogens in einer monumentalem Explosion zu münden. Ähnlich wie Ashtray Heart, dessen klebrig-poppiger Mitsing-Refrain einfach nicht zu Placebo passen will, ist dagegen auch die erste Single For What It's Worth ein radiotaugliches Pop-Nümmerchen. Dank orchestralem Bläsereinsatz geht der Song rasch ins Ohr, verliert sich jedoch schnell in seichten Oberflächlichkeiten. Da macht auch die unpassend eingestreute Titelmelodie von Tetris nichts mehr wett. Interessanter sind da schon experimentelle Ansätze wie in Julien, das anfänglich durch ein stumpf-technoides Intro irritiert, plötzlich in eine impulsive Orgie zwischen Schlagzeug und Gitarre über gleitet und sich durch Hinzunahme harter Geigen-Arrangements zu einem wahren Monster an Song entwickelt, das der Intensität eines Twenty Years in Nichts nachsteht.
Placebo beweisen auf Battle For The Sun zwar über weite Strecken große Vielseitigkeit, es bleibt jedoch ein bitterer Beigeschmack. Das Trio war nach dem Überalbum Without You I'm Nothing schon keine großartige Albenband mehr. Eine mehr als von Grund auf solide Leistung erbrachten sie über Albumlänge nie wirklich, doch dass mit der Entscheidung für einen Platz im Sonnenlicht von dreizehn Songs gut die Hälfe einfach Lückenfüller sind, ist neu. Das Album will nicht in Fluss kommen, Titel wie die Haudrauf-Nummer Breathe Underwater oder der Meds-Aufguss Devil In The Details verführen nicht zwingend zur Betätigung der Skip-Taste, nachhaltig im Gedächtnis bleibt dennoch kaum etwas. Um Battle For The Sun im Ganzen etwas abzugewinnen, sollte man den neuen Songs live eine Chance geben. Aus jedem noch so schwachen Lied wird auf großer Bühne das Optimum herausgeholt. Hier zeigt sich, was Placebo eigentlich sind, eine der besten Live-Bands unter der Sonne - und das sowohl im Stadion als auch im kleinen Club.
Review: Katrin Reichwein
Erscheinungsdatum: 05. Juni 2009 Label: Pias (Rough Trade)
Website: www.placeboworld.co.uk Myspace: www.myspace.com/placebo
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Nach Morrissey im Februar ist nun der zweite Brite mittleren Alters, der einst mit seiner Band Musikgeschichte schrieb, mit einer neuen Platte am Start. Further Complications wird sie erneut alle spalten, die Pulp-Nostalgiker und die Kritiker. Und doch freut sich jeder wieder darauf, neuen Spitzfindigkeiten des Kautzes mit der großen Brille zu lauschen, um ihn danach schön auseinander zunehmen, diesen intellektuellen Langweiler! Abwarten...
Eine weitere Parallele zu Morrissey: Cocker lässt den Rocker raus. Die ersten drei Tracks, inklusive der Single Angela, stampfen und scheppern breitbeinig daher und warten mit dröhnenden Gitarrenriffs auf. Ein Blick in die Credits liefert die Erklärung: Hinter den Reglern saß dieses Mal Mr. Noise, Steve Albini, der den seit neuestem vollbärtigen Schlaks zum Krach machen animiert hat. Noch drei weitere Stücke diesen Schlags enthält das Album, begleitet von wildem Geshoute, das leider stellenweise etwas eintönig klingt.
Aber keine Angst, es fehlt nicht an jenen Songs, für die man ihm die Füße küssen möchte: Diese anmutigen Popballaden, gepaart mit wortgewandtem Storytelling versöhnen einen mit allen Mängeln des Albums. Leftovers erzählt eine Lovestory im Paläontologischen Museum, You're In My Eyes von einer Mirrorball-Haluzination im 70er-Disco-Gewand, und in I Never Said I Was Deep versucht der ehrwürdige Geek, sein geistiges Vermögen abzustreiten. Diese Songs sind - zusammen mit den Hits Angela und dem Titeltrack – die Faktoren, die diese Scheibe noch viele weitere Runden drehen lassen.
Das beste Album seiner Karriere hat Jarvis Cocker hiermit nicht abgeliefert, auch kommt es nicht ganz an den Vorgänger von 2006 ran. Aber das Ganze mit einem Schulterzucken abzufrühstücken ist einfach nicht gerechtfertigt, da muss man seine Animositäten mal vergessen können. Further Complications ist ein souveränes Stück Musik mit Spaßfaktor. Und sogar die Luftgitarre kann man auspacken.
Review: Michael Döringer
Erscheinungsdatum: 15. Mai 2009 Label: Rough Trade
Website: www.jarvspace.com Myspace: www.myspace.com/jarvspace
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Mark Oliver Everett kehrt vier Jahre nach dem letzten Eels-Album zurück auf die musikalische Bildfläche. Mit seinem sehr persönlichen Lebenswerk Blinking Lights And Other Revelations war auf der Gefühlsebene alles gesagt. Wer immer weiter nach der emotionalen Wucht des Vorgängers sucht, hat E nicht verstanden. Der Multiinstrumentalist, Sänger und Songwriter macht, was er will und nicht das, was von ihm erwartet wird. Nach seiner Autobiografie und einem BBC-Dokumentarfilm über das Leben seines Vaters, einem verkannten Physik-Genie, wollte Everett nicht nochmals über die eigene Vergangenheit schreiben. Das Thema ist durch. Es ist alles gesagt. Und so legt er mit der siebten Eels-Platte Hombre Lobo nun ein Art Konzeptalbum vor.
E schlüpft hierzu in die Rolle des "Dog Faced Boy", der schon zu Souljacker-Zeiten seinen Platz in der Gesellschaft suchte. Zum gealterten Werwolf mutiert, erzählt der Protagonist aus der Außenseiterperspektive nun zwölf weitere Geschichten über Begierde, Sehnsüchte und das Verlangen nach Freundschaft, Liebe und vor allem Anerkennung. Mal berichtet der Anti-Held melancholisch von der Liebe (That Look You Give That Guy), ein anderes Mal gehen die tierischen Instinkte mit ihm durch (Fresh Blood). Besonders diese animalische Seite scheint es den Eels angetan zu haben. Bietet sie für die Band doch allen Grund an allen Ecken und Enden zu rumpeln und zu scheppern. Verpackt in eine scheinbare LoFi-Ästhetik, kommen hier alle Komponenten einer typischen Eels-Platte zusammen: Verzerrter Gesang und Wolfsgeheul schlagen einem linkisch entgegen, krachender Garagen-Blues bricht sich stampfend seinen Weg frei, schlichte Halb-Balladen schlängeln sich verstohlen ihren Weg in den Gehörgang. Es braucht schon ein paar Durchläufe, bis sich gerade die ruppig-drückenden Stücke wie Tremendous Dynamite aus ihrer biestigen Ummantelungen schälen. Aber genau das, will der Hombro Lobo. Mit Ordinary Man steht am Ende die Erkenntnis, dass er alles andere als gewöhnlich sein will: "I'd rather be alone than try to be someone that I'm not and you seem like someone who could appreciate the fact that I'm no ordinary man".
Und wie der Erzähler selbst, so ist auch dieses Album alles andere als Durchschnitt. Im direkten Vergleich mit dem über-ambitionierten Blinking wirkt Hombre Lobo zwar vielmehr wie eine routinierte Fingerübung. Es fügt dem Eels-Universum nur wenig Neues hinzu. Doch Konstanz auf hohem Niveau ist hier das Stichwort. Die soll E erst ein Mal jemand nachmachen.
Review: Katrin Reichwein
Erscheinungsdatum: 29. Mai 2009 Label: Cooperative (Universal)
Website: www.eelstheband.com Myspace: www.myspace.com/eels
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Es scheint die Ära der Singer-/Songwriter zu sein: Solokünstler wie Maximilian Hecker, Bernhard Eder oder The Late Call entdecken die große Kunst Musik auf den Kern aus Gesang und Gitarre zu reduzieren wieder und definieren sie neu. Einer jener Solokünstler ist auch Cargo City alias Simon Konrad aus Frankfurt, der mit On.Off.On.Off. seinen zweiten Longplayer vorlegt.
Im Gegensatz zu seinem Debütalbum How to Fake Like You Are Nice and Caring ist On.Off.On.Off. kein musikalischer Alleingang Konrads. Neben Klaus Hermann (Trip Fontaine) unterstützt auch Pianistin Nadine Renneisen Cargo City stimmlich auf einigen Tracks. Einer davon ist das traurig-schöne Duett Flowers In Hospitalshops. Überhaupt klingt On.Off.On.Off. eher nach Bandgefüge als nach Solokunst. Die Arrangements klingen satter, die Instrumentalisierung ist breiter gefächert. Neben Gitarren, Bass und Schlagzeug finden sich Gebläseorgel, Glockenspiel und Percussions im musikalischen Sammelsurium von Cargo City. Die süße Verspieltheit vorangegangener Tracks wie When I Sleep I Disappear oder Butterflies ist einem erwachsenen, teilweise sogar rauen Sound gewichen – ohne jedoch an Emotionalität zu verlieren. On.Off.On.Off liefert eine faszinierende Mischung aus Midtempo-Songs (Rearview Mirror, On.Off.On.Off) und bittersüßen Balladen (But Then Daryl Sings Again, I Don't Speak), die mal nachdenklich stimmen, mal traurig und mal einfach nur zum Tanzen einladen.
Alex Lowe der ehrwürdigen Hurricane #1 hat einmal gesagt, "Wenn ein Song gut ist, kannst du ihn nur mit einer Akustikgitarre singen". Recht hat er! Denkt man diesen Gedanken weiter, kommt man zu dem Schluss, dass ein Künstler, der sein Handwerk versteht, diesen Song durch weitere Instrumente in ein noch schöneres Gewand zu kleiden vermag – ohne overdressed zu sein. Simon Konrad aka Cargo City ist so ein Künstler. Wäre On.Off.On.Off. Eine Frage, so gäbe es darauf nur eine Antwort: "On!"
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 29. Mai 2009 Label: Rebecca & Nathan (Intergroove)
Website: www.cargocitymusic.com Myspace: www.myspace.com/cargocity
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Die vierköpfige Band Grizzly Bear aus Brooklyn/NY veröffentlicht ihr neuestes Werk Veckatimest – und die eingeweihte Popgemeinde ist komplett aus dem Häuschen. Man hört von ihnen nur in den höchsten Tönen, unerhört positive Kritik soweit das Auge reicht, und dann küren auch noch die Fleet Foxes diese Platte zum Album des Jahrzehnts. Das riecht erst mal nach einem ausgewachsenen Hype, lässt einen sich allerdings auch alle zehn Finger nach diesem Meisterstück in spe lecken. Also ab damit in den CD-Spieler und jubeln – oder doch nicht.
Nach dem ersten Durchlauf macht sich verdutzte Ernüchterung breit. Musikhören kann (und muss ja) oft schwierig und anstrengend sein, das vergisst man bei dem ganzen Schrott, der einem tagtäglich um die Ohren fliegt schon mal. Und Grizzly Bear machen es einem wahrhaftig nicht leicht, in ihre Soundmalerei Einstieg zu finden. Man tut sich schwer, sich zu orientieren, Strukturen auszumachen. Nur andeutungsweise findet man einnehmende Melodien, potentielle Ohrwürmer oder Ähnliches. Unter symphonischen Psychedelic-Folk-Pop könnte man die Platte verorten, wird der Atmosphäre, die jene erzeugt, jedoch nicht wirklich gerecht. Tief einzutauchen in diesen Soundstrudel und diesem mal dissonanten, mal wundervoll harmonischem Klangwebe auf den Grund zu gehen, scheint die einzige Möglichkeit, Veckatimest begreifen zu können. Take your time!
Die kryptischen Texte geben dazu nicht wirklich Hilfestellung, dafür führen einen die herrlichen, sphärischen Chorgesänge der Band und Ed Drostes fern entrückt klingende Stimme an der Hand durch die vertrakten Arrangements. Stückk für Stück leuchten die kleinen Höhepunkte auf, die auf den ersten Blick verborgen blieben. Songs wie Two Weeks, Ready, Able und While You Wait For The Others werden zwar keine Charts stürmen, fügen sich trotzdem nach und nach in zauberhaft melodiöse Songstrukturen.
Veckatimest ist mit Sicherheit nichts für hitgeile Musikproleten, entwickelt sich aber für den geduldigen Hörer zu einem beglückenden Erlebnis. Musik, die sich entfaltet und seine überwältigende Wirkung im intensiven Hören entwickelt. Und die es in dieser Form leider immer seltener gibt.
Review: Michael Döringer
Erscheinungsdatum: 22. Mai 2009 Label: Warp (Rough Trade)
Website: www.grizzly-bear.net Myspace: www.myspace.com/grizzlybear
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Schon wieder ein Album von den Eight Legs? Da war doch was, und es ist gar nicht allzu lange her. Anfang 2008 erschien hierzulande das Debutalbum Searching For The Simple Life, ein typisches Indie-Pop Album, das sogar einen halben Hit (These Grey Days) bieten konnte. Nun steht mit The Electric Kool-Aid Cuckoo Nest der Nachfolger im CD-Regal.
Um dem Albumtitel auf den Grund zu gehen, muss man sich auf ein bisher in Indie-Rock Kreisen eher gemiedenes Terrain wagen und bis zu den Anfängen der Hippie-Bewegung zurückgehen. The Electric Kool-Aid Acid Test nannte Autor Tom Wolfe seine 1968 veröffentlichte Hippie-Bibel, in der mit allerlei Bewusstseinserweiternden Drogen hantiert wird. 41 Jahre später huldigt also eine britische Indie-Rock Band mit unverkennbarer 80er-Jahre Affinität einem Kultroman über die amerikanische Hippie-Bewegung. Warum? Diese Frage kann wohl nur die Band selbst beantworten, es macht schlichtweg keinen Sinn.
Rein musikalisch bleiben sich die vier Jungs aus der Shakespeare-Stadt Stratford-upon Avon weitgehend treu. Hauptreferenz bleiben weiterhin die Smiths, von Grateful Dead und anderen Hippie-Größen ist zumindest nichts zu hören. Ruhiger und ernster sind sie geworden, die Eight Legs, die Tanzflächentauglichkeit hält sich stark in Grenzen. Eine stimmig arrangierte Platte, die dem ein- oder anderem Fan vielleicht ein bisschen zu düster geraten sein wird. Während man beim Debüt der vier Briten beim ersten Durchhören noch recht angetan und in der Folge zunehmend gelangweilt war, ist der Effekt beim neuen Album genau umgekehrt, ein Trend, den man durchaus als großen Schritt nach vorne bezeichnen kann.
Der erste Eindruck mag zwar ein wenig enttäuschen, die Platte hat aber durchaus ein paar weitere Umdrehungen im CD Player verdient!
Review: Andreas Kussinger
Erscheinungsdatum: 22. Mai 2009 Label: Snowhite
Website: www.eightlegs.co.uk Myspace: www.myspace.com/eightlegs
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Nach Herbert Grönemeyer, Die Ärzte, Die Fantastischen Vier, Die Toten Hosen und Söhne Mannheims vs. Xavier Naidoo hatten die Sportfreunde Stiller als sechste deutsche Band die Ehre und das Vergnügen ein MTV Unplugged Konzert aufnehmen zu dürfen. So wie einst 1993 Nirvana betiteln die Sportfreunde Stiller ihr Akustik-Album mit MTV Unplugged in New York - nur, dass die Herren aus Seattle auch tatsächlich den Big Apple bespielt haben - im Gegensatz zu unseren bayrischen Buben. Denn Schauplatz des akustischen Spektakels war ein nachgebauter Straßenzug Brooklyns in einer Stunthalle auf dem Gelände der Bavaria Filmstudios in München.
Dort präsentieren die Sportfreunde Stiller altbekannte Hits und unbekanntere Stücke quer durch die gesamte Diskographie im neuen akustischen Klanggewand und dazu gibt es zwei Covernummern und drei brandneue Songs. So erscheint beispielsweise Ich, Roque in Begleitung von Streichern, Saxophon, Trompete und Plastikfanfare, Ein Kompliment wird in der Unplugged-Version von einem Streichquartett unterstützt und 7 Tage 7 Nächte kommt als griechische Sirtaki-Nummer daher. Neben unzähligen Instrumenten haben die Sportfreunde Stiller auch namhafte Gäste eingeladen. So erhalten Peter, Flo und Rüde bei Fast wie von selbst Unterstützung von Schauspielerin Meret Becker an Mikrophon und singender Säge und Billy Lunn und Charlotte Cooper von den Subways geben gemeinsam mit den Sportfreunden eine teils eingedeutschte Version von Rock 'n' Roll Queen zum Besten. Doch der wohl größte Gastauftritt des Abends stammt von Udo Jürgens, der seinen Erfolgsschlager Ich War Noch Niemals In New York im Duett mit Peter Brugger singt.
Sicherlich hat ein MTV Unplugged heutzutage nicht mehr die durchschlagende Wirkung wie in früheren Zeiten mit den legendären Auftritten von Nirvana, Pearl Jam oder R.E.M. Was jedoch nicht den Sportfreunden Stiller anzukreiden ist, sondern eher MTV selbst, das seinen Status mittlerweile selbstverschuldet verloren hat. Aber dennoch geben die Sportfreunde Stiller ihr Bestes und schaffen es, den Songs ein neues musikalisches Klangbild zu verpassen und dabei einen gewissen Wiedererkennungswert beizubehalten. MTV Unplugged in New York ist somit eine durchaus hörenswerte Angelegenheit mit vielen charmanten und amüsanten Momenten.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 22. Mai 2009 Label: Vertigo (Universal)
Website: www.sportfreunde-stiller.de Myspace: www.myspace.com/sportfreundestiller
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Wie bereits zuvor bei Silent Alarm warten Bloc Party ein gutes halbes Jahr nach dem regulären Release ihres aktuellen Longplayers Intimacy mit einer Remix-Version des Albums auf. Drifteten die Meinungen zum aktuellen Bloc Party-Longplayer wegen des exzessiv ausgelebten Faibles der Londoner für Loops und Samples auseinander, so dürften sich die Kritiker zumindest bei der Neuauflage einig sein: Erlaubt ist, was elektronisiert daher kommt. Bleibt also lediglich die Frage, ob ein derartiger Aufguss notwendig oder überflüssig ist.
Auch bei der zweiten Remix-Auflage eines Bloc Party-Albums liest sich die Liste der beteiligten DJs erst mal äußerst angenehm: Armand van Helden, Filthy Dukes, Mogwai. Und auch die Remix-Versionen funktionieren erstaunlich gut. Vielleicht liegt es daran, dass Bloc Party sich bei Intimacy mit seinen Samples und Synthies bereits in Indietronic-geprägte Gefilde vorgewagt haben. Die fragmentarische Ausgabe des ohnehin schon samplegetragenen Ares hinterlässt einzig und allein einen Satz im Kopf "We dance to the sound of sirens". Der synthie- und hallgeschwängerte Mogwai-Remix von Biko kann sich durchaus hören lassen, ebenso wie die Armand van Helden-Version von Signs, bei dem sich aufgeschraubte Gitarrenriffs mit Dub-Sequenzen abwechseln. Empfehlenswert ist auch die düster anmutende Ausgabe von Zephyrus aus dem Hause Phase One.
Wie bei allen Remix-Alben lässt sich jedoch auch bei Intimacy Remixed bei einigen Tracks über Redundanz philosophieren. Talons beispielsweise gefällt im Original wesentlich besser, als in der an Happy Hardcore der 90er erinnernden R.I.P. Version von Phones. Mercury, One Month Off und Halo, bei dem We Have Band ein wenig zu tief in der Dub-Kiste gewühlt haben, erweisen sich als anstrengend. Genauso wie die völlig übersteuerte Ausgabe von Better Than Heaven. Im Schnitt ergibt sich ein Remis aus durchaus interessanten Neuauflagen und überzogenen Versionen, die vielleicht in der Clublandschaft funktionieren, zu Hause auf dem heimischen Plattenteller jedoch arg schwere Kost darstellen.
Nichtsdestotrotz erweist sich Intimacy Remixed als interessante Alternative zum regulären Bloc Party-Sound. Ein Album, das Fans und Sammler wie auch Freunde von Electroclash gleichermaßen ansprechen und zum Tanzen animieren dürfte - egal, ob zum Sound von Sirenen oder zu pulsierenden Beats und Samples.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 22. Mai 2009 Label: Cooperative Music (Universal)
Website: www.blocparty.com Myspace: www.myspace.com/blocparty
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Nach Bloc Party, Franz Ferdinand und den Kaiser Chiefs schmeißt nun die nächste Band der Klasse von 2005 ihr drittes Album auf den Markt: Maximo Park melden sich mit ihrem Drittlingswerk Quicken The Heart zurück.
Diesmal in L.A. unter der Regie von Produzent Nick Launay aufgenommen, haben Paul Smith und seine Mannen die Gitarren etwas mehr in den Hintergrund gestellt und dafür rückt die Präsenz von Keyboards und Synthies ein wenig mehr in den Vordergrund. Ansonsten ist soundtechnisch auf Quicken The Heart alles beim Alten geblieben. Maximo Park behalten ihren Hang zur Hymnenhaftigkeit bei und auch textlich bietet Sänger und Songschreiber Paul Smith die von Maximo Park gewohnte Kost. Trotzdem stellt sich beim ersten Hördurchgang keine wirkliche Zufriedenheit ein und die Songs wollen nicht auf Anhieb zünden. Die Grund-Zutaten haben sich zwar nicht geändert, doch fehlt es dem Album im Vergleich zu den beiden Vorgängerwerken an Höhepunkten, denn Quicken The Heart birgt keinerlei Überraschungsmomente oder Überhits in sich. Songs wie Books From Boxes oder Apply Some Pressure, die sich sofort ins Ohr schrauben, sucht man hier vergeblich. Die Jungs aus Newcastle legen mit dem Opener Wraithlike zwar einen bewegten Start hin, bei dem Paul Smiths unverkennbare Stimme von einer griffigen Instrumentierung untermalt wird und auch die erste Singleauskopplung The Kids Are Sick Again wird auf jeden Fall seinen Weg in die Clubs und Airplays finden. Doch anders als bei den beiden Vorgängeralben benötigt Quicken The Heart mehrere Hördurchgänge um sich zu öffnen. Aber meistens sind es gerade jene Alben, die sich nicht sofort durch tanzflächentaugliche Hits einschmeicheln, sondern sich von hinten anschleichen und sich dann plötzlich und unerwartet zur Lieblingsplatte entwickeln.
Und so wird auch sicherlich Quicken The Heart seinen Weg in die Herzen der Fans finden - nur nicht gleich beim ersten Hören.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 08. Mai 2009 Label: Warp
Website: www.maximopark.com Myspace: www.myspace.com/maximopark
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Lacrosse, eigentlich ein ebenso bescheuerter wie brutaler Mannschaftssport, bei dem zwei Teams versuchen, einen Ball mit Hilfe von stark an Teppichklopfer erinnernden Schlägern ins gegnerische Tor zu befördern. Die vorliegende CD der Band Lacrosse hat mit der gleichlautenden Sportart aber so gar nichts zu tun. Es handelt sich, möchte man den holprigen Vergleich konsequent zu Ende denken, vielmehr um Völkerball – Ebenso bescheuert, aber absolut gewaltfrei.
Die fünf Schweden bringen mit Bandages For The Heart schon ihr zweites Album auf den Markt. Es tritt die Nachfolge des 2007 veröffentlichten Debütalbums This New Year Will Be For You And Me an, das man aufgrund des übertriebenen Gute-Laune Sounds und der quietschenden Stimme von Sängerin Nina Wähä nur lieben oder hassen konnte. Egal welchem Lager man sich vor zwei Jahren zugehörig fühlte, man muss seinen Standpunkt auch beim neuen Album nicht überdenken, denn Lacrosse sind sich definitiv treu geblieben.
Ein bisschen ruhiger und vielleicht auch düsterer mag er sein, der Sound der neuen Platte. Im Wesentlichen hat sich aber nichts geändert. Nina Wähä kreischt immer noch wie ein fünfjähriges Mädchen, ihr männlicher Gesangspartner Kristian Dahl kann da auch wenig retten. Eigentlich handelt es sich ja um ein typisches Teenie-Pop Album, das den Werken der Killerpilze und Revolverheld in nichts nachsteht. Aber da es aus Schweden kommt, wird es quasi automatisch in die Indie-Pop Ecke geschoben.
Schrecklich gut gelaunter Glücksbärchi-Pop, Geschmackssache. Wer zum Beispiel Fertig, Los! mag, wird Lacrosse lieben. Wer nicht, sollte einen großen Bogen um dieses Kindergekreische machen, das ungeahntes Aggressionspotential entwickeln kann.
Review: Andreas Kussinger
Erscheinungsdatum: 02. Mai 2009 Label: Tapete Records
Website: www.lacrosse.nu Myspace: www.myspace.com/lacrossesthlm
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Neues aus dem Hause Tapete Records, da sagt man erst mal nicht Nein. Nennt sich Jack Beauregard, ein deutsch-niederländisches Duo, nach einem alten Italowestern-Helden – wussten wir ausgewiesenen Cineasten natürlich sofort. Was haben wir da nun zu erwarten? Die freundlichen Damen und Herren vom Label liefern die Infos: Eine Verquickung von Folk und Indietronics, soso. Jose Gonzales, Take That und Kraftwerk zusammen im Musikzimmer, hört hört. Musikhochschule in Amsterdam zugunsten der eigenen Musik abgebrochen, oho! Everyone Is Having Fun heißt das Album und ist das erste Werk der zwei Musiker namens Daniel Schaub und Pär Lammers. Aber nomen ist ja bekanntlich nicht immer gleich omen.
Um es vorwegzunehmen: Den schläfrig-lethargischen Blick der zwei Burschen auf dem Plattencover hat man beim Hören relativ schnell auch in der eigenen Fresse. "Sie schießen nicht scharf, sie schießen weich." Muss man ja auch nicht, aber dieser Platte fehlt leider jede Form von Munition. Indietronics?! Nervige Drumbeats, die erstens nach ganz billigen Sequenzer-Sounds klingen und zweitens hinken und stolpern anstatt zu stampfen. Für sämtliche Synthesizer-Effekte gilt ähnliches - ausgeklügelt klingt jedenfalls anders. Die Songs plätschern dahin, ohne Höhepunkte und Spannung. Auf einen Hit wartet man vergeblich, dafür wandert nach spätestens einer Minute jedes Tracks der Finger Richtung Skip-Taste. Teilweise klingt Daniel Schaubs Stimme nach Ben Gibbard (Death Cab For Cutie), endet dann aber immer wieder in uninspiriertem, schleppendem Singsang, der beim Hörer nicht die kleinste Spur von Emotionen regt, welche gerade bei dieser Art Musik ja so wichtig wären. Dazu kommen komplett öde und nichtssagende Texte, die mit umständlichem Wörterbuch-Englisch dem Ganzen die Krone an Unerträglichkeit aufsetzen.
Spaß haben kann man mit Jack Beauregard definitiv nicht, sich aber extrem langweilen. Diese Platte hat weder Inhalt noch Message noch irgendetwas den Hörer Fesselndes. No fun at all.
Review: Michael Döringer
Erscheinungsdatum: 15. Mai 2009 Label: Tapete Records
Website: www.jackbeauregard.com Myspace: www.myspace.com/jackbeauregard
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Falco sang Rock Me Amadeus - Phoenix wagen sich weiter vor und haben gleich ihr neues Album mit dem Titel Wolfgang Amadeus Phoenix versehen. Als leitendes Motiv geben Thomas Mars, Christian Mazzalai, Laurent Brancowitz sowie Deck D'Arcy eine optimistische Vorstellung von der Zukunft an, die ihre Referenzen zu einem großen Teil aus zukunftsweisenden Momenten der Vergangenheit zieht.
Das Wunderkind Mozart wird dabei nicht mit einem Lied bedacht. Dafür machen Phoenix mit Lisztomania auf Franz Liszt, den "Rockstar" des 19. Jahrhunderts aufmerksam, den das Berliner Publikum liebte, was zu hysterischen Ausbrüchen führte. Aufgrund seiner unkonventionellen Kompositionen wurde er jedoch in den eigenen Reihen lange Zeit abgelehnt. 1901 ist das Jahr nach der Weltausstellung in Paris gewesen und zugleich der Titel des zweiten Tracks. Er verkörpert auf energievolle Weise musikalisch den Enthusiasmus, den die Ausstellung hervorgerufen haben muss. Mit Fences schalten Phoenix einen Gang runter und bereiten so die zweiteilige Love Like A Sunset-Session vor, deren erster fast fünf Minuten andauernder Teil instrumental belassen worden ist. Mit den sphärisch anmutenden und changierenden Klangspielen gelingt es Phoenix, die Gefühle vom Flash aufgrund der Schönheit des Farbspiels zur Aufregung bis zu dem Moment, in dem die Sonne untergeht, prägnant umzusetzen. In dem unter zwei Minuten dauernden zweiten Teil wird das Bild des Vergleichs der Liebe mit dem Sonnenuntergang durch den einsetzenden Gesang dann vollendet. Mit der Sonnenuntergangsstimmung ist es dann abrupt vorbei, wenn zu Beginn des folgenden Liedes Lasso erstmals das Schlagzeug im Vordergrund ist.
Bezeichnend nicht nur die verbleibenden Tracks, sondern für das Album insgesamt, ist das Wechselspiel von fulminanten und entspannten Passagen. Trotz der Vielschichtigkeit, und das könnte der einzige Wermutstropfen für Verfechter des 2006er Vorgängeralbums It's Never Been Like That sein, lässt sich die Tendenz von Phoenix zugunsten des elektronisch gefärbten Spiels erkennen. Was sicherlich auch mit der eineinhalbjährigen Studiotüftelei der Band zusammenhängen dürfte. Aber man kann und muss es schließlich nicht jedem Recht machen – Stillstand bedeutet kreativer Tod –, und daher plädiere ich unter Benutzung des letzten Track-Titels Armistice für Waffenstillstand zwischen den Traditionalisten und den Modernisten.
Review: Michaela Wicher
Erscheinungsdatum: 22. Mai 2009 Label: V2/Cooperative Music (Universal)
Website: www.wearephoenix.com Myspace: www.myspace.com/wearephoenix
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Lassen wir die syntaktischen Ähnlichkeiten, die der Name zu Olli Schulz und der Hund Marie aufweist, mal beiseite und schauen direkt auf das, was sich hinter dem Namen, dem Duo oder dem Projekt Knut und die herbe Frau wirklich verbirgt. Das erspart uns das ganze Wer-wie-was-und-warum-überhaupt und lässt sich im Grunde auf zwei kurze Sätze herunterbrechen: Knut ist niemand geringeres als Knut Stenert – Sänger und Kopf der Band Samba. Hinter der herben Frau steht indessen Benedikt Filleböck – Oberlippenbartträger und Pianist von Wolke. Um die Personalfragen abzuschließen bleibt noch zu erwähnen, dass Tobias Siebert (Klez.E, Delbo) den beiden bei der Produktion unter die Arme gegriffen hat.
Das Ergebnis dieser Kooperation ist ein überaus poppiges Album geworden, das aufgrund der Stimme zwar an Samba erinnert, aber durch die Instrumentierung dann doch sehr davon abweicht. Auch Klangähnlichkeiten zu Wolke kommen nur hin und wieder, wie in dem vom Piano dominierten Haus am Fluss, zum Vorschein. Insgesamt klingt das Ganze auch zunächst sehr abwechslungsreich, wenn Gitarren- und Pianopassagen von Schlagzeug, elektronischen Beats und Synthieklängen untermalt werden, aber letztlich fließen die Songs oft sehr dahin, ohne einen ersichtlichen Höhepunkt zu erreichen. Vor allem innerhalb der Lieder wünscht man sich hier und da etwas mehr Abwechslung. Textlich verhält es sich ähnlich: Fortwährend handeln die Lieder von Liebe, was an sich auch nichts Schlechtes ist – es ist einfach Popmusik –, aber irgendwann ist dieser Durst nach Liebesliedern leider bei mir gestillt. Oftmals sind die Texte dann jedoch überaus gelungen und vor allem sehr metaphernreich, was man Knut zugute halten muss.
Schlecht ist das Album sicher nicht – schließlich ist es immer einfacher die negativen Seiten aufzuzeigen, bevor man etwas in den Himmel lobt, aber leider fehlen mir in den dennoch hörenswerten Songs oftmals die Ecken und Kanten, die das Album bestimmt interessanter gemacht hätten. So greife ich, wenn ich die Wahl habe, doch lieber auf Samba oder Wolke zurück, auch wenn es sich durchaus lohnt dem Knut und seiner herben Frau Gehör zu schenken.
Review: Axel Schinkel
Erscheinungsdatum: 08. Mai 2009 Label: Tapete Records (Indigo)
Website: www.knutunddieherbefrau.de Myspace: www.myspace.com/knutunddieherbefrau
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Zwar liegt mit Voltaic kein neues Album, aber dafür ein kleines Kunstwerk für Augen und Ohren vor. Im unscheinbaren DigiPak finden sich gleich vier Silberlinge: Zwei CDs und zwei DVDs, die in Form von Live-Aufnahmen, Remixen, Konzerten und Musikvideos in erster Linie Björks Schaffen in den vergangenen zwei Jahren dokumentieren. Im Mittelpunkt der Veröffentlichung steht zwar ganz klar das letzte Studioalbum Volta, aber von einem simplen Wiederaufguss alter Songs kann dennoch keine Rede sein.
Statt nur einen einfachen Konzertmitschnitt abzuliefern, hat Björk elf Songs aus dem Repertoire der Volta-Tour eigens für diese Veröffentlichung erneut live eingespielt. Mit fünf Stücken aus Volta und sechs Klassikern bildet die abwechslungsreiche Zusammenstellung nicht nur einen Rundumschlag durch das Schaffen Björks, sie wird auch gut der Vielseitigkeit der isländischen Ausnahmekünstlerin gerecht. Die in den legendären Londoner Olympic Studios aufgenommenen Neuinterpretationen von Wanderlust über Army Of Me bis zu Hunter und Innocence mögen sich auf den ersten Blick so innovativ und verschroben gestalten, wie man es von Björk gewohnt ist. Doch überraschend hat sich bei den Live-Aufnahmen auch eine fast poppige Eingängigkeit in die neuen Arrangements eingeschlichen, die es erlaubt viele von Björks Kompositionen nun in einem komplett anderen Licht zu betrachten. Überraschend vielseitig ist auch die Remix-CD geraten. Während Dancefloor-Größen wie Simian Mobile Disco oder Matthew Herbert die ursprünglichen Volta-Songs mal mehr oder weniger gelungen zerhackstückeln, ist vor allem der Ansatz von Modeselektor hervorzuheben, die sich gleich zwei Mal The Dull Flame Of Desire vorgenommen haben und dabei zwei vollkommen unterschiedliche Aspekte des Songs in den Vordergrund stellen.
Um sich auch optisch einen Eindruck von Björks Live-Werk verschaffen zu können, enthält die anschließende DVD zwei grundverschiedene Konzerte der Volta-Tour: In Paris inszeniert eine schillernd-bunte Björk mit großer Band und zehnköpfigen Blasorchester im Rücken ein opulent-avantgardistisches Spektakel vor ausverkaufter Halle. Krasser könnte der Gegensatz zu den Ausschnitten des intimen Unplugged-Kirchenkonzerts in Reykjavík nicht ausfallen. Nur von einigen Bläserinnen, einem Cembalo und einem Chor begleitet, entfalten die zuvor noch so pompös wirkenden Songs hier eine ungeahnte Intensität.
Die zweite DVD ist derweil als eine Art Werkschau zu Volta zu verstehen. Neben den fünf zum Album gehörigen Videoclips, finden sich dort ebenso recht interessante Making Ofs zum atemberaubenden Clip Wanderlust sowie zu Declare Independence. Als zusätzlichen Bonus versammelt die Disc zehn verschiedene Amateurvideos zum Titel Innocence, die aus einem von Björk ausgerufenen Wettbewerb hervorgegangen sind. Zwar hätten die Visualisierungen zu ein und demselben Song nicht grundverschiedener ausfallen können, dennoch wirkt die Versammlung an einem Stück etwas zäh. Hardcore-Björk-Fans werden es vielleicht lieben, der Rest wird sich an dieser Stelle vermutlich eher ausklinken. Allerdings ändert dies nichts an der Tatsache, dass Voltaic sowohl für Fans als auch für Neueinsteiger eine lohenswerte Erweiterung der Sammlung und damit mehr als eine bloße Überbrückungs-Veröffentlichung darstellt.
Review: Katrin Reichwein
Erscheinungsdatum: 24. April 2009 Label: One Little Indian (Polydor)
Website: www.bjork.com Myspace: www.myspace.com/bjork
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Naked Lunch aus Klagenfurt/Österreich können auf eine bewegte Karriere zurückblicken. Fünf Alben sind seit der Gründung 1991 entstanden, die Zeit von damals bis heute verlief aber alles andere als nach Plan oder linear. Labelschwierigkeiten, ausbleibender Erfolg und 2000 sogar der Alkoholtod eines ehemaligen Mitglieds bereiteten der Band um Sänger Oliver Welter schwierige Momente. Seit Mitte der Nuller-Jahre ging es dann wieder aufwärts, soundtechnisch entwickelte man sich stetig weiter, auch mal weg vom standardisierten Indierock-Schema. Nach dem letzten, oft gelobten Album This Atom Heart Of Ours von 2007 gibt es nun mit Universalove wieder Neues von Naked Lunch.
Nachdem die Band bereits 2005 mit ihrer EP Stay zu einem Projekt des befreundeten Filmemachers Thomas Woschitz beigetragen hatte, liefert sie nun mit Universalove den kompletten Soundtrack zum gleichnamigen Film des Regisseurs. Der preisgekrönte Episodenfilm spielt an Orten wie New York, Rio de Janeiro, Tokio, Marseille, Belgrad und Luxemburg und "wirft einen lebensklugen Blick auf die Verwirrungen, die Verrücktheiten und Vergeblichkeiten der Liebe", so die Jury des Max Opühls Preis 2009. Klingt gut, aber den Film lassen wir hier mal außen vor.
Denn - um nochmals jene Jury zu zitieren: Der Streifen ist "eine atemlose, vibrierende Odyssee zur Musik von Naked Lunch, die kein geschmacksverstärkender Soundtrack ist, sondern eine Hauptrolle spielt." Und so schaffen es die elf Titel, welche sich auf die einzelnen Schauplätze beziehen, durch einen ergreifenden Mix aus akustischen und verzerrten Gitarren, elektronischen Soundteppichen und Orgelklängen die Bilder des Films von ganz alleine entstehen zu lassen. Oliver Welter führt in bester Thom Yorke Manier durch ebenjene Verwicklungen der Liebe, auch der Sound erinnert oft an OK Computer. Es geht um verzweifeltes Warten und hoffnungslose Ohnmacht, jede Textzeile scheint einen ganz tief im Inneren zu packen und zu Boden zu werfen. Diese unbeschreibliche, erdrückend-schwere Traurigkeit zieht sich durch jeden Song. Man meint sie sehen zu können, Milja und Dusan in Belgrad, Julie und Rashid in Marseille oder Maria und Joao in Rio, und man möchte mit ihnen weinen, mit ihnen leiden und lieben.
Mit dem letzten und besten Track, dem hymnenhaften Where Do We Dance And Drink, beenden Naked Lunch dieses traurig schöne Schauspiel Universalove. Ein Stück Musik, in das man sich verlieben kann, allerdings nur unglücklich. "We're walking on, hand in hand, we're laying down in the promised land, slowly we speak, and gently we touch, we're floating in space while waltzing around."
Review: Michael Döringer
Erscheinungsdatum: 24. April 2009 Label: Louisville (Universal)
Website: www.nakedlunch.de Myspace: www.myspace.com/nakedlunchmusic
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Man stelle sich vor, wie jemand ein Skalpell nimmt, es ca. 3 cm unter dem Brustbein ansetzt und einen sauberen Schnitt von rechts nach links zieht. Was dabei zum Vorschein kommt, ist ein Muskel in der Größe einer Faust. Auf dem fünften Sophia-Longplayer There Are No Goodbyes streckt Robin Proper-Sheppard dem Hörer sein Herz entgegen. Ob man dieses nun schützend in die Hand nimmt oder ungeschickt fallen lässt, ist letzten Endes egal - Zerbrochenes kann man nicht zerbrechen.
There Are No Goodbyes ist eines der traurigsten Alben, die man jemals von dem Sophia serviert bekam. Ein Album, von dem Proper-Sheppard selbst sagt "It hurt recording these songs. And it still hurts, when I listen to these songs. Truthfully? It still hurts LIVING with these fucking songs!" Wie sich das anfühlt, mag man sich schon gar nicht mehr vorstellen, wenn das Hören bereits weh tut. Robin Proper-Sheppard zieht Bilanz aus sämtlichen gescheiterten zwischenmenschlichen Beziehungen und übt sich dabei oftmals in einer äußerst kritischen und harten Art der Selbstreflexion.
Dabei driften Sophia jedoch nie ins bodenlose Lamento ab. So düster die Texte auch sind, so ruhig und sanft sind die Harmonien. Oftmals schafft die versponnene Kombination aus Streichern, Piano und Gitarrenarrangements gar eine versöhnliche Atmosphäre. There Are No Goodbyes klingt weder nach vertontem Groll oder Hass, noch nach Resignation, sondern vielmehr nach der melancholischen wie weisen Erkenntnis, dass manche Dinge erst durch ihr Scheitern Sinn ergeben.
Auf eine echte Katharsis hofft man auf There Are No Goodbyes allerdings vergeblich. Es gibt keine Heilung, keine tröstende Umarmung, sondern einfach nur die Gewissheit, dass man lernen muss, mit Verlust und Desillusionierung zu leben - oder sie wie Robin Proper-Sheppard in Songs zu verarbeiten. Nie war es schöner zu leiden, als mit Sophia.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 24. April 2009 Label: City Slang (Universal)
Website: www.sophiamusic.net Myspace: www.myspace.com/sophiacollective
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Wäre die tragische Geschichte um die Selbstmord-Schwestern aus Sofia Coppolas The Virgin Suicides nicht bereits von Air vertont worden, läge mit Still Night, Still Light eine adäquate Alternative vor. Au Revoir Simone machen Musik fürs Auge. Wohl nicht umsonst bekennt sich auch David Lynch als Fan des Dreiergespanns. Unwillkürlich huschen schon bei den ersten Tönen sepiafarbene Bilder des Brooklyner Trios in seinen adretten Blümchenkleidern durchs persönliche Kopfkino. Es fällt schwer Au Revoir Simone fernab ihrer romantisch-mädchenhaften Optik zu beurteilen. Zu sehr erinnern ihre sanften Keyboard-Klänge an die zerbrechliche Ästhetik, die Coppola einst in ihrem Film einfing.
Drei Stimmen, drei Keyboards und einen Drum-Computer, mehr braucht dieses Trio nicht, um den ganz eigenen Film ins Rollen zu bringen. Au Revoir Simone entführen aus dem Alltag und nehmen uns mit in vergangen geglaubte Märchenlandschaften. Sie weißen Wege zu Orten, an denen die Welt noch in Ordnung scheint. Filigrane Melodien und schwerelose Keyboard-Flächen wiegen in Sicherheit. Nach einem harten Winter wähnt man sich endlich wieder auf einer Waldwiese. Während das zarte Sommergras zwischen den Zehen kitzelt, möchte man sich in der Weitläufigkeit dieser Klänge verlieren.
Doch hinter der vordergründigen Leichtigkeit des vermeintlich-süßen Popgestus verbirgt sich oft eine offenkundige Melancholie. Eine Melancholie, die jedoch weder Schwermut noch wirkliche Traurigkeit aufkommen lässt. Vielmehr sagen diese zwölf Songs in ihrer entwaffnenden Klarheit: "Es gibt Hoffnung. Sie mag nicht immer leicht zu finden sein. Doch es gibt sie. Irgendwo das draußen". Mit Still Night, Still Light ist der Mädchenbande ein Electro-Pop-Album für faule Sonntagvormittage gelungen. Seine bezaubernde Ruhe nimmt dem schwermütigsten aller Wochentage die erdrückende Monotonie. Trotz des Gebrauchs überwiegend elektronischer Instrumente stahlt diese tagebuchverträumte Platte eine Wärme aus, die in Electronica-Gefilden ihres gleichen sucht.
Review: Katrin Reichwein
Erscheinungsdatum: 24. April 2009 Label: Cooperative Music (Universal)
Website: www.aurevoirsimone.com Myspace: www.myspace.com/aurevoirsimone
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Mit ihrem Debütalbum Providence erzielten Variety Lab im Jahr 2003 gleich einen Achtungserfolg und der Longplayer machte sie erstmals einem größeren Publikum bekannt. Nun legt die Band um Mastermind Thierry Bellia mit Team Up! ihr zweites Werk vor. Herausgekommen ist eine abwechslungsreiche Platte, die sich irgendwo zwischen Electro, Pop und Lounge bewegt. Sieben Gastmusiker hat Thierry Bellia für Team Up! verpflichtet, darunter die Folklegende Donovan, der zum Opener seine Stimme beizusteuerte und David Bartholome (Leadsängers der Belgischen Combo Sharko), dessen Stimme auf drei Songs - We Should Be Dancing, Mireia und dem rockigen Not Enough - zu hören ist.
Kein Song gleicht hier dem anderen und so bekommt man manchmal den Eindruck, als würde es sich bei diesem Album nicht um ein Gesamtwerk, sondern eher um eine Compilation handeln. Dennoch ist Variety Lab mit Team Up! ein überaus hörenswertes Werk gelungen, das mit viel Liebe zum musikalischen Detail ausgearbeitet wurde. Ein Album, das sich in keine musikalische Schublade stecken lässt, sondern durch seine Vielfalt zu überzeugen weiß.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 24. April 2009 Label: Pschent
Myspace: www.myspace.com/varietylab
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Sinkadus ist "ein schwedisches Brettspiel, welches Backgammon ähnelt. Wird dabei in einem Wurf eine 5 und eine 2 gewürfelt, so muss 'sink a dus' gerufen werden, was übersetzt 'fünf und zwei' bedeutet", sagt Wikipedia. Was hat das Ganze nun mit dem neuen Longplayer von Kristofer Åström zu tun? Nun, rechnet man zwei und fünf zusammen, ergibt die Summe der einzelnen Teile sieben, sagt Adam Riese. Sinkadus ist das siebte Studioalbum von Kristofer Åström. Hier schließt sich also der musikalische Kreidekreis.
Sinkadus startet recht viel versprechend: Nach einer kurzen spanischen Introduktion empfängt Åström den Hörer mit dem leicht psychedelisch angehauchten Come Out, um ihn dann bei The Party zu einer energiegeladenen Festivität einzuladen. Trotz temporeicher Sounds und wohldosiertem Einsatz elektrischer Gitarren, mit denen der Fireside-Sänger auf seinen Solopfaden für gewöhnlich eher sparsam umgeht, ist sie immer noch da, diese große Melancholie, die die Songs des Schweden auszeichnet. Düster und allumfassend wie eine nie enden wollende skandinavische Winternacht. In diesen Momenten ist er einfach am besten. Egal, ob er wie bei Oh Man von verflossenen Lieben singt und zu dem ernüchternden Schluss kommt "I loved you from the start / And now you split my heart" oder bei Hard To Live über den Sinn des Lebens philosophiert. Dass Schwermut allerdings nicht zwangsläufig suizidal klingen muss, beweist Åström auf When Her Eyes Turn Blue, einer gelungenen Symbiose aus desillusionierten Lyrics und kraftvollen Melodien. Soweit, so gut. Dies sind nämlich auch schon die Höhepunkte von Sinkadus, Fullhouse und Viererpasch sozusagen. Auf gesamter Länge reichen Tempovariationen und gekonntes Songwriting nicht aus, um dauerhaft Aufmerksamkeit zu erzeugen. Spätestens beim zweiten Durchlauf ertappt man sich dabei, wie man verstohlen die Skip-Taste bedient, um sich von Highlight zu Highlight zu hangeln.
Der große Wurf ist Kristofer Åström mit Sinkadus leider nicht gelungen. Die songwriterischen Qualitäten des Schweden sind zwar nicht zu überhören, allerdings verläuft sich das Album mit zunehmender Länge in der dahinplätschernden Monotonie der Songs. Allerdings lässt sich die Wartezeit auf Longplayer Nummero acht problemlos mit der Skip-Taste überbrücken.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 11. April 2009 Label: Startracks (Indigo)
Website: www.kristoferastrom.com Myspace: www.myspace.com/kastrom
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Zugegeben, mit Veränderungen ist es so eine Sache. "Stillstand ist Rückschritt", lamentieren die einen. "Warum fortschreiten, wenn das althergebrachte funktioniert", meinen die anderen. Wagt eine Band den stark hörbaren Weg der Weiterentwicklung, schreien dann doch erst ein Mal beide Lager laut Zeter und Mordio. Aber wie das mit allen Veränderungen so ist: erst beschwerlich und verhasst, dann geliebt und hochgeschätzt, schlussendlich sind sie unvermeidlich. Im Kosmos Yeah Yeah Yeahs bedeutet Veränderung außerdem nichts anderes als die Einlösung ihres Versprechens, sich niemals wiederholen zu wollen. Mit It's Blitz! ist dem New Yorker Trio genau das abermals gelungen.
Die gravierendste Änderung dieses Mal: Nick Zinner hat die Gitarre gegen einen Vintage-Synthesizer eingetauscht. Wo auf Fever To Tell noch dreckiger, dahingerotzter Lo-Fi-Punk regierte und sich auf Show Your Bones die Akustikgitarren einschlichen, haben sich die Yeah Yeah Yeahs mittlerweile ein gemütliches Plätzchen unter der 80ies-Discorock-Kugel eingerichtet. Zu pumpenden Beats steuert Karen O. schnurstracks auf die Tanzfläche zu. Heads Will Roll formuliert in gewohnt lasziver Tonlage die Grundforderung der Band: "Off with the head, dance till you're dead". Doch Tanzen ist im Leben nicht alles.
Zwischen anfänglicher Dance-Euphorie und konventionellen Gitarrennummern wie Shame And Fortune erlaubt das neue elektronische Gewand dem Trio sich hin zu einer Reihe von langsamen bis mittelschnellen Stücken zu öffnen. Karen O. klingt dabei angriffslustig wie eh und je und doch springt sie dem Hörer erstmals nicht direkt kratzbürstig ins Gesicht. Ohne etwas von ihrer einstigen Sexyness einzubüßen, zeigen sich die Yeah Yeah Yeahs von nachdenklicher, man möchte fast sagen: erwachsenerer, Seite. Das sphärisch dahin wabernde Hysteric oder das so effektlose wie verträumte Little Shadow seien nur als zwei Beispiele unter vielen genannt. Am Ende sind es diese zerbrechlichen Electro-Balladen samt großer Geste mit Hang zum Pathos, die das Drittwerk der Amerikaner prägen. It's Blitz! mag daher trotz des Titels nicht wie ein solcher einschlagen, doch die Yeah Yeah Yeahs haben sich ihre einstigen Wesenszüge bewahrt. Trotz ihres Soundwandels bleibt das Trio provokativ, brachial und auf Konfrontationen aus. Auch wenn sich diese Eigenschaften auf It's Blitz! vermehrt durch eine ungewohnte Liebe zu sanften Harmonien manifestieren. Was zählt: Es klingt immer noch unverwechselbar nach Yeah Yeah Yeahs. Ob nun mit Synthies oder ohne.
Review: Katrin Reichwein
Erscheinungsdatum: 03. April 2009 Label: Polydor (Universal)
Website: www.yeahyeahyeahs.com Myspace: www.myspace.com/yeahyeahyeahs
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Wer die White Lies hört, der denkt an eine moderne Reinkarnation von Joy Division gepaart mit den amerikanischen Killers, als diese noch gute Musik fabrizierten. Um es kurz zu machen, sind die White Lies DER GROSSE, HEISSE SCHEISS! Im Ernst. Es ist schon beeindruckend und gleichzeitig beängstigend, welchen Tiefgang diese Musik und diese Dichtung besitzt. Und schon sind wir wieder bei Joy Division. Der Retro-Hype um diese Band scheint nicht aufzuhören. Doch erneut losgetreten von Interpol, den Editors und dem Wombats-Kracher Let's Dance To Joy Division, wird es wohl keine Band mehr geben, die den Spirit der industriellen Band noch mal nahezu so authentisch verkörpern wird, wie die White Lies. Denn die Drums, die Stimme und die düsteren Harmonien erinnern nicht nur stark an die so wegweisende Band aus Manchester, sondern versprühen auch diese unglaubliche Tiefe.
Ein Song wie To Lose My Life hätte sich auch auf Unknown Pleasures wieder finden können, doch was besonders mitreißt, ist die moderne Spritzigkeit der White Lies, die ihre industriellen Klangwelten mit farbenfrohen Synthesizern, Streichern und Disco-Beats verzieren. Das trifft so unverschämt den derzeitigen Trend und das Gehör der Indie-Kids, dass man dem Management von den White Lies ein echtes Kompliment aussprechen muss. Fragt sich nur, warum man im Titelsong fasst das gleiche Schlagzeug, wie Joy Division in Transmission nahezu eklektisch nachspielen muss. Aber egal, es ist genau das Drumming, das dieser Song braucht. Unifinished Business ist das große Highlight der Platte und ein besserer Song, als ihn die Killers jemals in ihrem Leben wieder schreiben werden. Behaupte ich mal ganz dreist. Synthies, schwer galoppierende Gitarren, ein luftiges und tanzbares Schlagzeug und ein treibender Bass machen diesen Song zum elegischen Rock-Meisterwerk. Sicher schwankt die Stimme des Sängers und Gitarristen Harry McVeigh zwischen Ian Curtis und dem androgynen Brandon Flowers, aber vielmehr besitzt sie die fesselnde Anziehungskraft, die Dich beim ersten Hören der White Lies packt und Dich nicht mehr loslässt. Seine Stimme und die melancholischen, verzweifelten Lyrics treiben einem die Tränen in die Augen, wenn man Nothing To Give hört. Ein wenig erinnern vor allem die markanten Texte des Bassers Charles Cave an einen mürrischen Nick Cave, der eine Überdosis Horrorliteratur von James Herbert und unzählige Shakespeare-Stücke inhaliert hat. Seine Texte sind düster-filmische Storys über Wahnsinn, Tod und Liebe, die trotz ihrer Brisanz nie die Hoffnung verlieren.
In kurzen Worten: Die White Lies sind der helle Wahnsinn. Warum? Sie sind jung und ein talentiertes Monstrum von Newcomer-Band, die mit perfekten Melodien, einer unsagbaren musikalischen Tiefe und einem angenehmen Selbstbewusstsein glänzt. Ihr Debüt schoss in den UK von Null auf Eins. Wer jetzt noch Fragen hat, der sollte schnellstens reinhören.
Review: Marc Philipp Meyer
Erscheinungsdatum: 03. April 2009 Label: Polydor (Universal)
Website: www.whitelies.com Myspace: www.myspace.com/whitelies nach oben
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Ohne Majorlabel im Rücken kehren Muff Potter zurück in den heimischen Hafen Huck's Plattenkiste. Nach 15 Jahren "Angry Pop Music" scheint die Zeit reif für eine Neuorientierung in Sachen Wut. Und Muff Potter machen es dabei weder sich, noch dem Hörer leicht. Sie haben den vorhersehbaren und geraden Klängen abgeschworen und zum ersten Mal seit Heute wird gewonnen, bitte! wieder eine Platte live eingespielt. Muff Potter lassen die Melodieseeligkeit von Steady Fremdkörper weit hinter sich. Wütend und brachial klingt dieses Gitarrenriff ganz am Anfang von Ich und so. Fern ab vom Befindlichkeitspop bellt Nagel die Namen seiner Helden - Huckleberry Finn, Henry Chinaski, Fräulein Smilla, Teddy DuChamp und Justus Jonas - ins Mikrofon. So roh blaffte Nagel seit Bordsteinkantengeschichten nicht mehr.
Der erneute Alleingang hat viel Härte, Dreck und Gemeinheit aufgewühlt. Sowohl im Sound als auch auf der textlichen Ebene. Hat man sich durch den Berg an scheppernd-widerborstigen Schmirgelpapier-Sounds gewühlt, wüten sich Muff Potter voller Wucht durch Wortspielereien. Blitzkredit Bop zelebriert das Leben auf Pump. Wenn Nagel von der Dispo-Disko und dem schönen Platz an der Hypotheke singt, möchte man fast vom Soundtrack zur Krise sprechen. So radiotauglich diese erste Single noch sein mag, der Schein trügt. Mit Alles war schön und nichts tat weh schicken Muff Potter eine rotzig-kurzen Punkklopfer ins Rennen, den so keiner mehr von den vieren erwartet hätte. Dem gegenüber steht die semi-akustische Ballade Mein Freund, das Wrack. Inklusive gewöhnungsbedürftigem Schifferklavier wagen sich Muff Potter an eine experimentierfreudige Ode an die Freundschaft. Der heimliche Hit des Albums, Niemand will den Hund begraben, hingegen stellt einmal mehr die scharfe Beobachtungsgabe Nagels unter Beweis. Mit der Momentaufnahme des tristen Landlebens und dem Wunsch diesem durch diverse Praktika in der Hauptstadt zu entgehen, beweisen Muff Potter alte Stärken.
Nach sechs Alben klingen die Münsteraner, die mittlerweile selbst zur Hälfte nach Berlin abgewandert sind, weniger verkopft, dafür umso schmutziger. Doch die brachiale Unmittelbarkeit des neuen alten Sounds wird viele mit großen Fragezeichen in den Augen zurücklassen. Zu viel Wahrhaftigkeit kann wehtun. Man muss schon an der rauen Oberfläche kratzen, um das Schöne unter all dem Schmutz freizulegen. Wer sich darauf einlassen kann, wird in Gute Aussicht über die Zeit hinweg eine gute Platte entdecken. Alle anderen bleiben verstört zurück.
Review: Katrin Reichwein
Erscheinungsdatum: 17. April 2009 Label: Huck's Plattenkiste (Rough Trade)
Website: www.muffpotter.net Myspace: www.myspace.com/muffpotter
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Nach vier Jahren der Stille melden sich die Doves mit ihrem aktuellen Longplayer Kingdom Of Rust zurück. Der vorab bereits zum kostenlosen Download angebotene Song Jetstream versprach Großes - vor allem klang er mit seinen Synthies und Samples eher Doves-untypisch. Während die einen frohlockten, der Sound der Doves sei um einiges innovativer geworden, befürchteten die anderen, das Trio hätte den Gitarren abgeschworen und sich dem hochmodernen Trend der Elektronik ergeben. Die Wahrheit liegt wie immer irgendwo dazwischen.
Genau genommen handelt es sich bei Jetstream um eine Reminiszenz an jene guten alten Zeiten, in denen die Doves sich noch Sub Sub nannten und elektronischer Musik frönten. Bei einigen mag der Titel wie auch der Sound Erinnerungen an New Order wachrufen. Und auch damit liegt man nicht ganz falsch. Immerhin unterstützte Sänger Jimi Goodwin zwischenzeitlich Sumner und Marr auf dem Electronic-Album Twisted Tenderness am Bass. Ab dem zweiten Track Kingdom Of Rust wird allerdings klar, dass wir es hier mit einem typischen Doves-Album zu tun haben: gitarrengetragen, streicherumschmeichelt, melancholisch, nachdenklich. So finden sich mit The Outsiders oder House Of Mirrors zwar durchaus energetische Tracks auf dem Longplayer, das sphärisch dahin gleitende Spellbound erinnert mit seinen ineinander verflochtenen Gitarrenspuren sogar an die großartige The Last Broadcast.
Auf Altbewährtes setzen, die Vergangenheit aufrollen und das Puzzle dabei neu zusammensetzen: Ein Konzept, das durchaus aufgeht. Man mag bekritteln, dass Kingdom Of Rust die ganz großen Highlights fehlen. Die Doves sind allerdings auch nie eine Hit-Band gewesen. Dennoch beweisen die Doves mit ihrem vierten Album einmal mehr, dass mit ihnen nach wie vor zu rechnen ist, dass sie es immer noch schaffen, den Musikfreund zu begeistern - im kleinen ehrlichen Rahmen der Popmusik.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 03. April 2009 Label: Virgin (EMI)
Website: www.doves.net Myspace: www.myspace.com/dovesmyspace
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Der Lenz geht um im Lande: Die Blümchen sprießen aus dem grünen Gras und die Vögel zwitschern uns eins, fast schon die ersten "Summer days in bloom" diesen Jahres. Und dann kommt auch noch Maximilian Hecker mit seinem nun schon fünften Album One Day; schöner könnte es nicht sein.
Drei Jahre sind seit dem letzten Streich des Wahlberliners vergangen, allerdings nicht ungenützt: Im Gegensatz zu seiner Heimat nämlich erführt er im fernen Asien seit Jahren die ihm gebührende Wertschätzung. Dementsprechend widmete er sich seinen in China, Korea und Taiwan ansässigen Fans mit ausgiebigen Konzertreisen. Ein regelrechter Popstar ist Hecker im fernen Osten, mit Platten- und Werbeverträgen, hierzulande gab ihm die große Plattenfirma den Laufpass. Völlig absurd, denkt man da als Kenner seines Schaffens. Aber - Gott sei's gedankt - kommt nun auch die deutsche Gemeinde der gebrochenen Herzen in den Genuss einer neuen Portion Schmusepop.
Eines wird schon nach den ersten Liedern auf One Day klar, und zwar, dass Herr Hecker sich wieder einmal treu bleibt. Zuckersüße Popballaden zwischen Oasis und unverfrickelten Radiohead, wunderschön komponiert und instrumentiert mit dem üblichen, ineinander verwebten Sound aus Gitarre, Klavier und Streichern. Entscheidend hinzu kommt - ebenfalls wie gewohnt - Heckers zarte Jünglingsstimme, die sich von der ersten Sekunde an wie ein klebriger Honigfilm über die Songs legt und sie zusammenhält. Alles dreht sich um die Liebe, er klagt und schmachtet wie eh und je, erzählt von Sehnsucht, Verlangen und Erfüllung. Dabei schafft er aber, was wenigen gelingt: Durchgehend anmutig und verletzlich von seinem Innenleben zu singen, ohne in Kitsch und Peinlichkeit zu versinken.
Langweilig und einfallslos mögen es manche schimpfen, die Maximilian Hecker nicht kennen und lieben gelernt haben, oder einfach keinen Zugang zu gefühlsbetonter Musik von diesem Schlag haben. Viel richtiger ist allerdings, anzuerkennen, wie konstant er durchweg bezaubernde und eingängige Popmusik produziert, die trotz ihrer Homogenität kein bisschen an Schönheit und Reiz einbüßt.
"One day I'll break the chains round my heart, [...] one day all my fears of going astray will end in smoke as my angels choose to stay" heißt es im Titeltrack. Hoffentlich ist dieser Tag noch ein paar Jahre und Alben von Maximilian Hecker entfernt.
Review: Michael Döringer
Erscheinungsdatum: 03. April 2009 Label: Louisville Records
Website: www.maximilian-hecker.com Myspace: www.myspace.com/maximilianhecker
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Was soll man über die Pet Shop Boys noch schreiben, was nicht schon längst in die Welt getragen wurde? Seit beinahe 30 Jahren beglückt uns das Duo um Neil Tennant & Chris Lowe mit intelligenter Musik, ohne dass man sich bei dem Wort "Pop" den Mund mit Seife auswaschen muss. So auch beim neuesten Output Yes.
Soundmäßig hat sich, trotz der Zusammenarbeit mit dem Produzententeam Xenomania (Sugababes, Girls Aloud), nicht allzu viel verändert. Ein bisschen optimistischer vielleicht klingen die elf Songs und Johnny Marr's Gitarre & Harmonica (regelmäßiger prominenter Gast, u.a. The Smiths, Electronic, Modest Mouse) sind etwas tiefer in den Grundsound integriert als sonst. Ansonsten gibt es keine stilistischen Ausfälle bzw. Veränderungen zu vermelden. Neil Tennant's Stimme bleibt weiterhin unverwechselbar, markant und die Refrains bohren sich in gewohnter Pet Shop Boys-Manier ins Ohr, allen voran Beautiful People (mit dem Drumbeat von New Order's Crystal), Building A Wall (mit großartigem Chorus "a fine wall/ not so much to keep you out/ more to keep you in") und natürlich die aktuelle erste Single Love, etc..
Solide mögen es die einen schimpfen, zeitlos und großartig die anderen. Ich tendiere stark zu Letzterem, denn wer es schafft sich solange im (mittlerweile extrem kurzlebigen) Musikgeschäft mit durchwegs großartigen Alben zu behaupten, dem gebührt mindestens großer Respekt! Tolles Album!
Review: Marco Pleil
Erscheinungsdatum: 03. April 2009 Label: Parlophone (EMI)
Website: www.petshopboys.co.uk
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The Flames - sind das nicht die mit dem Song aus der Afri-Cola-Werbung?! Genau die sind es. Wir erinnern uns alle noch an den schlimmen Ohrwurm "Everytime I See You I Wanna Be With You" und die lächerliche Adaption des "Sonnenallee"-Tanzes. 2002 avancierte die seichte Popnummer Everytime zum deutschlandweiten Sommer-Hit und katapultierte The Flames damit in die Sparte "One Hit Wonder". Fluch und Segen zugleich. Mit ihrem mittlerweile dritten Album Caution: Heat Inside startet die Band aus Mannheim nun einen erneuten Versuch dieses "One Hit Wonder"-Ettikett loszuwerden.
Auf ihrem neuesten Werk blicken The Flames vorwiegend Richtung UK und Schweden und haben sich dabei gekonnt das ein oder andere bei ihren Kollegen abgeschaut. So hätte Lunatic Dreams mit seinem zackig-melodiösen Rhythmus auch noch aus dem Repertoire von Franz Ferdinand stammen können. Das klingt zunächst überraschend viel versprechend und weckt beim Hörer erst einmal Interesse. Was allerdings so viel versprechend beginnt, verliert leider in der zweiten Albumhälfte zunehmend an Fahrt. Songs wie Still Waiting oder Where You Are dümpeln irgendwo in der Mittelmäßigkeit herum und kochen das Album ein wenig auf Sparflamme runter. Lediglich Cape Tribulation schafft gegen Ende noch mal ein kurzes Aufflammen des Interesses beim Hörer. Schade!
Zwar birgt die erste Albumhälfte und insbesondere der bereits erwähnte Song Lunatic Dream die Hoffnung in sich, The Flames sind doch mehr als ein "One Hit Wonder", jedoch reicht es nicht ganz aus, um auf gesamter Albumlänge zu überzeugen. Eine Schwalbe macht eben bekanntlich noch keinen Sommer und somit fällt Caution: Heat Inside leider nur in die Kategorie "Kann" aber nicht "Muss".
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 03. April 2009 Label: R.D.S. (Soulfood)
Website: www.theflames.de Myspace: www.myspace.com/theflamesde
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Eine Fernbeziehung hat viele Nach- und wenige Vorteile. Einen vermeintlichen Vorteil hat sich der Stockholmer Singer/Songwriter Johannes Mayer zu Nutzen gemacht: Die vielen einsam verbrachten Stunden zwischen Vermissenskummer und den nächtlichen Anrufen seiner Freundin lassen sich bestens nutzen, um immer öfter zur Gitarre zu greifen. Mit minimalen Mitteln nimmt Mayer seine jahrelange Fernbeziehung ganz behutsam auseinander und erschafft dabei eine fragile Schönheit und intime Atmosphäre, die es würdig ist, mit einem Großen wie Nick Drake verglichen zu werden.
Bereits die ersten Klänge seines Debüts Leaving Notes sorgen für Gänsehautstimmung. Mit den wenigen akustischen Mitteln erzeugt Mayers samtige Stimme viel Wirkung. The Late Calls Songs erreichen einen dort, wo es weh tut: Mitten im Herzen. Zarte Streicherarrangements umschmeicheln Akustikgitarren, in denen sich wiederum Glockenspiel-, Akkordeon- und Piano-Klänge verlieren. Ohne in todtraurige Weinerlichkeit abzudriften, vermag der leidgeprüfte Herr zu vermitteln, was ihm auf der Seele brennt.
Mit Unterstützung befreundeter Musiker wie Andreas Söderström (Taken By Trees), Björn Kleinherz oder auch Henrik Roger, hauptberuflich Sänger von Ghost Of Tom Joad, zelebriert Mayer die Wiederentdeckung der Aufrichtigkeit. Diese in Wohlklang gepressten Gefühle sind echt. In jedem Geigenstrich, jedem noch so kleinen Zittern in der Stimme steckt eine ungeahnte Wahrhaftigkeit großer Worte über große Gefühle, die einen auf der gesamten Albumlänge kaum loslässt. Verloren in all der Melancholie erahnt man doch den Hoffnungsstreif am Horizont. Ein Jeder, der das Gefühl zwischen Abschiedstrauer und Wiedersehensglück kennt, wird sich in der luftigen Schwere Mayers Musik angekommen fühlen.
Review: Katrin Reichwein
Erscheinungsdatum: 03. April 2009 Label: Tapete (Indigo)
Myspace: www.myspace.com/thelatecall
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Vor zwei Jahren haben The View mit Hats Off To The Buskers (2007) ein erstklassiges Debütalbum hingelegt, dass sowohl von Fans als auch von Kritikern über den grünen Klee gelobt und als das nächste große Ding aus dem UK gehandelt wurde. Mit ihrem ungestümen Rock 'n' Roll-Sound spielten sie sich direkt an die Spitze der britischen Albumcharts und wurden auf der Insel mit Platin ausgezeichnet.
Eigentlich hätten The View einfach nur ihr Erfolgsrezept des ersten Album fortführen müssen. Doch das wollten die Jungs aus dem schottischen Dundee anscheinend nicht. Auf der einen Seite behält das mit Which Bitch? betitelte Zweitlingswerk natürlich den raubeinigen Charme von The View bei, aber auf der anderen Seite geht es klanglich in neue unerwartete Richtungen. Neben einigen altbekannten Nummern, die auch noch genauso gut auf dem Debüt hätten sein können, setzen The View jedoch bei ihrem Nachfolgewerk auf mit Streichern angereicherte Balladen (Unexpected) und orchestrale Shanty-Klänge (Distant Dubloon) und scheuen auch nicht den Einsatz von Jazz-Trompeten (Covers) oder Bass-Tuba (Jimmy's Crazy Conspiracy).
Textlich ist jedoch alles beim Alten geblieben. So erzählt Kyle Falconer auch hier wieder Anekdoten aus dem Leben eines Jungerwachsenen. Darüber, wie man betrunken den Straßenmarkierungen folgt, um seinen Weg nach Hause zu finden (Double Yellow Line), wie es ist, wenn man unberechtigt ins Gefängnis von Aberdeen geworfen wird (One Off Pretender), über Straßendiskussionen, die man mit der Liebsten nach einem Pub-Besuch führt (Glass Smasher) oder darüber, wie man aus einem Bordell gejagt wird, obwohl man gar nicht wusste, dass es ein Bordell war (Give Back The Sun).
Leider schafft es Which Bitch? trotzdem nicht dem Debütalbum das Wasser zu reichen. Was dem Album fehlt ist die Unbeschwertheit seines musikalischen Vorgängers. Stattdessen kommt das Zweitlingswerk an manchen Stellen etwas zu überambitioniert daher. Weniger ist eben doch manchmal einfach mehr.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 20. März 2009 Label: 1965 Records
Website: www.theviewareonfire.com Myspace: www.myspace.com/dryburgh
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Geiz kann man dem Berliner Elektro-Trio Grossstadtgeflüster nun wirklich nicht vorwerfen, befinden sich doch auf ihrem zweiten Album Bis Einer Heult! tatsächlich 16 Tracks. Da kommt schnell der Verdacht auf, dass die Qualität ob der Quantität leiden könnte. Vielleicht schließt die eine die andere aber doch nicht aus, und der kreative Output ist einfach dermaßen enorm gewesen, dass die Band keines der Lieder vorenthalten wollte. Das wird sich jetzt zeigen.
Mit dem Opener Kümmer Dich gelingt Jen Bender, Raphael Schalz und Chriz Falk auf jeden Fall ein viel versprechender Einstieg in Form eines Wechselspiels von nach vorn gehendem Sound und knarzigen Passagen, die dem Inhalt - der aus dem energischen Wunsch bei dem Traumtypen zu landen besteht - , dennoch angemessenen Platz lassen. Auch die Single Lebenslauf, mit der sich die Band gegen die Ellbogengesellschaft und ein Leben im Gleichschritt ausspricht, klingt gut. Bei genauerem Hinhören weiß man auch warum: Das NDWeske Lied speist sich aus gleich zwei Hits: zum einen wäre da Guten Tag von Wir Sind Helden. Dazu gesellt sich Plastic Bertrands Ça Plane Pour Moi aus dem Jahr 1977, woran sich aber – das muss der Fairness halber angemerkt werden - „Guten Tag“ von Wir Sind Helden ebenfalls orientiert.
Okay, es ist klar, dass kaum eine Band imstande ist, das musikalische Rad neu zu erfinden, aber ein bisschen mehr Raffinesse hätte ich mir schon gewünscht. Sei's drum. Mach Halt Was und insbesondere das die Situation des Angekotztseins thematisierende Haufenweise Scheiße sind auf jeden Fall eine mehr als angemessene Entschädigung! Doch ab Track neun bestätigt sich die Befürchtung, mit der die Rezension ihren Anfang genommen hat: die Lieder bewegen sich zwischen den Polen monoton bis nervend, weshalb sich die Weisheit Qualität vor Quantität leider bewahrheitet.
Review: Michaela Wicher
Erscheinungsdatum: 30. Mai 2008 Label: Chicken Soup Records (Groove Attack)
Website: www.gsgf.de Myspace: www.myspace.com/grossstadtgefluester
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Der Indie-Rock Zug rauscht mit Höchstgeschwindigkeit durch Europa. Während vor kurzem noch kein Ende der Reise in Sicht war, merkt man mittlerweile sehr deutlich, dass der Sprit wohl nicht mehr ewig reichen wird. Franz Ferdinand, Bloc Party und den Arctic Monkeys kann's egal sein, die haben es sich in der ersten Klasse bequem gemacht. Die zweite Klasse ist gnadenlos überbucht, selbst in der Holzklasse findet sich kein Platz mehr für weitere Bands. Höchstens ein paar Trittbretter sind noch frei, eines davon haben nun Neimo ergattert, die in Paris zugestiegen sind.
Frankreich also, das Land der Radioquote, in dem der Kampf gegen den Anglizismus immer noch oberstes Staatsziel ist. Neimo haben es dennoch gewagt, sich dem Sprachdiktat zu widersetzen und singen in akzentfreiem Englisch. Das Artwork der aktuellen CD zeigt folgerichtig einen Jugendlichen, der von Polizisten abgeführt wird. Fertig ist das revolutionäre Image!
Ganz taufrisch sind Neimo nicht, das Debütalbum wollte außerhalb Frankreichs aber nicht so recht zünden. Mit dem jetzt vorliegenden Nachfolger Moderne Incidental haben sie deutlich bessere Chancen auf den Durchbruch, denn mit Alan Moulder konnte ein Produzent der Superstar-Kategorie gewonnen werden. Der mediale "Aha"-Effekt blieb nicht aus und war sicherlich recht hilfreich beim promoten des Albums. Gitarre spielen und singen müssen die vier Franzosen aber trotzdem selbst. Was sie dabei zustande gebracht haben, klingt nicht schlecht, aber eben auch etwas langweilig. Zu oft hat man in den vergangenen Jahren schon genau das selbe gehört. Hier ein bisschen New Wave, dort ein bisschen Brit Pop, eingängige Melodien und tanzbarer Beat. Aber ein paar Mal schaffen sie es doch, sich ein bisschen wenigstens vom großen Indie-Rock-Allerlei abzuheben. Dann nämlich, wenn sie sich am schamlosesten bei den Smiths bedienen, wie etwa bei dem wirklich gelungenen Something In Common und vor allem bei Lines, dem herausragenden Stück der Platte. Weitere Anspieltipps: Johnny Five und Carsick.
Ein gutes Album, nur leider etwas zu spät! Vor drei Jahren hätten sie mit Moderne Incidental so richtig durchstarten können, anno 2009 bleibt ihnen leider nur noch das Schicksal der Trittbrettfahrer.
Review: Andreas Kussinger
Erscheinungsdatum: 27. Februar 2009 Label: R.D.S. (Soulfood)
Website: www.neimo.com Myspace: www.myspace.com/neimo
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Zwei Menschen treffen sich in einer Bar und debattieren über die Gemeinsamkeiten ihrer Plattensammlung. Was eher trivial als spannend klingt, ist Ende der Neunziger der Auslöser für die Gründung von A Camp, einer Kollaboration der Cardigans-Sängerin Nina Persson und Atomic Swing-Frontmann Niclas Frisk. Komplettiert wird das Projekt durch Nathan Larson (Shudder To Think) und Kevin March (Shudder To Think, Guided By Voices). 2001 erscheint mit A Camp das selbstbetitelte Debüt des Projekts. Acht Jahre später haben Frisk und Persson wieder zusammengefunden, um mit Colonia ein weiteres A Camp-Album zu veröffentlichen.
Opener des Longplayers ist The Crowning - ein Track, der in einem beschwingten Walzergewand daherkommt und bereits in den ersten Sekunden klar macht, dass sich bei A Camp einiges getan hat. Die amerikanischen Folkeinschläge des Debüts sind einem verspielten Popsound gewichen, auf dem sich der verstärkte Einfluss von Nathan Larson deutlich bemerkbar macht. Widmete sich der Göttergatte der Persson in letzter Zeit verstärkt der Filmkomposition, so wirken auch die Songs auf Colonia wie eine Symbiose aus Leonard Bernstein und ABBA: Musical meets Schwedenpop. Satte orchestrale Einlagen, gepaart mit zuckersüßen Melodien, die über desillusionierte Lyrics hinweg täuschen. Abgerundet wird das Ganze durch den Einsatz von Gastmusikern wie James Iha, Anna Ternheim oder Joan Wasser. Keine Frage, das hier ist Pop auf hohem Niveau. Dennoch - oder gerade deshalb - will sich Colonia nicht wirklich greifen lassen. Wie ein Film, dessen Größe man beim Schauen zwar erkennt, dessen Inhalt man jedoch nach einer Dreiviertelstunde nicht mehr wirklich wiedergeben kann. Was bleibt ist Ratlosigkeit und die bange Befürchtung, ein hoffnungsloser Kunstbanause zu sein.
Mit Songs wie Stronger Than Jesus, Love Has Left The Room oder I Signed The Line hat Colonia sicherlich große Momente. Leider reichen diese nicht aus, um auf gesamter Länge zu überzeugen. Was bleibt ist ein kühler Hauch, aber nichts von Dauer, ähnlich wie bei einem Parfüm. Nur, dass Eau de Colonia wesentlich besser riecht, als Kölnisch Wasser.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 20. März 2009 Label: Pias/Reveal (Rough Trade)
Website: www.acamp.net Myspace: www.myspace.com/acamptheband
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Der Kelch musikalischer Wiedervereinigungen geht auch an den heimischen Gefilden nicht vollends vorbei: Nach zwölfjähriger Umtriebigkeit in anderen Projekten findet die Originalbesetzung von Selig wieder zueinander, um mit Und endlich unendlich ein neues Album auf den Markt zu bringen. Bissig bis ironisch erscheint an dieser Stelle die Frage, die Jan Plewka in Die alte Zeit aufwirft: "Und all die Bands, die du gegründet hast, was wurde aus denen?"
Was aus Zinoba, Kungfu oder TempEau wurde, ist letzten Endes irrelevant. Viel wichtiger ist die Frage, welche Erwartungen an einer Band hängen, die seinerzeit als eine der maßgeblichen Deutsch-Rock-Kapellen der 90er abgefeiert wurde. Was erhofft man sich als Fan? Und wie viel davon hält ein Album, dessen Promo-Tour bereits ausverkauft ist, bevor es den Weg in die Plattenläden gefunden hat? Fragen über Fragen, die sich auf dem Schreibtisch anhäufen, während Und endlich unendlich aus den Boxen des CD-Players erschallt.
Musikalisch hat sich nicht viel verändert: Christian Neander schraddelt immer noch unumstritten gute Bluesriffs, Jan Plewka präsentiert sich nach wie vor als gekonnter Beobachter des alltäglichen Lebens, als geübter Jäger und Sammler biographischer Momentaufnahmen. Schau schau oder Du siehst gut aus sind zweifelsohne klassische Selig-Songs, die sich durchaus noch auf Selig oder Hier befinden könnten. Dazwischen liegt ein Wechselspiel aus Balladen (Der schönste aller Wege, Immer wieder) und tempogeladenen Tracks (Die alte Zeit) - das Wechselbad der Gefühle bleibt hierbei allerdings aus. Das Ganze klingt solide bis behäbig - ohne jeden Zweifel gut produziert - jedoch fehlt der Funke, der Und endlich unendlich in Brand setzt. Da nützt es auch nichts, dass es in Plewkas Venen immer noch knistert, wie er auf Ich fall in deine Arme proklamiert. Der leichte Anstrich von Lindenberg, den einige der Songs mittlerweile angenommen haben, macht das Ganze auch nicht besser.
Und endlich unendlich klingt wie der missglückte Versuch, dort anzuknüpfen, wo man vor 12 Jahren aufgehört hat. Leider scheinen Selig dabei zu vergessen, dass sich die Erde weiterdreht. Nach einer dermaßen langen Auszeit verlangt es nach einem Album, das funktioniert, wie ein Debüt, das so gnadenlos gut ist, um alte Kenner als auch Selig-Novizen überzeugen zu können. Und endlich unendlich dagegen verharrt im Mittelmaß, erinnert zwar passagenweise an die guten alten Zeiten, bringt diese jedoch nicht zurück - auch nicht, wenn man von ihnen singt. Die müssen wir uns dann schon wohl zurück trinken.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 20. März 2009 Label: Vertigo (Universal)
Website: www.selig.eu Myspace: www.myspace.com/seligmusik
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Aus Schweden. Ein Zusatz, der sofort ins Auge fällt und in Verbindung mit Popmusik eine eindeutige Richtung vorgibt. Was kann man schon großartig Schlechtes sagen über dieses Land und seine Musiker, die sich seit Jahren einen festen Podestplatz in der Weltrangliste anspruchsvoller Popmusik sichern. Das sind die unvermeidlichen Hintergedanken, die einen beim Hören des Zweitlingswerks Feeling Feline Tonight der Antennas begleiten.
"Well I'm not exactly sad", mit dieser Uneindeutigkeit eröffnet der erste Track The Collector die insgesamt 40minütige Scheibe. Und nach dem zweiten oder dritten Durchlauf des Albums beschleicht auch den schwedenpopgeübten Hörer dieses Gefühl: Nicht schlecht erst mal, aber die großen Schwächen sind auch noch nicht bemerkbar. Soviel jetzt schon: Feeling Feline Tonight entwickelt sich, heraus aus diesem Naja-Gefühl des Eingangszitats und hin zu freudiger Begeisterung.
Die drei Herren von Antennas bezeichnen ihren Sound selbst als "Balkan boogie, slacker anthems and stalker pop". Klingt vielfältig, allerdings beschränkt sich dieser Stilmix auf Andeutungen, gekleidet in klassischen Indiepop und - rock zweierlei Art: Da sind zum einen die treibenden, dancefloor-fordernden New-Wave-Gitrarren-Stücke (The Collector, Youngbloods, Look You In The Eye), zum anderen gemächlichere melancholisch-melodiöse Nummern im Stil von Arcade Fire (Cold Watery Grave, Media Training, Upwardly Mobile) an welche die Stimme von Sänger Christian Björkman sowieso permanent erinnert. Dazwischen stehen Einzelerscheinungen, wie die großartige, Synthie-geschwängerte Single Lies, das Instrumental Pianola, und das etwas öde, bluesige Exotenstück Sinners Repent (übrigens das einzige Stück, das an so etwas wie "Balkan boogie" erinnert).
Die starke Leistung der Antennas auf Feeling Feline Tonight ist es, all diese verschiedenen musikalischen Richtungen und Akzente zu einem einzigen Gefühls- und Stimmungskonzept zu bündeln, das das ganze Album beherrscht und dabei nie langweilig wird. Es ist eine melancholische und verhalten-freudige Atmosphäre, in welcher die 11 Songs perfekt funktionieren, die schwächeren Songs inklusive. Letzten Endes haben die Antennas Unrecht mit ihrer gleichgültigen Aussage zu Beginn des Albums, das Gefühl beim Hörer dieser gelungenen Platte geht eindeutig Richtung Freude. War klar, kommt ja aus Schweden.
Review: Michael Döringer
Erscheinungsdatum: 27. Februar 2009 Label: Novoton
Website: www.antennas.se Myspace: www.myspace.com/areyouantennas
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Nicht nur der Bandname strahlt kindlichen Charakter aus, auch die Songs von Now, Now Every Children drehen sich um Themen des unweigerlichen Prozesses des Erwachsenwerdens. Trotzig, aufmüpfig und doch immerzu verspielt und zuckersüß singt Cacie Dalager von kleinen Brüdern und der Freundschaft mit der Schwester. Wen mag es verwundern, waren Dalager und ihr Partner Brad Hale doch selbst noch halbe Kinder, als sie begannen, nach den Proben mit ihrer Highschool Marching Band eigene Songs zu komponieren. Ohne Bass, aber mit umso sehnsuchtvolleren Melodien schrammelt sich die Dame mit der Kleinmädchenstimme durch so schlichte wie auch eingängige Akkorde gen LoFi-Himmel. Hales drängendes Schlagzeugspiel versucht der heraufziehenden intimen Stimmung hier und da immer wieder etwas von der jugendlichen Unschuld zu nehmen. Besonders schön gelungen ist das bei Friends With My Sister. Was als sanfte Piano-Ballade mit schüchternem Glockenspiel beginnt, entpuppt sich Schicht um Schicht als noisiges Soundgebilde, das gar nicht mehr so zahm und engelsgleich daherkommt. Doch diese Ausbrüche haben Seltenheitswert. Über mehrere Hördurchgänge hinweg, drängt sich das Gefühl auf, als hätte das Duo Angst die Kontrolle zu verlieren. Now, Now Every Children bleiben in ihrem beengten Käfig aus lieblichem Wohlklang gefangen. Vornehmlich nimmt man ihr Debüt einfach als unbeschwert, frisch und ein wenig naiv wahr. Die vertonte Form ihrer privaten Tagebücher aus Teenager-Tagen, denen sie noch gar nicht so lange entwachsen sind, gestaltet sich als derart sympathisch, dass zwar jedes negative Wort in der Kehle stecken bleibt. Jedoch ist Cars schussendlich so plüschig und weich, dass man die Ecken und Kanten zwischen den elf Tracks schnell vermisst. Mit Süße und Nettigkeit allein, ist eben noch niemand durchs Leben gekommen.
Review: Katrin Reichwein
Erscheinungsdatum: 27. Februar 2009 Label: Tapete (Indigo)
Myspace: www.myspace.com/nownoweverychildren
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The Rakes sind sicher eine der besseren British-Post-Punk-Indie-Bands. Das beweist wieder einmal ihr neues Album. Obwohl es sehr, sehr schwer wurde das faszinierende Ten New Messages zu überbieten. Doch überbieten wollten die vier Londoner überhaupt nichts, ganz im Gegenteil, sie vermeiden auch auf ihrem neuen Album KLANG jegliche Repetition.
Das ist das Einzigartige dieser Band. The Rakes klingen auf jedem Album anders. Nach dem schmissigen Post-Punk-Debüt Capture/Release war Ten New Messages ihr Pop-Tanz-Hit-Album. Eine Pop-Hit-Platte ist KLANG nicht geworden, aber das wollten The Rakes auch gar nicht. "Den meisten derzeitigen Bands in London ist eine Chartplatzierung wichtiger, als ein kreatives musikalisches Kunstwerk. Diese Einstellung teilen wir nicht und mussten mal raus", sagt Bassist und Rakes-Gründer Jamie Hornsmith im Interview mit Popconnection. Für die Aufnahmen an KLANG sind die vier Haken nach Berlin gereist und haben in einer alten damaligen DDR-Radio-Station in Ost-Berlin aufgenommen. "Die Akustik dort war der Wahnsinn und wir haben sehr viel experimentiert", erzählt Jamie begeistert von den Sessions. Diese Experimentierfreudigkeit hört man. So duellieren sich bei The Woes Of The Working Woman antike Klavierklänge und "twangy-zackige" Gitarren. Überhaupt ist KLANG das raueste, schmutzigste und stürmischste Album der Rakes geworden. Songs wie „1989“ und That's The Reason erinnern zwar eher wieder an das Rakes-Debüt, heben sich aber in ihrer rauen Kreativität wieder mal von dem bisherigen Songmaterial ab. Es ist schon der Wahnsinn, wie sich die Rakes stetig weiterentwickeln. You're In It und ganz besonders das mystisch-grandiose The Final Hill sind die geheimen Hits dieser Platte und werden jetzt schon in jeder Indie-Disco rauf und runter gespielt. The Final Hill basiert auf einem wunderbar großartigem Gitarren-Riff, welches den ganzen Song durchläuft und sich mit jedem Takt steigert. Das ist der helle Wahnsinn. Alan Donohoe klang noch nicht so direkt. Er singt von gelangweilt bis verzweifelt und zusammen mit zackigen Drums, dem typisch perkussiven Bassspiel und den kantigen Gitarren haben The Rakes wieder einmal bewiesen, wofür man sie liebt.
Diese Platte ist eine urbane Reise durch Berlin. Du kannst die Hauptstadt auf diesem Album hören. Der Name dieser Platte ist Programm, denn die zehn Songs von KLANG überzeugen in ihrem rohen Sound und spielen mit schizophrener Komplexität. Was das bedeutet? Hört es Euch an. Diese Platte hört man jeden Tag mit anderen Ohren und entdeckt immer wieder etwas Neues. Das ist verrückt. Vier Londoner fuhren nach Berlin, um sich neu zu entdecken und eine Platte zu veröffentlichen, die urbaner klingt als alles Bisherige. Dies sind zehn wunderbare Songs aus dem Alltag, die mit textlichem Zynismus und wahnsinnig toller musikalischer Schepperei geschmückt wurden. Die Rakes bleiben der absolut geniale Geheimtipp unter allen Indie-Bands.
Review: Marc Philipp Meyer
Erscheinungsdatum: 20. März 2009 Label: Cooperative Music
Website: www.therakes.co.uk Myspace: www.myspace.com/therakes
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Fünf Jahre hat sich Gründer und Mastermind Krist Krueger Zeit gelassen, um den Nachfolger seines 2004er Debütalbums Best Dressed and Expressionless fertig zu stellen. Nun legt er mit Storyteller & The Gossip Columnist sein Zweitlingswerk vor. Inzwischen ist sein einstiges Solo-Projekt namens Southerly zu einer vollwertigen Band gewachsen. Neben ihm gehören seit 2006 auch Robert Bartleson (Bass), Ryan Heise (Drums) und Casey Montgomery (Gitarre, Akkordeon, Orgel und weitere Instrumente) zum festen Line-Up.
Die Orchester- und Bläser-Arrangements stammen allerdings komplett aus Kruegers Feder und bilden das tragende Fundament seiner Songs, die durch seinen sehr intimen und schnörkellosen Gesang bestimmt werden. Storyteller &The Gossip Columnist ist ein Album, das sich nicht durch hervorstechende Highlights auszeichnet, vielmehr funktioniert diese Platte als Gesamtwerk, als großes Gebilde, das in sich eine Ganzheit schafft. Ein Zusammenfließen vierzehn einzelner Songs, die so sehr ineinander greifen, dass man beinah Angst bekommt, man könnte durch das Betätigen der Skip-Taste das komplette Konstrukt zerstören.
Krueger experimentiert mit einer Mixtur aus Antifolk-, Rock- und Alternative-Country-Einflüssen, zerbricht das gängige Vers-/Reimschema, das allzu oft die heutige Poplandschaft bestimmt und sorgt auf diese Art und Weise dafür, dass Storyteller & The Gossip Columnist auch ohne Hits nicht langweilig wird. Wunderschön versponnene orchestrale Popmusik, die etwas an Brandon Benson oder The National erinnert.
Mit Storyteller & The Gossip Columnist zeigen Southerly, dass Kunst mehr ist, als die Summe der einzelnen Teile, dass eine Konzeption funktionieren kann, ohne Ausreißer zu haben. Ein Album, dass sicherlich einige Male gehört werden muss, um seine wahre Schönheit zu begreifen, bei dem sich jeder einzelne Durchlauf allerdings lohnt.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 20. März 2009 Label: Arctic Rodeo Recordings (ALIVE)
Website: www.southerly.com Myspace: www.myspace.com/southerly
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Was hat die Presse nicht alles über ihn geschrieben: Mit seinen Drogen-Exzessen und der Beziehung zu Top-Model Kate Moss landete Peter Doherty immer wieder im Zentrum der Boulevard-Blätter, die ihn abgeschrieben und verschmäht haben und lieferte den Gazetten Futter für ihre Klatschspalten. Nun veröffentlicht der Ex-Libertines und Babyshambles-Sänger mit Grace/Wastelands ein überaus beeindruckendes Solo-Debüt, das er in den Londoner Olympic Studios unter der Regie des Produzenten Stephen Street (The Smiths, Blur) aufgenommen hat.
Grace/Wastelands ist ein sehr persönliches und intimes Album, das Peter Doherty von einer ungewohnt ruhigen und empfindsamen Seite zeigt. Hier präsentiert sich das Enfant Terrible als sensibler Songwriter und Geschichtenerzähler, der sehr viel von sich preisgibt. Das Album beginnt mit einer Ode an Dohertys imaginäres Paradies, das rein und unverfälscht ist. "In Arcady your life trips along / It's pure and simple as the shepherd's song.", singt er in dem Opener Arcady, der lediglich auf Akustikgitarrenklängen basiert und von einem mit Besen geschlagenen Drumset begleitet wird. Es folgt die erste Singleauskopplung Last Of The English Roses. Hier schwelgt Doherty in Erinnerungen und zollt Tribut an ein Mädchen, das bereits seit den Kindertagen mit ihm auf derselben Wellenlänge liegt. Bei dem tragischen Liebeslied Sheepskin Tearaway, das voller transparenter Details und aufrichtiger Empfindungen steckt, muss man unweigerlich an seine Beziehung mit Kate Moss denken, wenn er singt: "She just opened her heart to a tearaway / He was covered in scars and full of heroin". Gesanglich wird Doherty hier von der schottischen Singer/Songwriterin Dot Allison unterstützt. Den Abschluss des Albums bildet Lady, Don't Fall Backwards, eine idealistische Vision von Leidenschaft und Vertrauen. Hier beschwört er seine Freundin darin, lieber in seine Arme zu fallen.
Mit Grace/Wastelands gibt Peter Doherty intime Einblicke in seine Seele und liefert eine aufrichtige Seelenschau, die sein wahres "Ich" nach außen kehrt. Vielleicht ist das Album auch eine Art Selbst-Therapie, um die Vergangenheit aufzuarbeiten.
Man mag über Peter Doherty schreiben was man will, aber sein Solo-Debüt zeigt, dass hinter diesem Mann mehr steckt als nur das Drogen-Wrack aus den Schlagzeilen. Nämlich ein äußerst talentierter Songwriter mit einer sensiblen Seele.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 13. März 2009 Label: Parlophone (EMI)
Myspace: www.myspace.com/gracewastelands
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Kurz vor dem Erscheinen seines vierten Longplayer Es brennt so schön sorgte Olli Schulz für hitzige Debatten in den Foren hiesiger Musikgazetten. Stein des Anstoßes war sein Auftritt beim Raabschen Bundesvision Song Contest mit dem Indie-Ballermann-Klopper Mach den Bibo. Dass nichts so heiß gegessen wird, wie's gekocht wurde, zeigt der Wahlberliner einmal mehr auf Es brennt so schön. Denn dass Olli Schulz wesentlich mehr kann, als für glücklich betrunken-grölende Großraumdiskothekenbesucher den Bibo zu machen und als komischer Vogel für humoristische Ausbrüche zu sorgen, hat er spätestens mit seinem letzten Album Warten auf den Bumerang bewiesen, das den Hörern einen nachdenklichen und äußerst reflektierten Musiker präsentierte.
Es brennt so schön ist quasi Olli Schulz' erstes Soloalbum, das er ohne Max Schröder aka Der Hund Marie aufgenommen hat. Dafür wurden Gastmusiker wie Bernd Begemann, Lee Buddah, Gisbert zu Knyphausen oder Christian Haake (Home Of The Lame) zur Unterstützung ins Studio rekrutiert. Und auch bei der Produzentenwahl setzte Schulz auf eine Mischung aus Altbewährtem und Neuem: Ein Teil der Platte entstand unter der Regie von Swen Meyer in Hamburg, der andere Teil in Berlin in Kooperation mit Moses Schneider.
Herausgekommen sind dabei elf Songs über die Liebe und das Leben, über das nicht Festgehalten-werden-wollen und dem nicht Loslassen-Können. Schulz bleibt der traurige Pierrot des Deutschpop, der Clown mit der Träne im Knopfloch, der melancholische Texte in locker-leichten Klangspielereien zu verpacken versteht (All You Can Eat). Überhaupt präsentiert sich Olli Schulz auf Es brennt so schön äußerst vielseitig: Ein E-Gitarrendurchkreuzter Tango (Wie Sie) findet sich ebenso im Repertoire wie banjogeschwängerte Melodien (Isabell) oder Piano-Bar-Entertainment (Wenn die Sonne wieder scheint). Dass Schulz dabei allerdings nicht in der Melancholie verharrt, zeigt das vor Optimismus strotzende Ewig leben - eine Ode an die Liebe, die Freundschaft und allem, was man nie verlieren möchte.
Um Olli Schulz selbst an dieser Stelle aus dem Pressetext zu zitieren: "...es brennt tatsächlich so schön: Das Herz, die Liebe, die Wut und natürlich auch der unbeschreibliche Irrsinn, den man in sich trägt." Genau das hört man auf seinem aktuellen Longplayer - Schulz brennt, für alles was er tut. Und er tut es verdammt gut! Von daher: Lassen wir Bibo Bibo sein, Raab Raab und konzentrieren uns auf das, worum es wirklich geht: Die Musik.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 13. März 2009 Label: Columbia (SonyBMG)
Website: www.ollischulz.com Myspace: www.myspace.com/ollischulz
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Jesses was die Zeit vergeht! In einer Epoche wo Twix noch Raider hieß und die Drei ??? noch ohne Hexenhandys ihre Fälle lösten, machte sich der Kölsche Jung Thomas Elbern auf seine musikalischen Ideen mit Hilfe von alten Atari Computern (das A und O damals liebe Kinder!), Drum Machines, 4 Spur Recorder, Gitarren und weiterem Besteck in die Welt zu tragen. Gleich im ersten Album, erschienen 1989, steckt der Song mit dem die meisten Hörer Escape With Romeo wohl verbinden werden: Somebody! Dieser bildet auch den Kern der nun vorliegenden Vergangenheitsbewältigung History. 17 Songs erfährt der Hörer aus dem breit gefächerten Schaffen von Elbern und seinen über die Jahre wechselnden Mitstreitern. Für Neueinsteiger und Schubladendenker-/sucher: Escape With Romeo machen im Kern elektronischen Rock, verwurzelt im Wave der Achtziger (New Order minus Peter Hook plus mehr Rockgitarren), zwischendurch und bis heute rechts und links mal mit einem Bein im TripHop, hier und da mal eine Akkustikballade.
Die CD kommt im limitierten Digipack. Sympathisch und informativ (ich lese so was ja sehr gerne) sind die Linernotes im Booklet. Zu jedem Song gibt es eine kleine Anekdote von Elbern, wo der geneigte Leser merkt, auch wenn manche Kommentare lediglich aus ein, zwei Sätzen bestehen, dass der gute Mann auch seit über mehr als 15 Jahren immer noch mit Herzblut bei der Sache ist. So erscheint die Compilation auch auf dem bandeigenen Label Zeitklang Records. Für Die-Hard-Fans gibt es mit Stranded einen exklusiven neuen Song zu hören und das bekannte Wings wurde soundmäßig geupdated. Letzterer klingt zwar, wie der Rest des Materials, auch nicht wirklich nach "Band", aber das ist nur ein minimaler Schönheitsfehler in einer sonst rundum gelungenen BestOf-Veröffentlichung! Empfehlung, nicht nur für die Älteren unter Euch! Und in einer ruhigen Minute sollte sich Herr Elbern mal überlegen, ob er nicht HIM verklagen sollte: die Pianomelodie aus Join Me ist ja mal wohl 1:1 aus Somebody geklaut!
Review: Marco Pleil
Erscheinungsdatum: 13. März 2009 Label: Zeitklang Records (ALIVE)
Website: www.escapewithromeo.de Myspace: www.myspace.com/escapewithromeo
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Zu viel Tourstress macht melancholisch. Zu diesem Schluss muss man bei der Lektüre der mitgelieferten Waschanleitung kommen, während man das neue The Bishops-Album hört. 157 Konzerte in eineinhalb Jahren, das macht etwa einen Gig alle drei Tage. Vielleicht klingt For Now deshalb so ernst im Vergleich zum Vorgänger.
Angesichts des außergewöhnlichen Tourpensums, das sie nicht zuletzt mehrmals auch nach Deutschland führte, muss man sich ohnehin fragen, wann die drei Briten Zeit gefunden haben, ein neues Album einzuspielen, auf dem sich obendrein 14 Songs befinden. Immerhin, und das ist die erste, äußerst erfreuliche Feststellung, an dem unvergleichlichen 60s-Retro-Sound, mit dem sich The Bishops bereits bei ihrem Debütalbum von der Masse der Indie-Bands abheben konnten, hat sich nichts geändert. Die meisten Songs sind wieder auf alt getrimmt und scheppern dahin, als wären sie vor 40 Jahren in den Abbey Road Studios aufgenommen worden. Das zweite charakteristische Merkmal des Vorgängeralbums war die Unbekümmertheit, mit der die Gebrüder Bishop und Drummer Chris McConville zu Werke gingen. Die schnellen, dreckigen Gitarren und das stampfende Schlagzeug sucht man in den neuen Songs aber meist vergebens. Alles klingt etwas schwermütiger und schläfriger. Eigentlich sticht nur die Single City Lights heraus, die auch problemlos auf dem Debütalbum Platz gefunden hätte. Die übrigen Songs plätschern ein wenig orientierungslos dahin, auch die Experimente mit Mundharmonika und Orgel ändern daran nicht viel. In guten Momenten fühlt man sich aber durchaus an The Coral erinnert. Um den Hinweis darauf, dass The Bishops vor einiger Zeit im Vorprogramm von James Blunt zu sehen waren, kommt man wohl nicht herum. Das soll ihnen aber nicht negativ angelastet werden, jede Band der Welt hätte diese Chance auf ein großes Publikum genutzt. Den schmalen Grad zwischen belanglosen Schmusesongs und gutem Rock'n'Roll sollten sie aber dennoch wieder verlassen und sich auf die Stärken des ersten Albums besinnen.
Zuviel Kritik ist aber dennoch nicht angebracht. Ein sehr gutes Album, das nur leider noch viel besser hätte sein können!
Review: Andreas Kussinger
Erscheinungsdatum: 27. Februar 2009 Label: Weekender Records
Website: www.thebishopsband.com Myspace: www.myspace.com/thebishopsuk
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Urlaub in Polen waren schon immer anders als alle anderen. Seitdem mir Jan Philipp Janzen und Georg Brenner auf ihrer Tour zum Parsec-Album im Frankfurter "Nachtleben" vor einer beschaulichen Anzahl Zuschauern mehrere offene Münder und einen musikalischen O(h)rgasmus nach dem anderen bescherten, haben sie bei mir einen Stein im Brett. Zwar wirkten sie auf ihrem Zweitling White Spot etwas verloren im Session- statt Songmodus, aber Mars-Bewohner Bertil Mark ebnete ihnen den Weg zum Pop.
Was sich auf Health & Welfare schon andeutete, wird beim vierten Output der Polenurlauber bis in die Extreme ausgelotet. Schrammelige Indie-Gitarren treffen auf Mr. Oizo-Beats, stoisches Krautrockgetrommel, Sprachsamples und undefinierbare wie faszinierende Synthie-Sounds aus Georg Brenner's Moog- und Effektburg. Das alles ist für das konventionelle Ohr zwar schwer zu (er)fassen und zu verarbeiten, aber alles andere wäre in diesem Kontext sowieso viel zu einfach. Man könnte Defender Of The Crown als Single und Anspieltipp hervorheben, aber das würde dem Potenzial dieses Longplayers nicht gerecht werden.
Urlaub in Polen haben mit Liquid einen weiteren Bastard aus allem was nicht cool und hip ist erschaffen und faszinieren damit auf voller Albumlänge! Und um Polen als Reiseziel für den nächsten Sommerurlaub zu wählen, empfehle ich die zwei Soundastronauten auch auf ihrer kommenden Tour zu besuchen. Spätestens dann werdet Ihr verstehen was ich meine.
Review: Marco Pleil
Erscheinungstermin: 27. Februar 2009 Label: Strangeways
Myspace: www.myspace.com/urlaubinpolen
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Ohne Grund haben sich The Scrags, zu deutsch: Die Gerippe, ihren Namen nicht ausgesucht. Die bekennenden Horror-Film-Fans aus Schweden holen sich ihre Inspiration aus der Videothek, von Filmen wie "Texas Chainsaw Massacre" und "Frankenstein". Wen verwundert es da noch, dass sie auf ihrem selbstbetitelten Debüt vornehmlich vom Tod, Teufeln und Friedhöfen singen. Jedoch hat sich das Quartet nicht dem düsteren Horrorpunk im Stil der Misfits verschrieben, vielmehr frönen sie dem rotzigen Schweinerock.
Bereits der Opener Psycho Cyclone, der im Gegensatz zum Weiteren nicht gerade so an der magischen Drei-Minuten-Grenze vorbeischrappt, gibt ein hohes Tempo vor. Insgesamt gehen die zwölf Songs auf The Scrags gut nach vorne und doch rinnt schon beim ersten Hören ein bitterer Beigeschmack aus dem Vampirgebiss, das den Silberling ziert. Ohne ein "Yeah" auszulassen, zelebrieren The Scrags breitbeinig rohe Gitarrenriffs. Das Schlagzeug ist nur dazu da, um ohne Plan und Ziel darauf einzudreschen. Und obwohl trotz aller Härte und Schnelligkeit immer etwas Melodie im Spiel bleibt, geht auch der Versuch einer Ballade (One Night) gnadenlos in die Hose. Heiserer Gesang und harte Breaks tun da ihr Übrigens, um The Scrags endgültig in eine Schublade mit den ganzen Schwedenbands, von The Hellacopters über die Backyard Babies bis zu Gluecifer, zu stecken. Nur: Die Originale polter(te)n einfach besser.
Review: Katrin Reichwein
Erscheinungsdatum: 06. März 2009 Label: Alleycat Records (Soulfood)
Website: www.thescrags.com Myspace: www.myspace.com/scrags
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Fünf Jahre haben sich The Prodigy für ihren aktuellen Lonplayer Invaders Must Die Zeit gelassen. Die Auszeit scheint Liam Howlett, Keith Flint und Maxim Reality gut getan zu haben: Invaders Must Die klingt überraschend frisch, als wären The Prodigy gerade erst aus dem Ei geschlüpft, um die Welt mit ihrer ureigenen Symbiose aus Punk und Rave zu erobern und zu überrennen. Als Waffe hat das Trio diesmal anscheinend den Pop für sich entdeckt.
Der Hang zum melodiösen Spiel ist auf Invaders Must Die einfach nicht zu überhören: Catchige Hooklines und einheimelnde Keyboard-Riffs (Colours, Warrior's Dance, Thunder) laden zu exstatischen Tanzflächenmanövern ein, wie man sie zuletzt in den 90ern erlebt hat, als der Rave die Clublandschaften in Beschlag nahm.
Trotz aller Poppigkeit sind The Prodigy jedoch nach wie vor nicht handzahm geworden. Songs wie Piranha oder World's On Fire verkeilen sich mit ihren abgehackten Beats und bedrohlich zerstückelten Keyboard-Sequenzen unbarmherzig im Gehörgang und sorgen für flackernde Explosionen in den Hirnwindungen. Einen ähnlichen Effekt erlebt man bei Run With The Wolves, wenn Keith Flint mit seinem sinistren Charm den Hörer fast provozierend fragt "What're you gonna do when the hounds are calling?". Hochgeschraubte Synthietürme, die sich über den Drumparts von niemand Geringerem als Dave Grohl aufbauen, machen spätestens hier unmissverständlich klar, dass The Prodigy immer noch der unbequeme Fleck auf der weißen Weste der britischen Musiklandschaft sind, der schorfverkrustete Kratzer, an dem man nicht aufhören kann zu knibbeln, die Falte, die sich auch nach dem x-ten Bügelgang nicht glätten lassen will.
Nach dem schwachen Vorgänger Always Outnumbered, Never Ougunned ist Invaders Must Die der unanfechtbare Beweis, dass mit The Prodigy nach wie vor zu rechnen ist - und dass diese Band immer unberechenbar bleiben wird. Sie sind die ewigen Wunderkinder, der Störfaktor im System – und das zu recht.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 20. Februar 2009 Label: Vertigo (Universal)
Website: www.theprodigy.co.uk Myspace: www.myspace.com/theprodigy
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Wusstet Ihr, dass CD-Reviews einen pädagogischen Effekt haben? Ganz ehrlich, seitdem ich für die Popconnection schreibe, bin ich ein viel klügerer Mensch geworden! Seit heute z.B. weiß ich, dass die 700 eine heilige Zahl ist, es eine Legende von 700 Gewürzen des Alu Ben-Grachir (!) und 700 berühmte (?) Berge gibt und sogar 700 Todsünden (was wäre "Sieben" für ein Epos geworden...). Die Band Super700 kannte ich, dem Himmel sei Dank, schon vorher, sonst hätte ich nach diesem (Promo-)Quatsch mit Sauce erstmal keine Lust mehr auf das neue Album der Berliner gehabt. Dass der Siebener um die Geschwister Ramadani so was eigentlich nicht nötig hat, haben sie schon mit ihrem Debütalbum bewiesen.
Lovebites, der zweite Longplayer, setzt genau das fort was Super700 auf ihrem Erstling starteten: einen extrem eigenen wie faszinierenden Musikentwurf, der sich so ziemlich jeder Schublade entzieht. Und das ist das größte Kompliment, was man einer Band bzw. einem Künstler machen kann. Im Grunde ihres Herzens ist Lovebites eine lupenreine Pop-Platte. Sie ist durchaus opulent mit Streichern arrangiert aber nie überfrachtet, mal erotisch fauchend wie in Tango oder leichtfüßig tänzelnd wie in S.T.T.S.M.C., und durch den sirenenhaften Backgroundgesang der Ramadani-Schwestern fühlt man sich desöfteren mitten in einem Film hineinversetzt (ich muss dauernd an "Brügge sehen und sterben?" und "Wenn die Gondeln Trauer tragen" denken). Eine sehr eigene stilsichere Mischung, die zwar mehrere Hördurchgänge benötigt, um richtig zu greifen, dann aber kaum loslässt. Heimliche Hits des Albums sind der Uptempo-Schubser The Fortuneteller, das fast synthiepoppige We Will Never Drown und der Titeltrack Lovebites.
Warum Super700 aber demnächst als Support für die unsäglichen Polarkreis 18 verheizt werden, weiß wohl nur Motor Music. Schaut sie Euch lieber auf eigener Headliner-Tour im Club an, da wirkt der fast schon intime Pop von Lovebites am besten. Schönes Album in big red letters!
Review: Marco Pleil
Erscheinungsdatum: 27. Februar 2009 Label: Motor Music (Edel)
Website: www.super700.com Myspace: www.myspace.com/super700
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"Wenn du Songs hast, die so gut sind, dann brauchst du gar kein großes Ego." Dass Johnny Borrell, Frontman von Razorlight, sich gerne weit aus dem Fenster lehnt und sich selbst für den Größten hält, ist allseits bekannt. Doch solch großen Worten sollten dann auch große Songs folgen, um im Nachhinein nicht nur abwertend belächelt zu werden. Bei den ersten beiden Razorlight-Alben ist ihm das eindrucksvoll gelungen, so dass viele über seine Attitüde hinweggesehen und sich stattdessen an der Musik erfreut haben. Die Frage ist nun, ob Johnny diesen Standard auch beim dritten Werk Slipway Fires aufrechterhalten kann. Er selbst sagt: "Wir wissen, was wir können; und das hier ist genau das, was wir momentan zu bieten haben." Von sich selbst ist er jedenfalls überzeugt. Aber überzeugt er damit auch weiterhin seine Hörer?
Die ersten zwei Songs Wire To Wire und Hostage Of Love sind durchaus gute bis sehr gute Songs die ohne weiteres auch auf dem letzen Album hätten dabei sein können. Zum Glück waren sie es aber nicht, so dass zumindest zwei gute Songs auf diesem Album sind. Alle anderen Songs des Album sind eher mittelmäßig und wenn das wirklich das ist, was Razorlight derzeit zu bieten haben, dann ist es wenig. Die Songs bauen sich nahezu alle sehr zögerlich auf, um dann ohne ersichtlichen Höhepunkt wieder unterzugehen. Da hilft es auch nicht, wenn der Promozettel verrät, dass Johnny der Ansicht ist, dass das letzte Album "wahnsinnig große Melodien hatte", aber inhaltlich nicht gerade die beste Platte war. Bei diesem Album sollte der Fokus also vorrangig auf die Texte gerichtet werden.
Leider sind die Texte zugegebenermaßen aber auch eher schwächer als auf den beiden ersten Platten. Wenn Johnny "I am a sinner / I am a saint / I am a devil / I am the ghost" singt, dann fühlt man sich eher an Meredith Brooks erinnert als an jemanden, der es mit seinen Texten wirklich ernst meint. Insgesamt singt er doch überwiegend von Belanglosigkeiten, was vielleicht gar nicht aufgefallen wäre, wenn man nicht ausdrücklich erwähnt hätte, dass dieses Mal so sehr auf gute Inhalte geachtet wurde. Gemessen an den Ankündigungen Johnny Borrells wirkt das Album in seiner Gänze enttäuschend und versinkt schließlich im Mittelmaß des Indiepops. Und wenn der Johnny nur mittelmäßige Songs hat, dann braucht er eben doch ein großes Ego.
Review: Axel Schinkel
Erscheinungsdatum: 20. Februar 2009 Label: Mercury (Universal)
Website: www.razorlight.co.uk Myspace: www.myspace.com/razorlight
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Wenn man an das musikalische Südafrika denkt, dürften einigen Versierten vielleicht der sehr spezielle Stil Kwaito oder Miriam Makeba alias Mama Afrika einfallen. Weniger Sachkundige würden wohl noch Howard Carpendale ins Rennen schicken. Doch Dear Reader aus Johannesburg lassen nicht einmal im Ansatz erahnen, dass sie aus einer restlos überbevölkerten Stadt aus dem Land mit der höchsten Kriminalitätsrate der Welt stammen. Und obwohl sich zuletzt Bands wie Vampire Weekend dem Afro-Beat verschrieben haben und dieser so einen großen Hype erfuhr, schwarze Folklore bedient das Duo trotzdem nicht. Vielmehr haben sich Sängerin und Pianistin Cherilyn MacNeil und Multi-Instrumentalist Darryl Torr den Indie-Pop-Hochburgen USA und England verschrieben.
Die größte Metropole im südlichen Afrika bleibt bis heute von aktuellen Musiktrends unberührt. Bands auf Tour umschiffen das Kap der Guten Hoffnung. Vollkommen auf sich gestellt, entwickeln Dear Reader so auf ihrem Debüt Replace Why With Funny ein stimmungsvolles Indie-Folkpop-Album, das man so nicht von der Südhalbkugel erwartet hätte. Aufgebaut auf vermeintlich sehr einfachen Klaviermelodien, steigern sich die zehn Songs Schicht um Schicht zu intelligent-arrangierten, dramatisch-orchestralen Pop-Elegien. Dear Reader lieben filigrane wie auch übertriebene Ausschmückungen. Da türmen sich spannungsreiche Einlagen aus Piano und ausladende Choreinlagen neben Waldhörnern, Trompeten, intensiven Streichern und Glockenspiel. Die durchaus ins Pompöse abdriftenden Arrangements schrammen mitunter knapp am Kitsch vorbei, doch bekommt das Duo im letzten Moment immer noch die Kurve. Auch wenn sich der Pathos gelegentlich großspurig den Weg bahnt, verlieren Dear Reader nie die Leichtigkeit und Unbeschwertheit aus dem Blick. Dem Charme einer Sängerin wie Cherilyn McNeil, die ihre höchst persönlichen und sehr direkten Texte mit einer fragilen bis niedlichen Stimme vorträgt, kann man ohnehin nur schwer widerstehen. In seiner Reichhaltigkeit und Vielschichtigkeit schwächelt hier nicht ein Stück. Replace Why With Funny versprüht von der ersten bis zur letzten Minute größtmöglichen (Indie-)Pop-Appeal, der einen mit seiner warmen Intensität umschlingt.
Review: Katrin Reichwein
Erscheinungsdatum: 20. Februar 2009 Label: City Slang (Universal)
Website: www.dearreader.com Myspace: www.myspace.com/dearreadermusic
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Ein Jahr ohne ein neues Mando Diao-Album, das ist ja fast wie Ikea ohne das beliebte Bett Tromsø. Haben die Jungs aus dem schwedischen Borlänge in der Vergangenheit doch jedes Jahr einen neuen Longplayer veröffentlicht, so mussten die Fans im vergangenen Jahr leider ohne ein neues Mando Diao-Album auskommen. Doch nun wird die Erfolgsstory der fünf Schweden weiter geschrieben - mit ihrem mittlerweile fünften Album Give Me Fire und neuer Plattenfirma. Nach dem etwas schwachen letzten Album Never Seen The Light Of Day auf dem sie erstmals mit skandinavischer Folk-Musik experimentierten, legen Mando Diao mit ihrem neuesten Werk wieder mehr Feuer an den Tag.
Bereits die erste Auskopplung Dance With Somebody überraschte im positiven Sinne und avancierte prompt zu einem absoluten Dancefloor-Hit mit seinem 70er Jahre Disco-Einschlag. Ein Song, der sofort ins Ohr und ins Tanzbein geht: Ein stampfender Beat, eine pumpende Bassline, grelle Keyboards und sphärisch verhallende Gitarren dazu ein grandioser Refrain mit Mitsing-Charakter. Kein Wunder, dass dieser Song geradewegs auf Platz 3 der deutschen Charts geschossen ist. Der Rest des Albums steht der Single in nichts nach. Was Mando Diao auf Give Me Fire präsentieren ist zwar etwas weniger 60s Rock 'n' Roll, dafür jede Menge 70s-Rock (You Got Nothing On Me), Motown-Soul (Mean Street) und Tom Jones-Bombast (Gloria). Natürlich klingt alles immer noch nach Mando Diao und typische Rock 'n' Roll-Nummern (Maybe Just Sad) fehlen genauso wenig wie die obligatorische Ballade (Crystal). Dennoch ist es das wohl vielseitigste Album, dass die fünf Schweden je veröffentlicht haben, denn kein Song ähnelt dem anderen. Ein Album, das man zweifelsohne zu einem ihrer stärksten zählen kann. Klare Sache: Mando Diao sind und bleiben die heißeste Rock 'n' Roll Band Skandinaviens.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 13. Februar 2009 Label: Vertigo (Universal)
Website: www.mandodiao.com Myspace: www.myspace.com/mandodiao
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Als Smiths-Fan eine Morrissey-Platte in den Händen zu halten und diese rezensieren zu müssen, ist wahrhaft keine leichte Aufgabe. Zumindest nicht, wenn man diesen Mann bereits für sich als lebende Ikone auf den Sockel der Popmusik gestellt hat. Nichtsdestotrotz liegt mit Years Of Refusal das nunmehr zehnte Soloalbum von Mozza in meinem Player und wartet darauf, gehört und bewertet zu werden.
Morrissey war immer schon ein Inbegriff an Polarisation: Während die einen bereits zu Smiths-Zeiten die kontroversen Aussagen des Briten lobpriesen, seine bissig-ironischen Texte huldigten und seine Exzentrik zum Kult erhoben, kritisierten die anderen seine politischen Äußerungen und mutmaßten über seine sexuelle Gesinnung. Die Gerüchteküche brodeltet stetig. Polarisieren dürfte auch der aktuelle Longplayer von Mozza: Trotzte Morrissey mit seinem Album You Are The Quarry noch allen Kritikern, die ihn als in die Jahre gekommenen Paradezyniker abstempelten und bewies mit dem Nachfolger Ringleader Of The Tormentors allen Skeptikern, dass er das Gespür für solides Songwriting nicht verloren hat, so kommt Years Of Refusal doch eher behäbig daher.
Zwar finden sich mit der Singleauskopplung I'm Throwing My Arms Around Paris, When I Last Spoke To Carol oder It's Not Your Birthday Anymore nach wie vor großartige Stücke auf dem aktuellen Longplayer des Briten, die morrisseyesker nicht sein könnten; bei Songs wie All You Need Is Me oder der melancholischen Ballade You Were Good In Your Time fragt man sich dagegen, ob es sich um ausgemusterte B-Ware handelt. Selbst die textliche Dichte und die streichergetragene Instrumentierung vermag es nicht, die langsam aufkeimende Langeweile zu verscheuchen. Es säuselt und frohlockt, schleicht sich schmeichelnd in den Gehörgang - nur um dann genauso unaufdringlich wieder in den Tiefen des Vergessens zu verschwinden.
Auf welchen Konsens einigt man sich also letzten Endes nach einer knappen Dreiviertelstunde? Vielleicht darauf, dass Mozza nach 25 Jahren nichts mehr beweisen muss, vielleicht, dass er sich auf Years Of Refusal auch einfach weigert, dem zu entsprechen, was man von ihm erwartet. In jedem Fall bleibt ein schaler Beigeschmack beim Gedanken daran, dass ein Mann, dem man Songs wie There's A Light That Never Goes Out, How Soon Is Now oder Bigmouth Strikes Again zu verdanken hat und der die Schreibende auch ohne Marr's Unterstützung mit Solotracks wie Every Day Is Like Sunday oder You Have Killed Me emotional in die Knie trieb, nun in die Mittelmäßigkeit abzudriften scheint. Ja, es ist eine undankbare Aufgabe, als Smiths-Fan eine Morrissey-Platte bewerten zu müssen...
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 13. Februar 2009 Label: Decca (Universal)
Website: www.itsmorrisseysworld.com Myspace: www.myspace.com/morrissey
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Liebeskummer muss nicht immer in Verzweiflung und Depression enden. Manchmal setzt das Gefühl der unerfüllbaren Liebe auch eine Kreativität frei, die ihres gleichen sucht. Man muss sich wirklich fragen, was bloß aus Verlen geworden wäre, hätten die Namensgeberinnen Vera und Lena Sänger Christoph "Crib" Vidakovic und Bassit Felix Rudorf damals nicht das Herz gebrochen. Wahrscheinlich wären diese Songs mit Hang zu emotionalen Ausbrüchen nie geschrieben worden. Das Herzeleid gehört längst der Vergangenheit an. An die Stelle von Vera und Lena sind andere getreten. Doch das Frankfurter Quartett strotzt nach langer kreativer Pause noch immer vor Ideenreichtum, der aus den Tiefen (eines verletzten) Herzen kommt.
Fast vier Jahre nach dem letzten Lebenszeichen, melden sich Verlen nun mit einem Knall (The Jaguar Conflict) und einer Doppel-CD zurück. Immer noch von Befindlichkeiten inspiriert, schwanken die ersten zwölf Songs ihres vierten Tonträgers Verlen zwischen Höhen und Tiefen. Mal laut und fordernd, im nächsten Moment sanft und zurückhaltend, immer mit Liebe zum Detail, nehmen einen zwei Gitarren, zwei Stimmen, Bass und Schlagzeug mit auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Zerreißende Gitarrenwände erzählen von Wut (Scissor Cut). Bittersüße Melancholie und zerbrechliche Klaviermelodien wissen was Verletzlichkeit (Become) bedeutet. Vera und Lena als Synonym für Leidenschaft, Liebe, Hass und all die großen Worte scheinen also doch noch irgendwo herum zu spuken.
Den zweiten Silberling schmücken nochmals zwölf Songs. Im ersten Teil finden sich Remixe von befreundeten Musikern wie Tommy Finke, Königin Mutter und Waktu Loopa. Der zweite Teil wiederum beinhaltet eine Handvoll B-Seiten und bisher unveröffentlichtes Material. Eins wird mit dieser Bonusdisc deutlich: Die Verspieltheit und Unbekümmertheit der vergangenen Veröffentlichungen ist Verlen mittlerweile ein wenig abhandengekommen. Ernsthaftigkeit steht ihnen aber auch nicht schlecht zu Gesicht.
Review: Katrin Reichwein
Erscheinungsdatum: 13. Februar 2009 Label: Waggle-Daggle Records (Broken Silence)
Website: www.verlen.de Myspace: www.myspace.com/verlen
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Dear Ghost Of Tom Joad!
Hiermit möchte ich mich in aller Form bei Euch entschuldigen! Habe ich Euch mit Eurem Debüt No Sleep Until Ostkreuz anfangs noch mit all dem deutschen Post-Punk-Allerlei in einen Sack gesteckt, kommt Ihr mir jetzt mit diesem, ja, schon fast poppigen Zweitwerk Matterhorn daher! Ich weiß nicht, ob es am unermüdlichen Touren gelegen haben mag (u.a. FestVanCleef, Support für Madsen, Kettcar, Tomte, usw.). Aber, dass man bei den Münsteranern erst knapp ein Jahr nach dem Erstling schon mit einer solchen musikalischen Weiterentwicklung rechnen durfte, ist, zumindest für mich, sehr überraschend. Und das meine ich positiv! Der ehemals, für meinen Geschmack, noch etwas quengelige Gesang von Henrik Roger hat sich zu einer echten Charakterstimme entwickelt, die mich in ihrer Dringlichkeit an Jan Elbeshausen und das großartige Marr-Album erinnert. Die Arrangements schnuppern desöfteren Koblenzer Luft (kurioserweise spielt Ex-Blackmail-Sänger Aydo Abay im Video zu ersten Single Into The Wild die Hauptrolle) und auch die Produktion von Muff Potter-Gitarrist Dennis Scheider braucht sich dieses Mal nicht hinter dem übermächtigen Schatten des Ebelhäuser'schen Tonstudio45 zu verstecken.
Man wird Ghost Of Tom Joad vielleicht vorwerfen (zu) poppig und glatt geworden zu sein, aber mit diesen starken Songs im Rücken kann ihnen das wirklich egal sein. Matterhorn ist ein gewaltiger Schritt nach vorne und durch die zusätzliche Instrumentierung mit Piano und Streichern auch ein großer zur Seite! Volle Punktzahl von mir! Meine persönlichen Anspieltipps: Der Opener Through Every Organ mit toller Vocalhook, die Vorab-Single Into The Wild und das vor Melodien förmlich umsichschlagende End Of Everything. Je einen Bonuspunkt gibt's von mir für den liebevoll gemachten Promowaschzettel (mehr davon!) und die Frise von Drummer Christoph Schneider.
Review: Marco Pleil
Erscheinungsdatum: 06. Februar 2009 Label: Richard Mohlmann Records (Indigo)
Website: www.ghostoftomjoad.de Myspace: www.myspace.com/welovetomjoad
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Modfather Paul Weller bezeichnete ihr Debütalbum Shorland als eine Ansammlung von "Fucking Smashing Tunes" und lud die Jungs aus Amsterdam im Dezember 2006 prompt als Support für zwei Konzerte nach London ein und nahm Moke im Oktober 2008 erneut als Support mit auf seine Europatour. Und auch Modezar Karl Lagerfeld zeigte sich von der Band beeindruckt und stattete sie kurzerhand mit seiner Kollektion aus. Nun erscheint ihr Debütalbum Shorland, das schon vor zwei Jahren in den Niederlanden veröffentlicht worden ist, auch hierzulande. Und wie sich bereits beim ersten Hördurchgang herausstellt, haben die beiden Herren mit ihren Begeisterungsbekundigungen gar nicht so unrecht.
Eröffnet wird das Album mit This Plan, einem Song, der durch ein kurzes Piano-Intro eingeleitet wird und sich bereits nach wenigen Sekunden in eine feine Indie/Brit-Rock-Nummer verwandelt. Es folgt die Debüt-Single Last Chance, mit dem Moke 2007 den Soundtrack für die Übertragungen der Champions League im holländischen Fernsehen lieferten. Mit einer temporeichen und eingängigen Melodie geht dieser Song sofort ins Ohr. Musikalisch bietet Shorland eine abwechslungsreiche Vielfalt aus eingängigen Melodien, wunderschönen Balladen (The Song That You Sing) und schmissigen Indie-Hymen (We'll Dance). Ein Sound, der an Bands wie Interpol oder Editors erinnert. Textlich ist Shorland ein Album, das eine Geschichte erzählt und zwar die Geschichte von Sänger und Songschreiber Felix Maginn. Er kam in Belfast zur Welt und hat die religiösen Konflikte in Nordirland am eigenen Leib miterlebt. So setzt er sich in seinen Songs mit seinen Erlebnissen und den Zuständen in Irland auseinander. Elf Songs mit Tiefgang, die stets einen Funken Optimismus in sich tragen. Emigration Song beispielsweise handelt davon, wie Maginn seinem Heimatland irgendwann den Rücken kehren musste und Here Comes The Summer erzählt von abgefeuerten Schüssen protestantischer Extremisten, die in unmittelbarer Nähe von Maginn niederschlugen. Man könnte Shorland durchaus als ein Konzeptalbum bezeichnen, jedoch ein Konzeptalbum, das nicht von vornherein als solches geplant war.
In ihrer Heimat haben die Niederländer es bereits geschafft: Das Album verkaufte sich dort inzwischen über 15.000 Mal und erreichte Goldstatus. Bleibt zu hoffen, dass ihnen auch endlich der Sprung über die Ländergrenze gelingt. Die Chancen dafür sind ziemlich groß und verdient haben sie es auf jeden Fall.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 30. Januar 2009 Label: Island (Universal)
Website: www.mokemusic.com Myspace: www.myspace.com/mokemusic
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"Dieses ewige Warten, auf dass hier irgendwas passiert, den Frust nur zu betäuben, was immer funktioniert" singt der junge Mann in An Stadt von. Und man kann nicht anders, als stumm zu nicken, wissend, was er meint, wissend, dass es dennoch irgendwo da draußen Heilung gibt. Und wenn es in Form einer Platte wie Den Umständen entsprechend ist, dem dritten Album von ClickClickDecker.
Befindlichkeitsfixierte Trivialpoesie. Dieser Linie ist Kevin Hamann alias ClickClickDecker auch auf seinem aktuellen Longplayer treu geblieben. Songs über das Aufbrechen und Ankommen, das Suchen und Finden und das große Zweifeln dazwischen: "Bleiben ist ok, solange Hoffnung bleibt" (Es fängt an, wie es aufgehört hat), "Weggehen bedeutet nicht unbedingt, irgendwo anders anzukommen" (Im Halogen) und dennoch, "Ich komme hier nur durch, ich mache hier keinen Halt" (Wenn Ethna wieder spuckt). Hin- und hergerissen sein zwischen Loslaufen und Stehenbleiben und sich irgendwo dazwischen den Umständen entsprechend fühlen. Ja, dieses Album scheint ein Kampf für Hamann gewesen zu sein – einer, der sich gelohnt hat. Den Umständen entsprechend war für den in Hamburg lebenden Ex-Berliner ein Betreten von Neuland. Erstmalig hat Hamann eine Platte nicht im Alleingang aufgenommen, sondern sich musikalischen Beistand in Form von Tobias Bade (Station 17) und Oliver Stangl ins Boot geholt, der ClickClickDecker auch schon live unterstützt hat. Ungewohntes Terrain, wenn man es bisher gewohnt war, alle künstlerischen Prozesse selbst zu steuern. "Brüchiges Parkett", das stark genug ist, Den Umständen entsprechend zu tragen.
Mag das Album an elektronischen Anklängen eingebüßt haben, so wirkt es in sich doch runder, stimmiger - ohne glattgebügelt daher zu kommen. Dafür sind die Gitarren von Kevin Hamann zu schraddelig und seine Texte zu ehrlich. Ein Album, das mal eine tröstende Umarmung ist, mal ein resignierter Blick in ein Bierglas und mal ein angriffslustiges Knuffen in die Seite, das einen antreibt, weiterzugehen, auch wenn man nicht so genau weiß, wo die Reise hinführt.
"Solange dein Ohr nicht den Asphalt berührt, hörst du das Unheil nicht kommen." Du weißt es, ich weiß es, ClickClickDecker weiß es – und wir fühlen uns den Umständen entsprechend.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 30. Januar 2009 Label: Audiolith (Broken Silence)
Website: www.clickclickdecker.de Myspace: www.myspace.com/clickclickdecker
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Die CD liegt noch nicht mal in der Stereoanlage und schon sind alle guten Vorsätze zum Teufel. Ein Review über die Eagles Of Death Metal schreiben, ohne Worte wie "Klamauk", "Parodie" und "Spaß" zu benutzen, das sollte das Ziel sein. Doch schon das Cover verheißt nichts Gutes, eine Frauenhand krallt ihre rot lackierten Fingernägel in ein menschliches Herz. Man kommt also gar nicht in Versuchung, das Heart On benannte Album ernst zu nehmen.
Eine Band, die sich als Rock'n'Roll Parodie versteht und deren oberstes Credo lautet, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen, das erinnert beängstigend stark an die Bloodhound Gang. Doch so schlimm wie diese Ausgeburt der Hölle (mit Jimmy Pop und Evil Jared als Oberteufel) ist es dann doch nicht, immerhin handelt es sich bei den Gründungsvätern Jesse Hughes und Josh Homme um ernst zu nehmende Musiker, die ihr Handwerk beherrschen. Nachdem Homme sich mittlerweile aber lieber wieder um seine Queens Of The Stone Age kümmert, hat Hughes Heart On mit neuer Besetzung und zahlreichen Gästen eingespielt. An der Band-Philosophie hat sich allerdings nichts geändert – Keine Rücksicht auf niemanden und erlaubt ist alles, was Spaß macht.
Im Grunde sind alle Songs nach dem gleichen Muster gestrickt. Man nehme einen Rolling Stones Song mit markantem Gitarrenriff (haben sich ja doch ein paar angesammelt in den vergangenen 40 Jahren...) als Grundlage, füge dem Ganzen eine Prise Kiss sowie ein bisschen Hard Rock à la Motörhead hinzu und runde das ganze ab mit einer Portion "hang loose" Surfer-Lifestyle et voilà, der Eagles Of Death Metal Sound ist geboren! Das ist nicht wirklich anspruchsvoll, klingt aber in den meisten Fällen recht gut. Vor allem Anything 'cept The Truth und Wannabe in LA sind gut gelungen, man könnte glatt annehmen, Mick Jagger würde sich persönlich am Mikrofon austoben. Plagiatsvorwürfe sind an dieser Stelle fehl am Platz, da das ganze Projekt Eagels Of Death Metal ja nur dem Zweck dient, klassischen Rock'n'Roll mit diversen Einflüssen und Musikrichtungen zu kreuzen. Solo Flights und I'm Your Torpedo beweisen, dass das oben genannte Rezept auch mit Post Punk und New Wave funktioniert.
Für Radiohead oder Blumfeld Fans sind die Eagles Of Death Metal ein großer Alptraum, alle anderen können durchaus mal rein hören. Das Fazit lautet: Eine Rock'n'Roll Parodie mit viel Klamauk, die verdammt viel Spaß macht!
Review: Andreas Kussinger
Erscheinungsdatum: 23. Januar 2009 Label: Cooperative (Universal)
Website: www.eaglesofdeathmetal.com Myspace: www.myspace.com/eaglesofdeathmetal
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Ahlen ist sicherlich nicht die spektakulärste Stadt des Münsterlands, abgesehen vom Zweitliga-Verein Rot-Weiß vielleicht. Was tut man also, wenn man jung und musikbegeistert ist in dieser Gemeinde? Entweder färbt man sich die Haare grün und nennt sich Punk oder man arrangiert sich mit dem Kleinstadt-Idyll. Dass Arrangieren nicht zwangsläufig den Eintritt in den heimischen Spielmannszug bedeutet, beweisen Black Rust mit ihrem Debüt-Album Medicine & Metaphors. Vielmehr nutzt das Quintett die kleinstädtische Trivialität, um sie in melancholischen Momentaufnahmen zu verarbeiten. Denn egal ob Rio, New York, Tokio oder eben Ahlen – Herzen werden überall gebrochen, Erwartungen überall geschreddert.
Die Erwartungen von Black Rust dürften in den letzten Jahren allerdings mehr als erfüllt worden sein: Nachdem Thees Uhlmann über den folkigen Akustik-Sound von Jonas Künne (Gesang, Gitarre), Julian Osthues (Gitarre, Mandoline, Mundharmonika), Julian Jacobi (Kontrabass), Christoph Seiler (Piano) und Adrian Hemley (Schlagzeug) stolperte und diese prompt zu einem Tomte-Support einlud, folgten die Aufnahmen zum Longplayer Medicine & Metaphors, auf dem sich Black Rust niemand Geringeren als Sophia-Mastermind Robin Proper-Shepard als Produzenten ins Boot holten. Herausgekommen ist dabei eine Platte, die durch ihre wunderschönen Arrangements und bittersüßen Texte besticht. Ein Album, das ohne technischen Schnickschnack auskommt, das sich durch handwerkliches Können und ein Gespür für perfektes Songwriting auszeichnet. Melancholisch, nachdenklich, emotional. 13 Songs zum Liebhaben und Lieb-Gehabt-Werden, die mal tröstend den Arm um die Schulter legen und mal die Schulter zum Ausweinen bieten, ohne dabei jemals Langeweile aufkommen zu lassen.
Herrliche Streichersequenzen wechseln sich mit Piano- und Gitarrenarrangements ab und geben dem Sound eine ganz eigene Note, den man bisher eher von amerikanischen Singer/Songwritern wie Neil Young oder Rocky Votolato gewohnt war. Energiegeladene Tracks wie Heartache. Now! oder New Year's Day variieren mit traurig-schönen Balladen wie Silent Lament, We Don't Live Here Anymore oder Song From The Edge Of Bed, der bereits auf dem selbstproduzierten Demo So Much Weakness And I Lost My Sense zu finden ist und hier durch ein Akkordeon und Percussions aufgehübscht wurde.
Ahlen mag bekannt sein für seinen Fußballverein Rot-Weiß, der es in die zweite Liga geschafft hat – Black Rust dürften es mit ihrem Sound in die erste Liga der Popmusik schaffen. Mit Medicine & Metaphors haben die Jungs den ersten Schritt dahin getan.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 30. Januar 2009 Label: Strange Ways (Indigo)
Website: www.black-rust.de Myspace: www.myspace.com/somuchweakness
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2006 zählten The Rifles zu den allerbesten Newcomerbands, die das Vereinigte Königreich zu bieten hatte. Ihr Mod-Punk erinnerte an The Jam und ihre Songs hatten die Melodeverliebtheit des Britpop. Ihr Debüt No Love Lost war voller Hits. Songs, wie Peace And Quiet, Repeated Offender und Local Boy waren die Indie-Hits für den Sommer. Ex-Blur oder besser gesagt, "Bald-Reunion-Tour-Gitarrist" Graham Coxon kürte die Band zu seinen neuen Lieblingen und Paul Weller zelebrierte ein weiteres Mal seine eigene Jugend mit der Musik der Rifles. Der Modfather nahm die Band schnell mit auf Tour, freundete sich mit ihnen an und bewaffnete sich ebenfalls mit der Gitarre, um im englischen Forum zusammen mit "den Gewehren" auf der Bühne mod-esken Klängen zu frönen. Soviel Publicity muss sein und war auch berechtigt, denn die Leichtigkeit mit der die neue Londoner Band ihre flockigen Popsongs aus dem Ärmel schüttelte, war beängstigend. Doch wie sieht es 2009 aus?
Nicht groß anders. Auf Great Escape spielen die Rifles weiter ihren hitverdächtigen und melodieverliebten Indie-Rock, sie haben weiterhin viele Hits im Gepäck und Paul Weller ist immer noch Freund und Fan. Sogar so sehr, dass er den Rifles für ihr zweites Studioalbum seinen alten Produzenten Jan 'Stan' Kybert empfahl, mit dem Weller schon zusammen das famose As Is Now aufnahm. Ähnlich wie auf Wellers bestem Album, wurden auch bei den Rifles alle Songs live im Studio aufgenommen. Diese Energie spürt man. Doch damit nicht genug. Statt sich von der neuen Elektro-Welle anstecken zu lassen, geben die Rifles nichts auf den derzeitigen Hype und schwelgen lieber in Nostalgie, als im Futurismus. So wird der Titelsong mit anmutigen Streicherarrangements geschmückt und das zauberhafte In The Meantime erinnert mit seinem Strawberry-Fields-Mellotron an die 60er, und ja, natürlich an die Beatles. Ebenso episch geht es dann mit The General samt fettem Bläserarrangement weiter. The Rifles haben also Gefallen an Psychedelia gefunden. Doch was ist mit den typisch energetischen und melodiösen Drei-Minuten-Hits? Keine Angst, die gibt es auch noch. Mit Fool To Sorrow, Somertimes und Out In The Past gibt es auf Great Escape ebenso viele Indie-Sommer-Hits wie damals 2006 auf No Love Lost.
So ist die neue Rifles-Platte ein gelungenes Kaleidoskop aus frühem 60's Psychedelic-Rock, Mod-Punk und Indie-Chartbreakern. Wo da jetzt das Problem liegt? Keine Ahnung, vielleicht haben wir 2009, die Synthies wabern dann doch zu stark auf den Indie-Tanzfluren und es ist verdammt noch mal kein Sommer. Schade, denn sonst wäre diese Platte die beste, die ich in 2009 bis jetzt gehört habe. Zu sehr möchte man diese Platte einfach im Sommer hören, denn sie hat diese typischen Sommersongs. Vielleicht hätte man sich aber auch ein wenig mehr Innovationen gewünscht. Doch an sich ist das wirklich egal, denn diese Platte ist mal wieder ein echter Ohrwurmgarant, wie man es von den Rifles gewöhnt ist. "This Is A Modern World", oder um es mit den Worten Paul Wellers zu sagen: "Die haben ziemlich gute Frisuren." Stimmt!
Review: Marc Philipp Meyer
Erscheinungsdatum: 30. Januar 2009 Label: ADA Global (Rough Trade)
Website: www.therifles.net Myspace: www.myspace.com/therifles
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Wenn man an Musik aus Hannover denkt, fallen einem zunächst nur die Scorpions ein. Wenig später dann Fury in the Slaughterhouse und zuallerletzt vermutlich noch Mousse T. Dass das aber nicht alles ist, was die Niedersächsische Landeshauptstadt bezüglich Musik zu bieten hat, beweisen nun Situation Leclerq. Gekonnt mischen sie elektronische Elemente mit handgemachtem Indierock. Obwohl seit Jahren bekanntlich immer mehr Bands auf diesen Zug aufzuspringen versuchen, klingt das Ganze bei Situation Leclerq immer noch innovativ und frisch ohne verbraucht oder gar abgepaust rüberzukommen. Das kommt vor allem zum Ausdruck, wenn man bedenkt, dass eine Vielzahl der Songs schon seit Jahren existieren.
Warum hat man die Songs dann nicht schon vor Jahren veröffentlicht? Gute Frage. Aber ich weiß es auch nicht. Anscheinend reicht es heutzutage nicht aus, einige Newcomer-Wettbewerbe (u.a. von LADO im Jahre 2006) zu gewinnen, um zügig einen Plattenvertrag zu kassieren. Verstehe einer das Musikgeschäft. Ich habe es aufgegeben und freue mich nun umso mehr, endlich ein Album dieser Band in den Händen halten zu dürfen. Vielleicht war es auch gut, dass das Album eine derartig lange Wartezeit mit sich brachte. Zumindest klingt das Werk, das nach einem Kater benannt wurde, der von der Band einen dänischen Fantasienamen verpasst bekam, außerordentlich professionell. Konstant ertönen immer wieder dancefloorgeeignete Bassläufe und eine schlicht durchgetretene Bassdrum, die in jedem Lied von Gitarren und Sythies ausgeschmückt werden. Letztere machen auch den besonderen Charme des Albums aus, so dass man immer wieder den Eindruck gewinnt, die Songs irgendwann schon einmal zwischen Synthie-Pop-Ära und 80er Disco gehört zu haben.
Trotz dieses roten Fadens in der Musik wirkt das Album auf ganzer Strecke jedoch nie langweilig, was vielen Redakteuren wieder Anlass geben wird, ihre Sätze mit "Kämen sie aus England..." zu beginnen und mit "...next big thing" zu beenden. Neben absoluten Disco-Ohrwürmern wie Shiny Boots oder Elevator Boy schaffen sie es schließlich auch noch den Hörer zu überraschen. Besonders eindrucksvoll zeigt sich dies in Read My Lips, das zunächst wie ein Michael Jackson Remix beginnt und dann... Naja, am besten ihr hört selbst mal rein. Ich will ja nicht immer alles vorwegnehmen.
Review: Axel Schinkel
Erscheinungsdatum: 30. Januar 2009 Label: Alison Records (Cargo Records)
Website: www.situationleclerq.de Myspace: www.myspace.com/situationleclerq
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In den letzten Jahren sind Franz Ferdinand ja häufig in der Presse aufgetaucht, wenn es darum ging andere Bands als Blaupause der Glasgower zu denunzieren. Nun also im Jahre 2009 wagen sich die Vorreiter der britischen Invasion mal wieder selbst ein Album auf den Markt zu werfen. Meine Befürchtungen und Erwartungen waren groß. Werden sie weiterhin so klingen wie immer oder trauen sich etwas Neues? Aber wie verhält es sich nun wenn der erste Fall eintritt? Kann man dieser Band auch Kopistentum vorwerfen oder wäre das Majestätsbeleidigung? Kann man gar schreiben, dass diese Platte vor vier, fünf Jahren bestimmt gut angekommen wäre? Eigentlich geht das ja nicht. Ich hoffe mal, dass sich einiges getan hat im Hause Ferdinand.
Laut Presseinfo soll das Album wesentlich düsterer klingen als die Vorgänger. Schließlich hat man sich ein altes Haus gemietet, Fenster verdunkelt, Synthesizer verwendet, Mikrophone von der Decke baumeln lassen und mit Menschenknochen getrommelt. Aber macht das letztlich einen Unterschied? Nein. Jedenfalls keinen Großen. Wesentlich dunkler als die beiden ersten Alben klingt es nicht und ob man nun mit Menschenknochen oder Holzsticks trommelt, ist auch nicht wirklich hörbar. Die Synthesizer dagegen sind da schon eher eine Bereicherung, aber so viel verändern sie auch nicht, wenn sie hauptsächlich im Hintergrund herumwabern oder die Leadgitarre ersetzen. Jedenfalls klingt es weiterhin unverkennbar nach Franz Ferdinand. Allerdings sind die Songs beim ersten Hören nicht so eingängig, wie jene auf ihrem Debüt. Beim mehrmaligen Hören zeichnen sich Gesanglinien, Bassläufe, Schlagzeugrhythmen und Gitarren- und Sythiemelodien jedoch als sehr präsent und einprägend aus. Und mit Songs wie Send Him Away, Twilight Omens oder Can't Stop Feeling sind auch einige Lieder dabei, die irgendwann als richtige Hits herausstechen.
Wenn ich das Werk also nun mit meinen Erwartungen und Befürchtungen abgleiche, komme ich zu dem Ergebnis, dass es weiterhin unverkennbar nach Franz Ferdinand klingt. Eigentlich ist alles wie immer: Es gibt Musik für den Dancefloor, die immer wieder durch ruhige poppige Einlagen erweitert wird. Stakkato, Off-Beat und Oktav-Bass sind stets präsent und Gesang und Texte versprühen noch immer ihren Charme. Vermutlich ist es ein Segen Franz Ferdinand zu sein. Jedenfalls bin ich mir sicher, dass sie auf dem Niveau noch mindestens fünf Album rausbringen können, bis sich jemand traut, ihnen einen Blaupausenvorwurf zu machen. Wen sollen sie auch kopieren? Sich selbst?
Review: Axel Schinkel
Erscheinungsdatum: 23. Januar 2009 Label: Domino (Indigo)
Website: www.franzferdinand.co.uk Myspace: www.myspace.com/franzferdinand
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Wer der Band Slowtide um Mastermind Kevin Werdelmann bisher noch keine Aufmerksamkeit entgegengebracht hat, sollte dies nun schleunigst nachholen. Denn mit seinem Debüt Origins legt der gebürtige Bochumer gemeinsam mit seinen beiden Mitstreitern Kathi Werning (Bass) und Ambros Eiletz (Schlagzeug) ein überaus bemerkenswertes Album hin, das vom ersten bis zum letzten Song begeistert.
Inspiriert von Bands wie Radiohead und Travis und Songwritern wie Nick Drake und Richard Ashcroft bastelt Kevin Werdelmann perfekt arrangierte Indie-Popsongs und beweist, dass er sich vor den großen Vorbildern keineswegs zu verstecken braucht. Sein Songwriting besticht durch wunderschöne Harmonien, ausgereifte Arrangements und Melodien, die mal melancholisch und mal euphorisch daherkommen. So sind 13 wunderschöne kleine Indie-Popperlen mit viel Leidenschaft und Liebe zum Detail entstanden, die eine erstaunliche Vielfalt im Sound aufweisen. Dabei wird nicht nur auf altbewährtes Instrumentarium gesetzt, sondern es kommen auch Streicher und Bläser zum Einsatz wie bei We Haven't Changed oder auch mal Orgelsounds wie beim Opener Solid Water. Es gibt keine einzige Schwachstelle auf Origins, jedes Lied wird zum Lieblingslied, das man sofort ins Herz schließt und das dort auch nach dem Ausklingen des Schlussakkords noch lange verweilt.
Origins ist eine großartige Platte, die erfrischend, mitreißend und nachdenklich zugleich ist und immer wieder kleine Schönheiten preisgibt. Man kann einfach nicht anders, als dieses Album zu lieben!
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 16. Januar 2009 Label: Marchpane Records (H‘Art Music)
Website: www.slowtide.de Myspace: www.myspace.com/slowtidekw
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In der modernen Welt sitzen romantisch-veranlagte Jungs nicht mehr mit ihrer angestaubten Akustikgitarre am Lagerfeuer. Sie klemmen sich ihren Laptop unter den Arm und basteln einen elektronischen Klangteppich rund um das Folk-Gerüst ihrer traditionellen Singer/Songwriter-Ideen. Tradition trifft Moderne. Folktronica ist das Wort der Stunde. Der Engländer James Yuill ist so ein moderner Junge. Ein Nerd, ein Laptop-Songwriter, mit langen Haaren und zu großem Brillengestell, der sich als Vermittler zwischen Singer/Songwritertum und Electronica versteht.
Auf seinem Album Turning Down Water For Air bringt Yuill die fragilen Songstrukturen eines Nick Drake mit dezent pumpenden Beats zusammen. Verhuschter Folkrock und wirre Computertöne treffen sich zum Paarungstanz. Es quietscht und zirpt und pluckert an allen Ecken und Enden. Bei Yuill treffen menschliche Emotionen auf technische Möglichkeiten. Das ist nichts Neues, bedenkt man, dass Künstler wie Patrick Wolf schon seit einigen Jahren eigentlich akustische Elemente mit Beats aus dem Laptop ersetzen. Kaum einer schafft es jedoch wie Yuill aus dem Wirrwarr an Effekten ein so melodieselig-hypnotisierendes Album zu stricken. Die zwölf Songs von Turning Down Water For Air schmeicheln sich ein. Ob man will oder nicht, man kann den sanften Gitarrenklängen (You Always Do) und vertrackten Beats (No Suprise) kaum widerstehen. Es gibt aber auch ein Menge zu entdecken: Yuill bietet Abwechslung, in dem er sich genauso an Effekten, Keyboards und synthetischen Handclaps (Head Over Heels) versucht, wie an klassischem Folk-Picking inklusive melodramatischer Cello-Untermalung (How Could I Lose). Left Handed Girl stampft als leicht verdauliche Version von Justice los, um sich ganz in schlichten Notwist-Melodien zu verlieren. Harte Minimal-Töne, die in etwas abgewandelter Form jede Tanzfläche füllen würden, regieren hingegen bei No Pins Allowed.
Bei all der technischen Raffinesse läuft man am Ende jedoch Gefahr einen Großteil der Spielereien zu überhören. Manchmal ist weniger dann eben doch mehr. Es bleibt stets der bittere Beigeschmack, dass Turning Down Water For Air in all seiner Schönheit doch ein harmlos dahinplätscherndes Album bleibt. Hintergrundmusik für Anspruchsvolle.
Review: Katrin Reichwein
Erscheinungsdatum: 09. Januar 2009 Label: Cooperative (Universal)
Website: www.jamesyuill.com Myspace: www.myspace.com/jamesyuill
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Perfektion kann schnell in Langeweile umschlagen. Für ihr erstes Album Mein Herz schlägt weiter jeden Tag feilten Sternbuschweg laut Presseinformation Ewigkeiten an jedem Detail. Die neue EP Die Unvollkommenheit soll da weitaus spontaner sein. Sieben Songs sind auf dem Werk vertreten. Aufgenommen in drei Etappen 2006, 2007 und 2008. Sechs eigene Songs und ein Cover von Kapartenhund.
Die neuen Songs wurden nach vorne gepackt und sind um einiges eingängiger und harmonischer als die Songs, die 2007 bereits während der Album-Sessions aufgenommen wurden. Man hört Akustikgitarren die einen Song einleiten um nach und nach von fast pompösen Klangteppichen verschlungen zu werden. Gitarrenpop irgendwo zwischen Melancholie und Träumerei. Wenn man glaubt durchschaut zu haben wie ein Sternbuschweg-Song funktioniert wird man überrascht, von etwas, das nicht in das vorherige Raster passt, die Unvollkommenheit reibt sich, gut so. Die ersten drei Songs, also die neueren Songs sind eher eingängig, harmonisch und arbeiten mit spannender Instrumentierung. Die älteren Songs sind eher rau, holprig, sperrig.
Die unvollkommene EP zeigt zwei Seiten von Sternbuschweg, beide interessant, beide hörenswert, wobei mir die neuere Seite doch eher zusagt. Sollte sich da eine Kurve im Sternbuschweg andeuten? Man darf gespannt sein, wie der Weg weitergeht.
Review: Nicole Seelbach
Erscheinungsdatum: 30. Januar 2009 Label: Tumbleweed Records (Broken Silence)
Website: www.sternbuschweg.de Myspace: www.myspace.com/sternbuschweg
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Bromheads Jacket kommen aus Sheffield und machen Musik. Da lag der Vergleich zu den Arctic Monkeys natürlich sehr nahe. Vor allem nachdem diese verlauten ließen, dass Bromheads Jacket ihre neue Lieblingsband sei. Mit ihrem zweiten Album On The Brain wollen Tim Hampton (Gesang, Gitarre), Jono West (Bass) und Dan Potter (Schlagzeug) nun eigene Wege gehen und sich von den ewigen Vergleichen mit den arktischen Affen emanzipieren.
On The Brain führt zwar den eingeschlagenen Weg des britischen Post-Punk weiterhin fort, jedoch fahren sie den schroffen abgehakten Sheffield-Slang und die Pöbel-Attetüde des Vorgängers Dits From The Commuter Belt deutlich zurück. Dafür beweisen Bromheads Jacket mehr Mut zur Experimentierfreude, so dass ein sehr abwechslungsreiches Album entstanden ist. Ein Album mit mehr Melodie und Pop, mit mehr Garage und Blues. Und das alles ohne sich dabei komplett zu verbiegen nur um nicht mehr als Kopie wahrgenommen zu werden. Sondern vielmehr kann man hier von Weiterentwicklung sprechen, bei dem die Grundzutaten bestehen geblieben sind und neue Ingredienzen beigemischt wurden. Zwar ist in der zweiten Albumhälfte von On The Brain auch der ein oder andere Schwachpunkt dabei wie Where oder JFK vs. USA. Doch das macht gar nichts, denn Bromheads Jacket haben es mit ihrem Zweitlingswerk geschafft, sich von den Plagiatsvorwürfen freizuspielen und aus dem Schatten der Arctic Monkeys herauszutreten.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 05. Dezember 2008 Label: Pias (Rough Trade)
Myspace: www.myspace.com/bromheadsjacket
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Verhältnismäßig lange hat es gedauert bis nach Armed Love das neue Werk der schwedischen Rockformation The (International) Noise Conspiracy erschienen ist. Über die Band selbst müssen an dieser Stelle wohl kaum Worte verloren werden. So sollte doch eigentlich den meisten Musikfreunden mit einer Affinität zu sogenannten "The"-Bands allseits bekannt sein, dass es sich um eine Punkrockgruppe mit einem starken Drang zu politischen Aussagen und sauber dargebotenen Retroeinflüssen handelt. Nur für die jüngeren Hörer müsste man dies – nach immerhin vier Jahren Abstinenz – vielleicht noch einmal erläutern, wofür an dieser Stelle allerdings nicht genügend Platz bereit steht. Schauen wir also lieber auf The Cross Of My Calling – jenes neue Album, welches ohnehin das beste der Band ist, womit eigentlich auch schon alles wichtige gesagt sein sollte.
Aber so leicht machen wir es uns mal nicht. Stärker als bei den Vorgängeralben orientiert sich die Band, die oft zu Unrecht auf ihre politischen Aussagen reduziert wird, am Sound vergangener musikalischer Epochen. So erwartet einen auf der CD zunächst ein instrumentales Intro, das genauso gut der Feder von Pink Floyd oder Can entsprungen sein könnte. Diese psychedelischen Momente ziehen sich durch das ganze Album, sind dabei aber für den gewöhnlichen Indie-Hörer wohl noch erträglich, wenn nicht sogar horizonterweiternd – und das ausgerechnet von einer erklärt drogenfreien Band. Unfassbar. Unfassbar gut.
Dieser Einfluss aus vergangenen Zeiten tut sich an vielen Stellen des 14 Songs umfassenden Albums auf. Allerdings kann, wenn The Doors-ähnliche Orgelpassagen ertönen, keinesfalls von Kopistentum die Rede sein. Der passende Ausdruck dafür wäre allenfalls Hommage – vor allem wenn man bedenkt, das die vier Schweden die Songs in den legendären Sunset Sound Studios in Los Angeles aufgenommen haben, an jenem Ort, wo eben jene genannten Doors, aber auch Led Zeppelin oder die Rolling Stones ihre Arbeit verrichteten. Wenn man nun auch noch einen Starproduzenten wie Rick Rubin an seiner Seite hat, dann kann The Cross Of My Calling ja nur ein voller Erfolg werden. Ich jedenfalls bin hellauf begeistert.
Review: Axel Schinkel
Erscheinungsdatum: 14. November 2008 Label: Burning Heart (SPV)
Website: www.internationalnoise.com Myspace: www.myspace.com/internationalnoiseconspiracy
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Friedemann Weise kommt aus Köln und bezeichnet sich als Singer/Songwriter. Allein die Wortkombination Singer/Songwriter stellt sicher bereits vielen die Nackenhaare auf, da diese Mode-Erscheinung schon recht nervige Ausmaße angenommen hat. Direkt im ersten Song seines Debüt-Albums zeigt er schon mal, wo er sein will mit seiner Musik und singt, das sein Stil "deutschsprachiger textbetonter Rock 'n' Roll" sei. Wenn man das Rock 'n' Roll durch ein etwas allgemeiner gefasstes Indie-Pop-Rock ersetzt, kann man das aber sogar so stehen lassen. Das man bei deutschen Texten auch versteht, was der Musiker singt kann ein Vor- und ein Nachteil sein. Im Fall Friedemann Weise muss man schon einen speziellen Humor oder ein Fable für seltsame deutsche Texte haben, um das zu mögen, was da aus seiner Feder kommt. Der Mann sagt viel doch die Welt hat nicht auf Aussagen gewartet wie "Ich war alleine da weil ich alleine war". Wenn man auf Friedemann Weises Homepage nach Informationen sucht findet man Lebensläufe, die mindestens zu 50% gewollt sichtbar erlogen sind, man fühlt sich mindestens ein wenig unschön veralbert. Bei seinen Texten setzt sich das weiter fort, viele Reime schmerzen teilweise schon, so plump sind sie und leider auch zu oft vorhersehbar und aussagelos. Was kann man dem Singer/Songwriter glauben, ist das echt, was er seinen Zuhörern erzählt? Musikalisch ist das Debüt aber recht abwechslungsreich, ein bisschen rockig, ein ruhiges Duett, ein bisschen Shallala, ein bissen Elektro, ein bisschen Akustik aber eben nicht leicht zugänglich. Ein Nischenprodukt, die meisten werden nichts mit Weise anfangen können und ich muss wieder auf die bereits am Anfang erwähnten aufgestellten Nackenhaare zurückkommen.
Review: Nicole Seelbach
Erscheinungsdatum: 28. November 2008 Label: Day-Glo Records (Rough Trade)
Website: www.friedemannweise.de Myspace: www.myspace.com/friedemannweise
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Was ist das? Da klingen irische Violas durch den Raum und spielen schottische Fußballhymnen. Geht nicht? Doch, und damit nicht genug. Plötzlich setzen Graham-Coxoneske Gitarrenlicks ein und es wird in Cockney-Eddie-Argos-Manier zum Mikro gegriffen. Gibt's nicht? Doch, und dann eskaliert das Ganze auch noch im Folk-Trash. Die Rede ist von dem Song Don't Care und ich kreiere hiermit das neue Genre Folk'n'Roll und huldige seine Urheber, namens Threatmantics. Die sind wahrscheinlich die ungewöhnlichste Rock'n'Roll-Band des Planeten. Und by the way, warum bekomm ich immer diese freakigen Platten!?
Denn normal ist das hier nicht. Der Drummer spielt nicht nur Schlagzeug, sondern bedient gleichzeitig auch die Keyboards. Beides mit einem Arm, versteht sich. Und damit nicht...genau...jetzt kommt wieder so'n Oberhammer. Denn neben einem Gitarristen spielt der Lead-Gitarrist eine Viola. Und das so mit allen Tricks, Verzerrern und Tretminen. Den Bass braucht man da erst gar nicht, warum auch, den spielt ja Mr. Drumkeys mit einem Arm. Abgefahr'n! Ebenso seltsam und exotisch wie diese Besetzung ist das Zusammentreffen dieser Band um die beiden Brüder Heddwyn und Huw Davies, die beide aus Süd-Wales stammend, den Gitarristen Ceri Mitchell aus Hertfordshire auf einer Raststätte einer walisischen Autobahn trafen und augenblicklich gemeinsam entschieden, sich spontan gegenseitig die Haare zu schneiden und dabei wiederum zu dem Entschluss zu kommen eine Band zu gründen. So der Mythos. Klingt komisch...den Rest spar ich mir. Musikalisch klingt das genau wie diese Story. Das ist alles ziemlich schräg, aber auch unglaublich individuell. Wer wissen will, wie schräg das ist, klickt am besten mal ein paar Videos der Threatmantics an. Bei dieser Band klingt kein Song nach dem Anderen. Und das als Trio. Ähnlich wie das Timbre in Heddwyns Stimme wechseln die Charakteristiken der Songs, die sich irgendwo zwischen den White Stripes, Neil Young und Schrammel-Indie-Pop einpendeln.
Doch das nur als Anhaltspunkt, denn in eine Schublade stecken kann man diese Band nicht. Dafür sind sie zu eigenständig. Obwohl Schublade? Habe ich nicht ein neues Genre ins Leben geschrieben? Folk'n'Roll! Und überhaupt, warum bekomme ich immer diese freakigen Platten!?
Review: Marc Philipp Meyer
Erscheinungsdatum: 14. November 2008 Label: Domino (Indigo)
Website: www.threatmantics.com Myspace: www.myspace.com/threatmantics
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Ist das der neue Hype, genau deshalb, weil er es nicht sein will? Klingt komisch, ist aber so. Vielleicht. Angekündigt wird das neue Trio aus Leeds jedenfalls als "neue Band aus England, die die Röhrenjeans im Laden lässt und dem 1-2-3-Hymnenschrammelpoprock der letzten Jahre mit Schmackes in den schmächtigen Allerwertesten tritt". OK, jetzt wissen wir Bescheid. Und was ist, wenn man den Hymnenschrammelpop mag? Mag man dann trotzdem The Sugars? Die Antwort ist egal und wer auf Rock'n'Roll steht, der hört ihn jetzt made 2008!
Denn bei den Sugars und ihrem Debütalben treffen Crooner auf Popsirenen, bluesgetränkte Großstadtballaden werden in Punkrock'n'Roll-Attitüde performt und Doo-Wop-Rhythmen mutieren zu Dancefloor-Dramen! Das klingt exotisch und das ist es auch. Diese Platte braucht aber Zeit und in ihr stecken so manche Jahrzehnte Popmusikgeschichte. Klar liegen die Wurzeln der Band in den 50ern, doch die Spielweise dieses Trios klingt nach dahingerotztem Garagen-Grunge mit einem sympathischen Gospeleinschlag. Und letztlich ist die Band nicht nur sympathisch aufgrund ihrer sweeten Bassistin Anna Greenway, die sich mit dem Haar-Tollen-Gitarrero Matt Bolton den Gesang teilt. Soviel zu Crooner trifft auf Popsirene. Hier treffen über 30 Jahre Musikgeschichte zusammen und kulminieren in der Speerspitze der No-Rave-Revolution, die da aus Leeds kommt. Ein Song, wie das superfantastische You Better Go ist einzigartig, sogar Filmmusikreif und das nicht nur dank seiner finalen Traumorchestrierung. Ebenso wunderbar ist Way To My Heart. Der Song klingt ein bisschen so, als würden die White Stripes auf die Arctic Monkeys treffen und nach einem kleinen Happening zusammen jammen. Der Song fängt im minimalistischen Retro-Soul-Format an und zerrt Dich anschließend auf die Tanzfläche. Und das alles in knapp über zwei Minuten. Respekt! Sicher klingt das alles ziemlich abgefahren, vielleicht sogar nach gewolltem Stilbruch und so hört der Spaß dann auch irgendwann mal auf. Denn Monsters thematisiert nicht nur diese, sondern klingt auch nach einer musikalischen Horrorshow. Hier trifft Rock'n'Roll auf Dub, Soul und Ska-Rhythmiken. Da fängt es dann einfach an zu nerven und ebenso nerdesk ist Fairytales Of Love mit seinem überflüssigen mexikanischen Blechgeblase. Aber vielleicht ist dies genau die No-Rave-Revolution.
So wünscht man sich, dass die Sugars neben diesen zu vielen Klangexperimenten am besten einfach nur noch losrock'n'rollen, wie in ihrem Unnamed Duet, denn scheiß auf den Hype, der Rock'n'Roll stirbt nie!
Review: Marc Philipp Meyer
Erscheinungsdatum: 14. November 2008 Label: Weekender Records (Indigo)
Website: www.thesugars.co.uk Myspace: www.myspace.com/thesugars nach oben
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Tun wir einfach mal so als hätte ich die albernen Bandfotos und das Video zur Vorabsingle Human nicht gesehen. Verdrängen möchte ich beim Hören des neuen Killers-Albums Day & Age auch die Zitate von Frontmann Brandon Flowers aus dem Promowaschzettel, denn die gnadenlose Phrasendrescherei von wegen "Weiterentwicklung", "logische Fortsetzung" und "Die Stücke liegen einfach so in der Luft, man muss nur aufstehen und die einfangen" lassen meinen Puls ins Unermessliche steigen.
Dass die Killers spätestens seit Sam's Town im großen Rockzirkus mitspielen wollen ist bekannt und akzeptiert. Dazu gehören neben großen Gesten aber auch die Songs. Da bringt es nichts sich die Produktion von Stuart Price (Madonna, New Order) glatt bügeln und Peinlichkeiten wie ein Saxophon (zu Hören im zum Fremdschämen einladenden I Can't Stay) in den Sound einfließen zu lassen. Die Killers waren für mich mit ihrem Debüt Hot Fuss und einer grandiosen ersten Albumhälfte eine große Hoffnung im Pop. Da waren sie soundmäßig zwar noch schwer in den 80ern unterwegs (siehe New Order von denen sie sich den Bandnamen aus deren Crystal-Video entliehen haben), aber da stimmten wenigstens die Hooklines. Ein Smile Like You Mean It hat bis heute nichts von seiner Faszination verloren!
Auf Day & Age versprechen sie viel, aber halten können sie erschreckend wenig. Kein einziger Song drängt sich mir und meinem Gehör auf. Stattdessen croont Brandon Flowers um die Wette und lässt textliche Peinlichkeiten wie "Are we human? Or are we dancer?" vom Stapel. Man möchte ihn förmlich zur Seite nehmen und sagen: Junge! Gut gemeint, aber lass Bono & Co. doch weiterhin die (musikalischen) Götter spielen, die machen das wesentlich überzeugender! Day & Age ist eine kitschüberladene Enttäuschung, schade um das verschenkte Potenzial!
Review: Marco Pleil
Erscheinungsdatum: 21. November 2008 Label: Island (Universal)
Website: www.the-killers.de Myspace: www.myspace.com/thekillers
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Es begab sich zu Beginn diesen Jahres, als das Label Richard Mohlmann auf die fünfköpfige Band Miyagi aufmerksam wurde und auf die Fähigkeiten der in Münster wohnhaften Musiker setzte. Dass dieses Vertrauen sich lohnen sollte, beweisen Miyagi nun mit ihrem Debüt-Album, das auf den Namen Hydraulic Son hört. Die Botschaft, die der Hydraulische Sohn im so betitelten Track zwei verkündet, lautet "Oh, don't look back - Oh, don't look left - Oh, don't look right". Und wenn man sich das Werk anhört, merkt man, dass Miyagi sich daran gehalten haben. Herausgekommen ist ein Album, dessen Sound der Band zunächst einmal Eigenständigkeit im einheitsbreiigen Indie-Dickicht bescheinigt. Rasmus Engler bringt das wie folgt auf den Punkt: "der Elektro-Disko wird kurzerhand das Dach abgehoben, der Indie-Rock wird hingegen auf die Tanzfläche gezerrt" - und hat damit völlig recht, denn bei How To Do It, Whatever 2.0 sowie dem geheimen Hit Ice Cream ist Tanzabstinenz fast unmöglich. Miyagi zeigen nicht nur Ideenreichtum, indem sie live mit zwei Schlagzeugen auftreten. Außerdem speisen sich ihre Songs aus den unterschiedlichen musikalischen Einflüssen der Bandmitglieder, die von Surf über Folk zu Punk reichen. Was ihre Kreativität betrifft, können schon mal Grillen zirpen wo andere Bands eher auf cleanen Studiosound setzen würden, wie es zu Beginn des Openers The Whale der Fall ist.
Die Band um Sänger Stefan Matysick, dessen Stimme sich durch einen erstaunlichen Wiedererkennungswert auszeichnet, ist sich der Praktiken im Musiksystem, in dem Bands je nach Geschmack und Ära gehyped oder mit Blaupausen-Vorwürfen konfrontiert werden, bewusst und lässt dieses Wissen auch textlich durchklingen. Bei Shoot Shoot kommt darüber aber kein Verdruss zum Vorschein. Miyagi setzen sich mit Ironie darüber hinweg, die schließlich in dem mit DJ-Bobo-Remineszenz gepaartem Reggaeton-Part "And if it doesn't work till that day, we'll copy demma right this ragga ton way - RIDDIM SELECTA!!! It's a shoot-shoot song, makes the party going on" gipfelt.
Review: Michaela Wicher
Erscheinungsdatum: 07. November 2008 Label: Richard Mohlmann (Indigo)
Website: www.miyagi-music.de Myspace: www.myspace.com/miyagimusik
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Heavy rattert mit dem kalten Industrie-Sound eines in die Jahre gekommenen Traktors los. Als haben sich die Einstürzenden Neubauten mit den Zwillingsschwestern Tegan And Sara und CocoRosie, noch ein Geschwisterpaar, zu einer chaotischen Jam-Session getroffen, wandelt der Opener auf einem schmalen Pfad zwischen leichtfüßigen Poparrangements und unsortierter Geräuschkulisse. In ihrer Heimat Schweden wird das Duo Montys Loco bereits mit großen Namen wie Björk, Patti Smith oder PJ Harvey in einen Topf geworfen. Mit ihren nunmehr vierten Album Farewell Mr. Happy versuchen Anja Bigrell und Marie Eklund nun auch hierzulande die Musikjournaille von experimentierfreudigen Electro-Frickeleien zu überzeugen. Zu entdecken gibt es im Klangkosmos des Duos jedenfalls einiges.
Das kratzbürstige Vassal Love etwa wird regiert von Tribal-Rhythmen und dem sphärischen Klang verschiedenster Trommeln, den die beiden wohl von ihren Aufnahme-Sessions in Nord-Namibia mitgebracht haben. Bigrells einnehmend-präsente Stimme schwingt zwischen Aggression und Hingabe zugleich. Das instrumentale Tant Boy oder das brüchige Guilt Has Made Our Thoughts Small reduzieren einfache Popsongs auf ihr Grundgerüst. Hier ist in der Tat deutlich der Einfluss der exzentrischen Isländerin heraus zu hören. Der Titeltrack Farewell Mr. Happy wettert hingegen wütend in bester Punkmanier gegen eine Ex-Liebe. So weit, so aufregend. Im zweiten Teil verlieren sich die Damen in sprödem Ambientgedudel und verlieren ihren Abwechslungsreichtum. Von den nicht eben eingängigen Versatzstücken aus Folk-Electronica und Indie-Rock bleibt zum Ende hin nur wenig hängen.
Review: Katrin Reichwein
Erscheinungsdatum: 17. Oktober 2008 Label: Nons (Soulfood Music)
Website: www.montysloco.com Myspace: www.myspace.com/montysloco
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The Jack Stafford Foundation, das sind Jack Stafford und Jasmine Wynants. Die beiden trafen sich im Casa Rosso Sex Theater in Amsterdam, taten sich spontan zusammen und gingen gemeinsam auf Tour. Sofort war klar: Hier haben sich zwei Gleichgesinnte gefunden, die ihren musikalischen Gefühlen Freiraum bieten. Mit Long Live Love veröffentlicht das niederländische Duo ihr zweites Album, das in ihrer Heimat bereits 2007 erschienen ist. Während das Debüt noch von elektronischen Klangelementen geprägt war, dominieren auf dem Zweitlingswerk akustische Klänge. Jack Stafford und Jasmine Wynants vereinen hier ein bissiges Songwriting mit wunderschönen Harmonien und Arrangements, die einen Hauch versprühen, der an vergangene Hippie-Tage erinnert. Long Live Love basiert auf einer facettenreichen Instrumentierung, bei der auch gerne mal Mundharmonika, Banjo oder Akkordeon zum Einsatz kommen und einem mehrstimmigen Gesang, der wunderbar miteinander harmoniert und zu einer Stimme zu verschmelzen scheint. Thematisch geht es auf Long Live Love, wie der Titel bereits vermuten lässt, um die Liebe. Dies zieht sich wie ein roter Faden durch alle Songs und ist das komplette Gegenteil des ersten, eher schwermütigen Albums über gescheiterte Beziehungen. Long Live Love ein wundervolles Folk-Pop-Album, eine Ode an die Liebe und ein bisschen Peace, Love and Happiness.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 18. August 2008 Label: IRC
Website: www.jackstafford.co.uk Myspace: www.myspace.com/thejackstaffordfoundation
Video "Cedar Room"
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Er ist jung, ein Frauenschwarm und erfolgreich. Letztes Jahr wurde James Morrison zum besten männlichen Künstler Großbritanniens gewählt. Sein Debüt verkaufte sich weltweit über zwei Millionen Mal und erreichte Platz eins der englischen Charts, sowie eine Platzierung in den Top 20 in Amerika. Sein Song You Give Me Something war, das muss man neidlos zugeben, ein echter Retro-Soul-Knaller eines Singer/Songwriters mit Format. Aber wie authentisch ist dieser Bursche mit dem musikgeschichtsträchtigen Nachnamen wirklich und ist seine neue Platte ein echter Soulklassiker oder einfach nur eine nette Geräuschtapete beim Bügeln? Die Antwort ist relativ und jetzt wird's spannend.
Denn eigentlich wollte James Morrison auf seinem neuen Werk mal so richtig losrocken. "Ich wollte etwas mit mehr E-Gitarre schreiben, aber unterm Strich klang es nur erzwungen", schildert der 21-jährige mit der rauen, bluesigen Stimme und wahrscheinlich hat er da Recht. Denn hätte diese Stimme überhaupt zu einem Rocksong gepasst? Richtig, das finde ich auch. Und was das Thema Authentizität angeht, so muss man sagen, dass Morrison diese zumindest auf der Gefühlsebene gepachtet hat. Denn in seinen Songs singt er so unverschämt offen über seine Beziehung zu seinen Freunden, seiner Familie und ganz besonders seiner Freundin Gill, dass man dieser Offenheit Mut und Respekt zollen muss. Auf Songs For You, And Truths For Me geht es genau darum, ehrlich zu sein und die eigenen Gefühle, sowie Wahrheiten zu offenbaren. Na klar ist das pathetisch, aber es ist ehrlich. Hört man diese Platte, dann spürt man diese Spiritualität und neben all dem Mainstream-Pop-Arrangements, bei denen man sich nie sicher sein kann, wie viel Song da nun von James persönlich drin steckt, hätte eine Nummer, wie If You Don't Wanna Love Me auch perfekt auf jeden Motown-Sampler passen können und das ist ein echtes Kompliment. Aber wie sieht es sonst so aus? ...durchwachsen! Denn die Nummer mit dem bekloppten Titel Please Don't Stop The Rain beweist genau das Gegenteil. So könnte sich der Song auch auf einem beschränkten Boyband-Album á la Boyzone wieder finden. Allerdings könnte die Nummer mit seinem kitschigen Chor noch schlimmer kommen, hätte sie Xavier Naidoo eingesungen. Naja, jetzt wird's unverschämt, aber hey, ist nur spaßig gemeint. Doch besser kommt es da schon, wenn Nelly Furtado zusammen mit James Morrison das Duett Broken Strings singt. Dies ist zwar kein Übersong, aber er hat zwei geniale Stimmen.
Summa Summarum ist Songs For You, Truths For Me eine Popplatte, die zwar nicht so richtig kickt, aber auch nicht aneckt. So plätschert auch die Single You Make It Real ganz nett dahin. Primär ist dies eine Platte zum Entspannen. Ob dies nun beim Bügeln ist, müsst ihr entscheiden.
Review: Marc Philipp Meyer
Erscheinungsdatum: 31. Oktober 2008 Label: Polydor (Universal)
Website: www.jamesmorrisonmusic.com Myspace: www.myspace.com/jamesmorrisonmusic
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1984? Wie? Das war doch dieser Zukunftsroman von George Orwell. Totalitärer Staat, absolute Kontrolle – "Big Brother is watching you" eben. Ihr wisst schon. Das Debüt der Band selben Namens hat damit aber eher peripher zu tun. Auf Open Jail zitieren die drei Herren aus Straßburg den düsteren Wave-Sound ihrer unüberhörbaren Vorbilder The Cure, Bauhaus und Joy Division. 1984 – Die Blütezeit des New Wave. Kapiert?
Durch die klare Anlehnung an die Big Names dieser Zeit, geht 1984 zwar vollkommen die Innovationskraft verloren. Doch die Ansammlung unterschiedlichster Einflüsse sorgt ebenso dafür, dass die Band sich durch abwechslungsreiche 42 Minuten spielen kann. Und so am Ende auch eine irgendwie geartete Eigenständigkeit erreicht. Open Jail schwimmt durch seinen schroffen Mix aus Wave, klassischem Pop und einer Prise Rock'n'Roll ganz oben auf der immer noch anhaltenden 80er-Welle mit. Die unterkühlte Distanziert der zwölf Songs schafft es definitiv Erinnerungen an vergangene Zeiten zu wecken. Ob es irgendwann für den Ausbruch aus dem engen Sound-Gefängnis, das sich 1984 selbst gebaut haben, reicht, wird die Zeit zeigen.
Einen Pluspunkt kann das Trio um Etienne Nicolini, Bruno Pelgatti und Thomas Figenwald (allesamt übrigens nach 1984 geboren) allerdings durch pure Aussprache gut machen. Wie zu befürchten war, ist kein schlimmer Akzent, wie ihn viele französische Indie-Bands gerne als schick ansehen, auszumachen. Aber auch die zwei Songs in der Muttersprache haben nichts mit französisch-erhabenem Genäsel am Hut. Hier geht es eher elitär-cool zur Sache. L'Homme Aux Os erinnert phasenweise gar an die großen Momente des Chansonniers Jacques Brel, während Baikal Amour Magistral in Ska-Gefilden wildert, und der Platte so neben all der Schwermut auch tanzbare Elemente entlockt.
Review: Katrin Reichwein
Erscheinungsdatum: 24. Oktober 2008 Label: Weekender (Indigo)
Myspace: www.myspace.com/band1984
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Vor zwei Jahren überraschte und überzeugte Bernhard Eder mit seinem ersten Soloalbum The Livingroom Sessions. Nun legt der Wiener mit Tales From The East Side nach.
Wie das Debüt ist auch Tales From The East Side ein klassisches Singer/Songwriter-Album geworden, das sich durch das Zusammenspiel aus akustischer Gitarre und Gesang auszeichnet. Für Abwechslung sorgt der spartanische Einsatz von Streichern, Bass oder Banjo. Mehr benötigt Bernhard Eder auch nicht, um den Hörer zu faszinieren und an seinen Geschichten teilhaben zu lassen. Zehn Songs über das Suchen und Finden und wieder Verlieren; über das Scheitern und Weitermachen. Kurz: Über die Liebe und das Leben und die großen und kleinen zwischenmenschlichen Tragödien, die man Beziehungen nennt. Melancholische Texte, die durch die leicht fragil wirkende Stimme Eders intensiviert werden. Trotz aller Schwermut und Nachdenklichkeit driftet Tales From The East Side jedoch nie in die Larmoyanz oder das hohle Pathos ab. Das hier ist keine Sammlung herbstlicher Elegien, sondern vielmehr eine mitfühlende Umarmung, in dem Wissen, dass es nur besser werden kann. Mit seinem zweiten Soloalbum knüpft Bernhard Eder da an, wo er mit den Livingroom Sessions aufgehört hat - und geht noch einen Schritt weiter. Der Wiener spielt mit den Möglichkeiten: Hier ein Walzertakt (Polen #1), da ein countryesker Einschlag (Now's The Time). Eine Weiterentwicklung des Sounds, die zeigt, wie viel Potential in diesem sympathischen jungen Mann steckt.
Tales From The East Side ist ein Album, das ohne jeglichen Pomp auskommt und sich auf das fokussiert, was einen guten Popsong ausmacht: Gekonntes Songwriting und wunderschöne Harmonien. Eine bittersüße Melange, die berührt.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 24. Oktober 2008 Label: Solaris Empire (Broken Silence)
Website: www.bernhardeder.net Myspace: www.myspace.com/bernhardeder
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Seit März 2007 beheimatet Weekender Records Germany ein Dutzend fantastischer Bands und Künstler aus Britpop, Indie und Alternative. Nach 19 Monaten zieht das Label nun erstmals Bilanz und bringt mit The Fabelhafte Weekender Compilation 2008 einen Sampler heraus, der die Labelschützlinge in chronologischer Reihenfolge versammelt.
Los geht's mit The Bishops und ihrer sixties-beatlesken Nummer The Only Place That I Can Look Is Down. Die Band um die beiden Zwillingsbrüder Mike und Pete Bishop hat diesen Song gemeinsam mit Produzenten-Legende Liam Watson in den heiligen Hallen der Toe Rag Studios mit Original-Equipment aus der Zeit vor 1963 aufgenommen. Mit dem folgenden Song This Stone Is A Bullet feuern Dogs ein Geschoss ab, das geradewegs trifft. Dogs sind kein "The Next Big Thing" und kein NME-Hype, sondern eine durch und durch glaubwürdige Band von der Straße und ihr urbritischer Sound ist wie ein Pint im brodelnden Pub gegenüber. Weiter geht's mit Chikinki aus Bristol und ihrem Elektro-Pop-Hit You Said, gefolgt von dem blutjungen Quartett Eight Legs, das das erste Mal mit der musikalischen Untermalung einer Modenschau von Dior auf sich aufmerksam machte. Hier sind sie mit ihrer Debüt-Single Blood.Sweat.Tears. vertreten. Der Song America stammt von The Indelicates, die sich musikalisch irgendwo zwischen Folk, Punk und Noiserock bewegen und für ihre zynischen Texte bekannt sind. Das Herzstück der fünfköpfigen Band bilden die Sängerin und Pianistin Julia und der Comedian und Songwriter Simon, die sich bei einem Poetry Slam kennen gelernt haben. Ihr größter Fan ist angeblich Art Brut-Sänger Eddie Argos. Dass Weekender Records nicht nur Bands von der Insel beheimatet, zeigt die Compilation mit Kristoffer Ragnstam. Der Schwede macht Musik, die allerdings nicht so richtig in das Skandinavien-Klischee passt wie sein Song Breakfast By The Matress beweist, der mit einem extrem tanzbaren Beat daher kommt und durchaus zu überzeugen weiß. Ein weiterer Beweis dafür, dass Weekender ein Händchen für gute Bands hat, liefern The Rocks und Look See Proof. Letztere konnten seit ihrem zweijährigen Bestehen bereits fünf Singles in den UK-Indie-Charts verbuchen. Auf dieser Compilation sind die Indie-Chartstürmern mit dem Song Casuality vertreten. Extrem rockig geht es dann mit Kingsize und ihrem Song The Daze weiter, gefolgt von The Precious Mings, dem Soloprojekt des Chikinki-Keyboarders Boris Ming, der zu dieser Compilation die Synthie-Pop-Nummer Quack Horse beisteuert. Das Schlusslicht bilden die beiden neuesten Signings des Labels: 1984 und The Sugars. Erstere kommen mit ihrem Song Cache Cache wie eine Mischung aus Joy Division und den Ramones daher, während The Sugars aus Leeds mit stampfendem Garagen-Blues-Rock 'n' Roll aufwarten.
The Fabelhafte Weekender Compilation 2008 ist eine wirklich schöne Zusammenstellung, die einen guten ersten Einblick in die Acts aus dem Hause Weekender Records liefert.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 24. Oktober 2008 Label: Weekender Records (Finetunes)
Website: www.weekenderrecords.de Myspace: www.myspace.com/weekenderrecordsgermany
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Snow Patrol zählen spätestens seit dem Erfolgsalbum Eyes Open zu den erfolgreichsten Bands Großbritanniens. Und was wurde das Album zunächst in der Presse verrissen. Wofür?! Die Platte ist eine Popperle, die immer noch mit jedem Hören wächst. 4,5 Millionen weltweit verkaufte Exemplare sprechen da für sich. Besonders Chasing Cars sei dank. Entsprechend groß sind die Erwartungen für das nun schon fünfte Album der Schotten. Die Frage ist nun, ob diese erfüllt wurden und die Antwort liegt im Detail. Denn man muss dieses Album auf sich wirken lassen, damit es funktioniert.
Genau! So sind offensive Pophits diesmal eher fehl am Platz. Das ganze Album kommt sehr indie-mäßig à la Death Cab For Cutie rüber. Nur kann es bei weitem nicht mit Death Cabs Wahnsinnsalbum Narrow Stairs mithalten. Leider! Aber woran liegt das, wo doch Eyes Open und Final Straw so wirkten, als würde Gary Lightbody die Hits nur so aus dem Ärmel schütteln. Knaller wie You're All I Have oder Spitting Games sind auf A Hundred Million Suns schlichtweg nicht zu finden. Das zeigt schon die aktuelle Single Take Back The City, die eher "Take Back This Single" heißen müsste. Warum? Einfach weil sie mit ihrem einfallslosen Text und Melodien, dem Gesamtpaket Snow Patrol nicht gerecht wird. Aber wir wollen das Album nicht schlecht reden, primär nur das Management, das diese Single ausgesucht hat. Denn A Hundred Million Suns verfügt zwar nicht über hundert Millionen catchige Melodien, aber dafür dennoch über mindestens acht super einfühlsame Songs. Es ist also eine andere Snow-Patrol-Platte geworden, die mit Songs wie The Golden Floor versucht ein wenig auf der Elektro-Welle zu schwimmen oder mit Please Just Take These Photos From My Hands eine Supersingle hätte, die gewohnt patrouilliert, dass einem das Herz aufgeht. Also weg mit dem Elektro und packt fein die gewohnten Gitarren, einfühlsamen Stimmen und eingängigen Melodien aus, für die man Snow Patrol so liebt.
Mit Songs, wie If There's A Rocket Tie Me To It, dem unwerfenden Crack The Shutters oder dem psychedelisch treibenden Lifeboats ist die neue Snow Patrol ein Album, das mit jedem Hördurchlauf wächst. Vielleicht auch eine besonders schlaue Platte für ruhige Stunden. Allein der dreiteilige Songepos zum Schluss ist seine musikalische Reise wert. Snow Patrol sind also den einfachen Weg gegangen, indem sie bewusst kein weiteres Hitalbum produziert haben. Dafür aber eine Platte, mit der man wunderbar entspannen und auch einschlafen kann. Immer diese Doppeldeutigkeit! Sorry, aber das ist nicht so gemeint.
Review: Marc Philipp Meyer
Erscheinungsdatum: 24. Oktober 2008 Label: Polydor (Universal)
Website: www.snowpatrol.com Myspace: www.myspace.com/snowpatrol
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"Intimität ist ein Zustand tiefster Vertrautheit." sagt Wikipedia. Die kalte schroffe Distanz, mit der Bloc Party bei Ares ihren aktuellen Longplayer Intimacy eröffnen, klingt allerdings alles andere als vertraut. Angriffslustig wie der römische Kriegsgott persönlich jagen Kele Okereke und seine Mannen den Hörer durch hysterische Gitarren-Loops und bedrohliche Drum-Samples. Die furiose Hatz mündet in zerstückelten und übereinander gelegten Gesangsspuren, die einen Vocal-Part des Nachfolge-Tracks Mercury enthalten und den Hörer darauf einstimmen, was folgt: Ein sinistres, kakophonisches Soundgeflecht, das an Prodigdy erinnert.
Man hatte einiges von Bloc Party erwartet - nur nicht gerade das. Nicht einmal nach der zwischenzeitlich veröffentlichten Single Flux, auf der sich die Londoner bereits von einer einschlägig elektronisch geprägten Seite präsentierten. Die bei Intimacy einsetzende Verwirrung resultiert auch weniger aus der Mixtur aus Drumcomputern und Gitarren, vielmehr sind es die Dissonanzen innerhalb der zwei ersten Stücke, die den Hörer für kurze Zeit an jeglicher Intimität des Albums zweifeln lassen. Für kurze siebeneinhalb Minuten macht sich die Sorge breit, es könnte sich bei Intimacy um einen flüchtigen One-Night-Stand handeln, der zwar durchaus intim ist, jedoch in kleinster Art und Weise etwas mit Vertrautheit zu tun hat.
Wenn sich die Schockstarre gelöst hat, setzt jenes vermisste Gefühl der Vertrautheit ein, das man als Intimität bezeichnen könnte. Halo ist ein Klassiker, der ähnlich wie One Month Off an Tracks des Debüts Silent Alarm erinnert und beweist, dass die Bloc Party ihre Gitarren nicht gegen Synthesizer und Elektrobeats eingetauscht haben, sondern immer noch wissen, wie man ohrwurmaffine Riffs produziert. Nach einem gewöhnungsbedürftigen Einstieg werden Bloc Party versöhnlicher. Zwar bleibt die Symbiose aus Beats und Basslines nach wie vor bestehen, jedoch wirkt das Ganze bei Songs wie Trojan Horse, Zephyrus oder dem großartigen Talons wesentlich harmonischer und in sich geschlossener.
Textlich beschäftigt sich Intimacy ausführlich mit (gescheiterten) zwischenmenschlichen Beziehungen. Aggressiv, enttäuscht aber auch reumütig und hoffnungsvoll erzählt Okereke von verflossenen Lieben und zerschredderten Erwartungen. Gewichen ist die sozialkritische Note, die auf dem Vorgänger A Weekend In The City einen großen Raum einnahm. Da haben wir sie auch wieder, die Intimität. Romantisierend beenden Bloc Party ihr Drittlingswerk mit dem Mid-Tempo-Stück Ion Square, das sich einer Passage aus dem Liebesgedicht E.E. Cummings bedient: "I carry your heart with me / I carry it in my heart". Bei aller Kompromisslosigkeit und Sperrigkeit dieses Albums: Wenn das nicht eine Einladung zum Kuscheln und zur Versöhnung ist!
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 24. Oktober 2008 Label: Cooperative Music (Universal)
Website: www.blocparty.com Myspace: www.myspace.com/blocparty
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Wie es der Name vermuten lässt, kommt das Cover des Albums ziemlich einfarbig daher. Vom Artwork jedoch auf die Musik zu schließen wäre bei dieser Band ein fataler Fehler. Denn selten hat es eine deutsche Band in den letzten Jahren geschafft derartig viel Aufmerksamkeit zu erhalten, um aus der farblosen Masse zahlreicher Musikgruppen herauszustechen und dabei auch noch ausgesprochen gute Musik zu machen. Bei Polarkreis 18 ist dies der Fall.
Schon mit ihrem zweiten Album The Colour Of Snow haben sie es geschafft bei einem Majorlabel zu landen, um dort wohl mit vollstem Vertrauen der Labelbosse tun und lassen zu können was sie wollen. Was einst als Insidertipp gehandelt wurde, ist mittlerweile durch zahlreiche Radio-Airplays, TV-Trailer-Untermalungen und dem Krabat-Soundtrack in aller Munde, beziehungsweise in aller Ohren. Keine Frage, diese Band aus Dresden traut sich was. So haben sie ihr Album beispielsweise mit dem Filmorchester Babelsberg eingespielt, was das Gesamtwerk sehr individuell erscheinen lässt. Anderseits schafft es niemand so geschickt zwischen englischen und deutschen Versen zu wechseln wie Felix Räuber. Offiziell heißt es sogar er singe in Sprachen, die niemand versteht. Doch nicht nur textlich erwartet den Hörer ein buntes Programm. Auch musikalisch bieten Polarkreis 18 ein Repertoire, das seinesgleichen sucht. Das mittlerweile wohl jedem bekannte Allein Allein bietet gemeinsam mit Stücken wie Rainhouse ordentlich Raum und Zeit zum Tanzen, wohingegen andere Stücke wie Untitled Picture oder River Loves The Ocean genauso gut aus dem Soundtrack von Die unendliche Geschichte entsprungen sein könnten. Überhaupt beweisen Polarkreis 18, dass sie auch völlig anders können als sie es noch auf ihrem Debüt-Album zeigten, welches relativ homogen Synthies, Indie-Pop und Prog-Rock vermengte. Auf ihrem zweiten Werk zeigen sie, dass in ihnen wahre Komponisten stecken, was man zweifelsohne in Liedern wie Prisoner erfährt.
Jedenfalls erfreut es einen zu hören, dass auch gute deutsche Band es schaffen können, direkt von Null in die TopTen der Single-Charts einzusteigen und ganz nebenbei, abseits des einheimischen Hypes ihre Tour in London beginnen dürfen. So kann es weitergehen mit der deutschen Musikszene!
Review: Axel Schinkel
Erscheinungsdatum: 17. Oktober 2008 Label: Vertigo (Universal)
Website: www.polarkreis18.com Myspace: www.myspace.com/polarkreis18
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NaNaNaNaNaa, nur keine falschen Erwartungen vortäuschen. Dies ist die neue Chiefs-Platte und sie ist gar nicht so schlecht, wie viele es nach Yours Truly, Angry Mob erwartet hätten! Ob es nun cool ist, diese Kapelle zu mögen, oder ob es cool ist, "to know nothing" - es ist scheißegal! Denn diese neue Platte ist fast des Kaiser's bestes Stück und es überzeugt auf ganzer Linie – das ist cool! In dem Sinne: Never Miss A Beat und die Single genießen! Was anderes durfte man beim neuen Album auch kaum erwarten, denn schließlich hatten die Kaiser Chiefs mit Mark Ronson und Eliot James diesmal die Creme de la Creme als Produzententeam am Start. Aber damit nicht genug: Als I-Tüpfelchen holte man sich zusätzlich noch Andy Wallace (Nirvana, LCD Soundsystem, Foo Fighters) und Cenzo Townshend (New Order, Snow Patrol) zum Abmischen mit ins Boot. Da konnte soundtechnisch nichts anbrennen und tut es auch nicht. Neben abwechslungsreicheren Songstrukturen und breiterer Instrumentierung, besitzt dieses Album einen besonderen Pop-Spirit, der bewegend und nicht kitschig klingt. So ist eine Nummer wie Like It Too Much zwar ein echtes Pop-Kaleidoskop - aber dafür eines der Guten. Viele Songs dieser Platte sind ein Mix aus gutem Britpop, Eighties-New-Wave und 60s Soul. So schmeißen die Kaiser Chiefs jetzt sogar nette Streicherarrangements auf den Markt, ohne dass es pathetisch klingt. Aber vielleicht liegt das auch daran, dass David Arnold, der schon für die James-Bond-Scores verantwortlich war, hier seine Arrangiertechniken zur Verfügung stellt. Ohnehin schien bei der Produktion dieser Platte die Tür weit offen gestanden zu haben, denn so viele Gäste hatten die Kaiser Chiefs noch auf keinem Album. Für die Piano-Pop-Nummer Always Happens Like That werden also Lily Allen und die Mädels des New Young Pony Clubs für Gesänge und Backings eingeladen und bei dem Disco-Wave-Kracher Half The Truth füllt der britische Rapper Sway die ein oder andere Lücke mit seinen Sprechgesängen. Das verspricht Abwechslung. Das Konzept geht auf.
Off With Their Heads ist ein gelungenes drittes Album und es ist ein POP-Album durch und durch. So findet sich mit Remember You're A Girl sogar eine harmonisch gelungene Ballade. Man kann sagen, die Jungs aus Leeds gingen für dieses Album einen Schritt zurück in Richtung Employment und gleichzeitig drei Schritte nach vorne. Manchmal kommen einige Songs vielleicht zu verpoppt daher, aber wenn man Hits, wie Can't Say What I Mean hört, darf man wirklich behaupten, dass die Kaiser Chiefs zu den großen Bands dieser Zeit gehören. Bleibt festzuhalten: Never Miss A Beat!
Review: Marc Philipp Meyer
Erscheinungsdatum: 17. Oktober 2008 Label: Polydor (Universal)
Website: www.kaiserchiefs.co.uk Myspace: www.myspace.com/kaiserchiefs
Audio/Video: Full Album Listening Track By Track Videoplayer Albumtrailer/Videosub Video "Never Miss A Beat" Video "Never Miss A Beat - Making Of"
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"Was um alles in der Welt ist diesem Mann nur passiert, dass er so tieftraurig ist?" Das ist die Frage, die sich aufdrängt, wenn man das zweite Soloalbum des Ex-Suede-Sängers zum ersten mal hört. Hatte Brett Anderson schon immer einen Hang zur Melancholie, so steigert sich diese auf Wilderness hin zur schieren Depressivität und der daraus resultierenden Resignation. Beinah ängstlich folgt man dem Briten auf seiner desolaten Reise durch die Wildnis, stets schwankend zwischen dem Drang, den strauchelnden Anderson stützen zu wollen und der Sorge, bei diesem Versuch selbst zu fallen.
In nur sieben Tagen eingespielt zeichnet sich Wilderness durch eine sehr spartanische Instrumentierung aus: Akustik-Gitarre, Klavier und irgendwo dazwischen eingebettet Brett Andersons Stimme. Puristik par excellance. Freiräume schaffen durch Reduktion. Ein gut angedachtes Konzept, bei dem der Teufel wie so oft jedoch im Detail steckt. Durch die relativ kurze Spielzeit und ähnlich gestaltete Harmonien wirkt das Album wie ein einziger 30-minütiger Song, der den Hörer durch gescheiterte Beziehungen, verlorene Hoffnungen und desillusionierte Erkenntnisse geleitet. Einziger Lichtblick in diesem endlosen melancholischen Fluss ist das Liebeslied Blessed; der Strohhalm, an den man sich klammert, um nicht unterzugehen.
So verloren wie der Ertrinkende wirkt auch Brett Andersons Stimme. Wer den Sänger noch aus Suede-Tagen kennt, der weiß, über welches stimmliche Potential der Londoner verfügt. Dieses scheint er auf Wilderness allerdings nur ansatzweise auszunutzen. Eine Entscheidung, die für Kongruenz sorgt: Auf der einen Seite ist da die stetige Fragilität, die durch den Mangel an stimmlicher Variation verstärkt wird, auf der anderen Seite kann der Hörer allerdings auch nicht mehr unterscheiden, wann ein Track zu Ende ist und ein anderer beginnt. Spätestens ab der Hälfte klingt Wilderness wie eine Endlosschleife, aus der man einfach nur noch ausbrechen möchte. Das hier ist einfach zu viel: Zu viel Melancholie, zu viel Tiefe, zu viel Schmerz.
Dass die Wirkung einer Substanz von ihrer richtigen Dosierung abhängig ist, hat wohl jeder schon einmal beim übermäßigen Genuss von Alkohol festgestellt: Sorgen drei Gläschen Wein noch für eine ausgelassene Stimmung, so fließen spätestens nach der zweiten Flasche die Krokodilstränen. Ähnlich verhält es sich auch mit Wilderness. Auf der Gesamtlänge verursacht das Album ein unbehagliches Gefühl - wie ein Stein in der Magengrube oder eine Hand an der Kehle. Genießt man dieses jedoch Album häppchenweise, dann erkennt man gerade in der Schwere der Songs ihre Schönheit. In A Different Place, The Empress, Knife Edge oder das großartige Duett Back To You, auf dem Brett Anderson stimmliche Unterstützung durch die Schauspielerin Emmanuelle Seigner erhält, sind wahre Perlen, für die es sich lohnt, in die Tiefen dieses Albums abzutauchen. Wichtig ist nur, dass man auch wieder auftaucht. Ansonsten kann es schnell passieren, dass man in der Wildnis verloren geht. Ohne Frage eines der wohl intensivsten Alben, die Brett Anderson jemals veröffentlicht hat.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 17. Oktober 2008 Label: Edel Records (Edel)
Website: www.brettanderson.co.uk Myspace: www.myspace.com/brettandersonofficial
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Gerade wenn man denkt, so langsam sei die schwedische Musiklandschaft ausgeschöpft, kommt auch schon die nächste Band aus skandinavischen Gefilden und versucht ihr Glück auf dem deutschen Musikmarkt. In diesem Falle ist es Anna Leong. Anna ist keine neue Singer/Songwriterin. Nein. Es ist eine Band. Und wenn das Cover und der Albumtitel Terrorarium eher eine Metallband vermuten lassen, dann haben wir uns schon wieder geirrt.
Anna Leong zelebrieren britpoppig anmutende Retro-Rockmusik, ohne dabei nach Mando Diao und Co. zu klingen. Auf den ersten Blick klingt das auch alles sehr rund irgendwie dermaßen dahinfließend, fast schon langweilig, dass man schnell dazu neigen könnte, die CD in die Ecke zu werfen und dann doch lieber auf bereits etablierte schwedische Größen zurückgreifen will. Aber gönnt ihnen ruhig ein paar Durchläufe, um zu begreifen, was diese Band so einzigartig macht. Immerhin dauert ein Durchlauf nur gerade mal 36 Minuten. Zu entdecken wären da zum Beispiel zahlreiche Ecken und Kanten, die man erst mal finden muss und das gelingt eben nicht, wenn man sie nur einmal hört: Schiefe Töne in den Soli, die passender nicht sein könnten und psychedelische Klänge und Orgeleinlagen, die genauso gut von den Doors stammen könnten, dabei aber immer den schwedischen Charme verspüren lassen.
Außerdem nimmt die musikalische Intensität der vier Schweden in Verlauf des Albums mehr und mehr zu, so dass die Songs gegen Ende immer imposanter und voller werden. Außerdem ist Anna Leong eine der wenigen skandinavischen Bands, die neben schönen Melodien auch noch sehr viel Wert auf die lyrische Arbeit legen. So schildern sie in ihren elf Songs nicht die heile Welt, wie sie gewöhnlich im Pop zuhause ist, sondern befassen sich mit ernsteren Themen, wie Kindesmissbrauch, Armut und Ungerechtigkeit. Nun gut, so neu ist das auch nicht, aber nach irgendeinem Kriterium muss man Bands nun mal bewerten. Und im Kontext der Inhalte findet dann auch der Albumtitel seine Berechtigung. Man kann nur gespannt sein, was einem demnächst noch so aus Schweden erwartet. Langeweile kommt da zumindest nicht auf.
Review: Axel Schinkel
Erscheinungsdatum: 17. Oktober 2008 Label: White Weekend
Website: www.annaleongmusic.com Myspace: www.myspace.com/annaleong

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Endlich ist sie da! Heureka, das neue Album von Tomte, auf das man seit Buchstaben über der Stadt sehnsüchtig gewartet hat. "Heureka!" ist der Ausruf des Archimedes von Syrakus, als dieser das Archimedische Prinzip ergründet hatte. Die Lösung einer schweren Aufgabe. Vielleicht ist der Albumtitel darauf zurückzuführen, dass es in den letzten zwei Jahren bandinterne Umbesetzungen gab, private Weiterentwicklungen, das von vorne anfangen und gleichzeitig weitermachen. Vielleicht gefiel Thees Uhmann aber auch einfach nur der Gedanke, wie der nackte Archimedes durch die Straßen läuft und glückselig "Heureka!" schreit. Denkbar wäre beides.
Fakt ist, dass die Messlatte hoch lag. Nach einem Album wie Buchstaben über der Stadt, das für viele mit seiner an Perfektion grenzenden Symbiose aus Instrumentierung und Texten die Peaks der Band darstellte, stand die Frage im Raum, ob eine solche Platte zu überbieten sei. Nervöses Fingernägelkauen bei den Fans, kritisches Stirnrunzeln bei den Musikkritikern. Und was machen Tomte? Sie versuchen gar nicht erst, schneller, höher oder weiter zu gehen - im Gegenteil. Tomte machen eine Kehrtwendung. Back to the roots und zurück in die Zukunft. Kein Rückschritt, sondern ein Vorwärtsgehen mit dem Wissen, dass man die Vergangenheit mitnimmt. Die wohl beste Entscheidung, die Tomte treffen konnten.
Buchstaben über der Stadt war eine Ode an das Leben und die Liebe, verpackt in zum Teil zuckersüßen Streichersequenzen und ohrwurmartigen Gitarrenarrangements, die auch jenen den Zugang zu Tomte ermöglichte, denen Alben wie Eine sonnige Nacht oder Hinter all diesen Fenstern zu sperrig erschienen. Zu eben jener Sperrigkeit kehren Tomte mit Heureka zurück. Ein Album mit Ecken und Kanten, an denen man sich stoßen aber auch festhalten kann. Eine Platte wie Schmirgelpapier - zu rau, als dass sie durch die Finger gleiten könnte, ohne Schleifspuren zu hinterlassen. Ein leicht ruppiger Sound gepaart mit dem unverwechselbaren Charme eines Thees Uhlmann, dem man in seiner ihm ureigenen Schreibweise sogar glauben würde, Außerirdische hätten seine Band entführt, wenn er es nur oft genug singen würde - so unverblümt ehrlich wirkt der Junge. Heureka ist ein Wechselspiel aus Energetik (Küss mich wach, Gloria, Heureka), Hymnenhaftigkeit (Der letzte große Wal) und melancholischer Euphorie (Voran, voran), das einen einmal mehr in seinen Bann zieht. Großartig sind darüber hinaus Songs wie Wie ein Planet, bei dem sich Tomte des Passenger-Riffs von Iggy Pop bedienen oder Wie sieht's jetzt in Hamburg aus? - die nachdenkliche Frage eines Menschen, der jahrelang in dieser Stadt gelebt hat und dessen Aussage "Halte durch" eher verständnisvoll als oberlehrerhaft daherkommt. Kurz: Genau das, womit man Tomte seinerzeit kennen und lieben gelernt hat.
Ist Heureka also das große Meisterstück, auf das man seit Hinter all diesen Fenstern gewartet hat? Leider nein!
In der zweiten Hälfte verliert das Album deutlich an Intensität, was nicht darauf zurückzuführen ist, dass die Songs in diesem Abschnitt ruhiger werden. Wer Tomte kennt, der weiß, dass gerade stillere Momente wie Die Nacht in der ich starb oder Das war ich zu ihren stärksten gehören. Es liegt vielmehr daran, dass die Songs beginnen, vor sich hin zu plätschern. Ein endloser Fluss, der in dem wasserfallartigen Totalausfall Es ist so, dass du fehlst mündet. Ob Uhlmanns Stimme, die sich hier zu falsettähnlichen Höhen aufschwingt daran schuld ist oder Textpassagen wie "Du bist das Beil / Ich bin der Wald / Hier hat noch jeder jeder gezahlt", bei denen das Pathos bis zur Schmerzgrenze ausgereizt wird, sei dahingestellt. Vielleicht ist es auch das Zusammenspiel aus beidem, dass diesen Song so derartig absaufen lässt. Einzige Highlights sind Das Orchester spielt einen Walzer und Nichts ist so schön auf der Welt, wie betrunken traurige Musik zu hören, das mit seinen ausgedehnten Gitarrenarrangements an Tocotronic-Klassiker wie Ich möchte irgendetwas für dich sein oder Nach Bahrenfeld im Bus erinnert. Zwei Songs, die den Hörer dann doch wieder milde stimmen.
Heureka ist sicherlich nicht das stärkste Album, dass Tomte veröffentlicht haben. Wie auch? Dies haben sie bereits mit Hinter all diesen Fenstern getan. Heureka ist ein Album, das sich nicht unweigerlich in den Gehörgang einschmeichelt und dort bis ans Ende aller Tage verweilt. Dafür gibt es Buchstaben über der Stadt. Vielmehr ist Heureka ein Statement zum Status Quo einer Band. Ein "Dort kommen wir her, hier sind wir und hier bleiben wir!" Wer den ganzen Weg mit Tomte gerannt ist, wer die ganze Welt mit Thees gepflügt und dabei die Schönheit der Chance erkannt hat, der bleibt dabei. Auch, wenn man sich dabei manchmal wie der letzte große Wal fühlt.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 10. Oktober 2008 Label: Grand Hotel van Cleef (Indigo)
Website: www.tomte.de Myspace: www.myspace.com/tomte
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Nach dreijähriger Abwesenheit melden sich die Herren Gallagher und Co. endlich zurück und präsentieren uns mit Dig Out Your Soul 11 neue Songs. Das mittlerweile siebte Studioalbum ist das erste Album von Oasis, das auf dem bandeigenen Label Big Brother Recordings erscheint. Auf dem Produzentenstuhl saß auch diesmal wieder Dave Sardy, der diese Position bereits beim Vorgänger Don't Believe The Truth (2005) bekleidete. Am Entstehungsprozess des Albums waren auch diesmal wieder alle vier Bandmitglieder beteiligt, aber dennoch markiert Dig Out Your Soul einen Wendepunkt für die Band.
Was den Hörer hier erwartet ist kein Oasis-Standard-Album mit den typischen Gassenhauern - mit Ausnahme der ersten Singleauskopplung The Shock Of The Lightning. Dieser Song ist wohl der Oasis-typischste Track auf dem ganzen Album mit dem größten Wiedererkennungswert: Die Gitarren, das Songwriting, Liams nölige Stimme - da weiß man sofort: Das sind Oasis.
War Oasis bislang immer eine Band, die eine gewisse Traditionstreue im Sound verfolgte, so trauen sie sich bei ihrem neuesten Werk etwas mehr Experimentierfreude zu, ohne jedoch dabei den Gallagherschen Soundkosmos völlig aus den Augen zu verlieren. Was sich bereits beim Vorgänger Don't Believe The Truth andeutete, wird auf Dig Out Your Soul nur allzu deutlich - ein Sound der sich vom klassischen Brit-Rock 'n' Roll immer weiter emanzipiert hin zu einem Sound, der mehr und mehr Reminesenzen an die 60er in sich birgt. Exemplarisch hierfür ist die wunderschöne Ballade I'm Outta Time, die aus Liams' Feder stammt und als eine Hommage an John Lennon daher kommt. Der Song enthält Sequenzen aus einem Interview von John Lennon, das er zwei Tage vor seinem Tod gegeben hat. Dig Out Your Soul ist kein Hit-an-Hit-Album, sondern vielmehr ein Album, das als Ganzes funktioniert und eine Menge großartiger Songmomente in sich vereint. Stärkster Track des Albums ist zweifelsohne Falling Down. Der Song fasziniert durch ein hervorragendes Zusammenspiel aus ausdrucksstarken Lyrics und einer eindrucksvollen Instrumentierung, die besonders durch Zak Starkey's Drumsound gepaart mit Andy Bell's Basslinien brilliert und dem Song eine unglaubliche Intensität verleiht. Leider birgt Dig Out Your Soul in der zweiten Albumhälfte einige Schwachstellen: Das belanglose Ain't Got Nothin' und das überaus schlechte The Nature Of Reality hätten sich Oasis durchaus sparen können. Die beiden Songs schwächen leider die zweite Hälfte des Albums im Gegensatz zur wesentlich stärkeren ersten Hälfte ziemlich ab. Schade!
Sicherlich wird Dig Out Your Soul nicht als Meilenstein in die Musikgeschichte eingehen, dennoch ist es trotz einiger Schwachstellen ein überaus gutes Album, das man als Fan entweder liebt oder hasst. Ich glaube, dazwischen gibt es nichts.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 04. Oktober 2008 Label: Big Brother Recordings (Indigo)
Website: www.oasisinet.com Myspace: www.myspace.com/oasis
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Wie jetzt!? Das ging ja ungemein flott mit der neuen Travis. Kam die letzte nicht erst letztes Jahr raus? Richtig, und nachdem sich die Schotten vier Jahre Zeit ließen, um mit The Boy With No Name auf ihrem glatten Sound auszurutschen (O-Ton Fran Healy), sind sie so direkt in eine Prog-Rock-Odyssee geschliddert. Aber jetzt nicht gleich zurückschrecken! Der Autor liebt das herrlich melodische The Boy With No Name wie alles andere dieser Band - und auch Ode To J. Smith ist typisch Travis. Nur anders: Experimenteller! Packender! Kantiger! Aber gewohnt melodisch verführerisch. So packt Andy Dunlop in der ersten Single Something Anything ein wahres Hardrocksolo aus und im Titelsong wird einem der gregorianische Choral auf Latein um die die Ohren gehauen. Das klingt irgendwie nach...einem bestimmten Konzept? Genau! Herzlich Willkommen im neuen Travis-Konzeptalbum.
Während ihrer letzten Tour schrieb die sympathischste Band der Welt einen Roman. Die Hauptfigur ist J. Smith und Travis' Ode beschreibt den letzten Tag in seinem Leben. Wer jetzt denkt, dass angesichts dieser Tatsache Travis düster klingen könnten, liegt glücklicherweise falsch. Eine Nummer wie Friends könnte harmonischer und wohltuender nicht sein und sich auf jedem Travis-Album unter die besten Stücke einreihen. Was dieses Album allerdings so spannend macht, ist ihr Einfühlungsvermögen. So gelingt es Travis wunderbar in den einzelnen Songs die Gefühlslage ihrer Romanfigur musikalisch zu transportieren. Hier kreuzen sich Harmonie und Verzweiflung, sowie verpoppte Pianolinien und exzentrische Gitarren. Das klingt mal melodisch, mal rau und ist erfrischend abwechslungsreich. Das Tolle ist, dass sich der Hörer in den Songs verlieren und Travis' Roman individuell interpretieren kann. Seitdem sich Fran Healy zu Beginn seiner Karriere von seiner Mutter 600 Pfund lieh, um All I Want To Do Is Rock zu finanzieren, ist Ode To J. Smith mit Abstand Travis rockigste Platte. Eine Rückbesinnung zu Good Feeling also? Nein, vielmehr als das. Es ist ein ganz großer Schritt nach vorn. Beim ersten Hören mag das neue Material vielleicht kantig erscheinen und am ehesten an 12 Memories erinnern, aber spätestens beim zweiten Durchlauf und einer kurzen Einarbeitung in das Konzept erschließt sich ein unglaublich stimmiges sechstes Travis-Album, das mit Songs wie Chinese Blues, Last Words und Song To Self die ganze Schönheit dieser Band zusammenträgt.
Für Ode To J. Smith nahmen Travis die Euphorie ihrer letzten Tour mit und sperrten sich 14 Tage im Studio ein, um die elf Songs, die in nur fünf Wochen geschrieben wurden, zu produzieren. Vom ersten Ton an spürt man diesen direkten unglaublichen Spirit, den Travis auf ihrer letzten Tour wieder gefunden haben. Diese Ode packt Dich und lässt Dich so schnell nicht wieder los. Das ist pfiffiger Prog-Pop im Drei-Minuten-Songformat. Einfach wunderbar!
Review: Marc Philipp Meyer
Erscheinungsdatum: 26. September 2008 Label: Red Telephone Box (Vertigo)
www.travisonline.com www.myspace.com/travis
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Passend zum 10jährigen Bandjubiläum und zwei Jahre nach ihrem letzten Album First Round First Minute veröffentlichen Sugarplum Fairy nun ihr drittes Album. The Wild One heißt das neueste Werk der fünf jungen Schweden - benannt nach dem Kultfilm mit Marlon Brando aus dem Jahr 1953.
Laut eigener Aussage der Band ist The Wild One wie ein Sugarplum Fairy Greatest Hits-Album, bei dem jeder der 12 Songs das Potential zur Single hätte. Als erste Single-Auskopplung wählen Sugarplum Fairy allerdings erstmal das von Bob Marley inspirierte Never Thought I'd Say That It's Alright. Der wohl ungewöhnlichste Song auf dem Album - da wundert man sich, dass die Wahl ausgerechnet auf diesen Track gefallen ist. Hätte sich doch You Can't Kill Rock 'n' Roll als erste Auskopplung wesentlich besser geeignet, denn der Song ist ein absoluter Knaller - mitreißend, mit enormem Hitpotential und einem Refrain mit Mitgrölcharakter. Eine wahre Hymne an den Rock 'n' Roll! The Escapologist eröffnet das Album mit allerfeinstem Rock 'n' Roll und startet mit einer einprägsamen Bassline gepaart mit Handclappings. Ein Song, bei dem es schwer fällt, nicht stillzustehen. Ein sehr feiner Ohrenschmaus ist In Berlin, eine wunderschöne Ballade über eine zerbrochene Beziehung. Der Song besticht durch seine intensive Melodie und ist zweifelsohne das stärkste Stück des Albums. Insgesamt ist der Ton auf The Wild One etwas poppiger geworden, als es in der Vergangenheit der Fall war. Aber nach wie vor schwingt ein gewisser 60s-Flair im Sound von Sugarplum Fairy mit, der besonders bei Songs wie Love's Turning Into Boredom oder Here She Comes, dessen Riff im Refrain an Velvet Undergrounds I'm Waiting For My Man erinnert, zum Vorschein kommt. Das Schlusslicht des Albums bildet Caroline. Der Song beginnt mit dem Pfeifen eines Zuges und seine Melodie erinnert an die eines Kinderliedes. Inspirationsquelle zu diesem Stück waren all die schwedischen traditionellen Kinderlieder, die die Norén-Brüder in ihrer Kindheit gehört haben.
Sugarplum Fairy ist mit The Wild One zwar ein durchaus abwechslungsreiches und keinesfalls schlechtes Album gelungen, aber dennoch ruft es keine Begeisterungsstürme hervor. So reicht es leider nicht ganz den großartigen Vorgänger First Round First Minute heran. Schade! Aber eins muss man Sugarplum Fairy durchaus zugestehen: Die Live-Darbietung der neuen Songs überzeugt wesentlich stärker als aus der Konserve. Und dies ist auf jeden Fall ein Pluspunkt für die Band.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 26. September 2008 Label: Vertigo (Universal)
Website: www.sugarplumfairy.nu Myspace: www.myspace.com/sugarplumfairyborlange
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"Hey! Haste nich' Lust die Interstate 5 zu besprechen? Hat Guido Lucas produziert, damit kennste Dich doch aus?!" Klar mach' ich das, habe ich doch selber schon im Noisedorf Troisdorf aufgenommen und kenne das Umfeld um den bärtigen Soundarzt. Denke ich vorab beim Bandnamen Interstate 5 noch an einen Song der seeligen The Wedding Present, wandert die CD erwartungsvoll in den Player. Zu Anfang erinnert mich das Ganze an die großartigen Pendikel (ebenfalls aus dem Guido Lucas-Stall), ein Gewicht, das den vier Wahl-Leipzigern noch schwer auf den Schultern liegen wird. Der Promowaschzettel spricht hier seltsamerweise von "Wave-Punk-Pop", was ungefähr so wahr wie Kim Deal trocken ist. Interstate 5 spielen guten alten klassischen Indie, Gott sei Dank weit weg vom in Deutschland verbreiteten "Emo", näher am amerikanischen Schrammelrock à la Superchunk & Co...mit deutschen Texten. In Zeiten eines Thees Uhlmann und Marcus Wiebusch ist es sicherlich nicht ganz einfach zwischen befindlichkeitsfixiert und poetisch zu unterscheiden. Interstate 5 wählen jedoch einen gesunden Mittelweg, unkonkret aber doch unpeinlich und eigenwillig. Wie eben Pendikel. Immer wieder kommen mir deren letzte Alben ins Gedächtnis. Wobei ich mich bei den Gitarrensounds schon wundern darf, warum Interstate 5 trotz bluBox-Sound relativ schwach auf der Brust und charakterlos daherkommen. Am Ende vom Lied (Der Baum) weiß ich nicht so wirklich, was ich von Im Erklärton halten soll. Abgesehen vom Albumtitel ist da recht wenig wirklich zwingend, wenn auch sympathisch eigenwillig. Aber hängen bleiben will irgendwie keiner der neun Songs. Auf jeden Fall aber mal live antesten. Und einen Pluspunkt gibt's auf jeden Fall für das JoyDivision T-Shirt auf der MySpace-Seite.
Review: Marco Pleil
Erscheinungsdatum: 26. September 2008 Label: Rookie Records (Cargo Records)
Website: www.interstate5.de Myspace: www.myspace.com/interstatefive
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Dies ist das Soloprojekt des verrückt-extrovertierten Chikinki-Keyboarders Boris Exton und es liefert modern-cheesigen Synthie-Pop. Zieh das Astronauten-Kostüm an und TANZ! Der Einstieg Quack Horse klingt so, wie es sein Name verspricht und nimmt Dich mit auf einen verrückten Ritt auf einem quirligen Gaul in die Welt des Space-Synthie-Indie-Pop. Und das fast ohne Gitarren. Respekt! Every Time I Sell A Record A Kitten Dies ist ein sehr abwechslungsreiches Album, das so recht in keine Schublade passt und dies auch gar nicht möchte. Wäre ja auch langweilig! Was im Opener noch modern klingt, weckt im zweiten Song Plankton Reminiszenzen an tolle Beach-Boys-Harmonien der 60er. Sowieso ist der Gesang mit vielen Chören geschmückt und die Songs mit tausenden Synthie-Geigen, Synthie-Akkordeons und Synthie-Synthie-Synthie-Flächen gepudert. Dabei kommen die abgefahrendsten Ideen zustande. So klingt Dagenham Flats wie französischer Chanson mit Kopf-Kino-Garantie: In diesem Song wanderst Du durch die fabelhafte Welt der Amelie, bis Du plötzlich auf einem Psychedelic-Happening wieder findest - Jahre zurückversetzt versteht sich – so tripmäßig im UFO-Club. Das Kätzchen Ming will bespielt werden, bevor es den Plattenverkäufen erliegt. Play With Me klingt so nach verspielt poppigem New Wave. Dieser Song ist wie Zuckerwatte auf der Kirmes nach durchzechter Nacht. Er zieht Dich mit und spielt den schärfsten Farbfilm ab, der allerdings gegen Ende mit dem Einsatz eines nervenden Spielzeug-Midi-Keyboards zu bunt wird. Denn hier hört die Spielerei auf und man wünscht sich stellenweise nicht so viele Keller-Basteleien. Aber manchmal passiert das leicht, wenn man zu digitalen Zeiten in der Fülle von VST-Instrumenten den Überblick verliert. Aber mit einer Ming-Band im Rücken wird das live sicher nicht passieren und im Schnitt überwiegen die tollen Ideen und das sehr kluge Songwriting. Denn Boris Exton weiß nicht nur wie man richtig auf Liveshows eskaliert, sondern auch wie man gute Songs schreibt. Allerdings sind dabei seine poppigen Perlen zehn Mal stärker als seine vereinzelten Düster-Synthie-Balladen. Wer sich jetzt noch nicht vorstellen kann wie das klingt, der möchte eine Jarvis Cocker Scheibe mit dem Instrumentarium eines Albert Hammon Jr. "mash-uppen" und es durch den modernen Synthie-Mixer jagen.
Review: Marc Philipp Meyer
Erscheinungsdatum: 22. August 2008 Label: Weekender Records (Indigo)
Myspace: www.myspace.com/thepreciousmings
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Vier Jahre nach Wet From Birth melden sich die Synthie-Punks The Faint mit zehn neuen Tracks zurück. Nach der Trennung vom Label Saddle Creek im Frühjahr strebt die Band aus Omaha, Nebraska nun die totale Kontrolle über ihr neustes Baby Fasciinatiion an. In den USA erscheint das gute Stück, das auch als schweres Doppelvinyl zu haben ist, über das bandeigene Label blank.wav. Im Studio nimmt Bassist Joel Peterson ab jetzt selbst die Fäden in die Hand und auch das Cover-Artwork stammt aus eigener Feder. Mehr Neuerungen sind im Hause The Faint allerdings nicht zu verzeichnen. Fasciinatiion fängt da an, wo Wet From Birth aufhörte: Mit gewohnt-tanzbarem Electroclash und Todd Finks monotoner Megaphon-Stimme. Ohne wesentliche Stiländerung frönen die Indie Dance-Punker weiterhin ihrer Vorliebe für brutale Gitarren (Forever Growing Centipedes), explodierende Synthies (Machine In The Ghost) und dreckige Beats (Fulcrum And Lever). The Faint sind mit Fasciinatiion nun definitiv vollkommen in der Welt der Electronica angekommen. Ausflüge in Punkgefilde, wie sie zu Media-Zeiten an der Tagesordnung waren, gehören der Vergangenheit an. Mehr Electronic, noch weniger Gitarren, das sind The Faint 2008. Und auch Finks einstiges Hauptthema Sex spielt in den Lyrics nur noch eine untergeordnete Rolle. Textlich ist Fink, der mittlerweile mit Orenda Fink (Azure Ray) das Ehebett teilt, sichtlich gewachsen. Der Hafen der Ehe lässt es scheinbar nicht mehr zu, ein Album nur über die schönste Nebensache der Welt zu schreiben. Dafür liefern The Faint mit ihrer ersten Single, dem Stampfer The Geeks Were Right, ihr persönliches Mainfest. Die Fachidioten wussten es eben schon immer besser, wie man die Meute zum Tanzen bringt. Vor allem live eine echte Bank.
Review: Katrin Reichwein
Erscheinungsdatum: 05. September 2008 Label: Cooperative (Universal)
Website: www.thefaint.com Myspace: www.myspace.com/thefaint
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Reason For Living ist das dritte Werk der Singer/Songwriterin Karin Melchert. In ihrer Wahlheimat Luxemburg gehört die zu einer der erfolgreichsten Sängerinnen, die es mit ihrer musikalischen Mixtur aus Pop, Jazz und Chanson zu großer Popularität gebracht hat. Eine durchaus beeindruckende Stimme, die es schafft, sich in folkigen wie countryesken oder auch lateinamerikanischen Klängen einzufinden. Überhaupt wird auf Reason For Living Vielseitigkeit großgeschrieben.
Open Your Heart könnte sich durchaus noch im Abspann eines Road-Movies wieder finden. Tracks wie Reason For A Lunatic oder die durchaus interessant gestaltete Interpretation des Eagles-Klassikers Hotel California erinnern wegen ihrer Piano-Bar-Atmospähre an eine Szene aus Lost In Translation. Heiß her geht's im Kastagnetten-geschwängerten Flamenco-Stück Spanish Fly, in dem die Textpassage "...his love is like a Spanish fly / Too much will make you die..." ein unfreiwilliges Grinsen im Gesicht hinterlässt. Ja, man sollte die Finger von Drogen lassen - auch wenn sie noch so erotisierend sind. Heiß bleibt's auch bei der Coverversion des Roxette-Songs Call Your Name, in der sich Karin Melcherts Stimme in Bossanova-Rhythmen schmiegt.
Im großen und ganzen ist Reason For Living eine Platte, die es durchaus ins Airplay des WDR2 schaffen könnte: Miles And Miles versüßt den Hörern zu einer Tasse Kaffee und einem Marmeladenbrötchen den Einstieg in den Tag, während Taller Than A Mountain direkt nach der Stau-Schau eingespielt wird, um gestresste Berufspendler auf dem Nachhauseweg vorm Herzkasper zu bewahren, bei denen die Hiobsmeldung einer verstopften A1 für cholerische Anfälle hinterm Steuer gesorgt hat. Womit wir wieder beim Road-Movie angekommen wären…
An der Stimmlichkeit Karin Melcherts gibt es wahrlich nichts zu bekritteln. Dennoch schafft es Reason For Living nicht, zu überzeugen. Netter Pop für jedermann, unaufdringlich und beliebig. Nichts, das wirklich im Gehörgang oder im Hirn hängen bleibt. WDR2-Hörer dürfte diese Platte dennoch erfreuen.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 30. September 2008 Label: Comet (Radar Music)
Website: www.karinmelchert.com Myspace: www.myspace.com/melchert nach oben
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Staubig wie die Wüste des Grenzlands zwischen den USA und Mexiko, in dem das Örtchen Calexico liegt, klingt die Band selben Namens schon lange nicht mehr. Joey Burns und John Convertino gehen auf Nummer sicher und bringen mit Carried To Dust ein leicht verdauliches Potpourri des mittlerweile als Tucson-Desert-Rock bekannten Stils unter das Volk. Die einstigen Ecken und Kanten, die die Band mal auszeichneten, suchte man schon auf dem gefälligen Vorgänger Garden Ruin vergebens.
Auf Carried to Dust nähern sich Calexico nun wieder ein Stück Weit ihren Roots. Das einstige von der amerikanischen Einöde, in der sich kreischende Kojoten an verdorrten Kakteen laben, geprägte Klangbild gehört jedoch scheinbar der Vergangenheit an. Die Band bleibt zwar ihren amerikanischen und mexikanischen Wurzeln treu und flirrt wie eh und je durch die gegensätzlichsten Musikrichtungen. Doch die klangliche Vielfalt, die von mexikanischen Mariachi-Trompeten, Marimbas und Jazzgitarren über Vibraphon- und Mundharmonika-Einlagen sowie Folk- und Country-Elementen bis zu einfachstem, absolut kompromisslosen, Schlagzeugspiel reicht, vermag es nicht mehr viel (Wüsten-)Sand aufzuwirbeln. Zu nett, über weite Strecken ähnlich unmotiviert wie beim Vorgänger, klingt die einst so schmutzige Band. Highlights findet man auf dem halb englischen, halb spanischen Album kaum. Der Opener Victor Jara's Hands verspricht noch Interessantes; lässt sich dem Song, der zwischen chilliger Lounge-Musik und catchy Olé-Olé-Fußballstadion-Refrain changiert, doch kein Etikett zuordnen. Mittig zeigen sich Calexico mit House Of Valparaiso dann doch noch mal von ihrer besten Seite und auch das abschließende, traurig-romantische, Contention City mag man gern ein weiteres Mal hören. Dazwischen verlieren sich Calexico allerdings weitestgehend in dröger Barmusik.
Mit Carried To Dust ist Calexico nunmehr wieder ein moderates Album gelungen, das zwar durchaus hörens-, sich darüber hinaus aber nicht zwingend als kaufenswert erweist.
Review: Katrin Reichwein
Erscheinungsdatum: 05. September 2008 Label: City Slang (Universal)
Website: www.casadecalexico.com Myspace: www.myspace.com/casadecalexico
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2007 war der meistgespielte Song im schwedischen Radio Cheek To Cheek. Der Song stammt von vier hübschen jungen Damen, die sich Sahara Hotnights nennen und in ihrer Heimat Schweden bereits Superstars sind. Ihr mittlerweile viertes Album What If Leaving Is A Loving Thing tummelte sich über ein Jahr lang in den schwedischen Charts und wurde mit Platin veredelt. Es folgten ausverkaufte Konzerte und mehrere Auszeichnungen und Nominierungen.
Nun wollen die vier jungen Damen auch den Rest Europas im Sturm erobern, was ihnen durchaus gelingen könnte. Denn Maria Andersson (Gesang, Gitarre), Jennie Asplund (Gitarre), Johanna Asplund (Bass) und Josephine Forsman (Schlagzeug) sehen nicht nur gut aus, sondern haben auch musikalisch einiges in petto. Die Songs auf What If Leaving Is A Loving Thing bestechen durch ihre Leichtigkeit und Catchiness und besitzen wunderbare Singalong-Refrains, die einfach Freude bereiten. Zugegeben der Sound ist ziemlich poplastig und um einiges glatter als die älteren Sachen der Band, dennoch enthält das Album schöne Songs, die irgendwo zwischen dem Selbstbewusstsein der Bangles und der Verträumtheit von Belinda Carlisle pendeln. Highlights des Albums sind zweifelsohne der rockende Opener Visit To Vienna, das schöne Loneliest City Of All und das tanzbare Cheek To Cheek. Produziert hat das Album Björn Yttling von Peter, Björn & John, die man von ihrem Hit Young Folks kennt.
Mit What If Leaving Is A Loving Thing liefern die vier jungen Schwedinnen ein schönes Werk ab, das gute Laune garantiert. Wer zeitlose Popmusik mag, dem ist dieses Album sehr zu empfehlen.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 05. September 2008 Label: Bad Taste (Soulfood)
Website: www.saharahotnights.com Myspace: www.myspace.com/saharahotnights
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Hinter The Rascals verbirgt sich ein gewisser Miles Kane mit seiner Band, der zuletzt mit seinem besten Freund Alex Turner (Arctic Monkeys) das Projekt The Last Shadow Puppets ins Leben rief, die mit The Age Of Understatement ein famoses Album abgeliefert haben. Nun liegt mit Rascalize das Debüt-Album von Miles Kanes Hauptband vor, für das sich das Trio gut zwei Jahre Zeit gelassen hat, um es der Welt zu präsentieren. Produziert hat das Erstlingswerk Ben Hillier, der auch schon mit The Horrors und Elbow zusammengearbeitet hat.
Was die drei Jungspunde aus Wirral bei Liverpool da abliefern ist ein draufgängerisches Album, dass vor jugendlichem Ungestüm nur so strotzt und dem Hörer kaum Zeit zum Luftholen lässt. Denn es gibt keine Balladen oder wirklich ruhige Songs auf dem Album, dafür aber eine Menge psychedelischen 60s Garagerock, der klingt, als hätten die Arctic Monkeys mit The Coral eine wilde Party gefeiert. Die 12 Songs auf Rascalize bestechen durch einen treibenden Gitarrensound, unvorhersehbare Brüche und die unverkennbare Stimme von Miles Kane, die verblüffend an seinen Kumpel Alex Turner erinnert. Auch an Abwechslungsreichtum mangelt es diesem Album auf keinen Fall, denn kein Song klingt wie der andere. Die Songs sind alles andere als berechenbar und überzeugen durch Überraschungsmomente, denn immer wieder kommt es zu ungeahnten Tempo- und Melodiewechseln innerhalb der Songs, ohne jedoch den Hörer dabei zu überfordern.
Ohne Zweifel ein starkes Debüt, das für eine blutjunge Band beeindruckend reif klingt und einfach von der ersten bis zur letzten Sekunde mitreißt. I'll Give You Sympathy heißt der letzte Song des Albums. Ich für meinen Teil kann nur sagen: Meine Sympathie haben die Jungs auf jeden Fall!
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 29. August 2008 Label: Deltasonic/Cooperative Music (Universal)
Website: www.therascals.co.uk Myspace:www.myspace.com/rascalmusic
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Es ist die wohl sehnlichst erwartete Reunion des Jahres. Erstmals lösten sich The Verve 1995 auf - sechs Jahre nach ihrer Gründung. Doch bereits einige Monate später fand sich die Band wieder zusammen und veröffentlichte zwei Jahre nach ihrer ersten Reunion das Album Urban Hymns (1997), das prompt Platz 1 der Charts eroberte und somit den Durchbruch für die Band bedeutete. 1999, am Gipfel ihres Erfolges, verkündeten Richard Ashcroft (Gesang), Nick McCabe (Gitarre), Simon Jones (Bass) und Peter Salisbury (Schlagzeug) dann endgültig das Ende von The Verve.
Heute - elf Jahre nach der Veröffentlichung von Urban Hymns und neun Jahre nach ihrer zweiten Trennung kehren The Verve mit ihrem vierten Album Forth zurück. Da waren natürlich im Vorfeld die Erwartungen von Seiten der Presse und der Fans gigantisch. Können The Verve an die alten Erfolge von Urban Hymns anknüpfen?
Bereits beim ersten Durchhören fällt auf, dass Forth nicht das ist, was man sich von The Verve gewünscht hätte. War Urban Hymns ein Album voll von Pophymnen (Bittersweet Symphonie, Lucky Man) und Songperlen (The Drugs Don't Work, Velvet Morning, Sonnet), so hat Forth damit nicht allzu viel zu tun. The Verve führen nicht das fort, was sie mit Urban Hymns begonnen haben, sondern orientieren sich stattdessen doch eher an ihren Frühwerken. Was ja zunächst einmal nicht negativ auszulegen ist. Jedoch verliert sich das neue Werk stellenweise zu sehr in sphärischen Klangwelten epischen Ausmaßes, die das Album auf Dauer sehr langatmig erscheinen lassen. Die meisten der zehn Stücke gehen über die Fünf-Minuten-Grenze hinaus und ziehen sich über eine Gesamtspielzeit von fast 65 Minuten. Lediglich die Single Love Is Noise sticht aus dem gesamten Klangkosmos heraus und kommt als tanzbare Pop-Nummer daher, die trotz der anfänglich etwas nervenden "Uhhs" und "Ahhs" sofort ins Ohr geht. Zwar hat Forth neben der Single noch einige weitere hörenswerte Songs in petto wie den energetischen Opener Sit And Wonder oder die Mid-Tempo-Nummer Rather Be, die von Piano und Streichern getragen wird und die Frage aufwirft "Is There Anywhere Better Than Here?". Trotz alle dem reicht das neue Werk nicht an die altbekannten Klassiker der Band heran. Was den Songs fehlt ist die Intensität und Tiefe wie es beispielsweise The Drugs Don't Work oder Velvet Morning hatte. Das Album erscheint dagegen nur mittelmäßig und alles andere als spannend. So bleibt Forth leider weit hinter den Erwartungen zurück. Aber vielleicht muss man diesem Album auch einfach Zeit geben, um sich zu entfalten. Und auch wenn die Enttäuschung über dieses Album groß ist, so ist es dennoch eine genauso große Freude, dass eine der beeindruckendsten Britpop-Bands der 90er zurückgekehrt ist.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 22. August 2008 Label: Virgin (EMI)
Website: www.theverve.co.uk Myspace: www.myspace.com/thevervetv
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Mit seinem insgesamt dritten und besten Werk Pass It Around meldet sich der Kalifornier zurück. Ein Album, auf dem die wunderschöne Gitarreninstrumentierung maßgeblich ist, aber auch Orgel, Mundharmonika und Mariachi-Bläsereinsätze (!) (Your Heart) zum Einsatz kommen. Die Single Life, Love & Laughter läuft im Radio auf Hochtouren. Mit dem Lied macht Frankenreiter auf die Bedeutung der kleinen Dinge aufmerksam, die man nicht mit Geld kaufen kann und darauf, Vergangenem nicht nachzutrauern und das Leben einfach so zu nehmen wie es kommt. Das ist ja schon mal schön. Was dem Opener folgt, ist nicht weniger ansprechend. Beschwingt - und dank des tollen "Schalalala"-Parts doch auch unnachahmlich entspannt - geht es mit Too Much Water weiter. Frankenreiter erzählt persönliche Geschichten und nimmt den Hörer mit auf die Reise: rechts das Meer und links die Berge. Come With Me bezieht sich auf eine weibliche Person, womit seine Frau gemeint sein dürfte. Für mich sticht Your Heart noch einmal besonders heraus, was einerseits an dem Mariachi-Bläsereinsatz gleich zu Beginn des Lieds liegt, andererseits an der weiteren Komposition, die den Song eben nicht zu einem "Mexiko-Mexiko-Mexiko"-Stück werden lässt. Bei Mansions On The Sand hatte Frankenreiter, der nicht nur Sänger, sondern auch Profi-Surfer ist, Angst davor, dass ein Lied in Bezug auf sein Element Wasser kitschig werden könnte. Dies stellte sich dann als unbegründet heraus, da es sich hierbei nicht um eine direkte Ode an das Meer handelt. Frankenreiter ist es gelungen, das Gefühl anhand von Erinnerungen "when we were kids" und Ereignissen im Zusammenhang mit dem Ozean auszudrücken. Zudem hat die Unterstützung durch Personen, die sein Lebensgefühl und seine musikalischen Vorstellungen nachvollziehen, dazu beigetragen, dass auch Donavon Frankenreiter selbst das Album als sein bestes bezeichnet. Dieser Zusammenhalt kommt schließlich auch noch bei Sing A Song in Person von G. Love an der Harmonika und bei dem Titeltrack Pass It Around durch Ben Harper zum Tragen. Bei ersterem heißt es so schön "Take your time-don't live so fast, sing a song if you wanna make it last". "Do what you want to and I do what's right for me" lautet die Devise bei Pass It Around. Frankenreiter will das Gute sehen und ist davon überzeugt, dass man es auch (wenn auch nur im Kleinen) umsetzen kann. Und an dieser Haltung ist doch nun wirklich nichts auszusetzen. Mir gefällt jedenfalls die Californian Philosophy!
Review: Michaela Wicher
Erscheinungsdatum: 22. August 2008 Label: Lost Highway (Universal)
Website: www.donavonf.com Myspace: www.myspace.com/donavonfrankenreiter
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Was haben die Bubonix, Cuba Missouri und die Earthbend gemeinsam? Nun, zum einen haben alle drei nationalen Bands ihr erstes sowie zweites Album unter den Produzentenfittichen des "Herrn des guten Indietons" Kurt Ebelhäuser (Blackmail, Scumbucket) aufgenommen. Zum anderen ist das beim Zweitling der Finsterwälder Earthbend ebenfalls nur knapp 1 Jahr nach Erscheinen des Debüts (Young Man Afraid) geschehen. Ging es vor allem bei den Bubonix noch gut innerhalb eines so kurzem Zeitraums ein neues Album nachzulegen (die Songs deren ersten Longplayers waren nach eigener Aussage auch schon mehrere Jahre alt), so bleibt die Earthbend leider ein bisschen hinter den Erwartungen zurück. Zugegeben, es ist mutig dem Hörer gleich mit dem ersten Song ein 10-minütiges Monster wie den Titeltrack Harmonia vorzusetzen. Diesen auch gleich als Single auszuwählen, was quasi automatisch den Tod im Formatradio bedeutet: Respekt! Und auch obwohl Harmonia soundmäßig mit zu Ebelhäuser's besten Produktionen (das Album wurde angeblich in nur 10 Tagen aufgenommen und gemischt) gehört: ab und an wäre weniger Studiogebastel, Improvisation und mehr Song einfach effektiver gewesen. Lediglich Too Many Stars, und vor allem Dragon Lady, bleiben mir nach mehrmaligem Hören im Gedächtnis. Was eigentlich schade ist, denn die Earthbend hat interessante Ansätze mit Wurzeln im 70s (Prog-)Rock, einen markanten Sänger und den richtigen Produzenten. Am Ende bleibt ein Album, das sich ein wenig in den eigenen Ansprüchen verliert und am Ende des Weges leider ab und an die Kurve zum großen Refrain verpasst. Trotzdem, auf jeden Fall im Auge behalten die Band! Mit ein bisschen mehr Zeit und Geduld im Songwriting kann das wirklich noch was Großes werden!
Review: Marco Pleil
Erscheinungsdatum: 22. August 2008 Label: Rookie Records (Cargo Records)
www.earthbend.de www.myspace.com/earthbend nach oben
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Mit Life In The Backseat erscheint nun das dritte Album der Band Monkeeman um Mastermind Ralf Lübke. Für sein erstmals in Eigenregie produziertes Album hat er sich diesmal erneut Patrik Majer ins Boot geholt, der die Songs in seinem Berliner Freudenhaus Studio gemixt hat.
Herausgekommen sind 11 charmante Indie-Pop-Songs mit Ohrwurm-Garantie. Jedoch hat Ralf Lübke diesmal drauf verzichtet, die Songs perfekt poliert und glatt arrangiert zu veröffentlichen. Und dies hat den Aufnahmen überaus gut getan. So kommt Life In The Backseat wesentlich rockiger daher als der Vorgänger Jumping On The Monkey Train und besitzt deutlich mehr Ecken und Kanten. Akustikgitarren sucht man hier zwar vergeblich, dennoch sind die typischen Melodien und Harmonien, die den Sound von Monkeeman ausmachen, geblieben. Der Einfluss jahrzehntelanger britischer Popkultur ist unüberhörbar und reicht von Northern Soul über Mod bis hin zu Brit-Pop. Die Helden der Jugend muss man nicht lange suchen und so schimmern The Beatles, The Jam und Oasis durch. Plagiatsvorwürfe sind jedoch völlig unbegründet, da die Songs einen durchaus eigenen Stil aufweisen. Sehr schön ist auch die stilistische Vielfalt, die auf dem Album vorherrscht: So findet sich hier etwas Ska (Town Of The Lost), dort ein bisschen Manchester (City Lights) und auch mal eine Prise Retro-Rock (In It For The Money).
Monkeeman haben mit Life In The Backseat ein überaus schönes Album abgeliefert, dass sich geradewegs in die Herzen aller Freunde britisch-beeinflusster Musik spielen wird.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 15. August 2008 Label: Rookie Records (Cargo Records)
Website: www.monkeeman.de Myspace: www.myspace.com/monkeemanmusic
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Dies ist der neunte Glasgower Urschrei und er verspricht uns eine glorreiche, wunderschöne Zukunft. Denn um eins vorweg zu nehmen: Beautiful Future ist ein echtes Pop-Spektakel. Nachdem überragenden Rock'n'Roll-Kracher Riot City Blues, schlagen Primal Scream wieder einen ganz anderen, nicht zu erwartenden Weg ein und liefern diesmal eine astreine Popperle ab, die mit trickreichem Facettenreichtum zu überzeugen weiß.
Schon der Titelsong haut einen förmlich um. Ein Staccato-Klavier und ein rollender Rhythmus paaren sich mit Ricky-Wilson-OOHHH-Gesängen und Abba-Gitarren. Das klingt dubios, oder? Aber das passt irgendwie und macht Beautiful Future zum fröhlichsten Song der Platte. Wäre da nicht die typisch zynische und sarkastische Lyrik von Bobby Gillespie. Und dies ist nicht der einzige Grund dafür, das das neue Werk der britischen Psychedelic-Rock'n'Pop-Raver doch wieder ein typisches Primal Scream Album geworden ist. Der absolute Überhit Can't Go Back ist mitunter schon jetzt der Killertrack des Jahres! Da lehnt sich jemand aus dem Fenster? Nein, er bleibt im Raum und tanzt sich die Füße wund zu einer verführenden Mischung aus 90er-Jahre-Rave und fulminantem Rock'n'Roll! Ich raste aus. Das erinnert an Screamadelica und man hört, dass hier mit Paul Epworth jemand die Produktion übernommen hat, der schon für den umwerfenden Sound der tollen Rakes und Bloc Party verantwortlich ist. Und sonst so? Sonst hat man Epworth leider nicht alle Tracks der Platte produzieren lassen und das ist definitiv schade. Mit der Philly-Sound-Nummer Uptown wird die Urschrei-Therapie aufgelockert und man wird wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Pop war das Schlagwort. Dies klingt nach prickelndem Soul, der auf Pet-Shop-Boys-Nerdism trifft. Nur irgendwie besser. Und dann kommt da wieder Abba ins Spiel. Denn Glory Of Love klingt wie eine Post-Punk-Dark-Electro-Reise durch ein schwedisches Kaleidoskop. Kein Wunder, denn man hat in den alten Abba-Studios aufgenommen und überwiegend mit Björn Yttling produziert. Mit Suicide Bomb geht es dann weiter auf Acid-House-Reise, bis man über dem stoneskem Zombie Man schließlich bei Depeche Mode landet. Denn Beautiful Summer ist schon fast eklektisch und dies sind die typischen Harmonien eines Martin Gore. Auf einem magischen Elektrobeat tänzelt dann hingegen wieder I Love To Hurt (You Love To Be Hurt), ein nettes Duett von Gillespie und dem CSS-Lovefoxx.
Es gibt keine Blaupause für einen Primal-Scream-Song, es gibt aber vielmehr diesen Spirit Gillespies, den er allzu gut auf dem wunderschönen Fleetwood-Mac-Coversong Over & Over unter Beweis stellt. Als zehnten Song gibt es noch einen modernen Elektro-Blues auf die Ohren, den Kasabian sicher gern selbst geschrieben hätten. Damit ist das Pop-Spektakulum beendet und Primal Scream haben ein ganz anderes Album gemacht, auf dem sie nur allzu trickreich beweisen, dass sie nicht nur die Geschichte des Pop verstanden, sondern sie auch revolutioniert haben. Die schöne Zukunft kann kommen - Bobby Gillespie hat sicher schon wieder Ideen für das nächste Album. Review: Marc Philipp Meyer
Erscheinungsdatum: 01. August 2008 Label: B-Unique (Warner)
Website: www.primalscream.net Myspace: www.myspace.com/primalscream
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Erst vor einem halben Jahr veröffentlichten Dr. Dog hierzulande mit einiger Verspätung ihr drittes Studioalbum We All Belong, das die seit 2002 bestehende Band endlich auch außerhalb der USA bekannt machte. Fate, das neue Werk der fünf, kommt nun zum Glück ohne große Verzögerungen auch in die deutschen Plattenläden.
In den vergangenen Jahren war der Focus der Öffentlichkeit wohl so sehr auf Großbritannien gerichtet, das bisher unbekannte Künstler aus den USA im Kampf um die mediale Aufmerksamkeit einen schweren Stand hatten. So konnte es passieren, dass Dr. Dog in Europa, trotz des großen Erfolges jenseits des großen Teiches, lange ein unwürdiges Schattendasein führten. Dr. Dog, das sind Frank McElroy, Juston Stens, Scott McMicken, Toby Leaman und Zach Miller. Die Musik des Quintetts lässt sich nicht so recht in eine Schublade einordnen. Folk-Rock schreiben die einen, 60s oder Psychedelic Pop die anderen. Tatsächlich ist es eine Mischung von allem, und vor allem die Vielfalt und Experimentierfreudigkeit bei der Instrumentalisierung lässt nahezu jeden Song anders klingen. Der etwas andere Retro-Sound, denn egal für welche Instrumente sie sich schließlich entscheiden, man fühlt sich beim Hören stets zurückversetzt in die frühen 70er. Ein erfrischend anderes Klangerlebnis. Darüber hinaus beherrschen es Dr. Dog wie kaum eine andere Band, durch die Musik eine ungeheure Wärme auszustrahlen und so gute Laune zu schaffen. Auf die Texte sollte man dabei jedoch weniger achten, denn die sind, von wenigen Ausnahmen abgesehen, eher tragisch und wenig lebensbejahend.
Dr. Dog machen keine Musik für die Massen, und doch werden viele großen Gefallen daran finden. Es wäre den fünf Amerikanern zu wünschen, dass mit Fate der Durchbruch in Deutschland gelingt!
Review: Andreas Kussinger
Erscheinungsdatum: 01. August 2008 Label: Park The Van (Rough Trade)
Website: www.drdogmusic.com Myspace: www.myspace.com/drdog
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Conor Oberst, den meisten sicherlich besser bekannt als Kopf der Bright Eyes, mag es zu experimentieren. Dies hat er in der Vergangenheit bereits häufig bewiesen, nicht zuletzt auf seinem Album Digital Ash In A Digital Urn, wo er seinen Folk einfach mal unkonventionell mit Elektromusik vermischte. Diesmal geht er sogar soweit, sein Heimat-Label Saddle Creek komplett außen vor zulassen und sein Solo-Werk, das er schlicht selbstbetitelt hat, bei Wichita herauszubringen.
Für die Aufnahmen hat er ein paar Leute aus dem Bright Eyes Umfeld zusammengetrommelt, die sogenannte "Mystic Valley Band", um sich auf den Weg nach Mexiko zu machen. Dort entstand ein Album, das sich wesentlich vom letzten Bright Eyes-Album unterscheidet. Wo auf Cassadaga noch überwiegend geistige und weltpolitische Themen durchklangen, konzentriert sich Conor Oberst nun wieder eher auf einfachere, alltäglichere Themen, was allerdings nicht heißen soll, dass seine Texte in irgendeiner Form anspruchsloser wären - im Gegenteil. Conor singt auf seine ganz eigene Weise über die Natur, über Straßen, Berge und alltägliche Dinge und Begebenheiten, bei denen immer der Charme des kleinen mexikanischen Bergdorfes durchzuschimmern vermag. Bei der Musik an sich scheint es sich genauso zu verhalten wie bei den Texten. Wo bei Cassadaga noch orchestrale Klänge das Werk allzu pathetisch daherkommen ließen, beschränkt sich das neue Album wieder auf die Schlichtheit, die die Komposition von Conor Oberst ausmacht und erst richtig zur Geltung bringt. Am ehesten lässt es sich vielleicht noch mit Lifted vergleichen – allerdings weit entfernt vom Lo-Fi der frühen Platten, jedoch nah dran an ihrer authentischen Wirkung.
Insgesamt ist es ein rundes folkiges Album, das überwiegend ruhig (Lenders In The Temple, Milk Thistle) daherkommt. Allerdings zeigt sich auch Conors Experimentierfreude, so dass es mal etwas rockiger (NYC – Gone, Gone), mal poppiger (Moab) und mal sehr countryesk (Sausalito) in Erscheinung tritt, was die ganze Sacher sehr abwechslungsreich und hörenswert macht.
Review: Axel Schinkel
Erscheinungsdatum: 01. August 2008 Label: Wichita/Cooperative Music (Universal)
Website: www.conoroberst.com Myspace: www.myspace.com/conoroberst
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Ursprünglich tourte Singer/Songwriter Meric Long als Ein-Mann-Akustik-Band durch San Francisco. Immerzu einsam die Folk-Gitarre zu zupfen, konnte es auf Dauer nicht sein. So wurde kurzerhand Logan Kroeber, im übrigen genau wie Long professioneller Schlagzeuger, ins Boot geholt. Gemeinsam als The Dodos folgten sie ab da an dem Ziel ihren percussionlastigen Folkrock und insbesondere ihren Live-Sound in all seiner energischen Intensität auch auf Platte zu bannen. Das Ergebnis steht unter dem Namen Visiter ab dem 01. August im gut sortierten Plattenladen.
In der Welt der Dodos steht das Schlagzeug an erster Stelle. Longs leichtes Country-Fingerpicking-Spiel, gepaart mit bisweilen halsbrecherischem Strumming, auf der akustischen Gitarre ist schnell, warm und konzentriert, der Resonanzkörper vibriert nur so unter seinen raffinierten Lyrics. Und doch, ohne Kroebers stampfendem Backbeat aus Tom Tom und Tamburin (welches sich auch an seinen Schuhen befestigt wieder findet!) würden die synkopen Rhythmen der A-Gitarre kaum die freigeistige Spannung erzeugen, die Visiter sein eigenen nennt. Long und Kroeber verstehen es aus wenig viel zu machen.
Der Opener Walking gibt direkt einen guten Einblick in die Klangcollage, die das Duo entwirft. Drums und Gitarre harmonieren gleichberechtigt miteinander. Kein Wunder also, dass The Dodos oft mit dem experimentellen Animal Collective verglichen werden. Banjo und weibliche Harmonien schreien jedoch nur so nach Inspiration von Sufjan Stevens zu Michigan-Zeiten. Dieser Eindruck verflüchtigt sich als das Lied sofort in den manischen, verwirrend formulierten, Lovesong Red & Purple übergeht. Hier fügen sich Klavier und ein Fuzzy-Bass zu vertrackten Percussion-Klängen. Fools, die erste Single, changiert dann schon wieder irgendwo zwischen herzzerreißender Melancholie und poppigem "Oh-Oh-Oh"-Refrain. Himmelhoch jauchzend oder zu Tode betrübt, man weiß nicht so genau, was einem das scheinbar komplett unstrukturierte Soundgerüst sagen möchte. Polternd erhebt sich eine fast schon nervige FX-Gitarre, um am Ende aber doch wieder nach MGMT-Lagerfeuer-Hippie-Rock zu klingen. Und auch die sieben Minuten Joe's Waltz entpuppen sich als Überraschung. Unheimlich düster beginnend, fast nur durch Kroebers hypnotische Tom Toms gestützt, mutiert es erst zur 70ies-Psychedelik-Drogen-Party, dann zum Seemanns-Shanty, um schließlich doch als Bluesrock-Jam zu enden. Bei den Dodos weiß man eben nie, was als nächstes kommt. Vorhersehbarkeit wird anderen überlassen.
Review: Katrin Reichwein
Erscheinungsdatum: 01. August 2008 Label: Wichita/Cooperative Music (Universal)
Website: www.dodosmusic.net Myspace: www.myspace.com/thedodos
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Kingsize, die nächste "The"-Band (nur diesmal eben ohne bestimmten Artikel), deren Debütalbum den Sprung über den Kanal und hierzulande in die Plattenregale geschafft hat. Love, Lust And Other Disasters nennt sich das Ganze und ist, wie sollte es auch anders sein, wenig originell und doch absolut hörenswert. Die vier Herren, die sich Kingsize nennen, sind Mike McCartney (was für ein Name für einen Band-Frontmann!), Zanny Ali, George Daziel und Rupert Turner. Alles ist wie immer, vier Freunde, die gerne zusammen Musik machen und sonst nur Alkohol und Mädchen im Magen respektive Kopf haben. Aufgenommen wurde Love, Lust And Other Disasters nicht nur in London, sondern auch in Berlin, wo dem Quartett offenbar auch irgendein Studiotechniker das obligatorische "eins, szwei, drei, fier" beigebracht hat, das in keinem anständigen Punksong fehlen darf. Und tatsächlich ist "Punk" die große Stärke von Kingsize. Je schneller, desto besser und eingängiger die Songs. Natürlich ist das kein Punk, aber der Einfluss ist unüberhörbar. So richtig schwach wird‘s nur, wenn die vier Londoner versuchen, etwas ruhigere Töne anzuschlagen. Offenbar dachte man, auf ein anständiges Indie-Pop Album gehörten schließlich auch zwei Balladen. Man merkt beim Zuhören förmlich, wie McCartney und Co. bereits beim Aufnehmen beinahe eingeschlafen wären. Auch abgesehen von Punk mangelt es nicht an verschiedensten Einflüssen. Es verwundert auch nicht großartig, dass wie immer die Strokes und die Libertines als Referenzbands herhalten müssen. Letztere werden sogar mehr oder weniger schamlos gecovert, so nahe am "Original" bewegt sich etwa Beat Of A Friday Night. Wenn man sich davon nicht abschrecken lässt, kann man aber durchaus gefallen an Love, Lust And Other Disasters finden. Besonders die Single Boy sowie die abwechslungsreichen Amsterdam und Don't Fall Back können überzeugen. Zum ganz großen Durchbruch fehlen aber leider die Hits. Die lassen sich eben nicht bei anderen Bands abschauen.
Review: Andreas Kussinger
Erscheinungsdatum: 25. Juli 2008 Label: Weekender (Indigo)
Myspace: www.myspace.com/thisiskingsize nach oben
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Seit nunmehr drei Jahren wartet man vergeblich auf ein Lebenszeichen der Strokes. Während der Rest der Band sich eine Auszeit zu nehmen scheint, arbeitet der Gitarrist Albert Hammond Jr. unentwegt an seinem künstlerischen Schaffen. So bringt er jetzt mit ¿Cómo Te Llama? bereits sein zweites Solowerk heraus, das genau wie sein Solo-Debüt zwar sehr stark nach den Strokes klingt, aber dennoch seine Hörerschaft immer wieder mit Experimenten überrascht.
Eigentlich ist es schade, aber es scheint für einen Solo-Künstler ein unüberwindbarer Schritt zu sein, aus dem Schatten seiner Band zu treten. Albert Hammond Jr. gelingt dieser Schritt so auch nur in Ansätzen. Viele Songs hätte man zweifelsohne im Set der Strokes unterbringen können und abgesehen von der anderen Stimme wäre wohl niemandem etwas aufgefallen. Wirklich erkennbar ist seine Einzigartigkeit somit lediglich in jenen Songs, die sich durch Experimentierfreudigkeit und Mut auszeichnen. So sticht beispielsweise das siebenminütige Spooky Couch heraus. Mit der Pianounterstützung durch Sean Lennon ist ihm hier ein Instrumentalstück gelungen, das ungewohnt träumerisch daherkommt. In Borrowed Time werden wir dann sogar mit Reggae-Klänge konfrontiert, die man so auch nicht erwartet hätte. Zudem klingen die dreizehn Songs vereinzelt rockiger und hier und da eine Spur straighter als bei den Strokes, aber auch versierter und verspielter kommen sie daher.
Insgesamt ist ¿Cómo Te Llama? ein grundsolides Album, bei dem man sich allerdings fragen muss, ob das wirklich Beachtung finden würde, wenn es nicht vom Gitarristen der Strokes wäre und sein Vater vor Jahrzehnten nicht mit It Never Rains In Southern California einen Hit gelandet hätte. Dennoch ist es auf jeden Fall ein sehr interessantes Werk, das in Songs wie GfC und Victory At Monterey mit eingängigen Hooks punkten kann und mit der Ballade Feed Me Jack Or: How I Learned To Stop Worrying And Love Peter Sellers zu einem abgerundeten Ende kommt. Aber reicht das? Ich jedenfalls setze dann doch eher auf ein hoffentlich bald erscheinendes neues Album der Strokes.
Review: Axel Schinkel
Erscheinungsdatum: 04. Juli 2008 Label: Rough Trade
Website: www.alberthammondjr.com Myspace: www.myspace.com/alberthammondjr
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Statistisch gesehen scheint die italienische Band Eveline mit 569 Hörern und gerade mal 1132 Plays auf last.fm immer noch deutlich dem Underground anzugehören. Und das obwohl mit Waking Up Before Dawn bereits das zweite Werk von d.m., l.x., l.b. und t.o. vorliegt. Die vier Herren, die sich hinter ihren Initialen verstecken, brauchen sich dabei gar nicht vor der Öffentlichkeit zu scheuen. Das Quartett aus Bologna versteht es die besten Prog-Rock-Elemente der Siebziger (und wenn ich die besten sagen, meine ich die allerbesten! Denn normalerweise läuft mir bei klassischen Prog-Veröffentlichungen ein kalter Schauer über den Rücken.) mit Alternative Pop, Cool Jazz, Indie Rock und obendrein einer wohl dosierten Prise elektronischer Spielereien zu veredeln. Den einzigen Fehler, den Eveline wohl begehen, ist die Tatsache solche melancholischen wie auch komplexen Lieder Mitten im Hochsommer auf die Welt los zu lassen. Trotz 30°C im Schatten weckt das dynamisch-produzierte Waking Up Before Dawn den Wunsch, die verstaubten Kerzen aus der Schublade zu holen, die Vorhänge zu schließen und statt des Ventilators die Heizung aufzudrehen. Eben alles zu tun, um voll und ganz in die dramatischen Ausbrüche und darauf folgenden sanften, ja, wohlig-warmen, Akustik-Einlagen einzutauchen, um sich in Nick Cave’scher Expressivität (s/t) zu verlieren und auch um Gänsehaut erzeugende Nummern wie Why Want U mit seinen psychedelischen Triphop-Anleihen vor dem grellen Tageslicht zu schützen. Und so träumen auch Eveline, begleitet von dramatischer Akustikgitarre, weiter vom dunklen Winter (Dreams of Winter).
Review: Katrin Reichwein
Erscheinungsdatum: 04. Juli 2008 Label: Sopot (ALIVE)
Website: www.eveline.org.uk Myspace: www.myspace.com/myeveline
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Es gibt Augenblicke, in denen es im Juli schon nach Herbst riecht, in denen einem eine warme Decke lieber ist, als ein Strandkleid und man eine ehrliche Umarmung einem Sommerflirt vorzieht. Genau so einen Moment trifft Songs In A&E. Unweigerlich drängt sich beim ersten Durchlauf des aktuellen Longplayers von Spiritualized der Gedanke auf, man habe im Titel das "Moll" vergessen. Strotzend vor Melancholie und Nachdenklichkeit, kreist das sechste Studioalbum der Briten um die Liebe und das Leben, um Vergänglichkeit und Abschiede. Und liefert zeitgleich jenen Trost, den man sucht, um von vorne anzufangen.
Vielleicht liegt es daran, dass Pierce die Tracks geschrieben hat, kurz bevor er mit einer Lungenentzündung ins Klinikum eingeliefert wurde, an der er fast verstorben wäre. Die Erfahrung, dem Sensenmann noch mal vom Schippchen gesprungen zu sein, scheint selbst den "Spaceman" nachdenklich zu stimmen, der sonst keinem Cocktail fragwürdiger Substanzen abgeneigt war. Eine derartiges Erlebnis mag andere dazu animieren, sich eine Dauerkarte in der ersten Reihe der heimischen Kirchengemeinde zu sichern und beim Hosianna lauter zu singen, als der Chorleiter persönlich. Jason Pierce dagegen inspiriert sie zu einem Album. Kurz betitelt mit Songs In A&E - "Accident & Emergency" - die Bezeichnung für die Notaufnahme in Großbritannien.
Wohl prägnantestes Ergebnis dieser bedrückenden Erfahrung ist Death Take Your Fiddle. Beatmungsgeräusche im Hintergrund und gedankenschwere Lyrics ziehen den Hörer hinein in eine beinah beklemmende Atmosphäre. Unterteilt durch kurze Harmonien - mal eingespielt durch ein Klavier, mal durch ein Akkordeon, mal choral gehalten - wirkt Songs In A&E trotz Streicherarrangements, Bläsersequenzen und Gospelchören dezent, fast verhalten. Wenn Pierce's Stimme bei Sitting On Fire fragil klingt wie chinesisches Porzellan, bekommt man gar Angst, jeder weitere Ton könnte sie zerbersten lassen.
Sie bricht nicht. Im Gegenteil. Vielmehr schwingt sie sich bei Songs wie I Got Fire oder Yeah Yeah zu energetisch rauen Höhenflügen auf. An Dylans Subterranean Homesick Blues erinnernd tauschen Spiritualized hier die sonst gewohnten psychedelischen Anleihen gegen feinste Blues-Elemente ein. Ein stetiger Wechsel aus Schwermut und Dynamik, der sich durch das gesamte Album zieht und in dem unbändigen Willen mündet, weiterzumachen. "I got a hurricane inside my veins and I wanna stay forever" - mehr muss man wohl nicht sagen.
Songs In A&E ist eine Form der Aufarbeitung, der Reflexion, an der Jason Pierce den Hörer teilhaben lässt. Ein Album, das persönlicher kaum sein könnte. Die Umarmung, die man sucht, die warme Decke, die man braucht, auch wenn es draußen 30°C sind, weil man weiß, dass der Herbst bereits auf leisen Sohlen im Anmarsch ist.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 27. Juni 2008 Label: Cooperative Music (Universal)
Website: www.spiritualized.com Myspace: www.myspace.com/spiritualized
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Hier kommen die Mazyfields und sie bringen den UK-Garagen-Sound für den Sommer. Ihr Debüt Where Sun Shine's Sold spielt nur so mit anglophilen Songstrukturen, die sich zwischen britischer Indie-Garage, Mod, Beat und Northern Soul-Gesangspassagen bewegen. Elf Songs im Drei-Minuten-Format vermitteln das Gefühl von Freude und die Melodien und einprägsamen Refrains versprühen echte "Laissez-Faire-Urlaubs-Träumereien". Der Einstieg Where Sunshine's Sold On Markets verwöhnt mit Garagen-Beat-Schlagzeug und funky Offbeat-Gitarren. Das erinnert an sonnige Stunden im Strandcafé. Die Mazyfields scheinen auf jeden Fall ihren Ort an der Sonne gefunden und alle glücklichen Momente in Klang auf diese Platte gepresst zu haben. Mal erinnert das an The Jam, oder ans Café schlürfen mit Style Council. Auf jeden Fall ist Paul Weller und eine große Portion POP mit von der Partie. Das Fender Rhodes in Your Love erinnert an ein Konglomerat aus 60's Beat und Motown. Sicher ein Höhepunkt der Platte. Dazu gibt es sonnige und teils dylaneske Texte. Doch was immer wieder am meisten verwirrt ist diese Stimme, die verblüffend an Joel Stoker von den Rifles erinnert. Da muss man schon zweimal hinhören. Doch zuletzt fällt auf, dass die Rifles in Sachen Stimme und Twang eine große Portion mehr liefern. Dennoch: In Sachen Leichtigkeit und Sommermelodien kommen die Mazyfields den Londonern schon sehr nah. Und das ist ein echtes Kompliment. Aber wir wollen hier keine unfairen Vergleiche ziehen. Denn jetzt kommt die größte Überraschung: Nach so vielen Reminiszenzen denkt jetzt wahrscheinlich jeder an eine neue Band aus Brighton oder Sheffield. Aber falsch! Die Mazyfields kommen aus Frankfurt! Nicht wahr!? Doch! Und ich habe selten eine deutsche Band gehört, die so britisch und modernistich daherkommt. Relax Mr. Having A Good Time. Diese Platte ist Paisly und ein Glückshormon in Sachen POP.
Review: Marc Philipp Meyer
Erscheinungsdatum: 27. Juni 2008 Label: Firestation Records (ALIVE)
Website: www.mazyfields.de Myspace: www.myspace.com/mazyfields
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Placebos Mann am Viersaiter Stefan Olsdal macht jetzt in Dancepop. Zusammen mit den Latinboys David Amen und Javier Solo will der große Schwede den Dancefloor revolutionieren. Mit ihrem Debüt In The Clouds sorgen Hotel Persona allenfalls für leere Tanzflächen. Tracks wie Apocalypse, Fight For Love und The Fantastic One sind überladen mit einer Fülle an verzerrten Gitarren und poppigen Beats. Schafft man es überhaupt zum zweiten Track Fight For Love stolpert man über schlechten Sprechgesang, 90er-Jahre-Eurotrash-Bass und einen cheesy Boyband-Refrain, der die Tappas wieder hochkommen lässt. Vielleicht mögen sich die Beine des Zuhörers, wie von Olsdal und Freunden angedacht, bewegen, das aber höchstens in Richtung Flucht. Wenn man nicht schon jetzt über die Umbuchung des nächsten Spanien-Urlaubs nachgedacht hat, dann doch bitte, wenn einem Textzeilen wie "Say you love me and break the silence in any language./ Don't keep me waiting, I need your tenderness." (Addicted) entgegen schallen. Bei der Electro-Ballade To The Light (spanisch: Quiero Volar), die mehr Italo-Pop als Electro ist, fragt man sich vollends, ob In The Clouds ein schlechter Witz sein soll. Das Lachen bleibt spätestens im Halse stecken, als auch noch Pin Up Samantha Fox ihr eigens 80er-Jahre-Top-10-Verbrechen Touch Me trällert. Und auch der spanische Superstar Miguel Bosé (Cada Día) kann gar nichts mehr retten. Einziger Lichtblick: Modern Kids featuring Placebos Brian Molko. Ein Lichtblick nur auf Grund Molkos gewohnt guter Gesangsleistung. Stimmverzerrer und Osldal am Mikro machen den einigermaßen erträglichen Ansatz wieder zu Nichte. Man sollte es kaum glauben: Die spanische Version des Albums En Las Nubes toppt das Ganze übrigens noch dank breitem Akzent in seiner billigen Grausamkeit. Die Prädikate Placebo, Olsdal und Molko stehen hier ganz und gar nicht für Qualität. Absolut verzichtbar.
Review: Katrin Reichwein
Erscheinungsdatum: 27. Juni 2008 Label: edel Records (edel)
Website: www.hotelpersona.com Myspace: www.myspace.com/hotelpersona
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Look See Proof, das sind vier junge Burschen aus Hertfordshire, die mal extrem nach Sheffield klingen und seit ihrem knapp zweijährigen Bestehen schon fünf Singles in den UK-Indie-Charts verbuchen konnten. Respekt, nur das klingt auch nach der zigsten best-gehyptesten New-Wave-Of-British-Indie-Durchstarterband. Aber ist das schlimm? Nein! Denn Look See Proof haben nicht nur das Flair der Arctic Monkeys oder Little Man Tate und gewiefte Gitarrenriffs auf höchsten Schrammelniveau vorzuweisen; sie haben auch eine geballte Wundertüte voller durchgedrehter Experimentierfreudigkeit und Spielfreude mit im Gepäck.
Das klingt viel versprechend? Ist es auch. Denn dieses Debüt erfordert Fußakrobatik und begeistert schon mit dem ersten Song You Don't Get It. Die Rhythmik der Gitarren und der Drums ergänzen sich perfekt. Die Harmonien sind hochinfektiös, die Melodien verspielt und die Gesänge mehrstimmig. Und das ist der große Bonus von Look See Proof: Alle vier Bandmitglieder singen und hauen uns rotzfrech neben einer Ladung an Chören, euphorische Gesangs-Dialoge im feinsten englischen Slang um die Ohren. The Twang lassen grüßen. Womit die Arctic Monkeys anfangs am meisten überraschten, das war dieses unglaublich frische und abwechslungsreiche Zusammenspiel. Eine ähnliche Spielfreude spürt man auch bei Look See Proof. Kein Wunder, denn die Gebrüder Sells an Bass und Gitarre holten sich gleich ihre besten Mates ins Boot. So wird der erste Eindruck mit dem zweiten Track Casualty noch übertroffen. Frei nach dem aktuellen Indie-Rezept: Offbeat-Shuffle-Beat zu Single-Note-Gitarren, die sich im Zick Zack die Töne reichen. Dazu kommen die jugendlich-frechen Lyrics, voller witziger Stories und einer geballten Ladung Frust im Bauch. Ein tolles Beispiel dafür ist auch das wirklich schlaue Video zu Casualty. Was bei Look See Proof überzeugt, ist das Teamwork: So heißt der Produzent dieses Videos ebenfalls Sells mit Nachnamen.
Wer jetzt denkt, dies sei zu viel Lobhudelei, der sollte sich ohne Discussions von diesem Song überzeugen lassen. Eine feine Zwei-Minuten-Punk-Hymne, bei der man dem Singalong schwer widerstehen kann. Ob Look See Proof nun besser sind als die Harrisons oder fast so gut wie die Arctic Monkeys ist ganz egal und überhaupt nicht wichtig. Natürlich werden es Look See Proof schwieriger haben, da sie nicht auf der aktuellsten The-Ting-Tings-Welle schwimmen, aber das ist auch nicht wichtig. Wichtiger ist, dass diese Burschen weiter so gute Songs im Stil von Local Hero mit einer derartigen Leichtigkeit raus hauen. Denn überzeugend ist dieser Spirit der Band, der Look See Proof zu absolut hoffnungsvollen Newcomern macht. Also? Einmal hingeschaut, genauer betrachtet, auf den Prüfstein gelegt und für nahezu hinreißend befunden!
Review: Marc Philipp Meyer
Erscheinungsdatum: 20. Juni 2008 Label: Weekender Records (Indigo)
Website: coming soon... Myspace: www.myspace.com/lookseeproof
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Das Gift ist wieder da und I Am Kloot präsentieren mit Play Moolah Rouge ihr wenn nicht sogar großartigtstes Album überhaupt. Warum? Einfach weil dieses Album Dich so fesselt. Weil es düster ist und nicht depressiv, weil es psychedelisch ist und nicht vertrackt und weil es eine Message hat, die vom ersten bis zum letzten Ton rüberkommt. So ist das Album dem 2006 verstorbenen Manchester-Kollegen und Singer/Songwriter Bryan Glancy gewidmet, dem die Band sehr nah stand. Die Texte auf Play Moolah Rouge, dessen Name dem Stockporter Tonstudio in dem es aufgenommen wurde gewidmet ist, drehen sich um das Thema Verlust, Enge und Verzweiflung. Dieses Album ist ein düster-verführerischer Trip durch die Nacht. Es ist I Am Kloots Dark Side Of The Moon!
Und das nicht nur aufgrund der textlichen Parallelen, denn schon Pink Floyds The Dark Side Of The Moon war dem schmerzlichen Verlust eines Freundes (dem damaligen Bandmitglied Syd Barrett, der aufgrund seiner Psychose nicht mehr in der Band spielen konnte) gewidmet. Was die beiden Platten ebenfalls verbindet, ist dieser gewisse düster und verträumte Mythos. I Am Kloot gelingt es 2008 auf ihrer neuen Platte ebenso, wie Pink Floyd damals 1973, seinen Hörer von Anfang an zu fesseln und ihn auf eine musikalische Reise zu entführen. Was ebenso begeistert ist die Dynamik und die Nähe, welche auf der neuen vierten Langspielplatte der Mancunians herrschen. Und das nicht zu Unrecht! Sänger und Gitarrist Johnny Bramwell war überzeugt, dass das Feeling seiner Band live besser herüberkommt, als auf Platte. So beschloss das Trio Play Moolah Rouge in wenigen Tagen live im Studio in einem Rutsch einzuspielen. "Wir haben die Aufnahmen wie einen Gig betrachtet", erzählt Johnny. Die Namensgebung der Platte ist also Programm, denn der Titel klingt schon wie an angekündigter Gig. So kommt das Album als authentisches Konzept daher.
Genau diese Authentizität ist hier Trumpf. Diese Platte ist ehrlich und der ganz besonders eigene Stil der Band unüberhörbar. Verfeinert wird dies teilweise mit feinen Reminiszenzen, die stellenweise an Pink Floyd, die Beatles oder an die James-Bond-Filmmusik eines John Barry erinnern. Allein aufgrund der traumschönen Ballade Only Role In Town lohnt sich diese Platte. Bei diesem rührenden Schwermut durfte mancher Songschreiber erblassen und das zu recht. Suddenly Strange hätte sich nahezu auf einer alten Pink-Floyd-Scheibe wieder finden können und immer wieder kann man auch John Lennon im Songwriting heraushören. So hätte Lennon Runaways selbst schreiben können. Und dies behauptet ein großer Lennon-Fan, der ebenfalls auch Pink Floyds Dark Side Of The Moon liebt. Also ziehe ich meinen Hut vor diesem Album und lasse mich auf diesen Trip durch die Nacht entführen!
Review: Marc Philipp Meyer
Erscheinungsdatum: 26. Juni 2008 Label: Pias (Rough Trade)
Website: www.iamkloot.com Myspace: www.myspace.com/iamklootmusic
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Zugegeben, Feeder rangierten bei mir, wie auch einem Großteil der breiteren Musikmasse, bis jetzt unter "ferner liefen". Sie waren immer irgendwie da, aber doch nicht automatisch im Gehörgang. Das erste was mir zu Feeder einfällt, wenn man mich fragt, ist leider in den wenigsten Fällen ein Song- oder Albumtitel, sondern die Tragödie von 2002, wo Ur-Drummer Jon Lee Selbstmord beging. Nach Einstieg von Ex-Skunk Anansie-Schlagzeuger Mark Richardson und spätestens nach der überzeugenden The Singles-Compilation von 2006 war aber klar, dass mit dem Trio weiterhin zu rechnen ist!
Wird ihnen mit dem neuen Album Silent Cry und nach frühen Supportshows für die Manic Street Preachers und die Red Hot Chili Peppers jetzt zumindest ein kleiner Durchbruch gelingen? Schwer zu sagen. Mit hymnenhaften Refrain in We Are The People legen Feeder zu Albumbeginn ordentlich vor. Die Gitarren braten was das Zeug hält, alles klingt nach Stadion und hoch hinaus. Produziert haben sie, bzw. Sänger und Hauptsongschreiber Grant Nicholas, nach Arbeiten mit u. a. Gil Norton und Stephen Street, dieses Mal selbst. Ob dies für das Endprodukt am Schluss die beste Idee war, darüber kann man streiten. Sicher, an Nicholas' Talent für eingängige Songs wird das nichts ändern, aber dennoch: an manchen Stellen wäre weniger vielleicht mehr gewesen. Wenn in Miss You und 8:18 die Streicher ausgepackt werden und ordentlich in der NewWave-Kiste gewühlt wird, wünscht man sich manchmal einfach etwas weniger Bombast und dicke Hose.
Dennoch, am Ende haben wir ein Album mit dreizehn vitalen Powerrocksongs, irgendwo zwischen 3 Colours Red, Therapy? zu Troublegum-Zeiten und Handsome: nicht wirklich Mainstream, dafür ist Silent Cry doch zu melancholisch, wenn auch textlich offener. Auf der anderen Seite sind Feeder auch nicht wirklich Indie oder Alternative, dafür lehnen sie sich produktionstechnisch zu weit aus dem Fenster. Alles in allem aber: gute Platte!
Review: Marco Pleil
Erscheinungsdatum: 20. Juni 2008 Label: Essential (Indigo)
Website: www.feederweb.com Myspace: www.myspace.com/feederweb
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Britpop made in Bavaria! Pardon Ms. Arden präsentieren uns mit Isn't That Too Much Of A Difference? bereits ihr zweites Album und wie schon auf dem Debüt I Bet You're Pardon Ms. Arden bietet das Trio aus München auch auf ihrem Nachfolger wieder eine ordentliche Portion Gitarrenrock in der Tradition großer britischer und schwedischer Bands. Vergleiche zu Bands wie The Kooks, Mando Diao oder The Rifles drängen sich zwar auf, aber bei allen Referenzen enthält das Album dennoch eine nötige Portion Eigenständigkeit.
Das Ergebnis sind 13 Songs mit Ohrwurmcharakter und dem richtigen Gespür für wunderbare Mitsing-Melodien. Den Anfang macht das tanzbare I Can't See The Point, der einen tollen Einstieg in das Album liefert und Lust auf mehr macht. Parallelen zu den oben genannten Referenzbands schleichen sich besonders bei Songs wie Last Song, See You At Home und Somewhere I Belong ins Ohr. So kommt Last Song wie ein sommerlicher Song à la Kooks daher, während See You At Home und Somewhere I Belong den Charme von Mando Diao versprühen. Und dies ist nicht als Vorwurf, sondern als Kompliment zu verstehen, denn Pardon Ms. Arden brauchen sich keineswegs hinter ihren Kollegen aus England bzw. Schweden zu verstecken. Weitere herausragende Tracks sind außerdem Lovesong, Walls und Blue Room. Das Schlusslicht des Albums bildet das sehr ruhige Annie Go Home.
Viel Neues gibt es zwar im Vergleich zum Debütalbum nicht zu hören und sicher hat das Album auch den ein oder anderen Schwachpunkt, aber dennoch ist den bajuwarischen Britpoppern ein überaus hörenswertes Zweitlingswerk gelungen. Charmant und ehrlich! Ein Album, dass einfach Spaß macht und den perfekten Soundtrack für den Sommer bietet.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 13. Juni 2008 Label: I Hate Music Records (Radar Music)
Website: www.pardonmsarden.de Myspace: www.myspace.com/pardonmsarden
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Von der auditiven Kunst hin zur pittoresken: Das Artwork des aktuellen Albums entliehen Coldplay dem Gemälde "La Liberté Guidant Le Peuple" von Eugène Delacroix, den ersten Teil des Titels dem gleichnamigen Kunstwerk Frida Kahlos. Viva La Vida Or Death And All Of His Friends - ein Albumtitel, der zu Interpretationen anregt. Geht es Coldplay mit ihrem Longplayer um die Konfrontation von Gegensätzlichkeiten oder um einen fortwährenden Kreislauf? Letzteres ist die wohl größte Befürchtung so manchen Hörers, dem nach dem enttäuschenden Vorgänger X&Y beim Namen Coldplay immer noch die Ohren klingeln.
Wir erinnern uns: Die Ära Coldplay begann mit dem großartigen Debüt Parachutes als perlmutartiger Geheimtipp, dann der Aufstieg in die A-Liga des Insulaner-Pop mit dem Nachfolger A Rush Of Blood To The Head. Ein Album, das es schaffte, die breite Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, ohne jedoch in den lieblosen Radio-Kommerz abzudriften. Eben diesen Abstieg legten Coldplay mit X&Y hin, zu der sich neben der Indie-Dorfjugend auch bügelnde Hausfrauen vergnügten, wenn Speed Of Sound durch den UKW-Äther geblasen wurde. Mit entsprechender Skepsis wartete man also auf Viva La Vida Or Death And All Of His Friends. Ein Unbehagen, dass sich schnell in Wohlgefallen auflöste, als die Band den braven Hörer mit der FreeDownload-Single Violett Hill beschenkte. Eine energiegeladene Pop-Perle par excellence, die Lust auf mehr machte.
Viva La Vida Or Death And All Of His Friends eröffnet mit einem schwungvollen Intro, aus dem man in Cemetries Of London hineinfällt. Ein Track, der Coldplay überraschend düster präsentiert. Der letzte Satz des Refrains "There's no light over London today" verhallt, ein Mini-Klavierarrangement setzt ein und löst eine Assoziation zu einem Original Music Score aus. Zehn Sekunden regentropfenartige Klänge, die den Hörer in das bittersüße Lost geleiten. Dann wieder der Spannungsbogen zu 42, das coldplaylike balladesk beginnt, sich im weiteren Verlauf dann aber zu einem druckvollen Energiebündel entwickelt. Ja, da haben wir sie also, die Gegensätze. Melancholie trifft auf Euphorie, Energetik auf bedrückende Schwere - textlich zumindest. Wo aber sind die wahren Highlights dieses Albums? Die sucht man (fast) vergeblich. Ist Violett Hill zwar ein herausragendes Stück, so hält Viva La Vida Or Death And All Of His Friends auf gesamter Länge jedoch nicht, was die Auskopplung verspricht. Hymnenhafte Refrains wie beim Titeltrack Viva La Vida, dem bereits erwähnten Lost oder Death And All Of His Friends sorgen zwar dafür, dass etwas im Ohr hängen bleibt, entwickeln sich jedoch nicht zu wirklichen Überfliegern.
Langweilig ist Viva La Vida Or Death And All Of His Friends trotzdem nicht. Mag die Zeit der großen Lamenti im Hause Coldplay auch vorbei sein, die Zeit zur Nachdenklichkeit haben sich Martin & Co. dennoch gelassen. Ein Album, das in gewisser Weise die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Band in sich vereint. Coldplay werden sich weiterhin ihre Chartsplatzierungen sichern: Durch Eingängigkeit und Catchiness - jedoch ohne in Belanglosigkeit oder Mittelmäßigkeit abzudriften.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 13. Juni 2008 Label: Parlophone (EMI)
Website: www.coldplay.com Myspace: www.myspace.com/coldplay
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Support von Kettcar. Support von The Hives. Support von Blood Red Shoes. Support von Bob Mould. Die Liste ließe sich ewig so weiterführen. Herrenmagazin aus Hamburg touren gerade mit jedem, der nicht bei drei auf den Bäumen ist. Was nicht zusammen passt, wird passend gemacht. Zudem adelt Kettcars Markus Wiebusch das Debüt Atzelgift als "Album, das jedes Versprechen hält". Die Punksozialisation der Bandmitglieder wehe durch alle Songs. "Spitzenproduktion, Spitzensongs", spricht der Grand-Hotel-Van-Cleef-Macher. Neben Wiebusch gehen auch Jan Müller (Tocotronic) und Ex-Blumfeld-Manager Oliver Frank, die Herrenmagazin prompt einen Platz in ihrem Verlag sicherten, dem Quartett auf den Leim. Plattenfirma Motor meint gar mit den Attributen 'auf deutsch' und 'aus Hamburg' Platten absetzen zu können. Wenn das schon reicht, um schwarze Zahlen zu schreiben, na dann Gute Nacht deutsche Plattenindustrie. Denn Atzelgift ist nicht mehr als Schülerbandniveau. Von wegen Spitzenproduktion. Das hier bekommt jede Lokalband, die schon seit zehn Jahren in schlecht-besuchten Jugendzentren auftritt, im heimischen Keller hin. Wie immer wieder im beiliegenden Waschzettel erwähnt wird, scheint einzig der Bekanntheitsgrad von Stadlobers Gary-Bandmate Rasmus Engler der wahre Grund für Verträge und Supportslots. Anders kann man Herrenmagazins momentane Omnipräsenz nicht erklären.
Die zwölf Songs von Atzelgift sind von musikalischer wie auch textlicher Schwermut in verzweifeltem Schrammel-Moll mit ordentlichem 3-Akkord-Rumms geprägt. Dass Stumpfsinn Stärke ist (1000 Städte) mag im Kosmos Herrenmagazin wohl ironisch konnotiert sein. Ironie und Sarkasmus bleiben dank billiger Produktion weitestgehend auf der Strecke. Auch wenn die Band auf lyrischer Ebene oft ganz weit vorne schwimmt (Der langsame Tod eines sehr großen Tieres), sollten Herrenmagazin weiter ihrem Spaß an "Hundefotos, Schnaps, Mist reden, lachen, mehr Schnaps" frönen, anstatt ihren verlorenen Glauben an die Menschheit zu vertonen. Das hatten wir nämlich schon alles in besser. Zum Beispiel von Musikern mit echter Punksozialisation, zwischen 1970 und 1980. Wie Kollege Pleil schon sagte: "Abhaken, bitte!".
Review: Katrin Reichwein
Erscheinungsdatum: 13. Juni 2008 Label: Motor (edel)
Website: www.herrenmusik.de Myspace: www.myspace.com/herrenmagazin
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Reunion! 2001 ging Tim Booth. Seit 2007 sind James wieder vereint und bringen in der Besetzung ihrer bekanntesten Platte Laid ein neues Album raus, dass förmlich umhaut! Das hier ist verführerische Popkunst. James sind zurück und vielleicht sind sie sogar besser denn je. Denn Hey Ma ist ein Killeralbum und ein nostalgisches Kaleidoskop aus Madchester und dem britischen Pop der 90er.
Das wird schon in den Liner Notes deutlich. Gewidmet wurde das Meisterwerk dem am 10. August 2007 verstorbenen Tony Wilson, Madchester-Ikone, Gründer des legendären Nachtclubs Fac 51 Haçienda, Chef des prägenden Labels Factory Records und Entdecker von James. Da ist es klar, wohin die Reise geht. Trompeter und Flügelhornist Andy Diagram ist wieder mit von der Partie und so klingt das umwerfende Waterfall wie eine Hommage an die alten Zeit der Rave-Vergnügung. Die heutigen James sind vielmehr ein Hybrid aus unbeschwertem Britpop ohne Größenwahn und süchtigem Madchester-Sound ohne Pillen-Schmeißer-Vibe. Was vorwiegend bleibt, ist sensible Melancholie und musikalische Größe. Der Opener Bubbles ist wunderbar dynamisch. Gleich zu Beginn hat man das Gefühl von harmonischen Melodien umarmt und wachgeküsst zu werden. Gewidmet ist dieser Song Booth's Sohn. Live gespielt haben ihn James zum ersten Mal ein paar Minuten nachdem sie von Wilsons Tot erfahren haben. Die Textzeile "I'm Alive" macht deutlich worum es geht. In jeder Hinsicht. Diese Platte berührt und lauscht man heute James oder ihren wunderbaren Nacheiferern The Twang spürt man, wie viel Leben noch in dieser Musik steckt. Aber was ist anders als früher? Man schaut sich allein das Cover an, das eine Debatte um eine Sperre bei Billboards auslöste. Dabei soll es doch wachrütteln; als allegorisches Cover gegen die aktuelle Jugendkriminalität in den UK. Doch, was ist da los? James waren nie politisch und haben sich immer davon entfernt. Aber nun? "Hey Ma, the boys in body bags coming home in pieces." Das ist starker Tobak der sieben Mancunians und eine knallharte Absage an den Terror und seinen Krieg zu Zeiten des Web 2.0. Frei nach dem Motto: "The beat of machines, of mobile phones and plasma screens, how much junk do I need in my life." Auf jeden Fall brauchen wir jetzt weiterhin so schöne Songs und ein paar mehr Deutschland-Gigs von James. Auch obwohl das von Brian Eno produzierte Album an wenigen Stellen latent bei U2 aneckt. Aber das ist eben Brian Eno. Dennoch: Hey Ma stieg sofort auf Platz 10 der britischen Albumcharts ein.
Bleibt festzuhalten: James trauen sich was und man spürt den wieder gefundenen freundschaftlichen Zusammenhalt der Band, der sich in den Sounds faszinierender Popkunst widerspiegelt. Of Monsters & Heroes & Men beweist dies in seiner sagenhaften Schönheit. Mit einer Stimme von Tim Booth, wie sie besser noch nicht war. Das ist einfach toll und bei diesem Song fehlen mir die Worte. Alles was ich dazu sagen kann ist: Musik ist die schönste Sache der Welt und was für ein Glück, dass sich James wieder vereinigt haben. Hoffentlich kommen sie jetzt mal öfter nach Deutschland. Oh My Heart, was für ein Album!
Review: Marc Philipp Meyer
Erscheinungsdatum: 06. Juni 2008 Label: Mercury Records (Universal)
Website: www.wearejames.com Myspace: www.myspace.com/jamesisnotaperson
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Es ist erst eineinhalb Jahre her, als The Fratellis mit Costello Music ein Hit-an-Hit-an-Hit Album ablieferten, das zu recht in höchsten Tönen gelobt wurde. Nun lassen sie ihr zweites Werk Here We Stand folgen, mit dem sie sich eigentlich vom Mitgröhl-Sound verabschieden wollten. So ganz gelungen ist das nicht. Zum Glück! Laut Aussage von Frontmann Jon Fratelli ist den drei Schotten ihr Debütalbum mittlerweile etwas fremd geworden. "Heavier" wollen sie klingen, ernster, man könnte auch sagen erwachsener. Fraglich ist nur, wie das funktionieren soll bei einer Band, die von ihrer jugendlichen Attitüde lebt und auf dem Debütalbum das Lebensgefühl trinkender Mitzwanziger vertont hat. Augenscheinlichste Veränderung ist die Abnabelung von Produzent Tony Hoffer, denn das zweite Album haben die drei in Eigenregie produziert. Das Ergebnis des Selbstversuchs kann sich durchaus sehen lassen, obwohl oder vielleicht gerade weil Anspruch der Band und Wirklichkeit doch recht weit auseinander klaffen.
Here We Stand ist ein sehr stimmiges Werk, an dem vor allem die stärkere Hinwendung zum Sound der 70er gefällt. Die Hits kommen nicht mehr so roh und direkt daher, sondern wollen erst beim zweiten und dritten Anhören als solche wahrgenommen werden. Auffällig ist vor allem, dass The Fratellis an einem neuen Instrument gefallen gefunden haben, dem Piano, das sich in nahezu jedem Song wieder findet. Davon abgesehen bleibt alles beim Alten. Gute Laune, schlichte Texte, eben genau der richtige Sound für eine feuchtfröhliche Party. Besonders der Opener My Friend John sowie Shameless und Tell Me A Lie können überzeugen. Der Rest des Albums wird proportional zum steigenden Bierkonsum ebenfalls besser und besser. Über die maßlose Selbstüberschätzung und Vergleiche wie etwa mit The Who sollte man am besten einfach milde lächelnd hinwegsehen. Here We Stand ist sicher kein Anwärter auf einen Platz in den Jahres-Top 5, aber ein Album, das viel Freude bereitet.
The Fratellis machen einfach den etwas anderen Stadionrock - Die Musik der Band wird sicher niemals ganze Stadien füllen. Aber abgefüllte Fußballfans werden bald von Chelsea Dagger auf Shameless umsteigen, und so Woche für Woche die Stadiontauglichkeit der Fratellis unter Beweis stellen. Das muss den drei Schotten erst einmal jemand nachmachen.
Review: Andreas Kussinger
Erscheinungsdatum: 06. Juni 2008 Label: Island (Universal)
Website: www.thefratellis.com Myspace: www.myspace.com/littlebabyfratelli nach oben
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"Sie sind jung, sie sehen gut aus und sie haben ein astreines Albumcover" so heißt es in der Presseinfo. Die Rede ist von The Rocks aus London, die uns mit ihrem Debütalbum Letters From The Frontline eine energiegeladene Rock 'n' Roll-Bombe bescheren. Mit der Arroganz und Coolness der Strokes und der Melodieverliebtheit von Mando Diao schaffen es die fünf Engländer den Kreis zwischen den beiden großen Retro-Rock-Ikonen zu schließen.
Der Titeltrack schafft es gleich zu Beginn des Albums zu zünden und besticht in bester Strokes-Manier durch seine treibende Dynamik. Der nachfolgende Track The Game Is Up steht dem Opener in nichts nach und rockt energetisch geradeaus in Richtung Borlänge, so dass man die Fäuste gen Himmel reißen und einfach losrocken möchte. Doch The Rocks können uns nicht nur vorwärts gerichteten Rock 'n' Roll um die Ohren brettern, dass es im Gehörgang nur so scheppert. Vielmehr bestechen sie mit einer Vielfältigkeit aus rockigen Nummern, Midtemposongs und wunderschönen Balladen und das auf durchaus hohem Niveau. Dabei setzen The Rocks auf schrammelige Gitarrenriffs, eingängige Melodien und dem rauem Gesang von James Taylor, der auch gerne mal durch weibliche Backingvocals von Rhythmus-Gitarristin Sarah Bacon unterstützt wird. Streicher dürfen auf diesem Album allerdings genau so wenig fehlen, wie ein schräger Schreigesang (Screamers) und auch das Piano kommt zum Einsatz wie bei der wunderschönen Herzschmerzballade Time To Leave, die so mancher Frau die Tränen in die Augen treibt, wenn James Taylor fast weinerlich ins Mikrophon "I Miss You" singt. Ein sehr starker Song des Album ist die leicht 60s-angehauchte Halbballade Tearjerker, die sich sofort im Gedächtnis festsetzt und von der ersten bis zur letzten Sekunde zu überzeugen weiß.
Eins steht fest: The Rocks haben nicht nur ein astreines Albumcover, sondern auch einen astreinen Sound, mit dem sie durchaus an vorderster Front mitkämpfen können. Eine Band, von der man hoffentlich noch mehr hören wird!
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 30. Mai 2008 Label: Weekender Records (Indigo)
Website: www.therocks.org.uk Myspace: www.myspace.com/therocks
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Der Godfather of Britpop, der ewige Mod, der "Ober-Killer-Style-Pachter" und wenn nicht sogar der beste und brillanteste Musiker Großbritanniens nach John Lennon ist 50 Jahre alt geworden und hält mit seinem neuen Album die britische Fahnenstange weiter ganz nach oben. Was für ein Traum! Auf 22 Dreams darf man gleich 21 Mal träumen. Der letzte Traum steckt im Konzept. Ja genau, Paul Wellers neue Platte ist ein Konzeptalbum geworden. Ein Kaleidoskop aus 40 Jahren Musikgeschichte. Der "Changingman" macht seinem Namen alle Ehre: Denn Weller hat nie Musik in Schubladen gesteckt, sondern vielmehr hat er sie geschlossen. Dieses neunte Studioalbum ist voller experimenteller und kunstvoll gestalteter Klangfarben aus Rock, Funk, Soul, Free Jazz, Klassik, Spoken Word, Electronica und Avantgarde. 22 Dreams ist Kunst! Eine 70minütige Odyssee.
Reminiszenzen gibt es viele und sie reichen, wie man es bei Weller kennt, von den Beatles, den Kinks, den Small Faces über Mod-Soul und Folk bis zum authentischen Modern Rock'n'Roll, der besonders auf As Is Now so begeistern konnte. Doch was heute überrascht und überzeugt, ist die Experimentierfreudigkeit. Mal typisch welleresk und manchmal auch ganz anders als vermutet: So trifft mit 111 ein Stück Avantgarde auf den fast schon manieristischen Song God, der vom früheren Ian-Brown-Gitarristen Aziz Ibrahim gesprochen wird. Ein wahres Statement. Wellers neue Platte ist durchdacht, wie keine zuvor. Sie ist ein Soundspiegel seiner bisherigen Werke. Auf 22 Dreams zitiert Weller sich selbst: So hätte Empty Ring auch auf Wild Wood erscheinen können und die erste der Doppel-A-Single Have You Made Up Your Mind? klingt wie ein Hybrid aus der Stanley Road und Motown. Ergänzt wird die Single durch den Killertrack Echoes Round The Sun, der den Höhepunkt des Albums liefert. Hier treffen 60er-Jahre-Psychedelia und 90er-Jahre-Britpop auf einen "John-Barry-James-Bond-Score". Da verwundert es nicht, dass Oasis-Mastermind Noel Gallagher und Gem Archer Gitarren und Ideen beigesteuert haben. Auch die Liste der hochkarätigen Gastmusiker auf diesem Album ist ein Traum. Neben Noel und Gem sind Graham Coxon bei der Jazz-Ballade Black River, Little Barrie beim Titelsong und Folkgitarrist John McCrusker beim Blues-Opener Light Nights vertreten. Die meisten Songs allerdings hat Weller zusammen mit Steve Cradock eingespielt und mit Simon Dine produziert.
Beweisen muss Paul Weller sich nichts mehr. Erst 2006 wurde er für seine "Outstanding Contribution to British Music" mit dem höchsten Preis der britischen Musikindustrie ausgezeichnet. Doch damit nicht genug: Dieses Mal wollte er etwas ganz Spezielles zaubern. Das ist ihm gelungen. 22 Dreams ist eine Soundreise durch 32 Jahre Wellerkunst. Ein sound-, und auch ein sujetorientiertes Konzeptalbum. Die 21 Songs erzählen musikalisch, wie textlich die Erfahrungen eines Jahres im Wandel der Jahreszeiten. Bewusst konzipierte der Modfather 22 Dreams als musikalische Zeitreise in verschiedenste Welten und Stimmungen. Diese Platte hat mit Light Nights seinen Anfang und Night Lights sein psychedelisches Ende. Beide Songs bilden den Zyklus eines Jahres. Dazwischen steckt ein musikalischer Traum. Während As Is Now ein unerreichter "Live-im-Studio-eingespielt-Kracher" war, ist 22 Dreams ein echtes Kunstwerk, dass den Hörer herausfordert, sich intensiv mit seinem kunstvollen Gehalt auseinanderzusetzen. Es ist das Geburtstagsgeschenk eines großartigen Künstlers an sich selbst. Da kann man nur gratulieren!
Review: Marc Philipp Meyer
Erscheinungsdatum: 30. Mai 2008 Label: Island (Universal)
Website: www.paulweller.com Myspace: www.myspace.com/paulweller
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Was schmeißen uns die Briten denn da schon wieder für eine Bombe über den Kanal? Während hierzulande der letzte Platz beim Eurovision Song Contest (im Übrigen punktgleich mit Großbritannien erreicht) noch nicht ganz verdaut ist, stoßen The Ting Tings im vereinten Königreich mal eben im Vorbeigehen Madonna vom Thron der Single-Charts und legen, wie selbstverständlich, eine Woche später mit dem Album nach. Wieder einmal hat eine Band, wenn man der britischen Musikpresse Glauben schenken mag, im Alleingang die Popmusik neu erfunden. Nun ist We Started Nothing auch in den deutschen Plattenläden erhältlich.
That's Not My Name, die No. 1 Single des Duos Katie White/Jules de Martino, ist dem hiesigen Indievolk schon seit Monaten bestens bekannt. Kein Clubabend vergeht, an dem der DJ nicht irgendwann diesen Tanzflächen-Selbstläufer auflegt. Der Song wurde im vergangenen Jahr schon einmal in Eigenproduktion als Vinyl-Single veröffentlicht und entfachte eine regelrechte Hysterie unter den Plattenfirmen. Einige Monate später kann nun, mit Major-Plattenvertrag in der Tasche, der geordnete Angriff auf die Popwelt erfolgen. Und wie haben Mrs. White und Mr. de Martino das ganz alleine hinbekommen? Die mittlerweile etwas märchenhaft ausgeschmückte Band-Biographie erzählt von einem nordenglischen Mädchen, aufgewachsen auf einem Bauernhof nahe Manchester, das einen in London geborenen Kunststudenten trifft. Sie hört Girl-Bands und hat noch nie von den Smiths gehört, er ist trotzdem so überzeugt von der gemeinsamen Sache, dass er die Metropole zurücklässt und nach Manchester zieht. Nein, die beiden heiraten nicht, sondern setzen sich in die Scheune des Bauernhofs und schreiben Songs. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten (zunächst versuchen sie sich als Trio unter dem Namen Dear Eskiimo) entsteht schließlich die DIY Single That's Not My Name, und der Hype ist eröffnet. So einfach geht das wohl.
Das Debütalbum trägt nun den selbstironischen Titel We Started Nothing. Die Beiden wissen sehr wohl, was für eine Welle sie da losgetreten haben. Das Album beginnt mit den altbekannten Great DJ und That's Not My Name, zwei grandiosen Songs, die auch beim x-ten mal Hören nichts an Frische und Ohrwurmqualität eingebüßt haben. Beat und Melodie überzeugen, und besonders bei That's Not My Name ist man gefesselt von der nöligen Stimme Whites. Nach so einem Start erwartet man vom restlichen Album natürlich einiges, wenn nicht gar eine Sensation. Das folgende Fruit Machine kann nicht ganz mithalten, die Hoffnung auf ein meisterhaftes Album ist noch nicht zerschlagen, bis... Ja, bis man bei Traffic Lights angelangt ist, und man nicht glauben möchte, dass es sich um The Ting Tings handelt, nicht etwa um einen Werbe-Jingle für Müsli oder ein neues koreanisches Automodell. Schade, so einen Tiefpunkt hat die CD nicht verdient, denn danach geht's doch wieder deutlich bergauf. Shut Up And Let Me Go und Keep Your Head können wieder überzeugen, stehen aber recht deutlich im Schatten der Hits. Be The One und We Walk enttäuschen erneut, kann man als entspannte mid-tempo Songs aber noch so durchgehen lassen. Das ständige auf und ab setzt sich fort, denn mit Impacilla Capisung folgt noch einmal eine gelungene Nummer, die ein wenig an Stereo Total erinnert. Beim abschließenden Titelsong We Started Nothing, kann Katie White schließlich ihre Riot-Girl Qualitäten noch einmal voll ausspielen, und das Album bekommt gerade noch einmal so die Kurve. Damit erst gar niemand auf die Idee kommt, an den Song Hand anzulegen, liefern sie gleich selbst eine Albumversion ab, die wie ein Remix klingt.
Tanzbare Popsongs, die groß daherkommen, aber dennoch charmant "unperfekt" sind. Das ist die Stärke von The Ting Tings. We Started Nothing hat seine längen, ist aber dennoch ein Album, das Spaß macht und den ganzen Sommer über seinen Platz im CD Stapel neben der Stereoanlage verteidigen wird. Man muss es ja nicht durchhören.
Review: Andreas Kussinger
Erscheinungsdatum: 30. Mai 2008 Label: Red Ink (SonyBMG)
Website: www.thetingtings.com Myspace: www.myspace.com/thetingtings
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Pop ist ein schnelllebiges Geschäft heutzutage. Als Band muss man sich einiges einfallen lassen, um nicht schneller in der Bedeutungslosigkeit zu versinken, als man noch kurz zuvor auf dem Cover des NME gelandet ist. Um diesem Schicksal zu entrinnen, treten The Pigeon Detectives die Flucht nach vorne an und veröffentlichen nur ein Jahr nach dem Debüt nun ihr zweites Album mit dem Titel Emergency.
Die fünf Jungs aus Leeds haben 2007 mit ihrem Debütalbum Wait For Me einen durchaus respektablen Beitrag zum allgemeinen Indie-Pop Hype geliefert. Das Erstlingswerk schaffte den Sprung in die Top 3 der britischen Albumcharts und Songs wie Romantic Type oder I'm Not Sorry hört man immer noch gerne. Ziemlich genau ein Jahr später wagen sich The Pigeon Detectives an das verflixte zweite Album, das, wie die Vergangenheit zeigt, für Bands ebenso oft den künstlerischen Selbstmord wie den Weg Richtung Unsterblichkeit bedeutete. An den Rahmenbedingungen sollte es zumindest nicht scheitern, schließlich wurde mit Stephen Street einer der namhaftesten Produzenten Großbritanniens gewonnen, der bereits mit Größen wie The Smiths, Blur oder zuletzt den Babyshambles zusammengearbeitet hatte. Wie The Pigeon Detectives in den vergangenen zwölf Monaten überhaupt die Zeit gefunden haben, ein neues Album aufzunehmen, ist angesichts des vollen Tourplans ein Rätsel. Und tatsächlich wurde das gesamte Werk, vom Songwriting bis zum Aufnehmen, in nur drei Wochen zusammengeschraubt. Eine recht beachtliche Leistung, aber wichtiger als Quantität ist wohl zweifelsohne die Qualität des in Akkordarbeit entstandenen Werks. Zumindest die Vorab-Single This Is An Emergency ließ hoffen, dass die Erwartungen nicht enttäuscht werden. Da kann der Rest des 13 Songs umfassenden Albums leider nur bedingt mithalten. Im Großen und Ganzen eine Aneinanderreihung der immer gleichen Melodie, stets leicht abgewandelt und mit anderem (meist wenig anspruchsvollem) Text versehen. Ganz sicher nicht schlecht, das ist guter Gitarren-Pop, aber Originalität und Unbekümmertheit, die noch beim Debüt den großen Unterschied zur Masse ausgemacht hatten, bleiben leider auf der Strecke. Dabei wäre doch viel mehr drin, wie etwa I'm Not Gonna Take This, She's Gone und insbesondere das wunderbare You Don't Need It beweisen, die ebenso wie This Is An Emergency einen gewissen Wiedererkennungswert haben. Davon abgesehen wird leider nur Durchschnittsware abgeliefert und man bekommt das Gefühl nicht los, dass die Produktion als lästige Pflichtaufgabe angesehen wurde.
Schade, dass The Pigeon Detectives sich zu diesem Schnellschuss hinreißen ließen. Da wäre mehr drin gewesen als Mittelmaß. Aber etwas mehr als drei Wochen sollte man sich eben doch Zeit nehmen, um ein hervorragendes Album aufzunehmen.
Review: Andreas Kussinger
Erscheinungsdatum: 30. Mai 2008 Label: Cooperative Music (Universal)
Website: www.thepigeondetectives.com Myspace: www.myspace.com/thepigeondetectives
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Nachdem ihr Debüt Bravo! überall beste Kritiken bekam und sie letzten Sommer auf zahlreichen Festivalbühnen bewiesen haben, welche Live-Qualitäten sie besitzen, kommen Friska Viljor nun, auf den Tag genau 15 Monate nach ihrem ersten Album, mit Tour de Hearts daher. Hiermit knüpfen sie nahtlos an Bravo! an und werden bestimmt auch dieses Mal wieder mit überschwänglich großen Lobeshymnen zu rechnen haben. Noch größer sind dagegen allerdings ihre eigenen Hymnen. Jedes einzelne Lied ist ein wunderschöner Pop-Song mit Melodien, die jedem sofort ins Ohr gehen, um dort eine Zeit lang zu verweilen bis sie von der nächsten abgelöst oder gar übertroffen werden. Bestechend wie immer sind sie allesamt mitsing- oder mitgröltauglich, besitzen aber immer diesen melancholischen Unterton, der - neben den sporadisch einsetzenden Falsettchören und der Instrumentierung von Mandoline über Glockenspiel bis hin zu Bläsersätzen - den unverwechselbaren Sound von Friska Viljor ausmacht. Der Aufbau des Albums gleicht eins zu eins seinem Vorgänger und beginnt mit On And On, einem relativ ruhigen Song, der hauptsächlich von der Mandoline getragen wird und im Refrain durch einen Falsettchor und Glockenspiel glänzt – ein würdiger Nachfolger für Shotgun Sister, der auf Bravo! den Anfang machen durfte. Der zweite Song Old Man ist, wie es auch Gold auf dem Debüt war, die erste Single des Albums und haut uns nach dem ruhigen Anfang erst mal die Bläser um die Ohren. Auch das Ende erinnert sehr stark an Bravo!: Der vorletzte Song Sunday ist das Pendant zu Monday, der ebenfalls an vorletzter Stelle Platz nehmen durfte, und mit In The Nude kommt wiedereinmal ein ruhiges Lied, das das ganze Werk gekonnt abrundet. Also, was lernen wir daraus? Selbes Rezept – selber Effekt. Dennoch ist es absolut lohnenswert sich dieses Album zuzulegen, selbst wenn man bereits das Debüt im Regal stehen hat. Der einzige Unterschied, der sich aber nicht wirklich bemerkbar macht, ist die Tatsache, dass sie das Album dieses Mal angeblich nüchtern eingespielt haben. Na dann. Skål!
Review: Axel Schinkel
Erscheinungsdatum: 23. Mai 2008 Label: Devil Duck Records (Indigo)
Website: www.friskaviljor.net Myspace: www.myspace.com/friskaviljor
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Schon wieder 80er. Puh...das hatten wir doch schon bei The Feeling. Doch die Dänen zeigen auf ihrem zweiten Album, dass Popmusik eingängig sein kann, ohne dabei kitschig zu klingen. Ihr Ziel war es ein schmutziges und zeitloses Album aufzunehmen, das sein Herz am rechten Fleck trägt. So klingt There's Only So Much You Can Do nach einem "80er-Jahre-Garagen-Musical" mit einem Pfiff 60s Soul und tanzbaren wavigen Einlagen. Allein die Single Youniverse lohnt sich, denn sie kommt sympathisch ungezwungen daher und überzeugt mit einer Mischung aus Ohrwurmgesang, Tanzbeat und einem äußerst genialen und schmeichelnden Gitarrenriff im Stones-Sound. Diese Single ist für den Club und ihr solltet sie spielen. Doch was ist sonst los auf diesem dänischen Zweitwerk? Viel 80er Jahre, mit latenten Abschweifungen in neuere Elektro-Sounds á la Justice, teilweise schöne Harmonien und viel ambivalentes Gefühl. Der Song Ladys In The Eighties ist da Programm, denn nach einem tollen rhythmischen Einstieg verfällt der Song im Chorus im 80er-Jahre-Klischee. Schade. Und weiter? Teils, teils und teilweise auch ganz anders. So überzeugt Black mit tollen harmonischen Spielereien und spritzigem Kolorit. Ein wenig schafft dieser Song sogar Reminiszenzen an den Mersey Beat und da geht mir ja das Herz auf. Aber hier geht es ja nicht um den Rezensenten. Also: Summa Summarum überzeugen The Alpine mit flotten Melodien voller auditiver Entziehungslosigkeit. Das auf dem Album verwendete alte Piano verleit den Songs einen tollen rauen Sound und Produzent Cliff Norrell, der schon für The Police, REM und Weezer an den Reglern schraubte, verleiht der Platte seinen letzten Pfiff. So liefert The World's Best Collegue nicht nur einen flotten Text, sondern auch ein duftes Soundspagat. Ganz großes Ohrenkino bietet auch How To Wing It, bei dem sich nette Keyboardflächen und ein Kinderchor die Hände reichen. Das klingt wie ein kleines "Garagen-Musical" mit überzeugendem Gitarrensound. Besonders witzig wird es mit dem Special Bonus Track und dem Bonnie-Tyler-Cover Total Ecplipse Of The Heart im Tanzformat. Dieses Zweitwerk haut nicht um, aber kann reinhauen…beim wiederholten Hören.
Review: Marc Philipp Meyer
Erscheinungsdatum: 23. Mai 2008 Label: Exzess Berlin (Rough Trade)
Website: www.thealpine.dk Myspace: www.myspace.com/thealpinepop
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Nachdem das Debüt Twelve Stops And Home noch als echtes Wohlfühlalbum mit tricky Harmonic-Arrangents im "80er-Jahre-Pathos-Ohrwurmpaket" daher kam, ist das neue Album von The Feeling ein schreckliches "80er-Jahre-Kaleidoskop". Denn hier ist alles aus den 80er Jahren verbraten worden, was heute nur noch nervt. Doch das Schlimmste daran ist, dass The Feeling Experten in Sachen Eklektizismus geworden sind. Denn hier wird aus allen möglichen Musikstilen und von den bekanntesten 80er-Jahre-Kapellen zusammengeklaut. Das kann man leider nicht mehr anders sagen und das klingt dann auch nicht mehr nach Supertramp, 10cc und Elo, sondern wie eine verrückte "80er-Jahre-Achterbahn" auf Koks. Und das ist schade, denn das Debüt war wirklich gut. Sehr gut! Doch: Die Single I Thought It Was Over klingt wie Together In Electric Dreams in der Version von Philip Oakey und Gergio Moroder. Dazu paaren sich Metalgitarrenriffs, die nach Transistor und Dose klingen mit einem Discobeat. Frei nach dem Motto, egal was der Song braucht, wir packen mal den Discobeat drunter, denn das ist ja grad so hip. Doch dieses Album ist alles andere als hip. Es ist ein Abklatsch langweiliger 80er-Jahre-Musik fürs Formatradio. Und weiter geht's in Sachen Eklektizismus und Ideenklauberei: Won't Go Away klingt wie Konglomerat aus Bowies Modern Love und Kenny Loggins Footloose. Und Join With Us klingt wie die Prinzen, die sich nach einem Elton-John-Workshop entschieden haben doch nach Metallica zu klingen. Und The Feeling schaffen es dann auch noch, das gewollt mit einem 60er-Jahre-Flair zu verbinden, der in einem Brian-May-Solo und im Queen-Gedöns endet. Da wundert es nicht mehr, dass The Feeling vor ihrem Durchbruch mit ihrem netten Debüt als Coverband in den Alpen zusammenspielten. Aber wie sagt man doch so schön: Wer Tanzmusik macht, verkauft seine Seele. Ein Gefühl mag bei dieser Platte von The Feeling jedenfalls nicht aufkommen. Schade! Aber dennoch: Einige Songs wie This Time sind besser als das Formatradio. Immerhin. Doch wer auf ein "80er-Jahre-Mainstream-Mucke-Kaleidoskop" steht, der sollte sich das Album sofort kaufen. Anyway...
Review: Marc Philipp Meyer
Erscheinungsdatum: 16. Mai 2008 Label: Island (Universal)
Website: www.thefeeling.co.uk Myspace: www.myspace.com/thefeeling
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Wow! "ANTI-Kriegs-Immigranten-POP" (in genau dieser Schreibweise!) informiert mich der weise Promowaschzettel. Ein ordentliches Etikett, was man sich da auf die eigenen Fahnen schreibt, denke ich mir noch als ich die CD in den Player schiebe. Das Erste, was ich mich gleich zu Beginn frage, ist: Habe ich mein Gerät auf "random" gestellt oder welche Band mit ein bisschen Feingefühl für Songreihenfolge beginnt ein Album mit einer musikalischen Schlaftablette wie The Blue Distance? Bevor ich weiteres hinterfragen kann, muss ich leider feststellen: es wird nicht wirklich besser. Die große politische Aussage ist leider viel zu schwer für die vier schmalen Schultern der internationalen (ein Inder, Mexikaner, Vietnamese und ein Engländer) Band aus Los Angeles. Die Produktion ist kraftlos, dünn und selbst der Lo-Fi-Charme ihrer selbsternannten musikalischen Eckpfeiler Pavement und Guided By Voices zündet hier nicht. Was fehlt ist eben genau das, was die großen Vorbilder, trotz niederer Produktionsbedingungen, auszeichnet: der große Popmoment, die Hookline, die musikalischen Brüche, der Song der dich packt, auch wenn man(n) desöfteren RobertPollard-like am guten (Gesangs-)Ton vorbeisegelt. Angeblich haben sich The French Semester nach einem Studienbesuch ihres Gitarristen in Paris benannt. Wenn man sich überlegt, was man im Land der Liebe in drei Jahren so alles anstellen kann, klingt das hier wie Sex mit Gummi: gefühllos und ANTI.
Review: Marco Pleil
Erscheinungsdatum: 16. Mai 2008 Label: Beyond Your Mind (Cargo Records)
Website: www.thefrenchsemester.org Myspace: www.myspace.com/thefrenchsemester
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Death Cab For Cutie gehören trotz Majordeals zu den ewigen Indie-Protagonisten. Die Jungs von nebenan, die anstelle der hohen Chartsplatzierung eher den einzelnen Musikfreund zu fokussieren scheinen, um eben diesen mit melancholisch-schönen Songs glücklich zu machen. Musik zum Liebhaben eben, die sich jenseits der herkömmlichen Vermarktungsmaschinerie bewegt. Fast macht es den Anschein, als hätte das Quartett aus Seattle Angst, sich in die erste Reihe des Indie-Pop zu spielen. Dabei hatten die Mannen rund um Sänger Ben Gibbard mit ihrem Vorgänger-Album Plans doch bewiesen, dass sie durchaus über das Potential zu kleinen Hits verfügen. Marching Bands Of Manhatten, I Will Follow You Into The Dark oder Soul Meets Body waren schon dicht gestrickte Ohrwürmer. Narrow Stairs dagegen kehrt eben jener Eingängigkeit den Rücken zu.
DCFC präsentieren sich mit Narrow Stairs ein Quäntchen zackiger, kerniger als auf Plans. Natürlich sind die Vier ihren charmanten Popmelodien treu geblieben - viele Pianoklänge, weiche Gitarrenarrangements und melancholisch versponnene Textpassagen wie bei dem bittersüßen Grapevine Fires oder der traurig ernüchternden Ballade The Ice Is Getting Thinner - allerdings klingen Death Cab For Cutie insgesamt ein wenig sperriger. Bereits im Opener Bixby Canyon Bridge erwarten den Hörer scheppernde Drums und verzerrergeschwängerte Gitarrenwände, die sich gegen Ende des Tracks bedrohlich auftürmen, wie Gewitterwolken an einem schwülen Hundstag im August. Die Abkühlung folgt postwendend: I Will Possess Your Heart braucht satte viereinhalb Minuten, um überhaupt aus den Puschen zu kommen. Ein Mix aus Bassläufen und Pianoarrangements nudelt schier endlos vor sich hin, bis endlich der Ben Gibbards Gesang einsetzt. Spätestens an dieser Stelle drängt sich die Frage auf, ob Death Cab For Cutie Kunst über Kommerz stellen, sich vehement jeder herkömmlichen Vermarktungsmöglichkeit entziehen wollen und aufgrund dessen einen derartigen Track als Singleauskopplung auserkoren haben oder ob es sich um die Angst vor der eigenen Courage handelt. Beides wäre denkbar.
So klingt Narrow Stairs trotz seiner Kantigkeit dezenter als der Vorgänger Plans. Dezenter in dem Sinne, als habe man sich bewusst gegen die Radiotauglichkeit entschieden und jeden potentiellen Hitcharakter in den Songs bereits im Keim zu ersticken versucht. Vielleicht war der Schreck über den plötzlichen Erfolg von Plans doch ein wenig zu groß. Ja, man möchte die Jungs fast knuddeln in ihrer schüchternen Zurückhaltung. Genau hier liegt allerdings auch der Hund begraben, denn einige Highlights hätten diesem Album sicherlich gut zu Gesicht gestanden. So aber verharrt der Narrow Stairs eher im Hintergrund - charmant und unaufdringlich. Death Cab For Cutie bleiben auch mit ihrem siebten Studioalbum die ewige Lieblingsband von nebenan, der man als Fan den großen Durchbruch wohl viel mehr wünscht, als sie sich selbst.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 16. Mai 2008 Label: Atlantic (Warner)
Website: www.deathcabforcutie.com Myspace: www.myspace.com/deathcabforcutie nach oben
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Digitale Distribution gehört mittlerweile zum Alltag. Digitale Geschenke dagegen dürfte es gern öfter geben. Im März ließen sich die Charlatans nicht lumpen und boten ihren aktuellen Longplayer You Cross My Path als Free-Download an. Nun hat das Album auch seinen Weg in die heimischen Plattenläden gefunden: Für alle Nostalgiker und Nerds, die trotz Gratispröbchen noch auf Cover, Booklet und ein handfestes Jewelcase schwören.
Freilich war man gespannt auf das nunmehr zehnte Werk der Briten, die mit ihrem Debüt Some Friendly seinerzeit in der Madchesteraner Rave-Szene für Furore gesorgt hatten und deren Longplayer Sympatico vor zwei Jahren die Fangemeinde in zwei Meinungslager spaltete. Mit großer Erwartungshaltung und diebischer Vorfreude in den Player eingelegt, macht sich bereits nach dem Opener Oh! Vanity Verwunderung breit: Ist man im Plattenregal ein wenig zu weit nach unten gerutscht und hat anstelle der Charlatans zu New Order gegriffen?
The Misbegotten, A Day For Letting Go oder This Is The End hätten sich auch noch ohne weiteres auf Alben wie Waiting For The Sirens Call oder Get Ready wieder finden können und klingen damit mehr nach New Order, als New Order selbst. Mag dies für einige nun an Blasphemie grenzen, so muss man den Charlatans doch letzten Endes zugestehen, dass sie sich lange genug im Musikbusiness tummeln, um nicht als Epigonen-Band geächtet zu werden und jeder, der Ohren hat, wird Nachahmung auch durchaus von Einflüssen zu unterscheiden wissen. Vielleicht hat Tim Burgess die letzten zwei Jahre damit verbracht, sämtliches musikalisches Material der Manchesteraner Kollegen zu studieren. Vielleicht wollen uns die Charlatans auch nur die Zeit versüßen, bis Hook und Sumner sich einig sind, ob sich New Order noch einmal für ein weiteres Album zusammenraufen können oder ob aus der angeblichen Interimsauflösung durch den Bassisten eine offizielle und endgültige wird.
Spekulationen hin, Vergleiche her - Fakt ist, dass die Charlatans weiterhin auf den bewährten Mix aus Keyboard/Orgel und Gitarre setzen und mit You Cross My Path eines ihrer wohl poppigsten Alben ever veröffentlichen. Es gibt keine Ausreißer, keine langatmig ausgespielten Endlos-Tracks, die unlustig vor sich hin nudeln; vielmehr reiht sich ein Tanzflächenfüller an den nächsten. Mal in beinah aggressiver Manier wie bei dem Titeltrack You Cross My Path oder Bad Days, das mit einem sinistren Basslauf startet, um dann in bissige antreibende Rhythmen zu verfallen; mal sphärisch dahin gleitend wie bei My Name Is Despair, bei dem sich leicht psychedelischen Orgelschleifen mit hallunterlegten Vocals mischen.
Mit You Cross My Path beweisen Burgess & Co., dass sie auch nach 20 Jahren Bandgeschichte noch für eine Überraschung gut sind. Mit Scharlatanerie hat das Ganze nichts zu tun, eher mit dem gereiften Gespür für gutes Songwriting am Puls der Zeit. Eines der besten Charlatans-Alben ever, bei dem sich der Kauf nicht nur für Nostalgiker und Nerds lohnt!
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 09. Mai 2008 Label: Cooking VI (Indigo)
Website: www.thecharlatans.net Myspace: www.myspace.com/thecharlatans
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Gegründet als Solo-Projekt des Ex-The Get Up Kids Frontmanns Matthew Pryor, versuchte selbiger schon beim Vorgänger Story Like A Scar (2006) nicht mehr alleine am akustischen Songwriting zu feilen. Die Bandkollegen Dustin Kinsey (Gitarre), Eric McCann (Bass) und Bill Belzer (Drums) komplettieren nun The New Amsterdams. Sie sind endlich zur richtigen Band geworden. Dennoch hat Prior At The Foot Of My Rival wieder mehr oder minder einsam im heimischen Wohnzimmer im kleinen Städtchen Lawrence/Kansas aufgenommen. Der Opener Revenge klingt dann auch tatsächlich schon nach Do-It-Yourself. Die Demoversion wurde mittels Sprachmikrophon auf dem Laptop aufgenommen. Das hört man. Und gerade deshalb ist Revenge mit seiner zuckersüßen Akustikgitarrenmelodie und Pryors unverwechselbarer Stimme ein Stück mit selten warmem Sound geworden. Auch Lost Long Shot mit seinem rumpeligen Orchester klingt nach homemade, nach Jamsession in der Garage. Genau das ist es auch. Im Hintergrund brummt gar noch die Standheizung.
Aus Wait, Beacon In Beige oder auch Fountain Of Youth sind musikalisch wie auch lyrisch schlicht einfach gute Bandsongs geworden. Mit Story Like A Scar wird nun auch der Titeltrack des letzten Albums nachgeschoben. Auf ein Lied names At the Foot of My Rival wartet man aber vergebens. Dies kommt dann bestimmt mit Album Nummer Sieben. Die catchy Hooklines von Story Like A Scar werden das Warten verkürzen. Hughes spannt den Bogen zurück zum traurigen Singer/Songwriter-Pop wie schon bei Revenge gehört. Dazwischen: Spannungsgeladene Orchesterarrangements (Drunk Or Dead) und Alt-Country-Klänge (Fortunate Fools, dessen Textzeile "Love is a battleground" noch lange im Gedächtnis bleibt). Bei all dem schwingt die rotzige Punk-Attitüde der Get Up Kids mit. Langeweile kommt bei den siebzehn neuen Songs der New Amsterdams jedenfalls nicht auf.
At The Foot Of My Rival ist wie gemacht für einen lauen Sommerabend am Wasser bei Lagerfeuer und fluss-gekühltem Bier, eine Situation, die der einzig wirklich fröhliche Song des Albums Fountain Of Youth aufgreift. Einen einzigen Ausreißer hat das Album dann aber doch zu verbuchen, den Bonustrack Guitarkansas, der genau das bringt, was der Titel verspricht: Country. Hier hätte Pryor sich vielleicht einmal fragen können, ob Südstaatenmucke wirklich in den Kontext von At The Foot Of My Rival passt. Zur Wiedergutmachung gibt es aber noch einen dicken Daumen nach oben für die vermeintlich romantisch-verspielten Tier- und Pflanzendarstellungen des Cover-Artworks von Geoff McCann. Die versteckten Botschaften entdeckt man hier wie auch in Pryors Songs erst auf den zweiten Blick.
Review: Katrin Reichwein
Erscheinungsdatum: 09. Mai 2008 Label: Arctic Rodeo Recordings (Alive)
Website: www.newams.net Myspace: www.myspace.com/thenewamsterdams
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Gut gemachte Pop-Musik. Nicht mehr und nicht weniger zeichnet die Guillemots aus. Es ist ein Leichtes die Briten mit ihrem zweiten Album Red in die Ecke der Retrorocker zu stecken, doch das Quartett kann mehr als viele der 80ies-Kopisten. Der Opener Kriss Kross beginnt viel versprechend als catchy Pop-Song mit harter, rumpelnder Hookline. Bis, ja, bis Bandkopf Fyve Dangerfield in Prince-Tonlagen wechselt, die einem Jake Shears (Scissor Sisters) gute Konkurrenz machen. Weiß man, dass die Guillemots 2006 Support der Scissor Sisters waren, ist man ohnehin geneigt große Einflüsse der Gay-Glam-Popper zu erkennen. Gegen Ende des Songs retten sich die Guillemots gerade noch so mit düster-orchestralem Schlussakkord.
Vogelkundler Dangerfield dringt auf Red immer wieder in Oktavenbereiche vor, die jedem Noch-nicht-von-Tinnitus-Geplagten über weite Strecken ein herrliches Klingeln in den Ohren bereiten dürften (Standing On The Last Star). Dabei liegen Dangerfields Stärken definitiv eher im Bereich der tiefen Töne. Zu Lyrics über Tod und Verzweiflung wollen doch auch wirklich keine Discopop-Hymnen passen. Auf Dauer überzeugen können daher nur die Balladen á la Falling Out Of Reach, in der Dangerfield einmal wirklich zeigt, was er gesanglich zu leisten vermag. Überraschen kann noch die mitten im Pop-Zirkus Red versteckte, softe Indie-Perle Words. Abseits von Disco-Bam-Bam-Plucker-Bass bewegt sich auch das melancholische Don't Look Down, dessen Rhythmen vertrackt vor sich hin stolpern. Die Guillemots zeigen immer wieder, dass so viel mehr Potential in ihnen steckt, können das Niveau aber nicht über eine Albumlänge aufrecht halten.
Review: Katrin Reichwein
Erscheinungsdatum: 02. Mai 2008 Label: Polydor (Universal)
Website: www.guillemots.com Myspace: www.myspace.com/guillemotsmusic
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MGMT sind Andrew Vanwyngarden und Ben Goldwasser, die sich zum ersten Mal 2002 auf dem grünen Campus der Wesleyan University in Middletown/Connecticut über den Weg gelaufen sind. Sie erkannten recht schnell, dass die Chemie zwischen ihnen stimmte und dass sie einiges gemeinsam haben, nämlich eine Liebe zu den die Seele in Schwung bringenden Tönen und den Glauben daran, dass ein Song traurig, tiefgründig und lustig zugleich sein kann. Ihre ersten Auftritte spielte das Duo noch unter dem Namen The Management, bei dem sie 15-minütige Performance-Shows inszenierten, die sich aus rein elektronischen Techno-Loops und -Arrangements vom Computer gepaart mit ein paar Gitarreneffekten vom Mischpult und Radiosounds zusammensetzten.
Im Gegensatz zu den frühen Liveshows ist das Debütalbum Oracular Spectacular des Duos MGMT, das mittlerweile nach Brooklyn umgesiedelt ist, von traditionellen Rockinstrumenten (Gitarre, Bass, Schlagzeug, Keyboards, Synthesizer) geprägt und wurde komplett live eingespielt. MGMT verbinden auf Oracular Spectacular einen melodieseligen Sound, wie man ihn von den Flaming Lips kennt, mit Siebzigerjahre-Glamrock-Anleihen à la David Bowie und Synthie-Pop-Sounds der 80er. Das Resultat ist ein knalliges und tanzbares Psychedelic-Weirdo-Pop-Album, das vor Experimentierfreude nur so strotzt. Ein interessantes Soundgebilde, das manchmal seltsam und verschroben klingt, aber trotzdem catchy und eingängig bleibt. Das Album beginnt mit der bittersüßen Pophymne Time To Pretend, die sich in kürzester Zeit im Gehörgang festsetzt und ganz klar das Zeug zum Hit hat. Es folgen das gesanglich an Mick Jagger erinnernde Weekend Wars, die 70s-Disco-Tanznummer Electric Feel, das synthiepoplastige Kids und das psychedelische 4th Dimension Transition. Dabei präsentiert sich jeder Song in einem völlig anderen Klangbild als der Vorangegangene. MGMT haben mit Oracular Spectacular ein sehr faszinierendes und interessantes Debütalbum abgeliefert, das sich in keine musikalische Schublade einordnen lässt und das so unberechenbar ist, dass man nie genau weiß, in welche Richtung die musikalische Reise geht. Und genau das macht den Reiz dieses Albums aus: Ein Facettenreichtum, der nie überladen wirkt und den man nicht an jeder Ecke hört. Klasse!
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 02. Mai 2008 Label: Red Ink (SonyBMG)
Website: www.whoismgmt.com Myspace: www.myspace.com/mgmt
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Hinter Erik & Me steckt kein Duo, wie der Name vielleicht fälschlicherweise vermuten lässt. Nein, Erik & Me das sind Erik Lautenschläger (Gesang, Gitarre), Dave Bennett (Gitarre), Madze Peng (E- und Kontrabass, Piano) und Merle Bennett (Schlagzeug). Gegründet hat sich die Berliner Band 2003 und war seither viermal auf Deutschlandtour und hat bereits 2004 ein erstes Album veröffentlicht.
Mit Hundertsechzig Zeichen erscheint nun das zweite Album von Erik & Me, aber nicht wie das Erstlingswerk mit englischem Gesang, sondern hier findet man nun deutschsprachige Popmusik mit britischen Wurzeln. Herausgekommen ist ein Album voller melancholisch-schwelgerischen Popsongs mit chansonartigem, kammermusikalischem Appeal. Dies ist eine sehr gewöhnungsbedürftige Mischung, zumindest wenn die Singsprache nicht Englisch ist. Leider stellt sich der Zustand des "Sich-dran-gewöhnen" bei mir auch nach dem dritten, vierten und fünften Durchlauf nicht ein. Im Gegenteil, irgendwann fängt Lautenschläger's Gesang, egal, ob mit oder ohne Falsett, an mich zu nerven. Man mag mich jetzt einen Banausen schimpfen, aber ich bekomme zu diesem Album einfach keinen Zugang.
Eins muss man der Band jedoch zugestehen: Es steckt viel Liebe und Passion in den Songs, aber leider driften die arg pathetischen Lieder oft in kitschigen Herzschmerzpop ab. Nunja, über manche Dinge kann man wohl eben doch nur auf Englisch singen.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 02. Mai 2008 Label: Revolver Distribution Services (Soulfood Music)
Website: www.erikandme.de Myspace: www.myspace.com/meanderik
Albumplayer
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Bei Singer/Songwritern aus hiesigen Gefilden kommen einem ja auch schon mal so komische Gestalten wie Pohlmann in den Kopf, die einen dann dazu bewegen sich lieber internationalen Künstlern zuzuwenden (Nichts für Ungut; jedem das Seine, ist aber nicht Meins). Sten Fisher kommt aus hiesigen Gefilden, aus Köln, und er ist Singer/Songwriter. Aber dem Himmel sei dank hat er so gar nichts mit oben erwähntem Künstler gemein. Zudem handelt es sich auch nicht um die deutsche Ausgabe eines James Blunt oder Jack Johnson. Das beweist Sten Fisher mit seinem Debüt-Album Simple Things, auf dem er Einblicke in seine Gedankenwelt rund um die Themen Trauer, Wut, Freude und Liebe gewährt ohne dabei weder ins Jammervolle noch ins säuselnd Kitschige zu verfallen. Dass die Wahl - bei all dem Deutsch-Hype - auf die englische Sprache gefallen ist, tut sehr gut: dem Stil selbst und denen, die den Liedern lauschen. Denn wer hat denn zu bestimmen, dass der Gesang in englischer Sprache nicht authentisch sein soll. Sten Fisher beweist eindrucksvoll das Gegenteil und unterstützt den Gesang und damit den jeweiligen Inhalt eines Liedes durch den einfühlsamen Einsatz seiner Gitarre. Besonders gut kommt dieser Eindruck bei Drop Me A Line, der einzigen Live-Version auf dem Album zum Vorschein. In der Vergangenheit hielt Sten Fisher sich in York, Hannover und Hamburg auf. Trotz, oder möglicherweise gerade aufgrund der Reiseroute und des erhöhten Niederschlags in erster und letzter Stadt kriegt Sten Fisher die Kurve und präsentiert ein hörenswertes melancholisch angehauchtes und dennoch nicht Krisenstimmung verströmendes Erstlingswerk. Glückwunsch!
Review: Michaela Wicher
Erscheinungsdatum: 02. Mai 2008 Label: Chrass Records
Website: www.stenfisher.de Myspace: www.myspace.com/stenfisher nach oben
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Sechs Jahre zwischen zwei Alben bedeuten für Bands in unserer schnelllebigen Zeit normalerweise kommerziellen Selbstmord! Oder eben das Aufbauen einer gewissen Erwartungshaltung gegenüber einem neuen Werk. Gerade nach einem Album mit vielen versteckten aber auch offensichtlichen Hits wie dem Vorgänger Neon Golden möchte man schließlich nicht nur einfach ein weiteres The Notwist-Album, sondern mindestens ein Meisterwerk. Und an dieser Erwartungshaltung scheitert das sechste Album der Weilheimer. Wollte man 5 Euro in die Wortspielkasse werfen, könnte man sagen, der Teufel stecke hier wirklich im Detail. Mit The Devil, You And Me bestätigen die Acher-Brüder plus Console den Eindruck, den man sich im Dokumentarfilm On/Off The Record von ihnen machen kann: Weg von der (klassischen) Band im Proberaum, hin zum Basteln und Arrangieren im Studio. Wohl auch einer der Gründe, warum Drummer und Gründungsmitglied Mecki Messerschmidt die Band verlassen hat. Fühlt man sich im Opener Good Lies mit den quengeligen Gitarren und dem sich steigernden Beat noch relativ heimisch, so muss ich mich im Laufe der weiteren Spielzeit doch desöfteren fragen, ob das hier nicht ein Console-Album feat. The Notwist ist. Für Kopfhörer-Fetischisten ist das alles dank dem Geplucker und Geplinker ein wahres Fest. Ob die Streicher jetzt in Echt vom "Andromeda Mega Express Orchestra" kommen oder aus Herrn Gretschmann's Samplebaukasten, macht da nicht wirklich den Unterschied. Bis auf das wirklich eingängige Boneless findet man, sofern man sie denn suchen will, auch keine offensichtlichen Hits. Am Ende des Tages tue ich mich mit einem abschließenden Urteil wirklich schwer! Für große Fans (wie mich) von 12 ist das neue Album sicherlich eine Enttäuschung, so hat man sich vom rumpeligen Live-Sound (auch damals saßen bereits Olaf Opal und Mario Thaler and den Reglern!) komplett verabschiedet. Verehrer der Neon Golden dürfte The Devil, You And Me zu wenig kompakt im Songwriting sein. Auf der anderen Seite sind The Notwist in und mit ihrer Art immer noch und immer wieder ziemlich einzigartig, vor allem in Deutschland. Das Engelchen und das Teufelchen auf meinen Schultern können sich nicht einigen...
Review: Marco Pleil
Erscheinungsdatum: 02. Mai 2008 Label: City Slang (Universal)
Website: www.notwist.de Myspace: www.myspace.com/notwist
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Ich mag MySpace. Grundsätzlich. Meist reicht ein Klick und ich habe Audio, Video und Foto(s) des Künstlers über den ich mich informieren will vor mir. Toll. Im Moment reagiere ich aber nicht nur auf meinen Heuschnupfen allergisch, sondern auch über die Musikrichtung "Akustisch" und das Unwort des Jahres: "Singer/Songwriter". Es scheint als ob Lagerfeuersessions mit A-Gitarre total out sind, stattdessen Leutenerverei mit BobDylan-Wannabees über's www. Nicht falsch verstehen, ich selber vertrete ja vehement die Meinung: Wenn ein Song auf der Akustikgitarre funktioniert ist es ein guter Song! Aber muss denn im Moment jeder, wirklich jeder, den Songwriter raushängen lassen? Um mal auf den Punkt zu kommen, Ralf von Mohn ist so ein Singer und Songwriter. "von Mohn" ist nicht sein richtiger (Nach-) Name. Laut Bandinfo ist das eine Reaktion auf das Ende seiner alten Band Mohn, wurde er (laut Bandinfo) in seiner Heimatstadt doch desöfteren angesprochen "bist Du nicht der Ralf von Mohn?". Na, klickt's?! Originell as originell can. Und die Musik?! Tja, was macht man als Singer/Songwriter im Studio? Das übliche Set-up eben. Im Falle von Ralf von Mohn ist das recht sauber und gefällig produziert, aber eben ohne Ecken und Kanten. Genau wie die Texte. „"Denn sie ist so wie mir eine Frau gefällt, und ich bin froh, dass sie zu meinem Leben zählt". Autsch! Dreizehn Mal "Reim Dich oder stirb" auf Albumlänge ausgewälzt und stimmlich vorgetragen als ob er sich nicht mal richtig Mühe geben wolle (musikalisch) seinem Mann zu stehen. Ralf ist bestimmt ein herzensguter Mensch, aber das alles ist ja noch nicht mal sympathisch kitschig, sondern irgendwie reif für den ZDF Fernsehgarten. Und das ist kein Kompliment! Wie man's richtig macht: einfach mal bei MySpace "Cargo City" eingeben.
Review: Marco Pleil
Erscheinungsdatum: 25. April 2008 Label: Reinhard Records (New Music)
Website: www.ralfvonmohn.de Myspace: www.myspace.com/ralfvonmohn
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Aller guten Dinge sind bekanntlich drei. Ob dies auch auf das dritte Album von Portishead zutreffen würde, stand lange Zeit in den Sternen. Satte elf Jahre liegen zwischen dem aktuellen Longplayer Third und dem Vorgänger Portishead. Eine Zeitspanne, die Erwartungen schürte und gleichermaßen die Befürchtung wachrief, das Trio aus Bristol könnte etwas von dem Biss vergangener Tage verloren haben.
Wie redundant diese ganze Zeitdebatte ist, wird deutlich, wenn man das Album zum ersten Mal in den Player einlegt. Der Opener Silence ist ein fünfminütiger Brückenschlag, der elf Jahre wie ein Wimpernzucken erscheinen lässt. Überhaupt ist Third zeitlos, schwerelos - aber in keinem Moment leichtgewichtig. Für Portishead scheint dieses Album ein Kampf gewesen zu sein: Ein Ringen um jeden Zentimeter, ein Kampf um jeden Ton in einer Arena, die sie sich in 17 Jahren des Musikmachens selbst erschaffen haben. Eine Galaxie aus Moll-Akkorden und synthetisch-kalten Drumcomputern. Dem Hörer geht es kaum anders. Die physikalischen Gesetze außer Kraft gehoben, rast man in dem düsteren Mutterschiff Third durch mit mathematischer Akribie ausklügelte Klangdimensionen einer fernen Sonne entgegen - oder mitten hinein in ein schwarzes Loch. Beides wäre denkbar. Als sei die Grundstimmung nicht schon bedrückend genug, pendelt man dank Beth Gibbons unglaublicher Stimme stets zwischen Melancholie, Depression und schierer Verzweiflung.
Ungeschlagen ist dabei The Rip. Ein Mid-Tempo-Track, der eine Gänsehaut hinterlässt und den Hörer trotz frühlingshafter Temperaturen frösteln lässt. Demgegenüber steht das exstatische We Carry On, bei dem man wie im Fieberwahn durch einen Wechsel aus Gitarrenriffs und Synthesizern getrieben wird, um sich völlig orientierungslos in der Ukulelen-Ballade Deep Water wieder zu finden. Sind das die Grauen Anfurten, ist man im Hawaiianischen Himmel angekommen oder ist es nur ein weiterer Vorhof zur Hölle? 1 Minute und 33 Sekunden später stellt man fest: Es geht weiter. Und zwar mit dem an Kraftwerk erinnernden Machine Gun, das sich durch ein Stakkato-Gewitter aus Drumcomputern und Synthesizer-Sequenzen kämpft, bis man völlig zerschunden in dem abgrundtief traurigen Anfang von Small aufwacht, das sich im weiteren Verlauf zu sphärischen Klängen aufschwingt. Nach knapp 50 Minuten bleibt der tiefe bedrohliche Synthie-Nachhall von Threads. Das schwarze Loch ist da. Fast verstört stellt man fest, dass draußen die Sonne scheint.
Aller guten Dinge sind drei. Portishead widerlegen dieses Sprichwort und überlassen die Spekulationen über Binsenweisheiten anderen. Third ist nicht gut, dieses Album ist ein Monster! Ein Biest, das elf Jahre lang gewachsen ist und darauf gewartet hat, das Licht der Welt zu erblicken. Welche Zahl steht für die Perfektion?
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 25. April 2008 Label: Island (Universal)
Website: www.portishead.de Myspace: www.myspace.com/portisheadalbum3
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Nachdem der geschätzte Liebhaber britisch-klingender Gitarrenmusik in der letzten Zeit seinen Blick vor allem Richtung England und Schweden gerichtet hatte, darf jetzt auch mal auf die heimische Musiklandschaft geblickt werden, genauer gesagt auf Furth im Wald. Denn aus dieser bayrischen Idylle Nahe der tschechischen Grenze stammen Atomic. In ihrer 8jährigen Bandgeschichte haben die Jungs bereits eine durchaus beachtliche Karriere vorzuweisen.
Erste vertonte Gehversuche unternahm die Band bereits 2002 mit ihrer EP The Big Issue, die zwar damals musikalisch noch sehr an den großen Vorbildern aus Manchester klebte, aber dennoch Potential hatte. Und gut, es war ein Demo und Demos dürfen so klingen. Eine Band muss sich schließlich erst einmal entwickeln und ihren eigenen Sound finden. Haben wir nicht alle früher Nachmittage in der Garage unserer Eltern damit verbracht, verzweifelt so zu klingen wie unsere großen Vorbilder?! Vor drei Jahren haben Atomic dann mit Wonderland Boulevard ihren ersten Longplayer veröffentlicht und somit den Beweis geliefert, dass sie mehr sind als nur eine Kopie ihrer großen Helden und es gelang ihnen, sich einen überaus guten Ruf und eine immer größer werdende Fangemeinde zu erspielen. Mit ihrem zweiten Album Coming Up From The Streets holen Atomic nun zum nächsten großen Schlag aus.
Große Songs dringen aus den Boxen der heimischen Anlage direkt in den Gehörgang. Songs, die direkt aus der Seele kommen, denn diese Jungs brennen für ihre Musik und das ist es, was guten Rock 'n' Roll ausmacht: nämlich Leidenschaft. Und genau das ist es, was diese Band vorantreibt - die Leidenschaft zur Musik! Atomic machten sich auf, den ganzen weiten Weg von der tiefsten Einöde des Bayrischen Waldes bis auf die Bühne, um es der Welt da draußen zu zeigen. Fernab der großen Popmetropolen haben sie sich ihren Weg erkämpft und dabei nie ihr Ziel aus den Augen verloren. Und mit Coming Up From The Streets ist es ihnen wieder einmal gelungen, diesem Ziel ein Stück näher zu kommen.
Man bekommt alles und das at its Best. Angefangen mit Soul Sister, dem perfekten Opener, der einen krachigen Einstieg liefert, ohne das Pulver allerdings sofort zu Beginn komplett zu verschießen. Weiter geht es mit dem alten Klassiker Magic Daydream, der wie auch das etwas später folgende Face In Heaven von der 2002er EP The Big Issue stammt und neu aufgenommen wurde. Das neue Gewand steht den beiden Tracks überaus gut. Es folgt die beschwingte Sommerhymne Oh Suzanne und das wunderschöne Something Wonderful. Gitarren werden hier detailverliebt mit fast sinfonischen Streicherarrangements und leichten Glockenspielklängen verwoben. Ein Song, in den man sich auf Anhieb verliebt und den man immer und immer wieder hören möchte. Atomic schütteln gekonnt einen Hit nach dem anderen aus dem Ärmel, so als hätten sie den Rock 'n' Roll mit der Muttermilch aufgesogen. Egal, ob das beatleseske She's The One, das hymnische The Good Souls oder die wunderschöne Akustik-Ballade I Wanna Dance With You Tonight - jeder dieser Songs weiß zu überzeugen! Und zu einem perfekten Anfang gehört auch ein perfektes Ende und so schließt Coming Up From The Street mit dem epischen High & Fall. Hier werden großartige Harmonien aufgefahren, die wunderbar ausarrangiert sind. Herrlich!
"Give me something wonderful" fordern Atomic und genau das bekommt man mit diesem Album. Großartig Jungs!
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 18. April 2008 Label: Dandyland (Cargo Records)
Website: www.atomic-band.de Myspace: www.myspace.com/atomicboys
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Ich weiss beim besten Willen nicht der wievielte Hördurchgang das beim Verfassen dieser Zeilen jetzt ist. Aber ich finde ihn leider nicht, den "günstigsten Aussichtspunkt" (Vantage Point) auf das neue Album von dEUS um Tom Barman. Bin ich vom anfänglichen Groove und der tollen Gitarrenarbeit des Openers When She Comes Down noch schwer gepackt, verliert sich meine Aufmerksamkeit im Laufe des Albums doch merklich. Auch wenn Barman sexy as ever bei Eternal Woman mit Mintzkov's Lies Lorquet im Duett croont, in Favourite Game die Gitarren biestig gegen den nörgelnden Gesang wettern und die Single The Architect mit Sicherheit, Dank seines markanten Gitarrenlicks, die Indietanzflächen füllen wird. Aber irgendwie kriegen sie mich nicht. Ich kann beim besten Willen nicht sagen warum, denn nüchtern betrachtet ist Vantage Point wesentlich geschlossener als noch der Vorgänger Pocket Revolution. Vielleicht fehlt mir die Kratzigkeit des Debüts Worst Case Scenario, die Abenteuerlust von In A Bar, Under The Sea oder die Hitdichte von The Ideal Crash. Ganz zum Schluss, als ich vor lauter Ratlosigkeit Barman's Solowerk von Magnus zum sinnlosen Vergleich heranziehen will, lasse ich mich dann doch noch versöhnen und zwar mit dem (Kinder-?)Chor im wirklich herausragenden Popular Culture mit einem Refrain der gen Himmel zeigt. Vielleicht fange ich einfach noch mal ganz von vorne an...
Review: Marco Pleil
Erscheinungsdatum: 18. April 2008 Label: V2 (Universal)
Website: www.deus.be Myspace: www.myspace.com/deusbe
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Mit Zweitlingswerken ist es ja immer so eine Sache: Orientiert sich der Sound zu sehr am Debüt, wird dem Künstler oftmals der Vorwurf einer langweiligen Wiederholung gemacht, weicht der Sound allerdings zu sehr ab, stößt dies häufig auf Unverständnis.
Besonders im Fall von The Kooks hängt die Messlatte für das Zweitlingswerk natürlich sehr hoch, denn vor zwei Jahren löste das Quartett aus Brighton mit ihrem Erfolgs-Debüt Inside In/Inside Out und den darauf enthaltenen Hitsingles wie Ooh la, Naive oder She Moves In Her Own Way sowohl bei Fans als auch Kritikern Begeisterungsströme aus. Das Album ging weltweit über 2 Millionen Mal über die Ladentheke und katapultierte die Band um Lockenkopf Luke Pritchard prompt in die erste Liga.
Nun melden sich The Kooks mit ihrem Nachfolger Konk zurück. An nur sechs Wochenenden hat die Band Ende letzten Jahres die 12 Songs in Ray Davies' legendären Konk Studios im Norden Londons aufgenommen. Beim ersten Hören findet man auf Konk altbewährte Songs im kooksesken Stil mit eingängigen Melodien und Mitsingcharakter wie man sie bereits von ihrem Debüt gewohnt ist. Scheint, als sei alles beim Alten geblieben. Aber dennoch reicht Konk längst nicht an das Erfolgs-Debüt heran. Was fehlt ist die Ungeschliffenheit, die Ecken und Kanten, denn Konk erscheint im Vergleich zu Inside In/Inside Out stellenweise ein bisschen zu glatt. Das Ungestüm und die Wildheit sind hier leider ein wenig auf der Strecke geblieben. Inside In/Inside Out hatte jede Menge genialer Songs, die sich bereits beim ersten Hören im Ohr festsetzten. Und solche Songs fehlen einfach auf Konk. Zwar gibt es einige potentielle Anwärter wie Always Where I Need To Be, Mr. Maker oder Down To The Market, doch diese wenigen Songs bleiben aber leider die Ausnahme. Der Rest bewegt sich leider nur auf einem mittelprächtigen Niveau und sticht nicht wirklich hervor. Und auch wenn Konk zwar nicht wirklich ein schlechtes Album ist, fehlt ihm aber einfach das gewisse Etwas, stattdessen dümpelt es zu sehr in der Mittelmäßigkeit vor sich hin und will nicht wirklich zünden. Schade! Aber wie gesagt, das zweite Album ist eben bekanntlich das Schwerste. Bleibt zu hoffen, dass The Kooks mit ihrem nächsten Album wieder für ein bisschen mehr Zündstoff sorgen.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 11. April 2008 Label: Virgin Records (EMI)
Website: www.thekooks.co.uk Myspace: www.myspace.com/thekooks
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Das dänische Wohnmobil rollt wieder. Und das nicht einfach so. Es gibt kein Tempolimit, es gibt Berg und Tal, es gibt die Überholspur, und es gibt die "Halt mal rechts an, ich brauch ne Pause" Auszeit. Doch niemals hat man das Gefühl aussteigen zu wollen. Denn die neue Platte von Cartridge langweilt nicht, sie ist vielmehr so ein: "Ich-lass-mich-nicht-in- eine-Schublade-drängen-und-damit-wird's-auch- bestimmt-nicht-langweilig-Kaleidoskop". Mal zum Tanzen und mal zum Entspannen. Mal verträumt und mal verpeilt. Und immer mit einem versteckten emotionalen Ausbruch von freudigem Tanzzwang. Denn was oft als melancholischer Wohlfühlsong beginnt, entpuppt sich anschließend als elektrisierendes "Sound-Bonbon". Und darin sind Cartridge ganz groß! Es wabern und hüpfen die kleinen und süchtig-machenden Synthie-Melodien, die sich sofort in den Gehörgang bohren und ein "Ohrwurm-Zampanó" entfachen. So kommt die Singleauskopplung The Woods als ein "80er-Jahre-verliebtes" Synthie-Pattern daher, welches unverschämt leger und anziehend ist. In dieser Single ist alles enthalten, was momentan INdie Disco gehört. Genau: Die Verquickung von Elektro und Afro-Beat. Vampire Weekend lassen grüßen. Dafür ist es jetzt genau die richtige Zeit, da Indie den Afro-Beat entdeckt hat und die Discomädchen- und Jungen da momentan für brennen. Und so kommt es im Mittelteil mit progressiven Floyd-Gitarren, afrikanischen Clave-Patterns und einem Basslauf in bester Funk-Manier zur Eruption. Schon Unglaublich: Das sind Anleihen aus fast 40 Jahre Musikgeschichte in einem Song. Thema Musikgeschichte: Als große Fans der unschlagbaren Stone Roses bekennen sich Cartridge nicht umsonst. Basslauf und Gesangslinie aus The Wagon klingen wie ein Zitat aus She Bangs The Drum von dem Debütalbum der Stone Roses. Aber dennoch: Eine Schublade für diese facettenreichen Dänen gibt es nicht. Fractures ist voller versteckter Ohrwürmer, innovativem Songwriting und vor allem voller Soundspielereien. Um es mit den Worten von Cartridge auszudrücken: "There must be more to life than life". Ein Glück, dass die Dänen ihre Wohnwagen-Panne auf St. Pauli hatten. Denn aus dieser ergab sich, dass der ein oder andere Hamburger Helfer zufällig im Musikbusiness tätig war und den Karren erst richtig ins Rollen brachte.
Review: Marc Philipp Meyer
Erscheinungsdatum: 11. April 2008 Label: Records and Me
Website: www.cartridge.dk Myspace: www.myspace.com/ilovecartridge
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Kristoffer Ragnstam ist ein charismatischer Typ, der eigentlich vorerst nur Musik machen wollte, um Mädels aufzureißen. OK, das ist dieses Sunnyboy-Image und das hat man sicher schon oft gehört. Aber was ist mit der Musik? Die ist keineswegs Altbacken. Eher ist sie so ziemlich "Songwriter-Untypisch". Und dabei ist Ragnstam eigentlich ein Singer/Songwriter. Aber einer der aus dem Rahmen fällt: Zum einen, da er eigentlich Schlagzeuger und kein Gitarrist ist. Und zum anderen, da das Ganze eher nach einer Band klingt, die ziemlich fett produziert wurde. Die Auflösung kommt sofort: Sweet Bills ist mit kompletter Band eingespielt und Ragnstam sitzt auch nicht mehr nur hinter der Schießbude. Nun spielt er auch Gitarre und ist Multiinstrumentalist, aber angefangen hat er damals als Drummer.
Und so ist Sweet Bills auch sehr rhythmisch und ungewöhnlich tanzbar für einen Singer/Songwriter. Das liegt nicht nur an den guten Songs, sondern auch an Ragnstams ehemaligen Bandkollegen, der in Schweden respektierten und angesehen Jazz/Soul/Pop Band Electric -4-, mit denen er sein zweites Album im eigenen Homestudio in Göteborg aufgenommen hat. Die 13 Songs dieser Platte haben poppige Melodien und sind ausgereifte Arrangements mit stellenweise Bläserarrangements, die ein angenehmes Gefühl von Leichtigkeit vermitteln. Man merkt, dass Ragnstam die letzten Jahre neben seiner Tätigkeit als Toningenieur in Japan Filmsoundtracks komponiert hat. Diese Erfahrung hat sich deutlich ausgezahlt und Kristoffer Ragnstam hat sich zu einem herausragenden Songwriter entwickelt. Songs wie Breakfast By The Mattress und #1 Money Hunter sind echte New Wave Pop Perlen mit einem Hauch von Garage und einem angenehmen Mod-Einschlag. Das klingt ein bisschen wie ein Hybrid aus Northern Soul und den Wombats. Und als kleines Schmankerl obendrauf sind die Texte sehr witzig. Hier wird gefeiert, statt gemotzt. Feine Sache!
Kristoffer Ragnstam zeigt auf seinem neuen Album deutlich seine Liebe zu den 60er und 70er Jahren: So hätte ein Arrangement wie Lonely Lane früher auch auf Motown oder Stax erscheinen können. Ein bisschen erinnert das Ganze auch an A Town Called Malice. Paul Weller würde das gefallen. Uns auch.
Review: Marc Philipp Meyer
Erscheinungsdatum: 11. April 2008 Label: Weekender Records (Indigo)
Website: www.ragnstam.se Myspace: www.myspace.com/ragnstam
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Tulsa haben mit der zweitgrößten Stadt Oklahomas nicht viel zu tun. Vielmehr kommt die Band aus dem Bundesstaat Massachusetts. Benannt hat sich das Quartett nach einem Bildband von Larry Clark. Und doch - musikalisch betrachtet liegen der Nordosten der USA und der Mittelwesten vielleicht gar nicht so weit auseinander. So erinnern viele der Harmonien auf Tulsas Debüt I Was Submerged an den klassischen Indie-Pop eben jener Region. Ein countryesker Sound mit leicht psychedelischen Einschlägen, die hier und da an die New Yorker Kollegen Mercury Rev. erinnern - womit wir wieder an der Ostküste angelangt wären. Ein Road-Trip auf der Slide-Guitar.
Die atmosphärisch dahin gleitenden Tracks auf I Was Submerged könnten auch noch auf dem Soundtrack eines Jim Jarmusch-Streifen zu finden sein, bei dem man jede Sekunde auf einen Neil Young-Song wartet. Fast glaubt man, diesen bei Mass auch tatsächlich an den Saiten zu hören: Die schleppenden Gitarrenriffs weisen eine nicht von der Hand zu weisende Affinität zu Hey Hey My My auf und derart melancholische Lyrics hätte auch der Altmeister persönlich nicht dramatischer abfassen können: "My baby, she’s never satisfied / My baby tells me she's gonna die / But I don't ask why / Her reasons don't justify". Eben diese Schwermütigkeit zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte EP. Wenn man bei I Was Submerged für eine halbe Stunde den Sonnenschein vorm Fenster ausblendet, dann starrt man durch die Doppelverglasung hinaus in einen nebelverhangenen Novembertag. Ein gedankenverlorenes Suchen nach einem Fixpunkt, der vor dem inneren Auge immer wieder verschwindet - bis man irgendwann aus der Geistesabwesenheit zurückkehrt und sich fragt, was man in der letzten halben Stunde eigentlich getrieben hat.
So ähnlich geht es dem Hörer allerdings auch bei I Was Submerged. Man weiß weder, wohin einen der Ritt auf der Slide-Guitar geführt hat, noch kann man sich an Zwischenstopps oder besondere Momente erinnern. Was nutzen die schönsten Arrangements, wenn sie letzten Endes nicht so wirklich im Ohr haften bleiben wollen und man keine wirklichen Highlights ausmachen kann? Schade das! Denn Tulsa ist eine Band, bei der durchaus das Potential zu mehr vorhanden ist - nur dass die Jungs dieses auf ihrer EP I Was Submerged nur ansatzweise ausnutzen. Bleibt also zu hoffen, dass der nächste Longplayer den Hörer nicht nur von dannen weht, sondern ordentlich wegbläst.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 04. April 2008 Label: Park The Van (Cargo Records)
Myspace: www.myspace.com/tulsamusic
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Beyond The Brightness heißt das zweite Album des innovativen schwedischen Songwriters John Roger Olson. Passend zum Titel klingt die äußerst sensible Platte wesentlich düsterer als sein Vorgänger. Beim Hören umarmt dich die Melancholie. Das passt nicht zusammen? Doch, tut es! Die Songs sind zwar zum Teil tieftraurig, besitzen dennoch eine so positive Kraft, dass man selbst in den schwersten Stunden nicht resigniert. Es ist Olsons einfühlsamer Gesang und es sind die wunderschönen Melodien, die dich in Harmonie schwelgen lassen. Harmonische Melancholie also? Ja, so ungefähr könnte man dieses neue Album beschreiben. Auch das Songwriting hat sich stark verändert und ist innovativer geworden. Das Instrumentarium wurde mit Vibraphonen, Synthies und dem Grand Piano aufgefrischt. So haben die neuen Songs einen starken Ambient- und Mood-Charakter. Vereinzelt sind sie nahezu latent instrumental. Anxious Looks ist der ängstliche Einstieg in eine sensible Platte, die in eine neue Welt entführt und dich spätestens nach dem wunderbaren Secrets Revealed verzaubert hat. Das Ganze ist so intim und anrührend, dass es einfach berühren muss. Wer jetzt sagt, er habe keine Lust auf ruhige melancholische Intimität, der verpasst "Schweden im Wunderland"! Und wer sich darauf einlässt, ist spätestens nach dem zweiten Hören begeistert. Das Wetter ist gut und die Nächte sind klar. Dies ist eine Platte zum sinnieren. Lasst euch auf die Stimmung ein, genießt sphärische Klänge bei einem guten Rotwein und sternenklarer Nacht und erlebt The Grand Opening.
Review: Marc Philipp Meyer
Erscheinungsdatum: 04. April 2008 Label: Tapete (Indigo)
Website: www.tgomusic.com Myspace: www.myspace.com/thegrandopening
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Songwriter und Ex-Comedian Simon Clayton und Sängerin und Pianistin Julia Clark Lowes (Ex-The Pipettes) a.k.a. Simon und Julia Indelicate gelten spätestens seit ihrer provokativen Single Waiting For Pete Doherty To Die, die vom tonangebenden NME gefeatured wurde, als heißes Eisen in der Britrockszene. Namedropping funktioniert eben doch immer noch als Marketingmotor. Das Quintett aus Brighton, angeblich die Lieblingsband von Art-Brut-Kopf Eddie Argos, bietet der derzeitigen britischen Nu-Rave/New-New-Wave-Welle Paroli.
Irgendwo zwischen Folk, Punk, Noiserock und Avantgarde-Pop angesiedelt, kommt American Demo sehr klassisch instrumentiert daher. Die Geigenklänge des Intros gehen sanft in das trotzige Last Significant Statement To Be Made In Rock'n'Roll über. Simons rauchige Stimme, die nach ein wenig zu viel Whiskeygenuss klingt, ergänzt sich gut mit Julias Sopran, der bisweilen in zu hohe Oktaven-Höhen klettert und nach der Hälfte des Albums beginnt im Gehörgang zu schmerzen. Das fand ich schon bei den Pipettes so nervtötend. Beim ruhigen Stars mit anfänglichem Kinder-Schlaflied-Rhythmus zeigt Julia, dass sie auch anders kann: nämlich im Dresden Dolls’schen Kabarett-Stil. Gitarrengeschrammel trifft vermehrt auf sanfte Pianoparts. Insgesamt treffen die von Simon gesungenen Songs jedoch mehr meinen Nerv, außer vielleicht die erste Single Sixteen, die sich als catchy Clap-Along-Song in bester Architecture In Helsinki-Manier präsentiert.
Bei Avantgarde wären wir auch schon wieder bei Eddie Argos. Die deutsche Bedeutung von Art Brut lautet in etwa "rohe, unverfälschte Kunst", eine New Art For The People fordern auch The Indelicates. "Pop had a beginning, it grew and was tended / Now it is rotten, let it be ended", heißt es in We Hate The Kids, das mit seinem "Dance, dance, dance, dance, dance, to the radio"-Refrain gleichzeitig eine Reminiszenz an Joy Divisions Transmission bildet. Textlich gesehen, musikalisch bewegen wir uns eher auf Musical-Ebene. Jonathon Larsons Rent könnte hier Pate gestanden haben.
Beim ersten Hören noch positiv überraschend, verliert sich American Demo nach und nach ein wenig in Belanglosigkeit. Namedropping (If Jeff Buckley Had Lived) ist eben nicht alles. Hängen bleiben lediglich die zynisch-bissigen Texte. New Art haben The Indelicates mit ihrem Debüt nicht wirklich geschaffen, aber Menschen, die im stillen Kämmerlein ihre Saturday Night Fever-, Grease- oder eben Rent-Platten auspacken, dürften ihre größte Freude haben. Und das Ding mit den Musicals ist jetzt keineswegs negativ gemeint – ich oute mich.
Review: Katrin Reichwein
Erscheinungsdatum: 28. März 2008 Label: Weekender (Indigo)
Website: www.indelicates.com Myspace: www.myspace.com/theindelicates
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Von England schwappt im Moment eine ganze Welle an jungen Künstlerinnen herüber, die ordentlich Soul im Blut haben. Das neue Sternchen am britischen Soul-Pop-Himmel heißt Duffy. Manche sprechen hier schon von der neuen Dusty Springfield und böse Zungen behaupten, Aimee Anne Duffy sei lediglich ein braver Abklatsch von Amy Winehouse. Fakt ist jedenfalls, dass das Debütalbum der 23jährigen Waliserin das wohl mit größter Spannung erwartete Album des noch jungen Jahres ist. Entstanden sind die 10 Songs auf Rockferry in Zusammenarbeit mit Ex-Suede Gitarrist Bernard Butler, der der jungen Soulsister als Co-Songwriter, Produzent und Instrumentalist unter die Arme gegriffen hat.
Rockferry verzaubert den Hörer mit einem feinen Mix aus Sixties-Soul und Motown-Sounds getragen von einer überaus ausdrucksstarken Stimme. Die Musik von Duffy klingt sowohl nostalgisch als auch modern und spannt einen wunderbaren Bogen zwischen dem Soul-Spirit der 60er Jahre und der Gegenwart und schafft somit ein Stück zeitlose Soul-Popmusik. Schon der Opener und Titeltrack des Albums versprüht eine ordentliche Portion 60s-Charme und glänzt durch seine atmosphärische Instrumentierung. Der Song, der vollkommen ohne Refrain auskommt, beginnt mit einem Piano-Intro, wird durch Gitarren, Geigen und Tamburin komplettiert und steigert sich schließlich im weiteren Verlauf zu einer mitreißenden Hymne. Auch der zweite Track des Albums Warwick Avenue besticht durch ausgefeilte Arrangements, die den beeindruckenden Gesang von Duffy erneut durch Streicher und Gitarren untermalen. Ein Hauch von Melancholie zieht sich durch die gefühlvolle Soul-Ballade Sleeping Stone und die spärlich instrumentierte Blues-Nummer Syrup & Honey, die einzig und allein durch das Zusammenspiel von Gesang und Gitarre in Szene gesetzt wird und beim Hörer eine Gänsehaut erzeugt. Eine schöne Verbindung von Soul und Blues wird in Hanging On Too Long geschaffen. Der Song überzeugt vor allem durch seinen bombastischen Refrain und die stimmliche Meisterleistung von Miss Duffy. Ein zauberhaftes Stück, mit einer unglaublichen Intensität. Die Singleauskopplung Mercy groovt den Hörer direkt zurück in die Tanzschuppen der 60er Jahre. Eine unwiderstehliche Nummer, der man sich nicht entziehen kann! Zum Schluss wird mit Distant Dreamer noch mal richtig groß aufgetischt. Der Song, der mit über fünf Minuten der längste Track des Albums ist, fährt allerlei Bombast auf und bringt das Album zu einem pompösen Ende. Herrlich! Hier und da schleichen sich auch leichte musikalische Erinnerungen an Songs aus längst vergangenen Zeiten ins Ohr: So klingt Warwick Avenue wie eine langsame Version des Temptations-Klassikers My Girl, Hanging On Too Long weist leichte Anklänge von I Heard It Through The Grapevine auf und das Intro von Mercy erinnert ein wenig an Ben E. Kings Stand By Me. Diese musikalischen Erinnerungsstücke werden wunderbar in den Sound von Duffy eingefügt und bilden eine nostalgische Verbindung zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart.
Rockferry ist eine fantastische musikalische Zeitreise und ohne Zweifel ein großartiges Debüt einer talentierten Künstlerin.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 28. März 2008 Label: Island (Universal)
Website: www.iamduffy.com Myspace: www.myspace.com/duffymyspace nach oben
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Joy Division gehören ohne Frage zu den faszinierendsten Bands der Musikgeschichte. Einflüsse des düster-melancholischen Sounds des Manchesteraner Quartetts finden sich bis heute bei diversen Bands wieder. Die Palette reicht von Bloc Party über die Editors bis hin zu Mogwai. Das Tragische daran ist, dass eben jene Depression und Agonie auch Grund für das Ende Joy Divsions waren: Kurz vor dem internationalen Durchbruch 1981 beendet der Suizid des Sängers Ian Curtis die Bandkarriere. Die restlichen Mitglieder machen weiter und gründen New Order. Mit Control brachte Anton Corbijn unlängst eine filmographische Biographie über Ian Curtis auf die Leinwände der hiesigen Lichtspielhäuser. Unter marketingstrategischen Gesichtspunkten genau der richtige Zeitpunkt, ein weiteres Best-Of-Album der Band zu veröffentlichen.
Dieser Gedanke drängt sich zumindest auf, wenn man sich die nunmehr dritte Sammlung der besten Stücke von Joy Division anhört. Als sei es nicht schon schwierig genug: Mit nur zwei offiziellen Studioalben (Unknown Pleasures, Closer) und dem nach Curtis' Tod veröffentlichtem Longplayer Still gehört Joy Division ohnehin zu jenen Bands, bei denen eine Zusammenstellung eines Best Ofs ein heikles Unterfangen darstellt. Zwei Sammelsurien der besten Tracks existieren bereits: Substance 1977-1980 sowie Permanent. Bleibt also die Frage, was um alles in der Welt ein dritter Longplayer bieten soll, das den Hörer wirklich zum Kauf animiert. Die Antwort hierauf liefert The Best Of mit Silberling Nr. 2: Neben ausgewählten Tracks aus den John Peel-Sessions sowie zwei Aufnahmen für die TV-Show "Something Else" beinhaltet die CD auch noch ein rares Interview mit Ian Curtis. Ein Schmankerl, dass jene Fans begeistern dürfte, die bisher weder die Peel Sessions noch die Complete BBC Recordings ihr Eigen nennen können. Einziger Wertmutstropfen hierbei: Die Dopplungen der Songs - Tracks wie She's Lost Control oder Transmission finden sich insgesamt sogar drei Mal auf der gesamten Compilation wieder. Die Auswahl der Stücke auf der ersten CD dagegen bietet keine großen Überraschungen: Mit Shadowplay, Dead Souls, Atmosphere, Love Will Tear Us Apart oder Isolation tummeln sich selbstredend die wohl bekanntesten Songs von Joy Division auf The Best Of. Sicherlich solide gehalten, letztendlich allerdings nicht die spektakulärste Selektion.
Letzten Endes wirkt The Best Of wie ein fragmentarischer Anriss: Wer Joy Division bisher nur aus dem Film Control oder dem Song der Wombats kannte und einen Crashkurs sucht, für den dürfte dieses Album ein entspannter Einstieg in die Historie einer der größten Bands ever sein. Wer dagegen ein wenig tiefer in die Materie eintauchen möchte, dem sei die bereits erwähnte Substance wärmstens ans Herz gelegt. Für den Fan ist diese Compilation leider so gut wie redundant. Pluspunkte gibt es zwar für das Cover - was jedoch für Bücher gilt, nämlich, dass man diese nicht nach ihrem Umschlag beurteilen sollte, trifft leider auch auf Platten zu.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 28. März 2008 Label: Rhino (Warner)
Myspace: www.myspace.com/joydivision
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Nach fünf Alben und mittlerweile 14 Jahren Bandgeschichte schlagen Supergrass das nächste Kapitel ihrer Erfolgsgeschichte auf. In den 90ern zählte die Band zu den wichtigsten Vertretern der großartigen Britpop-Ära und lieferte mit I Should Coco (1995), In It For The Money (1997) oder Supergrass (1999) grandiose Alben für die Ewigkeit ab. Wer erinnert sich nicht noch an Songs wie Sun Hits The Sky oder Pumping Up The Stereo, zu denen man auf so mancher Britpop-Party abgefeiert hat. Vor drei Jahren präsentierten Supergrass dann mit Road To Rouen ein überraschend introvertiertes Album, dass selbst bei langjährigen Fans auf Unverständnis stieß. Mit ihrem mittlerweile sechsten Studioalbum Diamond Hoo Ha knüpfen Supergrass nun wieder an die Erfolgswurzeln der Vergangenheit an, stets dabei die Zukunft fest im Blick, ohne sich jedoch momentanen Trends anzubiedern.
Bereits die beiden ersten Singles Diamond Hoo Ha Man und Bad Blood geben den Ton des Albums an und somit hauen Supergrass gleich zu Beginn des Albums ordentlich auf den Putz. Die beiden Opener rocken lautstark drauflos und strotzen wieder vor Energie wie man es aus früheren Zeiten von Supergrass gewöhnt ist. Die Melancholie des Vorgängers ist verschwunden und es regieren wieder kraftvolle Gitarrensounds im 70er-Gewand mit einer Prise Pop-Appeal. Songs wie das poppige Rebel In You, die wunderbare Halbballade When I Needed You, die durch ihr schönes Zusammenspiel aus Bass, Gitarre und Keyboards besticht oder das beschwingte Ghost Of A Friend wissen ebenfalls zu überzeugen und können durchaus das hohe Niveau, dass durch die beiden ersten Tracks vorgelegt wurde, halten. Einige wenige schwächere Songs gibt es zwar, wie beispielsweise Rough Knuckles oder Outside, jedoch mindern diese die Qualität des Albums nicht im geringsten. Und auch wenn Diamond Hoo Ha zwar nicht vollkommen an die Erfolgsalben der 90er heranreichen kann, ist Supergrass dennoch ein eindrucksvolles Album gelungen, das zeigt, dass die Jungs es immer noch drauf haben.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 28. März 2008 Label: EMI
Website: www.supergrass.com Myspace: www.myspace.com/supergrass
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Es gibt nicht viele Dinge, die bei Moby sicher sind, außer, dass er ein musikalisches Chamäleon ist. Dementsprechend gespannt war man, in welche Richtung wohl das aktuelle Album Last Night des New Yorkers gehen würde. Schlägt Moby ganz neue Töne an oder knüpft er an den Sound des Vorgängers Hotel an? Bereits mit der Auskopplung Disco Lies war klar, dass es "back to the roots" geht. Eine Reminiszenz an den Club-Sound der 90er - gewürzt mit einer Prise 70's Disco-Feeling.
Songs wie Everyday It's 1989 oder The Stars erinnern an jene Tage, in denen man in den hiesigen Clubs erstmalig die Hüften zu House-Tracks schwang und zu Feeling So Real die Hände in die Höhe reckte, während Live For Tomorrow oder Disco Lies noch den Dancefloor des Studio 54 hätten füllen können. Eine Hommage an Zeiten, in denen man anstelle eines Cocktails noch eine Milchflasche in der Hand hielt und das Tanzen den Eltern überließ. Herrlich souliger Gesang, der über leichten bis mittelschweren Beats liegt. Dann wieder der Turning-Point back to the 80s, wenn Groove auf Hip Hop trifft wie bei I Love To Move In Here. Ja, man wusste nie genau, wohin die Reise mit Moby geht. Sicher ist nur, dass getanzt werden darf! Und zwar kreuz und quer durch die Clublandschaft der letzten 30 Jahre.
Last Night ist der Versuch, zehn Stunden Nachtleben auf 60 Minuten zu komprimieren. Anfangs noch sehr chillig gehalten steigert sich das Album zu einer Zeitreise kreuz und quer durch die Tanztheater der fünften Dimension. Vom frenetischen Feiern in der aufgeheizten Stimmung einer überfüllten Großraumdiskothek (257.zero) geht es weiter in die unterkühlte Atmosphäre eines Insider-Clubs (Alice) versteckt in einem Hinterhof, aus dem man hinausstolpert in ein fast bedrohlich wirkendes Zwielicht (Degenerates) bevor man die Nacht locker-lässig mit einem letzten Drink auf der heimischen Couch ausklingen lässt (Last Night).
Eigentlich könnte alles so schön sein, wäre da nicht der Fakt, dass Last Night auf der Gesamtlänge nicht wirklich halten kann, was die Auskopplung Disco Lies verspricht. Immer, wenn man sich gerade eingegroovt hat, schwenkt der Sound um, wechselt der Beat, so dass man nach einer Stunde ein wenig verwirrt und ratlos vor dem Plattenteller sitzt. So wirklich sicher ist man sich nicht, wo man nach einer zehnstündigen Disconacht mit Moby angekommen ist. Aber irgendwie passt dieses große Fragezeichen über dem Kopf zu dem verkaterten Morgen nach einer durchfeierten Nacht.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 28. März 2008 Label: Mute (EMI)
Website: www.moby.com Myspace: www.myspace.com/moby
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Aerial View war ein Album, das so – hart gesagt – nie hätte den Weg zum Plattenhändler des Vertrauens finden müssen und sich (zumindest bei mir) zum Staubfänger im CD-Regal entwickelte. Doch die Trägheit des Vorgängers, der sich eher durch Langeweile, denn durch gewohnte Blackmail'sche Originalität, auszeichnete, scheint Vergangenheit. Die elf Songs des neuen Werks Tempo Tempo hören sich nach einem Befreiungsschlag an. Wenn man jahrelang zu hören bekommt: "Ihr schafft bald den ganz großen Durchbruch!", glaubt man irgendwann selbst daran. Um so bitterer, wenn der große Erfolg dann doch immer auf sich warten lässt. Frei von allem Erwartungsdruck sagen Blackmail hier nun wieder viel mehr "Scheiß drauf", was all die Kritiker zu sagen haben und finden so zurück zu sich selbst und einem Konglomerat an vielseitigen und oft überraschenden Songs. Der Titelsong False Medication legt die Latte für das da Kommende hoch. Chöre, bollernde Gitarrenwände und Aydo Abays melodieverliebter Gesang zeigen, wo der Hase lang läuft. Mine Me I legt vollkommen schräg los, um sich abrupt und vollkommen unvorhersehbar zu einem ruhigen Melodiepol der Entspannung zu entwickeln, doch auf die Ruhe folgt immer der Sturm: Zersplittertes Gitarrengewitter wird zu orchestralem Streicherarrangement wird zu sperrigen Soundwänden. Persönlich hasse ich minutenlanges Gitarrengekniedel, doch bei den Herren aus Koblenz geht das mehr als ok. Blackmail legen Bretter hin, auf denen die Beine bewegt werden müssen. The Good Part wiederum zeigt Blackmail von einer völlig anderen Seite, keine düster-schweren Moll-Akkorde weit und breit, nein, sie können auch in Dur. Man möchte fast von Pop sprechen. Auch wenn der Refrain von Shshshame sofort im Ohr hängen bleibt, schwächelt die zweite Hälfte des Albums ein wenig. Man verwechsele schwach nun aber nicht mit schlecht, denn: Tempo Tempo kommt überraschend frisch daher und auch nach dem zehnten Durchlauf auf Repeat ist nicht ein Mal die Skip-Taste gedrückt worden. Ein würdiger Kandidat um meinen Liebling Friend or Foe? vom Thron zu stürzen und schon jetzt eine der Platten 2008 überhaupt.
Review: Katrin Reichwein
Erscheinungsdatum: 28. März 2008 Label: City Slang (Universal)
Website: www.blackmail-music.com Myspace: www.myspace.com/thisisblackmail
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Hinter dem Namen Gnill steckt Florian Gelling, der die EP Ich werde mich mit dieser Makrele ins Ausland absetzen komplett allein eingespielt hat. Wie der Titel schon ahnen lässt, ist diese EP gefüllt mit Liedern, deren Texte teilweise recht unsinnig daher kommen. Positiv geladener Elektropop trifft Gitarren. Man könnte die Musik auch als "Einfach gestrickte Gute-Laune-Musik" bezeichnen.
Der Song Für irgendwen ist ein klassisches Poplied mit stimmungsvollen Ohrwurmmelodien. Der Text ist eher sinnlos und man stellt sich die ganze Zeit die Frage: Was will Gnill uns damit sagen? Experimentierfreudigen Elektropop mit Sprechgesang finden wir bei dem Song Artig. Der Text besteht zum Großteil aus den Zeilen "Wir sind artig" und "Da helfen keine Platten" – wie meint der das? Es soll vermutlich keinen Sinn haben. Ohne den Text könnte man das Lied für Autorennspiel-Musik halten. Angst vor den Leuten ist hingegen ernsthafter und sowohl musikalisch als auch textlich anspruchsvoller. Dieser gitarrenlastige Elektropop-Song ist eher etwas, das im Kopf hängen bleibt. Hier harmonieren Text und Musik sehr gut. Positiv hervorzuheben sind auch die coolen Computersounds in Dein Problem und der entspannte Sound bei Der Mann von der Union. Dieser Song beginnt mit einer Akustikgitarre, bleibt elektronisch, ist ruhig und entspannend.
Ich werde mich mit dieser Makrele ins Ausland absetzen erinnert teilweise an Musik, die bei Einspielern der "Sendung mit der Maus" gespielt wird. Positiv zu bewerten ist allerdings Gnill's Experimentierfreudigkeit und sein Sinn für gut gelaunte Melodien. Negativ jedoch sind die Texte, die einen eher mit einem großen Fragezeichen da sitzen lassen. Kinder und Leute, die einfache Gute-Laune-Musik mögen, werden dieses Minialbum mögen.
Review: Natalie Terstiege
Erscheinungsdatum: 28. März 2008 Label: Tumbleweed Records (Broken Silence)
Myspace: www.myspace.com/gnill
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Vier Jahre ist es her, dass Girls in Hawaii mit ihrem Debüt From Here To There in ihrer Heimat Belgien eine kleine Hysterie ausgelöst haben. Nach einer ausgiebigen Tour durch Europa und den USA, präsentiert die sechsköpfige Band nun ihr Zweitlingswerk Plan Your Escape und schafft es abermals den Hörer mit wunderbaren Folk-Popmelodien zu verzaubern.
Girls in Hawaii kennen das Geheimnis eines perfekten Pop-Songs: Melancholische Melodien, eine samtene Stimme, raffinierte Arrangements und vielseitige Einflüsse, die sich zu einem klangvollen Mosaik zusammensetzen. Bereits der Opener This Farm Will End Up In Fire besticht durch seine schöne Instrumentierung, die gemächlich beginnt und sich schließlich zu einem rockigen Indie-Pop-Song hochschaukelt. Songs wie Sun Of The Sons oder Summer Storm erinnern an die guten alten Grandaddy und bei dem energetischen Grasshopper liefern sich Keyboards und Gesang einen lautstarken Kampf gegen Gitarren. Auch schaffen es Girls in Hawaii immer wieder den Hörer zu erstaunen, so beispielsweise mit Couples On TV, einem Song, der klingt wie ein osteuropäischer Kinderreim mit einer einsamen Mandoline, der im späteren Verlauf wie eine alte Kirmesorgel scheppert. Es wird auch nicht gezögert, mit jeder Menge Geräuschelementen in den Songs zu experimentieren. So beginnt der Titeltrack Plan Your Escape mit dem Läuten einer Kirchturmuhr und Shades Of Time endet im Regenschauer. Und in Road To Luna fügen sich knisternde Stimmen aus dem Radio wie selbstverständlich in den Rhythmus des Songs ein.
Girls in Hawaii beherrschen ihre Kunst und kreieren zauberhafte Soundlandschaften, dessen Wirkung sich allerdings erst nach und nach entfaltet, durch seine vielen kleinen Details, die man erst beim mehrmaligen Hören entdeckt und die Plan Your Escape zu einen besonderen Album machen.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 21. März 2008 Label: Naive (Indigo)
Website: www.planyourescape.be Myspace: www.myspace.com/girlsinhawaii
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The Friday Night Preachers präsentieren auf ihrem Album Bringing Back The Prodigal Sound puren, zeitlosen Rock 'n' Roll Made in Sweden. Die fünf Jungs aus dem kleinen Ort Skövde leben ein einfaches Leben auf dem Land und spielen die Musik, mit der sie aufgewachsen sind. Sie sind dabei unbeeinflusst von schnelllebigen musikalischen Trends. Die Band existiert bereits seit 2003 und besteht aus: Jonas Pehrsson (Gesang), Robert Granli (Gitarre und Background-Gesang), Jesper Carlson (Bass), Andreas Forsner (Schlagzeug), und Fredric Björegren (Gitarre).
Der Opener Celebrity ist eine Abrechnung mit dem Prominentendasein. Der Rocksong, der durch sein Gitarrenspiel und dem kollektivem Gesang der Band glänzt, besticht durch seine ironische Sichtweise. Ihr großes Potential beweist die Band durch die Vielfalt der verwendeten Instrumente auf diesem Album. Daddy's Little Girl hat einen entspannten Anfang mit ruhigem Gitarrenspiel und Bongos. Der Song wird allmählich schneller als der Gesang einsetzt. Hinzu kommt harmonischer Backgroundgesang, ein eingängiges Bongo-Solo gefolgt von einem lieblichen Gitarrenspiel. Kill Me A Kiss beginnt mit einem kurzen Saxophonsolo, ist ruhig und melodiös. Es ist ein hoffnungsvolles Lied über die Liebe, und dass sie zurück kommen soll. Die meisten Songs auf „Bringing Back The Prodigal Sound” sind energiegeladen, so auch 24-99. Er erzählt über das coole Leben einer Band "on the road", gespickt mit lauten Gitarrenriffs, harmonischem, aber kratzigem Gesang und Klavier. Neben der musikalischen Vielfalt liegt der Gesang von Jonas Pehrsson immer irgendwo zwischen Mick Jagger und Axl Rose. Im letzten Song des Albums Dead End zeigt sich die Band von ihrer romantischen Seite. Die Ballade über eine verlorene Liebe überzeugt durch ein liebliches Gitarrenspiel und einen powervollen Gesang. Zum Ende hin werden die erst noch ruhigen Drums kraftvoller, es folgt ein eingängiges Gitarrensolo, ein schönes Orgelspiel und vereinzelte Saxophonfetzen. Dieser Song handelt davon weiterzumachen und nicht aufzugeben, nachdem man eine Liebe verloren hat.
Insgesamt geht es auf Bringing Back The Prodigal Sound um das Ausbrechen aus dem Alltag. Es ist ein positiv-geladenes Album mit Anleihen an die Rolling Stones und Einflüssen aus dem Bereich Country und Folk. Die Schweden verstehen es mit ihren Instrumenten umzugehen, was sie durch ihr harmonievolles Zusammenspiel verdeutlichen. Sie zeigen uns einfachen, bodenständigen, aber stets mitreißenden Rock 'n' Roll.
Review: Natalie Terstiege
Erscheinungsdatum: 19. März 2008 Label: Strawberry Records (Import)
Website: www.thefridaynightpreachers.com Myspace: www.myspace.com/thefridaynightpreachers
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Was macht eine Band, wenn sie bei den Albumaufnahmen bemerkt, dass ihr das Geld ausgeht, sie keine Motivation mehr hat und völlig frustriert ist, weil das Album einfach nicht fertig werden will? Richtig! Sie flieht nach Mexiko, legt sich an den Strand und lässt sich mit Mojitos vollaufen. Den Wetterbedingungen war es schließlich zu verdanken, dass The Kills vor Hurrikanen flüchten mussten und letztlich doch wieder im Studio landeten.
Ihr mittlerweile drittes Album Midnight Boom ist mit Abstand ihr bestes geworden und vor allem ihr bisher eingängigstes Werk. Wie seine Vorgänger besticht es durch seine Schlichtheit, wobei Jamie Hince und Alison Mosshart dabei nie die Tatsache aus den Augen verloren haben, dass es sich trotz aller Eigenartigkeiten noch immer um ein Rockalbum handelt. Die Songs sind im Ganzen recht minimalistisch gehalten und orientieren sich nach einer Aussage von Hince an Rhythmen von Kinderliedern und Abzählreimen afroamerikanischer Schulkinder aus dem Jahre 1968, die er in einer Dokumentation aufgeschnappt hat. Den harten Ton dieser und den größtenteils sehr brutalen Ausdruck wollte man auch den eigenen Songs einverleiben, deren Basis zunächst aus folkigen Aufnahmen bestand. Den Eindruck, dass es ihnen absolut gelungen ist, gewinnt man besonders bei Songs wie Cheap And Cheerful oder Alphabet Pony. Dass es sich zu Beginn der Aufnahmen um Folksongs handelte, hört man eigentlich nur noch im letzten Lied Goodnight Bad Morning heraus. Aber auch die Wurzeln des Duos, den simplen und druckvollen Garage-Punk, wie er auf dem Debütalbum Keep On Your Mean Side von 2003 zu finden war, kommen auf dem neuen Album, in Songs wie M.E.X.I.C.O.C.U. wieder zum Vorschein.
Insgesamt ist Midnight Boom das wohl spannendste und interessanteste Album der Kills, das bei jedem Hören neue Höhepunkte präsentiert. Da kann man nur froh sein, dass es so etwas wie Hurrikane gibt und die beiden nicht noch immer am Strand liegen und ihren Frust in Mojitos ertränken, sondern ein super Album produziert haben, das wie seine Vorgänger bestimmt schon bald die Dancefloors erobern wird.
Review: Axel Schinkel
Erscheinungsdatum: 07. März 2008 Label: Domino (Indigo)
Website: www.thekills.tv Myspace: www.myspace.com/thekills
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Nein, hier hat sich niemand vertippt und da sieht auch niemand doppelt oder sonst irgendwas. Die Band heißt wirklich so. Vielleicht versucht man sich ja auf diese Weise von den ganzen anderen The-Bands anzuheben. Dabei haben The Horror The Horror das gar nicht nötig. Sie stechen auch so schon heraus – und nach typisch schwedischem Indiepop klingen sie dabei auch nicht. Sicherlich gibt es hier und da Anleihen von anderen Bands und Gitarrensounds und Gesangsmelodien, bei denen man denkt, man habe es hier mit den schwedischen Strokes zu tun. Aber seit den Kilians wissen wir ja, dass das an sich keinen mehr stören dürfte. Im Gegensatz zu ihren deutschen Kontrahenten gelingt es THTH diese Ähnlichkeiten auf einige Songs (Miss You, Foggy Day...) zu beschränken. Viele andere Songs auf ihrem mittlerweile zweiten Album bestechen durch ihre fast schon aufdringliche Klarheit und klingen absolut nicht wie eine schwedische Version irgendeiner anderen Band. Selten hat man so gut die einzelnen Instrumente herausgehört wie auf Wired Boy Child. Trotz dieser Klarheit im Sound gelingt es der Band, nicht allzu kalt zu erklingen und durch einen recht runden und fast schon bestechlichen Gesang, der mal mehr und mal weniger ins Sprechen abdriftet, oft sogar sehr warm aus den Lautsprechern zu kommen. Allerdings ist gerade der Gesang, beziehungsweise der Text die einzige wirkliche Schwachstelle des ganzen Albums. Vermutlich hätte man das Ganze doch viel trashiger produzieren sollen, so dass es nicht sofort auffällt, dass die Texte alle gleich gestrickt sind. Um das zu erkennen, reicht es schon aus, sich die Anfänge der Songs anzuhören: "I tried to walk on the water...", "We're coming into the city...", "I don't know...", "I've been out in the city...", "I've been down...", "Oh, I've been looking back..." Also, entweder hat unser Texter hier einen wirklich sehr kleinen Wortschatz oder ein ziemlich großes Ego-Problem. Es ist wirklich schade, dass dieser Punkt, den einige Leute vielleicht als Kleinigkeit abtun würden, die Musik kaputt machen kann. Aber diejenigen unter euch, die auch nicht so gut in Englisch sind, können sich freuen. Endlich mal eine Band, bei der man zumindest die ersten Silben jedes Songs problemlos mitsingen kann. Und das Allerbeste ist ja ohnehin, dass man sich von den vier Wörtern im Bandnamen nur zwei merken muss. Cheers!
Review: Axel Schinkel
Erscheinungsdatum: 14. März 2008 Label: Tapete (Indigo)
Website: www.thehorrorthehorror.se Myspace: www.myspace.com/thth
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Keith Murray und Chris Cain melden sich mit dem Album Brain/Thrust/Mastery zurück. Nicht dabei ist Michael Tapper, für den das Musikerleben dann doch anstrengender war als angenommen. Ohne Schlagzeug kommt der verbliebene Rest aber nicht daher, da ein gewisser Garrett Ray im Studio zum Einsatz gekommen ist. Tja, und das hat er auch gut gemacht. Richtig, richtig gut ist das Album des Duos aber leider nicht. Schlecht auch nicht... Ja, was denn nun? Die Songs vermitteln durchaus den Eindruck, da könne was gehen, doch genau diese Erwartung wird nicht wirklich erfüllt. Das treibende Moment fehlt einfach, und so sehr man es auch hören will, man entdeckt es nicht. Einige Lieder klingen wie Versuche, die nicht zu Ende gebracht wurden. Doch es finden sich auch Lichtblicke: Bei anderen Liedern scheint das Experiment geglückt zu sein (ha, ha, soviel zu der ewigen Wissenschaftler-Anspielung) wie beispielsweise bei der Single After Hours, die sich durch eine schöne Melodie und einen ebensolchen Aufbau auszeichnet. Nach dem durch Unruhe geprägten und fast unheimlich daherkommenden Opener Ghouls geht man bei Track zwei Let's See It davon aus, dass das Album bestimmt Potenzial hat. After Hours gibt noch Bestätigung und der Ausflug in die 1980er Jahre bei Lethal Enforcer berechtigt noch lange nicht zu Spott und Hohn. Schließlich ist es ganz und gar nicht verwerflich, andere Stile in die Musik einfließen zu lassen. We Are Scientists genehmigen sich dafür sogar gute viereinhalb Minuten! Bei Tonight steht das Wechselspiel zwischen den Polen wummernd, knarrzend und harmonisch im Vordergrund. Scheppernde Becken und einnehmender Off-Beat werden zwischendurch von dezentem Spiel abgelöst. Bei dem Folgetrack Spoken For ahnt man noch nichts Böses: Der Song bietet zunächst ein wenig Erholung von der Wucht des Vorgängers bis er einen nach gut eineinhalb Minuten aus dem Sessel haut, bevor ein ruhig ausfallendes Ende folgt. Die übrigen Songs sind leider nicht beschreibenswert, sondern plätschern an einem vorbei. Nicht aber der letzte Song namens That's What Counts. Da frage ich mich, was sich We Are Scientists dabei gedacht haben, als sie zur Perfektionierung des 80er-Revivals auch noch das Saxophon aus dem Schrank holten und hier zum Einsatz brachten. Ja, was wollen uns die Künstler damit sagen? Ich find's jedenfalls lustig. Aber das wollte ich gar nicht - nicht bei den von mir hochgeschätzten Herren Murray und Cain.
Fazit: Ein merkwürdiges Album. Dennoch oder gerade deshalb sollte man es tapfer ein paar weitere Male hören, denn wer weiß, welche Horizonte sich einem dabei noch erschließen?! Ansonsten gilt auf das nächste Werk zu warten. Vielleicht glückt der Versuch dann gänzlich.
Review: Michaela Wicher
Erscheinungsdatum: 14. März 2008 Label: Virgin (EMI)
Website: www.wearescientists.com Myspace: www.myspace.com/wearescientists
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Ich gebe zu, ich bin und war noch nie der weltgrößte Pavement-Fan. Mal abgesehen vom Klassiker Crooked Rain, Crooked Rain und dem für mich noch besseren Wowee Zowee war und ist mir das alles bis heute ein bisschen arg slackernerdig. Und das obwohl sie immer wieder das Talent hatten, am Ende zur großen Geste/zum großen Song zu finden. Deshalb ist das bisherige Soloschaffen von Pavement-Kopf Stephen Malkmus (dieses Album ist das zweite mit Begleitband The Jicks) auch konsequent an mir vorbeigegangen. Wohl zurecht muss ich nun feststellen. Schon die ersten Töne des Openers Dragonfly Pie lassen schlimmstes Hippiegegniedel befürchten. Beim folgenden Hopscotch Willy denke ich, ich bin bei Motorpsycho's Let Them Eat Cake (aber die haben wenigstens S.O.N.G.S.). Der Promowaschzettel spricht hier von couragierter Frechheit und spielerischem Selbstbewusstsein. Herrschaftszeiten, man kann sich wirklich alles schönreden. "Die Songs entstanden aus einem fein abgestimmten Jam-Feeling heraus". Wie wir in der Grundschule gelernt haben, soll man ja dasselbe Wort nicht zweimal in einem Satz verwenden. Jam-Feeling: Ja, Songs: Nein. Das ganze Album wirkt wie ein lethargischer langer Jam im Proberaum ohne die nötigen Rauschmittel, der im über zehnminütigen Titelsong seinen Höhe- bzw.Tiefpunkt findet. Gute Momente finden sich in Elmo Delmo, wo die Gitarren nicht selten an Sonic Youth erinnern. Dennoch, ohne klare Strukturen wird auf Albumlänge einen auf psychedelisch gemacht und langweilt dabei leider nur. Bei allem Respekt vor Malkmus' Backkatalog (ich werde gleich nochmal die Deluxe-Edition von Crooked Rain, Crooked Rain rauskramen), das hier geht leider gar nicht!
Review: Marco Pleil
Erscheinungsdatum: 07. März 2008 Label: Domino (Indigo)
Website: www.stephenmalkmus.com Myspace: www.myspace.com/stephenmalkmus
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Obwohl es geradewegs dem Frühling entgegengeht, erscheint dieser Tage ein eher herbstlich-gestimmtes Album der Band Spellbind. Die vier Jungs aus Nürnberg - Christian Hofbauer (Gesang, Gitarre und Klavier), Oliver Jainta (Gitarre), Jonas Bachmann (Bass), und Dominic Brochier (Schlagzeug) - die anfangs als Akustik-Trio begannen, existieren seit dem Jahr 2002 als Viererformation und haben sich seitdem immer mehr in Richtung Indie-Rock entwickelt.
Der Sound des zweiten Albums 7000 ist sehr ausgewogen und abwechslungsreich und vereint schnellen energetischen Gitarren-Rock mit ruhigerem, fast schon melancholischem Pop. Soapbox Race ist die erste Singleauskopplung des Albums und bereits auf manchen Radiosendern zu hören. Hier wechseln sich ruhige, balladenartige Passagen mit kraftvollen Rock-Riffs ab. Champagne ist ein schneller Power-Pop-Song, der sofort ins Ohr geht. Ich habe mich dabei ertappt wie ich schon beim zweiten Hören den Refrain mitgesungen habe. Das ruhige leicht hymnenartig My Misery animiert ebenfalls zum Mitsingen. Er ist sicher ein guter Live-Song, denn er ist wie geschaffen dazu in den ruhigen Passagen die Bandmitglieder vorzustellen oder das Publikum zu Gesangsspielen zu animieren. Superstition hingegen ist klassischer Stoner-Rock, ein Song, den man auf jeden Fall laut hören muss!
Fazit: Sehr melodiöses und harmonievolles Zusammenspiel. Alles in allem kann man sich das Album gut anhören, vor allem an verregneten Tagen, bei langen Autofahrten oder einfach als Hintergrundmusik.
Review: Natalie Terstiege
Erscheinungsdatum: 07. März 2008 Label: Tausendgrad (Cargo Records)
Website: www.spellbind.de Myspace: www.myspace.com/spellbindmusic
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Stell dir vor, du stehst in einer nebligen Nacht an einer Autobahnrastätte und suchst jemanden, der dich ein paar Kilometer mitnehmen kann. Es ist kalt, es ist ungemütlich und wahrscheinlich würdest du bei jedem einsteigen, der nicht gerade wie Rutger Hauer aussieht, nur um dem zu Hause ein Stück weit näher zu kommen. Und dann fährt Niels Frevert vor und lädt dich ein, mitzufahren... mit seinem neuen Longplayer Du kannst mich an der Ecke rauslassen.
Vier Jahre lang hat der Hamburger nichts von sich hören lassen. Ob die künstlerische Schaffenspause daran liegt, dass Frevert in sich gekehrt ist, um wohlfeil an einem der schönsten Popalben des noch jungen Jahres zu arbeiten oder ob er wirklich mit dem Springen aus Telegrammtorten (Der Typ der nie übt) beschäftigt war, wird wohl nur der Künstler selbst wissen. Fakt ist, dass sich Frevert nun endlich zurückmeldet - mit seinem bisher wohl ruhigstem Album. Auf Du kannst mich an der Ecke rauslassen tauscht der ehemalige Nationalgalerie-Sänger die E-Gitarre gegen Streicherarrangements und wunderbare Akustikharmonien. Ein Sound, den man bereits von diversen Live-Gigs kennt, auf denen Niels Frevert solo und acoustic das Publikum regelmäßig zur Verzückung trieb. Textlich ist der Singer/Songwriter seiner Linie treu geblieben: Nachdenkliche und gut ausgewählte Worte, verpackt in leichtfüßige Melodien, die sich geradezu ins Ohr tänzeln. Songs über das Suchen und Finden und das große Zweifeln dazwischen. Alltagspoesie ohne Pathos - Niels Frevert ist ein Meister darin. "Wenn der Himmel jemals endet, dann als Doppelverglasung..." (Waschmaschine) Sehr schön ist auch das Hildegard Knef-Cover von Ich möchte mich gerne von mir trennen, das im Bossanova-Stil gehalten dem Ganzen einen fast filmischen Anstrich gibt.
Was nimmt man mit nach einer musikalischen Autofahrt mit Niels Frevert? Was bleibt noch zu sagen? Du kannst mich an der Ecke rauslassen, weil ich fast zu Hause bin. Den Rest geh ich zu Fuß und nehme die letzten Klänge von Aufgewacht auf Sand im Ohr mit auf den Heimweg. Danke fürs Mitnehmen, Niels!
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 29. Februar 2008 Label: Tapete (Indigo)
Website: www.nielsfrevert.net
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Vorliegend haben wir eine frische amerikanische Folk-Band aus Kansas City, Missouri. Nach ihrem Release in den USA ist es ihnen nun auch gelungen in Deutschland Abnehmer für ihre Musik zu finden. Ihre Musik ist wie Geschichten-Erzählen – Geschichten von früher, aus anderen Zeiten, über Personen, Ereignisse und Emotionen. Diese Geschichten schaffen es hin und wieder sich auf eine zähe Art und Weise über mehrere Minuten hinzuziehen, was in wenigen Fällen sogar die 7-Minuten-Grenze überschreitet. Schlecht ist die Musik sicherlich nicht, aber sehr träge und pathetisch dargeboten. Am ehesten lässt sich die Band wohl noch mit Acts wie Iron & Wine vergleichen. Dieser Vergleich kommt allerdings auch nur aufgrund der sehr entspannenden Wirkung der Musik und wegen des runden und weichen Gesangs auf, der sich um die Musik windet und selbstlos in den Hintergrund stellt – und das obwohl die Band aus fünf singenden Mitgliedern besteht. In Gegensatz zu den Stimmen stehen auf dem Album vor allem die Streicher sehr stark im Vordergrund, die etwas spartanischer eingesetzt durchaus angebrachter gewesen wären. Dieser Eindruck zieht sich durch das gesamte Album, weil auch nicht nur ein einziger Song es wagt aus dem musikalischen Schema oder Stil auszubrechen. Inhaltlich betrachtet dienen die Texte vor allem dazu Emotionen hervorzurufen und Stimmungen zu erschaffen, die sich von der Musik bestätigt sehen wollen. In The Pines belegen dazu selbst auf ihrer Myspace-Seite, dass es ihnen um folgende Themenbereiche geht, um ihrem Ziel von Ausdruck der Emotionen näher zu kommen: "Our songs tend to be inspired by lost love, poverty, trains, the mountains, the civil war, and various other themes from that particular period of American history." Insgesamt gesehen kommt diese Band also mindestens 200 Jahre zu spät, um wirkliche Erfolge verbuchen zu können. Beschreien will ich das zwar nicht, aber ich bezweifle, dass sie damit auf eine große Schar an Abnehmern in Deutschland stoßen werden.
Review: Axel Schinkel
Erscheinungsdatum: 29. Februar 2008 Label: Arctic Rodeo Recordings (ALIVE)
Website: www.inthepinesmusic.com Myspace: www.myspace.com/inthepines
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Der neueste Hype am Musikhimmel heißt The Fashion und kommt diesmal nicht wie vielleicht vermutet aus dem Vereinten Königreich, sondern aus Dänemark. 2003 machte das Quartett mit ihrem Debütalbum Rock Kiss Kiss Combo erstmals auf sich aufmerksam und zählt seither neben Dúné zu den angesagtesten Acts ihres Landes. Mit ihrem zweiten selbstbetitelten Album wollen die vier Dänen nun mit einer Kombination aus scharfkantigen Beats, tanzbaren Melodien und eindringlichen Hooklines auch die Welt jenseits ihrer Landesgrenzen von ihrem Können überzeugen.
The Fashion präsentieren auf ihrem mit 11 Songs bestückten zweiten Longplayer einen Stilmix aus Indie, New Wave, Hip Hop und Dancehall und verschmelzen diese gegensätzlichen Pole zu einer durchaus tanzbaren Masse. Aufgenommen haben sie das Album mit einem hochkarätigen Produzententeam bestehend aus Michael Patterson (Beck, BRMC, Duran Duran, P Diddy etc), Fridolin (Outlandish, Moi Caprice) und Marcussen (Rolling Stones, Johnny Cash, Primal Scream). Da sollte dem Erfolg eigentlich nichts mehr im Wege stehen. Und mit Mathematics und Like Knives haben die Dänen sogar zwei potentielle Hitsingles am Start, aber das ist leider auch schon alles, was beim Hören im Ohr hängen bleibt. Denn der Rest des Albums klingt dann doch sehr austauschbar und könnte auch genauso gut von den unzähligen Indie-Style-Bands stammen, die kamen und auch genauso schnell wieder gingen. Es fehlt hier leider ein wenig an einer durchgängigen Durchschlagskraft und einem Wiedererkennungswert, so dass die Halbwertzeit dieses Albums bei der Schnelllebigkeit heutzutage wohl vorprogrammiert ist.
Alles in allem ein auf Hochglanz poliertes Indie-NewWave-Rock Album, bei dem die stylischen Indie-Kids in der Lieblings-Indie-Disco bestimmt abgehen werden, das aber ansonsten im Plattenregal verstaubt.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 22. Februar 2008 Label: Red Ink (Sony BMG)
Website: www.thefashion.dk Myspace: www.myspace.com/thefashiondk
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Das Duo aus England hat mit Seventh Tree sein nunmehr viertes Studioalbum veröffentlicht, welches im Vergleich zu seinen Vorgängern mit drei Jahren die längste Wartezeit aufweist. Die Arbeiten begannen bereits bei der Veröffentlichung ihres Remixalbums We Are Glitter und dementsprechend klingt das Werk auch stilistisch nach einer langer Vorlaufzeit. Das bezeugen zumindest die musikalischen Arrangements, das Gespür für atmosphärische Gestaltung und die liebevolle Umsetzung der Songideen. Diese Komponenten lassen die CD im Ganzen facettenreicher durchdacht und aufwendiger umgesetzt erscheinen als noch Supernature oder Black Cherry, die doch eher beat-lastiger und tanzbarer daherkamen. Seventh Tree ist geprägt von relativ ruhigen getragenen Stücken und nur selten findet man stilistische Ausbrüche oder wirklich offensichtliche Anknüpfungspunkte zu den Vorgängern. Einzig und allein bei den Liedern Happiness und Caravan Girl kommt vereinzelt dieser kühle Eindruck zustande, der auf Supernature überwiegend vorhanden war. Ergo klingt dieses Album wesentlich wärmer und dabei auch noch derartig locker und einfach, als hätten sie es einfach mal eben nebenbei bei Kaffee und Kuchen eingespielt. Ganz so war es aber nicht. Schließlich weisen Alison Goldfrapp und Will Gregory auf diesem Werk eine überaus lange Liste mit Gastmusikern auf, die den beiden bei der Umsetzung ihrer Ideen unter die Arme griffen. Insgesamt betrachtet kommt Seventh Tree wohl am ehesten Goldfrapps Debüt Felt Mountain nahe und macht zudem durch seine Soundlandschaften und Klangbilder deutlich, dass Will Gregory eigentlich in erster Linie ein Komponist für Filmmusik ist, der in Alison Goldfrapp eine Hauptdarstellerin gefunden hat, wie sie passender nicht sein könnte. Wer also die bisherigen Goldfrapp-Alben mochte, wird auch dieses nicht verschmähen und schnell ins Herz schließen.
Review: Axel Schinkel
Erscheinungsdatum: 22. Februar 2008 Label: Mute (EMI)
Website (deutsch): www.goldfrapp.de Website (englisch): www.goldfrapp.com Myspace: www.myspace.com/goldfrapp
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Welch ein Zufall, dachte ich mir als mich die Aufgabe ereilte das neue Album von Xavier Caféïne zu rezensieren, da ich im Moment sehr viel französischsprachige Musik höre, und auf der Suche nach mehr Stoff bin. In Deutschland findet man leider viel zu wenig gute französische Musik. Um so glücklicher bin ich über dieses Album, was so herrlich erfrischend ist!
Herr Caféïne ist ein Frankokanadier, ein hervorragender Songwriter und Multiinstrumentalist. Es ist bereits das vierte Album an dem er beteiligt ist, aber sein erstes Soloalbum, da die ersten drei Alben im Rahmen der Band Caféïne entstanden sind, welche 1997 gegründet wurde. Xavier Caféïne sieht sich selbst als Teil der Alternative-Punk-Rock Szene.
Man kann die Musik auf diesem Album als melodiösen Gitarrenpop mit Punkeinflüssen beschreiben. Bemerkenswert ist, dass er fast alle Instrumente auf dem Album selbst spielt. Seine Texte handeln über das Leben und die Liebe. Nach einem kurzen Instrumental-Intro kommt 1-2-3-4, ein Popsong mit rotzigem Gesang, Gitarrensounds und schönen elektronischen Melodien. Es folgen Montréal (Cette Ville) und Gisèle, welche beide total hitverdächtig sind. Montréal ist, wie unschwer zu erraten, ein Song über Montréal, schön melodiös, rockig. Der Titeltrack Gisèle handelt über eine verflossene Liebe. Das Lied besitzt Hymnencharakter und regt zum Mitsingen an. La Fin Du Monde handelt über das Ende der Welt, klingt aber eher nach dem Anfang des Sommers und guter Laune. Hervorzuheben sind noch Babylone, ein etwas schnelleres Rock 'n' Roll-Partylied, was bestens zum Tanzen geeignet ist, und Eric Satie, ein ruhiges Klavierstück ohne Gesang, was dem gleichnamigen Pianisten gewidmet ist. Die anderen Songs sind allesamt rockig, melodiös und niemals langweilig.
Fazit: Um seine Französischkenntnisse aufzufrischen ist dieses Album sehr gut geeignet, da Herr Caféïne sehr deutlich singt, und die Texte teils recht lustig sind. Es ist die perfekte Musik für einen Sommertag. Auch als Nicht-Französisch-Sprecher macht das Hören Spaß!
Review: Natalie Terstiege
Erscheinungsdatum: 22. Februar 2008 Label: Silversonic (H'art)
Website: www.xaviercafeine.com Myspace: www.myspace.com/xaviercafeine
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Wenn eine Band sich schon in der Bandinfo dagegen verteidigt so zu klingen wie andere Bands und zwanghaft versucht in Post-Libertines-Zeiten einen eigenen Stempel auf seine Musik zu drücken, dann kann das ja eigentlich nur nach hinten losgehen, weil es dem Rezensenten genügend Angriffsfläche bietet, um das Album nach allen Regeln der Kunst zu verreißen: Ach, das klingt doch wie... Das haben wir doch schon da und da gehört... Noch so eine Band von der Sorte... Wir haben das Rad neu erfunden... usw.
Aber selbst wenn man die Bandinfo beiseite lässt, machen Los Campesinos! zwar recht individuelle Musik, allerdings hat man die Komponenten und Stile, aus denen sich dieser Sound zusammensetzt, alle schon mal irgendwo gehört. Aber das macht nichts, schließlich kann sich der gemeine Musikkonsument wohl am ehesten einen Eindruck verschaffen, wenn man ihm Referenzen und Einflüsse der Band nennt und im einfachsten Fall sogar offensichtliche klangliche Ähnlichkeiten zu anderen Bands aufführt. Das ist bei Los Campesinos! total easy. Zuallererst klingt das ganze ziemlich nach einer britischen Band, die es mit schwedischem Indiepop versucht und erinnert gesanglich an eine Mischung aus Eddie Argos und Adam Olenius. Hinzu kommt noch hysterischer Frauengesang à la Architecture In Helsinki, der viel schöner wäre, wenn er mehr gesungen als geschrieen würde. Die Songs sind dabei eingängig und dynamisch wie die der Wombats und spannend und abwechslungsreich wie die der Fiery Furnaces, so dass hier und da auch nicht vor Streichern und dem natürlich obligatorischen Glockenspiel zurückgeschreckt wird.
Insgesamt gesehen scheint es, als würden die sechs Mitglieder der Band Indiepop aus aller Welt zusammenpuzzeln und das dann ihren eigenen Stil nennen. Schlecht ist das Produkt keineswegs, aber neu auch nicht. Besser wäre es, ihr hört euch zunächst einmal die Singles und EPs an, die dieser LP vorausgingen. Die sind um Einiges eingängiger, nicht so überladen und versprechen ein Potential, dass man auf dem Album leider nur in wenigen Songs wie z.B. You! Me! Dancing! erkennen kann.
Review: Axel Schinkel
Erscheinungsdatum: 22. Februar 2008 Label: V2 Records (Universal)
Website: www.loscampesinos.com Myspace: www.mypspace.com/loscampesinos
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Gitarre, Bass, Schlagzeug und das gute alte Keyboard - das ist das Instrumentarium, mit dem die in Berlin ansässige Band The Aim Of Design Is To Define Space ihre deutschsprachigen Texte des Albums Aimthusiasm bereichern und mit dem sie sich in den Gefilden des Synthie angereichertem Pop und Rock tummeln. Falls das Ziel darin bestehen soll, das Hauptaugemerk auf den Inhalt zu legen, so fällt dies zeitweise recht schwer, da das Instrumentarium wie beispielsweise bei Track sechs Berliner Messe sich ungemein in den Vordergrund drängt und durchaus die Gefahr besteht einer Gehirnexplosion zu erliegen. Glücklicherweise ist das nicht beim gesamten Album der Fall. Hier und da könnte es schwer fallen aus den Inhalten etwas für sich zu gewinnen. Geboren im Winter dagegen überzeugt durch das perfekte Zusammenspiel von Text und Instrumentarium und ist das inhaltsreiche Pop-Herzstück des Albums. Bei Marlon Brando Impersonator: Ahlbeck/Seebrücke zeigen Schulzky, Mart, Jeanz, Kuc und Greg ihr Faible für den abenteuerreichen Fantasybereich. Zum Inhalt des Liedes: Eine mit Marlon-Brando-Tattoo versehene Prinzessin auf der Flucht vor Zwergen und Einäugigen. Hoffnung stellt eben jene Brücke dar, an der der Prinzessin Schiff anlegen wird, um sie mit dem Ziel der Rückeroberung des Königreichs nach Island zu befördern. Die Kompetenz für die Erarbeitung verschiedenartigster Themen beweisen The Aim Of Design Is To Define Space sicherlich, doch ich halte mich da lieber an Tocotronic. Sorry.
Review: Michaela Wicher
Erscheinungsdatum: 22. Februar 2008 Label: Haute Areal (Cargo Records)
Website: www.aimofdesign.de Myspace: www.myspace.com/aimofdesign
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Nach zwei EPs und einem Album ist hier nun das "schwierige zweite Album" der vier Schweden von The Higher Elevations mit Namen The Protestant Work Ethic. Sänger Niklas Gustafsson beschreibt den Inhalt des Albums schlicht mit den Worten: "Es handelt von meinen ehemaligen Klassenkameraden".
Das Hören macht Spaß, weil man merkt, dass es der Band auch Spaß gemacht hat dieses Album zu produzieren. Die Songs sind energiegeladen, und laden zum laut hören ein. Man bekommt auf diesem Album oft coole Bassläufe, durchgehende Gitarrensoli, und einen starken Gesang zu hören, der an die Stimme von Ian Curtis erinnert. Das Album umfasst 14 Songs mit handgemachter Rockmusik, die zeitlos und eingängig ist. Es ist einfacher Rock 'n' Roll, hier und da gespickt mit Synthesizer-Sounds oder auch mal Trompeten, wie bei In Place. Von den Melodien her bewegen sich The Higher Elevations zum Teil im Bereich des melancholischen, sehnsüchtigen. Stark zu hören ist dies z.B. bei Long Journey. Andererseits sind sie sehr aufbauend wie bei The Paperback. Textlich gehen die Lieder ebenfalls tief, denn sie handeln vom Weggehen und Loslassen. Schnelle Songs wie Breaking The News und European Holiday wechseln sich mit langsameren, einfühlsameren Songs wie Streetlights ab. Better Times, City Nights (For The Goth Kids) ist ebenfalls sehr gefühlvoll und melancholisch, und erinnert stark an The Cure zur Disintegration-Zeit.
Das Album hat bei mir nicht auf Anhieb gewirkt, aber schon beim zweiten Hören packt es einen, und lässt einen nicht mehr los. Ich mag vor allem die bittersüße Traurigkeit einiger Songs und die Abwechslung! Fazit: sehr empfehlenswert!
Review: Natalie Terstiege
Erscheinungsdatum: 21. Februar 2008 Label: Time For Action
Website: www.thehigherelevations.com Myspace: www.myspace.com/thehigherelevations
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Sheffield scheint eine wahre Fundgrube für neue Talente zu sein. Nach den Arctic Monkeys - den wohl berühmtesten Kindern der Stadt - tritt nun mit den Harrisons, eine neue talentierte Band in die Fußstapfen ihrer viel umjubelten Kollegen. Benannt hat sich die Band nach der örtlichen Harrison Road, deren Straßenschild sie irgendwann abmontierten und seitdem als Bühnenrequisite benutzen.
No Fighting In The War Room heißt das Debütalbum der vier jungen Burschen, die zu ihren Einflüssen The Verve, The Jam und The Clash zählen, was sich deutlich in den 12 Songs widerspiegelt. In bester Working-Class-Manier fabrizieren die Jungs Songs mit messerscharfen Gitarrenriffs und wunderbaren slice-of-life Lyrics, die von Sänger Adam Taylor mit einem göttlichen nordenglischen Akzent vorgetragen werden. Mit dem schmissigen Opener Dear Constable schaffen Harrisons gleich einen Hammer-Einstieg und legen mit Man Of The Hour eine erstklassige Post-Punk-Hymne nach. Monday's Arms besticht durch seinen beißenden Disco-Drive, Take It To The Mattress besitzt eins dieser Gitarren-Riffs, das sich sofort im Gehörgang einnistet und Simmer Away klingt wie eine tiefe Verneigung vor den großartigen The Verve.
Harrisons liefern mit No Fighting In The War Room ein klasse Debütalbum ab, das vor jugendlichem Ungestüm und lausbubenhaftem Charme nur so strotzt. Ein ambitioniertes Album, das nach mehr schreit. Bleibt zu hoffen, dass die Jungs ihr Talent nicht vergeuden.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 15. Februar 2008 Label: Grönland (Cargo Records)
Website: www.harrisonroad.co.uk Myspace: www.myspace.com/harrisonssheffield
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Schon lange nicht mehr klang deutschsprachiger Gitarrenpop so erfrischend wie es bei Tommy Finke der Fall ist. Der Bochumer Singer/Songwriter mit dem jungenhaften Grinsen hat mit Repariert, was Euch kaputt macht nun seinen ersten Longplayer veröffentlicht und liefert frischen und absolut zeitgemäßen Gitarrenpop, der vom ersten bis zum letzten Song Spaß macht.
Mit einer Mischung aus liebreizendem Lausbuben-Charme, unwiderstehlich eingängigen Melodien und schmissigen Refrainzeilen mit Ohrwurmcharakter erzählt Tommy Finke kleine Geschichten mitten aus dem Leben. Und das immer mit einer nötigen Portion Wortwitz, herrlich unverkrampft locker und angenehm direkt, ohne gestelzt zu klingen und ohne klischeebehaftet oder platt daherzukommen. Hat man bei deutschsprachigen Künstlern doch stets die Sorge, dass Formulierungen schnell peinlich erscheinen könnten, wählt Tommy Finke textlich stets die richtigen Worte und die Musik bildet den passenden Rahmen dazu. Gitarre, Bass, Schlagzeug und Gesang werden dabei mit Tastenklängen kombiniert und die 10 Tracks pendeln gelungen zwischen krachigen Gitarren-Pop-Nummern wie der Opener Juliet, Bier und Loathing in Las Vegas oder der Titeltrack Repariert, was euch kaputt macht und ruhigen Songs wie Du bist Eis, Die Liebe, die du verschenkst oder Zeitverschwendung. Der stärkste Track des Albums ist zweifelsohne Kein Tod ist umsonst. Ein Song, der auch wohl der persönlichste Track des gesamten Albums ist. Einen schönen Abschluss des Ganzen bildet schließlich das luftige ...dass die Sonne für dich scheint.
Auch lässt es sich Tommy Finke nicht nehmen, an einigen Stellen mit kleinen versteckten Zitaten seine musikalischen Vorbilder zu huldigen. Beispielsweise enthält Bier and Loathing in Las Vegas Radioausschnitte als Hommage an John Cage und Repariert, was Euch kaputt macht zitiert hier und da Rio Reiser. So ist die Textzeile "In der Asche ist noch Glut" angelehnt an den Rio Reiser Song Stiller Raum ("Ist noch Glut in der Asche" heißt es dort).
Ohne Zweifel, Tommy Finke ist einer von den Guten, der endlich mal wieder frischen Wind in die deutschsprachige Musiklandschaft bringt. Fazit: Glatte Eins mit Sternchen!
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 15. Februar 2008 Label: Retter des Rock
Website: www.tommy-finke.de Myspace: www.myspace.com/tommyfinke nach oben
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Immer wieder strandet bei uns in letzter Zeit, die eine oder andere neue Band von der britischen Insel, die von der dortigen Postpunk-Welle zu uns rüber gespült wird. Die aus Glasgow stammende Band Correcto, ist so eine Band, die sehr "künstlerischen Post-Punk-Pop" in britischer Manier anbietet. Das vierköpfige Ensemble setzt sich aus namhaften Künstlern zusammen. So gruppieren sich der Trommler von Franz Ferdinand Paul Thomson, der Künstler Richard Wright und Patrick Doyle von The Royal We, um den Songschreiber Danny Saunders. Eine durchaus viel versprechende Zusammensetzung, die große Hoffnungen entstehen lässt. Doch das selbstbetitelte Erstlingswerk von Correcto ist nicht unbedingt ein "Muss" für alle "Indie-Disco-Tanzwütigen", sondern wohl eher etwas für die Liebhaber von Sonic Youth oder den Sex Pistols. Auch Pulp-Verehrer werden ihr Lieblingsstück unter den 12 Songs der schottischen Jungs finden. Die Songs kommen zwanglos rüber und die schottische Schrammelgitarre erinnert hin und wieder an die guten alten Gassenhauer der Ramones. Alle Songs sind in guter "Zweineinhalbminuten-Kinks-Manier" kurz gehalten und erreichen so rechtzeitig ihren Höhepunkt und enden bevor sie nerven. Anstrengend ist hingegen die oft zu verspielte Stimme, die in ihrem schiefheitsgrad dann doch oftmals die Grenze einer rotzigen Britrock-Atmosphäre überschreitet.
Correcto sind wohl als Spaßprojekt der vier Musiker zu verstehen. Der Silberling hat mich nicht so überzeugt wie die Bandinfo vermuten lies. Die Platte wird aber ihre Liebhaber finden, denn so gesehen ist sie eine echte Alternative zum Einheitsbreit. Die beiden Singles Jony und Do It Better haben schließlich leichten Ohrwurmcharakter und zeigen, dass die Jungs auch in popig anmutender Eingängigkeit überzeugen können.
Review: Tobias Basse
Erscheinungsdatum: 15. Februar 2008 Label: Domino (Indigo)
Myspace: www.myspace.com/correcto
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Über Cass McCombs ist kaum etwas bekannt. Die Suchmaschine spuckt lediglich aus, dass der Singer/Songwriter 1977 in Kalifornien geboren wurde und einige seiner Songs Verwendung in Skate-Videos fanden. Die eigene Homepage zeigt nur ein verwischtes Bild und auch der beilegende Waschzettel gibt nicht mehr Aufschluss. Hier heißt es, dass McCombs drittes Album musikalisch "between mania and wonder" anzusiedeln ist. Google und Plattenfirma bringen uns also nicht weiter. Die Musik soll für sich sprechen. Der Amerikaner scheint einen Mythos um die eigene Person zu kreieren, gilt er der Presse gegenüber doch als scheu.
Weiter in der Recherche: Last.fm nennt als "Similar Artists" Bonnie 'Prince' Billy, Songs: Ohia, M. Ward und Hayden. Gar ein Vergleich mit Morrissey taucht auf. Allen gemein: Ein Mann, eine Gitarre. Von diesem Ansatz her ist Dropping The Writ durchaus vergleichbar. Doch fehlt McCombs das letzte, gewisse Etwas, das alle genannten zu etwas Besonderem macht. Nach gefühlten hundert Durchläufen der zehn Tracks, wollen sie immer noch nicht so recht zünden. Ob als Hintergrund-Beschallung bei der Arbeit oder mit Kopfhörern auf den Ohren, gemütlich auf der Couch liegend und bewusst zuhörend, Dropping The Writ plätschert, weder störend noch wirklich interessant, einfach so vor sich hin.
Das Album zeichnet sich vor allem durch seinen flüchtigen Sound aus, driftet oft in temperamentvoll-launische Hall-Effekte, schwingt immer zwischen Fragilität (Pregnant Pause), tragischer Schönheit (That's That) und Sperrigkeit (Lionkiller). Fast schon poppig wirkt das von sanftem Piano getragene Crick In My Neck, das eindeutig am Längsten im Gehörgang bleibt. Alle anderen Songs lösen sich schon im Moment des Hörens in Schall und Rauch auf. Fazit: McCombs lebhaften und doch gleichzeitig müden Stil kann man hören, muss man aber nicht.
Review: Katrin Reichwein
Erscheinungsdatum: 01. Februar 2008 Label: Domino (Indigo)
Website: www.cassmccombs.com Myspace: www.myspace.com/cassmccombs
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Die schottische Band Sons And Daughters ist wohl hauptsächlich bei den eingefleischten und eher anspruchsvollen 60s Fans bekannt. Ihr aktuelles Album This Gift ist eine Mischung aus textlicher Düsterheit, rockigem 60s Sound und einer zum Teil lieblich klaren aber auch punkig klingenden Stimme von Sängerin und Keyboarderin Adele Bethel. Der Produzent Bernard Butler, der schon bei Suede ordentlich in die Seiten gehauen hat, verhalf dem Glasgower Quartett auf ihrem dritten Album zu eindeutigeren Songstrukturen und verweigerte größere musikalische Ausschweifungen. So kommen die Songs auf den Punkt und hier und da sind Ansätze von kleinen "OHHH"-, "NANA"- oder "LAAAA"-Hooks zu erahnen (Bsp. Rebel With The Ghost), die aber die Kaiser Chief weit aus besser zu präsentieren wissen. Auffällig sind die zum Teil direkten, eingängigen, mit wirklich interessantem Sound versehenden Gitarrenriffs. Drums und Bass machen einen guten spartanischen und groovenden Job, der die Songs tanzbar macht und den Kopf zum Mitwippen zwingt. Der Sound dieses Backgrounds lässt einen in Erinnerungen der 60s schwelgen oder wie man in der heutigen Scene so sagt, das klingt echt garagemäßig. Über allem schwebt schließlich die weibliche Stimme, die von einem männlichen Chor an diverser Stelle untermalt bzw. unterstützt wird oder auch mal ein wiedererkennbares Gitarrenthema ersetzt. Für meinen Geschmack ist die Stimme zu sehr im Vordergrund. Sie sticht einem klar ins Gehör und ist so anders als der Sound drum rum. Sons and Daughters macht aber genau diese kontroverse Mischung aus und besticht dadurch ihre Fans. This Gift präsentiert 12 tanzbare und groovende Nummern, die man immer mal wieder hören muss, um sie schließlich zu lieben. Liebe auf den ersten Blick gibt's nur selten im Leben und so verhält es sich wohl auch bei diesem Silberling. Also hören hören hören...
Review: Tobias Basse
Erscheinungsdatum: 01. Februar 2008 Label: Domino (Indigo)
Website: www.sonsanddaughtersloveyou.com Myspace: www.myspace.com/sonsanddaughters
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Ich gebe zu, ich war skeptisch. Die Vorab-Single Wednesday mit ihrem reduzierten Pianothema verursachte in mir ein leichtes Magengrummeln. So hatte ich doch das Gefühl, dass nun auch Slut eine "Radioheadisierung" durchlaufen. Will sagen, ich war voreingenommen: Kunst über Song, Anspruch über Realität. Der übliche (?) Prozess den anscheinend jede/r Band/Künstler durchmacht, die/der so lange am Start sind/ist (Still No.1 ist bereits Album Nummer 6!) wie unsere Ingolstädter Lieblingsindierocker. Nach mehrmaligem Hören möchte ich meine Meinung aber revidieren, denn das macht schon alles Sinn! Jedenfalls im Albumkontext und nicht in MySpace-Häppchenhörerei.
Slut's Arbeit an der Dreigroschenoper hat hörbare Spuren hinterlassen. Im Gegensatz zum Vorgänger All We Need Is Silence, wo man sich noch bewusst auf's instrumentale Gitarrengrundgerüst reduzierte, wird bei Still No.1 das ganz große Geschirr aufgefahren, anything goes! Mal abgesehen vom offensichtlichen Indietanzflächenfüller If I Had A Heart gibt's hier aber recht wenig was schnell ins Ohr geht. Vom Intro Sum It Up bis zum Albumschlusspunkt Say Yes To Everything zieht sich ein roter musikalischer Faden, der laut Frontmann Chris Neuburger (im Bandinfo) zwar nicht geplant bzw. konzeptionell angelegt war, aber am Ende doch irgendwie so klingt. Mit einem Instrumentenfuhrpark an Chören, Streichern, Akkordeon, singenden Sägen und Bläsern erfinden Slut sich zwar nicht neu, spielen und experimentieren aber gekonnt mit alten Stärken und neuen Einflüssen. Herausgekommen ist ein mutiges in sich geschlossenes arty Pop-Album. Und ganz nebenbei finde ich, dass Chris Neuburger einer der besten deutschen (Rock-)Sänger ist. Schöne Sache das!
Review: Marco Pleil
Erscheinungsdatum: 01. Februar 2008 Label: Virgin (EMI)
Website: www.slut-music.de Myspace: www.myspace.com/slut
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Das südfranzösische Städtchen Perpignan gilt in Frankreich als Zentrum des britisch geprägten Sixties-Garage-Sound und der Mod-Kultur. Genau hier liegen die Wurzeln der HushPuppies und dementsprechend gaben sich die fünf Franzosen auf ihrem Debütalbum The Trap (2006) als stilechte Rock 'n' Roll-Band, die in ihrer Jugend ausgiebig The Who und The Kinks gehört und mit dem Mod-Roller Südfrankreich unsicher gemacht hat. Nun präsentieren die HushPuppies ihr zweites Album Silence Is Golden, das wie schon das Debüt von Peter Deimel produziert wurde, der sich in der Vergangenheit bereits mit seiner Arbeit für Tocotronic einen Namen gemacht hat.
Während das Debütalbum noch nach dreckigem Rock 'n' Roll mit viel Retro-Charme klang, der genauso gut aus den Kellern von Manchester oder Borlänge hätte stammen können, präsentiert sich der Nachfolger wesentlich ausgefeilter und bis ins kleinste Detail perfekt produziert. Die erste Singleauskopplung Bad Taste And Gold On The Doors mit der dekandenten und fast schon sarkastischen Textzeile "I want my Kate Moss / I want my Rolls-Royce / I want gold on the doors" geht nach vorne durch seinen treibenden Gitarrensound, der sich zum Ende hin immer weiter beschleunigt und schließlich im Chaos versinkt. Mit den beiden folgenden Songs Love Bandit und Down, Down, Down schlagen die Franzosen dann überraschenderweise etwas ruhigere Töne an. Letzterer startet mit einem Intro, welches ein wenig an Air's Playground Love erinnert und entwickelt sich schließlich zu einer flotten Gitarrennummer. Fiction In The Facts, Lunatic's Song und Hot Shot bilden ein Tryptichon, bei dem die Sythie-Orgel eine wichtige Rolle spielt: Während Fiction In The Facts durch den Orgel-Sound einen doorsmäßigen Charakter verliehen bekommt, erhält Lunatic's Song einen leichten New Wave-Touch. Hot Shot zählt durch sein Zusammenspiel aus Gitarren- und Orgelsounds wohl zu einem der mitreißendsten Tracks des Albums.
Die HushPuppies haben mit Silence Is Golden ihren eigenen Sound gefunden und liefern ein abwechslungsreiches Gesamtwerk, das zu überzeugen weiß.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 01. Februar 2008 Label: Faith Recordings (Rough Trade)
Website: www.hushpuppiestheband.com Myspace: www.myspace.com/hushpuppies
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Eine neue Nada Surf ist da. In der einschlägigen Musikpresse wird Lucky wieder mit Lob überhäuft und auch der Promowaschzettel verspricht, dass jetzt natürlich alles besser ist als vorher. Aber genau wie beim Vorgänger The Weight Is A Gift habe ich so meine Probleme die Euphorie zu teilen. Nicht falsch verstehen! Ich liebe das Debüt High/Low (und am wenigsten aufgrund von Popular). The Proximity Effect ging leider an mir vorbei, aber Let Go hatte wiederum ein paar echte Perlen zu bieten. Lucky will bei mir einfach nicht zünden. Das ist wie wenn man(n) mit einer tollen Frau zum Dinner ausgeht und sie einem am Ende des Abends sagt man(n) sei "nett"! Mir fehlen hier einfach die Ecken und Kanten. Die Songs romantisieren ordentlich produziert (von John Goodmanson, der u.a. auch mit Sleater Kinney und Death Cab For Cutie gearbeitet hat) vor sich hin und Matthew Caws singt sich gewohnt gefühlvoll (und meist mehrstimmig) durch seine persönlichen Up's and Down's. Ich wünschte mir er würde einfach mal aus sich rauskommen und auf den Tisch hauen! Bei Weightless erinnere ich mich an alte Stärken, und auch I Like What You Say lässt mich an Glanztaten wie Stalemate zurückdenken. Man kann Lucky altersweise nennen oder Nada Surf attestieren, dass sie niemandem mehr was zu beweisen haben, aber mir ist das definitiv zu brav und behäbig und zu.... nett.
Review: Marco Pleil
Erscheinungsdatum: 01. Februar 2008 Label: City Slang (Universal)
Website: www.nadasurf.com Myspace:www.myspace.com/nadasurf
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Der beachtliche Output an neuen Indiepop-Bands aus dem Vereinten Königreich kommt auch 2008 nicht zum Erliegen, wie das Debutalbum der Eight Legs beweist. Nachdem die vier Kinder der Shakespeare-Heimat Stratford-Upon-Avon hierzulande im vergangenen Jahr als Vorband der Pigeon Detectives auf sich aufmerksam machten, liegt nun das Erstlingswerk Searching For The Simple Life im Plattenregal.
In Zeiten wie diesen wird einem ein Plattenvertrag nicht mehr an jeder Ecke angeboten, deshalb müssen neue, innovative Wege gegangen werden, um auf sich aufmerksam zu machen. Die Eight Legs haben eine ganz originelle Variante gewählt und ließen sich einfach mal von einem befreundeten Model bei Dior als musikalische Untermalung für die neue "Dior Homme" Kollektion ins Gespräch bringen. Mit Erfolg, wie die weitere Geschichte zeigt. Dior war begeistert, Weekender Records auch, das Ergebnis ist das 11 Songs umfassende Debutalbum Searching For The Simple Life. Sänger Sam Jolly lässt keine Gelegenheit aus zu betonen, dass sich seine Gruppe ungern mit anderen aktuellen Bands vergleichen lässt, schließlich klängen seine Eight Legs absolut einzigartig, was anderes würden allenfalls faule Journalisten behaupten. Nunja, muss er ja sagen, der gute, aber natürlich klauen auch die Eight Legs alles, was nicht niet- und nagelfest ist, und basteln daraus wieder ihren irgendwie ganz eigenen Sound. Und der ist, man muss es zugeben, gar nicht mal so schlecht.
Das Album beginnt mit Wear That Shirt, einer schnellen, dreckigen Fußballhymne, die passenderweise mit Stadionatmosphäre unterlegt ist. Hört sich so gar nicht nach "Dior Home Sommerkollektion" an, gut so. Damit ist es aber auch der einzige Song, der sich von den anderen in irgendeiner Weise abheben kann, die übrigen zehn Songs könnte man ebenso gut auf ein The Cribs- oder Pigeon Detectives-Album kopieren, kaum jemand würde sich daran stören. Mit Pass The Bucket und Blood. Sweat. Tears. warten allerdings noch zwei besonders schöne Exemplare dieser 08/15 Indiepop-Songs, deren Halbwertszeit etwas über der des gesamten Albums liegen könnte. Ansonsten gilt, wie so oft - kein Album für den Rockolymp, aber gute, solide Arbeit. In einem halben Jahr wird wohl niemand mehr über die Eight Legs reden, bis dahin kann man aber eingie Freude mit einem guten Album haben.
Review: Andreas Kussinger
Erscheinungsdatum: 01. Februar 2008 Label: Weekender Records (Indigo)
Website: www.eightlegs.co.uk Myspace: www.myspace.com/eightlegs
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Dev Hynes ist die kreative Macht hinter Lightspeed Champion. Geboren wurde er in Houston, zog dann nach Edinburgh und landete schließlich in Essex. Dev verzaubert uns auf seinem Album Falling Off The Lavender Bridge mit 12 Folk-Popsongs, die durchweg eine Leichtigkeit und Wärme ausstrahlen.
Dev Hynes ist mit Musical-Songs von Hair und der Rocky Horror Picture Show aufgewachsen, und zudem ein großer Country-Fan. Diese Einflüsse sind in seinen Songs klar zu hören.
Nach dem kurzen Intro, einem eingängigen Gitarrenspiel, folgt direkt die Single Galaxy Of The Lost. Dieses Pop-Stück ist geladen mit schmerzlichem Gesang und hinreißenden Melodien. Man hört Geigen, ein verträumtes Gitarrenspiel, Klavier und den lieblichen Hintergrundgesang von "Emmy The Great". In Tell Me What It's Worth verarbeitet Dev Beleidigungen, die er von anderen erfahren hat. Trotz oder wegen dieses schwierigen Themas klingt der Song bittersüß. Er ist ein energiegeladener Folk-Popsong mit Country-Einflüssen. Mit 9:55 Minuten ist Midnight Surprise der längste Song des Albums. Er ist einfach gestrickter Pop, aber abwechslungsreich mit Passagen schönen Akustikgitarrenspiels und dem tollen Hintergrundgesang von Emmy, die auf dem Album häufiger zu hören ist. I Could Have Done This Myself ist das Resultat einer langen Unterhaltung mit Dev's Studio-Manager über die Beatles. Er handelt von Dev's 1. Mal (bzw. seinem 2. Mal, weil das 1. Mal so traumatisch war, dass er es verdrängt hat). Mit E-Gitarren beginnt der Song und geht gekonnt im Countrypop-Stil weiter. "Emmy the Great" hat in Let The Bitches Die einen größeren Part. Es ist eine Art Pop-Countrydoodle. Emmy's Stimme ist bezaubernd süß und harmoniert sehr schön mit der von Dev.
Am meisten beeindruckt auf diesem Album die Leichtigkeit, die rüber gebracht wird. Es sind die verschiedensten Instrumente zu hören, wie Mundharmonika, Geige, Banjo und Klarinette und alles harmoniert!
Review: Natalie Terstiege
Erscheinungsdatum: 25. Januar 2008 Label: Domino (Indigo)
Website: www.lightspeedchampion.com Myspace: www.myspace.com/lightspeedchampion
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Einige sprechen schon vom neuen Conor Oberst, dem Indiewunderknaben par exellence. Parallelen gibt es durchaus, begann Konstantin Gropper wie Conor doch im heimischen Schlafzimmer Songs aufzunehmen. Seine Heimat zwischen Ulm und Bodensee steht der ländlichen Idylle Nebraskas in Nichts nach. Visions und Musikexpress heben Get Well Soons Debüt Rest Now Weary Head! You Will Get Well Soon auf den Album des Monats-Thron. Und doch mussten Konstantin Gropper und seine Band erst den Umweg über England gehen, damit auch hierzulande bemerkt wird, dass auch im Süddeutschen bemerkenswerte, reife und durchdachte Debütalben geschrieben werden können und nicht immer der Öde und Leere Omahas entspringen müssen.
Entgegen aller Behauptungen die Schwaben seinen sparsam, hat Gropper ein opulentes Album hingelegt, das sich in seiner epischen Breite am Besten fassen lässt, wenn man den Kopf ausschaltet und sich von den atemberaubenden Arrangements berauschen lässt. Get Well Soon machen keine Musik für Nebenbei, man muss sich schon Zeit nehmen, ein zweites Mal hinhören. Auch ein Beethoven oder Chopin entfaltet seine Schönheit erst beim bewussten Hören und nicht wenn er gerade mal nebenbei im Café zum Latte gereicht wird. So viel um den Bogen zur klassischen Konzeption zu schlagen. Ganz dem Aufbau einer klassischen Symphonie entsprechend beginnt Rest Now Weary Head! You Will Get Well Soon mit einem Präludium und endet mit der Coda. Ungewöhnlich für einen damals 21-jährigen Songwriter, aber auch kein Wunder, ist Groppers Vater doch Musiklehrer und er fast ausschließlich mit klassischer Musik aufgewachsen.
Rest Now Weary Head! You Will Get Well Soon zitiert neben den klassischen Einflüssen mit Freude alle möglichen Stile ohne dabei aufgesetzt zu klingen oder gar zu kopieren. Musikwissenschaftler hätten wohl ihre helle Freude daran das alles auseinander zu nehmen. Seien es Tango oder an Morricone erinnernde Chöre in Witches! Witches! Rest Now In The Fire, das noch dazu von einem Walzer eingeleitet wird, stets verseht Gropper es seine Referenzen so zu modellieren, das etwas unvorhergesehenes, eigenes entsteht. Die melancholischen Trompeten (You/Aurora/You/Seaside) erinnern an Beirut, genauso taucht der Folkpop von Bright Eyes auf (Christmas In Adventure Parks). Epische Breitwandsounds á la Sigur Rós (I sold my Hands ...) und ein Stimm-Hauch eines Thom Yorkes oder auch Nick Caves runden die Sache ab. Nebenbei liefert Gropper eine grandiose Coverversion von Underworlds Born Slippy NUXX, das dank sanftem Celloeinsatz kaum noch etwas mit dem einstigen Techno-Hit gemein hat.
Das Debüt des Schwaben stimmt nachdenklich. Wehmut und Traurigkeit gehen Hand in Hand und doch vermittelt Gropper zugleich Trost und Hoffnung. Gropper jammert auf hohem, an Radiohead abknüpfenden, Niveau. So desillusionierend all die Opulenz und Epik erst mal wirkt, dank ihrer Schönheit wandeln sich die Melodien zu Durchhaltehymnen. Sie sagen, es wird schon werden: Get Well Soon.
Review: Katrin Reichwein
Erscheinungsdatum: 19. Januar 2008 Label: City Slang (Universal)
Website: www.youwillgetwellsoon.com Myspace: www.myspace.com/youwillgetwellsoon
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Dieser Tage erscheint in Deutschland das neue Album We All Belong von Dr. Dog. Die Band stammt aus Philadelphia und macht seit über 6 Jahren gemeinsam Musik. Durch die ersten Alben The Psychedelic Swamp, Toothbrush und Easy Beat, sowie ihre energiegeladenen Liveshows haben sie in den USA mittlerweile eine große Anhängerschaft. Die Mitglieder der Band haben allesamt verspielte Künstlernamen: Triumph (Justin Stens; Drums & Harmonien), Taxi (Scott McMicken; Solo-Gitarre & Gesang), Tables (Toby Leaman; Bass & Gesang) und Text (Zach Miller; Orgel). In ihren Anfangsjahren tourten Dr. Dog vorwiegend in der Gegend um Philadelphia, bis sie 2004 von My Morning Jacket zu einer gemeinsamen US-Tour eingeladen wurden. In den Jahren 2005 und 2006 tourte die Band dann unter anderem durch die USA mit den Strokes, in Europa mit Clap Your Hands Say Yeah und in UK mit den Magic Numbers.
We All Belong entstand bereits 2006 zusammen mit der 6-Track-EP Takers & Leavers, die schon im September 2006 weltweit veröffentlicht wurde. Alle 11 Songs des Albums sind eingängig und melodiös. Man bekommt gute Laune beim Hören. Vergleichen kann man den Stil von Dr. Dog mit Bands wie den Beach Boys, den Beatles und den Kinks. Der erste Song Old News geht gerade mal 1:50 Min, lässt aber trotz der Kürze gekonnt die magische Atmosphäre der folgenden 10 Lieder durchblicken. Auf dem Album findet man abwechslungsreiche Musik, von dem ruhigen Keep A Friend bis zum rockigen The Girl. Der Song Alaska zeigt Dr. Dog's Vielseitigkeit und Leichtigkeit. Weekend ist ebenfalls sehr ruhig, Ain't It Strange zeigt hingegen wieder die Musik in ihrer vollen Bandbreite. Man wird verzaubert von schönen Gitarrensoli und Klavierbegleitung.
Dieses Album macht Lust auf mehr. Musikliebhaber werden Gefallen an ihnen finden!
Review: Natalie Terstiege
Erscheinungsdatum: 18. Januar 2008 Label: Park the Van (Cargo Records)
Website: www.drdogmusic.com Myspace: www.myspace.com/drdog
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Im letzen Jahr gewannen The Epstein im Rahmen des "Glastonbury Emerging Talent"-Wettbewerbs zusammen mit vier weiteren Bands einen Slot auf dem legendären Britischen Festival, auf dem sich das Quintett die Bühne mit Größen wie KT Tunstall oder Damien Rice teilen durfte. Nun steht mit Last Of The Charanguistas der erste Longplayer der Band in den Läden, der Liebhabern von Bands wie Calexico oder Ox Freudentränen in die Augen treiben dürfte.
Die erste Frage, die sich beim Albumtitel aufdrängt, ist, was um alles in der Welt ist ein Caranguista? Die Recherche ergibt, dass es sich hierbei um Bolivianische Gitarristen handelt, die in den Anden ihre ureigenen Spieltechniken entwickelt haben. Die zweite Frage: Was hat das nun mit The Epstein aus London und Oxford zu tun? Letzteres klärt sich spätestens nach dem Hören der ersten vier Tracks des Debütalbums der Briten. Das Quintett hat seinen eigenen Stil entwickelt, der sich irgendwo zwischen Country, Folk und Independent bewegt. Eine Melange, die einfach zu breit gefächert ist, als dass sie sich in eine Sockenschublade packen ließe.
The Epstein variieren allerdings nicht nur genretechnisch - auch die Instrumentalisierung ist bunt gemischt. Neben Banjo und Slide-Guitar greifen die Herren auch schon mal zum Glockenspiel oder zur Bouzouki. Eben diese Mixtur gepaart mit einer großen Portion Enthusiasmus macht Last Of The Charanguistas so charmant. Mal fühlt man sich wie auf einem Endloshighway (NYC Blues), mal wie beim Rodeo (Black Dog) und ab und an blitzt sogar mal eine Spanische Trompete durch (Dance the Night away), so dass man meint, auf einem rauschenden Fest mitten in Mexiko City gelandet zu sein. Ein Album, wie eine Piñata: Kunterbunt und prall gefüllt mit zuckersüßen Überraschungen, die das Herzchen wärmen. Schön!
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 14. Dezember 2007 Label: Dandyland (Cargo Records)
Website: www.theepstein.com Myspace: www.myspace.com/theepstein
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Es weihnachtet sehr! ... hoppla! Genauso begann ich ja schon meine paar Zeilen zur Killers-Compilation Sawdust. Aber man kommt nicht um sie herum um die "to make money"-Compilations zum Fest der Liebe. Deren Notwendigkeit ist ohnehin Ansichtssache, aber in Einzelfällen, eben wie die der "deutschen Depeche Mode" (dieses Label müssen sich Camouflage spätestens bei "Kaycee's Downbeat Mix" von Me And You gefallen lassen, klingt das doch schon wie eine 1:1 Kopie von Gahan & Co.) kann man bei Archive Number 1 - Rare Tracks sagen: Gelungen!
Mit persönlichen Linernotes sammelt man bei mir ja grundsätzlich Pluspunkte, das schön aufgemachte Booklet macht hier keine Ausnahme. Die raren Tracks reichen von Klassikern wie The Great Commandment (klingt fast wie die oldschooligen ShepPettibone-Extended 12" Mixe von NewOrder/PetShopBoys aus den Achtzigern), bis hin zum schönen Live-Cover von Kraftwerk's Computer Liebe. Handsome im "Mosaic Mix" klingt wie frisch von einem Café Del Mar-Sampler, das filmscore-artige Isolation lullt angenehm ein und Thief im "Der Dritte Raum"-Mix ist sowohl tanzbar als auch chillig. Alles in Allem eine runde Sache und nicht nur für Fans interessant. Denn Camouflage schaffen es mit ihren (Re-)Mixen und Alternativversionen über die Dauer von zwei CDs zu unterhalten und sparen sich unnötig ausgedehntes Clubgeboller, wenn auch ab und an ein wenig arg an die großen Vorbilder angelehnt. Trotzdem: Schöne (An-)sammlung, kann man sich unter den Weihnachtsbaum legen (lassen).
Review: Marco Pleil
Erscheinungsdatum: 30. November 2007 Label: Polydor (Universal)
Website: www.camouflage-music.com
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Ich glaube das ist das erste Mal, dass ich einen Promowaschzettel nach dem ersten Lesen nicht gleich angewidert von Phrasengedresche in die Ecke gefeuert habe. Aber schließlich sind wir hier auch nicht in der Marketing-Abteilung irgendeines Medienimperiums, sondern beim Liebhaberlabel Glitterhouse Records, welches mit Seachange u.a. auf sich aufmerksam machte, signt es doch recht selten neue Künstler. Umso trauriger zu erfahren, dass das dritte aktuelle Album von Seachange, der Titel Disband in Bonn 2007 suggeriert es ja schon, auch deren letztes ist. "Berufliche" und "familiäre" Gründe haben die Urmitglieder James Vyner und Adam Cormack dazu veranlasst nach zwei Alben (Lay Of The Land, das noch etwas ungestüme biestige Debüt und On Fire, With Love, der eigensinnige Popentwurf) die Band aufzulösen! Dass sie ihr letztes Konzert unbedingt in der "Harmonie" in Bonn, welche man sich ja nun nicht unbedingt als DIE Location für ein solches Event aussuchen würde, bestreiten (und auf dem diese Aufnahme basiert) spricht für ihre Außergewöhnlichkeit. Der Live-Sound vom WDR-Rockpalast ist stimmig, wenn auch für meinen Geschmack etwas zu spitz. Die Setliste setzt sich natürlich aus den beiden Alben zusammen und mit Half A Love und Personal Assistant gibt es sogar zwei neue Stücke zu hören. Schade nur, dass es das majestätische In nicht ins Programm gepackt hat und ein bisschen ärgerlich, dass man (aus Zeit-/Platzspargründen?) einen Großteil des Publikums und den Applaus ausgeblendet hat, so vergisst man manchmal wirklich fast, dass man es hier mit einem Livemitschnitt zu tun hat. Alles in allem ist Disband in Bonn 2007 aber ein wirklich schönes Abschiedsgeschenk einer interessanten Band, von der man in Zukunft noch einiges hätte erwarten können! Aber wer weiß, heutzutage heißt Auflösen ja nicht gleich Auflösen...
Review: Marco Pleil
Erscheinungsdatum: 16. November 2007 Label: Glitterhouse Records (Indigo)
Website: www.seachangemusic.com Myspace: www.myspace.com/seachangemusic
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Winter plus Regenschmuddelwetter plus Weihnachtsmarkt-Wahnsinnige, die die Stadt überfluten gleich Depressionen. Doch dem kann man zumindest ansatzweise entgegen wirken; und das geht ganz einfach: Man nehme das neue Chikinki-Album Brace, Brace. Zum Abreagieren eignen sich eindeutig Lies Over My Eyes und der Nachfolger Let It Go. Doch jetzt ist erst mal ein einigermaßen chronologisches Vorgehen angebracht. Also, Einleitung: Chikinki haben als Live-Turbo-Band sicherlich bei dem einen oder anderen bereits einen unvergesslichen Eindruck hinterlassen. Diesen auf einem Medium eins zu eins zu verewigen ist sehr schwierig, da die Band auf der Bühne was Ausdrucksvermögen und Performance betrifft, einfach grandios ist. Aber der Eindruck, den das Album hinterlässt, ist auch ganz und gar nicht ohne.
Nun zum Hauptteil: Der Opener Sunrise lässt oben genannte Depression auch im Nu verschwinden und befördert einen schon mal im Gedanken auf die Tanzfläche. Besonders positiv fällt hier der Background-Gesang auf, die Synthies finden gekonnten Einsatz. Danach wird es ernster, aber nicht erdrückend. Bei You Said wird deutlich, dass Chikinki mehr drauf haben als einen treibenden Beat auf die Beine zu stellen, und zwar das Vermögen, dass vielleicht sogar Englisch-Muffel geneigt sein könnten, dem Text Aufmerksamkeit zu schenken. Ein Schwerpunkt liegt bei Brace, Brace auf dem Beziehungskontext, was sich sowohl bei You Said als auch bei A Little Time zeigt. Mit Thrill verlassen Chikinki diesen Kontext nicht, drehen musikalisch aber auf, indem sich ruhigere Passagen mit schnelleren abwechseln. Insgesamt ist das Album ruhiger als die Songversionen, die die Band in den Live-Shows spielt, aber das ist schließlich nicht ungewöhnlich. Der Anteil an ruhigen Songs nimmt kein Übermaß an, vielmehr gelingt es Chikinki den Hörer mit ungewöhnlichen instrumentalen Einsätzen und dem Aufdrehen an Tempo zu überraschen.
Schluss: Festzuhalten bleibt, dass darauf ebenso absolute Perlen, wie zum Beispiel You Make It Look Easy, wie auch "Rock-Elektro-Disco-Clash-usw."-Kracher befinden, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Zudem kommt Brace, Brace an einigen Stellen ziemlich verwegen daher.
Review: Michaela Wicher
Erscheinungsdatum: 16. November 2007 Label: Weekender Records (Indigo)
Website: www.chikinki.co.uk Myspace: www.myspace.com/chikinki
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Bei einer Supergroup spalten sich schnell die Lager. Was für die einen eine geballte Ladung Genie darstellt, ist für die anderen ein Haufen antiquierter Ex-Ikonen, die nach dem letzten Strahl des Rampenlichts lechzen. Dass es auch gesunde Mittelwege gibt, zeigt das Beispiel House & Parish.
Mit Jason Gnewikow (The Promise Ring), Brian Malone (The Gloria Record), Scott Winegard (Texas Is The Reason) und John Herguth (The Love Scene) haben sich hier vier Größen zusammengetan, die ihre langjährige musikalische Erfahrung nutzen, um einen bodenständigen Sound zu kreieren, der sich abseits des Kommerz bewegt. Gemeinsam mit Co-Produzent Ian Love entstand in seinem Studio in Brooklyn die EP One, One-Thousand.
Eine Platte, bei der man sich mit Warp-Geschwindigkeit zurückversetzt fühlt in Zeiten, in denen man zu Feel The Pain in der heimischen Dorf-Disko die Arme um den Nacken der damaligen Liebe schlang und sich schwor, sich zu behalten. Kurze Zeit später weinte man dann zu Mellow Doubt in die Kissen, weil die Halbwertzeiten von Romanzen seinerzeit auch nicht länger waren als heute. Was blieb, war die Liebe zur Musik und zum großartigen Indie-Rock vergangener Tage. Genau diesen greifen House & Parish auf und tragen ihn hinein in die letzten Tage des ausklingenden Jahres.
Auf One, One-Thousand gibt es allerfeinsten Indie-Rock der alten Schule, der mal poppig und mal etwas rockiger um die Ecke kommt. Während der Opener Pristine Fields noch sehr britpoplastig daher kommt - Noel Gallagher persönlich hätte diese Riffs nicht besser schrammeln können - erinnern Songs wie Summer Programme oder Palace Envy doch eher an alte Helden wie Grandaddy, Dinosaur Jr. oder Pavement. Eine Symbiose aus bittersüßen Textpassagen und eng ineinander verwobenen Melodieparts. Ein dicht gestrickter Klangteppich, auf den man sich setzen kann, um mit einer Zigarette in der einen und einem Bier in der anderen Hand über vergangene Zeiten zu sinnieren.
Allen Freunden gepflegter Indiemusik dürften die Songs auf One, One-Thousand vor Freude die Tränen in die Augen treiben. Ein Sound, den man lange Zeit schmerzlich vermisst hat und von dem man gerne wieder mehr hören würde. Was nach einer guten halben Stunde bleibt, ist ein Haufen Erinnerungsplitter und die Vorfreude auf das kommende Album von House & Parish.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 16. November 2007 Label: Arctic Rodeo Recordings (ALIVE)
Website: www.houseandparish.com Myspace: www.myspace.com/houseandparish nach oben
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The Wombats sind drei Jungs aus Liverpool, die sich an dem von Paul McCartney gegründeten Liverpool Institute of Performing Arts kennen gelernt haben und im Jahr 2003 beschlossen, eine Band zu gründen. Nach einer EP und einigen Singles, die bereits Einzug in die heimischen Indie-Tanzschuppen genommen haben, präsentiert das Trio nun ihr Debüt A Guide To Love, Loss And Desperation, für welches sie sich Stephen Harris (Kaiser Chiefs, Ben Kweller) als Produzent mit ins Boot geholt haben.
13 eingängige Power-Pophymnen und mitreißende Tanzflächenfüller für die Indie-Disco versammeln sich hier und reihen sich nahtlos aneinander, allesamt vorgetragen im sympathischen Liverpooler-Slang. Eingeleitet wird das Album mit dem A-capella-Intro Tales Of Girls, Boys And Marsupials, bevor es mit Kill The Director im typisch britischen Gitarrensound richtig losgeht. Jeder Song ein Tanzbodenkracher von Moving To New York über Backfire At The Disco bis hin zum absoluten Party-Smasher Let's Dance To Joy Division. The Womats treffen zweifelsohne den Nerv der Zeit und auch wenn A Guide To Love, Loss And Desperation vielleicht nicht in die Liste der Alben für die Ewigkeit eingehen wird, für den Moment, für das Hier und Jetzt ist dieses Album genau richtig. Also, einlegen und abfeiern, als ob es kein Morgen gibt.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 16. November 2007 Label: 14th Floor/Rykodisc (Rough Trade)
Myspace: www.myspace.com/thewombatsuk
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Es weihnachtet sehr! Die Zeit der Best-Ofs, Raritätensammlungen und des Unveröffentlichten naht. Die alljährliche Gelegenheit dem geneigten bzw. genervten Geschenkekäufer ein bisschen Geld aus der Tasche zu ziehen. Ein anderer "besserer" Grund für diese Compilation fällt mir spontan nicht ein. Oder welche Band veröffentlicht nach gerade mal zwei Alben und ein paar Singles eine Sammlung eben solcher "Kuriositäten"? Die Killers eben.
Auf Sawdust finden sich neben einer okayen neuen Zusammenarbeit mit Lou Reed (Tranquilize) u.a. Überbleibsel aus den Aufnahmesessions zu Sam's Town und Hot Fuss, wobei hier das knallige Under The Gun und Glamorous Indie Rock And Roll (in manchen Editionen schon auf dem ersten Album vertreten) positiv herausstechen, Leave The Bourbon On The Shelf dagegen im Pathos, der mir beim zweiten Longplayer schon etwas sauer aufgestoßen ist, förmlich ertrinkt. Die Abbey Road-Sessions klingen ungewohnt reduziert (in dunklen Momenten erinnert Sam's Town tatsächlich an Meat Loaf) und der relaxte Remix von Mr. Brightside fällt nicht negativ aus dem Rahmen. Ganz im Gegenteil zu dem grauenhaften Joy Division-Cover Shadowplay vom Control-Soundtrack, das mit seinen völlig unnötigen Uh Uhs dem Song jegliche Intensität raubt.
Was soll man sagen? Sawdust ist für Fans, die nicht alle Singles ihr Eigen nennen und die etwas experimentellere Seite der Killers erfahren möchten sicher ein Pflichtkauf. Alle anderen sollten vorsichtshalber mal reinhören.
Review: Marco Pleil
Erscheinungsdatum: 16. November 2007 Label: Island (Universal)
Website: www.thekillersmusic.com Myspace: www.myspace.com/thekillers
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"Nicht Kleckern, sondern Klotzen", das haben sich wahrscheinlich auch Mando Diao gedacht und präsentieren gerade mal 14 Monate nach der Veröffentlichung von Ode To Ochrasy bereits ihr nächstes mittlerweile viertes Album Never Seen The Light Of Day.
All jene, die jetzt ein rockiges Album mit altbewährten Krachern à la Sheepdog, Down In The Past oder Long Before Rock 'n' Roll erwartet haben, werden wohl enttäuscht sein. Die Rotzigkeit und das jugendliche Ungestüm in ihrer Musik, sind bei Never Seen The Light Of Day auf der Strecke geblieben. Es scheint, als seien die fünf Schweden ein wenig vom rechten Pfad des Rock 'n' Roll abgekommen, und haben sich in Folk- und Country-Gefilden verlaufen. Die Stromgitarren werden nur noch selten ausgepackt, stattdessen greift man lieber zur Akustikgitarre und die meisten Songs werden von Geigen begleitet. Statt simpler Rock 'n' Roll-Riffs findet man hier komplexe Melodien, die jedoch nach wie vor eingängig sind und ins Ohr gehen.
Doch trotz aller Veränderungen ist Never Seen The Light Of Day keineswegs ein schlechtes Album, auch wenn man das vierte Album der Schweden nicht gerade ihr bestes nennen kann. Der neue Sound erscheint beim ersten Durchhören etwas ungewohnt, aber dennoch muss man den Jungs eines zugestehen und das ist der Mut zur Veränderung, denn schließlich können Mando Diao ja nicht bis in alle Ewigkeit eine Wiederholung von Bring 'Em In aufnehmen und so muss man ihnen diese künstlerische Freiheit lassen. Bleibt abzuwarten, ob Mando Diao beim nächsten Album wieder den Weg des Rock 'n' Roll einschlagen werden, oder ob sie in den neuen Gefilden sesshaft werden.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 26. Oktober 2007 Label: Capitol (EMI)
Website: www.mandodiao.com Myspace: www.myspace.com/mandodiao
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Graceful & Light ist das erste Studioalbum, das Cloudberry als Kollektiv präsentiert. Mit Bassistin Moni Grysa und Drummer Thomas Wolf ist das ursprüngliche Soloprojekt Marco Pleils zu einer richtigen Band zusammengewachsen. Unter der Regie von Kurt Ebelhäuser (Blackmail, Scumbucket) ist hier ein Album entstanden, das bereits beim ersten Durchlauf eine Welle von Erinnerungen lostritt. Eine Reminiszenz an Zeiten, in denen gutes Songwriting noch wichtiger war, als die adrett frisierte Haarpracht oder der geilo-stylo Anzug auf der Bühne. Ein Sound, der an Größen wie Dinosaur Jr., Teenage Fanclub oder Ash erinnert und den man hierzulande das letzte Mal von Bands wie Miles oder Slut auf dem Plattenteller serviert bekam. Kurz: Guter hausgemachter Indie-Pop der 90er.
Nicht nur die Besetzung, auch der Sound hat sich verändert im Hause Cloudberry: Graceful & Light klingt weniger kantig als der Vorgänger Destroyer. Einen Tick sonniger, ein Quäntchen poppiger. Allerdings nur auf den ersten Blick. Bei genauerem Hinhören wird klar, dass sich das Frankfurter Trio nach wie vor auf dem schmalen Grad irgendwo zwischen Melancholie und Euphorie bewegt. Eine manisch-depressive Kombination aus energetischen Melodien, mitreißenden Riffs und nachdenklichen bis tot-traurigen Texten. Wut, Verzweiflung, Leidenschaft, Idealismus. Alles auf einmal, komprimiert in Zwei-Minuten-Stücke. Zeitlich minimalistisch konstruierte Songs, die durch das Tracklisting nie fragmentarisch wirken. Die Stücke auf Graceful & Light greifen ineinander, wie die Kapitel eines Buches. Wer hier das Ende zuerst liest oder zwischendurch weiterblättert, ist selber schuld, wenn er den Plot hinterher nicht versteht.
Für alle, die es sich dennoch nicht verkneifen können, die Skip-Taste zu bedienen: Die großartigen Harmonien auf I Saw Happiness genießen, sich in den Streichersequenzen von The Paingarden verlieren, in die Kissen weinen zu Zest, nachdenklich verharren bei Innuendo und den Lieblings-DJ höflich dazu zwingen, endlich Given Treatment oder HRDFLR zu spielen, weil man die Füße nicht still halten kann.
Graceful & Light erinnert an eine nächtliche Autofahrt. Das Gaspedal durchtreten, während es langsam hell wird. Es geht gar nicht um das Ankommen, sondern einfach nur um die Bewegung. Um dann hinter der letzten Kurve in die Morgensonne zu blinzeln. Großartig!
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 26. Oktober 2007 Label: Fastball (Neo/SonyBMG)
Myspace: www.myspace.com/thisiscloudberry
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The Sound Of Young Sweden! Nach Mando Diao und Sugarplum Fairy kommt nun der dritte Schweden-Import in Sachen Rock 'n' Roll nach Deutschland: Molotov Jive. Eine junge gut aussehende Band in Röhrenjeans und Lederjacken, deren musikalische Früherziehung die Beatles, die Stones und die Kinks waren. Zu ihren Freunden zählen Sugarplum Fairy, die sie auch als Toursupport mit nach Deutschland genommen haben. Nachdem die Schweden ihr Debüt-Album bereits im letzten Jahr im eigenen Land veröffentlicht haben, hat When It's Over I'll Come Back Again jetzt auch endlich den Weg in die deutschen Plattenläden gefunden.
Molotov Jive fabrizieren Rock 'n' Roll mit viel Pop-Appeal und Sixties-Flair, ein altbekannter Sound nur mit neuen Gesichtern und diesmal nicht aus Borlänge, sondern aus Karlstad. Sicher, auf die brillante Idee vom 60er Jahre Retro-Rock 'n' Roll sind Molotov Jive nicht gekommen und es lässt sich nicht leugnen: Sie haben sich bei dem derzeit erfolgreichsten Exportschlager aus Schweden, Mando Diao, das ein oder andere abgeschaut. Aber besser gut geklaut als schlecht neu erfunden. Musikalisch kann man jedenfalls nicht meckern. Die Jungs wissen, wie man Songs mit eingängig-rockigen Melodien und Hitpotential schreibt wie beispielsweise The Luck You Got, Valentines Day oder Made In Spain beweisen. Songs, die Mädchenherzen höher schlagen lassen und die Männerwelt zum Rocken bringen. Doch ob sich Molotov Jive gegen die Konkurrenten aus dem eigenen Land beweisen können, ist fraglich, denn trotz alle dem fehlt ihnen ein wichtiger Faktor: Charisma. Da sind ihnen ihre Mitstreiter einen deutlichen Schritt voraus. Aber dennoch ist When It's Over I'll Come Back Again ein ambitioniertes Album mit Potential. Bleibt also zu hoffen, dass sie ihren Weg noch finden werden, der Molotov Jive eine unverwechselbare Identität verleiht. Möglich ist es auf jeden Fall!
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 26. Oktober 2007 Label: Bonnier Amigo (Soulfood)
Website: www.molotovjive.se Myspace: www.myspace.com/molotovjive
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Sieben Jahre ist es her, dass Kent ihr letztes Album veröffentlicht haben. Eine lange Zeitspanne, in der viel Wasser den Dalälven herunter fließt und sich einiges verändert. So auch bei Kent. Nach dem Ausstieg des Gitarristen Harri Mänty ist die Band auf ein Quartett zusammengeschrumpft. Nicht nur personell, auch musikalisch haben die Schweden umarrangiert. Die Gitarren treten in den Hintergrund, tonangebend sind stattdessen Synthies und Drumcomputer. Weg vom Britisch angehauchten Indiesound hin zu Elektro-Pop mit Wave-Elementen. "Wenn wir ein neues Album machen, ziehen wir die Tür zur Vergangenheit hinter uns zu", beschreibt Sänger Joakim Berg diese Metamorphose. Eine Erweiterung des Horizonts, keine 180°-Wendung des Quartetts. Trotz ungewohnter Klänge bleibt der bandeigene Charakter klar bestehen und zieht sich wie ein roter Faden durch das Album. Und: Berg singt wieder auf Schwedisch.
Tillbaka Till Samtiden bedeutet übersetzt soviel wie "Zurück zu unserer Zeit". Ein Titel, der sich nicht auf eine Reise in die Vergangenheit bezieht, sondern viel mehr den Status Quo von Kent bezeichnet. Ihre Zeit, ihre Form, sich in dieser auszudrücken, ihr Sound, der sich dieser Dimension irgendwo zu entziehen scheint. Es könnte alles so schön sein, wäre da nicht die statische Konstruktion des Albums, die die verträumte Zeitlosigkeit von Kent entmystifiziert und schlagartig auf den Boden musikalischen Perfektionismus zurückholt. Nach der ersten Hälfte ist man sich sicher, dass hier keine großen Überraschungen mehr auf den Hörer warten. Tillbaka Till Samtiden klingt arg kopflastig - und damit absehbar. Punktgenaue Intonationen, akribisch ausgeklügelte Harmonien. Zeigt sich auf der einen Seite, über welch musikalisches Potential Kent verfügen, so wirkt Tillbaka Till Samtiden auf der anderen Seite wie ein stark verkünsteltes Korsett, das dem Hörer wenig Spielraum für eigene Interpretationen lässt. Einzig melancholisch versponnene Balladen wie Sömnen oder Ensammast I Sverige lassen eine individuelle Deutungsspanne zu. Schade, davon hätte man sich mehr gewünscht! Der Griff zum Synthesizer lässt Tillbaka Till Samtiden passagenweise düsterer und kühler klingen, als die Vorgänger. Zwar brechen immer wieder energiegeladene Funkenschläge durch die Songs, wie beispielsweise bei Generation X oder Vy Från Ett Luftslott, generell klingt das Ganze jedoch eher nach einer frostig klaren Winternacht, in der man sich enger in den Kunstnerz kuschelt. Zähneklappernd die Wintersternbilder betrachten, die sich dem Griff des Betrachters genauso entziehen, wie dieses Album. Aber Schönheit muss ja nicht immer greifbar sein…
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 26. Oktober 2007 Label: Red Ink (Rough Trade)
Website: www.kentmusic.de Myspace: www.myspace.com/kentsweden
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Ex Saint ist das zweite Album von Sängerin Isabelle Frommer und Gitarrist und Songschreiber André Tebbe alias Er France. Nachdem die beiden Wahl-Düsseldorfer auf ihrem Debüt Petites Filles Back In Town aus dem Jahr 2004 gekonnt mit Elektropop-Styles und elektronischen Beats hantierten, vermischt das deutsch-französische Duo auf ihrem neuen Werk nun smarte Popmusik mit rockigen Gitarrenriffs und 80er Jahre Synthiesounds.
Sprachlich pendelt der Gesang von Isabelle Frommer auf den 13 Songs zwischen Französisch (ihre Muttersprache), Deutsch (die Sprache ihrer Wahlheimat) und Englisch (die internationale Sprache des Pop) und zwar nicht nur von Song zu Song, sondern auch innerhalb der Songs. Dies ist anfangs ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber dennoch interessant gemacht.
Leider gibt es auf Ex Saint außer der Multilingualität ansonsten nur wenig Abwechslung und keine erkennbaren Spannungsmomente. So unterscheiden sich die einzelnen Songs im Gesamtbild nur wenig voneinander. Daran könnte das Duo auf jeden Fall noch feilen. Ansonsten ist Er France mit Ex Saint ein solides Zweitlingswerk mit viel Charme und Eigenständigkeit gelungen.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 26.Oktober 2007 Label: lolila / Motor Digital (Broken Silence)
Website: www.erfrance.de Myspace: www.myspace.com/erfrance
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Im Wochentakt werden im Hause NME neue Bands zur Rettung des Rock 'n' Roll rausgehauen. Das neueste Phänomen der britischen Musikszene heißt The Twang, fünf Jungs aus Birmingham, die im Dezember 2006 noch völlig unbekannt waren. Dann starteten die Jungs dank BBC und NME mächtig durch und spielten den Headliner-Slot auf der Newcomer-Stage des diesjährigen Glastonbury Festivals. Mit Love It When I Feel Like This präsentieren The Twang nun ihr Debütalbum, das immerhin für eine Woche Platz 3 der UK-Charts besetzte.
Nach all den aufgestylten Bands der letzten Zeit, die den Anschein machten, als ginge es um einen Lookalike-Contest, kommt mit The Twang endlich mal wieder eine Band, der es nicht um ihr Aussehen geht, sondern um ihre Musik. Mit einem rüpelhaften Charme und einer ehrlichen Working-Class-Attitüde präsentieren die fünf Jungs einen Sound, der hörbar vom späten Achtziger- und frühen Neunziger-Manchester-Sound geprägt ist. The Twang erwecken eben diese von vielen längst totgesagten Klänge wieder zum Leben und schaffen daraus einen wunderbaren Soundtrack, der so manchen Brit-Poper der alten Schule in Erinnerungen schwelgen lässt. The Twang spielen sich durch ein Debüt, das urbritischer nicht sein kann und liefern 10 Songs über das triste Alltagsleben. So berichtet Phil Etheridge über durchzechte Nächte, Katerfreuden und -leiden am nächsten Morgen, nervige Nachbarn und dem Rumhängen mit Freunden. Geschichten aus dem Leben, in denen sich so mancher junge Brite wieder findet.
Ist dies die neue Generation von Working-Class-Heroes? Vielleicht. Zumindest sind The Twang ein Hoffnungsträger dafür, die britische Musikszene aufzumischen.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 19. Oktober 2007 Label: Universal Music
Website: www.thetwang.co.uk Myspace: www.myspace.com/thetwang
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Wenn man kurz zuvor auf einem Tocotronic-Konzert war und dann plötzlich die neue Platte von Schrottgrenze im Briefkasten findet, ist es schwer möglichst unvorbelastet eine Rezension zu schreiben. Dennoch mache ich mich an den Versuch, dem neuen Album Schrottism gerecht zu werden.
In der CD-Info wird das sechste Album der aus Peine stammenden und seit Jahren in Hamburg ansässigen Band als "ihr Schlüsselalbum, ihr Manifest" angekündigt. Nach 13-jährigem Bandbestehen soll dieses Album Schrottgrenze nun endlich dazu verhelfen den langersehnten Eintritt "in den Kosmos der großen deutschen Rockbands" zu ermöglichen. Das sind hohe Ansprüche, die man hier an sich stellt. Vor allem wenn man bedenkt, dass der Rezensent kurz zuvor eben eine dieser großen deutschen Rockbands live erleben durfte und den direkten Vergleich unmittelbar vor Augen, beziehungsweise noch im Ohr hat. Die Erwartungen erfüllt Schrottism leider nicht. Auch wenn Peta Devlin (Die Sterne...) und Tobias Levin (Tocotronic, Kante...) bei den Aufnahmen zur Hilfe kamen, kommt das neue Album nicht an die Qualitäten der Vorgänger Château Schrottgrenze und Das Ende unserer Zeit heran. Beim genaueren Hinhören gewinnt man sogar den Eindruck, dass die Band das wüsste. So fällt der Text der neuen Single Künstler muss schön sein das eigene Urteil: "Erstaunlich, was man uns hier bietet. Ja, ist denn das die Möglichkeit? Wo haben sie denn das gemietet? Das ist ja eine Schweinerei!" Sicherlich sind die paar Zeilen des wohl auffälligsten Songs im Gesamtkontext zu verstehen, aber auch so stehen sie für sich. Die anderen Lieder sind so lala... na ja, hier und da sind wie zum Beispiel in Schuldizm ganz schöne Ansätze dabei, aber insgesamt klingen auch aneinandergereihte Textphrasen wie "Erwachen, aufstehen, rausgehen, alles wieder aufnehmen..." usw. wie schon mal da gewesen und wäre es nicht tatsächlich ihr sechstes Album, könnte man meinen, sie wollten mit auf diesen deutschen Indiezug aufspringen oder so ähnlich.
"In den Kosmos der großen deutschen Rockbands" schaffen es Schrottgrenze jedenfalls vorerst nicht, aber es ist ja auch nicht schlimm, neben den Fotos, Anajo oder Muff Potter seinen Idolen von Tocotronic oder den Goldenen Zitronen nachzueifern und sich dabei Schritt für Schritt weiterzuentwickeln. Mit diesem Werk haben sie zwar leider einen kleinen Schritt zurückgemacht, aber das Potential, das die Vorgänger in sich trugen, scheint noch immer das zu sein. So ist Schrottism eine weitere Abgrenzung vom Schrammel-Punk und eine weitere Hinwendung zum melodiösem Deutsch-Pop. Vielleicht gelingen ihnen beim nächsten Album ja gleich zwei Schritte in die richtige Richtung, aber dieses Album – ich wollte mir diese Äußerung eigentlich sparen, aber was muss, das muss – ist meiner Ansicht nach Schrott.
Review: Axel Schinkel
Erscheinungsdatum: 19. Oktober 2007 Label: Motor (Edel)
Website: www.schrottgrenze.de Myspace: www.myspace.com/schrottgrenze nach oben
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"Tick Tick Tick Tick Tick Tick Tick - Boom!" Ein unverkennbarer und total typischer Sound, mit dem die Schweden zu Beginn ihres neuen Albums daherkommen. Neu ist das nicht, schließlich kennt man die Hives und mag sie vermutlich gerade deswegen - wegen ihrer eigenen und hektischen Art und Weise Songs zu interpretieren. Aber wer nun behauptet, er kenne die Hives und könne sich denken, was ihn auf The Black And White Album zu erwarten habe, der hat sich geschnitten.
Die Band mit der Rock 'n' Roll-typischen Scheißegal-Attitüde, jene Band die gerne mal über andere, wie zum Beispiel Mando Diao herzieht, eben genau die Band, die durch Größenwahn ebenso sehr glänzt wie durch die Musik, hat sich tatsächlich Gedanken gemacht, und behauptet aus ihrer Sicht legitim, einen Meilenstein in der Produktion von Rockalben geschaffen zu haben. Das Besondere ist tatsächlich, dass man sich bemüht hat, dem Album nicht diesen typischen Sound zu geben wie die Vorgänger ihn hatten und zugleich so vielseitig zu klingen als wäre es ein Best-Of. Für diesen Zweck hat man bei verschiedenen Produzenten angeklingelt, von denen der ungewöhnlichste wohl Pharrell Williams ist. Dieses Potpourri an Produzenten macht das Album sehr abwechslungsreich. Die Spannweite reicht von gewohnten Klängen, wie Tick Tick Boom oder Try It Again bis hin zu A Stroll Through Hive Manor Corridors, das eher als ruhiges Interlude und mit einer Geisterorgel daherkommt oder Puppet On A String, bei dem sie sich Tom Waits als Vorbild genommen haben könnten. Dazwischen stechen besonders die von Pharrell produzierten Stücke heraus, die sofort ins Ohr gehen. Während es ihm mit Well All Right! gelungen ist, ein solides Rockstück zu erschaffen, klingt allein schon der Titel des achten Liedes T.H.E.H.I.V.E.S. nach Hip Hop pur und auch der Beat tut es ihm gleich. Ähnlich kommt auch Giddy Up daher, obwohl nicht von Pharrell, sondern von den Hives selbst, produziert. Wer den Hip Hop-Beats allzu sehr abgeneigt ist, sollte zumindest in It Won't Be Long einen stilistisch neuen Song entdecken, der ihm zusagt. Musikalisch kommen die Hives hier nicht ganz so hektisch rüber und vor allem gesanglich zeigt Pelle Almqvist, dass er auch sehr schön in tieferen Lagen singen kann und ebenfalls ein Gespür für Melodien und nicht nur für mitreißende Parolen besitzt.
Hut ab! So manch eingefleischten Fan mögen die Hives vielleicht mit ihrem neuesten Werk vergraulen, aber viele werden sich mit mir freuen, nicht schon wieder ein Hives-Album gekauft zu haben, das wie seine Vorgänger klingt.
Review: Axel Schinkel
Erscheinungsdatum: 12. Oktober 2007 Label: Interscope (Universal)
Website: www.hives.nu Myspace: www.myspace.com/thehives
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Zehn Jahre ist es her, dass die Stereophonics mit ihrem Debüt-Album Word Gets Around die britische Musiklandschaft bereichert haben. Fernab der großen Hypemaschinerie veröffentlichte das Trio aus Wales zwischen 1997 und 2005 fünf Studioalben, feierte zwanzig UK-Top20-Hits und tourte um die ganze Welt. Dann wurde es ein wenig still um die Band. 2006 nahm sich Sänger Kelly Jones aufgrund eines Krankheitsfalls in der Familie eine kleine Auszeit. Doch nun melden sich die Stereophonics mit ihrem sechsten Studioalbum Pull The Pin zurück.
Zehn Songs in zehn Tagen hat Kelly Jones zu Papier gebracht. Doch wer jetzt glaubt, die Songs seien aufgrund dessen nur lieblos geworden, der täuscht sich, denn auch nach zehn Jahren scheint das Potential der Jungs immer noch nicht ausgeschöpft zu sein. Pull The Pin versprüht wieder jene Energie aus den Anfangstagen und ist ohne jeglichen Druck entstanden. Und genau das hört man auch. So liefern Kelly Jones und Co. Songs, die nicht nur ins Ohr gehen, sondern auch berühren. Songs, die von Sehnsucht und Verlust handeln, von "etwas, aus dem nie etwas werden kann - oder aus dem vielleicht Alles werden kann", so Kelly Jones, der sich wieder, wie auf den ersten Platten, als Geschichtenerzähler sieht, ohne dabei jedoch Kommentare abzugeben, sondern vielmehr in die Rolle des Beobachters zu schlüpfen. Musikalisch vereinen die Waliser kraftvolle Gitarrensounds (Soldiers Make Good Targets, Bank Holiday Monday) und melancholische Mid-Tempo-Songs und Halbballaden (It Means Nothing, Stone). Höhepunkt des Albums ist auf jeden Fall die catchige Gitarrenpop-Nummer Daisy Lane.
Wer nun allerdings Innovationen und Überraschungen erwartet, der wird leider enttäuscht werden, denn die gibt es auf Pull The Pin nicht. Aber wenn eine Band seit zehn Jahren Alben veröffentlicht, ist es wahrscheinlich schwierig noch etwas Innovatives zu fabrizieren. Dennoch besticht Pull The Pin durch das Altbewährte, durch das, wofür wir die Stereophonics lieben.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 12. Oktober 2007 Label: V2 (Universal)
Website: www.stereophonics.com Myspace: www.myspace.com/stereophonics
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Moonbootica sind tonträgertechnisch zurück und lassen es mit dem Opener Sundown erstmal entspannt, loungig angehen. Prägend ist hier das Synthieklangwesen, eine Entwicklung zeichnet sich durch die ansteigende Lautstärke ab. Mit Track zwei gewinnt das Album deutlich an Tempo und der knarzende Bass lässt zur Erleichterung der Anhänger des ersten Albums auch grüßen. Die Stimme lieh Jan Delay und der Text "der Mond ist unsere Sonne" kann unmissverständlicher nicht sein. Mit Strobelight drehen kowesix und tobitob dann richtig auf und zeigen mit dem den Vorgängertrack an Härte übertreffenden Beat, was ein ordentlicher Clubkracher ist. Wer hier nicht tanzen will, dem ist nicht zu helfen. Für She's A Cat haben sich Moonbootica Kowalski von Jansen & Kowalski ins Boot geholt. Der Track ist ruhiger und das Trio auf Zeit setzt hier eher auf Laszivität. Bei Jump Around (ihr wisst schon, das Werk der Boys, die ihre Hosen gern verkehrt rum trugen) jongliert das Duo mit dem Gegensatz von unglaublich tiefer und durch Helium hochgepitchter Stimme und verstärkt das Werk durch einen brachialen Bass. Joan Landor knüpft an, ist aber insgesamt schneller und klingt unverkennbar nach Moonbootica. Mit Ridin' A Train drosseln die zwei wieder das Tempo und zeigen mit Zuhilfenahme des Hamburger Kollegen Zwanie Jonson, wie brauchbar und schön der Einsatz von Stimme und Text auch in diesem Genre sein kann. Mit A Perfect Machine verlassen Moonbootica diese Ebene nicht, ersetzen den Textpart jedoch durch die Sängerin Helga Pappert. Die Geschwindigkeit nimmt wieder zu, bevor mit Like A Riot wieder richtig durchgestartet wird; und zwar so richtig richtig! kowesix und tobitob lassen es sich auf diesem Album auch nicht nehmen mit Do You See HipHop-Gefilde zu beschreiten. Das die Wahl hierfür auf Phantom Black und die englische Sprache gefallen ist, erweist sich als kluger Schachzug. Also, Achtung Sido & Konsorten! Nach diesem Ausflug widmen sich Moonbootica die restlichen zwei Tracks lang wieder ihrem eigentlichen Metier und liefern insgesamt ein abwechslungsreiches und damit hörenswertes Zweitwerk ab.
Review: Michaela Wicher
Erscheinungsdatum: 12. Oktober 2007 Label: Kontor Records (Edel)
Website: www.moonbootica.de
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Was gut und hoffnungsvoll beginnt, nimmt einen belanglosen Verlauf. So könnte die Kurzcharakterisierung des Albums To Young To Fight It des Debütanten Dan Keyes von Young Love lauten. Mit seinem Liedgut widerlegt er nämlich leider die bei popconnection einst gern aufgestellte Annahme des dem "Schmelztiegel" New York zuzuordnenden musikalischen qualitativen Outputs.
Der erste Track Discotech hat durchaus Tanzflächenpotenzial; Tempo und Gesang gehen hier eine Symbiose ein, der Beat ist treibend, die Gitarrenparts bringen zusätzliche Energie in den Song. Doch danach geht's bergab. Der folgende Track Give Up verleitet einen wirklich beinahe zu selbigem: Seicht plätschert das Lied vor sich hin, das Ausfaden verleiht dem Tra-la-laaa schließlich die Krone. Aber jetzt ist Durchhalten angesagt, also weiter zu dem dritten Lied, was sich da Closer To You nennt. Und da bleibt einem nur noch folgende Anmerkung: Wenn man einen Popsong als komplett aussagelos und dazu auch noch bahnbrechend langweilig, sich dahin ziehend bezeichnen will, so hat man an dieser Stelle die perfekte Möglichkeit. Und falls das abrupte Ende bei Too Young To Fight It als Überraschungsmoment gedacht gewesen sein sollte, so geht der Plan nicht auf. Nameless One verleitet dazu zu denken, dass Dan Keyes (heimlicher?) Fan der Kombo Good Charlotte ist. Doch da hätte er schon ein bisschen besser hinhören müssen. Immerhin entlockt sein Abklatsch mir ein Schmunzeln, das erneute Ausfaden jedoch nicht. Einziges Highlight nach dem Opener ist der Song Find A New Way, der einen zurück aus dem Koma holt. Hier findet der Künstler seine Dynamik wieder. Diese verpufft bei Tell Me aber so schnell, dass man es nicht fassen kann. Balladeskes Getue. Vielleicht hätte er sich eine Boyband suchen sollen.
Der Rest des Albums zeichnet sich durch das Aufgreifen der die vorigen Songs bestimmenden Elemente aus: Also, von der Tanzfläche zum Tanztee..., und zwischendurch mal einen auf Emo machen.
Review: Michaela Wicher
Erscheinungsdatum: 05. Oktober 2007 Label: Island (Universal)
Website: www.thisisyounglove.com Myspace: www.myspace.com/younglove
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Wie viele Best-of-Alben hat dieser Mann eigentlich mittlerweile veröffentlicht? Die Rede ist von Bob Dylan. Seit über 40 Jahren im Musikgeschäft unterwegs, bringt es Robert Allan Zimmermann über den Daumen gepeilt auf acht Greatest Hits-Compilations - die Bootleg-Series nicht mit eingerechnet. Mehr Sammelwerke, als andere Bands Studioalben veröffentlichen. Mit Dylan steht nun das neueste Best Of der Singer/Songwriter-Legende in den Läden und die große Frage im Raum, inwiefern der Fan eine neunte Ausgabe der größten Hits gebrauchen kann.
Die Dylan-Edition erscheint in doppelter Ausführung, wahlweise mit einem oder drei Silberlingen. Dazu zwei limitierte Auflagen mit Bonus-CD bzw. dickem 51er-Tracklisting. Erstmalig handelt es sich hier um eine komplett remasterte Sammlung der besten Stücke von 1962 bis 2006. Wer allerdings nun auf Klangperfektion par excellence wartet, der wird enttäuscht. Trotz digitaler Überarbeitung hat man es hier verschwitzt, die Tonqualität der einzelnen Songs aufeinander abzustimmen. Immer wieder machen sich soundqualitative Schwankungen bemerkbar. Bei Lay Lady Lay glaubt man gar, die Nadel über das Vinyl streichen zu hören. Charmant mit Sicherheit, allerdings nicht das, was man von einer remasterten Auflage erwartet.
Die Auswahl der Songs dagegen erweist sich als solide. Zumindest für Dylan-Novizen. Von Subterreanean Homesick Blues über Like A Rolling Stone bis hin zu The Times They Are A-Changin' finden sich hier alle Klassiker, die man im Gehörgang tragen sollte. Darüber hinaus gibt es eine kleine Lehrstunde in Sachen Coverstückchen. Auf Dylan wird einmal mehr deutlich, wie viele Stücke des Altmeisters Interpretationsvorlage für andere Künstler waren: All Along The Watchtower - untrennbar mit Jimi Hendrix verbunden, Mr. Tambourine Man - radioeditiert durch die Byrds und wer kennt das - zugegeben schlechte - Guns 'n' Roses-Cover von Knockin' On Heaven's Door nicht?! Fehlt eigentlich nur noch It's All Over Now (Baby Blue) dessen sich seinerzeit die ehrenwerten Stones angenommen haben. Das bekommt der Hörer allerdings nur in der Dreifach-Disk-Edition geboten.
Dylan richtet sich in erster Linie an diejenigen, die sich einen Überblick über das musikalische Werk des altehrwürdigen Singer/Songwriters verschaffen wollen. Für Insider dagegen gibt es hier rein gar nichts neues zu entdecken. Und auch bei der erweiterten 3-CD-Editon stellt sich die klassische Best-of-Gretchenfrage, inwiefern die Auswahl der Tracks den Kanon des Künstlers widerspiegelt oder was man ansonsten hätte verwenden sollen/können/müssen. Für Fans eindeutig redundant, für Sammler krönendes Fetisch-Objekt zur Kollektions-Komplettierung, für Dylan-Debütanten aber immerhin ein guter Einstieg in 44 Jahre feinster Musikgeschichte.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 05. Oktober 2007 Label: Columbia (Sony BMG)
Website: www.dylan07.com
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Ach herrje! Ist das niedlich! Zuckersüße Melodien vorgetragen von fünf schnuckeligen Jung-Erwachsenen! Mit Calling The World veröffentlichen Rooney ihr zweites Album, das insbesondere die weibliche U18-Hörerschaft in Verzückung versetzen dürfte.
Man muss es ihm neidlos zugestehen, Robert Schwartzman, Sänger und Gitarrist bei Rooney, weiß, wie man hitverdächtige Songs schreibt. Alle 13 Tracks auf Calling The World schrauben sich direkt in den Gehörgang und dürften somit ohne Schwierigkeiten ihren Weg in die Top-Playlists sämtlicher Radiostationen und Indie-Clubs finden. Das ist natürlich erst mal gut für eine junge Band, die nach einem hochgelobten Debüt ihr Zweitlingswerk veröffentlicht. Hübscher Pop-Rock, der sich an großen Vorbildern orientiert. Die Soundaffinitäten reichen von den Beatles über die Beach Boys bin hin zu Queen oder E.L.O. Und das genauso griffig und tanzbar.
Alles wunderbar, wäre da nicht das kleine Problem, dass die Songs auf Calling The World so lupenrein gestrickt, so makellos flauschig, so gnadenlos faltenfrei sind, dass sie nach dreimaligem Hören schlichtweg langweilig werden. Das Ganze erinnert an bunte Zuckerwatte: Anfangs ganz lecker, dann irgendwann aber fast unerträglich süß und am Ende nur noch klebrig. Häppchenweise durchaus genießbar, als Ganzes dann aber doch ein bisschen zu zuckrig. Da wundert es auch nicht wirklich, dass das Quintett 2004 einen Gastauftritt bei "O.C. California" hatte. Damit tritt Sänger Robert Schwartzman in die Fußstapfen seines älteren Bruders Jason, seines Zeichens Drummer bei Phantom Planet, die den Titelsoundtrack zur Serie beisteuerten. Den jüngeren weiblichen Fans dieser Serie dürfte das Album allerdings durchaus gefallen - solange die Zuckerwatte nicht in der Zahnspange kleben bleibt.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 28. September 2007 Label: Geffen (Universal)
Website: www.rooney-band.de Myspace: www.myspace.com/rooney
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Er ist die Personifizierung des Rock 'n' Roll: Mick Jagger. Seit nun mehr als 40 Jahren spielt er in der musikalischen Oberliga und hat mit den Rolling Stones Musikgeschichte geschrieben. Doch neben seiner Stamm-Band ist Mick Jagger auch immer wieder als Solokünstler aktiv. Mit The Very Best Of erscheint nun die erste Zusammenfassung seiner Soloausflüge.
The Very Best Of Mick Jagger präsentiert einen guten Querschnitt seiner vier Soloalben. Zusätzlich enthält der Silberling einige Highlights aus Jagger's Karriere wie Duette mit David Bowie und Peter Tosh, zwei Filmtracks und drei bisher unveröffentlichte Aufnahmen. An der Auswahl der 17 Songs war Mick Jagger selbst beteiligt.
Der zeitliche Rahmen erstreckt sich von Memo From Turner (1970) bis hin zu Old Habits Die Hard (2004). Dazwischen bietet The Very Best Of das Repertoire aus den vier Soloalben, die Mick Jagger seit 1985 veröffentlicht hat. Darunter finden sich Songs wie God Gave Me Everything, Don't Tear Me Up, Joy, Don't Call Me Up, Evening Gown und natürlich die Hitsingle Sweet Thing.
Neben der Standard-Version ist The Very Best Of auch als Deluxe-Version erhältlich, die zusätzlich eine Bonus-DVD enthält. Hier gibt es u.a. ein aktuelles Interview mit Mick Jagger, Clips aus den Filmen Performance und Being Mick und sieben Videos darunter das Dancing In The Streets-Video mit Bowie zu sehen.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 28. September 2007 Label: Rhino (Warner)
Website: www.mickjagger.com
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Bad Oeynhausen ist nicht gerade das Mekka des Rock 'n' Roll, aber die Zentrale der Rockabilly-Formation Built 4 Speed. Vor genau einem Jahr veröffentlichte das Quartett ihr Debüt Minor Part 1 und liefert nun mit Minor Part 2 die Fortsetzung.
Johnny, Luca Brasi, Voodoo Finger und Gamasche bleiben ihrem Stil treu und präsentieren auch diesmal wieder lupenreinen Rockabilly-Sound in der altbewährten Moll-Tonart. Die Songs stammen aus der Feder von Johnny, der grundsätzlich nachts komponiert. Laut eigener Aussage nimmt er seine Inspirationen von Erlebnissen aus seinem engsten Freundeskreis. Sie kreisen um Herz und Seele, Liebe und Schmerz. Seine Vorliebe für Moll ist darin begründet, weil diese Tonart seine persönliche Botschaft am besten transportiert.
Neben 13 Eigenkompositionen enthält Minor Part 2 auch die vorab veröffentlichte Coverversion des Depeche-Mode-Klassikers Personal Jesus, die sich klanglich gut in das Gesamtkonzept des Albums eingliedert. Im Gegensatz zu Part 1 schaffen Built 4 Speed auf Part 2 wesentlich mehr Variationen im Tempo. Herrschte auf dem Vorgänger eine fast einheitliche Linie, so gelingt dem Quartett bei der Fortsetzung eine abwechslungsreiche Mischung aus schnellen Rockabilly-Krachern wie Six Feet Under, So cool oder By My Side und ruhigen Songs wie Suicide Girl oder Judgement Day.
Built 4 Speed liefern mit Minor Part 2 eine durchaus gelungene Fortsetzung von Part 1, die sich nahtlos anschließt. Man darf gespannt sein, ob es eine Trilogie geben wird.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 28. September 2007 Label: Endless Soul Records (Cargo Records)
Website: www.built4speed.de Myspace: www.myspace.com/built4speed1
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Wer das Glück hat, das neue Album der Stars sein Eigen nennen zu dürfen, kann getrost sein Radio verkaufen und stattdessen immer und immer wieder In Our Bedroom After The War hören. Das, was dieses Album an Vielfalt zu bieten hat, kann die beste Radiosendung der Welt nicht vorweisen, es sein denn die Stars selbst würden sie präsentieren, moderieren, produzieren und überhaupt mit ihrer eigenen Musik versorgen.
In Our Bedroom After The War ist tatsächlich eine der abwechslungsreichsten Platten, die in der letzten Zeit veröffentlicht wurden. Da ist nahezu für jeden Geschmack etwas dabei und es fällt sichtlich schwer zwischen den dreizehn Songs einen oder zwei zu bestimmen, die die meiste Aufmerksamkeit verdient hätten oder schlichtweg am besten sind. Das vierte Album der fünf Kanadier glänzt in seiner Gesamtheit, ohne dass dabei auch nur einem Song die Berechtigung fehlen würde mit von der Partie zu sein. Schade nur, dass man in Gegensatz zum Radio nach fast einer Stunde erneut auf Play drücken muss.
Den Anfang machen Stars mit dem treffend betitelten Instrumental-Stück The Beginning After The End, bevor die Reise durch die bunte Radiolandschaft beginnen kann. Zunächst starten sie mit einem soliden Indie-Pop-Song, der vor allem durch seinen zweistimmigen Gesang besticht. Der dritte Song Take Me To The Riot ist in sich bereits Abwechslung pur. Was zunächst mit einem schlichten Bass- und Schlagzeug-Intro beginnt, wird schnell mit Piano und Gesang versetzt, bevor in der ersten Zeile des Refrains Saturday Night's in Neon-Lights klar wird: Der Song ist zum Tanzen! My Favourite Book und damit verbunden Amy Millans Stimme sind schließlich der Beweis dafür, dass man die ganzen Nelly Furtados und Natasha Beddingfields aus dem Radio verbannen könnte. Ähnlich verhält es sich auch bei Amys männlichem Gegenpart in der Band: Wer muss schon Mika oder die Scissor Sisters im Radio hören, wenn Torquil Campbell in The Ghost Of Genova Heights ebenso schön in Gesangslagen performen kann, in denen sich einst die BeeGees wohl gefühlt haben? Personal ist schließlich eine wunderschöne und ruhige zweistimmige Ballade, deren instrumental-Outro stark nach diversen Stücken von Mogwai klingt. Mit dem Song Barricade haben sie es dann sogar geschafft unseren Radioparasiten Nummer Eins auszustechen. Eine Piano-Ballade, die James Blunt nicht emotionaler hätte singen können. Bitches In Tokyo ist, wie der Titel verspricht, genau das, was auf dem Album noch fehlte: Ein relativ kompromissloser Rocksong mit Frauengesang. Der letzte Song, gleichzeitig titelgebend für das Album, haut unserem britischen Soldaten-Barden noch mal so richtig in die Fresse. Gewollt oder nicht!? Egal! Jedenfalls hat seit John Lennon niemand mehr so schön und eingehend The War Is Over gesungen. In den letzten fast sieben Minuten holen Stars, die zum Teil der Broken Social Scene angehören, noch mal alles aus sich heraus und bringen das Album zu einem sehr pompösen Ende.
Insgesamt gelingt es den Kanadiern trotz der immensen Stilvielfalt irgendwie einen Rahmen um ihre Songs zu machen, so dass mir nur noch eins zu sagen bleibt: Verkauft euer Radio!!!
Review: Axel Schinkel
Erscheinungsdatum: 21. September 2007 Label: City Slang (Universal)
Myspace: www.myspace.com/stars
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Endlich ist es da, das neue Werk der Robos. Seit They Think They Are The Robocop Kraus ist viel Zeit vergangen. Tourneen im In- und Ausland standen auf dem Programm und letztlich kam auch noch der Ausstieg ihres Bassisten hinzu. Sicherlich war ich enttäuscht, dass sie meine Anfrage auf den freigewordenen Posten dankend abgelehnt haben und sich stattdessen für den Peter entschieden. Aber da Peter bereits bei der Hamburger Band Saboteur als Bassist und Sänger ganze Arbeit verrichtet hat, steigerte es eher noch meine Erwartungshaltung. Dem eingängigen Sound der Robos schadet dieser Personalwechsel jedenfalls nicht und in gewohnter Manier geht es weiter tanzbar nach vorne.
Auch wenn Blunders And Mistakes dem ersten Eindruck nach vielleicht etwas ruhiger und gesetzter erscheint, handelt es sich hierbei um ein durchweg vielseitiges Werk, bei dem jeder einzelne Titel seine kleinen Leckerbissen für den Hörer präsentiert. So überrascht bereits der hörenswerte Opener Waiting Above The Ocean das gemeine Indie-Ohr, indem hier nach dem Refrain plötzlich ein ¾-Takt eingeleitet wird, bevor es dann in Hyenas tatsächlich etwas ruhiger zugeht. Aber der Schein trügt, denn aus dem sommerlich-surfigen Anfang wird schnell ein astreines Stück Indie-Pop. Das Highlight des Albums ist der Song Gibraltar. Allein der imposante Aufbau des Stücks, das kurze aber prägnante Delay auf der Stimme, die passende Zurückhaltung der Gitarre und das melodiöse Bassspiel von Peter sind den Kauf der Platte wert. Wunderschön!
Auch die weiteren Songs sollten den Hörer bei seiner Kaufeinscheidung positiv beeinflussen. Selten hat ein Sänger seinem Zuhörer so offensichtlich direkt ins Gesicht gesungen, ohne dabei auch nur irgendwie aufdringlich zu wirken. Aber nicht nur Bass und Gesang geben ihr Bestes. Mit dem Song Chances haben sie etwas geschaffen, zu dem man sich wunderbar in Trance tanzen kann, nein: in Trance tanzen muss! Das Schlagzeug saugt einen auf und die Orgel, bzw. Synthis besorgen den Rest, bis man schließlich glaubt Phil Fuldner hätte an diesem Song mitgewirkt. Mit Blood On The Pullover liegt schließlich eines der ruhigsten Lieder des Albums vor. Aber auch in ruhigeren Gefilden gelingt es ihnen auf ganzer Linie zu glänzen. Ein total eingängiges Orgelzwischenspiel und die abschließenden Du-dub-du-di-du-dub-Gesänge krönen dieses Lied so sehr, dass man sich fast schon wünschen könnte, sie würden ihr nächstes Album noch ruhiger gestalten. Aber da The Robocop Kraus ebenso gut schnelle und hektisch-vertrackte Songs aus dem Hut hervorzaubern können, ist dieses Album in der Gänze wohl ihr bisher abwechslungsreichstes. Dabei bedarf es gerne auch mal mehrere Hördurchgänge, um alle Facetten von Blunders And Mistakes zu durchschauen. Immerhin kann ich mir jetzt sicher sein, dass die Robos auch ohne mich am Bass ihren Weg gehen werden.
Review: Axel Schinkel
Erscheinungsdatum: 21. September 2007 Label: Anti (SPV)
Website: www.therobocopkraus.de Myspace: www.myspace.com/therobocopkraus
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So niedlich illustriert das Cover auf den ersten Blick auch ist, so frustrierend ist es auf den zweiten: Eine Hand, die dem Betrachter ein totes Vögelchen präsentiert. Dem lächelnden Schnabelausdruck zu folge scheint der kleine Geselle wenigstens glücklich gestorben zu sein. Menschen mit einem leicht morbiden Ästhetikempfinden würden darin eine bittersüße Art der Schönheit sehen. Menschen mit gesundem Musikverstand erkennen diese im aktuellen Jonah Matranga-Album And so oder so.
Seit nunmehr 15 Jahren ist Jonah Matranga musikalisch umtriebig. Angefangen mit der Emocore-Band Far über Onelinedrawing bis hin zu Gratitude war Matranga 15 Jahre lang musikalisch umtriebig. Von zahlreichen Supports und Kollaborationen ganz zu schweigen. Ein Suchender, ein unruhiger Geist, der seinen musikalischen Weg irgendwo zwischen Soloprojekt und Bandgefüge sucht. Und am Ende feststellt, dass er diesen am besten im Alleingang gehen kann. Vielleicht nicht ganz allein, denn auf And erhält Jonah Matranga musikalische Unterstützung von seinem großartigen Label-Kollegen Ian Love.
Mit seinem aktuellen Album schlägt Matranga deutlich ruhigere Töne an. Emotionaler Indie-Pop vom Feinsten! So stark Jonah Matranga die Posthardcore-Szene beeinflusst hat, so wenig haben die zehn Tracks auf And mit dem glatt gebügelten Mainstream-Sound des Genres zu tun. Kein affektiertes Befindlichkeitsgehabe, keine Schwulsttexte, die den Rubikon des Pathos längst überschritten haben, sondern minimalistisch gehaltene und dabei stock-ehrliche Songs auf der (Semi-)Acoustic-Guitar. Jene Form der Authentizität, die ein Chris Carrabba aka Dashboard Confessional längst verloren hat und die einen guten Singer/Songwriter ausmacht.
And ist ein Album, das berührt. Eine fragile Form der Schönheit, melancholisch und optimistisch zugleich. Eine Platte, die einen umarmt und nicht mehr loslässt. Die irgendwie zu trösten vermag. Hey, der kleine Vogel ist glücklich gestorben! Oder vielleicht schläft er auch nur mit den Füßen nach oben...
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 21. September 2007 Label: Arctic Rodeo Recordings (ALIVE)
Website: www.jonahmatranga.com Myspace: www.myspace.com/jonahmatranga
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Zu den Turin Brakes muss man eigentlich nicht mehr viel sagen. 1999 veröffentlichten die beiden Londoner Olly Knights und Gale Paridjanian ihr Debüt The Door EP und wurden fortan als namhafte Größe des New Acoustic Movement gefeiert. Mit Dark On Fire steht nun das vierte Album des Duos in den Plattenläden.
Beim ersten Durchlauf wird bereits deutlich, dass die Turin Brakes auch in acht Jahren des Musikmachens ihr Gespür für gutes Songwriting nicht verloren haben. Wie seine Vorgänger zeichnet sich auch Dark On Fire durch bittersüße Stücke aus, die textlich wie musikalisch irgendwo zwischen Melancholie und Leichtigkeit schwanken. Ein Drahtseilakt, der funktioniert. Ähnlich wie James Walsh (Starsailor) schraubt sich auch Olly Knights' Stimme mit nasaler Dramatik durch die Songs, ohne diese ins bodenlose Pathos stürzen zu lassen. Erstmalig hat das Duett mit seiner Live-Band aufgenommen. Eine Entscheidung, die die Songs in sich dichter klingen lässt - und energetischer. Ein Quäntchen weniger Folk, eine Wagenladung mehr Pop. Ein Konzept, das aufgeht, wie Last Chance oder Stalker beweisen. Und das locker-flockige Timewaster entwickelt sogar fast Tanzflächenfüller-Qualitäten. Daneben gibt es wie gehabt traurig-schöne Balladen wie Other Side, Bye Pod oder New Star, bei denen man sich zu Slide-Guitar und Piano am liebsten in die Schnuffeldecke kuscheln würde.
Dark On Fire entpuppt sich als ein runde Sache. Songs, die leicht genug sind, um den Hörer nicht in melancholische Abgründe zu reißen, jedoch genug Tiefgang haben, um nicht an der Oberfläche zu dümpeln. Passender kann ein Start in die herbstliche VÖ-Saison kaum sein!
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 14. September 2007 Label: Virgin (EMI)
Website: www.turinbrakes.com Myspace: www.myspace.com/turinbbrakes
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Wir erinnern uns: 2005 veröffentlichten The Bravery ihr selbstbetiteltes Debüt-Album. Während die einen das New Yorker Quintett wegen ihres Post-Punk-Synthiepop mit New Wave-Einlagen feierten, beschimpften sie die anderen als Epigonen der Killers. Unbeeindruckt dessen werkelten The Bravery fleißig an ihrem Zweitlingswerk The Sun And The Moon, das dieser Tage erscheint.
In zwei Jahren fließt bekanntermaßen viel Wasser den Hudson River hinunter. Nicht nur die Killers haben musikalisch umstrukturiert, auch bei The Bravery hat sich einiges verändert. Die Zackigkeit zusammengefrickelter Soundelemente findet sich höchstens noch auf Every Word Is A Knife In My Ear wieder. Beatige Rhytmen lassen Songs wie Bad Sun oder Angelina trotz melancholisch desillusionierter Lyrics einen Tick sonniger erscheinen, als die Tracks des Vorgänger-Albums. Auch was den Einsatz der Instrumente betrifft, haben die Jungs neue Wege eingeschlagen. Ungewohnt sanfte Streicherarrangements und Pianoklänge umschmeicheln den Hörer bei der Ballade The Ocean. Und noch etwas fällt auf: The Bravery haben die Synthie-Elemente heruntergeschraubt und durch reinsten Gitarrenpop ersetzt. The Sun And The Moon klingt passagenweise wie eine Reminiszenz an die glorreichen Zeiten von Cast oder den Inspiral Carpets. Das Triplett Time Won't Let Me Go, Tragedy Bound und Fistful Of Sand hätte ohne weiteres noch aus Tom Hingleys Feder stammen können - von der offensichtlichen Radiotauglichkeit mal abgesehen. Überhaupt erinnert hier einiges an den Sound der Insel. Ab und an weht gar ein beatleeskes Lüftchen durch die Songs, das den Klang alter Klassiker der La's mit sich trägt.
Ist das nun gut oder schlecht? Kommt darauf an, von welcher Seite des Zauns aus man diese Frage betrachtet. Während die einen wieder "Epigonitis lass nach!" schreien werden, stimmen die anderen Lobgesänge auf die Wiederentdeckung und -verwertung urbritischer Klänge an. Die ewig leidige Frage nach der Neuerfindung des Rads, der immerwährende Kampf geschmacklicher Differenzen. Dessen ungeachtet bleibt der schlichte Fakt, dass The Sun And The Moon einiges von der Energie des Vorgängers eingebüßt hat. Die Eletroclash-typischen Ecken und Kanten sind einer einschmeichelnden Eingängigkeit gewichen. Nichtsdestotrotz steht die instrumentelle Umstrukturierung den Songs gut zu Gesicht.
Mit The Moon And The Sun haben The Bravery ein ungezwungenes Pop-Album geschaffen, das immer noch genug Tiefgründigkeit besitzt, um nicht in der Sparte "Fahrstuhlmusik" oder "Kaufhausberieselung" zu landen. Vielleicht nicht spektakulär, aber dennoch ein gelungener Spagat zwischen der unerträglichen Leichtigkeit des Seins und der trüben Novemberdepression.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 07. September 2007 Label: Island (Universal)
Website (deutsch): www.thebravery.de Website (englisch): www.thebravery.com Myspace: www.myspace.com/thebravery
Albumplayer Video
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Sumner. Dieser nicht allzu weitverbreitete Nachname kommt einem doch bekannt vor. Genau: Gordon Sumner. Besser bekannt als Sting. Daher also. Wie passend, dass die Londoner Fictionplane um seinen Sohn Joe gerade zur Reuninon-Tour von The Police mit Left Side Of The Brain ihr zweites Album auf den Markt bringen. Und welch kosmischer Zufall, dass Papas Band Fictionplane gleich als Support verpflichtet hat. Bassist und Sänger Joe Sumner, Gitarrist Seton Daunt und Drummer Pete Wilhoit konnten sich diese Chance, gleich die ganz großen Arenen zu füllen, nicht entgehen lassen. Wäre ihr Zweitwerk doch sonst vermutlich in den Regalen verstaubt.
Joe hat definitiv Timbre und Gesangstalent seines berühmten Vaters geerbt und auch das Bassspiel wurde ihm in die Wiege gelegt. Ansonsten ist die prominente Vaterschaft wohl eher ein Fluch. Nur allzu schnell wird hier vom gemachten Nest, in das sich Fictionplane legen, geredet. Kein Wunder also, dass sich die Rezensentin in der Vater-Sohn-Geschichte verliert. Die Single Two Sisters mit ihren groovigen Basslines erinnert aber auch tatsächlich an den Herrn Erzeuger. Hat Sting das nicht vielleicht doch höchstpersönlich eingesungen? Die Ähnlichkeiten sind verblüffend. Doch Fictionplane sind bestimmt keine zweiten Police. Allein dazu fehlt ihnen die Eigenständigkeit, die The Police mit Reggae- und Punkrock-Roots vorgelegt haben. Bereits beim zweiten Song (Death Machine) kann man nicht mehr anders, als Vergleiche mit Incubus' Drive oder Pardon Me zu ziehen, nur eben ohne die Turntables, die diesen Songs doch noch das gewisse Etwas geben. It's A Lie, das so ähnlich auch aus der Feder von Hard-Fi oder Maroon 5 stammen könnte, setzt sich im Ohr fest und ist nicht minder chartstauglich. Insgesamt dümpeln die elf poppigen Songs jedoch vor sich hin ohne großen Eindruck zu hinterlassen. Übertrieben hat es das Trio auch mit rührseligem Pathos, Fake Light From The Sun sei als ein Beispiel genannt.
Der linken Gehirnhälfte werden Funktionen wie logisches und analytisches Denken zugeschrieben, der rechten Musikalität und Kreativität. Weniger Analyse und Logik hätten Left Side Of The Brain gut getan. Vielleicht heißt das Drittwerk ja Right Side Of The Brain, dann klappt es hoffentlich auch mit der Eigenständigkeit.
Review: Katrin Reichwein
Erscheinungsdatum: 07. September 2007 Label: Bieler Bros. (Rough Trade)
Website: www.fictionplane.co.uk Myspace: www.myspace.com/fictionplane
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Vier Jahre lang bereicherten The Coral die britische Musikszene mit ihrer Mischung aus Rock, Country, Psychedelia und Folk. Sie überzeugten die Kritiker, stürmten die Charts und tourten um die ganze Welt. Doch nach ihrem vierten Top 5-Album in weniger als drei Jahren und ihrer bis dato erfolgreichsten Single In The Morning verloren The Coral das, was eine gute Band ausmacht: Die Passion und die Freude an der Musik. Die Band stand kurz vor dem Aus und zog sich in ihre Heimat nach Hoylake zurück, um sich selbst zu finden und neue Energie zu schöpfen. Manchmal muss man Dinge eben einfach loslassen, damit sie zu einem zurückkommen. Und so fingen The Coral nach einer kurzen Zeit der Absenz wieder an, neue Songs zu schreiben. Die Leidenschaft und die Freude an der Musik kamen wieder und so fühlten sich The Coral endlich wieder bereit für einen Neuanfang.
Mit ihrem fünften Album Roots And Echoes, das zum größten Teil in Noel Gallaghers Studio entstanden ist, melden sich The Coral nun zurück. Roots And Echoes ist das stärkste und gleichzeitig auch das offenste Werk, das The Coral bislang herausgebracht haben. Das Songwriting ist wesentlich ausgefeilter und persönlicher als auf den Vorgängeralben. So erzählen die Songs von dem Umgang mit der Einsamkeit, darüber, aus der Ferne zu lieben und zu wissen, wann es sich lohnt eine Beziehung zu retten. Musikalisch bleiben The Coral zwar ihrem gewohnten Sound treu, verabschieden sich auf Roots and Echoes allerdings von frenetischen Jams, endlosen Instrumentalpassagen und Ohrwurmhits á la Dreaming Of You und konzentrieren sich mehr auf schöne Melodien mit viel Harmonie und komplexere Arrangements. Das Album wirkt zweifelsohne wesentlich erwachsener und gereifter als die Vorgänger.
Mit Roots And Echoes haben The Coral ihr Meisterwerk aufgenommen und liefern eine Sammlung von Songs, die sich direkt in deine Seele brennen und dort für immer bleiben. Für mich jetzt schon definitiv eine der Platten des Jahres!
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 31. August 2007 Label: Red Ink (Rough Trade)
Website: www.thecoral.de
Video zur Single "Who's Gonna Find Me?"
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Diese druckvolle Gitarre, die Cinderella eröffnet - ist das noch Aqualung, die wir mit sanften Gitarrenklängen á la Strange And Beautiful (aus dem Werbespots eines großen, deutschen Automobilherstellers) assoziieren? Ja und nein. Das wohltemperierte Klavier, die Stimme des Multiinstrumentalisten Matt Hales, die melodiöse Schönheit, all das ist auch noch auf Memory Man vorhanden. Aber doch präsentiert sich das dritte Werk des Ein-Mann-Projekts Aqualung diesmal nicht ausschließlich als Leisetreter. Weg ist der Lo-Fi. Willkommen im Bombast-Zeitalter.
Kompositorische Unterstützung holte sich Hales von seiner Frau Kim Oliver sowie seinem Bruder Ben Hales, der sowohl Gitarre als auch den Bass einspielte. Den Großteil der Aufnahmen hat der schüchterne Songwriter jedoch weiterhin nicht aus der Hand gegeben. Do it yourself ist die Devise. Beherrscht Hales neben Klavier, E-Gitarre, Glockenspiel und Synthesizer doch noch weitere Instrumente, von deren Namen die wenigsten gehört haben werden. Er experimentiert mit unechtem Orchester, Chören, programmierten Beats, dem Vocoder und vielem anderen Technik-Schnick-Schnack. So sollte man auch wissen, dass sich der Titel Memory Man keines Falls vom Gedächtnis des Mannes ableitet, nein, der Titel ist eine Hommage an ein schnödes Gitarren-Effektgerät aus dem Hause Electro Harmonix, das Hales auf seiner langen US-Tour vor aufkommender Langeweile bewahren sollte. Und genau dessen Gedächtnis im Bereich analoger Echos und kontrollierter Feedbacks bekommt man in jedem der elf Songs unerwartet als aufjaulenden Effekt um die Ohren gehauen. Weniger wäre hier manchmal mehr gewesen. Zu oft rückt Hales grandiose Gesangsstimme dank seiner Sample-Wut, die die klassische Instrumentierung leider zu übertönen vermag, in den Hintergrund.
Immerhin schaffen es die Effekte, dass nie Langeweile aufkommt. Nach dem, für Aqualung-Verhältnisse, kraftvollen Cinderella, der ersten Singleauskopplung Pressure Suit und dem poppigen Something To Believe In geht dem Album nämlich erst ein Mal ein wenig die Puste aus. Genau bei diesen drei Songs, sowie bei Outside, beweist Hales, dass er immer noch ein sicheres Gespür für große Pop-Melodien hat. Im Ganzen betrachtet vermag sich Memory Man mit seiner Mischung aus Indie-Pop und Elektronik, kombiniert mit bombastischen Streicherarrangements aber nicht aus dem Coldplay-Keane-Kosmos lösen. Black Hole, das als einziger Song der ursprünglichen Idee eines Konzeptalbums - um genau zu sein, einer "apokalyptischen Lost-in-Space-Erzählung" - übrig geblieben ist, erinnert zuweilen sogar stark an U2s Beautiful Day. Hales und damit Aqualung büßen durch eben diesen kompositorischen Umbau einiges an ihrer liebenswürdigen Eigenheit ein. Wäre man gemein, könnte man gar behaupten, dass Memory Man für den amerikanischen Markt geschrieben wurde, nicht umsonst wurden viele der neuen Songs vorab in US-amerikanischen Fernsehserien (unter anderem in Grey's Anatomy und CSI: Born to Kill) präsentiert. Aber nein, wir wollen nicht gemein sein, denn dazu hat das Album zu viele schöne Facetten zu bieten. Es wird auf jeden Fall triste Herbsttage erträglicher machen. Und ist es nicht auch so, dass man sich an Veränderungen immer erst einmal gewöhnen muss? Sehen wir es also als einen etwas holprigen Schritt in Richtung erwachsene Popmusik des Matt Hales.
(kat)
Erscheinungsdatum: 24. August 2007 Label: Red Ink (Rough Trade)
www.aqualung.net www.aqualungmusic.de www.myspace.com/aqualung
Video zur Single "Pressure Suit"
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Acht Jahre war es still um Kula Shaker. Das letzte Lebenszeichen erreichte uns 1999 mit Peasants, Pigs And Astronauts. Dann löste sich die Band leider auf.
Wir erinnern uns zurück: 1997, zu einer Zeit, als Bands wie Oasis und Blur das Erbe der Kinks und der Beatles antraten, platzt plötzlich eine Band in die leicht prollige, bierselige und fußballbegeisterte Lad-Kultur, die sich von dem, was damals die Musikszene Großbritanniens beherrschte, abhob. Ihre Mischung aus indischen Elementen und psychedelischem Sixties-Touch wurde zwar anfangs von vielen Kritikern müde belächelt, doch es gelang Kula Shaker schließlich, mit Songs wie Tattva und Hey Dude auch den kritischsten Bleistiftkritzler davon zu überzeugen, dass es sich bei Kula Shaker nicht um eine kurzweilige Erscheinung handelt, sondern um eine Band, die das Zeug hat, die Musikwelt um einiges zu bereichern. Ihr Debutalbum K zählte damals zu den bestverkauftesten Debütalben in Großbritannien. Zwei Jahre später folgte dann das Zweitlingswerk Peasants, Pigs And Astronauts, ein Album, das sowohl bei den Fans als auch bei der Musikpresse scheiterte. Zu groß war wohl der Maßstab, den die Band mit ihrem Debütalbum gesetzt hatte. Was folgte war die Trennung.
Jetzt fanden sich Kula Shaker in Originalbesetzung, Crispian Mills (Gesang, Gitarre), Alonza Bevan (Bass) und Paul Winter-Hart (Schlagzeug) wieder zusammen und melden sich mit ihrem dritten Album Strangefolk zurück.
Strangefolk unterscheidet sich deutlich von den ersten beiden Alben. Ein leichter Duft von Räucherstäbchen der späten Sechziger liegt zwar noch in der Luft und ein Hauch von Psychedelia ist zwar noch zu spüren, aber dennoch ist dieser spirituelle Einschlag längst nicht mehr so stark vertreten wie auf den beiden Vorgängeralben. Die Sitar ist der Retro-Rock-Gitarre gewichen und indische Elemente sind nur noch ansatzweise bei Song of Love/Narayana zu finden. Stattdessen dringt die Hammondorgel in den Vordergrund und verleiht den Songs einen sehr doorsmäßigen Charakter. Aber es ist natürlich immer noch Kula Shaker und die Jungs haben nichts von ihrer Qualität eingebüsst und es nicht verlernt, großartige Songs zu schreiben. Songs, die sich sofort im Gehörgang einnisten und die man nicht mehr missen möchte. Und zu denen gehören auf Strangefolk zweifelsohne Out On The Highway, Second Sight, Die For Love, Fool That I Am, Hurricane Season und Dr. Kitt.
Kula Shaker haben sich zwar verändert und wer nun in nostalgischer Erinnerung an die späten 90er schwelgt, wird sehr schnell erkennen, dass seither 10 Jahre vergangen sind. Trotzdem ist Kula Shaker mit Strangefolk ein schönes Comeback gelungen. Und ich find's schön, dass sie zurück sind!
Review: Jenny Schnabel Erscheinungsdatum: 17. August 2007 Label: Essential (Indigo)
Website: www.kulashaker.co.uk Myspace: www.myspace.com/kshaker
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Pimp my Song. Genau dieses Prinzip haben Gossip nach dem Aus des Hamburger Labels Lado angewendet und präsentieren nun die neue Version des 2006er Albums. Und man kann nur sagen, dass die Neubearbeitung auch etwas gebracht hat. Zumindest schon mal auf dem englischen Markt, wo der bereits vorher anständige Song Standing In The Way Of Control es in neuer Version zum Top 10 Single Hit schaffte. Als behilflich beim Pimpen erwiesen sich die belgischen Kollegen von Soulwax, die ja schließlich wissen müssen, wo der Soundhammer hängt.
Insgesamt warten Gossip mit einer großen Songbandbreite auf. Getragen wird jeder Track von Beths energetischer Stimme, die der Mischung aus Punk und R&B ordentlich Pfeffer gibt. Nach wie vor bleibt die Hymne Standing In The Way Of Control unangefochtener Spitzenreiter, der seinesgleichen sucht. Positiv überrascht Coal To Diamonds, bei dem Beth ruhigere emotionale Töne anschlägt und damit beweist, dass sie wirklich etwas von ihrem Handwerk versteht. Neben benanntem Hymnensong erweist sich Your Mangled Heart als potentieller Nachfolgehit. Das wäre der Band zumindest zu wünschen, denn Gossip sind ein wahrhaftiges musikalisches Powerpaket.
Review: Michaela Wicher
Erscheinungsdatum: 17. August 2007 Label: Red Ink (Rough Trade)
Website: www.thegossip.de Myspace: www.myspace.com/Gossipband
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Dusk and Summer - ein Albumtitel, wie eine Fototapete. Irgendwo an einem schneeweißen Strand liegt sich ein glücklich verliebtes Paar in den Armen und schaut verträumt dem glühenden Feuerball zu, der langsam das Meer berührt. Romantik-Klischees wie aus einem Hollywood-Schmachtfetzen. Wenn man sich den aktuellen Longplayer von Dashboard Confessional anhört wird jedoch schnell klar, dass es bei Dusk and Summer wohl eher um den Abschied von der Urlaubsromanze und die zurückbleibende Melancholie geht. Wir sind immerhin im Emo-Genre. Klischees werden dennoch bedient und die Hochglanz-Produktion lugt nicht nur unverhohlen aus dem Cover hervor, sondern springt den Hörer auch aus den Riffs an.
Wir erinnern uns: 2000 veröffentlicht Dashboard-Mastermind Chris Carrabba mit The Swiss Army Romance ein großartiges Akustik-Debüt, das nicht nur Freunde des Emo-Punk begeistert. Ein Album, eine EP und drei Jahre später landet der Singer/Songwriter mit seiner Neuauflage von Hands Down auf dem Album A Mark, A Mission, A Brand einen derartigen Hit, dass Dashboard Confessional auch dem letzten Indie-Hinterwäldler zum Begriff wird. Die A-Gitarre gegen Strom eingetauscht, dadurch ein wenig von der ursprünglichen Charmanz verloren - aber neue Fans gewonnen. Ein Wermutstropfen, an den nun Dusk and Summer anknüpft. Produziert von Don Gilmore, der bereits mit Pearl Jam oder Linkin Park zusammengearbeitet hat, zeigt sich bereits beim ersten Durchlauf, in welche Richtung das Ganze driftet: Von der Massenkompatibilität hin zum Mainstream. Dashboard hat die Ecken und Kanten verloren - und damit leider auch den Reiz. Dusk and Summer kommt dermaßen glatt gebügelt daher, dass es in dem Einheitsbrei aus Amiland regelrecht untergeht. Radiotauglichkeit galore - und eine Garantie für eine Heavy-Rotation auf MTV.
Trotz der Vielfalt aus Akustik-Balladen (Dusk and Summer) und bretternden Schrammelriffs gepaart mit catchigen Hooks (Reason To Believe) will der Funke nicht so ganz überspringen. Da gehen Perlen wie So long, so long, eine Piano-angestimmtes Duett mit Counting Crows Sänger Adam Duritz, oder das energetische Slow Decay fast unter.
Klar sind die Tracks auf Dusk and Summer schön. Natürlich ist Carrabbas Gesang wehmütig wie eh und je, nur leider ist das hier zu viel von allem: Ein Gramm zuviel Pathos in den Melodien, eine Prise zuviel Emotionalität in den Lyrics und vor allem eine ganze Wagenladung zuviel Hochglanzpolitur. Für Außenstehende und Genre-Fremde die Verkörperung des Emo-Klischees, wie es derzeit durch Bands wie Panic At The Disco oder 30 Seconds To Mars im Dauer-Airplay verkörpert wird. Schade! Denn eigentlich hätte Chris Carrabbas eine derartige Aufmachung gar nicht nötig.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 17. August 2007 Label: Interscope (Universal)
Website: www.dashboardconfessional.com Myspace: www.myspace.com/dashboardconfessional
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Auf ihrem dritten Album Places Like This geben sich die Australier von Architecture in Helsinki größte Mühe ihr Schaffen der vorangegangenen Alben weiter zu treiben und dabei noch bunter, abwechslungsreicher, verrückter und vor allem chaotischer vorzugehen als beim Vorgänger.
Dem Opener Red Turned White gelingt es einen nahtlosen Übergang von In Case We Die zu schaffen. Auch der zweite Song Heart It Races schließt mit Synthie-Drums und Steeldrum-Imitationen relativ erwartet an, bevor der wohlklingende Eindruck in Hold Music dahin ist. Was anfangs noch stark an kreative Auswüchse à la Modest Mouse erinnert, endet schließlich in einem Soundtrack für einen Spielplatz. Allerdings muss dieser Spielplatz wohl erst noch erfunden werden: Einzig und allein für hyperaktive Kinder auf Speed, an jeder Ecke wachsen Pilze, an der Schaukel wird von Fozzie-Bär und Gonzo persönlich angeschoben und wenn man Glück hat darf man sogar mal mit Spongebob um die Wette rutschen, bevor man von Miss Piggy eine kühle Limonade eingeschenkt bekommt. Welch ein Spaß!
Dieser Eindruck wird die ganze CD aufrecht erhalten und sogar noch verstärkt. Nur Underwater sticht heraus und klingt tatsächlich so ruhig wie es der Titel vermuten lässt. Die einzige Entspannungspause bis es bei Like It Or Not nach 30 Sekunden wieder rauf auf's Klettergerüst und mit Anlauf in Hüpfburg geht. Was auf dem letzten Album noch sympathisch und auf positive Art und Weise abgedreht wirkte ist nun nur noch nervig. Stilistisch gehen sie zwar immer noch in Richtung 60’ies und 80’ies beeinflusstem Bubblegum-Pop mit Punk-Beilage, aber dieser CD fehlen leider die netten Pop-Songs wie It's 5, Do The Whirlwind oder The Cemetery. Stattdessen wirkt es hier erzwungen verrückt und nur ab und zu scheint verzückelt durch, wozu Architecture in Helsinki eigentlich fähig sind. Aber vermutlich wollen sie nicht zu den australischen Belle and Sebastian werden und schreien laut auf und springen wie wild umher, wenn jemand von ihnen verlangt, dass sie ihre Hausaufgaben machen sollen bevor sie auf den Spielplatz dürfen.
Wer allerdings mit den vorangegangenen Alben hundertprozentig zufrieden war, dem wird auch das neueste Werk der Australier gefallen. Mir persönlich fehlt es sehr an weniger überladenen Songs und ich kann nur hoffen, dass sie im Laufe der Jahre, vielleicht schon auf dem nächsten Album, etwas ruhiger und übersichtlicher ihrem Handwerk nachgehen.
Review: Axel Schinkel
Erscheinungsdatum: 10. August 2007 Label: V2 Records (Universal)
Website: www.architectureinhelsinki.com Myspace: www.myspace.com/aihmusic
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No Need To Be Downhearted – so der Titel der dritten LP der britischen Kombo, die einst unter dem Namen The Soft Parade firmierte, diesen aber aufgrund rechtlicher Unannehmlichkeiten mit einer gleichnamigen Doors-Coverband modifizieren musste. In der Tat ist das Gesamtwerk der Herrschaften um die Brüder Alex und Thomas White von eher gediegenen Klängen geprägt.
Kontrastierend zum Titel spielt Schwermut erwartungsgemäß auch auf diesem Opus eine tragende Rolle. Dies gilt gerade für den Titelsong, der in zwei Parts gegliedert ist. Part 1 bildet den Anfang, Part 2 das Ende des Albums. Bei beiden dominieren tieftraurige Klavier- und Gesangsparts, Kernaussage ist dennoch: "Don't get caught up – be the person and the people that you love, all your life." Die Welt ist ein Jammertal, doch lass dich nicht kleinkriegen.
Es soll hier allerdings keinesfalls der Eindruck entstehen, dass es sich bei dem Album um eine Ansammlung lebensüberdrüssiger Balladen handelt. Die Mehrzahl der Songs weiß zu rocken. Hervorzuheben sei hier der stampfende entfernt an die Arctic Monkeys erinnernde Rocker Life In The Backseat. Und die wohl ein wenig durch Supergrass inspirierten, mit Synthesizer-Flirren und -Fiepen gespickten Midtempo-Popper Woken By A Kiss und If That's The Case, Then I Don't Know. Im Vergleich mit den genannten Kombos ist der Sound der Electric Soft Parade allerdings deutlich ruhiger, psychedelischer, introvertierter. Selbiges Prinzip gilt für die etwas sanfteren Songs Have You Ever Felt Like It's Too Late? und Come Back Inside, die mit den melancholischeren Momenten von Supergrass oder den Beach Boys vergleichbar sind. Parallelen zu den Strandboys beruhen nicht zuletzt auf einigen Beach Boys-typischen Harmoniegesängen und Akkordfolgen, die den Himmel gelegentlich ein wenig näher erscheinen lassen. Misunderstanding sei hier als weiteres, etwas frohsinnigeres Exempel genannt.
Noch etwas sonniger geht es zu beim beschwingt-poppigen Cold World, das, wie die meisten Songs des Albums, auch ein britischer 70er-Jahre-Klassiker hätte sein können. Auch das etwas rockigere Appropriate Ending weißt diese Qualität auf.
Sehr ruhig und verträumt wird es beim an Simon & Garfunkel erinnernden mit Akustikgitarre, Glockenspiel und Streichern instrumentierten Shore Song. Auch Secrets kommt zunächst äußerst sanft daher. Der Song ist anfangs nur mit Akustikgitarre und den Zeilen "Keep your feelings well hid – they will only get trodden on / They're a secret to keep – you don't have to tell everyone" versehen, wird nach 2/3 aber durch Pauken, Streicher und Bläser ergänzt und erreicht eine Hymnenartigkeit à la Spiritualized.
Ein vielschichtiges, bewegendes Album. 7 von 10 Punkten (mir ist bewusst, dass es hier keine Punktewertung gibt).
Review: Henry Kasulke
Erscheinungsdatum: 20. Juli 2007 Label: Truck Records (Rough Trade)
Website: www.electricsoftparade.com Myspace: www.myspace.com/electricsoftparade
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Er hat es dieser Tage schon nicht einfach der William Patrick Corgan. Er wollte seinen Traum und letztendlich seine Band zurück, bekam aber mit Jimmy Chamberlain nur zwei Viertel (D'Arcy verschollen, James Iha am Grollen) davon wieder für Zeitgeist zusammen, dem ersten Smashing Pumpkins-Album seit 7 Jahren. Live zumindest hat er das eindrucksvoll mit Iha-Klon Jeff Schroeder und Bassnymphe Ginger Reyes kompensiert und die skeptischen Fans vorerst ruhig gestellt. Genau die aber warfen dem Pumpkins-Mastermind dann ein weiteres Mal Ausverkauf vor als bekannt wurde, dass Zeitgeist in gleich fünf (!) verschiedenen Versionen mit unterschiedlichem Bonusschnickschnack erscheinen soll. Viel Rummel um Viel? Am Ende zählt nur die Musik, und die ist abhängig vom "geschichtlichen" Standpunkt!
Pause oder Break hin oder weg, die 90er Jahre sind sowohl zeitlich wie musikalisch nun auch schon eine ganze Weile her, von daher sollte man die Erwartungen an einen gleichwertigen Mellon Collie-Nachfolger (persönlichen Klassiker hier einfügen) wohl etwas zurückschrauben. Okay, die offensichtlichen Hits fehlen dieses Mal. Tarantula, die erste Single, bollert zwar in bester Everlasting Gaze-Manier nach vorne, aber die zündende Hook fehlt. Dennoch, Billy Corgan hat sein Handwerk nicht verlernt! Doomsday Clock rumpelt ordentlich mit einem Jimmy Chamberlain-Intro los, die Gitarre regiert mit eiserner Faust: es sägt, brät und solange ich mir einen Uli Jon Roth (Ex-Scorpions-Gitarrist, der ab und an bei Konzerten als Special-Guest auf die Bühne geholt wird) nicht bildlich vorstellen muss, gehen auch die Gniedelsoli in Maßen in Ordnung! Highlights sind für mich Starz, welches in seiner Dynamik an Bullet With Butterfly Wings erinnert oder das melancholisch in sich mäandernde That's The Way (My Love Is).
Alles in allem eine geschlossen runde Sache das, weniger zerfahren als noch Machina, kompakter als Adore (welches ein paar Songs zu lang war). Sicherlich reißt Zeitgeist musikalisch keine Mauern mehr ein wie Siamese Dream seinerzeit, aber das will Corgan glaube ich auch gar nicht. Ein paar Perlen für ein Best-Of-Pumpkins-Mixtape, ansonsten solide! Mehr nicht, aber definitiv auch nicht weniger!
P.S.: Der Bonus-Track meiner (gelben) Version von Zeitgeist, Death From Above, ungewöhnlicher Weise nicht am Ende sondern mittendrin platziert, ist ein okayer streicherlastiger Midtemporocker: kein Muss, eher ein Kann.
Review: Marco Pleil
Erscheinungsdatum: 06. Juli 2007 Label: Warner
Website (englisch): www.smashingpumpkins.com Website (deutsch): www.smashing-pumpkins.de Myspace: www.myspace.com/smashingpumpkins
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Dogs Zweitlingswerk Tall Stories From Under The Table ist ein Album, das urbritischer nicht sein könnte. Eine Reminiszenz an die guten alten Helden des United Kingdom: The Clash, The Jam und die Happy Mondays. Kein Wunder also, dass die Aficionados der Londoner Band mittlerweile auf Konzerten "We are the Dogs, we are the Dogs, we are the Dogs!!!"-Chöre anstimmen.
Ähnlich wie The Others oder die Libertines umarmen auch Dogs die Vergangenheit und schaffen musikalische Zukunft im Hier und Jetzt. Mit heraus geholzten Riffs à la Carl Barât, über denen die eckigen Vocalparts eines Dominic Masters liegen. Punk-Pop now called Retro-Rock made in Britain.
The next big thing? Das dachte zumindest Island Records beim Debüt der Band. "Die haben in uns die neuen Razorlight gesehen. Wir nicht." kommentiert Sänger Johnny Cooke den Bruch mit dem Major. Ein Vergleich, der stutzig macht. Zumindest wenn man überlegt, was für Bretter Dogs dem Hörer auf ihrem Erstlingswerk Turn Against This Land um die Ohren schlugen. Tracks, die einen erwischten, wie ein Faustschlag direkt ins Gesicht - kurz bevor im Pub die Lichter ausgehen. Genauso unvermittelt, genauso brachial. Brutal? Kann sein. But hey, that's life, mate! Eben diese Kantigkeit haben Dogs auf dem Nachfolger Tall Stories From Under The Table ein wenig heruntergeschraubt und durch melodischere Parts ersetzt. Und, sind wir nun bei Razorlight angelangt? Mitnichten! Dafür schwingt in knarzigen Krachern wie This Stone Is A Bullet, Little Pretenders oder Soldier On einfach zu viel Punk mit. Mittendrin das wunderbare Chained To No One. Ein- und ausgeläutet mit A-Gitarren, die unweigerlich an den ehrwürdigen Billy Bragg erinnern. Ein weiteres Schmankerl ist die Ballade Let It Lay, bei der Ur-Mod Paul Weller höchst persönlich in die Klaviertasten greift.
This Stone Is A Bullet?! Dieses ganze Album ist ein Geschoss! Und jeder, schon mal ein Mod Target gesehen hat, der weiß, worauf Tall Stories From Under The Table zielt! In diesem Sinne: "We are the Dogs, we are the Dogs, we are the Dogs!"
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 06. Juli 2007 Label: Weekender (Indigo)
Website: www.dogsmusic.com Myspace: www.myspace.com/dogsmusicspace
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Endlich ist es da! Das Debüt von Rocket Uppercut: This Beautiful Tragedy. Aufgenommen hat das Quartett aus Regensburg ihr Erstlingswerk zusammen mit Alaska Winter und Bastian Keller in den Augsburger Echolot-Studios.
Der Zwei-Mädels-zwei-Buben-Vierer liefert auf seinem Debüt einen rockig-garagemäßigen Sound: Noisige Gitarren, treibende Drums, ein wenig Orgel und allem voran der stakkatoartige Gesang von Frontfrau Bianca. Blondie meets The Hives, aber mit einer ordentlichen Portion Eigenständigkeit und viel Melodie. Rocket Uppercut lassen dem Hörer während der zwölf Songs kaum eine Atempause. Die Songs gehen durch ihr überwiegend schnelles Tempo straight nach vorne und springen den Hörer geradezu an und reißen ihn mit. Songs wie The Arrival oder Smashing On Love gehen durch ihren treibenden Beat schnell ins Ohr und setzen sich fest. Eine kleine Verschnaufpause wird dem Hörer aber dennoch durch Songs wie (We'll Always Love The) Stars und Secret Song gegönnt. Hier setzt das Quartett weniger auf verzerrte, noisige Gitarre, sondern mehr auf schöne Melodien, die dem Ganzen einen leicht britpoplastigen Touch verleihen und Bands wie Sleeper oder Echobelly wieder zurück ins Gedächtnis rufen. Neben elf Eigenkompositionen präsentieren Rocket Uppercut auch eine Cover-Version von Cinderella (im Original von The Sonics), dessen Interpretation dem Quartett gut gelungen ist.
Fazit: Ein starkes Debüt mit viel Potential. Der Erfolg ist ihnen zu wünschen.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 06. Juli 2007 Label: Modern Noise (Cargo Records)
Website: www.rocket-uppercut.de Myspace: www.myspace.com/rocketuppercutmusic
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Ascona ist nicht nur der Name eines Kultautos der Firma Opel, sondern auch eine Band aus dem beschaulichen schwäbischen Städtchen Reutlingen. 2003 haben sich Ronald Russat (Gesang, Gitarre), Florian Schönbeck (Bass, Gesang), Benjamin Häcker (Gitarre) und Philipp Stütz (Schlagzeug) als Band formiert und mit This Could Be Your Part To Sing! nun ihr erstes Album veröffentlicht.
Die vier Jungs liefern auf ihrem Erstlingswerk melodiösen und abwechslungsreichen Gitarrenpop, der gute Laune verbreitet und einfach Spaß macht. Die Rezeptur ist simpel: Schöne Melodien treffen auf eingängige Refrains mit Ohrwurmcharakter, bei dem der Mitsing- und Mittanzfaktor vorprogrammiert ist.
Das Album beginnt mit Hands and Feet und macht gleich deutlich, in welche Richtung es geht: Songs mit eingängigen Melodien, die gleich ins Ohr gehen und sich einprägen. Aber trotz ihrer Einfachheit und Eingängigkeit wissen die meisten Tracks dennoch zu überzeugen. Die Stärke von Ascona liegt jedoch zweifelsohne in den rockigeren Stücken wie beispielsweise Smell, Carousel oder Anniversary, während sich die Balladen eher als Schwachpunkte des Albums erweisen. Denn hier driften Ascona leider ein wenig zu Stark ins Pathetische ab, so dass Songs wie beispielsweise This could be oder Ideas and Plans ein wenig wie Schmachtpop-Fetzen daherkommen. Schade!
Aber ansonsten beherrschen Ascona ihr Handwerk und verstehen es, tolle Popsongs mit großen Gefühlsmomenten zu schreiben. Mit This Could Be Your Part To Sing! liefern die vier Reutlinger ein durchaus hörenswertes Debütalbum und einen schönen Soundtrack für den Sommer.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 29. Juni 2007 Label: Day Glo Records (Rough Trade)
Website: www.thisisascona.com Myspace: www.myspace.com/asconamusic
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Ash sind zurück! Nach dem Ausstieg von Gitarristin Charlotte Hatherley präsentieren die Iren ihr neues Werk Twilight Of The Innocents nun wieder in der Originalbesetzung als Trio. Aufgenommen wurde das Album in New York, wo Tim Wheeler die Produktion diesmal selber in die Hand genommen hat.
Nach dem ziemlich enttäuschenden Vorgänger Meltdown geben Ash auf Twilight Of The Innocents wieder richtig Gas und kehren wieder zurück zu einer ausgezeichneten Mischung aus mitreißenden Powerpop-Melodien mit eingängigen Refrains und erstklassigen Balladen, wie dem wunderschönen fast epischen Polaris mit seinen schönen Arrangements aus Streichern und Piano. Aber auch Songs wie der Opener I Started A Fire und das vom Bass angetriebene leicht poppige You Can't Have It All lassen keinen Zweifel daran, dass Ash auch nach 15 Jahren immer noch das richtige Gespür dafür haben, wie man großartige Songs schreibt. Songs mit detailverliebten Harmonien und Hymnencharakter. Zum Schluss des Album überraschen Ash mit einem wahren Meisterstück und fahren mit dem Titeltrack Twilight Of The Innocents ein sechseinhalbminütiges Rockepos auf, dass mit seiner Wahnsinns-Instrumentierung wie eine unaufhaltsame Lawine auf den Hörer herunterdonnert. Was für ein Song, was für ein Ende! Gigantisch! Ein Song zum Niederknien!
Ash knüpfen mit Twilight Of The Innocents klanglich wieder an ihr 2001er Album Free All Angels an, jedoch ohne sich zu wiederholen. Im Gegenteil sie klingen frischer denn je und das Feuer, das in der letzten Zeit auf Sparflamme köchelte, brennt wieder in ihren Songs. Ein Comeback, wie es kaum besser hätte gelingen können.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 29. Juni 2007 Label: Wmi (Warner)
Website: www.ash-official.com Myspace: www.myspace.com/ash
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Atlantic Living ist Debütalbum von The Plane Is On Fire. So abenteuerlich wie der Name klingt, so wahr ist seine Begründung: Nachdem einige der Bandmitglieder eine abenteuerlichen Flugreise über den Atlantik hinter sich gebracht haben, entschließen sie sich, ihre Combo The Plane Is On Fire zu nennen.
Wie Robocop Kraus kommen auch The Plane Is On Fire aus Nürnberg. Ob die musikalische Affinität zu ersteren nun mit dem selben Herkunftsort zu begründen ist oder an der gemeinsamen musikalischen Vergangenheit einiger Bandmember liegt, wird man wohl nicht herausfinden können. Fakt ist, dass The Plane Is On Fire passagenweise musikalisch an Robocop Kraus erinnern.
Wir kennen die Rezeptur bereits und wissen, dass sie funktioniert: Post Punk mit New Wave-Elementen. Ähnlich wie The Rapture laden auch The Plane Is On Fire zu einem Querfeldeinlauf durch zackige Gitarrenriffs ein, vorangetrieben und angefeuert durch gehetzte Vocals. Spaßbremsende Hindernisse überspringen oder vielmehr aus dem Weg tanzen, bis man selbst fast genauso atemlos ist, wie Sänger Bastian Hubmann passagenweise klingt. Bei einigen Songs geht diese Überlegung auf: Honeymoon oder Beautiful Exits zeigen deutlich das Potential der Band, als Tanzflächenfüller zu agieren. Auf der Gesamtlänge des Albums allerdings entwickelt sich das Ganze dann doch eher zu einem anstrengenden Long-Distance-Race, an dessen Ende man gebeutelt im Ziel ankommt. Im Laufe der 12 Tracks verlieren die Songs durch mangelnde Variationen leider an Drive. Keine wirklichen Highlights, keine Earcatcher, nichts, was so wirklich im Gehörgang hängen bleibt.
Trotz tanzbarer Songs will der Funke bei The Plane Is On Fire nicht so wirklich überspringen. Alles hübsch gemacht: Vom Arrangement der Songs bis hin zum stylischen Cover der Platte, trotzdem köchelt das Ganze eher vor sich hin, als zu zünden. Schade, denn Potential ist hier definitiv vorhanden. Aber immerhin handelt es sich bei Atlantic Living auch um ein Debüt - heißt, die Jungs haben noch alle Zeit der Welt, nachzulegen und eins draufzusetzen.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 29. Juni 2007 Label: Records & Me (Rough Trade)
Website: www.theplaneisonfire.de Myspace: www.myspace.com/theplaneisonfire
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"Sounds like grandpa's old tractor and daddy's new Suzuki." So lassen es die drei Saarbrückener von Maddox verlauten. Interessante Mischung – auf jeden Fall motorisiert! Ich bin zwar bisher weder Traktor noch Suzuki gefahren, aber ich weiß, wie mein Twingo klingt Maddox nicht. Und da bin ich auch froh drüber. Vermutlich sollte ich mal den nächsten Bauern anhauen oder eine Probefahrt machen, damit ich einen besseren Zugriff zum Album erhalte.
Maddox sind Sven Arweiler, Thorsten Strauß und Michael Bauer (daher der Traktor?) und machen Rock irgendwo zwischen den Hives und Motorspycho. Vermuten lässt das bereits das Cover auf dem eine auf einem Motorrad sitzende Dame vor rotem Hintergrund abgebildet ist. Ich persönlich hätte mir da etwas mehr Gradlinigkeit gewünscht. Vielleicht einen Traktor? Immerhin sind die Tracks auf Gimme, Gimme! für sich recht gradlinig. Das mag manch einer als positiv auslegen, manch einer als negativ. Die ersten zwei Songs erinnern den Hörer zunächst stark an die bereits angesprochenen Hives, worauf es dann bei Franc (Eaglebauer Enterprises) (schon wieder Bauer?) etwas verschnörkelter zur Sache geht und das Ganze wie eine Light-Version eines Hot Water Music-Songs klingt. Song vier empfehle ich leider direkt weiter zu skippen, um das Album nicht zu sehr abwerten zu müssen. Dieser Songs erweist sich als Füllmaterial, um das Album auf elf Tracks zu bringen. Augenscheinlich steht dieser Song als Exempel für die Einfachheit der Texte Maddox': "Because of you / I feel so blue / Because of you / You are so cool / I love You." Mehr Text braucht dieser Song nicht, um (nicht) zu überzeugen. Das Highlight des Albums offenbart sich schließlich bei 60s Flower Pussy Power. Zum Einen ist es ein wirklich schöner Songtitel und zum Anderen ist er auch bezeichnend für die Musik, die mit Abstand am meisten nach den 60s klingt, auch wenn der Text wieder einiges zu wünschen übrig lässt. Aber man kann ja nicht alles haben und muss auch nicht immer auf die Texte achten. Dafür, dass es ihr erstes Album ist und sie es sich getraut haben, ihre Texte im Booklet abzudrucken, ist es sicher ein guter Anfang für Maddox. Wenn man in Zukunft vielleicht etwas mehr Abwechslung und etwas individuellere Songs von ihnen erwarten dürfte, könnte durchaus mehr daraus werden als... äh... Vergleiche mit Traktorfahren!
Review: Axel Schinkel
Erscheinungsdatum: 29. Juni 2007 Label: NKRC Records
Website: www.mddx.de Myspace: www.myspace.com/gimmemaddox
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2007 scheint das Jahr der Zweitlingswerke zu sein. Nach den Kaiser Chiefs, Arctic Monkeys und Bloc Party melden sich nun auch Art Brut mit ihrem zweiten Album It's a bit complicated zurück.
Kurzer Rückblick: Vor knapp zwei Jahren brachte das Londoner Quintett mit Bang Bang Rock 'n' Roll ein Album auf den Markt, das vor Zynismus nur so strotzte. Schlagfertige Texte mit einer ordentlichen Portion schwarzem Humor gehüllt in einen schrammeligen Gitarrensound fernab aller vorherrschenden Trends. Ihre Debüt-Single Formed a Band entwickelte sich zu einem Schlachtruf in der Londoner Indie-Szene und äußerte, dass Eddie Argos' einziger wirklicher Ehrgeiz im Leben darin bestand, eines Tages bei TOTP aufzutreten.
Dieser Traum mag vielleicht der Vergangenheit angehören, aber die Schlagfertigkeit und der schwarze Humor in den Texten sind geblieben. Daran hat sich auch auf It's a bit complicated nichts geändert. In 11 Songs plaudert Eddie Argos in gewohnt selbstironischer Art und Weise über die alltäglichen Dinge des Lebens. So stellt er in Pump up the Volume die Frage: "Is it wrong to break from your kiss to turn up a pop song", versichert in St. Pauli "Punk Rock ist nicht tot" und entschuldigt sich für sein Deutsch ("Sorry if my akzent is fool/I learned my german from a 7 inch record") und singt über liebevoll zusammengestellte Mixtapes (Sound of Summer). Auch wenn textlich alles beim Alten geblieben ist, lässt sich musikalisch eine leichte Weiterentwicklung erkennen. Die Instrumentierung klingt nicht mehr ganz so roh und kantig wie auf dem Debüt-Album, sondern durchaus ein wenig ausgefeilter, ohne jedoch ihre völlige Ungeschliffenheit zu verlieren.
Art Brut setzen auf das altbewährte Erfolgsrezept des ersten Albums und dies ist ihnen mit It's a bit complicated durchaus gelungen. Es heißt, dass das zweite Album das schwierigste sei. Doch diese schwierige Aufgabe haben Art Brut wunderbar gemeistert.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 22. Juni 2007 Label: Labels (EMI)
Website: www.artbrut.org.uk
Albumplayer
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Der kalendarische Sommer ist zwar eingeläutete, dennoch spielt sich vor dem Fenster eher ein Grau-in-Grau Szenario ab, das doch arg aufs Gemüt drückt. Passend zu diesem verregneten Sommeranfang veröffentlicht Bernhard Eder sein Solo-Album The Livingroom Sessions und liefert somit den perfekten Soundtrack dazu.
The Livingromm Sessions ist ein klassisches Singer-/Songwriter-Album, dessen Songs durch ihre spartanische Instrumentierung auf das Wesentliche reduziert sind. Bernhard Eders sanfte Stimme führt den Hörer durch 12 Songs, die fast ausschließlich auf einem akustischen Gitarrensound basieren. Ein Album, das Intimität und Offenheit in sich vereint, denn Bernhard Eder teilt uns aufrichtig seine Gedanken, sein Leben, seine Liebe und seine Ängste mit und lässt uns daran teilhaben. Die Reflexion über den eigenen Lebensraum, in dem man sich täglich bewegt.
Neben zehn Eigenkompositionen beinhaltet The Livingroom Sessions auch zwei Cover-Nummern, Climbing Up The Walls (Radiohead) und Being Boring (Pet Shop Boys), die sich wunderbar in das musikalische Gesamtkonzept des Albums eingliedern. Ganz ohne Worte funktionieren auch die beiden Instrumental-Stücke Creek #15 und Taktikker.
Mit The Livingroom Sessions liefert Bernhard Eder ein Album, das eine traurig-melancholische Grundstimmung vermittelt, ohne in Depressivität oder Lamoyanz abzudriften. Ein Album, das dezent ist, aber nicht langweilig erscheint, sondern mitten ins Herz trifft.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 22. Juni 2007 Label: Solaris Empire (Broken Silence)
Myspace: www.myspace.com/bernhardeder
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Hinter dem Pseudonym Cargo City verbirgt der Singer-/Songwriter Simon Konrad aus Darmstadt. Nach dem Split seiner Band "Siamnese" entschloss sich Konrad, Solopfade einzuschlagen, die ihn vom Indierock hin zum Akustik-Pop geleiteten. Eine weise Entscheidung, wie sein Debüt When I sleep... beweist.
Cargo City, das ist Indie-Akustik-Gitarrenpop gepaart mit Synthie-Einschlägen und Elektro-Samples. Kontraste setzten, wo es sinnvoll ist und Homogenität bewahren, wo Brüche stören würden. Das Ganze ist nicht nur interessant angedacht, sondern auch gediegen umgesetzt.
Bereits der poppig-angetriebene Titeltrack und Opener When I sleep I dissapear hinterlässt ein wohliges Gefühl im Bauch und ein Lächeln auf den Lippen. Dem gegenüber stehen Songs wie French Movie oder Butterflies, zwei Mid-Tempo-Stücke, in denen der gekonnte Spagat zwischen A-Gitarre und Samples besonders schön deutlich wird. Mittendrin dann die Ballade Older Now. Ein nachdenklicher Song über Dinge, die sich ändern und Perspektiven, die sich verschieben. Den Abschluss macht das nur auf A-Gitarre und Gesang basierende Pauline. Ein hübsches kleines Schlaflied, auf dessen Akkorden man sanft aus dem Album hinausgeleitet.
Cargo City beschert uns in seinem Debüt When I sleep... fünf Momentaufnahmen, die sich auf das Wesentliche konzentrieren: Das Zusammenspiel aus Musik und Text. Eine EP, die einmal mehr beweist, wie gut Minimalismus innerhalb des Songwriting funktionieren kann. Nachdenkliche Reflexionen über das Zwischenmenschliche: Melancholie ohne Lamento, Emotionalität ohne Pathos. Einfach nur ehrlicher Indie-Pop, in dem man sich für eine Viertelstunde verlieren kann. Schön!
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 22. Juni 2007 Label: Schallbau
Myspace: www.myspace.com/cargocity
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Yngwie Malmsteen sei es zu verdanken, dass wir mit The Man No.9 endlich mal wieder eine neue Disco-Post-Punk-Band durch die Boxen hören dürfen. Jener ist dem Bandgründer The Sneak nämlich im Traum erschienen und motivierte ihn The Man No.9 ins Leben zu rufen. Und als ob die Story über den Herrn Malmsteen noch nicht ausreichen würde, heißt es, dass die Mitglieder angeblich alle aus einer ehemaligen Kommune stammen, die allerdings nach der Auflösung der Kommune in die ganze Welt verstreut wurden. Acht der ehemals 26 Kinder haben sich nun wieder zusammengefunden, um uns in Superheldenmanier zu retten.
Das Vorhaben der sechs Männer und zwei Frauen, deren Namen allesamt von Superhelden-Namen wie The Spiderman oder The X Factor geschmückt werden, läuft in vollem Gange und was bisher daraus entstanden ist kann sich hören lassen. Oder platt ausgedrückt ist die bei Haute Areal erschienene EP Brazilian Barbeque der neueste heiße Scheiß aus dem berliner Underground. Also, Ohren auf! Es klingt wie die Welt und gäbe es mehr CDs von The Man No.9 bräuchte man nichts anderes mehr um eine gute Party so richtig anzuheißen. The Man No.9 sind Party pur, Tanzen in Ekstase, Beats bis zum Umfallen und für eine Elektro-Punk-Band Abwechslung in höchsten Maßen. So klingen die vier Songs und zwei Remixe auf der EP nach allem, aber trotzdem sehr speziell. Ihre Synthies und Beats erinnern ein wenig an LCD Soundsystem, ihre Verschrobenheit ein wenig an The Rapture, die Gesangslinien haben den selben hymnischen Charakter wie jene von Le Tigre oder den Kaiser Chiefs und der Rest klingt nach allem anderen was der Dancefloor heutzutage zu bieten hat oder gerade nach dem worauf der Dancefloor vermeintlich noch wartet. Grund für diese Vielseitigkeit mag zum Einen die Anzahl der Bandmitglieder sein und zum Anderen natürlich die Zusammenarbeit mit renomierten Produzenten und Mixern wie Paul Mahajan (Yeah Yeahs Yeahs, Liars...), Christian Schöfer (Klez.e) oder Serge Kool.
Ausgeschmückt wir diese musikalische Abwechslung mit flachen Texten, die den reinen Party-Charakter der Musik unterstützen. "Don't be shy, get in my car / let's take a ride, you know you are / hot like a barbecue, hot like Brazil / I wanna be the sausage burning up on your grill." Im Vordergrund der Texte steht eindeutig der Reim und direkt danach der häufige Gebrauch der Silbe fuck. "Fuck buying new shoes, fuck washing your hair, / cause I dig you the most in cheap underwear. / Fuck forever, trying to be quiet / cause on Tuesday nights I need an old school riot." Eindeutiger kann es sich nicht um pure Partymusik handeln, was zum dem auch noch Songtitel wie The Man's Party Programm oder Nightclubgirl deutlich unterstreichen. Das Brazilian Barbeque darf also auf keinen Fall auf eurer nächsten Party fehlen, sonst sag ich nur "Don't fuck with the man!" und bin ganz schnell wieder verschwunden.
Review: Axel Schinkel
Erscheinungsdatum: 15. Juni 2007 Label: Haute Areal (Cargo Records)
Website: www.whoistheman.de Myspace: www.myspace.com/whoistheman
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Würden sich Kettcar und Muff Potter zusammensetzen, Jim, Jack oder Johnny einladen und inmitten dieser feuchtfröhlichen Runde die Gitarren auspacken, herauskommen würden wohl Jupiter Jones. Irgendwo zwischen Hamburg und Münster liegt anscheinend die Eifel. Musikalisch betrachtet. Und aus eben dieser kommt dieser Tage der zweite Silberling von Jupiter Jones: Entweder geht diese scheußliche Tapete - oder ich.
Vor drei Jahren veröffentlichten Jupiter Jones ihr Debütalbum Raum um Raum. Nun steht mit Entweder geht diese scheußliche Tapete - oder ich der Nachfolger in den Plattenläden. Emo-Punk mit deutschen Texten, Songs über Beziehungen und Freundschaften, über das Suchen und Finden und wieder Verlieren - über das Leben eben. So weit, so gut. Nur, dass wir spätestens seit But Alive wissen, wie man’s besser machen kann.
"Es ist der Weg, nicht, wer ihn geht. Es ist das wie, nicht wo du stehst." Wahrheiten, die jeder kennt. Vor allen Dingen Jungerwachsene zwischen 18 und 25, die in der heimischen Dorfdisko die Faust gen Himmel recken, während sie bierselig die Refrains mitgrölen. Die Texte erinnern zum Teil an Slogans wie "Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum". Weisheiten, die man sich als Oberprimanerin mit Edding auf den Army-Rucksack kritzelte. Halbwissen im Tiefschlaf. Jenseits der alterstechnischen Konvergenzzone und abseits des 08/15-Indie-Rock präferiert man dann doch etwas anderes. Entweder geht diese scheußliche Tapete oder ich erinnert zum Teil an Revolverheld - und dürfte bei deren Anhängerschaft auch noch frenetisch gefeiert werden. Allen anderen dürfte dieses Album trotz hübscher Geigen hier und netter Celli da ziemlich egal sein.
Böse Zungen haben einmal behauptet, Kettcar klängen wie PUR für Alkoholiker. Bin ich ein Schandmaul, wenn ich sage: "Jupiter Jones klingen wie Kettcar für Revolverhelden mit Thorsten Nagelschmidt als Produzent"?! Ist es nun der herausgepresste Gesang, der mich dermaßen stört, dass ich Sänger Nicholas Müller am liebsten ein Fläschchen Rizinusöl reichen würde, damit das Ganze geschmeidiger klingt?! Oder ist es Adaption des Kettcar-Riffs von Tränengas im High-End-Leben bei Zwischen der Zeit, das mir die Platte vollends verleidet?!
Entweder geht diese scheußliche Tapete - oder ich soll übrigens der letzte Ausspruch des ehrenwerten Oscar Wilde gewesen sein. In diesem speziellen Fall ist es völlig egal, wer oder was zuerst geht - solange er oder es musikalisch wichtigeren Dingen Platz macht.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 11. Juni 2007 Label: Mathildas Tonträger (Broken Silence)
Website: www.jupiter-jones.de Myspace: www.myspace.com/jupiterjones
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Nicht noch eine Retro-Band! Oh doch! Da fällt es selbst als Musikjournalistin schwer, den Überblick zu behalten und die Spreu vom Weizen zu trennen. Der neueste Retro-Import aus UK heißt Blondelle. Kopf der Band ist Sam Stewart, seines Zeichens Sohn von Eurythmics-Legende Dave Stewart.
Was gibt es sonst noch über Blondelle zu sagen? Es sind vier blutjunge Musiker aus London, die Lederjacken tragen und Rock 'n' Roll spielen. Gut, die Sorte Bands gibt's ja momentan zu genüge aus dem Vereinigten Königreich und genau dies ist das Problem bei diesem Debüt-Album: Es gibt leider auf Die Pretty nichts Neues zu entdecken, was diese Band von den anderen UK-Bands abhebt. Und sicher kann man das Rad nicht neu erfinden, dennoch schläft die Konkurrenz im Hype-Land England nicht und dadurch, dass im Moment eine gewisse Sättigungs-Kurve erreicht ist, ist es wahrscheinlich schwierig, bei den mittlerweile überdrüssigen Hörern Euphorie hervorzurufen.
Handwerklich gibt's auf Die Pretty allerdings nichts zu mäkeln. 13 energetische Rock 'n' Roll-Songs im typisch britischen Sound. Frech und unverbraucht, rotzig und catchy. Sogar das nötige Hitpotential ist bei den Songs vorhanden. Doch ob dies ausreicht, um sich gegen die Konkurrenz zu behaupten, ist die große Frage. Bleibt also abzuwarten, ob Blondelle den Sprung auf den Rockolymp schaffen oder ob sie nur ein weiterer Fisch im großen Tümpel des Brit-Hypes bleiben werden.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 08. Juni 2007 Label: Rude Records (Cargo)
Website: www.blondelle.co.uk Myspace: www.myspace.com/blondelleband
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Army of Robots setzen sich aus den Herren Daggrr aka Lawrence Hearn (Gesang/Gitarre, Keyboard), Seth Ludeman (Gitarre/Keyboard) sowie Bryon Anderson (Schlagzeug/Gitarre/Keyboard) zusammen. Bislang konnte sich die Band mit Auszeichnungen als beste Rock- und Elektronik-Band im heimatlichen Phoenix, Arizona und durch Touren in den USA und dem benachbarten Kanada verdient machen. Auf darüber hinaus gehende Erfolge setzen sie nun mit dem – man lese und staune – von Jack Endino produzierten Album Secret To Everybody. Jener, als Seattle-Produzenten-Legende bezeichnete Endino war nicht unwesentlich an dem Bekannt werden von beispielsweise Nirvana beteiligt gewesen. Und was hat's gebracht? Die Antwort lautet ganz klar: Gar nichts.
Secret To Everybody will mit Rock- und Elektronikelementen und überlegtem Songwriting überzeugen, dümpelt dann aber doch eher in ausgetrockneten Rockgefilden vor sich hin. Mit Friends Remain gehen Army of Robots anfangs zwar in die Vollen, der Song sackt dann aber schnell ab, gibt wieder Gas, baut wieder einen laaangsamen Part ein, usw., usf. Weshalb diese Band eine Auszeichnung als beste heimische Elektronik-Band erhielt? Wahrscheinlich weil es in Arizona weit und breit keine Konkurrenz gibt! Allein Don't Look Down dürfte als diesem Genre zugehörig bezeichnet werden, die meisten Elektroanteile beschränken sich auf einige Song-Intros und Outros und Mini-Zwischenparts. Als wenig hilfreich erweisen sich zudem Zeilen wie "I need a moment to think it through/A reason I should even continue" bei The Heaviest Cure oder "You are the safest way that I escape from this dark forest" bei Let Go. Diese zerren dann doch gewaltig am Nervenkostüm des dem Album ausgesetzten Hörers, der sich unter "Electronic Rock" auch Electronic Rock vorgestellt hatte – und nicht so was!
Review: Michaela Wicher
Erscheinungsdatum: 08. Juni 2007 Label: Astral (Alive)
Website: www.armyofrobots.com Myspace: www.myspace.com/aor
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"Dead Guitars"?! What the heck...?!? Wenn man sich das Debüt Airplanes des Trios um Carlo van Putten so anhört, dann klingt hier so rein gar nichts nach rauschebärtigen Großvätern, die verstaubte alte Saitenistrumente quälen. Im Gegenteil: Airplanes ist ein großartiges Indie-Pop-Album, das einmal mehr beweist, wie zeitlos und genial die Fokussierung auf Gitarrenarrangements klingen kann.
Carlo van Putten, Peter Brough und Ralf Aussem spielten bereits bei Bands wie Twelve Drummers Drumming, The Convent , The Church oder The Chameleons. Musikalische Einflüsse, die das Trio auch in seiner Formation Dead Guitars beibehalten hat. Allerdings ist der Sound genreübergreifender und komponentenreicher geworden: Indie-Pop mit einer Prise Wave, der sich verdammt gut anhört.
Airplanes ist ein Album, das sich in erster Linie durch ausgefeilte Gitarrenwände auszeichnet. Großflächig angelegte Klangteppiche, bei denen es auch nach dem fünften Hören der Platte immer wieder neue Strukturen zu entdecken gibt. Ein großer Sound, keine Frage. Und dicht gestrickte Songs; in sich verwoben, wie ein klangliches Spinnennetz. Mit derselben Präzision. Versponnene Melodien, in die man eintauchen und nie wieder auftauchen möchte, weil es sich einfach gut anfühlt, sich gedankenverloren im Sound treiben zu lassen.
Bereits der Opener Name Of The Sea zeigt, in welche Richtung das Album geht. Die sich durch den Song schlängelnden Gitarrenriffs scheinen für gut sieben Minuten die physikalischen Gesetze außer Kraft zu setzen: Die Dimension von Zeit und Raum vergessend driftet man durch einen der faszinierendsten Tracks auf Airplanes. Nachdenklich ruhige Stücke (Airplanes, Should I, The Great Escape) wechseln sich mit leichten sommeraffinen Songs (Feels Alright, Sweet Revenge) ab. Wunderschöner Indie-Pop mit einer Unze Melancholie, der weder ins Pathos abdriftet, noch an der Oberfläche verharrt - dafür sorgt allein schon die charismatische Stimme Carlo van Puttens.
Airplanes erinnert an einen dieser Tage im Spätsommer, an denen das Licht ein wenig diffus wirkt, Spinnweben durch die Luft fliegen und es nach Herbst riecht, obwohl es noch warm ist. Einer dieser Tage, in denen man sich verlieren kann: Bittersüß, nachdenklich verträumt und einfach nur schön. Der perfekte Indie-Pop für den Indian Summer.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 01. Juni 2007 Label: Echozone (SPV)
Website: www.deadguitars.com Myspace: www.myspace.com/deadguitars
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Eigentlich war Schweden in der letzten Zeit neben dem Vereinigten Königreich das Musik-Gütesiegel, das coolen Gitarren-Retro-Rock direkt in unsere heimischen Anlagen exportiert hat. Doch dann kamen Clark. Wer jetzt denkt, hier kommen die nächsten Mando Diao, Sugarplum Fairy oder The Hives, der hat sich geschnitten. Clark machen massenkompatiblen EasyListening-Pop, der bereit ist die Boxen der Kaufhäuser zu erobern, während man in der Kassenschlange steht. Er eignet sich auch perfekt, um im Radio rauf und runter gedudelt zu werden, während man sich die Zähne putzt. Doch zu mehr reicht es leider nicht. Das Album plätschert belanglos vor sich hin und verursacht bereits nach kurzer Zeit gähnende Langeweile.
Der Opener Waiting in Line macht zwar zunächst noch ein wenig Hoffnung, aber die ist auch schnell verflogen. Denn was folgt sind kitschige Midtempo-Stücke und Balladen, die so schmalzig sind, dass man sie nur mit einer Scheibe Brot ertragen kann. Songs wie Best of Me oder All About You könnten sich auch noch genauso gut auf dem Soundtrack von Dawson's Creek tummeln. Melodien, die so sehr glatt gebügelt wurden, dass auch keine einzige Knitterfalte mehr übrig bleibt. Ein Album, das verträumte Teenager durch die Pubertät begleitet, aber kein Album, das einen Musikliebhaber vom Hocker haut und auf irgendeine Art und Weise berührt. Aber vielleicht ist das ja auch gar nicht das Anliegen der fünf Schweden.
Our Best 2nd Album ist ganz netter Weichspüler-Pop, aber leider nicht mehr. Aber man liebt sie in China und man liebt sie in Japan. Wenigstens etwas!
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 25. Mai 2007 Label: Golden Core (Zyx)
Website: www.clarkband.net Myspace: www.myspace.com/weareclark
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14 Monate hat es gedauert, bis das dritte Album der Band Jonathan Inc. seinen Weg aus dem Studio in die Plattenregale gefunden hat. Grund für die lange Zeit war eine Aufnahme über mehrere Etappen, die an verschiedenen Orten stattfand und somit verschiedene Musiker mit in die Produktion einspannte. Herausgekommen ist ein sehr solides Singer/Songwriter-Werk mit popig-folkigem Einschlag, das die lange Arbeit durchaus wert war.
Neu ist das Produkt, das uns hier verkauft wird, sicherlich nicht, aber schön allemal. Nachdem sich der erste Song Reading Between The Lines Of An Empty Page noch relativ langsam aufbaut und eine Minute lang auf Jonathan Andersons angenehme Stimme verzichtet, entwickelt sich das Album schließlich zu einem sehr homogenen und nicht zuletzt durch die Streichereinsätze sehr warm klingenden Hörgenuss für laue Sommerabende und sicherlich auch noch darüber hinaus. Die ersten vier Stücke des Albums bleiben mit Ausnahme von wenigen Parts relativ sanft und es gelingt durch Moog, Wurlitzer und Streicher einen dichten Sound zu schaffen, der unterstützt von tiefgehenden Melodien, eine Atmosphäre aufbaut, die einen anzieht und zu verschlucken vermag. Mit dem Song Unbroken Silence zeigen Jonathan Inc., dass es auch anders geht und erhöhen das Tempo ein wenig, was diesen Song durchaus radiotauglich macht. In den letzten Liedern wird schließlich auf das Finale hingearbeitet und die poppigen Passagen werden mehr und mehr herausgenommen, bis sich der Sound in Bitter Seed noch einmal aufbaut und das Album zu einem abgerundeten Ende bringt.
Insgesamt liegt hier ein hörenswertes Werk der Band vor, die u.a. schon mit Josh Rouse die Bühne teilen durfte. Eine klangliche Ähnlichkeit ist bei mehrmaligen Hören auch unverkennbar, obwohl Jonathan Inc. dann doch eine Spur ruhiger und weniger poppig bleiben und sich eher Vergleiche mit Josh Ritter oder Ryan Adams finden lassen. Dennoch besitzt Jonathan Anderson mit seiner Band unter all den Singer/Songwritern seine eigene Note, die bestätigt, dass sich die 14 Monate lange Arbeit gelohnt hat!
Review: Axel Schinkel
Erscheinungsdatum: 25. Mai 2007 Label: Arctic Rodeo Recordings (ALIVE)
Myspace: www.myspace.com/jonathaninc
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Ja, das war ein Debüt, das sich gewaschen hatte: Howl Howl Gaff Gaff der Shout Out Louds. Jetzt, zwei Jahre später, legen sie mit Our Ill Wills nach. Und dieses Album passt zur Jahreszeit, wie die Faust aufs Auge! Liebe Freunde, der Pop-Frühling ist eingeläutet!
Wenn man von dem Debüt einer Band schwerst begeistert gewesen ist, stellt sich beim Nachfolger zwangsläufig immer eine gewisse Skepsis ein. Können die Erwartungen erfüllt werden? Bei den Shout Out Louds wird bereits nach dem Opener klar, dass man mit Our Ill Wills einen würdigen Nachfolger in den Händen hält. Ein Album, das ohne Umschweife an Howl Howl Gaff Gaff anknüpft, ohne zu kopieren. Vielmehr wird der charmant tanzbare Sound der fünf Schweden weitergeführt und ausgebaut.
Our Ill Wills liefert gleich zum Einstieg ein Song-Tripplet der feinsten Art. Tonight I Have To Leave It, Parents Livingroom und You Are Dreaming sind drei großartige Tracks, die sich sofort in den Gehörgang einschmeicheln. Herrlich beschwingt zaubern sie ein Grinsen ins Gesicht und ein Zucken in die Füßchen. Genauso lieblich und verspielt geht es weiter. Ein Album, wie ein Sonnenstrahl an einem verregneten Frühlingstag. Wertvoll und einfach nur schön! Zuckersüß wird es bei Blue Headlights, auf dem Bebban Stenborg die Vocals gänzlich übernimmt. Kurz vor Schluss folgt dann mit Time Left For Love noch mal ein richtiger Kracher mit Auskopplungspotential.
Mit Our Ill Wills liefern die Shout Out Louds einmal mehr wunderbaren Indie-Pop mit einer Prise Folk, mal energetisch, mal bittersüß. Vielleicht auch deshalb, weil in Adam Olenius' Stimme immer ein wenig die Melancholie eines Robert Smiths mitschwingt. Aber dass die Shout Out Louds eine gewisse Affinität zu The Cure aufweisen, ist ja nichts neues. Auf jeden Fall ein Album, das diesen Frühling in keiner gut sortierten Plattensammlung fehlen sollte!
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 25. Mai 2007 Label: Haldern Recordings (Cargo)
Website: www.shoutoutlouds.com
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Mumm-Ra kommen aus dem lieblichen britischen Bexhill on the Sea. Benannt nach dem Bösewicht aus der US-Cartoon-Serie "Thundercats", kann die Band mittlerweile auf eine siebenjährige Geschichte zurückblicken und zwar auf eine Geschichte, die es in sich hat! Es munkeln Stories über einen versuchten Suizid eines Mädchens während eines Live-Gigs, lebensbedrohliche Stromschläge, von denen ein Bandmitglied auf der Bühne traktiert wurde, das spurlose Verschwinden eines ehemaligen Sitarspielers der Band und die Inhaftierung eines ehemaligen Keyboarders, der versucht hat, eine Tankstelle unter Verwendung einer Spielzeugpistole auszurauben. Mythen oder Fakten? Wer weiß das schon.
Fakt ist auf jeden Fall, dass die Jungs es musikalisch drauf haben! Ihre Bühnenkünste stellten sie bereits auf Touren mit Kollegen wie den Kooks und den Kaiser Chiefs unter Beweis und spielten Anfang des Jahres hierzulande auch einige Supportshows für die Killers. Im letzten Jahr zogen Mumm-Ra nach Granada in Spanien, wo sie ihr Debütalbum These Things Move In Threes mit dem legendären Produzenten Youth aufnahmen. Herausgekommen ist ein Album, dass ungestüm und kraftvoll daher kommt. Alles beginnt mit der epischen Post-Rock-Hymne Now Or Never, die mit ihrer wunderbaren Melodiefolge vor Euphorie nur so strotzt. Somit platzieren Mumm-Ra den besten Track des Albums direkt als Opener. Wer nun aber meint, die nachfolgenden Tracks seien nur Mittelmaß, der wird eines Besseren belehrt! Denn was folgt, ist ein abwechslungsreiches Album mit 11 Songs, die voller Tatendrang und jugendlichem Elan auf den Hörer einpreschen. Da haben wir beispielsweise den Powerpop-Kracher Out Of The Question mit einem Refrain, der sich gleich im Kopf festsetzt. Ein Song, der bei Liveshows sicherlich sofort zum Abrocken und Mitschmettern einlädt. Sehr schön auch die akustische Ballade Light Up This Room womit Mumm-Ra beweisen, dass sie nicht nur die schnelle Tonart beherrschen. Den Abschluss des Ganzen bildet das leicht orchestrale Down Down Down, das mit einer Laufzeit von über 7 Minuten der mit Abstand längste Track des Albums ist. Ein bombastisches Ende, wie man es besser nicht hätte wählen können.
Mumm-Ra liefern mit These Things Move In Threes ein sehr ausgereiftes Debüt-Album ab, bei dem sich zeigt, dass sich die jahrelange Arbeit auszahlt. Schließlich hat die Band sich 7 Jahre Zeit gelassen, um der Musikwelt ihr erstes Werk zu präsentieren. Gut Ding will eben Weile haben!
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 25. Mai 2007 Label: Red Ink (Rough Trade)
Website: www.mumm-ra.com Myspace: www.myspace.com/mummra
Free Download: "What Would Steve Do?"
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Da haben sich die Herren von Erdmöbel etwas ganz Feines einfallen lassen: Ein Album, auf dem ausschließlich internationale Pole Position Chartsplatzierungen gecovert werden. Und nicht nur das. Erdmöbel haben die Lyrics auch noch ins Deutsche übersetzt und ihren eigenen Stempel drauf gesetzt. No. 1 Hits nennt sich das Ganze passender Weise.
Erdmöbel sind berühmt und berüchtigt für ihre eigene Herangehensweise an Musik. Nur schwer in Schubladen zu packen und noch schwerer, sie in diesen zu behalten. Auf No. 1 Hits haben sich die Kölner nun zwölf Top-Hits zur Brust genommen. Von Kylies Can't Get You Out Of My Head über Robbie Williams' Road To Mandalay bis hin zu Up And Down der Vengaboys wird hier gecovert, was das Zeug hält. Eigenwillige Interpretationen in Wort und Melodie, die zum Teil ein wenig an Variete erinnern - typisch Erdmöbel eben.
Was geht, Muschikatz? Die Frage schießt einem unweigerlich durch den Kopf, wenn man den Opener dieses Albums hört. Für alle, die jetzt gerade nicht im Bilde sind: Die Rede ist von What's New Pussycat? des Tigers Tom Jones. Beim alleinigen Hören des Titels wären aber wohl die wenigsten darauf gekommen. Interessant gemacht, das kann man nicht leugnen. Hier zeigt sich bereits, wie Erdmöbel an die Übersetzungen herangegangen sind: Einerseits kongruente Translationen, andererseits freie Interpretationen der englischen Vorlagen. Genau da liegt aber auch der Hase im Pfeffer: So hübsch gemacht No. 1 Hits auch ist, so wohlfeil ausgeklügelt die musikalischen Ausführungen auch sind, so wenig funktionieren zum Teil die Übersetzungen, die die Songs unweigerlich komisch klingen lassen. Auszug gefällig? "Eine Lücke, eine Krücke, eine Mücke, tausend Stücke" - Riecht wie Teen Spirit. Einer wie wir - wir erinnern uns: Joan Osbornes One Of Us - erinnert auf Deutsch doch stark an eine Hymne der hiesigen Jesus Freaks und wie sinnfrei der Text des ohnehin überflüssigen Crash Test Dummies-Gassenhauers Mmm Mmm Mmm Mmm eigentlich ist, wird einem bei Da war einmal ein Junge mit brachialster Gewalt wieder ins Gedächtnis gerufen. Soll man nun grinsen oder mit dem Kopf schütteln? Einigen wir uns auf künstlerische Freiheit und lassen das Ganze einfach mal kommentarlos im Raum stehen.
"Was nun?", sprach Zeus. Die Idee hinter dem Album ist gar nicht mal so schlecht. Nur die Umsetzung lässt den Hörer die Stirn runzeln. Wer Erdmöbel kennt, der weiß, dass das sicherlich beabsichtigt wurde. Ein Album für Liebhaber. Alle anderen werden No. 1 Hits von Erdmöbel wohl nicht so wirklich verstehen, sich den Originalen zuwenden - oder es gänzlich lassen.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 25. Mai 2007 Label: Columbia (Sony BMG)
Website: www.erdmoebel.de Myspace: www.myspace.com/erdmoebel
Albumplayer
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Now and Then: Charlotte Hatherley veröffentlichte bereits im Jahr 2004 ihr erstes Soloalbum. Damals noch Gitarristin von Ash, entschied sie sich zwei Jahre später die Band zu verlassen, um sich gänzlich auf ihre Solokarriere konzentrieren zu können. The Deep Blue ist das Ergebnis dieser Arbeit.
Neun Jahre lang zupfte Charlotte Hatherley die Gitarrensaiten bei Ash. Länger, als so manche Beziehung dauert. Wie viel nimmt man mit, wenn man sich nach so langer Zeit von einer Band trennt, um alleine weiter zu machen? Wie stark prägt eine solche Zeitspanne den eigenen musikalischen Weg? Weniger, als man befürchtet, mehr als man hofft. So zumindest scheint es, wenn man sich The Deep Blue von Charlotte Hatherley anhört. Tracks wie I Want You To Know oder Very Young erinnern doch stark an den Sound von Tim Wheeler und Co. Beabsichtigte Retrospektive auf die Vergangenheit oder unbewusste Verarbeitung der guten alten Ash-Zeiten? Charlotte Hatherley würde wahrscheinlich zu letzterem tendieren. Ist eigentlich auch völlig egal. Fakt ist, dass diese beiden Tracks mit amtlichen Riffs nach vorne gehen. Das war's dann aber auch schon mit dem Brückenschlag zur Vergangenheit, denn alles in allem klingt hier wenig nach Ash. Dafür ist The Deep Blue in sich auch zu versponnen.
Einstieg mit einem ruhig verträumten Intro: Costeau klingt wunderschön fragil. Ein Aspekt, der sich durch das gesamte Album zieht wie ein roter Faden. Songs wie Again oder Dawn Treader klingen leicht zerbrechlich. Wer nun allerdings meint, hier sei sanfter Säuselpop angesagt, der irrt. Dafür ist die Stimme Charlotte Hatherleys einfach zu fordernd, die Kompositionen sind zu ausgefeilt und die Spannungsbögen innerhalb Songs wie Roll Over (Let It Go) zu groß. Ein Track, der unüberhörbar an den großen David Bowie erinnert.
So schön das Ganze auch klingt, The Deep Blue ist ein Album, das in der Beurteilung ein wenig ratlos stimmt. Musikalisch gibt es hier nichts zu kritteln. Charlotte Hatherley hat ihre Hausaufgaben bereits bei Ash gemacht. Schöne Popsongs, definitiv - leider aber auch nicht mehr. Trotz breit gefächerter Instrumentierung aus Streicherarrangements, Synthies und Effekten fehlt hier irgendetwas: Der ultimative Kick, das Klicken im Kopf, der Zwang, den Repeat-Schalter bedienen zu wollen. Nach dem dritten Durchlauf wirkt The Deep Blue leider ein wenig ermüdend. Ein Album, das sicherlich nicht in die Analen des Musikjahres 2007 eingehen wird, nichtsdestotrotz: Charlotte Hatherley bleibt eine großartige Musikerin!
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 18. Mai 2007 Label: Little Sister (Rough Trade)
Website: www.charlottehatherley.com Myspace: www.myspace.com/charlottehatherleyofficial
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A Potion heißt das neue Album der belgischen Band Sioen. Dahinter steht der charismatische Pianist und Sänger Frederik Sioen aus Ghent. A Potion ist eigentlich schon sein drittes Album und in seiner Heimat genießt er bereits einen guten Status in der Indieszene.
A Potion trifft das Album sehr gut, denn das Elixier, dass Frederik sich da zusammengebraut hat, ist schon recht vielseitig. Allerdings ist nicht so ganz klar, ob er sich die verschiedenen Zutaten dazu einfach nur aus anderen Songs und bei anderen Künstlern zusammengeklaut hat, oder ob er daraus etwas eigenes kreieren will. Einerseits brilliert das Album in seiner Unaufdringlichkeit. Ja, es ist unaufdringlich, wenn auch nicht langweilige Fahrstuhlmusik. Aber manchmal überkommt den Hörer die Frage: "Mann! Wann passiert hier irgendwas?" Man spürt, dass Frederik Potential hat! Man hört es an seinem Pianospiel, an seiner Stimme in Songs wie A Potion oder der aktuellen Single No Conspiracy At All, aber dann denkt man, da geht doch noch viel mehr! Man erwartet förmlich, dass plötzlich die Violine oder die Gitarre, oder der Gesang ausbricht, das Lied irgendwann endlich den Kopf rausstreckt, und den Hörer packt, um ihn dann irgendwohin zu befördern. Aber es passiert nicht. Die meisten Lieder bleiben gradlinig. Eben unaufdringlich! Es gibt keine agrodepressiven Leidenstexte wie bei Elbow's Fugutive Motel, keine verwirrenden mitreißenden Soundscapes wie bei Radiohead's Hail To The Thief, keine ekstatischen Emotionen wie in der Stimme von Björk. Es bleibt eben alles gradlinig, und man fragt sich, ob es an der Unausgereiftheit der Songs liegt, oder daran, dass sich Frederik einfach noch nicht so recht traut! Denn das Herzstück des Albums I Need A Drug ist eigentlich ein Beweis dafür, dass er kann, wenn er will! Da schmettern die Violinen, da kommt dann auch endlich mal ein leidenschaftliches Gitarrensolo, und da hört man auch endlich mal sein Stimmpotential! Vielleicht ist es aber auch die Gradlinigkeit der französischen Chansons, die ihn beeinflusst hat, man weiß es nicht!
Man darf mehr als gespannt auf die Liveshow der Belgier sein, denn um Menschen zu fesseln, braucht man sehr viel mehr Pathos und Passion als auf diesem Album, und obwohl das Album gut ist, genial produziert, und künstlerisch großartig ist, kommt es einfach nicht genug aus dem Quark. Es ist das Album zum am Spiegel schminken, sich überlegen, was man heute anziehen soll, oder ob man heute Abend in den Pub nebenan gehen soll, oder doch lieber Fußball gucken. Dafür ist es das absolute Topalbum. Wer aber sich verlieren will in Passionate Soundscapes, der hat mit A Potion leider was falsch gemacht!
Review: Amy Zayed
Erscheinungsdatum: 18. Mai 2007 Label: Universal
Websiet: www.sioen.net Myspace: www.myspace.com/sioentheband
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Schreiben wir wirklich das Jahr 2007!? Ein Blick auf den Kalender sagt mir, dass ich mich nicht irre, denn sobald man das selbstbetitelte Debütalbum der Bishops in die heimische Anlage eingelegt hat, kommt man sich vor, als sei man direkt mit der Zeitmaschine ins Jahr 1967 katapultiert worden. Man trifft auf die Beatles und die Kinks und hat das Gefühl, man ist mittendrin, statt nur dabei.
Es ist wirklich erstaunlich, wie es den Zwillingsbrüdern Mike (Gitarre, Gesang) und Pete Bishop (Bass, Gesang) und Schlagzeuger Chris McConville gelingt, den Sound der 60er originalgetreu wiederzubeleben. Das ist kein Retro, nein Retro sind die Strokes. Das ist Original. Kein Wunder, denn aufgenommen wurde das Debütalbum gemeinsam mit Produzentenlegende Liam Watson (The White Stripes, The Kills, The Zutons) in den heiligen Hallen der Toe Rag Studios. Hier wird ausschließlich mit Original-Equipment aus der Zeit vor 1963 gearbeitet. Aber nicht nur der Sound erinnert an die 60er, sondern auch der Look: Pilzkopf-Frisuren und adrette Anzüge.
Die musikalische Zeitreise beginnt mit Menace About Town und schlängelt sich mit Songs wie The Only Place I Can Look Is Down, I Can't Stand It Anymore oder So high durch die gesamte Rock 'n' Roll-Geschichte der 60er. Nach 35 Minuten wird man dann wieder in die Gegenwart zurückgeholt. Eigentlich schade. Ich hatte gerade angefangen, mich heimisch zu fühlen. Ich drück einfach noch mal auf Repeat...
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 11. Mai 2007 Label: Weekender Records (Indigo)
Website: www.thebishopsband.com Myspace: www.myspace.com/thebishopsuk
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There Is Nothing heißt das Album der Belgischen Band Absynthe Minded. Ein schönes Stück Rock 'n' Roll! Songs wie A Great Hight oder Plane Song erinnern irgendwie ein Bisschen an amerikanische Highways, oder Barbecues somewhere in the wild, wild West. Aber es klingt auf keinen Fall gestelzt oder sehr geklaut, sondern authentisch. Auch die Texte sind schön edgy. Mal geht's darum, dass sich nicht sicher zu sein, ob man jemanden liebt, oder hasst, und mal um die Schönheit einer Landschaft. Es wechselt zwischen schönen akustischen Klanglandschaften und abgerocktem Gitarrengeschrebbel, dass einem das Herz höher schlagen lässt, wenn man an die Liveshows denkt. Eine verheißungsvolle Erwartung. Denn wenn das Album halb so großartig auf der Bühne rüberkommt, dann will ich Absynthe Minded bitte auf jedem Festival dieses Jahr sehen! Man hat das Gefühl, als ob die Chili Peppers sich mit den frühen Counting Crows zusammengetan hätten, bei The Coral ins Studio gegangen wären, dort den fassungslosen Liverpoolern ihre Instrumente geklaut hätten, und sich Hayseed Dixie für ein gutes amerikanisches Barbecue mit integrierter Jamsession eingeladen hätten. Kurz gesagt, die Jungs scheinen Spaß zu haben. Man darf gespannt sein, was diese Band diesen Sommer bewirkt.
Review: Amy Zayed
Erscheinungsdatum: 11. Mai 2007 Label: Universal
Website: www.absyntheminded.be Myspace: www.myspace.com/absynthemindedtheband
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Wir erinnern uns: 2006 gab es eine Band aus Sheffield, die vier Songs im Internet veröffentlichte, die einschlugen wie Granaten und die Band geradewegs auf die Pole-Position der UK-Charts katapultierte. Die Rede ist von den Arctic Monkeys. Ihr Debüt-Album Whatever People Say I Am, That's What I'm Not ist das schnellst verkaufteste Debüt in der britischen Chart-Geschichte. Genau 15 Monate nach der Veröffentlichung ihres Erfolgs-Debüts kehren die Arctic Monkeys zurück. Mit Favourite Worst Nightmare steht nun der langersehnte Nachfolger in den Plattenläden des Vertrauens. Stellt sich nun die Frage: Können die vier jungen Briten dem Erwartungsdruck standhalten?
Favourite Worst Nightmare macht nahtlos dort weiter, wo Whatever People Say I Am, That's What I'm Not aufgehört hat. Krachige, dynamische Gitarren-Rock-Songs, die mit einer unaufhaltsamen Energie nach vorne preschen. Songs wie Brianstorm, Teddy Picker, Fluorescent Adoleszent oder This House Is A Circus gehen zweifelsohne auf die stylische 12. Zwischendurch wird dem Hörer auch mal mit Songs wie Only Ones Who Know oder Do Me A Favour eine kleine Verschnaufpause gegönnt. Leider besitzt das Album auch ein paar Schwachstellen, aber dank der Vielzahl guter Songs fallen diese nicht weiter ins Gewicht. Die Band kann die hohen Erwartungen des Debüts durchaus halten, auch wenn Mitsinghymnen á la I Bet You Look Good On The Dancefloor oder When The Sun Goes Down ausbleiben. Dennoch lassen die Arctic Monkeys mit ihrem Zweitlingswerk keinen Zweifel daran, dass sie auch weiterhin ganz vorne mitmischen werden.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 20. April 2007 Label: Domino (Rough Trade)
Website: www.arcticmonkeys.com Myspace: www.myspace.com/arcticmonkeys
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Nachdem James Dean Bradfield und Nicky Wire im letzten Jahr Solopfade einschlugen, mag so mancher entgegen aller Statements der Band befürchtet haben, die Manic Street Preachers seien am Ende angekommen. Die Sorgen erweisen sich als unbegründet. Gerade erscheint mit Send Away The Tigers das achte der Band. Und eines sind die Manics mit Sicherheit nicht: Sie sind noch lange nicht fertig!
Die Phase der Sammlung und Selbstorientierung scheint den Herren gut getan zu haben: Send Away The Tigers klingt fast so, als seien die Waliser in den letzen drei Jahren täglich einmal in einen Jungbrunnen gehüpft. Laut, brachial und enthusiastisch melden sie sich zurück. Die melodiös-poppige Verspieltheit des Vorgängers Lifeblood ist einem rotzig-rauen Charme gewichen, der stark an das Debüt Generation Terrorists erinnert und den viele Fans auf den letzen Alben schmerzlich vermisst haben. Zehn Tracks, verteilt auf 38 Minuten, die die Manics in Bestform präsentieren. Mit einem Hang zu hymnenhaften Refrains und dem offenen Bekenntnis zur klanglichen Overdose. Autumnsong greift mitten hinein in Rock-Klischees á la Guns 'n' Roses oder Aerosmith, mit einem Intro, das an Sweet Child O' Mine erinnert und Chören, die Queen nicht besser hätten einsingen können.
Textlich sind die Manic Street Preachers ihrer Linie treu geblieben: Intelligente Lyrics, die politische wie soziale Themen reflektieren. Im Fokus des Trios: Die USA. Von der Kritisierung der gesetzlich übergeordneten Stellung der Weltmacht (Rendition) bis hin zur Auseinandersetzung mit der Trauer über menschliche Verluste, die der Irak-Krieg forderte (Imperial Bodybags) und der damit verbunden Kritik am gesellschaftlich pauschalisierten Bild des "American Idiots".
Stimmliche Unterstützung erhält James Dean Bradfield bei Your Love Alone Is Not Enough durch Nina Persson von den Cardigans. Ein Song, der interpretativen Spielraum lässt: Egal, ob von sozialer oder politischer Warte aus betrachtet - ein einziger Aspekt kann niemals genug sein, um ein Ganzes zusammenzuhalten; sei es der Glaube an einen Staat oder der Versuch, einen Menschen zum Bleiben zu bewegen. Ein Track, der sich bis hin zur Thematik des Suizids auseinander dröseln lässt. Ist hier die Rede von Manics-Gitrarrist Richey James Edwards, der seit 1995 als vermisst gilt? Zugegeben, eine spekulative Interpretation des Hörers, die sich an dieser Stelle jedoch geradezu aufzudrängen scheint.
Send Away The Tigers benutzte der Komiker Tony Hancock übrigens als Synonym dafür, sich abzufüllen. Ein exzessiver Befreiungskampf gegen die eigenen Dämonen und Fehlentscheidungen im Leben. Songwriter Wire zieht eine Parallele zu redundanten Äußerungen, die er einst machte und die ihn nun verfolgen. Wenn die Aufarbeitung der Vergangenheit so ausfällt, wie bei diesem Album, kann man das nur als grandiose Form der Eigentherapie beschreiben.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 04. Mai 2007 Label: Red Ink (Rough Trade)
Website: www.manics-online.de
Video "Your Love Alone Is Not Enough" Interview mit Nicky und James als Video - Teil 1 Interview mit Nicky und James als Video - Teil 2
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Mit Never Got Tatooed veröffentlichte die Wiesbadener Band Scut 2005 ein Album in bester Shoegazing-Manier und verneigte sich ehrwürdig vor Bands wie Ride, Lush oder Slowdive.
Nun, zwei Jahre später, melden sich Markus Losert (Gesang & Gitarre), Regine Schröter (Bass und Background), Samel Pschorn (Gitarre) und Rainer Stang (Schlagzeug) mit ihrem Zweitlingswerk This Is How It Feels When You Stumble zurück und bereits beim ersten Hören wird klar: Scut haben sich von der Vergangenheit emanzipiert. Der Nachfolger kommt insgesamt wesentlich poppiger daher als sein Vorgänger. Teilweise erinnert der Sound an die guten alten Readymade. Das ist jedoch nicht verwunderlich, denn Ex-Readymade-Sänger Zac Johnson hatte bei der Produktion die Finger im Spiel.
Scut präsentieren 10 strahlende Indie-Pop-Songs, denen es an Abwechslungsreichtum nicht mangelt. Mal herzzerreißend schön wie die Ballade Over and Out, mal krachig-noisig wie Summer's Gone und mal poppig-tanzbar wie Drop Down. Songs, die durch großartig verspielte Melodien bestechen, vorgetragen von Markus und Bassistin Regine, die als Gesangsduo wunderbar miteinander harmonieren, besonders wenn ihre Gesangslinien in einen perfekten Dialoggesang münden. Scut verstehen es wunderbare Popsongs zu schreiben, die man sofort ins Herz schließt und immer wieder hören möchte. In diesem Sinne: Let there be POP!
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 04. Mai 2007 Label: Alison Records (Cargo Records)
Myspace: www.myspace.com/scutmusic
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2006 als Band gegründet, bescheren uns Pardon Ms. Arden ihre Definition von Brit-Rock Made in Germany. Noch kein professionelles Demo veröffentlicht, wurde die Band aufgrund einer ersten kleinen Demo-Aufnahme auf ihrer Homepage im August 2006 prompt für einen Gig im Münchner Club "Prager Frühling" gebucht. Es folgten Supportshows für namhafte Bands wie Hush Puppies, The Automatic, Nova International und Virginia Jetzt!
Nun hat das Münchner Trio mit I Bet You're Pardon Ms. Arden ihren ersten Longplayer veröffentlicht. Das Album wurde zum Teil im Telstar Studio in München von Christian Höck aufgenommen und von Bastian Hager in den Bluebreak Studios gemischt und gemastert. Herausgekommen sind 11 energiegeladene Songs mit absolutem Ohrwurmcharakter und tanzbaren Melodien. Schon die Vorab-Single Disco Queen ist ein wahrer Tanzflächenfüller, der jeden Indie-Club der Republik im Sturm erobern wird. Aber auch Songs wie Catherine, My Guitar Has Caught A Cold oder She haben absolutes Hitpotential und wissen zu überzeugen. Der Sound der Band bewegt sich zwischen 60s-Beat, Brit-Rock und Powerpop mit einer nötigen Portion Retro-Flair, ohne jedoch angestaubt zu klingen. Im Gegenteil: Pardon Ms. Arden klingen frisch und unverbraucht und besitzen genau jenen jugendlichen Charme, den eine Rock 'n' Roll-Band braucht. Ihre Musik ist kraftvoll und dynamisch mit dem richtigen Gespür für großartige Melodien.
Pardon Ms. Arden treffen den Nerv der Zeit und liefern den Beweis, dass es auch hierzulande Bands mit Potential gibt, die guten Rock 'n' Roll mit englischen Texten fabrizieren können. Warum also in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?!
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 27. April 2007 Label: I Hate Music Records
Website: www.pardonmsarden.com Myspace: www.myspace.com/pardonmsarden
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Bei dem Begriff Aloha kommt einem eigentlich sofort die Assoziation zu hawaiianischen Klängen. Doch weit gefehlt, nix da. Das Musikerprojekt um den Mulitiinstrumentalisten/Komponisten und Laptop-Produzenten Daniel Vujanic offenbart mit Aloha Ahab von Popelementen gespickten, zuweilen jazzigen und rein auf die Instrumente reduzierten Rock oder auch rockigen Jazz. Eine klare Kategorisierung ist bei diesem Album nicht vorzunehmen, da die Stilrichtungen von Song zu Song changieren.
Das Album bildet den Abschluss eines, wenn auch musikalisch sehr varianzreich, aber dennoch zusammenhängenden dreiteiligen Werks. Mit Aloha Ahab entfernt sich das Musikerprojekt von dem zuvor elektronisich-folkigen Fokus, behält aber die Jazzlinie bei.
Das Instrumentarium ist wohl mehr als facettenreich: Von akustischen und elektrischen Gitarren, Bass, Klarinette und Bass-Klarinette über Tenor- und Bariton-Saxophon, Piano und Schlagzeug, Synthesizer, Akkordeon bis hin zum Glockenspiel wird bei Aloha Ahab ein unglaubliches Klagspektrum geboten. Getragen wird dies durch teilweise mehrstimmige Gesangslinien, wie zum Beispiel bei From Sloagan To Spectatcle zu hören ist. Die Texte setzen sich aus von Emotionalität geprägten Gedankenkomplexen und Momentaufnahmen zusammen, die den Hörer in einzigartige Klangwelten entführen. Dazu benötigt man allerdings auch die Bereitschaft, sich darauf einlassen zu wollen. Für Freunde von einfach gestrickter Musik dürfte Aloha Ahab deshalb eine Hürde darstellen, die sich als unüberwindbar erweisen könnte. Wer allerdings dieselbe Flexibilität an den Tag legt, die auch das Musikerprojekt zu neuen Werken treibt, der dürfte daran Gefallen finden.
Review: Michaela Wicher
Erscheinungsdatum: 27. April 2007 Label: Arctic Rodeo Recordings (ALIVE)
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2002 veröffentlichten Vega 4 ihr grandioses Debütalbum Satellites und begeisterten mit Songperlen wie Sing, Radio Song oder When The Love Breaks Down sowohl Kritiker als auch Musikliebhaber. Das Album verkaufte sich hierzulande rund 15.000 Mal und in Windeseile gelang es dem Multikulti-Quartett - Sänger Johnny McDaid stammt aus Irland, Gitarrist Bruce Gainsford aus Neuseeland, Drummer Bryan McLellan aus Kanada und Bassist Gavin Fox aus England - sich eine treue Fangemeinde zu erspielen.
Nach dem Erfolgs-Debüt war es lange Zeit still um die Band. Doch nun sind Vega 4 aus der musikalischen Versenkung zurückgekehrt und präsentieren ihr Zweitlingswerk You and Others. Für die Aufnahmen haben sich die vier Wahl-Londoner Produzent Jackknife Lee ins Boot geholt, der unter anderem auch schon U2, Snow Patrol, Kasabian oder Bloc Party produziert hat.
Die Messlatte zum Debüt ist natürlich sehr hoch, aber You and Others knüpft genau dort an, wo Satellites aufgehört hat. Jedoch gibt der Nachfolger im Gegensatz zu seinem Vorgänger etwas mehr Gas, aber gleichzeitig klingen die Songs auch etwas glatter, etwas radiotauglicher. Was jedoch die Qualität nicht mindert. Man muss schließlich einer Band auch die künstlerische Freiheit lassen, sich zu verändern. Dennoch besitzen Vega 4 immer noch das Potential, großartige Popsongs zu schreiben, immer mit einer notwendigen Portion Pathos und ohne jeglichen Kitsch. Songs, die zwar eingängig erscheinen und ins Ohr gehen, aber dennoch von songschreiberischer Tiefe zeugen. Mal hymnisch-rockig wie You and Me oder Tearing me apart, mal melancholisch-schön wie You, Let Go oder Bullets.
Mit You and Others ist Vega 4 ein sehr schönes Album gelungen, das auf jeden Fall eine würdige Fortsetzung von Satellites ist. Ein wunderbares Stück Popmusik!
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 20. April 2007 Label: Red Ink (Rough Trade)
Website: www.vega4music.de Myspace: www.myspace.com/vega4
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Dúnés Opener Bloodlines kommt kraftvoll, einem volle Energie entgegensmashend daher. Die folgenden Tracks auf der EP stehen dem in nichts nach. Da kommt die Frage auf: Woher bezieht die Siebenerkombo, die sich aus Mattias Kolstrup (Gesang/Percussion), den Gitarristen Simon Troelsgaard und Danny Jungslund, Cecilie Dyrberg und Ole Bjørn Sørensen (Keyboards, Vocals), Bassist Piotrek Wasilewski und last but not least Malte Aarup-Sørensen zusammensetzt, diese Energie? Klar, bei einer Bandgröße dieser Dimension sollte doch wohl ein großer Sound entstehen. Aber das kann nicht alles sein, oder? Die Antwort ist keine neue: Ursprung für den Energieausbruch ist die Adoleszenz in einem im Nordwesten Dänemarks gelegenen 28.000-Seelen-Ort.
Dass einem der Zugang zu unterschiedlichsten musikalischen Epochen und sich daraus ableitenden musikalischen Stilen nicht verwehrt bleibt, beweisen Dúné mit ihren bislang fünf Tracks. Diese repräsentieren die Symbiose von dem Indietum zuzurechnenden Genres, würdigen darüber hinaus durch den prägnanten Keyboard-Einsatz auch den Achtziger-Jahre-Pop. Insgesamt zeichnet sich das Schaffen der jungen Band, dessen Durchschnittsalter 18 Jahre beträgt, durch einen extrem treibenden Beat aus: Da muss man schon mitgehen. Gefallen findet in jedem Fall die Erkenntnis "Music is a sensitive Art", die dialektisch zu dem Titel Robot Beat desjenigen Tracks Nummer drei steht.
Einziger Wermutstropfen ist die zu nahe Aufarbeitung jüngerer musikalischer Trends, was heißen will, dass die Lieder an vielen Stellen mal zu eindeutig nach Franz Ferdinand, mal zu sehr nach Bloc Party klingen. Aber da sich die Band aus sehr jungen Bandmitgliedern zusammensetzt, ist zu hoffen, dass sie ihren Weg noch finden und Dúné eine unverwechselbare Identität verleihen werden. Da ist bestimmt noch mehr drin!
Review: Michaela Wicher
Erscheinungsdatum: 13. April 2007 Label: Red Ink (Rough Trade)
Website: www.dunesite.de
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Cassadaga - so heißt das neueste Werk der Saddle-Creek-Zugpferde Bright Eyes. Cassadaga - eigentlich ein Ort in Florida, vor allem durch sein Spiritualisten-Camp bekannt, das sich auf die Fahne geschrieben hat, mit der Totenwelt zu kommunizieren. Da fragt man sich, was hat das mit den aus Omaha, Nebraska stammenden Jungs um Conor Oberst zu tun? Diese Frage soll sich beim Hören der CD klären lassen. Doch davor erwartet einen beim Öffnen der Hülle ein halbdurchsichtiges, geriffeltes Stück Plastik mit der Aufschrift "Spectral-Decoder Cassadaga, Fl.". Was soll das denn sein? Ganz einfach: Durch Auflegen des Spectral-Decoders auf das Cover, das aussieht wie ein Fernsehbild mit schlechtem Empfang, wird erst sichtbar, was sich eigentlich auf dem Cover verbirgt. Allerdings hilft das bei der Frage nach Bedeutung von Cassadaga auch nicht weiter, da das Covermotiv den mystisch-geheimnisvollen Charakter des Titels unterstützt.
Nun aber zur Musik, um vielleicht so der Antwort näher zu kommen. Wie bei den vorherigen Alben, hat man alle seine Freunde der Omaha-Sippe zusammengerufen: Maria Taylor, Clark Baechle (The Faint), Jason Boesel (Rilo Kiley), um nur ein paar der Mitwirkenden zu nennen. Neu an dem Album - im Vergleich zu seinen Vorgängern - ist das prägnante zwischen Authentizität und Kitsch ausbalancierte Orchesterarrangement, das einen bereits in den ersten Minuten einen so nicht erwarteten Eindruck davon verschafft, was mit einem Orchester im Indie-Folk alles möglich sein kann. Befürchtungen, dass ein Orchester den authentischen Folk kaputt machen könnte, treffen nicht ein, wie im Song Four Winds eindrucksvoll gezeigt wird. Der Einsatz von wenigen Streichern oder die Errichtung ganzer Klangwelten (Hot Knives) verhilft dem Album in vielerlei Hinsicht zu seiner Vielseitigkeit. Daneben stützen sich Bright Eyes auf das, was sie schon immer könnten. Erstens: Großartige Melodien, die allerdings gelegentlich ein wenig nach Lua klingen. Aber was einmal gut war, kann ja auch ein weiteres Mal gut werden. Und zweitens: Großartige Texte, die sich mit ganz alltäglichen Dingen beschäftigen, von denen sich keiner freisprechen kann: Klimawandel, Religionskriege, Reisen, Suchen nach Antworten, Liebe, Leben, Tod usw. Und siehe da, hier haben wir endlich unseren Bezug zu Cassadaga, jenem Ort der durch seine Besonderheit alle Themen zu vereinen mag. Also kaufen!
Review: Axel Schinkel
Erscheinungsdatum: 07. April 2007 Label: Polydor (Universal)
Website: www.brighteyesmusic.de Albumplayer
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Sollten Jack Johnson oder auch Josh Rouse uns dieses Jahr nicht mit einem Album beglücken, so wird dieser Schmerz erträglich sein. Denn wir haben ja schließlich Money Mark! Der Keyboarder, der sich durch seine von Funk- und Retroelementen geprägten Riffs den Rang als "vierter Beastie Boy" (mitwirkend bei Check Your Head aus dem Jahr 1992 und Ill Communication aus dem Jahr 1994) verdient gemacht hat, lässt seinen Gefühlen in seinem dritten eigenen Werk Brand New By Tomorrow freien Lauf.
Man teilt seinen Herzschmerz, von dem er im Opener Color Of Your Blues erzählt: "Since you've been gone/I've lost my cleverness/And since you've walked away/I can't deal with this lonelyness and emptyness". Damit und mit seinem Werk insgesamt zeigt sich Money Mark von seiner sensiblen und auch melancholischen Seite, wobei er nicht so weit geht, dass der Hörer Depressionen davontrüge. Nein, Brand New By Tomorrow umhüllt den Hörer eher zart und lässt ihn von lauen Sommerabenden träumen. Die Songs lassen eine entspannte Stimmung aufkommen, in die man immer und immer wieder verfallen möchte.
Davon dass Money Mark, der als Sohn eines japanisch-hawaiianischen Vaters und einer mexikanischen Mutter eigentlich auf den Namen Mark Ramos-Nishita hört, seine genuine Funktion des Keyboarders nicht vollends ad acta gelegt hat, zeugt der häufige Einsatz des Pianos. Musikalische Harmonie erhält das Album zudem aufgrund von Spielereien mit Harmonika und Melodika. Ob Jack Johnson als Inspiration für Marks Album diente, kann nur spekuliert werden; dass die beiden auf einer Wellenlänge zu sein scheinen, kann durchaus angenommen werden. Schließlich begleitete Money Mark Johnsons Band auf deren Japantournee und schließlich war es Jack, dem Mark seine Demos anvertraute. Das war wohl gut so. Jedenfalls fügt sich Brand New By Tomorrow in perfekter Manier in den Brushfire-Sound ein. Und so bleibt mir noch eins, und zwar die Empfehlung "Pädikat: Absolut hörenswert!!" auszusprechen.
PS: Und für die Umweltschützer sei noch anzumerken, dass sowohl das Papier der CD-Hülle als auch das Plastikmaterial, vollständig recyclebar sind.
Review: Michaela Wicher
Erscheinungsdatum: 30. März 2007 Label: Brushfire Records (Universal)
Website: www.moneymark.com
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Mit We Were Dead Before The Ship Even Sank melden sich Modest Mouse zurück. Drei Jahre haben sich die Indie-Rocker aus Washington State für ihren Nachfolger zu Good News For People Who Love Bad News Zeit gelassen.
An den Aufnahmen zu ihrem mittlerweile fünften Studioalbum war niemand geringeres als Ex-Smiths-Gitarrist Johnny Marr beteiligt, der nun auch als vollwertiges Bandmitglied integriert wurde. Vielleicht ist das auch der Grund, weshalb We Were Dead Before The Ship Even Sank wesentlich gitarrenlastiger geworden ist, als seine Vorgänger und somit auch zugänglicher. Fest steht auf jeden Fall, dass Modest Mouse mit ihrem neusten Werk ein Album hingelegt haben, dass vor Energie nur so sprüht. Hier wechseln sich ein grober Sound (March Into The Sea), sanfte Arrangements (Missed The Boat) und tanzbare Beats (Dashboard) ab und vermischen sich zu einem pulsierenden Sound.
Textlich versuchen Modest Mouse auf poetische Art und Weise die Probleme in der Welt zu thematisieren und kommen dabei völlig ohne den erhobenen Zeigefinger aus. Weltuntergangsstimmung hoffnungsvoll verpackt in einen heiteren Sound. Und auch wenn die Welt morgen untergeht, mit We Were Dead Before The Ship Even Sank ist das Ende nur halb so schlimm.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 30. März 2007 Label: Red Ink (Rough Trade)
Website: www.modestmouse.com
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Das Italienische Städtchen Pisa ist weniger für seine Musiker, als vielmehr für fragwürdige architektonische Sehenswürdigkeiten bekannt. Und doch gibt es mit The Strange Flowers eine Band, die es über die Jahre zu einiger nationaler und internationaler Bekanntheit gebracht hat. The Imaginary Space Travel Of The Naked Monkeys heißt das dritte Studioalbum der Italiener, das pünktlich zum 20-jährigen Bandjubiläum erschienen ist.
Was für ein bekloppter Albumtitel. Beim Anhören merkt man jedoch schnell, wie passend der Vergleich mit einem Flug durchs All ist. Zu Ohren kommt einem psychedelische Musik, so zähflüssig wie Sirup, überladen und voll gestopft mit Instrumenten, Soundeffekten oder eben auch mal Affengeschrei. Wer so lange im Geschäft ist wie die Strange Flowers, braucht wahrscheinlich keine Drogen mehr, um solche Songs zu machen. Dem Hörer hingegen würde eine Prise LSD vielleicht dabei helfen, diesen Musikkosmos zu entschlüsseln. Aber auch wer weder high noch treuer Fan der psychedelischen Musik ist, findet auf der Platte ein paar hörbare Balladen, die am ehesten noch an The Arcade Fire erinnern, wenn man unbedingt eine moderne Referenzband zum Vergleich heranziehen möchte.
Wer Tempo und harte Gitarren bevorzugt, sollte sich vom "The" im Namen nicht irreführen lassen und lieber die Finger davon lassen. Aber wer gerne dabei gewesen wäre, 1967 in San Francisco, darf getrost zugreifen und mit den nackten Affen in den Summer of Love durchstarten.
Review: Andreas Kussinger
Erscheinungsdatum: 23. März 2007 Label: Beyond Your Mind Records (Cargo Records)
Website: www.strangeflowers.net Myspace: www.myspace.com/strangeflowers
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Sounds very frenchy! Gegründet 2002 in Rennes/Frankreich präsentieren The Dadds mit French Kiss ihr erstes Mini-Album, das auf dem Label Beyond Your Mind erschienen ist.
Der Sound der Franzosen erinnert an eine Mixtur aus den Kinks, Buzzcocks, Undertones, Pretty Things und Jacques Dutronc. The Dadds verbinden 60s Garage Rock mit French-Pop. Eine interessante Mischung, die die fünf jungen Garçons da abliefern. Sie singen meist französisch, teils aber auch englisch. Der Gesang in der französischen Landessprache ist allerdings anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, wenn man mit englischsprachiger Musik sozialisiert ist. Dennoch ist French Kiss nicht nur etwas für Leute, die der französischen Sprache mächtig sind.
Neben sechs Eigenkompositionen verbirgt sich hinter Je vais te manquer eine Coverversion von You gonna miss me von 13th Floor Elevators. Der Sound variiert nicht wirklich zum Original, es wurde lediglich ein französischer Text darüber gesungen. Aber durchaus charmant.
Das Album bietet leider keine großen Überraschungen. Es gibt keine wirklichen Höhepunkte, aber auch keine Ausreißer. Unter dem Strich ist French Kiss aber ein extrem dynamisches Album mit viel französischem Charme, dass man trotz alle dem als gelungen oder wie der Franzose sagen würde "bien venu" bezeichnen kann. Im Juni sind The Dadds dann auch in Deutschland unterwegs, um ihre Songs live zu präsentieren.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 23. März 2007 Label: Beyond Your Mind (Cargo Records)
Myspace: www.myspace.com/thedaddsaregreat
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Sie waren das Aushängeschild des Brit-Pop. 1993 verzeichneten Suede um Brit-Pop-Ikone Brett Anderson mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum grandiose Erfolge und lösten in England eine regelrechte Suede-Mania aus. Nach dem Split der Band versuchte Brett Anderson gemeinsam mit seinem ehemaligen Songwriting-Partner Bernard Butler als The Tears an die alten Suede-Zeiten anzuknüpfen. Doch der Erfolg blieb leider aus.
Nun meldet sich der Ex-Suede-Frontman mit seinem selbstbetitelten Solo-Debüt zurück. Brett Anderson ist ein sehr persönliches und emotionales Album, das dem Hörer einen Einblick in die Gefühlswelt von Brett Anderson gibt. Ein Seelenstriptease verpackt in 11 sanft-melancholische Songs, der vollkommen ehrlich und aufrichtig ist. Er offenbart mit diesem Werk seine ganz persönlichen Einstellungen und Gefühle wie beispielsweise den Tod seines Vaters (Song For My Father) oder die Einsamkeit des Lebens (Love Is Dead).
Das Gesamtbild des Albums ist ziemlich ruhig und introvertiert und besteht lediglich aus Balladen und Midtempo-Songs. Die traurig-melancholische Grundstimmung des Album wird durch seine Instrumentierung in eine wärmende Hülle aus sanften Streichern, Pianoklängen und Gitarrenspiel gepackt. Im Fokus des Ganzen steht Brett's charismatische Stimme.
Brett Anderson schenkt uns ein eindrucksvolles Solo-Debüt. Ein Album, auf das man als Suede-Fan seit Dog Man Star gewartet hat.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 23. März 2007 Label: V2 (Rough Trade)
Website: www.brettanderson.co.uk
Ecard inkl. CD Listening, Video, Tourdaten etc. Video zu "Love Is Dead"
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Das neueste Hype-Wunder aus dem Vereinten Königreich steht in den Startlöchern. Die Rede ist von The View, vier blutjungen Musiker (Durchschnittsalter: 19), die nicht etwa aus London, Manchester oder Liverpool stammen, sondern aus dem kleinen schottischen Städtchen Dundee. Benannt nach dem "Bayview Hotel", ihrem Stammpub, in dessen Hinterzimmer sie begannen, ihre eigenen Songs zu schreiben und einzuüben. Bis sie dort rausflogen, weil Sänger und Gitarrist Kyle Falconer mit einem Scooter die Bar entlanggefahren ist.
Schließlich von James Endeacott (verantwortlich für das Signen der Libertines) entdeckt, nahmen sie unter der Regie von Owen Morris (u.a. The Verve und Oasis) ihr Debüt-Album Hats Off To The Buskers auf. Große Namen, die Erfolg versprechen. Und selbst Bobby Gillespie erklärte The View kürzlich offiziell zu seiner neuen Lieblingsband, nachdem sie Primal Scream bei einigen Gigs als Support-Act unterstützt hatten. Mit Hats Off To The Buskers liefern The View ein klasse Debütalbum ab und servieren uns eine gelungene Mixtur aus Punk, Pop und Ska, der eine nötige Portion an Rotzigkeit und Aufmüpfigkeit beigemischt ist. Gekonnt, frisch und ungestüm tönen 14 Songs aus den Boxen der heimischen Stereoanlage, die sich respektvoll vor den Buzzcocks, den Libertines oder den Undertones verneigen. Mit Superstar Tradesman und Wasted Little DJ's schütteln The View Songs mit Hymnenqualität aus dem Ärmel und Ska Trendy könnte auch noch glatt aus der Feder von Pete Doherty stammen. Der absolute Ohrwurmhit des Albums ist auf jeden Fall Same Jeans, der sich sofort in deinen Gehörgang einschleicht und dich den ganzen Tag nicht mehr loslässt. Die Textzeile "I've had the same jeans on for four days now. I'm gonna go to a disco in the middle of the town" auf den Lippen und die catchy Melodie im Ohr wird dieser Song bereits nach dem ersten Hören gutgelaunt durch die Gegend geträllert.
Dass The View auch die ruhigen Töne beherrschen, stellen sie mit der Akustiknummer Face For The Radio unter Beweis. Und mit der schönen Sing-Sang-Liebeserklärung namens Claudia sei ein Punkten der Herren, bei der Herzdame garantiert. Gesetzt dem Fall, die Angebetete heißt Claudia.
Das alles ist natürlich nicht neu, und wer mittlerweile eine Überdosis an Gitrarrengeschrammel Made in UK hat, der wird bereits nach dem ersten Hören so angenervt sein, dass er sich wünscht, The View würden ganz schnell wieder in das Kaff verschwinden, aus dem sie gekommen sind. Wer dem Ganzen aber nach wie vor nicht überdrüssig ist, wird mir Recht geben, wenn ich sage: Do Believe The Hype!
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 16. März 2007 Label: Red Ink (Rough Trade)
Website: www.theviewareonfire.com Myspace: www.myspace.com/dryburgh
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Elektrifizierende Geschichten aus dem Londoner Alltag, teilweise in der Form des Ich-Erzählers oder auch in Manier von Konzeptliedern, varianzreich und voller Inbrunst hingeschmettert. Das war kurz und knapp das Debüt-Album Capture/Release der Rakes aus dem Jahr 2005. Da hätte es eigentlich kein Entrinnen geben können. Hätte..., wenn da nicht Franz Ferdinand und Konsorten einen entscheidenden Augenblick früher auf den größeren Bühnen erschienen und in den Charts positioniert gewesen wären. So blieb The Rakes die ihnen eigentlich gebührende Aufmerksamkeit leider verwehrt. Die EP Retreat stieg jedoch auf einen ansehnlichen Platz 24 in die britischen Charts ein und The Rakes tourten mit Franz Ferdinand und supporteten Bloc Party in Japan. Ne Menge Geld, Ruhm und all der Pipapo sind ja schließlich nicht alles, und so ließen sich Alan Donohoe (Gesang), Matthew Swinnerton (Gitarre), Jamie Hornsmith (Bass) und Lasse Petersen (Schlagzeug) nicht unterkriegen.
Nun, da Bestwerke wie Strasbourg oder 22 Grand Job in den Klubs noch längst nicht verklungen sind, melden sich die Whitechapel-Guys mit dem Nachfolger Ten New Messages zurück. Dieser beeindruckt zunächst direkt sowohl durch das druckvolle Intro des ersten Tracks, als auch durch den Titel, der da lautet World Was A Mess But His Hair Was Perfect. Der Gesang kommt hier in eher leger, monotoner Weise daher, wohingegen den Instrumenten freier Lauf gelassen wird. In Little Superstitions wird ein sanfterer Ton angeschlagen, dafür gewinnt die Stimme wieder an Melodie. We Danced Together und Trouble könnten sich als tanzflächentauglich erweisen, denn genau das erwartet man doch eigentlich nach an obiger Stelle genannten Smashhits des Debüts. Ja, eigentlich, eigentlich... Aber The Rakes beschreiten einen Weg nicht zweimal, bleiben sich irgendwie treu, doch gewähren der Weiterentwicklung ihren freien Lauf.
Wer mit einer simplen Fortsetzung von The Rakes-Teil 1 gerechnet hat, der hat sich verrechnet – und zwar gründlich. Und der sollte an dieser Stelle nicht enttäuscht sein, sondern vielleicht mal der eigenen Weiterentwicklung eine Chance geben. Ich sage nur Sprechgesangseinlage in Suspicious Eyes...
Review: Michaela Wicher
Erscheinungsdatum: 16. März 2007 Label: V2 (Rough Trade)
Website: www.therakes.co.uk E-Card mit Video, Listening, Tourdates etc.
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"Uneasy Listening Music" – So beschreiben die Protagonisten Nicola Kuperus und Adam Lee Miller ihr viertes Album Why Bother?. Ja, und damit hat das Ehepaar aus Detroit den Nagel dann auch auf den Kopf getroffen. Wer sich diesem Werk annähern möchte, der muss hart gesotten sein, denn meiner Auffassung nach kann man den musikalischen Output auch wie folgt definieren: Als äußerst verstörend. Glücklicherweise widersprächen Adult. dieser Auffassung keineswegs. Womöglich fügten sie dann hinzu: Verstörend, um aufzurütteln mit "uneasy listening music for uneasy times", "uncomfortable, restless, disturbed, perturbed, awkward and anxious".
Was Adult. produziert haben, ist ein wahnsinnig gehetzter, düsterer Sound, welcher insbesondere bei dem Track Inclined to Vomit von presslufthammerartigen Beats durchsetzt ist. Man könnte argumentieren, dass dadurch die Aussage unterstrichen wird, letztendlich mutet das musikalische Gefüge jedoch als ziemlich anstrengend an. Einen Song weiter, bei You Don't Worry Enough, erwarten einen dann verfremdete Messer- oder auch Sägengeräusche. Aus dieser Geräuschekulisse heraus ertönt eine Stimme, wie sie anklagender und zugleich leidender nicht sein könnte. Diese vermittelt ganz deutlich, dass sie angeödet von den angeprangerten Gegebenheiten ist. Laut Nicola und Adam Lee ist dieses Album der exakteste Höchststand an gestörter Hysterie. Oder auch ein Meilenstein im Hinblick auf extraordinäre musikalische wie inhaltliche Ergüsse. Und um es in einfache Worte zu fassen: Es handelt sich um sehr spezielle Musik für eine ungemein spezielle Hörerschaft. Ich empfinde es als Kompressormusik. Aber ich bin ja auch 'ne Kunstbanausin. Na dann, cheers!
Review: Michaela Wicher
Erscheinungsdatum: 16. März 2007 Label: Thrill Jockey Records (Rough Trade)
Website: www.adultperiod.com
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Bei dem Begriff Nemo öffnen sich vor dem geistigen Auge für gewöhnlich Unterwasser-Landschaften, in denen sich possierliche Clown-Fische tummeln oder mysteriöse U-Boot Kapitäne mit Riesenkraken kämpfen. Im geistigen Ohr wird sich demnächst bei der Erwähnung dieses Wortes nur noch eins auftun: Post Human Love, das Debüt des Londoner Quartetts Nemo.
Die Sache mit den Erstlingwerken: So ähnlich müssen sich Labelchefs fühlen, wenn bei dem ersten Durchlauf eines Debütalbums der Daumen mit Warpgeschwindigkeit nach oben oder nach unten schnellt. Talentiert und zukunftsweisend oder doch eher ein netter Versuch - um nicht zu sagen, ein Griff in die Eingeweide einer öffentlichen Bedürfnisanstalt?! Noch schlimmer sind die mediokren Ausbrüche, die eine gewisse Ratlosigkeit zurücklassen, wenn die letzen Akkorde verklungen sind.
Zugegeben, man ist mittlerweile schon ziemlich abgebrüht, was die Beurteilung eben jener Erstlingswerke betrifft. Und just in dem Moment, in dem man meint, es könne einen nicht mehr allzu viel überraschen, trudeln Platten ein, die einen ohne Umschweife eines Besseren belehren. Post Human Love von Nemo ist so ein Klopper, der bereits nach den ersten drei Tracks ein Dauergrinsen auf das skeptische Kritikergesicht zaubert.
Wo die Killers mit Hot Fuss aufgehört haben und mit Sam's Town leider nicht mehr anknüpfen konnten, fangen Nemo an und führen fort. Elektro-Rock mit einer Prise Punk und einer Portion Wave. Ein musikalischer Ritt auf der Rasierklinge irgendwo zwischen The Faint, The Clash und Depeche Mode. Eine explosive Mischung, egal, wie man's dreht und wendet. Ausreißer? Fehlgeleitetes Tracklisting? Mittelmäßige "Ich skipp mal eben weiter"-Songs? Fehlanzeige! Vielmehr ist hier jedes Stück ein Treffer! Nemo sind, wie sie schon mit ihrem Opener andeuten, der Sonic Operator, der 33 Minuten lang dafür sorgt, dass man abgeht und nicht mehr runterkommt. Haushohe Gitarrenwände, an denen die sich Synthie-Loops emporschlängeln wie Efeuranken an altehrwürdigen Gemäuern. Abstrakte musikalische Muster hinterlassend, die direkt auf die stylische Zwölf gehen. Bevor sich dann allerdings noch Hyperventilation und Kammerflimmern einstellt, lassen Kev Kennedy (Guitar, Synthies, Backing Vocals), Milan Adamik (Bass, Synthies), Section Q (Drums, Synthies) und James Cook (Vocals, Synthies) den Hörer mit dem entspannten Duke of New York langsam aus ihrem Kracher-Erstling hinaus gleiten.
Gute Debütalben sind schwierig zu toppen. Bleibt zu hoffen, dass Nemo sich eines Tages dieser Binsenweisheit widersetzen werden. Post Human Love ist nämlich nicht gut, es ist nahezu grandios! Keine Frage: Daumen nach oben, alle beide und mit den Zehenspitzen die Play-Taste der Stereoanlange bedienen!
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 09. März 2007 Label: Can't Stop Produktion (Deepsee Music)
Website: www.nemointernational.com Myspace: www.myspace.com/nemointernational
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Musikanlage einschaltet, die This Isn't Here-CD reingelegt, auf Play gedrückt und schon heißt es: Kummer, adé!! In der Singer/Songwriter-Riege tummeln sich eine ganze Menge Künstler. Sich hier hervorzutun ist mit Sicherheit kein leichtes Unterfangen. Dem Kanadier David Celia ist es mit seinem zweiten Album namens This Isn't Here gelungen, meine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Und zwar, indem er mit einer Reihe von erfrischend sprudelnden Melodien entwachsenen Popsongs mit eindeutiger Referenz zu Folk und Country aufwartet.
Die Instrumentierung ist sehr facettenreich und das Album daher kein Stück langweilig. So tummeln sich unter anderem Geige, Banjo, Maultrommel und auch die Mandoline in einigen Tracks herum und lassen eine beschwingte Atmosphäre aufkommen. Das Themenfeld, das David Celia textlich beschreitet, umfasst Gefühle, Gedanken wie beispielsweise bei Best Thing Ever und Handlungen anderen Personen gegenüber und auch die Betrachtung des Laufs der Welt, wie es bei Infinity der Fall ist. Bei Speak To Me werden dann ruhige Töne angeschlagen und beim Folgetrack I Found You besinnt sich David Celia schließlich vollends auf die instrumentale Interpretation. Bei keinem der Lieder kommt er melancholisch daher, sondern erzeugt beim Hörer ein Wohlgefühl erster Güte.
Wer dem Country nicht so richtig viel abgewinnen kann, könnte mit dem Album Probleme bekommen. Ich find's toll! Wertung: Zehn Sterne deluxe.
Review: Michaela Wicher
Erscheinungsdatum: 03. März 2007 Label: Radar Music
Website: www.davidcelia.com Myspace: www.myspace.com/davidcelia
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Auf mehr als 200 Gigs haben Dr. Norton mittlerweile unter Beweis gestellt, dass sie eine mitreißende Liveband sind. Sie standen u. a. bereits mit The International Noise Conspiracy auf der Bühne und genau hier trifft es auch schon den Nagel auf den Kopf, denn der Sound lässt sich durchaus mit eben genannter Band vergleichen, jedoch ohne dabei wie ein langweiliges Plagiat zu wirken.
Jetzt haben die vier Wahl-Berliner endlich ihr erstes Album veröffentlicht. Your Plot - The Prison - My Escape heißt es und ist auf dem Label Go Kart Records erschienen.
Dr. Norton lassen es richtig krachen und spielen absolut tanzbaren Garage-Punk-Gitarren-Rock in bester Tradition der 60er/70er. Der Gitarrensound rockt wie Hölle bis zum bitteren Ende durch und klingt keineswegs angestaubt, sondern frisch und unverbraucht. Ein Album, dass geradezu strotzt vor Heißblütigkeit und Tatendrang. Die Musik donnert wie ein unhaltbarer Tornado aus den Boxen, denn die vier Herren lassen ihre Instrumente ordentlich wüten und versprühen einen energischen, dreckigen Sound mit einer nötigen Portion an Ungeschliffenheit. Genauso soll Rockmusik sein!
Eingespielt haben Dr. Norton das Album im Hamburger Rekorder Studio gemeinsam mit Gregor Henning (Tigerbeat, The Robocop Kraus, Die Sterne). Für das Mastering war Chris von Rautenkranz (Blumfeld, Franz Ferdinand, Die Sterne) verantwortlich.
Ein mehr als gelungenes Debütalbum. Bleibt nur noch zu wünschen, dass Dr. Norton auch den verdienten Erfolg ernten. Verdient haben sie es auf jeden Fall.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 02. März 2007 Label: Go-Kart Records (Rough Trade)
Website: www.dr-norton.com
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Might As Well Live heißt das aktuelle Album von Last Days Of April. Ein großer Titel, hinter dem sich eine noch größere Platte versteckt. Das Trio aus Schweden beschert uns dieser Tage vielleicht den besten Longplayer, die die Jungs jemals veröffentlicht haben.
Ja, sie sind gewachsen. Und Wachstum bedeutet meistens auch Veränderung. Hatten Last Days Of April ihre Wurzeln im Emocore, so lassen sich Karl Larsson, Mathias Oldén und Fredrik Granberg mittlerweile nicht mehr auf diese Schublade reduzieren. Im Laufe der Zeit haben sich die Jungs immer stärker in Richtung Pop orientiert. Mit Might As Well Live knüpft das Trio nun genau dort an, wo es mit If You Loose It aufgehört hat. Indie-Pop vom Feinsten, den altehrwürdige Meister wie Teenage Fanclub oder Dinosaur Jr. nicht besser machen könnten.
Los geht's ein wenig zurückhaltender mit dem Opener Lost and Found, einem Track, dessen Stärke eindeutig in seiner Ruhe und leichten Melancholie liegt. Bevor es dann allerdings zu lauschig wird, setzen die Gitarren von Great White's Jaws ein und damit ist man auch schon mittendrin im Soundgewusel von Might As Well Live, aus dem man 36 Minuten lang nicht mehr hinaus kommt. Griffige Songs, die nicht nur das Herz wärmen, sondern auch richtig Spaß machen. Mal catchy wie bei Who's on the Phone? oder Two Ply Glass, mal traurig-schön wie bei der Ballade I Wish That You Would Mean A Lot Less To Me. Einer der ganz großen Tracks des Albums, bei dem man Sänger Karl Larsson am liebsten in den Arm nehmen möchte und zustimmend nickend "Ja, ich weiß, was du meinst" ins Ohr raunen würde, während man sich im Gitarren-Outro verliert. Damit ist man dann auch beim prägnantesten Merkmal von Might As Well Live angekommen: Die leicht kantigen Riffs, die stets präsent sind und passagenweise den einzigen Anknüpfungspunkt an die Emo-Vergangenheit von Last Days Of April darstellen. Denn fast vergisst man bei diesem Album, dass Last Days Of April ursprünglich eine ganz andere Baustelle beackert haben. Das hier ist einfach Indie-Pop - und einfach nur schön!
Might As Well Live ist sicherlich eine der besten Platten, die die drei Herren aus Schweden bisher produziert haben. Herrliche Melodien, bittersüße Lyrics und einfach alles, was man braucht, um glücklich zu sein - mit einer Träne im Knopfloch. Sind wir nicht alle ein bisschen emo, ohne zwangsläufig core zu sein?!
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 26. Februar 2007 Label: Bad Taste (Soulfood Music)
Website: www.ldoa.com
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2005 war das Jahr der Kaiser Chiefs. Mit ihrem Debütalbum Employment haben sie die Musikwelt im Sturm erobert. Von Musikkritikern wurden sie mit Lobrezensionen überschüttet, räumten einen Award nach dem anderen ab und rockten nahezu jedes namenhafte Festival. Knapp zwei Jahre später melden sich nun die Herren aus Leeds mit ihrem Nachfolgewerk Yours Truly, Angry Mob zurück. Und wie das immer so ist, wenn man so ein grandioses Debüt hingelegt hat, ist der Erwartungsdruck und die Messlatte beim Nachfolgers natürlich ziemlich hoch.
Dem ersten Eindruck zufolge, sind die fünf Engländer ihrer Richtung treu geblieben und setzen erneut auf einen wunderbaren Rock 'n' Roll-Sound mit krachigen Gitarrenriffs, eingängigen Melodien und großartigen Hooklines, die sich sofort im Gehörgang einnisten.
Eröffnet wird das Album gleich mit der Vorab-Single Ruby. Ein Song, der ein dermaßener Ohrwurm ist, dass man ihn den ganzen Tag nicht mehr los wird. Direkt als zweiten Track schmeißen die Kaiser Chiefs den besten Song des Albums hinterher: The Angry Mob, mit dem uns Textzeilen wie "We are the angry mob / We read the papers everyday / We like who we like / We hate who we hate / But we're also easily swayed" um die Ohren geknallt werden, die man gleich lauthals auf der Straße mitgrölen möchte. Und so jagt ein Kracher den Nächsten. Nach dem Rock 'n' Roll-Gewitter der ersten 4 Songs wird dem Hörer mit Love's Not A Competition erst mal eine kleine Verschnaufpause gegönnt. Ein eher akustisch gehaltener Song, mit dem die Kaiser Chiefs beweisen, dass sie auch auf diesem Fachgebiet kompetent sind. Zwischen ihre Indie-Rock-Hymnen platzieren die Kaiser Chiefs immer wieder sehr schön gelungene Balladen wie beispielsweise I can do it without you, ein Song, der von Trennung handelt und den herzzerreißenden Zusatz "But it wouldn't be very good" enthält.
Yours Truly, Angry Mob ist ein gelungener Schritt nach Vorne und somit eine phantastische Fortsetzung von Employment.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 23. Februar 2007 Label: Polydor (Universal)
Website: www.kaiserchiefs.co.uk Myspace: www.myspace.com/kaiserchiefs
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Aus Vancouver/Kanada stammt das Kollektiv Ox um Singer/Songwriter Mark Browning. Das bereits 2004 in den USA erschienene Debütalbum Dust Bowl Revival gelang als erster Independentrelease eine Platzierung auf Platz Eins der National College Radio Charts und schrieb somit amerikanische Independentgeschichte. Nun erscheint das Erstlingswerk auch hierzulande.
Dust Bowl Revival ist ein Roadtrip durch 14 Songs, die eine emotionale Intensität schaffen und ein Gefühl von Vertrautheit und Freiheit vermitteln. Das gesamte Werk lebt von schnörkellosen, unkomplizierten Arrangements und einem wundervollen harmonischen Gesang. Browning paart klassisches Singer/Songwritertum mit Alternative Country und amerikanischen Folkklängen und orientiert sich hierbei an altbewährten Künstlern wie den Counting Crows (Transam) oder Neil Young (Stolen Car), deren Einflüsse deutlich zu hören sind. In seinen Songs erzählt er Geschichten über Jugenderinnerungen, gestohlene Fahrräder und Frauen und kreiert mit jedem Song eine kleine Momentaufnahme. Ein Album das einerseits mit Balladen wie Weaving oder North Country Girl traurig und melancholisch daher kommt, aber andererseits durch Songs wie L.A. City oder Blue Morning eine lockere Stimmung erzeugt. Als besonderes Schmankerl enthält Dust Bowl Revival im Gegensatz zum US-Release mit Rodeo Man und Iowa noch zwei Bonustracks.
Ein feines Stück Musik und genau der richtige Soundtrack für den bevorstehenden Frühling.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 23. Februar 2007 Label: Arctic Rodeo Recordings (ALIVE)
Website: www.oxmusic.ws Myspace: www.myspace.com/oxmusic
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Er war eine der größten Legenden der Musikgeschichte: Ladies and Gentlemen: Mr. Johnny Cash! Mit Ring of Fire - The Legend of Johnny Cash Vol. II wird nun ein weiteres Best Of-Album des Man in Black veröffentlicht, dessen musikalisches Vermächtnis so manche Plattensammlung sprengen dürfte.
Das Problem von Greatest-Hits-Alben liegt auf der Hand: Die Auswahl der Tracks, die von der Laufspielzeit einer CD abhängt. Besonders schwierig wird das Ganze, wenn man einen Sampler mit den besten Stücken eines Künstlers wie Johnny Cash zusammenstellen will, der nach fast 50 Jahren Musikgeschichte ein immens großes Lebenswerk hinterlässt. Einen Ausweg aus diesem Dilemma bieten dann nur Box-Sets, die Einsteiger oftmals jedoch in ihrem Umfang überfordern, so dass der Hörer zwischen vier Alben den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht. Für Fans, die ohnehin bereits alle offiziellen Alben im Schrank haben, sind diese Sets ohnehin nur ein Fetischobjekt: Die letzte Trophäe in der ansonsten nicht vollständigen Sammlung von XYZ. Einen Mittelweg bieten Doppelalben oder die von einander unabhängige Veröffentlichung zweier Platten. So auch geschehen bei Ring of Fire - The Legend of Johnny Cash Vol. I und II.
Wie bereits der Vorgänger stellt auch Ring of Fire Vol. II einen Querschnitt durch die gesamte Cash-Historie dar. Keine zeitlichen Eingrenzungen sondern vielmehr Fokussierung auf qualitativ hochwertige Tracks. Von Schätzchen wie I still miss someone über Duette mit Bob Dylan (Girl from the North Country), Tom Petty (I won't back down) oder June Carter (It ain't me Babe) bis hin zu den Zeiten der American Recordings (The Beast in me), findet sich in insgesamt 20 Stücken alles, was das Herz des Fans begehrt. Sehr schön auch die Auswahl der wunderbaren Unchained, das man auf dem Vorgänger-Album durchaus vermisst hatte.
Ring of Fire - The Legend of Johnny Cash Vol. II komplettiert die bereits mit dem Vorgänger begonnene Sammlung der schönsten, prägnantesten und eindruckvollsten Cash-Songs ever. Eine solide Auswahl eben jener Tracks, die auf dem ersten Best Of noch fehlten, um wunschlos glücklich zu sein.
Und genau da liegt auch der Hund begraben: Wer sich einen breiten Überblick über Johnny Cashs Lebenswerk verschaffen möchte, sollte sich möglichst beide Alben zusammen besorgen. Zwar eignet sich Ring of Fire - The Legend of Johnny Cash Vol. II als Einstieg in den Sound und das musikalische Werk des Man in Black, wirkt jedoch von der Selektion der Tracks her ein wenig schmalbrüstiger als sein Vorgänger. Eher eine Ergänzung als ein eigenständiges Best Of. Die Kombination beider Alben allerdings dürfte sowohl eingefleischte Fans wie auch Cash-Neulinge gleichermaßen begeistern.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 23. Februar 2007 Label: Mercury (Universal)
Website: www.johnny-cash.de
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Große Ereignisse werfen bekanntermaßen ihre Schatten voraus: Erst der Auftritt bei Stefan Raabs Bundesvision Songcontest, jetzt aktuelle Album Wir brauchen nichts, das dieser Tage beim Plattendealer des Vertrauens erhältlich ist. Man kann sagen, bei Tele tut sich einiges!
Tele? Da war doch was? Genau! Dieser wunderbare Track Falschrum mit dem desillusionierten Refrain "Ich hab lange gebraucht um zu verstehen / Dass immer nur Zeichen und nie Wunder geschehen." Weise Worte! Und derer bedienen sich Tele immer noch. Auch das dritte Album der Wahlberliner zirkuliert in erster Linie um die Lyrics. Geschichten von gescheiterten Beziehungen (So weit weg), vom Leben armer reicher Kinder (Mario) oder dem unbestimmten Gefühl, dass man sich manchmal auch in der Wahlheimat nicht so wirklich heimisch fühlt (Bye bye Berlin).
Musikalisch wird viel geschraubt und experimentiert. Hier eine Portion Pop, da eine Prise Jazz und dazwischen ein Hauch 80er Jahre Synthie-Klänge. Egal, ob mit Bläsern oder Marimbas, E-Pianos oder “schnöden” Gitarren: Tele jonglieren mit Instrumenten wie Gaukler mit Kegeln. Mit demselben Können und derselben Sicherheit. Prägnantestes Werkzeug bleibt jedoch nach wie vor Francesco Wilkings unverwechselbare Stimme, die sich wie ein Widerhaken im Gehörgang verankert. Damit aber nicht genug des Spieltriebs: Auch Ausklänge mit der Geräuschkulisse glücklicher Kühe und Hühner (F.R.E.I.) sind Tele nicht verlegen. Und genau diese Experimentierfreude macht Wir brauchen nichts passagenweise ein wenig gewöhnungsbedürftig.
Textlich betrachtet haben Tele mit Wir brauchen nichts mit Sicherheit eine der derzeit interessantesten Platten an den Start gebracht. Musikalisch ist das Ganze jedoch eher ein Album, das beim ersten Durchlauf etwas anstrengend wirkt, das Zeit braucht, um zu wirken. Sicherlich nichts für jedermann, aber ein Schätzchen für alle, die ihre Zeit darauf verwenden, ein Ganzes in Teile zu zerbrechen, diese in der Hand zu drehen und zu wenden, um sie dann wieder zusammenzusetzen und festzustellen, wie großartig sich die Fragmente plötzlich ineinander fügen. Am Ende kann man sagen: "Wir brauchen nichts, um für kurze Zeit glücklich zu sein!". Was will man mehr?!
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 23. Februar 2007 Label: Vertigo Be (Universal)
Website: www.telemusic.de Myspace: www.myspace.com/teledieband
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Nehmen wir mal an, sämtliche physikalische Gesetze seien aufgehoben: Eine Bar mit spacigem Interieur á la Clockwork Orange irgendwann in den 70ern. Jimi Hendrix betritt die Szenerie, trifft an der Theke auf David Bowie und lädt Prince auf einen Drink ein, während John Lennon sich angeregt mit Pop Levi über dessen Debütalbum The Return To Form Black Magick Party unterhält.
Jemand, der so einen Sound kreiert, dem könnte man auch noch Zeitreisen zutrauen. Was treibt dieser Mensch da eigentlich? Die Bezeichnung Pop reicht nämlich längst nicht aus, um den Sound von Pop Levi zu beschreiben. Blues meets Country, Beats fusionieren mit Schrammelgitarren und erzeugen ein eigenwilliges Gemisch, das sich nicht so wirklich in eine Schublade packen lässt. Einflüsse? Klar, wer hat die nicht?! Sound-a-like? Fehlanzeige! Pop Levis Stimme ist ein Unikat. Leicht schnarrig und verquer über, unter und zwischen den Sounds liegend ist sie wohl das einzige, was The Return Of The Black Magick Party eine gewisse Homogenität verleiht.
Von energiegeladenen Songs mit catchigen Chorussen wie Sugar Assault Me Now oder Pick-Me-Up Uppercut über bluesig anghauchte Tracks à la Dylan oder Hendrix’ (Hades' Lady, Dollar Bill Rock) bis hin zu zarten, auf A-Gitarre und Gesang reduzierten Stücken (Skip Ghetto) gibt es auf diesem Debüt beinah nichts, was es nicht gibt. Passagenweise wirkt das Ganze allerdings ein wenig gewöhnungsbedürftig. Ähnlich wie wie bei Beck Hansen weiß man auch bei Pop Levi nie genau, was einen hinter der nächsten Hookline erwartet.
Der rasante Zickzackkurs durch Pop Levis Debüt endet überraschend beschaulich. Auf dem Rücken von Piano und A-Gitarre reitend, trägt From The Day That You Were Born den Hörer hinaus in den Sonnenuntergang. Oder ist es der Sonnenaufgang - früh am morgen, wenn Hendrix, Dylan, Prince und Co. sich bei Pop Levi unterhaken und gemeinsam die spacige Bar verlassen? Was solls? Außergewöhnliche Situationen erfordern nun mal außergewöhnliche Alben – und so eines ist The Return To From Black Magick Party mit Sicherheit.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 09. Februar 2007 Label: Ninja Tune (Rough Trade)
Website: www.poplevi.com Myspace: www.myspace.com/poplevi
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Das vermeintliche Risiko eine Band zu formieren, die vor (möglicherweise zu viel) Heterogenität nur so sprüht, hat sich im Fall der Five O'Clock Heroes als lohnenswert herausgestellt. Dem anglo-amerikanischen Quartett ist es gelungen, die potentiellen Vorteile aus den divergierenden kulturellen Hintergründen und auch aus den verschiedenartig geprägten musikgeschmacklichen Einflüssen der Bandmitglieder zu erkennen und zu nutzen. Das Ergebnis lässt sich hören – und zwar ungemein gut!
Sänger und Gitarrist Antony Ellis, Schlagzeuger Sam Embery, die den britischen Teil ausmachen, sowie die US-amerikanische Seite, die aus dem Gitarristen Elliot Thomson und dem Basser Nader Khierbek besteht, zeigen mit ihrem Debütalbum Bend To The Breaks, dass Enthusiasmus und ein unbezwingbarer Wille beste Initialmotoren sind, um genau die Art von Musik zu schaffen, die anderen Künstler möglicherweise in ihrer Vorstellung umherspukt, von deren Umsetzung sie jedoch kilometerweit entfernt sind. Den musikalischen Nährboden bezieht das Quartett aus einer weiten Spannbreite von Brit-Pop über Rock und Punk, mit wohldosierten Abstechern in die Gefilde des Ska und auch des Reggae. Dies sind die Zutaten für packende melodiöse Sounds – und dafür stehen die Five O'Clock Heroes. Jeder Track, ob nun Skin Deep oder Good Lovers, überzeugt und besitzt das Potential zur Singleauskopplung, so dass es schwer fällt, hier eine Selektion nach Topsongs und "schwächelnden" Nummern vorzunehmen.
Die Five O'Clock Heroes machen keinen Hehl aus ihren Inspirationsquellen. Allen voran steht hier Joe Jackson Pate in Bezug auf das Songwriting. Letztendlich kommt der Band dabei auch noch die unverkennbare Stimme von Antony Ellis zugute, aufgrund welcher sie gegen den Schubladisierungseffekt gefeit ist. Das Album ist jeden Euro wert!
Review: Michaela Wicher
Erscheinungsdatum: 09. Februar 2007 Label: Pias (Rough Trade)
Website: www.thefiveoclockheroes.com Myspace: www.myspace.com/fiveoclockheroes
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Manche Platten sind einfach so schön, dass es einem die Tränen in die Augen treibt. Da stellt man sich auch die Frage: "War ich traurig, weil ich Popmusik hörte oder hörte ich Popmusik, weil ich traurig war?" Genau so ein Album ist The Brilliant Masses, das Zweitwerk von Monta.
11 wunderschöne Songperlen, die den Hörer genau ins Herz treffen. Ein Album, das sich beim Hören anfühlt, wie eine warme Wolldecke, in die man sich an traurigen Tagen einfach einkuscheln möchte. Tage, an denen man sich einfach die Decke über den Kopf ziehen und die böse, fiese Welt da draußen vor dem Fenster vergessen möchte. Für solche Tage ist The Brilliant Masses der perfekte Soundtrack, denn das Album erzeugt eine warme und gefühlvolle Atmosphäre und schenkt Geborgenheit.
Die Songtitel sprechen Bände: Capitulate, Good Morning Stranger, There's a hole in your heart, See me through your Eyes und jeder Song wird sofort zum Lieblingslied, das man immer wieder hören möchte. Songs mit Tiefgang, verpackt in wunderschönen Melodien mit großartigen Lyrics über Liebe, Entfremdung, Kapitulation, Einsamkeit und der ewigen Suche, die danach verlangen, einfach zuzuhören. Songs, mit Zeilen wie "There's a hole in your heart, I hope someone can fix it", bei denen es einem eiskalt den Rücken runter läuft und man am liebsten in seine Kissen weinen möchte.
The Brilliant Masses knüpft nahtlos an das Debüt-Album Where Circles Begin an und stellt eindeutig unter Beweis, das Tobias Kuhn ein begnadeter Songwriter ist. Ganz großes Gefühlskino! Einfach herrlich!
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 09. Februar 2007 Label: Klein Records (Rough Trade)
Website: www.monta.org Myspace: www.myspace.com/montamunich
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Ein bisschen Strokes, ein bisschen Bloc Party und einen Schuss Libertines und fertig ist der musikalische Cocktail von Tokyo Police Club. Und nein, sie sind nicht Klappe die 10.000ste aus England, sondern der neueste Rock n Roll-Import aus Toronto/Kanada. Die Indie-Rock-Formation hat mit ihrem Mini-Album A Lesson in Crime in den USA und Kanada bereits für reges Interesse gesorgt und erzeugte bei ihren Live-Auftritten in ihrer Heimat stets euphorische Reaktionen. Nun erscheint der Silberling auch hierzulande.
A Lesson in Crime besticht durch energiegeladene Rocksongs, die zwar von den oben genannten Einflüssen geprägt sind, aber dennoch eine eigene Note enthalten. Die vier Bandmates erzeugen mit einem schönen schrammeligen Gitarrensound und einer enormen Rotzigkeit ein gewaltiges Rock 'n' Roll-Gewitter. Trotz ihres jungen Alters fabrizieren David Monks (Gesang/Bass), Josh Hood (Gitarre), Graham Wright (Keyboards) und Greg Also (Schlagzeug) guten handgemachten Rock 'n' Roll. Gar nicht schlecht, meine Herren!
Auch wenn die vier Kanadier das Rad nicht neu erfinden, so wird trotzdem die Neugierde auf mehr geweckt. Und so soll es auch sein: A Lesson in Crime ist der Vorbote zum Debüt-Album, das im August diesen Jahres erscheinen wird. Amerika steht bereits Kopf. Bleibt abzuwarten, ob die Republik ebenfalls von der Begeisterung gepackt wird. Man darf gespannt sein.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 09. Februar 2007 Label: Cooperative Music (Rough Trade)
Website: www.tokyopoliceclub.net Myspace www.myspace.com/tokyopoliceclub
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The Films, das ist die Geschichte von vier Highschool-Freunden aus den Südstaaten der USA, die sich 2003 dazu entschlossen, sich aufzumachen, um ihre Musik in die Welt zu bringen. Nach erfolgreichen Touren im Heimatland wollen Michael Trent (Gesang/Gitarre), Jake Sinclair (Bass/Gesang), Kenneth Harris (Gitarre/Tasten/Gesang) und Adam C. Blake (Schlagzeug) nun auch in Europa ihr Glück versuchen.
Was das Debütalbum Don't Dance Rattlesnake hergibt, scheint im Hinblick auf das Vorhaben als durchaus viel versprechend: The Films sind energiegeladen, sie beherrschen ihre Instrumente. Und auch die Stimmen lassen nichts zu wünschen übrig. Die unterschiedlichen musikalischen Einflüsse der Bandmitglieder lassen absolut keine Lahmheit in den Liedern aufkommen. Kein Track stellt eine variierte Kopie des anderen dar. Ein Hauch von Country, Folk sowie der gute alte British Beat der 60er fließen zusammen, paaren sich letzten Endes mit Rock und ergeben ein schließlich ein ordentliches Retrowerk. So weit, so gut. Doch ein Problem könnte es da dann doch noch geben: The Films sind wahrscheinlich leider ein wenig zu spät dran, jedenfalls was den durch Mando Diao & Co. verwöhnten europäischen Hörer betrifft. Und die übergroßen The Strokes werden es der Band auch nicht gerade leicht machen. Zu einer anderen Zeit wäre dieses Album mit Sicherheit besser weggekommen, aber da sich Musikgeschichte schwierig ausblenden lässt, fällt es schwer mit Euphorie getränkte Worte aufzubringen.
Hörenswert ist das Album allemal, und wer ob des Ausbleibens von Nachfolgealben eben genannter Bands unter Entzugserscheinungen an "The"!-Bands leidet, sollte The Films eine Chance geben.
Review: Michaela Wicher
Erscheinungsdatum: 02. Februar 2007 Label: 7HZ Recordings (Rough Trade)
Website: www.the-films.com Myspace: www.myspace.com/thefilms
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Mit ihrem Drittwerk Wincing The Night Away melden sich The Shins zurück. Und ihr "Wieder-in-Erscheinung-treten" gestalten James Mercer (Gesang/Gitarre), Jesse Sandoval (Schlagzeug), Marty Crandall (Keyboard) und Dave Hernandez (Bass) nicht, ohne gewaltigen Eindruck zu hinterlassen.
Nach dem explosiven Popepos Chutes Too Narrow tendiert der Neuling eher wieder in Richtung des Debüts Oh! Inverted World, aber eben nicht so ganz. Was einen erwartet, ist eine große Bandbreite an musikalischer Umsetzung und an gesanglichem Können. So meint man bei Sleeping Lessons in Unterwasserwelten einzutauchen und fühlt sich von sphärischen Klängen umhüllt. Der die Band prägende Stil wird aufrechterhalten, aber um den Einsatz von Banjo, Ukulele und Synthesizer und Orgel angereichert. Der Anschlusssong Australia sowie Girl Sailor entsprechen vollends den euphorisierenden, ausgelassenen Pop Songs, wie man sie von The Shins kennt. Besonders gut tritt James Mercers unverkennbare Stimme bei Turn On Me in Erscheinung. Erstaunlich mutet es schließlich an, wenn an mehreren Stellen in Bezug auf Vers- und Silbenbetonung Referenzen zu Morrissey offenkundig werden und bei Sealegs die Gitarren durch HipHop-Beats untermauert werden. Im Laufe der drei Alben haben The Shins eindeutig eine Entwicklung hin zu Ausdifferenziertheit vollzogen; weg von kakophonischer Komplexität hin zu einem klaren Sound. Die Melodien sind im Zuge dessen nicht in Vergessenheit geraten, sondern machen weiterhin den Mittelpunkt des Geschehens aus. Darüber hinaus sind The Shins sich in einem weiteren essentiellen Punkt treu geblieben: Das leichte Wesen des Pop findet sich nicht im Gehalt der Texte wieder, die sich vom herkömmlichen Pop durch ihre Inhalte und Themen abheben.
Schlussendlich hat man sich im Hinblick auf das Coverdesign Gedanken gemacht, bei dem das Themenspektrum von Wincing The Night Away in dessen Wesentlichkeit graphisch umgesetzt worden ist. Kurzum: Wincing The Night Away ist ein einzigartiges Klangwerk, wie es nur The Shins zu vollbringen wissen.
Review: Michaela Wicher
Erscheinungsdatum: 26. Januar 2007 Label: Sub Pop (Cargo Records)
Website: www.theshins.com Myspace: www.myspace.com/theshins
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Das ist der Stoff, aus dem die Rock 'n' Roll-Geschichten sind: Ian Love ist in New York aufgewachsen, schmiss die Highschool und begann eine musikalische Karriere in der Hardcore-Band Burn. Bald verfiel er Drogen und Alkohol. Doch Ian Love schaffte den den Absprung, machte einen Entzug und gründete mit Walter Schreifels (Quicksand) die Hardcore-Band Rival School, die in den USA einige Erfolge verzeichnete.
Nun erscheint sein erstes selbstbetiteltes Soloalbum. Von dem Sound seiner Vergangenheit ist auf dem Album nichts mehr zu hören. Ian Love zaubert hier wunderschöne Melodien, bei denen die Akustikgitarre dominiert, gepaart mit einem sanften Gesang. Die Instrumentalisierung bietet facettenreiche Arrangements, denn immer wieder wird der akustische und eher ruhige Sound durch Mundharmonikaklänge, Pianospiel oder Streicherarrangements ergänzt. Dadurch wird ein abwechslungsreiches und interessant arrangiertes Klangbild erzeugt.
Textlich verarbeitet Ian Love auf dem Album seine Lebensgeschichte und schreibt viel über Teile von sich selbst. Egal, ob das Liebeslied Don't Let Go, das er für seine Frau geschrieben hat, das über seine Drogenvergangenheit handelnde Turn Off oder Hear A Song, wo Love zum Ausdruck bringt, wie wichtig Musik sein kann. Jeder Song ist eine Momentaufnahme und stellt eine Reflexion seines Lebens dar.
Mit seinem Soloalbum liefert Ian Love eine Platte, die vor allem ehrlich und authentisch ist. Und genau das macht das Album sehr beeindruckend.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 26. Januar 2007 Label: Arctic Rodeo Recordings (ALIVE)
Website: www.ianlove.com Myspace: www.myspace.com/ianlove
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"My arms will hold you in the end / You will forgive me in the end / My love will find you in the end". Kein unveröffentlichter Brief eines heimlichen Verehrers, sondern eine Textzeile aus dem niegelnagelneuen Naked Lunch Album. Eine Liebeserklärung, so schnörkellos und schön, dass sie eine Gänsehaut hinterlässt. So wie die gesamte This Atom Heart Of Us.
Auch, wenn manche beim Namen Naked Lunch vielleicht die Stirn runzeln - Closed Today aus dem 99er Album Love Junkies sollte Indie-Freunden noch ein Begriff sein. Immerhin kann man bei dieser Single fast von einem kleinen Hit sprechen.
Mittlerweile ist viel passiert. Naked Lunch haben die Querelen des Musikbusiness nur allzu gut kennengelernt. Mit einem Majordeal steil nach oben, genauso rasant wieder nach unten, wo nicht mal mehr ein Indie auf einen wartet, um sich dann wieder aufzurappeln und mit Songs For The Exhausted bei Motor zu landen. Bereits mit diesem Album wurde klar, dass die Band eine Menge ihres beschwingt-unbekümmerten Sounds gegen wesentlich nachdenklichere Klänge eingetauscht hat. Sehr zum Vorteil: Naked Lunch klingen insgesamt gereifter und tiefsinniger. This Atom Heart Of Us knüpft nun genau dort an, wo Songs For The Exhausted aufhört. Der auf Louisville Records, dem neuen Label von Patrick Wagner (Sänger und Gitarrist von Surrogat und Mitbegründer von Kitty Yo) veröffentlichte Longplayer liefert traurig-schöne Pop-Songs, bei denen sich die Härchen auf den Armen wie elektrisiert nach oben stellen. Texte, so bittersüß, wie ein allerletzter Kuss zum Abschied, in dem die Hoffnung auf ein Wiedersehen mitschwingt. Melodien, so melancholisch und todtraurig, wie die Feststellung, dass es eben dieses Wiedersehen nicht geben wird. Eine Symbiose, die einen Schauer über den Nacken laufen lässt. Eine Platte, die sich genau dort hineinschleicht, wo es weh tut, auf ganz leisen Sohlen. Und einmal dort angekommen, lässt sie einen nicht mehr los.
Es gibt wenige Alben, die so gut sind, dass man sie in nur einem Wort beschreiben kann – This Atom Heart Of Us ist eines von ihnen. Subkutan.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 19. Januar 2007 Label: Louisville (Universal)
Website: www.nakedlunch.de Myspace: www.myspace.com/nakedlunchmusic
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Alles begann auf der Kunst-Vernissage eines Freundes, wo Alex Church, Steven Scott und Brian Canning mit ein paar Rock-Sounds lediglich für die musikalische Untermalung sorgten. Kurzerhand entschlossen sich die Jungs weiter zu machen und erweiterten die Band um Schlagzeuger Brent Turner. Die ersten Songs wurden geschrieben und 2002 veröffentlichte das Quartett schließlich ihr Debütalbum Good Morning Beautiful, das bei der amerikanischen Presse auf positive Resonanzen stieß. Mit Keyboarder Aaron Burrows wurde einige Monate später die Band um ein weiteres Mitglied erweitert. Es folgte die EP I Hope You Are Feeling Better Now und Support-Shows für namenhafte Künstler wie Franz Ferdinand, Arcade Fire und Broken Social Scene.
Mit dem zweiten Album Death In The Garden, Blood On The Flowers soll nun die Begeisterungswelle auch über den großen Teich nach Deutschland gelangen. Produziert hat das Zweitlingswerk Phil Ek (The Shins, Modest Mouse) und das Resultat ist ein gereifter Sound mit komplexen Strukturen. Das Album ist die Bündelung aus fünf unterschiedlichen Einflüssen, da in den Prozess des Songwritings jedes einzelne Bandmitglied involviert ist. Dies sorgt für einen frischen, abwechslungsreichen und eigenständigen Sound mit dem richtigen Gespür für Melodie und Harmonie.
Death In The Garden, Blood On The Flowers ist voll gepackt mit wunderbaren Melodien, die sich schnell in den Gehörgang einnisten. Hinzu kommen die leicht schwermütigen Texte, die von einer teilweise leicht melancholisch-klingenden Stimme vorgetragen werden, jedoch ohne depressiv rüber zu kommen. Im Gegenteil, die Songs vermitteln eher das Gefühl von Wohlbehagen und fühlen sich an wie ein Sonnenstrahl an einem kalten Wintertag. Einfach ein Album zum Wohlfühlen!
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 19. Januar 2007 Label: Record & Me (Rough Trade)
Website: www.thebandirving.com Myspace: www.myspace.com/irving
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ACHTUNG, ACHTUNG! Freunde der Elektrosparte aufgepasst! Aber auch ihr Indierocker solltet nach folgendem Text die Ohren weit aufsperren – und zwar für Goose! Denn die vier Belgier lassen's ordentlich krachen.
An die zehn Jahre hat es gedauert, bis dieser Sound zur Vollendung kommen konnte. Dass sich die Investition gelohnt hat, beweist das Debütalbum Bring It On mit jedem einzelnen Track. Hier darf man getrost von Durchschlagskraftpotential reden. Mickael Karkousse (Gesang & Keyboard), Dave Martijn (Gitarre & Keyboard), Tom Coghe (Bass & Keyboard) und Bert Libeert (Schlagzeug) reihen sich nicht nur in die Riege der Bands, die Elektro- und Rockelemente zu vereinen wissen, ein. Ihnen gelingt es, sich eine eigene musikalische Identität zu verschaffen. Einige Intros oder Parts erinnern an Beats von The Faint, den Chemical Brothers oder auch von Kasabian. Doch von Abkupfern kann hier nicht die Rede sein. Denn was zunächst als Rückgriff auf ebensolche anmuten könnte, schlägt im weiteren Verlauf eine eigene Richtung ein.
Black Gloves (Track 1) macht es unmöglich, das Album nicht weiter hören zu wollen. Was folgt, ist nicht minder ansprechend. Elemente wie Spannungspausen, Steigerungen und ein richtig derber und teilweise düsterer Beat sind feste Größen. Die Mutter der musikalischen Inspiration, die legendären AC/DC, blitzt dennoch auf und ist Ausgangspunkt für die elektronisch-energetische Aufbereitung. Und gerade diese macht Bring It On zu einem Album mit Mitreißcharakter. Nicht wenige Tracks sind unglaublich tanzbar. Goose's Motivation begründet sich in Spaß: Für's Publikum und gleichermaßen für sich selbst. Also ab auf die Tanzfläche, oder aber ein Konzerticket für die Tour erstehen!
Review: Michaela Wicher
Erscheinungsdatum: 19. Januar 2007 Label: Red Ink (Rough Trade)
Website: www.goosemusic.de Myspace: www.myspace.com/goosemusic
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The Heart is the Place lautet der Titel des nunmehr dritten Goldrush-Albums. Weise Worte! Denn genau dort hinein schleichen sich die zwölf Tracks dieser Platte. Zugegebener maßen nicht beim ersten Hören, aber gut Ding will eben Weile haben.
Es gibt zwei Nachrichten – die gute ist, dass The Heart is the Place ein großartiges Symposium traurig-schöner Tracks darstellt. Die schlechte: Man muss die Platte ein paar Mal hören, um diese Tatsache zu begreifen. Beim ersten Durchlauf wirkt der Longplayer bis auf einige Ausnahmetracks nämlich eher unspektakulär. Wer sich jedoch die Zeit nimmt, die Scheibe öfter durch den Player zu jagen, der stellt sehr schnell fest, dass es sich hierbei um ein wahres Goldstück handelt.
Gleitende Übergänge gleich zu Anfang: Das Intro Aperture, das sich im Übrigen auch im Outro A joyous final Chapter wiederfindet, leitet nicht nur nahtlos in The Story of the City über, sondern wird klangtechnisch auch noch feinsäuberlich darin verwoben. Genauso nahtlos fließt auch der Rest des Albums ineinander, allerdings, ohne monoton zu wirken. Dafür differenzieren sich die Stücke auf The Heart is the Place auch viel zu stark von einander. Energetische Gitarrentracks wie Everyone of us wechseln mit wunderschönen Klavierballaden wie Can't give up the Ghost. Experimentierfreude beweisen Goldrush bei Sun in your Eyes, bei dem breite Streicherarrangements auf pompöse Synthie-Hörner treffen und einen leicht schrägen, experimentellen Klangteppich kreieren. Über allem, in allem und um alles herum schwebt und zirkuliert Robin Bennetts unverwechselbare Stimme, die grundsätzlich zwischen Fragilität und den heiseren Folgen einer durchzechten schwankt. Bei Yous and mine scheint sich eben diese Brüchigkeit noch einmal zu potenzieren, so dass man den Track in eine kleine Schatulle packen und nicht mehr herausnehmen möchte, weil man Angst bekommt, er könnte beim nächsten Anhören völlig zerbrechen – und dafür wäre diese Ballade nun mal viel zu schön und kostbar.
Kostbar ist auch wohl das Stichwort für The Heart is the Place: Ein Album, wie eine kleine Perle, für dessen Erschließung man sich Zeit nehmen muss. Dann wird man jedoch reichlich belohnt! "Man sieht nur mit dem Herzen gut..." - was bei Antoine de Saint-Exupéry wahr ist, trifft auch auf Goldrush zu!
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 12. Januar 2007 Label: City Slang (Rough Trade)
Website: www.goldrush.mu Myspace: www.myspace.com/goldrushmusic
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Perle° - was machen die eigentlich? Das ist eine gute Frage! Und zwar so gut, dass sie sich auch nach dem dritten Durchlauf des Albums Perle° kommt nicht wirklich beantworten lässt. Indie-Pop mit deutschen Texten, Schlager oder doch eher die Reanimation des guten alten Liedermachertums? Selbst Einlagen von Minnegesang würden bei diesem Longplayer nach acht gehörten Tracks niemanden mehr verwundern. Eine Mischung diverser Stilrichtungen, die am Ende nur noch Ratlosigkeit hinterlässt. Und die Frage, ob man selbst nun in die Kategorie "Kunstbanause" fällt oder ob dieses Album einfach nur schlecht ist. Fakt ist jedenfalls, Perle° kommt ist zu lang! Eine Platte, die eine Laufzeit von einer Stunde und sechs Minuten aufweist, gesplittet in 21 Titel, scheint schlicht und ergreifend gegen Unendlich zu gehen.
Aber was soll das Ganze nun eigentlich sein? Ego und Träume Sünden Wahnsinn erinnern textlich und musikalisch stark an Blumfeld. Mit Abstand zwei der besten Tracks eines ansonsten eher schwachen Albums. Kaum hat man sich eingehört, geht das Konstrukt dann in eine völlig andere Richtung. Sorge dich nicht Geliebter klingt doch hart nach Rosenstolz und hinterlässt eine Gänsehaut - leider im negativen Sinne. Bei den fragil wirkenden weiblichen Vocalparts im Refrain stellen sich die Nackenhaare unwillkürlich nach oben. Unbehaglich aus diesem Song herausstolpernd fällt man hinein in Ich hätte nicht übel Lust und weiß überhaupt nicht mehr, wo man angekommen ist: Auf einem Konzert von Reinhard Mey oder mitten drin in einer tragischen Schlüssel-Szene eines Andrew Lloyd Webber-Musicals. Egal, wo man ist - der vor Pathos triefende Refrain holt den Hörer brachial wieder zurück vor die heimische Anlage, um schleunigst die Skip-Taste zu bedienen. Wirklich besser wird die Mixtur auch innerhalb der nächsten Songs leider nicht: Eine handvoll gescheiterter Ausbrüche, die in einer echten Tragödie enden: Ich möchte nur Freundschaft. Thematisch etwas, was die meisten schon einmal erlebt haben. Bittere Geschichte, soviel steht fest. In dieser musikalischen Umsetzung jedoch schlimmer, als alle derartigen Erfahrungen gebündelt auf einmal. Ein Faustschlag direkt gegen die Ohrmuschel anstatt in die Magengrube. Nicht genug, dass dieser Song durch das Fehlen jeglichen Reims an einen musikalisch untermalten Zeitungsartikel eines einschlägigen Frauenmagazins erinnert - der zarte weibliche Gesang macht das Ganze zu einer endgültigen Farce. Und als hätte man noch nicht genug durcheinander gewürfelt und gepuzzelt liefern Perle° mit Mädchen vor der Tür auch noch einen Exkurs in die Welt des Chansons. Nachdem man sich dann lustlos und leicht genervt durch die letzen beiden Tracks gequält hat, ist man beinah erleichtert, die CD endlich aus dem Player nehmen zu können.
Weniger ist manchmal mehr. Diese Feststellung bestätigen Perle° in umgekehrter Form. Das hier ist einfach zu viel von allem: Zu viele Songs auf einem viel zu langen Platte, zu viele Stilbrüche und Genremixe, die im Endeffekt nur noch Ratlosigkeit und Schulterzucken hinterlassen und zu viel Pathos, das sich stellenweise nur mit einer Scheibe Brot ertragen lässt, weil es ansonsten einfach zu schmalzig wird. Schade! Perle kommt... ja, vielleicht mit dem nächsten Album. Das hier mir jedenfalls ein zu weites Feld...
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 05. Januar 2007 Label: Triple Eggs (Radar Music)
Website: www.perlekommt.de Myspace: www.myspace.com/perlekommt
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Neue Musik aus Cool Britania - Klappe die Zweite! Mit New British Invasion Vol. 2 setzt das Berliner Independent Label Firestation Records seine Compilation-Reihe fort und präsentiert uns erneut 21 Songs von britischen Newcomern, die bereits in den Startlöchern stehen, um die Nachfolge von Bands wie Franz Ferdinand, Bloc Party oder den Arctic Monkeys anzutreten. Schon der erfolgreiche erste Teil der Compilation-Reihe brachte Bands wie die Pipettes oder Milburn hervor, die mittlerweile auch hierzulande Erfolge verzeichnen können.
Britain strikes again und diesmal mit Bands wie The Wombats, Dirty Little Faces oder Winterkids, die neuen Sternchen am Hypehimmel, die wieder einmal als Anwärter gehandelt werden, den Rock 'n' Roll-Olymp zu erklimmen. Ob sie's schaffen werden? Keine Ahnung. Die Konkurrenz ist ja schließlich groß. Sicher ist, dass die hier vereinten Bands den Nerv der Zeit treffen und genau das liefern, was im Vereinten Königreich momentan angesagt ist. Zu den Höhepunkten der Compilation gehören zweifelsohne Bands wie The Orphans, The Rubikons, The Jakpot und The Madeleines, die Freunde britischer Gitarrenmusik sehr ans Herz zu legen sind.
Dieser Sampler verspricht auf jeden Fall ein buntes Sammelsurium an Neuentdeckungen. Und wer weiß, vielleicht wird uns die ein oder andere Band morgen schon von der großen Hypemaschinerie called NME als "The Next Big Thing" präsentiert. Die Arctic Monkeys waren gestern - das hier ist die Zukunft der britischen Musikszene. Zumindest wird diese Schlagzeile der NME sofort unterschreiben.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 01. Dezember 2006 Label: Firestation (ALIVE)
Website: www.firestation-records.de
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München rockt! Dies beweißt der Sampler Frisch Gepresst 2. 40 Heimspiele aus München und Umgebung (Augsburg, Ingolstadt, Weilheim u.a.) gepresst auf zwei Silberlinge. Hier versammelt sich die Creme de la Creme der Münchner Popkulturschaffenden, die sich die Klinke in die Hand geben.
Die Compilation präsentiert ein buntes Sammelsurium an Indie, Rock, Soul, Singer/Songwriter, Elektro etc. Mit dabei sind wundervolle Songperlen von Atomic (The Shelter), Roman Fischer (Over Now) und Campus (Take Your Time). Neben bekannten Acts wie Monta, Nova International, Fertig los! oder Crash Tokio, gibt es auch viele junge Bands zu entdecken wie beispielsweise Dr. Norton, Five!Fast!!Hits!!!, Julian Heidenreich oder Kammantu. Es tummeln sich allerdings auch einige Kandidaten auf dem Sampler, auf die man auch gut und gerne hätte verzichten können. Aber das lässt sich meistens bei Compilations nicht vermeiden.
Frisch gepresst 2 liefert einen schönen Überblick über die Musiklandschaft der Isar-Metropole und zeigt, dass die bayrische Landeshauptstadt durchaus die neue Pop-Metropole der Republik werden könnte.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 24. November 2006 Label: Redwinetunes (Rough Trade)
Website: www.in-muenchen.de/heimspiel
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Die Tage werden kürzer und die Novemberdepression ist in vollem Gange. Als seien wir nicht schon melancholisch genug, da setzt Damien Rice mit seinem Zweitlingswerk 9 auch noch eins drauf. Lange hat er sich Zeit gelassen, denn es ist immerhin drei Jahre her, dass er sein umjubeltes Debütalbum 0, das in Irland dreifach Platin kassierte, veröffentlicht hat.
Mit 9 hat es der irische Singer/Songwriter wieder einmal geschafft, ein Album abzuliefern, das eine gewaltige Ladung Emotionen und Leidenschaft in sich trägt. Man hat das Gefühl, als habe er den ganzen Kummer der Welt in 10 Songs gepackt und lässt diesen gnadenlos auf den Hörer los. Songs mit echten Gefühlen, die sensibel, aber dennoch kitschfrei daher kommen. Damien Rice bleibt seiner Linie treu und somit schließt 9 nahtlos an den Vorgänger an.
Bei der musikalischen Konzeption seines Album geht der Dubliner Musiker sehr sparsam mit den Arrangements um, denn die meisten Stücke basieren lediglich auf Akustik-Gitarre und Piano gepaart mit seinem einfühlsamen und sanften Gesang, der stellenweise Unterstützung von Lisa Hannigan bekommt. Dadurch erhält das Werk einen sehr ruhigen Gesamteindruck, der lediglich durch Stücke wie Coconut Skin und Me, My Yoke & I ein wenig aufgelockert wird. Ein Album, das gewöhnungsbedürftig ist und sich erst beim mehrfachen Hören erschließt. Großes Gefühlskino, auf das man sich entweder einlässt oder nicht. Dazwischen gibt's nichts.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 24. November 2006 Label: Wmi (Warner)
Website: www.damien-rice.de Myspace: www.myspace.com/damienrice
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Lads and Lasses, haltet die Uhren an! Die Götter des Britpop haben ein Best of veröffentlicht. Auch wenn Noel einst verlauten ließ, dass es erst ein Best of von Oasis geben wird, nachdem sich die Band aufgelöst hat, sozusagen als Vermächtnis, hat sich der gute Herr Gallagher nun wohl doch dazu breitschlagen lassen.
Stop The Clocks lässt sich jedoch nicht einfach in die Kategorie "herkömmliche Greatest Hits-Singles-Collection" packen, sondern vielmehr handelt es sich hierbei eher um einen musikalischen Rückblick in 18 Akten gepresst auf zwei Silberlinge. Es ist eigentlich alles vertreten, was jedes Herz, das madferit ist, drei Takte höher schlagen lässt. Unvergessene Hymnen wie Live forever, Rock n Roll Star, Some might say, Supersonic und Cigarettes and Alcohol, die jeder in einer durchzechten Nacht mit einem Glas Gin Tonic in der einen Hand und einer Zigarette in der anderen aus voller Kehle mitgegröhlt hat! Neben den bekannten Single-Auskopplungen (Wonderwall, Don't look back in anger) und den wunderbaren Album-Highlights (Slide away, Morning Glory, Champagne Supernova) findet man auf Stop The Clocks auch eine Auswahl an B-Seiten, die man bei Oasis ja genauso liebt, wie die A-Seiten. Hier hätten wir Talk Tonight, The Masterplan, Half The World Away und Acquiesce. Eigentlich eine gute Wahl bis auf eins: Sad Song. Dieser Track, der bislang nur auf der Japan-Import-Single Don't go away erhältlich ist, fehlt definitiv in der Sammlung. Ebenso sucht man verzweifelt in der Trackliste nach Whatever und wird leider nicht fündig.
Nun gut, Hauptsache die übrigen Favoriten der beiden ersten grandiosen Alben sind drauf. Und das sind sie, denn den Schwerpunkt bei der Musikauswahl haben die Mancunians ganz klar auf Definitely Maybe und (What's The Story) Morning Glory gelegt. Vom letzten Album Don't Believe The Truth sind lediglich Lyla und The Importance Of Being Idle vertreten und mit Go Let It Out ist auch nur ein Song aus dem Album Standing On The Shoulders of Giants dabei. Be Here Now haben die Herren Gallagher völlig unter den Tisch fallen lassen. Kein Problem, denn dieses Album wird ja eh von den meisten Fans als das bis dato schlechteste Oasis-Album befunden. Damit kann man also leben, oder?! Einen Wehrmutstropfen für den hartgesottenen Oasis-Fan gibt es allerdings doch noch: Stop The Clocks enthält keinen einzigen neuen Song. Jedoch sollte man diese Collection als Fan trotzdem im Platenregal stehen haben, um die Sammlung zu komplettieren, versteht sich. Das gehört sich halt so!
In diesem Sinne, Mates: Mixt euch einen Gin Tonic, haltet die Uhren an und erinnert euch an die Zeiten als Manchester noch Madchester war! Cheers!
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 17. November 2006 Label: Hes (Sony BMG)
Website: www.oasisinet.com Myspace: www.myspace.com/oasis
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Wer außer Olli Schulz und der Hund Marie veröffentlichen Alben mit so wunderbaren Titeln wie Brichst du mir das Herz dann brech' ich dir die Beine? Das neueste Werk des nun Wahlberliners Schulz und seinem musikalischen Begleiter Max Schröder heißt Warten auf den Bumerang - und der kommt im wahrsten Sinne des Wortes auf den Hörer zugeflogen, wenn man dieses Album in den Player legt.
Der erste Gedanke, der durch meinen Kopf schießt: "Was macht man bloß mit diesem Jungen?" - Einstieg bei Track neun! Denn so nachdenklich hat man Olli Schulz selten erlebt. Keine Spaßkapriolen à la "Küss mich schnell bevor du platzt", sondern vielmehr ernsthafte, durchdachte Textpassagen, die grüblerisch stimmen. Es scheint so, als hätte Herr Schulz die Zeit nach dem Beigen Album genutzt, um seine Umwelt akribisch zu beobachten und das Gesehene mit Warten auf den Bumerang auf teils spitzfindige, teils sarkastische Art und Weise zu reflektieren.
Momentaufnahmen, fragmentarische Beobachtungen der eigenen Existenz oder des Lebens der anderen, wer weiß das schon so genau? Schließlich muss ein Ich-Erzähler nicht zwangsläufig das Ego des Künstlers repräsentieren. Letztendlich ist das alles aber auch egal! Fakt ist, dass Olli Schulz sich diesmal textlich verstärkt mit den alltäglichen Sinn- und Unsinnigkeiten auseinandersetzt. Reflexionen über Gewinner, die längst verloren haben und Verlierer, die nicht an das Gewinnen glauben. Mal melancholisch wie auf Rückspiegel, mal bissig und zynisch wie auf Wenn das Leben dich beisst. Und manchmal schlagen Schulz und Schröder auch ungewohnt ruhige Klänge an, wie bei Unsichtbarer Vogel oder Armer Vater, einer traurig-schönen Ballade über (un)fähiger Erzeuger, die beim Hörer ein böses Kratzen im Hals hinterlässt. Das Hustenbonbon dagegen folgt prompt. Nämlich genau in dem Moment, in dem Olli Schulz und der Hund Marie den letzten Song des Albums anstimmen. Kleine Meise ist der einzige Track auf Warten auf den Bumerang, der leicht, flockig und mit dem altbekannten schulzesken Humors daherkommt. Wechselbad der Gefühle, kurz vorm Abspann - es lebe der perfekten Spannungsbogen!
Mit seinem nunmehr dritten Album beweist Olli Schulz, dass er weitaus mehr in petto hat, als kleine, hübsch verpackte Witzigkeiten. Warten auf den Bumerang ist wie ein Rundumschlag im Leben eines 08/15-Durchschnittstypen. Ein Album, in dem man sich wohl fühlt, weil es das reflektiert, was man jeden Tag selber vor der eigenen Haustür und im Spiegel des Stillen Kämmerleins sieht. Ohne Ratschläge zu geben, ohne Weisheiten zu verteilen, sondern einfach nur mit einer großen Portion Ehrlichkeit.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 17. November 2006 Label: Labels (EMI)
Website: www.ollischulz.com Myspace: www.myspace.com/ollischulz
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Amerika ist nicht nur das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, sondern auch das Land der Singer/Songwriter. Mit Josh Ottum schicken die Amis einen Künstler über den großen Teich, der sich von den Durchschnitts-Singer/Songwritern der letzten Jahre abgrenzt. Ein Musiker, den man nicht einfach in die Sparte "Gitarre/Gesang" packen kann, denn dafür sind seine Arrangements viel zu vielschichtig und weitläufig. Bei Josh Ottum handelt es sich um einen Künstler, der das Genre völlig neu definiert und der Kreativität freien Lauf lässt.
Gemeinsam mit Musikern wie Pedro The Lion, Sufjan Stevens Band, Laura Veirs und Rosie Thomas, die allesamt in der Musikszene von Seattle keine unbeschriebenen Blätter mehr sind, hat Josh Ottum sein Debüt-Album Like The Season aufgenommen. Herausgekommen ist ein vielseitiges Album, dem stilistisch keine Grenzen gesetzt sind und das von Kritikern gern den Stempel "postmodern" aufgedrückt bekommt. Und dies ist gar nicht so abwegig, denn Josh Ottum bedient sich verschiedenster musikalischer Stilelemente quer durch alle Epochen der Musikgeschichte und kreiert somit einen recht künstlerischen und eigenwilligen Sound. Mit einer ausgefallenen Instrumentierung, die durch abrupte Rhythmuswechsel geprägt ist, gelingt es ihm einen Klangteppich zu erzeugen, der verschroben und sonderbar klingt, aber dennoch eingängig bleibt. So kommt The Easy Way Out auf der einen Seite wie eine leichte Beatles-Nummer daher und auf der anderen Seite ist der Song so verschachtelt, dass es den Anschein macht, als wäre er aus mehreren Songs zusammengestrickt. Das kompositorische Zusammenspiel aus Keyboards, mehreren Schlagzeugen, Blechbläsern, Gitarre und dem zarten Gesang von Josh Ottum schaffen einen eigenständigen Sound, der jedem Song eine individuelle Stimmung verleiht: Mal groovig, mal melancholisch und manchmal etwas verworren.
Like The Season ist ein Album, das aus vielen Bausteinen besteht und sich letztendlich zu einem Ganzen zusammenfügt. Ein großartiges Stück Popmusik der Gegenwart.
Review: Jenny Schnabel
Erscheiningsdatum: 03. November 2006 Label: Tapete Records (Indigo)
Website: www.joshottum.com Myspace: www.myspace.com/joshottum
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Viele haben es für ein Gerücht gehalten, doch es ist wirklich wahr! 24 Jahre nach Veröffentlichung des letzten The Who-Albums It's hard (1982) erscheint nun mit Endless Wire das erste neue Studioalbum einer der einflussreichsten Rockbands Ever! Von der Originalbesetzung sind in der Zwischenzeit nur noch Pete Townshend und Roger Daltrey übrig geblieben. Doch eins steht auf jeden Fall fest: Auch wenn sich die Herren bereits im fortgeschrittenen Alter befinden, ihr Handwerk beherrschen die Rock-Opas noch wie in den guten alten Zeiten.
Auf dem Album befinden sich insgesamt 19 Tracks. Neben neun regulären Songs beinhaltet Endless Wire die Mini-Opera Wire And Glass, die aus zehn Songs besteht und bereits im August als Vorab-Single in gekürzter Form erschienen ist. Dieses epische Klangwerk basiert auf Townshends Novelle The Boy Who Heard Music und erinnert passagenweise an den legendären Erfolgsklassiker Tommy.
Auf Endless Wire erinnert vieles an den klassischen The Who-Sound, der mit einer Prise musikalischer Gegenwart versehen ist. Dadurch erscheint das Album nicht wie ein nostalgischer Rückblick, sondern eher wie ein frisches Rockalbum. Alte Musik in neuem Glanz! Die Mischung aus exzellentem Songwriting, vollendeten Kompositionen und ausgefeilten Gesangsarrangements bilden einen eindrucksvollen Klangteppich, der Gebanntheit beim Hörer provoziert.
Auch wenn The Who ihre besten Jahre hinter sich gelassen haben, mit Endless Wire haben Townshend und Daltrey ein bewundernswertes Comeback hingelegt. Und alle The Who-Fans dürfen sich freuen: Endless Wire ist auch als Deluxe-Ausgabe erhältlich. Die limitierte Edition des Albums beinhaltet eine Bonus-CD mit acht Live-Tracks aus Lyon!
Jeder verdient ja bekanntlich eine zweite Chance und diese Herren haben es mehr als verdient!
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 27. Oktober 2006 Label: Polydor (Universal)
Website: www.thewho.de
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Es ist da! Das zweite Album des Duos Gordon Grahame und Ben Townsend alias Lucky Jim. All the King's Horses ist der Titel des Longplayers, der passend zur stürmischen Jahreszeit mit elf herrlich ruhigen Songs daher kommt. Allerdings - Achtung - ohne Herbstdepressionen auszulösen! Lucky Jim beeindrucken mit wundervollem Akustik-Folk, in den ab und an ein Wermutströpfchen Blues einfließt wie beispielsweise bei Dear Brother oder Don Quixote. Temporär zwischen balladesken und mid-temporären Tracks wechselnd, lebt das Album gerade zu von den kompositorischen Verknüpfungen aus Piano, Streichern und Akustik-Gitarre. Let it come down ist hierbei eine der wenigen Ausnahmen, auf denen auch mal die E-Gitarre, der Bass sowie das Schlagzeug zum Einsatz kommen und dem Song einen antreibenden Charakter verleihen. Wer nun mit den Augen rollt und an ein weiteres 08/15-Singer/Songwriter-Album denkt, der irrt. Viel zu abwechslungsreich sind die Arrangements, viel zu ausgefeilt die Sounds, als dass auch nur für eine Bruchteilsekunde Langeweile aufkommen könnte.
Textlich beschäftigen sich die Herren Grahames und Townsend auf All the King's Horses einmal mehr mit der Liebe, in all ihren Facetten. Mal euphorisch, mal desillusioniert. Mit einem Hauch Poesie, jedoch ohne Verklärung. Ihren eigenen Charakter entwickeln die Tracks nicht zuletzt durch Grahames leicht rau wirkende Stimme, die stets einen Hauch Melancholie in sich trägt - und ein ganz leichtes Vibrato, das Balladen wie Ash den letzten Schliff verpasst.
All the King's Horses liefert endlich mal wieder einen Beweis dafür, wie unglaublich faszinierend Kompositionen aus Streichern und Klavier klingen können - ohne jedoch pompös oder aufgeblasen zu wirken. Ein Album, das man sicherlich als melancholisch bezeichnen kann, ohne allerdings auf die Tränendrüse zu drücken. Zum weinen schön - allerdings vor Freude über diese kleine Perle der Musik!
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 27. Oktober 2006 Label: Red Ink (Rough Trade)
Website: www.luckyjim.de Myspace: www.myspace.com/luckyjimmusic
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Na bitte, es geht doch. Nach einer längeren Durststrecke ist Milburn endlich eine Band, die mal wieder Schwung in die vermuffte Indiebude bringt. Mando Diao beispielsweise erfüllten zwar die gängigen Erwartungen, aber Umhau-Qualität besaß das letzte Album dann doch weniger. Genau das gelingt jedoch den Jünglingen aus der Sheffield-Schmiede mit ihrem Erstlingswerk Well Well Well.
Milburn sind: der Frontmann Joe Carnall (Gesang/Bass), sein Bruder Louis (Gesang/Gitarre), Tom Rowley (Gitarre) und Joe Green (Schlagzeug). Musikalisch betätigen sich die vier gerade mal 18 bis 20jährigen seit satten fünf Jahren. Die Beharrlichkeit scheint sich nun auszuzahlen, denn das Album präsentiert sich als ein ausgefeiltes, mitunter sehr klar und direkt anmutendes Gitarren-Pop-Rock-Werk, das auch hier und da von Ska durchströmt wird. Das Resultat sind Tracks, die ganz und gar nach vorn gehen. Die Melodien sind eingängig, wirken aber nicht langweilig. Darüber hinaus schreiben Milburn Texte, die auch was auszusagen vermögen. Hier zeigt sich dann, neben der Beherrschung der Instrumente, die Reife des Quartetts. Zu Blatt gebracht haben Milburn Beobachtungen und persönliche Schlüsse, die aus bestimmten Geschehnissen gezogen worden sind. Das inhaltliche Spektrum umfasst Themen wie etwa die Beurteilung von Posern in Track 2 (Showroom) oder die Auseinandersetzung über das Verhältnis zu Frauen und das partielle Nicht-Verstehen-Können in Track 8 (Storm In A Teacup) des anderen Geschlechts bis hin zu gesamtgesellschaftlich relevanten Ereignissen wie Geiselnahmen in Track 3 (Send In The Boys).
Vergleichen mit den Arctic Monkeys oder Razorlight müssen Milburn sich bereits jetzt stellen, was die Band, die mit reichlich Selbstbewusstsein gesegnet ist, nicht wirklich tangiert. Und Recht hat sie, zumal Joe Carnalls Stimme der Band auf jeden Fall die spezielle Färbung verpasst. Meine favorisierten Songs: Roll Out The Barrel und Lipstick Licking.
Review: Michaela Wicher
Erscheinungsdatum: 27. Oktober 2006 Label: Mercury (Universal)
Website: www.milburnmusic.com Myspace: www.myspace.com/milburnmusic
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Und wieder ein Album, bei dem man sich fragt: Was soll das?! Hello Weltgeist von Alpha Saloon ist einer dieser leidigen Versuche, sich jeglicher Schublade zu entziehen, indem man alles zusammenschmeißt und daraus eine völlig neue Suppe kocht. Nimmt dieser Wahn denn gar kein Ende?! Sicher, niemand möchte Bands, die klingen, wie der x-te Aufguss des schon mal da gewesenen. Aber genauso wenig will man eine Combo, bei der man das Gefühl hat, sie versuche krampfhaft, sich in jedem Track neu zu erfinden. Zehn dieser musikalischen Metamorphosen können das Nervenkostüm auf eine harte Zerreißprobe stellen.
Wenn die Vocalparts zwischen Grunge-Eskapaden (Sun bears Gold) und weinerlichem Lamento (Drinking in Stereo) schwanken, fragt man sich irgendwann, ob Sänger Ahab wohl unter denselben Schmerzen leidet, wie der Hörer nach diesem brisanten Ritt durch die diversen Möglichkeiten der Gesangskunst. Eine Vorstellung davon, wie es klingen könnte, wenn man Mäuse melkt, liefert der Refrain von Mama Alemania: Herz- und nierenzerreißendes Geplärre gepaart mit einer einsamen spanischen Trompete. Eine Melange, die so durch Mark und Bein geht, dass man wohl nie wieder Siesta halten kann. Wo die Tierschützer auf die Barrikaden gehen würden, legen Alpha Saloon nach. Von klassischem Indie-Gitarren-Pop über Country und Rockriffs bis hin zu HipHop-Scratchings gibt es nichts, was die vier Herren nicht ausprobieren. Mit dem Ergebnis, das ein völlig undefinierbarer Sound dabei herauskommt, den das Quartett selbst als Ultra-Pop bezeichnet und der sich grundsätzlich jenseits der Schmerzgrenze bewegt.
Was soll das nun genau sein? Eine Mischung aus Ultravox und Iggy Pop? Eine derartige Kollaboration wäre mit Sicherheit annehmbarer. Denn das hier geht gar nicht! Zu viele Köche verderben den Brei und zu viele Genres brechen eine Platte kaputt! Diese Weisheiten sollten sich mittlerweile herumgesprochen haben.
Angefangen beim Albumtitel, über das Artwork und den Sound bis hin zu den Aliasnamen der Musiker (Ahab, Dr. Ultra, Sugar, Ye Olde Bob) wirkt Hello Weltgeist wie der verzweifelte Versuch, künstlerisch zu wirken. Möglichst viele experimentelle Spielereien und Genrevariationen auf engstem Raum. Brüche, die nicht gekittet werden, Haken, zu denen es keine Ösen gibt. Herauskommt eine pseudo-ästhetische Platte für Pseudo-Intellektuelle und auditive Möchtegern-Stylos. Ein klanglicher "Weltgeist", den man als Musikliebhaber weder verstehen kann, noch will - es sei denn, man nimmt Track zwei wörtlich: Drinking in Stereo. Einfach nur redundant.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 20. Oktober 2006 Label: Eldersound Records
Website: www.alphasaloon.com Myspace: www.myspace.com/musicalphasaloon nach oben
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Auf den ersten Blick mag es ein wenig spartanisch erscheinen - oder mathematisch. Je nachdem, wie man's nimmt. Die Rede ist vom Cover des neuen Beck-Albums The Information. Ein schlichtes blaues Raster, über dem das Logo des Künstlers als Aufkleber auf dem Jewelcase thront. Klappt man das Ganze jedoch auf, so eröffnet sich nicht nur musikalisch sondern auch artworkspezifisch eine Welt voller neuer Möglichkeiten. In eine Schublade stecken konnte man ihn nie: Beck Hansen, jener charmante Sonderling, der bereits 1994 auf Mellow Gold die verschiedensten musikalischen Genres miteinander vereinte und sich mit Songs wie Loser oder Pay no Mind die Ohren und Herzen der Generation X spielte. Zwölf Jahre später zeigt sich: Beck ist und bleibt ein Kreativling der ganz eigenen Art. The Information liefert nicht nur ein buntes Potpourri aus Elektro-Sound, HipHop-Beats und Gitarrenriffs, sondern auch in punkto Artwork und Videogestaltung hat sich Beck einiges einfallen lassen. Es gibt nämlich kein Cover zu diesem Album bzw. es gibt variable Möglichkeiten, dieses zu gestalten. Wie das geht? Eigentlich ganz einfach! Das Booklet der Platte sieht aus wie ein aufklappbares Stück Millimeterpapier, dass der Fan nach Gusto mit einem Satz beiliegender, eigens durch Beck ausgewählter Designer-Aufkleber gestalten kann. Ähnlich exklusiv verhält es sich auch mit der visuellen Umsetzung der Songs. Zu jedem der insgesamt 15 Tracks existiert ein selbst gedrehter Clip. Anschauen kann man sich die guten Stücke auf der dem Album zugehörigen Bonus DVD.
Wer nun meint, Beck Hansen versuche, durch derartige Spielereien vom eigentlich Sound auf The Information abzulenken, der irrt sich gewaltig. Denn auch musikalisch bekommt der Hörer wieder mal einiges geboten. Soundtechnisch ist Beck eindeutig seiner alten Linie treu geblieben: Herrliche Mixturen aus Beats, Pianoklängen, Streichern und ausgefeilten Gesangspassagen wie auf Think I'm in Love wechseln sich mit Elektro-Samples und Sprechgesang-Elementen ab (Cellphone's Dead, We dance alone). Daneben verzücken verträumt wirkende Synthieklänge, wie bei “Movie Theme”, über denen die Vocals regelrecht zu schweben scheinen. Ein ebenso ausgereifter wie ausgefeilter Sound, der sich vielleicht als Indie-Elektro-Pop mit einer Prise Hip Hop beschreiben lässt - oder eben einfach als Beck.
The Information ist das nunmehr zehnte Beck-Album, das auf einem Major-Label veröffentlicht wird. Und auch zum x-ten Mal zeigt Hansen, dass er das Feeling für groovige Songs noch immer im Blut hat. Ein rundes Gesamtpaket, das den Hörer einmal mehr von Hansens Kreativität überzeugt. Sowohl auditiv, als auch visuell. Nicht zu vergessen - das wundervolle Falten-Knicken-Kleben-Gefühl bei der Erstellung des eigenen individuellen Covers. Der Kaufpreis von The Information - 17,99 € (ohne Gewähr versteht sich). Das Gefühl, etwas Besonderes in den Händen zu halten - unbezahlbar!
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 06. Oktober 2006 Label: Geffen (Universal)
Website: www.beckhansen.de Myspace: www.myspace.com/beck
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Zwei Jahre ist es her seit Crash Tokio ihr Debüt-Album We are Plastic veröffentlicht haben. Auf ausgiebigen Touren quer durch die Republik stellten sie ihren Sound bereits einem begeisterten Publikum vor. Nun hat das Quartett aus München mit Heads, We're Dancing endlich ihr Zweitlingswerk veröffentlicht.
10 Songs, die Begeisterung hervorrufen und sofort dazu animieren auf dem Parkett im Glanz der Disco-Kugel das Tanzbein zu schwingen. Heads, We're Dancing ist Indie-Rock gepaart mit Disco-Pop und liefert somit einen glamourösen Sound, bei dem gefüllte Tanzflächen in den Indie-Clubs der Republik vorprogrammiert sind. Crash Tokio kreieren durch schwungvolle Arrangements, die auch Streicher, Synthies und Bläser zulassen, tanzlastige Songs in einem euphorischen Disco-Sound. Bereits der Opener Good you are macht Lust auf mehr und das soll der Hörer auch bekommen. Ein Tanzbodenkracher nach dem anderen: I'm a Ship, Girls can dance, You're home, For you always - eine Endlosschleife auf dem Dancefloor. Ein Album für durchtanzte Nächte mit Gin-Tonic und Wodka-Lemon bis in die frühen Morgenstunden, wenn die Sonne aufgeht, die Vögel zwitschern und dir der Zeitungsmensch schon entgegen kommt.
Heads, We're Dancing ist der perfekte Soundtrack für eine Party voller Glitter und Glamour. Licht aus - Spot an! Die Party beginnt! Also meine Damen und Herren, ab auf's Parkett! Es darf getanzt werden!
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 29. September 2006 Label: Tapete (Indigo)
Website: www.crashtokio.com Myspace: www.myspace.com/headswearedancing
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Ein schwarzes Cover mit Totenkopf - beim ersten Anblick des Artworks vermutet man, dass es sich hier um eine Metal-Platte handelt. Doch hinter Built 4 Speed verbirgt sich eine Rockabilly/Rock-Formation aus Deutschland.
Gegründet hat sich die Band erst im November 2005, dennoch sind die einzelnen Mitglieder schon "alte Hasen" im Musikgeschäft. Sänger Johnny spielte bereits in den 90ern in der Rockabilly-Band Canadian Club, Gitarrist Luca war jahrelang in der Trash-Metal Formation Mortuary tätig, Gitarrist Voodoo Finger stammt aus der Punk/Rock Band Six Pack und Schlagzeuger Gamache sammelte jahrelang Erfahrungen in verschiedenen Rockabilly-Bands in Minden und Bremen. Nachdem Built 4 Speed einige Club Gigs und als Support von Lee Rocker (Stray Cats) gespielt haben, erscheint nun das Debüt-Album Minor Part 1.
Mit einer Spielzeit von gerade mal knapp 28 Minuten liefern Built 4 Speed sieben Songs im Rockabilly-Style. Die in Moll gehaltenen Stücke erinnern ein wenig an den Soundtrack eines Tarantino- oder Lynchstreifens. Eine nächtliche Fahrt im Cadillac auf einem verlassenen Highway. Die mit prägnanten Bass- und Gitarrenparts arrangierten Songs bilden die richtige Hintergrundatmosphäre dazu. Einziger Schwachpunkt des Album: Minor Part 1 enthält keine wirklichen Highlights und bietet leider nur wenig Abwechslung im Tempo. Schade.
Und da auf Part 1 bekanntlich Part 2 folgt, ist dieser bereits für Anfang 2007 angekündigt. Da wird es mit Minor Part 2 eine CD/DVD mit Live Videos, Videoclips und Studiotracks geben. Man darf gespannt sein.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 29. September 2006 Label: Endless Soul Records (Cargo Records)
Website: www.built4speed.de Myspace: www.myspace.com/built4speed1
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Auszeiten hin, Kreativpausen her, so ganz ohne musikalisches Schaffen kommen gewisse Herren bei den Manic Street Preachers dann wohl doch nicht aus. Nachdem uns kürzlich bereits James Dean Bradfield mit seinem Soloalbum The Great Western beglückte, legt nun Manics-Basser Nicky Wire mit I killed the Zeitgeist nach.
I killed the Zeitgeist - seinen Albumtitel scheint Nicky Wire wörtlich genommen zu haben. Schließlich bewegt sich sein Debüt irgendwo zwischen feinstem Indie-Pop und rotzigem Punkrock. Kreativ verarbeitete Zeitsprünge zwischen den 80ern und 90ern, denen ein galanter Brückenschlag ins Jahr 2006 folgt. Und schon beim ersten Durchlauf der Platte wird klar, dass es dieses Album nur so strotzt vor Eigenständigkeit - eine klare Abgrenzung zu den musikalischen Werken der Manic Street Preachers.
Aber auch ein Nicky Wire kommt nicht ganz ohne musikalische Einflüsse aus. So erinnert der Opener und Titeltrack des Albums I killed the Zeitgeist an Jesus & Mary Chain, während Stücke wie Withdraw/Retread oder Bobby Untitled auch aus der Feder Norman Blakes von Teenage Fanclub hätten stammen können. Allerdings mischt Nicky Wire unter seine Songs einen Hauch Punkattitüde à la The Clash, so dass am Ende ein ganz eigener Sound entsteht. Spannungsbögen bilden dabei fast lethargisch wirkende Balladen wie Goodbye Suicide oder Everything Fades, die im Kontrast zu energetischen Songs wie Break my Heart slowly oder The Shining Path stehen. I killed the Zeitgeist ist ein musikalisches Konstrukt, das durch seine leichte Rohheit elektrisierend wirkt, das den Hörer gefangen nimmt und nicht eher freigibt, bis der letzte Akkord der insgesamt 13 Tracks verklungen ist.
Dass Nicky Wire ein großartiger Songwriter ist, weiß wohl jeder, der A Design for Life der Manics kennt. Kein Wunder also, dass sich auch das Debüt des Walisers mehr als hören lassen kann. Indie-Pop meets Punk und was dabei herauskommt, ist I killed the Zeitgeist. Definitiv eines jener Alben, die in keiner gut sortierten Plattensammlung fehlen sollten - mit großen Ambitionen, eine der besten Platten des Jahres zu werden.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 22. September 2006 Label: Red Ink/Rough Trade
Website: www.nickyssecretsociety.com Myspace: www.myspace.com/nickywiressecretsociety
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Auf der diesjährigen Popkomm in Berlin und auf dem Reeperbahn Festival in Hamburg unterstützt das niederländische Exportbüro für Musik Auftritte holländischer Künstler. Pünktlich zu diesem Event erscheint nun die dritte Auflage der Compilation Neue Holländische Welle 3.0.
Auf diesem Sampler befinden sich 20 Künstler, die alle eine Gemeinsamkeit haben: ihr Herkunftsland Holland. Wer geglaubt hat, außer Tulpen aus Amsterdam hätten unsere holländischen Nachbarn nichts zu bieten, der wird nun eines besseren belehrt. Neue Holländische Welle 3.0 bietet einen musikalisch abwechslungsreichen Überblick über die Musikszene unseres Nachbarlandes.
Den Anfang machen GEM, die dem ein oder anderen beim diesjährigen Haldern Pop Festival bereits begegnet sein dürften. Hier sind sie mit dem Song The Subterranean Parade vertreten, der eine ordentliche Ladung Rock 'n' Roll liefert. An die darauf folgende Dame mit dem Namen Anouk dürften sich einige vielleicht auch noch erinnern. Ende der 90er Jahre war sie die holländische Antwort auf Melissa Etheridge. Ihre Debütsingle Nobody's Wife erreichte in Holland, Schweden und Norwegen Platin. Des Weiteren gibt es auf dieser Compilation Alternative-Rock von Green Lizard, Elektropop von Junkie XL, Indie-Pop von Johan sowie Gothic von The Gathering.
Neue Holländische Welle 3.0 bietet dem Hörer wirklich viel Neues zu entdecken. Einfach mal reinhören. Es lohnt sich!
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 22. September 2006 Label: musicXport.nl (Buma Cultuur)
Website: www.neuehollandischewelle.de
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Step Forward All False Prophets ist das mittlerweile dritte Soloalbum von Alex Lowe. Der Ex-Hurricane #1-Sänger liefert mit seinem Drittlingswerk ein komplettes Country-Album und geht somit zurück zu seinen Wurzeln, zu dem Sound, mit dem er aufgewachsen ist. Geschrieben hat er das Album in nur fünf Tagen und herausgekommen sind 11 Songperlen mit herrlichen Melodien und wundervollen Lyrics.
Alex Lowe bedient sich auf Step Forward All False Prophets dem klassischen Songwriting, dass eigenen Angaben zufolge hauptsächlich von Bob Dylan und Tom Petty beeinflusst ist. Der Dylan-Einfluss ist besonders deutlich bei Songs wie Unity, Freedom, Slashing und Big Guns zu hören. Das komplette Album basiert lediglich auf akustischem Gitarrensound, der von der Stimme von Alex Lowe getragen wird, nicht mehr und nicht weniger. Einfach schön!
Doch Step Forward All False Prophets überzeugt nicht nur musikalisch, sondern auch textlich. Wundervolle Lyrics mit einem Dylanesken Storytelling, wodurch es Alex Lowe gelingt, den Hörer zu berühren. Jail and Stripes erzählt die Geschichte eines Mannes, der in einem Gefängnis in Kansas für ein Verbrechen einsitzt, das er nicht begangen hat. Big Guns handelt von sinnlosen Schlachten, bei denen im Endeffekt niemand gewinnt. In Round in Circles, meinem persönlichen Lieblingssong des Albums, wandert der Protagonist durch den Regen und hofft immer noch auf seine längst verlorene Liebe. Eigentlich eine traurige Geschichte.
Step Forward All False Prophets ist vom ersten bis zum letzten Song ein wunderbares Album, das ohne großen Schnickschnack auskommt, sondern einfach emotional und ehrlich ist. Dieses Album muss man einfach lieben!
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 18. September 2006 Label: Lost Cat Records
Website: www.alexlowemusic.com
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Colourful ist das zweite Album von Loving The Sun, einem Bandprojekt, das 2004 von Joe Weninghoff (Keyboards, Bass, Gitarre, Schlagzeug) und Christina Pollmann (Vocals) gegründet wurde. Unterstützt werden die Zwei auf dem Album durch die Backing Vocals von Andrea Heukamp.
Schon zu Anbeginn läuft es einem eiskalt den Rücken runter. Der Opener Eunora (Autumn Leaves) zieht sich endlos wie Kaugummi, nie enden wollend, hin. Die in Track 2 (Warm Wind) gesetzte Hoffnung verfliegt sogleich. Womit hat man es bei Loving The Sun zu tun? Meditationsmusik? Möglicherweise. Aber dann können es die Musiker rund um die enervierende Stimme von Christina Pollmann wahrscheinlich nicht so gemeint haben. Oder doch? Man weiß es nicht und will es dann schließlich auch gar nicht mehr wissen. Simple Beats mit sphärischem Getöschen, gekrönt von einer sporadisch präsenten, und wenn schon vorhanden, dann einlullenden Gitarre und umrahmt von den monotonsten Vocals aller Zeiten. Man könnte sein Gehör noch in den vermeintlichen Hit Days go around investieren. Diesem Versuch wurde gewissenhaft nachgegangen. Da es sich beim Ohr jedoch um ein empfindsames Organ handelt, das man nicht allzu vielen Grausamkeiten aussetzen sollte, musste das Vorhaben abrupt abgebrochen werden.
Meine Empfehlung für gewollt ruhige Momente lautet dann doch eher "Tee Musik Volume 2", die "authentische Musik aus den Ursprungsländern des Tees".
Review: Michaela Wicher
Erscheinungsdatum: 18. September 2006 Label: Nea Music (Pängg)
Website: www.lovingthesun.de
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Es gibt sie noch, die großartigen Singer/Songwriter! Einer von ihnen ist Ben Kweller, ein hochtalentierter junger Bursche, dessen selbst betiteltes Album dieser Tage in den heimischen Plattenläden erhältlich ist. Adam Green meets Neil Young - allerdings kein epigonales Geklampfe, sondern multiinstrumentale Autonomie, die begeistert!
Ben Kweller ist trotz seines juvenilen Aussehens und seiner 25 Lenze kein Newcomer mehr. Das aktuelle selftiteled Album des Texaners ist mittlerweile das dritte auf ATO-Records - und getreu dem Motto "Es lebe die Veränderung" ist mit Ben Kweller einiges ist anders geworden. Klang der Vorgänger On my Way noch wesentlich rauer und reduzierter so bedient sich Kweller nun eines instrumentalen Sammelsuriums, das das Musikliebhaberherz höher schlagen lässt. Die klassische Kombination aus Gitarre, Bass und Schlagzeug erweitert der Mulitinstrumentalist durch den gekonnten Einsatz von Klavier, Triangel, Glockenspiel und Xylophon. Alles eigenhändig eingespielt versteht sich. Herausgekommen sind dabei wunderbare Kompositionen, die sich hören lassen können. Und die passagenweise an die guten alten Meister des Songwritings erinnern: Bob Dylan, der die Bluesguitar bei Red Eye nicht besser hätte spielen können oder Neil Young, an dessen Klassiker Cortez the Killer die Mundharmonika auf der pianogetragenen Ballade Thirteen erinnert.
Die instrumental groß angelegten Soundspuren werden perfekt durch Ben Kwellers Vocalparts ergänzt. Refrains, die sich ins Ohr schleichen und dort einfach nicht mehr heraus wollen, wie bei Sundress oder Penny on the Train Track. Textlich befasst sich das selbstbetitelte Album mit so ziemlich Allem, was das Leben zu bieten hat: Freundschaft, Liebe, Freiheit - mal nachdenklich und melancholisch, mal lockerleicht und enthusiastisch.
Ben Kweller ist ein hervorragend komponiertes Album, das begeistert. Abwechslungsreiche Melodien treffen auf variierende Rhythmusschemata: Eine Kombination, die keine Sekunde lang Langeweile aufkommen lassen. Ein wunderbarer Soundtrack für jede Jahreszeit, für jeden Moment, für das, was man Leben nennt eben. Großartig!
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 15. September 2006 Label: Red Ink (Rough Trade)
Website: www.benkweller.de Myspace: www.myspace.com/benkweller
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Wir schreiben das Jahr der Zweitwerke. Auch The Rapture gehören diesem erkorenen Kreis an und legen mit ihrem Album Pieces of the People We love gehörig nach. Es verstrichen immerhin drei Jahre, bis die New Yorker Combo sich mit neuem Hörstoff zurückmeldete.
Der Erfolg des Erstlings Echoes brachte viele Live-Auftritte mit sich, welche die Band inspiriert haben müssen. Das Resultat der auf die Konzerte folgenden Komponier- und Songwriting-Phase bestand zunächst aus 30 Liederideen, die in der Folge in einer Reihe von Test-Konzerten an der US-Ost- und Westküste auf die Probe gestellt wurden. Ein Doppelalbum kam wohl nicht infrage, und es ist anzunehmen, dass The Rapture die Regel, Qualität vor Quantität anzuwenden, gedachten und diese dann auch umzusetzen wussten. Ihr Werk lässt einen jedenfalls darauf schließen. Hiermit ist es der Band gelungen, eine wohlklingende Symbiose der Elemente Funk und Pop zu bilden. Dass man mit diesem Album die richtige Wahl getroffen hat, weiß man bereits, wenn im Opener Don Gon Do It die Cowbell erklingt! Was folgt, überzeugt dann restlos: Musik mit hochgradigem Ansteckungscharakter. Eintönige Beats findet man hier nicht - Computery Dudery, Bleeps und Bloops und anderen Spielereien sei Dank! Vielmehr erweckt der jeweilige Track die Neugierde auf den nächsten. Mit Whoo! Alright – Yeah...Uh Huh liefern The Rapture den ultimativen Burner. Tanzbarer kann ein Lied kaum sein.
Kurzum: Pieces of the People We love ist Energie pur und gehört auf jede ordentliche – im Sinne von geschmackvoll - Playlist! Live lässt sich die Band hierzulande auch blicken. Der Auftakt der viertägigen ist der 20.9.!
Review: Michaela Wicher
Erscheinungsdatum: 15. September 2006 Label: Mercury (Universal)
Website: www.therapturemusic.co.uk Myspace: www.myspace.com/therapture
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"Keine Lieder über Liebe" - wer dieser Attitüde frönt, der sollte sich The Letting Go vielleicht besser nicht zu Gemüte führen. Oder vielleicht doch - einfach, um sich eines besseren belehren zu lassen. Denn wohl kaum ein anderer Singer/Songwriter schreibt so traurig-schöne Songs über das Suchen und Finden und wieder Verlieren, wie Bonnie "Prince" Billy.
Kein Wunder, denn schließlich ist Will Oldham, so der bürgerliche Name Bonnie "Prince" Billys, kein Neuling mehr im großen Musikzirkus. Dem einen oder anderen dürfte der Amerikaner auch unter dem Namen Palace Brothers unter die Ohren gekommen sein. Darüber hinaus hat Odham bereits mit Größen wie Johnny Cash, P.J. Harvey oder Björk zusammengearbeitet. Sein aktuelles Album The Letting Go ist eine jener Platten, bei denen der Titel Programm zu sein scheint: Herzzerreißende Songs über Liebe und Verlust, über das nicht festhalten können und nicht loslassen wollen. Geschichten über das Leben und all die kleinen bittersüßen Momente, die darin eingebettet sind.
Musikalisch bewegt sich The Letting Go irgendwo zwischen Country und Blues. Eine Melange, die insbesondere bei Songs wie Cursed Love oder Cold & Wet ihre ganz persönliche Note entfaltet. Untermalt wird der fast ausschließlich akustisch konzipierte Sound des Albums durch wunderschöne Streicherarrangements, über denen der Gesang Bonnie "Prince" Billys kreist. Stets begleitet von der eindringlichen Stimme Dawn McCarthys der Faun Fables. Eine durchgängig ruhige Gesamtkonzeption, die eben erst durch ihre Stille ihre Intensität entwickelt. Und genau darin liegt auch der Schwachpunkt des Albums: Durch die durchweg langsame Gangart wirken die Tracks nach einiger Zeit ein wenig behäbig und monoton. Ein gelegentlicher Tempowechsel hätte hier definitiv für mehr Abwechslung gesorgt.
Tom Petty hat einmal gesungen "The Waiting is the Hardest Part", vielleicht ist es eher The Letting Go - zumindest im Hinblick auf die großen und kleinen zwischenmenschlichen Tragödien im Leben. Möglicherweise nicht ganz die richtige Platte, wenn man "keine Lieder über Liebe" hören möchte - oder eben genau die richtige...wer weiß das schon? Sicher dagegen ist, dass The Letting Go trotz einiger Längen ein beeindruckendes Stück Musik ist.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 15. September 2006 Label: Domino (Rough Trade)
Website: www.bonnieprincebilly.com Myspace: www.myspace.com/princebonniebilly
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Veränderung alter Strukturen ermöglicht Fortschritt. Wer könnte zur musikalischen Untermauerung dieser These besser geeignet sein, als The Mars Volta. Mit Amputechture präsentieren die Ex-At the Drive In-Mitglieder Rodriguez-Lopez und Bixler ihr nunmehr drittes Album, auf dem so einiges anders erscheint.
Für die einen war De-Loused in the Comatorium, das 2003er Debütalbum von The Mars Volta die polycarbonatgewordene Vision eines perfekten Kunstwerks: Progrock meets Hardcore. Für die anderen war es wirres, unzugängliches Geschrammel, das sie selbst in zwanzig Jahren nicht verstehen werden. Je nach Sichtweise mag man The Mars Volta Einiges vorwerfen können, jedoch niemals, massenkompatibel oder eingängig zu sein.
Dieser Linie sind Mastermind und Gitarrist Omar Rodriguez-Lopez und Songwriter und Sänger Cedric Bixler auch auf dem aktuellen Album von The Mars Volta treu geblieben. Und dennoch ist einiges anders geworden mit Amputechture: Die aus At the Drive In-Zeiten übernommenen Hardcore-Elemente fallen auf dieser Platte völlig weg. Ebenso wie die bislang durchgängige narrative Struktur der Songs. Konnte man die beiden Vorgängeralben noch als erzählte Gesamtkonzeptionen betrachten, die sich in erster Linie mit dem Tod auseinandersetzten, so finden sich auf Amputechture nun eher zusammenhangslose Geschichten. Kleine Episoden, die dem Hörer die ein oder andere Anekdote aus Bixlers Feder preisgeben.
Akustisch darf man sich bei Amputechture auf ein opulentes Vergnügen freuen. Die Kompositionen sind ausgefeilt und akribisch aufeinander abgestimmt. Die gesanglichen Passagen werden perfekt in die durchgängige Soundstruktur eingeflochten. Fast so, als seien Text und Musik simultan entstanden. Getrennt wird diese Symbiose lediglich durch weitläufig ausgespielte instrumentale Abschnitte, die jedoch eher einen Ruhepol als eine Unterbrechung darstellen.
The Mars Volta liefern mit Amputechture ein interessantes Album ab, dass sich verstärkt in Richtung Progrock goes Pop bewegt und mit voluminösem Sound daher kommt. Einziges Manko: Mit 76 Minuten Laufzeit verteilt auf acht Songs wirkt die Platte zum Teil ein wenig langatmig. Daran kann leider auch die ausgefuchsteste Komposition nichts ändern.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 08. September 2006 Label: GSL (Universal)
Website: www.themarsvolta.de Myspace: www.myspace.com/themarsvolta
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Brother. Sister. Bores! oder "Auf der Suche nach dem ganz großen Popsong" - so ähnlich könnte er lauten, der Untertitel zum aktuellen Pale-Album. Tracks, so rund wie eine Diskokugel, die durch den Gehörgang direkt in die Füßchen gehen. So tanztheater-affin hat man die fünf Herren aus Aachen selten erlebt.
Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Ein Fakt, von dem auch die Jungs von Pale nicht verschont geblieben sind. So sorgte der Labelwechsel zum GHvC bereits vor der VÖ von Brother. Sister. Bores! für ordentlich Presserummel. Ob das Label rund um die Herren Wiebusch, Uhlmann und Co. letzten Endes für den Soundwandel verantwortlich ist, sei dahin gestellt. Vielmehr scheint es ein kontinuierlicher Entwicklungsprozess zu sein, der Pale dahingeführt hat, wo sie mit Brother. Sister. Bores! angekommen sind: Breit angelegter Indie-Pop mit allem, was dazu gehört. Angefangen bei großen Gitarrenwänden, über Streicherarrangements bis hin zu ohrwurmartigen Refrains.
Der Einstiegstrack der Platte fällt entgegen des Titels eher ruhig aus. Take me out, Bouncers! basiert beinah nur auf Pianoklängen und Holger Kochs’ charismatischem Gesang. Balladesk und verträumt - bis bei 3:19 der Beat losgeht und den Hörer die restlichen 35 Minuten lang nicht mehr loslässt. Schluss mit Kuschelwalzergedanken und chilliger Death-of-a-Party-Attitüde! Spätestens ab dem zweiten Stück You wanna be so good darf standesgemäß gerockt werden. Und obwohl Pale die Gitarren auspacken, verzichten sie auch den Rest des Albums über nicht auf Piano-, Streicher- oder Bläsersounds, die Songs wie A Clash at the Nightclub oder I am sorry (You are not) einen ungewohnt leichten, swingenden Charakter verpassen.
Musikalisch beweisen Pale mit Brother. Sister. Bores! ihr Gespür für den ultimativen Popsong - und das gleich in zehnfacher Ausführung. Handwerklich gibt es hier rein gar nichts zu meckern. Auch stilistisch nicht, schließlich haben sich Pale selbst nie das Etikett "Emo" auf die Brust getackert. Dennoch bleibt beim Hören des Albums ein leicht schaler Geschmack zurück. So sehr indie Brother. Sister. Bores! auch sein mag, so poppig die Platte auch daherkommt, so glatt klingt sie passagenweise dann leider auch. Keine wirklichen Highlights, keine Ecken und Kanten. Nichtsdestotrotz aber ein Album, das ohne weiteres als Tanzflächen-Füller bezeichnet werden kann. In diesem Sinne: "Put on your dancing-shoes!"
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 01. September 2006 Label: Grand Hotel van Cleef (Indigo)
Website: www.pale-band.de Myspace: www.myspace.com/thepalefour
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Der kalendarische Sommer mag sich verabschieden, der musikalische hat dagegen gerade erst begonnen. Zumindest, wenn man sich Couch Crisis, das aktuelle Album der Österreichischen The Seesaw anhört. Powerpop vom Feinsten, der dermaßen nach sonnigen Nachmittagen und lauen Abenddämmerungen klingt, dass man am liebsten die Tanzschühchen auspacken und auf die Piste tippeln möchte.
Normalerweise fahren Bands mit einem Sänger auf, vielleicht noch einem zweiten, der für die Backings zuständig ist. Bei dem Salzburger Trio The Seesaw teilen sich gleich alle drei Bandmember das Mikro. Und das mit durchschlagendem Erfolg: Couch Crisis ist ein hervorragendes Album - und großes Gefühlskino. Songs über die wohl schönste Sache der Welt - die Liebe. Jedoch ohne aufgeblasen oder pathetisch daherzukommen. Und jeder, der in diesem Zusammenhang das musikalische (Un)Wort "emo" ins Spiel bringt, sollte überlegen, wann er zum letzen Mal den HNO-Doc besucht hat. Um gefühlsduselig zu klingen, sind die Melodien des Salzburger Trios nämlich viel zu energetisch. Vielmehr lebt das Album von dem gekonnten Zusammenspiel aus samtweichen Texten und antreibenden Melodien. Ein Wechselspiel zwischen balladesken Elementen und gekonnt in Szene gesetzten Gitarrenriffs.
Soundtechnisch erinnert Couch Crisis an gute alte 60's Hymnen à la The Kinks, der Small Faces oder The Who. Eine kleine Hommage an letztere liefern The Seesaw auch bei der Verwendung der Passage Teenage Wasteland aus dem The Who-Klassiker Baba O'Riley auf Together. Aber auch Stücke wie On and On und Everything's Alright oder Count the Stars knüpfen nahtlos an den Sound der good old swinging Sixties an. Songs, bei denen die Füße einfach nicht aufhören wollen, zu wippen.
"Geht nicht - gibt's nicht": Was in der Werbung funktioniert, lässt sich scheinbar auch auf die Musik projizieren. Schien es noch so, dass The Seesaw 2004 mit Generation Love ein unschlagbares Album abgeliefert haben, so beweisen die drei Österreicher mit Couch Crisis, dass es quasi Nichts gibt, was nicht zu toppen wäre. Ganz großer Sport, meine Herren!
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 28. August 2006 Label: Wohnzimmer (Broken Silence)
Website: www.theseesaw.at Myspace: www.myspace.com/theseesawmusic
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Als die fünf Schweden von Mando Diao 2004 ihr Debüt-Album Bring 'em in veröffentlichten, glaubten viele nicht an den Erfolg dieser Band. Spätestens nach ihrem Zweitlingswerk Hurricane Bar war auch den zweifelnsten Kritikern klar, dass es sich bei Mando Diao nicht um eine Eintagsfliege handelt, sondern um eine Band, die sich ihren Platz aus dem Rockolymp gesichert hat. Ausverkaufte Konzerte und eine Manie, wie sie die Welt seit Oasis nicht mehr erlebt hat.
Nun ist endlich das lang ersehnte dritte Album Ode to Ochrasy da. Bereits die erste Singlesauskopplung Long before Rock 'n' Roll weckte bei Kritikern und Fans große Erwartungen. Ich kann nur sagen, dass meine Erwartungen, sowohl als Kritiker als auch als Fan, auf jeden Fall erfüllt worden sind.
Mit Ode to Ochrasy schließen Mando Diao nahtlos an den Vorgänger Hurricane Bar an. Die einen mögen dies als langweilig erachten, während die anderen froh sind, dass die Schweden ihrer Linie treu geblieben sind. Wie dem auch sei, auf Ode to Ochrasy bekommt der Hörer teuflisch guten Rock 'n' Roll mit herrlichen Melodien verpackt in 14 Songs. Bereits der Opener Welcome Home Luc Robitaille geht voll auf die Zwölf mit einem krachigen gradlinigen Retro-Rock-Sound, der sich durch das komplette Album zieht. Songs zum Mitsingen und Mitrocken in bester Rock 'n' Roll-Manier wie Killer Kaczynyski, The Wildfire oder You Don't Understand Me, die definitiv zu den Highlights gehören. Mit The New Boy und Josephine zeigen Mando Diao, dass sie neben krachigem Rock 'n' Roll auch die leisen Töne beherrschen. Mit Ode to Ochrasy beweisen Mando Diao wieder einmal, welche Energie in ihrer Musik steckt. Eine Energie, die an alte Band wie The Kinks oder The Who erinnert und die heutzutage leider bei den meisten Bands verloren gegangen ist. Mando Diao kamen, um den Rock 'n' Roll zu retten und es ist ihnen gelungen. Der Rock 'n' Roll hat seine Helden wieder.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 25. August 2006 Label: Capitol (EMI)
Website: www.mandodiao.com Myspace: www.myspace.com/mandodiao
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Psychedelisch, Indie-Dance, Leeds-Band - immer wieder haben Journalisten versucht, The Sunshine Underground ein Etikett aufzukleben. Doch das Quartett aus Leeds bestehend aus Craig Wellington (Gesang, Gitarre), Stuart Jones (Gitarre), Daley Smith (Bass), Matthew Gwilt (Schlagzeug) lässt sich nicht einfach in eine beliebige Schublade stecken wie ihr Debüt-Album Raise The Alarm beweist.
Ihre Musik liefert einen eigenständigen Sound, der die absurd unterschiedlichsten Einflüsse aufweist. Impulsive Basslinien, krachende Gitarren und komplexe Beats verleihen den Songs eine gewisse Intensität und Leidenschaft und sorgen für einen berauschenden Mix, der zum Abfeiern einlädt. Doch beim intensiven Hören wird deutlich, dass Raise The Alarm eigentlich gar kein typisches Party-Album ist, sondern viel mehr ein Wechselspiel aus zornigen Passagen und positiven Grooves, die einen Widerspruch hervorrufen, der Songwriter Craig gefällt. Er mag die Vorstellung, dass die Menschen fröhlich zu seinen dunklen, paranoiden Songs feiern.
Die Inspiration für seine Texte findet Craig in seinem alltäglichen Leben, dennoch schreibt er keine Liebeslieder und auch nicht über sich selbst, sondern über das, was in seinem Umfeld passiert. In Comercial Breakdown wettert er beispielsweise gegen die Klatsch-Generation, gegen die Art von Leute, die ihr Leben mit Celebrity-Zeitschriften und wertlosem Fernsehschrott ausfüllen und sich von den wichtigen Themen abkapseln. I Ain't Losing Any Sleep handelt von zornigen Kleinstadt-Strolchen und Dead Scene skizziert das Cliquen-Geklüngel der von Arroganz geprägten "cooler-than-you"- Indiekids.
Für das Album haben sich The Sunshine Underground ein brillantes Produzenten-Team ins Boot geholt: Dan Kahuna (FC Kahuna), Steve Dubb (Chemical Brothers), Segs (The Ruts) und Robert Harder, die auch bereits bei der Produktion von Bloc Party die Fäden in der Hand hielten. Das klingt natürlich erfolgsversprechend! Es wird sich zeigen, ob dieser Erfolg bald ins Haus steht.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 25. August 2006 Label: Red Ink (Rough Trade)
Website: www.thesunshineunderground.de Myspace: www.myspace.com/thesunshineunderground
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Der Legende nach sollen Gem 2003 als Supportact der Libertines eben jene an die Wand gespielt haben. Dadurch haben sie in ihrer Heimat Holland ziemlich viel Aufsehen erregt. Eine Band, der die britische Musikpresse sofort den Hype-Stempel aufgedrückt hätte, würden die fünf Jungs aus London, Manchester oder Liverpool kommen.
Mit Escapades hat das Quintett aus Utrecht nun ihr Zweitlingswerk veröffentlicht und liefert ein sehr gut produziertes Album, mit griffigen Melodien, die dafür sorgen, dass jeder Song gleich ins Ohr geht. Die fünf Jungs setzen auf wirbelnde Gitarrenriffs, die von der prägnanten, leicht rauen Stimme Maurits Westerik unterstützt werden. Gem machen Musik, die ihre Wurzeln in den Sechzigern hat und das auch noch verdammt gut. Ein Retro-Sound, der dermaßen energetisch daher kommt, dass es einem die Schuhe auszieht! Der Opener All I Want Is You bietet sofort einen krachigen Einstieg in 37 Minuten Rock 'n' Roll und mit The Subterranean Parade legen die Jungs dann richtig los. Wer bei Go, dem Song mit der mitreißenden Melodie, immer noch nicht rockt, dass die Füßchen qualmen, der ist ja nicht gescheit! Aber spätestens bei Fight On sollte auch der letzte Skeptiker überzeugt worden sein, denn dieser Song ist eine wahre Hymne und hat verdammtes Suchtpotential! Ein Song, den man immer und immer wieder hören möchte. Einfach großartig!
Mit Escapades liefern Gem eine Rock 'n' Roll-Platte, die schonungslos auf die Zwölf geht. Da soll noch mal jemand behaupten, dass die Holländer nichts von Rock 'n' Roll verstehen.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 25. August 2006 Label: Haldern Pop (Cargo Records)
Website: www.gemmusic.nl Myspace: www.myspace.com/gemmusic
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Die Berliner Band Seaport veröffentlichte dieser Tage ihre erste EP Rock 'n' Roll Shanties. Doch wer nun aufgrund des Titels Seemannslieder mit Akkordeonklängen erwartet, der wird eines besseren belehrt, denn Seaport machen melodiösen Rock mit anglo-amerikanischer Prägung. Produziert wurde das Erstlingswerk der vier Wahlberliner von Robin Pleil, der sonst mit seiner eigenen Band Artridge eher auf Avantgarde-/Experimental-Pfaden wandelt. Doch hier verlässt er die experimentellen Klangwelten und greift sogar als Gastmusiker zur Steelguitar.
Seaport setzen auf eine klassische Kombination aus Gesang/Gitarre (Sebastian Pieper), Rhytmusgitarre (Marek Godlewski), Bass (Arnd Pustlauck) und Schlagzeug (Markus Daniel). So bekommt der Hörer auf Rock 'n' Roll Shanties sechs Songs mit eingängigen Melodien und mehrstimmigem Gesang, ohne jegliche musikalischen Experimente, sondern gradlinigen Indie-Rock. Schade ist allerdings, dass die einzelnen Stücke nur wenig Abwechslung bieten, denn was man hier zu hören bekommt, sind allesamt Midtempo-Songs, die ziemlich radiotauglich daher kommen. So ist Rock 'n' Roll Shanties ein Album, das leider keinerlei Höhen und Tiefen aufweist.
Dennoch liefern Seaport ein solides Debüt ab. Und vielleicht überkommt das Quartett beim nächsten Album ja doch die Experimentierfreude. Wir werden sehen.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 25. August 2006 Label: Interlink (SX Distribution)
Website: www.interlink-audio.net/seaport
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"Káligma"...ein exotisch klingender Name der neugierig macht. Wer bei diesem Wort allerdings an Träume aus 1000 und einer Nacht denkt, der irrt - oder vielleicht auch nicht. Denn Káligma ist eine Band aus dem nordischen Oldenburg, die uns dieser Tage mit einem herrlich verträumten Debütalbum beglückt.
Das selbstbetitelte Album der Band besticht durch musikalische Andersartigkeit: Jazzelemente in Kombination mit amtlichen Gitarrenriffs. In erster Linie instrumental getragen und nur fragmentarisch durch Textpassagen unterbrochen, kreieren die Jungs eine sehr eigenwillige Symbiose aus Sound und Gesang. Die Vocals werden nicht durch den Klangteppich getragen, sondern scheinen in diesen eingearbeitet zu sein. Die Stimme als Instrument, das keinen eigenen Raum benötigt, sondern sich nahtlos in das Zusammenspiel aus Gitarren, Bass, Synthezisern und Schlagzeug einreiht. Diese Konstruktion lässt die Vocals auch eher wie die Stimme in einem Traum wirken. Worte, die man unbewusst aus der Ferne wahrzunehmen scheint, ohne sie wirklich zu verstehen. Eine Art von Geheimnis, dass Kàligma durch ihren verträumten Sound zu schützen scheinen und das die Magie der Songs ausmacht.
Mein Blick fällt auf das Artwork des hinteren Booklets. Ein Layout, das den akustischen Inhalt des Albums beinah originalgetreu visuell widerspiegelt: Schneebedeckte Äste, ineinander greifend, in sich verzweigt. Fast wie ein Netz. Genauso klingen die Songs auf Káligma. In immer enger werdenden Kreisen ziehen sich die Klangfäden um den Hörer, so dass am Ende ein fein gesponnenes akustisches Geflecht entsteht, in das man sich nur allzu gerne fallen lässt.
Mit seinen insgesamt elf Songs nimmt Káligma den Hörer mit auf eine wundersam verträumte Reise. Eine gedankenverlorene Autobahnfahrt, bei der sich diverse Landschaften vor dem inneren Auge abwechseln. Ein Album zum durchatmen für die ruhigeren Momente, Phantasiefutter für die Gedanken. Der ideale Zufluchtsort für die hektischen Tage zwischendurch.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 22. August 2006 Label: Kopfmusik (RADAR)
Website: www.kaligma.de
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Vor gut einem Jahr bewiesen Sugarplum Fairy mit ihrem Debüt-Album Young and Armed der Musikwelt da draußen, dass der gute alte Rock 'n' Roll seine Nachkommen hat. Nun meldet sich die Band um die beiden Brüder Victor und Carl Norén mit ihrem Zweitlingswerk First Round First Minute zurück. Genau eine Woche bevor der große Bruder Gustaf Norén das dritte Mando Diao-Album ins Rennen schickt. Absicht oder purer Zufall? Eins steht jedenfalls fest, nämlich dass es sich bei Sugarplum Fairy nicht um eine Epigonen-Band handelt, auch wenn ihnen dies immer wieder vorgeworfen wird. Aber wie wir ja alle wissen, war Sugarplum Fairy vor Mando Diao da. Ist es den Jungs nun endlich gelungen, aus dem Schatten ihres großen Bruders herauszutreten?
Klang das Erstlingswerk der Schweden noch wie eine Band, die in den Kinderschuhen steckt, so sind Sugarplum Fairy diesen mit ihrem Nachfolger auf jeden Fall entschlüpft. First Round First Minute kommt wesentlich gereifter und erwachsener daher, als das Erstlingswerk. 14 grandiose Songs gepaart mit dem 60's-Charme der guten alten Kinks und einer Rock 'n' Roll-Attitüde wie Oasis es nicht hätten besser machen können.
Der Vorbote des Albums, die Doppel-A-Seite Last Chance/She, lieferte schon mal einen kleinen Vorgeschmack auf das Komplettwerk. Hiermit zeigten Sugarplum Fairy bereits deutlich, in welche Richtung der Sound des Nachfolgers geht, nämlich krachiger, bedingungsloser Rock 'n' Roll, der einen "Ich will mehr!" schreien lässt. Und so soll es auch sein, denn auf First Round First Minute reiht sich ein Knaller an den nächsten, mit Songs wie Mary Gold, It takes time it takes two oder Let me try, die allesamt bereits beim ersten Hören Begeisterung hervorrufen, die auch beim zehnten Hören noch anhält.
Sugarplum Fairy haben sich definitiv weiterentwickelt und brauchen sich nicht mehr länger hinter dem großen Schatten von Mando Diao zu verstecken. Mit First Round First Minute sind sie auf dem besten Weg, sich zu emanzipieren und beweisen, dass sie das Potential haben, großartige und eigenständige Rock 'n' Roll-Songs zu schreiben.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 18. August 2006 Label: Vertigo (Universal)
Website: www.sugarplum.de Myspace: www.myspace.com/sugarplumfairyborlange
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Zwei Jahre nach Veröffentlichung des Debütalbums Up All Night präsentieren Razorlight ihr Zweitwerk Razorlight, das dem Vorgänger in Nichts nachsteht, da es komplett anders ist! Die englische Band um Sänger Johnny Borell hat sich damit von der Vergangenheit gelöst und schlägt nun etwas ruhigere Töne an, die sich jedoch keineswegs in lethargischem Musizieren äußern. Vielmehr zeichnet sich das Album stärker durch Harmonie aus, die sich im Zusammenspiel von Stimme und Instrumenten zeigt. Daneben ist Razorlight aber auch durch strukturelle Vereinfachung geprägt, wobei die Band eine kleine Reise durch die Musikepochen und die damit verbundenen Stile unternommen hat. So geschehen beispielsweise in Who Needs Love, wo die 60er Jahre sowohl melodisch, als auch die Background-Vocals betreffend, grüßen lassen.
Textlich wird Johnny Borell nicht nur hierbei privater, sondern auch bei America, wenn er sein persönliches Bild und seine Skepsis gegenüber den durch die Medien generierten Aussagen über das Land äußert. Auffällig ist die schon erwähnte Harmonie, die stimmigen Arrangements, die eben nicht, wie der ein oder andere vorwerfen könnte, in Kitsch enden.
Neben der breiten Entwicklungsspanne, die einigen Songs zugrunde liegt, haben Razorlight es vollbracht, der Stimme an den richtigen Stellen den ihr gebührenden Platz einzuräumen. Razorlight lässt darauf schließen, dass die Musiker sich nicht darum geschert haben, ob sie denn nun in die Rock- oder Pop-Schublade gesteckt werden, sondern ihre eigenen Erwartungen umsetzen wollten. Das Vorhaben ist gelungen!
Insgesamt kann das Ergebnis als "runde Sache", was die Abfolge der Songs vom Anfang bis zum gelungenen Ausklang belegen, bezeichnet werden, die einiger Käntchen und Eckchen nicht entbehrt und Ihnen, sehr geehrte Hörer, von dieser Stelle aus auf jeden Fall ans Herz gelegt wird!
Review: Michaela Wicher
Erscheinungsdatum: 18. August 2006 Label: Mercury (Universal)
Website: www.razorlight.co.uk Myspace: www.myspace.com/razorlight
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"The Next Big Thing aus Germany", es scheint so, als hätte sich die deutsche Plattenindustrie dies auf ihre Fahnen geschrieben. Was die Kollegen aus dem UK können, das können wir hierzulande auch. War es bis vor kurzem noch "in" deutsch zu singen, wird jetzt auf britisch-klingenden Gitarrensound gesetzt. So gelang es Nice Boy Music direkt mit ihrem Debüt-Album Twist einen Deal bei Virgin zu erlangen, denn eins ist Fakt, die Jungs aus Hamburg klingen verdammt britisch.
Mit einer rotzigen Stimme wie Pete Doherty bieten Nice Boy Music 12 Songs, die so klingen, als hätte man The Libertines mit Blur gepaart. Bereits der Opener Some are young überzeugt durch spielerisch schöne Arrangements und macht Lust auf mehr. Und das bekommt der Hörer, das sei garantiert. This is disco ist ein absoluter Dancefloor-Kracher, der die Tanzflächen in den Indie-Clubs der Republik füllen wird. Ein beatiger Sound, bei dem man einfach abgehen muss. Mit Monument beweisen Nice Boy Music, dass sie auch ruhige Nummern drauf haben. Hier zaubern sie wunderschöne Melodien, die von der nöhligen Stimme Jan Petschats getragen werden. Besonders schön gelungen ist auch die Gestaltung der Backing Vocals, die in der Mitte des Songs zum Einsatz kommen. Zu den weiteren Highlights des Albums gehören zweifelsohne Homes Collide, Wait und Stray.
Produziert hat das Ganze Swen Meyer, der bereits bei Tomte und Kettcar die Fäden in der Hand hielt. Nice Boy Music liefern mit Twist ein Debüt-Album mit feinstem Brit-Pop Made in Germany. Die Zeit ist reif für eine neue musikalische Ära in Deutschland. Bleibt nur noch zu hoffen, dass die deutsche Plattenindustrie auch beim Signing weiterer Acts dieser Gattung auf Qualität setzt und nicht wieder einmal der große Ausverkauf stattfindet.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 28. Juli 2006 Label: Virgin (EMI)
Website: www.niceboymusic.com Myspace: www.myspace.com/niceboymusic
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Es ist soweit! Viel zu lang musste ich warten, da ich MIA aus krankheitsbedingten Gründen leider nicht auf dem MELT erleben durfte. So zerfloss ich also in Selbstmitleid...Endlich im Besitz des neuen Albums, schmiss ich jenes dann auch sogleich in den Player. Und der Schmerz war vergessen!
MIA werden stets kontrovers diskutiert. Die Band musste und muss sich immer wieder allerlei Vorwürfen stellen. Aber wenn sich eine Band treu bleibt und unbeirrt ihrem Weg folgt, dann sind das MIA, was sie erneut mit Zirkus unter Beweis stellen. Das Album sprüht Riesenfunken an Vitalität, Phantasie und insbesondere an Poesie. Mieze gewährt intime Einblicke in ihre Gefühlswelt und zieht den Hörer in diesen emotionalen Strudel hinein.
Sie zieht einen gleich zu Beginn mit Uhlala in den Sog: Mit der eindringlich-warmen Stimme, der man nicht entrinnen möchte - und auch nicht sollte, da man sich ansonsten ein Feuerwerk an Gefühlen entgehen ließe, was ein äußerst bitterer Fehler wäre! Zeigt sich in Tanz der Moleküle Optimismus in Reinform "Glaubst du, so wie ich, daran, dass alles gut sein kann, solange wir zusammen sind", kommt in Floß "Wär deine Liebe ein Boot, ich würde sinken, in Seenot geraten, ertrinken/ Ich brauch das Licht deines Feuers" die Sehnsucht nach Nähe zum Ausdruck. Balladesk reihen sich in Odernichtoderdoch die Gedanken um das "Ich und Du". Im Chansonette-Stil und positiv gestimmt kommt Je dis aime Ich sag Liebe daher, wohingegen bei Dann war das wohl Liebe das Raisonnieren über vergangene und gegenwärtige Eindrücke über ein Gegenüber im Vordergrund steht. Engel bleibt an dieser Stelle unkommentiert, also ran an die Interpretation! MIA verschließen sich nicht vor existentialistischen Fragen, was sie weiterhin mit S.O.S. unter Beweis stellen, und kommen mit Was Besonderes zu dem Schluss, das Sein als solches als etwas Spezielles zu betrachten. Also "Manege frei" fürs Leben!
Mit der Vielfalt, die nicht nur die Texte betrifft, sondern auch den Zugewinn an akustischer Experimentierfreude, machen MIA dem geneigten Hörer in jedem Fall schon jetzt, ein Jahr vor ihrem zehnjährigen Bandjubiläum ein riesengroßes Geschenk. Vielen Dank und Bühne frei für MIA!
Review: Michaela Wicher
Erscheinungsdatum: 21. Juli 2006 Label: R.O.T. (SonyBMG)
Website: www.miarockt.de Myspace: www.myspace.com/miarocktbln
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2004 erschien mit Lifeblood das achte Album der Manic Street Preachers. Nach Beendigung der dazugehörigen Tour beschloss das Trio, eine zweijährige Pause einzulegen. Vielleicht eine Zeit der Ruhe, jedoch nicht des Müßiggangs. Zumindest nicht für Sänger und Gitarrist James Dean Bradfield, der dieser Tage mit The Great Western sein erstes Soloalbum präsentiert.
Eigene Wege zu gehen, eine Soloplatte einzuspielen, war eigentlich eine Option, die Bradfield nie wirklich angedacht hatte. The Great Western könnte man somit in gewisser Weise als ein Zufallsdebüt bezeichnen. Während seiner manicsfreien Zeit pendelt der Waliser oft zwischen London und Cardiff. Im Zug entsteht ein Großteil neuer Texte, so dass sich Bradfield schließlich zu einem Soloalbum entschließt. Eine kluge Entscheidung, wie The Great Western beweist.
Wer bei diesem Debüt ein neuntes Manic Street Preachers Album erwartet, wird schnell eines Besseren belehrt. The Great Western knüpft zwar an den Stil der walisischen Brit-Rocker an, führt diesen jedoch weiter aus und mündet in einer eigenständig Konzeption, die sich durchaus von dem Sound der Manics differenziert.
Natürlich legt der Sänger gesellschaftskritisch geprägte Attitüden auch auf seinem Soloalbum nicht vollends ab. So finden sich mit That's no way to tell a Lie und der Covernummer von Jacques Brels To see a Friend in Tears zwei politisch orientierte Songs auf dem Album. Eine Dimension des Songwritings, für die die Manic Street Preachers hinlänglich bekannt sind. Eine weitere Verbindung hierzu stellt Bad Boys & Painkillers dar, zu dem Manics-Bassist Nick Wire die Lyrics liefert. Jedoch löst James Dean Bradfield in anderen Tracks diese Zusammenhänge auf und fokussiert sich stärker auf die eigene Kreativität. The Great Western stellt in erster Linie eine Auseinandersetzung des Walisers mit sich selbst, seiner eigenen Vergangenheit und seiner Zukunft dar. Eine Retrospektive auf seine Herkunft und die damit verbundene Frage nach dem Wohin, nach einer Existenz, die jenseits des Rock ’n’ Roll-Lebens liegt. Deutlich wird dies auf Which way to Kyffin: "We'll paint ourselves a different life..." - eine Songtextzeile, die Bände spricht. Und die Erkenntnis, dass ein endgültiges Nachhausekommen oftmals ein ganzes Leben lang dauert, findet sich in Still a long Way to go, einem durch prägnante Pianoarragements getragenem Stück, das sich durch einen grandiosen Wechsel aus Slowmotion-Strophen und tempogeladenem Refrain auszeichnet.
Wem das alles textlich ein wenig zu pathetisch erscheint, der dürfte sich zumindest über Sound des Bradfield-Solos freuen. Akustisch mangelt es hier an Nichts. The Great Western ist zwar ein orchestrales, klanglich voluminöses Debüt-Album, das jedoch nicht künstlich aufgeblasen sondern vielmehr antreibend energetisch auf den Hörer einwirkt. Ein Debüt mit Tiefgang, mit ebensoviel Herz wie Verstand, das die songwriterischen Qualitäten James Dean Bradfields deutlich herausstellt. Einer der wohl schönsten Zufälle des Jahres.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 21. Juli 2006 Label: Red Ink (Rough Trade)
Website: www.jamesdeanbradfield.com Myspace: www.myspace.com/jamesdeanbradfield
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"The Next Big Thing"? Wieder einmal schicken die Engländer eine Band ins Renner, die den Rock 'n' Roll retten soll. Das ist ja nun nichts Neues. Coole Typen mit Lederjacken und einer stilechten Rock 'n' Roll-Attitüde, die plötzlich zu den Lieblingen des NME ernannt werden und genauso schnell wieder von der Bildfläche verschwunden sind. Wer soll da noch den Überblick behalten und die Guten von den Schlechten unterscheiden können.
The Rifles gehören auf jeden Fall zu den Guten und sind nicht nur ein müder Aufguss dessen, was wir bereits zu Genüge kennen. Natürlich lassen sich musikalische Einflüsse von Kollegen wie den Strokes, Razorlight oder The Libertines nicht leugnen, dennoch klingen The Rifles jung, frisch und unverbraucht. Mit ihrem Debüt-Album No Love Lost überzeugen die vier Londoner durch ihre Variation im Sound und ihr souveränes Songwriting. Die autobiographischen Texte reflektieren das Leben junger Heranwachsender in London. Musikalisch ist The Rifles ein verdammt gutes Rock 'n' Roll–Album gelungen, das mit Songs wie Local Boy, One Night Stand oder Peace & Quiet echte Knaller beinhaltet. Doch die Band schlägt auf No Love Lost auch ruhigere Töne an wie die wunderschöne Akustik-Ballade Spend a Lifetime oder When I'm alone. The Rifles erfinden mit No Love Lost das musikalische Rad natürlich nicht neu und werden auch mit Sicherheit nicht die neuen Retter des Rock 'n' Roll. Aber es ist schön zu sehen, dass der gute alte Rock 'n' Roll nicht vorm Aussterben bedroht ist, sondern durch Gitarrenbands der neuen Generation am Leben erhalten wird. Hey, hey, my, my, Rock 'n' Roll will never die...
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 14. Juli 2006 Label: Red Ink (Rough Trade)
Website: www.therifles.co.uk Myspace: www.myspace.com/therifles
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Das Cover erinnert an Alpenromantik und kitschige Heimatfilme: Kreisende Adler über Steilhängen, eine blütenprächtige Wiese, vor der sich ein Bergsee ausbreitet und ein zartblasser Regenbogen im Hintergrund. Eine leise Angst beschleicht mich, Samba könnten auf ihrem aktuellen Album Himmel für alle das Jodeln für sich entdeckt haben. Völlig unbegründet, wie der erste Durchlauf der Platte beweist. Samba haben nicht ihre Liebe zur Volksmusik entdeckt, nein, sie fabrizieren immer noch feinsten Gitarrenpop.
Himmel für alle - fast, könnte man meinen, die Herren von Samba wünschen dies ehrlich und mit Inbrunst jedem Einzelnen. Das nunmehr sechste Album der Band präsentiert sich von einer wunderbar locker-luftigen Seite. Fein gesponnene Songs, deren beschwingte Melodien dem Hörer das Gefühl vermitteln, in eine federleichte Indie-Pop-Wolke einzutauchen. Eine verspielte Mixtur aus Keyboardpassagen, Synthieloops und Gitarrensound. Die Tasten bedient im Übrigen Ramin Bijan (Die Türen), der sich neben Sänger Knut Stenert und Gast-Gitarrist/-Drummer Tobias Siebert (Delbo, Klez.e) als Mitproduzent des Albums verdient gemacht hat. Textlich sind Samba immer noch Samba: Verknüpfungen Stenertscher Gedankensplitter über Liebe, Sehnsucht, Zusammenhalt und Widerstand. Aussagen, wie "Wir sind ein Anfang und du der Beginn", "Wenn wir zusammen sind, können wir uns gut verlieren", "Liebe kommt zurück" oder "Es gibt für uns kein Denkmal, das kippt", die dem Hörer die Kernpunkte der Songs in aller Kürze verdeutlichen. Mal hoffnungsvoll und zielstrebig, mal nachdenklich und melancholisch.
Die meisten Bands liefern mit ihrem Debüt ihr absolutes Meisterstück ab. Zweit- oder Drittlingswerke werden von Kritikern oft als "gut, aber nicht so gut wie..." empfunden und ab der vierten Platte munkelt so mancher von müden Aufgüssen. Dass es auch Bands gibt, die sich konstant weiterentwickeln und erst in späteren Alben ihre eigene Charakteristik entfalten, zeigt Himmel für alle. Selten klang der Sound der Münsteraner so ausgereift, das Zusammenspiel von Melodien und Texten so harmonisch, wie auf dem sechsten Album der Band. "Wir sind wie ein neuer Anfang, der aus der Mitte hier beginnt" - keine Neudefinition sondern ein punktuelles sich Finden inmitten eines kontinuierlichen Entwicklungsprozesses. Samba sind Samba, jetzt und hier.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 14. Juli 2006 Label: Tapete (Indigo)
Website: www.samba-pop.de Myspace: www.myspace.com/sambapop
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Der ländliche Musikschuppen bittet erneut zum Tanz - oder, anders ausgedrückt - Dorfdisko präsentieren endlich ihr neues Album. Nach ihrem Debüt Viel zu stürmisch, viel zu laut befinden sich die Jungs nun Kurz vor Malmø. Und um es gleich vorneweg zu sagen: Leiser und ruhiger sind Dorfdisko auf ihrer Reise ins schöne Schweden definitiv nicht geworden.
So finden sich auch auf dem Zweitlingswerk kraftvolle Tracks mit Wut im Bauch. Dorfdisko thematisieren das Denken und Befinden Jungerwachsener. Identitätssuche in einer Gesellschaft, in der lange nicht alles stimmt. In der sich Millionen Fragen nach dem Status Quo auftun. Lebensentwürfe basteln, zerknüllen und wegwerfen, um wieder von vorne anzufangen - Origami für Anfänger. Die volle Breitseite der Kritik wird in Die Anderen deutlich. "In den Trümmern unsrer Werte brennt eine Glut/Wenn wir nichts mehr haben/Außer unsrer Wut/Macht nur weiter so/Wir werden nicht vergessen/Macht nur weiter so/Eines Tages schafft es jeder auszubrechen/Dann kommen die anderen". Ein Track, der nicht nur nach Protest, sondern fast nach einer Drohung klingt. Doch Dorfdisko können auch anders. Feinsinnige Texte über Freundschaft und Zusammengehörigkeitsgefühl finden sich beispielsweise auf dem Titeltrack Kurz vor Malmø, einem der besten Stücke des Albums. Ein streicheruntermalter Song, auf dem sich Suzie Klee gemeinsam mit Sänger Daniel das Mikro teilt. Einen ebenso melancholischen wie kuscheligen Abschluss des Ganzen bietet die Ballade Hilferuf, auf der die Kölner Band deutlich ruhigere Töne anschlägt. Nichts Stürmisches, nichts Lautes, aber dennoch ein Song, den man einfach nicht überhören kann.
Jungerwachsene, die kommen, um sich zu beschweren - wer erinnert sich da nicht an die wunderbaren Tocotronic? Diese jungen Herren hier formulieren es anders: Wir kommen um uns auszuleben. Und hier wird auch schon klar, dass Dorfdisko zwar Indie-Pop mit deutschen Texten fabrizieren, sich jedoch nicht ohne Weiteres in die Riege der Nachlassträger des altehrwürdigen HH-Schule-Vermächtnisses einreihen lassen. Dafür klingt Kurz vor Malmø in sich auch zu glatt geschliffen, ohne jene charmanten musikalischen Ecken und Kanten, die aus dem Sound der hanseatischen Lehranstalt nicht wegzudenken sind. Auf Hochglanz poliert wirkt auch die trotzigste Protesthaltung oftmals nur wie eine Pose, die der Vermarktung dient. Ein kleiner aber bitterer Wermutstropfen eines ansonsten gelungenen Albums.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 30. Juni 2006 Label: Motor (Edel)
Website: www.dorfdisko.net Myspace: www.myspace.com/dorfdisko
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Fertig, los! sind drei Jungs (Philipp, Raphi und Flo) und ein Mädel (Julia) aus München, die dieser Tage ihre Debüt-EP mit dem klangvollen Namen Den Westwind ernenn‘ ich zu meinem Friseur veröffentlicht haben. Ein Titel, der aus Ferdinand Raimunds Der Alpenkönig und der Menschenfeind stammt. Fünf emotionsgeladene Tracks mit großartigen Melodien, die textlich an Heroen der guten alten Hamburger Schule wie Bernd Begemann, Blumfeld oder die frühen Tocotronic erinnern. Wunderschöne Popmusik mit deutschen Texten über die Liebe und das Leben, die voller Poesie stecken.
Bereits im Opener Ich kann dich hören dreht sich alles um das Ende einer zwischenmenschlichen Beziehung. "Du bewegst dich weg, weit weg von hier / Ich kann dich hören, du stellst dich taub / Du hast genug, das hab ich auch." Sie ist in mich verliebt thematisiert unausgesprochene Gefühle. Das Aufeinandertreffen von zwei Menschen, die beide wissen, dass es da zwischen ihnen irgendetwas gibt, sei es Zuneigung, Sympathie oder Attraktion. Doch keiner von beiden ist in der Lage, es zu konkretisieren. "Und ein Lächeln hält, was ein Blick verspricht." Ich weine ist eine todtraurige Ballade, die das Scheitern des Protagonisten darstellt. Ein Song, bei dem man den Antihelden in die Arme schließen möchte, um ihm zu sagen: "Alles wird gut!" Ein Song zum mitweinen. Links, Rechts, Links ist der einzige Track der EP, der sich thematisch von den restlichen Stücken unterscheidet, denn dies ist der einzige Song, der politisch verstanden werden kann. Jedoch politisch, ohne einfach plakativ daherzukommen, sondern mit einer gewissen Wortgewandtheit. "Ein übler Verein will Aufmerksamkeit an einem Samstag im Mai."
Mit Den Westwind ernenn ich zu meinem Friseur ist Fertig, los! ein wunderbares Debüt gelungen. Und auch wenn dieser Tage der Musikmarkt von Indie-Pop-Bands mit deutschen Texten übersättigt wird, Fertig, los! gehören definitiv zur guten Seite! Also, hinhören und das richtige Team unterstützen!
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 30. Juni 2006 Label: Blickpunkt (Soulfood Music)
Website: www.fertiglos.com Myspace: www.myspace.com/fertiglos
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Es gibt Platten, die eine Art Grundstimmung transportieren, sei diese nun kopftechnisch intendiert oder aus dem Bauch raus provoziert. Zu eben diesen Tonträgern gehört auch A New Beginning. Jeder der fünf Tracks trägt Emotionalität in sich, die sich unterschiedlichsten Thematiken widerspiegelt, aber immer in intensivster Form auf das den Hörer einwirkt. Bauchgefühl in seinen verschiedensten Facetten.
Bereits 2004 ließ die Münchner Band Campus mit ihrem Debüt-Album Popular Music die Herzen der Indie-Pop-Fans und Kritiker gleichermaßen höherschlagen. Mit ihrer EP A New Beginning melden sich die fünf Münchner nun zurück. Ein Titel, der beim ersten Durchhören ein wenig tricky erscheint: Campus erfinden sich auf dieser Platte nicht neu, es gibt keinen kreativen Cut, der einen Neuanfang der Band signalisieren könnten; dennoch lässt sich die musikalische Weiterentwicklung einfach nicht überhören. Die Songs klingen ausgereifter, gewachsener - um die Floskel des "Erwachsenwerdens" bewusst zu vermeiden. Jedoch büßen die Tracks auf A New Beginning innerhalb dieses Entwicklungsprozesses nichts von der Tiefe und der bauchlastigen Intensität des Debüt-Albums ein.
So scheinen die Texte auf den wunderschön konzipierten Klangteppichen regelrecht zu schweben wie auf dem Titeltrack und Opener der EP. Daneben finden sich mit Running antreibende Tracks, deren hymnische Refrains sich ohrwurmartig im Kopf festsetzen. Das Highlight der Platte ist jedoch mit Sicherheit In the Streets, eine traurig-schöne Akustik-Nummer, die über das Finden und Verlieren, über das Festhalten und Loslassen innerhalb zwischenmenschlicher Beziehungen sinniert und den Hörer mit einem nachdenklichen Gesichtsausdruck in die Welt außerhalb A New Beginning entlässt, die letzten Klänge immer noch im Ohr oder im Herzen tragend. Wunderschön!
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 30. Juni 2006 Label: Blickpunkt (Soulfood Music)
Website: www.onthecampus.com Myspace: www.myspace.com/campusmusic
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Wohoo! Man sollte einen Warnaufkleber auf dieses Album packen: "Rocks as Hell!" Die Rede ist von III, der aktuellen LP der Bordells. 33 Minuten purer Rock, dass es einem die Schuhe auszieht.
Würde man MC5, Motörhead und die Stooges in einen riesigen Schmelztiegel werfen, um aus diesen Legenden eine neue Band zu gießen, herauskommen würden The Bordells. Dabei sei aber gleich vorneweg gesagt, dass es sich bei dem Sound der fünf Herren aus Wiesbaden nicht um eine Kopie irgendwelcher Ikonen handelt, sondern vielmehr um die kompromisslose Weiterführung eines in den späten 60ern/frühen 70ern entstandenen Klangbilds: Rock, Rock und nochmals Rock, Baby!
Ein unglaublich guter Sound, der den Hörer wegbläst, ohne nach Retro zu klingen, so dass man sich fragt, ob diese Band wirklich im Jahr 2005 in den Proberaum gegangen ist, um an diesem Album zu arbeiten oder ob es nicht eher 1975 gewesen ist. Mittendrin statt nur dabei.
Bereits der Opener Back to Hell zeigt sofort deutlich in welche Richtung der Sound der Bordells geht und rockt dem Hörer den Arsch weg. Krachige Gitarren und dazu die raue Stimme von Mäx Nink sorgen für einen Sound, dass die Wände nur so wackeln. Und genauso rockig ist jeder Song auf dem Album. Sad Song klingt alles andere als traurig, sondern nach purem 70s Rock, der sich sehen lassen kann. Fuckers erinnert tatsächlich ein wenig an das legendäre Ace of Spades von Motörhead, ohne aber eine billige Nachahmung des Klassikers zu sein.
Mit III schaffen es The Bordells die Vergangenheit wiederzubeleben und das mit einer enormen Energie, die den Hörer mitreißt. Der Hard-Rock ist tot - Es lebe der Hard-Rock!
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 19. Juni 2006 Label: FinestNoiseReleases (RADAR)
Website: www.thebordells.de
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2006, ein verregneter Frühling, ein Sommer, der auf sich warten lässt, während man grollend vor sich hin bibbert. Wer zumindest nicht auf die Sonne im Herzen verzichten möchte, der sollte sich Twelve Stops and Home von The Feeling zu Gemüte führen: Herrlicher Power-Pop, der die frierende Seele wärmt.
Ausgerechnet aus dem verregneten England erreicht uns dieser Tage eine wundervolle Pop-Scheibe, die dermaßen sonnig klingt, dass man die Gartenstühle auspacken möchte. Die fünf Jungs von The Feeling aus London und Sussex versprühen frischen Frühjahrscharm und das, wie der Bandname schon verspricht, mit Gefühl.
Die zwölf Tracks auf Twelve Stops and Home bestechen durch großartig verspielte Melodien. Und das auf eine kompakte Art und Weise, die jedem Zweifel über musikalische Mängel erhaben zu sein scheint. The Feeling fabrizieren lupenreinen Pop mit variierenden Arrangements. Mal zuckersüß verträumt wie auf der wunderschönen Ballade Rosé, mal pushend tanzaffin wie auf dem Opener I want you now. Den Brückenschlag dazwischen meistern bittersüße Songs wie Anyone oder Strange, Tracks, so bezaubernd schön wie ein melancholisches Lächeln, wie die nostalgisch entrückte Erinnerung an eine verflossene Liebe - Wehmut ohne Verbitterung. Eines der Highlights des Albums ist sicherlich Kettle's Son, dessen Hookline sich direkt im Hirn festsetzt, um dort seine Loops auf Heavy Rotation zu drehen. Kompositorischen Einfallsreichtum beweisen The Feeling darüber hinaus auf Helicopter, einem Track, der kurz vor dem Fade-Out mit rasanten Gitarrenriffs aufwartet. Abwechslung hoch zehn!
Twelve Stops and Home ist ein locker luftiges Debutalbum, das wie eine leichte Frühlingsbrise durch den Gehörgang direkt ins Herz weht und ein Lächeln auf dem Gesicht hinterlässt. Kurz: All das, was den Popfreund glücklich macht.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 02. Juni 2006 Label: Mercury (Universal)
Website: www.thefeeling.co.uk Myspace: www.myspace.com/thefeeling
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"Der größte Traum unseres Lebens war immer, eines Tages von unserer Musik leben zu können", so zitierte man Schlagzeuger Robert Birming nach der Veröffentlichung von Someone New dem Duett mit Heather Nova, das Eskobar endgültig zu Superstars nicht nur in Schweden machte. Dass Sänger Daniel Bellqvist, Gitarrist Frederik Zäll und Schlagzeuger Robert Birming von ihrer Melodiekunst noch einige Zeit leben werden, zeigt ihr neues Album Eskobar. Leider in Deutschland noch nicht erschienen, ist es vereinzelt als Import zu erhalten.
Mit großer Begeisterung stelle ich fest, dass die drei Schweden mit diesem Album Eskobar nahtlos an ihre letzte Platte A Thousand Last Chances anschließen. Die Platte sprudelt vor Popmelancholie, sodass man seinen Herzschmerz mal richtig ausleben kann. Der Sound der Platte erinnert sehr stark an ihr Debüt Album Til we're dead, oft roh und degradiert auf das Nötigste (Gesang, Gitarre und Schlagzeug). Die schöne ergreifende und prägende Stimme von Sänger Belquist in Verbindung mit ehrlichen Texten sorgt für eine unnachahmlich besinnliche Stimmung. Man kommt ins grübeln über sich und die Welt und über das was Belquist uns in kleinen musikalischen Gedichten erzählt.
Zehn an der Zahl sind für den Hörer zum Bewundern auf Eskobar bereitgestellt und jedes hat eine Länge zwischen 3.20 und 4.15 Minuten. Also klassische Single-Formate und zusammen mit den vielfältigen und eingängigen Melodien typisch für Eskobar. Jeder Titel malt einem einsame Landschaften und Orte zum Träumen in den Kopf. Dazu bedienen sich Eskobar z.T. vereinzelt zusätzlicher Instrumente wie einem Klavier, Streichern oder Hörnern, die allerdings nur prägnant und der Songstimmung passend eingebaut werden. So geht By your Side nach dem zweiten Refrain, wo man sonst ein Gitarrensolo erwartet hätte, durch dahin schwebende Hörner, die einem eine an die Gesangslinie angepasste Melodie ins Ohr zaubern, noch eine Idee weiter auf.
Kurzum Eskobar haben sich auf ihre wirklichen Fähigkeiten besonnen und zu ihren Wurzeln zurückgefunden. Bleibt zu hoffen, dass auch Konzerte mit Chören vom Band, die dann die Gitarristen durch falschen Einsatz enthüllen, der Vergangenheit angehören und sie ihre einfach arrangierten Songs genauso performen wie sie sind, ehrlich.
Review: Tobias Basse
Erscheinungsdatum: 29. Mai 2006 Label: Import
Website: www.eskobar.com Myspace: www.myspace.com/officialeskobar
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Fallen Penny, das ist die deutsch-englische Freundschaft bestehend aus den beiden Engländern Matt Duddles (Vocals/Gitarre) und Mark Weaver (Bass) und den beiden Deutschen Florian Abderhalden (Gitarre) und Thorsden Marschner (Schlagzeug). Mit Too Busy Waiting ist den vier Jungs aus Köln ein fantastisches Debüt-Album gelungen, dass sensibel und vertraut klingt. Eingängige Songs mit Ohrwurmcharakter, mit denen sich die Jungs von der Ohrmuschel direkt ins Herz eines jeden Indie-Liebhabers rocken. Impulsive Gitarrensounds, wunderschöne Melodien und fantastische Lyrics, vorgetragen von der schönen Stimme von Matt Duddles. Der Sound erinnert an den guten alten Indie-Rock der 90er Jahre. Deutlich spiegeln sich hier die Einflüsse von vielleicht schon längst in Vergessenheit geratenen Bands wie Counting Crows, Gin Blossoms oder Live wider.
Auf dem Album reiht sich eine Indie-Hit-Perle an die andere. Angefangen mit dem rockigen Take a Bow über das melodische Turn the Light on bis hin zu dem ruhigen See no Evil. Absolutes Highlight des Albums ist zweifelsohne Dead Stones, Old Bones. Ein sehr energetischer Song mit einer enormen Emotionalität, der beim Hören eine Gänsehaut verursacht. Hier harmonieren die kompositorischen Arrangements und die Lyrics perfekt miteinander. Als Bonus gibt es neben den 12 Songs auf dem Album noch den Videoclip zu Dead Stones, Old Bones.
Mit Too Busy Waiting ist es Fallen Penny gelungen, den guten alten Indie-Rock frisch und wiederbelebt klingen zu lassen. Ein Album, dass jeden Indie-Liebhaber glücklich macht und in Erinnerungen an längst vergangene Zeiten schwelgen lässt. Wunderbar!
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 22. Mai 2006 Label: Lockjaw Records (Plastichead)
Website: www.fallenpenny.com Myspace: www.myspace.com/fallenpenny
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Hinter Monkeeman steckt Songwriter und Gitarrist Ralf Lübke, der in der Musik-Szene längst kein unbeschriebenes Blatt mehr ist. Bereits in den 90er Jahren musizierte er erfolgreich mit seiner damaligen Band The Color Red, mit der er Supportshows für Fury in the Slaughterhouse spielte. Anschließend etablierte er sich als Songwriter und Studiomusiker für Größen wie Elton John, Jimmy Sommerville, Lemonbabies, Rosenstolz, Bela B. und Patricia Kaas.
Nun begibt sich Ralf Lübke alias Monkeeman auf Solopfade und hat gerade sein zweites Studioalbum Monkeeman veröffentlicht. Erschienen ist das Album auf dem amerikanischen Label Not Lame Records, wo die Erstauflage bereits nach 24 Stunden ausverkauft war. Als Produzent hat sich Monkeeman niemand geringeres als den Echo-Gewinner Patrik Majer ins Boot geholt.
Monkeeman bewegt sich auf den Pfaden von alten Helden wie The Jam, The Clash, Small Faces oder The Kinks und danach klingt auch seine Musik, nach dem britischen Sound der Vergangenheit.
11 Songperlen feinster britischer Gitarrensound finden sich auf dem Album, die den Hörer in Erinnerungen an längst vergangene Zeiten schwelgen lassen. Wunderbar komponierte Melodien, die poppig und eingängig daherkommen, ohne langweilig zu wirken. Im Gegenteil, das Album bietet eine abwechslungsreiche Reise durch eine leicht melancholisch angehauchte Klangwelt. Textlich erzählt Monkeeman Geschichten, die das Leben schreibt. Zu den Highlights des Albums gehören definitiv Tracks wie Glad that you love me, The only road I know und der Opener Moving in Circles. Dieser Song schaffte beim US Internet Radio Engage bereits den Sprung auf die Poleposition.
Hierzulande ist das Album leider unveröffentlicht. Bleibt zu hoffen, dass Deutschland die Augen und Ohren aufmacht und erkennt, welches enormes Potential in Monkeeman steckt. Das Ausland ist uns da bereits einen Schritt voraus!
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 12. Mai 2006 Label: Not Lame Records (Import)
Website: www.monkeeman.de Myspace: www.myspace.com/monkeemanmusic
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No, it's really never been like that... Mit ihrem vierten in Berlin produzierten Album haben sich die charmanten Franzosen selbst übertroffen! Thomas Mars (Gesang), Christian Mazzalai (Gitarre), Laurent Brancowitz (Gitarre) sowie Deck D'Arcy (Bass) ist es gelungen, wunderbare Arrangements und schöne, die Texte perfekt unterstreichende, Melodien zu kreieren.
Mit der ersten Singleauskopplung Long Distance Call (05.05.2006) hätte man förmlich den Frühling heraufbeschwören können, statt dessen gab es vor dem momentanen Herbsteinbruch ein Sommerintermezzo. Für den Frühlingsstart eignet sich auf jeden Fall jeder andere Track auf It's Never Been Like That, da diese Produktion es selbst dem kritischsten Musikjournalisten beinahe unmöglich macht, einzelne Songs hervorzuheben oder abzuwerten. Hier hat man es mit einem formvollendeten Gesamtwerk zu tun. Dabei kommt dem Album besonders das Abrücken von einer allzu glatten Produktion zugute, wie es noch bei dem Vorgänger-Studio-Album Alphabetical (2004) der Fall gewesen war, bei dem man auch getrost hätte annehmen können, dass gar keine echten Instrumente im Einsatz gewesen sind. Glücklicherweise haben Phoenix die Hörer anhand von Live-Auftritten vom Gegenteil überzeugen können.
Hinsichtlich ihres Neuwerks müssten sie einen Beweis eigentlich nicht antreten, da nun jedem Instrument der ihm gebührende Platz gewährt wurde. Da ist es doch umso schöner zu wissen, dass Phoenix einige anstehende Festivals mit ihrer Musik bereichern werden. Und bis dahin kann man sich ja die Tage des Wartens mit der Studioversion vertreiben!
Review: Michaela Wicher
Erscheinungsdatum: 12. Mai 2006 Label: Virgin Fra (EMI)
Website: www.wearephoenix.com Myspace: www.myspace.com/wearephoenix
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Zwei Jahre Zeit haben sich die Herren Gerald und Florian bis zur Veröffentlichung ihres Neuwerkes genommen. Und was ist dabei rausgekommen?
Näher am Menschen kann zunächst einmal als Anschluss an das Debüt-Album Die ganze Kraft einer Kultur charakterisiert werden: Die MTK setzt erneut auf die unverkennbare Komposition von Broken Beats, Stromgitarren und Hip Hop-Elementen und sieht zurecht noch längst keinen Anlass für ein Ende an der Gesellschaftskritik, was der erste Track Bild Dir deine Meinung unmissverständlich zum Ausdruck bringt. Die Meinung als Kommunikationsstruktur, die sich vor allem durch die Ablösung von Wahrhaftigkeit und Authentizität hin zu nicht nur deren Unterstellung sondern insbesondere zur unreflexiven Akzeptanz auszeichnet. Autonome Denkstrukturen rücken gefährlich weit in den Hintergrund; das eigene Meinen orientiert sich am Meinen, was andere über das Meinen anderer meinen, was man meint. Als "schuldig" befindet die MTK nicht ausschließlich das Mediensystem, sondern sieht die Verantwortung auf allen Ebenen, also auch beim Einzelnen, angesiedelt.
Mit dieser Beobachtungsweise bleiben Gerald und Florian nicht auf dem Stand von 2004, sondern beweisen mit detailgenaueren und persönlicheren Texten zu Themen wie Rücksichtslosigkeit, Abzockermentalität und Arroganz, dass sich die zweijährige Wartezeit gelohnt hat. Die kickqualitative Aura der MTK vermag das Album dennoch nicht so gut zu präsentieren, wie die legendären Live-Auftritte. Also unbedingt hin! Die Tour hat am 23. April begonnen.
Review: Michaela Wicher
Erscheinungsdatum: 05. Mai 2006 Label: Mute (EMI)
Website: www.mediengruppe-telekommander.de Myspace: www.myspace.com/mediengruppetelekommander
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Woah! Fast erscheint es gewagt, im Wonnemonat Mai ein Album zu veröffentlichen, dass in seiner Düsterheit und Schwere an nebeldurchdrängte Novembertage erinnert. Ein Sonnenschein ist Android Love Caravan mit Sicherheit nicht. Aber wer sagt denn eigentlich, dass man nicht auch im Sommer melancholisch sein darf?!
Eines werden sich die österreichischen Android Love Caravan mit ihrem selbstbetitelten Debutalbum mit Sicherheit nicht nachsagen lassen können: Den Vorwurf der Eingängigkeit. Im Gegenteil, Android Love Caravan ist ein Album, das durch seine düster-melancholische Grundstimmung definitiv gewöhnungsbedürftig ist. Das wiederholte Reinhören lohnt sich dennoch. Android Love Caravan bewegen sich irgendwo zwischen Indie-Pop und New Wave, zwischen Synthiesound und Gitarrenriffs, die gespickt sind mit leichten Elektro-Einflüssen. Eine stilistische Symbiose, die das Autarke des Sounds darstellt. Zentrales Gestaltungsmittel der Songs stellt die eindringliche aber stets monotone Stimme Markus Weitgassers dar, die mal über dem Sound zu schweben, mal diesen zu durchdringen scheint, jedoch stets im Einklang mit der musikalischen Komposition steht. Interessant gestaltet sich das Aufeinandertreffen der monotonen Vocals und melodiös gestalteten Riffs bei No Happy, einem Song, der wohl wie kein anderer des Albums die Vielschichtigkeit von Adroid Love Caravan repräsentiert.
Mit Android Love Caravan haben Markus Weitgasser (Vocals), Andreas Hörlsberger (Bass), Matthias Schurz (Keyboards, Synthesizer) und Nicki Tiefenbacher (Drums) ein mit Sicherheit polarisierendes Debut kreiert, das in seiner leichten Schwerfälligkeit passagenweise an Heroen wie Joy Division, Nick Cave oder The Doors erinnert. Egal, was die skeptischen Kritiker oder die kritischen Skeptiker der Musikwelt über dieses Album sagen werden, das Reinhören und sich selbst eine Meinung bilden, lohnt sich in jedem Fall.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 02. Mai 2006 Label: Scream Records (Huge Music)
Website: www.androidlovecaravan.com
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Mit Good Grief veröffentlicht der Singer/Songwriter James Apollo dieser Tage sein drittes Solo-Album. Ein Drittlingswerk, das es in sich hat.
Fast kann man die klebrige biergeschwängerte Luft eines Saloons im 19. Jahrhundert riechen: Good Grief ist ein countryeskes Album, dass passagenweise an den Sountrack zu Jim Jarmuschs Dead Man erinnert. Allerdings geht James Apollo mit seinen Kompositionen weit über ein nettes middle-west-country-Album hinaus: Der durch den Titel demonstrierte Antagonismus zieht sich wie ein roter Faden durch das komplette Album. Good Grief geprägt von Brüchen, von Gegensätzen und deren unausweichlichem Zusammenspiel. Ambivalenz pur.
Ausgefeilte Gitarrenriffs, durchdachte Kompositionen, die dem Album eine gewisse Kopflastigkeit verleihen, divergieren zu der intensiven Stimme Apollos, die den Leser direkt in der Magengrube erwischt. Desillusionierte melancholische Texte werden zum Teil durch derart locker-leichte Melodien getragen, dass man glaubt, ein Lob-Lied über die Liebe zu hören und nicht über deren Ende. Und auch in der Vielfalt musikalischer Einflüsse variiert Good Grief. Die countryeske Basis der Kompositionen vermischt James Apollo mit lateinamerikanischen Elementen wie Tango (Mercehary Tango), Rumba (Three Birds) oder Salsa (Slow Burn). Dieses Wechselspiel spiegelt sich auch in den rhythmischen Variationen des Albums wieder. So wird der ruhige, fast schwere Sound auf The Alamo, einem der Highlights des Albums, durch den beinah abrupt wirkenden Einsatz des Schlagzeugs durchbrochen. Faszinierend gestaltet ist die Ballade Long Rope, die durch den minimalistischen Einsatz der Gitarre fast gänzlich Apollos Vocals getragen wird.
Wem das jetzt alles ein bisschen zu konfus klingt: Gewöhnungsbedürftig ist Good Grief durch seine Gegensätzlichkeit und variierende Songgestaltung sicherlich. Allerdings lebt dieses Album gerade von seinen immanenten Brüchen. Dieser spezielle Charakter schafft es, dass der Hörer auch beim achten Durchlauf der Platte noch immer etwas Neues an dem Album entdecken kann, man muss sich nur darauf einlassen. Und das lohnt sich bei Good Grief allemal.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 24.April 2006 Label: Aquarium Records (Radar)
Website: www.jamesapollo.com
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Zwei Jahre ist es her, dass Morrissey, Ex-Sänger der legendären The Smiths und Pate des Brit-Pop, mit seinem Album You Are The Quarry ein eindrucksvolles Comeback gelang. Dementsprechend groß sind die Erwartungen an den Nachfolger Ringleader of the Tormentors, der dieser Tage im einschlägigen Handel erhältlich ist.
Ja, das waren noch Zeiten, in denen der gute Morrissey brillant-zynische Songs wie There's a Light that never goes out oder Panic mit einem Enthusiasmus in die Welt hinausschleuderte, dass man ihm fast glaubte, er wolle wirklich bei einem Autounfall neben seiner Liebsten sterben oder den unseligen DJ am nächsten Baum aufknüpfen. Gepriesen seien die guten alten Smiths-Zeiten!
Zurück in die Gegenwart: Mit Ringleader of the Tormentors präsentiert Morrissey das mittlerweile achte Studioalbum seiner Solokarriere. Produzent der Platte ist niemand geringeres als Toni Visconti, der unter anderem auch schon mit Künstlern wie T-Rex und David Bowie zusammengearbeitet hat. Gepaart mit Morrisseys langjähriger musikalischer Erfahrung ist dabei ein Album entstanden, das trotz seiner Professionalität ungeheuer energetisch wirkt, ohne zu glatt zu klingen. So entsteht durch den ausgefeilten Wechsel der kompositorischen Struktur innerhalb der Songs und der temporären Unterschiede zwischen den Tracks ein rundes Gesamtwerk, das den Hörer durchaus überzeugt.
Textlich ist Morrissey seiner Linie treu geblieben. So handeln seine Songs noch immer von den wichtigen, den gravierenden Dingen im Leben: Liebe und Tod. Es finden sich Titel auf dem Album, die dem textlichen Kontent geradezu Tribut zollen, wie You have killed me, ein Morrissey-Klassiker mit grandioser Hookline, die sich im Kopf geradezu festsetzt oder The Father who must be killed. Daneben hat der Brite wieder mal wunderschöne Balladen im Gepäck wie Dear God please help me, in die man beim Hören der Platte eintaucht und versinkt.
Ringleader of the Tormentors bietet das, was man von Morrissey erwartet: Melodien zum Niederknien, intelligente ironiegeprägte Texte und über allem schwebt diese herrlich beruhigende, manchmal fast zerbrechlich wirkende Stimme. I‘ll never be anybody‘s Hero lautet der Titel eines Tracks - Sehr geehrter Herr Morrissey, meiner sind Sie definitiv!
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 07. April 2006 Label: Sanctuary (Rough Trade)
Website: www.morrisseymusic.com Myspace: www.myspace.com/morrissey
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Oha! Wenn das keine Retrospektive auf die 80's ist! Bei den ersten Akkorden des Sinbeats-Openers Down The Line schmeißt man quasi den Fluxkompensator des De Lorean an und landet in Zeiten, in denen auf Klassenparties The Killing Moon fünf mal am Abend gespielt wurde und man sich zu Lovesong eng an den Jugendschwarm kuschelte.
Die Soundaffinität zu vergangenen Zeiten wundert nicht, wenn man bedenkt, dass sich die Sinbeats bereits 1990 gegründet haben. Seit April letzten Jahres als Quartett unterwegs, haben die Frankfurter mit ihrem dritten Longplayer Sinbeats ein Album veröffentlicht, auf dem sie sich durch wavelastigen Indie-Rock schrauben und dabei passagenweise an The Chameleons oder Nick Cave And The Bad Seeds erinnern. Schwermütig, düster - und dennoch oder gerade deshalb faszinierend. Eine energetische Form der Melancholie. Was The Cure über zwölf Alben hinweg schaffen, funktioniert bei den Sinbeats leider nur bei einigen Tracks. Down The Line, Farewell oder Bury My Heart sind Highlights eines ansonsten eher schwerfälligen Albums. Ob dies nun an der Düsterheit der Songs liegt, die nicht so ganz zum Sonnenschein vorm Fenster passen will oder an der sich nach und nach einschleichenden Monotonie, sei dahin gestellt. Letztere zieht den Hörer nach einer knappen Stunde nämlich noch mehr runter, als der lamentierende Gesang und die bleischweren Gitarrenbretter.
Das selbstbetitelte Album der Sinbeats ist sicherlich nichts für jedermann. Wer's allerdings ein wenig düsterer mag, der dürfte zumindest bis zur Hälfte des Longplayers auf seine Kosten kommen.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 07. April 2006 Label: Finest Noise (CMS)
Website: www.sinbeats.net Myspace: www.myspace.com/sinbeats
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Palestar haben mit Mind the Landscapes ein grandioses Debüt-Album hingelegt. Ursprünglich hatte das Quartett aus Leipzig das Album aus eigener Tasche finanziert und galt lange Zeit als "eine der besten deutschen Bands ohne Plattenvertrag". Letztendlich ist das Album dann doch auf dem Label "Mi Amante" erschienen.
Mind the Landscapes enthält 12 Songs mit Tiefgang, voll gepackt mit Melancholie und Pathos. Palestar schaffen es mit hervorragenden Arrangements und ausdrucksstarken Lyrics gefühlvolle Songs zu kreieren, die den Hörer fesseln. Songs, die einen nicht mehr loslassen, die den ganzen Weltschmerz in sich vereinen und den Hörer mitleiden lassen.
Gleich am Anfang des Albums steht der instrumentale Titeltrack, der schließlich in #1069 übergeht, ohne dass der Hörer es merkt. Und schon ist man mittendrin und taucht ein in die Atmosphäre, die durch die großartigen Melodien, getragen von Patrick Sudarskis wunderbarem Gesang, erzeugt wird. Packende Songs mit einer gewaltigen Sensibilität wie beispielsweise die wundervolle Ballade Berlin is for Heros, die jede Pore des Musikliebhabers durchdringt und sich im Herzen festsetzt. An Abwechslungsreichtum mangelt es auf Mind the Landscapes auf gar keinen Fall, denn die schwermütig klingenden Songs werden perfekt durch lockere Popsongs mit eingängigen Refrains wie Drowned in a Bathtub und Siberian Fog oder der rockigen Nummer Motor Homes ergänzt. Einen perfekten Abschluss des Gesamtwerks schaffen Palestar mit der anderthalbminütigen Akustik-Ballade Thought Police. Herz was willst du mehr! Mind the Landscapes ist ein dynamisches und energiegeladenes Album mit großen Emotionen, das uns deutlich vor Augen führt, welches enorme Potential bei Palestar vorherrscht. Großartige Songs von einer großartigen Band!
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 31. März 2006 Label: Mi Amante (Cargo Records)
Website: www.palestar.de Myspace: www.myspace.com/palestar
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Feinsten Gitarrenpop aus Österreich liefern dieser Tage [wa:rum] mit ihrem zweiten Album bilingual und gleich vorneweg geschickt: Der Name ist Programm. Bilingual verwöhnt den Hörer sowohl mit englisch- als auch deutschsprachigen Tracks.
Das Trio bestehend aus Bernhard Eder (Gesang, Gitarre), Stefan Kästner (Bass) und Andreas Raab (Gitarre) hat sich bewusst für die Zweisprachigkeit entschieden. Und bevor nun die leidige Diskussion entsteht, inwiefern man sich als Band doch für eine der beiden Alternativen entscheiden sollte - eben diese Kombination macht die Faszination von bilingual aus. Durch den Wechsel wird eine Spannung innerhalb des Albums erzeugt, ein Bruch oder eine Lücke, die [wa:rum] durch ihre Konsequenz in der musikalischen Komposition sofort wieder schließen.
Das Ganze ist weniger paradox, als es sich anhört. Bilingual besticht durch die intelligente Konstruktion der Texte, die insbesondere bei den deutschsprachigen Tracks eine absorbierende Intensität entwickeln und bei Songs wie Sonntäglich oder Sensibel gleichermaßen faszinieren wie nachdenklich stimmen. Dem gegenüber stehen englischsprachige Kompositionen, die durch musikalische Vielfalt bestechen und den individuellen Gesang Eders wunderbar tragen. Auch hier überzeugt [wa:rum] durch Abwechslung und Ideenreichtum. Rockig-gitarrenlastige Stücke wie Superman kontrastieren zu wunderschönen ruhigen Tönen, wie sie das Trio beispielsweise bei Adore anschlägt und präsentieren die gesamte musikalische Bandbreite von [wa:rum].
Mit bilingual ist [wa:rum] ein wunderbar abwechslungsreiches Album gelungen, dass es schafft, die unterschiedlichsten Stimmungen zu erzeugen: Von Tatendrang gekrönter Euphorie bis hin zu nachdenklich-lethargischer Ernüchterung. Ein Album, dass in keiner gut sortierten Plattensammlung fehlen sollte.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 20. März 2006 Label: FinestNoiseReleases (RADAR)
Website: www.warum.at Myspace: www.myspace.com/warummusic
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Die Regensburger Band Rocket Uppercut hat gemeinsam mit The Spells aus Birmingham eine 7"-Split-Single auf Vinyl herausgebracht, die auf dem britischen Label "Leaving Home Records" erschienen ist. Zwei Songs gibt es von jeder Band zu hören.
Den Anfang machen zunächst The Spells, die musikalisch an Bands wie Sleeper oder Echobelly erinnern. Der erste Song Witness ist eine wunderschöne ruhige Indie-Pop-Nummer im klassischen Stil der 90er Jahre. So wie auch das darauf folgende Spell, das jedoch wesentlich flotter und lockerer daher kommt. Getragen werden beide Songs von der sanften Stimme von Ilona Burton.
Es folgen The Arrival und Smashing on love von Rocket Uppercut. Beide Songs differenzieren sich musikalisch deutlich von den beiden vorherigen Tracks der Split-Single. Hier bekommt der Hörer treibenden, rotzigen Indie-Rock-Sound zum Mitrocken geboten. Beide Songs sind sehr energiegeladen und überzeugen durch lauten Gitarrensound, der durch die ausdrucksstarke Stimme von Frontfrau Bianca Haslbeck angetrieben wird.
Diese Split-Single bietet einen abwechslungsreichen Sound und ist Freunden der guten Indie-Musik auf jeden Fall sehr zu empfehlen. Die Auflage ist allerdings auf 200 Stück limitiert. Also, schnell eins der Schätzchen sichern!
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 20. März 2006 Label: Leaving Home Records (Import)
Website: www.rocket-uppercut.de Myspace: www.myspace.com/rocketuppercutmusic www.myspace.com/thespellsuk
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Tja, wer hätte gedacht, dass ausgerechnet ehemalige Bon Jovi- Fans mal ein richtungweisendes Album an den Start bringen würden? Für das Jahr 2006 kann mit Recht verlautbart werden, dass dies Chris, Keith und Michael, die We Are Scientists bilden, mit dem Album With Love And Squalor gelungen ist! In der Ära des (noch) nicht abebbenden Neo-Post-Punk-New-Wave-Indie-whatever-Hypes, der eine enorme Flut an Strokes-esken Bands ans Ufer spült, würde man der Band nicht gerecht, sie in einem Atemzug mit den so bezeichneten THE-BANDS zu nennen (was übrigens auch für einige andere dieses Genres gilt).
We Are Scientists setzen sich textlich und musikalisch ab, ohne für das sensible Indie-Ohr befremdlich zu klingen. Die Songs der drei experimentierfreudigen Ex-Kommilitonen aus dem Sunshine State Kalifornien zeichnen sich durch einen gelungenen Einsatz von Kontradiktionen aus, die melodisch auch noch in perfekter Manier unterlegt worden sind, was – neben dem Umzug nach New York im Jahr 2001 – wahrscheinlich in erster Linie das Resultat der ungewöhnlichen Arbeitsweise hin zum fertigen Song sein könnte: Die unterschiedlichen Interessen der Bandmitglieder gipfeln nicht in Chaos. Das Mitspracherecht eines jeden erfordert jedoch ein hohes Maß an Durchhaltevermögen. Letztendlich betrachten We Are Scientists diese Art der Songentstehung als kolossal hilfreich, was ihr Album eindeutig belegt.
In einigen Songs wiederfinden werden sich diejenigen, deren Leben zuweilen Exzesse impliziert und denen im Widerspruch zueinander stehende Vorhaben und Ausführungen nicht unbekannt sind. Den "Bodenständigeren" bietet With Love and Squalor die Gelegenheit, sich wenigstens einmal eine Vorstellung vom Innenleben Letzterer zu machen. Es wird sich vorbehalten, detailliert auf die Songs einzugehen. Indes sei versprochen, dass die Mühe der aufmerksamen Rezeption dieses Albums absolut lohnenswert ist.
Und, abgesehen davon, wer möchte sich denn bitteschön nicht zu dem Kreis derjenigen zählen, welche We Are Scientists als "Lucid, discerning people with amazing taste and salacious physiques" (Platteninfo/Virgin Music) charakterisieren?!!
Review: Michaela Wicher
Erscheinungsdatum: 03. März 2006 Label: Virgin (EMI)
Website: www.wearescientists.com Myspace: www.myspace.com/wearescientists
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Die deutsche Antwort auf Football´s coming home kommt aus keiner geringeren Stadt als dem schönen Haltern am See. Rechtzeitig zur WM begeistern uns die fünf Jungs von Helter Skelter mit ihrer EP Football Songs / I believe I´m believing. Helter Skelter bewegen sich musikalisch auf britischem Terrain. Und das mit Treffsicherheit und Selbstbewusstsein, wie Becks in alten ManU-Zeiten.
Bereits mit ihrem Opener und Titeltrack der EP zeigen die fünf Jungs, dass sie die Regionalliga hinter sich gelassen haben. Football Songs überzeugt mit antreibendem Stadioncharakter. Eine Mischung aus Cigarettes & Alcohol meets Football´s coming home. Das passende Stück, um mit Freunden zu feiern, ein kühles Blondes in der linken, die Zigarette in der rechten Hand. Spätestens nach dem dritten Bier kommt man nicht umhin, den Refrain lauthals mit zu schmettern. Die Innovation in Altbewährtem entdecken Helter Skelter bei T in the Park. Hier drängt sich die Affinität zu Oasis, den Beatles und den Beach Boys gerade zu in die rezensierende Ohrmuschel. Garniert wird das Ganze mit dem Oskar Wilde Zitat "talent borrows, genius steals". Der Track ist dermaßen gespickt mit textlichen und musikalischen Anleihen, dass sich die Frage aufdrängt, ob es sich hierbei um eine Hommage oder puren Zynismus handelt. Eine Watsche für all diejenigen, die die fünf Musiker immer noch als Epigonen-Band bezeichnen, die über die Imitation ihrer Idole nicht hinauszuwachsen vermag. Dass Helter Skelter mehr sind, als kleine Jungs, die gern ihre Vorbilder kopieren, beweist I believe I´m believing. Der Midtempo-Track, der durch wunderschöne Streicherarrangements besticht, ist eindeutig das Highlight der gesamten Platte und zeigt deutlich das Potential der Band, Autonomie zu erschaffen. Als Schmankerl befindet sich das Video dazu als Quicktime- sowie RealPlayer-Version auf der EP. Abgerundet wird das Ganze durch R.M.X. 3000, der von Tommy Finke elektronisierten Version von O.S.T 3000, das bereits auf der EP Caroline aus dem Jahr 2004 zu finden ist. Mit Football Songs / I believe I´m believing ist Helter Skelter dem Aufstieg in die erste Liga ein großes Stück näher gekommen und vielleicht gereicht es ja irgendwann zur (Pop)Meisterschaft.
Ansonsten: Der Siegestreffer fällt in der Verlängerung. Wir werden Weltmeister 2006. Alles wird gut. "I believe I´m believing..."
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 06. März 2006 Label: Helter Skelter Music (Broken Silence)
Website: www.helterskelter.de Myspace: www.myspace.com/ost3000
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Indierock Elbaufwärts, so bezeichnet die Magdeburger Band 14tägig anders das Resultat ihres musikalischen Schaffens. Dabei gesteht sie eine gewisse Nähe zur Hamburger Schule durchaus ein, distanziert sich aber gleichsam mit dem Argument "dass man nie zweimal in den gleichen Fluss steigen" könne. Aussagekräftige Texte sollen im Vordergrund stehen und die Musik sich in Bereichen fern des deutschen Pop, der Kommerzmaschinerie abspielen.
Leider halten Tino (Schlagzeug), Stephan (Bass), Mirko (Gitarre) und Björn (Gesang/Gitarre) letzten Endes selbige Behauptungen nicht ein. Das zeigt sich in ihrem Album kilomeilenweit. Hier herrscht eher Nähe zu als Abgrenzung von Hamburgs wohlbekannten Klängen vor, was im Grunde gar nicht schlimm wäre... Es erweckt den Anschein, als wolle die Band nicht wie Tomte klingen, tut sie aber. Und was die Aussagekraft der Texte betrifft, hat sie sich wohl ein bisschen weit aus dem Fenster gelehnt. Denn das, was die Hamburger Schule gerade ausmacht, ist der spielerische und insbesondere authentische Umgang mit der deutschen Sprache. Diese Merkmale sucht man bei 14tägig anders, bis auf das Wortspiel im gleichnamigen Track kilomeilenweit, so gut wie vergeblich. Reminiszenzen an die 68er erscheinen hier fehl am Platz, da die Identifikationsplattform dafür längst nicht mehr tragfähig ist. Da helfen auch keine tocotronischen Worthülsen, wie "Vernunft", um die Texte glaubhaft zu wirken zu lassen.
Der Versuch der Aufmerksamkeitserregung durch eine vermeintlich eigene Interpretation der Hamburger Schule scheitert. 14tägig anders plätschern dann doch eher Elbabwärts vor sich hin. Aber wer weiß, vielleicht sieht das ja in zwei Wochen schon wieder anders aus?!
Review: Michaela Wicher
Erscheinungsdatum: März 2006 Label: Confidence Records
Website: www.14taegiganders.de Myspace: www.myspace.com/14taegiganders
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"Welcome to planet sexor, where imagination rules the nation" – damit führt der Kanadier Tiga den Hörer in seine Fantasiewelt ein. Was darunter zu verstehen ist, offenbart Tiga mit seinem Debüt-Album Sexor. Wer Club-Kracher à la Sunglasses at night erwartet, wird nicht enttäuscht. Doch Tiga wagt sich weiter, indem er mit Abwechslungsreichtum überrascht: Mit dem durch eine relaxte Attitüde geprägtem Track (Far From) Home gelingt ihm schon mal ein nahtloser Übergang. Doch keine Bange, es droht keinesfalls Einschlafgefahr, da das Album mit You Gonna Want Me einen Gang höher schaltet. Tigas Affinität zum 80er Jahre Pop zeigt sich mit High School / Jamaican Boa, bevor es "back to fat basses" heißt: Dafür stehen die der Club-Szene bestens bekannten Kracher Louder than a bomb sowie Pleasure from the bass. Dazu muss man einfach tanzen – auch in den eigenen vier Wänden! Who's that bildet den Höhepunkt an harten Beats, deren Abklingen mit dem Track Down in it, wo Tiga dunkle Klänge mit seiner Popstimme vereint, eingeleitet und durch The Ballad of Sexor ergänzt wird. Mit Good as gold geht's dann euphorisch wieder zurück auf das Tanzparkett, bevor die letzten Tracks des Albums einen gelungenen, da beatgeladenen Ausklang bilden, der Lust auf mehr macht!
Review: Michaela Wicher
Erscheinungsdatum: 03. Februar 2006 Label: Pias (Rough Trade)
Website: www.tiga.ca Myspace: www.myspace.com/officialtiga
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Wenn man eine Platte zum ersten Mal hört, ist es für jeden Musiknerd ein Erlebnis, das einzigartig ist. Es ist wie der erste Schultag, die erste Liebe oder der erste Kuss. Es ist ein Erlebnis, das man immer in Erinnerung behält und das nie wieder zurückkehrt. Man ist nervös und gespannt zu gleich und voller großer Erwartungen. Wenn dann die ersten Töne erklingen und alle Erwartungen erfüllt werden, ist es der glücklichste Moment, der einem widerfährt.
Doch wenn es sich um eine Platte handelt, dessen Vorgänger ein absolutes Meisterwerk war, ein Album, mit dem eine Band wie Tomte ihren musikalischen Höhepunkt erreicht haben, ist die Spannung noch größer. Was, wenn Buchstaben über der Stadt nicht den Ansprüchen gerecht wird, ein würdiger Nachfolger von Hinter all diesen Fenstern zu sein? Mit zitternder Hand nimmt man die Platte aus der Hülle, legt sie auf den Plattenteller und setzt die Nadel auf. Und bereits nach den ersten Tönen und den ersten Worten, weiß man, dass alle Zweifel unberechtigt sind, denn die wunderschönen Lieder manifestieren sich so im Ohr, dass man sie für immer behalten möchte. Man möchte jeden einzelnen Ton und jedes einzelne Wort in sich einsaugen, den Hörer in die Hand nehmen, seine Freunde anrufen und ihnen mitteilen, dass man gerade das wohl genialste Stück Musik in den Händen hält, das die Band jemals gemacht hat. So unbeschreiblich schön ist dieses Album.
Buchstaben über der Stadt ist wie ein Buch über das Leben, die Liebe und die Musik, das einen von der ersten bis zur letzten Seite fesselt. Es beginnt mit einem der schönsten Liebesliedern der Welt Ich sang die ganze Zeit von dir, welches mit der Zeile "Manche singen von Liebe, ich sang die ganze Zeit von dir" die wohl schönste Liebeserklärung beinhaltet. Und so baut ein wundervoller Song auf den anderen auf und kreiert somit ein Gesamtwerk, das von Anfang bis Ende durchgehört werden muss, damit es nicht auseinander gebrochen wird. Dieses Album ist voller Emotionen, die in einem auf der einen Seite eine unglaubliche Euphorie und auf der anderen Seite eine tiefe Berührtheit hervorrufen. Man möchte weinen über die Schönheit, wie manche Menschen Songs schreiben. Genauso ein Song ist Was den Himmel erhellt, ein Lied über das Abschiednehmen, das großartige Gänsehautmomente erzeugt, wenn Thees singt: "Ich gehe ohne Reue. Ich gehe ohne Furcht. Es leuchten Buchstaben über der Stadt, die mich zum Mann gemacht hat. Und was den Himmel erhellt. Eine der letzten großen Freundschaften der Welt." Das wahrscheinlich persönlichste Stück, das Thees je geschrieben hat, ist wohl das Lied über ein altes Liebespaar namens Walter und Gail. Ein sehr eindrucksvoller Song mit einer wundervollen Poesie, bei dem man anfängt, wieder an die große Liebe zu glauben. Mit Warum ich hier stehe ist Thees wieder einmal ein hoffnungsspendender Song für alle verlorenen Seelen dieser Welt à la Die Schönheit der Chance gelungen: "Die Sonne scheint so oder so, die Wolken entscheiden, ob du sie siehst." Einen gebührenden Abschluss des Ganzen schaffen Tomte mit dem wundervollen Stück Geigen bei Wonderful World. Dieses Lied ist eine Hommage an die schönsten Songs der Welt und thematisiert Thees’ Liebe zur Musik. Unterstrichen wird das Ganze durch herrliche Streicher-Arrangements.
Buchstaben über der Stadt ist von der ersten bis zur letzten Minute wunderschön und wenn die letzten Töne gespielt, die letzte Zeile gesungen wurde und die Nadel sich von der Platte erhebt, möchte man sie erneut aufsetzen und die schönsten Songs der Welt von vorn anhören. Alle Zweifel sind beseitigt, denn Buchstaben über der Stadt ist ein würdiger Nachfolger von Hinter all diesen Fenstern. Ein Album mit brillanten Melodien und wundervollen Worten, die aus dem Herzen kommen. Ein Album zum Niederknien!
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 03. Februar 2006 Label: Grand Hotel van Cleef (Indigo)
Website: www.tomte.de Myspace: www.myspace.com/tomte
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Man muss schon sagen, er sich Zeit gelassen: Richard Ashcroft, seines Zeichens Ex-Sänger und Mastermind der Band The Verve, hat seinen Fans eine Geduldsprobe abverlangt. Jetzt endlich, nach vier Jahren, meldet er sich mit seinem nunmehr dritten Soloalbum Keys to the World zurück. Gut Ding will eben Weile haben. Ein Konzept, das aufzugehen schein, wenn man die erste Singleauskopplung und Vorboten des Gesamtwerks Break the Night with Colour hört.
Die Messlatte ist natürlich hoch: Nach den beiden grandiosen Alben Alone with Everybody und Human Conditions, fragt man sich, ob das Drittlingswerk des Briten das hohe Niveau seiner Vorgänger halten kann. Bereits der erste Durchlauf der Platte beweist: Wo Ashcroft drauf steht, da ist auch Ashcroft drin. Keine unangenehmen soundtechnischen Überraschungen, keine missglückten musikalischen Experimente - aber auch keine großartigen Aha-Effekte. Der Ex-Frontmann von The Verve bleibt eindeutig seiner einst eingeschlagenen Singer-Songwriter-Linie treu. Das dies jedoch nicht langweilig oder altbacken sein muss, beweisen die insgesamt zehn Songs auf Keys to the World.
Gleich zu Anfang bekommt der Hörer ein Schmankerl serviert: Why not nothing gehört auf der insgesamt eher ruhig gehaltenen Platte zu den wenigen rockigeren Stücken, das sich mit seinem hymnischen Refrain einen Dauerparkplatz im Ohr reserviert. Traurig schöne Balladen wie Sweet brother Malcom, Cry til the Morning oder das an Buy it in Bottles erinnernde Words just get in the Way führen dem Hörer die unglaublichen textlichen und kompositorischen Fähigkeiten Ashcrofts vor Augen und Ohren. Absolutes Highlight des Albums ist der Titeltrack Keys to the World. Das Stück erinnert in seiner Komposition an das wunderbare Weeping Willow, eines der wohl schönsten Stücke auf den legendären Urban Hymns von The Verve.
Mit Keys to the World erfindet Richard Ashcroft das musikalische Rad sicherlich nicht neu. Vielmehr stellt das streicherdurchwobene Album eine Fortsetzung seiner beiden Vorgängeralben dar, das vielleicht nicht ganz an die Faszination von Alone with Everybody und Human Conditions heranragt, die Singer-Songwriter-Qualitäten Ashcrofts jedoch einmal mehr würdig zu vertreten weiß. Der gelungene Abschluss eines musikalischen Triptichons.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 20. Januar 2006 Label: Parlophone (EMI)
Website: www.richardashcroft.com
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Sehr viel Aufhebens wurde um die vier jungen Musiker aus Sheffield gemacht, lange, bevor ihr Debütalbum sich überhaupt auf den Plattentellern der Musikwelt drehen konnte. Die Arctic Monkeys sind eine der wenigen Ausnahmen, die allein über das Internet und diverse Festivalauftritte Myriaden musikbegeisterter Fans um sich scharen konnten, ohne, dass ein Studioalbum auch nur in Sicht- bzw. Hörweite zu sein schien. Nun endlich sind die auf Vinyl gebannten Songs der Band im einschlägigen Plattenhandel erhältlich. Die bange Frage: Hält Whatever People say I am that´s what I´m not was der große Hype versprach?
Eines wird beim erstmaligen Hören der Platte deutlich und das mit brachialster Sicherheit: Die Arctic Monkeys sind glühende Verfechter handfester Rockmusik. Auf dem Rücken progressiver Riffs, die Altmeister wie The Clash oder The Jam nicht besser hätten spielen können, reitet der Hörer durch dieses energetische Debüt, so dass kaum Zeit zum Luftholen bleibt. Kamen Gourmets der gepflegten Rockmusik bereits bei der ersten Singleauskopplung I bet you look good on the Dancefloor auf den Geschmack, so werden Stücke wie Fake Tales of San Francisco oder Dancing Shoes zu einem musikalischen Festmahl. Ohrwurmcharakter beweist das Riff in Red Light indicates Doors are secured, das es fast unmöglich erscheinen lässt, die Füße nicht in Richtung Tanzfläche hüpfen zu lassen. Ein wenig Zeit, sich zu akklimatisieren bieten, die balladesk gehaltenen Songs Riot Van und A certain Romance, die sich um das grandios komponierte midtemporäre Mardy Bum ranken. Textlich greifen die vier Briten allzu gern ihre eigenen Eindrücke des Alltags auf. Mit der scharfsinnigen Beobachtungsgabe eines Mike Skinners (The Streets) schildern sie in When the Sun goes down beispielsweise das zwielichtige Prostituiertenmilieu, in dessen Nähe sich ihr ehemaliger Proberaum befand.
Die dreizehn Songs auf Whatever People say I am that´s what I´m not bieten dem Hörer ein voluminöses Erlebnis der Extraklasse. Freunde von The Libertines, Maximo Park oder Bloc Party werden genauso ihre Freude daran haben, wie Verfechter guter alter Helden wie The Clash oder The Stone Roses. Prädikat besonders wertvoll und eine glatte eins mit Sternchen.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 20. Januar 2006 Label: Domino (Rough Trade)
Website: www.arcticmonkeys.com Myspace: www.myspace.com/arcticmonkeys
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The Strokes sind zurück. Mit First Impressions of Earth veröffentlicht das Quintett aus New York ihr mittlerweile drittes Studioalbum. Wer bei der neuen Platte allerdings den typischen Strokes-Sound wie auf den beiden Vorgängern erwartet, wird enttäuscht sein. Denn während das zweite Album Room on Fire eine exakte Wiedergabe des 2001er Erfolgsdebüts Is this it war, differenziert sich First Impressions of Earth deutlich von dem 70s-Retro-Rock-Stil der beiden ersten Platten. Ob dies nun gut oder schlecht ist, darüber lässt sich nun streiten. Fakt ist, das First Impressions of Earth frisch, neu und abwechslungsreich klingt.
Bereits die erste Singleauskopplung Juicebox erscheint etwas ungewohnt. Es dominieren pulsierende Basslinien und beim Einsatz von Julian Casablancas Gesang könnte man meinen, man wolle ein wenig auf der Franz-Ferdinand-Welle mitschwimmen. Den Auftakt des Albums macht You only live once. Ein ziemlich eingängiger Gitarrensong mit einem leichten New-Wave-Touch. Die grandiose Rock-Nummer Heart in a Cage dagegen kommt hymnisch daher und klingt wie eine Hommage an Iggy Pop. Höhepunkt des Albums ist zweifelsohne Electricityscape. Ebenfalls ein sehr hymnischer Song, der mit seinem unverbrauchten Charme durchaus auch auf Is this it hätte zu finden sein können. Zu den schwächeren Nummern des Albums zählt definitiv 15 Minutes, ein Stück, das an die whiskygeschwängerte Luft eines Irish-Pub erinnert und bei dem Julian Casablanca noch gelangweilter klingt als sonst.
Eine definitive Beurteilung des Drittlingswerks der Strokes fällt nicht ganz leicht. First Impressions of Earth ist ein Album, das man öfter hören muss. Ob es nun grandios oder einfach nur Durchschnitt ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Meine Empfehlung: Platte auflegen und selber hören!
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 30. Dezember 2005 Label: RCA (Sony BMG)
Website: www.thestrokes.com Myspace: www.myspace.com/thestrokes
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Down in Albion könnte eine der heißesten Scheiben des Jahres werden! Ex-Libertines Pete Doherty hat mit seiner Nachfolgeband Babyshambles ein grandioses Debütalbum aufgenommen. 16 energiegeladene Songs mit einer musikalischen Vielfalt aus Punk, Reggae, Pop und Folk kombiniert mit Dohertys unvergleichlicher Stimme. Es ist ein Album, das roh, hingerotzt und unfertig, aber dennoch sensibel klingt. Ein brillantes Stück Rockmusik.
Bereits der Opener La belle et la bête überzeugt mit unglaublichen Arrangements. Hier darf sich auch Kate Moss zu Wort melden, indem sie mit ihrem liebenswerten Stimmchen "Is she more beautiful than me" trällert. Die Singleauskopplung Fuck forever kommt mit einer großartigen Rock 'n' Roll-Attitüde daher. Der Song hat Mitgröhl-Charakter und lässt einen mit voller Energie rocken. Sticks and Stones verbindet Punk mit Reggae-Sounds und Loyality Song beinhaltet Folk-Elemente, die durch die leichte dyloneske Mundharmonika zum Vorschein kommen.
Mit Songs wie A’rebours, Pipedown und Killamangiro sind den Babyshambles grandiose Rock 'n' Roll-Hymnen gelungen, die uns wieder einmal vor Augen führen, welch ein brillanter Songwriter Pete Doherty ist. Ein weiterer Höhepunkt des Albums ist die wunderschöne Ballade Albion, welche Gerüchten zufolge die nächste Single werden soll. Pentonville ist der einzige Song auf Down in Albion, der mit seinem reinen Reggae-Sound in Verbindung mit dem SingSang von Ex-Knastkumpel The General ein wenig aus dem Rahmen fällt.
Produziert wurde das Album, wie bereits die beiden Libertines-Platten, von Ex-The Clash Mick Jones. Vielleicht ist das auch der Grund, weshalb Down in Albion klingt wie ein neues Album der Libertines! Zweifelsohne werden alle Libertines-Fans auch die Babyshambles lieben!
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 18. November 2005 Label: Rough Trade
Website: www.babyshambles.net Myspace: www.myspace.com/wearebabyshambles
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Dass gute Musik nicht immer aus England kommen muss, beweisen die fünf Jungs von Atomic mit ihrem Debüt-Album Wonderland Boulevard. Zehn Songs feinster Oldschool-Brit-Pop mit einem Schuss Sixties-Sound. Beim ersten Hören wird sofort klar, welche Vorbilder Atomic haben und welches Herzblut in ihrer Musik steckt. So erinnern die Gitarrenriffs an Bands wie Oasis, The Jam oder The Kinks. Sogar der britische NME bezeichnete Atomic bereits als "The German Oasis". Mit Wonderland Boulevard liefern sie ein abwechslungsreiches Album zwischen krachigen Rock 'n' Roll-Hymnen, wunderschönen Balladen und einem allgegenwärtigen Sixties-Ambiente.
Der Opener (You’re) A Shining Star lässt das Album sofort mit einem echten Knaller beginnen: Krachig, rockiger Gitarrensound mit einer wunderbaren Rock 'n' Roll-Attitüde und einem Refrain mit Mitgrölcharakter. Ein Song, der sofort zum Losrocken animiert. Genauso krachig wie es angefangen hat, geht es auch weiter: Monkey Fingers erinnert an die guten alten Kinks und nimmt den Hörer mit auf eine musikalische Zeitreise in die Sixties. Doch neben rockigen Nummern schlagen Atomic auch ruhigere Töne auf Wonderland Boulevard an mit Songs wie (You‘ve got) The Shining oder The Shelter, einer traurig-schönen Ballade, die mein persönlicher Lieblings-Song des Albums ist. Atomic schaffen hier großartige Melodien, indem sie Streicher und Piano mit einem wunderbaren Gitarrensound kombinieren. Dieses Zusammenspiel und der Gesang von Thomas Marschel verleihen dem Song eine gewisse Dramatik. Als besonderes Schmankerl befindet sich auch eine Coverversion des Smiths-Klassikers Girlfriend in a Coma auf dem Album, die wie eine charmante Hommage an den guten alten Brit-Pop daherkommt. Weitere Highlights auf Wonderland Boulevard sind zweifelsohne Devil may cry und Being for the arrival of the Maharaja Sailor (Part 1+2).
Atomic erfinden die Musik natürlich nicht neu. Und Affinitäten zu Oasis und Artverwandtem lassen sich nicht leugnen. Trotz alle dem schaffen sie es, einen eigenständigen Sound zu kreieren, der zwar von ihren Vorbildern beeinflusst ist, dennoch nicht nur eine Kopie darstellt. Mit Wonderland Boulevard beweisen Atomic, dass sie mehr als nur eine Oasis-Epigonen-Band sind und durchaus mit den Kollegen von der Insel mithalten können. Das Album ist allen Freunden der guten britischen Rockmusik sehr ans Herz zu legen und sollte in einer gut sortierten Plattensammlung auf keinen Fall fehlen.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 28. Oktober 2005 Label: Redwinetunes (Rough Trade)
Website: www.atomic-band.de Myspace: www.myspace.com/atomicboys
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Nova International sind zurück. Mit ihrem zweiten Album One and One is One liefern die vier Augsburger wieder einmal Indie-Pop vom Feinsten.
Der Nachfolger lässt im Vergleich zu ihrem selbst betitelten 2003er Debüt-Album deutlich eine musikalische Weiterentwicklung erkennen. Auf One and One is One reihen Nova International einen wunderbaren Song an den anderen und es gelingt ihnen mit jedem der 11 Tracks den richtigen Gefühlston zu treffen. Die Highlights des Albums sind zweifelsohne der melancholische Opener über das Ende einer Liebe And there she goes, Falling in, Cowboys only cry when their Horses die und The summer we had. Die Midtempo-Ballade, die einen in Erinnerungen schwelgen lässt, ist auch auf dem Soundtrack zum Film Sommersturm von Marco Kreuzpaintner zu finden.
One and One is One ist die erste Veröffentlichung auf dem bandeigenen Label NI Records. Produziert wurde das Zweitwerk von Phil Vinall (Elastica, Das Pop, Placebo) und Olaf Opal (The Notwist, Naked Lunch).
One and One is One ist eine Platte für alle Lebenslagen, egal ob warme Sommerabende, kühle Herbsttage oder ausgiebige Partynächte. Ein Album zwischen Melancholie und Hoffnung.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 28. Oktober 2005 Label: NI Records (Universal)
Website: www.nova-music.com Myspace: www.myspace.com/novainternational
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Donnerstagabend in der heimischen WG: Radio dudelt und die Schreiberin vertreibt sich die Zeit damit, in der Küche nach Essbarem zu suchen, als die verehrte Mitbewohnerin plötzlich den Kopf durch die Tür steckt und fragt: "Ist das Jürgen Vogel?" Die Schreiberin überlegt einen Moment etwas irritiert, ob der Typ nun auch singt. Tut er, wie uns die nette Moderatorin zwei Minuten später informiert und, meine Herren, er tut dies gar nicht mal schlecht!
Jürgen Vogel ist allerdings nicht generell unter die singenden Schauspieler gegangen, sondern nimmt den Part des Sängers lediglich im Rahmen eines Filmprojekts ein. In Kooperation mit dem Hamburger Label Grand Hotel van Cleef wurde die Hansen Band ins Leben gerufen, die das Kernstück des Films Keine Lieder über Liebe darstellt. Rollentausch also nicht nur für Vogel, sondern auch für Markus Wiebusch (Kettcar), Thees Uhlmann (Tomte), Felix Gerhard (Home of the Lame) und Max Schröder (Der Hund Marie), die für dieses Projekt erstmals nicht nur als Musiker, sondern auch als Schauspieler vor einer Kamera posierten. So weit, so gut. Aber wie ist nun der dabei entstandene Soundtrack zu beurteilen?
Den Opener stellt die bereits im Radio vernommene Single Baby Melancholie dar, eine beschwingte und zum Tanzen einladende Komposition Gerd Schröders alias Der Hund Marie, der auch den Folgetrack Junger Hund sowie das gedankenverlorene Titelstück Keine Lieder über Liebe als Obolus für die Hansen Band geleistet hat. Die Kracher Frankreich und Kamera beglücken den Hörer mit erdig rockigen Arrangements und spitzfindigen Texten, die der "Uhlmannschen Feder" entspringen. Aber auch für die ruhigen Töne dazwischen ist gesorgt. Die Balladen Alles teilen (Reimer Bustorff), Strand und Kreisen (Markus Wiebusch) entführen den Hörer in wunderbar kettkaresker Manier in die Welt der ganz großen Gefühle. Das midtemporale 18ter Stock erinnert mit intelligentem Text an Kettkarklassiker wie Genauer betrachtet oder Hier sein.
Wenn man Keine Lieder über Liebe auf den Plattenteller legt, vergisst man innerhalb der ersten Minuten bereits, dass es sich um einen Soundtrack handelt. Die musikalisch erstklassig komponierten Stücke, die zum Teil durch die charismatische Stimme Jürgen Vogels getragen werden, zum Teil diese authentisch inkludieren und den Sound zu einem Ganzen weben, transformieren das filmische Projekt Hansen Band in eine reale musikalische Formation. Ganz klar einer jener Fälle, in denen das Leben die Kunst imitiert.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 21. Oktober 2005 Label: Grand Hotel van Cleef (Universal)
Website: www.hansen-band.de Myspace: www.myspace.com/hansenband nach oben
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Mit Long Gone Before Daylight haben The Cardigans 2003 ein brillantes Werk hingelegt, das zum Kritikerliebling wurde. Super Extra Gravity ist das sechste Album der Schweden und in jeder Hinsicht eine positive Überraschung.
Das Quintett mit Sängerin Nina Persson präsentiert elf Songs vom Feinsten, die wunderbar in die melancholische Herbststimmung passen. Die Wärme von Long Gone Before Daylight ist auch auf Super Extra Gravity wieder zu spüren in Songs wie Losing a Friend, Overload und Don't blame your Daughter (Diamond). Die erste Singleauskopplung I need some fine Wine and you, you need to be nicer ist ein klassischer Cardigans-Pop-Song mit einem leicht ironischen Titel. Hervorragend gelungen ist den Schweden auch Drip Drop Teardrop und Godspell. Der ungeschliffene Gitarrensound und Nina Persson sanfte, kühle Stimme sorgen hierbei für Intensität.
Nach wie vor präsentieren The Cardigans auf Super Extra Gravity eingängige Pop-Songs im Midtempo, die voll von Emotionen, Harmonie, Melancholie und Freude zugleich sind. Was braucht ein perfekter Pop-Song noch?
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 14. Oktober 2005 Label: Stockholm (Universal)
Website: www.cardigans.com Myspace: www.myspace.com/thecardigans
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Das dritte Werk von Starsailor On the Outside hat mit seinen beiden Vorgängern so gut wie nichts gemeinsam. Die Texte sind zwar immer noch genauso tiefgründig und mitreißend, jedoch sind die Melodien kräftiger und energiegeladener als bisher. Mit On the Outside versuchen Starsailor das Maximum herauszuholen, um endlich den großen Durchbruch zu schaffen.
James Walshs melodramatischer Gesang und Barry Westheads souveränes Orgelspiel erzeugen einen energetischen Sound. Die Songs sind nicht so melancholisch wie auf den beiden Vorgängern, sondern rocken einfach drauf los. Der typische Starsailor-Sound geht dadurch allerdings nicht verloren. Textlich setzt sich Walsh auf On the Outside auch mit politischen Themen auseinander. So thematisiert er in Keep us together die Wahl Arnold Schwarzeneggers zum Gouverneur. Get out while you can behandelt den Nordirlandkonflikt und ist die Reaktion darauf, dass eine Familienangehörige des Sängers in Belfast angeschossen wurde. Die Akustikballade Jeremiah handelt vom tragischen Tod eines britischen Studenten 2003 in Wiesbaden. Der von der Polizei festgestellte Selbstmord des Jugendlichen jüdischen Glaubens wird stark bezweifelt. Es wird angenommen, dass er in Panik vor ein fahrendes Auto gerannt ist. Der Song ist ein Appell zur Aufklärung.
On the Outside ist ein Album mit großartigen Songs und großen Emotionen. Und auch wenn es beim ersten Hören nicht so klingt wie das Debüt Love is here, so ist beim zweiten Durchgang doch noch ein Funke Melancholie zu hören.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 14. Oktober 2005 Label: Chrysalis (EMI)
Website: www.starsailor.net Myspace: www.myspace.com/starsailor
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No Balance Palace lautet der Titel des mittlerweile fünften Kashmir-Albums. Während die Vorgängerplatte Zitilites der Dänen noch Anlass zu Vergleichen mit Coldplay und Radiohead gab, klingt dieses Album nun wesentlich eigenständiger.
Zwei Gastauftritte hat No Balance Palace auch zu bieten. Beim Song The Cynic ist David Bowie als Duettpartner dabei. Er hat die vier Jungs auf einem Killers-Konzert kennengelernt und nahm die Einladung gerne an. Der zweite Gast des Albums ist Lou Reed. In Black Building zitiert er ein Gedicht, welches mit sachten Klängen untermalt ist. Dieses stammt von Gitarrist und Sänger Kaspar Eistrup. Er entdeckte auf dem Weg ins Studio ein mysteriöses, schwarzes Gebäude und schrieb seine Impressionen darüber in einem Gedicht nieder. Nach Diana Ross, dem einzigen instrumentalen Track auf dem Album, folgt die Singleauskopplung The curse of being a girl. Es dauert wahrscheinlich nicht allzu lange, bis MTVIVA den ziemlich eingängigen Song für sich entdecken und in Heavy-Rotation über die Bildschirme flimmern lassen.
Mit No Balance Palace haben Kashmir wieder eine rundum gelungene Platte abgeliefert. Indie-Pop vom Feinsten!
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 07. Oktober 2005 Label: Smi Col (Sony BMG)
Website: www.kashmir.dk Myspace: www.myspace.com/kashmiryeah
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Gut ein Jahr ist es her, dass Franz Ferdinand ihr Debüt-Album herausgebracht haben. In diesem kurzen Zeitraum schafften sie es ihre Musik vor Millionen von Menschen zu präsentieren und dabei alle möglichen Preise einzuheimsen: Mercury Music Awards, Brit Awards, MTV Awards.
Die vier Jungs aus Glasgow haben über Nacht einen neuen Musik-Stil geboren, an dem sich mittlerweile zahlreiche Bands orientieren. Mit mehr als 3,2 Millionen verkauften Platten weltweit beweisen Franz Ferdinand, dass Popmusik sowohl anspruchsvoll als auch kommerziell erfolgreich sein kann. Ihr Debüt-Album erreichte in den UK viermal Platin und wurde sogar in Deutschland mit Gold ausgezeichnet. An diesen grandiosen Erfolg wollen die Schotten nun mit You could have it so much better anschließen und es könnte ihnen durchaus gelingen, ihn noch zu toppen.
In Zusammenarbeit mit dem Produzenten Rich Costey, der u. a. bereits für Muse und Mars Volta produziert hat, haben Franz Ferdinand in ihrem eigenen Studio in Schottland 13 neue Songs aufgenommen. You could have it so much better klingt zwar beim ersten Hören wie das Debüt-Album, jedoch lässt sich durchaus eine Weiterentwicklung erkennen. So finden sich neben den altbekannten Tanz-Rock-Stücken auch eine Ballade (Eleanor Put Your Boots On), die nur akustisch von Gitarre und Klavier begleitet wird.
Der Opener des Albums The Fallen erinnert ein wenig an die guten alten Kinks. Auch Anklänge von Rockabilly (Evil & A Heathen) und Ska (You're The Reason I'm Leaving) sind auf You could have it so much better zu finden. Und wie schon auf ihrem Debüt-Album ein brillantes Songwriting mit einem Schuss Ironie. Eine wunderbare Pop-Scheibe, die Spaß macht!
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 30. September 2005 Label: Domino (rough trade)
Website: www.franzferdinand.co.uk Myspace: www.myspace.com/franzferdinand
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Sie waren eine der Überraschungen des diesjährigen Glastenbury-Festivals: Die britischen Newcomer The Subways. Mit Young for Eternity legt das Trio nun ein juveniles Debütalbum vor, das geradezu glüht vor Leichtigkeit und Bauchlastigkeit. Kein Wunder, schließlich sind die Bandmitglieder durchschnittlich süße 19 Lenze jung. Und mit ihrem jugendlichem Enthusiasmus spielen sie sich in die Herzen ihrer Fans.
Ich muss gestehen, die Single kam mir anfangs schwedisch vor: Rock & Roll Queen, aktuelle Auskopplung und eines der Highlights auf Young for Eternity, lässt durchaus Vergleiche zu The Hives zu. Das Titelstück des Albums erinnert an weitere Heroen des skandinavischen Garagenrock: Sounds swedish like Mando Diao. Alles also nur geklaut? Mitnichten! The Subways zeigen, dass sie mehr sind, als reine Epigonen. Mit amtlich rockendem Gesang, fein herausgearbeiteten Melodien und jugendlich-solider Schreibe liefern die drei britischen Newcomer bestehend aus den beiden Brüdern Billy Lunn (Gitarre, Gesang) und Josh Morgan (Schlagzeug) sowie Mary Charlotte Cooper (Bass, Gesang) eine bunte Mischung, das das Hörerherz erfreut.
Young for Eternity präsentiert sich als Album für alle Lebenslagen. Neben bittersüßen Balladen (Lines of Light) und rockigen Krachern (Holiday oder Oh Yeah) finden sich luftige MidTempo-Stücke wie das beatige No Goodbyes. Und all das mit einer Ungezwungenheit, die im Zeitalter auf Hochglanz polierter Alben herrlich erfrischend wirkt.
The Subways haben mit ihrem Debütalbum ein schönes Stück Musik geschaffen, das dem Vergleich mit Bands wie den Kaiser Chiefs, The Killers oder auch Ash durchaus standhält, ohne jedoch zu kopieren. Reinhören, kaufen, abrocken.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 12. September 2005 Label: Eastwest (Warner)
Website: www.thesubways.net Myspace: www.myspace.com/thesubways
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Mit Picaresque veröffentlichen The Decemberists bereits ihr drittes Album. Die ersten beiden Werke waren in Europa bislang nur als Import erhältlich. Die fünf Jungs aus Portland/Oregon haben sich als Produzent Chris Walla ins Boot geholt, der auch schon mit Death cab for cutie zusammengearbeitet hat.
Picaresque ist ein Album mit emotionaler Tiefe. Mit einer Verbindung aus Folk und Pop/Rockmusik ist es The Decemberists gelungen, melancholische Melodien zu zaubern, die irgendwo zwischen Belle & Sebastian und Tom Waits anzusiedeln sind. Textlich erzählt das Quintett um Singer/Songwriter Colin Meloy mit Humor traurige Geschichten aus der Provinz.
Die Songs auf Picaresque klingen sanft und verbreiten eine unglaubliche Atmosphäre. Die Arrangements aus Akustikgitarren, Mandolinen, Streichern und Piano sind sehr lebendig. Die warmen Melodien strahlen Ruhe aus und sind dennoch schwungvoll und ausgewogen. Wunderschön sind die beiden traurigen Balladen For my own true love (lost at sea) und Of Angels and Angles. Zwar erfinden The Decemberists die Musik nicht neu, aber sie ist in jeder Form bezaubernd. Diese Platte ist genau das Richtige für kalte Dezembertage.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 05. September 2005 Label: Rough Trade
Website: www.decemberists.com
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Wie frisch und juvenil guter alter Indierock klingen kann, zeigt Marco Pleil mit seinem Projekt Cloudberry auf seinem zweiten Album Destroyer. Wer bisher geglaubt hat, seit Teenage Fanclub gibt's nichts Feines mehr in diese Richtung, der wird hier eines besseren belehrt.
Wow, das nenn ich Zeitmanagement! Trotz der knapp bemessenen 30 Minuten Spielzeit von Destroyer finden sich doch beachtliche 16 Songs in der Tracklist. Beim Hören erscheint das Gesamtwerk durch seine melodiöse Dichte jedoch wesentlich länger. Die Platte hat einfach alles, was ein gutes Album ausmacht: Krachige Gitarrenriffs gepaart mit melodiösen Gesangspassagen bilden faszinierende Symbiose, über der die eindringliche Stimme Pleils schwebt.
Durch den raschen Wechsel der Tracks bleibt dem Hörer kaum Zeit, durchzuatmen. Egal, ob verträumt wie bei Raw oder Myth oder antreibend wie auf Amplifier oder Us, Bedlam: Auffällig ist stets das Wechselspiel zwischen Indie-Pop-Klängen und intensiven Gitarrenbrettern, wodurch ein eigener Klangteppich erzeugt wird, der den Hörer gespannt auf das nächste Stück warten lässt. Der Sound bewegt sich zum Teil zwischen alten Heroen wie Teenage Fanclub und neuen Pop-Rock Combos wie Slut oder Miles, so dass Indie-Freunde ihre helle Freude daran haben sollten.
Mit Destroyer beweist Cloudberry, dass ein gut gestricktes Album nicht zwangsläufig ein Monumentalgebilde von 70 Minuten darstellen muss. Vielmehr liegt hier insbesondere der Reiz in der Komprimiertheit, die nicht mit Minimalismus gleichgesetzt werden kann. Extrem viel Sound auf eng abgestecktem Raum und trotzdem ist alles da, was der Musikfreund zum Glücklichsein benötigt. Herrlich!
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 22. August 2005 Label: Saint Records (Broken Silence)
Website: www.cloudberry.de Myspace: www.myspace.com/thisiscloudberry
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Endlich ist es soweit. Nach nur zwei-jährigem Bandbestehen veröffentlichen The Rakes nun ihr Debüt Capture/Release. Reibungslos sollen sie sich neben große Namen in die Indie-Rock Szene einreihen, Aufmerksamkeit erregen und Erfolge feiern. Doch so einfach ist das nicht. Bands wie die Hard-Fi, The Futureheads oder Maximo Park sind ihnen mit tollen Alben zuvorgekommen und werden groß gefeiert. Wer achtet da schon auf noch eine Rock 'n' Roll Band aus London? Zum Glück so einige. Die Singles landen auf Anhieb und ununterbrochen auf den Playlists der DJs. Die Clubs platzen bei den Gigs aus allen Nähten und schon bald stehen Auftritte im Tourprogramm von Bloc Party oder Franz Ferdinand an.
The Rakes schaffen es einfach die Leute mit kurzen und knackigen Songs zu fesseln und genau dann noch einen draufzulegen, wenn man denkt alles sei schon vorbei. So auch das Album: Die ersten drei Tracks sind mit den wunderbar rockigen Singles Strasbourg, Retreat und 22 Grand Job besetzt. Sie sind einfach gestrickt, schaffen es aber trotzdem oder gerade deshalb auf hohem Niveau zu rocken. Alan Donahoe (Vocals), Matthew Swinnerton (Gitarre), James Hornsmith (Bass) und Lasse Petersen (Drums) verstehen es aus simplen Texten mit eingängigen Refrains, straighten Riffs und kräftigen Beats Songs zu basteln, die Spaß machen und vor allem tanzbar sind. So auch das rotzige We are Animals oder das treibende Work Work Work. Eigentlich könnten glatt alle 11 Tracks auf Capture/Release als Singleauskopplungen dienen.
Einziger Wermutstropfen ist, dass die Länge der Tracks kurz ist und so auch das Album nicht über 35 Minuten hinausgeht. Für die Qualität der Songs ist das durchaus entschuldbar – aber vielleicht können wir uns ja beim zweiten Album auf ein längeres Vergnügen freuen.
Review: Claudia Gleede
Erscheinungsdatum: 15. August 2005 Label: V2 Records (Rough Trade)
Website: www.therakes.co.uk Myspace: www.myspace.com/therakes
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This area is under CCTV surveillance. Diesen Hinweis findet man mittlerweile in Großbritannien an allen öffentlichen Plätzen in Verbindung mit einer Überwachungskamera. CCTV steht dabei für Closed Circuit Television. Hard-Fi greifen dies auf und betiteln ihr Debüt-Album Stars on CCTV.
Die vier Jungs aus Stains kämpfen mit der Trostlosigkeit der Londoner Vorstadt und das klingt auch aus jedem Song auf Stars on CCTV. Die Wut und Verzweiflung gibt der Platte eine ungeheure Energie und die poppigen Melodien spiegeln die Hoffnung auf ein besseres Leben wieder. Doch Stars on CCTV ist nicht nur eine gewöhnliche Brit-Pop-Platte. Hard-Fi bedienen sich unterschiedlichster Musikstile wie Punk, Rock, Dub und Reggae und verbinden alles zu einem wunderbaren Musikcocktail. Neben der housigen Clubnummer Hard To Beat finden sich auf Stars on CCTV auch Streichsamples (Tied up too tight) und eine wundervolle Pianoballade (Move on now). Textlich wird mit einer gehörigen Portion Ironie das öde Leben in Stains beschrieben.
Mit der branchenüblichen Selbstsicherheit und Großmäuligkeit gehen auch Hard-Fi fest vom Gelingen ihres Plans aus: Sie wollen mindestens so viele Platten wie Eminem verkaufen. Ein Plan, der aufgehen könnte.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 15. August 2005 Label: Eastwest (Warner)
Website: www.hard-fi.com Myspace: www.myspace.com/hardfi
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Art Brut bezeichnet eigentlich eine Kunstrichtung, die 1945 von dem Franzosen Jean Dubuffet begründet wurde. Sie umfasst Werke, die außerhalb des etablierten Kunstsystems von Einzelgängern, Häftlingen, Geisteskranken oder gesellschaftlich Unangepassten entstanden sind. Nach dieser Kunstrichtung benannte sich das Quintett um Eddie Argos.
Nach drei Top 50 Singles in den UK und ausverkauften Clubs auf der ganzen Insel ist ihnen nun auch der Sprung über den Kanal zu uns gelungen. Mit ihrem Debütalbum Bang Bang Rock & Roll erfinden Art Brut den Rock & Roll natürlich nicht neu, aber sie präsentieren ihn von einer erfrischenden und unernsten Seite. Diese Platte mit ihren kantigen aber dennoch melodiösen Stücken bewegt sich irgendwo zwischen den Sex Pistols und The Fall. Die meist unter-3-minütigen Songs haben eine unglaubliche Energie und gehen nach vorn.
Der Fokus der Songs wird automatisch auf die Texte gelenkt, in denen Eddie Argos mit seiner noeligen Stimme aus seinem Leben plaudert. Angefangen mit der ersten Singleauskopplung Formed a band, in der er über die Bandgründung und die Intentionen von Art Brut berichtet. In My little brothers erzählt Eddie logischerweise über den kleinen Bruder, der auf seinem Weg erwachsen zu werden den Rock & Roll für sich entdeckt. Den Song Emily Kane hat Eddie seiner ewigen Jugendliebe gewidmet, der er hinterher trauert seit er 15 ist und die er bis heute nicht vergessen hat.
Art Brut ist mit Bang Bang Rock & Roll ein bemerkenswertes Debüt gelungen, ohne sich irgendwelchen Trends anzubiedern. Ein Album zum abrocken und mitgrölen, das in keiner Plattensammlung fehlen sollte.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 04. Juli 2005 Label: Fierce Pan (Cargo Records)
Website: www.artbrut.org.uk Myspace: www.myspace.com/artbrut
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Anfang der 90er gaben das Songwriter-Paar Brett Anderson und Bernard Butler dem Britpop den Glamour. Doch bereits während der Aufnahmen zu ihrem zweiten Album Dog Man Star verließ Butler die Band. Nach seinem Ausstieg waren Suede nie wieder so gut wie vorher. Es gelangen ihnen zwar noch einige Hits, bevor ihre Songs nur noch ausdruckslos und belanglos klangen. Der Glamour war verschwunden.
The Tears versuchen nun genau an dem Punkt weiterzumachen, an dem Butler Suede verlassen hat. Here come the tears ist wie ein Reunion Album einer der großartigsten britischen Bands. Ein Album, das nahtlos an Dog Man Star anknüpft. Wenn man Here come the tears hört, hat man das Gefühl, dass die Zeit stehen geblieben wäre. Es dringt wieder jene wundervolle Melancholie aus jeder Pore dieses Albums, welche auch schon die beiden Meisterwerke Suede und Dog Man Star ausmachte. Das schöne an Here come the tears sind auch die ausdrucksvollen Lyrics und die Dramatik, die beim Hören warmes Gefühl ums Herz auslösen. Mit Songs wie Refugees und Lovers sind den beiden Herren wieder jene pathetischen Pop-Ohrwürmer gelungen, wie es in den guten, alten Zeiten Animal Nitrate und Metal Mickey waren. Und spätestens bei den drei abschließenden Balladen kriegt so manch gestandener Brit-Popper feuchte Augen.
Mit Here come the tears zeigt sich auch, dass Bernard Butler durch Richard Oakes nie wirklich ersetzt werden konnte, obwohl es ihm gut gelungen war, Butlers Gitarre zu kopieren. Eins steht auf jeden Fall fest: Alle, die Suede geliebt haben, werden auch The Tears lieben. Der Britpop hat seinen Glamour wieder.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 20. Juni 2005 Label: V2 Records (rough trade)
Website: www.thetears.org
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Lange hat's gedauert, aber jetzt ist es endlich da! Elf Jahre nach ihrem Debüt-Album Definitely Maybe und drei Jahre nach Heathen Chemistry melden sich unsere Lieblings-Lads aus Manchester zurück. Don't Believe The Truth heißt ihr mittlerweile sechstes Studioalbum und ist damit das letzte aus dem Vertrag mit Sony. Von der Urbesetzung sind inzwischen nur noch die beiden Brüder Noel und Liam Gallagher übrig.
Hat Noel bislang die Song bis auf wenige Ausnahmen im Alleingang geschrieben, so stammen auf Don't Believe The Truth nur fünf der insgesamt elf Songs aus seiner Feder. Sogar drei Songs hat sein Bruder Liam beigesteuert und zwar Love Like A Bomb, The Meaning Of Soul und Guess God Thinks I'm Abel. Und eröffnet wird das Album mit Andy Bell's Turn Up The Sun.
Das viele Köche bekanntlich den Brei verderben, ist bei Don't Believe The Truth nicht der Fall. Im Gegenteil, klangen die letzten Alben eher eintönig, ist durch die unterschiedlichen Songwriter eine frische und abwechslungsreiche Platte entstanden. Denn auch wenn man so mad for it ist, wie ich es bin und natürlich alle Alben im Plattenregal stehen hat, hoffte man doch insgeheim, dass die Jungs endlich mal wieder ein so brillantes Album wie die Definitely Maybe hinlegen würden.
Don't Believe The Truth hat das Potential die zweite Definitely Maybe zu werden. Das Album enthält gigantische Songs für die Ewigkeit. Deutlich zu hören sind bei dieser Platte, bei welchen Vorbilder die Mancunians sich bedienen. So kommt Mucky Fingers wie eine Bob Dylon-Nummer daher und Let There Be Love erinnert tatsächlich an die Beatles. Doch wenn es so gut geklaut ist, wie es bei Oasis der Fall ist, ist nichts dagegen einzuwenden. "Talent borrows, Genius steals!" Und ein Geniestreich ist ihnen mit Don't Believe The Truth allemal gelungen! Das beste Oasis-Album seit (What's The Story) Morning Glory!
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 30. Mai 2005 Label: Hes (Sony BMG)
Website: www.oasisinet.com Myspace: www.myspace.com/oasis
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Es gibt doch noch gute Musik! Vielleicht liegt es daran, dass Sugarplum Fairy die richtigen musikalischen Vorbilder haben wie die Beatles, die Stones und The Who. Nach der grandiosen Stay Young-EP bereichern die fünf Schweden die Musikwelt nun mit ihrem Debüt-Album Young & Armed.
Diese Platte steckt voller Pop-Hymnen wie Turning Into Nothing, Morning Miss Lisa und der ersten Single Sweet Jackie. Dieser Song ist deutlich von Oasis inspiriert, soll jedoch als Tribut und nicht als Kopie verstanden werden. Musikalisch spannen sie auf Young & Armed den Bogen von den 60ern bis heute: Neben rockigen Pop-Nummern wie dem Opener (And Please) Stay Young und Another Apple In My Mouth, gibt es auch ruhige Stücke wie Coming Home und Everlasting Me auf dem Album zu hören.
Sugarplum Fairy kombinieren ein schönes Songwriting mit eingängigen Refrains und charmanten Oldschool-Gitarrensounds. Sicherlich eine der besten 60s-Retro-Rock-Platten aus Schweden dieses Jahr.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 09. Mai 2005 Label: Vertigo (Universal)
Website: www.sugarplum.de Myspace: www.myspace.com/sugarplumfairyborlange
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Der momentan heißeste Scheiß aus New York stammt von The Bravery. Mit Frisuren wie einst Duran Duran und einer Attitude wie die Strokes verkörpern sie nicht nur musikalisch, sondern auch optisch die perfekte Verbindung von New Wave und Rock. Kein Wunder, dass sich die Plattenfirmen einen Kampf um die Band lieferten, wie es ihn schon lange nicht mehr gab.
Vorwürfe, The Bravery seien lediglich eine müde Kopie der Killers, sind meines Erachtens völlig unberechtigt. Sicher muss man zugeben, dass eine gewisse Ähnlichkeit besteht, was aber wohl eher darauf zurückzuführen ist, dass es einfach die Zeit für Bands ist, die Wave- und Rockelemente miteinander verknüpfen.
Mit ihrem selbstbetitelten Album liefern die fünf Jungs ein erfrischendes wavelastiges Powerpopalbum. Hier findet sich tanzbarer New-Wave-Rock, gepaart mit Synthie-Effekten und schrammligen Gitarren, unterlegt mit Disco-Beat. Alle 11 Songs sind fein arrangiert und die ausdrucksstarke Stimme von Sam Endicott verleiht der Platte die richtige Energie. Die absoluten Kracher des Albums der New Yorker sind sicherlich No Brakes und die beiden Singleauskopplungen An Honest Mistake und Unconditional. Sie sorgen zweifelsohne für volle Tanzflächen in den Indie-Clubs der Republik.
Alles in allem ist Sam Endicott & Co ein unglaubliches Debüt-Album gelungen, das beweist, dass The Bravery durchaus mit ihren New Yorker Kollegen mithalten können. Also kaufen und selber hören!
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 29. März 2005 Label: Island (Universal)
Website: www.thebravery.com
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The Others sind weder die erste, noch werden sie die letzte Band sein, die sich von musikalischen Einflüssen freispricht. Zwar geben die vier Briten zu, gewisse Lieblingsbands zu haben, allerdings seien die musikalischen Wurzeln der einzelnen Mitglieder zu vielfältig, als dass man von einem bestimmten, klanglich prägenden Einfluss sprechen könnte. Und auf gar keinen Fall machen The Others Punk!
Die Band würde mich, als bleistiftreitende Kritikerin, jetzt wahrscheinlich am liebsten steinigen, wenn ich behaupte, The Others sind vielleicht keine Punkband, allerdings lassen sich Vergleiche zu Johnny Rotten & Co. leider nicht vermeiden, wenn man das Debüt der vier Londoner Lads hört.
Tracks wie William oder Almanac erinnern an die legendären Sex Pistols. Refrains mit Mitgröhl-Charakter und Sänger Dominik Masters charismatische Stimme sorgen für ein wohliges 70er Jahre GB-Punk-Gefühl in der Magenregion, das sich bis in die Zehenspitzen ausweitet und zum "Mit-Luftgirtarre-durch-die-Wohnung-Springen" animiert.
Der Sound ist brachial, keine Balladen, die die Tränendrüse des Hörers attackieren. Keine Zeit, sentimental zu werden. Rock, Rock und nochmals Rock, der den Hörer geradezu anspringt und ihn mitreißt. Vorangetrieben durch Jimmy Lagers Gitarrenriffs bohrt sich ein Track nach dem anderen in den retrorock-verwöhnten Gehörgang.
Textlich orientiert sich die Schreibe Dominic Masters an autobiographischen Erlebnissen. In Daniel, Darren, Dave greift der Sänger und Mastermind der Band den tragischen Drogen-Tod dreier Freunde auf, For the Poor beschreibt die gesellschaftlichen Umstände und Probleme der Arbeiterklasse Großbritanniens. Ein Metier, in dem sich die Band nur allzu gut auskennt, schließlich gehören auch sie zu den "Working Class Heroes". Community 853 ist ein Tribute an einen der verrücktesten Fanclubs der Welt: 853 Kamikaze Stage Diving Division, mindestens so berühmt-berüchtigt, wie die Band selbst.
The Others erfinden mit ihrem selbstbetitelten Debüt-Album das musikalische Rad mit Sicherheit nicht neu. Ähnlichkeiten zu Bloc Party lassen sich nicht abstreiten, Anklänge zu The Clash oder den Pistols nicht verleugnen. Trotzdem schaffen es die vier Briten, sich eine eigene kleine Nische zu erspielen, einen Sound zu schaffen, der eben doch ein wenig anders klingt. Fazit: Ein Debüt, das endlich mal wieder auf die Zwölf geht, eine Band, die verdammt viel musikalisches Potential aufweist und eine begeisterte bleistiftrockende Kritikerin, die dumm-glücklich grinsend die Luftgitarre schwingt - Musikfreund, was willst du mehr?!
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 15. März 2005 Label: Mercury (Universal)
Website: www.theothers.com
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Kettcar - Klappe die Zweite and … Action! Nach fast 3 Jahren veröffentlicht die wunderbare Hamburger Band Kettcar ihr zweites Album. Nach dem unglaublich guten Debüt Du und wieviel von deinen Freunden soll sich nun zeigen, ob der kryptische Titel des Nachfolgers hält, was er verspricht: Traurige, amüsante, schöne und bittere Geschichten Von Spatzen und Tauben, Dächern und Händen.
Schon beim ersten Hören fällt auf, dass die Band sich weiterentwickelt hat. Die Texte sind offener und lassen mehr Spielraum für Interpretationen. Kettcar wagen den Schritt weg vom klassischen Geschichtenerzählen des ersten Albums hin zu Gesellschaftskritik und Protest. Deutlich wird dies insbesondere bei dem Stück Deiche, das sich verstärkt mit der Sozialpolitik Deutschlands auseinandersetzt. In Handyfeuerzeug gratis dazu, in dem es um illegale Raubkopien geht, äußert die Band ihren Unmut über den Ausverkauf kreativer Schaffenskraft. Tränengas im High-end-leben beäugt selbstkritisch das andauernde Lamento über die Schlechtigkeit der Welt in Bezug auf das eine gute Leben.
Pflegten Kettcar auf ihrem Debüt-Album noch klassische Anekdoten über Liebe, Enttäuschung und Verlust, schlichtweg also das Leben, zu erzählen, so lässt sich auch hier ein Wandel im Schreibstil feststellen. Songs wie Die Ausfahrt zum Haus deiner Eltern, 48 Stunden und Balu wirken auf den ersten Blick zwar episch, gehen jedoch über die rein erzählende Schriftebene hinaus und regen zum Nachdenken an. Textlich Amüsantes findet der Hörer im Stück Stockhausen, Bill Gates und ich.
Aber nicht nur textlich, auch musikalisch lassen sich deutliche Unterschiede zu Du und wieviel von deinen Freunden feststellen. Insgesamt sind die Melodien wunderbar auf die Texte abgestimmt, so dass dem Hörer ein rundes Musikerlebnis präsentiert wird. Es wechseln sich gitarrenlastige Kracher mit melodiösen, von Streichern getragenen Balladen ab. Eine der schönsten ist das Stück Nacht, definitiv einer der besten Songs, die je über die Liebe geschrieben wurden. So schön, dass ich vor Freude und Rührung auf dem GHvC-Abend im Rahmen der letzten Kölner PopKomm 2003 beinah ein paar Tränen vergossen hätte. Ein Lied zum Niederknien!
Wer bei Von Spatzen und Tauben, Dächern und Händen die Weiterführung des Debüts erwartet, der wird vielleicht ein wenig enttäuscht sein. Kettcar vollziehen mit Sicherheit keinen 180 Grad Wandel, nehmen sich jedoch durchaus das Recht, musikalischer Weiterentwicklung heraus. Das allseits beliebte Argument: "Klingt aber anders" greift in diesem Fall nicht: "Anders" bedeutet hier nicht schlechter. "Anders" impliziert vielmehr verschieden, vielseitiger und abwechslungsreicher. Also, zurücklehnen, entspannen und genießen. Und mit ein bisschen Glück vielleicht eine der Erstauflagen ergattern, in der es kein schlichtes Handyfeuerzeug, sondern sogar eine DVD gratis dazu gibt.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 07. März 2005 Label: Grand Hotel van Cleef (Indigo)
Website: www.kettcar.net
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Es ist der Traum jedes Komponisten: Einmal einen Song zu einem Film beizusteuern. David Lynchs surreale Kulisse einer nebelbedeckten Sackgasse musikalisch zu verdichten, im Abspann eines Jim Jarmusch Streifens die letzten Impressionen des Films in den Köpfen der Leute zu manifestieren oder vielleicht im Hintergrund Tom Tykwers Hauptdarstellerin beim Wettlauf gegen die Zeit zu unterstützen. Tommy Finke ist jemand, der dies geschafft hat: 1000 Meilen ist der Titelsong zu Ben Redelings‘ Lauf-Dokumentation.
Und der freie Komponist aus Bochum-Grumme setzt noch eins drauf: Mit scheinbarer Leichtigkeit kreiert er vier weitere Stücke und veröffentlicht das Ganze auf einer CD. Herausgekommen ist dabei die 1000 Meilen EP, bei der nicht nur der Titelsong Soundtrackpotential aufweist.
Den Titeltrack gibt‘s gleich am Anfang vorne weg und in insgesamt vierfacher Ausführung als Edit-, Original-, Akkustik- sowie Demoversion. Insbesondere letztere besticht durch die charmanten Schleifgeräusche auf den Gitarrensaiten beim Akkordwechsel. 1000 Meilen ist ein Song, der durch seine Synthie-Elemente und den Refrain mit Ohrwurmcharakter besticht. Nicht nur eine gelungene Untermalung für eine Lauf-Doku, sondern auch ein antreibend poppiges Musikstück, das im Alltag Lust auf ein Frühstück mit reichlich Cerealien macht. Und auf den Rest der EP.
Zu Recht, wie sich beim weiteren Hören bestätigen soll. Stücke wie Winter oder Da geht (m)ein Mädchen präsentieren Tommy Finke von der ruhigeren akustischen Seite, während er in Rock ‘N‘ Roll-Leben seine Liebe zur Musik nur so hinausposaunt und seinen Standpunkt mehr als klar macht: "Und egal was heut passiert / wir sind prädestiniert / Ein Rock ‘N‘ Roll-Leben soll es sein."
Mit textlicher Leichtigkeit und kompositorischer Sicherheit präsentiert Tommy Finke auf seiner 1000 Meilen EP die Bandbreite seines musikalischen Könnens. Unterstützt von seiner Begleitband Stromgitarre kreiert er einen Soundtrack für jegliche Lebenslage. Aus Enthusiasmus, der mit an Trägheit grenzender Ruhe alterniert, entsteht ein Wechselspiel aus schmissigen Strophen und eingängigen Refrains, die zum Teil durch wunderschöne Bridges verbunden werden. Eine Momentaufnahme aus dem Leben eines Jungerwachsenen, dessen Texte passagenweise an alte Bernd Begemann-Klassiker erinnern, so dass man sich in die guten alten Zeiten der Hamburger Schule zurückversetzt fühlt. Fazit: Kaufen, hören und sich begeistern lassen, damit der Junge endlich und zu Recht einen Vertrag bekommt!
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 13. Dezember 2004 Label: Baukau Med (Rough Trade)
Website: www.tommy-finke.de Myspace: www.myspace.com/tommyfinke nach oben
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Letzte
Aktualisierung: 23.05.2010
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What's the story... |
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"The snow might fall and write the lines on the silent page"
Suede
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Looking forward... |
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Paul Weller
18.05.10 Köln
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