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Owen Pallett Heartland
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Nachdem Frau Holle in diesem Jahr anscheinend eine Bettenschüttelneurose entwickelt hat, ist "Winter" wohl ein (Un)Wort, das die meisten Menschen am liebsten zusammen mit den dicken Wollsocken in der untersten Schublade des Kleiderschranks verstauen würden. Nicht so Nils Frahm. Der junge Komponist nutzt die kalte Jahreszeit als Inspirationsquelle für sein Solo Piano-Debüt Wintermusik.
In seinen drei Stücken verleiht der Wahlberliner, der bereits auf Kollaborationen mit Künstlern wie Peter Broderick und Dustin O'Halloran zurückblicken kann, Väterchen Frost ein völlig neues Gesicht. Ambre hüllt sich in melancholische Pianoklänge, die an Pfützen auf dem Asphalt und Regentropfen vorm Fenster erinnern. Demgegenüber steht das verspielte Nue, in dem neben dem Klavier auch Harmonika und Percussions zum Einsatz kommen. Abgerundet wird die winterliche Musiklandschaft durch Tristana, das mit seinen siebzehn Minuten beinah alles zuvor gehörte verschlingt. Die Instrumentierung wird um eine Celesta erweitert, die Stimmung des Stückes schwankt zwischen der Leichtigkeit tanzender Schneeflocken und der leisen Schwermut eines ausklingenden Jahres.
Ursprünglich war Wintermusik als Geschenk für Verwandte und Freunde angedacht. Eine hübsche Idee, ein talentierter Komponist - und dennoch: Bei aller Schönheit und Fragilität vermisst man bei Wintermusik doch ein wenig die Abwechslung. Nach einer halben Stunde hat man die feinen Nuancen zwischen den Songs beinah vergessen. Vielleicht hätten ein oder zwei Stücke mehr hier für Abhilfe gesorgt. Vielleicht ist der Winter aber nun mal auch eine leicht monotone Jahreszeit, deren Stimmung Nils Frahm perfekt einzufangen wusste. In jedem Fall verleitet Wintermusik den Hörer dazu, sich eine halbe Stunde lang in seinen eigenen Gedanken zu verlieren. Aus dem Fenster heraus zu beobachten, wie Frau Holle weiterhin wie im Akkord Daunen aufschüttelt - und dabei auf den Frühling zu warten.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 12. Februar 2010 Label: Erased Tapes
Website: www.nilsfrahm.de Myspace: www.myspace.com/nilsfrahm
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Wir erinnern uns alle noch an jene "Glory Days" des Brit-Pop irgendwann Mitte der 90er, als Oasis die neuen Retter des Rock 'n' Roll waren und mit ihren Kontrahenten Blur im Streit um den Platz als "Beste Band des UK" lagen. Jene Tage, als Bands wie The Bluetones, Pulp, Supergrass oder Elastica uns den Soundtrack unserer Jugend bescherten. Zu dieser Zeit machte auch eine Band aus Birmingham namens Ocean Colour Scene von sich Reden, die damals mit Moseley Shoals eines der besten Brit-Pop-Alben abgeliefert hat.
Heute, anderthalb Jahrzehnte später, ist Ocean Colour Scene eine der letzten Bands aus der 90er-Brit-Pop-Ära, die immer noch da ist und hartnäckig an den guten alten Zeiten festhält. Auch nach 20 Jahren ihres Bestehens haben die Mittvierziger ihren Ehrgeiz und ihre Leidenschaft nicht verloren und präsentieren mit Saturday ihr mittlerweile neuntes Studioalbum.
Auch auf ihrem neuesten Werk setzen Ocean Colour Scene weiterhin auf Altbewährtes und bleiben wie immer ihrem gewohnten Stil treu. Man hat bei Ocean Colour Scene immer ein wenig das Gefühl, als wäre die Zeit stehen geblieben, als würden wir immer noch das Jahr 1996 schreiben. Einige mögen dies als langweilig bezeichnen, andere schätzen aber eben genau das an dieser Band. So ist Saturday wieder ein typisches Ocean Colour Scene-Album mit schönen Melodien und eingängigen Refrains. Alles was das Brit-Pop-Herz begehrt und spätestens bei Just A Little Bit Of Love ist der Hörer wieder mittendrin in den 90ern. Zwar birgt das Album keinerlei Hits in sich - aber ich glaube diesen Anspruch ein Hitalbum zu schreiben, haben Ocean Colour Scene auch gar nicht mehr - dennoch gibt es durchaus einige Highlights wie der Titeltrack Saturday, Magic Carpet Days, Rockfield oder das bereits erwähnte Just A Little Bit Of Love.
Sicherlich ist Saturday kein herausragendes Album, aber dennoch ein Album, mit dem sie alle diejenigen alten Fans wieder begeistern werden, die in den 90ern mit ihnen aufgewachsen sind. Allen anderen wird dieses Album wahrscheinlich völlig egal sein.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 05. Februar 2010 Label: Cooking Vinyl
Website: www.oceancolourscene.com Myspace: www.myspace.com/ocsmusic
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Dyad 1909 ist ein modernes Ballet Wayne McGregors, das durch Shackletons Expedition zum Südpol inspiriert wurde und im Oktober 2009 in London Premiere feierte. Ólafur Arnalds übernahm die Aufgabe der musikalischen Umsetzung und schuf somit die Grundlage für die Tänzer.
Nicht alles, was Ólafur Arnalds auf dem Soundtrack zu Dyad 1909 präsentiert, ist neu. Við vorum smá..., Lokaðu augunum und 3326 seiner Studioalben Variations Of Static und Eulogy For Evolution interpretierte der Isländer auf Wunsch McGregors neu. Resultat ist eine EP, die den 23jährigen von einer überraschend dunklen Seite zeigt.
Arnalds lässt sich Zeit für den Aufbau einer Atmosphäre, die den Hörer durch ein Wechselbad der Gefühle schickt. Die Südpol-Expedition beginnt ruhig. Fast verträumt öffnet Frá upphafi die Tür zu sanften Piano- und Geigenarrangements, die den Hörer bei Lokaðu augunum umschmeicheln. Man fühlt sich sicher, geborgen. Der Schein trügt jedoch. Mit Brotsjór ändert sich die Grundstimmung schlagartig. Völlig unerwartet zerbrechen Drumcomputerschläge und Störgeräusche das Idyll. Anspannung macht sich breit. Ein Unbehagen, als stünde man im Dunkeln und wisse genau, dass dort draußen irgendetwas lauert. Nicht zwangsläufig personifiziert. Vielmehr könnte es sich auch um ein vergessenes Gefühl handeln oder um eine verdrängte Erinnerung. In dieser verliert sich Dyad 1909 auch im weiteren Verlauf, wenn Arnalds mit dem pianobasierten Við vorum smá... deutlich melancholischere Töne anschlägt. Das Pedant dazu liefert das verworrene Geflecht aus Geigen, das sich bei 3326 zu Verzweiflung und Schmerz aufzutürmen scheint, um mit Til enda wieder in Störgeräusche und Desolation zu verfallen. Mit ...og lengra endet die Expedition beinah versöhnlich. In nachdenklicher Wehmut.
Dyad 1909 ist eine Reise in obskure Klangwelten, die den Hörer packt und nicht loslässt. Eine Gratwanderung zwischen Unbehagen und Faszination. Die gekonnte Vertonung ambivalenter Emotionen. Einmal mehr beweist Ólafur Arnalds, dass er zu den Großmeistern instrumentalisierter Gefühle gehört.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 05. Februar 2010 Label: Erased Tapes
Myspace: www.myspace.com/olafurarnalds
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Welche Band wurde für ihre Videos derart geliebt, gelobt, gehyped, dass ihre Musik in die nebensächliche Belanglosigkeit abdriftete. Klar, sie hatten es schon nicht leicht die Laufband-Akrobaten von OK Go. Doch die Spaßband der Nullerjahre ist Anfang der 10er nicht mehr wieder zu erkennen. OK Go witzeln und kokettieren nicht mehr mit ihren Hitparolen, welche die verlockende Möglichkeit aufboten als Schlachtrufe in Videogames und Teenyserien verkannt zu werden. OK Go wollten ihren Indie-Chamäleon-Panzer abstreifen und sich mehr durch diffizilere Musikalität im popkulturellen Diskurs positionieren. Dort beherbergt sie zwar schon der YouTube-Olymp, doch für die besseren Gemächer der Musikblogs hat es nicht gereicht. Und die erhaschten Lowbudget-Sympathien und Guitar Hero-Anhänger, welchen sie sich zu ergeben hatten, reichten ihnen nicht mehr aus.
Mit ihrem dritten Album Of The Blue Colour Of The Sky heben die vier Chicagoer Jungs wahrlich in buntere Sphären ab. Sie spielen sich an und in den verschiedensten Genres, vom Prince-Funk über Janes Addiction-Kracher zu Folkschnulzen und 80er beatigen Vokodernhymnen, deren Renaissance leider mit Air schon endete. Doch der dabei entstandenen "sound salad bowl" ist die Ernsthaftigkeit, in der OK Go ihre Songs nun wissen wollen, dermaßen anzuhören, dass nahezu jeder der dreizehn Songs in seiner steifen Verbissenheit zu Grunde geht.
Mit der gefährlichen Prämisse ein Prince-eskes Album zu schaffen, scheitern Damien, Tim, Dan und Nick eben an dessen perfekter Harmonie zwischen oversexeder Popattitüde und musikalischer Finesse. Und doch. OK Go, die in Vergangenheit durch verschiedenste - teils mehr teils weniger - gewitzte Marketingaktionen im Gespräch blieben, liefern trotzdem nach vier Jahren ein gutes Album ab. Denn sie zitieren einige Bands und Genres der jüngeren Musikgeschichte und scheitern daran – tun das aber gut. Denn wie singen sie schön selbsteinssichtig auf einer der Perlen des Albums: "All is not lost at all".
Stand ihr Bandname früher noch für die musikalische Leichtfüßigkeit und ihre künstlerische Spontaneität, ist OK Go heute vielmehr ein Versprechen auf lange Sicht – vielmehr ein Credo eben weiter zu gehen.
OK, dann auf geht's...
Review: Matthias Hacker
Erscheinungsdatum: 19. Februar 2010 Label: EMI
Website: www.okgo.net Myspace: www.myspace.com/okgo
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Die Fehlfarben aus Düsseldorf als legendär zu bezeichnen ist sicher nicht übertrieben. Gegründet 1979 waren sie eine der wichtigsten Bands der ersten (und wahren) NDW. Ihr erstes Album Monarchie und Alltag (1980) gilt als Meilenstein und ist definitiv eine der besten und einflussreichsten deutschsprachigen Platten aller Zeiten. Ihren von Funk und Ska beeinflussten Post-Punk-Sound haben sie über die Jahre und auf vielen weiteren Alben weitgehend beibehalten, konstant (gut) könnte man ihn nennen. Die Klasse von Monarchie und Alltag wurde allerdings nie wieder erreicht. Glücksmaschinen ist der nächste Versuch. It was acceptable in the 80s?!
Zum bombastischen Gelingen von Monarchie und Alltag hat der politisch hochaufgeladene Zeitgeist der frühen Achtziger nicht gerade wenig beigetragen. Der aggressive Sound und Peter Heins Textmanifeste waren der Soundtrack einer ganzen Bewegung. Von den weiteren Fehlfarben-Alben bis heute - und damit sind wir bei der aktuellen Platte - fehlte diese "Bewegung" allerdings irgendwie, das Setting war ein anderes. Die Guten (wir) und die Bösen (die anderen) sind heute sicherlich nicht mehr die gleichen wie noch 1980. Es gäbe viel zu debattieren und zu kritisieren, nicht wenige tun dies auch. Aber lassen wir das alles einfach mal beiseite und geben uns den alten Helden hin. Mit ein bisschen Optimismus und Beigeisterung lässt sich dann durchaus sagen: Das klingt doch fast so gut wie damals!
Der äußerst 80er-reminiszente Sound wirkt dabei so frisch und kein Stück retro, dass sich so manche New New Wave Band ein gehöriges Stückchen abschneiden könnte. Mehr muss man da gar nicht sagen, völlig legitim. Höhepunkte sind Neues Leben und Im Sommer, wobei kein Track wirklich negativ aus der Reihe fällt. Auch textlich zeigt Peter Hein wieder mal seine große Klasse. Wenn natürlich auch nicht mehr so schnittig und...ok, Schluss mit den Vergleichen. Politdisko, die niemand kopieren kann. So leidenschaftlich und mitreißend hat sich in letzter Zeit niemand mit aktuellen Politika wie Bankenkrise (Aufgeraucht), Social Networks (Vielleicht Leute 5) und anderem Blödsinn (Respekt?) auseinandergesetzt. Ja, das alles kommt von 50-jährigen. Die übliche Kritik von jüngeren, jedoch spießigeren Typen kann man anderswo nachlesen. Rock-Opis hört man auf dieser Platte nicht, die sieht man nur auf den Fotos. Glücksmaschinen könnte auch von jüngeren Semestern kommen, schade eigentlich, dass dem nicht so ist. Die Fehlfarben sind immer noch da, besser denn je. "Oh wie erhebend, dass wir das noch erleben."
Review: Michael Döringer
Erscheinungsdatum: 12. Februar 2010 Label: Tapete Records
Website: www.fehlfarben.com Myspace: www.myspace.com/fehlfarben
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"You really got me!" Ja, denn ähnlich wie bei den Anfängen der Kinks ist auch diese Platte ist echt gut und sie strotzt vor authentischem Rock'n'Roll. Und das ganz ohne Bass. Also wieder so ein Rock-Duo mit Drums und singendem Gitarreo? Ja, aber diesmal ist es wieder eine Gute. Doch warum genau und was haben The Black Box Revelation mit den Kinks zu tun?
Erst einmal ist es die Tatsache, dass die zwei Belgier ihre zweite Platte in dem von Ray Davies eröffneten Londoner Konk Studio aufgenommen haben. Und sicher ist es auch die Energie dieser beiden Musiker und die Gitarren, die an die alten Kinks erinnern, als diese sich noch Stecknadeln in die Amps gesteckt haben, um einen raueren Sound zu bekommen. Bei Sänger und Gitarristen Jan Paternosten sind es zwar keine Stecknadeln mehr, aber eine Fülle von Effekten, die seinem Gitarrenspiel einen ähnlich klirrenden Sound verleihen. Sein Gitarrenspiel ist schon bewundernswert, wenn man ihn live und auf Platte spielen hört. Where Has All This Mess Begun verblüfft mit catchigen Hooks und einer Gitarre, die gleichzeitig Solo und Rhythmus spielt. Das ist schon faszinierend, denn Jan bedient sich keiner Overdubs. Sein Spiel ist auf dem Blues aufgebaut und erinnert an einen Mix aus Muddy Waters, Jimmy Page, Keith Richards und Dave Davies. Gewagte Assoziation? Hört es Euch an. Die Stimme erinnert auch noch stellenweise an Liam Gallagher. Also mal gleich die Platte kaufen? Warum nicht! Sicher ist das alles schon mal gewesen und sicher klingen auch viele Duos gleich, da die Möglichkeiten zu Zweit zu musizieren eingeschränkt sind, aber was hier überzeugt ist die Energie! Songs wie High On Wire und Run Wild entfachen ein echtes Rock'n'Roll Feuer. Und das zu zweit zum Brennen zu bringen, ist schon eine Kunst!
Dazu kommt, dass dieses Duo noch Platz für schöne Melodien hat. So ist Sleep While Moving ein echter Ohrwurm, der sich neben dem ganzen rotzigen Rock'n'Roll gut macht! Doch was bleibt ist der letzte überzeugende Eindruck von Here Comes The Kick, einem neunminütigem epischen Finale, das wieder deutlich macht: "You really got me".
Review: Marc Philipp Meyer
Erscheinungsdatum: 05. Februar 2010 Label: T For Tunes (PIAS)
Website: www.blackboxrevelation.com Myspace: www.myspace.com/theblackrevelation
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Als Los Campesinos! 2008 ihr Debütalbum Hold On Now, Youngster... veröffentlichten, wurden sie mit musikalischen Lorbeeren nur so überhäuft. Die Kritiker lobten den frischen und experimentellen Sound der Band, die den Einsatz von Bläsern und Glockenspiel für sich zur Kunst erhoben hatte. Noch im selben Jahr veröffentlichten die sieben walisischen "Bauern" den Nachfolger We Are Beautiful, We Are Doomed. Für ihr drittes Album Romance Is Boring haben sich Los Campesinos! mit zweijähriger Entwicklungsphase etwas mehr Zeit gelassen.
Ihre Experimentierfreude und Energetik hat das Septett auch auf ihrem aktuellen Longplayer nicht verloren. Im Gegenteil. Es wird geschraubt, geschraddelt und gefrickelt, dass dem Hörer spätestens zur Halbzeit des Albums der Schädel brummt. Der Grat zwischen Kreativität und Chaos war selten schmaler als hier. Es kommt, wie es kommen muss: An einigen Stellen treten Los Campesinos! gehörig daneben. Man fragt sich, ob die Band inmitten ihres enthusiastischen Spieltriebs überhaupt noch den Wald vor lauter Bäumen erkennt. Zumindest der Hörer geht streckenweise im Instrumentendickicht verloren. Höhepunkt dieser musikalischen Irrfahrt ist Plan A, das jeglicher Melodik und Harmonie entbehrt. Glücklicherweise finden Los Campesinos! eben diese in Songs wie We've Got Your Back (Documented Minor Emotional Breakdown #2) oder A Heat Rash In The Shape Of The Show Me State Or Letters From Me To Charlotte wieder. Und auch melancholisch streicherumwobene Tracks wie Who Fell Asleep In oder The Sea Is A Good Place To Think Of The Future funktionieren ausgesprochen gut. Dies sind kleine Perlen des Albums. Wegweisende Laternchen im düsteren Unterholz einer Platte, die sich laut Band textlich mit "Tod und Zerfall des menschlichen Körpers, Sex, verlorene Liebe, Nervenzusammenbruch und Fußball" auseinandersetzt.
Wenn Coda: A Burn Scar In The Shape Of The Sooner State als letzter Song mit einem allumfassenden Synthie-Rauschen ausklingt, beschleicht den leicht desorientierten Hörer die Frage, wie viele unterschiedliche musikalische Reize das menschliche Hirn aufnehmen kann, bevor die grauen Zellen schwarz werden. Los Campesinos! muten den Synapsen mit Romance Is Boring doch einiges zu. Um die gesamte Bandbreite des Albums aufnehmen zu können, seien an dieser Stelle dringlichst weitere Hördurchläufe empfohlen! Dann nämlich beginnt Romance Is Boring trotz aller Brüche und Unstimmigkeiten Spaß zu machen.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 29. Januar 2010 Label: Cooperative Music
Website: www.loscampesinos.com Myspace: www.myspace.com/loscampesinos
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Mit seiner neuesten Veröffentlichung Heartland legt Owen Pallett zu Gunsten seines eigenen Namens das Alterego Final Fantasy ad acta. Ganz entsprechend der Wende hin zu persönlicheren Texten und dem allgemeinen Gefühl, dass der kanadische Ausnahme-Violinist und Songwriter mit Heartland endlich sein Projekt, sein geistiges Kind gefunden hat, das all seine künstlerischen Leistungen der Vergangenheit um Welten überflügelt. Und was für eine Leistung Heartland ist: Die eigenen Ansprüche Palletts scheinen von Album zu Album zu steigen. Glänzten seine beiden Final-Fantasy-Platten zwar schon durch ausgefeilte Folk-Pop-Songs mit einem Hang zu elektronischen Strukturen und klassischen Kompositionstechniken, liegt mit Heartland nun ein klassisch-orchestriertes Konzeptalbum eines Electro-Tüftlers vor, der hiermit alles vorangegangene wie ambitionierte Fingerübungen erscheinen lässt.
Pallett ist es gelungen durch Melodien zwischen Empathie und Dramatik eine völlig neue Welt zu erschaffen und (paradoxerweise) ermöglicht eben jene opulente, aber in keinem Fall schwülstige Welt seinen Sounds überhaupt erst, warme und zugleich doch auch ungemütliche Gefühle zu transportieren. Wie von Pallett gewohnt, schichten sich die einzelnen Klänge seiner Violine übereinander, die echten Instrumente der tschechischen Philharmoniker brummen wie alte Analog-Synthies. Die Luft knistert, die Spannung steigt, ohne sich jemals wirklich zu lösen. Disharmonien verwandeln sich immer wieder in Wohlklang. Wir durchleben Höhen und Tiefen, die von innerer Zerrissenheit zeugen. Und über allem liegt diese unterschwellige Unruhe, aus der uns nur Palletts einschmeichelnde Stimme holen kann.
Textlich machen es uns die Themen Palletts etwas einfacher. Es geht um die großen Themen der Menschheit: Begierde, Liebe und Selbstfindung. Es gibt Momente der innigen Erkenntnis, tiefe Krisen des Glaubens, den völlige Verlust der Hoffnung und den Glauben an große Mächte, die das Leben lenken. Pallett zerstört sich mit jeder Note ein wenig selbst, um sich neu zu erfinden, und taucht diese Seelenreise in eine herrliche Soundkulisse. Heartland wird nicht umsonst als Zyklus bezeichnet, denn das verbindende Glied der zwölf Songs ist nicht nur das harmonische Klangbild, sondern auch die Geschichte dahinter, deren kleine, versteckte Anspielungen eigens ein Buch füllen könnten. Aus der Perspektive des jungen Farmers Lewis durchstreifen wir das fiktive Land Spectrum, erleben in einem filmreifen Spannungsbogen wie er sich seinem Schöpfer Owen(!) bewusst wird, darauf seine Frau tötet und die Kinder verlässt, um sich auf eine Reise durch eine imaginäre Welt zu begeben, um seinem Schöpfer gegenüber zu treten.
Das klingt alles nach schwerer Kost. Auf Heartland entwickelt Pallett klassische Vorbilder geistvoll weiter und geht dabei überhaupt nicht verkopft, sondern sehr klangsinnlich zu Werke. Pallett bietet großes Theater der aufwallenden Gefühle. Auf der einen Seite zuckersüß-gekünstelt, auf der anderen mit scharfen Kanten. Man kann Heartland hassen oder lieben (lernen), doch gleichgültig lassen wird es niemanden. Wer in Palletts Welt eintaucht, könnte von Heartland ebenso zerrissen werden wie Lewis - und so am Ende doch zu sich selbst finden. Palletts Drittwerk mag sich dem üblichen Popgenuss verschließen, doch es ist großes Kino für die Sinne. Ein Songzyklus, bei dem Pallett stolz sein kann, seinen eigenen Namen auf dem Cover zu lesen.
Review: Katrin Reichwein
Erscheinungsdatum: 22. Januar 2010 Label: Domino Records
Website: www.owenpalletteternal.com Myspace: www.myspace.com/owenpallettmusic
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Damit wäre die sogenannte Berlin Trilogie komplett. Nach Pure Vernunft... und Kapitulation folgt jetzt der dritte Teil der mit Moses Schneider in Berlin aufgenommenen Reihe. Dass es sich bei dieser Folge lediglich um eine Entwicklung handelt, die erst bei ihrem Abschluss offensichtlich geworden ist und letztendlich nur ein Spaß in Anlehnung an David Bowie ist, scheint dabei ganz gut ins Konzept zu passen, wie die Band selbst verlauten lässt. Schließlich handelt es sich bei Schall & Wahn tatsächlich um ein Album, das sich bei den Vorgängern einreiht, aber dennoch eigenständiger kaum sein kann, so wie man es von einer Band wie Tocotronic gewohnt ist.
Klang und Stimmung des Albums passen durchaus zu den beiden zuerst genannten Alben, aber trotzdem schlagen Tocotronic allen Erwartungen zum Trotz und unterstützt durch orchestrale Instrumente inhaltlich erneut in eine neue Kerbe, was jedoch so in der Form auch schon wieder aus einer gewissen Erwartungshaltung heraus vorherzusehen war. Auch wenn es sich um eine Trilogie handeln mag, wiederholen sie sich in keinster Weise. So bieten sie auf Schall & Wahn den Kritikern, die sie jedes Mal lobend als ernstgenommenste Band Deutschlands darstellen und gleichzeitig kritisch zu interpretieren versuchen, wie immer jede Menge Diskussionsstoff. Es läuft ab wie immer: Das Album erscheint, die Kritiker aller großen Zeitungen versuchen die Band und ihre Texte zu deuten und dann kommen Tocotronic daher und negieren alles.
Daher bleibt festzuhalten, wie sich Tocotronic selbst zu ihrem neuen Werk äußern, bzw. was der Pressetext tatsächlich hergibt: "In zwölf hell und finster leuchtenden Liedern entwerfen Tocotronic eine wahrhaft infernalische Welt, die von Liebe und Verbrechen beherrscht wird, vom Guten wie dem Bösen. Sie erzählen von der Ambivalenz des Schmerzes und von wohlbekannten Lastern wie Neid, Feigheit und Gier." Was Tocotronic dabei auszeichnet, ist wieder einmal ihre ganz eigene Wortwahl und die damit verbundene Umsetzung dieser angesprochenen Themen, die keineswegs platt, sondern auf eine für Tocotronic typische Art und Weise lyrisch – mitunter sogar recht humorvoll – dargeboten werden. Bei weiterer Lektüre des Pressetextes erfährt man, wie der Albumtitel bereits vermuten lässt, dass es sich vor allem um "ein Album über Musik" handelt. "Über die Kraft des Schalls...zu erklingen, sich auszubreiten und uns fort zu tragen, dem Flug der Töne zu folgen, wohin auch immer."
Letzten Endes kam man nur empfehlen, sich darauf einzulassen und zu versuchen dem Flug der Töne zu folgen, andernfalls wird man wohl nie erfahren, wohin er einen führen wird. – Wo er Tocotronic hinführt hat sich jedenfalls schon gezeigt, als sie von Null auf Eins in die Album-Charts gestiegen sind. So kann es weitergehen.
Review: Axel Schinkel
Erscheinungsdatum: 22. Januar 2010 Label: Rock-O-Tronic/Vertigo (Universal)
Werbsite: www.tocotronic.de Myspace: www.myspace.com/tocotronic
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Mit ihrem Debütalbum Beat Pyramid, das sich Genrezuschreibungen im allgemeinen und der Neo-Post-Punk Schublade im besonderen mehr als nur entgegenstellte, haben These New Puritans schon 2008 eine beachtliche Ansage gemacht. Unbeirrt führen sie mit Hidden ihre Mission nun fort, einem waschechten Bastard. Gitarren sind von gestern!
In erster Linie dreht sich hier alles um Beats, Beats und nochmal Beats. Von Rock keine Spur, dafür ein düsterer Mix aus Dancehall, Dubstep, HipHop und wilder Schlagzeug-Action. Das ganze wird umhüllt und durchdrungen von einer gewaltigen Menge an Holz-, Blechblas- und Streicherarrangements und Chorgesängen, die in den einzelnen Tracks auftauchen und an anderer Stelle wieder gesamplet werden. Schon der Opener Time Xone und ein paar Interludes lassen einen mehr an ein Orchester der Romantik als an eine englische Rockband denken. Da gibt es keine Strophen und Refrains, höchstens sich monoton wiederholende Phrasen, keine Riffs und keine wiederkehrenden Melodien. Hinzu kommt noch der eigenwillige (Sprech-)Gesang von Mastermind Jack Barnett, und damit dürfte klar sein: Vom Format "Popsong" und einem Album voller Hits wollen These New Puritans nichts wissen.
Stattdessen werden nach Beat Pyramid ein weiteres Mal die Belastbarkeitsgrenzen des Zuhörers ausgelotet. Natürlich ist diese Platte von unhörbarem, avantgardistischem Industrial-Geräusch-Krach weit entfernt, jedoch verlangt Hidden ein vergleichbar erhöhtes Maß an Aufmerksamkeit, sonst rollt diese ambitionierte und ausgeklügelte Musik wie eine Panzerkolonne an einem vorbei. Aufspringen, roll with it! Musikhören muss manchmal auch etwas anstrengend sein, sonst würde einem zuviel große Kunst komplett entgehen. Ebenfalls bewundernswert, wie diese junge Band auf Trends pfeift und ihre eigenen Bahnen zieht. Man darf gespannt sein, wohin das noch führen kann.
Review: Michael Döringer
Erscheinungsdatum: 15. Januar 2010 Label: Domino Records
Website: www.thesenewpuritans.com Myspace: www.myspace.com/thesenewpuritans
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Als Delphic im letzten Jahr Bloc Party supporteten, sorgte das aus Quartett aus Manchester für große Augen und offene Ohren. EP Counterpoint machte den neu gewonnnen Fans den Mund wässrig. Nun erscheint mit Acolyte endlich der lang ersehnte Longplayer der Band.
Das Rezept von Acolyte ist raffiniert einfach: Man nehme wavige Synthesziser, würzt diese mit zackigen Beats und heraus kommt ein schmackhaftes Süppchen tanzbarer Popsongs. Weder die Idee, noch die Töne dahinter sind wirklich. Schnell erinnert der Sound an eine Melange aus New Order, den Pet Shop Boys und einer Prise Bloc Party. Dies ist in kleinster Weise verwerflich. Niemand erfindet das Rad neu und warum sollte man ein Konzept verändern, das schon seit Jahren für eine begeisterte Hörerschaft sorgt? Viel enttäuschender ist der Fakt, dass es Delphic nicht ganz gelingen will, jene Energetik, die sie auf der Bühne versprühen, auch auf Polycarbonat zu bannen bzw. die Aufmerksamkeit des Hörers über 10 Stücke hinweg zu halten.
So rasant die EP Counterpoint voraus preschte, so schnell geht Acolyte die Puste aus. Schuld daran ist nicht die mangelnde Geschwindigkeit. Delphic jagen ihre Songs mit 200 Umdrehungen durch die Lautsprecherboxen, stets auf der Suche nach dem perfekten Popsong wie es scheint. Es piept und surrt, es brennt die Luft. Mit Tracks wie This Momentary oder Halycon setzt das Quartett auch durchaus Akzente, die für ein angenehmes Nachtfieber-Feeling sorgen. Was Acolyte jedoch fehlt, ist das Gespür für Variation und Flexibilität. Die Tracks wirken wie in ein zu enges Korsett verkopfter Perfektion geschnürt, das dem Album mehr Starre als Rückhalt verleiht. Vom anfänglichen Funkenflug bleibt nach einer knappen Stunde mehr Rauch als Schall zurück.
Den perfekten Popsong finden weder Delphic noch der Hörer auf Acolyte. Vielmehr sind es Skizzierungen und Anrisse dessen, was irgendwo unter der Oberfläche aus wummernden Beats und flirrenden Synthies brodelt. Leider tauchen Delphic nicht tief genug ab, um eben diese Schätze zu bergen. Was unterm Strich auf dem Plattenteller übrig bleibt, ist ein Album, das weder Fisch noch Fleisch ist. Es wird eben doch nichts so heiß gegessen, wie's gekocht wird.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 29. Januar 2010 Label: Cooperative Music
Website: www.delphic.cc Myspace: www.myspace.com/delphic
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Darf's auch ein bisschen mehr sein? Bei Tommy Finke ist "ein bisschen mehr" nicht weniger, als das Zweifache. Sein neues Album Poet der Affen / Poet Of The Apes erscheint als musikalisch doppeltes Lottchen in einer deutschen und einer englischen Ausgabe.
Die Grundidee, als deutschsprachiger Künstler einen Longplayer in einer englischen Version zu veröffentlichen, ist gewiss spannend - wenn auch nicht unbedingt neu. Tommy Finke hat den Versuch gewagt und einen Schritt weiter geführt. Novum ist die zeitgleiche Veröffentlichung beider Platten in Form eines Doppelalbums. Von der Idee an sich mag man halten, was man will. Was für die meisten eine Form der Vermarktung darstellt, hat für den Bochumer schlichtweg den praktikablen Hintergrund, nichtdeutschsprachigen Fans eine verständliche Alternative seiner Texte anzubieten. Das Experiment ist geglückt. Die Songs von Tommy Finke finden auch in Englisch mühelos ihren Weg in den Gehörgang. Keine brüchigen oder gar peinlichen Formulierungen, keine hackeligen Übersetzungen. Vielmehr entwickeln die Tracks trotz kongruenter Instrumentalspuren ihren eigenen Charme und ihre eigene Identität.
Textlich zeigt sich Tommy Finke nach wie vor als reflektierter Jungerwachsener, der seine Welt mal nachdenklich melancholisch, mal ironisch augenzwinkernd beobachtet. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse teilt er mit seinen Hörern. Im kleinen gemütlichen Rahmen eines liebevoll aufbereiteten Digipaks. Besonders gelungen sind dabei Songs wie Die Tiere suchen, Es kommt kein Schiff oder Die Arroganz der Gosse. Der Sound ist reduzierter, vieles dreht sich um das simple wie schöne Zusammenspiel aus Gitarre und Gesang. Unüberhörbar sind dabei die Einflüsse von Oasis, derer sich Tommy Finke bedient. Warum auch nicht? Das Talent borgt, das Genie stiehlt und sowieso und überhaupt hat der Bochumer nie einen Hehl aus seiner Vorliebe für die Parade-Mancunians gemacht.
Laut Finke selbst sollte "die Platte den Charme des Unperfekten haben". Oasis zogen vor einiger Zeit den Umkehrschluss: "True perfection has to be imperfect." Alles richtig gemacht, Herr Finke!
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 29. Januar 2010 Label: Roof Music
Website: www.tommy-finke.de Myspace: www.myspace.com/tommyfinke
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Gerade mal sechs Monate ist es her, dass die Eels Hombre Lobo veröffentlicht haben und nun blicken uns die traurigen Augen einer in dunklen Blau-, Schwarz- und Grautönen gezeichneten älteren männlichen Person vom Cover des neuen Eels-Albums entgegen. Diese ohnehin schon besonders kurz wirkenden sechs Monate zwischen den Alben werden noch kürzer, wenn man bedenkt, dass das Album vor Hombre Lobo auf das Jahr 2005 zurückgeht. – Von den Veröffentlichungen der beiden Live-Alben, der beiden B-Seiten- und Raritäten-Sammlungen und des Best-Of-Albums mal abgesehen. – Nun ein halbes Jahr später scheint Mark Oliver Everett aka E also wieder genug Output zu haben und macht – nachdem er zwischenzeitlich ein Buch geschrieben und einen Dokumentarfilm über seinen Vater gedreht hat – wieder mit vollem Tatendrang das, was er als seinen Job bezeichnet.
Sein neues Werk nennt sich schlicht und einfach End Times. Und der Name ist Programm. Wo Hombre Lobo uns Geschichten aus der Sicht einer fiktiven Person erzählte, werden bei End Times Geschichten aus dem wahren Leben zum Ausdruck gebracht und dass Everett erst kürzlich eine Scheidung hinter sich hat, trägt unabwendbar einen großen Teil dazu bei. So handeln ausnahmslos alle Songs vom Ende einer Beziehung und/oder vom Alleinsein. Mal ist es eine simple Situationsbeschreibung wie in The Beginning oder A Line In The Dirt, mal eine schlichte Hinwendung zur Trauer wie in In My Younger Days, mal eine Expression purer Wut wie in Unhinged und mal fehlerlos vertonte Einsamkeit wie in Little Bird. Abgerundet wird das Thema letztlich mit dem Song On My Feet, in dem der Protagonist erkennt: "I just gotta get back on my feet".
Trotz dieses auf den ersten Blick relativ eng abgesteckten Themas gelingt es Everett wie beispielsweise in Nowadays dennoch das Ganze durch weitere Inhalte, wie dem Werteverfall der Gesellschaft, zu erweitern, indem er sein eigenes Scheitern und seine Situation in einer allumfassenden Weise zum Ausdruck bringt, der man sich nur schwer entziehen kann.
Aber nicht nur den Texten kann man sich schwer entziehen. So ist dieses Album, wie es passender nicht sein kann, recht spärlich instrumentiert und kommt über weite Strecken nur mit Gitarren- und Pianobegleitung aus, was kein Wunder ist, wenn man bedenkt, dass Everett einen großen Teil der Lieder zuhause mit einem Vierspurgerät selbst aufgenommen hat. Das Ergebnis kann sich auf jeden Fall mehr als nur hören lassen und ist aus meiner Sicht bereits jetzt definitiv eines der besten Alben des Jahres 2010!
Review: Axel Schinkel
Erscheinungsdatum: 22. Januar 2010 Label: Cooperative Music
Website: www.eelstheband.com Myspace: www.myspace.com/eels
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"It was a bright and beautiful morning in spring...". Das Präludium von Vexations lässt einen bereits ahnen, dass derartiges Kleinod nicht ewig währen kann. Das zweite Get Well Soon-Album Vexations (deutsch: Ärgernisse) ist eine Auseinandersetzung mit der Auseinandersetzung. Ein musikalisches Traktat über die Angst vor dem Vergehen und der Versuch, sich mit den Urzweifeln zu arrangieren. Es hat an sich selbst den Anspruch ein philosophisches Album zu sein. Es ist ein Opus über den Stoizismus, ein Werk wider den Fixsternen.
Get Well Soon, sprich Konstantin Gropper, reflektiert dabei offensichtlich selbst über seinen kometenhaften Aufstieg nach seinem Sensationsdebüt Rest Now Weary Head.... Das Misstrauen gegen den Hype um die eigene Person als Ausgangspunkt nehmend, ersingt sich Gropper mit sonorer Stimme den Raum der großen Fragen. Das klingt verkopft und ist es auch. Vexations ist ohne Frage sperrig. Die epischen Arrangements mit Streichern, Bläsersätzen, Xylophonen, Chor erscheinen anfänglich arrogant, die Melancholie narzisstisch und anmaßend. Die Platte zu erschließen, bedarf einiger Geduld. Doch lohnt der Moment, in dem man, gepackt von einem Strudel aus schonungsloser Harmonie und herrlicher Düsterkeit, sich diesem ergreifenden, zynischen Fatalismus vollkommen ergibt.
Das "German Wunderkind" (NME) überrascht mit diesem mutigen Zweitlingswerk. Vexations ist ein Konzeptalbum, das verstören und spalten wird. Pathos, Freunde!
Review: Maximilian Sippenauer
Erscheinungsdatum: 22. Januar 2010 Label: City Slang
Website: www.youwillgetwellsoon.com Myspace: www.myspace.com/youwillgetwellsoon
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Aus zwei mach vier. Das ehemalige deutsch-französische Duo bestehend aus Sängerin Isabelle Frommer und Gitarrist André Tebbe hat musikalischen Zuwachs bekommen. Ab sofort gehören Bassist Daniel Decker und Schlagzeuger Janosch Brenneisen zum festen Kader der Band. In dieser Konstellation präsentieren Er France dieser Tage ihren aktuellen Longplayer Pardon My French, Chéri!.
Bereits die ersten Minuten machen klar, dass sich die personenspezifischen Neuerungen bei Er France mehr als bezahlt machen: Pardon My French, Chéri! strotzt nur so Frische. Der Grund dafür liegt nicht zuletzt in dem leichten Punk-Odeur, das die Songs umweht. Trotz der Energetik bleiben Er France dem Konzept tanzbarer Indie-Pop-Songs treu. I Hate That Part bedient sich passagenweise bei Teenage Kicks der Ramones und stülpt dem knarzigen Punkgrundgerüst ein swingendes Gewand über, das an beatleeske 60s-Zeiten erinnert.
Überhaupt präsentiert sich Pardon My French, Chéri! sehr heterogen und ausgewogen. So sind Er France nach wie vor der Mischung aus französischen und englischen Textpassagen sind Er France treu geblieben - auch, wenn diesmal der englische Sprachanteil innerhalb der Texte größer ist. Der geschickt platzierte Einsatz additionaler Instrumente wie Bläser, Synthies oder Glockenspiel sorgt für Abwechslung. Nicht zu vergessen Isabelle Frommers Stimme, der mühelos der Spagat zwischen juveniler Rotzigkeit und mädchenhaftem Charme gelingt.
Pardon My French, Cheri! bedeutet übersetzt so viel wie Entschuldige, dass ich dich so übel beschimpft habe, Schatz!. Wenn die musikalischen Beschimpfungen von Er France grundsätzlich so tanzbar ausfallen, wie ihr drittes Album, dann gilt es zu hoffen, dass sie noch einige davon in petto haben. Und entschuldigen muss sich das frischgebackene Quartett dafür mit Sicherheit auch nicht.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 22. Januar 2010 Label: Lolila
Website: www.erfrance.de Myspace: www.myspace.com/erfrance
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OK, wer an diesen queren Bandnamen denkt, assoziiert Schwermetaller und schwarze Bandshirts mit Totenköpfen unter der Kutte. Aber falsch, Band Of Skulls sind die englischen White Stripes, mit einer genau so queren Erfolgsgeschichte. Ihre Debüt-Single I Know What I Am verkaufte sich satte 400.000 Mal auf I-Tunes und das waren sicher nicht nur Kuttenträger. Dahinter versteckt sich also auch irgendwie die Popmaschinerie. Und so ist es auch, denn die Band aus Southamptom, dessen Sänger und seine Gitarre klingt wie Jack White, findet sich auch auf dem Soundtrack des neuen Vampire-Hype-Films Twilight wieder. Bereits vor Release ging ihr Stück Friends sogar in die Deutschland auf Platz 3 der Charts. (Man fragt sich nur, warum Friends nicht auf dem Debüt enthalten ist.) Blitzstart und Erfolgsgeschichte? Scheint so, klingt aber eher nach Achterbahn und wird sich nicht lange halten. Denn dafür sind die Band of Skulls nicht individuell genug. Sicher gibt es hier mit Fires einen exzellenten Song, der mit fantastischen Harmonien, zwingender Dynamik und einem herzzerreißenden Duett-Gesang brilliert, doch irgendwie scheint alles ein wenig eklektisch.
Am besten klingen Band of Skulls noch, wenn sie ihre ruhigen Stücke wie Blood (zusammen mit Fires das beste Stück des Albums) und Honest spielen, bei denen die wunderbar einfühlsame Stimme von Bassistin Emma Richardson zur Geltung kommt. Dies klingt unglaublich authentisch, aber dieser gewollte Stripes-Rock'n'Roll rollt nicht und klingt irgendwie gezwungen. Diese Engländer bedienen sich einmal bei den White Stripes (Light Of The Morning), dann bei Isaac Hayes (I Know What I Am), um dann noch als Schmankerl es (mit Patterns) auch den aktuellen Elektro-Freunden recht zu machen. Sorry, aber für mich sollte die Band der Knochen lieber ruhiger agieren und sich umbenennen.
Was allerdings neben all diesen Dingen überzeugt, ist, dass Erfolg der Band of Skulls gar nicht wichtig zu sein scheint, da sie einen Auftritt der Band Sea Wolf einer Filmpremiere und eventuellen Auszeichnung vorzogen. Und das klingt schon eher nach Rock'n'Roll...
Review: Marc Philipp Meyer
Erscheinungsdatum: 22. Januar 2010 Label: Warner
Website: www.bandofskulls.com Myspace: www.myspace.com/bandofskulls
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Großartigen Schaden will das Dreiergespann aus Berlin eher nicht anrichten wenn es mit ihrer neuesten EP die Tanzflächen befeuert. Die ein oder anderen blauen Flecken und zerbrochene Bierflaschen könnte es aber dennoch geben in den Clubs, wo sich die Kids "Indie" und "Electro" in die Fresse tätowiert haben. Dort wird nämlich nicht nachgefragt, sondern man lässt sich rocken. Und das funktioniert ganz gut.
Entstanden sind Popular Damage 2007 aus zwei Berliner Bands, Last Call For Disco und LUX, und setzen sich zusammen aus Fabian (Drums), Stephan (Bass) und Sängerin Nadine (außerdem Gitarre und Sampler). Nach einigen EPs und gar nicht mal so schlechten Remixes für Zoot Woman, Digitalism und Miss Platnum kommt diese EP nun allerdings ziemlich unaufregend daher, wenn man sich das Ganze im gemütlichen Wohnzimmersessel anhört – im Club ändert sich bestimmt viel, man kennt das ja. Um den Sound grob zu verorten: Von Homework von Daft Punk bis zum Digitalism Album und einigem, was dazwischen so passiert ist; kommt einem schon ganz schön vertraut vor das alles. Der Gesang holt dann auch noch Uffie und La Roux mit ins Boot. Besonders originell klingt The Royal Fly also nicht. Tracks wie Exclusive und Savvy In Newby lassen einen mit Piepmelodien und 8-Bit-Sounds dann auch noch an MGMT oder The Postal Service denken, und dann schmeisst man das Ding entweder weg oder lässt es noch ein paar Mal laufen. Vor allem letztgenannte Songs machen am Ende schon ganz gut Spass.
Everybody Got Young gibt's in drei Ausführungen: Der Double Dragon Remix kommt ziemlich billig und geht im Hall baden, der Original-Mix ist schön laid-back und der Fukkk Offf Remix knarzt ordentlich im Tech House-Gewandt. Auch die zwei Versionen von Easy Money können was, und eifern fleißig den großen Brüdern und Schwestern von Ed Banger und Kitsuné nach. Manche wollen den New Rave einfach bis in alle Ewigkeit feiern. Die mit den Neonstäben im Maul entscheiden letztlich, ob das hier jetzt wirklich genug taugt.
Review: Michael Döringer
Erscheinungsdatum: 11. Dezember 2009 Label: AWAL
Myspace: www.myspace.com/populardamage
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Anajo und das Poporchester heißt das neue Album des Trios aus Augsburg. Die Tapete Band, die auch schon ihr Bundesland Bayern bei Stefan Raabs Bundesvision Song Contest vertrat, feiert ihr zehnjähriges Bandbestehen mit einem "Best of Album". Die Augsburger Indiepopper haben sich 26 klassische Orchestermusiker ins Studio eingeladen und gemeinsam ihre "Anajoklassiker" in frische und poppige Orchestergewänder gepackt. Dabei haben es die drei Musiker geschafft, die Jugendlichkeit ihrer Songs beizubehalten und eine durchweg sehr interessante und neue musikalische Atmosphäre zu gestalten.
Was vielleicht als Belohnung für die Fans und eigenes Bandgeburtstagsgeschenk gedacht war, entpuppt sich als ein gutes musikalisches Werk. Alaska Winter hat gut daran getan, alles sorgfältig von der Pieke auf von Orchester und Band neu einspielen zu lassen. Die 12 Songs der Platte können sich mehr als hören lassen. Eröffnet wird das Album mit dem bisher nur auf der Bühne aufgeführten The Cure-Cover Boys Don`t Cry. Sorgfältig übersetzt wird dieser Song Jungs weinen nicht. Als Fan der englischen Sprache und Cure-Verehrer wird man durchaus Probleme haben, diesen Song hinzunehmen und ihm musikalische Liebe entgegenzubringen. Die durchaus charmant klingenden Übersetzungen können einem ein bisschen aufstoßen und die eingepassten Intonationen sind gut gemeint, aber treffen dann doch nicht das Cure-Herz.
Die Ärzte haben es vorgemacht und Anajo zeigt, dass auch sie mit Orchester arbeiten können, um ihren besten Punksongs etwas mehr Etikette zu geben. Sie können einfach mehr als nur auf der Gitarre rumschrammeln. Sie besitzen musikalisches Feingespür. Fest steht, für alle Anajo-Fans wird dieses Album ein musikalisches Fest.
Review: Tobias Basse
Erscheinungsdatum: 27. November 2009 Label: Tapete Records
Website: www.anajo.de Myspace: www.myspace.com/anajomusic
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Die von vielen Fans lang ersehnte Wiedervereinigung der Stone Roses wird es wohl auch in der nächsten Zeit nicht geben, dafür präsentiert Ex-Stone Roses Sänger Ian Brown sein mittlerweile sechstes Solowerk. My Way ist ein autobiographisches Album, dessen Songs von mehreren Jahrzehnten geprägt sind. Sie behandeln sowohl musikalisch als auch inhaltlich entscheidende Momente aus seinem Leben.
Die autobiographische Reise des Ian Brown in 12 Akten beginnt mit dem Eröffnungstrack Stellify, der mit einem Klavier loslegt und in dessen weiteren Verlauf immer wieder durch einige Bläser Akzente gesetzt werden. Hier beschert Ian Brown dem Hörer direkt zu Beginn einen unwiderstehlichen Popsong mit Ohrwurmcharakter. Das darauf folgende The Crowning Of The Poor verbindet elektronische Elemente mit HipHop-Beats und erhält durch seine düsteren Lyrics einen leicht melancholischen Beigeschmack. Es folgen die wehmütige Ballade Always Remember Me, das atmosphärische Vanity Kills, das trotzige For The Glory und das groovige Marathon Man. Neben 11 Eigenkompositionen befindet sich auf My Way auch eine mit Trompeten aufgepeppte Coverversion des Zager & Evans-Klassikers In The Year 2525, die sich wunderbar in das Klangbild des Albums einfügt.
Stilistisch bewegt sich Ian Brown auf My Way nicht nur in einem abgesteckten Rahmen, sondern wandelt auf verschiedensten musikalischen Pfaden und experimentiert viel - völlig kompromisslos. Doch Kompromisse ist Ian Brown musikalisch noch nie eingegangen, sondern hat immer nach seinen eigenen Regeln Songs kreiert, ohne dabei auf irgendwelche Vorgaben zu achten. Und genau darin liegt nach wie vor seine Stärke. So ist am Ende ein geschlossenes Gesamtwerk entstanden, das unkonventionell und gewohnt selbstsicher daher kommt. Unverkennbar Ian Brown eben.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 13. November 2009 Label: Fiction
Website: www.ianbrown.co.uk Myspace: www.myspace.com/ianbrown
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Referenzen von den Eagles zu Elliot Smith und wieder zurück. Kevin Devine und die Suche nach Klangbewusstsein. Brother's Blood ist das fünfte Studioalbum des New Yorkers und bei weitem nicht sein schlechtestes. Devine operiert diesmal mit Band (Goddamn Band) und erweitert somit sein Singer-Songwriting um die Dimension des Rocks. Ein Album wie eine Collage aus akustischen Stillleben, Countrieskem und Indierockballaden. Devine liefert erneut ein grundsolides Album ab mit Höhepunkten wie Carnival oder Tomorrow's Just Too Late, stellt wieder sein musikalisches Gefühl für Arrangement und Dynamik unter Beweis und dennoch wird auf Brother's Blood das große Dilemma des Kevin Devines deutlicher denn je.
Jeder Ton wirkt bekannt, jede Harmoniefolge zitiert. Man denkt sich die ganze Zeit, "das klingt doch wie...?" und nie "so also klingt Devine". Am Ende ist es gerade der Versuch, durch eine Genreerweiterung, seine eigene Position innerhalb des Musikkosmos klar zu definieren, der das Album Brother's Blood scheitern lässt. Das, was hier als musikalische Bandbreite beeindrucken soll, erweist sich vielmehr als reiner Mangel an Ideen. Die Mannigfaltigkeit von Brother's Blood am Ende nicht mehr als Ausdruck von elender Mittelmäßigkeit. Um sich von dieser Mittelmäßigkeit zu befreien, muss sich der zweifelsohne talentierte Kevin Devine endlich vom profanen Prozess der Reproduktion des Vorhandenem emanzipieren und nicht hundert verschiedene Klänge, sondern einen ganz eigenen finden. Die Suche nach dem eigenen Klangbewusstsein dürfte für Kevin Devine also gerade erst begonnen haben. Andernfalls wird über seine zukünftigen Werke genauso zu urteilen sein wie über Brother's Blood und sein gesamtes bisheriges Oeuvre: Prädikat: Durchschnitt.
Review: Maximilian Sippenauer
Erscheinungsdatum: 06. November 2009 Label: Arctic Rodeo Recordings
Myspace: www.myspace.com/kevindevine
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Vielleicht hätte ich mich auf diese Platte besser einstimmen können als mit einem Film über Westberliner Underground-Kunst der Zeit nach Punk. Etwa mit einem Warhol Bildband, könnte man bei Covergestaltung und Namenswahl von Das Pop meinen. Auch nicht. Eher mit Radiohören oder so was Dämlichem. Dämlich ist das dritte Album der vier Belgier ja wirklich nicht. Eine volle Ladung Pop-Rock, mit allem was dazugehört (fürchterliche Streicher, tödliche Balladen usw.), produziert von den Fanboys und Kumpels Soulwax.
Das mit Soulwax findet sich in der beiliegenden Info. Und die treibt es nun wirklich auf die Spitze, diese blöde Angewohnheit, neben einer ellenlangen, hochdramatischen Bandgeschichte obendrein noch eine ausführliche Plattenbesprechung abzuliefern, die eigentlich nur aus völlig übertriebenen Lobhudeleien besteht. Und den Mist liest man dann eins zu eins in zig anderen "Kritiken". Da wird man echt wütend, und die arme Band kann meistens nicht mal was dafür. Shame on you, Promo-Maschinerie! Auf eine Anmerkung will ich trotzdem verweisen, nämlich dass wohl die beiden vorherigen Das Pop-Alben ordentlich mit Synthis und Sequencern ausgestattet waren. Dem ist nun nicht mehr so und geht ausgerechnet auf die Soulwax'sche Rechnung.
Was die Musik betrifft, so erwische ich mich recht bald dabei, immer wieder auf zwei, drei bestimmte Tracks zurückzukommen, die sich eigentlich recht gut hören lassen: Saturday Night Teil 1 und 2 und Fool For Love, obwohl ich bei dessen Gitarrenriff ständig an Kiss denken muss. Aber so gut ist das alles auch nicht, weil den Nummern ein bisschen von dem fehlt, was alle anderen auf der Platte ganz vermissen lassen – Coolness. Sowas rettet nämlich oft den dümmsten Popsong, wenn man der Musik anhört, was der Sänger/Gitarrist/etc. für eine coole Sau sein muss. Dann wäre ein Chorus wie "I can't get enough of your love" nicht so peinlich und man müsste nicht ständig an vier perfekte Schwiegersöhne denken. Nach dem ersten Titel Underground, schon bekannt von einem Justice-Mix (und deshalb wohl erträglich), eröffnet sich ein wirklich abwechslungsreiches Songwriting, ab und an blitzen nette Gitarrenfetzen und Melodien auf. Aber insgesamt: Zu viel Radiopop-Appeal, zu viele happy-handclap-singalong Refrains und zu viele nichtige Texte. Das klingt einfach alles ziemlich uncool, könnte beim nächsten Mal aber locker besser umgesetzt werden.
Review: Michael Döringer
Erscheinungsdatum: 30. Oktober 2009 Label: 541
Website: www.daspop.com Myspace: www.myspace.com/daspop
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Der Name der Scheibe ist Programm. Die jungen Schweden von The Flare-Up liefern mit ihrem neuen Album Whip' Em Hard, Whip' Em Good ein echtes Rock'n'Roll-Monster ab, dass gute Laune macht und dich auf den Tanzflur zieht. Hier trifft die Garage aus den Sechszigern auf den eher mal unaufdringlichen Glam der 70er. Dass passt und klingt rotzig, verspielt, direkt, melodisch und catchy.
Kid Avenger ist so ein Song. Sicher können sich auch The Flare-Up dem Eklektizismus nicht entziehen, aber dafür klingen sie besonders in diesem Song wie ein individueller authentischer Mix aus dem besten der berühmtesten Schweden (nach Abba) Mando Diao und den berüchtigten (nicht alle guten Dinge sind drei) Scheffieldern Arctic Monkeys! Und das macht denen erstmal nach, einen so guten Vergleich zu bekommen. Allein das Gitarren-Lick im Intro ist eine Rocksünde wert und geht direkt IN-DIE-Gehörgänge. Kein Wunder dass die Stockholmer jetzt die angesagtesten Indie-Clubs Deutschland bespielen. Doch was auch besonders überzeugt sind die souligen Garagenanteile in ihren Stücken. Das Titelstück beweist allzu gut, wie es klingt, wenn das Beste aus amerikanischem, englischem und schwedischem Songwriting zusammenkommt. Wie schon Mando Diao, gelingt es auch diesen Schweden besonders gut, auf ihrer neuen Platte so zu klingen, als hätten sie damals die Motown- oder Stax-Studios besucht und gemeinsam an Arrangements gefeilt. Und zum Schluss gibt es mit Sure You're Big Enough neben dem gut gerollten Rock auch noch viel Witz, Charme und eine ordentliche Portion Spielfreude aufs Gemüt.
Was will man da noch mehr sagen: Gefällt!
Review: Marc Philipp Meyer
Erscheinungsdatum: 09. Oktober 2009 Label: TV EYE Records
Website: www.theflareup.com Myspace: www.myspace.com/theflareup
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Mit ...And It's Looking A Lot Like Nothing At All lieferten Stompin' Souls 2008 ein großartiges Debütalbum ab und reihten sich direkt in eine Reihe mit ihren Landsmännern wie Mando Diao oder The Hives. Nun legen die Stockholmer mit Silhouettes ihr zweites Album vor, das sich deutlich von seinem Vorgänger unterscheidet.
Anstatt an den Sound des Erstlingswerkes anzuknüpfen, haben Stompin‘ Souls sich auf ihrem neuen Werk deutlich weiterentwickelt. Die fünf Schweden klingen auf Silhouettes wesentlich ruhiger und gereifter und geben längst nicht mehr so viel Gas wie noch auf ihrem Debüt. Neben einigen schnelleren Nummern wie dem treibenden I Wish I Were You oder dem tanzbaren Morning Bell, die auch durchaus auf dem Vorgängeralbum einen Platz hätten finden können, treten hier verstärkt die ruhigen und sanften Momente in den Vordergrund wie beispielsweise Don't Rewind oder A Part Of Everything. Stompin' Souls emanzipieren sich mit Silhouettes deutlich von den ewigen Vergleichen mit bereits erwähnten Landsleuten und machen einen gewaltigen Schritt zur Eigenständigkeit. Gemeinsam mit Produzent "Konie" Ehrenkrona (u. a. The Horror The Horror) haben sie einen bandeigenen Sound entwickelt, bei dem auch gerne mal neue Instrumente wie Mellotron, Fender Rhodes und Vibraphon zum Einsatz kommen. Doch steht ihnen dieser veränderte Sound gar nicht schlecht zu Gesicht und mindert glücklicherweise auch nicht die Qualität. Stompin' Souls beweisen stets Stilsicherheit und weiterhin ein Gespür für gute Songs wie sich deutlich bei Only A Song, dem zweifelsohne stärksten Track des Albums, zeigt.
Auch wenn hier die geballte Ladung Rock 'n' Roll ausbleibt, so haben Stompin' Souls mit Silhouettes ein durchaus starkes zweites Album hingelegt, das auch ohne Sturm und Drang zu überzeugen weiß. Schließlich werden wir ja alle irgendwann älter.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 23. Oktober 2009 Label: Strange Ways
Website: www.stompinsouls.se Myspace: www.myspace.com/stompinsouls
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Die dunkle Jahreszeit macht sich bemerkbar. Es ist nass, kalt, nebelig und seltsamerweise hat man plötzlich genug Zeit, sich in Gedankenschleifen über das Kommen und Gehen und dem kurzen Bleiben dazwischen zu verlieren. Just zu dieser Zeit schickt uns William Fitzsimmons, der bärtige Barde aus Pennsylvania seinen aktuellen Longplayer The Sparrow And The Crow ins Haus.
Auf seinem dritten Album beschäftigt sich Fitzsimmons in allen Facetten mit dem Scheitern zwischenmenschlicher Beziehungen. Der Sperling als Bote für die neugeborenen Seelen, die Krähe als Begleiter der gehenden. Der Anfang und das Ende. Bereits der Opener After Afterall zieht den Hörer tief hinein in das Niemandsland, in dem gebrochene Herzen vegetieren: Irgendwo in der Ambivalenz aus Einsicht und Illusion, Loslassen und Festhalten, Verlieren und Gewinnen. Über den zwölf Tracks schwebt dabei konstant die Frage, wie es dieser Mann schafft seine tieftraurigen Texte in derart heimelige und warme Melodien zu packen, dass man trotz aller Melancholie und Nachdenklichkeit Hoffnung schöpft. Das Geheimnis liegt wohl in dem perfekten Zusammenspiel aus weichen Pianoklängen, wohltemperierten Akustikgitarren, gemäßigten Banjoarrangements und William Fitzsimmons' ruhiger Stimme, die den Hörer so sanft über die Klippen bösen Realität hinweg trägt wie eine Daunenfeder. Der Windhauch darunter ist die bezaubernde Stimme Laura Jansens, die sich der Singer/Songwriter bei Duetten wie I Don't Feel It Anymore (Song Of The Sparrow) oder After Afterall zur Unterstützung mit ins Boot holt.
Nach 40 Minuten, in denen man um Vergebung gebeten und auf eine zweite Chance gehofft hat, um am Ende zu der schmerzlichen Erkenntnis zu gelangen, dass Liebe manchmal nicht genug ist, läutet Goodmorning mit seiner Zeile "you will find love" plötzlich den Silberstreif am Horizont ein - das Wissen um ein Ende der Nacht. Das Ende und der Anfang - der Kreis schließt sich. The Sparrow And The Crow erinnert an einen Spätlesewein, in dessen schwerer Süße die Wahrheit liegt. Das Schönste daran: Egal, wie viel man davon trinkt, das Glas bleibt am Ende halbvoll.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 23. Oktober 2009 Label: Grönland (Cargo Records)
Website: www.williamfitzsimmons.com Myspace: www.myspace.com/williamfitzsimmons
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Wie Sand am Meer. Mehr und mehr Supergroups mischen sich ins akustische Sammelsurium. Ob Chickenfoot, The Dead Weather oder der neueste Schrei aus dem Mund von Them Crooked Vultures. Aber sind es immer noch durchzechte Nächte backstage hinterm Festivalgelände, auf die so manche Supergroup zurückzuführen ist oder ist es alles nur PR-Kalkül.
Sei es drum wie, auf jeden Fall macht allein der Name Bernard Sumner die Band Bad Lieutenant allein zu einer Supergroup. Und dabei sind die Namen Phil Cunningham, Stephen Morris und Alex James noch gar nicht gefallen. Also noch mal von Anfang an. Bernard Sumner stand neben Ian Curtis bei Joy Division an der Gitarre und am Keyboard. Nach dem Selbstmord von Curtis lebte er sich musikalisch bei New Order aus. Da ist auch Phil Cunningham mit dabei, Stephen Morris kennt er noch als Schlagzeuger von Joy Division und Alex James von Blur kennt man einfach. Die Supergroup wäre also komplett. Doch leider dient der Begriff Supergroup nicht per Definition als Qualitätsmerkmal, nur für den Erfolg der früheren Projekte der Mitglieder. Bad Lieutenant ist es auch leider nicht gelungen an die Qualität früherer Projekte anzuknüpfen. Es fehlt die emotionale Angriffsfläche wie bei Joy Division, es mangelt an der Experimentierfreude von New Order, es fehlt der progressive Gedanke von Blur. Obwohl dieses Debüt sehnlicher erwartet wurde als vielleicht mancher Nachfolger großer anderer Bands, schafft es Never Cry Another Tear diesem Anspruch nicht gerecht zu werden. Es ist wie mit dem 90er Jahre-Film Bad Lieutenant. Das große Potential ist vorhanden, was das lupenreine Songwriting zeigt, doch die Lieder kratzen stets nur an der Oberfläche. Bernard Sumner und Kollegen nicht gelungen, was sie mit ihrem Albumtitel kolportieren. Bei mir tropfen nämlich immer noch Tränen aufs Keyboard, wenn ich an Joy Division und New Order denke. Bad Lieutenant würden schon den Nerv der Zeit treffen, hätten sie ihr Album vor 10 Jahren veröffentlicht. Bei Pulp hat dieser Sound damals auch wunderbar funktioniert.
Trotz der so beschwingten leichten, seichten Gitarrenmusik, wirkt Bernard Sumner umso mehr altbacken und belanglos. Schade.
Review: Matthias Hacker
Erscheinungsdatum: 09. Oktober 2009 Label: Cooperative Music
Website: www.badlieutenant.net Myspace: www.myspace.com/badlieutenantmusic
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Friska Viljor sind zurück und das Erste, was auffällt, ist, dass die sympathischen Schweden von Devil Duck zu Haldern Pop Recordings gewechselt sind. Warum, erfährt man nicht und auch ansonsten gibt der Promozettel nicht viel Neues her. Erneut wird auf die Geschichte von Joakim und Daniel verwiesen, die ihre gerade zerschellten Beziehungen begossen und daraufhin begannen unter dem Einfluss des Alkohols Songs zu schreiben. Das scheint wohl nahezu alles zu sein, was man über Friska Viljor wissen muss. Dass sie live noch schiefer, aber mit viel mehr Seele singen, dafür gerne mit verstimmten Instrumenten auftreten und letztendlich bezeichnenderweise die Jägermeister-Rockliga gewannen, sollte bekannt sein.
Aber dann kommen die Schweden daher und nennen ihr Album For New Beginnings. Was hat das zu bedeuten? Wieso ein Neuanfang? Hast sich doch mehr getan als nur der Labelwechsel? Nein, ich kann euch beruhigen, bzw. muss ich diejenigen, die sich Veränderung gewünscht hätten, enttäuschen. Friska Viljor klingen noch immer wie eine betrunkene Ausgabe der Shout Out Louds mit Falsettgesang und werden es wohl immer bleiben. Naja, aber schlecht erging es ihnen mit ihren Shanty-haften Lalala-Gesängen ja nie. Warum sollte man auch etwas ändern, wenn die Leute immer noch in Scharen zu den Konzerten kommen.
For New Beginnings bietet letztendlich nichts Neues, ist im Vergleich zu den beiden ersten Album vielleicht auf den ersten Blick etwas ruhiger ausgefallen, was vor allem gegen Ende des Albums auffällt. Aber auch die zwei, drei Tanzflächenfüller, wie If I Die Now und People Are Getting Old, sind wieder mit dabei, die das Album dann doch irgendwie abwechslungsreich erscheinen lassen, allerdings nicht an die Hits aus den Anfangszeiten der Band herankommen. Bei den ersten beiden Album trat dieser Eindruck von Abwechslungsreichtum noch verstärkter auf, was auch daran liegen kann, dass die Melodien dieses Mal nicht ganz so eingängig sind wie zuvor. Auch an der Instrumentierung hat sich im Grunde nichts verändert, was ja auch nicht zu erwarten war. So werden ein weiteres Mal Mandoline, Akkordeon und Glockenspiel ausgepackt, um den countryesken Einschlag der Musik zu untermalen.
Schlecht ist For New Beginnings sicher nicht und funktioniert live auf jeden Fall, aber wenn ich mich entscheiden müsste, dann würde ich doch lieber die ersten beiden Alben oder besser noch die nüchternen Shout Out Louds bevorzugen.
Review: Axel Schinkel
Erscheinungsdatum: 16. Oktober 2009 Label: Haldern Pop Recordings
Website: www.friskaviljor.com Myspace: www.myspace.com/friskaviljor
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Nachdem sich fast alle seine Bandkollegen mal mehr mal weniger spektakulären Soloprojekten gewidmet haben - Drummer Fabrizio Moretti mit Little Joy, Nikolai Fraitures mit Nickel Eye und Albert Hammond Jr. mit zwei Soloalben - legt nun auch The Strokes-Frontmann Julian Casablancas sein erstes Soloalbum vor. Phrazes For The Young heißt der mit acht Songs bestückte Longplayer, der in den letzten zwölf Monaten unter der Regie der Produzenten Jason Lader (System Of A Down, Coldplay, Jay-Z u.a.) und Mike Mogis (Bright Eyes, The Faint, Lightspeed Champion etc.) in Los Angeles, New York und Nebraska entstanden ist. Alle Songs des Albums stammen aus der Feder von Casablancas selbst.
Strokes-Fans könnten beim ersten Hördurchgang allerdings ein wenig irritiert sein, denn ein viertes Strokes-Album ist Phrazes For The Young nicht. Julian Casablancas löst sich auf seinem Solodebüt fast völlig vom typischen Sound seiner Hauptband und beschreitet einen neuen unabhängigen Weg. Bereits der Opener Out Of The Blue zeigt deutlich, wohin die musikalische Reise in den nächsten 40 Minuten gehen wird. Dominierten bei den Strokes die Gitarren, so geben auf "Phrazes For The Young" überwiegend Synthesizer- und Keyboard-Sounds den Takt an mit einigen Ausfügen in Folk- und Country-Gefilde (Lodlow St., 4 Chords Of The Apocalypse). Zwei Verbindungspunkte zu den Strokes gibt es dennoch auf dem Album; und zwar Casablancas unverwechselbarer Gesang und sein songschreiberisches Talent, das er auch bei seinem Soloausflug nicht verlernt hat.
Phrazes For The Young wirkt wie eine Art musikalische Selbstverwirklichung Casablancas, bei der er seinem Ideenreichtum und seiner Experimentierfreude freien Lauf lassen kann. Hier wird vieles ausprobiert, ohne sich dabei aber in einem kreativen Wald zu verlieren. Vielmehr ist dadurch ein sehr abwechslungsreiches Album entstanden, das genau so klingt, wie ein Soloalbum klingen sollte: Nämlich emanzipiert vom Sound der Hauptband, jedoch ohne dabei die musikalischen Wurzeln zu verleugnen.
Phrazes For The Young ist ein Album, das vielleicht nicht jedem auf Anhieb gefallen wird. Aber es ist auch ein Album auf dem es immer wieder etwas Neues zu entdecken gibt und das am Ende dann doch durch seine Vielseitigkeit und das songschreiberische Talent von Julian Casablancas besticht.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 30. Oktober 2009 Label: Sony Music
Website (deutsch): www.juliancasablancas.de Website (englisch): www.juliancasablancas.com Myspace: www.myspace.com/juliancasablancas
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Sie ist die damalige Gitarristin von den wunderbaren Ash und dies ist ihr schon drittes Soloalbum. Fakt ist, dass Charlotte Hatherley eine fantastische Gitarristin ist, die auf New Worlds viele neue innovative Ideen miteinander verbindet. Was man allerdings vermisst, ist das besondere Händchen zum Songwriting mit dem gewissen Ohrwurmcharakter, den man bei Ash so liebt. Klar, so ein Vergleich ist immer doof, da Charlotte jetzt etwas anderes macht und auch machen möchte, aber dennoch wird sie diesen Schatten so schnell nicht loswerden. Dafür war ihre damalige Band mit über 10 Millionen verkauften Alben zu berühmt und ihre Rolle zu dominant. Aber zurück zur Platte:
Jeder Song beginnt stark und spielt mit tollen Gitarrenlicks. Dazu die einfühlsame Stimme von Charlotte Hatherley, die besonders im Chorus des Openers White zur Geltung kommt. Eine ganz neue Seite zeigt das beste Stück der Platte Alexander. Sehr melancholisch und einfühlsam ist dieser Song, der Gänsehaut vermittelt und dir an kalten Wintertagen eine warme Umarmung schenkt. Ich frage mich nur, ob dieser Song nicht noch besser wäre, wenn man das angerockte Ende weggelassen hätte. Denn dies passt nicht zum Song und genau dies ist das häufigste Problem am aktuellen Songwriting. Man hat manchmal das Gefühl, es seien mehrere Songs in Einen zusammengepackt worden. Und dies zeigt mal wieder das Pop Minimalismus braucht. Aber vielleicht will Charlotte so wenig Pop sein wie die andere deutsche Charlotte im Medienbusiness, die aber trotzdem Popkulturromane schreibt, die über die Popgrenze "rochen".
Zurück zum Thema: Was überzeugt sind die tollen Ideen. So mischen sich in Straight Lines 70 Jahre Hardrock-Gitarren mit dem Indierock der Neuzeit. Vielleicht sind dies die musikalischen neuen Welten. Interressant ist es allemal, wenn Chralotte bei New Worlds die Indie-Disco tanzen lässt und sich bei Firebird avantgardistisch auslässt, bevor sie bei Little Sahara mal eben 30 Jahre in Sachen Sound und Ausdruck zurückgeht. Neben dem schrecklich 80s beeinflussten Full Circle legt Charlotte Hatherley mit Wrong Notes aber noch ein wunderbar finales Stück hin, was wieder für die farbenfrohe Abwechslung dieser Platte spricht. Wer also Abwechslung braucht...
Review: Marc Philipp Meyer
Erscheinungsdatum: 16. Oktober 2009 Label: Little Sister Records
Website: www.charlottehatherley.com Myspace: www.myspace.com/charlottehatherleyoffical
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Vielleicht waren die Fleet Foxes doch ein bisschen voreilig, als sie Veckatimest von Grizzly Bear schon vor Abgabefrist zum besten (Folk)-Album der 00er Jahre ernannten. Doch Marcus Mumford und seine Mitstreiter Ben, Winston und Ted wollen da auf der Schlussgeraden der Dekade noch mitreden.
Auf Sigh No More hört man keine vier Londoner Jungs, die in einem Studio sitzen und im Kreis gemeinsam musizieren. Nein, die Platte fühlt sich anders an. Marcus, Winston, Ted und Ben liegen nebeneinander in einem golden glänzenden Getreidefeld und schauen in die golden-glänzende Sonne, welche sie zum Schwitzen bringt. Diese Assoziation klingt vielleicht ein wenig malerisch, idyllisch und provinziell. Doch genau das ist es ja, was Sigh No More auszeichnet, die Jungs so sympathisch macht und den Hörer einfach verzaubert. Niemand würde hier an die versmogte Großstadtluft, hupenden Autos und grell flackernden Leuchtreklamen Londons denken
Die Karohemdsärmeligkeit mit der Markus Mumford sein Innerstes bei jedem der zwölf Songs nach Außen kehrt, macht die Ehrlichkeit und Authentizität der Lieder erst erträglich. So wirken Songs wie The Cave, Timshel oder auch Sigh No More trotz ihrer Berührungskraft nie zu intim oder anbiedernd. Letzteres darf ich hierbei ohne weiteres auf Shakespeare-Zitate beziehen, ohne den bodenständigen Charakter Mumford And Sons in Frage zu stellen.
12 Werke voll mit emotionalen Melodien wie bei I Gave You All, 12 Lieder voll mit anrührenden Texten wie bei Awake My Soul und 12 Songs mit fein ausgewählter Instrumentalisierung und Mitsingcharakter wie bei der Single Little Lion Man.
Das Album allein lässt keine genaue Ortsbestimmung der Musik zu. Vom Country des Mittleren Westens, über den Indierock Londons hin zur mitreißenden Kraft einer irischen Pub-Band. Die so traditionell wirkende Musik scheint also wenig auf ihre Heimat zu geben. Auch die Dramaturgie von Sigh No More ist zu erwähnen. Zwielichtig scheint sie, denn alle Songs sind bestechlich gut, stellen sich aber auch deshalb gegenseitig in den Schatten. Doch nicht jeder Wunsch muss in Erfüllung gehen. Gott sei Dank - For Folk's Sake.
Review: Matthias Hacker
Erscheinungsdatum: 23. Oktober 2009 Label: Cooperative Music
Website: www.mumfordandsons.com Myspace: www.myspace.com/mumfordandsons
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Auch zwei Jahre nach Beginn der globalen Finanzkrise vergeht kein Abend, an dem nicht in diversen Talkshows Politiker und Ökonomen über die Auswirkungen des Bankenkollaps diskutieren. Die Wirtschaft am Boden, der Staat verschuldet, die Bevölkerung arbeitslos, und alles soll noch viel, viel schlimmer werden. Keine Rettung in Sicht? Doch, denn Bernd Begemann fasst sich ein Herz und verkündet: Ich erkläre diese Krise für beendet! Wer mag da schon widersprechen?
Um zu dieser Erkenntnis zu gelangen, hat Bernd Begemann aber nicht Konjunkturprognosen und Konsumklimaindizes studiert. Er hat einfach das gemacht, was er am besten kann, nämlich zu Stift und Gitarre gegriffen und ein paar wundervolle Songs geschrieben, die uns vor allem eines lehren: Krise hin oder her, das Problem ist doch immer das Selbe!
Gemeint ist natürlich die Liebe, und der Mittvierziger erzählt davon, als wäre er gerade 20 geworden. Mit viel Ironie beschäftigt er sich mit den Verflossenen, die einem zunächst das Herz brechen und sich anschließend im weit entfernten Berlin mit Caipirinha betrinken (Danke für den Schmerz, Exfreundin in Berlin), den Schwierigkeiten bei der Suche nach der Richtigen (Die neuen Mädchen sind hier, Sie redet Revolution) und nicht zuletzt mit den Tücken einer Beziehung (Du bist mein Niveau). Alles Themen, die man eigentlich nicht behandeln kann, ohne dabei in die Kitsch-Falle zu tappen. Nicht so Bernd Begemann, der erzählt in seinen Songs einfach kleine Geschichten, die meistens recht absurd sind, aber beinahe immer den Nagel auf den Kopf treffen. Am Ende kommen aber auch die Romantiker nicht zu kurz, denn richtig schöne Liebeslieder schreiben kann er auch, wie er mit Weil deine Liebe mich führt beweist.
Die Texte stehen natürlich nicht für sich alleine, musikalisch umrahmt werden sie wieder gemeinsam mit seiner Begleitband Die Befreiung. Auf eine Musikrichtung festnageln lassen sich die Herren aber ganz sicher nicht. Ein bisschen Beat, eine Prise Punk und vor allem eine große Portion Schlager bekommt man zu hören, immer das, was gerade zum Erzählton Bernd Begemanns passt. Und gerade der Schlager-Touch, der vielen Songs des Albums anhaftet, führt bei vielen potentiellen Käufern vielleicht zu einer natürlichen Abwehrreaktion. Nicht gleich wieder weglegen, denn Bernd Begemanns Texte haben es verdient, gehört zu werden. Und nach zwei oder drei Durchläufen findet man schließlich sogar Gefallen an dem Schlagersound.
Eine schöne Platte, die einem dabei Hilft, mit den Tücken des Alltags fertig zu werden. Und die Krisensuppe sollen mal schön die Leute auslöffeln, die sie uns eingebrockt haben.
Review: Andreas Kussinger
Erscheinungsdatum: 16. Oktober 2009 Label: Tapete Records
Website: www.bernd-begemann.de Myspace: www.myspace.com/berndbegemann
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Wer oder was sind Miike Snow? Diese Frage beschäftigte über Monate hinweg die sogenannte Blogospäre, nachdem irgendwann im Frühjahr eine Tanzflächen-Sau namens Animal auftauchte und fortan durchs Indie-Dorf getrieben wurde. Kluge Sache, so ein Versteckspiel. Die Schnitzeljagd nach den Köpfen hinter dem Bandnamen beschert einem zunächst die Aufmerksamkeit der Webgemeinde. Später, wenn die Veröffentlichung des Albums ansteht, kann man die Identität der Kreativen mit großem Pomp heraus posaunen.
Christian Carlsson und Pontus Winnberg heißen die beiden Schweden, denen wir dieses Album zu verdanken haben. Newcomer? Mitnichten, schließlich handelt es sich um das Produzenten-Duo Bloodshy & Avant, dem unter anderem Madonna und Britney Spears den ein- oder anderen Hit zu verdanken haben. Zusammen mit dem amerikanischen Sänger Andrew Wyatt gründeten die beiden Schweden schließlich das Projekt Miike Snow.
Auf ihrem Debüt zeigen sie nun, dass sie nicht nur die Songs diverser Popstars am Mischpult veredeln können, auch mit ihrem eigenen Material klappt das hervorragend. Mit ihrem Sound treffen sie zweifelsohne den Zeitgeist und wandern auf den Pfaden, die MGMT und Co. getreten haben. Überraschend ist aber, dass es sich keineswegs um ein tanzbares Party-Album handelt, sondern um ein eher düsteres Werk, das von einer gewissen Grundmelancholie, getragen wird. Alle Songs, vom bereits erwähnten Animal vielleicht abgesehen, kommen eher schwermütig daher, ohne dabei aber auf elektronische Spielereien und druckvolle Beats zu verzichten. Highlights aufzulisten fällt schwer, da sich alles, was man zu hören bekommt, auf sehr hohem Niveau abspielt. Carlsson und Winnberg verstehen ihr Handwerk, Ecken und Kanten sucht man vergeblich. Das ist eigentlich fast wieder ein bisschen schade. Aber die beiden können wohl nicht anders, als immer und jederzeit Perfektion anzustreben. Da überrascht es auch nicht, dass sie mit Andrew Wyatt obendrein einen hervorragenden Sänger ins Boot geholt haben, der den perfekt produzierten Songs schließlich noch die Seele einhaucht.
Miike Snow haben konsequent aktuelle musikalische Strömungen aufgegriffen, miteinander verstrickt und daraus ein perfektes Pop-Album erschaffen, das einfach nicht langweilig wird. Das größte Kompliment, das man einer Platte machen kann. Echte Profis eben.
Review: Andreas Kussinger
Erscheinungsdatum: 23. Oktober 2009 Label: Columbia (Sony Music)
Website: www.miikesnow.de Myspace: www.myspace.com/miikesnow
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Ganz ehrlich: Da ich diese Platte nun schon geschätzte 500 Mal gehört habe, kann diese Rezension nicht mehr kritisch und mit dem nötigen Abstand beurteilt ausfallen. Ich liebe sie, mindestens so sehr wie All We Could Do Was Sing, das erste Album von Port O'Brien. Wie soll man nun dieses wundervolle Stück Musik, das einem so nahe geht, jedoch eigentlich so klein und unbeachtet ist und im weiten Ozean der schnelllebigen Popwelt wohl ganz schnell wieder untergehen wird, entsprechend hochjubeln? Es grenzt an Fetisch.
Wieder mal: Musikalische Beschreibungen bringen das, was auf dieser Platte passiert, so was von nicht auf den Punkt. Melancholischer Folkpop, hmm, da gibt's vieles. Aber für Threadbare reicht eine so abgewichste Beschreibung einfach nicht, weil es in diesem Bereich schlichtweg das Intensivste und Rührendste ist, was es in jüngster Zeit gegeben hat. Das Cover des Albums suggeriert genau richtig: Man fühlt sich auf dieser weiten Wiese am Meer sitzen, umringt von Port O'Brien, die für einen singen. Man liegt da und weint, und fühlt sich todtraurig. Und gleichzeitig von allem Elend der Welt geheilt. Was Van Pierszalowski, Cambria Goodwin und ihre Begleiter hier liefern, ist magisch.
So "lighthearted", wie oft geschrieben wird, war ihr Debütalbum schon nicht, Threadbare klingt bis auf wenige Ausnahmen nach dem genauen Gegenteil: "Tragedy, remorse, and bitterness". Als die Band begann, an der neuen Platte zu arbeiten, kam Cambrias Bruder bei einem Unfall ums Leben. Zur wehmütigen Stimmung der Platte hat dieser Umstand sicher viel beigetragen, da sich in jedem Song Themen wie Verarbeitung, Trauer und Einsamkeit ausmachen lassen; Van Pierszalowskis und Cambrias tränengeschwängerter, träumerischer Gesang trägt einen großen Teil dazu bei. Große Schwachpunkte unter den Tracks kann man so nicht nennen, höchstens die wenigen, die etwas fröhlichere Töne anschlagen. Weniger gute Songs sind sie deshalb keinstenfalls (wie z. B. Sour Milk / Salt Water oder Leap Year), lockern die allgemeine Klagestimmung aber unnötig auf. Diese hat ihre überirdischen Sternstunden unter anderem in Calm Me Down, dem Titeltrack und dem meisterhaften Treebones. Unterm Strich heißt das: Die schönste "Folk"-Platte seit Fleet Foxes!
Review: Michael Döringer
Erscheinungsdatum: 02. Oktober 2009 Label: Cooperative Music
Website: www.portobrien.com Myspace: www.myspace.com/portobrien
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Eines steht fest: Circle The Yes, das zweite Album der Berliner Band I Might Be Wrong ist ein durchdachtes, kohärentes und hochmusikalisches Werk. Doch leider bewegt sich die Aufmerksamkeit des Rezensenten beim (wirklich oftmaligen) Hören der Platte kontinuierlich gegen Null. Immer noch der erste Track?! Ach, schon Nummer Sieben...Hier läuft was grundlegend schief, bloß was? Radiohead, die von I Might Be Wrong nicht nur namentlich adaptiert wurden, kann man doch auch stundenlang gefesselt hören.
Es muss einfach gesagt werden, so plump es sein mag: Jeder Track klingt wie der vorherige; eine anstrengende Beliebigkeit zieht sich über die gesamte Länge des Albums. Es scheint, als mündeten die Songs immer wieder in die selben Rhythmen, Elektronikfetzen und Gitarrenstrukturen. Lisa von Billerbecks zwar hübscher doch einlullender Gesang bringt das Ganze dann vollends in Richtung melodiöser Monotonie. Dass der Sound sehr radioheadesk rüberkommt, muss nicht unbedingt bemängelt werden. Ganz im Gegenteil, und das ist das Dilemma dieser Platte: Würde man nur einen Song kennen (ganz egal welchen, ein Favorit lässt sich schwerlich ausmachen), wäre das Urteil klar "thumbs up"; verspielt und komplex arrangiert, verzaubernd dargeboten. Aber zehn Nummern, die einander so sehr ähneln, fördern eher Ermüdung denn genauere Analyse der Feinheiten. Deshalb auch ein klassisches Fazit: Es fehlen die Höhen und Tiefen, mehr Energie und Eindringlichkeit an bestimmten Stellen könnten die notwendige Struktur schaffen. Nur so kann eine eigentlich ausgezeichnete Musik auf Albumlänge überzeugen. Siehe Radiohead.
Der Rezensent entschuldigt sich hiermit. Entgegen zauberhafter Stimme, durchdachter Lyrik und bemerkenswertem Sound, langweilt ihn die Platte. Obwohl er Radiohead mag.
Review: Michael Döringer
Erscheinungsdatum: 25. September 2009 Label: Sinnbus Records
Website: www.imightbewrong.de Myspace: www.myspace.com/youmightbewrong
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Mit ihrem von Simon Barnicott (u.a. Arctic Monkeys, Kasabian) produzierten Debütalbum A Strange Education konnten sich The Cinematics vor zwei Jahren bereits Gehör verschaffen. Nun legen die vier Schotten mit ihrem Zweitlingswerk Love And Terror nach, bei dem sie diesmal die Produktion selbst in die Hand genommen haben.
Herausgekommen ist ein Album, das im Vergleich zum Vorgänger wesentlich rauer und ungeschliffener und weniger glatt gebügelt wirkt. The Cinematics schaffen eine schöne Symbiose aus zackigen Gitarrenriffs und wummernden Basslinien. Angetrieben von kräftigen Grooves und der charismatischen Stimme von Sänger Scott Rinning, reflektiert der Sound des Quartetts aus Glasgow die düsteren und kahlen Seiten des Lebens im britischen Norden. Das ist zwar alles nicht neu und deshalb wurden sie zu Beginn ihrer Karriere immer wieder von Kritikern mit Vorwürfen von zu wenig Eigenständigkeit und Kreativität und zu viel Editors-Kopie konfrontiert. Sicher hört man auf Love And Terror immer noch deutlich die musikalischen Einflüsse heraus, was logischerweise auf die gleichen Inspirationsquellen zurückzuführen ist. Aber dennoch wäre es etwas zu simplifiziert von einer dreisten Kopie zu sprechen. Eine Parallele zu den Editors ist sicherlich die düstere Note in den Songs, aber trotzdem haben sie längst nicht die Schwere wie es bei den Editors der Fall ist. Die zehn Tracks auf Love And Terror kommen mit einer gewissen Leichtigkeit und Tanzbodentauglichkeit daher und gehen schnell in Ohr und Bein, wie beispielsweise der Opener All These Things oder die beiden Singles Love And Terror und New Mexico. Auch live funktionieren die neuen Songs sehr gut, wie die Band kürzlich auf ihrer Deutschlandtour bewiesen hat.
Entgegen aller Vorwürfe ist The Cinematics mit Love And Terror ein überzeugendes zweites Album gelungen, das sehr deutlich das eigene Potential der Band zeigt. Eine Band, der man trotz aller anfänglicher Kritik auf jeden Fall eine Chance geben sollte!
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 02. Oktober 2009 Label: The Orchard
Website: www.thecinematics.com Myspace: www.myspace.com/thecinematics
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...wie ein alter Freund...
Ein Relikt deutscher Popkultur? – Auf jeden Fall ein Mann der polarisiert. Diese klare Stimme – diese Ehrlichkeit in seinen Worten, mag nicht jeder. Doch für die, die es mögen ist Distelmeyer ein alter Freund.
...laufen und fühlen nach Vorschrift...
Große Themen des Lebens bearbeitet. Heavy!. Schwerere Songs und heavigere Themen. Existenziell wie Glück, Trauer, Freude oder Verlust. So bricht Wohin mit dem Hass gleich mit der Gefühlsduselei. So boxt Distelmeyer von Emotion zu Emotion. So klimpert Distelmeyer auf seiner Klaviatur der Emotionen.
...das ist Er, da kommt Er, so ist Er...
Zwei Jahre nach der blumfeldschen Apokalypse tritt Jochen Distelmeyer nun wieder ins musikalische Sternensystem ein. Mit vielen tollen Popsongs, aber auch eckigen ruppigen Melodien. Und natürlich mit seiner tollen Stimme, die in ihrer Klarheit die Themen noch mal von einer ganz anderen Seite zeigt.
...ich weiß jetzt, warum ich hier bin...
...singt der Ex-Blumfeld-Chef im Song Lass Uns Liebe Sein. Immer wieder ist der Platte das Private anzuhören und es ist immer dieser Herr Distelmeyer, der zwei Jahre nach seiner Trennung von Blumfeld kräftiger und vitaler klingt als früher. Die Trennung eine konsequente Folge und das Soloalbum eine neue Perspektive.
...wurde ein goldener Käfig, was einmal Liebe war...
Singt Distelmeyer über die Zeit mit seiner Band oder schreibt er konkret über die Gratwanderung zwischen Selbstfindung und Selbstzweifel. Bleiben oder gehen – überhaupt eine Frage?
...weiß nicht wohin mit mir...
Distelmeyer ist ein gefährlicher Sparringspartner, sagt er nicht drei Songs vorher noch, er wisse warum er hier sei. Aber wenn man sich auf ihn einlässt und sich traut, wird einem der Unterschied zwischen Sein und Werden bewusst. Distelmeyer ist erstmal da – er ist zufrieden und wo es hingeht – das wird sich noch zeigen. ...ich leb dafür, und leb davon...
Aus Selbstzweifel wächst Selbstsicherheit und daraus gedeiht Selbstbewusstsein. Heavy! ist ein Album, dass mit seinen positiven Gedanken und seinem Respekt vor Problemen Lust macht auf Leben.
...und ich, ich bin am Ziel...
Review: Matthias Hacker
Erscheinungsdatum: 25. September 2009 Label: Columbia
Website: www.jochendistelmeyer.de Myspace: www.myspace.com/jochendistelmeyer
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Was sollte man von den Editors nach The Back Room (2005) und An End Has A Start (2008) erwarten? Sie hätten natürlich ein drittes Album im gewohnten Stil aufnehmen können und somit Gefahr laufen, in Stagnation und Langeweile abzudriften. Doch Tom Smith und seine drei Kollegen entschieden sich anders und haben den Mut, neue musikalische Wege zu gehen. Sie tauschen ihre Gitarren gegen Synthesizer und Drum-Machines ein und holen sich mit Mark Ellis alias Flood (Depeche Mode, Nine Inch Nails) einen neuen Produzenten ins Boot.
Was sich schon vorab mit der ersten Singleauskopplung Papillon angekündigt hat, führen die Editors auch auf dem Rest des Albums konsequent fort. So ist ein Drittlingswerk entstanden, das noch düsterer als seine beiden Vorgänger daher kommt und einen überaus dichten atmosphärischen Sound aufweist. Die Editors bauen meterhöhe Synthiewände und komplexe Kompositionen und schaffen so eine gewaltige Soundfläche. Sie erschaffen ein düsteres Monster mit deutlichen 80s-Reminiszenzen: 80er-Jahre New Wave-Sounds paaren sich mit kalten Industrial-Klängen und kreieren eine bedrohliche und unheimliche Atmosphäre. Die obskuren Verse über Gottlosigkeit, Desorientierung und Desillusionierung vorgetragen von Tom Smiths tiefer Baritonstimme erzeugen eine unheilvolle düstere Grundstimmung.
In This Light And On This Evening ist das wohl ungewöhnlichste Album, das Tom Smith und seine Mannen ihren Fans je beschert haben. Doch wer dem Album mehrere Hördurchläufe gibt, der wird die Tiefe, die dieses Album in sich birgt, erkennen. In This Light And On This Evening ist ein Album, das etwas Zeit braucht, um sich vollständig zu offenbaren. Aber wer durchhält, wird am Ende belohnt!
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 09. Oktober 2009 Label: Pias
Website: www.editorsofficial.com Myspace: www.myspace.com/editorsmusic
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Mika ist zurück. Der junge Mann, der vor nicht allzu langer Zeit mit seiner musikalischen Symbiose aus Gracia Patricia und Freddie Mercury die Musiknation in zwei Lager spaltete, präsentiert sein zweites Album The Boy Who Knew Too Much.
Der königliche Hauch eines Freddie Mercury umwebt die Songs des gebürtigen Libanesen nach wie vor. Ebenso greift Mika wieder beherzt hinein in die musikalische Wundertüte, um dem Hörer ein kaleidoskopisches Sammelsurium an Melodien zu präsentieren. Ein kunterbuntes Potpourri aus schrillen wie tanzbaren Songs.
Diesmal vermischt Mika nicht nur seinen Falsett-Gesang mit krähenden Kinderchören, sondern huscht auch kreuz und quer durch unterschiedliche musikalische Dekaden. Der Opener We Are Golden erinnert an hautenge Satinschlaghosen und Plateaus der Glam-Rock-Nation, während sich Dr. John unüberhörbar an dem Charme eines Musicals aus den 70ern orientiert. Rain zaubert das pulsierende Flair eines 80er-Jahre-Dance-Floor-Hits ins Zimmer. Dieses Odeur bleibt auch beim Folgetrack I See You noch haften. Eine Ballade, die an jene verträumte Zahnspangenromanik erinnert, die man als Teenager verspürte, als man zum ersten Mal Cinderella '87 im Fernsehen sah. Bei Boy Toy greift Mika dann ganz tief hinein in die zeitliche Klamottenkiste und zaubert Klänge hervor, die an einen alten Disney-Streifen aus den 40ern erinnern.
Mika - l'enfant de popmusique: In seiner Unbeschwertheit und Verspieltheit wirkt The Boy Who Knew Too Much wie eine Schneekugel in der Hand eines Kindes, das fasziniert in eine schillernde fremde Welt hineinblickt und diese schüttelt, bis es Konfetti regnet. Bei all der Leichtigkeit und Wandelbarkeit der Songs wäre es allerdings schön gewesen, wenn sich Mika die Zeit genommen hätte, kurz in der einen oder anderen Epoche zu verweilen, um ein wenig tiefer unter die Oberfläche der Songs abzutauchen. So schleicht sich im Verlauf von The Boy Who Knew Too Much das Gefühl einer Schnelllebigkeit und Rasanz ein, die an die popmusikalische Ausgabe des kleinen Häwelmanns erinnert. Allerdings tauscht Mika dabei das Bett gegen ein quietschbuntes Überschallflugzeug mit plüschigem Schleudersitz ein. Nichtsdestotrotz: Das Potential, das in Mika schlummert, bleibt auch dem letzten Skeptiker nicht verborgen. Bleibt nur zu hoffen, dass er dieses irgendwann einmal voll und ganz ausschöpft.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 18. September 2009 Label: Casablanca/Island (Universal)
Website: www.mikasounds.de Myspace: www.myspace.com/mikamyspace
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Post Electric Blues – dieser Name pflanzt dem Hörer schon mal drei Samen ins musikalische Blumenbeet. Die innovativste Züchtung erwartet man nicht, da alle Linien bereits bekannt sind und hinreichend gekreuzt wurden. Und doch verspricht man sich hinter Post Electric Blues ein besonders exemplarisches Prachtstück seiner Art. Doch leider ist mit Post Electric Blues Idlewild das nicht gelungen. Ist es vielleicht der Fluch eines Best Of-Albums, der schon viele Bands Inspiration und Glaubwürdigkeit gekostet hat? Ist es der ständige Wechsel von Label zu Label (sechs Alben auf fünf Labels)? Schwer zu sagen. Aber Idlewild haben es immer noch verdient ernst genommen zu werden. Denn Sänger Roddy Woomble war der Feingeist, der Literat, der Philosoph des schottischen Rock. Woomble war es, der seine Eloquenz durch ekstatische und chaotische Liveauftritte weder arrogant noch prätentiös wirken ließ. Wie sympathisch war sein unbedarftes "Seele-Auskotzen" auf ihrem Debüt Hope Is Important und wie feingeistig wirkten seine Zitate auf The Remote Part. Dagegen scheint der Neuling eher "post-eclectic". Und für diese Herangehensweise sind die Strukturen zu durchsichtig.
Das Album verlangt wenig vom Hörer und büßt bei jedem Male mehr an Tiefe ein. Die Ansätze der Rockhymnen früherer Tage sind wie beim Opener Younger Than America oder bei To Be Forgotten noch zu hören. Wenn auch textlich nicht gerade erhaben wie früher, zeigt sich in (The Night Will) Bring You Back To Life noch immer die anspruchsvolle Seite von Woomble und Idlewild. Die schönsten Blüten sprießen an den Extremen wie beim stonerrockigen Finale von Post-Electric oder auch am schließenden Take Me Back In Time.
Für eine Band, bei deren Gründung niemand ein Instrument beherrschte – für eine Band, die sich unter den vielen guten Hausnummern der schottischen Musiklandschaft niemals verstecken musste – für eine Band, die es trotzdem nie in die erste Reihe geschafft hat, darf dieses Album nicht der Abgesang sein.
Review: Matthias Hacker
Erscheinungsdatum: 02. Oktober 2009 Label: Cooking Vinyl
Website: www.idlewild.co.uk Myspace: www.myspace.com/idlewild
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In ihrem Heimatland sind Marie HØjlund und Emil Thomsen längst keine Unbekannten mehr. Seit der Veröffentlichung ihres Debüts The More gehören sie zu den meist gehypten Bands der dänischen Musiklandschaft. Bei der Sichtung des Longplayers sticht als erstes das Artwork des Covers ins Auge: Bunt übereinander gelegte Bildebenen, auf denen drei unterschiedliche Schrifttypen thronen, die so gar nicht zueinander passen wollen. Die unweigerliche Frage, ob der Grafiker sich als Inspiration einen kleinen Muntermacher gegönnt hat, erübrigt sich bereits mit den ersten Klängen des Openers Knight Song: Nein, kein Schnäpschen ist Ursache des bunten Eyecatchers, vielmehr ist das Cover die visuelle Antwort auf die Frage nach dem Sound, den Marybell Katastrophy produzieren.
Die Kost, die das Duo hier serviert, ist sicherlich nicht die leichteste und lässt sich nur schwer in einen einzigen Topf packen. Electro-Pop mit indietronischem Einschlag, BjØrk trifft auf Portishead und tanzt zu David Bowie auf Speed. So ungefähr und doch anders. Fakt ist, es wird geschraubt und gebastelt, dass es nur so kracht im Synthiegebälk. Mal schnarrt und knarzt es wie eine alte Schranktür, mal fiept und surrt es wie eine Fliege im Rückwertsgang und manchmal flimmern und flackern die Songs wie ein alter 15"-Röhrenmonitor. Musikalischer Fixpunkt ist dabei die Stimme von Marie HØjlund, die bei aller Experimentierfreude Marybell Katastrophys durch ihren melodischen Einsatz für eine kontinuierliche Harmonie innerhalb der Tracks sorgt. Im gros kommt dabei ein Album heraus, das den Hörer von der ersten bis zur letzten Sekunde fesselt, weil es absolut unberechenbar bleibt. Wenn beispielsweise das verträumte Whiteboard durch Froschgesänge eingeläutet wird, dann würde es auch niemanden wundern, wenn plötzlich ein Elefant das Zimmer betritt und auf einer Violine den Schneewalzer anstimmt. Diesen beschwören Marybell Katastrophy tatsächlich sechs Stücke weiter in Red Red: "I just wish you were an elephant, so you could hear the unhearable things I'm trying to say with my red red lips."
An eben diesen hängt der Hörer auch bis zum bitteren Ende von The More - nur um dann erneut die Play-Taste zu bedienen. Ein Album, wie ein Feuerwerk: Bunt, laut, glühend und unglaublich faszinierend!
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 25. September 2009 Label: PonyRec
Website: www.marybell.dk Myspace: www.myspace.com/marybellkatastrophy
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Keine Atempause gönnen sich The Ettes und schmeißen gerade mal fünf Monate nach der Veröffentlichung ihres viel umjubelten zweiten Albums Look At Life Again Soon mit Do You Want Power jetzt schon ihren dritten Longplayer auf den Markt. Das Trio, das mittlerweile von Los Angeles nach Nashville umgezogen ist, hat in nur fünf Tagen unter der Regie von Produzenten-Legende Greg Cartwright aka Greg Oblivion (The Oblivions, The Detroit Cobras, Jay Reatard) 13 neue Songs eingespielt.
Do You Want Power knüpft zwar an Look At Life Again Soon an, aber dennoch gibt es einige Neuerungen: Dominierte auf dem Vorgängeralbum fast ausschließlich Garage-Rock und Beatpunk, so legen die zwei Damen und der Herr auf ihrem neuen Longplayer etwas mehr Abwechslung an den Tag und erweitern das musikalische Spektrum um einige Sixties Girl-Pop-Nummern wie I Can Be Your Lover (But I Can't Be Your Baby) oder Seasons und auch mal countyeske, folkige Songs á la Nancy Sinatra (Keep Me In Flowers). Geschadet hat es dem Album aber in keiner Weise - im Gegenteil, diese neuen Facetten schaffen schöne Kontraste und sorgen so für ein variationsreiches Album. Natürlich ist der ungeschliffene und schmutzige Garagensound auch nicht ganz verloren gegangen. Songs wie der treibende Opener Red In Tooth And Claw oder das rockige Blood Red Blood versprühen immer noch die gewohnte Energie des Vorgängers - das Schlagzeug scheppert unbändig vor sich hin und der Bass knurrt draufgängerisch los.
Mit einer Gesamtspielzeit von gerade mal knapp 35 Minuten stellen The Ettes erneut ihr Können unter Beweis und zeigen, dass sie auch mehr drauf haben als nur einen garagenrockigen Sound. Auch Drew Barrymore hat das Potential der Band bereits erkannt und sie für den Soundtrack ihres Regiedebüts Whip It! mit ins Boot geholt. Diese Band sollte man auf jeden Fall im Auge behalten.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 02. Oktober 2009 Label: KNTRST Records
Website: www.theettes.com Myspace: www.myspace.com/theettes
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"Unhörbar" dient paradoxerweise als positives Prädikat für Avantgardemusik. Auch bei den vier Kaliforniern von Health findet sich diese Schublade. Mag der erste Höreindruck des selbst-betitelten Debüts verstörend und anstrengend gewesen sein, ist Get color wesentlicher, sortierter und arrangierter. Health sind immer noch verliebt ins Demontieren von Soundstrukturen und experimentieren weiterhin gerne mit korrodierenden Melodieclustern. Doch der Derwisch der ersten Scheibe, scheint deutlich gezähmt. Und dennoch wohnt auch Get Color - wie dem Debüt - der elaborierte, ambitionierte Zauber Lightning Bolt's und Animal Collective's inne. Denn John, Jake, Jupiter und Benjamin schaffen eine Kontrapunktik zwischen musikalischer Ästhetik und technischer Destruktion. Doch ein bisschen mehr Zeit hätte man Health schon gewünscht ihre innovativen Tentakel noch ein bisschen länger und weiter auszustrecken. Haben nicht etwa Animal Collective ganze zehn Alben dafür beansprucht?
Aber bei allem Zweifel scheinen Health zu wissen was sie tun oder zumindest glauben sie fest daran. Denn dieser Schwall aus kleinen akustischen Feuerwerkskörpern ist in einer kompromisslosen Art beeindruckend, wie sie nur schwer vermittelt werden kann. So verzeiht man den Jungs auch, wenn sich noch ganze zwei Minuten nach ihrem Konzert, der Pegel am Mischpult immer noch nicht im grünen LED-Bereich erholen darf.
Auf Get Color ist auch mit weniger selbstzerstörerischer Gewalt die Schizophrenie von Health zu hören. Es ist nach wie vor eine raue Mischung aus maschinellen Robotersounds, gepaart mit treibenden Drumparts und monotonen Gesangspassagen, die eher an Mantren erinnern als an gewöhnliche Textstrukturen. So platzt Get Color mit In Heat gleich mal brachial zur Tür herein und man möchte erst einmal Luft holen und sich orientieren in welcher Beta-Version "Alptraum" man sich gerade befindet. Danach baut sich das Album gemächlich auf. Vom klassischen Hit auf der Zwei Die Slow über die nerdigeren Songs wie Nice Girls und Before Tigers, bei denen sich durch die Beatbetten immer wieder nervenaufreibende Gitarrensounds sägen. Letztendlich findet sich das Finale von Get Color beim Song in einer rosaroten Albtraumblase wieder.
Review: Matthias Hacker
Erscheinungsdatum: 18. September 2009 Label: City Slang
Website: www.healthnoise.com Myspace: www.myspace.com/healthmusic
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Eins vorweg: Nicht umsonst haben Muse über acht Millionen Alben abgesetzt, zwei Abende hintereinander das Wembley Stadium ausverkauft und wurden mit zahlreichen Awards ausgezeichnet. Fakt ist: Muse ist eine der innovativsten Bands der Stunde und wie wunderbar es ihnen gelingt Innovation mit traditioneller Musikgeschichte zu verbinden, zeigt mehr als deutlich ihr neuestes, fünftes Werk The Resistance.
Matthew Bellamy hat nicht zu viel versprochen, als er von einem elektrischen neuen Album sprach. Aber es ist viel mehr: Diese Platte ist eine elektrisierende Glamrock-Symphonie! Klingt nach einem Konzept? Das gibt es auch, denn The Resistance darf man getrost als sound- und auch sujet-orientiertes Konzeptalbum beschreiben. Wie schon auf Black Holes And Revelations thematisiert die Band verstärkt die Grausamkeit der modernen Zeit in ihren Texten. Dieses Konzept zieht sich durch das gesamte Werk, ebenso wie ein konzeptorientierter Sound, der die elf Songs verbindet und in einer klassischen dreiteiligen Symphonie endet, für die Muse mal eben ein vierzigköpfiges Orchester aus Mailand an Land gezogen haben. Es ist erstaunlich, dass Matt Bellamy den Score für das Orchester fast im Alleingang komponiert hat. Dieser Mann ist einer der wenigen, der klassische und populäre Musik so fließend miteinander verbindet. United States Of Eurasia ist das beste Beispiel für die neue Kompositionsweise von Muse. Hier bedient sich die Band Led Zeppelin- und Queen-Zitaten, verarbeitet Motive aus Maurice Jarre's Musical Lawrence Of Arabia und schließt das Stück mit einer Chopin-esken Klaviersonate. Das mag eklektisch klingen, überzeugt allerdings in seiner Umsetzung. Es mag wohl keine andere Band geben, der es gelingen wird, diese verschiedenen Stile in einem Song zu verarbeiten. United States Of Eurasia ist damit bezeichnend für die neue Platte.
Dem Muse-Fan der ersten Stunde dürfte vielleicht der traditionelle Hit auf dieser Platte fehlen. Wobei nach mehrmaligem Hören Uprising, The Resistance und Unnatural Selection Black Holes kaum nachstehen. Aber was vielmehr begeistert, ist die neue Art, wie Muse ihre Stücke arrangieren und sie es geschafft haben, mit ihrem neuen Werk eine bombastische Rock-Symphonie zu schreiben, die unter die Haut geht, ohne vor Pathos zu triefen und von musikalischer Virtuosität nur so strotzt. Respekt!
Review: Marc Philipp Meyer
Erscheinungsdatum: 11. September 2009 Label: Warner Music
Website: www.muse.mu Myspace: www.myspace.com/muse
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Time To Die - so lautet der so gar nicht optimistische Titel des nunmehr dritten Albums von The Dodos. Werkelte Sänger und Gitarrist Meric Long 2005 noch allein an dem nach seinem Künstlernamen benannten Erstling Dodo Bird, so waren die folgenden Alben das Resultat der Zusammenarbeit mit dem fortan am Schlagzeug tätigen Logan Kroeber. Zur aktuellen Platte gesellte sich nun auch Keaton Snyder, der sich dem Spielen des Vibrafons, worunter die Weiterentwicklung der Marimba (die wiederum der Xylofonfamilie angehört) zu verstehen ist, widmet. Und wer weiß, vielleicht nähern sich die The Dodos beim nächsten Album der klassischen Bandbesetzung und holen noch einen Bassisten an Bord...
Aber jetzt endlich mal zum neuen Album, das auch ohne Bass und mit Vibrafon, das den Klang eindeutig bereichert, funktioniert. Produziert wurde Time To Die von Phil Eks, der sich auch schon den Fleet Foxes, Bulit To Spill und The Shins angenommen hatte. Und irgendwie ist Time To Die auch in der Nähe von The Shins anzusiedeln. Und irgendwie kommt einem beim Hören auch Somebody Still Loves You, Boris Jelzin in den Sinn. Irgendwie ist die Musik des San Fransisco-Trios zwischen diesen beiden Referenzangaben einzuordnen. Aber das nur nebenbei zur groben Orientierung. Denn Time To Die nimmt schon einen eigenen Platz ein: als Indierock mit Folk-Reminiszenzen, dessen sphärisch-strömend anmutende Passagen sich durch Rhythmuswechsel nicht nur in seichten Gewässern verlieren, sondern auch mal Strudel verursachen. Was es nun mit dem Titel Time To Die auf sich hat, bleibt im Infozettel unbeantwortet.
Aber soviel steht (für mich) fest: Time To Die klingt nach Herbst. Diese Stimmung wird mit Small Deaths eingeläutet und mit dem letzten Track Time To Die besiegelt – zwischendrin wird das Laub allerdings noch mal bei This Is A Business und Two Medicines aufgewirbelt. Und da man im Herbst eher weniger Aktivitäten im Freien nachgeht, ist nun auch die richtige Zeit, sich dem Album von The Dodos eingehend zu widmen.
Review: Michaela Wicher
Erscheinungsdatum: 04. September 2009 Label: Wichita/Cooperative Music
Website: www.dodosmusic.net Myspace: www.myspace.com/thedodos
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Scarlett Johansson ist spätestens seit Lost In Translation jedem Cineasten ein Begriff. Im letzen Jahr wagte die New Yorkerin mit ihrem Tom Waits-Coveralbum Anywhere I Lay My Head den Schritt von der Schauspielkunst ins Musikbusiness. Auf Break Up übernimmt sie nun neben Singer/Songwriter Pete Yorn den Part der weiblichen Hauptrolle.
Die Idee zu Break Up kam Yorn 2006, als er nach dem Ende einer Beziehung unter Schlafproblemen litt. Nach einer schlaflosen Woche wachte er aus einem Nickerchen mit dem Gedanken auf, ein Duett-Album aufzunehmen wie seinerzeit Serge Gainsbourg und Brigitte Bardot. Was für andere eine fixe Eingebung Frau Mabs ist, war für Pete Yorn eine Mission. Nach kurzer Überlegung stand für ihn fest, dass seine Brigitte niemand anders als Scarlett Johansson sein sollte. Eine mehr als glückliche Entscheidung, wie Break Up zeigt.
Man mag sich darüber streiten, ob Scarlett Johansson das Zeug zur Sängerin hat oder nicht. Letztendlich kommt es nicht darauf an, über eine 10 Oktaven-Stimme zu verfügen, sondern mit Hilfe von Arrangements seine Skills so einzusetzen, dass dabei Schönheit entsteht. Für eben diese Arrangements hat Pete Yorn auf Break Up gesorgt. Die Stimme der Johansson fügt sich perfekt in das Gesamtkonstrukt ein. Dezent, unaufdringlich und trotzdem omnipräsent. Wie ein Windhauch oder ein Geist aus der Vergangenheit, der Hauptakteur Yorn nicht loslässt. Nicht ganz unpassend, wenn man bedenkt, dass Break Up den Beginn einer leidenschaftlichen Beziehung und ihr Scheitern beschreibt.
An dieser Stelle wird klar, warum Scarlett Johansson die perfekte Wahl für Break Up gewesen ist: Es ist die Fragilität ihrer Stimme, der Mangel an Kraft, der Yorn genug Raum lässt, seine Erfahrungen und emotionalen Zerwürfnisse musikalisch aufzuarbeiten. Was viele als Schwäche bekritteln, erweist sich hier als ideale Ergänzung und Komplettierung.
Das Ergebnis dieser Kooperation ist ein wunderbares Folk-Album, das zeigt, was für ein Potential in einem Pete Yorn schlummert – auch, wenn er dieses in seinen letzten Alben anscheinend gut versteckt hielt. Vielleicht bedarf es manchmal eben einer vermeintlich schwachen Frau, ein solches zu wecken und ans Licht zu bringen. Eine unterkühlte Schönheit wie Scarlett Johansson ist wohl prädestiniert dazu.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 04. September 2009 Label: Warner
Website: www.peteyorn.com Myspace: www.myspace.com/peteyorn
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Den meisten Leuten ist der Name Brendan Benson wohl eher im Zusammenhang mit der Band The Raconteurs ein Begriff. Dabei ist die Band um White Stripes Frontmann Jack White längst nicht sein einziges musikalisches Engagement. So ist der in Nashville lebende Brendan Benson, neben seiner Tätigkeit als Produzent, auch und vor allem vorrangig als Solokünstler aktiv. Allerdings lässt er seine Fans mit unter sehr lange warten bis er neue Alben veröffentlicht. Sein erstes Album veröffentlichte er bereits 1996 und präsentiert uns nun, vier Jahre nach seinem dritten Album The Alternative To Love, sein viertes Album mit dem Titel My Old, Familiar Friend.
Das Album ist beim ersten Reinhören vielleicht nicht ganz so eingängig wie sein Vorgänger, beweist nach einiger Zeit aber durchaus seine Stärken. Das soll jetzt in keiner Weise abwertend gemeint sein, sondern spricht ganz im Gegenteil für seine Songs, die bei weitem zeitloser und vor allem abwechslungsreicher daherkommen als dies noch beim Vorgänger der Fall war.
Das Album steht weitestgehend für hochkarätige Popsongs, denen es gelingt sich irgendwo zwischen den Größen der Vergangenheit, wie den Beatles oder den Beach Boys, und den späteren Indie-Helden, wie Weezer oder Pavement, einen Platz zu sichern. Wie das genau geht weiß wohl nur Benson selbst. Er war es schließlich auch, der The Raconteuers bereits als eine Mischung aus Cat Stevens und Deep Purple bezeichnete. Benson scheint somit ein Experte zu sein, wenn es darum geht, musikalische Versatzstücke neu zusammen zu setzen. Und das gelingt ihm während seiner 11 neuen Songs vorzüglich.
Diese Fähigkeit zeigt er bereits beim Opener A Whole Lot Better, in dem er verspielte Gitarrenläufe und eingängigen Gesang so zusammensetzt, dass der Song quasi zeitlos und poppig definitiv ins Radio gehört. Im Grunde verhält es sich bei jedem Songs so. Mal geht es etwas ruhiger mit Klavier und/oder Streichern und fast schon bluesig anmutend zur Sache und mal präsentiert er uns reine Popperlen, die durch ihre Kurzweiligkeit und Eingängigkeit nur so vor guter Laune strotzen. Wer also auf unterhaltsamen 60s Pop, tanzbaren 70s Soul und auf rockige Gitarrenklänge steht, der sollte auf jeden Fall in das Album reinhören und zugleich hoffen, dass Benson sich bis zum nächsten Album nicht wieder so lange Zeit lässt.
Review: Axel Schinkel
Erscheinungsdatum: 04. September 2009 Label: Cooperative Music
Website: www.brendanbenson.com Myspace: www.myspace.com/brendanbenson
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Die wilden Jahre der Arctic Monkeys sind vorbei. So scheint es zumindest, wenn man den neuen Longplayer Humbug der Sheffielder hört. Haben uns die arktischen Affen in der Vergangenheit zwei Alben lang mit frenetischen und euphorischen Pop-Punk-Hymnen erfreut, so bricht Humbug grundlegend mit dem Erfolgs-Konzept der beiden Vorgängeralben. Ein Grund dafür könnte der neue Produzent Josh Homme (Kyuss, Queens Of The Stone Age) sein, in dessen Joshua Tree-Studio in Kalifornien der größte Teil des Albums entstanden ist. Vielleicht ist es aber auch der Einfluss der kalifornischen Wüste, der das Album geprägt hat. Jedenfalls legen die Arctic Monkeys auf ihrem neuesten Werk ein arg gedrosseltes Tempo vor und wirken wesentlich ruhiger und gesetzter. Fort ist das jugendliche Ungestüm und der Sturm und Drang, stattdessen setzen die Jungs auf schwere, düstere Songs mit dunklen Klangfarben und bizarren Sounds, bei denen einem schnell der Gedanke an einen Tarantino- oder Lynch-Soundtrack durch die Hirnwindungen geistert.
Gut, was hätte man von einem dritten Arctic Monkeys Album erwarten sollen? Es gab nur zwei Möglichkeiten: Entweder völlig neue Wege einschlagen oder der alten Linie treu bleiben und dabei Gefahr laufen, als Band zu stagnieren. Turner und seine Jungs haben sich für ersteres entschieden und einen neuen Sound für sich gefunden. Und so bescheren sie uns auf Humbug nun zehn Songs mit atmosphärischer Dichte und kompositorischer Reife. Die hypnotisierenden Rhythmen und Alex Turners beschwörende Stimme, die über allem schwebt, erzeugen eine fast düstere Grundstimmung, die sich über das gesamte Album zieht. Bei Dangerous Animals oder Pretty Visitors scheint es zwar, als hole sie dann doch für einen kurzen Moment die Vergangenheit wieder ein, jedoch wirken die Jungs auch hier letztendlich eher zurückhaltend und gebremst.
Eins ist sicher - Humbug wird die Musiknation in zwei Lager spalten: Diejenigen, die die ersten beiden Alben der Arctic Monkeys und ihre Working Class-Attitüde geliebt haben, werden beim Hören des neuen Werkes verstört sein und sich die Frage stellen: Was haben sich die Arctic Monkeys bei diesem Humbug nur gedacht? Diejenigen, die einen dritten Aufguss der beiden ersten Alben als langweilig erachtet hätten, wird dieses Album begeistern. Die hier Schreibende gehört zu Ersteren.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 28. August 2009 Label: Domino Records
Website: www.arcticmonkeys.com Myspace: www.myspace.com/arcticmonkeys
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Diejenigen, deren Helden der Kindheit noch lustige Namen wie Pippi Langstrumpf trugen, die Ferien auf Saltkrokan machten oder mit Ronja Räubertochter durch die Wälder streiften, können sich bestimmt auch noch an die Geschichte des kleinen Bosse erinnern, der als Prinz Mio das Land seines Vaters vom bösen Ritter Kato befreit. Eben dieser Figur Astrid Lindgrens entliehen Mein Mio aus Berlin ihren Bandnamen - und ihre leicht märchenhafte Erzählweise der Songs auf ihrem Debütalbum Irgendwo in dieser großen Stadt.
Mit verträumter Entrücktheit erzählen Mein Mio Geschichten aus dem Leben junger Menschen, in denen man sich nur all zu gut wieder finden kann: Das suchende Ich, das fragende Du und irgendwo dazwischen der Nachbarn vom Balkon gegenüber, der sich im Dschungel der Großstadt wahrscheinlich genauso oft verläuft, wie man selbst. Dabei zieht sich eine leichte Melancholie wie ein roter Faden durch die Songs, die durch die abwechslungsreiche Instrumentierung und die gelungenen Arrangements stets eine gewisse Leichtigkeit behalten. Alles sehr hübsch gemacht, sehr stimmig, sehr rund. Genau das ist auch der größte Schwachpunkt von Irgendwo in dieser großen Stadt: Das Album verliert sich mit zunehmender Länge in seiner Glätte. Man beginnt nach Löchern oder Vorsprüngen zu suchen, in die man fallen oder an denen man sich festhalten könnte. Stattdessen rutscht man auf der spiegelglatten Oberfläche immer weiter hinunter in die Belanglosigkeit. Etwas weniger Politur und dafür einige Kratzer hätten Irgendwo in dieser großen Stadt sicherlich gut zu Gesicht gestanden.
Triviallyrik mit einer Prise Befindlichkeitsfixierung ist eine durchaus solide Basis, wenn man die jungerwachsene 2000er Generation für sich gewinnen möchte. Baut man darauf dann noch eingängige Melodiegebilde, hat man sich schon fast in die Herzen der Radiofangemeinschaft gespielt. Mein Mio haben es zumindest ins Airplay von Radio Fritz geschafft und erreichten sogar das Finale des RadioawARD in Berlin. Nichts daran ist verwerflich. Im Gegenteil: Musik ist dazu da, um auf offenen Ohren zu stoßen und gehört zu werden. Nur stellt sich die Frage, wie viel von diesem Album oder Mein Mio zurück bleibt, wenn man sich nach dem letzten Track Am Ende kaum noch an den Anfang von Irgendwo in dieser großen Stadt erinnern kann. Hoffen wir an dieser Stelle, dass der Slogan jener Bekleidungskette, die Mein Mio präsentiert, nicht ihr eigener wird: "Dress for the moment".
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 28. August 2009 Label: Sound Guerilla
Website: www.meinmio.de Myspace: www.myspace.com/meinmio
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Sie hätten es auch anders haben können: Nachdem ihr Label geschlossen wurde, wäre es für die Mitglieder von Karpatenhund ein leichtes gewesen, sich auf andere Dinge zu konzentrieren. Sängerin Claire Oelkers hätte weiterhin ihre MTV- und Schauspielkarriere vorantreiben können, während Locas In Love für Björn Sonnenberg, Niklas Jansen und Stefanie Schrank ein warmes Zuhause gewesen wäre. Karpatenhund haben sich anders entschieden. Und zwar für die Produktion ihres zweiten Longplayer Der Name dieser Band ist Karpatenhund.
Eine Entscheidung, zu der man die Kölner Band nur beglückwünschen kann. Was mit zuckersüßem Fräuleinwunderpop zwischen Klee und den anfänglichen Wir Sind Helden klingt, entwickelt sich im Laufe des Albums zu einem Abgrund desillusionierter Realitätsbekundungen. Sängerin Claire Oelkers nimmt einen Spiegel und hält ihm dem Hörer vors Gesicht. Ob man das nun mag, was man darin sieht oder nicht, kommt ganz darauf an, wie weit man sich traut, hinter die Silberlegierung des Glases zu schauen. Fakt ist, dass Der Name dieser Band ist Karpatenhund durch melancholische Texte brilliert, in denen sich wohl jeder wieder finden kann, dem einen Tag lang mal nicht die Sonne aus dem Allerwertesten geschienen hat.
Kasus Knacktus sind dabei die Kontraste, die das Album setzt. Weiche Waldhörner (ja, die hat der gute Peter Deimel schon gekonnt auf K.O.O.K. des tocotronischen Dreiers einzubinden gewusst) treffen auf kühle Basslinien und synthetische Drums. Und trotz der Tiefgründigkeit der Texte schaffen es Karpatenhund, ein Album zu kreieren, dass einen Tanzflächentest ohne weiteres überstehen kann. Ein Zirkeltanz aus dunklen Moll-Akkorden und leuchtenden Popharmonien.
Simpel wie schön schließt sich der Kreis, der mit Anfang beginnt, mit dem elften Track Ende, der den Hörer durch das Riff des Plainsong von The Cure hinaus geleitet in ein weißes Rauschen. Ob darin ein Anfang oder ein Ende liegt oder irgendetwas dazwischen, das weiß nur die Band, deren Name Karpatenhund ist.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 28. August 2009 Label: Wanderlust Musik
Website: www.karpatenhund.com Myspace: www.myspace.com/karpatenhund
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Virginia Jetzt! öffnen einmal mehr ihre Arme und laden zum Liebhaben ein. Der vierte Longplayer der Band trägt den idyllischen Titel Blühende Landschaften und macht seinem Namen alle Ehre. Zuckersüße Liebesschwüre gallore, die Träume von ewiger Zweisamkeit und Küssen im Sonnenuntergang wecken.
Ein wenig erinnert Blühende Landschaften an die Münchener Freiheit – und das nicht ohne Grund. Schließlich fungierte Ex-Münchener Freiheit-Sänger Stefan Zauner bei einigen Songs als Tutor, der Neuarrangements vornahm oder auch im Background von Hollywood zu hören ist. Alles in allem machen Virginia Jetzt! allerdings damit weiter, womit sie aufgehört haben: Mit lieblichen Schmonzetten, die pubertierende Teenies von der großen Liebe träumen lassen und mit denen sie sich in den Schlaf weinen können, wenn sie die Bedeutung des Wortes Utopie begriffen haben. Romantik-Pop trifft auf modernen Schlager und eröffnet völlig neue Zielgruppen-Horizonte. Mit ihren Texten über schlagende oder nicht mehr schlagende Herzen dürfte das Berliner Quartett nämlich auch das Klientel 50jähriger Hausfrauen erreichen, die bei Meg Ryan-Filmen ins Taschentuch schnäuzen und die gesamte Rosamunde Pilcher-Kollektion ihr eigen nennen.
Dabei sind es nicht mal die Texte auf Blühende Landschaften, die dieses Album so anstrengend machen. Es sind auch nicht die sanften Vocals Nino Skrotzkis oder die warmen Arrangements aus Streichern, Piano und Synthesizern – vielmehr ist es die Kombination aus alle dem. Ein musikalisches Dessert aus Vanilleeis mit Schokosauce, Schlagsahne, Amarenakirschen und Zuckerstreuseln, dessen Anblick allein bereits ausreicht, um ein böses Rumoren im Magen zu verursachen.
Dabei wollen Virginia Jetzt! genau das Gegenteil. Sie wollen, dass man sich nach dem Hören von Blühende Landschaften wohl fühlt, behaglich, aufgehoben in der Hoffnung, dass alles gut ist oder zumindest irgendwann wird. Vielleicht wäre das Ganze sogar annehmbar, wenn es nicht diesen "Everbody's Darling"-Touch hätte, diesen Schwiegersohn des Jahres-Sound. Denn genau dieser liegt dem gepflegten Musikfreund nach dem Genuss von Blühende Landschaften so schwer im Magen, als hätten Strotzki & Co. völlig unvermittelt einen hinterlistigen Punch hinein bugsiert. Wenn die letzten Akkorde von Leisegehen verklungen sind, ertappt man sich bei dem Gedanken, dass es eigentlich völlig egal ist, ob Virginia Jetzt! leise oder laut gehen – Hauptsache sie gehen überhaupt und nehmen dieses Album mit.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 28. August 2009 Label: BMG Rights Management
Website: www.virginiajetzt.de Myspace: www.myspace.com/virginiajetzt
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Hinter Alex Face verbergen sich die vier Schweden David Kihlberg (Gesang/Gitarre), Frederik Kihlberg (Gesang/Bass), Sebastian Bergman (Gitarre) und Björn Westerlund (Schlagzeug). Benannt hat sich das Quartett nach einem durchgeknallten Zahnarzt aus dem schwedischen Örebrö, der 1995 seine ärztliche Zulassung verloren hat, weil er bei der Behandlung seiner Patienten eine Vogelmaske und einen Umhang getragen haben soll.
Nachdem 2008 ihr Debütalbum Smell Like A Woman erschienen ist, veröffentlichen Alex Face nun gerade mal ein Jahr später mit Never Been Alright ihr zweites Album. Neues gibt es hier allerdings nicht zu berichten. Alex Face machen mit Album Nummer 2 genau da weiter, wo sie damals mit Album Nummer 1 aufgehört haben. So spielen die Schweden sich weiterhin unter der Regie von Produzent Henrik Lipp durch eine Mischung aus Rock n Roll, Blues, Country, Garage und Punk, was klingt als hätte sich Tom Waits mit den White Stripes und den frühen Rolling Stones zu einer Jam-Session getroffen. Diese Kombination mag sich jetzt vielleicht zunächst viel versprechend anhören und bei so manchem Musikhörer Interesse wecken, doch leider ist es alles andere als das. Denn auf gesamter Albumlänge wird der Sound der vier Schweden äußerst anstrengend, so dass man den Finger so manches Mal in Richtung Skip-Taste bewegen möchte. Es bedarf wirklich starker Nerven, um die gesamten 36 Minuten Laufzeit dieser Platte komplett durchzuhalten. Der gewollt primitive und rohe Sound aus stets leicht verstimmten Gitarren und schrägen Gesangslinien mag sich zwar von den vorherrschenden musikalischen Standards abheben, dennoch bekommt man allzu oft das Gefühl, die Band habe bei einer ihrer Jam-Sessions im Proberaum ein Demotape mitlaufen lassen.
Nichts für ungut, aber der schmale Grad zwischen 60er Jahre Retro-Charme und nervenstrapatierendem Geschrammel wird hier einfach zu oft überschritten, so dass Never Been Alright leider keinen bleibenden Eindruck hinterlässt. Zumindest nicht im positiven Sinne.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 28. August 2009 Label: Alleycat Records
Website: www.alexface.com Myspace: www.myspace.com/alexfaceband
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MSTRKRFT (Masterkraft) ist das kanadische Elektro-Duo Al-P alias Al Puoudziukas und JFK alias Jesse Frederick Keeler, das drei Jahre nach ihrem Debüt The Looks nun mit Fist Of God nachlegt. Ob man an der aus Körpern (vornehmlich Oberschenkeln und Ä...schen) geformten Faust auf dem Cover des Albums Geschmack findet, sei dahingestellt. Wichtig ist die Musik.
Auf Fist Of God werden auf der Grundlage von den Wurzeln des Punk Elektro mit HipHop vereint. Die Gemeinsamkeit aller Tracks liegt in der Schlagkraft, insofern haben Al-P und JFK sich für das richtige Symbol entschieden. Bei der Produktion des treibenden Sounds dürften den beiden sicherlich die Erfahrung aus DJ- und Remix-Aktivitäten für Bloc Party, Justice oder The Kills hilfreich gewesen sein.
Fist Of God entspricht genau ihren Vorstellungen eines gelungenen Sets, das die Leute zum Tanzen bringt. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf ist genau solch ein Album entstanden. Dabei legten Al-P und JFK aber nicht nur Wert auf tanzbaren Sound, bei dem fette Bässe und schrille Synthie-Klänge auch mal dem Piano Platz einräumen, sondern auch auf eine entsprechende Auswahl an Gastmusikern wie Lil'Mo, Ghostface Killah, N.O.R.E und ISIS, E-40 oder dem R&B-Talent John Legend, die der instrumentellen Schlagkraft von Fist Of God die stimmliche Schlagkraft hinzufügen, und somit den Abwechslungsreichtum des Albums verstärken.
Review: Michaela Wicher
Erscheinungsdatum: 11. September 2009 Label: Cooperative Music
Website: www.mstrkrft.com Myspace: www.myspace.com/mstrkrft
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Frank Popp, der seinerzeit in einem Coca-Cola-Spot-Jingle die Behauptung in den Raum stellte, hippe Teens würden keine Blue Jeans tragen, meldet sich mit seinem aktuellen Album Receiver zurück. Zwar ist das Ensemble dieses Mal nicht im Namen vertreten, im Hintergrund des Longplayers ist es jedoch deutlich zu hören.
Auch auf Receiver scheinen sich die jungen Wilden nicht im Levi's Outlet-Store zu bedienen – vielmehr klingt das Ganze nach knackigen Lederhosen und Suzie Quatro-Bikerboots. Neben beatleesken 60s Tracks wie Nothing To Gain oder Dead End Street lädt Frank Popp den Hörer zu einem Ausflug in die rockenden 70er ein. Gitarrenbretter stapeln sich über orchestralen Arrangements und geben dem Hörer das Gefühl, den guten alten Opel Corsa vor der Haustür mit Doc Browns Delorean verwechselt zu haben. Startet das Ganze noch als abenteuerliche Spritztour in die Vergangenheit, so geht dem plutoniumbetriebenen Boliden leider schnell die Puste aus. Receiver entwickelt sich zu einer langatmigen Überlandfahrt. Selbst der soulige Charme Sam Leigh-Browns, die Frank Popp wie bereits auf vorherigen Alben auch für Receiver als Sängerin verpflichtet hat, reicht nicht aus, um der unvermeidlichen Frage zu entgehen: "Wann sind wir denn endlich da?!?" Einziges Highlight der Tour ist das melancholisch-verträumte Countdown To The Sun, mit dem sich Ex-Blackmailer Aydo Abay nach seinem Austritt aus der Band stimmlich wieder zurück meldet.
Dabei ist es erstaunlich, dass die Songs in sich durchaus funktionieren: Bricht man Tracks wie Hey Mr Innocent oder I Don't Mind aus ihrem Zusammenhang, so wird man mit durch und durch tanzbaren Unikaten konfrontiert, bei denen man nicht anders kann, als mit dem Fuß zu wippen. Im Kontext des Albums jedoch verlieren die Stücke ihre Wirkung: Zu ähnlich sind die Arrangements, zu konstruiert erscheint der Sound. Nach einer 50minütigen Fahrt findet man sich in seinem soliden Rüsselsheimer Kleinwagen wieder.
Frank Popps Bestreben, dem Schicksal eines One-Hit-Wonders zu entgehen, scheint ein Hangeln von Album zu Album zu sein. Ein Wettlauf gegen die Vergessenheit. Von seinem neuesten Werk Receiver bleibt am Ende leider auch nicht allzu viel hängen. Vielleicht liegt es daran, dass die hippen Teens doch Blue Jeans tragen...
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 10. Juli 2009 Label: TV Eye Records (Indigo)
Website: www.frankpopp.com Myspace: www.myspace.com/frankpoppmusic
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2007 setzte die dänische Formation The Elephants mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum ein erstes Ausrufungszeichen. Ihr fröhlicher Indie-Surf-Pop wurde durch die Bank gefeiert, mit den Beach Boys und I'm From Barcelona verglichen, und große Hoffnung auf weiteres Material wurden gehegt. Mit dem zweiten Langspieler Take It! ist es nun soweit.
Allerdings hat es in der Zwischenzeit eine kleine Veränderung gegeben, mit mehr oder weniger starken Folgen. 2008 verstarb der Bassist des ersten Albums und langjähriger Freund der Band, Rasmus Nybo. Inwiefern sich dieser Schicksalsschlag auf die Band und den Songwriting- und Aufnahmeprozess ausgewirkt hat, ist nicht wirklich klar. Tatsache aber ist: Take It! ist im Vergleich zum Vorgänger um einiges ruhiger und melancholischer ausgefallen. Ob das jetzt eine geplante Weiterentwicklung ist, oder ob der Todesfall so deutlich seine Spuren hinterlassen hat, sei dahingestellt. Ihren ansteckenden Dance-Appeal haben The Elephants leider etwas eingebüßt.
Und dennoch: Ihren ganz besonderen Sound haben die Dänen beibehalten. Überlegte Arrangements, ein buntes Instrumentarium mit Banjo, Ukulele, Trompete und heulenden Tremolo-Gitarren und himmlische Background-Chöre sorgen für ein hohes Qualitätsniveau vom ersten bis zum letzten Track. Bis auf den Opener The Organ Grinder, der noch die hibbelige Energie des ersten Albums andeutet, verbreitet das Album eine schwelgerisch-verträumte Stimmung, die zwar nachdenklich, aber auf keinen Fall zu schwermütig ist. Diese entspannte Spätsommeratmosphäre macht natürlich auf Dauer ebenso träge, wie die ganze Platte anfangs klingen mag, aber aus der Ruhe kommt ja bekanntlich die Kraft. Die Kraft, die einem in Songs wie Eva oder Nothing But Clues nach und nach entgegenstrahlt. Bleibt zu hoffen, dass The Elephants auf diesem bemerkenswerten Fundament weiter aufbauen können.
Review: Michael Döringer
Erscheinungsdatum: 28. August 2009 Label: Tapete Records
Website: www.elephants.dk Myspace: www.myspace.com/theelephantsdk
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Neues aus Australien. Keine Waldbrände oder neue blutige Hai-Attacken, sondern ein wuchtiges Rock'n'Roll-Album kommt von dem kleinen Kontinent zu uns herüber. Es trägt den Namen Shaka Rock und ist mit 12 Songs der dritte Silberling von Jet. Musikalisch knüpft Shaka Rock an das Debütalbum Get Born an. Das rauhe und rockige Hitverdächtige Songwriting, das bereits durch die zwei Singleauskopplungen K.I.A. und She's A Genius angedeutet wurde, wird in den anderen 10 Songs aufgegriffen und überzeugend zu Ende gebracht, so dass ein gutes neues Album von Jet entstanden ist.
Schon das Cover mit einem brennenden Lieferwagen deutet an, dass Jet wieder wild sein wollen und die Welt einfach wieder rocken möchten. So findet sich auf Shaka Rock nur eine Ballade. Alles andere ist durchgängiger, mitreißender und wuchtiger Rock. Hervorragend sind die zum Teil im Ohr bleibenden Gitarrenriffs, die oft das gewisse Etwas bei den Songs ausmachen. Sie geben Tempo ohne überdreht zu klingen und auch das Schlagzeug weiß sich an entsprechenden Stellen dezent zurückzuhalten, aber treibt die Songs stets an, damit sie doch wild und verspielt klingen. Besonders das "Yeah, yeah, yeah" im Song Walk zaubert einem das Lächeln ins Gesicht und man hat für mindestens 3 Minuten gute Laune. Manches auf dem Album erinnert stark an die Beatles (La Di Da) und auch ein AC/DC-Tribute (Black Hearts) findet der interessierte Musikhörer.
Alles in allem eine gute dritte Platte der australischen Band, die allerdings nicht unbedingt das Indierock-Herz stetig höher schlagen lässt. Ich würde es als ein solides Werk bezeichnen. Große brillante Momente bleiben beim Hören leider bisher aus. Trotzdem ist es ein Reinhören wert, denn eine deutliche Steigerung zum Vorgängeralbum ist ohne Zweifel zu erkennen. Liebe Australier macht weiter so!
Review: Tobias Basse
Erscheinungsdatum: 28. August 2009 Label: Virgin (EMI)
Website: www.jettheband.com Myspace: www.myspace.com/jet
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Zwei Jahre ist es in etwa her, dass Jas Shaw und James Ford von Simian Mobile Disco ihr Debütalbum Attack Decay Sustain Release unter die Leute gebracht haben. Das Folgewerk Temporary Pleasure ist nun sicherlich nicht als kurzfristiges Vergnügen zu verstehen, da die Vielfalt, durch die sich das Album auszeichnet, auf jeden Fall zu wiederholtem Hören initiiert. Diese Vielfalt verdankt Temporary Pleasure zum einen der Zusammenarbeit mit Gastsängern wie Chris Keating von Yeasayer, Jamie Lidell, Young Fathers, Alexis Taylor von Hot Chip und nicht zuletzt mit Gossip-Frontfrau und Karl Lagerfeld-Muse Beth Ditto.
Dem noch seicht daherkommenden Opener Cream Dream steuert Gruff Rhys von den Super Furry Animals seine Stimme bei, bevor mit Audacity Of The Huge Chris Keating eine Schippe zulegt und es in Richtung Tanzfläche gehen kann. Eine weitere Steigerung stellt 10000 Horses Can't Be Wrong dar, das gänzlich ohne Gesang auskommt und stattdessen – wie auch die beiden weiteren Simian Mobile Disco-Alleingänger Synthesise und Ambulance, auf instrumentelle Schubkraft für die Elektro-Disko setzt. Bei Synthesise verstärkt der Gebrauch der Stimme mit der Aussage "I was born to synthesise" den klanglichen ihr dementsprechenden Überbau, wohingegen Jas Shaw und James Ford bei Ambulance voll auf das klangliche Wechselspiel von synthetischer Imitation der Ambulanzsirene und von Basswucht setzen.
Doch zurück zu den Gastsängern: Teilweise sind diese Kollaborationen Ausflüge in unterschiedliche elektronische Gefilde. Mit Beth Ditto reisen Simian Mobile Disco zunächst in die 90er und lassen den Eurodance leicht aufflackern. Bei Off The Map mit Jamie Lidell geht es noch weiter zurück; hier dominiert schnelles Tempo, das deutlich Spuren der 80er Jahre aufzeigt, die sich durch den basslastig-treibenden Song ziehen. Die Mixtur von Raumschiff-Orion-anmutenden Klängen und ein Jungle-ähnlicher Beat treiben Alexis Taylor bei Bad Blood an. Mit Pinball feat. Telepathe schließt sich Temporary Pleasure wie es eröffnet worden ist und lässt den Hörer ein wenig für den nächsten Durchlauf runterkommen.
Review: Michaela Wicher
Erscheinungsdatum: 14. August 2009 Label: Wichita/Cooperative Music (Universal)
Website: www.simianmobiledisco.co.uk Myspace: www.myspace.com/simianmobiledisco
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Manche Songs scheinen sich irreversibel im Großhirn einzunisten. Man könnte sie selbst mit der gründlichsten Gehirnwäsche nicht aus dem Erinnerungszentrum schrubben. Einer davon ist Zoot Womans Living In A Magazine, der seinerzeit bei ausdauernden Night-Outs zu einer der Hymnen auf der Tanzfläche gehörte. Schneidiger Elektropop eines Trios aus Reading, deren Anzüge genauso weiß waren wie das Koks auf den Toiletten der Stylo-Clubs, in denen jeder für eine Nacht in seinem eigenen Magazin leben konnte. Mit ihrem unterkühlten Charme aus dandyesken Vocals und pulsierenden Beats brachten Zoot Woman die Club- wie die Indieszene gleichermaßen zum kochen.
Sechs Jahre ist es her, dass die Herren zum letzten Mal in Form ihres zweiten Albums Zoot Woman von sich hören ließen. In der Zwischenzeit betätigte sich Basser Stuart Price als Produzent, Komponist und Musiker für Madonna, die Killers oder Seal. Bei all der Stille um Zoot Woman war man sich nicht wirklich sicher, ob man von dem Trio überhaupt noch etwas hören würde. Und dann meldet es sich auf einmal wieder zurück, als sei nichts gewesen und als wären sechs Jahre im bandeigenen Mikrokosmos nur ein stroboskopartiger Wimpernschlag.
Das Ergebnis der sechsjährigen Schaffensphase ist ein Album, das nur so strotzt vor Energie und Kreativität: Zoot Woman durchqueren Eurodance-geschwängerte 80's-Hemisphären, driften ab in psychedelisch-transzendente Harmonien, feilen die Synthesizer so lange aus, bis aus diesen sirenenartige Speerspitzen entstehen, die sich ins Trommelfell bohren, um dann plötzlich in einen See aus Nachdenklichkeit und Melancholie abzutauchen.
Mit ihren dritten Album melden sich Zoot Woman nicht nur zurück, sie behaupten auch klar den Standpunkt ihres ganz eigenen Sounds, der – ohne Frage – zeitlos ist. Jeder der 12 Tracks hat das Potential zum Hit. Jeder Song ist ein Tanzflächenfüller. Es ist gut, dass sich manche Dinge nie ändern. Einen treffenderen Albumtitel als Things Are What They Used To Be hätten Zoot Woman wohl nicht wählen können.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 21. August 2009 Label: Snowhite
Website: www.zootwoman.com Myspace: www.myspace.com/zootwoman
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Was wurde nicht schon alles geschrieben über Amanda Blank. Zu vulgär, sagen die Einen, frech und unbedarft, meinen die Andreren. Mal wird sie mit Lady Gaga verglichen, dann wieder mit Santigold."Wie Peaches, bloß ohne Achselhaare" war bisher das einprägsamste Zitat. Und wie sich das dann anhört, kann man sich auf I Love You zu Gemüte führen. In Ihren Songtexten bemüht sie sich gar nicht erst um Zweideutigkeit, sondern rappt munter und ziemlich vulgär darauf los. Jaja, auch Frauen können richtig böse und versaut sein, soll das dem potentiellen Käufer vermitteln. Amanda Blank nur deshalb zur Frauenrechtlerin zu erheben, weil sie in Ihren Texten Männer zu Objekten degradiert (wie es die männliche Rapperzunft seit 30 Jahren erfolgreich mit vertauschten Geschlechterrollen praktiziert), ist doch etwas weit hergeholt. "Sex sells" ist schließlich immer noch Paragraph eins der ungeschriebenen Marketinggesetze der Musikindustrie.
Was hat Amanda Blank also außer Sex noch zu bieten? Wenn man das Album zum ersten mal durchhört, ist man zunächst einmal verwirrt. Wie kann man in eine halben Stunde Musik so viele verschiedene Einflüsse und Stilrichtungen stecken? I Love You enthält perfekte Popsongs wie etwa Make It Take It, DJ oder auch Shame On Me, die nicht mit elektronischen Stilmitteln geizen und in denen Amanda Blank nicht rappt, sondern richtig gut singt. Dass sie auch rappen kann, stellt sie dann bei Gimme What You Got und Let me Get Some unter Beweis. Die Höhepunkte des Albums sind zweifelsohne die Single I Might Like You Better sowie das Prince-Cover Make Up, das Amanda Blank in eine Hommage an Chicks On Speed verwandelt hat.
Alles in allem vermisst man als Hörer aber einen roten Faden, der das Gesamtwerk zusammenhalten würde. Und man wird das Gefühl nicht los, dass bei einigen Songs das geniale Produzentenduo Diplo und Switch nicht nur seinen Anteil hatte, sondern aus der mittelmäßigen Vorlage mit vielen Effekten einen richtig guten Song gemacht hat.
Ihrem großen Vorbild Peaches kann Amanda Blank noch nicht ganz das Wasser reichen, was nicht nur an der fehlenden Achselbehaarung liegen wird. Ein sehr ambitioniertes und sehr abwechslungsreiches Album, das sich erfrischend anders anhört, ist ihr aber allemal gelungen.
Review: Andreas Kussinger
Erscheinungsdatum: 07. August 2009 Label: Cooperative Music
Myspace: www.myspace.com/amandablank
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Sie sind die Reinkarnation des Sounds aus Großbritannien der späten 80er/frühen 90er. Dabei stammen Darker My Love gar nicht von der Insel, sondern aus dem sonnigen L.A. Nachdem ihr selbstbetiteltes Debütalbum 2006 nur in den USA veröffentlicht wurde, versuchen die fünf Kalifornier - Tim Presley (Ex-The Nerve Agents), Andy Granelli (Ex-The Distillers), Rob Barbato, Jared Everett und Will Canzoneri - nun mit ihrem zweiten Longplayer 2 den Sprung über den großen Teich.
Entgegen jeglicher musikalischer Trends, die momentan die Musiklandschaft beherrschen, lassen Darker My Love einen längst vom aussterben bedrohten Sound der Vergangenheit wieder auferstehen und transportieren diesen in die Gegenwart. Und das Ergebnis ist überaus hörenswert. Darker My Love bauen meterhohe Soundwände auf hohem instrumentellen Niveau mit Intros, die nicht selten bis an die 1-Minute-Grenze gehen und ausufernden Instrumentalparts innerhalb der Songs. Dabei beherrschen Darker My Love ihr Handwerk außerordentlich gut und schaffen es präzise eine gute Soundstruktur aufzubauen. Ihr Gemisch aus verzerrten Gitarren und einem leicht introvertierten Gesang erinnert einen unweigerlich an Bands wie The Jesus And Mary Chain, My Bloody Valentine oder Ride. Aber auch eine nahe Verwandtschaft zu den frühen Black Rebel Motorcycle Club (Northern Soul) lässt sich hier nicht leugnen. Doch verarbeiten Darker My Love die genannten Referenzen stets auf ihre eigene Art und Weise.
Aus alt mach neu lautet hier die Devise und das gelingt Darker My Love prächtig. Und auch wenn man das alles schon mal gehört hat, so ist 2 trotzdem ein sehr gutes und überzeugendes Album, das hoffentlich auch in Europa eine große Zuhörerschaft finden wird.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 07. August 2009 Label: Pias/Dangerbird Records (Rough Trade)
Website: www.darkermylovemusic.com Myspace: www.myspace.com/darkermylove
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Schon wieder ein neues Solo-Projekt von Paul Banks? Könnte man meinen, denn beim ersten hören klingen Dial M for Murder! nach einer tanzbaren Lo-Fi-Version von Interpol. Die zwei jungen Schweden darauf zu reduzieren wäre aber zu kurz gegriffen und ist auch nicht negativ gemeint. Nachdem sie Ende 2008 mit einer Single in Kennerkreisen bereits für Furore gesorgt haben, liefern sie nun mit ihrem Debüt Fiction Of Her Dreams ein sattes Stück Retro ab. Die Referenzen hört und sieht man, Inspiration wird aus der Post-Punk- und Dreampop-Ästhetik von Joy Division und den Chameleons bis heute geschöpft. An Begriffe wie "ausgelutscht" denkt man da gar nicht, wenn das Ganze so überzeugend gemacht ist wie hier.
Um noch mal den Vergleich zu Interpol zu ziehen: Wie jenen gelingt es Dial M For Murder!, innerhalb eines ziemlich düsteren Rahmens eine wohltuende Vielfalt einzubringen und den Bogen zu spannen zwischen schwermütigen und in gewisser Weise upliftenden Songs. Mit einem typisch reduzierten Setup, bestehend aus Gitarre, Bass, altem Synthesizer und einem wohl noch älteren Drumcomputer erschaffen sie ihre eigene Interpretation der 80er: Analog, dreckig, monoton und zugleich ansteckend melodiös. Abgerundet wird dieser – Verzeihung – geile Sound von einer verhaltenen und doch kraftvollen Stimme, die nicht gerade von der Sonnenseite des Lebens erzählt. Wie erwähnt bietet die Platte beides: Nummern, bei denen man sich nur noch unter der Bettdecke vergraben möchte (NYC, You Said) und solchen, die auch im Club vorstellbar wären (Hell No, Do You Think So? I don't, The Mourning Comes The Morning After). Letztere sind definitiv die Highlights des Albums.
Sicherlich ist auch Fiction Of Her Dreams alles andere als progressive, moderne Rockmusik. Sei's drum, es klingt verdammt gut und hat nicht nur einen eigenen Stil, sondern auch Stil im allgemeinen. Deswegen: Daumen hoch!
Review: Michael Döringer
Erscheinungsdatum: 14. August 2009 Label: Tapete Records
Myspace: www.myspace.com/mformurderband
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Learn & Wait ist das EP-Debüt von Timo Breker. Ein Erstlingswerk, das dem Hamburger mit indonesischen Wurzeln sehr am Herzen liegen dürfte. Immerhin hat der junge Singer/Songwriter mittels Musik vor einigen Jahren sein Asthma in den Griff bekommen. Entsprechend nachdenklich, tiefgründig und vor allem ruhig präsentiert sich Breker auf Learn & Wait.
Auch wenn sich Timo Breker für ausgewählte Songs musikalische Unterstützung in Form von Pianist Philipp Steinke, Bassist Jan Bela und Schlagzeuger Marco Möller ins Boot holt, so liegt der Fokus von Learn & Wait doch eindeutig auf dem Zusammenspiel aus Gesang und Gitarre. Wo auf der einen Seite die große Stärke der Songs liegt – nämlich in der sparsamen Instrumentalisierung, die Raum lässt für Brekers Stimme - findet sich auf der anderen die größte Schwäche: Mangelnde Variation. Bei aller Schönheit und Melancholie vermisst man doch die Abwechslung in den einzelnen Tracks. Kaum sind Akkorde des Openers Julia verklungen erliegt man dem Trugschluss, ein einziges langes Musikstück zu hören, in dem jegliches Zeitgefühl verloren geht. Dieses setzt erst wieder ein, wenn der Abschluss- und Titeltrack Learn & Wait mit vitalen countryesken Klängen die Stille und sich langsam einschleichende Monotonie durchbricht und man realisiert, dass zwischenzeitig drei Songs und knappe 14 Minuten vergangen sind.
Nichtsdestotrotz ist Learn & Wait ein Debüt, das nicht nur das Herzblut, sondern vor allem auch das Potential von Timo Breker erkennen lässt und Möglichkeiten zur Weiterentwicklung bietet. Warten wir also gespannt auf das Album des jungen Mannes aus der Hansestadt, das 2010 erscheinen soll.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 10. Juli 2009 Label: Lamm Records (Universal)
Website: www.timobreker.de Myspace: www.myspace.com/timobreker
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Tortuga Bar ist das aktuelle Band-Projekt von Mark Kowarsch und Alexandra Gschossmann. In der hiesigen Indie-Szene ist Kowarsch allerdings längst kein Unbekannter mehr und hat schon in vielen Bands musiziert: Speed Niggs, Sharon Stoned, Elektrosushi. Drei Jahre hat der Mann aus Ostwestfalen gemeinsam mit seiner Freundin an dem Debütalbum Narcotic Junkfood Revolution gewerkelt, das hauptsächlich im Nürnberger Night Club Studio aufgenommen wurde. Herausgekommen ist ein buntes und vielseitiges Werk mit unterschiedlichen musikalischen Stilen und Soundfarben.
Diese bunte Mischung ist wohl auf die verschiedenen Mitwirkenden, die sich auf dem Album tummeln, zurückzuführen. Denn wie es schon bei den früheren Bands von Kowarsch zur Tradition geworden war, vereint er auch diesmal wieder jede Menge Gastmusiker auf seinem Album - darunter Evan Dando von The Lemonheads Phillip Boa, Nagel von Muff Potter, Peter Brugger von Sportfreunde Stiller, Jari von Navel, Gitbox!, Nino Skrotzki von Virginia Jetzt!, Gisbert zu Knyphausen, Bernadette La Hengst - um nur einige zu nennen. So taucht bei jedem der zwölf Songs mindestens ein neuer Gast auf, der dem jeweiligen Song seine eigene Note beisteuert. Und so abwechslungsreich wie sich die Gästeliste liest, genauso abwechslungsreich präsentiert sich auch der Sound auf Narcotic Junkfood Revolution: Von energischem Indie-Rock (Likely To Be Dropped) über Singer/Songwriter-Kompositionen (Storm) bis hin zu verschrobenen Elektronummern (Foolish Me).
Durch die vielen Stilwechsel erscheint das komplette Album allerdings eher wie eine Compilation als ein homogenes Gesamtwerk - jeder Song steht für sich und funktioniert auf seine ganz eigene Art und Weise. Jedoch wirkt das Ganze auf Albumlänge gesehen ein wenig wirr und ohne jegliches Konzept, wodurch der ansonsten positive Gesamteindruck leider ein wenig getrübt wird.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 26. Juni 2009 Label: VierSieben Records
Website: www.tortugabar.net Myspace: www.myspace.com/tortugabar1
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Immer dieser Zwiespalt: Unvoreingenommen und objektiv sollte man Musik beurteilen und vor allem bei jungen (deutschen) Bands eher wohlwollend reagieren, anstatt sofort mit der Kritikerkeule alles kurz und klein zu schlagen. Aber was soll man gegen dieses innere Gähnen machen, wie diese Hat's-doch-alles-schon-gegeben-Stimmen abschalten? Everlaunch – 4 junge Männer aus Niedersachen – sind mit ihrem Debütalbum Suburban Grace nun die nächste Band zwischen jenen Fronten.
Suburban Grace bietet elf Stücke groß angelegten Alternative-Rock im Stil von Bands wie Polarkreis 18 und Hard-Fi (wohl auch Vorbild für das Artwork), ist radiotauglich und glanzproduziert von der ersten bis zur letzten Minute und für ein Debüt unglaublich routiniert und professionell gemacht. Verantwortlich dafür sind zum Teil ein namhaftes Produzentenduo (u. a. Kettcar und Jan Delay) und Aufnahmen in "feinen Hamburger Studios". Das große Geld steckt jedoch nicht dahinter: Ganz ohne fremde Hilfe und mit äußerster Liebe zur eigenen Arbeit haben Everlaunch es bis hierher geschafft, darauf wird energisch gepocht und verdient auch Respekt. Wie erwähnt ist es ebenso respektabel, mit einem solchen Album an den Start zu gehen, das mit der Single Run Run Run, Seesaw, Picturefreak und eigentlich auch allen anderen Songs potentielle Hitparaden-Nummern liefert.
Und genau hier fällt das große Aber: Für feine Lauscher bedeutet Suburban Grace weichgespülten Radiorock und wenig Innovation. Leider sind auch die Texte relativ austauschbar, sodass die "großen Gefühle", welche ihren prominenten Fürsprecher Markus Kavka bei der Platte überkommen, fast ganz ausbleiben. Ein bisschen weniger Allgemeinplatz-Lyrik hätte hier ganz gut getan. "Elf Songs, die - gleich ob alleine oder im Gesamtwerk betrachtet - genau so aussagekräftig sind, wie man es sich wünscht und besonders hierzulande lange genug vermisst hat", sagt der Beipackzettel. Aussagekräftig – naja. Vermisst? Geht so. Aber sicherlich nicht so überflüssig, wie manches andere. Mehr Profil und Charakter würde das ganze attraktiver machen, dann allerdings nicht mehr in der Weise den Massengeschmack treffen wie dieses Album.
Review: Michael Döringer
Erscheinungsdatum: 24. Juli 2009 Label: Mightytainment
Website: www.everlaunch.de Myspace: www.myspace.com/everlaunch
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"Dieses Album ist unser Born To Run. Die Vision war eine Platte zu kreieren, die klingt, als hätte Phil Spector die E Street Band produziert - auf Speed". Anton Annersand, Frontmann des Schweden-Vierers Molotov Jive, zeigt sich extrem euphorisch, was das zweite Album Songs For The Fallen Apart seiner Band angeht. Ob diese Aussage eher von schwedischer Rock n Roller-Großtuerei als von realistischer Selbsteinschätzung zeugt, sei an dieser Stelle mal dahingestellt. Fakt ist jedenfalls, dass das Quartett aus Karlstad mit ihrem Zweitlingswerk Songs For The Fallen Apart ein sehr gutes Album hingelegt hat, das eine deutliche Weiterentwicklung der Band zeigt. Denn war das 2006er Debüt When It's Over I'll Come Back Again noch eine Ansammlung von Songs in bester Pop/Punk/Beat-Manier mit durch Teenagerängste geprägten Texten, kommt der Nachfolger Songs For The Fallen Apart musikalisch als auch textlich wesentlich erwachsener und gereifter daher.
Als Produzent hat ihnen dabei Tom Hakava unter die Arme gegriffen, der auch schon für Bands wie Shout Out Louds oder Of Montreal die Regler bediente. Doch anstatt zuviel mit der Studiotechnik zu spielen, vertrauen die Schweden bei ihrem neuen Longplayer lieber auf ihren Livesound und so wurde das Album in einem analogen Studio komplett live eingespielt, um die mitreißende Energie, die Molotov Jive gerade bei ihren Konzerten versprühen, einzufangen. Und dies ist ihnen hervorragend gelungen, denn auf Songs For The Fallen Apart ist vom ersten Ton an genau diese Energie zu spüren.
Eingeleitet wird das Album durch einen Prologue und endet mit einem Epilogue. Dazwischen geben die Schweden ordentlich Vollgas und schmeißen mit Hits nur so um sich: Monday, Tuesday, Bridges Burn oder Paint The City Black - um nur einige Highlights des Albums zu nennen. Zeit zum Verschnaufen bleibt nur bei der einzigen Ballade Cecilia And The Love, die den schnellen und energetischen Fluss für kurze Zeit unterbricht, bevor es mit Nicotine dann direkt in der vorherigen Geschwindigkeit weitergeht.
Mit Songs For The Fallen Apart könnten die vier Schweden von Molotov Jive es endlich schaffen ernst genommen zu werden. Das Album hat zumindest das Potential den Jungs einen ordentlichen Schubs nach vorn zu geben.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 26. Juni 2009 Label: Strange Ways
Website: www.molotovjive.se Myspace: www.myspace.com/molotovjive
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Vorhang auf für die nächste britische Newcomerin im Popzirkus: Florence Welch und ihre siebenköpfige Begleitband The Machine liefern auf ihrem Debütalbum Lungs eingängige und pompös arrangierte Popmusik, die Spaß macht, und von der Bush bis zur Nash an viele andere stimmgewaltige Damen denken lässt. Jedoch steckt mehr hinter der fröhlich-schwelgerischen Atmosphäre als bloßer Radio-Pop zum Mitwippen, so erzählt man sich.
"Meine Musik soll sich anfühlen, als ob man sich von einem Baum stürzt, oder von einem Hochhaus; oder als ob man in die Tiefen des Ozeans gerissen wird und keine Luft mehr bekommt." Um die großen Gefühle geht es der ehemaligen Kunststudentin also, und die werden von den mitreißenden Songs allemal angesprochen. Auch Frau Welchs großartige Stimme, irgendwo zwischen Feist und Kate Nash angesiedelt, trägt ihren Teil zum allgemeinen Wohlgefallen bei. Textlich fühlt man sich in neue Welten entführt, ziemlich düster und verworren scheint es im Kopf von Florence zuzugehen: "My boy builds coffins ,he makes them all day, but it's not just for work and it isn't for play. He's made one for himself, one for me too, one of these days he'll make one for you" (My Boy Builds Coffins). Aber bevor man sich in übertriebener Interpretation verlieren könnte, gibt Florence selbst "Entwarnung": "Alles dreht sich um Jungs! Das gesamte Album handelt von der Liebe". Na dann, mehr will man von so einer ohrwurmigen Platte auch gar nicht. Anspieltipps gibt es genug, zum einen treibende Stücke wie Dog Days Are Over und Howl oder die prädestinierte Tanznummer Kiss With A Fist.
Zu meckern gibt es bei Lungs wirklich nichts. Eine schöne Platte mit bezaubernden Pop-Perlen, nicht mehr und nicht weniger.
Review: Michael Döringer
Erscheinungsdatum: 10. Juli 2009 Label: Island (Universal)
Website: www.florenceandthemachine.net Myspace: www.myspace.com/florenceandthemachine
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In Südafrika würde diese Plattenkritik niemanden mehr interessieren, schließlich liegt A World Next Door To Yours dort schon seit 2007 im den Plattenläden. Zwei Jahre später findet das dritte Album der Parlotones nun auch den Weg nach Mitteleuropa.
Verkehrte Welt für Sänger Kahn Morbee und seine Bandkollegen, denn während sie in Südafrika schon alles erreicht haben, stehen sie hierzulande noch weitgehend am Anfang ihrer Karriere. Der Vorgänger Radiocontrolledrobot hat zwar auch hierzulande ein paar Abnehmer gefunden und die Plattenkritiken waren durch die Band recht wohlwollend, nach kurzer Zeit wandte sich die Zielgruppe aber wieder Großbritannien zu, wo neue Bands ja wie Pilze aus dem Boden schossen.
Vielleicht aber wurden The Parlotones dem Publikum hier auch falsch verkauft. "Die südafrikanischen Coldplay", das legt die Messlatte schon recht hoch und weckt Erwartungen, die kaum erfüllt werden können. Doch wie klingen sie denn tatsächlich? Snow Patrol, Keane oder auch Starsailor, mit denen die Südafrikaner jüngst auf Tour waren, können als europäische Referenzen genannt werden. "Melodic Indie-Rock" nennen sie es selbst und liegen damit ziemlich richtig. Viel Pomp und Pathos, ein bisschen Emo, eine gute und vor allem stadiontaugliche Mischung.
Was leider fehlt, ist irgend etwas unverkennbares, und so wird es wohl schwierig bleiben, hier Fuß zu fassen. Wobei man an dieser Stelle noch die wunderbare Stimme von Sänger Kahn Morbee erwähnen sollte, die den Songs erst so richtig Qualität verleiht. Dennoch könnte man sich durchaus vorstellen, den ein-oder anderen Song von A World Next Door To Yours im Radio zu hören, sollten die Sender Kings Of Leon vielleicht irgendwann endlich tot gespielt haben und sich auf die Suche nach Ersatz machen.
Review: Andreas Kussinger
Erscheinungsdatum: 26. Juni 2009 Label: Eastzone
Website: www.parlotones.co.za Myspace: www.myspace.com/theparlotones
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Mit The Dilettante haben wir das Debüt-Album eines bislang noch relativ unbekannten Singer/Songwriters aus Münster vorliegen. Sein Name: Robin Tom Rink. Und alles, was man über ihn als Person wissen muss, verrät uns wie immer der Promowaschzettel. Kurz zusammen gefasst, handelt es sich bei dem jungen Mann, wie bereits geschrieben, um einen gebürtigen Münsteraner, den es über die Umwege Berlin und Paris mittlerweile nach Konstanz verschlagen hat. Weiter wird über seine schlimme Drogenvergangenheit, Jobs als Postbote und eine mysteriöse Krankheit geschrieben. Insgesamt wird dort das Bild eines Künstlers aufgebaut, der erst in der Fremde scheitern und so tief sinken musste, um aus dem Leid heraus seine Kreativität schöpfen zu können.
Authentizität ist das Stichwort mit dem hier unausgesprochen gearbeitet wird, denn die Gitarre, so heißt es, sei sein Mittel gewesen, um das tiefe Tal zu durchschreiten. Untermalt wird das alles von Promofotos, auf denen er vor den vier Buchstaben E-X-I-L oder nachdenklich in einem leeren Café posiert und einem vom Künstler selbst gemalten Cover. Im Großen und Ganzen wirkt das gesamte Paket sehr komplett und schlüssig, womit wir nun endlich zur Musik übergehen, denn die Musik und ihr Texte fügen sich lückenlos in seine Charakterstudie ein.
Die Musik, Robins Selbsttherapie, wird überwiegend von traurig minimalistischen Gitarren- und Pianoklängen getragen, zu denen er mit bildlicher Sprache von Situationen und Momenten berichtet, die wohl nur jemand mit seiner Vergangenheit komplett zu interpretieren weiß. Seine Texte, die beim bloßen Lesen zunächst kitschig wirken, fügen sich letztlich zu einer runden Sache in die Musik ein und erscheinen als intime und emotionale Zustandsbeschreibungen. Alles wirkt irgendwie vertraut und vor allem echt – und wenn man dem Promowaschzettel Glauben schenkt, dann ist es das ja auch.
Das Schöne an der ganzen Sache ist jedoch, dass Robin bei seinem Album nicht auf die Mitleidsschiene setzt, sondern sich auch ab der Hälfte es Albums traut, hereinbrechende E-Gitarren und ein positiv lärmendes Schlagzeug mit ein zu binden. Auch wenn der Promoter in diesem Falle mit Sicherheit sehr dankbar über die Lebensgeschichte des Mannes ist, nötig ist diese Aufmerksamkeitshascherei nicht, weil die Musik für sich schon spannend genug ist und so vielleicht wie in dieser Rezension zu unrecht neben dem Schicksal des Künstlers zu kurz kommt.
Review: Axel Schinkel
Erscheinungsdatum: 12. Juni 2009 Label: Viva Hate Records
Website: www.robintomrink.de Myspace: www.myspace.com/robintomrink
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Crossed Lines ist das Debütalbum der Singer/Songwriterin und Komponistin Twila.Too. Ein Debüt, das mit landläufigen Assoziationen wie Newcomer oder musikalischem Erstversuch wenig zu tun hat. Twila.Too ist kein Neuling im Business. Die Belgierin kann bereits auf diverse Kooperationen mit Air Liquide, Decomposed Subsonic oder Bob Humid zurückblicken, der bei Crossed Lines die Regie an den Reglern übernahm. Crossed Lines ist ebenso wenig eine frühe musikalische Skizzierung. Twila.Too hat sich satte sechs Jahre Zeit gelassen, um ihr Erstlingswerk auf Vinyl zu bannen. Erfahrung trifft auf Ausgereiftheit. Das Ergebnis ist ein atmosphärisch dichtes Gebilde, das sich irgendwo zwischen TripHop, Downbeat und Drum and Bass bewegt. Ein Album, das geradezu prädestiniert wäre für einen Soundtrack, weil es in seiner Intensität unweigerlich Sequenzen eines Lynch-Streifens im Kopf wachruft.
Zusammengehalten wird das Geflecht aus Synthesizern und Drumcomputern durch die charismatische Stimme der Belgierin, die sich beinah hypnotisierend ihren Weg durch die Beats und Samples bahnt. Mal herausfordernd und sexy wie auf Desiring The World?, mal umgarnend und verzaubernd wie auf So Sweet oder Recycle. In genau diesem Facettenreichtum liegt auch die große Stärke von Crossed Lines, in der fragilen Schönheit, die aus der oftmals düsteren Grundstimmung des Albums resultiert. Ähnlich wie Portishead oder Massive Attack bewegt sich Twila.Too mit ihrem Debüt stets zwischen Beklemmung und Befreiung.
Crossed Lines ist ein Album, das ein wenig Zeit braucht, dessen Mysterium sich erst nach einigen Hördurchgängen erschließt, ohne jedoch gänzlich ergründet zu werden. Ein faszinierendes Erstlingswerk einer überaus talentierten jungen Frau.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 19. Juni 2009 Label: Serve & Destroy (Groove Attack/goodtogo)
Website: www.twilatoo.com Myspace: www.myspace.com/twilatoo
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Waxing Gibbous ist das fünfte Album in nur sieben Jahren des schottischen Sängers Malcolm Middleton, bekannt und geliebt für unterschwelligen Zynismus und schwermütige Musik. Und außerdem für elendige Tiefstapelei, wie sein Kommentar zur neuen Platte zeigt: "The usual shite. I enjoy writing music. I write about what I know. I don't know much." Jeder, der seine bisherigen Platten kennt, wird dies – auch in Anbetracht des neuen Werks – mit einem wohlwollenden Schmunzeln abtun. Waxing Gibbous ist erneut ein famoses Stück Musik, aber leider wohl erst mal das letzte für längere Zeit.
Der Beipackzettel zur CD hat etwas von einer Entschuldigung, klingt nach ratloser Rechtfertigung. Wenn auch die ein oder andere Übertreibung enthalten ist, so darf man Malcolm Middletons Worte dennoch ernst nehmen: "I just can't seem to get on with the man that I've become" heißt es im Song Zero. Er fühlt sich nicht mehr wohl, zweifelt an so Manchem und will neue Wege beschreiten. Und die Platte vermittelt insgesamt eine ähnliche Abschiedsbriefstimmung. Middletons gebrochene Stimme brummelt in gewohnt rührender Weise über todmelancholische Indie-Pop-Perlen. Malcolm Middleton vertont Traurigkeit und fügt dem Ganzen das gewisse Etwas hinzu, welches seine Musik zu einem Heilmittel gegen jene werden lässt. Und das konstant schon fünf Alben lang, wobei das aktuelle den anderen in keinster Weise unterlegen ist. Zwischen den ganzen ruhigen Tracks findet sich sogar Platz für ein paar fröhlich-flotte Nummern (Red Travellin' Socks, Subset Of The World); zu den besten Songs der Platte zählen aber definitiv Box & Knife und Zero.
"I'm not quitting, I just think that Malcolm Middleton has said enough for the time being". Diese Entscheidung liegt leider nicht in unserer Gewalt. Sicherlich sollte sich jeder Künstler weiterentwickeln und nicht ewig am gleichen Sound hängen, eine gewisse Portion Frustration scheint ihn jedoch ebenfalls zu diesem Entschluss gebracht haben ("Could I maybe try to sound more like James Blunt oder James Morrison?"). Ob Waxing Gibbous die verdiente Aufmerksamkeit erhält ist eher unsicher, für jeden Liebhaber von ehrlicher, betrübter Musik wird es zum Hitalbum. O, schnöde Welt!
Review: Michael Döringer
Erscheinungsdatum: 12. Juni 2009 Label: Fulltime Hobby / Pias
Website: www.malcolmmiddleton.co.uk Myspace: www.myspace.com/malcolmmiddleton
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Ein Faible für eigenartige Cover hatten Barlow, Mascis und Co. immer schon. Diesmal zieren zwei Baumhirten die Front des aktuellen Albums Farm. Was anfangs putzig und leicht verschroben erscheint, entpuppt sich beim ersten Durchhören als Indie-Granate par excellance. Mit ihrem fünften Longplayer in Originalbesetzung legen Dinosaur Jr. zweifelsohne das Album des Jahres auf den Gabentisch der Indie-Fangemeinde.
Farm tritt unverhohlen den Beweis an, dass Zeitreisen möglich sind. Die Platte des Trios aus Massachusetts ruft unweigerlich Erinnerungen an Tage wach, in denen alles was man brauchte, ein Paar Converse, eine Hifi-Anlage mit leistungsstarken Boxen und ein Haargummi waren, um die vom Tanzen zerzauste Mähne wieder zu bändigen. Das traurig-schöne See You erinnert doch schwer an Get Out Of This der großartigen Without A Sound, das anfängliche Riff von Plans weist gar Parallelen zu Neil Youngs Cortez, The Killer auf. Überhaupt finden sich immer wieder Reminiszenzen an den Altmeister im Sound von Farm wieder - ohne jedoch altbacken zu klingen.
Mascis, Barlow und Murph werden im Alter nicht ruhiger - im Gegenteil: Sie drehen die Verstärker bis zum Anschlag auf. Bereits der Opener Pieces startet derart energetisch, dass man Angst hat, von der Dynamik des Albums weggeblasen zu werden. Auch im weiteren Verlauf vermag Farm sowohl vom Tempo als auch von der Lautstärke her zu halten, was der Einstiegstrack verspricht. Auf I Don't Wanna Go There schwingt J. Mascis die gniedelnde Gitarrenaxt durch den Soundwald, dass dort nach acht Minuten kein Gras mehr wächst. Auch wenn die Herren es in ihrem energetischen Getöse ein wenig übertreiben und die Platte hier und da übersteuert, so ist es doch eine unendliche Freude, endlich wieder einmal den Dinosaur Jr. urtypischen Sound durch die Boxen erschallen zu hören.
Wenn man nach der einstündigen Reise in die Vergangenheit zurück in der Zukunft angekommen ist, erzeugt die plötzliche Stille ein leichtes Piepen im Ohr und ein glückliches Grinsen im Gesicht über die Freude, das Album des Jahres noch einmal auf Repeat stellen zu dürfen - laut versteht sich.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 19. Juni 2009 Label: Pias
Website: www.dinosaurjr.com Myspace: www.myspace.com/dinosaurjr
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Dass die Lemonheads schon immer große Freunde von Coversongs gewesen sind, ist kein Geheimnis. Immerhin feierten Evan Dando und seine Band ihre größten Erfolge mit Songs von Suzanne Vega (Luka), Simon & Garfunkel (Mrs. Robinson) und Robyn St. Clare (Into Your Arms). Was liegt da näher, als ein ganzes Cover-Album zu veröffentlichen?! Und genau das machen die Lemonheads nun mit ihrem neuesten Werk Varshons.
Die Idee zu diesem Album kam Evan Dando durch seinen alten Freund Gibby Haynes von den Butthole Surfers, der hier auch als Produzent fungierte. Er hatte ihm regelmäßig Mixtapes aufgenommen, die ihn schließlich zu dieser abwechslungsreichen Sammlung von Neuinterpretationen inspiriert haben. So covern sich Dando und seine Mannen auf Varshons quer durch bekanntes und weniger bekanntes Liedgut. Darunter Songs von Gram Parsons (I Just Can't Take It Anymore), Leonard Cohen (Hey, That's No Way To Say Goodbye), Townes Van Zandt (Waiting Around To Die), GG Allin (Layin' Up With Linda) und Christina Aguilera (Beautiful). Bei zwei Stücken holt sich Evan Dando gesangliche Unterstützung ins Boot und zwar von Schauspielerin Liv Tyler, die mit ihm Leonard Cohens Hey That's No Way To Say Goodbye im Duett singt und Top-Model Kate Moss, die in Dirty Robot vom schottischen Elektroduo Arling & Cameron zu hören ist.
So ist Varshons ein buntes Sammelsurium fremder Songs im Lemonheads-Gewand, ohne dabei die Songs zu ruinieren, sondern vielmehr verleihen Evan Dando und Co. den Songs eine ganz spezielle Note. Bestes Beispiel dafür ist das von Linda Perry (Ex-4 Non Blondes) geschriebene und von Christina Aguilera gesungene Beautiful, denn hier bemerkt man erst in der Neuinterpretation wie großartig dieser Song eigentlich ist. Und so machen die Lemonheads auf Varshons jeden Song zu ihrem Eigenen und das, abgesehen von dem nervigen Electrogedöns Dirty Robot, mit Wohlgeschmack.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 12. Juni 2009 Label: Cooking Vinyl (Indigo)
Website: www.thelemonheads.net Myspace: www.myspace.com/thelemonheads
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Nach 2 Jahren ist endlich ein neues Album von Kasabian auf dem Markt. Das verflixte dritte Album werden Kasabian gerne zitiert. Das Ablum an dem eine Band schließlich gemessen wird, wo sie steht und wie sie sich entwickelt hat. The West Ryder Pauper Lunatic Asylum ist für viele eine positive Überraschung. Kasabian selbst wollen ihr neues Album als Konzeptalbum verstanden wissen, als eine Art Soundtrack zu einem noch nicht gedrehten Film. Der Name stammt von einer ehemaligen Psychiatrie für sozial schwächer gestellte Menschen, die heutzutage Filmschauplatz für verschiedene Dreharbeiten ist. Die Psychothematik fällt einem schon bei der Betrachtung des Albumcoverfotos auf.
Abgesehen von dieser durchdachten Konzeptidee haben Kasabian mit ihrem dritten Album ein echtes "Entdecker"-Album geschaffen. Bei jedem erneuten Hören entdeckt man neue dahin fliegende atmosphärische Chöre, treibende elektroanmutende Beats, die durch ruhige Shuffle Parts unterbrochen und mit verschiedenartigsten Gesangsexperimenten untermalt werden. Ich hab in der letzten Zeit keine Platte gehört, die eine solche Vielfalt von Songstrukturen und Sounds dem Hörer bietet. Einfach gestrickte Mitgröllhits wie zuletzt von den Kaiser Chiefs zum Erbrechen ausgereizt oder in der Hitsingle Dance With Somebody Mando Diaos in Perfektion präsentiert, findet man unter den 12 Songs von The West Ryder Pauper Lunativ Asylum einfach nicht. Meine ersten Vergleichsgedanken waren zum Beispiel Charlatans, Radiohead, Beastie Boys, Gorillaz und Blur. Aber mit einer simplen Aufreihung von Vergleichen zu anderen Bands wird man dieser Platte nicht gerecht. Es ist ein eigenständiges Werk, in dem viel Liebe, Fleiß, großes musikalisches Arrangement und experimentierfreudige Kreativität steckt. So startet das Album mit einer vor Kraft strotzenden Nummer (Underdog), die zusammen mit der Sixties-Rocknummer Fast Fuse wohl demnächst öfter mal in Clubs zum Tanzen einladen wird. Fast Fuse zeigt, dass man manchmal nicht mehr braucht, als ein nach vorne gehendes Gitarrenthema im Sechziger-Jahre-Gewand, vereinzelte "Psychochöre" und einen sich durch rhythmische Vielfalt und ausgeklügelter Intonation auszeichnenden Gesang, um ein begeisterndes Musikstück zu schreiben.
Kasabian scheinen ihren Job als Musiker ernst zu nehmen und sind in der Lage ihrem Zuhörer gute Musik zu bieten.
Review: Tobias Basse
Erscheinungsdatum: 05. Juni 2009 Label: Columbia (Sony BMG)
Website: www.kasabian.co.uk Myspace: www.myspace.com/kasabian
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Neues Label, neuer Drummer, neues Album, neuer Sound. Placebo legen mit Battle For The Sun ihr sechstes Studiowerk vor, dessen dreizehn Songs dem "ziemlich dunkeln" Meds ein Konglomerat bunter, "farbenfroher" Stücke diametral entgegensetzen. Auf der Suche nach der positiven Energie der Sonne frönen Placebo einem bis dato nie da gewesenen Optimismus, der sich in der Intonierung einer neuen Fröhlichkeit niederschlägt. Das Trio hat zwar keine 180°-Wende beschritten, doch es scheint als hätten Placebo eine Verjüngungskur durchlaufen.
Vor allem die personelle Veränderung am Schlagzeug ist deutlich zu hören: Steve Forrests Punkrock-Wurzeln verleihen Battle For The Sun eine Frische und Kraft, die im Kosmos Placebo bisher unter den Teppich gekehrt wurde. Dort, wo der ehemalige Mann am Schlagzeug, Steve Hewitt, den Songs jedoch Platz zur Entfaltung ließ, sein Spiel in den Hintergrund stellte, drischt der Neue ungestüm auf die Bassdrum. Dem neuen Druck fällt dabei die düstere Melancholie zum Opfer, die einst im Mittelpunkt des Schaffens von Placebo stand. Die fragilen Balladen sucht man auf Battle For The Sun vergebens. Einzig das zurückgenommene, aber leider zum Bonus-Track degradierte Piano-Stück The Movie On Your Eyelids vermag an die alten Glanzzeiten anzuknüpfen.
Die Briten widmen sich stattdessen vornehmlich dichten Uptempo-Nummern. Es regieren harte Gitarrenwände und aggressive Vocals. Repetetiv legen sich die Lyrics über den namensgebenden Track Battle For The Sun, dessen scheppernde Gitarren sich Schicht für Schicht auftürmen, um durch den Aufbau eines immensen Spannungsbogens in einer monumentalem Explosion zu münden. Ähnlich wie Ashtray Heart, dessen klebrig-poppiger Mitsing-Refrain einfach nicht zu Placebo passen will, ist dagegen auch die erste Single For What It's Worth ein radiotaugliches Pop-Nümmerchen. Dank orchestralem Bläsereinsatz geht der Song rasch ins Ohr, verliert sich jedoch schnell in seichten Oberflächlichkeiten. Da macht auch die unpassend eingestreute Titelmelodie von Tetris nichts mehr wett. Interessanter sind da schon experimentelle Ansätze wie in Julien, das anfänglich durch ein stumpf-technoides Intro irritiert, plötzlich in eine impulsive Orgie zwischen Schlagzeug und Gitarre über gleitet und sich durch Hinzunahme harter Geigen-Arrangements zu einem wahren Monster an Song entwickelt, das der Intensität eines Twenty Years in Nichts nachsteht.
Placebo beweisen auf Battle For The Sun zwar über weite Strecken große Vielseitigkeit, es bleibt jedoch ein bitterer Beigeschmack. Das Trio war nach dem Überalbum Without You I'm Nothing schon keine großartige Albenband mehr. Eine mehr als von Grund auf solide Leistung erbrachten sie über Albumlänge nie wirklich, doch dass mit der Entscheidung für einen Platz im Sonnenlicht von dreizehn Songs gut die Hälfe einfach Lückenfüller sind, ist neu. Das Album will nicht in Fluss kommen, Titel wie die Haudrauf-Nummer Breathe Underwater oder der Meds-Aufguss Devil In The Details verführen nicht zwingend zur Betätigung der Skip-Taste, nachhaltig im Gedächtnis bleibt dennoch kaum etwas. Um Battle For The Sun im Ganzen etwas abzugewinnen, sollte man den neuen Songs live eine Chance geben. Aus jedem noch so schwachen Lied wird auf großer Bühne das Optimum herausgeholt. Hier zeigt sich, was Placebo eigentlich sind, eine der besten Live-Bands unter der Sonne - und das sowohl im Stadion als auch im kleinen Club.
Review: Katrin Reichwein
Erscheinungsdatum: 05. Juni 2009 Label: Pias (Rough Trade)
Website: www.placeboworld.co.uk Myspace: www.myspace.com/placebo
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Nach Morrissey im Februar ist nun der zweite Brite mittleren Alters, der einst mit seiner Band Musikgeschichte schrieb, mit einer neuen Platte am Start. Further Complications wird sie erneut alle spalten, die Pulp-Nostalgiker und die Kritiker. Und doch freut sich jeder wieder darauf, neuen Spitzfindigkeiten des Kautzes mit der großen Brille zu lauschen, um ihn danach schön auseinander zunehmen, diesen intellektuellen Langweiler! Abwarten...
Eine weitere Parallele zu Morrissey: Cocker lässt den Rocker raus. Die ersten drei Tracks, inklusive der Single Angela, stampfen und scheppern breitbeinig daher und warten mit dröhnenden Gitarrenriffs auf. Ein Blick in die Credits liefert die Erklärung: Hinter den Reglern saß dieses Mal Mr. Noise, Steve Albini, der den seit neuestem vollbärtigen Schlaks zum Krach machen animiert hat. Noch drei weitere Stücke diesen Schlags enthält das Album, begleitet von wildem Geshoute, das leider stellenweise etwas eintönig klingt.
Aber keine Angst, es fehlt nicht an jenen Songs, für die man ihm die Füße küssen möchte: Diese anmutigen Popballaden, gepaart mit wortgewandtem Storytelling versöhnen einen mit allen Mängeln des Albums. Leftovers erzählt eine Lovestory im Paläontologischen Museum, You're In My Eyes von einer Mirrorball-Haluzination im 70er-Disco-Gewand, und in I Never Said I Was Deep versucht der ehrwürdige Geek, sein geistiges Vermögen abzustreiten. Diese Songs sind - zusammen mit den Hits Angela und dem Titeltrack – die Faktoren, die diese Scheibe noch viele weitere Runden drehen lassen.
Das beste Album seiner Karriere hat Jarvis Cocker hiermit nicht abgeliefert, auch kommt es nicht ganz an den Vorgänger von 2006 ran. Aber das Ganze mit einem Schulterzucken abzufrühstücken ist einfach nicht gerechtfertigt, da muss man seine Animositäten mal vergessen können. Further Complications ist ein souveränes Stück Musik mit Spaßfaktor. Und sogar die Luftgitarre kann man auspacken.
Review: Michael Döringer
Erscheinungsdatum: 15. Mai 2009 Label: Rough Trade
Website: www.jarvspace.com Myspace: www.myspace.com/jarvspace
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Mark Oliver Everett kehrt vier Jahre nach dem letzten Eels-Album zurück auf die musikalische Bildfläche. Mit seinem sehr persönlichen Lebenswerk Blinking Lights And Other Revelations war auf der Gefühlsebene alles gesagt. Wer immer weiter nach der emotionalen Wucht des Vorgängers sucht, hat E nicht verstanden. Der Multiinstrumentalist, Sänger und Songwriter macht, was er will und nicht das, was von ihm erwartet wird. Nach seiner Autobiografie und einem BBC-Dokumentarfilm über das Leben seines Vaters, einem verkannten Physik-Genie, wollte Everett nicht nochmals über die eigene Vergangenheit schreiben. Das Thema ist durch. Es ist alles gesagt. Und so legt er mit der siebten Eels-Platte Hombre Lobo nun ein Art Konzeptalbum vor.
E schlüpft hierzu in die Rolle des "Dog Faced Boy", der schon zu Souljacker-Zeiten seinen Platz in der Gesellschaft suchte. Zum gealterten Werwolf mutiert, erzählt der Protagonist aus der Außenseiterperspektive nun zwölf weitere Geschichten über Begierde, Sehnsüchte und das Verlangen nach Freundschaft, Liebe und vor allem Anerkennung. Mal berichtet der Anti-Held melancholisch von der Liebe (That Look You Give That Guy), ein anderes Mal gehen die tierischen Instinkte mit ihm durch (Fresh Blood). Besonders diese animalische Seite scheint es den Eels angetan zu haben. Bietet sie für die Band doch allen Grund an allen Ecken und Enden zu rumpeln und zu scheppern. Verpackt in eine scheinbare LoFi-Ästhetik, kommen hier alle Komponenten einer typischen Eels-Platte zusammen: Verzerrter Gesang und Wolfsgeheul schlagen einem linkisch entgegen, krachender Garagen-Blues bricht sich stampfend seinen Weg frei, schlichte Halb-Balladen schlängeln sich verstohlen ihren Weg in den Gehörgang. Es braucht schon ein paar Durchläufe, bis sich gerade die ruppig-drückenden Stücke wie Tremendous Dynamite aus ihrer biestigen Ummantelungen schälen. Aber genau das, will der Hombro Lobo. Mit Ordinary Man steht am Ende die Erkenntnis, dass er alles andere als gewöhnlich sein will: "I'd rather be alone than try to be someone that I'm not and you seem like someone who could appreciate the fact that I'm no ordinary man".
Und wie der Erzähler selbst, so ist auch dieses Album alles andere als Durchschnitt. Im direkten Vergleich mit dem über-ambitionierten Blinking wirkt Hombre Lobo zwar vielmehr wie eine routinierte Fingerübung. Es fügt dem Eels-Universum nur wenig Neues hinzu. Doch Konstanz auf hohem Niveau ist hier das Stichwort. Die soll E erst ein Mal jemand nachmachen.
Review: Katrin Reichwein
Erscheinungsdatum: 29. Mai 2009 Label: Cooperative (Universal)
Website: www.eelstheband.com Myspace: www.myspace.com/eels
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Es scheint die Ära der Singer-/Songwriter zu sein: Solokünstler wie Maximilian Hecker, Bernhard Eder oder The Late Call entdecken die große Kunst Musik auf den Kern aus Gesang und Gitarre zu reduzieren wieder und definieren sie neu. Einer jener Solokünstler ist auch Cargo City alias Simon Konrad aus Frankfurt, der mit On.Off.On.Off. seinen zweiten Longplayer vorlegt.
Im Gegensatz zu seinem Debütalbum How to Fake Like You Are Nice and Caring ist On.Off.On.Off. kein musikalischer Alleingang Konrads. Neben Klaus Hermann (Trip Fontaine) unterstützt auch Pianistin Nadine Renneisen Cargo City stimmlich auf einigen Tracks. Einer davon ist das traurig-schöne Duett Flowers In Hospitalshops. Überhaupt klingt On.Off.On.Off. eher nach Bandgefüge als nach Solokunst. Die Arrangements klingen satter, die Instrumentalisierung ist breiter gefächert. Neben Gitarren, Bass und Schlagzeug finden sich Gebläseorgel, Glockenspiel und Percussions im musikalischen Sammelsurium von Cargo City. Die süße Verspieltheit vorangegangener Tracks wie When I Sleep I Disappear oder Butterflies ist einem erwachsenen, teilweise sogar rauen Sound gewichen – ohne jedoch an Emotionalität zu verlieren. On.Off.On.Off liefert eine faszinierende Mischung aus Midtempo-Songs (Rearview Mirror, On.Off.On.Off) und bittersüßen Balladen (But Then Daryl Sings Again, I Don't Speak), die mal nachdenklich stimmen, mal traurig und mal einfach nur zum Tanzen einladen.
Alex Lowe der ehrwürdigen Hurricane #1 hat einmal gesagt, "Wenn ein Song gut ist, kannst du ihn nur mit einer Akustikgitarre singen". Recht hat er! Denkt man diesen Gedanken weiter, kommt man zu dem Schluss, dass ein Künstler, der sein Handwerk versteht, diesen Song durch weitere Instrumente in ein noch schöneres Gewand zu kleiden vermag – ohne overdressed zu sein. Simon Konrad aka Cargo City ist so ein Künstler. Wäre On.Off.On.Off. Eine Frage, so gäbe es darauf nur eine Antwort: "On!"
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 29. Mai 2009 Label: Rebecca & Nathan (Intergroove)
Website: www.cargocitymusic.com Myspace: www.myspace.com/cargocity
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Die vierköpfige Band Grizzly Bear aus Brooklyn/NY veröffentlicht ihr neuestes Werk Veckatimest – und die eingeweihte Popgemeinde ist komplett aus dem Häuschen. Man hört von ihnen nur in den höchsten Tönen, unerhört positive Kritik soweit das Auge reicht, und dann küren auch noch die Fleet Foxes diese Platte zum Album des Jahrzehnts. Das riecht erst mal nach einem ausgewachsenen Hype, lässt einen sich allerdings auch alle zehn Finger nach diesem Meisterstück in spe lecken. Also ab damit in den CD-Spieler und jubeln – oder doch nicht.
Nach dem ersten Durchlauf macht sich verdutzte Ernüchterung breit. Musikhören kann (und muss ja) oft schwierig und anstrengend sein, das vergisst man bei dem ganzen Schrott, der einem tagtäglich um die Ohren fliegt schon mal. Und Grizzly Bear machen es einem wahrhaftig nicht leicht, in ihre Soundmalerei Einstieg zu finden. Man tut sich schwer, sich zu orientieren, Strukturen auszumachen. Nur andeutungsweise findet man einnehmende Melodien, potentielle Ohrwürmer oder Ähnliches. Unter symphonischen Psychedelic-Folk-Pop könnte man die Platte verorten, wird der Atmosphäre, die jene erzeugt, jedoch nicht wirklich gerecht. Tief einzutauchen in diesen Soundstrudel und diesem mal dissonanten, mal wundervoll harmonischem Klangwebe auf den Grund zu gehen, scheint die einzige Möglichkeit, Veckatimest begreifen zu können. Take your time!
Die kryptischen Texte geben dazu nicht wirklich Hilfestellung, dafür führen einen die herrlichen, sphärischen Chorgesänge der Band und Ed Drostes fern entrückt klingende Stimme an der Hand durch die vertrakten Arrangements. Stückk für Stück leuchten die kleinen Höhepunkte auf, die auf den ersten Blick verborgen blieben. Songs wie Two Weeks, Ready, Able und While You Wait For The Others werden zwar keine Charts stürmen, fügen sich trotzdem nach und nach in zauberhaft melodiöse Songstrukturen.
Veckatimest ist mit Sicherheit nichts für hitgeile Musikproleten, entwickelt sich aber für den geduldigen Hörer zu einem beglückenden Erlebnis. Musik, die sich entfaltet und seine überwältigende Wirkung im intensiven Hören entwickelt. Und die es in dieser Form leider immer seltener gibt.
Review: Michael Döringer
Erscheinungsdatum: 22. Mai 2009 Label: Warp (Rough Trade)
Website: www.grizzly-bear.net Myspace: www.myspace.com/grizzlybear
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Schon wieder ein Album von den Eight Legs? Da war doch was, und es ist gar nicht allzu lange her. Anfang 2008 erschien hierzulande das Debutalbum Searching For The Simple Life, ein typisches Indie-Pop Album, das sogar einen halben Hit (These Grey Days) bieten konnte. Nun steht mit The Electric Kool-Aid Cuckoo Nest der Nachfolger im CD-Regal.
Um dem Albumtitel auf den Grund zu gehen, muss man sich auf ein bisher in Indie-Rock Kreisen eher gemiedenes Terrain wagen und bis zu den Anfängen der Hippie-Bewegung zurückgehen. The Electric Kool-Aid Acid Test nannte Autor Tom Wolfe seine 1968 veröffentlichte Hippie-Bibel, in der mit allerlei Bewusstseinserweiternden Drogen hantiert wird. 41 Jahre später huldigt also eine britische Indie-Rock Band mit unverkennbarer 80er-Jahre Affinität einem Kultroman über die amerikanische Hippie-Bewegung. Warum? Diese Frage kann wohl nur die Band selbst beantworten, es macht schlichtweg keinen Sinn.
Rein musikalisch bleiben sich die vier Jungs aus der Shakespeare-Stadt Stratford-upon Avon weitgehend treu. Hauptreferenz bleiben weiterhin die Smiths, von Grateful Dead und anderen Hippie-Größen ist zumindest nichts zu hören. Ruhiger und ernster sind sie geworden, die Eight Legs, die Tanzflächentauglichkeit hält sich stark in Grenzen. Eine stimmig arrangierte Platte, die dem ein- oder anderem Fan vielleicht ein bisschen zu düster geraten sein wird. Während man beim Debüt der vier Briten beim ersten Durchhören noch recht angetan und in der Folge zunehmend gelangweilt war, ist der Effekt beim neuen Album genau umgekehrt, ein Trend, den man durchaus als großen Schritt nach vorne bezeichnen kann.
Der erste Eindruck mag zwar ein wenig enttäuschen, die Platte hat aber durchaus ein paar weitere Umdrehungen im CD Player verdient!
Review: Andreas Kussinger
Erscheinungsdatum: 22. Mai 2009 Label: Snowhite
Website: www.eightlegs.co.uk Myspace: www.myspace.com/eightlegs
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Nach Herbert Grönemeyer, Die Ärzte, Die Fantastischen Vier, Die Toten Hosen und Söhne Mannheims vs. Xavier Naidoo hatten die Sportfreunde Stiller als sechste deutsche Band die Ehre und das Vergnügen ein MTV Unplugged Konzert aufnehmen zu dürfen. So wie einst 1993 Nirvana betiteln die Sportfreunde Stiller ihr Akustik-Album mit MTV Unplugged in New York - nur, dass die Herren aus Seattle auch tatsächlich den Big Apple bespielt haben - im Gegensatz zu unseren bayrischen Buben. Denn Schauplatz des akustischen Spektakels war ein nachgebauter Straßenzug Brooklyns in einer Stunthalle auf dem Gelände der Bavaria Filmstudios in München.
Dort präsentieren die Sportfreunde Stiller altbekannte Hits und unbekanntere Stücke quer durch die gesamte Diskographie im neuen akustischen Klanggewand und dazu gibt es zwei Covernummern und drei brandneue Songs. So erscheint beispielsweise Ich, Roque in Begleitung von Streichern, Saxophon, Trompete und Plastikfanfare, Ein Kompliment wird in der Unplugged-Version von einem Streichquartett unterstützt und 7 Tage 7 Nächte kommt als griechische Sirtaki-Nummer daher. Neben unzähligen Instrumenten haben die Sportfreunde Stiller auch namhafte Gäste eingeladen. So erhalten Peter, Flo und Rüde bei Fast wie von selbst Unterstützung von Schauspielerin Meret Becker an Mikrophon und singender Säge und Billy Lunn und Charlotte Cooper von den Subways geben gemeinsam mit den Sportfreunden eine teils eingedeutschte Version von Rock 'n' Roll Queen zum Besten. Doch der wohl größte Gastauftritt des Abends stammt von Udo Jürgens, der seinen Erfolgsschlager Ich War Noch Niemals In New York im Duett mit Peter Brugger singt.
Sicherlich hat ein MTV Unplugged heutzutage nicht mehr die durchschlagende Wirkung wie in früheren Zeiten mit den legendären Auftritten von Nirvana, Pearl Jam oder R.E.M. Was jedoch nicht den Sportfreunden Stiller anzukreiden ist, sondern eher MTV selbst, das seinen Status mittlerweile selbstverschuldet verloren hat. Aber dennoch geben die Sportfreunde Stiller ihr Bestes und schaffen es, den Songs ein neues musikalisches Klangbild zu verpassen und dabei einen gewissen Wiedererkennungswert beizubehalten. MTV Unplugged in New York ist somit eine durchaus hörenswerte Angelegenheit mit vielen charmanten und amüsanten Momenten.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 22. Mai 2009 Label: Vertigo (Universal)
Website: www.sportfreunde-stiller.de Myspace: www.myspace.com/sportfreundestiller
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Wie bereits zuvor bei Silent Alarm warten Bloc Party ein gutes halbes Jahr nach dem regulären Release ihres aktuellen Longplayers Intimacy mit einer Remix-Version des Albums auf. Drifteten die Meinungen zum aktuellen Bloc Party-Longplayer wegen des exzessiv ausgelebten Faibles der Londoner für Loops und Samples auseinander, so dürften sich die Kritiker zumindest bei der Neuauflage einig sein: Erlaubt ist, was elektronisiert daher kommt. Bleibt also lediglich die Frage, ob ein derartiger Aufguss notwendig oder überflüssig ist.
Auch bei der zweiten Remix-Auflage eines Bloc Party-Albums liest sich die Liste der beteiligten DJs erst mal äußerst angenehm: Armand van Helden, Filthy Dukes, Mogwai. Und auch die Remix-Versionen funktionieren erstaunlich gut. Vielleicht liegt es daran, dass Bloc Party sich bei Intimacy mit seinen Samples und Synthies bereits in Indietronic-geprägte Gefilde vorgewagt haben. Die fragmentarische Ausgabe des ohnehin schon samplegetragenen Ares hinterlässt einzig und allein einen Satz im Kopf "We dance to the sound of sirens". Der synthie- und hallgeschwängerte Mogwai-Remix von Biko kann sich durchaus hören lassen, ebenso wie die Armand van Helden-Version von Signs, bei dem sich aufgeschraubte Gitarrenriffs mit Dub-Sequenzen abwechseln. Empfehlenswert ist auch die düster anmutende Ausgabe von Zephyrus aus dem Hause Phase One.
Wie bei allen Remix-Alben lässt sich jedoch auch bei Intimacy Remixed bei einigen Tracks über Redundanz philosophieren. Talons beispielsweise gefällt im Original wesentlich besser, als in der an Happy Hardcore der 90er erinnernden R.I.P. Version von Phones. Mercury, One Month Off und Halo, bei dem We Have Band ein wenig zu tief in der Dub-Kiste gewühlt haben, erweisen sich als anstrengend. Genauso wie die völlig übersteuerte Ausgabe von Better Than Heaven. Im Schnitt ergibt sich ein Remis aus durchaus interessanten Neuauflagen und überzogenen Versionen, die vielleicht in der Clublandschaft funktionieren, zu Hause auf dem heimischen Plattenteller jedoch arg schwere Kost darstellen.
Nichtsdestotrotz erweist sich Intimacy Remixed als interessante Alternative zum regulären Bloc Party-Sound. Ein Album, das Fans und Sammler wie auch Freunde von Electroclash gleichermaßen ansprechen und zum Tanzen animieren dürfte - egal, ob zum Sound von Sirenen oder zu pulsierenden Beats und Samples.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 22. Mai 2009 Label: Cooperative Music (Universal)
Website: www.blocparty.com Myspace: www.myspace.com/blocparty
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Nach Bloc Party, Franz Ferdinand und den Kaiser Chiefs schmeißt nun die nächste Band der Klasse von 2005 ihr drittes Album auf den Markt: Maximo Park melden sich mit ihrem Drittlingswerk Quicken The Heart zurück.
Diesmal in L.A. unter der Regie von Produzent Nick Launay aufgenommen, haben Paul Smith und seine Mannen die Gitarren etwas mehr in den Hintergrund gestellt und dafür rückt die Präsenz von Keyboards und Synthies ein wenig mehr in den Vordergrund. Ansonsten ist soundtechnisch auf Quicken The Heart alles beim Alten geblieben. Maximo Park behalten ihren Hang zur Hymnenhaftigkeit bei und auch textlich bietet Sänger und Songschreiber Paul Smith die von Maximo Park gewohnte Kost. Trotzdem stellt sich beim ersten Hördurchgang keine wirkliche Zufriedenheit ein und die Songs wollen nicht auf Anhieb zünden. Die Grund-Zutaten haben sich zwar nicht geändert, doch fehlt es dem Album im Vergleich zu den beiden Vorgängerwerken an Höhepunkten, denn Quicken The Heart birgt keinerlei Überraschungsmomente oder Überhits in sich. Songs wie Books From Boxes oder Apply Some Pressure, die sich sofort ins Ohr schrauben, sucht man hier vergeblich. Die Jungs aus Newcastle legen mit dem Opener Wraithlike zwar einen bewegten Start hin, bei dem Paul Smiths unverkennbare Stimme von einer griffigen Instrumentierung untermalt wird und auch die erste Singleauskopplung The Kids Are Sick Again wird auf jeden Fall seinen Weg in die Clubs und Airplays finden. Doch anders als bei den beiden Vorgängeralben benötigt Quicken The Heart mehrere Hördurchgänge um sich zu öffnen. Aber meistens sind es gerade jene Alben, die sich nicht sofort durch tanzflächentaugliche Hits einschmeicheln, sondern sich von hinten anschleichen und sich dann plötzlich und unerwartet zur Lieblingsplatte entwickeln.
Und so wird auch sicherlich Quicken The Heart seinen Weg in die Herzen der Fans finden - nur nicht gleich beim ersten Hören.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 08. Mai 2009 Label: Warp
Website: www.maximopark.com Myspace: www.myspace.com/maximopark
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Lacrosse, eigentlich ein ebenso bescheuerter wie brutaler Mannschaftssport, bei dem zwei Teams versuchen, einen Ball mit Hilfe von stark an Teppichklopfer erinnernden Schlägern ins gegnerische Tor zu befördern. Die vorliegende CD der Band Lacrosse hat mit der gleichlautenden Sportart aber so gar nichts zu tun. Es handelt sich, möchte man den holprigen Vergleich konsequent zu Ende denken, vielmehr um Völkerball – Ebenso bescheuert, aber absolut gewaltfrei.
Die fünf Schweden bringen mit Bandages For The Heart schon ihr zweites Album auf den Markt. Es tritt die Nachfolge des 2007 veröffentlichten Debütalbums This New Year Will Be For You And Me an, das man aufgrund des übertriebenen Gute-Laune Sounds und der quietschenden Stimme von Sängerin Nina Wähä nur lieben oder hassen konnte. Egal welchem Lager man sich vor zwei Jahren zugehörig fühlte, man muss seinen Standpunkt auch beim neuen Album nicht überdenken, denn Lacrosse sind sich definitiv treu geblieben.
Ein bisschen ruhiger und vielleicht auch düsterer mag er sein, der Sound der neuen Platte. Im Wesentlichen hat sich aber nichts geändert. Nina Wähä kreischt immer noch wie ein fünfjähriges Mädchen, ihr männlicher Gesangspartner Kristian Dahl kann da auch wenig retten. Eigentlich handelt es sich ja um ein typisches Teenie-Pop Album, das den Werken der Killerpilze und Revolverheld in nichts nachsteht. Aber da es aus Schweden kommt, wird es quasi automatisch in die Indie-Pop Ecke geschoben.
Schrecklich gut gelaunter Glücksbärchi-Pop, Geschmackssache. Wer zum Beispiel Fertig, Los! mag, wird Lacrosse lieben. Wer nicht, sollte einen großen Bogen um dieses Kindergekreische machen, das ungeahntes Aggressionspotential entwickeln kann.
Review: Andreas Kussinger
Erscheinungsdatum: 02. Mai 2009 Label: Tapete Records
Website: www.lacrosse.nu Myspace: www.myspace.com/lacrossesthlm
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Neues aus dem Hause Tapete Records, da sagt man erst mal nicht Nein. Nennt sich Jack Beauregard, ein deutsch-niederländisches Duo, nach einem alten Italowestern-Helden – wussten wir ausgewiesenen Cineasten natürlich sofort. Was haben wir da nun zu erwarten? Die freundlichen Damen und Herren vom Label liefern die Infos: Eine Verquickung von Folk und Indietronics, soso. Jose Gonzales, Take That und Kraftwerk zusammen im Musikzimmer, hört hört. Musikhochschule in Amsterdam zugunsten der eigenen Musik abgebrochen, oho! Everyone Is Having Fun heißt das Album und ist das erste Werk der zwei Musiker namens Daniel Schaub und Pär Lammers. Aber nomen ist ja bekanntlich nicht immer gleich omen.
Um es vorwegzunehmen: Den schläfrig-lethargischen Blick der zwei Burschen auf dem Plattencover hat man beim Hören relativ schnell auch in der eigenen Fresse. "Sie schießen nicht scharf, sie schießen weich." Muss man ja auch nicht, aber dieser Platte fehlt leider jede Form von Munition. Indietronics?! Nervige Drumbeats, die erstens nach ganz billigen Sequenzer-Sounds klingen und zweitens hinken und stolpern anstatt zu stampfen. Für sämtliche Synthesizer-Effekte gilt ähnliches - ausgeklügelt klingt jedenfalls anders. Die Songs plätschern dahin, ohne Höhepunkte und Spannung. Auf einen Hit wartet man vergeblich, dafür wandert nach spätestens einer Minute jedes Tracks der Finger Richtung Skip-Taste. Teilweise klingt Daniel Schaubs Stimme nach Ben Gibbard (Death Cab For Cutie), endet dann aber immer wieder in uninspiriertem, schleppendem Singsang, der beim Hörer nicht die kleinste Spur von Emotionen regt, welche gerade bei dieser Art Musik ja so wichtig wären. Dazu kommen komplett öde und nichtssagende Texte, die mit umständlichem Wörterbuch-Englisch dem Ganzen die Krone an Unerträglichkeit aufsetzen.
Spaß haben kann man mit Jack Beauregard definitiv nicht, sich aber extrem langweilen. Diese Platte hat weder Inhalt noch Message noch irgendetwas den Hörer Fesselndes. No fun at all.
Review: Michael Döringer
Erscheinungsdatum: 15. Mai 2009 Label: Tapete Records
Website: www.jackbeauregard.com Myspace: www.myspace.com/jackbeauregard
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Falco sang Rock Me Amadeus - Phoenix wagen sich weiter vor und haben gleich ihr neues Album mit dem Titel Wolfgang Amadeus Phoenix versehen. Als leitendes Motiv geben Thomas Mars, Christian Mazzalai, Laurent Brancowitz sowie Deck D'Arcy eine optimistische Vorstellung von der Zukunft an, die ihre Referenzen zu einem großen Teil aus zukunftsweisenden Momenten der Vergangenheit zieht.
Das Wunderkind Mozart wird dabei nicht mit einem Lied bedacht. Dafür machen Phoenix mit Lisztomania auf Franz Liszt, den "Rockstar" des 19. Jahrhunderts aufmerksam, den das Berliner Publikum liebte, was zu hysterischen Ausbrüchen führte. Aufgrund seiner unkonventionellen Kompositionen wurde er jedoch in den eigenen Reihen lange Zeit abgelehnt. 1901 ist das Jahr nach der Weltausstellung in Paris gewesen und zugleich der Titel des zweiten Tracks. Er verkörpert auf energievolle Weise musikalisch den Enthusiasmus, den die Ausstellung hervorgerufen haben muss. Mit Fences schalten Phoenix einen Gang runter und bereiten so die zweiteilige Love Like A Sunset-Session vor, deren erster fast fünf Minuten andauernder Teil instrumental belassen worden ist. Mit den sphärisch anmutenden und changierenden Klangspielen gelingt es Phoenix, die Gefühle vom Flash aufgrund der Schönheit des Farbspiels zur Aufregung bis zu dem Moment, in dem die Sonne untergeht, prägnant umzusetzen. In dem unter zwei Minuten dauernden zweiten Teil wird das Bild des Vergleichs der Liebe mit dem Sonnenuntergang durch den einsetzenden Gesang dann vollendet. Mit der Sonnenuntergangsstimmung ist es dann abrupt vorbei, wenn zu Beginn des folgenden Liedes Lasso erstmals das Schlagzeug im Vordergrund ist.
Bezeichnend nicht nur die verbleibenden Tracks, sondern für das Album insgesamt, ist das Wechselspiel von fulminanten und entspannten Passagen. Trotz der Vielschichtigkeit, und das könnte der einzige Wermutstropfen für Verfechter des 2006er Vorgängeralbums It's Never Been Like That sein, lässt sich die Tendenz von Phoenix zugunsten des elektronisch gefärbten Spiels erkennen. Was sicherlich auch mit der eineinhalbjährigen Studiotüftelei der Band zusammenhängen dürfte. Aber man kann und muss es schließlich nicht jedem Recht machen – Stillstand bedeutet kreativer Tod –, und daher plädiere ich unter Benutzung des letzten Track-Titels Armistice für Waffenstillstand zwischen den Traditionalisten und den Modernisten.
Review: Michaela Wicher
Erscheinungsdatum: 22. Mai 2009 Label: V2/Cooperative Music (Universal)
Website: www.wearephoenix.com Myspace: www.myspace.com/wearephoenix
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Lassen wir die syntaktischen Ähnlichkeiten, die der Name zu Olli Schulz und der Hund Marie aufweist, mal beiseite und schauen direkt auf das, was sich hinter dem Namen, dem Duo oder dem Projekt Knut und die herbe Frau wirklich verbirgt. Das erspart uns das ganze Wer-wie-was-und-warum-überhaupt und lässt sich im Grunde auf zwei kurze Sätze herunterbrechen: Knut ist niemand geringeres als Knut Stenert – Sänger und Kopf der Band Samba. Hinter der herben Frau steht indessen Benedikt Filleböck – Oberlippenbartträger und Pianist von Wolke. Um die Personalfragen abzuschließen bleibt noch zu erwähnen, dass Tobias Siebert (Klez.E, Delbo) den beiden bei der Produktion unter die Arme gegriffen hat.
Das Ergebnis dieser Kooperation ist ein überaus poppiges Album geworden, das aufgrund der Stimme zwar an Samba erinnert, aber durch die Instrumentierung dann doch sehr davon abweicht. Auch Klangähnlichkeiten zu Wolke kommen nur hin und wieder, wie in dem vom Piano dominierten Haus am Fluss, zum Vorschein. Insgesamt klingt das Ganze auch zunächst sehr abwechslungsreich, wenn Gitarren- und Pianopassagen von Schlagzeug, elektronischen Beats und Synthieklängen untermalt werden, aber letztlich fließen die Songs oft sehr dahin, ohne einen ersichtlichen Höhepunkt zu erreichen. Vor allem innerhalb der Lieder wünscht man sich hier und da etwas mehr Abwechslung. Textlich verhält es sich ähnlich: Fortwährend handeln die Lieder von Liebe, was an sich auch nichts Schlechtes ist – es ist einfach Popmusik –, aber irgendwann ist dieser Durst nach Liebesliedern leider bei mir gestillt. Oftmals sind die Texte dann jedoch überaus gelungen und vor allem sehr metaphernreich, was man Knut zugute halten muss.
Schlecht ist das Album sicher nicht – schließlich ist es immer einfacher die negativen Seiten aufzuzeigen, bevor man etwas in den Himmel lobt, aber leider fehlen mir in den dennoch hörenswerten Songs oftmals die Ecken und Kanten, die das Album bestimmt interessanter gemacht hätten. So greife ich, wenn ich die Wahl habe, doch lieber auf Samba oder Wolke zurück, auch wenn es sich durchaus lohnt dem Knut und seiner herben Frau Gehör zu schenken.
Review: Axel Schinkel
Erscheinungsdatum: 08. Mai 2009 Label: Tapete Records (Indigo)
Website: www.knutunddieherbefrau.de Myspace: www.myspace.com/knutunddieherbefrau
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Zwar liegt mit Voltaic kein neues Album, aber dafür ein kleines Kunstwerk für Augen und Ohren vor. Im unscheinbaren DigiPak finden sich gleich vier Silberlinge: Zwei CDs und zwei DVDs, die in Form von Live-Aufnahmen, Remixen, Konzerten und Musikvideos in erster Linie Björks Schaffen in den vergangenen zwei Jahren dokumentieren. Im Mittelpunkt der Veröffentlichung steht zwar ganz klar das letzte Studioalbum Volta, aber von einem simplen Wiederaufguss alter Songs kann dennoch keine Rede sein.
Statt nur einen einfachen Konzertmitschnitt abzuliefern, hat Björk elf Songs aus dem Repertoire der Volta-Tour eigens für diese Veröffentlichung erneut live eingespielt. Mit fünf Stücken aus Volta und sechs Klassikern bildet die abwechslungsreiche Zusammenstellung nicht nur einen Rundumschlag durch das Schaffen Björks, sie wird auch gut der Vielseitigkeit der isländischen Ausnahmekünstlerin gerecht. Die in den legendären Londoner Olympic Studios aufgenommenen Neuinterpretationen von Wanderlust über Army Of Me bis zu Hunter und Innocence mögen sich auf den ersten Blick so innovativ und verschroben gestalten, wie man es von Björk gewohnt ist. Doch überraschend hat sich bei den Live-Aufnahmen auch eine fast poppige Eingängigkeit in die neuen Arrangements eingeschlichen, die es erlaubt viele von Björks Kompositionen nun in einem komplett anderen Licht zu betrachten. Überraschend vielseitig ist auch die Remix-CD geraten. Während Dancefloor-Größen wie Simian Mobile Disco oder Matthew Herbert die ursprünglichen Volta-Songs mal mehr oder weniger gelungen zerhackstückeln, ist vor allem der Ansatz von Modeselektor hervorzuheben, die sich gleich zwei Mal The Dull Flame Of Desire vorgenommen haben und dabei zwei vollkommen unterschiedliche Aspekte des Songs in den Vordergrund stellen.
Um sich auch optisch einen Eindruck von Björks Live-Werk verschaffen zu können, enthält die anschließende DVD zwei grundverschiedene Konzerte der Volta-Tour: In Paris inszeniert eine schillernd-bunte Björk mit großer Band und zehnköpfigen Blasorchester im Rücken ein opulent-avantgardistisches Spektakel vor ausverkaufter Halle. Krasser könnte der Gegensatz zu den Ausschnitten des intimen Unplugged-Kirchenkonzerts in Reykjavík nicht ausfallen. Nur von einigen Bläserinnen, einem Cembalo und einem Chor begleitet, entfalten die zuvor noch so pompös wirkenden Songs hier eine ungeahnte Intensität.
Die zweite DVD ist derweil als eine Art Werkschau zu Volta zu verstehen. Neben den fünf zum Album gehörigen Videoclips, finden sich dort ebenso recht interessante Making Ofs zum atemberaubenden Clip Wanderlust sowie zu Declare Independence. Als zusätzlichen Bonus versammelt die Disc zehn verschiedene Amateurvideos zum Titel Innocence, die aus einem von Björk ausgerufenen Wettbewerb hervorgegangen sind. Zwar hätten die Visualisierungen zu ein und demselben Song nicht grundverschiedener ausfallen können, dennoch wirkt die Versammlung an einem Stück etwas zäh. Hardcore-Björk-Fans werden es vielleicht lieben, der Rest wird sich an dieser Stelle vermutlich eher ausklinken. Allerdings ändert dies nichts an der Tatsache, dass Voltaic sowohl für Fans als auch für Neueinsteiger eine lohenswerte Erweiterung der Sammlung und damit mehr als eine bloße Überbrückungs-Veröffentlichung darstellt.
Review: Katrin Reichwein
Erscheinungsdatum: 24. April 2009 Label: One Little Indian (Polydor)
Website: www.bjork.com Myspace: www.myspace.com/bjork
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Naked Lunch aus Klagenfurt/Österreich können auf eine bewegte Karriere zurückblicken. Fünf Alben sind seit der Gründung 1991 entstanden, die Zeit von damals bis heute verlief aber alles andere als nach Plan oder linear. Labelschwierigkeiten, ausbleibender Erfolg und 2000 sogar der Alkoholtod eines ehemaligen Mitglieds bereiteten der Band um Sänger Oliver Welter schwierige Momente. Seit Mitte der Nuller-Jahre ging es dann wieder aufwärts, soundtechnisch entwickelte man sich stetig weiter, auch mal weg vom standardisierten Indierock-Schema. Nach dem letzten, oft gelobten Album This Atom Heart Of Ours von 2007 gibt es nun mit Universalove wieder Neues von Naked Lunch.
Nachdem die Band bereits 2005 mit ihrer EP Stay zu einem Projekt des befreundeten Filmemachers Thomas Woschitz beigetragen hatte, liefert sie nun mit Universalove den kompletten Soundtrack zum gleichnamigen Film des Regisseurs. Der preisgekrönte Episodenfilm spielt an Orten wie New York, Rio de Janeiro, Tokio, Marseille, Belgrad und Luxemburg und "wirft einen lebensklugen Blick auf die Verwirrungen, die Verrücktheiten und Vergeblichkeiten der Liebe", so die Jury des Max Opühls Preis 2009. Klingt gut, aber den Film lassen wir hier mal außen vor.
Denn - um nochmals jene Jury zu zitieren: Der Streifen ist "eine atemlose, vibrierende Odyssee zur Musik von Naked Lunch, die kein geschmacksverstärkender Soundtrack ist, sondern eine Hauptrolle spielt." Und so schaffen es die elf Titel, welche sich auf die einzelnen Schauplätze beziehen, durch einen ergreifenden Mix aus akustischen und verzerrten Gitarren, elektronischen Soundteppichen und Orgelklängen die Bilder des Films von ganz alleine entstehen zu lassen. Oliver Welter führt in bester Thom Yorke Manier durch ebenjene Verwicklungen der Liebe, auch der Sound erinnert oft an OK Computer. Es geht um verzweifeltes Warten und hoffnungslose Ohnmacht, jede Textzeile scheint einen ganz tief im Inneren zu packen und zu Boden zu werfen. Diese unbeschreibliche, erdrückend-schwere Traurigkeit zieht sich durch jeden Song. Man meint sie sehen zu können, Milja und Dusan in Belgrad, Julie und Rashid in Marseille oder Maria und Joao in Rio, und man möchte mit ihnen weinen, mit ihnen leiden und lieben.
Mit dem letzten und besten Track, dem hymnenhaften Where Do We Dance And Drink, beenden Naked Lunch dieses traurig schöne Schauspiel Universalove. Ein Stück Musik, in das man sich verlieben kann, allerdings nur unglücklich. "We're walking on, hand in hand, we're laying down in the promised land, slowly we speak, and gently we touch, we're floating in space while waltzing around."
Review: Michael Döringer
Erscheinungsdatum: 24. April 2009 Label: Louisville (Universal)
Website: www.nakedlunch.de Myspace: www.myspace.com/nakedlunchmusic
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Man stelle sich vor, wie jemand ein Skalpell nimmt, es ca. 3 cm unter dem Brustbein ansetzt und einen sauberen Schnitt von rechts nach links zieht. Was dabei zum Vorschein kommt, ist ein Muskel in der Größe einer Faust. Auf dem fünften Sophia-Longplayer There Are No Goodbyes streckt Robin Proper-Sheppard dem Hörer sein Herz entgegen. Ob man dieses nun schützend in die Hand nimmt oder ungeschickt fallen lässt, ist letzten Endes egal - Zerbrochenes kann man nicht zerbrechen.
There Are No Goodbyes ist eines der traurigsten Alben, die man jemals von dem Sophia serviert bekam. Ein Album, von dem Proper-Sheppard selbst sagt "It hurt recording these songs. And it still hurts, when I listen to these songs. Truthfully? It still hurts LIVING with these fucking songs!" Wie sich das anfühlt, mag man sich schon gar nicht mehr vorstellen, wenn das Hören bereits weh tut. Robin Proper-Sheppard zieht Bilanz aus sämtlichen gescheiterten zwischenmenschlichen Beziehungen und übt sich dabei oftmals in einer äußerst kritischen und harten Art der Selbstreflexion.
Dabei driften Sophia jedoch nie ins bodenlose Lamento ab. So düster die Texte auch sind, so ruhig und sanft sind die Harmonien. Oftmals schafft die versponnene Kombination aus Streichern, Piano und Gitarrenarrangements gar eine versöhnliche Atmosphäre. There Are No Goodbyes klingt weder nach vertontem Groll oder Hass, noch nach Resignation, sondern vielmehr nach der melancholischen wie weisen Erkenntnis, dass manche Dinge erst durch ihr Scheitern Sinn ergeben.
Auf eine echte Katharsis hofft man auf There Are No Goodbyes allerdings vergeblich. Es gibt keine Heilung, keine tröstende Umarmung, sondern einfach nur die Gewissheit, dass man lernen muss, mit Verlust und Desillusionierung zu leben - oder sie wie Robin Proper-Sheppard in Songs zu verarbeiten. Nie war es schöner zu leiden, als mit Sophia.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 24. April 2009 Label: City Slang (Universal)
Website: www.sophiamusic.net Myspace: www.myspace.com/sophiacollective
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Wäre die tragische Geschichte um die Selbstmord-Schwestern aus Sofia Coppolas The Virgin Suicides nicht bereits von Air vertont worden, läge mit Still Night, Still Light eine adäquate Alternative vor. Au Revoir Simone machen Musik fürs Auge. Wohl nicht umsonst bekennt sich auch David Lynch als Fan des Dreiergespanns. Unwillkürlich huschen schon bei den ersten Tönen sepiafarbene Bilder des Brooklyner Trios in seinen adretten Blümchenkleidern durchs persönliche Kopfkino. Es fällt schwer Au Revoir Simone fernab ihrer romantisch-mädchenhaften Optik zu beurteilen. Zu sehr erinnern ihre sanften Keyboard-Klänge an die zerbrechliche Ästhetik, die Coppola einst in ihrem Film einfing.
Drei Stimmen, drei Keyboards und einen Drum-Computer, mehr braucht dieses Trio nicht, um den ganz eigenen Film ins Rollen zu bringen. Au Revoir Simone entführen aus dem Alltag und nehmen uns mit in vergangen geglaubte Märchenlandschaften. Sie weißen Wege zu Orten, an denen die Welt noch in Ordnung scheint. Filigrane Melodien und schwerelose Keyboard-Flächen wiegen in Sicherheit. Nach einem harten Winter wähnt man sich endlich wieder auf einer Waldwiese. Während das zarte Sommergras zwischen den Zehen kitzelt, möchte man sich in der Weitläufigkeit dieser Klänge verlieren.
Doch hinter der vordergründigen Leichtigkeit des vermeintlich-süßen Popgestus verbirgt sich oft eine offenkundige Melancholie. Eine Melancholie, die jedoch weder Schwermut noch wirkliche Traurigkeit aufkommen lässt. Vielmehr sagen diese zwölf Songs in ihrer entwaffnenden Klarheit: "Es gibt Hoffnung. Sie mag nicht immer leicht zu finden sein. Doch es gibt sie. Irgendwo das draußen". Mit Still Night, Still Light ist der Mädchenbande ein Electro-Pop-Album für faule Sonntagvormittage gelungen. Seine bezaubernde Ruhe nimmt dem schwermütigsten aller Wochentage die erdrückende Monotonie. Trotz des Gebrauchs überwiegend elektronischer Instrumente stahlt diese tagebuchverträumte Platte eine Wärme aus, die in Electronica-Gefilden ihres gleichen sucht.
Review: Katrin Reichwein
Erscheinungsdatum: 24. April 2009 Label: Cooperative Music (Universal)
Website: www.aurevoirsimone.com Myspace: www.myspace.com/aurevoirsimone
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Mit ihrem Debütalbum Providence erzielten Variety Lab im Jahr 2003 gleich einen Achtungserfolg und der Longplayer machte sie erstmals einem größeren Publikum bekannt. Nun legt die Band um Mastermind Thierry Bellia mit Team Up! ihr zweites Werk vor. Herausgekommen ist eine abwechslungsreiche Platte, die sich irgendwo zwischen Electro, Pop und Lounge bewegt. Sieben Gastmusiker hat Thierry Bellia für Team Up! verpflichtet, darunter die Folklegende Donovan, der zum Opener seine Stimme beizusteuerte und David Bartholome (Leadsängers der Belgischen Combo Sharko), dessen Stimme auf drei Songs - We Should Be Dancing, Mireia und dem rockigen Not Enough - zu hören ist.
Kein Song gleicht hier dem anderen und so bekommt man manchmal den Eindruck, als würde es sich bei diesem Album nicht um ein Gesamtwerk, sondern eher um eine Compilation handeln. Dennoch ist Variety Lab mit Team Up! ein überaus hörenswertes Werk gelungen, das mit viel Liebe zum musikalischen Detail ausgearbeitet wurde. Ein Album, das sich in keine musikalische Schublade stecken lässt, sondern durch seine Vielfalt zu überzeugen weiß.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 24. April 2009 Label: Pschent
Myspace: www.myspace.com/varietylab
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Sinkadus ist "ein schwedisches Brettspiel, welches Backgammon ähnelt. Wird dabei in einem Wurf eine 5 und eine 2 gewürfelt, so muss 'sink a dus' gerufen werden, was übersetzt 'fünf und zwei' bedeutet", sagt Wikipedia. Was hat das Ganze nun mit dem neuen Longplayer von Kristofer Åström zu tun? Nun, rechnet man zwei und fünf zusammen, ergibt die Summe der einzelnen Teile sieben, sagt Adam Riese. Sinkadus ist das siebte Studioalbum von Kristofer Åström. Hier schließt sich also der musikalische Kreidekreis.
Sinkadus startet recht viel versprechend: Nach einer kurzen spanischen Introduktion empfängt Åström den Hörer mit dem leicht psychedelisch angehauchten Come Out, um ihn dann bei The Party zu einer energiegeladenen Festivität einzuladen. Trotz temporeicher Sounds und wohldosiertem Einsatz elektrischer Gitarren, mit denen der Fireside-Sänger auf seinen Solopfaden für gewöhnlich eher sparsam umgeht, ist sie immer noch da, diese große Melancholie, die die Songs des Schweden auszeichnet. Düster und allumfassend wie eine nie enden wollende skandinavische Winternacht. In diesen Momenten ist er einfach am besten. Egal, ob er wie bei Oh Man von verflossenen Lieben singt und zu dem ernüchternden Schluss kommt "I loved you from the start / And now you split my heart" oder bei Hard To Live über den Sinn des Lebens philosophiert. Dass Schwermut allerdings nicht zwangsläufig suizidal klingen muss, beweist Åström auf When Her Eyes Turn Blue, einer gelungenen Symbiose aus desillusionierten Lyrics und kraftvollen Melodien. Soweit, so gut. Dies sind nämlich auch schon die Höhepunkte von Sinkadus, Fullhouse und Viererpasch sozusagen. Auf gesamter Länge reichen Tempovariationen und gekonntes Songwriting nicht aus, um dauerhaft Aufmerksamkeit zu erzeugen. Spätestens beim zweiten Durchlauf ertappt man sich dabei, wie man verstohlen die Skip-Taste bedient, um sich von Highlight zu Highlight zu hangeln.
Der große Wurf ist Kristofer Åström mit Sinkadus leider nicht gelungen. Die songwriterischen Qualitäten des Schweden sind zwar nicht zu überhören, allerdings verläuft sich das Album mit zunehmender Länge in der dahinplätschernden Monotonie der Songs. Allerdings lässt sich die Wartezeit auf Longplayer Nummero acht problemlos mit der Skip-Taste überbrücken.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 11. April 2009 Label: Startracks (Indigo)
Website: www.kristoferastrom.com Myspace: www.myspace.com/kastrom
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Zugegeben, mit Veränderungen ist es so eine Sache. "Stillstand ist Rückschritt", lamentieren die einen. "Warum fortschreiten, wenn das althergebrachte funktioniert", meinen die anderen. Wagt eine Band den stark hörbaren Weg der Weiterentwicklung, schreien dann doch erst ein Mal beide Lager laut Zeter und Mordio. Aber wie das mit allen Veränderungen so ist: erst beschwerlich und verhasst, dann geliebt und hochgeschätzt, schlussendlich sind sie unvermeidlich. Im Kosmos Yeah Yeah Yeahs bedeutet Veränderung außerdem nichts anderes als die Einlösung ihres Versprechens, sich niemals wiederholen zu wollen. Mit It's Blitz! ist dem New Yorker Trio genau das abermals gelungen.
Die gravierendste Änderung dieses Mal: Nick Zinner hat die Gitarre gegen einen Vintage-Synthesizer eingetauscht. Wo auf Fever To Tell noch dreckiger, dahingerotzter Lo-Fi-Punk regierte und sich auf Show Your Bones die Akustikgitarren einschlichen, haben sich die Yeah Yeah Yeahs mittlerweile ein gemütliches Plätzchen unter der 80ies-Discorock-Kugel eingerichtet. Zu pumpenden Beats steuert Karen O. schnurstracks auf die Tanzfläche zu. Heads Will Roll formuliert in gewohnt lasziver Tonlage die Grundforderung der Band: "Off with the head, dance till you're dead". Doch Tanzen ist im Leben nicht alles.
Zwischen anfänglicher Dance-Euphorie und konventionellen Gitarrennummern wie Shame And Fortune erlaubt das neue elektronische Gewand dem Trio sich hin zu einer Reihe von langsamen bis mittelschnellen Stücken zu öffnen. Karen O. klingt dabei angriffslustig wie eh und je und doch springt sie dem Hörer erstmals nicht direkt kratzbürstig ins Gesicht. Ohne etwas von ihrer einstigen Sexyness einzubüßen, zeigen sich die Yeah Yeah Yeahs von nachdenklicher, man möchte fast sagen: erwachsenerer, Seite. Das sphärisch dahin wabernde Hysteric oder das so effektlose wie verträumte Little Shadow seien nur als zwei Beispiele unter vielen genannt. Am Ende sind es diese zerbrechlichen Electro-Balladen samt großer Geste mit Hang zum Pathos, die das Drittwerk der Amerikaner prägen. It's Blitz! mag daher trotz des Titels nicht wie ein solcher einschlagen, doch die Yeah Yeah Yeahs haben sich ihre einstigen Wesenszüge bewahrt. Trotz ihres Soundwandels bleibt das Trio provokativ, brachial und auf Konfrontationen aus. Auch wenn sich diese Eigenschaften auf It's Blitz! vermehrt durch eine ungewohnte Liebe zu sanften Harmonien manifestieren. Was zählt: Es klingt immer noch unverwechselbar nach Yeah Yeah Yeahs. Ob nun mit Synthies oder ohne.
Review: Katrin Reichwein
Erscheinungsdatum: 03. April 2009 Label: Polydor (Universal)
Website: www.yeahyeahyeahs.com Myspace: www.myspace.com/yeahyeahyeahs
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Wer die White Lies hört, der denkt an eine moderne Reinkarnation von Joy Division gepaart mit den amerikanischen Killers, als diese noch gute Musik fabrizierten. Um es kurz zu machen, sind die White Lies DER GROSSE, HEISSE SCHEISS! Im Ernst. Es ist schon beeindruckend und gleichzeitig beängstigend, welchen Tiefgang diese Musik und diese Dichtung besitzt. Und schon sind wir wieder bei Joy Division. Der Retro-Hype um diese Band scheint nicht aufzuhören. Doch erneut losgetreten von Interpol, den Editors und dem Wombats-Kracher Let's Dance To Joy Division, wird es wohl keine Band mehr geben, die den Spirit der industriellen Band noch mal nahezu so authentisch verkörpern wird, wie die White Lies. Denn die Drums, die Stimme und die düsteren Harmonien erinnern nicht nur stark an die so wegweisende Band aus Manchester, sondern versprühen auch diese unglaubliche Tiefe.
Ein Song wie To Lose My Life hätte sich auch auf Unknown Pleasures wieder finden können, doch was besonders mitreißt, ist die moderne Spritzigkeit der White Lies, die ihre industriellen Klangwelten mit farbenfrohen Synthesizern, Streichern und Disco-Beats verzieren. Das trifft so unverschämt den derzeitigen Trend und das Gehör der Indie-Kids, dass man dem Management von den White Lies ein echtes Kompliment aussprechen muss. Fragt sich nur, warum man im Titelsong fasst das gleiche Schlagzeug, wie Joy Division in Transmission nahezu eklektisch nachspielen muss. Aber egal, es ist genau das Drumming, das dieser Song braucht. Unifinished Business ist das große Highlight der Platte und ein besserer Song, als ihn die Killers jemals in ihrem Leben wieder schreiben werden. Behaupte ich mal ganz dreist. Synthies, schwer galoppierende Gitarren, ein luftiges und tanzbares Schlagzeug und ein treibender Bass machen diesen Song zum elegischen Rock-Meisterwerk. Sicher schwankt die Stimme des Sängers und Gitarristen Harry McVeigh zwischen Ian Curtis und dem androgynen Brandon Flowers, aber vielmehr besitzt sie die fesselnde Anziehungskraft, die Dich beim ersten Hören der White Lies packt und Dich nicht mehr loslässt. Seine Stimme und die melancholischen, verzweifelten Lyrics treiben einem die Tränen in die Augen, wenn man Nothing To Give hört. Ein wenig erinnern vor allem die markanten Texte des Bassers Charles Cave an einen mürrischen Nick Cave, der eine Überdosis Horrorliteratur von James Herbert und unzählige Shakespeare-Stücke inhaliert hat. Seine Texte sind düster-filmische Storys über Wahnsinn, Tod und Liebe, die trotz ihrer Brisanz nie die Hoffnung verlieren.
In kurzen Worten: Die White Lies sind der helle Wahnsinn. Warum? Sie sind jung und ein talentiertes Monstrum von Newcomer-Band, die mit perfekten Melodien, einer unsagbaren musikalischen Tiefe und einem angenehmen Selbstbewusstsein glänzt. Ihr Debüt schoss in den UK von Null auf Eins. Wer jetzt noch Fragen hat, der sollte schnellstens reinhören.
Review: Marc Philipp Meyer
Erscheinungsdatum: 03. April 2009 Label: Polydor (Universal)
Website: www.whitelies.com Myspace: www.myspace.com/whitelies nach oben
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Ohne Majorlabel im Rücken kehren Muff Potter zurück in den heimischen Hafen Huck's Plattenkiste. Nach 15 Jahren "Angry Pop Music" scheint die Zeit reif für eine Neuorientierung in Sachen Wut. Und Muff Potter machen es dabei weder sich, noch dem Hörer leicht. Sie haben den vorhersehbaren und geraden Klängen abgeschworen und zum ersten Mal seit Heute wird gewonnen, bitte! wieder eine Platte live eingespielt. Muff Potter lassen die Melodieseeligkeit von Steady Fremdkörper weit hinter sich. Wütend und brachial klingt dieses Gitarrenriff ganz am Anfang von Ich und so. Fern ab vom Befindlichkeitspop bellt Nagel die Namen seiner Helden - Huckleberry Finn, Henry Chinaski, Fräulein Smilla, Teddy DuChamp und Justus Jonas - ins Mikrofon. So roh blaffte Nagel seit Bordsteinkantengeschichten nicht mehr.
Der erneute Alleingang hat viel Härte, Dreck und Gemeinheit aufgewühlt. Sowohl im Sound als auch auf der textlichen Ebene. Hat man sich durch den Berg an scheppernd-widerborstigen Schmirgelpapier-Sounds gewühlt, wüten sich Muff Potter voller Wucht durch Wortspielereien. Blitzkredit Bop zelebriert das Leben auf Pump. Wenn Nagel von der Dispo-Disko und dem schönen Platz an der Hypotheke singt, möchte man fast vom Soundtrack zur Krise sprechen. So radiotauglich diese erste Single noch sein mag, der Schein trügt. Mit Alles war schön und nichts tat weh schicken Muff Potter eine rotzig-kurzen Punkklopfer ins Rennen, den so keiner mehr von den vieren erwartet hätte. Dem gegenüber steht die semi-akustische Ballade Mein Freund, das Wrack. Inklusive gewöhnungsbedürftigem Schifferklavier wagen sich Muff Potter an eine experimentierfreudige Ode an die Freundschaft. Der heimliche Hit des Albums, Niemand will den Hund begraben, hingegen stellt einmal mehr die scharfe Beobachtungsgabe Nagels unter Beweis. Mit der Momentaufnahme des tristen Landlebens und dem Wunsch diesem durch diverse Praktika in der Hauptstadt zu entgehen, beweisen Muff Potter alte Stärken.
Nach sechs Alben klingen die Münsteraner, die mittlerweile selbst zur Hälfte nach Berlin abgewandert sind, weniger verkopft, dafür umso schmutziger. Doch die brachiale Unmittelbarkeit des neuen alten Sounds wird viele mit großen Fragezeichen in den Augen zurücklassen. Zu viel Wahrhaftigkeit kann wehtun. Man muss schon an der rauen Oberfläche kratzen, um das Schöne unter all dem Schmutz freizulegen. Wer sich darauf einlassen kann, wird in Gute Aussicht über die Zeit hinweg eine gute Platte entdecken. Alle anderen bleiben verstört zurück.
Review: Katrin Reichwein
Erscheinungsdatum: 17. April 2009 Label: Huck's Plattenkiste (Rough Trade)
Website: www.muffpotter.net Myspace: www.myspace.com/muffpotter
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Nach vier Jahren der Stille melden sich die Doves mit ihrem aktuellen Longplayer Kingdom Of Rust zurück. Der vorab bereits zum kostenlosen Download angebotene Song Jetstream versprach Großes - vor allem klang er mit seinen Synthies und Samples eher Doves-untypisch. Während die einen frohlockten, der Sound der Doves sei um einiges innovativer geworden, befürchteten die anderen, das Trio hätte den Gitarren abgeschworen und sich dem hochmodernen Trend der Elektronik ergeben. Die Wahrheit liegt wie immer irgendwo dazwischen.
Genau genommen handelt es sich bei Jetstream um eine Reminiszenz an jene guten alten Zeiten, in denen die Doves sich noch Sub Sub nannten und elektronischer Musik frönten. Bei einigen mag der Titel wie auch der Sound Erinnerungen an New Order wachrufen. Und auch damit liegt man nicht ganz falsch. Immerhin unterstützte Sänger Jimi Goodwin zwischenzeitlich Sumner und Marr auf dem Electronic-Album Twisted Tenderness am Bass. Ab dem zweiten Track Kingdom Of Rust wird allerdings klar, dass wir es hier mit einem typischen Doves-Album zu tun haben: gitarrengetragen, streicherumschmeichelt, melancholisch, nachdenklich. So finden sich mit The Outsiders oder House Of Mirrors zwar durchaus energetische Tracks auf dem Longplayer, das sphärisch dahin gleitende Spellbound erinnert mit seinen ineinander verflochtenen Gitarrenspuren sogar an die großartige The Last Broadcast.
Auf Altbewährtes setzen, die Vergangenheit aufrollen und das Puzzle dabei neu zusammensetzen: Ein Konzept, das durchaus aufgeht. Man mag bekritteln, dass Kingdom Of Rust die ganz großen Highlights fehlen. Die Doves sind allerdings auch nie eine Hit-Band gewesen. Dennoch beweisen die Doves mit ihrem vierten Album einmal mehr, dass mit ihnen nach wie vor zu rechnen ist, dass sie es immer noch schaffen, den Musikfreund zu begeistern - im kleinen ehrlichen Rahmen der Popmusik.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 03. April 2009 Label: Virgin (EMI)
Website: www.doves.net Myspace: www.myspace.com/dovesmyspace
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Der Lenz geht um im Lande: Die Blümchen sprießen aus dem grünen Gras und die Vögel zwitschern uns eins, fast schon die ersten "Summer days in bloom" diesen Jahres. Und dann kommt auch noch Maximilian Hecker mit seinem nun schon fünften Album One Day; schöner könnte es nicht sein.
Drei Jahre sind seit dem letzten Streich des Wahlberliners vergangen, allerdings nicht ungenützt: Im Gegensatz zu seiner Heimat nämlich erführt er im fernen Asien seit Jahren die ihm gebührende Wertschätzung. Dementsprechend widmete er sich seinen in China, Korea und Taiwan ansässigen Fans mit ausgiebigen Konzertreisen. Ein regelrechter Popstar ist Hecker im fernen Osten, mit Platten- und Werbeverträgen, hierzulande gab ihm die große Plattenfirma den Laufpass. Völlig absurd, denkt man da als Kenner seines Schaffens. Aber - Gott sei's gedankt - kommt nun auch die deutsche Gemeinde der gebrochenen Herzen in den Genuss einer neuen Portion Schmusepop.
Eines wird schon nach den ersten Liedern auf One Day klar, und zwar, dass Herr Hecker sich wieder einmal treu bleibt. Zuckersüße Popballaden zwischen Oasis und unverfrickelten Radiohead, wunderschön komponiert und instrumentiert mit dem üblichen, ineinander verwebten Sound aus Gitarre, Klavier und Streichern. Entscheidend hinzu kommt - ebenfalls wie gewohnt - Heckers zarte Jünglingsstimme, die sich von der ersten Sekunde an wie ein klebriger Honigfilm über die Songs legt und sie zusammenhält. Alles dreht sich um die Liebe, er klagt und schmachtet wie eh und je, erzählt von Sehnsucht, Verlangen und Erfüllung. Dabei schafft er aber, was wenigen gelingt: Durchgehend anmutig und verletzlich von seinem Innenleben zu singen, ohne in Kitsch und Peinlichkeit zu versinken.
Langweilig und einfallslos mögen es manche schimpfen, die Maximilian Hecker nicht kennen und lieben gelernt haben, oder einfach keinen Zugang zu gefühlsbetonter Musik von diesem Schlag haben. Viel richtiger ist allerdings, anzuerkennen, wie konstant er durchweg bezaubernde und eingängige Popmusik produziert, die trotz ihrer Homogenität kein bisschen an Schönheit und Reiz einbüßt.
"One day I'll break the chains round my heart, [...] one day all my fears of going astray will end in smoke as my angels choose to stay" heißt es im Titeltrack. Hoffentlich ist dieser Tag noch ein paar Jahre und Alben von Maximilian Hecker entfernt.
Review: Michael Döringer
Erscheinungsdatum: 03. April 2009 Label: Louisville Records
Website: www.maximilian-hecker.com Myspace: www.myspace.com/maximilianhecker
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Was soll man über die Pet Shop Boys noch schreiben, was nicht schon längst in die Welt getragen wurde? Seit beinahe 30 Jahren beglückt uns das Duo um Neil Tennant & Chris Lowe mit intelligenter Musik, ohne dass man sich bei dem Wort "Pop" den Mund mit Seife auswaschen muss. So auch beim neuesten Output Yes.
Soundmäßig hat sich, trotz der Zusammenarbeit mit dem Produzententeam Xenomania (Sugababes, Girls Aloud), nicht allzu viel verändert. Ein bisschen optimistischer vielleicht klingen die elf Songs und Johnny Marr's Gitarre & Harmonica (regelmäßiger prominenter Gast, u.a. The Smiths, Electronic, Modest Mouse) sind etwas tiefer in den Grundsound integriert als sonst. Ansonsten gibt es keine stilistischen Ausfälle bzw. Veränderungen zu vermelden. Neil Tennant's Stimme bleibt weiterhin unverwechselbar, markant und die Refrains bohren sich in gewohnter Pet Shop Boys-Manier ins Ohr, allen voran Beautiful People (mit dem Drumbeat von New Order's Crystal), Building A Wall (mit großartigem Chorus "a fine wall/ not so much to keep you out/ more to keep you in") und natürlich die aktuelle erste Single Love, etc..
Solide mögen es die einen schimpfen, zeitlos und großartig die anderen. Ich tendiere stark zu Letzterem, denn wer es schafft sich solange im (mittlerweile extrem kurzlebigen) Musikgeschäft mit durchwegs großartigen Alben zu behaupten, dem gebührt mindestens großer Respekt! Tolles Album!
Review: Marco Pleil
Erscheinungsdatum: 03. April 2009 Label: Parlophone (EMI)
Website: www.petshopboys.co.uk
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The Flames - sind das nicht die mit dem Song aus der Afri-Cola-Werbung?! Genau die sind es. Wir erinnern uns alle noch an den schlimmen Ohrwurm "Everytime I See You I Wanna Be With You" und die lächerliche Adaption des "Sonnenallee"-Tanzes. 2002 avancierte die seichte Popnummer Everytime zum deutschlandweiten Sommer-Hit und katapultierte The Flames damit in die Sparte "One Hit Wonder". Fluch und Segen zugleich. Mit ihrem mittlerweile dritten Album Caution: Heat Inside startet die Band aus Mannheim nun einen erneuten Versuch dieses "One Hit Wonder"-Ettikett loszuwerden.
Auf ihrem neuesten Werk blicken The Flames vorwiegend Richtung UK und Schweden und haben sich dabei gekonnt das ein oder andere bei ihren Kollegen abgeschaut. So hätte Lunatic Dreams mit seinem zackig-melodiösen Rhythmus auch noch aus dem Repertoire von Franz Ferdinand stammen können. Das klingt zunächst überraschend viel versprechend und weckt beim Hörer erst einmal Interesse. Was allerdings so viel versprechend beginnt, verliert leider in der zweiten Albumhälfte zunehmend an Fahrt. Songs wie Still Waiting oder Where You Are dümpeln irgendwo in der Mittelmäßigkeit herum und kochen das Album ein wenig auf Sparflamme runter. Lediglich Cape Tribulation schafft gegen Ende noch mal ein kurzes Aufflammen des Interesses beim Hörer. Schade!
Zwar birgt die erste Albumhälfte und insbesondere der bereits erwähnte Song Lunatic Dream die Hoffnung in sich, The Flames sind doch mehr als ein "One Hit Wonder", jedoch reicht es nicht ganz aus, um auf gesamter Albumlänge zu überzeugen. Eine Schwalbe macht eben bekanntlich noch keinen Sommer und somit fällt Caution: Heat Inside leider nur in die Kategorie "Kann" aber nicht "Muss".
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 03. April 2009 Label: R.D.S. (Soulfood)
Website: www.theflames.de Myspace: www.myspace.com/theflamesde
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Eine Fernbeziehung hat viele Nach- und wenige Vorteile. Einen vermeintlichen Vorteil hat sich der Stockholmer Singer/Songwriter Johannes Mayer zu Nutzen gemacht: Die vielen einsam verbrachten Stunden zwischen Vermissenskummer und den nächtlichen Anrufen seiner Freundin lassen sich bestens nutzen, um immer öfter zur Gitarre zu greifen. Mit minimalen Mitteln nimmt Mayer seine jahrelange Fernbeziehung ganz behutsam auseinander und erschafft dabei eine fragile Schönheit und intime Atmosphäre, die es würdig ist, mit einem Großen wie Nick Drake verglichen zu werden.
Bereits die ersten Klänge seines Debüts Leaving Notes sorgen für Gänsehautstimmung. Mit den wenigen akustischen Mitteln erzeugt Mayers samtige Stimme viel Wirkung. The Late Calls Songs erreichen einen dort, wo es weh tut: Mitten im Herzen. Zarte Streicherarrangements umschmeicheln Akustikgitarren, in denen sich wiederum Glockenspiel-, Akkordeon- und Piano-Klänge verlieren. Ohne in todtraurige Weinerlichkeit abzudriften, vermag der leidgeprüfte Herr zu vermitteln, was ihm auf der Seele brennt.
Mit Unterstützung befreundeter Musiker wie Andreas Söderström (Taken By Trees), Björn Kleinherz oder auch Henrik Roger, hauptberuflich Sänger von Ghost Of Tom Joad, zelebriert Mayer die Wiederentdeckung der Aufrichtigkeit. Diese in Wohlklang gepressten Gefühle sind echt. In jedem Geigenstrich, jedem noch so kleinen Zittern in der Stimme steckt eine ungeahnte Wahrhaftigkeit großer Worte über große Gefühle, die einen auf der gesamten Albumlänge kaum loslässt. Verloren in all der Melancholie erahnt man doch den Hoffnungsstreif am Horizont. Ein Jeder, der das Gefühl zwischen Abschiedstrauer und Wiedersehensglück kennt, wird sich in der luftigen Schwere Mayers Musik angekommen fühlen.
Review: Katrin Reichwein
Erscheinungsdatum: 03. April 2009 Label: Tapete (Indigo)
Myspace: www.myspace.com/thelatecall
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Vor zwei Jahren haben The View mit Hats Off To The Buskers (2007) ein erstklassiges Debütalbum hingelegt, dass sowohl von Fans als auch von Kritikern über den grünen Klee gelobt und als das nächste große Ding aus dem UK gehandelt wurde. Mit ihrem ungestümen Rock 'n' Roll-Sound spielten sie sich direkt an die Spitze der britischen Albumcharts und wurden auf der Insel mit Platin ausgezeichnet.
Eigentlich hätten The View einfach nur ihr Erfolgsrezept des ersten Album fortführen müssen. Doch das wollten die Jungs aus dem schottischen Dundee anscheinend nicht. Auf der einen Seite behält das mit Which Bitch? betitelte Zweitlingswerk natürlich den raubeinigen Charme von The View bei, aber auf der anderen Seite geht es klanglich in neue unerwartete Richtungen. Neben einigen altbekannten Nummern, die auch noch genauso gut auf dem Debüt hätten sein können, setzen The View jedoch bei ihrem Nachfolgewerk auf mit Streichern angereicherte Balladen (Unexpected) und orchestrale Shanty-Klänge (Distant Dubloon) und scheuen auch nicht den Einsatz von Jazz-Trompeten (Covers) oder Bass-Tuba (Jimmy's Crazy Conspiracy).
Textlich ist jedoch alles beim Alten geblieben. So erzählt Kyle Falconer auch hier wieder Anekdoten aus dem Leben eines Jungerwachsenen. Darüber, wie man betrunken den Straßenmarkierungen folgt, um seinen Weg nach Hause zu finden (Double Yellow Line), wie es ist, wenn man unberechtigt ins Gefängnis von Aberdeen geworfen wird (One Off Pretender), über Straßendiskussionen, die man mit der Liebsten nach einem Pub-Besuch führt (Glass Smasher) oder darüber, wie man aus einem Bordell gejagt wird, obwohl man gar nicht wusste, dass es ein Bordell war (Give Back The Sun).
Leider schafft es Which Bitch? trotzdem nicht dem Debütalbum das Wasser zu reichen. Was dem Album fehlt ist die Unbeschwertheit seines musikalischen Vorgängers. Stattdessen kommt das Zweitlingswerk an manchen Stellen etwas zu überambitioniert daher. Weniger ist eben doch manchmal einfach mehr.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 20. März 2009 Label: 1965 Records
Website: www.theviewareonfire.com Myspace: www.myspace.com/dryburgh
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Geiz kann man dem Berliner Elektro-Trio Grossstadtgeflüster nun wirklich nicht vorwerfen, befinden sich doch auf ihrem zweiten Album Bis Einer Heult! tatsächlich 16 Tracks. Da kommt schnell der Verdacht auf, dass die Qualität ob der Quantität leiden könnte. Vielleicht schließt die eine die andere aber doch nicht aus, und der kreative Output ist einfach dermaßen enorm gewesen, dass die Band keines der Lieder vorenthalten wollte. Das wird sich jetzt zeigen.
Mit dem Opener Kümmer Dich gelingt Jen Bender, Raphael Schalz und Chriz Falk auf jeden Fall ein viel versprechender Einstieg in Form eines Wechselspiels von nach vorn gehendem Sound und knarzigen Passagen, die dem Inhalt - der aus dem energischen Wunsch bei dem Traumtypen zu landen besteht - , dennoch angemessenen Platz lassen. Auch die Single Lebenslauf, mit der sich die Band gegen die Ellbogengesellschaft und ein Leben im Gleichschritt ausspricht, klingt gut. Bei genauerem Hinhören weiß man auch warum: Das NDWeske Lied speist sich aus gleich zwei Hits: zum einen wäre da Guten Tag von Wir Sind Helden. Dazu gesellt sich Plastic Bertrands Ça Plane Pour Moi aus dem Jahr 1977, woran sich aber – das muss der Fairness halber angemerkt werden - „Guten Tag“ von Wir Sind Helden ebenfalls orientiert.
Okay, es ist klar, dass kaum eine Band imstande ist, das musikalische Rad neu zu erfinden, aber ein bisschen mehr Raffinesse hätte ich mir schon gewünscht. Sei's drum. Mach Halt Was und insbesondere das die Situation des Angekotztseins thematisierende Haufenweise Scheiße sind auf jeden Fall eine mehr als angemessene Entschädigung! Doch ab Track neun bestätigt sich die Befürchtung, mit der die Rezension ihren Anfang genommen hat: die Lieder bewegen sich zwischen den Polen monoton bis nervend, weshalb sich die Weisheit Qualität vor Quantität leider bewahrheitet.
Review: Michaela Wicher
Erscheinungsdatum: 30. Mai 2008 Label: Chicken Soup Records (Groove Attack)
Website: www.gsgf.de Myspace: www.myspace.com/grossstadtgefluester
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Der Indie-Rock Zug rauscht mit Höchstgeschwindigkeit durch Europa. Während vor kurzem noch kein Ende der Reise in Sicht war, merkt man mittlerweile sehr deutlich, dass der Sprit wohl nicht mehr ewig reichen wird. Franz Ferdinand, Bloc Party und den Arctic Monkeys kann's egal sein, die haben es sich in der ersten Klasse bequem gemacht. Die zweite Klasse ist gnadenlos überbucht, selbst in der Holzklasse findet sich kein Platz mehr für weitere Bands. Höchstens ein paar Trittbretter sind noch frei, eines davon haben nun Neimo ergattert, die in Paris zugestiegen sind.
Frankreich also, das Land der Radioquote, in dem der Kampf gegen den Anglizismus immer noch oberstes Staatsziel ist. Neimo haben es dennoch gewagt, sich dem Sprachdiktat zu widersetzen und singen in akzentfreiem Englisch. Das Artwork der aktuellen CD zeigt folgerichtig einen Jugendlichen, der von Polizisten abgeführt wird. Fertig ist das revolutionäre Image!
Ganz taufrisch sind Neimo nicht, das Debütalbum wollte außerhalb Frankreichs aber nicht so recht zünden. Mit dem jetzt vorliegenden Nachfolger Moderne Incidental haben sie deutlich bessere Chancen auf den Durchbruch, denn mit Alan Moulder konnte ein Produzent der Superstar-Kategorie gewonnen werden. Der mediale "Aha"-Effekt blieb nicht aus und war sicherlich recht hilfreich beim promoten des Albums. Gitarre spielen und singen müssen die vier Franzosen aber trotzdem selbst. Was sie dabei zustande gebracht haben, klingt nicht schlecht, aber eben auch etwas langweilig. Zu oft hat man in den vergangenen Jahren schon genau das selbe gehört. Hier ein bisschen New Wave, dort ein bisschen Brit Pop, eingängige Melodien und tanzbarer Beat. Aber ein paar Mal schaffen sie es doch, sich ein bisschen wenigstens vom großen Indie-Rock-Allerlei abzuheben. Dann nämlich, wenn sie sich am schamlosesten bei den Smiths bedienen, wie etwa bei dem wirklich gelungenen Something In Common und vor allem bei Lines, dem herausragenden Stück der Platte. Weitere Anspieltipps: Johnny Five und Carsick.
Ein gutes Album, nur leider etwas zu spät! Vor drei Jahren hätten sie mit Moderne Incidental so richtig durchstarten können, anno 2009 bleibt ihnen leider nur noch das Schicksal der Trittbrettfahrer.
Review: Andreas Kussinger
Erscheinungsdatum: 27. Februar 2009 Label: R.D.S. (Soulfood)
Website: www.neimo.com Myspace: www.myspace.com/neimo
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Zwei Menschen treffen sich in einer Bar und debattieren über die Gemeinsamkeiten ihrer Plattensammlung. Was eher trivial als spannend klingt, ist Ende der Neunziger der Auslöser für die Gründung von A Camp, einer Kollaboration der Cardigans-Sängerin Nina Persson und Atomic Swing-Frontmann Niclas Frisk. Komplettiert wird das Projekt durch Nathan Larson (Shudder To Think) und Kevin March (Shudder To Think, Guided By Voices). 2001 erscheint mit A Camp das selbstbetitelte Debüt des Projekts. Acht Jahre später haben Frisk und Persson wieder zusammengefunden, um mit Colonia ein weiteres A Camp-Album zu veröffentlichen.
Opener des Longplayers ist The Crowning - ein Track, der in einem beschwingten Walzergewand daherkommt und bereits in den ersten Sekunden klar macht, dass sich bei A Camp einiges getan hat. Die amerikanischen Folkeinschläge des Debüts sind einem verspielten Popsound gewichen, auf dem sich der verstärkte Einfluss von Nathan Larson deutlich bemerkbar macht. Widmete sich der Göttergatte der Persson in letzter Zeit verstärkt der Filmkomposition, so wirken auch die Songs auf Colonia wie eine Symbiose aus Leonard Bernstein und ABBA: Musical meets Schwedenpop. Satte orchestrale Einlagen, gepaart mit zuckersüßen Melodien, die über desillusionierte Lyrics hinweg täuschen. Abgerundet wird das Ganze durch den Einsatz von Gastmusikern wie James Iha, Anna Ternheim oder Joan Wasser. Keine Frage, das hier ist Pop auf hohem Niveau. Dennoch - oder gerade deshalb - will sich Colonia nicht wirklich greifen lassen. Wie ein Film, dessen Größe man beim Schauen zwar erkennt, dessen Inhalt man jedoch nach einer Dreiviertelstunde nicht mehr wirklich wiedergeben kann. Was bleibt ist Ratlosigkeit und die bange Befürchtung, ein hoffnungsloser Kunstbanause zu sein.
Mit Songs wie Stronger Than Jesus, Love Has Left The Room oder I Signed The Line hat Colonia sicherlich große Momente. Leider reichen diese nicht aus, um auf gesamter Länge zu überzeugen. Was bleibt ist ein kühler Hauch, aber nichts von Dauer, ähnlich wie bei einem Parfüm. Nur, dass Eau de Colonia wesentlich besser riecht, als Kölnisch Wasser.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 20. März 2009 Label: Pias/Reveal (Rough Trade)
Website: www.acamp.net Myspace: www.myspace.com/acamptheband
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Der Kelch musikalischer Wiedervereinigungen geht auch an den heimischen Gefilden nicht vollends vorbei: Nach zwölfjähriger Umtriebigkeit in anderen Projekten findet die Originalbesetzung von Selig wieder zueinander, um mit Und endlich unendlich ein neues Album auf den Markt zu bringen. Bissig bis ironisch erscheint an dieser Stelle die Frage, die Jan Plewka in Die alte Zeit aufwirft: "Und all die Bands, die du gegründet hast, was wurde aus denen?"
Was aus Zinoba, Kungfu oder TempEau wurde, ist letzten Endes irrelevant. Viel wichtiger ist die Frage, welche Erwartungen an einer Band hängen, die seinerzeit als eine der maßgeblichen Deutsch-Rock-Kapellen der 90er abgefeiert wurde. Was erhofft man sich als Fan? Und wie viel davon hält ein Album, dessen Promo-Tour bereits ausverkauft ist, bevor es den Weg in die Plattenläden gefunden hat? Fragen über Fragen, die sich auf dem Schreibtisch anhäufen, während Und endlich unendlich aus den Boxen des CD-Players erschallt.
Musikalisch hat sich nicht viel verändert: Christian Neander schraddelt immer noch unumstritten gute Bluesriffs, Jan Plewka präsentiert sich nach wie vor als gekonnter Beobachter des alltäglichen Lebens, als geübter Jäger und Sammler biographischer Momentaufnahmen. Schau schau oder Du siehst gut aus sind zweifelsohne klassische Selig-Songs, die sich durchaus noch auf Selig oder Hier befinden könnten. Dazwischen liegt ein Wechselspiel aus Balladen (Der schönste aller Wege, Immer wieder) und tempogeladenen Tracks (Die alte Zeit) - das Wechselbad der Gefühle bleibt hierbei allerdings aus. Das Ganze klingt solide bis behäbig - ohne jeden Zweifel gut produziert - jedoch fehlt der Funke, der Und endlich unendlich in Brand setzt. Da nützt es auch nichts, dass es in Plewkas Venen immer noch knistert, wie er auf Ich fall in deine Arme proklamiert. Der leichte Anstrich von Lindenberg, den einige der Songs mittlerweile angenommen haben, macht das Ganze auch nicht besser.
Und endlich unendlich klingt wie der missglückte Versuch, dort anzuknüpfen, wo man vor 12 Jahren aufgehört hat. Leider scheinen Selig dabei zu vergessen, dass sich die Erde weiterdreht. Nach einer dermaßen langen Auszeit verlangt es nach einem Album, das funktioniert, wie ein Debüt, das so gnadenlos gut ist, um alte Kenner als auch Selig-Novizen überzeugen zu können. Und endlich unendlich dagegen verharrt im Mittelmaß, erinnert zwar passagenweise an die guten alten Zeiten, bringt diese jedoch nicht zurück - auch nicht, wenn man von ihnen singt. Die müssen wir uns dann schon wohl zurück trinken.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 20. März 2009 Label: Vertigo (Universal)
Website: www.selig.eu Myspace: www.myspace.com/seligmusik
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Aus Schweden. Ein Zusatz, der sofort ins Auge fällt und in Verbindung mit Popmusik eine eindeutige Richtung vorgibt. Was kann man schon großartig Schlechtes sagen über dieses Land und seine Musiker, die sich seit Jahren einen festen Podestplatz in der Weltrangliste anspruchsvoller Popmusik sichern. Das sind die unvermeidlichen Hintergedanken, die einen beim Hören des Zweitlingswerks Feeling Feline Tonight der Antennas begleiten.
"Well I'm not exactly sad", mit dieser Uneindeutigkeit eröffnet der erste Track The Collector die insgesamt 40minütige Scheibe. Und nach dem zweiten oder dritten Durchlauf des Albums beschleicht auch den schwedenpopgeübten Hörer dieses Gefühl: Nicht schlecht erst mal, aber die großen Schwächen sind auch noch nicht bemerkbar. Soviel jetzt schon: Feeling Feline Tonight entwickelt sich, heraus aus diesem Naja-Gefühl des Eingangszitats und hin zu freudiger Begeisterung.
Die drei Herren von Antennas bezeichnen ihren Sound selbst als "Balkan boogie, slacker anthems and stalker pop". Klingt vielfältig, allerdings beschränkt sich dieser Stilmix auf Andeutungen, gekleidet in klassischen Indiepop und - rock zweierlei Art: Da sind zum einen die treibenden, dancefloor-fordernden New-Wave-Gitrarren-Stücke (The Collector, Youngbloods, Look You In The Eye), zum anderen gemächlichere melancholisch-melodiöse Nummern im Stil von Arcade Fire (Cold Watery Grave, Media Training, Upwardly Mobile) an welche die Stimme von Sänger Christian Björkman sowieso permanent erinnert. Dazwischen stehen Einzelerscheinungen, wie die großartige, Synthie-geschwängerte Single Lies, das Instrumental Pianola, und das etwas öde, bluesige Exotenstück Sinners Repent (übrigens das einzige Stück, das an so etwas wie "Balkan boogie" erinnert).
Die starke Leistung der Antennas auf Feeling Feline Tonight ist es, all diese verschiedenen musikalischen Richtungen und Akzente zu einem einzigen Gefühls- und Stimmungskonzept zu bündeln, das das ganze Album beherrscht und dabei nie langweilig wird. Es ist eine melancholische und verhalten-freudige Atmosphäre, in welcher die 11 Songs perfekt funktionieren, die schwächeren Songs inklusive. Letzten Endes haben die Antennas Unrecht mit ihrer gleichgültigen Aussage zu Beginn des Albums, das Gefühl beim Hörer dieser gelungenen Platte geht eindeutig Richtung Freude. War klar, kommt ja aus Schweden.
Review: Michael Döringer
Erscheinungsdatum: 27. Februar 2009 Label: Novoton
Website: www.antennas.se Myspace: www.myspace.com/areyouantennas
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Nicht nur der Bandname strahlt kindlichen Charakter aus, auch die Songs von Now, Now Every Children drehen sich um Themen des unweigerlichen Prozesses des Erwachsenwerdens. Trotzig, aufmüpfig und doch immerzu verspielt und zuckersüß singt Cacie Dalager von kleinen Brüdern und der Freundschaft mit der Schwester. Wen mag es verwundern, waren Dalager und ihr Partner Brad Hale doch selbst noch halbe Kinder, als sie begannen, nach den Proben mit ihrer Highschool Marching Band eigene Songs zu komponieren. Ohne Bass, aber mit umso sehnsuchtvolleren Melodien schrammelt sich die Dame mit der Kleinmädchenstimme durch so schlichte wie auch eingängige Akkorde gen LoFi-Himmel. Hales drängendes Schlagzeugspiel versucht der heraufziehenden intimen Stimmung hier und da immer wieder etwas von der jugendlichen Unschuld zu nehmen. Besonders schön gelungen ist das bei Friends With My Sister. Was als sanfte Piano-Ballade mit schüchternem Glockenspiel beginnt, entpuppt sich Schicht um Schicht als noisiges Soundgebilde, das gar nicht mehr so zahm und engelsgleich daherkommt. Doch diese Ausbrüche haben Seltenheitswert. Über mehrere Hördurchgänge hinweg, drängt sich das Gefühl auf, als hätte das Duo Angst die Kontrolle zu verlieren. Now, Now Every Children bleiben in ihrem beengten Käfig aus lieblichem Wohlklang gefangen. Vornehmlich nimmt man ihr Debüt einfach als unbeschwert, frisch und ein wenig naiv wahr. Die vertonte Form ihrer privaten Tagebücher aus Teenager-Tagen, denen sie noch gar nicht so lange entwachsen sind, gestaltet sich als derart sympathisch, dass zwar jedes negative Wort in der Kehle stecken bleibt. Jedoch ist Cars schussendlich so plüschig und weich, dass man die Ecken und Kanten zwischen den elf Tracks schnell vermisst. Mit Süße und Nettigkeit allein, ist eben noch niemand durchs Leben gekommen.
Review: Katrin Reichwein
Erscheinungsdatum: 27. Februar 2009 Label: Tapete (Indigo)
Myspace: www.myspace.com/nownoweverychildren
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The Rakes sind sicher eine der besseren British-Post-Punk-Indie-Bands. Das beweist wieder einmal ihr neues Album. Obwohl es sehr, sehr schwer wurde das faszinierende Ten New Messages zu überbieten. Doch überbieten wollten die vier Londoner überhaupt nichts, ganz im Gegenteil, sie vermeiden auch auf ihrem neuen Album KLANG jegliche Repetition.
Das ist das Einzigartige dieser Band. The Rakes klingen auf jedem Album anders. Nach dem schmissigen Post-Punk-Debüt Capture/Release war Ten New Messages ihr Pop-Tanz-Hit-Album. Eine Pop-Hit-Platte ist KLANG nicht geworden, aber das wollten The Rakes auch gar nicht. "Den meisten derzeitigen Bands in London ist eine Chartplatzierung wichtiger, als ein kreatives musikalisches Kunstwerk. Diese Einstellung teilen wir nicht und mussten mal raus", sagt Bassist und Rakes-Gründer Jamie Hornsmith im Interview mit Popconnection. Für die Aufnahmen an KLANG sind die vier Haken nach Berlin gereist und haben in einer alten damaligen DDR-Radio-Station in Ost-Berlin aufgenommen. "Die Akustik dort war der Wahnsinn und wir haben sehr viel experimentiert", erzählt Jamie begeistert von den Sessions. Diese Experimentierfreudigkeit hört man. So duellieren sich bei The Woes Of The Working Woman antike Klavierklänge und "twangy-zackige" Gitarren. Überhaupt ist KLANG das raueste, schmutzigste und stürmischste Album der Rakes geworden. Songs wie „1989“ und That's The Reason erinnern zwar eher wieder an das Rakes-Debüt, heben sich aber in ihrer rauen Kreativität wieder mal von dem bisherigen Songmaterial ab. Es ist schon der Wahnsinn, wie sich die Rakes stetig weiterentwickeln. You're In It und ganz besonders das mystisch-grandiose The Final Hill sind die geheimen Hits dieser Platte und werden jetzt schon in jeder Indie-Disco rauf und runter gespielt. The Final Hill basiert auf einem wunderbar großartigem Gitarren-Riff, welches den ganzen Song durchläuft und sich mit jedem Takt steigert. Das ist der helle Wahnsinn. Alan Donohoe klang noch nicht so direkt. Er singt von gelangweilt bis verzweifelt und zusammen mit zackigen Drums, dem typisch perkussiven Bassspiel und den kantigen Gitarren haben The Rakes wieder einmal bewiesen, wofür man sie liebt.
Diese Platte ist eine urbane Reise durch Berlin. Du kannst die Hauptstadt auf diesem Album hören. Der Name dieser Platte ist Programm, denn die zehn Songs von KLANG überzeugen in ihrem rohen Sound und spielen mit schizophrener Komplexität. Was das bedeutet? Hört es Euch an. Diese Platte hört man jeden Tag mit anderen Ohren und entdeckt immer wieder etwas Neues. Das ist verrückt. Vier Londoner fuhren nach Berlin, um sich neu zu entdecken und eine Platte zu veröffentlichen, die urbaner klingt als alles Bisherige. Dies sind zehn wunderbare Songs aus dem Alltag, die mit textlichem Zynismus und wahnsinnig toller musikalischer Schepperei geschmückt wurden. Die Rakes bleiben der absolut geniale Geheimtipp unter allen Indie-Bands.
Review: Marc Philipp Meyer
Erscheinungsdatum: 20. März 2009 Label: Cooperative Music
Website: www.therakes.co.uk Myspace: www.myspace.com/therakes
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Fünf Jahre hat sich Gründer und Mastermind Krist Krueger Zeit gelassen, um den Nachfolger seines 2004er Debütalbums Best Dressed and Expressionless fertig zu stellen. Nun legt er mit Storyteller & The Gossip Columnist sein Zweitlingswerk vor. Inzwischen ist sein einstiges Solo-Projekt namens Southerly zu einer vollwertigen Band gewachsen. Neben ihm gehören seit 2006 auch Robert Bartleson (Bass), Ryan Heise (Drums) und Casey Montgomery (Gitarre, Akkordeon, Orgel und weitere Instrumente) zum festen Line-Up.
Die Orchester- und Bläser-Arrangements stammen allerdings komplett aus Kruegers Feder und bilden das tragende Fundament seiner Songs, die durch seinen sehr intimen und schnörkellosen Gesang bestimmt werden. Storyteller &The Gossip Columnist ist ein Album, das sich nicht durch hervorstechende Highlights auszeichnet, vielmehr funktioniert diese Platte als Gesamtwerk, als großes Gebilde, das in sich eine Ganzheit schafft. Ein Zusammenfließen vierzehn einzelner Songs, die so sehr ineinander greifen, dass man beinah Angst bekommt, man könnte durch das Betätigen der Skip-Taste das komplette Konstrukt zerstören.
Krueger experimentiert mit einer Mixtur aus Antifolk-, Rock- und Alternative-Country-Einflüssen, zerbricht das gängige Vers-/Reimschema, das allzu oft die heutige Poplandschaft bestimmt und sorgt auf diese Art und Weise dafür, dass Storyteller & The Gossip Columnist auch ohne Hits nicht langweilig wird. Wunderschön versponnene orchestrale Popmusik, die etwas an Brandon Benson oder The National erinnert.
Mit Storyteller & The Gossip Columnist zeigen Southerly, dass Kunst mehr ist, als die Summe der einzelnen Teile, dass eine Konzeption funktionieren kann, ohne Ausreißer zu haben. Ein Album, dass sicherlich einige Male gehört werden muss, um seine wahre Schönheit zu begreifen, bei dem sich jeder einzelne Durchlauf allerdings lohnt.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 20. März 2009 Label: Arctic Rodeo Recordings (ALIVE)
Website: www.southerly.com Myspace: www.myspace.com/southerly
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Was hat die Presse nicht alles über ihn geschrieben: Mit seinen Drogen-Exzessen und der Beziehung zu Top-Model Kate Moss landete Peter Doherty immer wieder im Zentrum der Boulevard-Blätter, die ihn abgeschrieben und verschmäht haben und lieferte den Gazetten Futter für ihre Klatschspalten. Nun veröffentlicht der Ex-Libertines und Babyshambles-Sänger mit Grace/Wastelands ein überaus beeindruckendes Solo-Debüt, das er in den Londoner Olympic Studios unter der Regie des Produzenten Stephen Street (The Smiths, Blur) aufgenommen hat.
Grace/Wastelands ist ein sehr persönliches und intimes Album, das Peter Doherty von einer ungewohnt ruhigen und empfindsamen Seite zeigt. Hier präsentiert sich das Enfant Terrible als sensibler Songwriter und Geschichtenerzähler, der sehr viel von sich preisgibt. Das Album beginnt mit einer Ode an Dohertys imaginäres Paradies, das rein und unverfälscht ist. "In Arcady your life trips along / It's pure and simple as the shepherd's song.", singt er in dem Opener Arcady, der lediglich auf Akustikgitarrenklängen basiert und von einem mit Besen geschlagenen Drumset begleitet wird. Es folgt die erste Singleauskopplung Last Of The English Roses. Hier schwelgt Doherty in Erinnerungen und zollt Tribut an ein Mädchen, das bereits seit den Kindertagen mit ihm auf derselben Wellenlänge liegt. Bei dem tragischen Liebeslied Sheepskin Tearaway, das voller transparenter Details und aufrichtiger Empfindungen steckt, muss man unweigerlich an seine Beziehung mit Kate Moss denken, wenn er singt: "She just opened her heart to a tearaway / He was covered in scars and full of heroin". Gesanglich wird Doherty hier von der schottischen Singer/Songwriterin Dot Allison unterstützt. Den Abschluss des Albums bildet Lady, Don't Fall Backwards, eine idealistische Vision von Leidenschaft und Vertrauen. Hier beschwört er seine Freundin darin, lieber in seine Arme zu fallen.
Mit Grace/Wastelands gibt Peter Doherty intime Einblicke in seine Seele und liefert eine aufrichtige Seelenschau, die sein wahres "Ich" nach außen kehrt. Vielleicht ist das Album auch eine Art Selbst-Therapie, um die Vergangenheit aufzuarbeiten.
Man mag über Peter Doherty schreiben was man will, aber sein Solo-Debüt zeigt, dass hinter diesem Mann mehr steckt als nur das Drogen-Wrack aus den Schlagzeilen. Nämlich ein äußerst talentierter Songwriter mit einer sensiblen Seele.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 13. März 2009 Label: Parlophone (EMI)
Myspace: www.myspace.com/gracewastelands
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Kurz vor dem Erscheinen seines vierten Longplayer Es brennt so schön sorgte Olli Schulz für hitzige Debatten in den Foren hiesiger Musikgazetten. Stein des Anstoßes war sein Auftritt beim Raabschen Bundesvision Song Contest mit dem Indie-Ballermann-Klopper Mach den Bibo. Dass nichts so heiß gegessen wird, wie's gekocht wurde, zeigt der Wahlberliner einmal mehr auf Es brennt so schön. Denn dass Olli Schulz wesentlich mehr kann, als für glücklich betrunken-grölende Großraumdiskothekenbesucher den Bibo zu machen und als komischer Vogel für humoristische Ausbrüche zu sorgen, hat er spätestens mit seinem letzten Album Warten auf den Bumerang bewiesen, das den Hörern einen nachdenklichen und äußerst reflektierten Musiker präsentierte.
Es brennt so schön ist quasi Olli Schulz' erstes Soloalbum, das er ohne Max Schröder aka Der Hund Marie aufgenommen hat. Dafür wurden Gastmusiker wie Bernd Begemann, Lee Buddah, Gisbert zu Knyphausen oder Christian Haake (Home Of The Lame) zur Unterstützung ins Studio rekrutiert. Und auch bei der Produzentenwahl setzte Schulz auf eine Mischung aus Altbewährtem und Neuem: Ein Teil der Platte entstand unter der Regie von Swen Meyer in Hamburg, der andere Teil in Berlin in Kooperation mit Moses Schneider.
Herausgekommen sind dabei elf Songs über die Liebe und das Leben, über das nicht Festgehalten-werden-wollen und dem nicht Loslassen-Können. Schulz bleibt der traurige Pierrot des Deutschpop, der Clown mit der Träne im Knopfloch, der melancholische Texte in locker-leichten Klangspielereien zu verpacken versteht (All You Can Eat). Überhaupt präsentiert sich Olli Schulz auf Es brennt so schön äußerst vielseitig: Ein E-Gitarrendurchkreuzter Tango (Wie Sie) findet sich ebenso im Repertoire wie banjogeschwängerte Melodien (Isabell) oder Piano-Bar-Entertainment (Wenn die Sonne wieder scheint). Dass Schulz dabei allerdings nicht in der Melancholie verharrt, zeigt das vor Optimismus strotzende Ewig leben - eine Ode an die Liebe, die Freundschaft und allem, was man nie verlieren möchte.
Um Olli Schulz selbst an dieser Stelle aus dem Pressetext zu zitieren: "...es brennt tatsächlich so schön: Das Herz, die Liebe, die Wut und natürlich auch der unbeschreibliche Irrsinn, den man in sich trägt." Genau das hört man auf seinem aktuellen Longplayer - Schulz brennt, für alles was er tut. Und er tut es verdammt gut! Von daher: Lassen wir Bibo Bibo sein, Raab Raab und konzentrieren uns auf das, worum es wirklich geht: Die Musik.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 13. März 2009 Label: Columbia (SonyBMG)
Website: www.ollischulz.com Myspace: www.myspace.com/ollischulz
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Jesses was die Zeit vergeht! In einer Epoche wo Twix noch Raider hieß und die Drei ??? noch ohne Hexenhandys ihre Fälle lösten, machte sich der Kölsche Jung Thomas Elbern auf seine musikalischen Ideen mit Hilfe von alten Atari Computern (das A und O damals liebe Kinder!), Drum Machines, 4 Spur Recorder, Gitarren und weiterem Besteck in die Welt zu tragen. Gleich im ersten Album, erschienen 1989, steckt der Song mit dem die meisten Hörer Escape With Romeo wohl verbinden werden: Somebody! Dieser bildet auch den Kern der nun vorliegenden Vergangenheitsbewältigung History. 17 Songs erfährt der Hörer aus dem breit gefächerten Schaffen von Elbern und seinen über die Jahre wechselnden Mitstreitern. Für Neueinsteiger und Schubladendenker-/sucher: Escape With Romeo machen im Kern elektronischen Rock, verwurzelt im Wave der Achtziger (New Order minus Peter Hook plus mehr Rockgitarren), zwischendurch und bis heute rechts und links mal mit einem Bein im TripHop, hier und da mal eine Akkustikballade.
Die CD kommt im limitierten Digipack. Sympathisch und informativ (ich lese so was ja sehr gerne) sind die Linernotes im Booklet. Zu jedem Song gibt es eine kleine Anekdote von Elbern, wo der geneigte Leser merkt, auch wenn manche Kommentare lediglich aus ein, zwei Sätzen bestehen, dass der gute Mann auch seit über mehr als 15 Jahren immer noch mit Herzblut bei der Sache ist. So erscheint die Compilation auch auf dem bandeigenen Label Zeitklang Records. Für Die-Hard-Fans gibt es mit Stranded einen exklusiven neuen Song zu hören und das bekannte Wings wurde soundmäßig geupdated. Letzterer klingt zwar, wie der Rest des Materials, auch nicht wirklich nach "Band", aber das ist nur ein minimaler Schönheitsfehler in einer sonst rundum gelungenen BestOf-Veröffentlichung! Empfehlung, nicht nur für die Älteren unter Euch! Und in einer ruhigen Minute sollte sich Herr Elbern mal überlegen, ob er nicht HIM verklagen sollte: die Pianomelodie aus Join Me ist ja mal wohl 1:1 aus Somebody geklaut!
Review: Marco Pleil
Erscheinungsdatum: 13. März 2009 Label: Zeitklang Records (ALIVE)
Website: www.escapewithromeo.de Myspace: www.myspace.com/escapewithromeo
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Zu viel Tourstress macht melancholisch. Zu diesem Schluss muss man bei der Lektüre der mitgelieferten Waschanleitung kommen, während man das neue The Bishops-Album hört. 157 Konzerte in eineinhalb Jahren, das macht etwa einen Gig alle drei Tage. Vielleicht klingt For Now deshalb so ernst im Vergleich zum Vorgänger.
Angesichts des außergewöhnlichen Tourpensums, das sie nicht zuletzt mehrmals auch nach Deutschland führte, muss man sich ohnehin fragen, wann die drei Briten Zeit gefunden haben, ein neues Album einzuspielen, auf dem sich obendrein 14 Songs befinden. Immerhin, und das ist die erste, äußerst erfreuliche Feststellung, an dem unvergleichlichen 60s-Retro-Sound, mit dem sich The Bishops bereits bei ihrem Debütalbum von der Masse der Indie-Bands abheben konnten, hat sich nichts geändert. Die meisten Songs sind wieder auf alt getrimmt und scheppern dahin, als wären sie vor 40 Jahren in den Abbey Road Studios aufgenommen worden. Das zweite charakteristische Merkmal des Vorgängeralbums war die Unbekümmertheit, mit der die Gebrüder Bishop und Drummer Chris McConville zu Werke gingen. Die schnellen, dreckigen Gitarren und das stampfende Schlagzeug sucht man in den neuen Songs aber meist vergebens. Alles klingt etwas schwermütiger und schläfriger. Eigentlich sticht nur die Single City Lights heraus, die auch problemlos auf dem Debütalbum Platz gefunden hätte. Die übrigen Songs plätschern ein wenig orientierungslos dahin, auch die Experimente mit Mundharmonika und Orgel ändern daran nicht viel. In guten Momenten fühlt man sich aber durchaus an The Coral erinnert. Um den Hinweis darauf, dass The Bishops vor einiger Zeit im Vorprogramm von James Blunt zu sehen waren, kommt man wohl nicht herum. Das soll ihnen aber nicht negativ angelastet werden, jede Band der Welt hätte diese Chance auf ein großes Publikum genutzt. Den schmalen Grad zwischen belanglosen Schmusesongs und gutem Rock'n'Roll sollten sie aber dennoch wieder verlassen und sich auf die Stärken des ersten Albums besinnen.
Zuviel Kritik ist aber dennoch nicht angebracht. Ein sehr gutes Album, das nur leider noch viel besser hätte sein können!
Review: Andreas Kussinger
Erscheinungsdatum: 27. Februar 2009 Label: Weekender Records
Website: www.thebishopsband.com Myspace: www.myspace.com/thebishopsuk
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Urlaub in Polen waren schon immer anders als alle anderen. Seitdem mir Jan Philipp Janzen und Georg Brenner auf ihrer Tour zum Parsec-Album im Frankfurter "Nachtleben" vor einer beschaulichen Anzahl Zuschauern mehrere offene Münder und einen musikalischen O(h)rgasmus nach dem anderen bescherten, haben sie bei mir einen Stein im Brett. Zwar wirkten sie auf ihrem Zweitling White Spot etwas verloren im Session- statt Songmodus, aber Mars-Bewohner Bertil Mark ebnete ihnen den Weg zum Pop.
Was sich auf Health & Welfare schon andeutete, wird beim vierten Output der Polenurlauber bis in die Extreme ausgelotet. Schrammelige Indie-Gitarren treffen auf Mr. Oizo-Beats, stoisches Krautrockgetrommel, Sprachsamples und undefinierbare wie faszinierende Synthie-Sounds aus Georg Brenner's Moog- und Effektburg. Das alles ist für das konventionelle Ohr zwar schwer zu (er)fassen und zu verarbeiten, aber alles andere wäre in diesem Kontext sowieso viel zu einfach. Man könnte Defender Of The Crown als Single und Anspieltipp hervorheben, aber das würde dem Potenzial dieses Longplayers nicht gerecht werden.
Urlaub in Polen haben mit Liquid einen weiteren Bastard aus allem was nicht cool und hip ist erschaffen und faszinieren damit auf voller Albumlänge! Und um Polen als Reiseziel für den nächsten Sommerurlaub zu wählen, empfehle ich die zwei Soundastronauten auch auf ihrer kommenden Tour zu besuchen. Spätestens dann werdet Ihr verstehen was ich meine.
Review: Marco Pleil
Erscheinungstermin: 27. Februar 2009 Label: Strangeways
Myspace: www.myspace.com/urlaubinpolen
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Ohne Grund haben sich The Scrags, zu deutsch: Die Gerippe, ihren Namen nicht ausgesucht. Die bekennenden Horror-Film-Fans aus Schweden holen sich ihre Inspiration aus der Videothek, von Filmen wie "Texas Chainsaw Massacre" und "Frankenstein". Wen verwundert es da noch, dass sie auf ihrem selbstbetitelten Debüt vornehmlich vom Tod, Teufeln und Friedhöfen singen. Jedoch hat sich das Quartet nicht dem düsteren Horrorpunk im Stil der Misfits verschrieben, vielmehr frönen sie dem rotzigen Schweinerock.
Bereits der Opener Psycho Cyclone, der im Gegensatz zum Weiteren nicht gerade so an der magischen Drei-Minuten-Grenze vorbeischrappt, gibt ein hohes Tempo vor. Insgesamt gehen die zwölf Songs auf The Scrags gut nach vorne und doch rinnt schon beim ersten Hören ein bitterer Beigeschmack aus dem Vampirgebiss, das den Silberling ziert. Ohne ein "Yeah" auszulassen, zelebrieren The Scrags breitbeinig rohe Gitarrenriffs. Das Schlagzeug ist nur dazu da, um ohne Plan und Ziel darauf einzudreschen. Und obwohl trotz aller Härte und Schnelligkeit immer etwas Melodie im Spiel bleibt, geht auch der Versuch einer Ballade (One Night) gnadenlos in die Hose. Heiserer Gesang und harte Breaks tun da ihr Übrigens, um The Scrags endgültig in eine Schublade mit den ganzen Schwedenbands, von The Hellacopters über die Backyard Babies bis zu Gluecifer, zu stecken. Nur: Die Originale polter(te)n einfach besser.
Review: Katrin Reichwein
Erscheinungsdatum: 06. März 2009 Label: Alleycat Records (Soulfood)
Website: www.thescrags.com Myspace: www.myspace.com/scrags
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Fünf Jahre haben sich The Prodigy für ihren aktuellen Lonplayer Invaders Must Die Zeit gelassen. Die Auszeit scheint Liam Howlett, Keith Flint und Maxim Reality gut getan zu haben: Invaders Must Die klingt überraschend frisch, als wären The Prodigy gerade erst aus dem Ei geschlüpft, um die Welt mit ihrer ureigenen Symbiose aus Punk und Rave zu erobern und zu überrennen. Als Waffe hat das Trio diesmal anscheinend den Pop für sich entdeckt.
Der Hang zum melodiösen Spiel ist auf Invaders Must Die einfach nicht zu überhören: Catchige Hooklines und einheimelnde Keyboard-Riffs (Colours, Warrior's Dance, Thunder) laden zu exstatischen Tanzflächenmanövern ein, wie man sie zuletzt in den 90ern erlebt hat, als der Rave die Clublandschaften in Beschlag nahm.
Trotz aller Poppigkeit sind The Prodigy jedoch nach wie vor nicht handzahm geworden. Songs wie Piranha oder World's On Fire verkeilen sich mit ihren abgehackten Beats und bedrohlich zerstückelten Keyboard-Sequenzen unbarmherzig im Gehörgang und sorgen für flackernde Explosionen in den Hirnwindungen. Einen ähnlichen Effekt erlebt man bei Run With The Wolves, wenn Keith Flint mit seinem sinistren Charm den Hörer fast provozierend fragt "What're you gonna do when the hounds are calling?". Hochgeschraubte Synthietürme, die sich über den Drumparts von niemand Geringerem als Dave Grohl aufbauen, machen spätestens hier unmissverständlich klar, dass The Prodigy immer noch der unbequeme Fleck auf der weißen Weste der britischen Musiklandschaft sind, der schorfverkrustete Kratzer, an dem man nicht aufhören kann zu knibbeln, die Falte, die sich auch nach dem x-ten Bügelgang nicht glätten lassen will.
Nach dem schwachen Vorgänger Always Outnumbered, Never Ougunned ist Invaders Must Die der unanfechtbare Beweis, dass mit The Prodigy nach wie vor zu rechnen ist - und dass diese Band immer unberechenbar bleiben wird. Sie sind die ewigen Wunderkinder, der Störfaktor im System – und das zu recht.
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 20. Februar 2009 Label: Vertigo (Universal)
Website: www.theprodigy.co.uk Myspace: www.myspace.com/theprodigy
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Wusstet Ihr, dass CD-Reviews einen pädagogischen Effekt haben? Ganz ehrlich, seitdem ich für die Popconnection schreibe, bin ich ein viel klügerer Mensch geworden! Seit heute z.B. weiß ich, dass die 700 eine heilige Zahl ist, es eine Legende von 700 Gewürzen des Alu Ben-Grachir (!) und 700 berühmte (?) Berge gibt und sogar 700 Todsünden (was wäre "Sieben" für ein Epos geworden...). Die Band Super700 kannte ich, dem Himmel sei Dank, schon vorher, sonst hätte ich nach diesem (Promo-)Quatsch mit Sauce erstmal keine Lust mehr auf das neue Album der Berliner gehabt. Dass der Siebener um die Geschwister Ramadani so was eigentlich nicht nötig hat, haben sie schon mit ihrem Debütalbum bewiesen.
Lovebites, der zweite Longplayer, setzt genau das fort was Super700 auf ihrem Erstling starteten: einen extrem eigenen wie faszinierenden Musikentwurf, der sich so ziemlich jeder Schublade entzieht. Und das ist das größte Kompliment, was man einer Band bzw. einem Künstler machen kann. Im Grunde ihres Herzens ist Lovebites eine lupenreine Pop-Platte. Sie ist durchaus opulent mit Streichern arrangiert aber nie überfrachtet, mal erotisch fauchend wie in Tango oder leichtfüßig tänzelnd wie in S.T.T.S.M.C., und durch den sirenenhaften Backgroundgesang der Ramadani-Schwestern fühlt man sich desöfteren mitten in einem Film hineinversetzt (ich muss dauernd an "Brügge sehen und sterben?" und "Wenn die Gondeln Trauer tragen" denken). Eine sehr eigene stilsichere Mischung, die zwar mehrere Hördurchgänge benötigt, um richtig zu greifen, dann aber kaum loslässt. Heimliche Hits des Albums sind der Uptempo-Schubser The Fortuneteller, das fast synthiepoppige We Will Never Drown und der Titeltrack Lovebites.
Warum Super700 aber demnächst als Support für die unsäglichen Polarkreis 18 verheizt werden, weiß wohl nur Motor Music. Schaut sie Euch lieber auf eigener Headliner-Tour im Club an, da wirkt der fast schon intime Pop von Lovebites am besten. Schönes Album in big red letters!
Review: Marco Pleil
Erscheinungsdatum: 27. Februar 2009 Label: Motor Music (Edel)
Website: www.super700.com Myspace: www.myspace.com/super700
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"Wenn du Songs hast, die so gut sind, dann brauchst du gar kein großes Ego." Dass Johnny Borrell, Frontman von Razorlight, sich gerne weit aus dem Fenster lehnt und sich selbst für den Größten hält, ist allseits bekannt. Doch solch großen Worten sollten dann auch große Songs folgen, um im Nachhinein nicht nur abwertend belächelt zu werden. Bei den ersten beiden Razorlight-Alben ist ihm das eindrucksvoll gelungen, so dass viele über seine Attitüde hinweggesehen und sich stattdessen an der Musik erfreut haben. Die Frage ist nun, ob Johnny diesen Standard auch beim dritten Werk Slipway Fires aufrechterhalten kann. Er selbst sagt: "Wir wissen, was wir können; und das hier ist genau das, was wir momentan zu bieten haben." Von sich selbst ist er jedenfalls überzeugt. Aber überzeugt er damit auch weiterhin seine Hörer?
Die ersten zwei Songs Wire To Wire und Hostage Of Love sind durchaus gute bis sehr gute Songs die ohne weiteres auch auf dem letzen Album hätten dabei sein können. Zum Glück waren sie es aber nicht, so dass zumindest zwei gute Songs auf diesem Album sind. Alle anderen Songs des Album sind eher mittelmäßig und wenn das wirklich das ist, was Razorlight derzeit zu bieten haben, dann ist es wenig. Die Songs bauen sich nahezu alle sehr zögerlich auf, um dann ohne ersichtlichen Höhepunkt wieder unterzugehen. Da hilft es auch nicht, wenn der Promozettel verrät, dass Johnny der Ansicht ist, dass das letzte Album "wahnsinnig große Melodien hatte", aber inhaltlich nicht gerade die beste Platte war. Bei diesem Album sollte der Fokus also vorrangig auf die Texte gerichtet werden.
Leider sind die Texte zugegebenermaßen aber auch eher schwächer als auf den beiden ersten Platten. Wenn Johnny "I am a sinner / I am a saint / I am a devil / I am the ghost" singt, dann fühlt man sich eher an Meredith Brooks erinnert als an jemanden, der es mit seinen Texten wirklich ernst meint. Insgesamt singt er doch überwiegend von Belanglosigkeiten, was vielleicht gar nicht aufgefallen wäre, wenn man nicht ausdrücklich erwähnt hätte, dass dieses Mal so sehr auf gute Inhalte geachtet wurde. Gemessen an den Ankündigungen Johnny Borrells wirkt das Album in seiner Gänze enttäuschend und versinkt schließlich im Mittelmaß des Indiepops. Und wenn der Johnny nur mittelmäßige Songs hat, dann braucht er eben doch ein großes Ego.
Review: Axel Schinkel
Erscheinungsdatum: 20. Februar 2009 Label: Mercury (Universal)
Website: www.razorlight.co.uk Myspace: www.myspace.com/razorlight
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Wenn man an das musikalische Südafrika denkt, dürften einigen Versierten vielleicht der sehr spezielle Stil Kwaito oder Miriam Makeba alias Mama Afrika einfallen. Weniger Sachkundige würden wohl noch Howard Carpendale ins Rennen schicken. Doch Dear Reader aus Johannesburg lassen nicht einmal im Ansatz erahnen, dass sie aus einer restlos überbevölkerten Stadt aus dem Land mit der höchsten Kriminalitätsrate der Welt stammen. Und obwohl sich zuletzt Bands wie Vampire Weekend dem Afro-Beat verschrieben haben und dieser so einen großen Hype erfuhr, schwarze Folklore bedient das Duo trotzdem nicht. Vielmehr haben sich Sängerin und Pianistin Cherilyn MacNeil und Multi-Instrumentalist Darryl Torr den Indie-Pop-Hochburgen USA und England verschrieben.
Die größte Metropole im südlichen Afrika bleibt bis heute von aktuellen Musiktrends unberührt. Bands auf Tour umschiffen das Kap der Guten Hoffnung. Vollkommen auf sich gestellt, entwickeln Dear Reader so auf ihrem Debüt Replace Why With Funny ein stimmungsvolles Indie-Folkpop-Album, das man so nicht von der Südhalbkugel erwartet hätte. Aufgebaut auf vermeintlich sehr einfachen Klaviermelodien, steigern sich die zehn Songs Schicht um Schicht zu intelligent-arrangierten, dramatisch-orchestralen Pop-Elegien. Dear Reader lieben filigrane wie auch übertriebene Ausschmückungen. Da türmen sich spannungsreiche Einlagen aus Piano und ausladende Choreinlagen neben Waldhörnern, Trompeten, intensiven Streichern und Glockenspiel. Die durchaus ins Pompöse abdriftenden Arrangements schrammen mitunter knapp am Kitsch vorbei, doch bekommt das Duo im letzten Moment immer noch die Kurve. Auch wenn sich der Pathos gelegentlich großspurig den Weg bahnt, verlieren Dear Reader nie die Leichtigkeit und Unbeschwertheit aus dem Blick. Dem Charme einer Sängerin wie Cherilyn McNeil, die ihre höchst persönlichen und sehr direkten Texte mit einer fragilen bis niedlichen Stimme vorträgt, kann man ohnehin nur schwer widerstehen. In seiner Reichhaltigkeit und Vielschichtigkeit schwächelt hier nicht ein Stück. Replace Why With Funny versprüht von der ersten bis zur letzten Minute größtmöglichen (Indie-)Pop-Appeal, der einen mit seiner warmen Intensität umschlingt.
Review: Katrin Reichwein
Erscheinungsdatum: 20. Februar 2009 Label: City Slang (Universal)
Website: www.dearreader.com Myspace: www.myspace.com/dearreadermusic
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Ein Jahr ohne ein neues Mando Diao-Album, das ist ja fast wie Ikea ohne das beliebte Bett Tromsø. Haben die Jungs aus dem schwedischen Borlänge in der Vergangenheit doch jedes Jahr einen neuen Longplayer veröffentlicht, so mussten die Fans im vergangenen Jahr leider ohne ein neues Mando Diao-Album auskommen. Doch nun wird die Erfolgsstory der fünf Schweden weiter geschrieben - mit ihrem mittlerweile fünften Album Give Me Fire und neuer Plattenfirma. Nach dem etwas schwachen letzten Album Never Seen The Light Of Day auf dem sie erstmals mit skandinavischer Folk-Musik experimentierten, legen Mando Diao mit ihrem neuesten Werk wieder mehr Feuer an den Tag.
Bereits die erste Auskopplung Dance With Somebody überraschte im positiven Sinne und avancierte prompt zu einem absoluten Dancefloor-Hit mit seinem 70er Jahre Disco-Einschlag. Ein Song, der sofort ins Ohr und ins Tanzbein geht: Ein stampfender Beat, eine pumpende Bassline, grelle Keyboards und sphärisch verhallende Gitarren dazu ein grandioser Refrain mit Mitsing-Charakter. Kein Wunder, dass dieser Song geradewegs auf Platz 3 der deutschen Charts geschossen ist. Der Rest des Albums steht der Single in nichts nach. Was Mando Diao auf Give Me Fire präsentieren ist zwar etwas weniger 60s Rock 'n' Roll, dafür jede Menge 70s-Rock (You Got Nothing On Me), Motown-Soul (Mean Street) und Tom Jones-Bombast (Gloria). Natürlich klingt alles immer noch nach Mando Diao und typische Rock 'n' Roll-Nummern (Maybe Just Sad) fehlen genauso wenig wie die obligatorische Ballade (Crystal). Dennoch ist es das wohl vielseitigste Album, dass die fünf Schweden je veröffentlicht haben, denn kein Song ähnelt dem anderen. Ein Album, das man zweifelsohne zu einem ihrer stärksten zählen kann. Klare Sache: Mando Diao sind und bleiben die heißeste Rock 'n' Roll Band Skandinaviens.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 13. Februar 2009 Label: Vertigo (Universal)
Website: www.mandodiao.com Myspace: www.myspace.com/mandodiao
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Als Smiths-Fan eine Morrissey-Platte in den Händen zu halten und diese rezensieren zu müssen, ist wahrhaft keine leichte Aufgabe. Zumindest nicht, wenn man diesen Mann bereits für sich als lebende Ikone auf den Sockel der Popmusik gestellt hat. Nichtsdestotrotz liegt mit Years Of Refusal das nunmehr zehnte Soloalbum von Mozza in meinem Player und wartet darauf, gehört und bewertet zu werden.
Morrissey war immer schon ein Inbegriff an Polarisation: Während die einen bereits zu Smiths-Zeiten die kontroversen Aussagen des Briten lobpriesen, seine bissig-ironischen Texte huldigten und seine Exzentrik zum Kult erhoben, kritisierten die anderen seine politischen Äußerungen und mutmaßten über seine sexuelle Gesinnung. Die Gerüchteküche brodeltet stetig. Polarisieren dürfte auch der aktuelle Longplayer von Mozza: Trotzte Morrissey mit seinem Album You Are The Quarry noch allen Kritikern, die ihn als in die Jahre gekommenen Paradezyniker abstempelten und bewies mit dem Nachfolger Ringleader Of The Tormentors allen Skeptikern, dass er das Gespür für solides Songwriting nicht verloren hat, so kommt Years Of Refusal doch eher behäbig daher.
Zwar finden sich mit der Singleauskopplung I'm Throwing My Arms Around Paris, When I Last Spoke To Carol oder It's Not Your Birthday Anymore nach wie vor großartige Stücke auf dem aktuellen Longplayer des Briten, die morrisseyesker nicht sein könnten; bei Songs wie All You Need Is Me oder der melancholischen Ballade You Were Good In Your Time fragt man sich dagegen, ob es sich um ausgemusterte B-Ware handelt. Selbst die textliche Dichte und die streichergetragene Instrumentierung vermag es nicht, die langsam aufkeimende Langeweile zu verscheuchen. Es säuselt und frohlockt, schleicht sich schmeichelnd in den Gehörgang - nur um dann genauso unaufdringlich wieder in den Tiefen des Vergessens zu verschwinden.
Auf welchen Konsens einigt man sich also letzten Endes nach einer knappen Dreiviertelstunde? Vielleicht darauf, dass Mozza nach 25 Jahren nichts mehr beweisen muss, vielleicht, dass er sich auf Years Of Refusal auch einfach weigert, dem zu entsprechen, was man von ihm erwartet. In jedem Fall bleibt ein schaler Beigeschmack beim Gedanken daran, dass ein Mann, dem man Songs wie There's A Light That Never Goes Out, How Soon Is Now oder Bigmouth Strikes Again zu verdanken hat und der die Schreibende auch ohne Marr's Unterstützung mit Solotracks wie Every Day Is Like Sunday oder You Have Killed Me emotional in die Knie trieb, nun in die Mittelmäßigkeit abzudriften scheint. Ja, es ist eine undankbare Aufgabe, als Smiths-Fan eine Morrissey-Platte bewerten zu müssen...
Review: Katja Embacher
Erscheinungsdatum: 13. Februar 2009 Label: Decca (Universal)
Website: www.itsmorrisseysworld.com Myspace: www.myspace.com/morrissey
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Liebeskummer muss nicht immer in Verzweiflung und Depression enden. Manchmal setzt das Gefühl der unerfüllbaren Liebe auch eine Kreativität frei, die ihres gleichen sucht. Man muss sich wirklich fragen, was bloß aus Verlen geworden wäre, hätten die Namensgeberinnen Vera und Lena Sänger Christoph "Crib" Vidakovic und Bassit Felix Rudorf damals nicht das Herz gebrochen. Wahrscheinlich wären diese Songs mit Hang zu emotionalen Ausbrüchen nie geschrieben worden. Das Herzeleid gehört längst der Vergangenheit an. An die Stelle von Vera und Lena sind andere getreten. Doch das Frankfurter Quartett strotzt nach langer kreativer Pause noch immer vor Ideenreichtum, der aus den Tiefen (eines verletzten) Herzen kommt.
Fast vier Jahre nach dem letzten Lebenszeichen, melden sich Verlen nun mit einem Knall (The Jaguar Conflict) und einer Doppel-CD zurück. Immer noch von Befindlichkeiten inspiriert, schwanken die ersten zwölf Songs ihres vierten Tonträgers Verlen zwischen Höhen und Tiefen. Mal laut und fordernd, im nächsten Moment sanft und zurückhaltend, immer mit Liebe zum Detail, nehmen einen zwei Gitarren, zwei Stimmen, Bass und Schlagzeug mit auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Zerreißende Gitarrenwände erzählen von Wut (Scissor Cut). Bittersüße Melancholie und zerbrechliche Klaviermelodien wissen was Verletzlichkeit (Become) bedeutet. Vera und Lena als Synonym für Leidenschaft, Liebe, Hass und all die großen Worte scheinen also doch noch irgendwo herum zu spuken.
Den zweiten Silberling schmücken nochmals zwölf Songs. Im ersten Teil finden sich Remixe von befreundeten Musikern wie Tommy Finke, Königin Mutter und Waktu Loopa. Der zweite Teil wiederum beinhaltet eine Handvoll B-Seiten und bisher unveröffentlichtes Material. Eins wird mit dieser Bonusdisc deutlich: Die Verspieltheit und Unbekümmertheit der vergangenen Veröffentlichungen ist Verlen mittlerweile ein wenig abhandengekommen. Ernsthaftigkeit steht ihnen aber auch nicht schlecht zu Gesicht.
Review: Katrin Reichwein
Erscheinungsdatum: 13. Februar 2009 Label: Waggle-Daggle Records (Broken Silence)
Website: www.verlen.de Myspace: www.myspace.com/verlen
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Dear Ghost Of Tom Joad!
Hiermit möchte ich mich in aller Form bei Euch entschuldigen! Habe ich Euch mit Eurem Debüt No Sleep Until Ostkreuz anfangs noch mit all dem deutschen Post-Punk-Allerlei in einen Sack gesteckt, kommt Ihr mir jetzt mit diesem, ja, schon fast poppigen Zweitwerk Matterhorn daher! Ich weiß nicht, ob es am unermüdlichen Touren gelegen haben mag (u.a. FestVanCleef, Support für Madsen, Kettcar, Tomte, usw.). Aber, dass man bei den Münsteranern erst knapp ein Jahr nach dem Erstling schon mit einer solchen musikalischen Weiterentwicklung rechnen durfte, ist, zumindest für mich, sehr überraschend. Und das meine ich positiv! Der ehemals, für meinen Geschmack, noch etwas quengelige Gesang von Henrik Roger hat sich zu einer echten Charakterstimme entwickelt, die mich in ihrer Dringlichkeit an Jan Elbeshausen und das großartige Marr-Album erinnert. Die Arrangements schnuppern desöfteren Koblenzer Luft (kurioserweise spielt Ex-Blackmail-Sänger Aydo Abay im Video zu ersten Single Into The Wild die Hauptrolle) und auch die Produktion von Muff Potter-Gitarrist Dennis Scheider braucht sich dieses Mal nicht hinter dem übermächtigen Schatten des Ebelhäuser'schen Tonstudio45 zu verstecken.
Man wird Ghost Of Tom Joad vielleicht vorwerfen (zu) poppig und glatt geworden zu sein, aber mit diesen starken Songs im Rücken kann ihnen das wirklich egal sein. Matterhorn ist ein gewaltiger Schritt nach vorne und durch die zusätzliche Instrumentierung mit Piano und Streichern auch ein großer zur Seite! Volle Punktzahl von mir! Meine persönlichen Anspieltipps: Der Opener Through Every Organ mit toller Vocalhook, die Vorab-Single Into The Wild und das vor Melodien förmlich umsichschlagende End Of Everything. Je einen Bonuspunkt gibt's von mir für den liebevoll gemachten Promowaschzettel (mehr davon!) und die Frise von Drummer Christoph Schneider.
Review: Marco Pleil
Erscheinungsdatum: 06. Februar 2009 Label: Richard Mohlmann Records (Indigo)
Website: www.ghostoftomjoad.de Myspace: www.myspace.com/welovetomjoad
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Modfather Paul Weller bezeichnete ihr Debütalbum Shorland als eine Ansammlung von "Fucking Smashing Tunes" und lud die Jungs aus Amsterdam im Dezember 2006 prompt als Support für zwei Konzerte nach London ein und nahm Moke im Oktober 2008 erneut als Support mit auf seine Europatour. Und auch Modezar Karl Lagerfeld zeigte sich von der Band beeindruckt und stattete sie kurzerhand mit seiner Kollektion aus. Nun erscheint ihr Debütalbum Shorland, das schon vor zwei Jahren in den Niederlanden veröffentlicht worden ist, auch hierzulande. Und wie sich bereits beim ersten Hördurchgang herausstellt, haben die beiden Herren mit ihren Begeisterungsbekundigungen gar nicht so unrecht.
Eröffnet wird das Album mit This Plan, einem Song, der durch ein kurzes Piano-Intro eingeleitet wird und sich bereits nach wenigen Sekunden in eine feine Indie/Brit-Rock-Nummer verwandelt. Es folgt die Debüt-Single Last Chance, mit dem Moke 2007 den Soundtrack für die Übertragungen der Champions League im holländischen Fernsehen lieferten. Mit einer temporeichen und eingängigen Melodie geht dieser Song sofort ins Ohr. Musikalisch bietet Shorland eine abwechslungsreiche Vielfalt aus eingängigen Melodien, wunderschönen Balladen (The Song That You Sing) und schmissigen Indie-Hymen (We'll Dance). Ein Sound, der an Bands wie Interpol oder Editors erinnert. Textlich ist Shorland ein Album, das eine Geschichte erzählt und zwar die Geschichte von Sänger und Songschreiber Felix Maginn. Er kam in Belfast zur Welt und hat die religiösen Konflikte in Nordirland am eigenen Leib miterlebt. So setzt er sich in seinen Songs mit seinen Erlebnissen und den Zuständen in Irland auseinander. Elf Songs mit Tiefgang, die stets einen Funken Optimismus in sich tragen. Emigration Song beispielsweise handelt davon, wie Maginn seinem Heimatland irgendwann den Rücken kehren musste und Here Comes The Summer erzählt von abgefeuerten Schüssen protestantischer Extremisten, die in unmittelbarer Nähe von Maginn niederschlugen. Man könnte Shorland durchaus als ein Konzeptalbum bezeichnen, jedoch ein Konzeptalbum, das nicht von vornherein als solches geplant war.
In ihrer Heimat haben die Niederländer es bereits geschafft: Das Album verkaufte sich dort inzwischen über 15.000 Mal und erreichte Goldstatus. Bleibt zu hoffen, dass ihnen auch endlich der Sprung über die Ländergrenze gelingt. Die Chancen dafür sind ziemlich groß und verdient haben sie es auf jeden Fall.
Review: Jenny Schnabel
Erscheinungsdatum: 30. Januar 2009 Label: Island (Universal)
Website: www.mokemusic.com Myspace: www.myspace.com/mokemusic
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"Dieses ewige Warten, auf dass hier irgendwas passiert, den Frust nur zu betäuben, was immer funktioniert" singt der junge Mann in An Stadt von. Und man kann nicht anders, als stumm zu nicken, wissend, was er meint, wissend, dass es dennoch irgendwo da draußen Heilung gibt. Und wenn es in Form einer Platte wie Den Umständen entsprechend ist, dem dritten Album von ClickClickDecker.
Befindlichkeitsfixierte Trivialpoesie. Dieser Linie ist Kevin Hamann alias ClickClickDecker auch auf seinem aktuellen Longplayer treu geblieben. Songs über | | | |